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Inhalt Richtung Istanbul

3

Rückblende

7

Unterwegs

17

Istanbul

17

Ausflüge

32

Ägäische Küste

35

Zentralanatolien

44

Kulturnotizen

58

Einkaufen

60

Sport

63

Essen und Trinken

65

Wichtiges in Kürze

67

Register

72

Karte

Ephesos

40

Bodrum

73

Ankara

74–75

Izmir Faltkarte

West- und Zentraltürkei Istanbul Alt-Istanbul Modernes Istanbul

76


R i c h tu n g I s ta n b u l Schnittpunkt zweier Welten

Nichts ist selbstverständlich in der Türkei. Asien? Europa? Beides. Das ist das Faszinierende an diesem Land. Schauen Sie im Atlas nach: Die Landmasse am Südufer des Schwarzen Meeres ist Kleinasien, die schon seit alter Zeit Anatolien (»Morgenland«) genannte Halbinsel. Im Westen bildet die Meerenge des Bosporus die scharfe Grenzlinie zwischen den beiden Kontinenten. An dieser Stelle liegt Istanbul, eine der größten Städte der Welt. Gehört sie zum Osten oder zum Westen? Zu beiden Welten zugleich. Die heutige Stadt ist das Produkt einer vielseitigen Geschichte. Jede Epoche gab ihr einen anderen Namen: Im Altertum hieß sie Byzanz, die orthodoxen Griechen nannten sie Konstantinopel, die Türken gaben ihr den Namen Istanbul. Seit 1923 hat Ankara im Innern Anatoliens die Rolle der politischen Hauptstadt übernommen, doch Istanbul ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum geblieben.

S. 1: Roter Teppich in der Blauen Moschee, Istanbul; S. 2: Heiliger Stier, hethitisch, Museum für Anatolische Zivilisationen, Ankara.

Istanbul und sein europäisches Hinterland stellen nur 3% der gesamten Landesfläche dar – mit ihren 780 574 km2 ist die Türkei mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Welch unterschiedlichen kulturellen Einflüssen das Land ausgesetzt ist, wird deutlich, wenn man an die europäischen und asiatischen Nachbarstaaten denkt: Griechenland und Bulgarien im Westen, Syrien und Irak im Süden, Iran, Armenien und Georgien im Osten und im Norden jenseits des Schwarzen Meeres Rumänien, die Ukraine und Russland. Über zwei Drittel der türkischen Grenze ist Küste. Die Wasser des Schwarzen Meeres fließen durch den Bosporus ins Marmarameer und von dort durch die Meerenge der Dardanellen in die Ägäis, bis sie sich schließlich mit den Fluten des eigentlichen Mittelmeers vermischen, das die türkische Südküste umspült. Die Türken mit ihrem ausgeprägten Patriotismus besitzen im Bewusstsein ihrer langen, reichen Geschichte ein bemerkenswertes Selbstvertrauen. Dies macht sie zu liebenswürdigen Gastgebern im Basar, Café oder Restaurant und besonders im eigenen Haus. Sie sind stolz auf ihre zentralasia- 3


Unterwegs Um einen Überblick über die türkische Metropole zu bekommen, haben wir das Stadtgebiet in drei Abschnitte eingeteilt: das historische Alt-Istanbul auf der europäischen Seite, das moderne Istanbul jenseits des Goldenen Horns und die Vorstadt Üsküdar am asiatischen Ufer des Bosporus.

ISTANBUL

Alt-Istanbul, Modernes Istanbul, Asiatisches Ufer Wer zum ersten Mal in Istanbul ankommt, wird sofort bemerken, dass diese Stadt sowohl zu Asien als auch zu Europa gehört. So erheben sich Minarette und Kuppeln neben Fabrikschloten und Wolkenkratzern. Auf der Straße spricht ein junger Geschäftsmann im tadellos geschnittenen Anzug eifrig in sein Mobiltelefon und stößt dabei fast mit einem alten, traditionell gekleideten Teeverkäufer zusammen, an dessen Schulter eine Kupferkanne baumelt, aus der er dampfenden, bernsteinfarbenen Tee anbietet. Überall spüren Sie das Kulturengemisch, ob Sie in Alt-Istanbul mit seinen Moscheen und KirDas Innere der Blauen Moschee ist mit mehr als 21 000 blauen Keramikkacheln ausgekleidet.

chen, Palästen und Basaren umherstreifen oder zwischen den Boutiquen, Nachtklubs, Cafés, Internetcafés und Restaurants der neueren Viertel flanieren. Alle drei Stadtteile – der alte, der moderne und der asiatische – sind von Wasser umgeben und durch Brücken miteinander verbunden. Alt-Istanbul erstreckt sich auf der Halbinsel, die im Süden vom Marmarameer und im Norden von der schmalen Bucht des Goldenen Horns be-grenzt wird. Der moderne Bezirk liegt zwischen dem Goldenen Horn und dem Bosporus, und jenseits des Bosporus zieht sich der asiatische Stadtteil zum Marmarameer hinunter. Beachten Sie auf Ihren Stadtrundgängen zwei Gefahren: Erstens haben Fußgänger gegenüber dem rasenden Auto- und Tram- 17


ALT-ISTANBUL

Eines der vielen Mosaiken in der Hagia Sophia: die Gottesmutter mit dem Kind, Kaiser Johannes II. von Byzanz und Kaiserin Irene.

verkehr überall das Nachsehen, und zweitens sind selbst die Gehsteige wegen ihrer Löcher, Stufen und hohen Randsteine nicht ganz ohne Tücken.

Alt-Istanbul Das historische Herzstück der Stadt, heute Sultanahmet genannt, führt seinen Namen auf die Moschee Sultan Ahmets zurück, die Westeuropäern als die Blaue Moschee bekannt ist. In diesem Viertel finden Sie außerdem Baudenkmäler aus der Zeit Kaiser Konstantins, daneben aber auch Justinians großartige Hagia Sophia und den osmani18 schen Topkapı-Palast. Mit diesen

Gebäuden sowie den anderen Palästen, Museen und nicht zuletzt mit seinem Großen Basar bildet Alt-Istanbul das erste Ziel jeder Stadtbesichtigung. Hagia Sophia

Die Hagia Sophia (Heilige Weisheit, türkisch Ayasofya) hat heute, abgesehen von den vier Minaretten, wieder die Gestalt einer Kirche, auch wenn sie nur noch ein Museum ist. Kaiser Justinian ließ in fünfjähriger Arbeit das bedeutendste Bauwerk der byzantinischen Kultur an der Stelle einer von Konstantin erbauten Basilika errichten, die im blutigen Aufstand von 532


zerstört worden war. Von außen wirkt der vielfach umgestaltete, unübersichtliche Bau wenig anziehend, doch der ehrfurchtgebietende Innenraum hat viele Architekten sowohl der christlichen als auch islamischen Welt beeinflusst. Die goldstrotzende Ausstattung ist zum großen Teil verschwunden; sie wurde nicht etwa von den Türken geplündert, sondern 1204 von den Kreuzfahrern. Über dem gewaltigen rechteckigen Schiff wölbt sich die riesige, von massiven Stützpfeilern getragene Kuppel mit einem Durchmesser von 31 m und einer Scheitelhöhe von 55 m. Die Wände im Vorraum (Narthex), der Apsis und auf den Emporen um das Hauptschiff zieren wunderbare Mosaiken, die zumeist aus dem 12. Jh. stammen. Die Hagia Sophia diente 500 Jahre lang als Moschee. An diese

ALT-ISTANBUL Zeit erinnern die Gebetsnische (mihrab) in der Apsis, die Kanzel (minber), die Sultansloge und eine Reihe von Medaillons mit arabischen Schriftzeichen. Hippodrom

Südwestlich der Hagia Sophia zieht sich noch immer die grasbewachsene Fläche des alten römischen Hippodroms hin. Über 100 000 Zuschauer konnten hier sportliche oder politische Veranstaltungen verfolgen. Im Jahre 330 fand an diesem Ort die Gründungszeremonie für die neue Hauptstadt Konstantins des Großen statt. Die Wagenrennen wurden häufig dazu benutzt, die Massen gegen religiöse oder soziale Maßnahmen der byzantinischen Kaiser aufzuwiegeln. Am Nordende des heute At Meydanı genannten Platzes erhebt sich ein imposanter Brun-

FRÜHERE UND HEUTIGE RANDALIERER

Istanbuls Fußballfans, besonders die Anhänger der berühmtesten Mannschaft, Galatasaray, sind in ganz Europa berüchtigt. Sie sind jedoch reine Lämmer im Vergleich zu den Sportbegeisterten in byzantinischen Zeiten. Wagenrennen im Hippodrom waren manchmal nur ein Vorwand, um dem Unmut über die Steuerlast Luft zu machen oder religiöse Zwiste auszutragen. Die Zuschauer – proletarische Grüne und aristokratischere Blaue –, hatten in ihre Proviantkörbe auch Steine und Dolche gelegt. Oft wurden Hunderte von Menschen verletzt. Bei den Wettkämpfen im Jahr 532 brachte Kaiser Justinians »versöhnliche« Rede nach dem 22. Wagenrennen die Parteien in solche Wut, dass sie gemeinsam in die Straßen der Stadt stürmten und ganz Konstantinopel in Brand steckten.

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ZENTRALANATOLIEN

Ankara, Hattuscha (Hattus,as,) bei Bog˘azkale, Yazılıkaya, Alacahöyük, Amasya, Tokat, Sivas, Kangal, Gordion, Pessinus, Safranbolu Das Gebiet zwischen Kappadokien und dem Schwarzen Meer musste die Seldschuken und ihre Vorgänger, die Hethiter, beide nomadische Hirten- und Kriegervölker aus den Steppen Zentralasiens, an ihre ursprüngliche Heimat erinnern. Die weiten Ebenen Anatoliens waren ideale Schafweiden, aber auch immer wieder offene Schlachtfelder für Eindringlinge: Nach den Hethitern kamen die Phryger unter König Midas, dann die Lyder, die Perser, die Griechen unter Alexander dem Großen, die Römer unter Augustus und byzantinische Armeen. Auf die Seldschuken folgten die Kreuzritter, die Mongolen und schließlich die Osmanen. Nebst Ankara bewahrte auch das Hinterland beeindruckende Überreste aus der Vergangenheit: hethitische Festungen in Bog˘azkale und Alacahöyük, die phrygischen Städte Gordion und Pessinus, die seldschukischen und osmanischen Städte Amasya, Tokat und Sıvas sowie der Zuchtort der nach ihm benannten anatolischen Schäferhunde, Kangal.

Ankara Ankara gliedert sich in zwei Tei44 le: das historische Zentrum rund

um die alte Zitadelle und die moderne Regierungsstadt, die sich im 20. Jh. explosionsartig entwickelte. Die Einwohnerzahl beträgt heute annähernd 3 Millionen. Der alte Teil erinnert mit mehreren, den früheren Zivilisationen Anatoliens und der osmanischen Volkskunst gewidmeten Museen an die Vergangenheit der Stadt. Im Herzen des modernen Stadtteils (Yenis¸ehir) südlich der Zitadelle bevölkern dagegen Studenten der Universität sowie Politiker und Diplomaten die Bars und Cafés des Kızılay-Distrikts. Zitadelle

Die zinnenbewehrte byzantinische und osmanische Ak Kale (Weiße Burg) thront auf einem Hügel, den bereits die Hethiter erobert hatten. Ein innerer und äußerer Mauerring aus großen Basaltblöcken, die von römischen Denkmälern stammen, dienten der Verteidigung der Anlage. Am Südtor des äußeren Rings, Hisar Kapısı, findet man eine Inschrift aus der Zeit der mongolischen Invasion. Im Innern winden sich schmale, mit Kopfsteinen gepflasterte und von osmanischen Häusern aus dem 19. Jh. gesäumte Gassen zum Burghügel hinauf.


ANKARA Aslanhane Camii

Die etwas südöstlich der Zitadelle gelegene Moschee ist die ehrwürdigste Ankaras. Das Minarett aus Ziegelsteinen (1290) ist ein schönes Zeugnis seldschukischer Architektur. Seinen Namen bekam das Gotteshaus von den römischen Steinmetzarbeiten, den Löwen (aslanhane heißt »Löwenhaus«), im Mausoleum (türbe) gegenüber der Moschee. In der Gebetshalle erhebt sich ein »Wald« von 24 Holzsäulen. Die meisten sind mit korinthischen Kapitellen gekrönt, die aus römischen Tempeln und byzantinischen Kirchen stammen. Besondere Beachtung verdienen ferner die schöne Gebetsnische mit ihren blauen Emailkacheln sowie die Kanzel (minber) – ein Juwel seldschukischer Holzschnitzkunst. Museum für Anatolische Zivilisationen

Südwestlich der Zitadelle befinden sich zwei osmanische Gebäude aus dem 15. Jh., die man renoviert und für das wichtigste Museum der Türkei hergerichtet hat. Das Mahmut Pas¸a Bedesten, das ehemalige Lagerhaus für Angorawolle, beherbergt heute die Ausstellungsräume. Im Kurs¸unlu Basalt-Relief des Gottes Haldi der Urartäer, Ostanatolien, 8. Jh. v. Chr.


REGISTER Alacahöyük 52 Amasya 52–54 Anadolu Hisarı 33 Ankara 44–49 Aphrodisias 42–43 Assos 36 Ayvalık 36 Bodrum 43 Bosporus 15, 32–34 Bursa 34 Çes¸me 38 Didyma 41 Ephesos 39 Gallipoli 34 Gordion 55–57 Hattuscha 49–51 Istanbul 17–30 Altorientalisches Museum 23 Archäologisches Museum 23 Blaue Moschee 20 Büyük Çamlıca 30 Çirag˘an-Palast 24, 32 Dolmabahçe-Palast 29–30, 32 Eminönü 24–25 Erlöserkirche des Chora-Klosters 26, 28 Galata-Turm 28 Gewürzmarkt 25 Goldenes Horn 25–26 Großer Basar 5, 23–24 Hagia Sophia 18–19, 28 72 Hippodrom 19–20

Hotel Pera-Palast 28 Istiklâl Caddesi 28–29 Mihrimah-Moschee 30 Militärmuseum 29 Moschee Süleymans des Prächtigen 24 Museum für Türkische und Islamische Kunst 22 Stadtmauer 27, 28 Taksim-Platz 29 Topkapı-Palast 21–22, 24 Üsküdar 30 Valens-Aquädukt 26 Verbrannte Säule 23 Yeni-ValideMoschee 30 Zisternen-Basilika 20, 28 Izmir 37–38 Kangal 55 Kus¸ adası 39 Marmaris 43 Milet 41 Pamukkale 41–42 Pergamon 36–37 Pessinus 57 Priene 41 Prinzeninseln 15, 32 Rumeli Hisarı 33 Safranbolu 57 Selçuk 39–41 Sıvas 54–55 Tokat 54 Troja 35–36 Yazılıkaya 51–52

DEUTSCHE FASSUNG Gunhilt Perrin, Judith Bischof REDAKTION Konrad Fuchs GESTALTUNG Luc Malherbe FOTOS istockphoto.com/Benedek: S. 1; –/nicoolay: S. 11; –/Goldman: S. 16; –/Emery: S. 18; –/Akduygu: S. 33; –/Stefan: S. 38; –/Vige: S. 42; –/Titov: S. 64; Bernard Joliat: S. 2, 6, 31, 45; hemis.fr/Frances: S. 53, 62; Huber/Schmid: S. 21; Andrew Wheeler: S. 61 KARTOGRAFIE Elsner & Schichor; JPM Publikationen Copyright © 2008, 1997 by JPM Publications S.A. 12, avenue William-Fraisse, 1006 Lausanne, Switzerland information@jpmguides.com http://www.jpmguides.com/ Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags ist es nicht gestattet, den Inhalt dieses Werkes oder Teile daraus auf elektronischem oder mechanischem Wege (Fotokopie, Mikrofilm, Ton- und Bildaufzeichnung, Speicherung auf Datenträger oder andere Verfahren) zu reproduzieren, zu vervielfältigen oder zu verbreiten. Alle Informationen sind sorgfältig überprüft worden, erfolgen aber ohne Gewähr. Der Verlag und sein Kunde übernehmen keinerlei Haftung für allfällige Fehler. Für Berichtigungen, Hinweise und Ergänzungen ist die Redaktion dankbar. Printed in Switzerland Weber/Bienne — 10100.02.3857 Ausgabe 2008


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