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zes vor der Klostermauer der Stadtgemeinde für das entgegengebrachte Verständnis. Am 13. April 1957 teilte die Stadtgemeinde der Landesregierung mit, dass die Arbeiten zur Gestaltung des Kapuzinerplatzes abgeschlossen seien und Prof. Opitz nun zu einer Aussprache eingeladen werde. Erst im Schreiben vom 7. Mai 1958 teilte die Stadtgemeinde Prof. Opitz mit, dass in dieser Woche die Plastik „Spielende Kinder“ von der Firma Ehrlich zur Aufstellung gebracht werde. Warum der dreiteilige Wegweisen, den Opitz Anfangs entwarf, nicht realisiert wurde, ist aufgrund fehlender Unterlagen unklar. Die Entwurfszeichnung von Opitz für die „Spielenden Kinder“ ist leider – genauso wie jene für den dreiteiligen Wegweiser – undatiert. Ob die Skulptur mit den Kindern ein alternatives Projekt zum großen Wegweiser darstellte und warum sich die Pläne der Stadtgemeinde änderten, ist nicht dokumentiert – möglicherweise spielten die Kosten beim Entscheidungswechsel eine tragende Rolle. Die Abrechnung, die am 14. Juni 1958 an das Amt der NÖ Landesregierung20 geschickt wurde, weist einen Betrag von S 12.800,- für die Plastik auf (S 6.000,für Prof. Opitz, S 6.405,- für Sockel und Bepflanzung, S 395,- Aufstellungskosten Fa. Richard Ehrlich).

Wieweit wurden nun die Pläne Valentins für den Kapuzinerplatz umgesetzt? Was das Haus Nr. 89 betrifft, so hatte die Stadtgemeinde Scheibbs mit der Besitzerin Luise Kühlbrand ein schweres Los zu tragen und ein schier endloser Briefverkehr mit dieser ist im Akt dokumentiert21. 1969 scheint Wilhelm Löwenstein als Besitzer dieses Hauses auf. Er hatte große Umbaupläne, die jedoch durch den Straßenbau zunichte gemacht wurden. Er musste das Haus 1972 an die Republik Österreich abtreten. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich offensichtlich noch immer Möbel und andere Besitztümer der Luise Kühlbrand im Haus. Im Mai 1973 wurde der Demolierungsbescheid ausgestellt und das Haus in der Folge abgerissen. Die Pläne Valentins dieses Haus betreffend wurden also mit Sicherheit nicht verwirklicht.

18 Aufgrund meiner Recherchen wurde die Opitz-Skulptur, die einst Wegweiser war aus dem Dornröschenschlaf geholt und ziert heute den Kapuzinerplatz in neuem Glanz.

Die geplante Kino-Aufstockung zur Errichtung eines Hotels blieb ebenfalls nur auf dem Plan bestehen. Am 25. September 1953 wurde das Elite-Kino als Neubau am Kapuzinerplatz eröffnet22. Die letzte Tonkinovorstellung fand am 30. Juni 1963 statt. Danach zog der Konsum in die Räumlichkeiten des Kinos ein23. Realisiert wurden auf jeden Fall die beiden Arkaden als Reminiszenz an das alte Wiener Tor. In engem Zusammenhang mit der Platzgestaltung steht das Haus Nr. 46, wie bereits im vorhergehenden Text oftmals erwähnt wurde. Dieses Haus beherbergt seit 1959 die Bezirksbauernkammer24. Früher stand die Marktschmiede an deren Stelle. 243

Anton Valentin - Bauten und Bauherren  

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