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Anton Valentin – Bauten und Bauherren Das Rathaus Wieselburg und seine Folgeaufträge

Irene M. Weiß Johanna Weiß


Irene M. Weiß Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß

Anton Valentin – Bauten und Bauherren Das Rathaus Wieselburg und seine Folgeaufträge in Wieselburg, Scheibbs, Petzenkirchen, Pöchlarn, Krems und Wien

Eigenverlag Irene M. Weiß Band 10


Weiß, Irene M. und Weiß, Mag.(FH) Mag. Johanna: Anton Valentin – Bauten und Bauherren Das Rathaus Wieselburg und seine Folgeaufträge in Wieselburg, Scheibbs, Petzenkirchen, Pöchlarn, Krems und Wien

1. Auflage – Wieselburg, 2011 ISBN 978-3-950 1919-1-2 Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Irene M. Weiß, A-3250 Wieselburg, Johann Wintergasse 9 Gestaltung: Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß, A-3250 Wieselburg, Johann Wintergasse 9 Druck: Druckerei Queiser, A-3300 Amstetten,Waidhofner Straße 48 Copyright © 2011 Irene M. Weiß, Wieselburg


Inhalt

Vorwort Irene M. Weiß . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 5 Danke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 6 Vorwort Johanna Weiß . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 7 Anton Valentin – Leben und Werk. . . . . . . . . Rathaus Wieselburg. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Haus Geissler, Wieselburg. . . . . . . . . . . . . . . . „Der Planer von Scheibbs“. . . . . . . . . . . . . . . . Volksbank Wieselburg. . . . . . . . . . . . . . . . . . . Volks- und Hauptschule Wieselburg . . . . . . . Riedmüller Villa, Wieselburg. . . . . . . . . . . . . Haus Batscher, Wieselburg. . . . . . . . . . . . . . . Ein- oder Zweifamilienwohnhaus. . . . . . . . . . Anton Fahrner, Wieselburg. . . . . . . . . . . . . . . Haus Wiktora, Wieselburg . . . . . . . . . . . . . . . Unverwirklichte Pläne für Petzenkirchen . . . Haus Moser, Wieselburg . . . . . . . . . . . . . . . . . Haus Wüster, Wieselburg . . . . . . . . . . . . . . . . Haus Lossgott, Wieselburg . . . . . . . . . . . . . . . Vorschuss- und Sparverein, Petzenkirchen. . Luise Bartenstein, Krems. . . . . . . . . . . . . . . . . Moritz Greger, Wieselburg. . . . . . . . . . . . . . . . Kriegerdenkmal Wieselburg . . . . . . . . . . . . . .

Seite 9 Seite 19 Seite 50 Seite 58 Seite 69 Seite 73 Seite 75 Seite 87 Seite 90 Seite 91 Seite 102 Seite 109 Seite 114 Seite 128 Seite 133 Seite 142 Seite 147 Seite 148 Seite 154

Haus Nemecek, Wieselburg. . . . . . . . . . . . . . . Villa und Druckerei Faber, Krems . . . . . . . . . Dr. Andreas Frank, Wien/Petzenkirchen . . . Familie Mayrhofer, Petzenkirchen. . . . . . . . . Diverse Projekte Wieselburg. . . . . . . . . . . . . . Josef Schildberger, Petzenkirchen . . . . . . . . . Dollfuß-Denkmal, Weinzierl. . . . . . . . . . . . . . Bertha Vogel, Wieselburg . . . . . . . . . . . . . . . . Baumgartner, Krems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Familie Geist, Wien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tabak-Hauptverlag, Krems. . . . . . . . . . . . . . . Familie Back, St. Pölten. . . . . . . . . . . . . . . . . . Pläne für den Stadtkern Scheibbs. . . . . . . . . . Rathaus Scheibbs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wohnhausanlage Uferstraße, Scheibbs. . . . . Kapuzinerplatz Scheibbs . . . . . . . . . . . . . . . . . Frisiersalon Josef Pils, Pöchlarn. . . . . . . . . . . Landesberufsschule, Pöchlarn. . . . . . . . . . . . . Valentin oder nicht Valentin?. . . . . . . . . . . . .

Seite 163 Seite 179 Seite 182 Seite 188 Seite 191 Seite 196 Seite 198 Seite 200 Seite 201 Seite 203 Seite 204 Seite 208 Seite 212 Seite 218 Seite 223 Seite 234 Seite 244 Seite 246 Seite 250

Werkverzeichnis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 257 Fußnoten und Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . Seite 263


Vorwort Irene M. Weiß Geboren und aufgewachsen in Puchenstuben, war mein kindliches Dasein sehr beschaulich. Unser Leben orientierte sich entlang der Mariazellerbahn; Zur Schule fuhr ich nach Kirchberg a.d. Pielach, zum Zahnarzt und zum Friseur nach Mariazell. Wollten wir nach Scheibbs, so mussten wir uns darauf einstellen, dass wir einen Tag lang unterwegs waren, weil der Postbus nur morgens und abends die Route Puchenstuben-Scheibbs fuhr. Als meine Eltern Ende der 1960er Jahre ein Auto kauften, fuhren wir etwa einmal pro Jahr in Richtung Donau – exakt zum Donaukraftwerk Ybbs, um die Schiffe anzuschauen. Bei dieser Gelegenheit passierten wir auch jedesmal Wieselburg – ein Ort, der mir bis dahin völlig unbekannt war. Später erkannte ich ihn schon am Bierglas, das auf der alten Brauerei angebracht war, und am Rathaus. So wie mir mag es vielen Durchreisenden gehen – sie nehmen das Rathaus wahr, das durch seine zentrale Lage unübersehbar ist. Doch wieviele Wieselburger wissen, wer das Rathaus geplant hat? Es werden wohl nicht allzuviele sein. Die wenigen, die den Namen des Erbauers kennen, wissen aber wahrscheinlich nichts über ihn und sein Oeuvre – wissen nicht, dass er zahlreiche Spuren in Wieselburg hinterlassen hat, dass er auch sehr intensiv für die Stadt Scheibbs tätig war und seine Planungsarbeit auch in Petzenkirchen Niederschlag fand.

Der Rathausbau öffnete Anton Valentin viele Zugänge zu Wieselburger Familien, die ihn durch Erzählen und Empfehlungen weiter bekannt machten. Auf diese Weise entstand ein Netzwerk, das bis Krems und zurück nach Wien reichte. Der direkte Anstoß, sich mit Valentins Werk und Leben in Form eines Buches zu beschäftigen, war meine Tochter. Sie schrieb im Vorjahr ihre Diplomarbeit über die Einfamilienhäuser Valentins und meinte, dass es eine gute Gelegenheit wäre, das Fachwissen aus der Diplomarbeit mit den Geschichten über die Bauherren und deren Familien zu verknüpfen. Da ich eine leidenschaftliche „Recherchiererin“ bin, nahm ich meine Forschungen sofort auf und meine Tochter suchte noch einmal das Archiv des Architekturzentrums Wien in Möllersdorf auf, um in Valentins umfangreichem Nachlass zu stöbern und die für dieses Buch relevanten Pläne zu fotografieren. An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei Frau Monika Platzer und Frau Mag. Katrin Stingl vom Architekturzentrum Wien für ihre Unterstützung. Mein Mann kennt wie sonst niemand das Stadtarchiv Wieselburg. Sein Wissen um die Inhalte verschiedener Bauakte und Protokolle war mir wieder eine große Hilfe. Mit meinen Fragen löcherte ich Privatpersonen, Gemeindebeamte und vor allem auch Frau Mag. Elisabeth Valentin, die Schwiegertochter des Architekten und meine geduldigste Quelle. 5


Lieber Leser, ich hoffe, dass Sie Gefallen finden an dem, was wir in diesem Buch festgehalten haben: Das Leben Valentins, sein Wirken in der Region, ausgelöst durch den Rathausbau und bedingt durch den Aufbau eines Netzwerkes, das Valentin eine große Anzahl von Folgeaufträgen sicherte – aber auch das Leben und die Geschichte der Bauherren und deren Familien, soweit ich sie eruieren konnte. Johanna hat den architektonischen Teil des Buches übernommen, nämlich die Beschreibung der Bauwerke, sowie deren Vergleich untereinander. Die Zeit vom Beginn der Arbeit an diesem Buch bis zum Tag der Präsentation war wieder sehr arbeitsintensiv, aber ungemein bereichernd und interessant. Die Zusammenarbeit mit Johanna war wie immer geprägt von Zielgerichtetheit und Ruhe – eine Zusammenarbeit, wie man sie sich besser nicht vorstellen kann.

Ich bedanke mich nun bei allen, die mir mit dem Schatz ihres Wissens und ihrer Erfahrung geholfen haben, die Mosaiksteinchen zusammenzutragen, die letztendlich dieses Buch ergaben. Ich danke auch allen, die mir ihre Bilder zur Verfügung gestellt haben und ich bedanke mich bei allen Gemeinden für die Mithilfe und das Entgegenkommen, ebenso der Volksbank Wieselburg und der Sparkasse Scheibbs, wo ich ebenfalls recherchierte. Nun aber wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen dieses Buches und beim Kennenlernen des Architekten Anton Valentin und seines Werkes! Herzlichst

Irene M. Weiß

Herzlichen Dank Architekturzentrum Wien, Monika Platzer und Mag. Katrin Stingl / Anton Bauer / Ernst Bauer / KR Karl Böhm / Peter Ebner / Walter Fritz / Robert Gnant / Karl Gruber / Josef Hofmarcher / Prof. Hans Hagen Hottenroth / Karl Jägersberger / Prof. DI Ernst Kalt / Dr. Johannes Kammerstätter / Eberhard Kitzmüller / Heidi Lantin / Gerlinde Malek / Dr. Helmut Malek / Marktgemeinde Golling / Marktgemeinde Neumarkt/ Ybbs / Marktgemeinde Petzenkirchen / Irmi Mährenhorst / Ludwig Mayr / Luise Mayrhofer / Heinz Mayrhofer / Messe Wieselburg / Gertrude und Karl Moser / Anny Nemecek / Gernot Nemecek / Heinz u. Gerlinde Nemecek / Rosa Nemecek / Paula Neubacher / Walpurga Niebauer / Ing. Berthold Obermüller,

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Landesberufsschule Pöchlarn / Reinhold Pflügl / Erika Rüpschl / Christiane und Johann Scheiblauer / Franz Scheichelbauer / Sissy und DI Hannes Scheruga / Gerhard und Hermi Schildberger / Helmut und Erika Schildberger / Stadtarchiv Scheibbs, Dir. i. R. Johann Schagerl / Stadtarchiv Wieselburg, Mag. Hermann Weiß / Stadtgemeinde Hainfeld / Stadtgemeinde Melk / Stadtgemeinde Pöchlarn / Stadtgemeinde Scheibbs / Sparkasse Scheibbs, Dir. Johannes Schragl / Waltraud Straßmayr / Wolfgang Thanel / Oberstadtbaurat DI Peter Valentin / Mag. Elisabeth Valentin / Gerhard Wieland / DI Heinrich Winzberger / Helene Wurzinger / Thiele Wüster / Manfred Zwirner


Vorwort Johanna Weiß Wie dieses Buch entstand? Es begann mit meiner Diplomarbeit über „Das Werk des Architekten Anton Valentin unter besonderer Berücksichtigung seiner Einfamilienhäuser“ am Institut für Kunstgeschichte an der Universität Wien. Ausschlaggebend für die Themenwahl war das Wieselburger Rathaus. In Wieselburg aufgewachsen, war es stets im Stadtbild und in meiner Erinnerung präsent. Sowohl seine besondere Lage am Zwickel von Grestner Straße und B 25 bzw. am Anfang des Hauptplatzes, als auch sein außergewöhnliches und aus dem übrigen Stadtbild herausstechendes Aussehen, machten das Rathaus interessant. Zusätzlich reizte mich die Tatsache, dass über den Architekten kaum etwas bekannt war – lediglich sein Name: Anton Valentin. Dies war Ansporn für mich, die Recherchen nach diesem Unbekannten aufzunehmen. Ziemlich schnell wurde ich im Architekturzentrum Wien fündig, das den Nachlass Anton Valentins verwaltet, den die Familie Valentin zur Verfügung gestellt hatte. Dieser Nachlass umfasst mehrere hundert Pläne, deren gesamte Behandlung den Umfang einer Diplomarbeit gesprengt hätte. Deshalb beschränkte ich mich vorerst auf die Stilanalyse von Valentins Einfamilienhäusern. Während meiner Recherchen entdeckte ich immer mehr Projekte in Wieselburg und Umgebung, die auf Valentins Planung zurückgingen – auch diese wollte ich gerne erfassen und dokumentieren. Da meine Mutter eine passionierte Heimatforscherin ist, war es nicht schwierig, ihr den Floh ins Ohr zu setzen, ein Buch darüber zu verfassen. Anton Valentin ist ein Zeitgenosse großer österreichischer Architekten wie Adolf Loos und Josef Frank, doch erlangte er nicht deren Bekanntheitsgrad. Das Werk des Wiener Architekten und Zivilingenieurs umfasst zahlreiche Entwürfe, deren Spektrum von öffentlichen Bauten über Grabstätten und Denkmäler bis hin zu Fabriksbauten reicht. Einen beachtlichen

Teil seines Oeuvres machen Pläne für Einfamilienhäuser aus, die ihre gestalterische Blüte am Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre hatten. Die Stilanalysen in diesem Buch sind hauptsächlich auf diese Häuser bezogen und teilweise meiner Diplomarbeit entnommen. Jene Textpassagen, die ich verfasste, sind mit diesem Sternchen * versehen. Über den Architekten Anton Valentin gab es bislang noch keine eigenständige Publikation. Lediglich Friedrich Achleitner erwähnte in seinem Führer der Architektur des 20. Jahrhunderts unter anderem das Haus Lagler in der Josef Listergasse im 13. Wiener Gemeindebezirk, da es eine für ihn interessante Treppenhauslösung aufweist. Diese Treppenlösungen finden sich im Werk Valentins immer wieder – wie Sie beim Lesen sicherlich bald bemerken werden. Weiters wurde in der Zeitschrift „Österreichische Bauund Werkkunst“ im Jahre 1929 das Rathaus Wieselburg abgebildet, leider ohne dazugehörigen Text, im darauffolgenden Jahr wurden Valentins Möblierungspläne für die „Wohnung R.“ (=Riedmüller) vorgestellt. Im Jahre 1927 wurde Valentins Beitrag zu dem Wettbewerb Gaudenzdorfer Gürtel publiziert. Meine Baubeschreibungen, die teilweise sehr ausführlich sind, sollen Ihnen helfen, die Objekte genauer in Betracht zu nehmen und sie möglicherweise mit anderen Augen zu sehen. Ich habe mich auch bemüht, stilistische Zusammenhänge in seinem Oeuvre aufzuzeigen. Ich wünsche Ihnen viele interessante Stunden beim Lesen dieses Buches und beim Erforschen von Valentins bemerkenswerter Architektur.

Ihre Johanna Weiß 7


Anton Valentin Leben und Werk Anton Valentin kam am 25. Mai 1895 in Wien als Sohn des Rechnungsoffizials im Finanzministerium Anton Valentin und seiner Frau Anna, geborene Girschik, zur Welt. Valentin hatte 11 Geschwister, von denen drei früh verstarben. Während die Mädchen für Ehe und Haushalt erzogen wurden, erhielten die Söhne eine solide Ausbildung: Franz wurde Doktor der Veterinärmedizin und arbeitete zeitlebens im Veterinäramt der Gemeinde Wien. Anton wurde Architekt. Wilhelm, der jüngste Bruder, wurde Bauingenieur und trat in das renommierte Ingenieurbüro Emperger-Kugi ein, das er zuletzt inne hatte. Paul wurde Oberbuchhalter und arbeitete später als Steuerberater.1 Anton Valentin besuchte die Unterrealschule im 6. Wiener Gemeindebezirk. 1910 trat er in die Staatsgewerbeschule in der Schellinggasse in Wien I, Abteilung Hochbau ein, wo er 1914 seine Reifeprüfung ablegte. Noch im selben Jahr erhielt er die Einberufung zum Militärdienst. Alle vier Kriegsjahre kämpfte Valentin bei der berittenen Artillerie und es blieb ihm nicht erspart, an Kriegsschauplätzen wie Verdun und am Isonzo das Grauen des Krieges hautnah mitzuerleben. 1918 rüstete er als Leutnant der Reserve ab. Im März 1918 inskribierte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Im ersten Jahr studierte er bei Professor Leopold Bauer und absolvierte zusätzlich die Hilfsfächer Kunstgeschichte und Perspektive. Darauf folgte ein Studienjahr bei Prof. Franz Freiherr von Krauß. Auf Valentins Studienbogen ist der Vermerk „Fähnrich“ zu finden. Das ist der Grund für die verkürzte Studiendauer von nur fünf Semestern, die nach dem Ersten Weltkrieg als Sonderregelung für abgerüstete Soldaten galt.2 Am 23. Juli 1920 erhielt Valentin aus den Händen von Rektor Prof. Edmund Hellmer und Prof. Krauß das Abschlusszeugnis mit folgendem Vermerk: „Unter Prof. Leopold Bauer arbeitete Herr Anton Valentin an

01 Anton Valentin beim Wandern mit seiner Verlobten Theodora Schaufler und deren Schwestern Rosa (links) und Mathilde (rechts außen), zu Beginn der 1920er Jahre.

Studienblättern und dem Entwurf für einen Landsitz mit Kellereianlagen und Weinausschank bei Wien. Unter dem Gefertigten folgten der Entwurf für ein Miethaus und Fabriksgebäude in Wien, VI. Bez. und der großzügige Plan für die Tierärztliche Hochschule nebst Kliniken für Wien. Die eigenartigen Aufgaben fanden glückliche Lösungen, wozu Herr Valentin durch seine Begabung, sein verständnisvolles Eingehen in die Bedingungen des Programms und seinen Fleiß sich voll befähigt erwies.“3 Weiters ist noch angemerkt, dass Valentin für den Entwurf eines Dollfuß-Denkmales einen Preis von 100 S erhielt. Die Verleihungsurkunde zum Haggenmüller-Preis trägt das gleiche Datum wie das Abschlusszeugnis der Akademie. Der Preis wurde Valentin vom Professorenkollegium der Akademie der bildenden Künste in Wien verliehen und belief sich auf 120 Kronen. 9


02 Anton Valentin mit seiner Tochter Dorli im Jahre 1927.

Das Arbeits-Zeugnis von Architekt Ing. Karl Krist bescheinigt, dass Valentin von 28. Jänner 1920 bis 31. Mai 1921 zur vollsten Zufriedenheit als Atelierchef und Bauleiter im Büro Lauterbach & Krist in der Boltzmanngasse 22 in Wien gearbeitet hatte und sein Austritt aus der Firma auf eigenen Wunsch erfolgte.4 Ein weiteres Zeugnis, wie es besser nicht sein könnte, stammt von Architekt P. J. Manz aus Stuttgart. Nachdem dieser aufgezählt hatte, an welchen Objekten Valentin gearbeitet hatte, schrieb er folgendes: „Herr Valentin hat alle diese Objekte mit mustergültiger Pflichttreue und unermüdlichem Fleiß zu meiner und zur vollsten Zufriedenheit der Bauherrn durchgeführt. 10

03 Die Streckenkarte Valentins, der zeitlebens mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war.

Er hat es namentlich ausgezeichnet verstanden, sich bei den Unternehmern trotz der außerordentlich schwierigen Wirtschaftslage durchzusetzen, und hat sowohl meine, wie die Interessen der Bauherrschaft in weitgehendster Weise zu wahren verstanden. Herr Valentin verlässt seine Stellung bei mir, um wieder nach Wien zurückzukehren. Ich habe die Absicht, Herrn Valentin mit Bauten in Wien weiter zu beschäftigen, und würde mich sehr freuen, wenn sich dies möglich machen ließe. Ich sehe Herrn Valentin schweren Herzens aus meinem Hause scheiden und kann ihn namentlich auch wegen seines vorzüglichen Charakters, seinem konzilianten und doch beschei-


04 Der Entwurf zum Firmenschild.

denen Betragen überall aufs Wärmste empfehlen. Für sein ferneres Wohlergehen begleiten ihn meine herzlichsten Glückwünsche.“5 Valentin weilte von 22. Februar 1922 bis 7. November 1923 in Stuttgart bei der Firma Manz, die auch ein Zweigbüro in der Porzellangasse 37 in Wien hatte. Zwischen seiner Tätigkeit bei Lauterbach & Krist und jener in Stuttgart bei Manz, plante Valentin das Einfamilienhaus für Dozent Dr. Karl Lindner in der Buchleitengasse in Wien 18. Der Plan ist mit 20. Dezember 1921 datiert. Er weist zwar keine Unterschrift von Valentin auf, befindet sich aber in dessen Nachlass im Architekturzentrum Wien. Dr. Lindner war ein Verwandter der Familie Valentin und versuchte wahrscheinlich durch diesen Auftrag dem jungen Architekten unter die Arme zu greifen. Bei welcher Firma Valentin bis zum Jahresende 1926 beschäftigt war und an welchen Projekten er beteiligt war, lässt sich nicht belegen – vermutlich aber arbei-

05 Anton und Theodora Valentin mit Sohn Peter 1931 im Rathauspark.

tete er in dieser Zeit bereits selbstständig. 1925 plante er gemeinsam mit den beiden Architekten Reiter und Rummler den sogenannten „Grossmann-Hof“, einen kommunalen Wohnbau des „Roten Wien“, der 88 Wohnungen fasst. Am 9. Dezember 1926 erhielt Valentin vom Bürgermeister der Stadt Wien per Dekret die „Befugnis“ zum Zivilarchitekten erteilt. Ein Brief an die Direktion des Stadtbauamtes Wien zeigt, dass Valentin mit 1. Jänner 1927 seine Kanzlei in der Bürgerspitalgasse 20 in der 11


Wohnung seiner Eltern eröffnete. Im zweiten Halbjahr des Jahres 1927 wurde Valentin in die Ingenieurkammer für Wien, Niederösterreich und Burgenland aufgenommen.6

Am 29. Dezember 1924 heiratete Anton Valentin seine große Liebe Theodora Schaufler. Das Paar hatte drei Kinder: Theodora, genannt Dorli, wurde am 28. Oktober 1926 geboren und verstarb zweijährig im Jahre 1928. Sohn Peter wurde 1928 geboren und Georg im Jahre 1931. DI Peter Valentin studierte Architektur und war bis zu seiner Pensionierung als Oberstadtbaurat beim Stadtbauamt der Stadt Wien beschäftigt. Er ist verheiratet mit Elfriede – das Paar hat drei Söhne: DI Stefan Valentin studierte Kulturtechnik, DI Christoph Valentin studierte Elektrotechnik und DI Gottfried Valentin studierte Bauingenieurwesen. Dr. Georg Valentin studierte Bauingenieurwesen, begann seine Laufbahn an der Technischen Universität Wien als Assistent und beendete sie als ordentlicher Universitätsprofessor. Er verstarb am 2. Dezember 2004. Georg hat mit seiner Frau Mag. Elisabeth Valentin zwei Söhne: DI Bernhard Valentin studierte Elektrotechnik und Mag. Michael Valentin absolvierte sein Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien. Anton Valentins Ehefrau Theodora, genannt Dora, war künstlerisch interessiert. Da ihr Bruder Georg Assistent an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt war, konnte sie einige Zeit dort verbringen. Sie besuchte auch die Kunstgewerbeschule. Nach dem Ersten Weltkrieg, der ihrem Bruder das Leben gekostet hatte, sowie nach dem Tode ihres Vaters, der Buchhändler in Leoben und zuletzt Archivar im Wiener Musikverein gewesen war, mussten sich Theodora und ihre Schwestern Mathilde und Rosa nach einem neuen Brotwerwerb umsehen. Dora fand – ebenso wie Mathilde – eine Anstellung im Innenministerium. Rosa arbeitete im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, wurde wirklicher Amtsrat und setzte sich in ihrer Freizeit für die Rechte der österreichischen Frauen, insbesondere der Beamtinnen ein. 12

06 Theodora mit Peter stehend und Georg im Kinderwagen im Mai 1932.

Anton Valentin war ein aufrichtiger, geradliniger Charakter, ein guter Zeichner, der Freude an der Natur und der Musik hatte. Allem voran aber liebte er seine Arbeit – heute würde man ihn wohl als „Workaholic“ bezeichnen. Da er die Honorarnoten für seine geleisteten Arbeiten immer sehr verspätet ausstellte, kämpfte er zeitlebens mit Geldschwierigkeiten. Wie aus verschiedenen Gemeindeprotokollen bekannt ist, erstellte Valentin auch den einen oder anderen Plan kostenlos, sozusagen als Draufgabe zu einem bereits durchgeführten Projekt. Seine Teilnahme an zahlreichen Architekten-


Wettbewerben kostete sehr viel Zeit und Energie und brachte kaum Geld ein. Valentin arbeitete fast immer alleine, nur bei Großaufträgen ließ er sich gelegentlich von Ferialpraktikanten helfen. So findet sich in seinem Tagebuch im Jahr 1936 vereinzelt der Name „Zohles“, der für ihn Zeichenarbeit erledigte. Auch seine beiden Söhne Peter und Georg halfen als Studenten während der Ferien im Büro aus. Nach seiner Heirat wohnte und arbeitete Valentin noch eine Weile bei seinen Eltern in der Bürgerspitalgasse 20. Später übersiedelte er mit seiner Familie in den 9. Bezirk, in die Boltzmanngasse 15. Sein Atelier befand sich innerhalb der Wohnung. Er war rastlos in seiner Arbeit und die Eintragungen im Tagebuch kennen selten einen Ruhetag. Überhaupt gibt sein Tagebuch wenig Aufschluss über sein Privatleben, deshalb möchte ich einige der seltenen privaten Eintragungen hier wörtlich zitieren: 5.1.1936: Traugott L. bei mir um Algebra-Nachhilfe für Schule 31.1.1936: Dora krank –Zahngeschwulst – liegt. 4.2.1936: Dora schon auf, noch nicht gesund. 11.2.1936: Abends Elternvereinigung 18.2.1936: Peter Zeugnisferien letzter Tag 23.2.1936: Mutters Geburtstag 28.2.1936: Dora Geburtstag 5.3.1936: Marod zu Bett gelegen. 21. und 22.3.1936: Ich marod, Kehlkopfkatharr 1. und 2.4.1936: Nachmittags mit Dora und Kindern bei Unger gewesen. 24.4.1936 Nachmittags bei Unger – Anzug passt. 21.5.1936: Peter erste Schulkommunion. 26.5.1936: Fußmarod – deshalb abends nicht in Gen. Vers. d. Z.V. (Anm: = Generalversammlung der Zentralvereinigung der Architekten). In der Folge mehren sich die Einträge über die Teilnahme an Sitzungen im Z.V., denn offensichtlich war Valentin im Arbeits- und Wettbewerbsausschuss, in diversen Unterausschüssen und im ÖNORM-Ausschuss. Die Sitzungen waren sicherlich sehr zeitraubend und fanden oft schon am Nachmittag statt. Der erste Urlaubseintrag im Tagebuch von 1936 lautet folgendermaßen: „4. Juli 1936: Schulschluss! Bis 6. Juli

07 Anton Valentin mit seinen Söhnen Georg am Schoß und Peter stehend, 1934/35.

mittags Urlaub.“ Am 1. Juli 1936 ging Valentin „um 11 Uhr auf Weekend“ – zu dieser Zeit weilte seine Familie bereits auf Sommerferien in Unter-Oberndorf, einer Ortschaft zwischen Neulengbach und Eichgraben, die mit dem Zug gut erreichbar war und in der die Familie ein Sommerhäuschen gemietet hatte. Am 25. Juli fuhr Valentin „nachmittags mit 1/2 5 Uhr Zug nach Oberndorf“ und hatte den „Sonntag dortselbst verbracht“. In der Folge besuchte Valentin seine Famlie fast an jedem Wochenende in Unter-Oberndorf – bis zum 9. September, an dem „Dora mit Kindern vom Landaufenthalt zurückgekommen“ ist. 13


08 Anton Valentin mit den Söhnen Georg und Peter, Schwiegermutter Katharina Schaufler und seiner Frau Theodora.

Im Jahre 1936 finden sich auch mehrere Einträge, die auf die berufliche Verbindung Valentins zu Professor Ferdinand Opitz hinweisen – jenem Bildhauer, der in Scheibbs die „Spielenden Kinder“ für einen Wegweiser am Kapuzinerplatz, dessen Planung in den Händen Valentins lag, geschaffen hat. 1937 war offensichtlich ein Jahr, in welchem Valentin mit seiner Gesundheit zu kämpfen hatte, denn es finden sich zahlreiche Einträge über Arztbesuche und Kurzwellen-Therapien im Wilhelminenspital. Ansonsten war dieses Jahr von der Planungs- und Bauarbeit zum Projekt „Kahlenberg“ geprägt. Es finden sich fast täglich Aufzeichnungen über die Arbeit daran. Valentin suchte oft die Baustelle auf, hatte zahlreiche Wege in den diversen Ministerien zu erledigen und an Besprechungen mit Ministerialräten und Sektionschefs teilzunehmen. Wirklich arg gegen seinen guten Charakter ging ihm die Sache mit Baumgartner in Krems. Dieser hatte Valentin beauftragt, den Umbau seines Geschäftsportales zu planen. Später gab Baumgartner Valentins 14

Idee, Konzept und Modell für sein eigenes aus und brachte so Valentin um die Früchte seiner Arbeit, nämlich das Honorar. Valentin fühlte sich tief gekränkt von der Vorgehensweise Baumgartners, seiner Respektlosigkeit und Unehrlichkeit. Eine weitere Enttäuschung widerfuhr Valentin, als ihn der von ihm in dieser Causa zu Rate gezogene Rechtsanwalt Dr. Gorodetzky übervorteilte.  Im Oktober 1926 beteiligte sich Anton Valentin an dem von der Marktgemeinde Wieselburg ausgeschriebenen Architektenwettbewerb zum Bau eines Amtshauses. Wahrscheinlich ahnte er damals nicht, welche Flut an Folgeaufträgen der Rathausbau in Wieselburg nach sich ziehen sollte. Offensichtlich wurden der Bau des Rathauses und die Arbeit Valentins in Wieselburg mit großem Interesse verfolgt und so erhielt Valentin noch während des Rathausbaues bzw. in unmittelbarem Anschluss daran mehrere private Aufträge in Wieselburg. Bis in die Bezirkshauptstadt Scheibbs erregte sein Wirken Aufmerksamkeit und Bürgermeister Radinger


ließ ihm bald den Bauauftrag für eine Wohnhausanlage zukommen. In Scheibbs erhielt Valentin auch in den 1950er Jahren noch Aufträge. Die Planung des Hauses des Vorschuss- und Sparvereines in Petzenkirchen geht wahrscheinlich ebenfalls auf Valentins Tätigkeit in Wieselburg zurück, wo er den Umbau des hiesigen Gebäudes des Vorschuss- und Sparvereines durchführte. Im Anschluss an die Planung der Petzenkirchner „Bank“ zog Valentin dort noch einige Kleinaufträge an Land, wie die Planung eines Gartentores für Familie Mayrhofer und eine Einfriedung des Objektes Schildberger. An seine Besuche in Petzenkirchen erinnert sich Paula Neubacher, geborene Schildberger, noch folgendermaßen: Valentin hatte oft geschäftlich mit der Tischlerei Schildberger zu tun und der „große schlanke Mann“ war immer froh, wenn ihn Mutter Schildberger zum Essen einlud. Auch Dr. Andreas Frank, gebürtiger Petzenkirchener, nahm die Dienste Valentins für den Umbau seiner Ordination in Wien in Anspruch. Beim Wieselburger Rathausbau arbeitete Valentin mit Baumeister Wiktora zusammen, der ihn später mit der Planung seiner Villa beauftragte. Ebenso erhielt er Aufträge von Wieselburger Geschäftsleuten wie Franz Nemecek und Josef Lossgott. Durch den Umbau des Geschäftshauses Greger in Wieselburg wurden auch die Kinder der Familie Greger auf Valentins Arbeit aufmerksam. Das war der Grund für die Entwürfe der Wohnungsausstattungen von Dr. Geist in Wien, der mit einer Greger-Tochter verheiratet war, und von Oberbaurat Back in St. Pölten, der ebenfalls eine Greger-Tochter geehelicht hatte. Auch der „Familien-Clan“ Bartenstein-Riedmüller wurde auf Valentins Tätigkeit in Wieselburg aufmerksam. Ich denke dabei an den Umbau des Bartenstein'schen Eiskellers zu einer Villa für Karl Riedmüller in Wieselburg, die Siedlungsplanungen für die Mathesund Riedmüllergründe und die Planung eines Einfamilienhauses für Julie Wüster. Über Luise Bartenstein, die damals in Krems wohnte und von Valentin Möbel bestellt hatte, erhielt der Architekt Zugang zur Druckerei Faber in Krems, denn Luises Tochter hatte

09 Eine Werbekarte vom Indanthrenhaus in Wien.

den Druckereibesitzer Dr. Faber geheiratet. Durch Valentins umsichtiges Wirken erhielt er auch den Auftrag zum Umbau des Tabakhauptverlages Krems für Familie Slatner und die Planung für die Auslagenumgestaltung für das Schuhhaus Baumgartner. Ein wirklich schönes und rührendes Empfehlungsschreiben an die Firma Scheibein in Zistersdorf verfasste Marie Slatner im September 1938:7 „Herr Arch. Valentin hat vor zwei Jahren unseren Geschäftsumbau unter schwierigen technischen Verhältnissen zu unser aller Zufriedenheit durchgeführt. Es sind jetzt zwei Jahre her, dass wir die Räume in Benützung haben und wenn wir noch einmal umbauen müssten, so würden wir genau so bauen, d.h. das Sprichwort, man muss zweimal bauen, gilt für uns nicht und das verdanken wir Hr. Valentin. Er musste bei uns drei Herren dienen (die Nachbarschaft als Nörgler nicht mitgerechnet): dem kritischen, schwierigen Hausherrn, dem Denkmalschutzamt, der Tabakregie, die alle auf Kosten des Bauherrn Wünsche äußerten, die dann der Hr. Architekt bestmöglichst zu erfüllen hatte. Bei uns hat sich der Hr. Valentin sein Honorar ehrlich verdient, ohne aber von irgend einer Seite außertourliche Gelder zu nehmen. Da mir Hr. V. ebenso unbekannt war wie ihnen, so habe ich mich bei den Professionisten erkundigt und die haben ihn mir einstimmig empfohlen, da seine Aufträge klar und präzise waren, sodass es nachträglich keine Umänderungen gab zum Ärger aller, wie es mir einmal früher bei einem anderen Hr. Architekten ergangen ist, der wohl schön zeichnen aber sich die Arbeit vollendet in Wirklichkeit nicht vorstellen konnte. Hr. A.V. hat meine Interessen ehrlich vertreten in geldlicher und technischer Hinsicht, denn sein Streben gilt in erster Linie der bestmöglichen 15


seiner Pläne notwendig war. Er besuchte regelmäßig seine Baustellen und war immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Valentin legte zwar im Jahre 1938 die Führerscheinprüfung ab, jedoch war er nie in Besitz eines Autos. Bei unseren Recherchen stießen wir auch auf Entwürfe für die Landesberufsschule Pöchlarn – hier ließ man Valentin zwar Pläne zeichnen, doch die Schule wurde dann nach einem sehr ähnlichen Entwurf in Eigenregie mit den Schülern und der Einbeziehung eines anderen Architekten errichtet. Die Schulplanung zog zwar noch eine Umgestaltung eines Friseurgeschäftes 10 Anton Valentin 1954 in seinem Atelier in der Boltzmanngasse. nach sich, aber ansonsten gab es keine Folgeaufträge in Pöchlarn. Lösung der anvertrauten Arbeit unter günstiger Aus- Valentin war durch die diversen Privatbauten in nützung der zur Verfügung stehenden Kapitalien. Wieselburg offensichtlich in Mode gekommen – Wenn sie ihm ihre Wünsche klar mitteilen und ihm mit vielleicht war er auch der einzige erprobte Architekt. VERTRAUEN zur Seite stehen werden sie bestimmt Hier am Ort gab es ausschließlich Baumeister, die zwar mit seiner Arbeit zufrieden sein und das wünscht ihnen auch Pläne zeichneten, aber möglicherweise war man mit Anton Valentin auf einen Mann gestoßen, dem unbekannterweise MARIA SLATNER.“ man vertraute und dessen Ideen man schätzte – dessen Valentin plante nicht nur Gebäude, sondern beschäf- Umsichtigkeit und Kompetenz den Herrn Architekten tigte sich auch mit der Planung von Inneneinrichtun- aus Wien interessant machten. gen und Möbeln. Zahlreiche Möbelplanungen führte er für Auftraggeber in Wieselburg durch, wie etwa Valentin machte sehr viele Geschäfte mit jüdischfür Familie Geissler, Bertha Vogel und Bürgermeister stämmigen Bauherren, das war die Ursache, dass sich seine Auftragslage ab dem Jahr 1938 drastisch Fahrner. Valentin plante aber nicht nur, er betreute und beriet verschlechterte. Da aber die Familie Valentin einen seine Kundschaft auch beim Kauf von Möbelstoffen, sehr engen Zusammenhalt hatte, gelang es durch eiVorhängen und Teppichen. Zu diesem Zweck suchte nige Aufträge im Bereich der Verwandtschaft, Valentins er oftmals das „Indanthrenhaus“ auf der Mariahilfer- Arbeitslage zu verbessern. So beauftragten ihn die straße 71 in Wien auf. Indanthrenhäuser waren von Familien Sykora und Pfeiffer mit der Planung ihrer einem deutschen Chemiekonzern eingerichtete Ge- Häuser. Die Vergitterung der Fenster am Haus Sykora schäftshäuser, in denen über einen eigenen Modedienst in Sieghartskirchen weist auf die unsichere Zeit nach mit Indanthren gefärbte oder bedruckte Textilien dem Krieg hin – das Haus wurde 1946 geplant. Wie trist Valentins wirtschaftliche Lage zu Beginn des angeboten wurden. Valentin besorgte aber auch Beschläge und Karnie- Jahres 1938 war, dokumentiert ein Brief der Ingenisen – einfach alles, was zum Bau und zur Fertigstellung eurkammer, in dem ihm der Mitgliedsbeitrag gestun16


det und er aufgefordert wird, „bei Besserung seiner wirtschaftlichen Lage den Begleich der noch ausständigen Schuldigkeit in der Höhe von 102,98 Reichsmark ehestens durchzuführen.“ Die Nachkriegszeit und die gute Baukonjunktur der Wiederaufbaujahre brachten dann auch für Anton Valentin eine Besserung seiner wirtschaftlichen Lage. Wie schon erwähnt, beteiligte er sich immer wieder und offensichtlich mit großer Leidenschaft an Architektenwettbewerben, die zwar viel Zeit und Energie kosteten, aber selten zu finanziellem Erfolg führten. Möglicherweise aber hatte Valentin erkannt, dass der Gewinn eines Wettbewerbes und der damit verbundene Auftrag oftmals weitere Bauprojekte zur Folge hatten, wie es beim Bau des Amtshauses in Wieselburg der Fall war.

11 Anton Valentin 1954 in seinem Atelier in der Boltzmanngasse.

Hier eine Auswahl der wichtigsten Wettbewerbsarbeiten Valentins:8 - Straßenbahner-Siedlung, Wien XIII … 2. Preis - Bundesgymnasium mit Internat in Eisenstadt - Regierungsgebäude Eisenstadt 12 Theodora und Anton Valentin beim Pilzesuchen. … Ankauf - Rathaus Wieselburg (72 Teilnehmer) … 2. Preis - Wohnhäuser der Gesellschaft der Freunde - Wohnhausanlage Gaudenzdorfer Gürtel Wüstenrot … 2. Preis (135 Teilnehmer) … 2. Preis - Ausgestaltung am Kahlenberg (Stiegenaufgang - Rathaus Gablonz (79 Teilnehmer) … Ankauf mit Brunnen und Stützmauer … 1. Preis - Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Graz - Landeserziehungsanstalt Korneuburg … Ankauf … belobende Anerkennung - Wohnhausanlage Paulinengasse, Wien XVIII - Österreichisches Heldendenkmal in Wien (149 Teilnehmer) … 2. Preis (94 Teilnehmer) … Preisträger bei sechs - Gestaltung des Stephansplatzes … Ankauf gleichen Preisen - Kurhaus Tobelbad in Graz … Ankauf 17


13, 14, 15 Feierabend, 1960

- Strandbad am Wörthersee … Ankauf - Bebauung Bismarckplatz in Innsbruck … Ankauf - Bebauung Platz vor der Votivkirche … Ankauf - Bebauung der Froschberggründe in Linz … Ankauf - Österreichischer Pavillon bei der Weltausstellung in Brüssel … Ankauf - Neubau der Tierärztlichen Hochschule in Wien - Amtsgebäude Wien VII, Lerchenfelder Straße - Allgemeine Invalidenversicherungsanstalt, Bürohaus Wien IX - St. Josef-Friedhof am Kahlenberg - Dollfuß-Denkmal, Wien - Kaiser Franz Josef Denkmal, Michaelerplatz, Wien I - Bundesgymnasium Vöcklabruck - Bundesrealgymnasium Gleisdorf - Knabenschule Bruck an der Leitha - Werksiedlung Pumpspeicherwerk Ottenstein 1953 wurde Anton Valentin als Mitglied des Wiener Künstlerhauses aufgenommen. Die Gesellschaft der bildenden Künstler Wiens verlieh ihm in Anerkennung seines Gesamtschaffens 1960 den „Goldenen Lorbeer“. 1967 zog sich der unermüdliche Architekt aus dem Berufsleben zurück. Am 1. Juli 1976 verstarb Anton Valentin hochbetagt, seine Frau Theodora folgte ihm 1988. 18

16 Anhand dieses Möblierungsplanes für Herrn Otto Geist sieht man, wie genau Anton Valentin bei seinen Entwürfen arbeitete: sogar die Stoffmuster der Polstermöbel sind skizzenhaft angedeutet.


Rathaus Wieselburg „Da, wo heute unser Rathaus steht, erstreckte sich früher die Gemeindeweide – eine Au- und Wiesenlandschaft. Im Jahre 1890 wurde auf dem Platz vor den Aubäumen ein öffentliches Waaghäuschen errichtet, wie es vielerorts üblich war, um Tiere und Wagenfuhren aller Art abwiegen zu können. 1921 stellte die Kriegswitwe Josefine Wentruba an die Gemeindeverwaltung das Ansuchen um Genehmigung zur Errichtung eines Kiosks für den Verkauf von Tabakwaren. Frau Wentruba bekräftigte ihr Ansuchen mit den Tatsachen, dass sie als Kriegswitwe allein für die beiden minderjährigen Kinder und zusätzlich noch für eine pflegebedürftige Mutter zu sorgen hätte. Zu dieser Zeit war die ,Gemeindestube‘ noch in der heutigen Volksbank untergebracht und man kann verstehen, dass das Platzangebot für die Gemeinde nicht mehr ausreichte. Es begann die Diskussion um die Errichtung eines eigenen Rathauses.“1

01 Wieselburg im Jahre 1921: Links das Schloss und mittig der Platz, an dem heute das Rathaus steht.

02 Das Rathaus vom Schlosspark aus gesehen.

03 zum Vergleich zu Bild 01

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04 Die „Gemeindekanzlei“ im Haus des Vorschuss- und Sparvereines, Wieselburg vor 1929.

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05 Anton Fahrner bekleidete das Amt des Bürgermeisters in Wieselburg von 29. August 1913 bis 28. Mai 1934 und von 13. März 1938 bis 8. Mai 1945. Er war Mitglied des Nationalrates für die Großdeutsche Partei von 18. Juli 1927 bis 1. Oktober 1930.

06 Valentin reichte sein Projekt unter dem Kennwort „Ratsherr“ ein.

Damals war Anton Fahrner Bürgermeister in Wieselburg. Er war der Vertreter der Wirtschaftspartei, die sich aus der Partei der Großdeutschen – der Fahrner angehörte – und den Anhängern der christlich-sozialen Partei zusammensetzte. Damals hatte die Wirtschaftspartei die Mehrheit im Gemeinderat. Ihr gegenüber standen die Sozialdemokraten mit Dr. Ludwig Pollak an der Spitze. Im Protokollbuch der Sektion II2 vom 6. März 1925 ist unter den Berichten des Bürgermeisters folgendes zu lesen: Es ist ein Ansuchen des Friseurs Geissler eingelangt, der im Bereich der Brückenwaage einen Baugrund kaufen möchte, um dort ein Wohnhaus mit Geschäftslokal zu errichten. Der Bürgermeister schlägt vor, anschließend an diesen für das Rathaus reservierten Grund eine kleine Parzelle für Herrn Geissler

auszustecken. Dies ist der erste Eintrag in den Protokollbüchern der Gemeinde Wieselburg, der auf den bevorstehenden Rathausbau hinweist. In der Gemeinderatssitzung vom 16. August 19263 wurde über die Aufnahme eines Kommunaldarlehens über S 200.000,- zum Bau eines Amtsgebäudes diskutiert. Um den bestmöglichen Plan für das neue Gebäude zu erhalten, schlug der Bürgermeister die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbes vor. Es sollten dafür vier Preise ausgesetzt werden, wobei der erste Preis mit S 600,-, der zweite mit S 400,- und der dritte und vierte Preis mit je S 200,- dotiert waren. Im Nachlass des Architekten Anton Valentin fanden sich die Ausschreibungsunterlagen zum Bau des Amtshauses, die ich hier wegen ihrer historischen Bedeutung wörtlich wiedergeben möchte:4

07 Planmappe für das Rathaus Wieselburg


08 Der Bau des Rathauses, im Vordergrund das Waaghäuschen und der Tabakkiosk der Frau Wentruba.

„BAUPROGRAMM Amtsgebäude am Marktplatz im Zuge der GrestnerScheibbserstrasse. Der Wettbewerb beabsichtigt die Gewinnung guter Lösungen für den Abschluss des Hauptplatzes und ist bei der Planierung des neuen Amtsgebäudes auf die Errichtung des Kriegerdenkmales Rücksicht zu nehmen. Da das Budget mit S 200.000 - 250.000,- präliminiert ist, soll auf die grösstmöglichste Sparsamkeit an Baukosten Rücksicht genommen werden. Im neuen Amtshaus sollen folgende Räume untergebracht werden. 1.) Feuerwehrdepot, 1 Autospritze, 1 Handspritze, 1 Schiebeleiter, Nebengeräte, Mantel und Helm depot. 2.) Verpflegsstation, 2 Räume für je 8 Cavaletts. 3.) Holz und Kohlenkeller, Parteienkeller. 4.) Gemeinde, Vorraum, 1 Amtsraum ca 30 m2, 1 Bür germeisterzimmer, 2 Klubzimmer für je 15 Perso nen, 1 Sitzungssaal für ca 40 Personen mit Gardero be, 1 kleines Archiv. 5.) 1 Wachzimmer für den Gemeindepolizisten zugleich Brückenwaageraum. 6.) Gemeindediener, Vorraum, 1 Zimmer, Küche, Speis und Klosett. 7.) Postamt, 1 Parteienraum mit 4 Schaltern 45 m2, 1 Vorstandszimmer, 1 Gepäck und Briefträgerraum ca 25 m2.

09 Der Rathausbau schreitet zügig voran.

10 Das Rathaus ist fertiggestellt und der Umzug in das neue Amtsgebäude steht bevor.

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13-14 Plan und Architektenfoto von der Holztreppe in das Turmgeschoß. 15-16 Plan und Architektenfoto vom Stiegengeländer im Rathaus. 11 Plan der Rathaustür. 12 Das Architektenfoto von der Rathaustür.

8.) 1-2 kleine Geschäftslokale. 9.) Finanzabteilung, 1 Vorraum, 1 Amtszimmer ca 25 m2. 10.) Gendarmerie, Vorraum, 1 Amtszimmer mit ca 35 m2, 1 Amtszimmer mit ca 25 m2. 11.) Gemeindearzt, Vorraum, 1 Ordinationszimmer, 2 Zimmer, 1 Kabinett, Küche, Speis, Bad und Klosett. 22


17 Das Stiegenhaus ist lichtdurchflutet. 18 Ein Fenster im Erdgeschoß. 19 Die Arrest-Tür.

12.) Gemeindesekretär, Vorraum, 1 Zimmer, 2 Kabinette, Küche, Speis und Klosett. 13.) 3 Wohnungen mit je 2 Zimmern, Küche, Speis, Vorraum und Klosett (können eventuell in der Mansarde untergebracht werden). 14.) 2 Arreste. 15.) 2 Wannenbäder für die Parteien. 16.) Waschküche, Parteienböden und Trockenboden, Klosette und Pissoirs in allen Geschossen in der nötigen Anzahl. [...] Beim Entwurf wolle darauf Rücksicht genommen werden, dass der Bau in 3 Etappen ausgeführt werden kann. [...] Der Ent wurf ist im Masstabe 1:200 zu verfassen und soll enthalten: 1.) Sämtliche Grundrisse, 2.) die erforderlichen Schnitte, 3.) ein Schaubild oder Modell, 4.) eine Situation 1:1000, 5.) Angabe der verbauten Fläche und der beiläu figen Baukosten. N.B. mit Z.V. bezüglich Preisrichter Vereinbarung getroffen. Einreichungstermin 25. September 1926, 12 Uhr mittags. (Anm.: dieses Datum wurde durchgestrichen und folgendes hinzugefügt:) für den Wettbewerb zum Amtsgebäude wurde im Einvernehmen mit der Z.V. bis 6. Oktober 1926 verlängert.“

In ihrer Mitteilung Nummer 6 vom September 1926 sperrte die Zentralvereinigung der Architekten Österreichs5 den Wettbewerb „Amtsgebäude Wieselburg“ mit folgenden Worten: „Nachdem trotz Verhandlungen seitens des Verwaltungsausschuses mit der ausschreibenden Stelle die Ausschreibung in vielen Punkten den festgesetzten Bedingungen widerspricht, wird dieser Wettbewerb für die Mitglieder der Z.V. gesperrt. Eine Beteiligung wäre standeswidrig.“ Offensichtlich gab es daraufhin Verhandlungen mit der Gemeinde Wieselburg, die dazu führten, dass die Sperre des Wettbewerbs für Mitglieder des Z.V. wieder aufgehoben wurde, denn in der Mitteilung Nummer 7, ebenfalls vom September 1926 steht zu lesen: „Auf Grund neuerlicher Verhandlungen wurde durch das Entgegenkommen der ausschreibenden Stelle nachstehendes erzielt: 1. Ablieferungstermin bis 6. Oktober l. J. verlängert 2. Das Preisgericht besteht aus den Herren: Bürgermeister Anton Fahrner Gemeinderat Ing. Baumeister Schinner Hofrat Professor Franz Karl Krauss Baurat Professor Siegfried Theiss 3. Die nicht preisgekrönten Entwürfe werden auf Kosten der ausschreibenden Stelle an die Betreffenden zurückgesandt. 23


Die verfügte Sperre des Wettbewerbes ist daher wieder aufgehoben.“ In der selben Gemeinderatssitzung vom 16. August 19266 wurde auch berichtet, dass das Darlehen für den Amtshausbau von der NÖ-Hypothekenbank aufgenommen werden soll. Die Verzinsung und Amortisation betrug zum damaligen Zeitpunkt 8,71 %. In der Sektion I, dem Bauausschuss, der unter dem Vorsitz des Bürgermeisters stand, wurde der Antrag auf Annahme des Darlehens einstimmig angenommen – nicht so in der Gemeinderatssitzung. Nach der Debatte stellte der Fraktionsvorsitzende der sozialdemokratischen Partei, der Gemeinderat Dr. Ludwig Pollak den Antrag, das Darlehen zwar aufzunehmen, es jedoch zum Bau von Wohnungsanlagen zu verwenden. Der Antrag zum Bau eines Amtsgebäudes wurde von den Sozialdemokraten abgelehnt, jedoch in namentlicher Abstimmung mit der Mehrheit der Wirtschaftspartei des Bürgermeisters Anton Fahrner angenommen. Der Antrag zum Bau eines Wohnhauses wurde in namentlicher Abstimmung mit Mehrheit der Wirtschaftspartei abgelehnt. Gegen diesen Beschluss kündigte Gemeinderat Dr. Pollak den Einspruch seiner Fraktion bei der Niederösterreichischen Landesregierung an. „Um den Standpunkt der Opposition zu begreifen, muß man wissen, daß damals in Wieselburg große Wohnungsnot herrschte und trotz Ankaufs von Wohnbaracken vom aufgelassenen Kriegsgefangenenlager durch die Gemeinde der Wohnungsmangel nicht gemildert werden konnte“, schrieb Karl Kraushofer.7 In der Gemeinderatssitzung vom 11. Oktober 19268 berichtete der Bürgermeister, dass die Landesregierung mit 16. September 1926 die Bewilligung erteilte, S 200.000,Darlehen zum Bau eines Rathauses aufzunehmen – unter Vorlage des Schuldscheines, der Pläne und der Festsetzung der Mietzinse. Der Rekurs gegen diese Verwendung des Darlehens, den die sozialdemokratische Fraktion unter Dr. Pollak an die Niederösterreichische Landesregierung einbrachte, wurde abgewiesen. In der Zwischenzeit gratulierte die Zentralvereinigung der Architekten Österreichs – nicht ganz uneigennützig – in einem Brief vom 19. November 1926 ihrem Mitglied 24

20 Das Architektenfoto vom Eingangsbereich des Rathauses.

Anton Valentin zum Wettbewerbserfolg:9 „Wir beglückwünschen Sie bestens zu Ihrem Erfolge in dem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Bau eines Amtsgebäudes in Wieselburg und erlauben uns gleichzeitig daran zu erinnern, dass 5 % von Ihrem Preise, das sind von S 400,- S 20,- über Bescheid der Zentralvereinigung als Wettbewerbsabgabe an die Zentralvereinigungskasse abzuführen sind. Wir legen zu Ihrer Bedienung einen Erlagschein bei und zeichnen mit kollegialen Grüßen […]“ Liest man diesen Brief, so hat man den Eindruck, dass die Gratulation nur Vorwand war, um Valentin an die Wettbewerbsabgabe an die Zentralvereinigung zu erinnern.


21 Gisela Engleitner vor ihrem Geschäft im Rathaus, daneben befand sich die Tabaktrafik der Frau Link.

Am 12. Jänner 192710 wurde im Gemeinderat über den Voranschlag 1927 diskutiert und Dr. Pollak stellte fest, dass der Voranschlag in diesem Jahr zwar rechtzeitig eingebracht wurde, ausführlicher gehalten ist als im Vorjahr, aber den Vorstellungen der sozialdemokratischen Fraktion immer noch nicht entspricht: Würde der Rathausbau, für den kein Bedürfnis sei, ausfallen, so könnte man mit der Verzinsung von S 18.000,- schöne Wohnungen bauen. Die sozialdemokratische Fraktion, so sagte Dr. Pollak, könne nicht für den Bau des Amtsgebäudes stimmen und überlasse die Verantwortung der Majorität. Auch Gemeindebeirat Franz Rathuber sprach sich dafür aus, vom Rathausbau Abstand zu nehmen und stattdessen Wohnungen zu bauen.

Maßgebend für den weiteren Verlauf des Rathausbaues ist die Sitzung der Sektion II am 21. Jänner 1927,11 in der Bürgermeister Anton Fahrner, die Gemeinderäte Hubert Schinner, Dr. Ludwig Pollak und Anton Wiesbauer anwesend waren und in welcher entschieden werden sollte, welches der preisgekrönten Objekte aus dem Architektenwettbewerb zur Ausführung kommen sollte. Den Wettbewerb gewannen mit der Bausumme von S 272.500,- die Architekten Baumgartner-Hofbauer, den 2. Preis mit S 240.000,- erlangte Architekt Anton Valentin, den 3. Platz teilten sich Architekt Rudolf Frass mit S 254.551,- und Architekt Tamussino mit S 240.000,- bis 250.000,-. In der Sektion musste nun beschlossen werden, welches Projekt dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt werden sollte. Projekt 1 fanden die Mitglieder der Sektion aufgrund der ungünstigen Situierung („zurückreichend bis hinter den Graben“) und der hohen Kosten als nicht empfehlenswert. Das Projekt von Rudolf Frass war nur in einer Periode baubar und es erschien die Raumverteilung nicht besonders günstig. Tamussinos Projekt war zu großzügig und glich laut Kommission architektonisch mehr einem Gefängnis als einem Amtshaus. Der Antrag des Bürgermeisters an die Sektion II lautete daher, dass diese zustimmen möge, dem Gemeinderat das Projekt Valentins zur Beschlussfassung vorzuschlagen. Allerdings beauftragte die Sektion II auf Antrag von Ing. Schinner den Bürgermeister, sich mit dem Architekten in Verbindung zu setzen und ihn zu einer Sitzung einzuladen, bei der seine definitiven Vorschläge mit den Innenabänderungen besprochen werden sollten. In der Gemeinderatssitzung vom 25. März 192712 berichtete der Bürgermeister, dass die Sektion II das Projekt des Architekten Valentin aus Wien für geeignet befunden habe und nun über sein Honorar verhandelt werden müsse. Nach mehreren Unterredungen senkte Valentin sein ursprüngliches Honorar von S 9.600,- auf S 7.200,-. Der Bürgermeister führte hierzu aus, dass der Architekt viel Arbeit und Auslagen habe. Der Antrag des Bürgermeisters, das Projekt II (nämlich Valentins Ent25


22 Das Rathaus beherbergte nicht nur das Postamt, sondern auch ein Lebensmittelgeschäft und eine Trafik. Im Turmgeschoß gab es Wohnungen. Der Anbau des Friseurgeschäftes komplettierte das „Gemeindezentrum“.

wurf) zu bauen, die Arbeiten dem Architekten Valentin zum Pauschalpreis von S 7.200,- zu übergeben und die Ausschreibung zu veranlassen, wurde vom Gemeinderat angenommen. Laut Karl Kraushofer13 sollte in einer Gemeinderatssitzung am 23. Mai 1927 die Offertvergebung beschlossen werden, es waren jedoch nur acht Gemeinderatsmitglieder anwesend. Am 27. Mai wiederholte sich das Spiel – diesmal waren neun Mandatare gekommen. In der Sitzung vom 20. Juni sollte dem Bürgermeister das Misstrauen ausgesprochen und er aufgefordert werden, seine Funktionen zurückzulegen – die Sitzung war wieder nicht beschlussfähig. Die Gemeinderatssitzung vom 4. Juli 192714 musste wegen Beschlussunfähigkeit abgebrochen werden, da die Sozialdemokraten sie frühzeitig verließen – mit der Begründung, keine Zeit mehr zu haben. Offensichtlich zog der Bürgermeister daraufhin die kritischen Tagesordnungspunkte aus dem Gemeinderat und fasste die Beschlüsse in der Sitzung der Sektion, in welcher er den Vorsitz hatte. Schließlich wurden fünf Baumeister-Offerte vorgelegt: Soche: S 91.857,Schinner & Wiktora: S 107.843,Ascher und Gerber: S 107.914,26

Dohan: S 98.863,Aichberger: S 114.343,Nach einer Besprechung mit Architekt Valentin kamen Dohan und Schinner & Wiktora in die engere Wahl. *Oskar Dohan war Baumeister und wohnte mit seiner Frau Olga in der Piaristengasse Nr. 56 in Wien 8. Die Todesanzeige für seine Mutter in der Zeitung namens „Aufbau“ vom 6. August 1943, lautet: „Unsere geliebte, einzig gute Mutter Johanna Dohan, geb. Kellermann (früher Wien), ist im Alter von 78 Jahren in Cochabamba am 1. Juli zur ewigen Ruhe sanft entschlafen. In tiefster Trauer: [...] Arch. Oskar Dohan u. Frau Olga, geb. David, La Paz, Bolivia, Calle Campos 101 [...]“. Die Familie Dohan war offensichtlich jüdischen Ursprungs und emigrierte vermutlich vor dem Zweiten Weltkrieg nach Bolivien. Anton Valentin plante im Jahre 1930 für Oskar und Olga Dohan zwei Einfamilienhäuser in Wien, eines sollte in der Glanzinggasse entstehen, das andere in der Oberwiedenstraße.* Letztendlich beschloss die Sektion I folgendes:15 1. Dem Gemeinderat wird die Annahme des Offerts Schinner & Wiktora mit einigen Änderungen vorgeschlagen. Der Bürgermeister verlas den Schlussbrief der Firma Schinner & Wiktora und bemerkte dazu, dass er mit den dort vorgesehenen Fristen nicht ein-


verstanden sei, sondern eine Verlängerung derselben empfehle, damit keine auswärtigen Arbeiter herangezogen werden müssten. Angenommen würden nur jene Arbeiter, welche von der Gemeindevorstehung Wieselburg vorgeschlagen werden. Der Antrag der Sektion I wurde mit den neun Stimmen der Wirtschaftspartei bei Stimmenthaltung der fünf Sozialdemokraten angenommen. 2. Der Gemeinderat möge zustimmen, dass die Sektion I die offen gelassenen Daten für Pönale und Anzahlung bestimme, sowie eine Verlängerung festsetze. Dieser Antrag des Bürgermeisters wurde einstimmig angenommen. Gemeinderat Dr. Pollak erklärte im Namen seiner Fraktion, dass diese ihre prinzipielle Stellung gegen den Bau eines Amtshauses statt eines Wohnhauses ge-

23-24 Rechnungen diverser, am Rathausbau beteiligter Firmen.

nügend festgelegt habe. Um jedoch zu zeigen, dass die Sozialdemokraten mit der Vergebung des Bauauftrags an einen einheimischen Bauunternehmer einverstanden seien, werden sie sich bei der Abstimmung über die Vergabe der Stimme enthalten. Unannehmbar sei jedoch der Satz, in welchem festgelegt wird, dass die Gemeindevorstehung, das sei doch nur der Bürgermeister, über die aufzunehmenden Arbeiter entscheide; Dr. Pollak stellt daher im Namen seiner Fraktion folgenden Antrag: 3. Es ist ein Komitee paritätisch zusammenzusetzen, in dem die Vertreter der Wieselburger Arbeitslosen Sitz und Stimme haben. Dieses soll dem Bauunternehmer die aufzunehmenden Wieselburger Arbeiter vorschlagen. 27


25-26 Rechnungen diverser, am Rathausbau beteiligter Firmen.

Die Dringlichkeit dieses Antrages wurde einstimmig anerkannt. Gemeinderat Böhm forderte den Bürgermeister auf, zu garantieren, dass jede durch Übersiedlung ins Amtshaus frei werdende Wohnung sofort besetzt werde. Der Bürgermeister erwiderte, dass er diesbezüglich kein Versprechen abgeben könne, aber es werde nur dann an jemanden eine Wohnung vergeben, wenn dieser die Erklärung des Hausbesitzers beibringt, dass die bisher von dem Wohnungswerber besetzte Wohnung wieder vergeben werden wird. Der Antrag Dr. Pollaks wurde mit den neun Stimmen der Wirtschaftspartei gegen die fünf Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt.

In der Sektionssitzung am 2. November 192716 waren folgende Mitglieder anwesend: Bgm. Fahrner, Anton Gärber, Engelbert Wiesbauer, Ferdinand Böhm, Franz Rathuber und auch Architekt Valentin. In dieser Sitzung sollten diverse Arbeiten vergeben werden. Architekt Valentin berichtete über die eingeholten Offerte der Dachdecker- und Spenglerarbeiten: Firma Duschl liefert die gesamten Arbeiten fertig um S 3.692,-, Firma Maitz, Wieselburg, dieselben um S 2.773,30,-. Der Bürgermeister schlug vor, die Arbeiten an Firma Maitz zu übergeben; der Gemeinderat nahm diesen Vorschlag an. 28

Für die Dachdeckerarbeiten waren Offerte der Firmen Hönig aus St. Pölten und Drascher aus Wieselburg eingelangt. Nachdem Herr Drascher aber nicht in der Lage war, Themenauer Ziegel zu beschaffen, wurden die Arbeiten der Firma Hönig übergeben. Die Kosten betrugen S 3.900,- inklusive der erstklassigen Themenauer Ziegel. Um auch Herrn Drascher Arbeit zu geben, schlug der Bürgermeister vor, ihn gemeinsam mit der Firma Hönig die Arbeiten machen zu lassen – die St. Pöltener Firma war damit einverstanden. Die Kunststeinarbeiten für die Stiegenstufen etc. wurden von Firma Haidner-Wien um S 5.481,- angeboten. Die Kunststein-Werkstätte war bereit, ihren ursprünglichen Offertpreis von S 4.713,- auf S 4.246,- zu reduzieren. Dazu kamen noch die Kosten für die Fracht von Wien nach Wieselburg mit einem Betrag von S 566,-, sodass der Gesamtpreis S 4.812,- betrug. Der Bürger-


meister schlug vor, die Lieferung der Kunst-Werkstätte zu übergeben.17 Am 5. Jänner 1928 berichtete der Bürgermeister in der Sektionssitzung18, dass Gerüchte im Umlauf wären, es seien beim Bau des Amtshauses größere Kostenüberschreitungen vorgekommen. Dies beruhe jedoch nicht auf Wahrheit, es sei nur beim Unterbau ein Mehraufwand notwendig gewesen. Nicht nur im Gemeinderat ging es stürmisch zu. Die Meinungsdifferenzen übertrugen sich auch auf die Bevölkerung und das Gericht hatte sich mit diversen Ehrenbeleidigungsklagen auseinander zu setzen. In der St. Pöltner Zeitung vom 29. September 1927 war zu lesen, dass der sozialdemokratische Fraktionsführer Dr. Ludwig Pollak aus dem Gemeinderat ausscheide. Auch in der Mehrheitspartei ging es nicht ganz rei-

26-27 Rechnungen diverser, am Rathausbau beteiligter Firmen.

bungslos zu. Wie im Erlaftal-Boten vom 6. Mai 1928 berichtet wurde, zeichnete sich der Zerfall der Fraktion der Wirtschaftspartei ab. Am 2. August 192819 ist unter den Berichten zu lesen, dass sich die Postdirektion bereit erklärte, für die Unterbringung des Postamtes im Rathaus einen Mietzins von monatlich S 125,- für 10 Jahre im Vorhinein zu zahlen, wobei für die Vorauszahlung 5 % Zinsen in Abzug gebracht würden. Von der Steueraufsichtsabteilung Wieselburg wurde eine Anfrage wegen Unterbringung derselben (Kanzlei und Wohnung) im Rathaus gestellt. Nachdem die hiezu erforderlichen Räume vorhanden waren, wurde zugesagt und ein monatlicher Mietzins von S 100,- gefordert. 29


Der Punkt 4 der Sitzung befasste sich auch mit der Innenausgestaltung des Amtsgebäudes. Der Bürgermeister berichtete über den Stand des Rathausbaues und betonte neuerlich, dass bisher keine Überschreitung der Bausumme vorgekommen sei, dass jedoch Mehrarbeiten für die Heizanlage und die Turmuhr zu verzeichnen seien. Für die weitere Ausgestaltung des Rathauses, nämlich Malereien und Lamberies im Sitzungssaal und im Bürgermeisterzimmer, Beleuchtungskörper, Malereien bei der Turmuhr, die Eingangstüre aus Eiche mit Kupfer beschlagen etc. sei die Bewilligung eines Nachtragskredites erforderlich – derselbe wurde in der Sektionssitzung mit S 17.000,- beantragt und angenommen. Herr Architekt Valentin berichtete anhand von Entwürfen über die weitere Ausgestaltung des Rathauses und ersuchte für diese und für eventuell

noch unvorhergesehene Arbeiten einen Nachtragskredit von 12 % der Bausumme (das sind S 24.000,-) zu bewilligen. Gemeinderat Böhm erklärte, dass zwar der verlangte Betrag von S 24.000,- für diese Mehrarbeiten bei einem so großen Bau nicht zu hoch wäre, er jedoch aus Prinzip nicht für die Bewilligung des Nachtragskredites stimmen könne. Bürgermeister Fahrner stellte hierauf den Antrag, einen 10 %-igen Nachtragskredit von S 20.000,- zu bewilligen, welcher mit Stimmenmehrheit angenommen wurde.

28-29 Rechnungen diverser, am Rathausbau beteiligter Firmen.

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In der Gemeinderatssitzung am 5. November 192820 wurde der Mietzins für die künftigen Parteien im Rathaus festgelegt. Demnach zahle Lehrer Fellinger künftig S 50,-, Brauereibeamter Denk für das Turmgeschoß S 30,-, Frau Panagl (Grüneis) für das Geschäftslokal S 20,- und Frau Wentruba für die Trafik ebenfalls S 20,-,


die Steueraufsichtsabteilung S 100,- (die Vermietung ist noch unbestimmt) und für die Verpflegsstation (für wandernde Handwerksburschen) sollten monatlich S 50,- eingehoben werden. Diese Zinsvorschläge wurden einstimmig angenommen, ebenso wie der Antrag des Bürgermeisters auf die Errichtung eines „SchubertBrunnens“ vor dem Rathaus. Von diesem sind allerdings keine Pläne vorhanden und es ist nicht überliefert, wie er hätte aussehen sollen. Auch der Entwurf für das Gemeindewappen von Architekt Valentin wurde einstimmig angenommen. Das Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 22. März 192921 bringt weiteren Aufschluss über die Mietsituation im Rathaus: So wird für die Verpflegsstation (Herberge) laut Zuschrift der Niederösterreichischen Landesregierung ein Raum weniger in Anspruch ge-

30-31 Rechnungen diverser, am Rathausbau beteiligter Firmen.

nommen und der Mietzins auf S 40,- pro Monat herabgesetzt, dafür aber eine jährliche Pauschale von S 120,für die Zentralheizung einbehoben; für den Leiter wird ein Mietzins von S 10,- bestimmt. Für die an Frau Grüneis vermietete Wohnung im Rathaus wurde ein Monatsmietzins von S 10,- vereinbart. Es wurde auch der Verkauf von ca. 200 m2 Grund à S 5,für Haus und Garten der Familie Geissler bewilligt. Weiters berichtete der Bürgermeister, dass das Wappen von der Niederösterreichischen Landesregierung genehmigt wurde und er stellte den Antrag, bei der Landesregierung um Führung einer Fahne anzusuchen – den Farben des Wappens entsprechend in schwarz, silber und blau. Der Antrag wurde ohne Debatte einstimmig angenommen. Für die Rathauseinrichtung sollten mit dem genehmigten Nachtragskredit folgende Möbel angeschafft wer31


Die Gemeinde sprach dem Vertreter des Hausherrn, Herrn Vizebürgermeister Anton Gärber, für die so lange Überlassung der Räume den Dank aus. Der Bürgermeister brachte weiters zur Kenntnis, dass die nächste Sitzung im neuen Rathaus stattfinde und hegte die Hoffnung, dass auch dort wieder im Interesse des Gemeinwesens allseits zusammengearbeitet würde. Mit diesen Einträgen ist das Protokoll-Buch beendet. Am 12. Oktober 192924 fand also die erste Sitzung im neuen Rathaus statt – es war die 31. ordentliche Gemeinderatssitzung mit Beginn um 18:00 Uhr und Ende um 19:45 Uhr. Auf Seite 2 des neuen Protokollbuches steht folgendes zu lesen: „Hierauf ergreift der Bürgermeister anlässlich der 1. Gemeinderatssitzung im Rathaus das Wort zu einer längeren Rede, in welcher er die Notwendigkeit, den Werdegang, den Zweck und die Vorteile des neu errichteten Rathauses schildert, er dankt allen Mitarbeitern und schließt mit folgendem Antrag: ,Der Betrag, der für eine Rathauseröffnungsfeier notwendig gewesen wäre, ist den Armen der Gemeinde

den: Für den Sitzungssaal ein 6 m langer Tisch und 18 Sessel aus Lärchenholz. Für das Bürgermeisterzimmer ein Schreibtisch und ein Sessel, ein kleiner Tisch und zwei Sessel; weiters ein Tisch mit acht Sesseln und ein Bücherschrank. Aufschluss über Anbieter und Kosten des Mobiliars gibt die Sektionssitzung vom 19. März 192922. Demnach veranschlagte die Firma Pillit dafür S 2.595,- und die Firma Mittringer S 2.327,-. Am 5. Juli 192923 machte der Bürgermeister die Mitteilung, dass dies die letzte Sitzung innerhalb der alten Räumlichkeiten im Hause des Vorschuss- und Sparvereines sei. Er verwies darauf, dass die Gemeinde ein halbes Jahrhundert in diesen Räumen untergebracht war, dass während dieser Zeit für das Gemeinwesen viele wichtige Beschlüsse gefasst wurden und dass Großes geschaffen wurde. 32

32-33 Rechnungen diverser, am Rathausbau beteiligter Firmen.


Wieselburg zu geben. Die Höhe des Betrages und der Aufteilungsschlüssel wird der Finanzsektion übertragen.‘ “ Mit diesem Antrag, der einstimmig angenommen wurde, schuf sich Fahrner für die bevorstehenden Gemeinderatswahlen eine solide Plattform. Sein Wahlblock war zwar auseinander gefallen, aber Fahrners Fraktion sicherte sich 557 Stimmen (8 Mandate), die christlich-soziale Partei 201 Stimmen (2 Mandate) und die sozialdemokratische Partei 484 Stimmen (7 Mandate). Für seinen Wahlsieg war nicht nur die Fertigstellung des Rathausbaues, sondern auch sein Mandat im Nationalrat, das er von 8. Mai 1927 bis 1. Oktober 1930 bekleidete, ausschlaggebend. In dieser 1. Sitzung im neuen Rathaus ersuchte Gemeinderat Franz Leitzinger, beim Rathaus eine Unterbringungsmöglichkeit für die „Postwagerl“ zu schaffen. Bürgermeister Fahrner brachte hierauf zur Kenntnis, dass der Anbau beim Rathaus mit Hilfe der Bundes-

34-35 Rechnungen diverser, am Rathausbau beteiligter Firmen.

wohnbauhilfe projektiert sei und dass es dann möglich sein würde, in diesem Anbau die Postwägen unterzubringen. Damals ahnte noch niemand, dass sich dieser Anbau um viele Jahrzehnte verschieben und schließlich nicht als Wohnbau verwirklicht werden sollte. Für die S 200.000,- Hypothek aus dem Jahr 1926 mussten pro Jahr S 10.000,- an Zinsen und S 2.000,- an Tilgung bezahlt werden. 1947 wurde die Restschuld von S 110.000,- in einem beglichen und die Gemeinde konnte die finanzielle Belastung durch den Rathausbau abhaken. Am 2. Juni 193025 wurde in der Gemeinderatssitzung schließlich die Rathausabrechnung behandelt. Der Bürgermeister berichtete, dass die Abrechnung über den Rathausbau von den beiden Rechnungsprüfern überprüft und für richtig befunden wurde. Die präliminierte bzw. bewilligte Summe für den Rathausbau war 33


der Rechnung. Beim Durchsehen der Rechnungen fällt auf, dass er jeden einzelnen Rechnungsposten mit roter Tinte entweder abgehakt oder korrigiert und somit der Gemeinde einiges an Ausgaben eingespart hat. Ich habe von jeder Firma eine Rechnung herausgenommen, um zu dokumentieren, wieviele Gewerke am Rathausbau beteiligt waren – einerseits zahlreiche Wieselburger Firmen, wie: Alfred Schinner, Bau- und Möbeltischlerei mit maschinellen Betrieb, Grestnerstraße 26 Freiwillige Feuerwehr Wieselburg Franz Kuttner, Schlossermeister Alois Leitzinger, Bau- und Möbeltischler Raimund Löffler, Bau- und Konstruktionsschlosserei, Spezialwerkstätte für Herde, Bruckmühlgasse 2

mit S 225.000,- festgesetzt, die Ausgaben betrugen nur S 224.175,05. Gemeinderat Bartenstein verwies darauf, dass bei größeren Bauten in der Regel Überschreitungen der veranschlagten Bausumme vorkämen. Es müsse daher mit Befriedigung konstatiert werden, dass dies beim gegenständlichen Rathausbau nicht zutrifft, da nicht nur keine Überschreitung der präliminierten Bausumme, sondern sogar eine Ersparnis zu verzeichnen ist. Die Abrechnung des Rathausbaues im Detail:26 Betrachtet man die Mappe im Stadtarchiv, in welcher alle Rechnungen den Rathausbau betreffend aufbewahrt sind, dann kann man einen Einblick bekommen, mit welchen Details sich Anton Valentin auseinanderzusetzen hatte. Er war offensichtlich nicht lediglich Architekt, vielmehr trat er sozusagen als Generalbaumanager auf. Wie auch bei anderen Projekten oblag ihm alles: von der Ausschreibung der Gewerke bis zur Kontrolle 34

36-37 Rechnungen diverser, am Rathausbau beteiligter Firmen.


38 Das Turmuhrfresko von Rudolf Holzinger.

Anton Maitz, geprüfter Bau- und Galanteriespengler, Mankerstraße 10 Max Nemecek, Schlosserei und mechanische Werkstätte mit Maschinenbetrieb, Zeile 20 Ing. Hubert Schinner & Karl Wiktora, Baumeister, gerichtlich beeidete Bausachverständige und Schätzmeister, Grestnerstraße 26 Josef Winkler und Franz Panesch, Breiteneicherstr. 1 Leopold Konop, Tischler und Glaser Leopold Delivuk, Maschinenbau, mechan. Werkstätte, Dampf-, Gas-, Wasserleitungsinstallation, Mankerstr. 47 Ludwig Dallendörfer, Anstreicher, Zimmer- und Schriftenmaler Brauerei Wieselburg, Abteilung Elektrizitätswerk Andrerseits waren aber auch renommierte Firmen und Künstler von auswärts am Baugeschehen beteiligt: Die freie Akademikerwerkstätte Wien (Holzinger und Weiß) Staudgasse 64, Wien XVIII Ing. Bayer & Co, Spezialfirma für Abwasserreinigung, Wollzeile 17, Wien I Vereinigte Steinholzwerke A.-G. Bernuber & Schenk und Stauber & Co, Währingerstraße 61, Wien IX

39 Fensteranordnung an der rückwärtigen Fassade.

Alexander Meyer, Eisengroßhandlung, Brückengasse 8, Wien VI Josef Kraus Nachfolger Richard Dolenz, Manufakturwarenlager für Tuch- und Futterwaren, Kurzwaren aller Art, Ottaktingerstraße 55, Wien XVI Kunststein-Werkstätte Gesellschaft M.B.H., Wagramerstraße 53, Wien XXI Ludwig Mittringer, Mariahilferstraße 101, Wien VI Nationale Radiatoren Gesellschaft, Wien IV Woltär & Molnár, Esslinger Holzrollbalken, Baubeschläge, Stahlrollbalken, Schlosserwaren, Spezialbeschläge, Linke Wienzeile 40, Wien VI H. Waschta & Co. Alleinvertrieb der Solnhofer Steinindustrie, Generalvertretung für Österreich, Ungarn, Jugoslavien, Albanien, Rumänien, Bulgarien, Grie35


42 Das Rathaus mit dem Postzubau von 1985.

chenland und Türkei, Sternwartestraße 70, Wien XVIII Friedrich Hönig, Dachdeckungen, Neugasse 19, St. Pölten Rudolf Furtner, Ventilationen und Maschinenbau, Aichholzgasse 46, Wien XII Atelier Oskar Fleischer, Schilder, Buchstaben und Lichtreklame, Mitglied der Academie Parisienne des Inventeurs, Liechtensteinstraße 63, Wien IX Ernst Winkler, Luster Fabrikation, Eszterhazygasse 18, Wien VI 40 Festeranordnung an der rückwärtigen Fassade.

41 Ein Bild des Malers Grausgruber aus dem Jahr 1966 – ein Geschenk der Stadtgemeinde Scheibbs anlässlich der Stadterhebung Wieselburgs am 8. Mai 1976.

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43 Das Gesamtensemble „Rathaus“.


44-45 Links der akademische Maler Prof. Rudolf Holzinger, rechts der akademische Maler Prof. Kurt Weiß in einem Selbstbildnis.

Brüder Elhenitzky, Beh. Konz. Installationsunternehmung, Bau- und Galanteriespenglergeschäft, Eisenund Metallhandlung, Material- und Farbwarengeschäft, Herrengasse 45, Ybbs/Donau Wilhelm Brückner & Co, Gesellschaft M. B. H., Baumgasse 5, Wien III

„Beilage 2“ beinhaltet die Zimmermannsarbeiten, die mit S 14.010,49 ausgewiesen sind. Die Mappe beinhaltet Rechnungen von Zimmermeister Josef Winkler über die Erstellung des Dachstuhles, der Tramdecken, der gewendelten Stiege (30 Stufen), und 15 Stufen für die hölzerne Verbindungsstiege.

Es ist durchaus interessant, sich etwas näher mit den Rechnungen zu beschäftigen, die gut sortiert in Doppelbögen geordnet sind, welche noch Valentins Büroadresse in der Bürgerspitalgasse 20 aufgedruckt haben und auf denen die neue Adresse in der Boltzmanngasse 15 aufgestempelt ist.

„Beilage 3-6“ beschreibt die Dachdecker-, Spenglerund Kunststeinarbeiten sowie den Pflasterbelag. Hierin findet sich die Rechnung von Friedrich Hönig über die Ziegeleindeckung des Rathauses mit Themenauer Biberschwänzen (431,92 m2) und Themenauer Firstziegel (63,76 m) um S 4.145,86. Weiters beinhaltet die Mappe Rechnungen der Wieselburger Firma Maitz, welche damals ihren Sitz noch in der Mankerstraße 10 hatte. Anton Maitz stellte den Handlauf-Überzug aus Nickelblech für das Stiegengeländer her, ebenso diverse Gitter für die Heizkörper. Im Außenbereich erledigte er alle Blecharbeiten wie Dachrinnen, Abfallrohre, Gesimseabdeckungen, Schneefanggitter, Blitzableiter und er fertigte die Kupferverkleidung der Eingangstür. Summe der Rechnungen: S 4.862,55. Die Kunststein-Werkstätte war für diverse Stufen, Fensterbänke und Gesimse zuständig. Ihre Rechnung belief sich auf S 1.421,50. Schließlich verlegte die Firma Waschta die Solnhofer Natursteinplatten in den Gängen, den Sanitärbereichen und diversen Räumen

So findet man in dem Bogen mit der Aufschrift „Beilage 1“ die Rechnungen für die Baumeisterarbeiten, die sich auf S 13.873,60 belaufen. Die Mappe beinhaltet ausschließlich Rechnungen der Firma Ing. Hubert Schinner & Karl Wiktora aus Wieselburg. Lediglich die Rechnung der Firma Alexander Meyer, betreffend den Einkauf eines gusseisenen Straßen-Kanalgitters, macht eine Ausnahme. Die Schinner-Rechnungen betreffen den Aushub, das Betonieren der Fundamente, diverse Maurerarbeiten, alle Verputzarbeiten sowie das Versetzen der Fenster- und Türstöcke. Weiters gibt es Rechnungen über den Aushub für die Kläranlage, die Regiearbeiten am Rathausbau, Isolierungsarbeiten und das Mauern des Rauchfanges.

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46-47 Die Fresken werden im Großen Sitzungssaal angebracht.

in den Ausführungen halbgeschliffen gelblich, bruchrauh bläulich, gelblich. Die Rechnung dafür betrug S 5.129,81. „Beilage 7-13“ beinhaltet die Tischler-, Schlosser- und Beschlägearbeit. Die Rechnung von Alfred Schinner und Alois Leitzinger betrifft die Herstellung aller Fenster und Fensterflügel und das Verlegen von Schiffböden im Wert von S 5.910,44. Eine weitere Rechnung von Alois Leitzinger belief sich auf S 1.578,78 und wurde für die Verlegung der Lärchenbretterböden im Sitzungssaal, im Bürgermeisterzimmer, in der Gemeindekanzlei, in den drei Klubzimmern, im Archiv, im Vorraum und in der Garderobe sowie über die Lattentüren im Keller und die Fensterbalken aus Föhrenholz erstellt. Mit Ludwig Mittringer hatte Valentin engen Geschäftskontakt – wie in seinem Tagebuch aus den Jahren 1936 und 1937 zu erkennen ist. Mittringer lieferte alle Türen, Schubfenster und das Zahlbrett für das Postamt. Er änderte die Arresttüre und beizte alles Holz, das zu beizen war. Diese Arbeiten beliefen sich auf S 10.303,-. Weiters lieferte Mittringer den 625 cm langen, 140 cm breiten Sitzungstisch aus reinem Lärchenholz, „mit bestem Tuch bespannt“ und mit kupferbeschlagenen Füßen (S 890,-), das Bürgermeister-„Fauteuil“ mit Wappen (S 145,-), 17 „Fauteuils“ aus reinem Lärchenholz und bespannter Sitzfläche (à S 76,-) und Lärchenwandleisten. 38

Weiters kümmerte er sich um das Einlassen und Bürsten des Sitzungszimmers – alles in allem kostete das S 2.893,-. Max Nemecek lieferte Beschläge, Türschließer, Schlüssel, Schlösser, Ofentürl, Bänder, Winkel etc. im Wert von S 1.713,76. Leopold Delivuk lieferte Rollerfenster im Wert von S 302,-. Franz Kuttner schmiedete die Fußabtrittschienen, Putztürl etc. im Wert von S 267,20. Die Firma Woltär & Molnár lieferte Schlüssel, Fensterschutzknöpfe, Schilder, Schlösser, Schrauben, Haustordrücker und Kupfernägel und berechnete dafür S 13.220,54. In der „Beilage 14-30“ befinden sich folgende Rechnungen: Raimund Löffler: Fenstergitter, 30 m Stiegengeländer: S 4.097,50,Ludwig Dallendörfer: Maler- und Anstreicherarbeiten: S 5.307,76. Leopold Konop: alle Verglasungen: S 1.610,07. Brüder Elhenitzky: Rohre, Putztürl, Waschbecken, Ventile, Waschrinnen, Abläufe, Wandbrunen, WC-Zubehör, etc.: S 5.970,20. Ing. Bayer & Co: Kläranlage: S 1.600,-. Brauerei Wieselburg: Klingelanlage, Beleuchtungskörper und deren Montage, Außenbeleuchtung, Zähler: S 4.186,80.


Lusterfabrik Winkler: diverse Lüster: S 842,50. Wilhelm Brückner: Warmwasserheizungsanlage: S 8.368,28. Nationale Radiatoren Gesellschaft: 96,64 m2 Gusseisen Radiatoren, 6-säulig: S 3.047,13. Vereinigte Steinholzwerke Bernhuber & Schenk: Herstellung von Asbestfußböden „Feuerrot“: S 880,60. Rudolf Furten: Oberlicht-Ventilations-Apparate: S 231,70 (davon einer für Geissler um S 34,-). Emil Schauer: eine Turmuhr mit Stunden- und Halbetschlag, 2 Zifferblätter, Mehrpreis für römische Ziffern statt Zeichen: S 3.460,24. Oskar Fleischer: Ziffernherstellung 1-29, Tafeln mit Aufschrift „Herren“, „Damen“, Stockwerksbeschriftungen: S 195,-. Josef Kraus: 15 Stück Selbstroller: S 240,50. Weiters liegen noch folgende Rechnungen bei: Freie Akademikerwerkstätte, Zentralgeschäftsstelle Schwarzenbergplatz 2, Wien I: Rechnung über die Malerarbeiten im Bürgermeisterzimmer nach dem Entwurf des akademischen Malers Rudolf Holzinger: S 306,-. Figurale Bemalung im Sitzungssaal mit Darstellung über die Abstimmung für den Rathausbau und Skizzen

aus dem Gewerbe und der Landwirtschaft in Casein: S 3.000,-. Fresko am Turm des Rathauses, darstellend die überlebensgroße Figur des Hl. Michael, mit Bemalung der Rathausuhr: S 1.000,Figurale Bemalung der Decke im Bürgermeisterzimmer, darstellend drei symbolische Figuren (S 600,-), Quartiere (S 200,-), 1 Zifferblatt (S 40,-) Schließlich ist auch die Gesamtabrechnung des Rathausbaues, die sich ohne Architektenhonorar auf S 221.100,40 beläuft, beigelegt. Wie Valentin selbst den Bau des Wieselburger Rathauses sieht, lässt sich aus einem Brief an Dr. Vincente vom Verlag „Bauamt und Gemeindebau“ in Hannover nachvollziehen:27 „Mit gleichlaufender Post übersende ich nunmehr die wesentlichen Grundrisse von dem Rathause in Wieselburg. Ergänzend bemerke ich, dass in dem Turm die Turmtreppe, die Wohnung für zwei Gendarmen, ein Mappenarchiv, die Uhrkammer und eine Plattform mit Aussicht ins Donautal untergebracht sind. Zur Arbeit selbst: Der Bau war ursprünglich geräumiger geplant und es erstreckten sich die Amtsräume

48 Fresken im Sitzungssaal. 49 Das Abstimmungsbild im Großen Sitzungssaal zeigt in der hinteren Reihe von links nach rechts Engelbert Mayer, Johann Riederer, Alois Zehetgruber, Anton Gärber, Bgm. Anton Fahrner, Otto Mertn, Ferdinand Böhm, Franz Rathuber und Franz Leitzinger. In der vorderen Reihe befinden sich von link nach rechts Alois Leitzinger, Karl Grubmüller, Hubert Schinner, Engelbert Wiesbauer, Alois Gallhuber und Josef Trollmann. Dr. Ludwig Pollak, der von Beginn an gegen den Bau des Rathauses war und das Geld lieber in Wohnungen investieren wollte, ließ sich aus Protest nicht auf dieser Wandmalerei abbilden.

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50 Architektenbild der Möblierung des Sitzungssaales: links das Abstimmungsfresko und an der Schmalseite des Raumes die Darstellung der Berufe.

52 Die Fresken im Sitzungssaal und die Möbel aus der Werkstätte Mittringer.

das nun immer öfter in vielen kleinen Orten Anwendung findet. Er baute schon damals ein Gemeindezentrum, in dem sich neben dem Verwaltungsgebäude auch Geschäfte und Wohnungen befanden. Nicht zuletzt sollte die unmittelbare Nachbarschaft des Friseurs Geissler das Ensemble komplettieren.

51 Architektenbild von den Fresken im Sitzungssaal.

auch über den mit ,A‘ bezeichneten Trakt neben der Durchfahrt. Durch besondere örtliche Verhältnisse und wirtschaftliche Erwägungen bedingt, wurde das eigentliche Rathaus in der Mittelpartie gedrängt angeordnet und in den seitlichen Flügeln einerseits Geschäftslokale mit anschließenden Wohnungen untergebracht. Bei der äußeren Gestaltung habe ich auf formale Extratouren verzichtet und war bemüht im Sinne eines gesunden Heimatschutzes eine befriedigende Sprache zu finden. [...]“ Wie man aus diesem Brief schließen kann, realisierte Architekt Valentin schon damals jenes Konzept, 40

Von Beginn an wünschte Bürgermeister Fahrner einen repräsentativen Rathausbau. Diesem Anliegen trug Valentin unter anderem durch das Anbringen der Turmuhr, die in ein Fresko von Rudolf Holzinger eingebettet ist, Rechnung. Die Malerei erstreckt sich über die Turmkante und versinnbildlicht auf der stadtzugewandten Seite die Nacht mit der Mondsichel im Zentrum des Zifferblattes. Fledermäuse umkreisen das Rund der Uhr und eine Drachendarstellung durchbricht das Quadrat der Malerei und fügt ein nach unten gezogenes Rechteck an. Das Gesamtbild ist dunkler gehalten als die „Tag-Seite“, welche zur Grestner Straße gerichtet ist. In ihrer rechteckigen Verlängerung findet sich die Darstellung des Hl. Michael mit dem Schwert, er ist Seelenführer und Beschützer der Christen sowie Schutzherr zahlreicher Berufe. Er stürzte den Drachen, Symbol der Finsternis, aus dem Himmel. Der in helleren Farben gemalte „Tag“ zeigt im Zentrum des Zifferblattes die Sonne, umkreist von hellen Vögeln, vielleicht Tauben und Schwalben. In die abgewinkelte, nach oben


53 Das Bürgermeisterzimmer

53 a und b Die Malereien im Bürgermeisterzimmer.

gehaltene linke Hand Michaels fügt sich das Stadtwappen. Das Fresko beginnt unterhalb der bogenförmigen Öffnung der „Aussichtsplattform“ und reicht bis unter die Fenster des zweiten Turmgeschoßes. Die Ausgestaltung des Sitzungssaales entspricht nicht nur durch die besonderen, heute noch vorhandenen Möbel aus der Werkstätte Mittringers in Wien, sondern auch durch die Fresken an allen Wänden den Anforderungen eines repräsentativen Baues. Bestimmt aber wird der Raum durch das Fresko, das durch die beiden Eingangstüren in den Saal begrenzt wird. Es zeigt die Abstimmung zum Rathausbau – hier ist auch das Modell des ursprünglich größer geplanten Rathauses zu sehen. Die beiden Wände links und rechts des Abstimmungsfreskos zeigen verschiedene Handwerks41


54 Der Plan vom ErdgeschoĂ&#x; des Rathauses, April 1927.

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55 Der Plan vom 1. Stock des Rathauses, April 1927.

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berufe. Über den Fenstern wird die Verbindung zwischen den Wänden durch Werkzeugdarstellungen hergestellt. Im Bürgermeisterzimmer findet sich an der Decke eine Darstellung von Frauenfiguren, die durch gleichfarbige Linien verbunden sind und wohl die Gerechtigkeit symbolisieren. Dass Holzinger das Turmuhrfresko und die Deckenbemalung im Bürgermeisterzimmer schuf, ist mit Rechnungen belegt. Keinen Nachweis gibt es jedoch über die Malereien im Sitzungssaal. Als im Jahre 1929 der Rathausbau fertiggestellt war, mussten die Brückenwaage und der Tabakkiosk demontiert werden. Frau Wentruba erhielt – wie schon erwähnt – ein kleines Tabakgeschäft im neuen Rathaus, das von ihrer Tochter, Frau Link, bis zu deren Pensionierung weitergeführt wurde. Ein zweites Geschäft, nämlich die „Milchtant“, ist den Wieselburgern sicher noch in Erinnerung. Es wurde von Gisela Engleitner und davor von deren Mutter, Frau Grüneis, geführt. Ein Geschäft war es, so klein 56 Der Lageplan für den Wohnhausanbau vom November 1929. Der Plan zeigt wie ein Fingerhut, doch das Ange- auch den Anbau des Julius Geissler und die „Kanalachse des Baches“, der unter bot war das eines Großmarktes. Von dem Rathausgelände floss, samt der Straßenbrücke. der Schokopraline bis zum Pullover war sozusagen alles zu haben. Nach der Pensionierung von Frau Engleitner wurde auch das Direkt an das neue Amtsgebäude ließ der Friseur Ju„Milchgeschäft“ geschlossen und die Räumlichkeiten lius Geissler, bisher am Hauptplatz 14 untergebracht, der Gemeindeverwaltung einverleibt. sein Wohn- und Geschäftshaus, ebenfalls von Anton Ursprünglich stand das Rathaus als eigenständiger Ge- Valentin geplant, erlaufseitig anbauen. 1951 erfolgte bäudekomplex direkt am Ende des Marktplatzes und der Anbau des Gebäudes für die Raiffeisenbank. Somit blickte wachsam die Hauptstraße entlang bis zum soge- erfuhr das Rathaus eine optische Verlängerung bis zur nannten „Lasser-Haus“, welches den Marktplatz nach Kreuzung der Kleinen Erlauftalbahn mit der BundesNorden hin abschloss. straße 25. 44


57 Plan vom Rathausbau.

Das Post- und Telegrafenamt befand sich früher ebenfalls im Rathaus – wie es auf alten Fotos anhand des großen Schriftzuges oberhalb des Rathauseinganges zu erkennen ist. Erst 1985 erfolgte – zwar von Valentin als Wohnhausanbau geplant, dann aber nach den Plänen von Architekt DI Johannes Scheruga als Postamt ausgeführt – der Anbau in der Grestner Straße. Durch diesen Anbau erfuhr das Rathaus auch eine Verlängerung in dieser Richtung. Abgesehen davon, dass das Rathaus einige Sanierungen in den Innenräumen sowie bauliche Maßnahmen durch das Auflassen der Geschäfte erfuhr, blieb es in seiner Bausubstanz bis heute gänzlich erhalten. *Das Architekturzentrum Wien28 bezeichnet den Wieselburger Rathausbau als „höchst eigenwillige Synthese

von romantischem Expressionismus und Heimatstil“. Valentin fertigte zuvor, im Jahre 1925, gemeinsam mit den Architekten Reiter und Rummler einen Entwurf für einen „Volkswohnhausbau der Gemeinde Wien“ an der Ecke Pappenheimgasse und Denisgasse im 20. Bezirk an. Es handelt sich um einen kommunalen Wohnbau des „Roten Wien“, der insgesamt 88 Wohnungen umfasst.29 Es war damals üblich, diese Gemeindebauten einem Team an Architekten zu übergeben und daher ist es oft schwierig zu beurteilen, woher das Ideengut für den Bau tatsächlich stammt. Der imposante Eckbau sticht besonders durch seinen hohen Sockel mit den expressiven spitzbögigen Eingangsportalen hervor. Wie in vielen großen Wiener Wohnbauten wurden auch hier im Erdgeschoß Geschäfte untergebracht. Der gesamte 45


58 Plan vom Rathausbau.

Bau ist geprägt von spitzen, expressiven Formen, welche die Stimmung der Zeit widerspiegeln. Laut Hautmann war die Architektur der Wiener Gemeindebauten Ausdruck des Kampfes.30 Vor allem sollte aber die neue, sozialdemokratische Ära durch einen neuen Baustil eingeleitet werden, der hohen Symbolcharakter hatte.31 In expressiver Weise gestaltete Valentin auch seinen Entwurf für das Rathaus in Wieselburg. Der Gegensatz zu dem Wohnbau in der Pappenheimgasse in Wien ist meines Erachtens nicht sehr groß. Inwieweit die Ideen für den Wohnbau in Wien von Valentin stammen ist natürlich unklar, da es sich um eine Gemeinschaftsarbeit dreier Architekten handelt. An dem Wohnbau kristallisieren sich jedoch einzelne Formen, die auch das Rathaus prägen, heraus. Besonders auffällig sind dabei die aus der glatten Fassade spitz herausragenden Er46

ker, die Valentin beim Rathaus an die Ecken des Baukörpers rückte. Als Anlehnung an große historische Rathausbauten setzte der Architekt einen turmartigen Baukörper ins Zentrum des Gebäudes. Der Zugang zum Amtsgebäude über einen breiten Stufenaufgang und durch zwei halbe Rundbögen greift ebenfalls die Typologie des Amtshauses auf und lässt die Wichtigkeit des Ortes bereits erahnen. Betrachtet man Valentins Schaubild mit dem Titel „Ratsherr“, ist eine breite Gebäudefront erkennbar, die jedoch durch ihre geknickte Anordnung nicht erdrückend wirkt. An der linken Seite ist bereits der Anbau für das Haus Geissler erkennbar. Der Turm war damals beinahe fensterlos geplant – später wurden an den Turmfenstern Fensterläden angebracht, da sich dahinter eine Wohnung befand. Von den beiden spitz hervorragenden Erkern, die jeweils mit einem Eckfenster versehen sind, ist jener des Bürgermeisterzimmers besonders prägnant. Da sich das angebaute Haus des Friseurs Geissler in die Gesamtkomposition einfügen sollte, wurde dieser Spitz in Form eines dreieckigen Balkons aufgegriffen. Die unterschiedlichen Fensterformen am Rathaus sind besonders interessant. Ursprünglich waren sie so nicht vorgesehen, wie an den halbrunden Fenstern an der Grestner Straße zu sehen ist. Diese wirken wie stilisierte Fabriksfenster – dahinter lag der Schalterraum des Post- und Telegrafenamtes. Die rückwärtige Fassade des Rathauses ist von einem breiten, beinahe durchgängigen Fensterband geprägt. Dieses sorgt für die optimale Lichtzufuhr im Stiegenhaus. Das Stilelement der langen Fensterbänder hat Valentin in den 1930er Jahren vor allem bei der Planung seiner Wiener Einfamilienhäuser eingesetzt. Für die damalige Zeit war die Verglasung einer größeren Fläche eine bahnbrechende


59 Plan vom Rathausbau.

Errungenschaft und eine statische Herausforderung. Die kleinen Fenster am Rathaus treten meist paarweise auf und sind durch gemeinsame Fensterbänke miteinander verbunden. Dieses interessante Element ist bereits bei Valentins Vorprojekt, dem Großmann-Hof zu sehen. Betrachtet man den Grundriss des Rathauses, scheint es, als würde es aus mehreren eigenständigen Bauelementen bestehen, die ineinander geschachtelt wurden und somit dem Rathaus sein einzigartiges Aussehen verleihen. Der Bauplatz für das Rathaus war aufgrund seiner spitz zulaufenden Form gewiss nicht einfach zu handhaben. Doch Valentin hat ihn auf vorzügliche Weise platzmäßig optimal ausgenutzt und durch sein Verschachtelungssystem der Marktgemeinde Wieselburg ein prägnantes Bauwerk beschert, das von allen Seiten aus betrachtet einen wahrlich imposanten Eindruck hinterlässt. Wie auf der Schautafel der Wettbewerbseinreichung und auch auf dem Abstimmungs-Fresko im Großen Sitzungssaal zu erkennen ist, war an der Grestner Straße der Anbau eines Wohnungstraktes geplant. In der Gemeinderatssitzung vom 12. Oktober 1929, die erst-

mals im neuen Rathaus stattfand, war noch von diesem Anbau die Rede, in dem auch die Postwägen untergebracht werden sollten. Vom November 1929 existieren entsprechende Entwurfspläne von Anton Valentin. Der Wohnungsanbau sollte dreistöckig ausgeführt werden und hätte den Rathausflügel daher etwas überragt. Wie schon beim Rathaus selbst, sollten auch hier klare Fensterachsen das Äußere bestimmen. Im Erdgeschoß waren zwei große Einfahrten für das Feuerwehrdepot geplant, darüber sollten halbrunde Fensteröffnungen für ausreichenden Lichteinfall sorgen. Weiters sollte sich im Erdgeschoß eine kleine Wohnung befinden und eine Durchfahrt zwischen Rathaus und Wohngebäude entstehen. Der erste und der zweite Stock sollten gleich aufgebaut sein: Am Gang waren zwei Toiletten geplant, welche die Bewohner der zwei kleinen Wohnungen und der etwas größeren Wohnung die einen Balkon zur Grestner Straße hatte, gemeinsam benützen sollten. Die Fassade ist jener des Rathauses angepasst – eine schlichte Fläche, die durch die Fenster mit den schmalen Fensterbänken unterteilt ist. Die hofseitige Fassade ist von den halbrunden Fenstern des Feuerwehrdepots und den kleinen Fenstern des Stiegenhauses geprägt, die mit einer gemeinsamen Fensterbank optisch wieder 47


zu kleinen Gruppierungen zusammengeschlossen wurden. Leider kam dieser perfekt auf das Rathaus abgestimmte Anbau in dieser Form nie zur Ausführung. Nachdem in den 1980er Jahren feststand, dass ein Postzubau erfolgen sollte, war klar, dass ein neuer Plan erstellt werden müsste – nicht alleine wegen der geänderten Ansprüche an die Räumlichkeiten, sondern auch aufgrund des geänderten Architekturstils. DI Johannes Scheruga fand eine gute Lösung für den Rathauszubau, den er einerseits zeitgemäß gestaltete und bei dem er andrerseits auf den historischen Bau und seine Stilelemente Rücksicht nahm. So griff er beispielsweise die spitzen Eckerker des Rathauses auf und setzte diese Form bei den Fenstern der beiden Obergeschoße ein. Auch die Gruppierungen der Fenster und deren optischer Zusammenhalt durch die verbundenen Fensterbänke zeigen eine starke Affinität zum Rathausbau. Die Form der nach oben hin halbrund abschließenden Fenster, hinter denen sich heute das Bürgerbüro befindet, wandelte er in hohe Fensteröffnungen um, die dem Untergeschoß einen arkadenähnlichen Charakter verleihen. All diese Elemente und auch die an das Rathaus angepasste Traufhöhe verleihen dem Gebäudekomplex ein harmonisches Aussehen.* Wie aus den diversen Gemeinderatsprotokollen hervorgeht, schuf Valentin, sozusagen als „Draufgabe“ zum Rathausbau das Wappen der Marktgemeinde Wieselburg. Dieses 48

60-61 Pläne vom Rathausbau.


Wappen wurde anlässlich der Stadterhebung „gebessert“. Hammer, Sichel und das Kammrad wurden entfernt und der frisch gebackenen Stadt das Recht eingeräumt, das gebesserte Marktwappen ab nun als Stadtwappen zu führen. Die genaue Wappengeschichte findet sich im Buch „Gemeindewappen im Bezirk Scheibbs“ von Irene Weiß. Wilhelm Löwenstein schrieb in seiner Chronik der Bezirksstadt Scheibbs folgendes zum Wappen von Wieselburg:32 „1929 (20.2.) Wieselburg erhält ein Wappen, das das neugebaute Rathaus sowie den Erlafzwiesel zeigt. Als Wappengrundfarbe und Fahne kommt zum Schwarz/Weiß des Bezirkshauptortes Scheibbs zusätzlich die blaue Farbe. Ob es das Blau von der Leibbinde des Scheibbser Wappens oder die Parteifarbe des verdienstvollen damaligen Wieselburger Bürgermeister Fahrner ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.“ Diese unwissenschaftliche Beschreibung des Wieselburger Wappens soll geklärt sein: In der Heraldik hat jede Farbe ihre Bedeutung. Deshalb ist es mehr als weit hergeholt, dass Wieselburg mit den Farben „Schwarz/Weiß“ Anleihe beim Scheibbser Wappen genommen hätte. Weiß gibt es ohnehin nur bei Fahnen, ein Wappen aber hat immer Silber als „Metall“ und niemals Weiß als Farbe. Silber – also bei Löwenstein Weiß – steht für Wasser. Es ist naheliegend, dass sowohl Scheibbs als auch Wieselburg – beide Städte an der Erlauf gelegen – diese Farbe im Wappen tragen. Schwarz steht steht für Industrie – hier ist beiden Städten wiederum eine Gemeinsamkeit inne: Wieselburg mit den eisenverarbeitenden Betrieben Wüster und Zizala, Scheibbs mit seinen Schmieden und Hämmern. Der größte Fauxpas ist allerdings, zu meinen, dass in einem Marktwappen eine Parteifarbe vorkommen dürfe. Das Blau in Wieselburgs Wappen steht für Luft und Reinheit und wiederum für Wasser.

62 Das Wappen der Marktgemeinde Wieselburg von Anton Valentin.

63 Das „gebesserte“ Wappen der Stadtgemeinde.

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Haus Geissler Wieselburg Der Friseur Julius Geissler, geboren am 7. Dezember 1892 in Theresienfeld bei Wr. Neustadt ehelichte am 5. Mai 1919 in St. Pölten Josefine Vogel (geboren am 31. Oktober 1885 in Wieselburg, verstorben am 2. Februar 1967 in Wieselburg). Josefine war die Tochter von Franz Vogel (geboren 1847 in Kladno in Böhmen), Bahnmeister der k.k. Staatsbahn, und dessen Frau Josefine (geboren 1858, geborene Mraz). Das Paar hatte vier Kinder Wendelin (geboren 1882 in Wieselburg), Josefine (geboren 1885 in Wieselburg), Bertha (geboren 1887 in Wieselburg) und Franz (geboren 1897 in Wieselburg, verehelicht mit Stefanie aus Ratzenberg)1. Julius Geissler war, so erzählte mir Fritz Riegler, als Friseur ins Kriegsgefangenenlager Wieselburg gekommen. Diese Aussage wird durch den Eintrag im Melderegister, dass Geissler im Februar 1915 aus Salzburg kommend nach Wieselburg zugezogen war, bestätigt. Nach Auflösung des Lagers quartierte er sich mit seinem neu gegründeten Geschäft am Hauptplatz 14, früher Haus Nummer 20, ein. Das Haus war in Besitz von Rosina Bittersberger. Als sich diese in den Zuckerbäcker Karl Reschinsky aus Scheibbs verliebte und ihn heiratete, richtete dieser im Jahre 1924 im Haus eine Zuckerbäckerei ein und der Platz wurde für Friseur und Zuckerbäcker 50

02 Das Bild des Scheibbser Malers Grausgruber zeigt das neue „Gemeindezentrum“ mit der 1950 angebauten Raiffeisenbank, dem Geissler-Haus und den daran anschließenden Geschäften im Rathaus.

01 Auf dem Bild vom Rathausbau zeigt sich, dass das Haus des Julius Geissler bereits vor der Vollendung des Rathauses fertiggestellt war. Rechts im Vordergrund ist durch das frühere „Friseurlogo“ – die goldene metallische Scheibe – noch der frühere Standort des Friseurgeschäftes im Hause Bittersberger (heute Reschinsky) erkennbar.


03 Der Plan zum Haus Geissler, August 1927.

reichlich eng. Geissler musste seine Küche abgeben, denn in dieser war nun die Zuckerbäckerei. Um einen eigenen Eingang in die Konditorei zu bekommen, wurde ein straßenseitiges Fenster zu einer Tür umgearbeitet. Nun, als das Rathaus geplant wurde, sah Geissler eine gute Gelegenheit, sich ein eigenes Geschäft zu schaffen. Was wohl sein Motiv gewesen ist, an das Rathaus anzubauen? Vielleicht die gute Lage mitten im Markt? Vielleicht versprach er sich von der Nähe des Rathauses, welches als Amt einen bestimmten Zustrom von Menschen haben musste, gute Geschäfte? Möglicherweise hat er erkannt, dass Wieselburg mit dem Rathaus und den darin befindlichen Geschäften und Ämtern ein richtiges Gemeindezentrum erhielt. Sicher war es sehr praktisch, auch gleich den RathausArchitekten Valentin zu beauftragen, die Pläne für sein

neues Geschäftshaus zu zeichnen. Das garantierte, dass ein einheitliches Ensemle, bestehend aus Rathaus und dem Haus Geissler, entstehen würde. Die Pläne Valentins für das Geissler-Haus stammen vom August des Jahres 1927, die Pläne für den Rathausbau erstellte Valentin nur wenige Monate davor, nämlich im April 1927. Aber schon im Protokollbuch der Sektion II2 vom 6. März 1925 ist unter den Berichten des Bürgermeisters zu lesen, dass der Friseur Geissler um den Erwerb eines Grundstückes zum Hausbau im Bereich der Brückenwaage ansucht. Der Bürgermeister schlug vor, anschließend an den für das Rathaus reservierten Grund eine kleine Parzelle für Herrn Geissler auszustecken. Im entsprechenden Bauakt3 befindet sich ein Schreiben des Julius Geissler an die Gemeindevorstehung, in 51


welchem er um die Erbauung eines Wohn- und Geschäftshauses auf dem von der Gemeinde zu erwerbenden Baugrund ansucht. Zu diesem Ansuchen fand am 29. Oktober 1927 der Lokalaugenschein statt, zu dem der Bauwerber Julius Geissler, der Bauführer Baumeister Wiktora, der Sachverständige Baumeister Anton Kernstock und die Gemeindevertreter Engelbert Wiesbauer und Alois Zehetgruber erschienen waren. Da das neu zu errichtende Haus in den Feuerbereich der Bahnlinie Obergrafendorf – Ruprechtshofen – Gresten fiel, war zum Lokalaugenschein ein Vertreter der Bundesbahn Streckenleitung St. Pölten als Anrainer eingeladen – Franz Wodizcka erschien in dieser Funktion. Da das Gebäude auch an der Bezirksstraße I. Ordnung Wieselburg – Scheibbs gelegen sein würde, war auch ein Vertreter der entsprechenden Behörde zum Lokalaugenschein geladen worden. Im Protokoll vom selben Tag ist festgehalten, dass die Kellerdecke aus Beton und die anderen Decken als Tramdecken ausgeführt werden sollten. Die Länge des Hauses ist mit 10,65 m (entlang der Straße), die Breite mit 9,75 m festgehalten. Der Geschäfts- und der Wohnungseingang sind über zwei Stufen erreichbar, wobei das Niveau des vorderen Hausteiles um 50 cm tiefer liegt als der hintere Geschäftsteil. Die Kellerstiege wurde in Beton, die Stiege im Wohnbereich aus Holz konzipiert. Für die Abwässer aus dem Friseurgeschäft musste eine Senkgrube an der Rückseite 52

04 Das fertige Ensemble entspricht einem „Gemeindezentrum“, wie es heute wieder in kleinen Orten üblich wird: Das Rathaus mit dem Lebensmittelgeschäft und der Tabaktrafik sowie der Post und das angebaute Friseurgeschäft Geissler.

Zwei für Valentin charakteristische Stiegenaufgänge im Geissler-Haus. 05 Die Stiege in das Dachgeschoß. 06 Die Stiege in den 1. Stock.


des Hauses errichtet werden (siehe Plan). Mit dem Schreiben vom 25. November 1929 brachte Julius Geissler der Marktgemeindevorstehung zur Kenntnis, dass sein Haus fertiggestellt sei und ersuchte um Kollaudierung und um Erteilung der Bewohnungs- und Benützungserlaubnis. Bei der Begehung am 22. Februar 1930 waren der Bauwerber Julius Geissler, der Bauführer Ing. Hubert Schinner, der Sachverständige Anton Valentin und die Gemeindevertreter Josef Nacal und Alois Zehetgruber anwesend. Am 24. Februar erhielt Julius Geissler die gewünschte Genehmigung4: „Auf Grund des kommissionell eingenommenen Lokal-Augenscheines wird dem Bittsteller der Konsens zur Bewohnung, resp. Benützung da der Bau nach den vorgelegten Bauplane ausgeführt wurde, erteilt.“ Aus dem am 10. Oktober 1931 ausgestellten Landesgebäudesteuerbescheid5 lässt sich herauslesen, dass der Neubau des Hauses bereits mit 1. Oktober 1929 in Betrieb genommen worden war. Nach dem Ableben des kinderlosen Ehepaares Julius und Josefine Geissler hatte die Schwester von Josefa, Frau Bertha Vogel, eine Hälfte des Hauses geerbt, die zweite Hälfte erbte Frau Racher. Von diesen beiden Damen erwarb 1972 Franz Scheichelbauer das Haus. Er war von 1960 bis 1968 bei der Firma Lindwurm beschäftigt – danach machte er sich selbstständig. Seinen ersten Geschäftsraum hatte er im

07-09 Valentins Möbelpläne für Geissler, März 1931.

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WC BAD 10 Das Bild zeigt mittig die Türe im Profil und links und rechts davon die Türöffnungen – es gab also für zwei Türstöcke nur eine Türe.

11 Skizze der besonderen Türkombination.

Haus Göschl in der Scheibbser Straße Nr. 6. Nun wollte er endlich ein eigenes Geschäfts- und Wohnhaus und kaufte deshalb das Geissler-Haus. Als Franz Scheichelbauer das Haus erworben hatte, waren die ursprünglichen Möbel bereits nicht mehr im Haus. Die Pläne aus dem Architekturzentrum Wien und die Einträge in Valentins Tagebuch beweisen aber, dass Julius Geissler sein Haus von Valentin einrichten ließ. Am 9. März 1936 suchte Geissler Architekt Valentin in Wien auf und bat ihn um Skizzen und Kostenvoranschläge für eine Sitz- und Schlafgelegenheit im Parterre-Wohnraum.6 Ebenso wollte er dort ein „Radiotischerl“ haben. Weiters wurden ein „Winterfenster“ für den Balkon und die Malerei im Parterre-Wohnraum besprochen. Am 14. Mai bestellte Valentin bei Tischler Mandl die Stühle für Geissler. Bereits am 20. Mai besichtigte der Architekt die Stühle und organisierte für den darauffolgenden Freitag den Transport nach Wieselburg. Außerdem tätigte er an diesem Vormittag „verschiedene Erledigungen für Geissler und Vogel“, die Schwester von Frau Geissler. Am 29. Mai vermerkte Valentin in seinem Tagebuch, dass die „Sitze für Geissler“ von Mandl geliefert wurden. Am 8. und 9. Dezember 1936 weilte Valentin laut Tagebuchaufzeichnungen in Wieselburg, um folgendes zu besprechen: „Geissler: Schrank im Geschäft (Vitrine, Geldlade etc.) und Balkonabschluss 54

12 Die Tür zum Balkon und dessen „Winterverglasung“.

Riedmüller: Ausgestaltungsvorschlag betreffend Siedlung Fahrner: im Frühjahr Hausrenovierung Bruckner: Allenfalls Kino-Anbau Mayerhofer (Petzenkirchen) teilt noch später mit wegen Zimmereinrichtung-Entwurf.“ Aus diesem Eintrag ist sehr deutlich zu sehen, dass Valentin in Wieselburg groß in Mode gekommen war – allerdings blieben einige avisierte Projekte unrealisiert, wie etwa der Kino-Anbau. Am 8. März 1937 suchte Geissler abermals Valentin in seinem Atelier auf und bat um „Entgegenkommen betreffend Honorar pro 1936 und bezahlt 160 S.“ Weiters ersuchte er bezüglich des Fensterabschlusses und des Schrankes im Geschäft um baldige Erledigung. Welch' eigentümliche Geschäftstaktik von Geissler! Offensichtlich hatte Valentin die Bestellungen des Friseurs aus finanziellen Gründen hintan gehalten. Am 10. Mai schließlich erledigte Valentin die Wünsche


13 Der Garten des Julius Geissler mit dem „Salettl“ und die Situation an der Rathausrückseite.

Geisslers und sandte am folgenden Tag die Skizzen per Post nach Wieselburg. Dies ist in Bezug auf Geissler der letzte Eintrag Valentins im Jahre 1937 und das Tagebuch endet auch mit diesem Jahr.

14 Das Bächlein, das unter dem Rathaus durchfloss, danach wieder kurz zutage trat und schließlich unter einer Straßenbrücke in das Johannisgasserl geleitet wurde, wo es später verrohrt wurde. Wie man sehen kann, waren die Schaufenster und die Geschäftstüre des Friseursalons mit Rolläden versehen; die Fensterläden waren ursprünglich grün.

Vom 18. Juli 1972 des Jahres stammt der Einreichplan für den Umbau des Hauses, der im Stadtarchiv Wieselburg zu finden ist.7 Baumeister Ing. Peter Thanel gestaltete das straßenseitige Erdgeschoß für den Eigentümer des Hauses, Franz Scheichelbauer, neu. Der Zeit und den Bedürfnissen des Hauseigners angepasst, wurden Auslagen und der Geschäftseingang neu hergestellt, sodass ein Großteil der Front aus Glas war. Im Inneren des Untergeschoßes entfernte er die Trennmauer zwischen dem ehemaligen Friseurgeschäft und dem Stiegenaufgang zur Wohnung. Der wunderschöne, für Valentin typische Stiegenaufgang, der in ähnlicher Weise auch im Riedmüller-Haus und im Turmgeschoß des Rathauses zu finden ist, blieb glücklicherweise erhalten. Die Originalfärbelung der Fassade war – wie auch jene des Rathauses – rotbraun, wie es das Grausgruber-Bild zeigt. Die ursprüngliche Färbelung des Stiegenaufganges war eine Kombination aus dunklem Braun und hellem 55


Ocker mit einem Stich ins Grün. Die Originalfarbe ist im oberen Teil des Stiegengeländers heute noch zu finden. Der untere Teil wurde von Julius Geissler umgefärbelt und weist ein zartes Blaugrau, kombiniert mit einem interessanten Orangerot auf. Beide Farbkombinationen sind sehr geschmackvoll. Glücklicherweise sind heute noch einige originale Türen und Fenster zu finden – offenbar war die Fenster- und Türenfarbe weiß oder eher elfenbein. Die Innentüren wiesen die selbe ockergelbe Farbe auf wie das Stiegengeländer. Eine besondere und einzigartige Finesse im Haus stellt die Türkombination im Vorraum und Bad dar: Wie man anhand der Skizze sehen kann, hat die Türe, die das Vorzimmer der Wohnung von einem kleinen Vorraum, von dem man zum Bad und in das WC gelangt, eine Doppelfunktion – sie hat nämlich zwei Türstöcke. Öffnet man diese Tür, um auf die Toilette zu gelangen, schließt man mit ihr das Badezimmer. Öffnet man die Badezimmertür, dann schließt man die Tür zum Vorraum der Wohnung. Dieses geniale Türsystem ist nicht nur praktisch, sondern vor allem besonders platzsparend.

trat der Bach zwischen dem Haus der Familie Bauer und dem Schlosspark wieder zu Tage, wurde unter der Bahn wieder verrohrt und mündete schließlich in der Erlauf.

Der Spar-Seniorchef Ernst Bauer erzählte mir, dass der Frisiersalon des Julius Geissler der eleganteste seiner Zeit weit und breit war. Julius Geissler und seine Frau lebten sparsam und oftmals ging Julius Geissler ins Geschäft der Familie Bauer, das damals im Marktschloss untergebracht war, und holte sich ein einfaches Mittagessen, das oftmals nur aus einer Semmel und einem Essiggurkerl bestand. Geissler selber war von Valentin begeistert und schwärmte, dass dieser „mit wenig Kubatur sehr viel baut“ – Valentin wiederum ärgerte sich über die „geringe Kubatur, die er für die Planung zur Verfügung hatte“. 8

Straßenseitig schuf Franz Scheichelbauer einige Parkplätze vor seinem Geschäft, indem er auf seinem Grund die Parkbucht bauen ließ. Aus dem Jahre 1977 existiert ein Plan von Ing. Herbert Schinner zum Dachausbau für Franz und Rosa Scheichelbauer. Auf dem Lageplan dazu ist bereits der Geschäftsanbau eingezeichnet, er wurde jedoch erst 1982 realisiert. Bis zu diesem Jahr, so erzählte mir Herr Scheichelbauer, war hofseitig ein „Sommersalettl“ – heute würde man sagen eine Art Wintergarten – an das Haus gebaut und ein großer Weichselbaum beherrschte den hofseitigen Platz zwischen Rathaus und Geissler-Haus. Dahinter war nichts – einfach Freiland, Pappeln und nasse Wiesen. Auf das Rathaus floss ein Bächlein zu – es wurde unter dem Rathaus durchgeleitet, trat danach für einen schwachen Meter wieder an die Oberfläche und floss dann unter eine Straßenbrücke der B25, die kaum als solche erkennbar war. Neben dem Johanniswegerl 56

15 Das Geissler-Haus


*Julius Geissler traf eine wahrlich gute Wahl, als er den Architekten Anton Valentin für den Bau seines Friseursalons beauftragte. Dadurch dass er den Architekten des anschließenden Rathauses mit der Planverfassung betraute, entstand ein Gebäudekomplex mit ausgesprochen harmonischem Aussehen. Das etwas weiter hinabgezogene Dach grenzt den Friseursalon bewusst optisch vom Rathaus ab, sodass dieser noch als eigenständiger Bau erkennbar ist. Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl setzte Valentin verschiedene Elemente des Rathausbaues beim Haus Geissler wieder ein – dies war wohl kein einfaches Unterfangen, da das Haus Geissler bereits vor dem Rathaus fertiggestellt worden war. Va16 Heute ist die stilistische Zusammengehörigkeit des ehemaligen Geissler-Hauses mit lentin nahm beispielsweise dem Rathaus nur noch anhand des eckigen Balkones zu erkennen. Lange Zeit bildeten die drei Fenster mit den die beiden Gebäude einen einheitlichen Gebäudekomplex, bis sich das Geschäftslokal Fensterläden im Untergedurch die Umgestaltung der Auslagenfront und in jüngster Zeit durch die graue schoß des Rathauses als StilFärbelung des Obergeschoßes endgültig als eigenständiges Gebäude präsentierte. element und setzte es bei Geissler im Obergeschoß wieder ein. Auch der spitze Eckerker, hinter dem das durch, auf welcher der Schriftzug „Herren- und Bürgermeisterzimmer liegt, wiederholt sich als Damen Friseur“ zu lesen ist. Darüber befinden sich spitz herausragender Balkon am Haus Geissler. Auf wiederum breite Oberlichten. Die vierte Fensterachse dem Grausgruber-Bild ist auch die Ähnlichkeit der ist gleich aufgebaut, wurde jedoch nicht durch eine Geschäftseingänge zu sehen: Über den Eingängen der durchgängige Verkröpfung mit den anderen Achsen „Milchtant“ und des Tabakgeschäftes im Rathaus ist verbunden. Dies rührt daher, dass sich dahinter der eine breite Tafel mit den Geschäftsnamen zu sehen. Eingang zum Privatbereich des Hauses befindet. Auch Darüber setzte Valentin einen breiten, niedrigen der darüberliegende Balkon zeichnet diese vertikale Fensterbalken ein. Es wirkt, als ob die Tafel eine Achse als etwas Besonderes aus. große Fensterfront durchbrechen würde. Diese Vorgehensweise findet sich auch bei Geissler wieder: Die Wiederholungen bestimmter Stilelemente aus dem Über dem Eingang zum Frisiersalon und den daneben Rathausbau zeigen durch ihren subtilen und verspielten liegenden Schaufenstern zieht sich eine Verkröpfung Einsatz das architektonische Feingespür Valentins.* 57


„Der Planer von Scheibbs“ Siedlungsplanungen in Scheibbs Anton Valentin führte in Scheibbs verschiedene Siedlungsplanungen durch und entwarf für diese unterschiedliche Typen von Siedlungshäusern. Wie weit seine Pläne verwirklicht wurden, lässt sich nicht immer ein- 01 Der Strukturplan zur Erschließung des Siedlungsgeländes östlich der deutig sagen. Möglicherweise wur- Feldgasse, Jänner 1952. de die Anordnung der Siedlungshäuser von Valentin übernommen, die Häuserplanung jedoch von einem ansässigen Baumeister durchgeführt. Im folgenden Fall gibt es Notizen im Gemeinderatsprotokoll, jedoch konnten keine dazugehörigen Pläne gefunden werden: In der Sitzung des Scheibbser Gemeinderates vom 28. April 1952 präsentierte Bürgermeister Anton Herok unter Anwesenheit von Architekt Valentin den ausgearbeiteten Strukturplan vom Gelände nordöstlich von Scheibbs, welcher die Grundstücke von Leopold Traunfellner, Leopold Schoder, der Stadtgemeinde, der Geschwister 02 Valentins Plan für die Erschließung der Glax-Gründe, April 1953. Eder und von Anton Traunfellner zur Verbauung vorsah. Laut Plan standen 87 Bauparzellen zur Verfügung. Der Plan Zur Anbotslegung wurden die Firmen Karlinger und wurde einstimmig angenommen und besonders die Schubert eingeladen.1 gute Straßenführung hervorgehoben, durch welche auf einen Bauplatz nur 13 Laufmeter Straßenlänge Valentins Siedlungsplanung für Scheibbs begann aber fielen. Nach einer Debatte im Gemeinderat wurde bereits ein Jahr früher: Am 8. Mai 1951 teilte Bürder Beschluss gefasst, dass das Gemeindegrundstück germeister Herok dem Gemeinderat mit, dass die Mögjedenfalls parzelliert werde und ein Geometer eine lichkeit bestünde, von Kürschnermeister Josef Glax ein Aufnahme über das gesamte Gelände machen solle. Grundstück im Ausmaß von 22.000 m2 zu erwerben. 58


03 Bürgermeister Anton Herok – am 25. Mai 1950 wurde der Finanzbeamte zum Bürgermeister von Scheibbs gewählt und blieb bis 1965 in diesem Amt. Anlässlich seiner Amtsübergabe wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Scheibbs ernannt.

Nach Mitteilung des Architekten Valentin sei dieses Grundstück für eine Verbauung geeignet. Am 2. Juni 1951 legte der Gemeinderat den Preis für die GlaxGründe mit S 2,50 pro m2 einstimmig fest und kam überein, die Gründe anzukaufen. Am 21. August 1951 wurde beschlossen, dass Anton Valentin den Auftrag für die Parzellierung der Glax-Gründe erhalten solle. Im Gemeinderat wurde ein Ausschuss gebildet, der aus dem Bürgermeister, den beiden Vizebürgermeistern und den Gemeinderäten Burkhard und Gattringer bestand. Ein interessanter Eintrag im Protokollbuch findet sich in der Niederschrift von 11. Dezember 1951. Der Bürgermeister, so heißt es, gab Anton Valentin den Auftrag, bis zum Frühjahr 1952 den Bebauungsplan für die Glax-Gründe zu erstellen. Er bekomme diesen Auftrag aufgrund seiner zufriedenstellenden Tätigkeit als „Planer der Stadt Scheibbs.“2 Am 13. April 1953 wurde in der Gemeindekanzlei eine Niederschrift aufgenommen, welche die Verbauungspläne der Stadt Scheibbs beinhaltete. Betreffend Architekt Valentin wurde festgehalten, dass der von ihm begonnene Verbauungsplan der Glax-Gründe in Einvernehmen mit dem NÖ Gebietsbauamt von ihm fertiggestellt werden solle. Zur Verbesserung des Verlaufes der Grundgrenzen war ein Grundtausch mit Leopold Traunfellner vorgesehen. Während Traunfellner 91 m2 abtreten sollte, erhielt er im Gegenzug 107 m2 von der Stadtgemeinde. Zusätzlich

04-06 Valentins Lösungen 1-3 für die Bebauung der Feldgasse, 28. August 1928.

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forderte er eine Entschädigung von S 1.000,- für die auf dem Grund befindlichen fünf Zwetschkenbäume. Dies schien dem Gemeinderat zu hoch gegriffen und der Bürgermeister musste weitere Verhandlungen mit Leopold Traunfellner aufnehmen.3 Was die Glax-Gründe anbelangt hatte ich ein interessantes Erlebnis. Valentins Sohn, Oberstadtbaurat in Ruhe DI Peter Valentin, erzählte mir anlässlich eines Telefonates, dass er in seiner Studienzeit oftmals für seinen Vater im Büro verschiedene Aushilfsarbeiten erledigte. Spontan erinnerte er sich, am Bau der Siedlungshausmodelle für die Glax-Gründe in Scheibbs mitgearbeitet zu haben. Das beweist, dass Valentin für diese Siedlung Baupläne und sogar Modelle erstellt hatte.

07-08 Valentins Lösungen 4 und 5 für die Bebauung der Feldgasse vom 28. August 1928.

09 Der Entwurf für eine Doppelwohnhaus-Type vom 28. August 1928.

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Siedlungsplanung an der Feldgasse Eine weitaus bedeutendere Rolle nahm die Planung der Siedlung an der Feldgasse bzw. östlich der Feldgasse sowie die Erschließung der Gründe zwischen der Bezirksstraße und der Feldgasse – also der späteren Rudolf Radingerstraße – ein, für die es mehrere Varianten der Bebauung gibt. *Anton Valentin plante sehr aufwändig für dieses Projekt – er entwarf allein fünf unterschiedliche Lösungen für die Parzellierung und Bebauung der Gründe. Zwei dieser Lösungen sahen lediglich Einfamilienhäuser vor, zwei waren für Doppelhäuser konzipiert und ein Plan zeigt eine Mischung aus Einzel- und Doppelhäusern. Auch die Art der Straßenführung variiert bei den verschiedenen Plänen – einige zeigen zwei gerade Straßen, mit einer kurzen Querstraße verbunden und andere Pläne zeigen den jetzigen Zustand: zwei leicht gekurvte Straßen, die – einem Flusszwiesel gleich – ineinander münden. Alle Verbauungspläne stammen vom 28. August 1928 und befinden sich im Stadtarchiv Scheibbs. Dort liegt mit der selben Datierung ein Plan für die „Wohnhaustype 1: für die Siedlung an der Feldgasse in Scheibbs“. Dieser zeigt den Entwurf für ein Doppelwohnhaus mit zwei gespiegelten Haushälften. Der sehr einfache Grundriss sieht im Erdgeschoß ein Zimmer, die Küche und ein WC vor und im Obergeschoß einen kleinen Vorraum, der in zwei Zimmer führt. Die Waschküche be-


findet sich im Keller. Dieser Haustypus scheint bei Valentins Entwürfen für Einfamilienhäuser mehrmals auf. Die leider undatierten Entwürfe befinden sich im Architekturzentrum Wien – gemeinsam mit einem Verbauungsplan vom April 1929. Die Pläne der Einzelhäuser sind demnach auch zu dieser Zeit enstanden. Der Verbauungsplan der Gründe zwischen der Feldgasse und der Bezirksstraße vom April 1929 zeigt 13 Objekte, die jeweils einem der fünf geplanten Typen von Siedlungshäusern entsprechen sollten. Die verbaute Fläche sollte sich von 72 m2 bei „Type 1“ über 79 m2 bei „Type 2“ und „Type 2a“ zu je 94 m2 bei „Type 3“ und „Type 3a“ steigern. Type 1 Das zweistöckige Wohnhaus mit dem weit heruntergezogenen Krüppelwalmdach ist das kleinste der drei Haustypen. Der Baukörper ist an einer Giebelfront teilweise rückversetzt und erweckt dadurch den Eindruck von zwei ineinander geschachtelten Bauteilen. Der Eingangsbereich ist an dieser Hausseite in den Baukörper hineinversetzt und wird vom Obergeschoß des Gebäudes überdacht. Ein relativ zierlich wirkender Pfeiler stützt das Dachgeschoß an der Hausecke ab. An der rückwärtigen Giebelfront ist ein kleiner, aus dem Gebäude hervorspringender Balkon angebracht. In der Mittelachse der Eingangsfront befindet sich das Stiegenhaus, dessen unterschiedlich hohe Fenster in einer Achse übereinanderliegen.

10 Der Verbauungsplan für die Gründe an der Feldgasse vom April 1929.

11 Haus-Type 1 für die Siedlung an der Feldgasse.

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12 Haus-Type 2 für die Siedlung an der Feldgasse.

13 Haus-Type 2A für die Siedlung an der Feldgasse.

Zwischen dem WC-Fenster und dem Küchenfenster befindet sich im Erdgeschoß an der Seitenfront eine Pflanzen-Rankhilfe als optisches Bindeglied der beiden Elemente. Aufgrund der mäßigen Gebäudegröße ist die Zimmeraufteilung einfach gehalten. Vom Vorraum führt jeweils eine Türe in die Küche, in ein Zimmer und in das WC. Der Stiegenaufgang befindet sich an der Außenwand des Hauses. Im Obergeschoß gibt es noch ein zusätzliches Zimmer mit Zugang zum Balkon und einen Bodenraum. Der Grundriss zeigt, dass sowohl in der Küche, als auch im Erdgeschoßzimmer jeweils zwei Fenster nahe an das Hauseck gerückt wurden. Eine durchgehende Fenster-Ecklösung, wobei die beiden Fenster zu einem verschmelzen, ist jedoch noch nicht gegeben.

nimmt. Die andere Hälfte ist mit einem zentral gelegenen, großen Fenster mit Fensterläden versehen. Im Gegensatz zu Type 1 sind die Fenster von den Hausecken wieder in die Mitte der Hausfronten gerückt. Die Haus-Type 2 wird von einer großen Wohnküche mit Zugang zu einer kleinen Speisekammer geprägt. Das Küchenfenster an der rückwärtigen Giebelfront ist der Größe des Zimmerfensters angepasst. Das seitliche Fenster ist im Gegensatz dazu etwas breiter und bildet einen Kontrast zur kleinen Fensteröffnung der Speisekammer. Das Fenster des WCs ist ähnlich wie jenes des Stiegenhauses relativ hoch angebracht. Das liegt vielleicht daran, dass das WC scheinbar höher gelegen ist, da es über die ersten vier Treppen des Stiegenhauses begehbar ist. Die Zimmer des Dachgeschoßes sind beinahe symmetrisch angelegt. In der Mitte befinden sich in Richtung Gartenseite ein Zimmer mit Zugang zum Balkon und eine etwas schmälere Kammer. An der Außenseite gibt es jeweils eine Bodenkammer.

Type 2 Der Unterschied zur Type 1 besteht in der größeren Verbauungsfläche, die aus einem beinahe quadratischen Grundriss mit großzügigerer Zimmeraufteilung resultiert. Auch der gepflasterte Eingangsbereich, der hier ebenso in das Haus hineingerückt wurde, ist großflächiger gestaltet. Die Sonderheit der beiden ineinandergeschachtelten Bauelemente der Haus-Type 1 findet sich hier nicht. Die Fensteraufteilung an der Giebelfront ist ähnlich; lediglich das Fenster im Erdgeschoß ist kleiner, da sich dahinter das WC befindet. Die Seitenansicht zeigt den überdachten Eingangsbereich, der beinahe die Hälfte der Hausbreite ein62

Type 2A Die Haus-Type 2A weist den selben Grundriss und die selbe Verbauungsfläche wie Haus-Type 2 auf, jedoch ist im Erdgeschoß statt der Speisekammer ein Badezimmer untergebracht. Dadurch ergibt sich an der Giebelfront ein weiteres Fenster, dessen Fensterladen direkt an das WC-Fenster anschließt. Das höchstgelegene Fenster des Stiegenaufganges wurde aus der Mittelachse ver-


14 Haus-Type 3 für die Siedlung an der Feldgasse.

15 Haus-Type 3A für die Siedlung an der Feldgasse. A

setzt und bildet mit dem WC-Fenster und dem zweiten Stiegenhaus-Fenster eine Diagonale. In der Raumplanung des Obergeschoßes ergeben sich nur minimale Änderungen; die auffälligste an der Außenfront ist jedoch die Wegnahme des Kammerfensters.

Erdgeschoß wird dermaßen in die Pflanzen-Rankhilfe integriert, dass es Teil dieses Ensembles wird und somit die Symmetrie nicht stört.*

Type 3 Die Haus-Type 3 ist der größte Typus in der Feldgasse. Im Erdgeschoß wurde eine zusätzliche Kammer hinzugefügt und die Wohnküche zu einem reinen Küchenraum verkleinert. Die zusätzliche Kammer kann vom Zimmer aus betreten werden und weist wieder jene Eckfensterlösung auf, wie sie schon bei Type 1 vorkommt. Das Obergeschoß entspricht in seiner Raumaufteilung der Type 2. Auch die Giebelfront ist in der zentralen Anordnung der Fenster an der Fassade gleich. Eine Pflanzen-Rankhilfe am Eck des Hauses bildet den optischen Ausgleich zum Eingangsbereich, und stellt somit auf eine gewisse Art und Weise die Symmetrie der Fassade wieder her. Type 3A Auch hier bedeutet die A-Type die zusätzliche Ausstattung mit einem Badezimmer, das hier im Obergeschoß untergebracht wurde. Dadurch wird auch die Fensteranordnung an der Giebelfront verändert. Im Obergeschoß wird ein Badezimmerfenster hinzugefügt, welches das obere Fenster des Treppenhauses aus der Mittelachse drängt. Die Symmetrie der Giebelfassade bleibt dadurch erhalten. Das kleine WC-Fenster im

Die Rudolf Radingerstraße wurde im Jahre 1929 angelegt. Über die Initiative des Kaufmannes und Sparkassendirektors Wilhelm Löwenstein errichtete die Sparkasse vier Siedlungshäuser als Beitrag zur Arbeitsbeschaffung und zur Verbesserung der Wohnungssituation. Seit Beginn des Ersten Weltkrieges, so schreibt Löwenstein4, war die Bautätigkeit in Scheibbs äußerst gering. Es wurden höchstens ein bis zwei Wohnhäuser pro Jahr erbaut. Ludwig Mayr, der Besitzer des Hauses in der Radingerstraße Nr. 1, erzählte mir, dass diese vier Häuser ein sogenanntes „Baulos“ waren und zum Ziel hatten, Arbeit zu schaffen. Das Haus Radingerstraße Nr. 1 wurde von Ignaz Gruber, dem letzten Nachtwächter von Scheibbs, erbaut. Er selbst logierte in einer Wohnung und vermietete das Haus. Als er es später doch bezog, vermietete er das Obergeschoß. Später erbte seine Tochter, deren Mann Lorenz Kaider im Krieg gefallen war, das Haus. Ihr Sohn Lorenz, wie sein Vater genannt, verkaufte das Haus 1980 an Ludwig Mayr. Der Originalplan, den mir Herr Mayr zeigte, stammt aus dem Büro Anton Traunfellners. Weitere Häuser dieses Bauloses sind das Haus Nr. 4 der Familie Johann Pitzl, das Haus Nr. 2 der Familie Reinhold Pitzl und das Haus Krenn in der Feldgasse. Mit Juli 1929 sind die Pläne von Anton Traunfellner 63


16 Eigenheime der Sparkasse Scheibbs – Type 2.

17 Eigenheime der Sparkasse Scheibbs – Type 3A.

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18 Traunfellners Bauplan für die Eigenheime an der Feldgasse, Juli 1929.

datiert, nach denen offensichtlich diese Häuser gebaut wurden. Es erhebt sich die Frage, ob Valentins Pläne keinen Gefallen fanden, oder ob man einfach eine Scheibbser Firma dem Wiener Architekten vorzog. *Ein Set von Valentin-Plänen mit dem Titel „Eigenheime der Sparkasse Scheibbs an der Feldgasse in Scheibbs“ mit wiederum unterschiedlichen HausTypen diente mit ziemlicher Sicherheit der Firma Traunfellner als Entwurfsvorlage für die realisierten Häuser. Ein Vergleich von Traunfellners Plan für das Haus der Art II zeigt erstaunlich große Ähnlichkeiten mit der Type 3A von Valentin. Die Grundzüge sind beinahe gleich, das Haus wurde lediglich gespiegelt, das Dach zu einem Krüppelwalmdach abgeändert und im unteren Bereich mit einem Knick nach außen versehen. Die Eingangssituation wurde leicht abgeändert, indem Traunfellner den Bereich mit der Veranda hervorspringen lässt und das Dach dadurch etwas weiter hinuntergezogen wird. Der Grundriss und die Raumaufteilung ist dennoch sehr an Valentins Erstentwürfe angelehnt.

Betrachtet man das Haus Mayr, so gleicht die Anordnung der kleinen Fenster im rückwärtigen Gebäudeteil jener des Valentin-Entwurfes der Type 3A sehr stark. *

19 Der Druckereibesitzer Rudolf Radinger (+1952) war von 1920 bis 1938 Bürgermeister und seit 1937 Ehrenbürger von Scheibbs.

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20-21, 22 Das Haus von Ludwig Mayr in der Radingerstraße Nr. 1.

23 Haus Johann Pitzl, Radingerstraße Nr. 4.

24 Haus Reinhold Pitzl, Radingerstraße Nr. 2.

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Der Wohnhausbau der Städtischen Sparkasse Vom 8. August 1928 gibt es Pläne für einen „Entwurf für ein Wohnhaus der Städtischen Sparkasse in Scheibbs“. Dieses Objekt, das aus zwei ineinandergeschachtelten Häuserblöcken bestand, wurde offensichtlich nicht errichtet. Möglicherweise war es eine Alternative oder eventuell eine Ergänzung zu den Siedlungshäusern in der Feldgasse. Im Grundkataster konnte ich eruieren, dass das Areal, welches für das Sechsfamilienhaus vorgesehen war, jenes ist, auf dem sich heute 25 Die straßenseitige Fassade des Wohnbaues der Sparkasse Scheibbs. der Landeskindergarten Scheibbs befindet, der Ende der 1960er Jahre erbaut wurde. Von Gemeinderat Reinhold Pflügl erfuhr ich, dass vor dem Bau des Kindergartens das Areal als „Schulgarten“ genutzt wurde. In seiner Erinnerung sind noch die schönen großen Kastanienbäume im Garten. Dieser alte Baumbestand ist auch in Valentins Plänen vermerkt – es ist eine Reihe von Kastanienbäumen eingezeichnet und als solche beschriftet. 26 Die Hofansicht des Wohnbaues der Städtischen Sparkasse Scheibbs. Die Pläne zeigen im längeren Trakt des Erdgeschoßes zwei beinahe gleich große Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern, sant zu betrachten. Valentin setzt hier zwei eigenstäneiner Toilette und einer Küche; im kleineren Trakt, dige Häuser aneinander und lässt sie ineinander der einen eigenen Hauseingang mit einem halbrund verschmelzen. Es handelt sich um einen Eckbau – doch nach außen gewölbten Stiegenhaus hat, erstreckt sich das Eck bildet er zur Straße hin nicht aus, sondern eine große Wohnung über die gesamte Etage. Die lässt den Baukörper nach hinten zurückspringen. selbe Raumaufteilung findet sich auch im ersten Stock Der Grundriss erinnert beinahe an das Wieselburger wieder. Rathaus, das ebenfalls als Eckbau konzipiert wurde. In jenem Fall wurde das eingezogene Eck jedoch als *Das halbrunde Stiegenhaus wird sich später in etwas dominanter Eingangsbereich ausgebildet. ausgeprägterer Art und Weise bei Valentins Entwurf Die Fassade des Scheibbser Wohnhauses ist sehr strukfür ein Haus für Frau Julie Wüster wiederfinden. Der turiert aufgebaut. Klare Fensterachsen dominieren das Grundriss des Scheibbser Wohnbaues ist sehr interes- Äußere – doch auch hier bilden sich ansatzweise schon 67


Eckfenster heraus. Diese waren in den 1920er und 1930er Jahren ein beliebtes Stilmittel, da sie – genauso wie das Flachdach – eine technische Neuerung in der Architektur darstellten. Die an die Ecken gerückten Fenster haben keine Fensterläden, stattdessen sollte wohl der Mauerrest an der Ecke mit dem Sichtziegelstreifen als dekoratives Element dienen. Die hofseitige Fassade zeigt hingegen eine Vielzahl unterschiedlicher Fenster: große Fenster mit oder ohne Fensterläden – beide in strikten Fensterachsen angeordnet – und höhenversetzte Fenster in allen möglichen Größen. Hinter jenen befindet sich das Stiegenhaus, das dadurch eine optimale Lichtzufuhr erhalten sollte. Es existieren auch Tischlerpläne für das Wohnhaus in Scheibbs, welche Detailzeichnungen und genaue Abmessungen der Fenster, Türen und Dachgauben umfassen. Diese Pläne und auch die Menge an Entwurfszeichnungen und Lageplänen weisen bereits darauf hin, dass sich das Projekt schon in einem fortgeschrittenen Planungs- und Realisierungszustand befand.* Sämtliche Pläne für das Haus, die sich im Archiv der Sparkasse Scheibbs befinden, sind seitens der Gemeinde Scheibbs genehmigt und von folgenden Personen unterzeichnet: Architekt Anton Valentin, Dr. Heinrich Jelinek und Dir. W. Löwenstein als Vertreter des Bauherren, der Direktion der Sparkasse in Scheibbs. Der Stempel der Gemeinde Scheibbs befindet sich ebenso auf den Plänen, wie auch folgende Notiz: „Beim Lokalaugenschein vorgelegen und genehmigt, 22. September 1928, der Bürgermeister Rudolf Radinger“.5

27 Oben: Ein weiterer Entwurf vom 8. August 1928 sah eine „ungeknickte“ Grundrissvariante vor. 28 Unten: Der Lageplan des Wohnhauses mit dem Grundriss des Erdgeschoßes. Die bestehenden Kastanienbäume sind als Kreise dargestellt.

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Volksbank Wieselburg Der erste urkundlich genannte Besitzer des Hauses Nr. 19, heute Hauptplatz 16, in Wieselburg war im Jahre 1752 Michael Fellner. 1784 scheinen Leopold und Viktoria Brandstötter als Besitzer auf, 1790 sind Martin und Viktoria Windbacher eingetragen. Im Jahre 02 Der Vorschuss- und Sparverein nach dem Umbau. 1822 ersteigerten Karl und Anna Maria Hametner das Haus, 1832 kauften es Joseph und Cäcilia Hagenhuber. Ab 1841 Wieselburg, ordinierte im Haus des Vorschuss- und übernahmen Alois und Barbara Lasser die Gastwirt- Sparvereines. Den Erzählungen von Paula Neubacher schaft. Der 1880 gegründete „Vorschuss- und Spar- zufolge wohnte und arbeitete auch der Schneider Reiverein“ mietete bei Familie Lasser einen Raum zur Ab- scher im Haus. wicklung der Bankgeschäfte und erwarb das Haus Am 1. Juni 1929 übersiedelte die Gemeindestube in das schließlich im Jahre 1887. Durch das Auflassen einer neu erbaute Rathaus. Im selben Jahr wurde nach den Wohnung konnte der Gemeinde ein Raum vermietet Plänen Anton Valentins der Zusammenbau des Bankwerden, der als Gemeindekanzlei genutzt wurde. hauses einerseits mit dem Haus des Franz Nedbal, Im Haus Nr. 19 waren auch Handwerker untergebracht. Hauptplatz 18, und andrerseits mit dem Haus der So wohnten und arbeiteten hier nachweislich Schnei- Rosina Bittersberger, Hauptplatz 14, durchgeführt und dermeister Franz Stefan und der Uhrmacher Josef somit eine geschlossene Häuserzeile gebildet. Karg, der seine Werkstätte im Obergeschoß hatte. Auch Im Stadtarchiv findet sich das entsprechende BauErnst Spohn, von 1887 bis 1891 Gemeindearzt von verhandlungsprotokoll vom 12. Juni 1929, das einen Zubau zum bestehenden Gebäude des Vorschuss- und Sparvereines Wieselburg am Hauptplatz Nr. 16 behandelt. Bei der Bauverhandlung waren folgende Personen zugegen: Bürgermeister Anton Fahrner, Josef Lorenz und Alois Zehetgruber als Vertrauensmänner, Baumeister Anton Traunfellner als technischer Beirat, Dir. Anton Gräber als Vertreter des Vorschuss- und Sparvereines, Herr Architekt Anton Valentin als Bau01 Das Haus des Vorschuss- und Sparvereines. Über den beiden Fenstern im Parterre rechts kann man die Tafel der „Gemeindekanzlei“ sehen, links zwischen den beiden Stockwerken befindet sich das Firmenschild des Uhrmachers Josef Karg, der auch sicherlich die vom rechten Hauseck auf die Straße ragende Uhr angebracht hat.

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werber, Baumeister Friedrich Aichberger und Baumeister Karl Wiktora als Bauführer, Franz Nedbal und Rosina Bittersberger als Anrainer. Es war der Plan, Anbauten zum bestehenden Haus sowie eine Holzlage im Hoftrakt zu errichten. Aufgrund der vorliegenden Pläne sollten folgende Arbeiten durchgeführt werden: Straßenseitig links zwischen Herrn Nedbal und der Vorschusskasse wird im Erdgeschoß längs der ganzen Gebäudetiefe eine Wohnung, bestehend aus Küche und Zimmer und eine ebensolche darüber im ersten Stock geschaffen. Straßenseitig rechts bis zur Anrainerin Rosina Bittersberger werden auf 7 m Gebäudetiefe im Erdgeschoß eine Durchfahrt und im ersten Stock zwei Räume für die Sparkasse geschaffen. Über die Anbauten wird das bestehende Dach, laut Plan in den vorhandenen Höhen und Breiten bis zu den Anrainern verlängert. Der Zugang zur linken Wohnung im ersten Stock erfolgt über eine Freitreppe aus Beton unter der ein Klosett eingebaut wird. Durch den Anbau rechts ergibt sich die Notwendigkeit, im ersten Stock des Nachbarhauses der Frau Bittersberger das gegen den Grund der Sparkasse herausgehende Fenster zu vermauern. Die Dachkonstruktion wird im Sinne des vorhandenen Bestandes weitergeführt. An den bestehenden Hoftrakt wird an dessen rückseitiges Ende eine Holzlage von 15,62 m Länge auf die bestehende angebaut. Im alten Trakt werden drei Kleinwohnungen geschaffen. 70

03 Valentins Plan für den Umbau des Vorschuss- und Sparvereines.

04 Der Grundriss des Erdgeschoßes, April 1929.

05 Der Grundriss vom 1. Stock, April 1929.


Frau Bittersberger erhob bei der Bauverhandlung Einspruch und verlangte für den Verbau des Fensters eine Entschädigung von S 2.000,-. Der Vorschuss- und Sparverein lehnte dies ab. Bürgermeister Fahrner schritt schlichtend ein und schlug vor, Frau Bittersberger S 500,- zu zahlen. Die Sparkasse lehnte dies neuerlich ab und wollte nur S 200,- zahlen, da Frau Bittersberger eine Fensterversetzung und -vergrößerung zugesagt wurde und diese bereits S 250,- kostete. Frau Bittersberger lehnte ab. Herr Nedbal erhob keine Einsprüche. Nach einigem Hin und Her zahlte der Vorschuss- und Sparverein S 450,- an Frau Bittersberger und die Unstimmigkeit war somit 06 Die Ansicht zeigt die architektonische Verbindung des Rathauses mit dem aus dem Wege geräumt. So wurde am Gebäude der Volksbank durch die Anwendung baulicher Stilmittel. 12. Juni 1929 der Umbau nach den Plänen Anton Valentins vom April 1929 genehmigt und ausgeführt. Am 24. Februar 1930 wurde der Konsens zur Bewohnung bzw. Benützung erteilt, da der Bau genau nach dem vorgelegten Bauplan ausgeführt worden war.1

07 Für die Durchfahrt entwarf Valentin ein schlichtes, modernes Tor, 9. September 1929.

*Durch den Umbau nach Valentins Plänen erhielt das Gebäude ein für Wieselburg einzigartiges Aussehen. Dem ursprünglichen Bau wurde nämlich eine Fassade vorgeblendet, die im ersten Stock vollkommen glatt und dekorlos ist. Im Erdgeschoß entstehen durch das Rückversetzen der Fassade scheinbar Arkadenbögen. Die runden Formen finden sich bereits beim Rathaus wieder, sowohl bei den massiven, stilisierten Eingangsbögen, als auch bei den großen Erdgeschoßfenstern an der Grestner Straße. Da Valentin im Jahre 1929 bereits zwei Bauten am Hauptplatz, nämlich das imposante Rathaus und das Haus Geissler, gebaut hatte, wollte er vermutlich eine optische Verbindung zwischen diesen Bauten und dem Gebäude des Vorschuss- und Sparvereines herstellen. Es ist erstaunlich, wie Valentin trotz gleichbleibender Bausubstanz dem Bankgebäude durch ein einfaches Mittel – nämlich die vorgeblendete Fassade – ein neues und modernes Aussehen verlieh – 71


08 Valentins Plan für die Adaptierung der Verpflegsstation.

ohne jedoch das harmonische Stadtbild zu beeinträchtigen.* Im Jahre 1959 wurde das Gebäude den Bedürfnissen entsprechend umgebaut und 1973 der Beschluss zu einem Neubau gefasst, demzufolge 1975 das bestehende Haus gänzlich abgerissen wurde. Die Bank bezog vorübergehend im Hochhaus am Volksfestplatz Quartier und übersiedelte 1976 in das neu errichtete Gebäude am Hauptplatz 16, das bereits 1985 wieder umgebaut wurde. Der letzte Umbau erfolgte in den Jahren 1998/99. Der Umbau des Wieselburger Hauses des Vorschuss- und Sparvereines nach Valentins Entwürfen war sicherlich auch ausschlaggebend für die Entscheidung der Bank in der Nachbargemeinde Petzenkirchen, ebenfalls den Wiener Architekten für die Bauplanung heranzuziehen.

09 Oben: Die Verpflegsstation, bzw. die Wohnungen und die Holzlage, davor entsteht der Neubau des Volksbankgebäudes. 10 Unten: Die Volksbank im Jahre 2011.

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Volks- und Hauptschule Wieselburg Im Erlaftal-Boten vom 19. Jänner 19021 ist zu lesen, dass am Montag, den 13. Jänner 1902, die Kollaudierung des Zubaues zum Schulhaus vorgenommen wurde. Der Zubau sowie die adaptierten Teile des alten Gebäudes „erregen die Zufriedenheit der Commission“. Am Sonntag, den 19. Jänner, sollte die feierliche Einweihung des Gebäudes vorgenommen und am darauffolgenden Montag der Unterricht in den neuen Räumlichkeiten aufgenommen werden. Der Zubau erfolgte an den 1789 geplanten Neubau der Schule2, mit dessen Errichtung erst 20 Jahre nach der Planung begonnen wurde. Diesem Schulhaus wurde im 1901 der zweistöckige Bau hinzugefügt, der ab dem Jahre 1927 die Hauptschule beherbergte. Offensichtlich zog man bald danach in Erwägung, das Schulgebäude wieder zu vergrößern, denn Anton Valentin fertigte am 5. April 1930 einen entsprechenden Entwurf dafür an, der allerdings nicht verwirklicht wurde. Er plante eine Aufstockung des zweigeschoßigen Zubaues, um beide Gebäudeteile auf eine Firsthöhe zu bringen. Dieses Projekt erforderte keine drastischen gestalterischen Maßnahmen – scheinbar stand die optische Vereinheitlichung der beiden Gebäudeteile im Vordergrund. Mit dem Neubau der beiden Pflichtschulgebäude am Schulberg wurde die alte Schule für die Klassen des 1964 neu gegründeten Wieselburger Gymnasiums frei. Dieses verblieb bis zur Fertigstellung des eigenen Hauses in der Erlaufpromenade im Jahre 1981 am Kirchenberg. Im Jahre 1985 wurde die alte Schule am Kirchenberg geschliffen und ein parkähnlicher Platz angelegt, in dessen Zentrum heute das Friedenskreuz – geplant von Architekt DI Johannes Scheruga – steht.

01 Die alte Schule am Kirchenberg, im Vordergrund die Häuser an der B25.

02 Die bauliche Verfall der Schule am Kirchenberg war nach dem Auszug des Gymnasiums nicht mehr aufzuhalten.

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03 Der von Anton Valentin geplante Stockaufbau, 5. April 1930. 04 Der Plan für das Erdgeschoß. 05 Der Plan für das 1. Stockwerk. 06 Der Plan für das 2. Stockwerk. 07 Der Dachausbau

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Riedmüller-Villa Wieselburg „Im April 1894 ersuchte Caspar Bartenstein um Umbau des bestehenden Eiskellers an der Kemmelbacher Bezirksstraße in zwei Beamtenwohnungen mit je einem Zimmer und einer Küche beiderseits des Ganges. Unter den Wohnungen blieb der Eiskeller bestehen. Drei Monate später stellte er das Ansuchen, einen Vorbau zu errichten, sodass die Doppeleingangsstiege einen Vorraum erhielt. Dieser Vorbau sollte bis in die Höhe des Dachfirstes hochgezogen werden, sodass ein weiterer Raum, aus dem er schließlich zwei kleine Kabinette machte, entstand. Bereits am 8. Oktober wurde kollaudiert.“1 An wen dieses Beamtenwohnhaus nach dem Tode Bartensteins vererbt wurde, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Jedenfalls musste das Haus bereits 1929 in den Besitz Karl Riedmüllers gekommen sein, da der erste Plan Valentins für einen Umbau aus diesem Jahr stammt. Riedmüller war aus Hainfeld zugezogen – aus jenem Ort, an dem er seine Wurzeln hatte. 1808 hatte Carolus Johannes Riedmüller die Brauerei in Hainfeld gegründet. 1833 übernahm sein Sohn Karl den Betrieb, sein zweiter Sohn Josef kaufte die Brauerei in Waid-

01 Der Plan vom Beamtenwohnhaus über dem Eiskeller.

02 Das Haus der Familie Heinz und Gerlinde Nemecek

hofen an der Ybbs. Da Karl kinderlos starb, kehrte Matthias, ein Sohn von Josef, nach Hainfeld zurück und führte den Hainfelder Betrieb weiter. Ihm folgte sein Sohn Karl bis 1949 (*1913), dann Sohn Peter, der nun wiederum mit seinem Sohn Karl die Brauerei leitet.2 Der zweite Sohn von Josef, der ebenfalls Josef (II.) (*2. Februar 1833) hieß, kaufte um Peter und Paul des Jahres 1860 die Brauerei in Wieselburg und ehelichte 1861 die Gastwirtstochter Juliana Pilshofer (*2. April 1838) aus Yspertal. Das Paar hatte 4 Kinder: Elisabeth (*4. November 1861), Franz (*12. Oktober 1862), Josef (III.) (*12. Februar 1864) und Theresie (*2. Juli 1869). Franz starb am 6. April 1871 im Alter von neun

03 Der Umbauplan für das Beamtenwohnhaus.

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Jahren, 1879 starb Theresie. Am 13. Februar 1875 kam Josef Riedmüller mit 42 Jahren bei einem Unfall mit dem Pferdegespann ums Leben. Seine Witwe Juliana ehelichte noch im selben Jahr Caspar Bartenstein. Ihr Sohn Josef (III.) heiratete die Tochter des Gastwirtes „Zum goldenen Löwen“ in Hainfeld. Das Gasthaus befand sich an der Ecke Kirchengasse 1 und Hauptstraße 29. Im Jahre 1888 hatte dieser Gasthof historische Bedeutung für die Sozialdemokratische Bewegung erlangt, als Victor Adler ein Treffen organisierte und eine Einigungsresolution beschlossen wurde. Somit kann man sagen, dass zu Silvester 1888-89 die Gründung der Sozialdemokratischen Partei Österreichs im Gasthof „Zum goldenen Löwen“ in Hainfeld vollzogen wurde. Damals war die Familie Zehetner im Eigentum des Gasthauses. Josef Riedmüller (1864-1933) heiratete, wie schon erwähnt, die Gastwirtstochter Franziska Zehetner (1860-1931) und wurde Wirt im goldenen Löwen. Auf Caspar Bartensteins Parte scheint Josef Riedmüller als Hotelbesitzer in Hainfeld auf. Außerdem sind als Enkel, also Kinder von Franziska und Josef, angeführt: Fanny (*1892), Franz (*1893), Josef (*1894), Karl (1896-1989) und Wilhelm (*1900). Karl kam nach Wieselburg in die Brauerei – in der Meldekarte der Stadtgemeinde heißt es, dass er, geboren am 4. Oktober 1896 aus Hainfeld, in die Wiener Straße 2 in Wieselburg zuzog. In der Brauerei Wieselburg bekleidete er den verantwortungsvollen Posten des Hauptkassiers. Am 15. Dezember 1930 ehelichte er Gertrude Bartenstein (1902-1991) – sie war bereits seine zweite Frau. Seine erste Frau Lilli Bartenstein, geboren 1901, verstarb im Jahre 1922 bei der Geburt des Sohnes Karl Heinz. Auch Karl Heinz überlebte nicht. Gertrude, geboren am 10. Mai 1902 in Uster in der Schweiz, war Lillis Schwester. Gertrude und Karl Riedmüllers Sohn, ebenfalls Karl Heinz genannt, wurde am 8. Jänner 1932 in Scheibbs geboren. Weiters hatte das Paar noch eine Tochter namens Ingeborg, verehelichte Hackenberg. Vor Beginn des Zweiten Weltkrieges erwarb Karl Riedmüller einen Schnaps- und Likörerzeugungsbetrieb in Wien und übersiedelte mit seiner Familie auf den Arnbergring Nr. 19 im 3. Bezirk. Für diese Wohnung entwarf Valentin sehr ansprechende Möbel. *Die Pläne 76

04 Der Plan für die Ausstattung des „Herrenzimmers der Großmutter“ in der Wiener Wohnung Riedmüllers, 28. Juli 1940.

05 Entwurfsstudie für die Sessel der Wohnung Riedmüller, 31. Juni 1940.

06 Die Heizkörperverkleidungen, 26. April 1940.


07 Der Entwurf für die Fauteuils, 4. Jänner 1941.

08 Der Herren-Wäscheschrank, 23. Dezember 1940.

09 Der Lehnstuhl und das dazugehörige Tischchen für das Herrenzimmer Riedmüllers, 31. Jänner 1941.

stammen allesamt aus dem Jahre 1940-41 und zeigen folgende Objekte: 28. Februar 1940: Verschiedene Einrichtungsstücke: Schlafzimmer in Deutscher Nuss: zwei Hocker, zwei Kästen, zwei Nachtkästchen, Frisiertischchen, dreiteiliger Schrank; Anrichte-Büffet in Eiche, Garderobeschrank für Schleiflackanstrich. 28. Februar 1940: Küchenschrank für Frau Riedmüller, Wieselburg. Weichholz mit Glasschuber. 15. April 1940: Vorzimmerschrank. 26. April 1940: Heizkörperverkleidungen. Material: Röm. Travertin und Material: Verde rose. 28. April 1940: Schlafzimmer in Deutscher Nuss (umfassend ein Bett und ein Schminktischchen mit Spiegel und Hocker). 30. April 1940: Anrichteschrank in Eiche mit geschliffenen Kristall-Glasplatten und Glaschschubern im Aufsatz. Facheinteilung der Laden wird noch bekanntgegeben; Schlafzimmer in Deutscher Nuss: zwei Schränkchen, zwei Hocker, ein Schrank mit Kleiderstange – Unterteilung der beiden Laden und Legung der Fourniere wird noch bekanntgegeben. 16. Mai 1940: Heizkörperverkleidungen: Herrenzimmer 1, Wohnzimmer, Herrenzimmer 2. 27. Mai 1940: Tischchen für Herrenzimmer (Deutsche Nuss), Wandnische im Vorraum – Schrank, TelefonSchreibpult in Eiche, Zählerkastlabschluss (Eiche). 28. Mai 1940: Herrenzimmer der Großmutter (umfasst ein Sofa, Sessel und ein Tischchen). 30. Mai 1940: Verkleidung einer Maueröffnung. Material Eiche. 31. Juni 1940: Entwurfstudie für die Sessel Wohnung Riedmüller. 28. Juli 1940: Herrenzimmer der Großmutter. Mat. Eiche. Zwei Lehnsessel, ein Tisch. 28. Juli 1940: Kinderzimmer: Schlafsofa und Tischkästchen. Material: Eiche lt. Muster. 23. Dezember 1940: Herren-Wäscheschrank aus Deutscher Nuss mit Furnierzeichnung wie am großen Schrank. Die Schrankfüße sollten laut Skizze das selbe Profil wie der große Schrank aufweisen. Die Einteilung erfolgte in 20 Schuber laut Zeichnung, 2 + 2 + 2 Fachabteilungen in verschiedener Größe und im Aufsatz drei Laden. 77


10 Valentins erster Plan für den Umbau der Riedmüller-Villa, 9. August 1929.

30. Dezember 1940: Schreibtisch in Eiche für das Herrenzimmer. 4. Jänner 1941: Fauteuils für Herrenzimmer Riedmüller. 31. Jänner 1941: Lehnstuhl und Tischerl mit Marmorplatte für Herrenzimmer Riedmüller. 31. Jänner 1941: Ecksofa und Barschränkchen für Herrenzimmer Riedmüller* Im Jahre 1944 kam Karl Riedmüller nach Wieselburg zurück und nahm seine frühere Arbeit wieder auf. Sohn Karl Heinz ehelichte am 5. Juni 1954 Helga Nedbal (*27. Juli 1933). Das Paar hat 2 Kinder: Sonja und Heinz. Nach dem Tode von Karl Riedmüller und seiner Frau Gertrude wurde die Villa an einen Steuerberater verkauft. 1997 erwarben Heinz und Gerlinde Nemecek die Villa, deren Inneres zu diesem Zeitpunkt durch den Vorbesitzer fast völlig vernichtet worden war. Kaum jemals hat jemand mit derartiger Ignoranz und großem Unverständnis ein Ensemble – ein Architekturdokument in bestem Zustand – dermaßen vernichtet, wie es bei der Riedmüller-Villa geschehen ist. Heinz und Gerlinde Nemecek haben mit viel Verständnis und Gefühl behebbare Bausünden repariert, aber vieles, was ihr Vorgänger zerstört hatte, ist unwiederbringlich verloren. Zur Baugeschichte der Riedmüller-Villa: *Für das Haus existieren insgesamt fünf unterschiedliche Entwürfe. Der erste Plan ist mit 9. August 1929 datiert. Es handelt 78

sich um ein einstöckiges Haus mit einem großen Walmdach, das beinahe doppelt so hoch ist wie das Erdgeschoß selbst und mit vier unterschiedlich großen Gauben ausgebaut. Im Nordosten befindet sich in der Mitte des Erdgeschoßes der überdachte Hauseingang, an dessen rechter Seite fünf kleine Fenster durch Sichtziegelstreifen, die sich in selber Weise rund um die Haustüre weiterziehen, optisch miteinander verbunden sind. Auf der linken Seite des Einganges befinden sich ein sechsgliedriges Fenster und ein Rankgitter für Pflanzen, das sich um das östliche Hauseck fortsetzt und an der südöstlichen Hausfront ein achtgliedriges Fenster umschließt. An der Südostfront wird die Mittelachse durch einen Holzerker im Erdgeschoß betont. Der Erker zieht sich nach oben hin weiter und bildet die Grundlage für einen Balkon im Dachgeschoß. Ähnlich wie bei den Siedlungshäusern in Scheibbs setzt Valentin an der Erkerfront aus Symmetriegründen dem Fenster das Rankgitter gegenüber. Der Erker ist genauso wie die Eingangstüre und die danebenliegenden kleinen Fenster durch horizontal verlaufende Elemente optisch hervorgehoben. Bei den Fenstern handelt es sich vermutlich um Sichtziegelstreifen, der Erker ist womöglich mit Holzpaneelen verkleidet. Als Pendant zu dem achtgliedrigen Fenster mit Rankhilfe befindet sich an der Südseite ein großes, 18-gliedriges Fenster, das in seiner Höhe beinahe das gesamte Erdgeschoß umfasst und als seitlicher Abschluss der Terrasse dient. Der Terrassenbereich mit Abgang zum


11, 12 Valentins Pläne vom 7. Jänner 1930.

Garten ist nicht nur überdacht, sondern auch auf allen Seiten durch große Fensterfronten abgegrenzt, weshalb er eher die Funktion eines Wintergartens erfüllt. Die Nordwest- und Südwestansichten des Hauses sind in dem Plan nicht verzeichnet. Der Grundriss zeigt im Erdgeschoß einige Repräsentationsräume wie etwa das Herrenzimmer, das Speisezimmer – beide mit Zugang zur überdachten Terrasse – und ein Gastzimmer. Das Stiegenhaus integriert Valentin hier nicht in den Hauptraum, wie es bei repräsentativen Villen früher der Fall war, sondern schließt es direkt an den Vorraum an. Das Zimmer des Dieners wird im Erdgeschoß untergebracht, sodass das Dachgeschoß dem Hausherren und seiner Familie vorbehalten bleibt. Die Privaträume bestehen aus zwei Schlafräumen; einer davon mit

Zugang auf den Balkon, einem Ankleideraum und dem Badezimmer. Der zweite Plan, der etwa ein Monat später, am 17. September 1929, verfasst wurde, zeigt einen ähnlichen Aufbau. Der Grundriss ist bis auf die Tatsache, dass er gespiegelt wurde, ohne Veränderungen übernommen worden. Dementsprechend sind auch die Fassaden in gespiegelter Form wiedergegeben. Die auffälligen Holzelemente an Erker- und Eingangsfront wurden in der neuen Fassadenplanung jedoch nicht mehr berücksichtigt. Im Osten wurde der Dacherker vergrößert, um die Kammer im Dachgeschoß mit einem größeren Fenster auszustatten. Die Schlafräume im Obergeschoß wurden zusätzlich mit Fensterläden versehen. 79


Mit den Plänen vom 7. Jänner 1930 präsentierte Anton Valentin einen scheinbar vollkommen anderen Haustypus. Bei genauer Betrachtung sind jedoch die Grundelemente der neuen Hausform bereits in den Ansichten des 9. August 1929 ersichtlich. Die Südansicht des alten Planes wurde etwas zur Straßenfront des neuen Hauses abgeändert. Das Dach wurde von einem mächtigen Walmdach zu einem Satteldach umgeformt. Der Erker wurde mit der Dachgaube zu einem eigenen, etwas breiteren Gebäudelement mit Flachdach zusammengefasst, dessen volles Ausmaß in der Seitenansicht zur Geltung kommt. Diese entspricht im weiteren Sinne der Ostansicht der alten Pläne. Durch die neue Dachform ergibt sich an der Seitenansicht eine Giebelfront anstatt eines Walmes mit Dachgaube. Die unterschiedliche Traufhöhe des Daches erweckt den Eindruck, dass das Haus an einer Seite „abgeschnitten“ wurde. Insgesamt scheint das Haus aus drei Elementen zu bestehen: das Hauptgebäude mit Satteldach sowie der

13 Der Plan vom 15. Jänner 1930.

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vergrößerte Erker, der als eigenes Bauelement aus dem Hauptelement herausragt, bilden die Hauptteile. Das dritte Element, das aus dem Eingangsbereich, einem Teil des Vorraumes und des W.C.s besteht, wird von einem breiten Balkon überdacht und springt an der Gartenfront aus dem Hauptgebäudeteil hervor. Die Fenster sind im Gegensatz zum vorigen Entwurf weitaus geordneter eingefügt. Die Straßenfront ist symmetrisch aufgebaut mit zwei Fenstern am Hauptgebäude und einem langen Fenster, welches das Stiegenhaus im Mittelrisaliten mit Licht versorgt. Die seitlichen Sichtziegelstreifen dieses Fensters finden sich an den Fenstern der Seitenfront sowohl im Erd- als auch im Dachgeschoß wieder. Schon der erste Entwurf für das Haus Riedmüller wies an der Eingangsfront ähnliche Elemente auf, die unter anderem fünf knapp aneinandergesetzte Fenster optisch miteinander verbanden. Ähnliches ist an der Seitenfront des neuen Entwurfes bei den drei Fenstern des Wohn- und Esszimmers zu beobachten. Das Erdgeschoß des Hauses ist in weißer Farbe gehalten, während an der Oberkante der Erdgeschoßfenster die gelbe Bemalung des Dachgeschoßes beginnt, in die jedoch eine breite weiße Umrahmung der Erdgeschoßfenster einschneidet. An der Seitenfront war im Obergeschoß auf der großen freien Fläche neben dem Eckfenster eine Sonnenuhr geplant. Das Motiv der dazugehörigen Malerei ist auf dem Plan nicht eindeutig zu identifizieren, schematisch ist jedoch eine Figur, vielleicht eine Heiligenfigur, zu erkennen. Das Treppenhaus verlegte Valentin an die Außenmauer des Hauses. Es bildete somit einen TreppenhausRisaliten.* Am 7. März 1930 suchte Karl Riedmüller um die Baubewilligung für sein Haus in der Ybbserstraße 2 an3


14 Der endgültige Einreichplan vom 3. Februar 1930.

und erhielt bereits einen Tag später den positiven Bescheid zum Hauszu- und -umbau laut Plan vom 3. Februar 1930. An diesem Tag waren beim Lokalaugenschein folgende Personen erschienen: Der Bauwerber Karl Riedmüller, der Bauführer Baumeister Karl Wiktora in Vertretung der Firma Aichberger und Wiktora, Architekt Anton Valentin, als Vertreter der Gemeinde Leopold Bartenstein und Ignaz Oberriedmüller, als Anrainer Elise Mathes und Maria Sperlich. Im Bauverhandlungs-Protokoll vom 8. März 1930 ist folgendes zu lesen: „Wie aus dem vorgelegten Bauplane ersichtlich ist beabsichtigt der Bauwerber einen aus einem Eingang, Kinderzimmer, Schlafzimmer, Bad, Klosett mit Spülraum und Speis, sowie aus einem Raum für Gartengeräte bestehenden Zubau massiv in

15 Die Villa gartenseitig.

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16, 17 Der Stiegenaufgang mit den höhenversetzten Fenstern.

Ziegel an das bestehende Wohnhaus zu erbauen. Vor dem Kinder- und Schlafzimmer ist ein Sitzplatz situiert in welchem die Aufgangsstiege eingebaut ist. Der Dachstuhl des alten Hauses, sowie das Mauerwerk wird bis zur Erdgeschoßdecke vollkommen abgetragen. Der an der Straßenseite derzeit bestehende Vorbau, in welchem heute die Aufgangsstiege untergebracht ist, wird vollständig bis zum Terrain demoliert. Nachdem der Abgang in den Keller vom Inneren des alten Hauses erfolgt wird der außen bestehende Abgang abgetragen und die Öffnung zugeschüttet. Die an der Nordfront des alten Hauses bestehende Klosettanlage wird gleichfalls bis zum Terrain abgetragen. In dem neuherzustellenden Aufbau sind zwei Schlafzimmer, ein Mädchenzimmer und ein Vorraum, sowie ein Klosett untergebracht. Der über dem Anbau befindliche Luftraum wird für Dachbodenzwecke verwendet. Die Dachdeckung erfolgt mit Eternit auf Schallung. Mit den Bauarbeiten in Zusammenhang wird die bestehende Einfriedung an der westlichen Bezirksstraße in der aus dem Lageplan ersichtlichen Weise reguliert.“ *Der Plan vom 3. Februar 1930 aus dem Stadtarchiv zeigt die Grundformen des ursprünglichen Baues des Hauses Riedmüller, bevor Valentin mit dem Um- und Ausbau beauftragt wurde. Ein Vergleich mit dem Plan 82

vom 7. Jänner 1930 macht klar, dass der alte Baubestand bei diesem Entwurf im Großen und Ganzen beibehalten werden sollte. Valentin plante jedoch das gesamte Dachgeschoß neu und strebte – ähnlich wie schon im Plan vom 7. Jänner – eine außergewöhnliche Dachlösung an. Im Gegensatz zu dem moderner anmutenden Giebeldach im Entwurf vom 7. Jänner verwendet Valentin beim Entwurf vom 3. Februar wiederum Krüppelwalmdächer an allen Hauselementen. Ein sehr ähnlicher Plan existiert vom 15. Jänner 1930. Offensichtlich schien Karl Riedmüller die Lösung vom 7. Jänner 1930 als zu klein geraten, weshalb beim endgültigen Entwurf in Richtung Garten noch ein einstöckiger Hausteil hinzugefügt wurde. In diesem Bereich befindet sich der Hauseingang, der mit einer kleinen Veranda mit Sitzplatz verbunden ist. Ein großer Vorraum führt in den Wohnraum, desssen Fenster die doppelte Breite eines normalen Fensters aufweisen. Jenes an der Eingangsfront springt mit einer Betonumrahmung aus dem Baukörper heraus und ist mit einem flachen Walm überdacht. Der Wohnraum führt mit einer breiten Öffnung zum Arbeitszimmer. Vom Vorraum geht es weiter in die Küche, mit einer Durchreiche zum Wohnraum verbunden. An die Küche


18 Die gewölbte Decke lässt die alte Bausubstanz noch erkennen.

19 Valentins Entwurf für den Küchenschrank für Frau Riedmüller, 6. Mai 1930.

schließen eine kleine Speisekammer und ein Abgang in den Garten. Neben der Speisekammer liegt ein kleiner Waschraum mit WC. Das eigentliche Badezimmer ist nur über das dazwischenliegende Kinderzimmer zu erreichen, das auch in ein Schlafzimmer mit Zugang zur Veranda führt. Das Kinderzimmer ist ein Durchgangszimmer. Womöglich handelte es sich bei dem Schlafzimmer um das Kinderschlafzimmer und der Raum, der als Kinderzimmer bezeichnet wurde, diente als Spielzimmer für den Nachwuchs. Im rückwärtigen Teil des Hauses befindet sich ein Raum für Gartengeräte. Dieser grenzt an das Bad und das Schlafzimmer, ist jedoch nur vom Garten aus zugänglich. An den Vorraum schließt das Treppenhaus an, das von vier nebeneinanderliegenden, treppenförmig höhenversetzten schmalen Fenstern beleuchtet wird. An der Fassade werden die Fenster durch dicke, herausspringende Betonumrahmungen, die ineinander übergreifen, zu einer optischen Einheit verbunden. Im Obergeschoß sind zudem ein Zimmer, ein Schlafzimmer, ein WC und das Zimmer des Dienstmädchens vorhanden. Über eine Türe kann der Dachboden des anschließenden, einstöckigen Gebäudeteiles betreten werden.*

Mit 4. Februar 1931 schickte Karl Riedmüller einen Auswechslungsplan an die Gemeindevorstehung. Fraglich ist, welche Pläne Riedmüller einreichte, da sowohl das Architekturzentrum Wien, als auch das Stadtarchiv Wieselburg über keinen jüngeren Plan als jenen vom 3. Februar 1930, der bei der Bauverhandlung genehmigt wurde, verfügen. Der heutige Bauzustand zeigt eine veränderte Situation der Fenster im Erdgeschoß: Das große Fenster des Wohnraumes, das auf dem Plan aus 96 kleinen Fensterscheiben besteht, ist einem normalen Fenster mit Fensterläden gewichen. Aus welcher Zeit diese Abänderungen bzw. Umbauten stammen, konnte aufgrund fehlender Pläne nicht eruiert werden. Am 22. Juli 1931 kündigte Riedmüller der Marktgemeinde die Fertigstellung seines Hauses an und bat um die Erteilung des Bewohnungskonsenses, den er am 8. April 1932 erhielt. Am 4. März 1937 wurde die Bewilligung zum Bau einer Garage zur Einstellung eines Privatkraftfahrzeuges erteilt. Hier ist als Baumeister Hubert Schinner und als Anrainer Hans Ranninger, Gastwirt in Kemmelbach, angeführt. Mit 30. Mai 1930 ist der Brief Valentins an Riedmüller datiert, in dem er seine Leistungen festlegt und diese 83


20, 21 Die originale Wandfarbe kam bei den Renovierungsarbeiten zum Vorschein. 22 Rechts: Das Architektenfoto vom Kamin. 23 Darunter: Die Reste des Kamins

bestätigt haben will.4 Valentin schreibt in diesem „Schlussbrief“ wörtlich: „Wir haben heute vereinbart: Sie beauftragen mich mit der Entwurfsarbeit u. Oberleitung der Bauausführung für den Zu- und Aufbau Ihres Hauses in Wieselburg a.E. Meine Tätigkeit hat folgende Arbeiten zu umfassen: Die gesamte Entwurfsarbeit, die Anfertigung der Einreichungspläne, Aufstellung des detaillierten Kostenanschlages, Anfertigung der Werkpläne, Anfertigung aller Detailpläne, Durchführung der Anbotsausschreibung, Vergebung der Arbeiten u. Lieferungen, Ueberwachung der Bauausführung u. die Abrechnung mit den Unternehmern. Ich übernehme den vorbezeichneten Auftrag u. verpflichte mich alle mir obliegenden Arbeiten gewissenhaft u. unter weitesgehender Wahrung Ihrer Interessen zu führen resp. zu besorgen. Für meine Arbeitsleistungen vergüten Sie mir ein Pauschalhonorar von 84

3.500 S. [...] Ausserdem vergüten Sie mir einen perzentuellen Teil meiner gehabten Fahrspesen Wien – Wieselburg nach einer seinerzeitigen detaillierten Aufstellung. [...]


Indem ich Sie bitte mir den Inhalt dieses Schreibens gleichlautend zu bestätigen zeichne ich mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung: Anton Valentin.“

24 Der Plan für den Einbau-Bücherschrank im Herrenzimmer, 19. August 1930.

25 Der Einbauschrank im Herrenzimmer der Riedmüller-Villa, deren Räume ursprünglich eine wundervolle Wandbemalung aufwiesen.

Im Besitz von Heinz Nemecek befindet sich auch die Kostenaufstellung für die einzelnen Gewerke, aus denen sich verschiedene Baudetails herauslesen lassen, wie z. B. die Färbelung der Räumlichkeiten: So sollte das Schlafzimmer eine weiße Decke erhalten, die Wände jedoch in drei Farbtönen mit Sockelabschluss in einer vierten Farbe ausgeführt werden. Das Kinderzimmer sollte ebenfalls eine weiße Decke erhalten und die Wände sollten „licht getönt“ werden. Eine interessante Gestaltung erhielt der Eingangsbereich mit einer weißen Decke und Wänden, die in drei Farben horizontal gestreift sein sollten. Heinz Nemecek machte sich die Mühe und kratzte die Überfärbelung ab – Abbildung 20 zeigt die alte Färbelung in gelb und blau – ein interessantes Farbdokument. Alten Bildern ist zu entnehmen, dass das Wohnzimmer an den Wänden vereinzelte Motive aufwies. Im Bereich des Kamins, der aber den Heizkörper der Zentralheizung beherbergte, die angeblich die erste in Wieselburg gewesen sein soll, ist über das Wandeck eine kleine Bordüre gemalt und an der rechten Seite eine stilisierte Blume. Direkt über dem Kamin befindet sich eine Durchreiche in die Küche. Wie Abbildung 21 zeigt, war die Decke früher in einem interessanten Rost-Rot gehalten und offensichtlich mit Motiven bemalt. 85


Besonders exklusiv wurde das Herrenzimmer gestaltet. Es zeigte an seiner blauen Decke, die durch einen geraden Lichterbalken in Bauhausmanier geteilt war, einerseits die Symbole der Wissenschaften, andrerseits die Symbole der Sternzeichen. Typisch für diese Zeit ist die Verwendung von Einbaumöbeln – so wurde auch im Herrenzimmer ein breiter Bücherschrank mit Glasschubern in die Wand eingelassen. Erwähnenswert ist auch, dass die Räume im Erdgeschoß Gewölbe aufweisen. Das ist weiters nicht verwunderlich, erinnert man sich an die eingangs angeführte Beschreibung über den Abriss des alten Hauses, der lediglich bis zur Erdgeschoßdecke durchgeführt wurde. Also handelt es sich bei diesen Räumlichkeiten noch um die alte Bausubstanz. Ich möchte noch einmal zum Kamin zurückkehren. Wie dem Bild zu entnehmen ist, waren die Kaminsteine mit einer korallenroten Glasur überzogen. Dieses ganz besondere Rot wurde erstmals im Jahre 1928 von Franz Xaver Iskra, geboren am 9. September 1897 in Wien, erfunden und trägt daher den Namen „Iskrarot“.5 *Valentin entwarf für die Riedmüller-Villa folgende Möbel: 6. Mai 1930: Küchenschrank für Frau Riedmüller. 19. August 1930: Bücherkasten. 12. September 1930: Wandverkleidung im Badezimmer mit Nische und Spiegel. ohne Datum: Kasten im Vorraum und Kasten im Bad (beides Einbauschränke) ohne Datum: Küchenkasten (Einbaukasten) Außerdem existieren vom 17. September 1930 Detailpläne der Fensterläden am Haus Riedmüller. Ein undatierter Tischleranschaffungsplan zeigt alle zu besorgenden Fenster- und Türentypen.*

27 Das Architektenfoto vom Wohnzimmer ist leider nur als Fotokopie vorhanden, zeigt aber die Harmonie der Innenarchitektur.

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26 Das Herrenzimmer mit dem Beleuchtungsbalken auf dem Gewölbesteg.


Haus Batscher Wieselburg Richard Batscher (1901-1999), geboren in Wien, war Oberbuchhalter in der Brauerei Wieselburg und der Bruder von Peter Ebners Großmutter. Peter Ebner war sozusagen 01 Der erste Entwurf vom 20. August 1929 zeigt ein Einfamilienhaus für Herrn der „letzte Kaufmann von Wein- Richard Batscher. zierl“. Mit der Schließung seines Geschäftes endete die Nahversorsächliches Einfamilienhaus für das Ehepaar Batscher gung von Weinzierl. In Richard Batschers Auftrag zeichnete Anton Valentin (Abb. 03). Die Entwürfe Anton Valentins wurden deneinen Plan für ein Wohnhaus, der mit 20. August 1929 noch gänzlich verworfen und das Ehepaar Batscher datiert ist. Im Grundriss ist bereits ersichtlich, dass das kaufte das kleine Haus in der Zeil, das sich heute im Haus für zwei Familien geplant war. Im Erdgeschoß Besitz der Familie Dorn-Scheruga befindet. befinden sich ebenso wie in der Mansarde eine Küche, *Der erste Entwurf vom 20. August 1929 (Abb. 01) ein Bad, ein WC, ein Schlafzimer und ein Wohnzimmer. ist stilistisch den Häusern der Feldgasse in Scheibbs Ein weiterer Plan stammt vom 25. September 1929, er vergleichbar: klare Linien und eine kompakte Bauweise ist bereits mit „Zwei-Familien-Haus für Herrn Stefan charakterisieren beide Entwürfe. Das Haus Batscher ist Schmid und Herrn Richard Batscher in Wieselburg“ aber auch als Weiterentwicklung des Entwurfes für das betitelt. Stefan (1875-1950), geboren in St. Pankraz, Haus von Herrn Karl Riedmüller anzusehen, denn es und Johanna (1874-1949) Schmid, geborene Heiderer handelt sich um zwei ineinander verschachtelte Bauaus Pöchlarn, waren die Eltern von Richard Batschers elemente. Während es beim Haus Riedmüller noch Ehefrau Leopoldine (1901-1983), geboren in Amstetten. eindeutig ein Hauptelement und ein angefügtes NeRichard und Leopoldine heirateten am 22. Juli 1930 benelement gab, sind hier beide Bauteile nahezu gleichin Amstetten. Richard Batschers Eltern waren Richard wertig, bis auf die unterschiedliche Firsthöhe. Eine Batscher, geboren 1849 in Wien, und Julia, geborene Verschmelzung der beiden, 90 Grad versetzt ineinander Arnberg, ebenfalls aus Wien. Richard Batscher junior verschachtelten Gebäudeteile ist hier bereits erkenbar, sodass sich zwei nebeneinanderliegende Giebelfronten war im Jahre 1925 nach Wieselburg gekommen. Da die Eheleute Schmid mit ihrer Tochter regen Kon- ergeben. Beide Giebeldächer weisen an der Westseite takt pflegten, erscheint es nicht ungewöhnlich, dass sie ein höheres Traufniveau auf. Der Unterschied zwischen ein gemeinsames Haus planten, vor allem da sie ohne- den Traufhöhen ist jedoch nicht so groß wie zum Beispiel hin in die Gegend von Wieselburg ziehen wollten. Auf beim Haus Riedmüller. Das rührt daher, dass der erste welchem Baugrund das Batscher-Schmid-Haus errich- Entwurf für das Haus Batscher vor jenem Entwurf für tet werden sollte, bleibt aufgrund fehlender Lagepläne das Haus Riedmüller entstand, in dem Valentin diese Eigenheit der Dachkonstruktion angewendet hat. ungewiss. Die gemeinsamen Baupläne zerschlugen sich, als sich Eine ähnliche Lösung des Eingangsbereiches hat Vader Familie Batscher die Gelegenheit bot, ein beste- lentin schon im April 1929 bei den Häusern der Feldhendes Haus in der Karl Stummergasse zu beziehen. gasse in Scheibbs verwendet. Der Vorplatz des EinZuvor plante Valentin im Jänner 1930 noch ein tat- ganges ist in den Baukörper hineinversetzt und wird 87


02 Der zweite Entwurf ist mit „Zwei-Familien-Wohnhaus“ betitelt, 25. September 1929.

vom Obergeschoß des Gebäudes überdacht. Ein Pfeiler stützt dabei das Dachgeschoß ab. Die Fenster des Hauses Batscher scheinen in ihrer willkürlichen Anordnung dem Vorbild der Scheibbser Feldgasse-Häuser zu folgen, während bei Riedmüller eine klare Struktur herrscht. Die primäre Intention Valentins war die optimale Durchleuchtung der Innenräume, eine symmetrische oder geordnete Anbringungen der Fenster an der Fassade war deshalb nicht mehr wichtig. Als Vorbild für diesen gestalterischen Ansatz kann Adolf Loos, ein bekannter Vertreter der modernen Architektur der 1920er Jahre, gesehen werden, der den Innenraum als vorrangig empfand, aus dem sich dann schlussendlich der äußere Baukubus ergeben sollte.1 Josef Hoffmann hingegen, der dem klassischen Architekturstil verbunden war, konzipierte jede Fassade eigens für sich und sah sie nicht als reine äußerliche Begrenzung des Innenraumes an.2 Der zweite Hausplan für Familie Batscher / Schmid zeigt keine großen Abänderungen. Im Süden befindet sich ein Balkon und das Obergschoß wurde zusätzlich mit einer Gaube nach Südosten hin vergrößert. Die Raumeinteilung des Hauses wurde minimal verändert: Im Erdgeschoß wurde eine gemeinsame Küche installiert, und im Obergeschoß befindet sich das Badezimmer des Hauses. Die gemeinsame Nutzung dieser beiden Räume von beiden Familien ermöglicht eine großzügigere Gestaltung der Wohnräume. Das Prinzip des aus dem Gebäude herausragenden kleinen Balkons und des in das Haus hineingezogenen Eingangsbereiches zog Valentin bei beiden Entwürfen 88

für das Haus Batscher konsequent durch. Eine richtige Terrasse, die auch über Stiegen in den Garten hinaus führt war bei solch kleinen Häusern nicht geplant. Stattdessen sollte der Eingangsbereich als überdachte Veranda dienen. Bei dem dritten, bereits erwähnten Entwurf für das tatsächliche Einfamilienhaus Batscher (Abb. 03) fällt die verbaute Fläche sehr klein aus, nämlich noch geringer als bei dem kleinsten Haus für die Scheibbser Feldgasse. In seinem Aufbau ist dieser Entwurf beinahe ident mit der Haus-Type 1 der Feldgassen-Siedlung, vor allem was die Raumaufteilung anbelangt. Die Idee

03 Ansicht für das „Einfamilienhaus des Herrn Batscher”, Jänner 1930.


04 DoppelWohnhaus für die Familien Batscher und Schmid, 17. Jänner 1930.

der Ineinanderschachtelung von zwei Gebäudeteilen ist im Gegensatz zu den früheren Batscher-Entwürfen wieder verschwunden. Der Hauseingang, der vom Obergeschoß überdacht wird, wurde durch einen kleinen Sitzplatz erweitert, ähnlich der Veranda beim Haus Riedmüller. Etwa gleichzeitig mit dem Einfamilienhaus entstand ein Entwurf für ein Doppelwohnhaus in der Art eines Reihenhauses, bei dem zwei gleich aussehende Hausteile gespiegelt aneinandergesetzt werden. Der blockhafte Baukörper mit einem weit heruntergezogenen Satteldach hat mit der Idee der Verschachtelung einzelner Baukörper nichts mehr zu tun. Die Holzvertäfelung des Obergeschoßes erinnert an Entwürfe Valentins für ein Haus in Wien, die beinahe zehn Jahre zuvor gezeichnet wurde. Die Straßenfront wird von dem großen Satteldach dominiert, dessen winzige Fledermausgauben es noch mächtiger erscheinen lassen. Das Dach ruht auf einem soliden Baukörper, seitlich jeweils von zwei Eckfenstern mit dazwischengeblendeten Sichtziegelstreifen eingeschnitten. In der Mitte der Straßenfront überspannt ein Flachdach die beiden Eingangstüren. Die Farbgebung

orientiert sich am dritten Entwurf für das Haus Riedmüller, der ebenso eine gelbe Fassade mit roten Sichtziegelstreifen seitlich der Fenster und Haustüren vorsah. Das Stiegenhaus muss gänzlich ohne Durchfensterung auskommen. Da es sich hierbei um zwei aneinander gebaute Doppelhaushälften handelt, ist das Stiegenhaus beiderseits an jene Innenraummauer gebaut, welche die beiden Haushälften miteinander verbindet. Diese Variante des Stiegenhauses stellt in Valentins Werk eine absolute Ausnahme dar. Am Beispiel Batscher sieht man, wie vielseitig Valentin arbeiten konnte. Die ersten Pläne folgen dem modernen Architekturstil, wie er ihn schon beim Haus Riedmüller ansatzweise angewendet hat. Der letzte Entwurf (Abb. 04) vom 17. Jänner wirkt in seiner Gesamtheit durch den strengen Aufbau und die Holzverkleidung am Dachgiebel wieder eher klassisch – abgesehen von den bereits erwähnten Details, wie etwa den Sichtziegelstreifen an den Fenstern und Türen. Dieser Entwurf ist für die Entwicklung von Valentins Stil relativ irrelevant, vermutlich spielten bei der Planerstellung die Wünsche der Bauherren eine größere Rolle als die Ideen des Architekten.* 89


Ein- oder Zweifamilienwohnhaus

*In einer gemeinsamen Dokumentenmappe mit dem Haus Batscher liegen im Nachlass von Anton Valentin Pläne für ein „1- oder 2-Familienwohnhaus“ und für ein 02 Das Schaubild für ein Einfamilienhaus gekuppelt, ohne Datierung. „Einfamilienhaus gekuppelt“. Diese Pläne weisen kein Datum auf, sind den Plänen des auch zwei zusätzliche Kellerfenster. Da die Familie Batscher-Hauses jedoch sehr ähnlich. Der Plan des Batscher den Entwurf Valentins nicht realisieren ließ, einfachen Hauses entspricht im Großen und Gan- wäre es möglich, dass Anton Valentin den Plan überzen den Plänen vom 25. September 1929 für das arbeitete und verfeinerte, um ihn dann anderen BauZweifamilienwohnhaus Batscher. Das Zweifamilien- herren präsentieren zu können. wohnhaus hingegen ist die gekuppelte Variante des Jänner-Entwurfes für das Haus Batscher. Ob diese Valentin wandte bei seinen Entwürfen generell zwei Pläne des Ein- oder Zweifamilienwohnhauses und unterschiedliche Stilrichtungen gleichzeitig an. Entdes gekuppelten Einfamilienhauses erst nach den weder fügte er mehrere Gebäudeteile zusammen, indem Entwürfen für das Haus Batscher entstanden oder er sie ineinander verschachtelte, wie zum Beispiel bei bereits vorher, ist nicht gewiss. Der Grundriss wurde den späten Entwürfen für das Haus Riedmüller, oder jedenfalls im Wohnbereich leicht abgeändert und auch er formte einen Gebäudeblock um, indem er daraus die Kellerräume sind gegenüber dem Batscher-Haus einzelne Elemente herausschnitt, wie es hier oder bei weiter ausgebaut. In der Nordost-Ansicht erkennt man der Type 1 der Feldgasse Scheibbs der Fall ist.

01 Das Schaubild für ein Ein- oder Zweifamilienwohnhaus, ohne Datierung.

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Bei dem Entwurf für ein gekuppeltes Einfamilienwohnhaus ist die Straßenfront durch einen symmetrischen Aufbau geprägt. Zwei kleine Fenster sind an der Oberkante des großen Fensters ausgerichtet, über dem sich in derselben Achse die Dachgaube befindet. An der Seitenfront hingegen sind die Fenster – wie schon bei vielen Entwürfen Valentins – nicht an Achsen ausgerichtet. Die versetzte Fensteranordnung an der Seitenfront zeichnet sich erstmals bei der Haus-Type 2A der Siedlung in der Feldgasse Scheibbs ab. Auf der linken Hausseite wurde ein Drittel der Fassade ein Stück weit nach hinten versetzt, wodurch am vorderen Gebäudeteil wie schon beim Haus Feldgasse oder beim Haus Riedmüller der Eindruck eines „abgeschnittenen Daches“ entsteht.*


Anton Fahrner Wieselburg Die Bruckmühle – früher Haus Nr. 10, dann Bruckmühlgasse 3, heute Anton Fahrnergasse 3 – ist am linken Erlaufufer gelegen und prägt mit ihrem Elektrizitäts-Werk und dem geknickten Wehr das flussseitige Stadtbild Wieselburgs. Als erste Besitzer der Bruckmühle sind 1786 Anna Marie Guldenwein und ihr Ehemann Johann Kastenberger zu nennen. Nach dem Tode von Anna Maria ehelichte Johann Kastenberger 1790 Anna Sichhart. Tochter Theresia Kastenberger und ihr Mann Georg Siller übernahmen das Anwesen 1814. Georg Siller war vor Mayerhofer und Moser Fleischhauer am heutigen Standort der Firma Moser in Wieselburg. Die Tochter des Paares, Anna Siller, ehelichte 1837 Florian Griessler, Bäcker in Petzenkirchen, der durch die Heirat Müller und Landwirt geworden war.1 Er besaß zahlreiche Grundstücke, die bis zum heutigen Bundesgymnasium in der Erlaufpromenade reichten. So wurde auch der neue Tennisplatz auf einem seiner Grundstücke errichtet. Er war zwei Mal verheiratet und hatte mit jeder Frau fünf Kinder. Sein Sohn, Karl Griessler (gestorben 1923), aus erster Ehe hatte also neun Geschwister. Karl hatte in der Mühle einen Arm verloren. Als er im Jahre 1879 Aloisia Rafezeder (gestorben 1925), ehelichte und mit ihr auf der Mühle blieb, musste er

01 Die Bruckmühle, ein überaus gepflegtes Architektur-Juwel aus dem Jahre 1661.

02 Der Mühlenbesitzer Karl Griessler mit seiner Frau Aloisia und den Kindern Marie (verehel. Fahrner), dem verunglückten Alois und Theresia (verehel. Wurzinger).

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03 Theresia, Karl, Willibald und Adolf Wurzinger im Jahre 1935 – zum 50. Geburtstag von Adolf Wurzinger. 06-09 Familie Wurzinger: oben Dr. Willibald Wurzinger und seine Frau Helene, darunter die beiden Söhne KarlHeinz und Walter.

neun Geschwistern das Erbteil ausbezahlen. Glücklicherweise war Aloisia eine gut situierte Bauerntochter aus Kemmelbach. Der Ehe entstammten drei Kinder. Der einzige Sohn, Alois, verunglückte 1898 im 12. Lebensjahr auf tragische Weise mit einem Ziegenwagerl. Tochter Theresia (gestorben 1975) heiratete Adolf Wurzinger (gestorben 1935), der als Lehrer im Francisco Josephinum angestellt war. Das Paar hatte zwei Söhne, Karl und Willibald, und eine Tochter, Elisabeth, die im Alter von drei Jahren an Diphterie verstarb.

04 Das Brautpaar Marie Griessler und Anton Fahrner.

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05 Marie Fahrner mit ihrem einzigen Sohn Walter.

Nachdem Theresia durch die Heirat mit einem Lehrer für die Führung des Betriebes nicht in Frage kam, blieb es an Marie (1889-1967), einen Müller zu heiraten. Vermittelt durch einen „Hochzeitsbitter“ kam der Müller Anton Fahrner (1880-1955), der aus der näheren Umgebung von Neunkirchen stammte, nach Wieselburg, um Marie Griessler im Jahr 1911 zu ehelichen. Das Ehepaar hatte einen Sohn namens Walter.


11 Anton Fahrner war 1913-1934 und 1938-1945 Bürgermeister von Wieselburg. Er war außerdem vom 18. Mai 1927 bis 1. Oktober 1930 Nationalratsabgeordneter für die Großdeutsche Volkspartei. 10 Die BesitzerwechselAnzeige im Erlaftal-Boten.

Es war der Plan, dass Karl Wurzinger (gestorben 1945, im 25. Lebensjahr) zusammen mit Walter Fahrner (1920-1943) den Betrieb übernehmen sollte. Karl starb jedoch in russischer Gefangenschaft an Meningitis und Walter musste in Stalingrad sein Leben lassen. Die Zukunft des Betriebes war somit im Ungewissen. Nach dem Tode von Anton Fahrner im Jahre 1955 führte seine Frau Marie bis zum Jahre 1967 den „Witwenbetrieb“ mit Hilfe des Geschäftsführers Helmut Fahrner, weiter. Schließlich erbte Willibald, der Gymnasiallehrer für Physik und Naturwissenschaften in Wien war, obwohl er kein Interesse an der Betriebsführung hatte. Zum Glück entstammte seine Ehefrau Helene einer Wiener Kaufmannsfamilie. Da Helenes Mutter eine Blumengärtnerei und ihr Vater ein Transportunternehmen betrieben, war es ihr und ihrer Schwester von Jugend an beschieden, Büroarbeiten für die beiden

Geschäfte zu erledigen. Das kam Helene natürlich in der Situation mit dem Erbe in Wieselburg zugute und sie lernte rasch, die Fahrner-Mühle zu leiten, zu welcher damals ein Sägewerk mit 26 Angestellten und eine große Landwirtschaft mit Pferden, Kühen, Schweinen und Hühnern gehörten. Das Sägewerk, auf dessen Holzplatz heute die „Stadtvillen“ stehen, wurde im Jahr 1975 an die Firma Steiner verkauft. Der Mühlenbetrieb war schon 1968 eingestellt worden, doch der Handel und die Belieferung der Bäcker mit Mehl mittels eines Lastkraftwagens bestanden noch. Familie Wurzinger lebte bis 1973 in Wien, kam aber in den Ferien und an den Wochenenden gerne nach Wieselburg. Helene aber pendelte nun zwischen Wien und Wieselburg, zwischen Familie und Betrieb – mittwochs fuhr sie nach Wien zur Familie und kam mit dieser samstags wieder nach Wieselburg. Helene und Willibald hatten zwei Söhne, 93


die beide in Wien die Schule besuchten. Diese Tatsache und die Bindung an Wien durch Willibalds Beruf als Lehrer machten eine Übersiedlung nach Wieselburg vorerst unmöglich. Der ältere Sohn, Karl-Heinz, studierte Pharmazie und verstarb 1984 frühzeitig. Walter, der 1977 an einer HTL in Wien maturiert und den Betrieb schließlich von seiner Mutter Helene übernommen hatte, verstarb plötzlich und ebenfalls viel zu früh im Jahre 2000 im 43. Lebensjahr. Beide Söhne

hinterließen Frau und Kinder. Helenes Ehemann Willibald war bereits 1981 verstorben und so war sie wieder mit dem Betrieb alleine. Nocheinmal zurück zu Anton Fahrner: Anton Fahrner holte seinen Bruder Karl Fahrner als Disponent nach Wieselburg. Er war Buchhalter und heiratete Helene Lossgott. Das Paar bewohnte die an die Brückmühle angrenzende Fahrner-Villa in der Bruckmühlgasse 1 – heute Anton Fahrnergasse 1. Sohn Helmut lernte in Wr. Neustadt das Kaufmannsgewerbe und arbeitete schließlich als Kaufmann in der Firma Lossgott. Später wurde er, wie bereits erwähnt, Geschäftsführer in der Bruckmühle, die aber Willi Wurzinger geerbt hatte. Anton Fahrner brachte es in Wieselburg zum Bürgermeister und von 1927 bis 1930 sogar zum Nationalrat. Als er wegen seiner politischen Gesinnung in der Riemergasse in Wien eingesperrt wurde, bestellte man für den Betrieb einen öffent-

12 Auf der Ansichtskarte von 1915 ist das typische geknickte Wehr der FahrnerMühle zu sehen, hier noch mit einer „Schusstafel“, über welche die Holzbloche beim Triften geschleust wurden.

13 Die Bruckmühle mit dem E-Werk.

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14 Helene Wurzinger ist heute 88 Jahre alt und ihr Erinnerungsvermögen ist ungetrübt – es ist ein Genuss, mit der „Behüterin der Bruckmühle“ zu plaudern.


15 Valentins erster Entwurf für die Einfriedung des Hauses Fahrner, ohne Datierung.

lichen Verwalter. Dieser wollte den Betrieb und das Anwesen verscherbeln, weshalb die beiden Schwestern Marie Fahrner und Theresia Wurzinger bei Julius Raab Hilfe suchten. Diesen berührte das schwere Schicksal der beiden Schwestern und er schickte einen neuen Verwalter namens Hofmarcher, der jedoch tagtäglich betrunken war und auch nichts taugte. Karl Fahrner, der Ortsgruppenleiter in Wieselburg war, wurde ebenfalls eingesperrt. Im März 1973 verunglückte Helmut Fahrner beim Schifahren und Helene Wurzinger, Frau von Willibald Wurzinger, übernahm, wie schon erwähnt, die Geschäfte. Die komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse ihrer Familie erläuterte mir Helene Wurzinger als spannende Geschichte und mit einer Engelsgeduld.

16 Der zweite Entwurf für die „Gartenmauer an dem Hause des Herrn Anton Fahrner, Bürgermeister, Wieselburg“, 23. September 1930.

Wie eine Inschrift an der Hausmauer zeigt, steht das Gebäude der Bruckmühle bereits seit 1661. 1911 wurde das E-Werk gebaut – es blieb bis zum Tode von Walter Wurzinger in Familienbesitz und wurde in den Jahren 1984-85 völlig neu erbaut. Heute ist das E-Werk in Besitz der EVN. Aus dem Bauakt „Bruckmühle“ im Stadtarchiv Wieselburg lässt sich rekonstruieren, dass Anton

17 Die von Anton Valentin geplante Einfriedung der Bruckmühle und der Fahrner-Villa besteht heute noch.

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18 „Einfriedung der Realität A. Fahrner, Bürgermeister, Wieselburg“, 22. April 1931.

20 Die Öffnung der Gartenmauer mit den Gitterstäben. 19 Die Fahrner-Villa mit einem Teil der ValentinEinfriedung. Die Villa wurde von der Firma Wüster für Konrad Wüster, der mit seiner Familie aus Deutschland kam, erbaut. Tochter Aline Wüster wuchs mit den GriesslerTöchtern auf. Als Konrad nach Wien übersiedelte, blieb Aline in der Villa. Sie hatte inzwischen Fritz Wüster geheiratet. Der Lebensstil des Paares aber bewirkte, dass die Villa alsbald an Fleischermeister Schmatz verkauft werden musste. Aline und Fritz zogen in das Haus, das heute der Familie Steininger in der Bahnhofstraße gehört – später übersiedelten sie in die Jaidhauser-Villa, welche damals im Besitz von Baumeister Schinner war. Fritz starb in diesem Haus, Aline übersiedelte in die Bartensteinvilla und starb im Altersheim. Karl Schmatz verkaufte die Villa an einen Wiener Cafetier, von welchem sie später Anton Fahrner erstand.

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Fahrner am 27. Oktober 1930 um die Errichtung eines neuen Gartenzaunes zwischen den Häusern Bruckmühlgasse 1 und 3 und um den Aufbau eines Balkones auf den bestehenden Vorbau des Hauses Bruckmühlgasse 3 ansuchte. Es ist naheliegend, dass Fahrner den Wiener Architekten Anton Valentin mit der Planerstellung beauftragte, kannte er ihn doch in seiner Funktion als Bürgermeister (1913-1934 und 1938-1945) vom Bau des Rathauses. *Es existieren insgesamt drei Pläne Valentins für die Mauereinfriedung. Der erste Entwurf zeigt das Haus Fahrner mit dem angrenzenden Mauerstück, das in drei Felder unterteilt ist. Jedes Feld weist eine Maueröffnung auf, die dem Bullauge eines Schiffes ähnelt. Die vertikalen Gitterstäbe in


diesen Öffnungen sollten sich stilistisch an den vertikalen Elementen am Balkongeländer und am Gartenzaun direkt vor dem Haus orientieren. Das auf Valentins Plan eingezeichnete Haus entspricht nicht exakt dem heutigen Bauzustand. Dort, wo jetzt ein ebenerdiger Erker aus dem Gebäude hervorspringt, sollte sich laut Plan der Eingangsbereich befinden, darüber ist im Plan ein Balkon eingezeichnet. Die Einfriedung des Hauses und auch das 6,25 m lange Mauerstück, das Valentin neu plante, wurden – bis auf die Form der Maueröffnungen – nach Valentins Plan ausgeführt und bestehen noch heute so.* Der zweite Entwurf Anton Valentins für die Gartenmauer stammt vom 23. September 1930. Er zeigt die Einfriedung mit einer Höhe von mehr als zwei Metern und durchbrochen von kreisförmigen Öffnungen, welche durch waagerechte Eisenstäbe gesichert sind. Dieser Plan wurde jedoch nicht genau in dieser Form ausgeführt – die Form der Maueröffnungen und die Anordnung der Gitterstäbe darin wurden abgeändert.

21 Valentins Vorschlag für die Gartengestaltung, 14. April 1932. 1: Sitzplatz; 2: Rosen; 3: Wasserbecken; 4: Lauben (Schlingrosen); 5 und 6: Troullage (Wilder Wein); 7: Decksträucher; 8: bestehender Apfelbaum; 9: bestehender Kirschenbaum; 10: Ahorn; 11: Hochstämmige Rosen, darunter Blumenbeet; 12: niedere Blumen; 13: Blütenstauden.

22 Der Plan für den Gartenzaun vom 3. Mai 1932.

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23 Detailpläne für die Eckgarnitur für das Wohnzimmer, 19. August 1929. Das Ensemble umfasst den Tisch, eine Eckbank und zwei Sessel aus Eiche.

24 Die von Anton Valentin entworfenen Möbel: Sessel und Tisch in der großen Stube

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Ein neuerliches Ansuchen um den Bau einer Einfriedung besagter Liegenschaft stammt vom 7. April 1931. Der Plan dazu, ebenfalls aus der Feder Anton Valentins, stammt vom 22. April 1931. *Dieser Plan betrifft nun die komplette Einfriedung des Grundstückes, nämlich entlang der gesamten Bruckmühlgasse und auch entlang des „Bahnweges“. In der Bruckmühlgasse sollte ein vier Meter breites Tor angebracht werden, das von zwei jeweils 25 Meter langen Mauerstücken eingefasst wird. Den Abschluss dieser Mauerstücke sollte an beiden Seiten jeweils ein erhöhtes Feld mit drei halbkreisförmigen, vertikal vergitterten Öffnungen bilden. An der Bahnhofstraße sollte eine 36 Meter lange Mauer in gleicher Form entstehen. Dieser Teil ist heute noch erhalten. Der Rest des Planes wurde scheinbar nie realisiert.* Die von Valentin im Plan senkrecht gezeichnete Anordnung der Stäbe kam in einer anderen Form zur Ausführung – Abbildung 19 und 20 zeigen das endgültige Aussehen, wie es auch auf dem Plan mit Hand skizziert worden war (Abb. 18). Mit 14. April 1932 ist ein Plan für die Gartengestaltung für Bürgermeister Anton Fahrner datiert, ein dazugehöriger Plan mit einem Zaun stammt vom 3. Mai 1932. Heute noch sind die Gehwege, der Brunnen und das Rosenbeet so erhalten, wie sie damals nach Valentins Plänen ausgeführt wurden. *Der Gartenzaun war möglicherweise ein alternativer Vorschlag für die im Vorjahr nicht verwirklichte Garteneinfriedung in Form einer Betonmauer.*


Einer Notiz in Valentins Tagebuch vom 8. und 9. Dezember 1936 zufolge, beabsichtigte Anton Fahrner im Frühjahr des Jahres 1937, eine Hausrenovierung vorzunehmen. Dieser Plan kam jedoch nicht zustande. Valentin entwarf für Kommerzialrat Fahrner auch verschiedene Möbel, welche noch teilweise erhalten sind. Die massiven Sessel und der dazugehörige Tisch mit den gedrechselten Beinen stehen heute in der Wohnküche Helene Wurzingers. Ein Ohrensessel, dessen Stoffbezug freilich nicht mehr original ist, ein Bücherschrank, der zwischen den beiden Fenstern des Herrenzimmers eingepasst wurde, ein weiteres Schränkchen sowie die gesamte Holzlamberie mit einer Bildergalerie im Bereich der Oberkante sind noch völlig unverfälscht im Herrenzimmer erhalten. Dieses Herrenzimmer wurde in seiner gesamten Konzeption von Valentin erstellt und ist sicher eines der besterhaltendsten Möbeldokumente seines Wirkens. Ein außergewöhnlicher Kachelofen, der ebenfalls in Valentins Plänen zu sehen ist, gibt dem Raum eine besondere Note. Die Kacheln wurden vom Keramiker

26 Die Entwurfszeichnung Valentins für den Ohrensessel, ohne Datierung. 27 Der Ohrensessel im Herrenzimmer

25 Die Lamberie im Herrenzimmer.

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28 „Wohnraum für Herrn Nationalrat A. Fahrner – Kaminecke“, 1929.

29 Der Kachelofen im Herrrenzimmer

30 „Wohnraum für Herrn Nationalrat A. Fahrner – Sitzecke“, ohne Datierung.

Riedl ausgeführt, wie mir Frau Wurzinger sagte. Leider kann der Vorname Riedls nicht eruiert werden, aber möglicherweise handelt es sich um Josef Riedl, der auch die „trauernde Frau“ im Wieselburger Kriegerdenkmal schuf. Da die Zusammenarbeit Valentins mit Riedl schon beim Bau des Kriegerdenkmals bestand, wäre es möglich, dass sich diese bei der Verwirklichung des Kachelofens für Nationalrat Fahrner fortsetzte. Auffallend an den Kacheln ist die künstlerische Gestaltung mit faunistischen Fabelwesen. Ein Gnom-Wesen vor der Kamintüre fungiert als Trägerfigur für den Ofenaufbau. Valentin plante auch die Kanzleimöbel für Anton Fahrner. Diese sind allerdings nur mehr im Plan nachvollziehbar, denn das Mobiliar wurde nach Fahrners Tod an Josef Lossgott verkauft. Es bleibt zu hoffen, dass die Komplettheit der Möbel in der Bruckmühle als letztes Zeugnis der Möbelarchitektur Valentins erhalten bleibt. 100

31 Der Schrank im Herrenzimmer


32 „Arbeits- und Sprechzimmer für Herrn Nationalrat Anton Fahrner Wieselburg“, ohne Datierung.

33 „Arbeits- und Sprechzimmer für Herrn Nationalrat Anton Fahrner Wieselburg“, 14. März 1928.

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Haus Wiktora Wieselburg Das einzige auffindbare Dokument, das die Herkunft Karl Wiktoras beweist, ist das Meldeblatt im Stadtarchiv Wieselburg. Demnach war er der Sohn von Ferdinand Wiktora (*1846 in Wien) und seiner Frau Maria Anna (*1851 in Wien). Karl Wiktora zog im Jahre 1920 von Erlauf nach Wieselburg, in die Breiteneicher Straße 3. Vermutlich war das damals die Hausnummer 01 Die Villa der Familie Wiktora - Thanel, Breiteneicher Straße 3, ist heute in des Kommandogebäudes des Wie- Besitz des Zimmermeisters Eßletzbichler sen. selburger Kriegsgefangenenlagers – des späteren Lehrmädchenheimes. Karl Wiktora war sicher schon längere Zeit in Erlauf stationiert, denn im Bericht über den Bau des Kriegsgefangenenlagers wird er als Assistent des Bauleiters Gustav König erwähnt, verantwortlich für den Bau des Lagers II und III.1 Am 7. März 1922 richteten Karl und Katharina Wiktora an die Gemeinde Wieselburg das Ansuchen, auf dem Keller einer ehemaligen Baracke des Lagers I ein Haus errichten und den der Gemeinde gehörenden Grund kaufen zu dürfen.2 Es handelte sich dabei um das im Lagerplan eingezeichnete Objekt 189, in welchem – „zum Zwecke des Lagerspitales“ – ein Keller gebaut wurde.3 Die darauf befindliche Baracke wurde laut Lagerplan4 als Depot benutzt. Allerdings ist sie in der Lagerbeschreibung5 als Unterkunft für die Offiziersdiener erwähnt. Dies erscheint auch logisch, wenn man liest, dass die Baracken 190 und 191 Offiziersunterkünfte waren.6 Wiktora dürfte damals bereits geschäftlich mit Hubert Schinner zusammengearbeitet haben, was der gemeinsame Firmenstempel „Ingenieur H. Schinner & K. Wiktora, Baumeister, Wieselburg a.d.Erlauf N. Oe“ beweist. 102

02 Das Haus in der Breiteneicher Straße 2 war ursprünglich in Besitz der Familie Wiktora. Helene Messerknecht (*1876 in Berlin), Buchhalterin bei der Firma Wüster, erwarb das Objekt, das in der Folge 1956 in den Besitz von Margarete Franz-Messerknecht (*1907 in Petzenkirchen) und 1974 in den Besitz ihrer Tochter Walpurga Niebauer kam. Bereits 1932 suchten Helene und ihre Schwester Louise Messerknecht um den Ausbau einer Dachkammer an.


03 Bürgermeister Gottfried Thanel und der Gemeinderat von 1965. Vorne von links nach rechts: Engelbert Temper, Josef Schnell, Bürgermeister Gottfried Thanel, Vzbgm. Leopold Sedlmayr, Josef Lossgott, Gottfried Kirchhofer; hinten von links nach rechts: Johann Kommentisch, Josef Bernhard, Leopold Aschauer, Franz Bauer, Florian Wegerer, Johann Leitzinger, Hermine Scheruga, Alois Buxhofer, Karl Gausterer, Franz Gröbner, Herbert Ziedek, Herbert Schinner, Kurt Leitzinger.

Karl Wiktora (1880-1961) und seine Frau Katharina (1880-1958), genannt Käthe, bezogen mit ihrer 1911 in Wien geborenen Tochter Maria Anna das Haus Manker Straße 2, welches - wie bereits erwähnt - auf dem Keller des Objektes 189 errichtet wurde. Anna Maria heiratete am 28. Juli 1935 den Krankenkassabeamten und späteren Bürgermeister von Wieselburg (1963-1969) Gottfried Thanel (1906-1969). Gottfried Thanel wurde am 4. August 1906 in Wien als Sohn von Ernst Rudolf Thanel (*1868) und Josefine Seidl (*1884 in Wien) geboren. Ernst Thanel war Postbeamter und Hauptmann – er übersiedelte im Jahre 1918 in die Karl Stummergasse 7. Der Vater von Ernst, Rudolph Thanel, war Hauptkassier der DDSG. Er starb 1881 in Wien. Seine Frau Adele, geb. von Ebner, starb 1919 und wurde bereits am Wieselburger Friedhof beerdigt. Hauptmann Ernst Thanel war 1925 ein Mitinitiator des 1928 erstmals stattgefundenen Wieselburger Volksfestes, für das er auch als Platzverwalter tätig war.7 Bürgermeister Gottfried Thanel litt an Multipler Sklerose und hielt sich zu

04 Ing. Karl Wiktora

einem Kuraufenthalt in Bad Schallerbach auf, als ihn ein Herzinfarkt ereilte. Gottfried und Maria Anna Thanel wurde am 18. Februar 1939 ihr erster und einziger Sohn Peter geboren. Dieser besuchte die Höhere Technische Lehranstalt in Krems und arbeitete zu Beginn seiner Berufslaufbahn in Melk bei Baumeister Schnabl, wo er auch seine spätere Frau Elisabeth (*5. November 1933, geborene Landstetter 103


aus Altenmarkt) kennenlernte. Elisabeth Thanel war ausgebildete Schneiderin und Handarbeitslehrerin. Nach Ablegung der Baumeisterprüfung machte sich Ing. Peter Thanel in Wieselburg selbstständig. Der Bauboom der 1960er Jahre kam dem jungen Unternehmer zugute und die aufblühende Firma hatte bald bis zu 65 Beschäftigte. Das weitläufige Areal in der Breiteneicher Straße neben dem Wohnhaus der Familie wurde als Bauhof genutzt und später ein Bürogebäude hinzugefügt. Peter Thanel war als Stadtrat Mitglied des Wieselburger Gemeinderates und engagierte sich in zahlreichen Vereinen. Seine besondere Passion aber galt der Oper. Auf diesem Gebiet war er ein großer Kenner und er unternahm mit seiner Frau zahlreiche Reisen zu diversen Opernaufführungen. Baumeister Karl Wiktora war am Bau des Wieselburger Rathauses beteiligt und lernte wahrscheinlich auf diese Weise Anton Valentin kennen. *Im Dezember 1929 erstellte Anton Valentin erste Skizzen für das Bauvorhaben Wiktora. Zeitlich nicht so weit von den Entwürfen für das Haus Batscher entfernt, verwundert es kaum, dass sich die beiden Entwürfe in ihrer groben Grundstruktur gleichen. Das Grundprinzip der beiden ineinander geschachtelten Bauteile ist hier klar ausgeprägt. Dadurch entsteht eine komplizierte Dachkonstruktion, die von unterschiedlichen Traufhöhen geprägt ist. Auch die runde Dachluke findet sich hier wieder. Besonders charakteristisch ist jedoch der nach innen versetzte und somit überdachte Hauseingang. Der Grundriss zeigt einen langen, schmalen Vorraum, von dem aus alle Zimmer erreichbar sind: die Kanzlei, die Küche mit Zugang zum Garten einer Speisekammer, sowie das WC und das Badezimmer. An der Straßenseite befinden sich noch eine schmale Kammer und das Wohnzimmer. Es fällt auf, dass die Küche und das Wohnzimmer nicht traditionell einen rechteckigen Grundriss aufweisen, sondern aus jeweils einem großen und einem angeschlossenen kleineren Rechteck bestehen. Dies ergibt sich dadurch, dass einerseits das Badezimmer und die Toilette und andererseits das Stiegenhaus in der Mitte der Ostseite des Hauses vorgesehen waren. 104

05 Von li nach re: Lisl und Peter Thanel, Prof. Mag. Franz Steiner, Prim. Dr. Gabriele Lechner, Lotte Steiner.

06 Bürgermeister Thanel, Amtsleiter Otto Hofmann, Lisl Thanel und GR Franz Leitzinger.

Das Obergeschoß ist mit zwei Kammern, einem kleinen Dienerzimmer, einem Dachbodenraum und dem Schlafzimmer ausgestattet. Wie schon beim Entwurf für das Doppelhaus Batscher, ist im Schlafzimmer der Bereich des Ehebettes durch einen Vorhang vom übrigen Raum abgetrennt. An diesem Entwurf fällt auf, dass kein Balkon vorgesehen war. Auch beim ersten Entwurf für das Haus Batscher plante Anton Valentin keinen Balkon ein. Die Fensteranordnung erscheint strukturierter als bei den Entwürfen für die Familie Batscher, wobei hier eine klare Ausrichtung der Fenster aneinander erkennbar ist. Seiner Vorliebe für viele unterschiedliche Fenstergrößen und -formen ist Valentin hier treu geblieben.


Ein Folgeplan vom 30. Jänner 1930 zeigt nur kleine Abänderungen des Entwurfes. Der westliche Gebäudeteil wird im Obergeschoß zu einer kleinen Gaube reduziert. An die Straßenfront wird ein Balkon angefügt, wodurch das bestehende Fenster an das Hauseck rückt und mit dem Eckfenster der Südseite zu einer Einheit verschmilzt. Die Balkontüre wird von einem schmalen Fensterband umrandet, um das dahinterliegende Zimmer mit möglichst viel Licht zu versorgen. Durch die Verbreiterung scheint das Gebilde mit dem darunterliegenden, größeren Wohnzimmerfenster zu korrelieren. Interessanterweise findet sich genau jenes Gestaltungselement auch beim Haus von Ludwig Mayr, das sich in der Feldgassen-Siedlung in Scheibbs befindet. 07 Valentins Plan vom Dezember 1929.

08 Valentins Plan vom 30. Jänner 1930.

Bei der Südostansicht ergibt sich also der Anschein, dass die Fenster des Erdgeschoßes sich im Obergeschoß versetzt wiederholen. Während die Fenster der Südwest- und Südostfront relativ klar angeordnet sind, wird die Nordostfront von unterschiedlichen Fenstergrößen dominiert. Eine große, freie Fläche, die zwischen den Fenstern entstanden ist, füllt er mit einer PflanzenRankhilfe und schafft somit die Verbindung seiner Architektur zur Natur. Im Grundriss ergeben sich kleine Änderungen. Die Speisekammer ragt nun nicht mehr aus dem Baukörper heraus, wodurch die Küche an Grundfläche verliert. In der Mansarde wird die südliche Kammer zu 105


einem etwas größeren Elternschlafzimmer mit Zugang zum Balkon umgewandelt. Daneben befindet sich nun das Zimmer der Tochter, das sowohl durch die beiden Eckfenster, als auch ein kleines Fenster an der Südwestfassade durchleuchtet wird. Ein Gastzimmer und ein Zimmer für das Dienstmädchen, das lediglich ein kleines Gaubenfenster im Nordwesten ausweist, vervollständigen den Raumplan im Obergeschoß. Ein undatierter Plan zeigt erstmals eine Ansicht der Nordwest-Fassade. Durch die unterschiedlichen Firsthöhen der einzelnen Elemente des Hauses ergibt sich an der rückwärtigen Hausfront eine Abstufung des Daches. Im Gegensatz zu den drei Giebelfronten sieht diese Hausseite bis auf die unterschiedliche First- und Traufhöhe mit zwei Dachgauben relativ klassisch aus. Karl und Katharina Wiktora suchten am 7. März 1930 bei der Gemeindevorstehung Wieselburg um Vornahme des Lokalaugenscheines und Erteilung der Baubewilligung für den Neubau ihres Einfamilienwohnhauses an.8 Im Anhang befand sich ein mit Fe09 Der undatierte Rechnungsplan zeigt alle Fassadenansichten.

10 Ein Ausschnitt des Einreichplanes vom Februar 1930.

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bruar 1930 datierter Bauplan, der jenen Plänen vom 30. Jänner 1930 entspricht. Der Lokalaugenschein fand am 18. März 1930 statt.* Bei dieser Verhandlung waren der damalige Bürgermeister Anton Fahrner, die Gemeinderäte Ignaz Oberriedmüller und Josef Nacal, Baumeister Anton Kernstock als technischer Beirat, Karl Wiktora als Bauwerber und Bauführer, die Anrainer Zimmermeister Josef Winkler und seitens der Bundesversuchswirtschaft Offizial Anton Mayerhofer gegenwärtig. Das Haus sollte nach dem Plan des Architekten Anton Valentin vom Feber 1930 erbaut werden und bestand aus einem Wohnraum, Kabinett, Kanzlei, Küche, Speise, Bad und Klosett sowie einem Vorraum im Erdgeschoß. Zwei Zimmer, zwei Kammern und ein Bodenraum bildeten die Mansarde. Der rückwärtige Teil des Hauses sollte unterkellert sein und einen Raum für das Brennmaterial, eine Waschküche und einen Bügelraum haben. An der Straßenfront sollte eine Mauer mit aufgesetzten Holzstaketten die Einfriedung bilden. Die Erteilung der Bewohnungs- und Benutzungserlaubnis für das Haus Breiteneicher Straße 3 erfolgte am 26. Jänner 19339. Architekt Wolfgang Thanel, Sohn von Baumeister Peter Thanel und seiner Frau Elisabeth, erinnert sich folgendermaßen an das Haus, in dem er mit seinem Bruder Peter die Kindheit verlebte: „Meine Generation, Peter (*1964) und Wolfgang (*1970), lebte noch im Wiktorahaus – zu Beginn in einer Kombination aus Wohnen und Büro. Erst in späteren Jahren übersiedelte das Büro in ein neu errichtetes Haus am selben Grundstück. Dabei wurden zwei der vier Erdgeschoß-, eigentlich Hochparterre-Zimmer vom Büro eingenommen. Die Küche und das Wohnzimmer ergänzten die Räumlichkeiten. Die Küche war ein einfacher Raum mit einer zusätzlichen Speis und einem schlichten Einbauschrank. Das Wohnzimmer war in zwei Bereiche geteilt, die winkelförmig zueinander angeordnet waren. Eine – in meiner Erinnerung sehr schöne – Veranda bildete die Eingangszone. Das Bad und WC lagen einige Stufen über dem Niveau des Erdgeschoßes. Von diesem betrat man auch den Abgang in den Keller sowie die Stiege ins Obergeschoß. Die gewendelte Treppe war in dunklem Holz mit einer

11 Wolfgang Thanel vor der Eingangstüre des Hauses.

geometrischen Geländerteilung ausgeführt. Im Obergeschoß gab es die Räumlichkeiten meiner Großeltern: ein Schlafzimmer mit Balkon und ein (ebenfalls winkelförmig angeordnetes) Wohnzimmer mit einem Eckfenster. Ein weiteres Schlafzimmer sowie eine kleine Kammer (als Kinderzimmer), sowie der unausgebaute Dachboden lagen ebenfalls auf diesem Niveau. Vom Dachboden erreichte man noch einen großzügigen Spitzboden – solange ich denken kann immer mit zu trocknenden Nüssen am Fußboden. In Erzählungen wurde immer wieder erwähnt, dass es ursprünglich einen großen Obstgarten hinter dem Haus gab, eine Situation, die ich – bedingt durch betriebliche Tätigkeit – leider nicht mehr erleben durfte. Trotzdem habe ich das Haus in angenehmer Erinnerung. Trotz der beschränkten Fläche war eine Kombination aus Arbeit und Wohnen handhabbar. Auch die Tatsache, dass mehrere Generationen unter einem Dach lebten ist bei einem Haus dieser Fläche nicht immer möglich. Auch die Klarheit der baulichen Sprache – bei räumlicher Differenzierung im Inneren – habe ich immer als interessant empfunden. Vielleicht war dies mit einer der vielen Punkte, die – neben der dauernden Präsenz des Bauthemas – schlussendlich zu meiner Berufswahl geführt haben.“ 107


Einfamilienhaus bei Ybbs *Zwei undatierte Pläne zeigen ein „Einfamilienhaus bei Ybbs“, das den Entwürfen für das Haus Wiktora bis auf eine kleine Verschiebung der Kellerfenster entspricht. Auch der Grundriss ist gleich und die Zimmer tragen dieselbe Bezeichnung wie am Haus Wiktora. In diesem Grundriss sind zusätzlich die Einrichtungsgegenstände der einzelnen Zimmer eingezeichnet. 12 Plan zum Einfamilienhaus bei Ybbs Bereits beim Haus Batscher gab es Ähnlichkeiten mit einem Schaubild, das mit „Entwurf Haus Wiktora, der mit 30. Jänner 1930 datiert ist. für ein 1- oder 2-Familienwohnhaus“ betitelt war. Es Ein weiteres Indiz ist die Verwendung der selben Zimkam dabei die Frage auf, welcher der beiden Entwürfe mernamen im Grundriss. Ein Sprechzimmer und eizuerst existierte. Im Fall des Hauses Wiktora und dem ne Kanzlei finden sich in einem gewöhnlichen Ein„Entwurf für ein Einfamilienhaus bei Ybbs“ erscheint familienhaus normalerweise nicht. relativ klar, dass dieser Plan erst nach dem Entwurf Im Plan ist auch die Ausrichtung nach den Himmelsfür Baumeister Wiktora entstand. Das Schaubild be- richtungen beschrieben, die eindeutig mit jenen des zieht sich nämlich auf den zweiten Entwurf für das Wieselburger Hauses übereinstimmen.*

13 Plan zum Einfamilienhaus bei Ybbs

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Unverwirklichte Pläne für Petzenkirchen Haus Krause Ein Haus, das einem heute noch Staunen ins Gesicht zaubern könnte, plante Anton Valentin für die legendäre Frau Lehrer Anna Krause, deren unsanfte Hand Erika Rüpschl zu spüren bekam und deren strenger Blick auch noch in der Erinnerung von Johann Scheiblauer ist, in dessen späteren Haus Frau Krause wohnte. Sie besaß wohl ein Grundstück in Petzenkirchen und ließ Anton Valentin einen Entwurf für ein Einfamilienhaus anfertigen – doch leider wurde dieser nicht verwirklicht. *Die Pläne stammen vom 19. August 1931. Sie zeigen ein zweistöckiges Haus mit Flachdach, einer mit Pergola überdachten Veranda und einer großen Terrasse im Obergeschoß. Die Grundstruktur des Hauses besteht aus zwei aneinandergefügten, simplen geometrischen Baukörpern, an die einerseits jene Veranda angefügt ist, die sich „L“-förmig um die Südwestseite des Hauses schmiegt und den Grundriss zu einem Rechteck vervollständigt. Andrerseits wurde im Obergeschoß der Südostseite eine Terrasse 01, 02 Das Wohnhaus für Frau Lehrer Krause in Petzenkirchen. in den Baukörper hineinmodelliert, die jedoch nicht überdacht ist. Der nach Osten ausgerichtete Zugang zu dieser Terrasse sollte das gen die Küche mit ausreichend Licht. Diese ist über dahinterliegende Schlafzimmer mit Morgensonne er- ein Durchreichfenster mit dem großen Wohnraum verfüllen. Weiters befinden sich im Obergeschoß das bunden, der an der Südseite zwei große Eckfenster Badezimmer, eine Waschküche und ein Bodenraum. aufweist, welche außen mit einem roten SichtziegelDas Treppenhaus führt in eine Diele, ausgestattet mit streifen verbunden sind. In der Mitte der Südfassade zwei Einbauschränken und einer kleinen Sitzecke. befindet sich die Terrassentüre. Neben dem Hauseingang befindet sich die Toilette mit Der Entwurf für Frau Krauses Wohnhaus erscheint einer kleinen Fensteröffnung. Die danebenliegenden sehr modern für ein Haus außerhalb der Großstadt. Fenster, welche zur Küche gehören, sind ebenfalls in Der Grundtypus des Gebäudes sieht jenem des Hauses dieser Größe ausgeführt. Ein weiteres großes Fens- Nemecek sehr ähnlich. Die Idee der Südfassade mit den ter im Westen und ein kleineres im Süden versor- seitlich hinausgerückten Fenstern im Untergeschoß 109


und dem beinahe turmartig hinaufragenden Teil des Obergeschoßes, das von einem zentralen Fenster geprägt ist, findet sich bereits bei der straßenseitigen Fassade des Hauses Nemecek. Auch die höhenversetzten Stiegenhausfenster kamen bei beiden Bauten zum Einsatz. Im Gegensatz zu dem Wieselburger Haus sollte das Haus Krause jedoch als Flachdacharchitektur realisiert werden. Diese Tatsache zeichnet den Hausentwurf besonders aus, da in der ländlichen Umgebung bisher nur das Haus der gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft ein Flachdach aufweisen sollte.*

Haus Tree Einen weiteren Plan zeichnete Valentin für das Wohnhaus und die angeschlossene Gärtnerei der Familie Tree. Leider wusste man in der Familie nicht darüber Bescheid. Der Firmenaufschrift nach, die im Plan zu sehen ist, wurde der Entwurf von Gabriel Tree in Auftrag gegeben. *In den Bauakten der Gemeinde Petzenkirchen findet sich ein Kaufvertrag, der bestätigt, dass Gabriel und Viktoria Tree im Jahre 1930 eine Parzelle von Josef und Anna Marie Simoner um 3.000 Schilling erwarben. Der Plan Valentins, der sich in seinem Nachlass befand, wurde im März 1930 erstellt. Weiters findet sich in dem Bauakt ein Plan des Baumeisters Wiktora vom 28. Juli 1930, der die „Erbauung einer Wohnung in den bestehenden Schupfen auf Parzelle 407 EZ 107, Herrn Gabriel und Frau Viktoria Tree gehörig“ zeigt. Demnach bestand schon des Längeren ein „Schupfen“ auf diesem Grundstück. Der Plan Valentins aus seinem Nachlass ist mit „Variante 2“ tituliert. Wie die mögliche erste Variante ausgesehen haben könnte, lässt sich nicht eruieren. Anton Valentin sollte für Familie Tree ein Wohn110

haus planen, das gleichzeitig als Geschäftslokal für den Kunst- und Handelsgärtner Gabriel Tree dienen sollte. Die Trennung dieser beiden Zuständigkeitsbereiche ist im Entwurf optisch erkennbar. Der Wohnbereich ist zweistöckig mit einem steilen Satteldach, während der angeschlossene Ladenbereich nach nur einem Stockwerk mit einem Flachdach abgeschlossen wird. Die Fassade an der Straßenseite wird von einem das Haus als Gärtnerei ausweisenden großen Schriftzug dominiert, der die drei unterschiedlich großen und in der Höhe unterschiedlich ausgerichteten Fenster miteinander verbindet. Der Eingang zum privaten Wohnbereich befindet sich an der Giebelfront. Betrachtet man die vorhergehenden Entwürfe Valentins, erscheint die Positionierung der Eingangstüre beinahe untypisch. Während er bei den anderen Plänen den Eingangsbereich architektonisch inszenierte, indem er ihn in ein Eck des Baukörpers hineinzog, setzt er hier die Eingangstüre an die glatte Fassade und überdacht sie durch den darüberliegenden Balkon. Die Eingangstüre ist von zwei Seiten über Treppen erreichbar. Der Grundriss ist relativ simpel aufgebaut. An den beinahe quadratischen Grundriss des Ladenbereiches

03 Familie Schildberger mit Frau Tree in der Mitte


04 Entwurf für das Wohnhaus der Familie Tree in Petzenkirchen.

schließt der ebenfalls beinahe quadratische und fast doppelt so große Wohnbereich, an dessen Rückseite ein Glashaus für die Gärtnerei angebaut ist. Der Wohnbereich besteht im Erdgeschoß aus einem Wohnzimmer und einer Wirtschaftsküche, die einerseits in den nach

hinten gelegenen Wirtschaftsraum führt und andrerseits in den seitlich angrenzenden Verkaufsladen. Im Obergeschoß befinden sich das Schlafzimmer der Eltern mit Zugang zum Balkon, das Kinderzimmer und ein sehr kleines Gästezimmer.* 111


Haus Sauer, Wien 13 *Das Wohnhaus der Frau Sauer aus Wien sei an dieser Stelle erwähnt, da es nicht nur dem Haus Krause in Petzenkirchen stilistisch sehr nahe steht, sondern vor allem das geplante Fresko jenem des Wieselburger Rathauses stark ähnelt. Das Projekt „Wohnhaus für Frau S., Wien 13“ ist nur durch ein undatiertes Schaubild dokumentiert. Im Nachlass Valentins findet sich ein Möbelentwurf für eine Frau Sauer vom 11. September 1932. Vermutlich handelt es sich dabei um jene Frau S., für die dieser Hausentwurf gedacht war.

05 Entwurf für das Haus der Frau S., Wien 13.

Aufgrund der stilistischen Mittel dieses Entwurfes ist eine Datierung an den Anfang der 1930er Jahre durchaus denkbar. Eindeutige Hinweise dafür liefern einerseits das Flachdach und andererseits die Tatsache, dass sich dieses Haus aus mehreren ineinander geschachtelten Baukuben zusammensetzt. Auch die Eckfenster mit dem Sichtziegelstreifen, wie schon am Haus Riedmüller eingesetzt, sind ein Zeichen für Valentins Frühwerk; ebenso die Vielfalt an unterschiedlichen Fenstergrößen und der im Baukörper integrierte Balkon. All diese Stilelemente finden sich auch beim Entwurf für das Haus 06 Die kleinen Fenster mit der durchgehenden Fensterbank am Wieselburger der Frau Lehrer Krause aus Petzen- Rathaus. kirchen aus dem Jahre 1931 wieder. Im Vergleich dazu sind die Fenster hier schon etwas regelmäßiger angeordnet. So wur- sitzt dieser zweistöckige flach gedeckte Bau mit der den beispielsweise die beiden kleinen Fenster im Ober- vorgelagerten Terrasse relativ große Fenster. Über den geschoß so gesetzt, dass sie seitlich mit dem darunter Grundriss des Hauses und die Zimmerausstattung sind liegenden, breiten Fenster bündig sind. Insgesamt be- leider keine Informationen erhalten. 112


Zwei Ähnlichkeiten mit dem Rathaus in Wieselburg sind bei diesem Entwurf so offensichtlich, dass sie nicht unerwähnt bleiben sollen. Als Detail übernahm Valentin von der Turmfassade des Rathauses das durchgehende Fensterbrett, das zwei kleine, nebeneinander liegende Fenster miteinander verbindet. Obwohl dieses Detail bei dem Einreichplan für das Rathausprojekt nicht geplant war, ist es beim endgültigen Bau an der Turmfassade und an der Rathaus-Rückseite zur Ausführung gelangt. Noch stärker an das Rathaus Wieselburg erinnert jedoch die motivische Darstellung an der Fassade des Hauses für Frau S. aus Wien. An der Fassadenmalerei, die aus zwei länglichen ineinander geschobenen rechteckigen Flächen besteht, ist leicht aus der Mitte gerückt eine Sonnenuhr zu erkennen. Darüber befindet sich eine Figur, die nach links unten auf einen Drachen blickt. Die Darstellungsfläche scheint von links unten nach rechts oben schräg geteilt zu sein. Die obere linke Hälfte, in der sich der Drache und der Heilige befinden, ist mit hellem gelben Grund hinterlegt. Das dunkle Blau der unteren rechten Hälfte wird durch rötlichgelbe (Sonnen-)Strahlen durchbrochen. Die Sonnenuhr liegt genau am Schnittpunkt dieser beiden Flächen. Der Drache im linken unteren Eck führt den Blick des Betrachters entlang der schrägen Bruchlinie über die Sonnenuhr hinweg zu einer weißen Taube, welche vom restlichen Geschehen weg in den Himmel zu fliegen scheint. Am Rathaus Wieselburg ergibt sich folgende Situation: Das Fresko von Prof. Rudolf Holzinger zeigt den Erzengel Michael, der mit einem Schwert bewaffnet den Drachen besiegen soll. Das Fresko erstreckt sich an der Turmfassade über das Eck auf zwei Fassadenseiten. An beiden ist unter einer jeweiligen halbrunden Maueröffnung eine große Uhr angebracht. Das linke Ziffernblatt, in dessen Mitte sich ein Halbmond befindet, wird von Nachtvögeln umgeben. Passend zu dieser Stimmung der Nacht bzw. Finsternis ist der unheilvolle Drache vertikal entlang der Gebäudekante angebracht. Auf der rechten Seite, welche den Tag bzw. den Sieg über die Nacht darstellt, ist das Ziffernblatt mit einer

07 Detail des Valentin-Plans – das Fresko am Haus Sauer.

08 Das Fresko am Wieselburger Rathaus.

Sonnendarstellung von Tagvögeln umgeben. Darunter steht Erzengel Michael und blickt mit erhobenem Schwert auf den Drachen. Auf seinem weißen Hemd wiederholt sich das Sonnensymbol des Ziffernblattes. Über seiner linken Hand befindet sich das Marktwappen der Gemeinde Wieselburg, welches ebenfalls von Anton Valentin entworfen wurde.* 113


Haus Moser Wieselburg Im Jänner 2011 besuchte ich Waltraud Straßmayr, die Tochter von Deli (1911-1947) und Hans Moser (1903-1992) und bat sie, mir über ihre Familie zu erzählen. Frau Straßmayr ist eine hervorragende Erzählerin und ich genoss ihre Ausführungen, die sie 01 Das Anwesen der Familie Moser mit dem ehemaligen „Gasthof zur Linde“ . mit entsprechenden Dokumenten und Bildern belegte. Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich für die Zeit und die Geduld, die sie mir entgegenbrachte! Einige Daten konnte ich auch der Festschrift zum 75. Geburtstag von Hans Moser (II.) entnehmen.1 Therese Stöckler, Tochter einer Gastwirts- und Fleischerfamilie aus Purgstall, wollte sich nicht von ihren Eltern mit einem für sie ausgesuchten Mann verheiraten lassen. Sie hatte sich nämlich in einen Fleischer namens Johann Moser verliebt, der am 27. Juli 1871 in Kasten bei St. Pölten 02 Das Moser-Haus. geboren worden war und den sie schließlich am 7. Februar 1898 ehelichte, worauf sie ihr Vater enterbte. Das junge in Mitterwasser zum Verkauf. Als erster Besitzer Ehepaar zog nach Altmünster. Während der Ehemann des Hauses sind im Grundbuchauszug von 1847 Würste herstellte, zog seine Frau mit dem Leiterwagen, Adam Sturm, ein Fleischhacker und Gastwirt, und der von einem Hund gezogen wurde, durch den Ort seine Frau Katharina genannt. 1791 führte die Witwe und verkaufte die Ware. Das Paar hatte 14 Kinder. Katharina den Betrieb allein, 1798 kamen Johann Vermutlich starben die ersten 2 Kinder in Altmünster Georg Siller und seine Frau Marie Anna durch Ablöse oder vielleicht auch in Gmunden, wo sich Therese und an den Betrieb. 1814 heiratete Johann Siller Theresia Hans Moser von Altmünster kommend ansiedelten – vermutlich war seine erste Frau verstorben. Ab 1836 und ein Geschäft betrieben. war Theresia Siller nach dem Tode ihres Mannes die Danach war die Familie kurz in Oberndorf beheimatet. alleinige Besitzerin des Hauses. Am 8. Juli 1837 kaufte Zu dieser Zeit aber stand in Wieselburg ein Gasthaus der Witwer Josef Bayer um 3.000 Gulden das Anwesen 114


04 Johann und Therese Moser mit den zehn Kindern, 1923.

03 Das alte Mooser-Haus, rechts das Geschäftsportal der Fleischerei erkennbar.

und am 23. August 1839 wechselte es um 4.860 Gulden den Besitzer und kam in das Eigentum von Michael und Maria Mayer. Niemand blieb lange auf dem Haus. Bereits am 20. November 1845 kauften Josef und Maria Ferner Haus und Betrieb um 4.320 Gulden. Nur zwei Jahre später erwarben Alois und Theresia Maierhofer um 4.500 Gulden das Anwesen, welches schließlich bis 1902 im Besitz der Familie bleiben sollte. Nachdem Vater Stöckler in Purgstall gesehen hatte, wie tüchtig seine Tochter Therese und ihr Mann Hans Moser arbeiteten, bereute er den Verstoß der Tochter und stand dem Paar beim Kauf des Gasthauses in Wieselburg im Jahre 1902 als Bürge gut. Die Kinder Theresia (*1900) und Leopoldine (*1901) waren in Altmünster geboren. Hans Moser (*1903) war das erste Kind von Therese und Hans Moser, das in Wieselburg

zur Welt kam. Es folgten Rosina (*1906), Anna (*1908), Luise (*1910), Maria (*1911), Franz (*1915), Anton (*1916) und Friedrich (*1918, 1944 in Russland gefallen). Vermutlich starben zwei weitere Kinder an Diphterie. Jedenfalls war das neu erworbene Haus eine schreckliche Bruchbude und die Familie hatte alle Hände voll zu tun, um es halbwegs bewohnbar zu machen. Im Jahre 1903 zu Allerheiligen wurde das Geschäft erstmals aufgesperrt. Sohn Hans, der erste gebürtige Wieselburger in der Familie, war sehr intelligent und durfte in die Bürgerschule gehen, später sogar in die Handelsschule nach Wels – er war ein ausgezeichneter Schüler und hatte einen Förderer gefunden, der ihm eine Stelle in einer Großbank verschuf. Leider verstarb zu diesem Zeitpunkt, nämlich am 19. April 1923 der bereits länger kränkelnde Vater (*1871) und Hans musste die Fleischerlehre nachholen, um den elterlichen Betrieb übernehmen zu können. Zu diesem Zeitpunkt konnte das jüngste Kind noch nicht einmal laufen. Hans war beileibe kein „geborener Fleischer“, sondern ein musischer Mensch. Glücklicherweise aber absolvierte er seine Fleischerlehre in der Operettenstadt Baden. Sein Lehrmeister schickte ihn mit dem geflochtenen Fleischerkorb zu den Kunden, um das Fleisch zu liefern. Da Hans ein fescher und freundlicher Bursche war, bekam er viel Trinkgeld, das er sammelte um an den Wochenenden den Operettenaufführungen in der 115


05 Zur Demonstration der Größe der Familie Moser sei hier ein Familienbild eingefügt: 1. Maria Holzgruber (geborene Moser, Schwester 2), 2. Hans Moser II., 3. Rosina Löw (geborene Moser, Schwester von 2), 4. Anton Moser II. (Hotelier in Pöchlarn, Sohn von 5), 5. Anton Moser I. (Vater von 4), 6. Therese Moser („Stammmutter“), 7. Agnes (Schwester von 6), 8. Fritz Moser, 9. Leopoldine Sauer (geborene Moser, Schwester von 2), 10. Maria Sauer (Tochter von 9), 11. Hans Sauer (Sohn von 9), 12. Anneliese Sauer (Tochter von 9), 13. Franz Moser I. (Bruder von 2), 14. Franz Moser II. (Sohn von 13), 15. Leopoldine Moser (Frau von 5), 16. Karl Löw (Mann von 3), 17. Anton Holzgruber (Mann von 1), 18. Luise Opitz (geborene Moser), 19. Edith Opitz (Tochter von 18), 20. Rudolf Opitz (Vater von 19, Tischler in Petzenkirchen), 21. Christa Opitz (Tochter von 20), 22. Rudolf Opitz (Sohn von 20), 23. Friederike Opitz (Halbschwester von 22), 24. Hans Preitensteiner I., 25. Viktor Preitensteiner (Bäcker in Neustift), 26. Viktor Preitensteiner II., 27. Hannelore Moser (Schwester von 35 + 36), 28. Annemarie Moser (Frau von 13), 29. Monika Moser (Tochter von 5), 30. Rosemarie Löw (Tochter von 3+16), 31. Frau Preitensteiner, 32. Peter Löw (Sohn von 3+16), 33. Maria Holzgruber (Tochter von 1+17), 34, Anton Holzgruber II. (Sohn von 1+17), 35.Waltraud Moser (Schwester von 27+36), 36. Hans Moser III. (Bruder von 35+27).

Kurstadt Baden zu lauschen. Abends sang er seinen Fleischerkameraden die Operettenlieder vor, denn er war ein ausgezeichneter Sänger. Zurückgekehrt nach Wieselburg, ehelichte Hans im Jahre 1933 Adele Amashaufer aus Kendl (*1911). 116

Es ist naheliegend, dass der kunstsinnige Hans Moser Gefallen an der Arbeit des Architekten Anton Valentin fand, der bereits seit 1927 in Wieselburg tätig war. So beauftragte er den Wiener Architekten bereits im März 1930 zur Anfertigung einer Skizze zur „Einfriedung der


08 Hans und Adele, 1933.

06 Hans Moser II als Schüler.

07 Hans II. als Schauspieler.

Realität Moser“. Mit 10. April 1930 ist dieser Plan für die „Einfriedung der Realität Moser nebst Regulierungsvorschlag“ datiert. Dem Plan zufolge sollte die Laun im Bereich des vis à vis gelegenen Grundes von J. Riederer verändert werden. Mit 28. April 1930 ist ein zweiter Plan Valentins für dieses Vorhaben ausgewiesen. Weiters gibt es einige Pläne für den Umbau der Realität, die leider nicht datiert sind. Ein Umbauplan für das Gasthaus vom 2. November 1932 mit der Signatur Valentins und weitere Pläne vom Jänner 1933, die nicht den Umbau, sondern das fertige Objekt zeigen, sind ebenfalls existent. Wie weit die Pläne realisiert wurden ist leider nicht mehr eruierbar da sich das Anwesen der Familie Moser im Laufe der Jahre zahlreichen Umbauten stellen musste.

09 „Einfriedung der Realität Moser nebst Regulierungsvorschlag“, 10. April 1930.

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10 Die „neue Einfriedung der Realität Moser“, 28. April 1930.

11 Der Umbau-Plan für den Gasthof Moser, 2. November 1932.

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12 Die dazugehörige Varianten-Zeichnung der Küche, 2. November 1932.


13 Der Plan des Moser-Hauses – es handelt sich dabei vermutlich um einen Aufnahmeplan der damaligen bestehenden Situation. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind die Gründe von Anton Durz und Rosa Grüner eingezeichnet. Gelb umrandet ist jener Gebäudeteil, der damals mit einem 1. Stock versehen war.

Hans Moser wollte eigentlich schon mit 28 Jahren heiraten, – das ließ jedoch seine Mutter Therese nicht zu, denn es war üblich, den Betrieb mit 30 Jahren zu übernehmen und erst dann zu heiraten. Also musste er sich, wie schon erwähnt, bis zum Jahre 1933 gedulden. In diesem Jahr beabsichtigte seine Mutter Therese (1881-1961), in einen Alterswohnsitz zu ziehen. Zu diesem Zeitpunkt stand das Haus Weinzierlweg 10 zum

Verkauf, das im Grundbuch wie folgt nachweisbar ist: Das Kleinhaus Nummer 10 war 1859 durch Kauf an Michael und Rosalia Einsiedler gekommen, 1886 hatte es Michael allein, 1887 kam eine Hälfte des Hauses durch Heirat an Anna Einsiedler. 1904 wurde es von Juliana Holler ersteigert und im August des selben Jahres von Johann und Theresia Winter erworben. 1914 kam es durch Kauf an Theresia Schweinhammer, 119


1916 an Franz und Theresia Brandner, 1917 kaufte es Franz Winkler, 1919 Konrad und Agnes Zistler – es hatte also einen bewegten Besitzerwechsel. 1921 kaufte es Dr. Ludwig Pollak mit seiner Frau Anna.2 Dr. Pollak war Zahnarzt und der Fraktionsführer der Sozialdemokraten im Wieselburger Gemeinderat. Als die Ehe Dr. Pollaks in die Brüche ging, verzog er nach Wien und Anna Pollak war ab 1930 alleinige Besitzerin des Hauses. Sie verkaufte es im Jahre 1934 an Theresia Moser. Von nun an sollte es im Familienbesitz bleiben und erst 1975 wurde es an Familie Eberlein verkauft. Dr. Pollak hatte vermutlich begonnen, das alte Haus zu sanieren und zu erweitern, denn wie einem Brief von Architekt Valentin zu entnehmen ist, erwarb Theresia Moser einen Rohbau. Sie hatte sich an den Wiener Architekten gewandt, um seine Meinung dieses Haus betreffend einzuholen. Valentin antwortete folgendermaßen:3 „Wien am 20. Oktober 1933. Frau Therese Moser, Wieselburg a.E. Sehr geehrte gnädige Frau! In der Beilage übersende ich Ihnen auftragsgemäß eine Zusammenstellung jener Kosten, welche erforderlich

14 Dieser Plan zeigt vermutlich die ursprüngliche Raumaufteilung im 1. Stock, ohne Datierung.

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wären, um den Rohbau von Baumeister Schinner zum bewohnbaren Haus zu gestalten. Die Aufstellung ist ziemlich genau gemacht worden und es wird bei einer tatsächlichen Durchführung keine wesentliche Überraschung eintreten können. Bei der Berechnung habe ich selbstredend die von mir gepflegte qualitätsmässige Ausführung vor Augen gehabt. Es ließe sich aber trotzdem von den Kosten noch etwas abzwacken, wenn z.B. die Fußböden sämtlich in Lärche ausgeführt u. allenfalls auf die Zentralheizung verzichtet werden sollte. Doch bin ich der Überzeugung daß dies dennoch kein Sparen wäre! Bedenken Sie doch, daß das in einem Haus investierte Kapital heute oder morgen herausgeholt werden soll; und das ist nur dann möglich und umso besser möglich je besser der Zustand, d.h. die Qualität ist. Mithin ist dann auch das Kapital gut angelegt! Als trauriges und warnendes Beispiel erlaube ich mir Ihnen das „Schuberthäuschen“ ins Gedächtnis zu rufen. Ich habe mir nochmals eine genaue Schätzung des Rohbaues mit d. Grund vom Schinner durchgearbeitet und komme zu einem genauen Schätz- resp.


Verkehrswert von 13.300 S. Ich bin nun der Meinung, daß sich das Geschäft mit Schinner um 12.800 bis 13.000 S machen läßt. Tätigen Sie auf dieser Basis den Abschluß, dann haben Sie nicht schlecht gekauft. Bezügl. der noch auszuführenden Arbeiten an dem Hause würde ich dann folgendes vorschlagen: Einige Baumeisterarbeiten könnten noch jetzt, solange die Temperatur noch über Null ist durchgeführt

werden. Weiters würde ich sämtliche Tischlerarbeiten in Bestellung geben, da man jetzt über Winter billige Preise erzielen kann, da die Leute nichts zu tun haben, ebenso die Stiege. Weiters könnten noch die Installationsarbeiten verlegt werden, sodaß dann für das Frühjahr nur die feinen Putzarbeiten, Fußböden und die anderen Fertigstellungsarbeiten bleiben. Sie könnten dann im Mai das Haus beziehen.

15 Valentins Plan vom 20. Jänner 1933 für den Umbau des Hauses Moser. Die einzelnen Räume sind sehr genau geplant – selbst die Anzahl der Pferde und Kühe wurde vermerkt – und ihre jeweilige Funktion in der Zeichnung vermerkt.

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16 Der Plan für die Umbaumaßnahmen im 1. Stock, 20. Jänner 1933.

Die Abschlüsse mit den einzelnen Handwerkern möchte ich aber jetzt schon treffen, da dies aus wirtschaftlichen Gründen für uns günstiger ist als im Frühjahr. Für diesen Zweck müsste ich eben sofort die ganzen Offertausschreibungen machen. Ich hoffe Ihnen mit meinen Ausführungen vorläufig bestens gedient zu haben, sehe Ihrer weiteren Nachricht mit Interesse entgegen und verbleibe, stets gerne für Sie beschäftigt – Hochachtend: Beh. aut. Zivilarchitekt Anton Valentin, Wien IX, Boltzmanngasse 15, Telefon A 11-1-85“ Dem Schreiben beigeschlossen ist eine Kostenrechnung über Baumeisterarbeiten in der Höhe von S 4.600, Zimmermannsarbeiten im Wert von S 700, Spenglerarbeiten um S 200, Tischlerarbeiten für S 3.150, Schlosserarbeiten für S 950, Glaserarbeiten für S 180, Anstreicherarbeiten für S 600, Malerarbeiten für 122

S 250, Wasserinstallationen um S 200, elektrische Installationen um S 720, Zentralheizung für S 1.900 und diverse Kosten wie Klärgrube und Einfriedung um S 650. Insgesamt beläuft sich die Kostenschätzung für den Ausbau des gesamten Hauses also auf S 16.400. Wieweit Valentin die Bauarbeiten betreute und eventuell auch das Haus möblierte, bleibt unentdeckt. Nach Aussagen von Waltraud Straßmayr war das Haus ihrer Großmutter außergewöhnlich schön im Art Deco Stil möbliert. Während Valentin Therese Moser bezüglich des Hauses Weinzierlweg 10 beriet, war er gleichzeitig auch im Stammhaus der Familie Moser in der Manker Straße 4 beschäftigt, um für das frisch verheiratete Paar Adele, genannt Deli, und Hans Moser eine Bauernstube zu planen. Einer der drei Pläne stammt vom 13. Juni 1933


17 Therese Moser, 1941.

18 Das Moser-Haus am Weinzierlweg 10.

und trägt den Titel „Bauernstube Moser-Amashaufer Wieselburg“. Nachdem das Gasthaus an Familie Karner (Hinterdorfer) verpachtet worden war, hatte die Familie nur eine kleine Wohnung im Obergeschoß, bestehend aus Schlafzimmer, Kinderzimmer, einer Bauernstube, einer kleinen Küche, einem Bad und einem winzigen Vorraum. Diese Räume mussten entsprechend platzsparend eingerichtet werden. Dies ist wohl der Grund, dass Valentin die Bauernstube mit Einbaumöbeln versah. Der Gesamtplan für die Küche und der Plan „Küchenschrank für Deli Moser Wieselburg“ stammen vom 22. November 1933. Die Pläne lassen klar erkennen, dass wenig Platz zur Verfügung stand. Der detailliert dargestellte Küchenschrank ist äußerst geräumig und Valentin weist zur Demonstration den diversen Küchenartikeln die entsprechenden Plätze zu: „Oben: Weißgeschirr, Laden für Besteck; unten: Schwarzgeschirr oder oben: Gläser und Zubehör; kleine Laden: Gewürze u. Ähnliches, große Laden: Mehl, Zwiebel u.A., unten: Küchenwäsche.“ Er sah auch einen Schrank für „Besen, Bürsten und sonstige Reinigungsbehelfe“ vor. Deli und Hans hatten drei Kinder: Waltraud (verehelichte Straßmayr), Johann (III.) und Hannelore.

1948 entschloss sich Hans Moser, nicht mehr mit Vieh zu handeln, sondern die Fleisch- und Wurstwarenherstellung zu forcieren. Das hatte zur Folge, dass große architektonische Umbauten notwendig wurden. Hans Moser erwarb das Nachbarhaus, Mitterwasser Nummer 25. Dieses kam 1907, nach dem Tode von Alois Maierhofer, von dem einst Hans Mosers Vater das Stammhaus gekauft hatte, in das Eigentum des Friseurs Josef Reichhart. Im Jahre 1920, nach dessen Tod, ging es an seine Witwe Maria und 1937 an deren Tochter Maria über. 1947 gelangte das Haus je zur Hälfte an Viktor Reichhart und Anton Wessely. Viktor verkaufte seinen Teil 1957 an Elfriede Wiesmaier. Zwei Jahre später konnte Hans Moser diese Hälfte von Elfriede Wiesmaier erwerben; die Verhandlungen mit Anton Wessely um die zweite Haushälfte zogen sich bis 1962. 4 Im Jahr 1971 erwarb Hans Moser zusätzlich das Haus Nummer 21 zu Mitterwasser aus dem Besitz des Kaufmannes Leopold Frank. Dieser hatte es 1940 von Rosa Grüner erworben und darin sein Warenhausimperium begründet. Heute verbindet ein Übergang die Firmengebäude, die sich beiderseits der B25 ausdehnen. Sicherlich ist noch eine weitere Expansion geplant, denn Hans (IV.) und Michael Moser haben bereits die Häuser Durz, Scheibbser Straße 5, Göschl, Scheibbser Straße 6, 123


Erhart, Scheibbser Straße 7 und das ehemalige Kaufhaus Grießler angekauft. Auch die „Grießler Stiege“ ist in Besitz der Familie Moser. Eine weitere Verbindung Valentins mit der Familie Moser gab es über den Moser-Schwager Rudolf Opitz, verheiratet mit Luise Moser, Schwester von Hans II. Er war Tischler in Petzenkirchen und hatte seine Werkstatt unterhalb der Kirche, etwa vis à vis des ehemaligen Geschäftes Wild. Nach der Heirat mit Luise Moser zog er nach Gars am Kamp, wo er eine Tischlerei aufbaute. Opitz-Möbel waren damals bekannt als besonders sorgfältig hergestellte Möbel. Josef 19 Die Bauernstube, 1933. Schildberger arbeitete für Opitz, bevor er sich in Petzenkirchen selbstständig machte. Nach Aussage von Waltraud Straßmayr produzierte Rudolf Opitz Möbel nach den Plänen Valentins. So wurden auch die Möbel im Moser-Haus, wie die Bauernstube und auch die Küche für Deli, von Rudolf Opitz gefertigt. Es war naheliegend, dass Valentin mit Handwerkern an den Auftragsorten zusammenarbeitete. Die Notiz bei Berta Vogels Auftrag für einen Schrank, Valentin möge zwei Wiener Firmen mit der Erstellung eines Kostenvoranschlages betrauen und keinesfalls eine Firma in Wieselburg, weist darauf hin, dass Kooperationen vor Ort üblich 20 Die Bauernstube, 1933. waren. Zum Abschluss möchte ich noch den Text aus dem Erlaftal-Boten5 zitieren. Dieser erklärt, warum das Gasthaus Moser das der sich seit dem Jahre 1903 in ununterbrochener Schild „Gasthof zur Linde“ trägt. „Seit dem 16. März Generationsnachfolge im Besitz der Familie Moser 1978 gibt es in Wieselburg einen Gasthof ,Zur Linde‘, befindet. Die Bezeichnung ,zur Linde‘ hat ihren Ur124


sprung einem vereinshistorischen Ereignis zu verdanken. Der ,Wieselburger Gesangsvereine Harmonie 1885‘ brachte am 11. Oktober 1952 das VolksSingspiel ,Unter der blühenden Linde‘ auf die Bretter der damaligen alten Festhalle, woran sich aufgrund des großen Publikumszuspruches 16 ausverkaufte Vorstellungen mit 7000 begeisterten Besuchern, verteilt auf die beiden Herbsttermine 1952/53 anschlossen. Die Hauptrolle als ,Lindenwirt‘ hatte unter nahezu 40 Mitwirkenden der 1992 verstorbene Gastwirt Hans Moser inne. Als dieser im März 1978 seinen 75. Geburtstag feierte, wurde ihm zu Ehren vom Gesangverein vor seiner Gastwirtschaft ein Lindenbaum gepflanzt. Der damalige Brauereidirektor und Vereinsobmann Dr. Karl Mathes: ,Nun haben wir nicht nur im Singspiel einen Lindenwirt, sondern auch in Wirklichkeit‘. Der ,Gasthof zur Linde‘ war somit geboren.“ Dieser Artikel zeigt, dass Hans Moser Zeit seines Lebens den musischen Fächern treu geblieben ist.

21 Die Bauernstube, 1933.

22 „Die Einrichtung der Küche im Hause Moser“, 22. November 1933.

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23 Der Plan für die „Bauernstube Moser-Amashaufer“, 13. Juni 1933.

24 Der „Küchenschrank für Frau Deli Moser“, 22. November 1933.

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26 Der Verkaufs-Stand der Firma Moser, hier 1950, am Wieselburger Volksfest hat lange Tradition und ist heutzutage nicht mehr wegzudenken.

27 Familie Moser, 1 1/2 Jahre vor dem Tod von Deli mit den Kindern Waltraud, Hans und Hannelore.

25 Hans II. (mittig) mit Hans III (links).

28 Eine Federzeichnung aus dem Jahre 1934.

29 Obgleich das Gasthaus „Zur grünen Linde“ nun schon einige Jahre geschlossen ist, kann man noch immer das schöne Firmenschild sehen.

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Haus Wüster Wieselburg Valentins Plan für das Vorprojekt zu einer wunderschönen Villa lautete auf „Wohnhaus für wohlgeborene Frau Juliana Wüster, Wien I“ und ist mit 23. April 1930 datiert. Plan Nummer 1 trägt das Datum 20. Mai 1930, ebenso Plan Nummer 2, der 02 Das Schaubild für das Wüster-Haus. aber die Überschrift „Wohnhausbau in Wieselburg a. E., der Gemeinnützigen Mittelständischen Bau - Wohnungs - Sied- Valentin, Julie Wüster als Grundbesitzerin, Josef Neslungsgenossenschaft in Wien 18“ trägt. Im Plan Num- telberger als Anrainer, Karl Riedmüller als Vertreter mer 3, dem Lageplan, scheint Julie Wüster nicht mehr der Brauerei, Fritz Reiter als Anrainer und Dr. Alexanals Bauwerberin, sondern als Grundeigentümerin auf. der Globocnik als Vertreter der Bauwerber anwesend. Die Gemeinnützige Mittelständische Bau - Wohnungs - Aus dem zu diesem Protokoll gehörigen Vorplan aus Siedlungsgenossenschaft suchte am 25. Juli 1930 als dem Architekturzentrum Wien geht hervor, dass die Bauwerber um die Erlaubnis zur Erbauung eines Ein- Bauwerberin Julie Wüster war. Sie wurde durch ihren familienhauses an1. Neffen, den Rechtsanwalt Dr. Alexander Globocnik, Bei der Bauverhandlung waren Bürgermeister Anton vertreten. Er war der Sohn von Julie Globocnik, der Fahrner, die Gemeinderäte Josef Lorenz und Ignaz Schwester von Eugen Wüster sen., welche mit dem Oberriedmüller, der technische Beirat Architekt Anton k.u.k. Feldmarschall Gustav Globocnik, Edler von Vojka, verehelicht war. Dr. Alexander Globocnik war ein angesehener Rechtsanwalt in Wien und beriet die Familie in sämtlichen Rechtsangelegenheiten. Kurzzeitig war er auch Bürgermeister von Mariazell und besaß in Ybbs das Haus Trewaldstraße 3.2

01 Julie Wüster, geborene Bartenstein, in fortgeschrittenem Alter.

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Julie Wüster war nach der Trennung (nicht Scheidung!) von ihrem Mann Eugen Wüster am 28. Oktober 1920 in die Wohnung der 1919 verstorbenen Anna Wüster – der Witwe von Albert Wüster – am Schwarzenbergplatz 15 in Wien gezogen. 1930 folgte Julie Wüsters Sohn Eugen endlich dem Rufe seines Vaters und kehrte aus Deutschland zurück, um die Leitung der Firma Wüster in Wieselburg zu übernehmen. Julie, die damals 54 Jahre alt war, kam nach Wieselburg zurück, um in der Nähe ihres Sohnes zu sein und suchte mit Sicherheit eine Unterkunft – diese fand sie dann allerdings in der Anderle-Villa in der Augasse. Möglicherweise überlegte


sie, auf ihren Gründen ein eigenes, repräsentatives Haus für sich erbauen zu lassen. Sie hatte dafür ein etwas erhöhtes Grundstück ausgesucht, das heute dem Bereich der Häuser Johann Wintergasse 18 bis 22 entspricht. Als Grundstücksgröße sind auf dem Verbauungsplan 3.496 m2 angegeben, davon sollten 119,07 m2 verbaut werden. All die Gründe zwischen Ybbser Straße, Stifterstraße und Johann Wintergasse waren im Eigentum Julies und wurden als Felder und Wiesen genutzt. So kommt es, dass ihre nächsten Anrainer in der Grillparzerstraße wohnten, nämlich Fritz Reiter (heute Grillparzerstraße 18) und Josef Nestelberger (heute Grillparzerstraße 14). Das von Architekt Anton Valentin eingereichte Objekt sollte im Erdgeschoß zwei Zimmer, einen Vorraum, eine Küche, ein Klosett, eine Speise, sowie eine Anrichte aufweisen und an der Südfront eine Terrasse vorgelagert haben. Der erste Stock sollte zwei Zimmer, eine Garderobe, eine Kammer, Bad und Klosett umfassen und mit zwei Balkonen ausgestattet sein. Im Stiegenaufbau war eine Bodenraumkammer geplant. Das Objekt sollte unterkellert werden und mit einer Waschküche, einem Heizraum, einem Trockenraum und einem Kellerraum ausgestattet sein. Mit diesem Hausplan und der exponierten Lage wäre eine stilvolle, der Zeit entsprechende, außergewöhnliche Villa entstanden, welche dem Status Julie Wüsters entsprochen hätte – aber wahrscheinlich nicht ihrer bescheidenen Lebensweise.

03 Dr. Alexander Globocnik (1895-1974), Sohn von Feldmarschall-Leutnant Gustav Globocnik (18591946), Edler von Vojka, und Julie (1868-1952), geborene Wüster, Schwester von Eugen Wüster sen. Er vertrat die Familie Wüster in allen Rechtsangelegenheiten und war kurzzeitig auch Bürgermeister von Mariazell.

04 Ein Originaldokument bezüglich des Hauses der gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft aus dem Atelier des Architekten Anton Valentin in der Boltzmanngasse 15 im 9. Wiener Gemeindebezirk.

Thiele Wüster ließ mir einen Brief vom 11. September 1923 zukommen, den Feldmarschall-Leutnant Gustav Globocnik an seinen Neffen Eugen Wüster jun. schrieb. Dieser bestätigt, dass Julie damals den Bau eines Hauses in Wieselburg in Erwägung gezogen hatte: „[...] Sie beabsichtigt in Wieselburg eine Villa zu bauen in der Nähe von Tante Lisi (Anm.: Vielleicht handelt es sich dabei um Elise Riedmüller, verehelichte Mathes, die in Besitz der Bartensteinvilla war.) – nun meine Ansicht ist, daß so eine Villa an einer Autostraße nicht conveniert ich würde raten, eher etwas Fertiges im Gebirge zu kaufen, wo sie und du in den Sommermonaten eine reine und staubfreie Gebirgsluft atmen könntet [...]“. Warum sich letztendlich Julie zeitlebens kein eigenes Haus leistete ist unverständlich, war sie doch die reiche Tochter des Caspar Bartenstein, des Brauereibesitzers in Wieselburg. Sie verfügte über Gründe und Geldmittel in reichem Maße. 129


05 Die Pläne für die moderne Villa.

Möglicherweise aber war das Haus auf Juliane Wüsters Grundstück nie für sie selbst geplant, sondern für einen anderen Interessenten – ich konnte es leider nicht eruieren. *Der Entwurf Valentins zeigt einige Stilelemente, die er schon mehrmals bei Privatwohnbauten eingesetzt hatte. Das Gebäude ist bestimmt von drei blockhaften Bauelementen, nämlich zwei Quadern und einem schmalen, hohen Quader, der im Westen halbrund abschließt. Der Gegensatz der beiden Baukörper spiegelt sich besonders in dem Kontrast rund – eckig wider. Die Rundung des schmalen Baukörpers im Westen wiederholt sich an der Ostseite in der Form des Balkones. Auffällig sind auch die unterschiedlichen Gebäudeniveaus. Schon beim Haus Riedmüller haben sich diese herauskristallisiert. In gewisser Weise gehört auch der Entwurf für das Haus Tree in diese Entwicklungsreihe, da Valentin dort durch die unterschiedlichen Gebäude130

niveaus eine Trennung zwischen Geschäfts- und Privatwohnraum schuf. Das Wohnhaus für Juliana Wüster war das erste in Wieselburg gewesen, das Valentin mit einem Flachdach geplant hatte. Wie bereits bei einem Entwurf für das Haus Riedmüller, hat Valentin auch hier das Stiegenhaus in einen eigenen Gebäudeteil, sogar höher als das eigentliche Hauptgebäude, ausgelagert. Als typisches Stilmittel der 1930er Jahre gelten die Eckfenster, bei diesem Entwurf besonders groß und mächtig ausgeprägt. Auch das Spiel mit unterschiedlichen Fenstergrößen ist hier auffällig, besonders beim Treppenhaus, in dem sich sogar abgerundete Fenster befinden. Der Eingangsbereich ist bei den Entwürfen von Anton Valentin meist überdacht. Entweder erreicht er dies durch Einziehen des Eingangsbereiches in den Baukörper oder – wie in diesem Fall – durch Anbringung eines Balkons direkt über der Eingangstüre.


06 Der Plan, 20. Mai 1930.

Generell herrscht bei dem Hausentwurf eine relativ geordnete Fensteranordnung. Das „Hauptgebäude“ ist sogar symmetrisch aufgebaut, trotz der beiden unterschiedlichen Formen der Balkone. Durch den mittig gelegenen Stiegenaufgang zur Terrasse und durch die

Figur, die zentral im Obergeschoß an der Fassade angebracht ist, wird die Mittelachse betont. Durch Elemente, die aus dem Baukörper herausragen, wie zum Beispiel die Balkone, die Einfriedung der Terrasse oder der Haustür-Aufgang, versucht Valentin 131


die Blockhaftigkeit der Baukörper zu durchbrechen und eine Verbindung zur Umgebung, zur Natur und zum Garten, herzustellen. Denn während bei den vorherigen Entwürfen Valentins die Veranda meist in den Baukörper integriert war, wie zum Beispiel beim Haus Wiktora, so präsentiert sie sich hier offen in Richtung des Gartens. Der Grundriss zeigt, dass das Stiegenhaus sehr großzügig aufgebaut ist und viel Platz einnimmt. Vor den Treppen ergibt sich sowohl im Erdgeschoß als auch im ersten Stock ein beachtlicher Raum, der sich in einem schmalen, langen Vorraum fortsetzt. Dieser Vorraum, dessen Fenster in den rückwärtigen Garten zeigen, führt zu den einzelnen Räumen. Im Erdgeschoß befinden sich das Wohn- und das Speisezimmer, die durch eine Öffnung miteinander verbunden sind und jeweils einen separaten Zugang zur Terrasse besitzen. Auch das Speisezimmer hat einen Zugang zum Anrichtezimmer, das wiederum mit der Speisekammer und der Küche verbunden ist. Das Anrichtezimmer war bei Landhäusern und Villen üblicherweise zwischen Küche und den Wohnräumen gelegen, damit die Gerüche der Küche nicht so leicht in das übrige Haus 07 Der Lageplan. geraten konnten. Bei diesem Haus ist die Küche auch tatsächlich nur über das Anrichtezimmer begehbar. Im Obergeschoß ist der lange Flur als Garderobe mit Einbauschränken genutzt. Angrenzend befinden sich die beiden Schlafzimmer, das Dienstmädchen-Zimmer und das Bad. Der zweite Balkon, der von außen eine

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optische Verbindung zwischen dem Stiegenhaus und dem Hauptgebäude darstellt, kann nur über den Vorraum betreten werden. Im Dachgeschoß befindet sich ein Gästezimmer mit Zugang auf die Dachterrasse.*


Familie Lossgott Wieselburg Haus Lossgott Nachdem Josef Lossgott sein Kaufhaus im Haus Nummer 25, heute Hauptplatz 4, etabliert hatte, kaufte er auch das gegenüber liegende Haus Nr. 17, jetzt Hauptplatz 5. Nach Berichten von Karl Kraushofer war das Haus im Jahre 1784 im Besitz des Schuhmachers Johann Thürr gewesen. Von 1880 bis 1894 war es Eigentum von Julius und Pauline 02 Das Schaubild zum ersten Valentinentwurf, Mai 1930. Griessler. 1894 kam das Haus durch Kauf an Karl Berger und 1895 an Johann und Josefa Wieland, die es 1902 an Josef und 1927 wurde ihm die Aufstellung einer Benzinpumpe Leopoldine Lossgott verkauften. Josef Lossgott ver- genehmigt. In den Jahren 1930-32 ließ Josef Lossgott wendete das Haus als Magazin für die Waren, die er einen umfangreichen Zu- und Umbau des Hauses vorim gegenüberliegenden Geschäft verkaufte.1 Sein Sohn nehmen. Josef Lossgott II. begann in den 1920er Jahren den Vermutlich beeindruckt durch den Rathausbau, beaufHandel mit Zweirädern und Nähmaschinen und baute tragte er Anton Valentin damit, die Pläne für den Umdafür im Jahre 1925 ein Schaufenster von zwei Metern bau zu erstellen. Breite und zwei Metern Höhe2 an der Straßenfront ein. Im Sitzungsprotokoll3 vom 2. Juni 1930 berichtete der Bürgermeister, dass Herr Lossgott eine Vergrößerung seines Hauses durch einen Zubau zur Ausführung bringen wolle, bei dem die Baulinie überschritten werden würde. Dazu wurden von Architekt Valentin zwei Projekte entworfen. Der Bürgermeister stellte den Antrag, dem zweiten Projekt die Zustimmung zu geben. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Laut Bauakt im Stadtarchiv Wieselburg4 suchte Josef Lossgott II. schließlich am 11. August 1930 um den Um- und Zubau zu seinem Wohn- und Geschäftshaus in Wieselburg an und legte die Pläne vom Juli 1930 bei (Abb. 02 und 03). Bereits am 18. August 1930 fand die Bauverhandlung statt, an welcher als Leiter Landesregierungsrat Max Schindler, als Amtssachverständiger Reg. Oberbaurat Ing. Wilhelm Back (Anm. Verwandter 01 Das Lossgotthaus vor dem Umbau durch Anton Valentin von Familie Greger in Wieselburg), als Vertreter sons133


03 Der Grundriss von Erd- und Obergeschoß zum ersten Valentinentwurf.

tiger Behörden Bürgermeister Anton Fahrner, Gemeinderat Josef Lorenz sowie Josef Nacal teilnahmen. Für den Bezirksstraßenausschuss Scheibbs war Obmann Landtagsabgeordneter Leopold Traunfellner anwesend, als Projektant Josef Lossgott, als Beteiligte bzw. Parteien Herr Wiesner als Vertreter der Finanzlandesdirektion (Anm. Herr Wiesner vertrat die Interessen der Schlossbesitzer), Herr Oberriedmüller und Architekt Anton Valentin. Das Bauvorhaben umfasste die Errichtung eines einstöckigen Anbaues, welcher im Kellergeschoß Magazinräume und einen Heizraum für die Unterbringung der Zentralheizanlage sowie Lagerräume für Holz und Kohle enthalten sollte. Der Fußboden des Kellers wurde vier Meter unter Niveau situiert. Im Erdgeschoß erfolgte ein Durchbruch zwischen dem alten Geschäftslokal und dem südlichen Anbau. Ebenso wurden Durchbrüche und Neuanordnungen zwischen den Werkstätten im hinteren Teil des Hauses und im alten Trakt eine Vernickelei hergestellt. Büroräume, Küche und zwei weitere Kammern befanden sich im alten Teil des Hauses. Im ersten Stock wurde oberhalb des Ladens und 134

der Durchfahrt eine Vergrößerung der bestehenden Wohnung erzielt, welche zwei Zimmer, zwei Kammern und ein Bad umfasste. Hofseitig wurden ein Montageraum, ein Expedit, eine Emailliererei, eine Lackiererei und ein Lagerraum errichtet. Die letzten beiden Räume erhielten Zugangsstiegen aus Holz bzw. aus Eisen. Im Dachgeschoß waren eine Waschküche und zwei Kammern geplant. Vor dem nördlichen Schaufenster war die Errichtung einer Benzin-Tankanlage vorgesehen. 5 *Der ursprüngliche Bau wird im Plan vom Mai 1930 (Abb. 02) optisch bereits stark mit dem Neubau verbunden und ist nur noch durch die herausragende Spitze des etwas höheren Daches erkennbar. Die Fassade des alten Hauses mit den Steinquadern im Untergeschoß und den Pilastern und Fensterverzierungen im Obergeschoß wurde im Zuge des Neubaus geglättet. Bei Valentins bisherigen Entwürfen für Einfamilienhäuser wurde die Position der Fenster durch die Innenräume bestimmt. Wie deren Anordnung an der Fassade von außen wirkte, war eher nebensächlich. Wichtig war, dass sich das Fenster funktional an den Innenraum an-


04 Einreichplan vom Juli 1930.

05 Der Plan mit der „Lösung 1“, 25. September 1930.

passte und optimale Lichtzufuhr ermöglichte. Dieses Ideengut entsprach ganz der damals gängigen Meinung führender Architekten, wie zum Beispiel Adolf Loos. Bei dem Bauvorhaben für Josef Lossgott setzte Valentin jedoch klare Fensterachsen ein, die dem Haus ein strukturiertes Aussehen verliehen. Die beiden zusammengesetzten Gebäudeteile ergeben einen großen Innenhof, in dem sich am Übergang vom neuen zum alten Objekt im ersten Stock ein viertelrunder Erker befindet (Abb. 03). Ein interessantes Detail ist dem Grundriss zu entnehmen: Jenes Gebäudeeck, das dem runden Erker gegenüberliegt, ist ebenfalls abgerundet. Anton Valentin legte also großen Wert auf die Stimmigkeit einzelner Details. Auch im Eingangsbereich des Geschäfts findet sich die Rundung als Gestaltungselement in Form einer abgerundete Betonstufe wieder. Im Untergeschoß springt der neue Gebäudeteil etwas abgeschrägt nach vorne, sodass er parallel zum Straßenverlauf ausgerichtet ist. An beiden Seiten des Neubaues setzt Valentin im Obergeschoß Eckfenster ein und durchbricht somit die strikte Achsenanordnung der Fenster. Der Balkon des Hauses Lossgott gleicht in seinen Grundzügen jenem des Hauses der gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft, das diese in Wieselburg auf einem Grundstück von Julie Wüster erbauen wollte. Bei beiden Objekten wird der hervorspringende Gebäudeteil seitlich zu einem Balkon weitergezogen. 135


Im Laufe der Zeit nimmt der Balkon bei den unterschiedlichen Entwurfsphasen stets verschiedene Formen an. Die ersten beiden Entwürfe (Abb. 01 und 04) zeigen unter- und oberhalb des Balkonabschlusses durchgehende Verkröpfungen, zwischen denen der Schriftzug des Geschäftsladens angebracht werden sollte. Das Ineinanderschachteln von Gebäudeelementen ist bei Anton Valentin ein wichtiges und oft eingesetztes Stilmittel. Die ersten Entwürfe für den Lossgott-Umbau zeigen diese Ineinanderschachtelung noch ganz deutlich, der Balkon ist dabei ein Schlüsselelement, das die Verbindung der beiden Gebäudeteile herstellt und gleichzeitig für eine weitere Verschachtelungsebene sorgt. Der Balkon des dritten Entwurfes (Abb. 06) ist nur bezüglich der wegfallenden Verkröpfung abgeändert. Der darauf folgende Plan (Abb. 05) sieht jedoch ein gänzlich anderes Erscheinungsbild vor. Nicht nur die Überdachung des Balkons trägt zu einem neuen Gesamtbild bei, sondern auch die Verwendung eines Sprossengeländers anstatt der durchgezogenen Fassadenmauer. Dieser Entwurf kann nur als wenig gelungen angesehen werden, vermutlich war es der Wunsch des Auftraggebers, den Balkon durch Weiterziehen des Satteldaches zu überdachen, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Im darauf folgenden Plan (Abb. 07) scheint die Grundidee wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. Der Balkon ist hier nicht angefügt wie bei den anderen Entwürfen, sondern durch seine glatte Mauer136

06 Abänderungsplan des Dachstuhles, 17. September 1930.

07 Schaubild des Einreichplanes vom 21. Oktober 1930.


brüstung erscheint er, als wäre er in die glatte, durchgehende Fassadenfront hineingeschnitten worden. Diese Vorgehensweise hat Valentin zuvor schon des mehrmals bei den Eingangsbereichen seiner Häuser angewendet. Das beste Vergleichsbeispiel dafür findet sich beim Haus Wiktora, in das ein länglicher Gang geschnitten wurde, an dessen Ende sich seitlich die Eingangstüre befindet. Nach außen hin wird dieser Vorplatz von einer Mauer abgeschirmt, die nahtlos in die Fassade übergeht. Der Blick auf die Südwestfassade lässt also eine ähnliche Situation erkennen wie der Balkon der Lossgott-Hauptfassade. Die Art des Herausarbeitens von kubischen Wandöffnungen aus glatten Fassadenflächen findet sich auch bei Walter Gropius. Seine Meisterhäuser in Dessau aus dem Jahre 1926 (Abb. 08) weisen ganz ähnliche Elemente wie Valentins Bauten auf. „Das kubischplastische Äußere der Meisterhäuser gehört zu den besten Leistungen von Gropius im Bereich des privaten Wohnungsbaus. Das Zusammenspiel von weißen Mauerscheiben und Wandöffnungen, betont durch dünne Stahlfensterprofile, ist ganz architektonisch aus dem Kubus herausgearbeitet.“6 Valentin arbeitet an den Wieselburger Bauten teilweise ganz ähnlich. Das „kubisch-plastische“7 wird bei Gropius durch das Flachdach jedoch deutlich stärker hervorgehoben, als es mit einem geneigten Dach je möglich wäre.

08 Walter Gropius, Meisterhäuser in Dessau, 1926.

09 Das Lossgotthaus, nach den Plänen Valentins erbaut.

Die Änderungen des Balkons sind eigentlich durch die Modifikationen des Dachstuhls begründet. Ausgehend von drei einzelnen Gauben verbindet Valentin zwei davon im darauffolgenden Plan zu einer breiten Gaube mit drei Fenstern. Zuguterletzt wird, um möglichst viel Raum zu gewinnen, eine Gaubenfront mit fünf Fenstern über die gesamte Dachbreite gezogen. Das Schaubild vom 21. Oktober 1930 und der dazugehörige Plan wurden am 30. Oktober 1930 vom Bürgermeister der Marktgemeinde Wieselburg genehmigt. Am 24. Oktober 1930 schrieb Josef Lossgott einen Brief an die Gemeindevorstehung Wieselburg, in dem er erklärte, warum er bei seinem in Bau befindlichen Haus den Dachstuhl gegenüber den bereits bewilligten Bauplänen abändern müsse. Der Grund liege darin, dass noch nicht feststehe, ob die geschaffenen Kellerräume dauerhaft als Lagerstätte geeignet seien, und er somit im Dach Lagerräume schaffen wolle. Er erwähnte, dass der Architekt „weitgehendst Rücksicht auf das Strassenbild“ genommen habe und er selbst sich einverstanden erkläre, Mehrkosten für die Fassadenausgestaltung auszugeben.8* Offensichtlich wurden im Erdgeschoß zwei Fenster gegen den Schlossgarten hin eingebaut, die im Plan nicht vorgesehen waren, denn mit Schreiben vom 6. Dezember 1930 erhob Josef Wiesner als 137


10 Eva Lossgott (verehl. Mathes), Mutter Loni Lossgott, Oma Rosa und Sissy (verehl. Scheruga) auf der kleinen Dachterrasse.

Verwalter des Schlossgebäudes dagegen Einspruch. Mit Schreiben vom 27. April 1931 verständigte die Marktgemeinde Wieselburg die Bezirkshauptmannschaft, dass in der Sache der beiden Fenster Herr Zivilarchitekt Anton Valentin bei der Finanzlandesdirektion im Sinne Lossgotts vorsprechen wird.7 Am 16. März 1932 fand schließlich die Überprüfung des fertigen Gebäudes statt und in der Verhandlungsschrift wurde folgendes festgehalten:10 Im Allgemeinen wurden die vorgeschriebenen Bedingungen eingehalten, jedoch wurde eine andere Fassadenlösung der Dachkonstruktion zur Ausführung gebracht, welche aber seitens der Gemeinde angenommen wurde. Weiters wurde die Durchfahrt nicht mit Glas überdeckt, jedoch wurde andersartig für eine entsprechende natürliche Beleuchtung der Kellerräume gesorgt. Ansonsten gab es, bis auf wenige Kleinigkeiten, keinen Einwand zur Erteilung der Benutzungsbewilligung. Oberinspektor Wiesner erhebt jedoch Einspruch, da das Hauptgesimse des Gebäudes die Grenze zum Schlosspark um 40 cm überragt. Lossgott erklärte sich bereit, sollte das Gesimse im Falle eines Schlossanbaues im Wege sein, dieses abzutragen. Weiters wollte der Oberverwalter festhalten, dass die im Reparaturraum eingebauten Glasflächen, die ursprünglich nicht vorgesehen waren, im Falle eines Anbaues nicht durch ein entstandenes Fensterrecht beeinträchtigt werden dürfen. 138

11 Eva und Sissy Lossgott auf dem Balkon des Hauses.

12 Ein Teil der Belegschaft der Firma Lossgott auf der kleinen Terrasse, 1961. von li: Maxi Gruber (geb. Schnell), Hans Brandtner, Renate Zögernitz (geb. Ernsthofer), Liesl Mayerhofer (geb. Hartmann), Wally Niebauer (geb. Franz), Rosi Höss (geb. Niggitsch), Inge Lossgott (verehl. Huber), Gerhard Allinger, Luise Keusch (geb. Winkler) Christl Hammerer (geb. Lechner) und Johann Senold sen.

Der Nachbar Oberriedmüller verlangt für die Mitbenützung seines Gartens während der Bauarbeiten eine Entschädigung von 200,- Schilling und die Aufstellung eines Radständers neben seinem Garten. Nachdem sich Josef Lossgott mit allen Forderungen einverstanden erklärt hatte, wurde die Benützungsbewilligung erteilt. Das von Valentin geplante Haus war für damalige Zeiten luxuriös ausgestattet, erinnert sich Lossgott-Tochter Sissy Scheruga. Es gab Zimmer für die Angestellten,


eine Dachterrasse mit Springbrunnen und eine kleine Loggia mit einem Marmortischchen. Nach dem frühen Tod von Josef Lossgott hatte seine Frau Rosa die Geschäfte übernommen und führte sie bis in die 1950er Jahre. Danach trat Josef Lossgott III. sein Erbe an. Bald brachte die Generalvertretung der Firma „Puch“ das Geschäft zum Blühen. 1955 wurde die Tankstelle auf drei Zapfsäulen erweitert, 1966 eine Fußgängerpassage errichtet und die Zapfsäulen zwischen den Arkaden aufgestellt. 1981 wurde das Objekt an Franz und Herta Sonnleitner verkauft. Später errichtete der Installateur Ernst König aus Weinzierl ein Stadtgeschäft in den Räumlichkeiten

13 Das Lossgotthaus mit den Zapfsäulen der modernen Tankstelle.

15 Oben: Sissy Lossgott beim Springbrunnen auf der Dachterrasse, dahinter Mutter Loni. 16 Darunter links: Rosa Lossgott. 17 Darunter rechts: Josef Lossgott III, Rosas Sohn.

14 Das ehemalige Lossgott-Haus ist im Vergleich zum ValentinBau heute eine architektonische Traurigkeit.

18 Rechts: Loni Lossgott mit Sissy im Jahre 1946, im Hintergrund links die Einbaukästen.

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des Lossgott-Hauses. Heute beherbergt das Haus nach einem drastischen Umbau das China-Restaurant und den Schlecker-Supermarkt sowie eine moderne CaféLounge. Durch die Pläne in Valentins Nachlass wird belegt, dass er auch teilweise Möblierungsmaßnahmen durchgeführt hat. So gibt es einen Plan für Einbaukästen, die auf einem alten Foto zu sehen sind.

Das Grabmal der Familie Lossgott Im Jahr 1937 hatte Rosa Lossgott zwei schwere Schicksalsschläge hinzunehmen: am 12. Dezember verstarb ihre Mutter Antonie Nigitsch mit 71 Jahren und kurz darauf, am 20. Dezember, ihr Mann Josef Lossgott im Alter von 46 Jahren. Das waren für die Familie sicherlich schwere Weihnachten, von denen die Großmutter auch ihren Enkeln noch berichtete. Rosa plante aus diesem Grund, ein besonderes Grabmal errichten zu lassen und beauftragte Anton Valentin mit der Planung. Die ersten Entwürfe Valentins sind mit 12. April 1938 datiert, die letzten Detailpläne stammen vom 6. Oktober des selben Jahres. Angeblich kostete das Grabmal damals soviel wie ein kleines Einfamilienhaus gekostet hätte. Das Grabmal fällt durch seine edle Form und die außergewöhnliche, trauernde Frauenfigur besonders auf. Die Inschrift am Sockel lautet „Am Ziel des irdischen Wanderns“. Heute ruhen in diesem Grab: Franz Nigitsch, Rosas Vater Antonie Nigitsch, Rosas Mutter Josef Lossgott, Rosas 1. Ehemann Hofrat Dr. Franz Pekar, Rosas 2. Ehemann Rosa Pekar-Lossgott Ing. Josef Lossgott, Rosas Sohn Loni Lossgott, Rosas Schwiegertochter *Wie schon erwähnt, besticht das Grabmal durch seine eleganten, schlichten Formen. Eine quadratische Platte aus „Badener Stein“, einer Granit-Art, bildet die Rückwand des Grabes an der Friedhofsmauer. Ein schlichtes 140

19 Das Lossgott-Grabmal am Wieselburger Friedhof.

Steinkreuz mit gleich langen Armen ist der Platte vorgeblendet und ragt horizontal und vertikal über diese hinaus. Entlang der Mitte des Kreuzes erhebt sich eine Frauenfigur. In der unteren Hälfte der Grabplatte sind, über zwei halbrunden Nischen für Kerzen, die Namen der Verstorbenen graviert. Nach dem Grabmal der Familie Frank in Petzenkirchen aus dem Jahre 1932 und jenem der Familie Nemecek in Wieselburg von 1934, ist dies bereits das die dritte Grabstätte, die Valentin gestaltete. Während das Nemecek-Grab, das sich nur unweit der LossgottGrabstätte ebenfalls an der Friedhofsmauer befindet, von architektonischen Elementen und einer schlichten Inschriften-Tafel geprägt war, steht beim LossgottGrabmal eindeutig die Figur im Vordergrund. Die tief trauernde Frau, die ihr Gesicht mit Händen bedeckt hält, ist von Kopf bis Fuß in einen fließenden Umhang mit grob stilisierten Falten gehüllt. Valentin versteht es


20 Valentins Schaubild der Grabstätte für die Familie Lossgott, 12. April 1938.

bei diesem Entwurf besonders gut, sich in die Auftraggeberin und ihre Situation hineinzuversetzen. Mit dem Lossgott-Grabmal gelang ihm ein außergewöhnlich einfühlsames und aussagekräftiges Werk. Die Frauenfigur lässt an das Kriegerdenkmal am Fuße des Kirchenberges zurückdenken, das 1931 realisiert wurde. In dessen Zentrum steht ebenfalls eine trauernde Frauenfigur, deren tief bewegte Gefühle durch die expressionistische Faltenformen und die extravagante Körperhaltung ausgedrückt werden. Beim Lossgott-

Grabmal überwiegen hingegen klare Formen. Trotz der enormen Trauer steht die Frauenfigur aufrecht und vermittelt dem Betrachter Kraft und Stärke. Die halbrunde Form der beiden Nischen erinnert nicht nur an die Turmöffnungen am Wieselburger Rathaus, sondern auch an die vergitterten Maueröffnungen der Einfriedung der Realität von Bürgermeister Anton Fahrner. Sie sind Kontrast zu den geradlinigen Formen der Grabmalarchitektur und greifen die zarten Rundungen der Frauenfigur in verstärkter Weise wieder auf.* 141


Vorschuss- und Sparverein Petzenkirchen Im Eingangsbereich des Hauses der Familie Scheiblauer in Petzenkirchen, Wiener Straße 41, ist eine Marmortafel mit folgender Inschrift angebracht: „Erbaut anläßlich des 60jährigen Bestandes des Wechselseitigen Vorschuß- und Sparvereines 1872-1932; Unter der Direktion: Josef Mayrhofer, Wilhelm Klema, Rudolf Irk. Entwurf u. Bauleitung: Zivilarchitekt Anton Valentin“ Betritt man das Haus, so fällt gleich die Schwingtür auf, die in den Bereich des Stiegenaufganges führt. Original erhaltene Tür- und Fensterbeschläge, eine graue Fenstervergitterung ähnlich der im Wieselburger Rathaus, ja sogar das Gelb der Türen und Fenster ist fast farbgetreu erhalten. Es ist eine Freude, dass vom ursprünglichen Valentinbau trotz des Umbaues zu einem Wohn- und Geschäftslokal so vieles heute noch erhalten geblieben ist. Auf dem Grundstück des Hauses Scheiblauer stand früher das „Stieger-Haus“. Der Vorschuss- und Sparverein erwarb Grund und Haus, demontierte das Haus und ließ nach den Plänen Valentins ein repräsentatives Gebäude errichten. Wahrscheinlich kam der Impuls zum Valentinbau aus Wieselburg, denn auch hier hatte Valentin das Gebäude des Vorschuss- und Sparvereines

01 Links: Die Marmortafel im Eingangsbereich. 02 Oben: Das Haus des ehemaligen Vorschuss- und Sparvereines – später Volksbank. Links davon das kleine Milchgeschäft im Schildberger-Haus. 03 Darunter: Das Scheiblauer-Haus im Jahre 2010.

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04 Valentins Schaubild für den Neubau, 1930.

umgebaut. Exakt mit 24. Dezember 1930, also dem Heiligen Abend, ist der erste Plan Valentins für das Haus datiert. Nach zweijähriger Bauzeit waren die Amtsräume und Wohnungen bezugsfertig. Zu den Erstbeziehern des Hauses gehörten neben der Bank auch die Post, die Gemeinde und einige Wohnparteien. Das Gemeindeamt verblieb bis zu Beginn der 1940er Jahre in den Räumlichkeiten und behielt sogar nach dem Umzug an den heutigen Standort noch einen Raum im Haus. Von dort aus, so erinnerte sich Johann Scheiblauer, erfolgte die Volksgasmaskenausgabe in den Kriegsjahren. Während der Kriegsjahre musste die Volksbank einen Sitzungssaal abtreten, in den die Kommunistische Partei einzog. Zu dieser Zeit „zierte“ das Gebäude an seiner Straßenfront ein großer roter Sowjetstern, der sogar beleuchtet war. In der linken Wohnung im 1. Stock wohnte die Lehrerin Anna Krause, eine resolute Dame, deren Anblick auch den erwachsenen ehemaligen Schülern beim Grüßen noch die Hände aus der Hosentasche zie-

hen ließ. Ihre Ehrlichkeit und ihr Gerechtigkeitssinn brachten ihr 1938 eine Versetzung in das Waldviertel ein. In ihre Wohnung zog Dr. Güntschl mit seiner Familie. Er war als Chef in den sogenannten „Bacherlverein“, die kulturtechnische Versuchsanstalt für den Bodenwasserhaushalt, nach Petzenkirchen gekommen. Nach dem Krieg kehrte Frau Lehrer Krause wieder in die Wohnung zurück – Familie Güntschl war im „Gasthaus zur Traube“ bei Familie Mayrhofer untergekommen. Nach Frau Krause bezogen Katharina und Viktor Brudek die Wohnung. Herr Brudek war Bautechniker. Die Familie wurde in Wien während des Krieges ausgebombt und zog aufgrund der Bekanntschaft mit der später noch erwähnten Frau Schiefer nach Petzenkirchen. In der rechten Wohnung im ersten Stock war die Familie des Post-Oberverwalters Wanker eingezogen. Später wechselte Frau Brudek in diese Wohnung, danach bewohnte sie Frau Martin. Im 1. Stock befand sich hofseitig noch eine Kleinwohnung, die nur aus Zimmer, Vorraum und WC bestand. Ursprünglich befand sich hier das Standesamt. Später zog Inspektor Johann Hofmann mit seiner Frau Edith ein. Die Familie war 1946 nach Petzenkirchen gekommen. 1953 wurde Johann Hofmann zum Postenkommandant befördert und versah seinen Dienst bis zur Schließung des Gendarmeriepostens Petzenkirchen. Danach zogen Viktor Zeilerbauer und seine Frau Leopoldine, geborene Schildberger, in die Wohnung. Frau Zeilerbauer betrieb ein kleines Milchgeschäft im angrenzenden Schildberger-Haus. Die Wohnung im Erdgeschoß wurde von Familie Holzinger bewohnt. Herr Holzinger war Brauereiangestellter und kam aus der Melker Brauerei, wo er das Auslieferungslager betreute, nach Petzenkirchen, da er vermutlich in die Wieselburger Brauerei versetzt 143


05 „Projekt für den Neubau des Vorschuss- und Sparvereines zu Petzenkirchen N.Ö.“, 24. Dezember 1930.

06 Der leicht abgeänderte Plan vom 8. Juli 1931.

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09 Das Fenster neben der Schwingtüre.

07 Die Schwingtür zum Stiegenhaus.

08 Die vergitterte Tür zur ehemaligen Bank.

worden war. Als Mieter dieser Wohnung folgten Franz und Josefine Eder. Franz Eder war Kriegsinvalide und nutzte die ehemalige Gemeindestube im Haus des Vorschuss- und Sparvereines als Trafik. Später übernahm Günther Wenninger die Trafik, musste sich aber um ein anderes Geschäftslokal umsehen, da er als Rollstuhlfahrer mit den Stufen Schwierigkeiten hatte. Nun aber zu Familie Scheiblauer: Johann Schiefer, bis 1938 Bürgermeister von Petzenkirchen, bewohnte mit seiner Frau Anna das Haus Nummer 44, heute Nummer 40, vis à vis des Vorschuss- und Sparvereines und betrieb dort seit 1902 eine Malerwerkstätte. Da die Ehe kinderlos war, freute sich die Familie, dass der Neffe Johann Scheiblauer (*1914) im Jahre 1928 nach Abschluss der Schulpflicht als Malerlehrling in den Betrieb eintrat. Johann war der älteste Sohn des Baumeisters Johann Scheiblauer und seiner Frau Josefa aus Ybbs. Er hatte vier Geschwister: Josefa,

die ledig blieb, Leopoldine, die den Glasermeister Eduard Ungar ehelichte, Benedikt, der das Baumeistergeschäft seines Vaters übernahm, und Wilhelm, der im Krieg gefallen war. Nach den Jahren der Lehrzeit trat Johann Scheiblauer als Teilhaber in die Firma seines Onkels ein, die fortan „Johann Schiefer und Neffe“ hieß. Seiner Ehe mit Anna enstammen die Kinder Johann und Anita (verehelichte Groll). 1961 hatte Johann Scheiblauer seine Frau Christiane geheiratet und im Stammhaus wurde der Platz sehr knapp. Daher kauften Vater und Sohn 1966 das gegenüberliegende Haus der damaligen Volksbank, in der ursprünglich nur für den Malereibetrieb Platz war. Zu diesem Zeitpunkt war die Trafik noch vermietet, die Volksbank war bereits ausgezogen und in den Wohnungen lebten noch Frau Brudek, Frau Wanker und Frau Zeilerbauer. Nach und nach übersiedelten die betagten Damen in das Altersheim 145


10 Der Bestands-Plan des Gebäudes vom 3. Februar 1933.

und 1968 bezog die Familie Scheiblauer das Haus Nummer 41 zur Gänze.1 *Der erste Entwurf Valentins zu diesem Haus stammt vom 24. Dezember 1930. An der Hauptfassade des Gebäudes befinden sich seitlich die beiden Hauseingänge. Wie das dazugehörige Schaubild zeigt, wurden darüber die Schriftzüge „Post“ und „Gemeinde“ angebracht. Die beiden Eingangsbereiche befinden sich auf dem selben Niveau wie das Nebenhaus. Im Erdgschoß bildet sich ein imposanter Mittelrisalit hervor, der sich im 1. Stock auf selbem Niveau weiterzieht. Der Mittelteil ist von vier großen, beinahe quadratischen Fenstern geprägt, die jeweils durch einen Sichtziegelstreifen voneinander getrennt sind. Darüber zieht sich entlang des unteren Randes des Obergeschoßes ein verkröpftes Band über die gesamte Gebäudefront. Am Übergang zwischen den beiden Geschoßen steht zentral der Schriftzug „Vorschuss u. Sparverein“. Die Buchstaben waren aus Metall und die Schrift wurde erst später in Sgraffitotechnik aufgebracht. Bis auf die beiden Eingangsbereiche ist die Fassade streng symmetrisch aufgebaut. Der Gemeinde-Eingang wurde mit einem 146

mächtigen Eisengitter versehen. Die Eingangstüre zur Post war über drei Stufen erreichbar; neben der Tür sollte sich ein kleines Fenster befinden. Im Grundriss ist zu erkennen, dass das hofseitig gelegene Stiegenhaus nach außen hin abgerundet und mit drei Reihen aus nebeneinanderliegenden, höhenversetzten Fenstern versehen war. Eine ähnliche Form des Stiegenhauses wandte Valentin bereits beim Entwurf für das WüsterHaus an – dort handelte es sich jedoch um eine ausgeprägtere Form, während sich die halbrunde Form hier eher an den restlichen Baukörper anschmiegt. Diese Besonderheit findet sich im darauffolgenden Plan vom 8. Juli 1931 nicht mehr. Stattdessen wurde das Stiegenhaus in den Baukörper integriert. Anstelle der Rundung wurde eine schräge Verbindung geschaffen, die im Erdgeschoß als Windfang dient und im 1. Stock mit einem Balkon überdacht ist. Bei späteren Umbauten wurde mittig eine Eingangstüre geschaffen und die Fenster durch zwei große Auslagen ersetzt. Die beiden rückversetzten Eingänge sind jedoch noch genau so erhalten, wie sie Valentin einst plante.*


Luise Bartenstein Krems Julia Luisa Bartenstein, genannt Luise, geborene Hämmig kam am 22. April 1871 in Uster/Schweiz zur Welt und verstarb am 12. Dezember 1956 in Wieselburg. Sie war die Gattin des Brauereidirektors Johann Bartenstein, geboren am 25. Oktober 1859 in Alberschwende/Vorarlberg, gestorben am 1. Dezember 1927 in Krems-Stein. Er war der jüngere Bruder des bekannten Wieselburger Brauereidirektors Caspar Bartenstein, der im Jahr 1912 verstarb. Johann Bartenstein trat die Nachfolge seines Bruders Caspar als Direktor in der Brauerei Wieselburg an. Zuvor war er Brauereidirektor in Krems.

02 „Möbel für wohlgeb. Frau L. Bartenstein“, 27. Jänner 1931.

Luise und Hans hatten 6 Kinder: Fanny (*1892 und im selben Jahr verstorben), Fanny (*1893), Hans (*1894), Lilli (*1901) und die Zwillinge Gertrude und Werner (*1902). Fanny heiratete im Jahre 1919 Dr. Herbert Faber (+1980), Druckereibesitzer in Krems. Das Paar hatte drei Kinder: Herbert (*1920, gefallen 1944), Liselotte (*1922) und Gerlinde (*1931). Nachdem Herbert gefallen war, trat Gerlinde, verehelichte Malek, in die Firma ihres Vaters ein und war 20 Jahre lang Geschäftsführerin der Druckerei Faber.1 Luise Bartenstein kannte Valentins Arbeiten aus Wieselburg – wohl durch ihre beruflichen und verwandtschaftlichen Verbindungen dahin, waren doch ihre Töchter Lilli und später Gertrude mit Karl Riedmüller verheiratet, für den Valentin bereits 1929 den ersten Plan zum Umbau des früheren Eiskellers der Brauerei Bartenstein zeichnete.

Luise selbst beauftragte Valentin mit der Planung ihrer Möbel. Im Architekturzentrum Wien existieren zu diesem Projekt zwei Pläne, die vom Jänner 1931 stammen. Das lässt annehmen, dass Luise wenige Jahre nach dem Tod ihres Mannes Hans ihre wohnliche Situation neu gestaltete. *Die beiden Pläne umfassen folgende Entwürfe: Arbeits-Tisch, „Komb. Kasten“, Sessel, Regale, „Schlafsopha“, Tischchen und Hocker. Valentin fertigte sogar eine genaue Skizze des Knopfes für die Schreibtischladen an. Valentins Detailverliebtheit und Genauigkeit bei seiner Arbeit ist auch daran zu erkennen, dass er die Möbelskizzen mit einer Holzmaserung versah.* 01 Hans Bartenstein. 147


Moritz Greger Wieselburg Moritz Greger war der Sohn von Josef Greger und seiner Frau Marie, geborene Kauder. Er wurde am 18. Februar 1858 in Chmelna, Bez. Ledec geboren und heiratete 1891 Julie Heimer, geboren am 15. Juli 1868 in Ybbsitz. Seine Schwester Franziska heiratete Simon Porges – 02 Die Auslagenfront und die große Firmentafel des Moritz Greger. einer ihrer Söhne war der Beiwagenbauer Ing. Max Porges. Moritz Greger und seine Frau hatten sechs Kinder: Ursprünglich konnte ich beim Lesen des ValentinGisela (*1892, verheiratet mit Richard Führer), Anna Tagebuches mit den Namen Geist und Back nichts an(*1893), Friedrich (*1894), Adelheid (*1896, verhei- fangen, bis dann ein kleiner, in Klammer gesetzter ratet mit Oberlandesgerichtsrat Dr. Salomon Geist), Hinweis Valentins meine Neugierde weckte und Elsa (*1898, verheiratet mit Ing. Wilhelm Back) und zur Klärung beitrug. Über die verwandtschaftlichen Josef (*1906). Familie Greger wurde 1901 in den Verhältnisse der Familie Greger konnte mir Dr. JoHeimatverband Wieselburg aufgenommen.1 hannes Kammerstätter weiteren Aufschluss geben, befasst er sich doch schon viele Jahre mit der ehemaliDer Entschluss des Kaufmannes Moritz Greger, den gen jüdischen Bevölkerung Wieselburgs. Wiener Architekten Anton Valentin zur Planung seiner Hausumbauten zu holen, hatte für Valentin weitere Die verwitwete Julie Greger und ihr Sohn Friedrich Aufträge zur Folge: Sowohl Dr. Salomon Geist in Wien, verzogen am 19. Mai 1940 nach Wien.2 Damals war es als auch Ing. Wilhelm Back in St. Pölten zogen Valentin leichter von der Bundeshauptstadt eine Möglichkeit zu zur Planung ihrer Wohnungseinrichtungen heran. Aus finden, um sich in einen neutralen Staat absetzen zu diesem Grunde habe ich diese Arbeiten auch in das können, das gelang Familie Greger leider nicht. Julie, ihre Tochter Gisela mit deren Mann Richard Führer Buch aufgenommen. und Tochter Ilse Hilde wurden ebenso wie die weiteren Greger-Kinder Friedrich, Adelheid und Josef ins Ghetto Izbica deportiert und haben nicht überlebt. Elsa kam in Auschwitz ums Leben. Die Geist-Tochter Herta kam mit einem Kindertransport nach England und lebt dort nach wie vor als Mrs. Salusbury. Der Führer-Sohn Hans, aus der HTL Mödling ausgeschult, maturierte noch am jüdischen Gymnasium in Wien, bekam dann ein Stipendium an der Universität Uppsala und wurde 01 Julie Greger mit ihrer Professor. Sein Sohn Henry Ascher, ist Kinderarzt und Enkelin Ilse Hilde, der versuchte mit einer Gruppe schwedischer Aktivisten im Tochter von Gisela und Mai 2010 die Gaza-Blockade zu brechen. Richard Führer. 148


03 Valentins Plan für den „GeschäftsErweiterungs-Bau für Herrn Moritz Greger“, 20. April 1931. Als Bauwerber hat bereits Friedrich Greger unterzeichnet.

04 Das dazugehörige Schaubild.

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Um die Waren in seinem Kaufhaus besser präsentieren zu können, baute Moritz Greger eine Auslagenfront zwischen seinem Haus und dem Gasthaus des Wenzel Holinka und überspannte die Front mit einer langen Werbetafel mit der Aufschrift „Moritz Greger“. Marktseitig endete die Tafel mit einem markanten Pfeil, der noch einmal den Namen des Geschäftsinhabers trug. Da sich das Geschäft vom Hauptplatz aus gesehen etwas abgelegen befand und nicht direkt sichtbar war, sollte der große Pfeil die Leute wohl auf das in der Grestner Straße gelegene Kaufhaus aufmerksam machen. Von der anderen Seite der B25 kommend, sollten die großen Buchstaben auf der Tafel das Geschäft optimal bewerben. Das gesamte Werbeensemble wurde von Anton Valentin konzipiert. Er entwarf auch einige Elemente für den Innenbereich, wie etwa ein Ladenpult mit Vitrine (6. Juli 1932) oder den Auslagenzugang, (5. Juli 1932). Mit 29. April 1931 ist jenes Bauverhandlungsprotokoll3 datiert, in welchem Moritz Gregers Witwe um die Erbauung einer Geschäftsauslage auf der Grundparzelle Nr. 59/1 und 59/2 in Wieselburg ansuchte.

05 Der Plan für die Adaptierungsarbeiten, 8. Juni 1934.

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Bei dieser Verhandlung waren Vizebürgermeister Anton Gärber, die Gemeinderäte Josef Lorenz und Ignaz Oberriedmüller, als technischer Beirat Zivilarchitekt Anton Valentin, Friedrich Greger in Vertretung seiner Mutter Julie Greger als Bauwerber, Franz Lindwurm als Anrainer und Zimmermeister Franz Panesch als Bauführer zugegen. „Mit dem Bauvorhaben wird beabsichtigt die bestehende Baulücke zwischen dem Haus des H. Moritz Greger, Grestnerstrasse Nr. 2 und dem Haus des H. Franz Lindwurm, Hauptplatz Nr. 24 durch einen Auslagenbau zu schliessen. Derselbe ist in der Baulinie gemessen 10,980 m lang, an der Strassenfront 4,25 m hoch und 2,10 m tief. Die Ausführung ist in Holzkonstruktion auf Holzpilotage vorgesehen, die Dacheindeckung erfolgt mit Eternitplatten. In der Auslagenfront ist eine Eingangstüre als Zugang für das Wohnhaus vorgesehen. Der Portalkopf erhält an der platzseitigen Endigung einen aufgebauten Reklameausleger mit Beschriftung.“ Seitens der Gemeinde wurde am gleichen Tag die Baubewilligung erteilt. *Die beiden Häuser Grestner Straße 2 und 4 sind aneinandergebaut, sodass sie schon damals eine einheit-


liche Fassade bildeten. Lediglich die fehlende Fensterachse in der Mitte des Gebäudeblocks ließ darauf schließen, dass es sich um zwei getrennte Häuser handelte. Jedes der beiden Objekte hatte fünf Fensterachsen, wobei sich in der mittleren Achse der Hauseingang befand. Durch Valentins Auslagenanbau wurden die beiden Fensterachsen im Erdgeschoß des Hauses Nr. 2 zu jeweils einem großen Auslagenfenster zusammengefasst. Um die Idee der Fassadensymmetrie zu wahren, wurde seitlich dieser Auslagen jeweils ein kleines Schaufenster angebracht. Erst danach wurde zum Hauptplatz hin die Front mit drei weiteren Auslagenfenstern weitergeführt.* Im Bauverhandlungsprotokoll4 vom 22. Juni 1934 suchte Fritz Greger um Adaptierung seines Hauses laut dem beigeschlossenen Plan von Architekt Valentin an. Bei der Bauverhandlung waren der Gemeindeverwalter Ing. Pockberger, Baumeister Karl Wiktora, der Arzt Dr. Paul Müller, Fritz Greger, Baumeister Hubert Schinner als Bauführer sowie Architekt Anton Valentin als Planverfasser anwesend. In diesem Protokoll geht es um die Demolierung der Abortanlage im Hoftrakt und die Errichtung je eines Wasserklosetts im ersten und im zweiten Stockwerk. Die betonierte Senkgrube im Hof sollte aufgelassen und durch eine mechanische Kläranlage ersetzt werden und die Ableitung der Abwässer der Kläranlage in den schon bestehenden Kanal im

06 Die Häuser Grestner Straße 2 und 4.

07 Das Geschäft der Familie Nedbal, vormals Greger.

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08 Dem von Valentin geplanten Rathaus liegen die beiden Häuser der Familie Greger direkt gegenüber. Rechts am Hauseck ist auch der gebogene Pfeil, der auf das Haus deutet, erkennbar.

Hof erfolgen. Weiters sollten im ersten Stock durch Abtragen von Zwischenmauern und Einziehen von drei Leichtwänden ein Bad, ein Kabinett und ein Vorraum geschaffen werden. Nachdem es keine Einwände gab, wurde die Baubewilligung erteilt. Doch nun noch ein paar Worte zur Geschichte der beiden Häuser Grestner Straße 2 und 4, die man eigentlich als ein zusammengehöriges Haus wahrnimmt: 1880 erwarben Wenzel und Maria Holinka das Haus Grestner Straße 2. Es ist anzunehmen, dass Baumeister Holinka das Haus umbaute und es danach als fertiges Objekt weiter verkaufte. Da diese Vorgangsweise früher üblich war, ist Wenzel Holinka bei vielen Wieselburger Häusern für relativ kurze Zeit als Besitzer im Grundbuch zu finden. 1890 erwarb der Kaufmann Moritz Greger das Haus. Wie für alle anderen jüdischen 152

Geschäftsleute auch, war für das Geschäft des Moritz Greger im Jahr 1938 durch das Naziregime das „Aus“ gekommen. Es war den Menschen verboten worden, in jüdischen Geschäften einzukaufen; wer es dennoch tat, wurde auf eine Liste gesetzt. Franz Nedbal kaufte im Jahre 1938 Haus und Geschäft des Moritz Greger und führte es weiter. Als 1948 das Rückstellungsverfahren eingeleitet wurde, wurde das Haus Hans Führer und der minderjährigen Herta Beath zugesprochen, von denen es Franz Nedbal 1958 neuerlich kaufte. Nach dem frühen Ableben von Franz Nedbal übernahm seine Witwe Margarethe im Jahr 1961 Haus und Geschäft. Die zierliche und bis ins hohe Alter agile Frau Schmidt, wie sie durch eine zweite Heirat im Jahre 1970 hieß, übergab das Geschäft an Walter Fritz, der es Ende der 1970er Jahre schloss. In der Zwischenzeit befand sich


darin eine DM-Filiale. Heute finden wir „Annas Spielewelt“ und das „Haus der Natur“ im ehemaligen Nedbal-Haus.5 Das Kleinhaus Nr. 41, heute Grestner Straße 4, ist eng mit der Geschichte des Hauses Grestner Straße 2 verbunden. Lediglich vor der Jahrhundertwende weist es eine eigenständige Geschichte auf: 1880 kauften Leopold und Franziska Reiter das Haus. Leopold Reiter betrieb von 1862 bis 1895 das Hutmachergewerbe in Wieselburg.6 1909 fiel das Objekt durch Erbe an Michael Pitzl, der ebenfalls Hutmacher7 war und im selben Jahr sein Geschäft in der Grestner Straße 8 (Klecker-Haus) etabliert hatte. Pitzl verkaufte das Objekt 1914 an Moritz Greger. Nach dem Tode von Moritz Greger im Jahr 1922 war Julie Greger Alleineigentümerin und verkaufte das Haus 1942 an Franz Nedbal.8 Nach dem Rückstellungsverfahren im Jahre 1948 wurde das Objekt – ebenso wie das Haus Grestner Straße 2 – den Greger-Nachkommen Hans Führer und der minderjährigen Herta Beath zugesprochen. 1954 kaufte Franz Nedbal auch dieses Haus zum zweiten Mal. 1962 gelangte es in den alleinigen Besitz seiner Witwe Margarethe und 1980 durch Übergabe an Walter Fritz, der – wie schon erwähnt – das Geschäft schloss und beide Häuser verkaufte.

09 Heute befindet sich im ehemaligen GregerHaus das Geschäft „Annas Spielewelt“ – die lange Werbetafel ist noch original nach Valentins Plan erhalten, die Anordnung der Auslagenfenster wurde im Laufe der Zeit bei Umbauten leicht verändert.

10 Die außergewöhnlich lange Auslagenfront heute.

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Kriegerdenkmal Wieselburg Das Wieselburger Kriegerdenkmal ist direkt nach der Marktbrücke an der rechten Seite der B25 gelegen. Es ist so ausgerichtet, dass es in die Mankerstraße und somit in Richtung der beiden Lagerfriedhöfe gerichtet ist. Betrachtet man das Ansichtskartenbild, so lässt dies erkennen, dass das Denkmal – wie die Kirche – eine West-Ost-Ausrichtung aufweist. Schon bei der Wettbewerbsausschreibung für den Rathausbau ist zu lesen, dass platzmäßig auf die Errichtung eines Kriegerdenkmals Rücksicht zu nehmen ist. Für den Bau des Denkmals fertigte Valentin mehrere Entwürfe an, deren Reihenfolge leider nicht zu eruieren ist. Der verwirklichte Plan ist mit 22. April 1931 datiert. *Einer der Pläne Valentins zeigt ein massives Monument mit einer Adlerskulptur. Vermutlich handelt es sich dabei um den ersten Entwurf für das Denkmal, da es in Idee und Konzept dem finalen Plan am wenigsten gleicht. Die beiden späteren Entwürfe sind – sowohl die Skulptur als auch die Architektur betreffend – dem heutigen Denkmal viel ähnlicher. Auf einer zweistufigen Freitreppe mit quadratischem Grundriss ruht ein massiver Sockel, dessen Vorderseite mit einer Inschrift versehen ist. Über der abschließenden Verkröpfung befindet sich ein etwas kleinerer, mit einem Lorbeerkranz verzierter Sockel, auf dem eine Ad01 Der Lageplan des Kriegerdenkmals.

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02 Das Kriegerdenkmal und der alte Kirchenteil sind West-Ost ausgerichtet. Im Bild steht noch der alte PfarrerStadel, an dessen Stelle später das Kaufhaus Frank, später Dworschak, stand und sich heute das „Culto“ befindet.


03 Der vermutlich erste Entwurf Valentins.

04 Der zweite Entwurf für das Kriegerdenkmal.

lerskulptur ruht. Drei Bäume mit kugliger Krone sollten das Denkmal umgeben. Der Adler ist ein beliebtes politisches und religiöses Symbol, das schon in der griechischen und römischen Antike als Begleittier des Göttervaters zum Einsatz kam. Als König der Lüfte wird er für seine Stärke, den Scharfblick und die Kraft neben dem Löwen zum häufigsten heraldischen Symbol. Auch dem Evangelisten Johannes wird der Adler als Attribut zugeschrieben – in diesem Fall steht er für das Geistige und Gottesnahe. Im Zusammenhang mit Königen und Kaisern steht er für die göttliche Herrschaft, aber er wird auch als Symbol für die Befreiung aus der Knechtschaft angesehen. Dies mag Anton Valentin dazu bewogen haben, für das Wieselburger Denkmal eine Adlerstatue zu konzipieren. Unsterblichkeit, Mut, Weitblick und Kraft scheint dieser Adler jedoch nur vermindert zu versprühen. Nor-

malerweise wird der Adler aktiv und mächtig, mit weit ausgebreiteten Schwingen dargestellt. Hier handelt es sich jedoch um einen Adler in ansitzender Form mit angelegten Schwingen. Die stolze Körperhaltung, die diesem Tier von Natur aus innewohnt, kann nicht über die Kraftlosigkeit seiner Schwingen hinwegtäuschen. Oft genutzte Symbole für Kriegerdenkmäler sind auch das eiserne Kreuz, Schwert, Stahlhelm und vor allem auch sterbende oder trauernde Soldaten. In Valentins vermutlich zweitem Entwurf findet sich ein solcher Soldat. Vor einem großen, schmalen Kreuz kniend sind seine Arme auf das Schwert – einem zweiten Kreuz gleich – gestützt. Den Kopf hat er tief in den Armen vergraben, sodass das Gesicht nicht zu sehen ist. Er vermittelt Trauer, Schwäche, Verzweiflung und Niederlage. Zu den geharnischten Füßen liegt sein Helm. Auf dem spitz zulaufenden Sockel steht „Vater ich rufe 155


05 Das Schaubild zum zweiten Entwurf. 06 Rechts: Der dritte Entwurf Valentins.

dich!“, ein Vers aus Carl Theodor Körners (Anm: Carl Theodor Körner, 1791-1813 war deutscher Dichter und Dramatiker) „Gebet während der Schlacht“, der im Ersten Weltkrieg weit verbreitet war. Bei diesem Entwurf integriert Valentin die Statue in eine Gesamtarchitektur. Das Podest mit der Kriegerstatue wird seitlich von zwei Steinquadern begrenzt, welche wahrscheinlich die Namen der Gefallenen tragen. Das Ensemble steht vor einem spitz nach oben zeigenden Dreieck mit dem großen Kreuz, dessen auffallend kurzer Querbalken die Jahreszahlen 1914-1918 trägt. Das Denkmal, das sich grundsätzlich aus verschachtelten Quadern zusammensetzt, wirkt durch seine spitzen Formen und harten Kanten dynamisch. Die einzelnen Elemente stehen jeweils im 45-Grad-Winkel zum Betrachter auf einer spitz zulaufenden Freitreppe. Das Denkmal sollte in einer Ausbuchtung der Mauer zum Pfarrgarten stehen, im Hintergrund von großen schlanken Bäumen begrenzt. Hier sieht man ganz deutlich, 156

dass Valentin alle Komponenten ganz genau durchplante, nämlich auch die Art der Bäume und ihre Platzierung. Der dritte Plan entspricht zum Großteil der später verwirklichten Variante. Als charakteristisches Element wurde das Kreuz im Vergleich zum vorigen Entwurf noch etwas vergrößert und überragt einen imposanten architektonischen Komplex. Am Fuße des Kreuzes sollten sich auf einem schräg gestellten schlichten Sockel zwei gekreuzte Schwerter und ein Stahlhelm befinden. Gekreuzte Schwerter symbolisieren den Kampf, sind jedoch normalerweise mit der Klinge nach oben zeigend dargestellt, z.B. auch in historischen Karten. Dass sie hier nach unten zeigen deutet auf das Kriegsende hin. Die Symbolik bei Valentins Entwürfen entwickelte sich von Mut, Würde, Sieg und Befreiung aus der Knechtschaft (Adler mit Lorbeerkranz), über Trauer und Verzweiflung (Soldatenstatue) bis hin zum eher emotionslosen Symbol für Krieg. Während bei den


07 Der vierte Entwurf Valentins.

beiden ersten Entwürfen die Statue vorrangig war, rücken bei den folgenden Entwürfen architektonische Elemente in den Vordergrund. Beim dritten Entwurf führen drei Stufen zu einer Art modernem Tempel mit sechs massiven Pfeilern, die ein hohes, gerades Gebälk tragen. Dieses zeigt auf der Vorderseite den Schriftzug „Unseren Helden“. Die vorderen beiden Säulenpaare stehen auf rechteckigem Grundriss, dahinter bildet sich ein halbrunder Abschluss, einer Apsis gleichend. Auf den apsidialen Pfeilern, die nach beiden Seiten hin durch abgerundete schmiedeeisene Gitter verbunden sind, sollten sich laut Plan die Gedenktafeln befinden.* Der verwirklichte Entwurf weicht von diesem nur geringfügig ab. Auf Schwert und Helm verzichtete Valen-

tin, stattdessen stellt er eine trauernde Frauengestalt in den Mittelpunkt. Die schmiedeeisenen Gitter sind ebenfalls leicht abgeändert. Während die meisten Kriegerdenkmäler eine Soldatenfigur zeigen, befindet sich, wie schon erwähnt, im Zentrum des Wieselburger Kriegerdenkmals eine trauernde Frauenfigur. Sie symbolisiert nicht nur die Trauer der vielen Mütter und Ehefrauen, die ihre Kinder und Männer verloren haben, sondern ist auch Symbol der Beziehung zwischen Soldaten und ihrem Leben in der Heimat. Die s-förmig dargestellte Figur wirkt mit ihren fließenden Körperformen und dem Faltenwurf ihres Kleides beinahe madonnenhaft. Die von Josef Franz Riedl geschaffene Keramikfigur wurde aus drei Teilen zusammengesetzt und mit brau157


ner Engobe (Tonschlamm) überzogen, die der Figur ein bronzeähnliches Aussehen verleiht. Die Originaloberfläche ist noch immer vorhanden und wurde bei früheren Restaurierungen nicht übermalt. Später erhielt das Denkmal eine Glasüberdachung, damit die Figur gegen Nässe geschützt ist. Das Aussehen der Überdachung wurde vom Bundesdenkmalamt vorgeschlagen. Der dazugehörige Kostenvoranschlag der Firma Wanzmann ist mit 21. Dezember 1987 datiert. Der Gesamteindruck des Denkmals, speziell des hoch aufragenden Kreuzes, wurde durch die Überdachung stark beeinträchtigt. Das Bauverhandlungsprotokoll aus dem Jahre 19311 gibt Aufschluss über den Baubeginn des Kriegerdenkmals. Laut Protokoll waren folgende Personen anwesend: Für die Gemeindevorstehung Vizebürgermeister Anton Gärber, als Vertrauensmänner die Gemeinderäte Josef Lorenz und Ignaz Oberriedmüller, als technischer Beirat Zivilarchitekt Anton Valentin, für den Kriegerkameradschaftsverein als Bauwerber Ing. Baumeister Hubert Schinner, der auch als Bauführer fungierte, und Herr Pfarrer Jakob Votruba für das Pfarramt als Anrainer. An diesem Tag wurde die Baubewilligung erteilt. Den Eröffnungstag beschrieb Julie Wüster2 genau: „Am 12. Juni 1932 fand die Einweihung des Kriegerdenkmals am Fuße des Kirchenberges, nahe des Er-

08 Josef Riedl in seinem Atelier in Wien

09 Die keramische Frauenfigur im Zentrum des Kriegerdenkmales, ein Werk des Wieners Josef Riedl.

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laufflußes, statt. Am Vorabend des Festtages, Samstag den 11. Juni um 20 Uhr, gingen die Kameraden namens Obmann Baumann, damals Verwalter der Kriegerdenkmalfondskasse, K.K. Wendy, Kommandant Kam. Temper zu dem aus Linz eingetroffenen Ehrenobmann Kam. Wilhelm Mathes. In kameradschaftlicher Aussprache wurden die noch schwebenden Punkte bezüglich des Festtages erledigt. Der Ehrenobmann sagte auch zu, bei dem abends stattfindenden Fackelzug mitzuwirken. Um 20 Uhr, als der letzte Glockenschlag ertönte, stand in stattlicher Anzahl von 74 Mann der Verein bereit zum Abmarsch des Fackelzuges. Unter den Klängen eines alten Militärmarsches und unter Voraustragung der Vereins- und Veteranenfahne, welche seinerzeit dem Kam.-Verein bei der Gründung in sein Eigentum übergeben wurde, marschierte der Zug ab vom Vereinslokal zum Hause des Bürgermeisters. Nach einem


kleinen Ständchen ging es weiter zum Heim des Ehrenobmannes. Nach einer kurzen Huldigung für ihn und seine Gemahlin Frieda, als Fahnenmutter des Vereines, ging es wieder weiter zum Geistlichen Rat (jetzt Dechant) Votruba, um auch diesem eine kurze Ehrung zu halten wegen der kostenlosen Überlassung des Kirchengrundes als Aufstellungsplatz für das Denkmal. Nach Schluß dieser kleinen Feier wurde der Rückmarsch ins Vereinslokal angetreten. Ein paar gemütliche Stunden kameradschaftlichen Beisammenseins beschlossen den Fackelzug. Sonntag den 12. Juni um 5 Uhr morgens zog mit klingendem Spiel die Vereinsmusik durch die Hauptstraße des Ortes um die Bewohnerschaft Wieselburgs aufzurufen zur Teilnahme an der Abtragung einer 10 Oben: Der endgültige Plan für das Kriegerdenkmal, 22. April 1931. großen Schuld. Dem Kameradschaftsverein Wieselburgs war es gelungen, seinen auf dem Felde der Ehre gebliebenen Mitkämpfern von mann K. Baumann eröffnete die Feier mit der Begrü1914-1918 ein würdiges Denkmal zu geben. Angeregt ßung sämtlicher ausgerückter Formationen, des Verwurde diese Tat von dem Ehrenobmann Oberstleutnant treters der politischen Behörde, der Pfarrgeistlichkeit, Wilhelm Mathes. Um halb neun Uhr war die Feldmes- der Bürgermeister der damals noch nicht eingemeindese und nachher die Kranzniederlegung im Ortsfriedhof ten Pfarrgemeinden, der Fahnenmütter und Patinnen für die im 1. Weltkrieg gefallenen Kameraden. und übergab dem Ehrenobmann das Wort. In kurzen Um 13 Uhr folgte die Aufstellung der zur Einweihung Umrissen gab Kamerad Oberstleutnant Wilhelm Maunseres Heldendenkmales erschienenen Brüderver- thes ein Bild der bewegten Augusttage von 1914. Nach bände aus Petzenkirchen, Erlauf, Pöchlarn, Melk, Rup- Schluß seiner Worte fiel die Hülle des Denkmales und rechtshofen, St. Leonhard, Mank, Oberndorf, Kienberg, der Geistliche Rat Pfarrer Jakob Votruba nahm unter Texing, Purgstall, Scheibbs, Neustift, St. Anton, Reins- Assistenz des Kooperators Reitbauer den Weiheakt berg, Gresten, Randegg, Steinakirchen, Ulmerfeld, vor. Nach dem Weiheakt ergriff Pfarrer Votruba zu eiAmstetten, Blindenmarkt, Ybbs, Nöchling, Säusen- ner kurzen Ansprache das Wort. Benefiziat Eder, ehestein, St. Martin am Ybbsfeld und Meidling bei St. Pöl- maliger Feldkurat des Infanterieregiments 53, hielt die ten. Aus vielen Orten waren solche Heimkehrervereine Festrede. Nach diesen sprach auch Herr Dr. Pfeiffer, vertreten. Nach der Aufstellung beim Heldendenkmal der Vertreter der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs, konnte K. Temper einen ausrückenden Stand von 908 welcher den Kameradschaftsbund zu diesem schönen Mann, 28 Fahnen und 6 Musikkapellen melden. Ob- Werk beglückwünschte. 159


11 Der Plan für das schmiedeiserne Gitter

12 Das schmiedeiserne Gitter

Schließlich kam Bürgermeister Anton Fahrner zu Worte. Er versprach in feierlicher Weise dieses Heldendenkmal in die Obhut der Gemeinde zu nehmen. Nach Schluß vereinten sich die ausgerückten Vereine zur Defilierung und zum Abmarsch auf den Festplatz wo ein kurzes Wiedersehensfest stattfand. Mit dem letzten Schuß um 20 Uhr war der Ehrentag des K.-Vereines beendet.“

nach links, die verschlungenen Hände nach rechts. Das lange Gewand umhüllt die Figur von Halsausschnitt bis zu den Füßen und liegt in zahlreichen Falten.“

Anlässlich der Restaurierung der Keramikfigur im Jahre 2002 beschrieb die Restauratorin Mag. Elise Homolka in ihrem Restaurationsbericht das Kriegerdenkmal wie folgt:3 „Eine Glasüberdachung ruht auf massiven Pfeilern über einem polygonalen Grundriss. Hinten ist das Bauwerk durch ein Gitterwerk geschlossen, nach vorne offen. Die sich nach unten verjüngenden quadratischen Pfeiler tragen auch die Tafeln mit den Namen der Gefallenen beider Weltkriege, sowie die Inschrift ,Unseren Helden‘. Die Figur im Mittelpunkt misst 130 cm Höhe und ist s-förmig gebogen. Der Kopf weist 160

Am 8. Mai 1976 fand anlässlich der Stadterhebung um 9:45 Uhr, also vor dem Festakt, bei dem Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger anwesend war, eine Heldenehrung beim Kriegerdenkmal unter Anwesenheit des Bundesheeres statt. Im Rahmen der Festwoche wurde am 22. Mai 1976 der Tag der Kameradschaft in Wieselburg begangen. Im Zuge der Feierlichkeiten gab es um 19:30 Uhr eine Heldenehrung beim Kriegerdenkmal mit „Großem Zapfenstreich.“ Jährlich am 26. Oktober, dem Nationalfeiertag, findet eine schlichte Totengedenkfeier vor dem Kriegerdenkmal statt, die vom Kameradschaftsbund initiiert wird. Die Vertreter der Gemeinden Wieselburg Stadt und Land legen einen Kranz nieder und gedenken mit den Kameraden und Pfarrer Dammerer der gefallenen Soldaten beider Kriege.


13 Die Einweihung des Kriegerdenkmals am 12. Juni 1932 Auf der Rückseite der Eröffnungsansichtskarte ist zur gedruckten Aufzählung der Kameraden handschriftlich folgendes hinzugefügt: „Nach vieler mühevoller Arbeit und Überwindung scheusslicher politischer Schreier, konnte dieses ehrwürdige Denkmal – Dank der oben angeführten Kameraden – 1931 für alle Zeiten fertiggestellt werden. Politische Schreihälse, die dazu kamen, die schöne Kameradschaft zerrissen – besorgten die Einweihung im Jahre 1932. Wieselburg im September 1932.

Von Mag. Elisabeth Valentin erhielt ich zwei Briefe, die vom Kameradschaftsverein Wieselburg an Anton Valentin gerichtet sind und die ich hier wörtlich wiedergeben möchte, auch um den damals üblichen Briefstil zu dokumentieren. Der erste Brief wurde am 25. Mai 1935 verfasst und lautet folgendermaßen: „Sehr geehrter Herr Architekt! Entschuldigen Sie vielmals, dass ich Sie sehr geehrter Herr Architekt mit einigen Zeilen belästige. Der Kameradschaftsverein Wieselburg beabsichtigt nun bei dem von Herrrn Architekten entworfenen Kriegerdenkmal eine Beleuchtung anzubringen. Die Ansichten der verschiedenen Kameraden, bezüglich der Anbringung einer Beleuchtung bei diesem Denkmal, sind folgende: 1.) Vorne am Sockel unter der Plastik eine Laterne 2.) An der Innenseite eines jeden Pfeilers, oberhalb der Namenstafeln, und zwar sollen diese Pfeiler mit je einer eisernen Laterne versehen sein. Licht entweder elektrisch oder mit Kerzen. 3.) Nur an den vorderen Pfeiler an der Innenseite, je eine eiserne Laterne, die in der Höhe des oberen Randes der Namenstafel, anzubringen wäre. 4.) Eine von oben angebrachte Beleuchtung, elektrisch. 5.) Eine an der unteren Decke angebrachte Beleuchtung, ähnlich eines Scheinwerfers, der das ganze Denkmal nach oben erhellt.

Nachdem nun in dieser Hinsicht eine Einigkeit nicht erzielt werden kann, erlaube ich mir Herrn Architekten um einen Rat zu fragen, der jedoch unverbindlich sein soll, wie wir die Beleuchtung und welche, beim Kriegerdenkmal anbringen können. Auch möchte ich Herrn Architekten ersuchen uns mitzuteilen, ob die Anbringung einer Beleuchung an dem schönen Denkmal überhaupt wünschenswert erscheint. Sollte dennoch die Anbringung einer Beleuchtung dieses Denkmals wünschenswert erscheinen, dann bitten wir Herrn Architekten um einen geeigneten Vorschlag, welche Beleuchtung am geeignetsten wäre und zwar in Bezug auf Ausstattung und Anbringung derselben. Es würde uns recht freuen, wenn uns Herr Architekt in dieser Hinsicht etwas behilflich sein möchte, damit das Denkmal, durch die Anbringung einer Beleuchtung keinerlei Geschmacklosigkeit erleidet. Das Denkmal ist dermalen schon schön in ihrer Anlage, ist alles schon grün und genießt ein ausgezeichnetes Ansehen von Allen, die dort vorüberziehen. Zum Schluss gestatte ich mir an Herrn Architekten, die herzlichen Grüsse vom Kameradschaftsverein Wieselburg und auch von mir, hiemit anzuschließen und zeichne, mit dem Ausdrucke der vorzüglichen Hochachtung, Johann Wendy, Gend. Rev. Insp. Wieselburg a/d. Erl. Nied.Oest.“ 161


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14 Das Kriegerdenkmal, im Hintergrund der Alte Pfarrhof. Auf dieser Ansicht ist das schöne schmiedeeiserne Gitter gut zu erkennen.

15 Das Kriegerdenkmal aus der gleichen Sichtweise aber mit dem Glasdach, welches das Kreuz deutlich kürzer erscheinen lässt.

Der zweite Brief, datiert mit 7. Juni 1935, lautet folgendermaßen: „Sehr geehrter Herr Architekt! Ihre gesch. ausführliche Antwort habe ich mit Freuden zur Kenntnis genommen und habe Ihre Ansicht bereits bei der am 1. Juni 1935 stattgefundenen Ausschussitzung vorgebracht. Auf Grund Ihres Vorschlages, dass an dem schönen Denkmal es nicht wünschenswert erscheint, eine Beleuchtung anzubringen, wurde nun beschlossen, dass eine solche auch nicht in Frage kommt. Auch wurde von einer Scheinwerferanlage Abstand genommen und wird diese Frage nun als erledigt betrach-

tet. Im Namen des Kameradschaftsvereines möge ich Herrn Architekten für die überaus grosse Mühe sowie für das gesch. Entgegenkommen, den besten Dank entgegen bringen. Auch ich erlaube mir sehr geehrter Herr Architekt, meinen besten Dank für Ihre gesch. Mühe entgegen bringen zu dürfen. Anbei lege ich Herrn Architekt eine kleine Ansicht Ihrer gesch. Arbeit hiemit bei und zeichne mit dem Ausdrucke der vorzüglichen Hochachtung Ihr ergebenster Johann Wendy, Revierinspektor Wieselburg an der Erlauf. Nied.Oest.“


Haus Nemecek Wieselburg Bevor ich zum Haus der Familie Nemecek in der Grestner Straße 10 komme, möchte ich – zum besseren Verständnis – in der Geschichte der Familie etwas ausholen. 1891 zeichnete Baumeister Johann Wenzel Holinka den Plan für das Haus Nummer 50 am Hauptplatz von Wieselburg – bereits 1892 wurde es gebaut und auch kollaudiert.1 Kraushofer2 schreibt, dass bereits am 21. März 1892 ein Gartengrundstück mit einem neu erbauten Haus, dem Haus Nummer 50, auf Franz Nemecek und die minderjährige Helena Nemecek eingetragen ist.Am 23. November 1891 hatte der Tisch- 01 Das Nemecek-Haus in der Grestner Sraße 10 lermeister Franz Nemecek (geboren am 31. Juli 1865 in Saska in Böhmen als Sohn des Schlossermeisters Franz Nemecek und 1899 das Eigentum nun zu gleichen Teilen Franz und seiner Frau Magdalena) Helena Holinka (geboren am Rosa Nemecek einverleibt sei.5 1899 also ehelichte 16. August 1872 als Tochter des Wenzel Holinka, Haus- Franz Nemecek seine zweite Frau Rosina, geborene besitzer, Maurermeister und Gastwirt im Markt Wiesel- Mandl. Dieser Ehe entstammten die Kinder Max, Hans burg Nr. 15, und seiner Frau Maria) geheiratet. und Josef (als Jüngster im Jahre 1912 geboren). 1893 suchte Nemecek um die Bewilligung eines Zubau- 1926 stellte die „Shell-Floridsdorfer-Mineralölfabrikes am rückwärtigen Bauteil und um Aufstockung des und Vertriebsgesellschaft“ an die Gemeinde Wieselburg Hauses an.3 ein Ansuchen6 um Bereitstellung von 8 m2 Grund zur Am 9. November 1895 wurde im Grundbuch die Min- Errichtung einer Benzinzapfsäule mit einem explosionsderjährigkeit Helenas gelöscht und schon am 3. Juli sicheren Tank und einem Fassungsvermögen von 1896 gingen Haus und Grund in das alleinige Eigentum 3.000 Litern. Der Kaufmann Franz Nemecek sollte von Franz Nemeck über, da Helena am 24. April 1896 der Betreiber der Tankstelle sein. Wann genau Franz im Alter von 24 Jahren verstorben war. Sie hinterließ Nemecek zum „Kaufmann“ wurde, konnte ich nicht die Kinder Franz und Helene. eruieren. Jedenfalls suchte er 1927 um Errichtung einer Noch im selben Jahr errichtete Franz Nemecek eine Auslage an,7 um seine Waren besser präsentieren zu Tischlerwerkstätte in seinem Haus, die später als Gla- können. serei4 weitergeführt wurde. Sohn Franz fiel im Ersten Weltkrieg, Helene heiratete Am 17. April 1899 folgte eine Eintragung im Grund- Josef Reichart in Purgstall, Max gründete seine Exisbuch, dass aufgrund des Ehevertrages vom 15. Feber tenz als Mechaniker in der Manker Straße und Josef 163


eröffnete eine Farbenhandlung. Hans blieb im elterlichen Haus, welches bis 1986 im Besitz der Familie war. Mit 21. April 1934 ging der Besitz des Franz Nemecek laut Grundbuch in das Eigentum seines Sohnes Johann und dessen Frau Barbara über.8 Franz und Rosina Nemecek beabsichtigten, für sich ein kleines Haus zu bauen und beauftragten Architekt An-

ton Valentin damit, dieses Vorhaben zu planen und zu realisieren. Aufgrund der örtlichen Nähe seines Geschäftes zum Rathaus konnte Franz Nemecek die Arbeit Valentins beim Rathausbau hautnah miterleben. Wahrscheinlich war er von der Umsichtigkeit des Architekten so beeindruckt, dass er sich entschloss, ihn mit der Planung für sein Haus zu betrauen. *Der erste Plan Valentins stammt vom 14. August 1931 und zeigt ein auf beinahe quadratischem Grundriss aufgebautes, zweistöckiges Objekt mit steilem Walmdach. Im ersten Stock sollte sich eine Terrasse befinden, die in den Baukörper einschneidet, jedoch nicht überdacht ist. Durch diesen Einschnitt ergibt sich eine ungewöhnliche Dachkonstruktion. Denn an der Straßenfront sitzt das Dach nicht in der Mitte des Hauses wie es zum Beispiel beim Haus Wiktora der Fall war. Dort ergab sich durch diese

02 Rosina Nemecek

04 Im Haus Nemecek

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03 Franz Nemecek

05 Das Haus Nemecek


06 Valentins erster Entwurf vom 14. August 1931.

besondere Situation nämlich der Eindruck eines „abgeschnittenen Daches“. Beim Haus Nemecek hingegen zentriert sich das Dach über dem rechten Baukörper und scheint deshalb aus der Mitte gerückt. Seitlich der Terrasse wird das Dach weiter hinunter gezogen, sodass unterschiedliche Traufhöhen entstehen. Wegen der eingeschnittenen Terrasse ergibt sich an der rechten Seite der Straßenfront sozusagen ein turmartiger Aufbau, dessen isolierter Eindruck vom mittig aufgesetzten Dach noch verstärkt wird. Der Baukubus springt an der Straßenfront oberhalb der Fenster des Untergeschoßes um einige Zentimeter

hervor. Infolge einer zusätzlichen Verkröpfung unterhalb dieser Fenster ergibt sich der optische Eindruck eines eingelassenen Fensterbandes. Dieses zieht sich teilweise noch an den angrenzenden Fassadenseiten weiter und verbindet die Fenster des Erdgeschoßes, die nahe der Hauskanten angeordnet sind, miteinander. Das Stiegenhaus seitlich des Hauseinganges ist ganz im Stile der kleinen Einfamilienhäuser Valentins mit zwei Fenstern unterschiedlicher Höhenanordnung ausgestattet. Die Hausrückseite, von der in diesem Plan keine Ansicht erstellt wurde, wird im Erdgeschoß von vier kleinen, dicht nebeneinander 165


07 Der zweite Plan vom 10. März 1932.

liegenden Fenstern geprägt. Hinter diesen befinden sich das Stiegenhaus, das WC und die Speisekammer. Die vierte kleine Fensteröffnung gehört zur Küche, die an der Seitenfront ein zusätzliches, größeres Fenster aufweist. Die Besonderheit, dass Valentin die Größe des Küchenfensters an jene kleinen Fenster der Nebenräume anzupassen, fand sich zuvor schon bei einigen seiner Häuser. Der Grundriss des Hauses Nemecek ist relativ einfach gehalten und bietet dennoch eine Besonderheit. Im Erdgeschoß befinden sich nämlich ein großes Zimmer, das wohl als Ess- und Wohnzimmer anzusehen ist, die Küche samt Speisekammer und eine Toilette. Überraschenderweise ist an das Hauptzimmer eine Veranda angeschlossen, die an der Straßenfront des Hauses ein normales Fenster aufweist, zur Seitenfront 166

hin jedoch laut Grundriss mit einer großen Glasfront geöffnet ist. Betrachtet man das geringe Volumen dieses Hauses, erscheint die Veranda samt darüberliegender Terrasse als besonderer Luxus. Das Obergeschoß ist von einem großen Schlafzimmer geprägt, das auf die Terrasse führt und Richtung Straßenseite ein Fenster aufweist. Weiters befinden sich das Badezimmer, eine Waschküche und ein „Dienerzimmer“ auf diesem Stock. Der tatsächlich nutzbare Wohnraum des ersten Entwurfes für das Haus entsprach offensichtlich nicht ganz den Vorstellungen des Bauherren, weshalb Anton Valentin am 10. März 1932 einen zweiten Plan mit weitaus größerer Wohnfläche präsentierte. Am Baukörper selbst hat sich nur wenig geändert, jedoch wurde die


Terrasse im ersten Stock aufgelassen und als Zimmer im Baukörper integriert. Dadurch ergibt sich ein großes Walmdach mit durchgehender Traufhöhe, und die Straßenfront erhält somit ein symmetrisches Bild mit zwei seitlich gelegenen Fenstern im Erdgeschoß und einem zentralen Fenster mit Fensterläden im Obergeschoß. An der Eingangsfront wurde eine zusätzliche Maueröffnung installiert, da der Grundriss im Ober-

geschoß leicht abgeändert wurde. Durch den Wegfall der Terrasse konnte ein zusätzliches Kabinett neben dem Schlafzimmer eingerichtet werden. Auch im Untergeschoß wurde die Veranda aufgelöst und von einem Kabinett mit nur einem, straßenseitig gelegenen Fenster ersetzt. An der rückwärtigen Fassade wurde die Kombination der vier kleinen Fenster aufgelöst, die Küche in eine „Wohnküche“ abgewandelt, und zur Verbesserung der Lichtsituation mit einem zweiten großen Fenster versehen. Wegen der Integration der Speisekammer in den Küchenbereich fiel eines der vier kleinen Fenster zur Gänze weg. Da somit keine Anpassung der Fenstergrößen mehr nötig war, wurde auch das gartenseitig gelegene Fenster des Stiegenhauses vergrößert.

08 Der Grundriss für den 1. Stock samt Innen-Ansicht, 16. Juni 1932.

Anton Valentin plante nicht nur den Baukörper für die Familie Nemecek, sondern fertigte auch Möbelentwürfe für die Inneneinrichtung an und erstellte einen Plan für den Garten des Grundstückes. Am 5. April 1932 teilte Franz Nemecek der Marktgemeindevorstehung in Wieselburg seine Absicht zur Erbauung des Wohnhauses in der Grestnerstraße mit.9 Als Sachverständiger war Anton Valentin bei der Bauverhandlung am 13. Juni 1932 anwesend,10 bei der das Projekt folgendermaßen beschrieben wurde: „Der projektierte Neubau liegt in der Grestnerstrasse Nr. 10. Der Seitenabstand von Nachbarhause Pleiner beträgt 4 m, der vom Anrainer Pitzl beträgt 7.40 m. Das Objekt selbst besteht aus Kellergeschoss, Erdgeschoss, I. Stockwerk mit Dachstuhl. Im Keller ist die Waschküche und der Nutz167


09 Die Einbauküche.

keller untergebracht. Das Erdgeschoss beinhaltet 1 Wohnzimmer, 1 Kabinett, 1 Wohnküche und das Klosett, sowie das Stiegenhause. Im I. Stock ist angeordnet 1 Zimmer, 2 Kabinette, 1 Badezimmer, sowie der Aufgang zum Dachboden. Der Dachstuhlraum wird für Trocken und Depotzwecke Verwendung haben. Das Haus ist in durchaus massiver Bauweise vorgesehen. Die Decke über den Keller, sowie die Decke unter dem Badezimmer wird als Hourdisdecke aufgeführt. Die Aussenmauern sind 38 cm starke Ziegelmauern, die übrigen Trennungswände zum Teil aus Ziegel, zum Teil als Leichtwände. Die Dachdeckung besteht aus Duritplatten. [...] Die Stiege vom Erdgeschoss in den I. Stock ist in Holz konstruiert und erhält stukkaturte Untersicht. Die Kellerabgang sind in Beton hergestellt. Der Dachboden Fussboden erhält ein Betonpflaster. Die Bodenzugangsstiege ist gegen den I. Stock mit einer Türe abgeschlossen, welche bodenseitig mit Eisenblech beschlagen ist. Von den anwesenden Anrainern wurde Einwände nicht gemacht. [...] 168

Die Einfriedung gegen die Strasse zu hat mit einem durchbrochenen Zaun zu geschehen und zwar: hat der Sockel eine Maximalhöhe mit einem Meter und das darauf befindliche Geländer zwischen Pfeilern ebenfalls eine Maximalhöhe von 1 Meter zu erhalten. Es dürfen somit 2 Meter nicht überschritten werden. [...]“11 Am 18. November 1932 suchte Franz Nemecek schließlich um Kollaudierung seines fertiggestellten Neubaues an.12 Bei einer neuerlichen Begehung am 1. Dezember 1932 wurde Folgendes vermerkt: „Die Kommission besichtigte den Neubau und wurde festgestellt, dass die Ausführung des Hauses im Allgemeinen nach dem Einreichungsplane vom 13. Juni 1932 erfolgte. Nur im 1. Stocke wurde das im Plane eingezeichnete Bad zur Bodentreppe hin auf 2.60 m verbreitert, das dortselbst befindliche westseitige Fenster vermauert und gartenseitig verlegt und erhielt dieser Raum seine Widmung als Kabinett. Dagegen wurde der mit Kabinett bezeichnete Raum nunmehr als Badezimmer ausgestaltet. Der Stiegenhausvorraum wurde gegen das neugeschaffene Kabinett, durch einen kleinen Gang verlängert, wobei das stras-


10 Der Plan des Stiegenaufganges und der realisierte; 11, 12 Stiegenaufgang mit der Abstellfläche für Blumentöpfe.

senseitige Zimmer um diese Fläche verkleinert wurde. Die Schornsteine wurden gekehrt, in Ordnung befunden und liegt der Kehrbefund auf. [...]“.13 Diese Änderungsmaßnahmen sind in einem Auswechslungsplan vom 1. Dezember 1932 ersichtlich.14* Laut Eintrag in den Pfarrmatriken starb Franz Nemecek am 26. Oktober 1936 als Witwer. Seine Wohnadresse war damals mit „Dollfuß Straße Nr. 3“ angegeben. Ursprünglich hieß die heutige Grestner Straße auch Steinakirchner Straße. Nach dem Tode von Franz und Rosina Nemecek wurde das Untergeschoß des Hauses an Max und Mitzi übergeben. Das Obergeschoß bewohnten Josef (1912-1962) und Anna (geb. Bayer, 1909-1989) mit ihren beiden Söhnen Gernot (1939-1979) und Helmut (1943-1999). Max hatte seinen Hausanteil an das Fräulein – und so wurde sie auch noch im hohen Alter betitelt – Haller vermietet, die im Büro der Edelmühle (Heindlmühle) arbeitete. Mit ihr bewohnte eine gewisse Frau Bandekof das Untergeschoß des Hauses. Als beide Mieterinnen ausgezogen waren, zog Helmut, der in der Zwischenzeit Rosa Aigner geehelicht hatte, im Jahre 1970 im Untergeschoß ein. Rosa war 1960 aus Lunz gekommen, um bei der Firma Tree in Petzenkirchen eine Lehre zu beginnen und blieb die

13 Türschnalle.

ganze Zeit ihres Berufslebens über bei dieser Firma. Helmut und Rosas Familie vergrößerte sich bald um die beiden Kinder Josef und Wilma. Rosa Nemecek erinnerte sich in einem Gespräch noch an die außergewöhnliche Färbelung des Hauses: Die massiven Holztüren waren in einem satten Stahlblau gestrichen, die schlichten aber soliden Türklinken 169


aus Messing sind heute noch – oder eigentlich schon wieder – in Mode. Die Wände der Küche waren blau – kaum heller als die Türen – und der Plafond in Gelb gehalten – eine eher gewöhnungsbedürftige Farbkombination, die jedoch schon bei der RiedmüllerVilla verwirklicht wurde. Die Küchenschränke waren in die Mauer versenkt und nahmen so keinen Platz im Raum ein. Unter dem großen Holztisch erstreckte sich ein Holzbretterboden, während der Rest der Küche mit rotem Klinker ausgelegt war. Aus dem kleinen Vorraum führt eine für Valentin typische, außergewöhnlich schöne Holztreppe in das Obergeschoß, das bis zu ihrem Tode von Anna Nemecek bewohnt wurde. Im Obergeschoß sind zwei Räume durch einen Meller-Kamin verbunden. Auf der

14 Der Mellerkamin im oberen Stock des Nemecek-Hauses.

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Seite des Schlafzimmers ist er in Weiß gehalten und auf der Kabinettseite weist er grüne Fliesen mit einem anthrazitfarbenen Gesimse auf. Ich erwähne das deshalb, weil Anton Valentin eine besondere Beziehung zur Firma Meller hatte. So existieren Pläne, die zeigen, dass er für Meller das Firmengebäude in der Theresiengasse 75-77 in Wien 18 entworfen hat. Ebenso gibt es einen Plan von einer Messe-Koje der Firma Meller und auch der Dauerbrandofen „Meller H51“ trägt Valentins Handschrift. Zum heutigen äußeren Erscheinungsbild des Hauses Nemecek ist zu bemerken, dass der Eingang mit einem Windschutz versehen wurde. Die Fensterläden waren ursprünglich gelb mit jeweils zwei roten Querbrettern.

16 Das Gebäude der Firma Meller im 18. Wiener Gemeindebezirk. Der Gebäudezustand zeigt, dass die Blütezeit der Firma wohl vorüber ist.


15 Valentins Entwurf für eine Messe-Koje der Firma Meller.

Später wurden sie grün gestrichen und wiesen weiße Querbretter auf, heute sind sie rot-weiß. Der Gartenzaun ist noch original erhalten; ob der Gartenplan Valentins verwirklicht wurde, ist ungewiss. Jedenfalls gab es auf dem großen Grundstück, das sich von der Grestner Straße bis zur Augasse erstreckt, immer viele Obstbäume. Am hinteren Gartenende gibt es heute noch eine Gartentür, die sich zur Augasse öffnet. 1970/71 wurde an das bestehende Haus ein Abstellraum angebaut, der später als Garage diente. *Zwischen den Plänen für das Wohnhaus der Familie Wiktora und jenen des Hauses Nemecek, entwickelte Anton Valentin in seinen Entwürfen für Wiener Auftraggeber einen eigenen Baustil. Dabei bildeten sich besondere Gestaltungselemente heraus, wie zum Beispiel eine risalitartige Hervorhebung des Stiegenhauses, das er mit großen Fensterflächen oder langen Fensterbändern versah. Ungeachtet der stilistischen Weiterentwicklung bei den Entwürfen für Wiener Einfamilienhäuser, folgte Valentin im Entwurf für das Haus Nemecek der Tradition der Wieselburger Bauten. Seit dem letzten Neubau Valentins, dem Hause Wiktora, ist also keine unbedingte Weiterentwicklung des Baustils erkennbar. Dieser stilistische „Stillstand“

ist entweder auf die herrschenden Bauvorschriften der Marktgemeinde Wieselburg oder auf die fixen Wünsche der Auftraggeber zurückzuführen. Die Häuser in und um Wieselburg sind im Gegensatz zu den Wiener Bauten eher klein dimensioniert. Das hängt sicherlich auch mit der gesamten Bauentwicklung zusammen. Ein Stilelement, das in den 1920er und 1930er Jahren im Allgemeinen als modern galt, stellt das Eckfenster dar. Beim Haus Nemecek zeichnet sich die Entwicklung dahingehend bereits ab, indem die beiden straßenseitigen Erdgeschoßfenster an die Hausecken hinausgerückt wurden und in der Mitte eine freie Fassadenfläche freigeben. Durch das bereits erwähnten Rückversetzten des Fassadenbandes entsteht einerseits eine optische Hervorhebung der Erdgeschoßfenster, andererseits zieht sich dieses Band an der östlichen Seitenfassade weiter und verbindet somit die beiden Eckfenster miteinander. Lediglich eine schmale Mauerfläche trennt die beiden Fenster voneinander. Ein ähnliches Prinzip fand sich bereits bei den Entwürfen für das Haus Riedmüller, wo der Mauerstreifen durch eine Verzierung mit Sichtziegeln als besonderer, dekorativer Effekt hervorgehoben wurde. Während Valentin beim Haus Nemecek die Fassade um die Fenster zurückspringen lässt, wurde 171


19 Das neue Haus von Rosa und Franz Nemecek

17 Ein Plan f端r die Gartengestaltung

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20 Rosa und Franz beim Eingang ihres Hauses


beim Ausführungsplan des Hauses Riedmüller ein ähnlicher Effekt zum Zwecke der Hervorhebung und Verbindung mehrerer Fassadenöffnungen durch eine Verkröpfung der Umrahmungen der Stiegenhausfenster erreicht.

Einfamilienhaus bei Melk *Das Schaubild für das Einfamilienhaus bei Melk zeigt exakt das Haus Nemecek in Wieselburg. Sowohl der Baukörper selbst, als auch die Situation des Gartens, die Grundstückseinfriedung und sogar das dahinter liegende Nachbarshaus spiegeln die genaue Situation des Wieselburger Baus wider. Lediglich der Grundriss weist eine andere Bezeichnung der Räume auf. Im Erdgeschoß befindet sich neben dem großen Wohnraum ein „Arbeitsraum für die Frau“ und 18 Einer der Pläne für die Gartengestaltung

21 Ein Ausschnitt aus einem Briefkuvert, in dem Valentin Herrn Nemecek die Pläne für den Hausneubau schickte.

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im Obergeschoß sind ein Schlafzimmer und ein weiterer Raum für den Sohn eingerichtet. Diese besondere Beschriftung der Räume würde darauf schließen lassen, dass Valentin für dieses Bauvorhaben bereits einen konkreten Interessenten hatte. Dass mit der Bezeichnung „Einfamilienhaus bei Melk“ jedoch das Wieselburger Objekt gemeint sein sollte, ist unwahr-

scheinlich. Möglicherweise hat Anton Valentin das Haus Nemecek als Musterhaus für andere Kunden weiterverwendet oder umgekehrt. Eine ähnliche Situation, bei der sowohl ein allgemeines Schaubild als auch ein Ausführungsplan für einen realen Auftraggeber existieren, ergab sich bereits bei den Häusern für Familie Wiktora und Familie Batscher.*

22 Das Nemecek-Haus in der Grestner Straße 10

25 Das „Einfamilienhaus bei Melk“.

23 Das „Einfamilienhaus bei Melk“.

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24 Der Plan für die Gartengestaltung für das „Einfamilienhaus bei Melk“ sieht jenen Plänen für Nemecek sehr ähnlich.

Haus Spindler In engem Zusammenang mit dem Haus Nemecek steht das Haus Spindler. Obwohl hier keine Verbindung zu Wieselburger Auftraggebern besteht, soll das Haus, auf Grund der architektonischen Gegebenheiten erwähnt und erklärt sein. Zwei Jahre nach dem Nemecek-Auftrag plante Valentin in Mauer bei Wien für die Fräulein Herta und Hilda Spindler ein dem Hause Nemecek sehr ähnliches Gebäude. Herta und Hilda Spindler waren laut Entwurfsplan in der Hofmühlgasse Nr. 22 im 6. Wiener Gemeindebezirk wohnhaft. Die Parzelle für das geplante Haus befand sich in der Siedlung „Am Hang“, in der offensichtlich mehrere Wochenendhäuser von Wiener Familien existierten, wie sich aus dem Lageplan des Hauses Spindler ablesen lässt. Das Objekt der Fräulein Spindler mit beinahe quadratischem Grundriss und aufgesetztem Zeltdach zeigt lediglich kleine Abänderungen zu den Plänen für das Haus Nemecek. Der Grundriss ist beim Haus Spindler ebenso quadratisch aufgebaut, jedoch springt an der gartenseitigen Fassade ein Mittelrisalit etwa 90 Zenti-

meter weit hervor. Dieser Risalit zieht sich über Erdund Obergeschoß, wo er von jeweils drei kleinen, nebeneinander liegenden Fenstern durchbrochen wird. Die Gestaltungsweise der Eingangsfront mit dem eingelassenen Fensterband wurde unverkennbar von den Nemecek-Plänen übernommen. Während die Fensteranordnung an der Eingangsseite vollkommen ident ist mit jener des Hauses Nemecek, sind die anderen beiden Fronten, die auf dem Plan verzeichnet sind, symmetrisch aufgebaut. Die Straßenfront des Hauses Nemecek, deren Reiz in der Zentralisierung des großen Obergeschoßfensters liegt, wird beim Haus Spindler durch zwei normal große Fenster mit Fensterläden aufgelöst. Das zusätzliche Fenster rührt daher, dass dahinter zwei getrennte Zimmer liegen, im Gegensatz zum Haus Nemecek, wo ein großes Schlafzimmer hinter dem Hauptfenster liegt. Über den Fenstern des Hauses Spindler befindet sich an dem hohen Walmdach zentral gelegen eine breite Fenstergaube. Die Fenster dieser Fassadenseite bilden im Gesamtkontext gesehen eine pyramidale Anordnung. Auch der Grad der Fensterverzierung nimmt mit zu175


26 Der Plan für das Haus Spindler.

nehmender Höhe und zunehmender Näherung zur Mittelachse des Hauses hin zu. Die Erdgeschoßfenster sind eingebettet in das zurückspringende Fassadenband, wie schon beim Haus Nemecek. Die Flächen zwischen den Fenstern und den Hausecken sind bei diesem Objekt jedoch mit andersartigem Putz versehen. Jene des Obergeschoßes erhalten an ihrer Unterkante eine Verkröpfung, die von der Mitte der Fassade aus bis zu der jeweiligen Außenkante der beiden Fenster durchläuft. Die Läden verleihen den beiden Fenstern eine zusätzliche optische Hervorhebung. Gekrönt wird die „Fenster-Pyramide“ von der großen Dachgaube, deren spitz zulaufendes Walmdach der Spitze einer Pyramide tatsächlich ähnelt. Die Bedachung begrenzt sich nicht nur auf das Gaubenfenster, sondern schließt auch die seitlichen Fensterläden mit ein. Die der Eingangsfront gegenüberliegende Seitenfassade ist sehr simpel aufgebaut. Die Situation des Erdgeschoßes wiederholt sich in exaktem Maße im Obergeschoß. An der rechten Fassadenseite springt ein Balkon hervor, der über eine simple doppelflügelige Türe ins Hausinnere führt. An der linken Seite ist ein achtgliedriges Fenster angebracht, welches im Obergeschoß durch Fensterläden ergänzt wird. Generell 176

herrschen beim Haus Spindler bereits standardisierte Fensterformate. Lediglich die Fenster des Stiegenhauses sind halb so breit ausgeführt. Im Gegensatz zum Haus Nemecek ragen an der Seitenfassade des Hauses Spindler eine über Stufen vom Garten aus begehbare kleine Terrasse und ein Balkon im Obergeschoß hervor. In gewisser Weise handelt es sich dabei um eine Abwandlung des ersten NemecekEntwurfes, bei dem an genau jener Fassade ebenso eine Veranda und ein Balkon geplant waren. Diese sollten jedoch nicht aus dem Haus herausragen, sondern waren als Einschnitt in den Baukörper gedacht. Die Dachgauben beim Haus Spindler sind etwas größer ausgeprägt, besonders jene an der Hauptfassade des Hauses. Das Haus Spindler sollte offensichtlich in zwei getrennte Wohnungen aufgeteilt werden, jeweils mit einer Türe vom Vorraum abgetrennt. Die Zimmeraufteilung ist in beiden Stockwerken ident: zwei nebeneinander liegende Zimmer, – davon je eines mit Zugang zur Terrasse bzw. zum Balkon – eine Küche, ein Badezimmer und ein WC sollten jedem Fräulein zur Verfügung stehen. Der Dachboden wurde zusätzlich mit einer Kammer, einem Boden- und einem Waschraum ausgestattet.*


27 Das Grab der Familie Nemecek mit der runden Steinplatte. 28 Der Plan für das Nemeek-Grabmal am Wieselburger Friedhof

Das Nemecek-Grabmal Anton Valentin wurde, nachdem er im Jahre 1932 das Nemecek-Haus geplant hatte, vermutlich von Franz Nemecek beauftragt, ein Grabmal für dessen am 15. April 1934 verstorbene Frau Rosina zu planen. Der von Anton Valentin gezeichnete Entwurf für dieses Grabmal stammt vom 5. Juni 1934. Da Valentin bei seinen Aufträgen immer sehr genau arbeitete und mit viel Liebe zum Detail, verwundert es nicht, dass zum Grabmal zwei Detailpläne vom 26. Juli 1934 existieren, welche die Situation einer in die Mauer eingelassenen Grableuchte zeigen sowie das genaue Aussehen ihrer Abdeckung aus Antikorrodal. Das Doppelgrab befindet sich an der unteren Mauer des Wieselburger Friedhofs. Es ist schlicht gestaltet und aus verschieden großen groben Steinen gemauert. Die Rückwand ist seitlich von zwei etwa 50 cm hervorspringenden Maueransätzen begrenzt. Diese sind gänzlich in den horizontalen Abschluss der Friedhofsmauer mit eingebunden, weshalb sich das Grab optisch in der Friedhofsmauer auflöst. In der Mitte der Grabrückwand befand sich eine runde Platte mit einer „fein geflockten“ Umrahmung, wie Valentin sie in einem seiner Pläne beschreibt. Diese ist heute nicht mehr existent. An der rechten Seite sollte

29 Einer der beiden Detailpläne vom 26. Juli 1934. Hier sind die Nische für die Grableuchte erkennbar.

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30 Die Grabstätte der Familie Nemecek

laut Valentin-Plan eine Pflanze entlang der Rückwand hochwachsen. Das alte Foto des Grabmales zeigt die weiße Steinplatte mit einem schlichten Kreuz und dem Schriftzug „Familie Nemecek“, der sich an den unteren Rand der Steinplatte schmiegt. An der Innenseite des linken Mauervorsprungs ist die Grablaterne versenkt – sie ragt nur geringfügig aus der Mauer hervor. Später wurde eine weitere Laterne direkt an der Vorderseite des Mauervorsprungs angebracht. Eine kleine marmorne Grabplatte mit den Namen und den Geburts- und Sterbedaten von Franz (18651936) und Rosa (1873-1934) Nemecek ist oberhalb der Laterne montiert. In neuerer Zeit wurde statt der runden weißen Mittelplatte ein Granitgrabstein mit folgender Inschrift angebracht: Josef Nemecek 31. 1. 1912 - 11. 1. 1962 Gernot Nemecek 4. 9. 1939 - 17. 8. 1979 Anna Nemecek 20. 3. 1909 - 21. 8. 1989 178

31 Das Grab heute.

In dieser Grabstätte wurden auch also Josef und Anna Nemecek mit ihrem erstgeborenen Sohn Gernot beerdigt. Das Grab ist heute im Besitz von Gernot Nemecek, Sohn des hier beerdigten Gernot.


Villa und Druckerei Faber, Krems Anton Valentin hatte bereits 1929 in Wieselburg für den BartensteinSchwiegersohn Karl Riedmüller gearbeitet, und zwei Jahre später für Luise Bartenstein Möbel entworfen. Nun nahm auch der zweite Bartenstein-Schwiegersohn, Dr. Herbert Faber (1894-1980; Jurist, Journalist, Buchdrucker und Verleger, verheiratet mit der ältesten Bartenstein-Tochter Fanny), Valentins Dienste in Anspruch. Vorerst, in den Jahren 1931-32, entwarf Valentin 01 Die Faber-Villa in Krems. Pläne für die Möblierung der FaberVilla. Möglicherweise fand Faber Gefallen an den Möbeln seiner Schwiegermutter Luise Bartenstein, deren Möbelpläne Valentins vom Jänner 1931 stammen. Valentins Zusammenarbeit mit Faber sollte sich aber auch auf den Innenumbau der Druckerei erstrecken – ein Projekt, das weitere Aufträge in Krems zur Folge hatte. Die Arbeit Valentins bei den Druckereiumbauten ist in seinem Tagebuch1 aus den Jahren 1936-37 ausführlich dokumentiert. Seine zahlreichen Fahrten nach Krems 02 Fanny Faber, geschahen meist auch in Verbindung mit den Folge- geborene Bartenaufträgen, dem Umbau des Tabakhauptverlages stein. und der Fassadenumgestaltung für das Schuhhaus Baumgartner. Josef Faber (*1849, +1921) kaufte 1883 in Krems dort folgenden Besprechung teilte Faber mit, dass das die Druckerei des Konsistorialrats Josef Kinzl. 1891 äußere Erscheinungsbild des Objektes unverändert übersiedelte die Druckerei von der Herzogstraße in die bleiben solle, jedoch im Inneren die notwendigen Obere Landstraße 9.2 Bauarbeiten für die Betriebsumstellung durchzuführen Mit 9. Jänner 1936 findet sich im Tagebuch Valentins seien und der Beginn der Arbeiten möglichst mit der erste Eintrag die Firma Faber betreffend. An diesem 1. April festgelegt werden soll. Im Februar hatte Tag übergab Valentin Dr. Faber das „Vorprojekt“, mit Valentin bereits die Einreichpläne fertiggestellt. welchem Faber „sehr einverstanden“ war und Valentin *Valentin zeichnete für die Innenausstattung der bat, am 24. Jänner nach Krems zu kommen. Bei der Druckerei verschiedenstes Mobiliar: Schrankeinbauten 179


03 Der Schreibtisch für wohlgeb. Frau Fanny Faber, 22. Oktober 1932.

04 Das Herrenzimmer für Dr. Faber, ohne Datierung. Im Zimmer sollten sich folgende Möbel befinden: 1: Flügel, 2: Schreibtisch, 3: Sessel, 4: Bücherschrank, 5: Tischchen, 6: Stühle, 7: Sitzbank, 8: (Regal für) Noten.

für das Schriftleiterzimmer, einen an eine Doppeltüre angebauten Schrank für Material und Kleider, eingebaute Regale am Treppenpodest, Regal-Einbauten unter der Treppe, eine Telefonzelle, eine Glaswand in der Maschinsetzerei etc.* Als Valentin am 27. März 1936 wieder nach Krems kam, besprach er mit Faber die Einrichtung des Chefzimmers, das in weiß-rot gehalten werden sollte. Im April 180

schickte Valentin den Plan für die Handsetzerei an Faber. Am 17. April bestellte Dr. Faber bei Valentin einen Küchenschrank und beauftragte die Planung eines Sitzplatzes im Garten. Diese beiden Aufträge bezogen sich zweifelsohne auf die Faber-Villa und waren im Mai 1936 fertiggestellt. Am 11. Juni besuchte Valentin Dr. Faber im „Alauthal“ (Alauntal) – wohl in seiner Villa.


07 Dr. Herbert Faber

Am 2. Juli 1936 hielt sich Valentin erneut in Krems auf und traf bei Faber Frau Luise Bartenstein, die ihm erzählte, dass in Wieselburg auf den Riedmüller- und Mathesgründen eine Siedlung erbaut werden solle – ein Beispiel dafür, wie Valentin wohl zu vielen seiner Aufträge kam: durch Mundpropaganda.

05 Das Mobiliar für das Herrenzimmer, November 1931. 08 Faber-Tochter Gerlinde Malek

Immer wieder erhielt Valentin kleine Aufträge von Faber – einmal ein Regal, dann wieder eine Garderobe, etc. Beim Projekt Faber arbeitete Valentin eng mit Baumeister Landertinger aus Krems zusammen. Im November 1936 verschickte Valentin endlich „die schon lange vorbereitete“ Rechnung an Dr. Faber und schloss damit das Projekt ab. Seine Tätigkeit in Krems nahm aber ihre Fortsetzung in den Projekten für das Schuhhaus Baumgartner und für den Tabak-Hauptverlag. 06 Die Einbauschränke für das Chefzimmer, 14. April 1936.

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Dr. Andreas Frank Wien/Petzenkirchen Grabmal Familie Frank Dr. Andreas Frank lernte den Architekten Anton Valentin vermutlich bei dem Bauvorhaben für den Vorschuss- und Sparverein in Petzenkirchen kennen, das bereits 1930 durchgeführt wurde. 1932 ließ sich Josef Mayrhofer das wunderschöne Gartentor nach Valentins Plänen errichten und im Jahr darauf fertigte Josef Schilberger nach den Plänen Valentins einen Gartenzaun mit Tor. Wahrscheinlich geht die Beschriftung des Frank-Grabsteins auf dem Friedhof in Petzenkirchen auf die Initiative Dr. Franks zurück, der sich später von Valentin Pläne für seine Wiener Röntgenordination und die anschließende Wohnung zeichnen ließ.

01 Das Frank-Grab in Petzenkirchen mit dem von Anton Valentin entworfenen Schriftzug.

Der Plan für die Grab-Inschrift trägt als Datum den 8. August 1932. Am 28. Oktober 1931 war Dr. Franks Vater Andreas (geboren 1878) verstorben, seine Mutter Paula, im gleichen Jahr geboren wie der Vater, lebte noch bis 1950. Wohnung und Ordination Dr. Andreas Frank, Wien, Mariahilferstraße 1 In der Aufstellung der dem Architekturzentrum übergebenen Unterlagen des Architekten Anton Valen182

02 Der von Anton Valentin entworfenen Schriftzug.


tin finden sich Pläne über die Ordination und die Wohnung von Dr. Frank aus dem Jahre 1935. Valentin zeichnete einen Aufnahmeplan von Wohnung und Ordination, sowie deren Grundrisse. Weiters gibt es Pläne für eine Ordinationsvariante und den Warteraum, einen Möblierungsplan, Skizzen von Beleuchtungskörpern und einer Kaminverkleidung in der Ordination. Wieweit Valentin diese Pläne realisiert hat, ist seinem Tagebuch zu entnehmen. Am 15. Jänner 1936 findet sich folgender Eintrag1: „Nachmittags bei Frau Frank, um die Interimsaufstellung der Rechnung zu übergeben. Dabei habe ich 03 Anni Frank, geborene Schellner. 04 Dr. Andreas Frank, 1947. festgestellt, dass im Warteraum die Potire vom Kamin durchgebrannt sein muss, weil sich am Putz Brandflecken zeigen. Ich da dieser ein Offert für einen Meller-Automat mit Kawerde mit Baumeister Klima und Meller (Anm.: Ofen- chelverkleidung wünschte. Bei beiden Terminen nofirma in Wien) darüber sprechen.“ Am 24. Februar tierte Valentin in Klammer die Zeit, die er bei Frank 1936 war Valentin abermals bei Dr. Frank, um mit ihm verbrachte. Das tat er immer, wenn er den Eindruck die Abrechnung zu besprechen. Am 3. März suchte er hatte, von einem Kunden besonders lange festgehalten das Indanthrenhaus – ein großes Einrichtungshaus für zu werden. Am 24. Juli kontrollierte Valentin den BauTextilien– auf, bezüglich der Rechnung für Dr. Frank. fortschritt bei Frank und stellte fest, dass die Tischler Am Nachmittag des 26. März ging er abermals in das und Glaser ihre Arbeit vollendet hatten. Indanthrenhaus, um mit Dr. Frank die Vorhänge für das Wartezimmer auszusuchen. Am 25. April 1936 rief Danach finden sich im Tagebuch keine weiteren EinträDr. Frank Valentin an und teilte ihm mit, dass er bei ge über das Vorhaben Dr. Franks. Im kommenden Jahr Thonet zwei Fauteuils und ein Tischchen auf den Na- 1937 war für Valentin das Bauvorhaben am Kahlenberg men Valentins bestellt habe. An diese Einrichtungsge- bestimmend und er wendete dafür sehr viel Zeit auf. genstände erinnerte sich Frau Lantin, die Tochter von Möglicherweise verfasste er über die kleineren AufträDr. Frank, in einem Gespräch. ge keine Notizen mehr. Am 18. Juni 1936 erschien Valentin in Begleitung des Fotografen Reiffenstein bei Dr. Frank, um – wie er schreibt – „Aufnahmen von der Ordination“ zu machen. In den letzten Juni-Tagen war Valentin mehrmals bei Dr. Frank, der ihm schließlich den Auftrag erteilte, die Wohnung in der Mariahilferstraße zu möblieren, sich um Licht, Malerei und Anstreicherei zu kümmern. Am 16. und 17. Juli war Valentin abermals bei Frank,

*Im Nachlass von Anton Valentin sind fünf verschiedene Grundrisszeichnungen für das Objekt von Dr. Frank zu finden. Nur zwei dieser Pläne sind datiert. Zuerst entstanden scheinbar jene Pläne, die lediglich die Ordinationsräume des Dr. Frank zeigen. Hierbei gibt es zwei Varianten, die sich in der Größe der Ordination unterscheiden. Der vermutlich erste Entwurf (Abb. 05) zeigt ein schmales Vorzimmer, von dem aus der Thera183


07 Die beiden Vorschläge Valentins: „Ordination alleine“ und „Ordination mit Wohnung“, 26. September 1935.

pieraum, das WC, die Dunkelkammer für die Röntgenaufnahmen, der Warteraum und der Ordinationsraum betreten werden können. Der straßenseitig gelegene Warteraum führt weiter in das Sprechzimmer. Weiters existiert ein Raum mit der Funktionsbezeichnung „Archiv (Therapie event.)“. Der zweite Entwurf (Abb. 06) zeigt eine etwas großzügigere Raumaufteilung mit einem großen Entree mit Blick in den Innenhof. Neben den Räumen, die bereits im ersten Entwurf vorgesehen waren, finden sich in diesem Plan ein zusätzlicher Warteraum und ein Bestrahlungsraum. Der Plan ist bereits sehr ausführlich gezeichnet und zeigt die Schutzzelle des Bestrahlungsraums, die genaue Platzierung des Bestrahlungsgeräts und des Durchleuchtunsaggregats, den Schalttisch für die technischen Geräte sowie die „Auskleidezellen“ für die Patienten. Wie im Tagebuch zu lesen ist, sollte Anton Valentin auch Dr. Franks Privaträume umgestalten. Dazu fer08 Der Warteraum der Ordination Dr. Franks.

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05 Der vermutlich erste Entwurf für die Ordinationsräume des Dr. Frank.

tigte er einen Plan, der in der Lösung A nur die „Ordination alleine“ zeigt und in der Variante B die „Ordination mit Wohnung“ (Abb. 07). Bei diesem Plan ist die grundsätzliche Lage der Frank´schen Wohn- und Arbeitssituation ersichtlich. Scheinbar benützte Dr. Frank das gesamte Stockwerk, das nach zwei Seiten hin in zwei unterschiedliche Höfe blickte und zur Straße mit sieben Fenstern geöffnet war. Dieser Plan zeigt im Gegensatz zu den vorherigen Entwürfen eine etwas kleinere Ordination, die beispielsweise kein eigenes Sprechzimmer beinhalten sollte. Dafür war ein großzügiger Privatbereich mit einen Durchgangszimmer zur Ordination, das mit „Diener“ bezeichnet wird, geplant. Neben Windfang, Küche und WC waren ein

06 Der zweite Entwurf für die Ordinationsräume.

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09 Der Meller-Kamin im Warteraum der Ordination Dr. Franks.

großes Vorzimmer, ein hofseitiger Schlafraum, eine Kammer (beide mit Zugang zum Badezimmer) und ein Spielzimmer, das mit einer breiten Tür zum Wohnzimmer geöffnet werden konnte, geplant. Valentin durchspielte alle Möglichkeiten der Raumkonstellationen und setzte in seinen unterschiedlichen Plänen die Ordination einmal an die linke Seite und einmal an die rechte. Letztendlich befanden sich jedoch Ordination und Wohnung in unterschiedlichen Stockwerken. Die farbige Möblierungsskizze des Warteraumes (Abb. 08) gehört jedoch eindeutig zu jener Variante, welche die Ordination hinter der rechten Fassadenseite des Hauses vorsieht. In diesen Plänen ist auch eine sehr ähnliche Möblierung vorgesehen. In einem Eck sollte sich der Meller-Kamin befinden, zu dem Valentin auch eine genaue Verkleidungs-Zeichnung anfertigte (Abb. 09). Im anderen Eck sind die im Tagebuch erwähnten Thonet-Sessel mit dem Tischchen. Um sich die Einrichtung besser vorstellen zu können, legte Va186

lentin Dr. Frank ein Schaubild der zentralen Sitzgruppe und der Eingangstüre zum Warteraum vor (Abb. 10).* Immer wieder beschäftigte mich die Frage, wie weitreichend das Netzwerk war, das Valentin – von Wieselburg ausgehend – aufbauen konnte. Im Zuge dieser Forschungen zeigte sich, dass Dr. Franks Wurzeln nach Petzenkirchen zurückreichten. Er war der Sohn von Andreas und Paula Frank, die in Petzenkirchen ein kleines Geschäft betrieben – dort, wo heute die Volksbank steht. Sein Bruder war Leo Frank, der später in Wieselburg ein Kaufhausimperium aufbaute. Dr. Andreas Frank wurde am 5. Dezember 1904 in Petzenkirchen geboren, besuchte dort die Volksschule und maturierte am Stiftsgymnasium Seitenstetten. Nach der Absolvierung seines Studiums fand er als Arzt Arbeit im Sofienspital in Wien, wechselte später in das Rudolfsspital, wo er Primarius und Vorstand der Röntgenabteilung wurde. Dr. Frank war mit der Wieselburgerin Anni Schellner verheiratet, deren Schwester Maria Lindwurm die Be-


10 Der Warteraum der Ordination Dr. Franks.

gründerin des Elektrogeschäftes Lindwurm am Hauptplatz 24 war, das bis zum Frühjahr 2011 existierte. Anni und Andreas Frank hatten einen Sohn namens Andreas und eine Tochter namens Gerheide (verehelichte Lantin), die mir freundlicherweise die Bilder ihrer Eltern zur Verfügung stellte. Sie erzählte mir, dass sich die Ordination in der Mariahilferstraße 1d im Mezzanin befand und die Wohnung im 2. Stock gelegen war. Dr. Frank hatte ein Ferienhäuschen und ein Segelboot in Lunz am See, wo die Familie den Sommer verbrachte. Anny Nemecek, die Tochter von Leo Frank, erinnert sich noch an „Onkel Andi“, der auf dem Rückweg von

Lunz stets auch seine Familie besuchte. Und immer hieß es: „Was sollen wir denn dem Andi zu essen geben, der hat doch immer Probleme mit dem Magen.“ Tatsächlich entdeckte Dr. Frank im Dezember 1969 selber, dass er an Magenkrebs litt. Dieses Leiden währte nur sehr kurz, denn er verstarb am 6. Jänner 1970. Sicherlich hatte Dr. Frank vom Rathausbau in Wieselburg, der regen Villenbautätigkeit und von den diversen Plänen Valentins für Petzenkirchen (1930-1933) Kenntnis. Wahrscheinlich griff er selber daher bei Bedarf auf die Dienste Valentins zurück. 187


Familie Mayrhofer Petzenkirchen Als ich den Plan für das Einfahrtstor zum Haus Mayrhofer sah, war ich etwas ratlos, gibt es doch in Petzenkirchen einige Familien Mayrhofer. Am naheliegendsten erschien mir, beim „Bärenwirt“ nachzufragen, wo mir der Chef Erich Mayrhofer den entscheidenden Tipp gab – nämlich mich an Erika Rüpschl zu wenden. Sie erzählte mir bei Kaffee mit Kuchen und Blick in das atemberaubende Blütenmeer ihres Gartens, dass ihr Großvater Josef Mayrhofer, Wirt im „Gasthaus zur Traube“, große Fässer in ihrem Elternhaus Petzenkirchen 63, dem „Kellerstöckl“, gelagert hatte. Zwischen dem Gasthaus zur Traube und dem Haus Nr. 63 waren – heute kaum vorstellbar – nur Felder und ein großer Obstgarten, die zur ansehnlichen Landwirtschaft des Gasthauses gehörten. Von Luise Mayrhofer, der Wirtin im Gasthaus zur Traube erfuhr ich, dass in den großen Fässern der Wein aus Straß im Straßertale gelagert wurde, wo die Familie heute noch einen Weinkeller besitzt. Im Kellerstöckl lagerten auch die Äpfel, die sorgsam in Seidenpapier gewickelt und in Kisten gepackt wurden, um sie nach Wien zu verkaufen. Josef Mayrhofer und seine Frau Wilhelmine hatten fünf Kinder: Wilhelm folgte dem Vater als Wirt im Gasthaus zur Traube, Alois wur188

02 Der Plan für das Einfahrtstor und die Eingangstüre zum Hause Mayrhofer, 10. Dezember 1932.

03 Zwei junge Mütter im Mayrhofer-Garten, dahinter das ValentinTor.

01 Erika Rüpschl im Juni 1941 – im Hintergrund ist das Gehtürl, das sich neben dem Tor befand, erkennbar.


04 Ein altes Bild vom Gasthaus zur Traube, dem Stammhaus der Familie Mayrhofer.

06 Josef und Wilhelmine Mayrhofer, Wirtsleute im Gasthaus zur Traube.

de der „Bärenwirt“ und Karl war Kinobesitzer in Herzogenburg und Traun. Ein trauriges Schicksal ereilte Wilhelmine, die auf die große Teufelsmühle bei Inzersdorf heiratete. Sowohl sie, als auch ihr Ehemann verstarben während des Krieges in einem Bunker an Typhus. Das fünfte Kind, Josef, erhielt das Haus Nr. 63, das „Kellerstöckl“ und den Steinbruch in Petzenkirchen. Später erwarb Josef Mayrhofer auch den Steinbruch in Wieselburg, an dessen Stelle sich heute der Teich hinter der Firma Ahrens befindet. Josef und seine Frau Ilse hatten drei Kinder: Erika (verehelichte Rüpschl), Manfred und Gerda (verehelichte Joppich). Nach dem frühen Tode von Josef Mayrhofer heiratete Ilse Herrn Fritz Stöger – dieser Ehe entstammt Tochter Friederike, verehelichte Reischl. Erika Rüpschl erinnert sich, dass ihr Elternhaus, also das „Kellerstöckl“, für damalige Verhältnisse sehr luxuriös ausgestattet war, denn es besaß bereits ein Badezimmer und die Räume waren mit schönen Parkettböden ausgelegt. Die Fassade des Hauses schmückte eine Darstellung von Siegfried, der den Drachen tötet.

05 Die Kinder von Josef und Wilhelmine Mayrhofer: Wilhelm, Josef, Wilhelmine, Karl und Alois.

Es lag sicherlich auf der Hand, dass Josef Mayrhofer die Bekanntschaft von Anton Valentin machte, baute dieser doch 1930 das in unmittelbarer Nähe zum Kellerstöckl gelegene Haus des Vorschuss- und Sparvereines, 189


07 Das alte Kellerstöckl mit dem Drachentöter auf der straßenseitigen Hausmauer.

heute Haus Scheiblauer. Das wunderschöne Eisentor, für das Valentin im Dezember 1932 Pläne zeichnete, befand sich exakt in der Verlängerung des Valentin-Gartenzaunes von Josef Schildberger, dessen Garten und Haus zwischen dem Vorschuss- und Sparverein und dem Haus Mayrhofer gelegen war. Anfang der 1950er Jahre wurde das Tor entfernt, weil die Einfahrt für das neu angeschaffte Kraftfahrzeug zu schmal war. Mitte der 1970er Jahre wurde das Haus Nr. 63 an den Petzenkirchener Pfarrer Zach verkauft, danach erwarb es Pfarrer Holzweber – heute ist es in Besitz von Helene Schäffler. Inneneinrichtung Mayrhofer Im Tagebuch Valentins findet sich der Eintrag, dass Valentin am 8. und 9. Dezember 1936 in Wieselburg weilte und unter anderem mit „Mayrhofer (Petzenkirchen)“ über einen Zimmereinrichtungsentwurf redete. Ob dieses Vorhaben das Kellerstöckl betraf oder ein Zimmer im Gasthaus zur Traube, ist nicht zu eruieren. 08 Heute ist das Kellerstöckl in Besitz von Helene Schäffler.

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Diverse Projekte Wieselburg Parzellierung Ötscherlandsiedlung Dem Sitzungsprotokoll der Stadtgemeinde Wieselburg1 vom 13. Mai 1932 ist zu entnehmen, dass die Bartenstein'schen Erben einen Parzellierungsplan für ihre Gründe, die zwischen Petzenkirchner Straße und Bahnhof gelegen sind, eingereicht haben. Bürgermeister Fahrner schlug aber vor, diesen Plan von Architekt Anton Valentin fachmännisch überprüfen zu lassen und ihn zu bitten, Vorschläge einzubringen, wie sich der Plan durch Ersparnis an Straßen- und Weganlagen günstiger gestalten ließe. Dieser Antrag des Bürgermeisters wurde einstimmig angenommen. Bereits am 26. Juli legte der Bürgermeister dem Gemeinderat den von Valentin erarbeiteten Parzellierungsplan vor. Laut Valentins Konzept konnte ein Drittel der Straßen und Wege eingespart werden. Valentins Plan wurde einstimmig angenommen. Es ist anzunehmen, dass Valentins Arbeit betreffend die Ötscherlandsiedlung somit beendet war.

01 Der Aufbauplan für die Siedlung Mitterwasser.

Parzellierung Brauereisiedlung In Valentins Tagebuch2 gibt es einen Hinweis auf ein weiteres Parzellierungsprojekt, um das er sich kümmern wollte. Am 2. Juli 1926 weilte er zum wiederholten Male in Krems, um seine Aufträge bei der Firma Faber zu erledigen. Bei dieser Gelegenheit machte ihn Luise Bartenstein darauf aufmerksam, dass angeblich in Wieselburg auf den Gründen der Familien Riedmüller und Mathes eine Siedlung gebaut werden soll. Beide Familien sind in die Verwandtschaft Caspar Bartensteins einzuordnen. Luise Bartenstein war die Ehefrau von Hans Bartenstein, der nach dem Tode Caspar Bartensteins Direktor in der Brauerei Wieselburg wurde, zuvor aber in der Kremser Brauerei tätig war.

Siedlung Mitterwasser Ein weiterer Parzellierungsplan aus dem Jahre 1943 findet sich im Archiv des Architekturzentrum Wien und betrifft das Projekt „Mitterwasser“. Betrachtet man Mitterwasser heute hinsichtlich seiner Siedlungen, so ist es jedoch unwahrscheinlich, dass Valentins Plan verwirklicht wurde. *Valentins „Aufbauplan Mitterwasser“ vom 2. Juni 1943 zeigt die bestehenden Häuser entlang der Bundesstraße und im Norden an der Erlauf. Im Kern der eigentlichen Siedlung sah er eine Mischung aus „geschossigen“ und „2geschossigen“ Häusern vor. Von der Bundesstraße sollten zwei Straßen abzweigen, die in einer Straßen-Schleife münden. An der Nordseite sollte sich diese Schleife öffnen und durch eine breite Straße

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02 Die Grundrisse der Reihenhaustypen in Mitterwasser, 2. Juni 1943.

mit der Mankerstraße verbunden werden. Die Häuser im südlichen Bereich waren als Einfamilienhäuser mit einem Gartenstück vorgesehen. Im nördlichen Bereich sollten einige wenige Reihenhäuser entstehen, die sich über bis zu vier Parzellen erstreckten. Es existieren keine Schaubilder oder Fassaden-Pläne, sodass nicht klar ist, wie die äußere Form dieser Häuser geplant war. Ein Grundrissplan zeigt jedoch den inneren Aufbau dreier Reihenhaustypen. Im Erdgeschoß sollten sich bei allen drei Typen ein Laden und eventuell eine Werkstatt befinden. Auch ein Zimmer bzw. ein Büro waren geplant. Das Obergeschoß war mit jeweils zwei bis drei Zimmern, Küche und Badezimmer als Privatbereich ausgelegt.* 192

Haus Wieselburg *Im Stadtarchiv Wieselburg fand sich ein Plan mit dem Titel „Bauvorhaben Wieselburg. Einzelhaus“, datiert mit 24. Mai 1949. Ein Stempel weist die Wiener „Gemeinn. Bau-, Wohnungs- u. Siedlungsgenossenschaft des Österr. Siedlerverbandes“ als Bauwerberin aus. Für eine Siedlungsgenossenschaft hatte Valentin bereits im Jahre 1930 ein Haus geplant, das jedoch in Wieselburg niemals realisiert wurde. Ob es sich bei den beiden Auftraggebern um dieselbe Genossenschaft handelt, ist nicht ganz klar, jedoch waren beide in Wien ansässig. Es wäre vorerst naheliegend gewesen, diesen Haustyp in einer von Valentin parzellierten Siedlung zu suchen, jedoch ist einerseits der zeitliche Abstand zu den Siedlungsplanungen zu groß, andererseits findet sich dieser Häusertypus heute weder in der Ötscherlandnoch in der Brauereisiedlung. Auch in keiner anderen Siedlung befindet sich ein ähnlich aussehendes Haus, sodass auch hier die Vermutung eines nicht realisierten Plans naheliegt. Bei dem vorliegenden Entwurf handelt es sich um einen zweistöckigen kleinen Bau mit Giebeldach, das ein Stück oberhalb der Traufkante etwas nach außen hin abgeknickt ist. An der Eingangsfront sind die Maueröffnungen zu einem eigenartigen, mittig platzierten Konglomerat zusammengefasst. Die beiden Fenster des Obergeschoßes sind nur durch wenige Zentimeter Mauerfläche voneinander getrennt. Die Haustüre und das kleine Fenster des Erdgeschoßes sind in ihrer Position an die Außenkanten der Fenster angepasst, während das Fenster und die Terrassentür im Erdgeschoß weitaus lockerer aufgeteilt sind. Die Ansicht der Seitenfassade zeigt drei kleine Fenster, eines davon etwas höhenversetzt. Dahinter verbirgt sich – ganz nach Valentins Stil der 1920er und 1930er Jahre – das Stiegenhaus. Das Äußere des Hauses weist einen sehr schlichten Gesamteindruck auf. Auch wenn die Schlichtheit scheinbar ein Charakteristikum von Siedlungshäusern darstellt, ist beim Vergleich mit den Siedlungshäusern der Feldgasse in Scheibbs aus dem Jahre 1929 ein enormer Unterschied zu vermerken. Die 20 Jahre älteren Entwürfe spiegeln den Anfang von Valentins Stil wider und sind von einer gewissen


03-05 Die Fassaden-Aufrisse für das„Einzelhaus Wieselburg“, 24. Mai 1949.

tenfront dementsprechend kleine Nebenräume wie das Stiegenhaus, das Badezimmer und das WC. Der Flur des Hauses führt in eine Wohnküche mit angrenzender Speisekammer, weiters in ein großes Zimmer und in eine Kammer. Diese wurde auf dem Plan mit Bleistiftstrichen erweitert, vermutlich sollte eine gartenseitige Terrasse entstehen. Im Obergeschoß des Hauses befindet sich neben einer Kammer und einem Vorraum ein besonders großes Zimmer, das beinahe die gesamte Breite und mehr als die Hälfte der Hauslänge einnimmt und mit zwei Fenstern versehen ist.*

Verspieltheit und einer Detailgenauigkeit geprägt. Auch wenn das Wieselburger Einzelhaus auf den ersten Blick schlichter und dezenter gestaltet erscheint, ist so mancher Gedanke Valentins – wie etwa das höhenversetzte Fenster des Treppenhauses – dennoch erhalten geblieben. Wie üblich liegen hinter den kleinen Fenstern der Sei-

Zugang zum Messegelände Ein weiteres Projekt, das vielleicht oder nur teilweise bzw. etwas abgeändert ausgeführt wurde, ist die Planung eines attraktiven Zugangs zum Messegelände in der Mankerstraße. *Der dazugehörige Plan von Anton Valentin trägt den Titel „Entwurf zur Regulierung des Platzes vor der Halle nächst der Mankerstraße in Wieselburg a.E.“ und stammt vom 5. Mai 1933. Zuvor hatte der Architekt am 11. Februar bereits eine „Aufnahme der straßenseitigen Grenze der Turner- u. Sängerhalle in Wieselburg“ verfasst. Aus diesem Plan 193


ist ersichtlich, dass sich entlang der Mankerstraße in geschwungener Linie ein Eisengeländer zur Abgrenzung des Messegeländes befand. Auf dem Gelände befanden sich zwei Bäume seitlich eines Gehweges, wovon einer bereits morsch war. Der Regulierungsplan Valentins sah vor, einen Teil der Mankerstraße aufzuschütten, die Begrenzungslinie zum Messegelände nach hinten zu setzen, sie teilweise zu begradigen und einen neuen Treppenabgang zu schaffen. In der Nähe der Brücke sollte ein separater „Abgang zum Waschplatz“ entstehen. Die neue Steinmauer sollte durch den Einsatz von runden Eckelementen ihre Starrheit verlieren. Besonders schön löste Valentin dies an der Ecke zur Karl-Stummer-Gasse, wo er ein halbrundes Element plante, in dessen Mitte ein bestehender Baum integriert werden sollte.* Im zentralen Bereich der Steinmauer sollten sich zwei Steinsteher befinden, die ein modern gestaltetes, schmiedeeisenes Tor tragen. Die Mauer wurde nicht in der von Valentin geplanten Art in Stein ausgeführt, sondern einfach betoniert. So blieb sie bis zum Jahr 2008 erhalten. Auch das Tor wurde scheinbar nicht nach Valentins Entwürfen gefertigt – auf den Bildern ist immer nur ein weitaus weniger attraktives Gitter zu sehen.

06 Der sanierte Volksfesteingang mit den Ehrengästen: links vorne halb verdeckt Wieselburgs Bürgermeister Trollmann, Bezirkshauptmann Dr. Hermann, LAbg.Willi Sigmund, Bruno Pittermann, schräg dahinter Kurt Leitzinger.

09 Der Messeeingang im Jahre 1933 – kurz davor entstanden Valentins Pläne.

07 Links: Eine behelfsmäßige Variante des VolksfestEinganges im Jahre 1930. 10 Rechts: Die Zeil zur Volksfestzeit im Jahre 1950, links der Messe-Eingang.

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08 Valentins Plan für die „Platzregulierung vor der Halle nächst der Mankerstraße“ vom 5. Mai 1933

Kino-Ausbau Ein weiterer Eintrag in Valentins Tagebuch betrifft den 8. und 9. Dezember 1936. An diesen beiden Tagen schrieb er seine Absicht nieder, mit Bruckner zu reden,

da sich hier „allenfalls ein Kino-Anbau“ ergeben könnte. Dieses Projekt, welches das alte Kino in der Mankerstraße betreffen sollte, kam jedoch mit großer Sicherheit nicht zustande.

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Josef Schildberger Petzenkirchen

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In Petzenkirchen war im Jahre 1932 das Haus des Vorschuss- und Sparvereines nach den Plänen Anton Valentins gebaut worden. Wenn sich nun die Frage stellen sollte, warum gerade Anton Valentin den Plan für dieses Haus zeichnete, so ist diese sehr leicht zu beantworten: Erstens hatte Valentin in der Nachbargemeinde Wieselburg das Rathaus gebaut. Zweitens aber hatte auch der Vorschuss- und Sparverein In Wieselburg im Jahre 1929 sein Gebäude nach den Plänen Valentins adaptieren lassen. Josef Schildbergers Haus liegt neben dem Sparkassenhaus, heute Scheiblauer, in Petzenkirchen. Schildberger hatte als Tischler berufliche Kontakte zu Valentin, denn dieser verkehrte, wie mir Paula Neubacher (geb. Schildberger) berichtete, öfters im Haus ihrer Eltern und freute sich jedesmal über eine Einladung zum Mittagessen. 1933 ließ Josef Schildberger von Valentin eine Einfriedung für seinen Garten entwerfen. Vermutlich war geplant, dass diese Einfriedung aus Eisenstäben gefertigt würde. Als Tischler fertigte sie Josef Schildberger aber aus Holz. Nach Valentins Plänen wurde nur die Straßenfront mit dieser Art von Gartenzaun versehen, an den anderen Seiten des

Grundstückes blieb die einfache Einfriedung mit senkrechten Holzsprossen bestehen. Paula Neubacher weiß heute noch, dass eine schöne Steinmauer den Gartenzaun trug, der vier Felder hatte, zwischen denen ebenfalls aus Steinquadern gemauerte Zwischenpfeiler standen. Zu Beginn der 1960er Jahre mussten Garten und Einfriedung dem Bau eines Kiosk weichen, in welchem die in der Tischlerei hergestellten Möbel ausgestellt wurden. Im Jahr 1962 stockten Helmut und Erika Schildberger den Kiosk auf und wohnten dort, bis ihr Haus in Breiteneich fertiggestellt war; danach wurde die Wohnung noch von Annemarie und Erich Schildberger benutzt – seit deren Umzug in das eigene Haus steht sie allerdings leer.

01 Erika Rüpschl mit ihrem Bruder Manfred vor dem Gartenzaun der Familie Schildberger.

03 Tischlerbuben mit Gerhard und Helmut Schildberger auf dem Tor der Valentin-Einfriedung.

02 Die Einfriedung nach den Plänen Valentins vom Garten aus gesehen.


04 Der Plan Valentins aus dem Jahre 1933. 07 Unten:Familie Schildberger: Josef (II., *1884; Sohn von Josef I. und Maria, geborene Handelsberger aus Ybbs; Bruder von Franz und Johanna), dahinter seine Tochter Paula aus zweiter Ehe (*1924, verehelichte Neubacher – ehemalige Bäckerei und Lebensmittelgeschäft am Hauptplatz Nr. 22 in Wieselburg; Mutter von Lore, Franz und Josef Neubacher), Sohn Gerhard (*1936, ebenfalls aus zweiter Ehe, verheiratet mit Hermine; Vater von Christian – Autohaus Schildberger), Anna (Josefs zweite Ehefrau, geborene Schweinzer aus Erlauf), Helmut Schildberger (*1938, verheiratet mit Erika; Vater von Petra, Roman, Sonja), Sohn von der dahinterstehenden Leopoldine (*1920, +2010, verehelichte Zeilerbauer und Tochter von Josef und seiner ersten Frau Barbara, geborene Gugler aus Erlauf, 1923 plötzlich verstorben). Sohn Josef (III., *1922, + 1993, Vater von Josef IV., Erich und Monika, verehelichte Tröscher) aus erster Ehe ist nicht im Bild.

05 Links oben: In der linken Bildhälfte befindet sich im Hintergrund das Haus des Vorschuss- und Sparvereines, davor das Schildberger-Haus, in dem Leopoldine ein Milchgeschäft betrieb. Vor dem Haus steht Josef Schildberger II. 06 Links unten: Das Schildberger-Haus mit den Fensterläden, daneben der neu erbaute Kiosk, an dessen Stelle sich früher der Garten mit der Einfriedung befand.

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Dollfuß-Denkmal Weinzierl In der Gemeinderatssitzung vom 22. August 19341 gab der Gemeindeverwalter Ing. Josef Pockberger bekannt, dass er an Architekt Anton Valentin eine Anfrage wegen der Errichtung einer Büste nach Bundeskanzler Dr. Dollfuß geschrieben habe. Nach Erhalt eines Kostenvoranschlages werde sich Pockberger bezüglich der Finanzierung mit den Außengemeinden ins Einvernehmen setzen. Weiters beantragte er, die Grestner Straße in „Dollfußstraße“ umzubenennen. Dieser Vorschlag wurde von den anwesenden Gemeinderäten Dr. Bauernberger, Fasching, Fritze, Latzelsberger, Oberriedmüller und Wieland einstimmig für gut befunden. In der Sitzung vom 13. Oktober 19342 stellte Dr. Bauernberger eine Nachfrage bezüglich des Denkmals. Gemeindeverwalter Pockberger teilte mit, dass das Denkmal bereits in Arbeit sei, er aber mit dem Ministerium noch wegen der Einweihung verhandle.

03 Im Jahre 1933 besuchte der in Texing geborene Dr. Engelbert Dollfuß (1892-1934) die Wieselburger Messe.

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02 Bürgermeister Ing. Josef Pockberger, Bürgermeister von 19. Dezember 1934 bis 18. Oktober 1935

Offensichtlich wurde in der Zwischenzeit für die Errichtung des Denkmales Geld gesammelt, denn im Protokoll vom 5. November 19343 gab Pockberger das Ergebnis der Sammlung bekannt. Demnach wurden in Wieselburg 1.030 Schillinge gespendet. Von den anderen Gemeinden seien noch keine Spenden eingegangen, berichtet er weiter. Das Denkmal kostete – bis Weinzierl gestellt – 1.000 Schillinge. Die Arbeiten für den Sockel, Gartenarbeiten etc. hoffte Pockberger durch das Einlangen weiterer Spenden bezahlen zu können. Zum Eröffnungstermin teilte der Gemeindeverwalter mit, dass zu einem Termin im Frühjahr oder zur Eröffnung der Schule (Anm.: Francisco Josephinum) die feierliche Enthüllung sein solle. Ursprünglich war die Rede von einer Dollfußbüste, nun aber war von einem Gedenkstein zu lesen. Möglicherweise überstiegen die Kosten für eine Büste die Finanzen der, wie es scheint, wenig spendenfreudigen Gemeinden. Im Protokoll findet sich noch ein interessanter Vermerk: „Dr. Bauernberger stellt den Antrag, dass im Falle der Herr Gemeindeverwalter zu jener Zeit nicht mehr dem neuen Gemeindetag angehören sollte, er in Anbetracht, dass er der Anreger des Denkmals


01 Das Dollfuß-Denkmal mit der Aufschrift „Österreich über alles, wenn es nur will“ befand sich neben der Schlosskapelle im Francisco Josephinum.

und eigentliche Erbauer desselben bei der Enthüllung jedenfalls die Festrede halten soll. Dieser Antrag wird von allen Herren beifällig angenommen.“4 Am 19. Dezember 19345 wurde Ing. Josef Pockberger einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Seine Amtszeit sollte nicht einmal ein Jahr dauern, denn am 18. Oktober 1935 musste er auf Weisung seiner Oberbehörde sein Amt zurücklegen. Seine Nachfolge trat am 23. Oktober 1935 Johann Fasching an. Am 12. April 19356 stellte Vizebürgermeister Dr. Bauernberger eine Anfrage betreffend das Datum für die Einweihung des Denkmales. Die Feier sei für 19. Mai in Aussicht genommen, der Bürgermeister werde in direkter Fühlungnahme mit den vaterländischen Verbänden die näheren Umstände der Veranstaltung besprechen. Dr. Kammerstätter schrieb zur Eröffnung am 19. Mai 19357: „Vor dem Denkmal defilierten Gendarmerieaspiranten der Gendarmerieschule auf der Schallaburg und 500 Mann der Freiwilligen Selbstschutzformationen (= Heimatschutz und Ostmärkische

Sturmscharen). Außer den Josephinern nahmen Vertreter der Behörden und 500 Zivilpersonen an der Feier teil. Der Gedenkstein wurde von der Lehranstalt Francisco-Josephinum in Obhut genommen.“ Nach einem Bericht von Dr. Kammerstätter stand der Dollfuß-Gedenkstein direkt neben der Schlosskapelle auf dem Gelände des Francisco Josephinums. Dass der Gedenkstein im Gelände der Schule aufgestellt wurde, bringt Dr. Kammerstätter in direkte Beziehung mit der Tatsache, dass sich Dr. Dollfuß sehr um die Verlegung der Schule von Mödling nach Weinzierl bemühte. Dollfuß wollte die Josephiner dem deutschnationalen Einfluss der Mödlinger Atmosphäre entziehen und suchte einen patriotischen Standort, den er scheinbar in dem ihm bekannten Wieselburg fand.8 Der Gedenkstein wurde vermutlich, wie viele seinesgleichen, im Jahre 1938 entfernt. Die Planzeichnungen Valentins zu diesem Denkmal waren nicht auffindbar. 199


Bertha Vogel Wieselburg Bertha Vogel war die Schwägerin von Julius Geissler und kannte natürlich aus diesem Grunde Anton Valentin. Ihr Vater Franz Vogel war mit seiner Gattin Josefine aus Böhmen zugezoge. Die Kinder Wendelin (*1882), Josefine (*1885, verehelichte Geissler), Bertha (*1887) und Franz (*1897) wurden bereits in Wieselburg geboren 1. Franz Vogel war Bahnmeister am Bahnhof Wieselburg. Anlässlich seines Todes schrieb der Erlaftal-Bote2: „Wieselburg. (Todesfall.) Freitag den 10. Februar l. J. starb in Wien Herr Franz Vogel, k. k. Bahnmeister in Wieselburg. Der Verblichene lebte seit dem Jahre 1876 in Wieselburg und erfreute sich ob seiner edlen Charaktereigenschaften allgemeiner Beliebtheit.“

01 Der bestens durchdachte Schrank für Bertha Vogel: links „Fächer für Wäsche verschiedenster Art“, darunter eine Lade und ein zurückgeschoben gezeichnetes Ablagebrett. Im Mittelteil befindet sich über der Kleiderstange aus Nickel ein Hutfach, darunter werden die Kleider aufgehängt, unten noch ein herausziehbarer Schuber (ladenartig) für Blusen, Pullover, Strümpfe etc. Im rechten Teil ein Stellfach für Likör etc., aber auch für Tinte. Daneben zwei Fächer für Bücher, darunter eine Lade für Dokumente, unter dieser eine weitere Lade für Geld etc., sperrbar. Dann spiegelbildlich wie links eine Lade ein Ablagebrett, zweckmäßig auch als Schreibplatte zu benützen und weitere Fächer.

Wo Bertha zum Zeitpunkt ihrer Möbelbestellung lebte, konnte ich nicht eruieren. Die Entwürfe Valentins für Berthas Möbel sind mit 30. Dezember 1935 datiert und beschränken sich auf einen Schrank. Dieser ist aber wahrhaft bestens durchdacht – Valentin verzeichnete im Plan sogar, für welche Zwecke die diversen Laden und Fächer zu verwenden sind. In Valentins Tagebuch findet sich am 11. Jänner 1936 folgender Eintrag: „Vormittags Vogel aus W. bei mir. Mit Möbelvorschlag einverstanden, möchte noch eine Art Frisiertischchen, 1 Hocker dazu. Matte bei Bettwand und Leiste und einen Kofferabsteller (klappbar).“ Bertha standen 1.000 Schillinge für die Möblierung zur 200

Verfügung. Sie bat Valentin, niemanden aus Wieselburg zur Offertstellung einzuladen, sondern nur zwei Wiener Firmen mit dem Auftrag zu befassen. Am 15. Jänner 1936 leitete Valentin die Ausschreibung an Tischler Müller weiter und am 21. Jänner lud er den Tischler Irmler zur Offertlegung ein. Offensichtlich wurde ein Monat später Müller mit der Herstellung der Möbel betraut. Ein weiteres Monat später suchte Valentin den Tischler auf, um die Furniere auszuwählen. Am 12. Mai kam „Fräulein Vogel“, wie der Architekt sie in seinem Tagebuch bezeichnete, zu Valentin nach Wien, um die Möbel zu besichtigen und Vorhänge, Teppiche und Luster mithilfe des Architekten einzukaufen. Weitere Einträge fanden sich im Tagebuch nicht.


Baumgartner Krems Wenig Freude handelte sich Valentin mit der Übernahme der Fassadengestaltung für das Schuhgeschäft Baumgartner in Krems ein. Am 26. April 1936 notierte Valentin in seinem Tagebuch1, dass er das Schaubild für den Fassadenumbau der Firma Baumgartner fertigstelle. Drei Tage später legte er seinem Auftraggeber den Entwurf vor. Am 4. Juni präsentierte er ihm bei einem Besuch in Krems ein zweites Projekt mit entsprechendem Kostenvoranschlag. Als Valentin am 2. Juli erneut nach Krems kam, um nach seinen Kunden Dr. Faber und Herrn Slatner zu sehen, traf er auch Herrn Baumgartner, der ihm mitteilte, dass er nach eigenem Entwurf bauen werde. Er zeigte Valentin ein Modell, das den Entwürfen des Wiener Architekten überaus ähnelte. Der Ärger Valentins 01, 02 Valentins Schaubilder für die Auslagengestaltung des Schuhhauses über diesen Gedankenklau schlug Baumgartner, ohne Datierung. sich in seiner Tagebucheintragung nieder: „[...] Dieses Modell ist aber zu meinem Erstaunen mein Projektentwurf. Auf meine merkte, dass Valentin am Apparat sei, suchte er verganz kurze Bemerkung über die absolute Gleichheit mit zweifelt nach einer Ausrede. Für Valentin aber war meinem Entwurf erwiderte er, er habe von jeher den es der Beweis, dass Baumgartner mit den von ihm Umbau so machen wollen! So eine Frechheit von dem bereitgestellten Kostenvoranschlägen arbeitete. Menschen! Im übrigen habe ich ihm die Idee gegeben Am 22. Juli kontaktierte Valentin schließlich den Modelle zu machen, ich habe als erster das Projekt mit Rechtsanwalt Dr. Gorodetzky, um sich in der Sache hohen Auslagen ausgearbeitet und ihm vorgelegt.“2 Baumgartner Recht zu verschaffen. Aber dieses UnterEine weitere Peinlichkeit ergab sich, als Baumgartner nehmen kostete Valentin viel Zeit, denn immer wieder irrtümlich Valentins Telefonnummer wählte und ihn traf er sich mit dem Rechtsanwalt, der schließlich Valenmit der Besorgung von Pflastersteinen beauftragte. Als tins Vertrauen verlor, als er zuviel Geld aus dem ausValentin diese Besorgung verweigerte, fragte Baum- ständigen Honorar von Baumgartner einbehielt. Als gartner, mit wem er denn eigentlich spreche. Als er be- Valentin im November 1936 wieder seinen Geschäften 201


in Krems nachging, stellte er fest, dass auf dem Schild am Portalbau Baumgartners als Entwurfsverfasser „Hirsch“ angeführt war. Dr. Gorodetzky drängte immer wieder, es nicht bei der Einforderung des ausständigen Honorars zu belassen, sondern einen Prozess gegen Baumgartner anzustreben. Valentin wollte sich jedoch infolge seiner wirtschaftlichen Lage nicht auf ein derartiges Abenteuer einlassen. Als Gorodetzky sah, dass bei Valentin keine Prozesskosten zu holen waren, betrog er ihn um schon bezahlte Honorare. Valentin notierte in seinem Tagbuch: „Nein, mit so einem Menschen arbeite ich nicht mehr; von dem hab ich genug – Schluss. Lieber soll sich der Baumgartner das Geld behalten, aber der Gorodetzky wird für mich keinen Schritt mehr tun dürfen.“ In der Folge suchte Valentin Hilfe bei Rechtsanwalt Dr. Hunna.3 Dieses unerfreuliche Beispiel zeigt, mit welchen Unannehmlichkeiten sich Valentin neben seiner kreativen und organisatorischen Arbeit befassen musste. Valentin war durch die Arbeit bei Dr. Faber (Schwiegersohn von Luise Bartenstein) mit Herrn Baumgartner bekannt geworden. Sein Auftrag zur Fassadengestaltung zählt daher zu den Folgeaufträgen der Wieselburger Arbeiten.

03 Oben: Die Schaufenster- und Passagen-Gestaltung nach Valentins Plänen, 24. April 1936. 04 Unten: Das Schuhgeschäft Baumgartner nach dem Umbau.

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Familie Geist Wien Wie schon erwähnt, ist der Auftrag für die Wohnungsplanung der Familie Geist auch auf Valentins Tätigkeit in Wieselburg zurückzuführen. Adelheid Geist (*1896) war die Tochter von Julie und Moritz Greger und mit Oberlandesgerichtsrat Dr. Salomon Geist verheiratet. Das Paar hatte eine Tochter namens Herta. Adelheid wurde 1942 in das Lager Izbica deportiert und überlebte nicht. Dr. Salomon Geist starb im Jahre 1940 in Wien. Herta entkam dem Tode durch einen Kindertransport nach England, wo sie heute noch als Mrs. 01 Der Plan für die „Einrichtung mit vorhandenen Möbeln“, 26. Mai 1936. Salusbury lebt.1 Auf die Familie Geist stieß ich – in 02 Dr. Salomon Geist 03 Adelheid Geist 04 Ilse Hilde Führer und ihre Cousine Zusammenhang mit Valentin – erst- Herta Geist mals beim Lesen des ValentinTagebuches der Jahre 1936-372. Am 13. Mai 1936 bat Dr. Geist Valentin, das Offert für den Safe an die schrieb Valentin, dass „Geist (Schwester von Greger)“ Wieselburger Adresse abzusenden. Im August 1936 angerufen habe. Dieser Eintrag brachte mich auf die wurde der Einbau des Safes der Firma Wertheim in entscheidende Spur. Bereits einen Tag später kam der Geist-Wohnung in Wien veranlasst. Wenige Tage Valentin zu einer Besprechung in die Wohnung der später kontrollierte Valentin vor Ort, ob der SafeFamilie und wurde beauftragt, die Möbelumstellung Einbau ordnungsgemäß erfolgt und die Malerarbeiten zweier Zimmer zu planen. Anfang Juni unterbreitete abgeschlossen worden waren. Im September wurden der Architekt seinem Auftraggeber Dr. Geist bereits bereits die ersten Tischlermontagearbeiten durchgeeinen Preisvoranschlag für die Rauminnenarbeiten führt. Im Oktober schließlich ging Valentin mit Frau wie Maler- und Anstreicherarbeiten und präsentierte Geist zu „Haas“, um dort Vorhänge, Karniesen und auch den Entwurf für einen Vorzimmerkasten. Am ähnliches einzukaufen. Am 5. November 1936 schrieb 15. Juni weilte Valentin erneut bei Familie Geist und Valentin die Rechnung für Dr. Geist und beendete wurde mit der Veranschlagung eines Kamins, zweier somit seine Arbeit für die Familie. Im Archiv des Vorzimmerschränke, eines Sofas für den Wohn- Architekturzentrums ist lediglich ein Plan definitiv raum und der bereits veranschlagten Maler- und An- dem Auftrag der Familie Geist zuordenbar. Dieser streicherarbeiten, die auf Bad und Küche ausgeweitet stammt vom 26. Mai 1936 und wurde mit „Wohnung: werden sollten, betraut. Tischler Korunka wurde mit Oberlandesgerichtsrat Dr. S. Geist, Wien 4. Einrichtung den entsprechenden Arbeiten beauftragt. Am 24. Juni mit vorhandenen Möbeln“ tituliert. 203


Tabak-Hauptverlag Krems Der Tabak-Hauptverlag befand sich im Gebäude Täglicher Markt Nr. 5 in Krems und sollte umgebaut und modernisiert werden. Sicherlich hatte der Betreiber, Herr Slatner, durch die Umbauten der Druckerei Faber von Architekt Valentin Kenntnis bekommen. Im Tagebuch Valentins1 ist zu lesen, dass Slatner am 27. Mai 1936 erstmals im Büro Valentins zu einer Projektbesprechung erschien. Offenbar war er ein Mann der Tat und der Praxis, denn er bat Valentin, auf Perspektivenzeichnungen zu verzichten und ihm lieber Varianten und Skizzen anzufertigen. Bereits am 4. Juni 1936 übergab Valentin das Projekt an Slatner, der prompt S 100,- bezahlte und die Einreichpläne orderte. Für die Planung der Inneneinrichtung sollte Valentin noch weitere S 150,- erhalten, die ihm Slatner am 11. Juni bei der Übergabe der Innengestaltungspläne ausbezahlte. Bei diesem Projekt arbeitete Valentin mit dem Kremser Baumeister Julius Oherr zusammen. Am 15. Juli weilte Valentin in Krems, um mit Slatner Details zu besprechen. Dieser wollte das Gewölbe im Geschäftslokal entfernen lassen. Als Stein für den Sockel schlug Valentin den Badener Stein vor, den er schon beim Grabmal der Familie Lossgott in Wieselburg verwendet hatte. Am 21. Juli reiste Valentin wieder nach Krems, um mit Slatner abermals Besprechungen zu führen. Dieser trug dem Architekten seine Wünsche betreffend die Geschäftseinrichtung vor. So sollte in eine Wandnische eine Vitrine eingebaut und eine Schreibstelle für die Kunden geschaffen werden. Beim Umbau des Hauptverlages war Valentin für alles verantwortlich: er holte die Offerte ein, kontrollierte den Fortgang der Bauarbeiten und besorgte Beschläge, Spiegel, Bodenbeläge, Verglasungen, die Paketablage, den Schirmständer und das „Tintenzeug“. Am 22. Dezember 1936 war die Erneuerung der Einrichtung vermutlich abgeschlossen, weil Valentin einen Fotografen für die Dokumentation seiner Arbeit bestellt hatte. An diesem Tag erfolgte auch der letzte Eintrag Valentins betreffend die Baustelle des Tabak-Hauptverlages. 204

01 Der nach Valentins Plänen gestaltete Außen-Umbau.

02 Oben: Im Bild rechts der alte Tabak-Hauptverlag 03 Darunter: der Umbau beginnt


04 Valentins Entwurf f端r den AuslagenUmbau, ohne Datierung.

05 Eine zweite Variante f端r die AuslagenGestaltung, 19. Juni 1936.

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06, 07 Ansichten der Innenausgestaltung, ohne Datierung.

08 Frau Latschnik und Herr Zauchinger – der Friseur von gegenüber, dem Valentin bei der Beschriftung seines Geschäftes behilflich sein sollte – vor dem Umbau des Hauptverlages.

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09 Die alte Einrichtung im TabakHauptverlag mit dem schรถnen Gewรถlbe

10 Verkaufsraumes in zwei Varianten, ohne Datierung.

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Familie Back St. Pölten Ein Jahr nach Beendigung der Arbeiten bei Familie Dr. Geist wurde Anton Valentin von Elsa und Ing. Wilhelm Back beauftragt, die Haus- und Wohnungsplanung für sie zu übernehmen. Elsa stammte aus Wieselburg und war die Tochter des gut situierten Kaufmannes Moritz Greger und seiner Frau Julie. Ing. Wilhelm Back (*22.Jänner 1885) war Regierungsoberbaurat. 1938 wohnte er mit seiner Frau Elsa (*17. September 1889) im Haus Theresienstraße 13 in St. Pölten. Elsa Back wurde am 17. Juli 1942 direkt von Wien nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ing. Wilhelm Back war bereits 1941 gestorben. Wahrscheinlich war das Ehepaar Back kinderlos.1 Über die Arbeiten Valentins bei Familie Back gibt das Tagebuch des Jahres 1937 Auskunft:2 Am 28. August 1937 reiste Anton Valentin nach St. Pölten, um das von Back gekaufte Haus und die Wohnung persönlich anzusehen. Es folgten ausführliche Gespräche über die Möblierung, über Heizung, Malerei, etc. An diesem Tag notierte Valentin wieder einmal die Uhrzeit, wie er es immer machte, wenn er meinte, dass seine Geduld und Zuwendung überbeansprucht wurden: 4:30 Uhr bis 21:30 Uhr! Das erschien sogar dem arbeitsamen

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02 Die Wohnungseinrichtung für Familie Back, 31. August 1937.

01 Vorne v.l.n.r.: Gitta Kohn (Tochter der Arztfamilie Kohn in Purgstall), Adelheid Geist (geborene Greger) und Elsa Back (geborene Greger). Dahinter stehend: Richard Führer, der Mann der Greger-Tochter Gisela, und Ing. Wilhelm Back im Jahre 1917.

03 „Ätztafeln für die Schiebetüre“, 12. Oktober 1937.


04, 05 Wohnungseinrichtung, 10. September 1937.

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Architekten, der auch an Sonn- und Feiertagen arbeitete, etwas zu lang. Im September 1937 hatte Valentin den Back-Entwurf fertiggestellt. Als Valentin bei der Firma Wienerberger Rücksprache wegen des Kamines bei Back halten wollte, fand er seine Möblierungspläne dort vor. Back hatte persönlich Erkundigun- 06 Sofa und Ohrenfauteil im Salon, 15. Oktober 1937. gen über einen Dauerbrandofen eingeholt und bei dieser Gelegenheit die Valentin-Pläne vorgelegt. Nach einigem Hin und Her bestellte Back einen Heizautomat und ersuchte Valentin um die Kaminausgestaltung, für welche dieser S 80,- erhalten sollte. Back wünschte über dem Kamin keine Malereien, wie sie modern waren, sondern eine, auf dem Kamin stehende Plastik. Ende Oktober reiste Elsa Back nach Wien, um sich mit Valentin zu treffen und die Karniesen zu bestellen. Bei dieser Gelegenheit teilte sie ihm mit, dass die Schiebetür nach den seinen 07 Der Herrenwäscheschrank, 6. Oktober 1937. Vorlagen mit Ätzglas vesehen werden sollte. Im November schickte Valentin einen Brief mit verschiedenen Linoleum- für das Ohrenfauteuil ein teurer Samtstoff gewählt, der Mustern an Back. Am 9. November reisten Elsa und pro Meter S 35,50 kostete. Für das Speisezimmer sollte Wilhelm Back nach Wien, um mit Valentin die Sessel ein preisgünstigerer Chenille-Stoff verwendet werden. für das Speisezimmer auszusuchen. Schließlich einigte Zur Auswahl der Beleuchtungskörper kam Ing. Back man sich auf ein Modell, dessen Preis S 85,- pro Sessel abermals nach Wien – dazu findet sich wieder eine betrug. Weiters wurde die Marmorplatte für den Tisch Zeitangabe in Valentins Tagebuch: „8 Uhr Früh bis im Salon ausgesucht und im Indanthrenhaus Vorhänge 14:15 mit Back Auswahl der Beleuchtungskörper bei eingekauft. Hugo Pragnan und bei Kaspar & Sic. Bei letzteren gekauft.“ Am 12. November reiste Valentin nach St. Pölten, um den Baufortschritt zu kontrollieren. Bei dieser Gele- Der letzte Tagebuch-Eintrag bezüglich Back stammt genheit kritisierte er den Einbau der Kaminverkleidung. vom 7. Dezember 1937. An diesem Tag war er im InValentin meinte, dass diese Arbeit keinesfalls von danthrenhaus, um die Stoffe für die Möbel zu besorgen. einem Hafner durchgeführt worden sei, sondern ein Da kein weiteres Tagebuch Valentins vorhanden ist, Pfuscher am Werk gewesen sein müsse. Valentin hatte ist auch ungewiss, wie lange Valentin mit den Backs Muster für Tapeten und Möbelstoffe mitgebracht, die Verbindung hatte bzw. ob er seine Pläne überhaupt von Familie Back ausgesucht werden sollten. So wurde vollenden konnt. 210


08 Die Schlafcouch mit Schrank für das Empfangszimmer, 4. Oktober 1937.

09 Die Kaminverkleidung für den eingebauten Meller-Automat, 22. September 1937. „Rückwand in profilierten Kacheln (Type 360) in Fantasieglasur, Umrahmung in glatten Kacheln, Glasur B“.

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Pläne für den Stadtkern Scheibbs Anton Valentin, der „Planer von Scheibbs“, wie ihn Bürgermeister Herok betitelte, wurde immer wieder von Scheibbsern für Um- oder Zubauten ihrer Häuser beauftragt. Die Bauvorhaben Valentins im Scheibbser Stadtkern umfassten folgende Projekte: Haus Löwenstein Undatiert ist der Entwurf für einen Dachaufbau des Hauses des Herrn Wilhelm Löwenstein. Löwenstein verfolgte den Plan Valentins aber scheinbar nicht – zu diesem Schluss kommt man, wenn man die Pläne Valentins mit dem heutigen Aussehen des Hauses vergleicht.

03 Das Haus Löwenstein mit dem Sgraffito von Sepp Mayrhuber, eines Schülers von Ferdinand Andri.

01 Das Geschäftshaus des Julius Grießler mit der Jahreszahl 1952 rund um das Giebelfenster geschrieben – jenem Jahr, in dem das Sgraffito auf dem Haus angebracht wurde. Ist dies der Ersatz für den Umbau nach Valentins Plänen?

02 Der von Valentin geplante Dachaufbau für das Haus Löwenstein, ohne Datierung.

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Die Wassergasse Architekt Anton Valentin verfasste auch einen Plan zur Neugestaltung der Wassergasse, das ist jene Gasse, in der sich heute das Sportgeschäft der Firma Pemsel befindet. Es war dies eine sehr schmale Gasse mit eng aneinandergerückten Häusern. Sie führte durch das Wassertor, das die Stadt erlaufseitig schützte. Im Jahre 1952 wurde die Wassergasse durch den Abbruch eines Hauses entscheidend verbreitert und die Einfahrt in die Erlauf, die „Schwemme“ genannt wurde, zugemauert1 In der Gemeinderatssitzung vom 12. Juli 19522 berichtete Bürgermeister Anton Herok, dass die Firma Julius Grießler Architekt Valentin den Auftrag erteilt hat, einen Plan über die Gestaltung der Wassergasse entlang der Liegenschaft Nummer 30 zu verfassen. Hierzu müsse, so hieß es, die neue Baulinie vom Gemeinderat festgelegt werden. Valentins Plan wurde nicht realisiert, sondern ein Entwurf, der zwei angedeutete Türme als Reminiszenz an das Wassertor und den Wehrturm aufweist.

05 Die Wassergasse mit jenen Bauten, die bei der Verbreiterung der Gasse abgetragen wurden. 04 Der Sanierungsplan für die Wassergasse mit Eckfront in der „Uferstraße“, Mai 1952. Strichliert eingezeichnet sind jene Bauten, die aufgrund der Verbreiterung abgetragen wurden, siehe Abbildung 05.

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06 Das Scheibbser Wassertor und der Wehrturm.

07 Die rechte Häuserzeile in der ehemaligen Wassergasse.

*Valentins Entwurf zeigt zwei Häuser, die durch eine niedrige Auslagenfront und ein anschließendes Tor miteinander verbunden sind. Diese Lösung erinnert ein wenig an die Auslagengestaltung des Kaufhauses Greger in Wieselburg. Auch dort wurde dem eigentlichen Haus eine einstöckige Auslagenfront vorgelagert und seitlich weitergezogen. Im Falle Scheibbs befand sich hinter der Auslagenfront ein Gartenhof, der durch das breite Einfahrtstor zugänglich gemacht wurde.

Zur „Uferstraße“ hin sollte ein zweigeschoßiger Eckbau mit weiteren großen Auslagenfenstern entstehen, der an ein bestehendes, einstöckiges Magazin grenzt. Am Obergeschoß dieses Neubaus sollte ein seicht hervorspringender, mit Rundbögen nach unten hin abschließender Risalit im Obergeschoß eine Malerei tragen. Um welches Motiv es sich handeln sollte, ist aus dem Plan nicht klar ersichtlich.*

08 Der Plan für die Hausgestaltung in der Wassergasse, Mai 1952.

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Haus Tastl In engem Zusammenhang mit der Wassergasse stand das Haus Tastl, denn es bildete mit dem Haus Anzenberger (heutige Volksbank) die Häuserfronten dieser sehr schmalen Gasse. Vom Haus Tastl, dem „Gasthaus zum Schwarzen Bären“, gibt es lediglich Aufnahmepläne, die aus dem Jahre 1939 stammen. Diese wurden Anton Valentin vom Scheibbser Baumeister Anton Traunfellner leihweise überreicht, wie ein Schreiben vom 30. November 1951 belegt.3 Es waren keine Entwürfe Valentins zum Haus Tastl zu finden. Das lässt den Schluss zu, dass der Eigentümer des Hauses sein Projekt der Hand Valentins entzogen bzw. gänzlich eingestellt hat. Möglicherweise erübrigten sich eventuelle Umbau-Pläne von Josef Tastl, nachdem ja bald darauf die Wassergasse gänzlich erneuert werden sollte.

10 Das „Gasthaus zum Schwarzen Bären“ – das Haus des Josef Tastl.

09 Das Schreiben Anton Traunfellners an Anton Valentin, 30. November 1951.

11 Die Situation heute.

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Haus Ehrenberger In der Gemeinderatssitzung vom 13. Mai 19534 wurde das Bauansuchen des Johann Ehrenberger, Dachdeckermeister in Purgstall, betreffend die Gestaltung beim Haus Hauptstraße Nr. 51 behandelt. *Die alte Ansichtskarte zeigt die Situation vor der Umgestaltung. Das Haus hatte eine sieben-achsige, einheitliche Fassade. Die getrennten Häuser waren jedoch bereits durch die beiden separaten Hauseingänge erkennbar. Valentins Plänen zufolge sollte der linke Teil modernisiert und dadurch optisch vom zweiten Teil getrennt werden. Auf dem Entwurf vom 4. November 1953 ist der alte Bauteil mit den Pilastern zwischen und den Gesimsen über den Fenstern deutlich zu erkennen. Die neue Fassade erhielt vier Achsen in den beiden Obergeschoßen. Die Achsen im Erdgeschoß rückten etwas aus der Linie, weil das Tor und die beiden Erdgeschoßfenster vom alten Baubestand beibehalten wurden. Im Erdgeschoß befanden sich neben der Durchfahrt in den Hof ein Ladenraum und ein Magazin. Die Treppen führten in das Obergeschoß mit dem Wohnbereich. Vom Treppenhaus aus war durch eine separate Tür das straßenseitige Büro zu betreten und über einen schmalen Gang das Badezimmer, das somit außerhalb des eigentlichen Wohnbereiches lag.

12 Oben: Umbau des Wohnhauses von Herrn Ehrenberger, 4. November 1953. 14 Rechts: Die heutige Fassade.

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13 Links das dreigeschoßige Haus Ehrenberger.

Sonderbarerweise war das Gebäude mit zwei Stiegenhäusern ausgestattet. So konnte die Wohnung über zwei Türen betreten werden. Im ersten Stock befanden sich außerdem ein Zimmer, zwei Kabinette und eine Küche. Im zweiten Stock waren zwei Wohnungen untergebracht, die separat zu begehen waren. Lediglich die beiden Badezimmer waren – analog zum ersten Stock – über einen Gang außerhalb der Wohnungstür zu erreichen. Die hofseitige Wohnung hatte nur ein Zimmer und eine Küche, die straßenseitige war um ein Zimmer größer.


Ein etwas früherer Plan zeigt im Erdgeschoß ein kleines Auslagenfenster anstatt der beiden hohen Fenster. Heute findet sich hier ein Geschäftseingang mit hoher Auslagenfront.*

fand, der den Umbau des Hauses Hauptstraße 51 – des Hauses von Johann Ehrenberger – zeigt.

Zurück zu Ehrenbergers Umbauplänen: Es wurde beschlossen, diese dem Gebietsbauamt III in St. Pölten zur Begutachtung vorzulegen. Die entsprechende Antwort wurde in der Gemeinderatssitzung am 22. Juni 1953 verlesen5: Die Fassade an der Straßenseite sollte demnach abgeändert werden können – es sei jedoch notwendig, dass diese Neugestaltung durch die besonders geschulte Hand eines Planers ausgeführt wird, da es sonst zu einer Beeinträchtigung des Straßenbildes kommen könnte. Es sei jedoch besser, heißt es weiter, die alte Fassade beizubehalten als neue architektonisch unbefriedigende Fassadenlösungen zu finden. Johann Ehrenberger wurde über das Schreiben des Gebietsbauamtes informiert und erklärte sich bereit, eine befriedigende Lösung durch eine „geschulte Hand“ zu finden. Diesem Versprechen kam Ehrenberger bis zur Gemeinderatssitzung am 5. August6 aber nicht nach, worauf der Gemeinderat die Ablehnung des geplanten Vorhabens beschloss. Rätselhaft ist daher, dass sich im Archiv des Architekturzentrums Wien ein Plan Valentins vom Oktober 1953

15 „Umbau Haus Ehrenberger, Hauptstraße 51. Fassadengestaltung des 1. u. 2. Stockwerkes“, 6. Oktober 1953. 16 Umbau des Wohnhauses von Herrn Ehrenberger, 4. November 1953.

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Rathaus Scheibbs Im Jahre 1952 feierte die Stadtgemeinde Scheibbs ihr 600-jähriges Stadtjubiläum. Zu diesem Anlass sollte das Rathaus in neuem Glanz erstrahlen. Neben geringfügigen Veränderungen an der Fassade wurden in den Amtsräumen verschiedene Umbauten vorgenommen. Speziell das Bürgermeisterzimmer sollte neu ausgestattet werden – war doch erst Mitte des Jahres 1950 Anton Herok als neuer Bürgermeister ins Amt gekommen. Am 28. Juni 19511 gab Bürgermeister Anton Herok bekannt, dass Anton Valentin die Pläne für den Umbau der Kanzleiräume im Parterre vornehmen und dafür kein Honorar verlangen werde. Im Protokoll der Sitzung des Scheibbser Gemeinderates vom 12. Juni 1952 ist unter Punkt 3 zu lesen2, dass der Bürgermeister berichtete, er habe mit Architekt Valentin betreffend

02 Oben: Das Rathaus in Scheibbs. Betrachtet man auf der alten Ansichtskarte die Fenster links und rechts des Wappens, so fällt auf, dass diese beiden Fenster früher höher als die anderen ausgeführt waren und oben mit einem Bogen endeten. Die Fensterteilung erfolgte durch eine Quersprosse im oberen Fensterdrittel – nach dem Umbau teilen zwei Quersprossen das Fenster in sechs gleiche Teile. 03 Darunter: Das Rathaus vor dem Fenstertausch.

01 Valentins Plan für die neuen Fenster des Gemeindeamtes, Jänner 1952.

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04 Der Vorentwurf für die Umgestaltung, 12. Juni 1951.

05 Der als „Zwischenetappe“ bezeichnete Zustand, 30. Juli 1951.

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06 Das Gitter für die Heizkörpernische ist heute noch im ehemaligen Bürgermeisterzimmer erhalten. 07 Der dazugehörige Plan vom 30. Juni 1952.

den Rathausumbau gesprochen. Valentin habe bereits eine Skizze für ein Pult in der Gemeindekanzlei und einen Schreibtisch im Bürgermeisterzimmer erstellt. Für das Bürgermeisterzimmer sollen zusätzlich noch Stühle und ein Mauersafe angeschafft werden. Die Kosten für den Mauersafe würden sich auf S 1.650,- belaufen. Das Pult werde bei der Firma Josef Purkert zum Preis von S 11.500,- in Auftrag gegeben. Es sollte auch eine Kassa in die neue Gemeindekanzlei kommen, deren Kosten sich auf S 1.000,- belaufen würden. Der Schreibtisch für das Bürgermeisterzimmer sowie zwei kleine Ablagetischchen würden bei der Firma Max Herok zum Preis von S 3.890,- bestellt. Den Auftrag für die Sessel der Type „Windsor“ 220

08 Der Plan für das Pult, 30. Mai 1952.


09 Valentins Plan für das Bürgermeisterzimmer aus Eiche, 6. Mai 1952.

10 Die Schränke des Bürgermeisterzimmers sind in die Wand versenkt. 11 Die Holzlamberie geht harmonisch in die Türnische über.

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12 Der Entwurf für den Schreibtisch aus Eiche, 5. Juni 1952.

erhielt die Firma Thonet in Wien. Die Beschaffung der Leuchtkörper erfolgte über die Firma J. T. Kalmar, die Färbelung der Fassade übernahm die Scheibbser Firma Hans Wurm. *Am 12. Juni 1951 fertigte Valentin einen Vorentwurf für die Umgestaltung der Amtsräume an. Ein weiterer Plan vom 30. Juli zeigt den alten Zustand, verbunden mit den Änderungsvorstellungen Valentins für die Raumaufteilung. Der Plan stellte sozusagen die „Zwischenetappe“ auf dem Weg zu den neuen Amtsräumen dar. Der erwähnte Vorentwurf vom 12. Juni 1951 zeigt einen langen, schmalen Vor- und Warteraum mit Sesseln und einer Sitzbank. Von hier aus führen Türen in das Material-Zimmer, in die Schreibstube und ins Sekretariat. Der Raum für den Parteiendienst, der die Verbindung zwischen Sekretariat und Gemeindebüro darstellt, ist nur mit einem Pult vom Vorraum getrennt. Zum Gemeindebüro hin ist der Raum für den Parteiendienst bis zu einer Höhe von 1,10 Meter mit einer Mauer abgetrennt, darüber befindet sich laut Plan eine Glaswand mit Sprossen. Das Sekretariat führt in das Bürgermeisterzimmer mit Einbauschränken, einer Sitzecke, einem Schreibtisch und einem Kamin.* Am 16. Juni 19523 wurde beschlossen, dass zur Deckung der Umbaukosten im Burgerhof 50 Festmeter Holz außerplanmäßig geschlägert werden sollen und die Ar222

13 Der Dachbodenfund: Der Schreibtisch aus dem Bürgermeisterzimmer, entworfen von Architekt Anton Valentin.

beiten jedenfalls vor der 600-Jahrfeier abgeschlossen werden müssen. In der Sitzung vom 12. Juli4 berichtete der Bürgermeister, dass bereits in der folgenden Woche das Mobiliar für das Bürgermeisterzimmer per Bahn oder per Auto geliefert werden würde. Im ehemaligen Bürgermeisterzimmer, das heute dem Standesbeamten zur Verfügung steht, zeigen sich noch deutlich und unverfälscht Valentins Spuren. So sind die Holzlamberie, die sich elegant zur Tür mit ihrer tiefen Leibung zieht und sie unbemerkt in das Ensemble einbezieht, und die eingebauten Kästen noch in hervorragendem Zustand. Auch der Kamin mit der Eisenvergitterung ist noch bestens erhalten. Nach einigen Recherchen war es mir gegönnt, mit dem Archivar Hans Schagerl den Dachboden des Rathauses auf der Suche nach dem ehemaligen Bürgermeisterschreibtisch zu erkunden. Es war ein besonderer Augenblick, als das alte Stück vor uns stand. Im Moment befindet sich der Schreibtisch in der Aula des Rathauses und entfaltet dort seine ganze Eleganz. Möglicherweise findet sich – wenn vielleicht auch nur zu Dekorationsgründen – wieder Verwendung für das historische Möbel, das in präziser Tischlerkunst gefertigt wurde.


Wohnhausanlage Uferstraße Scheibbs Am 27. Februar 1951 schloss die Stadtgemeinde Scheibbs mit dem Wiener Architekten Anton Valentin einen Vertrag zur Planung einer Wohnhausanlage in der Uferstraße. Im Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 9. April 1951 ist unter Punkt 5 zu lesen, dass der Beschluss über den Bau des Wohnobjektes in der Uferstraße gefasst werden solle1. Das Objekt solle in zwei Bauabschnitte gegliedert sein. Die von Anton Valentin angeforderten Pläne waren zu diesem Zeitpunkt bereits fertiggestellt. Das bedeutet, dass der Kontakt zu Valentin schon lange vor der Beschlussfassung bestanden haben muss bzw. die Planungsbeauftragung lang vorher erfolgte. Vorerst musste aber die Frage des Bauplatzes noch geklärt werden, da die an der Straße gelegenen Gärten, welche den Mietern der gemeindeeigenen Häuser Nummer 113 und 114 zur Benutzung überlassen worden waren, für den Bau der Wohnhausanlage nicht ausreichend waren. Es musste daher ein Grundtausch mit den Österreichischen Bundesbahnen durchgeführt werden. Dieser betraf den Grund, der direkt an das Haus Nr. 112 grenzte. Im Falle der Zustimmung der

01 Links die ehemalige Marktmühle, rechts der Schürhaglhammer, rechts davon das Haus Nr. 112 (Josef Nussbaumer), das ehemalige Postgebäude mit dem grünen Dach auf dem Türmchen und hinter dem Schlot des Hammers das heutige SPÖ-Haus.

02 Die Wohnhausanlage in der Uferstraße 3-5.

ÖBB zum Grundtausch könne sofort und unverzüglich mit den Bauarbeiten begonnen werden, heißt es im Protokoll. Bereits am 8. Mai 19512 langte der positive Bescheid der Österreichischen Bundesbahnen ein. Für den 5. Juni 1951 wurde Architekt Anton Valentin zu einer Aussprache bezüglich der Vergebung der Baumeisterarbeiten für den ersten Bauabschnitt nach Scheibbs eingeladen. Der Bau dürfte zügig vorangegangen sein, da bereits in der Sitzung vom 21. September 1951 beschlossen wurde, dass die Gleichenfeier für den ersten Bauabschnitt im Gasthaus Frech stattfinden wird. Am 30. Oktober3 wurde Dachdeckermeister Franz Drascher aus Wieselburg beauftragt, rasch und vor Einbruch des Winters die Eindeckung des Wohnbaues in der Uferstraße vorzunehmen. Die Glaserarbeiten wurden an die Firma Rupert Wenninger vergeben. An diesem Tag besichtigten die Gemeinderäte den entstehenden Wohnbau. Danach begaben sie sich in die Gemeindekanzlei und Gemeinderat Gattringer eröffnete die Debatte hinsichtlich der Pläne für den Bauabschnitt II und deren rasche Einreichung bei der Bezirkshauptmannschaft. Weiters verwies er auf die Notwendigkeit, rechtzeitig um die Kredite anzusuchen. Beim Bauabschnitt I, so führte Gattringer aus, sei das Ansuchen der Stadt Scheibbs beim Bundeswohn- und Siedlungsfonds verspätet eingelangt und es konnte daher der Beitrag von diesem Fonds nicht mehr gewährt werden. Anschließend wurde über die Größe der Woh223


nungen im Bauabschnitt II diskutiert. Hinsichtlich der „Einraumwohnungen“, die aus nur einem Zimmer mit Kochnische und Vorraum bestanden, entspann sich eine rege Debatte, deren Ausgang – so es einen solchen gegeben hat – im Protokoll nicht angeführt ist. In dieser Sitzung wurde Valentin auch mit der Planung und Bauüberwachung des zweiten Bauabschnittes betraut. Mit dem Architekten wurde auch ein Vertrag betreffend den Verbindungstrakt zwischen Postgebäude und Bauabschnitt I geschlossen. Am 11. September 19524 wurde der Bauabschnitt I fertig gestellt und es erfolgte die Übernahme des Baues durch die Gemeinde und den Architekten. Bei der Kollaudierung am 12. September wurden an den Fenstern, an einer Wohnungstür und am Beton in den Kellerräumen Mängel festgestellt. Der Gemeinderat beauftragte Architekt Valentin, sich mit den Professionisten in Verbindung zu setzen, um diese Mängel zu beheben. Das Haus Nummer 112 in der Uferstraße behinderte den Bau des zweiten Teiles der Wohnanlage. Die Liegenschaft musste daher von der Gemeinde erworben werden – sie sei, so hieß es, in sehr desolatem Zustand. Die minderjährigen Erben nach Josef Nußbaumer und deren Vormund erklärten sich bereit, das zu demolierende Haus der Stadtgemeinde zu verkaufen. Die Gemeinde erwarb es schlussendlich um S 47.800,-. Da die Stadtgemeinde durch das verspätete Einreichen um das Darlehen des Bundeswohn- und Siedlungsfonds beim ersten Bauabschnitt diese Gelder nicht mehr lukrieren konnte, eilte man nun, die Finanzierung des zweiten Bauabschnittes wie folgt unter Dach und Fach zu bringen:

04 Mitte: Das Gendarmeriehaus mit drei Mansardenwohnungen, die statt des Baues des Behelfsheimes entstanden. 05 Unten: Das ehemalige Gendarmeriehaus mit dem Mansardenausbau hinter der ehemaligen Marktmühle

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03 Das Gendarmeriehaus noch vor dem Mansardenausbau für die Umsiedlung für Bauabschnitt II.


S 200.000,- Förderung aus den Wohnbaumitteln der Landesregierung Niederösterreich S 250.000,- aus dem Bundeswohn- und Siedlungsfonds S 200.000,- Eigenmittel Als sich das Eintreffen der Gelder aus dem Bundeswohnund Siedlungsfonds verzögerte, sprachen Bürgermeister Anton Herok und Architekt Anton Valentin gemeinsam im Bundesministerium vor. Vor Baubeginn des zweiten Abschnittes mussten noch Ersatzwohnungen für die Bewohner des Hauses Nr. 112 gefunden werden. Hierin sehe ich einen Hinweis auf Valentins Plan für das „Behelfsheim Scheibbs“. Valentin hatte offensichtlich in Erwägung gezogen, als Ersatzquartier für die auszusiedelnden Parteien des Hauses Nr. 112 einen provisorischen Bau beim alten Friedhof aufzustellen. Da es sich dabei um einen Holzbau gehandelt hätte, wurde seine Errichtung mit der Begründung, dieser passe „stilmäßig nicht besonders

06 Der Tuffsteinbruch.

07 Valentins Plan für ein Behelfsheim mit drei Wohnungen in Skelettbauweise, 21. April 1952.

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08 Gemeinderat Josef Gattringer, Vorsitzender des Bauausschusses und Zimmermeister.

gut in die Gegend“, abgelehnt. Stattdessen beschloss man den Ausbau des Dachgeschoßes des gemeindeeigenen Hauses Nr. 42 nach den Plänen von Gemeinderat Gattringer. Der Bürgermeister nahm dazu wie folgt Stellung: „Meine Damen und Herren, Vor längerer Zeit haben wir über den Beginn des II. Bauabschnittes an der Uferstraße gesprochen. Wir müssen uns daher heute schlüssig werden, ob wir heuer noch mit diesem Bauabschnitt beginnen. Die Situation ist gegenwärtig so, dass die Stadtgemeinde Scheibbs vom Land S 260.000.- und vom Bund S 460.000.- als Darlehen zugesichert erhalten hat.

09 Der Lageplan der Wohnhausanlage mit den beiden Bauabschniten, Oktober 1951.

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10 Bürgermeister Ignaz Höfinger.

Ich bin mir darüber klar, daß wir nicht in der Lage sind, Mittel aus dem ordentlichen Haushalt zu diesem Vorhaben zur Verfügung zu stellen. Ich bin mir aber auch darüber klar, daß wir gerade heuer, wo wir die 600 Jahrfeier der Stadterhebung begehen, trachten sollen, unseren Mitbürgern wieder Wohnungen zu geben. Obwohl bereits in den Jahren 1938-1945 von der damaligen Gemeindevertretung ein Eingriff in unseren Waldbestand gemacht wurde, kann festgestellt werden, daß wir trotzdem noch einen verhältnismäßig guten Bestockungsgrad haben. Ein eventueller außerordentlicher Eingriff auf den Waldbestand würde uns die Möglichkeit geben, heuer noch mit dem Bau be-

11 Valentins Plan für den zweiten Bauabschnitt, Oktober 1951.

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12 Der Grundriss des Erdgeschoßes, Oktober 1951.

ginnen zu können. Voraussetzung ist jedoch die Unterbringung der im Hause Scheibbs Nr. 112 wohnenden Mietparteien. Es soll kein Ersatzbau aufgeführt werden, sondern es sollen einige Mansardenwohnungen im Gendarmeriegebäude (Haus Nr. 42) ausgebaut werden. Nach Mitteilung des Gemeinderates Gattringer dürfte es sich bei der geplanten Holzschlägerung um rund 800 Festmeter handeln, wodurch die Mittel erreicht werden, den II. Bauabschnitte zu ermöglichen. Weiters erklärte mir der Genannte, daß noch verfügbarer Waldbestand da ist. […]5“. In der Sitzung vom 20. Juni 1952 berichtete der Bürgermeister, dass am 10. Juni eine Waldbegehung mit Forsttechniker Ing. Krendelsberger stattgefunden habe und festgestellt worden war, dass der Holzvorrat beträchtlich sei. Die Altersklassenverhältnisse seien unausgeglichen überaltert und eine Schlägerung von 1.500 bis 1.800 Festmetern tragbar. So wurde in dieser Sitzung der Beschluss gefasst, im Grubtal im Burgerhof 228

800 bis 900 Festmeter Holz zur Vorfinanzierung des zweiten Bauabschnittes schlägern zu lassen. Am 27. Juni 19526 lieferte die Firma Rauscher die Eingangstüren für den Bau. Valentin ordnete auf der Stelle deren Rücksendung an, da sie nicht den Abänderungsplänen entsprechend hergestellt wurden. Die Neuanfertigung dieser Türen dauere mindestens 14 Tage, so ist es festgehalten. Weiters ist zu lesen, dass „die Bevölkerung die Professionisten durch ihre Neugierde an der Arbeit hindere und deshalb die Anbringung der Türen unbedingt notwendig sei“ – sie sollen nach Erhalt der dem Plan entsprechenden Türen ausgetauscht werden. Im Sitzungsprotokoll vom 12. Juli 19527 ist zu lesen, dass Architekt Valentin aufgefordert werden soll, den Bauabschnitt I abzurechnen und den Bauabschnitt II zu übernehmen und die Kostenvoranschläge einzuholen.


13 Der Grundriss für den 1. Stock, Oktober 1951.

Mit 8. September gewährte der Bundeswohn- und Siedlungsfonds ein Hypothekardarlehen für den Bau der Wohnungen im Bauabschnitt II in der Höhe von S 460.000,-. Das Darlehen war in gleichbleibenden, im Vorhinein jeweils am 1. Jänner und 1. Juli eines jeden Jahres fälligen Annuitäten zu tilgen. Die Verzinsung betrug 1%. Als Bauaufsichtsorgan des Bundeswohnund Siedlungsfonds wurde Hofrat DI Otto Kollarz vom Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau bestellt. Vom Land Niederösterreich wurde nun ebenfalls ein Hypothekardarlehen in der Höhe von S 260.000,- gewährt, welches für 20 Jahre unverzinslich und gleichbleibend in Vierteljahresraten mit jährlicher Tilgungsquote von 2,5% zurückgezahlt werden musste. Am 21. November 1952 wurden die Bewohner des Hauses Nr. 112 in das gemeindeeigene Haus Nr. 42 umgesiedelt. Da das Jahr schon fortgeschritten war, wurde von einer Abtragung des Hauses Nr. 112 per Hand abgesehen und die Firma Traunfellner beautragt,

das Haus zu sprengen. Die Kosten für die Demolierung inklusive Abtransport des Schuttes betrugen S 8.000,-. Vor der Sprengung entfernte die Stadtgemeinde noch brauchbare Ziegel und Holzteile – so wurden aus dem Haus 15 m3 Tuffstein kostenlos an den Siedler Hans Trauner abgegeben. Es handelte sich dabei sicher um „Neustifter Tuff“, der früher ein gängiges Baumaterial war und aus dem alle Steinbrücken über die Große Erlauf gebaut sind. Da die Firma Anton Traunfellner die alleinige Bieterin für die Errichtung des Bauabschnittes II war, wurde ihr der Auftrag erteilt. In der Sitzung vom 23. Dezember 19528 wurde berichtet, dass Stadtbaumeister Anton Traunfellner Schwierigkeiten mit der Beschaffung der Ziegel für den zweiten Bauabschnitt hätte. Es gäbe, so berichtete er, nur eine Möglichkeit – nämlich die Ziegel von der Firma Wienerberger Ziegelwerke zu beschaffen. Dies habe aber eine Verteuerung von S 8.000,- zur Folge. Der Bürgermeister erteilte ihm – 229


14 Der Grundriss für den 2. Stock, Oktober 1951.

angesichts der Dringlichkeit des Baues – die Erlaubnis, die überteuerten Ziegel anzuschaffen. In der Folge sei über die Aufzeichnungen im Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1953 berichtet: In der Sitzung vom 8. Jänner 19539 berichtete unter Punkt 1 der Obmann des Bauausschusses, Gemeinderat Gattringer, über die dringende Notwendigkeit der Baufortführung beim Wohnhausbau in der Uferstraße, Bauabschnitt II. Sie trage, so die Ausführung Gattringers, einerseits zur Minderung der Arbeitslosigkeit im Ort und andrerseits zur schnelleren Beendigung des Baues bei. Es sei vorteilhaft, wenn der Bau im Frühjahr gründlich austrocknen könne und – falls es möglich sei – im April raste. Die finanziellen Mittel seien fast gesichert und Baumeister Anton Traunfellner erkläre sich bereit, mit der ersten Abschlagszahlung zuzuwarten. Im Anschluss berichtete Gemeinderat Gattringer über 230

den Vertrag mit Baumeister Traunfellner hinsichtlich der Baumeisterarbeiten, wobei festgelegt wurde, die Bautätigkeit bei 8 Grad Kälte einzustellen. Über Vorschlag des Architekten Valentin wurde der Bauvertrag mit Anton Traunfellner angenommen. Die Erd-, Baumeister- und Eisenbetonarbeiten für den Bauabschnitt II schlugen sich mit S 753.638,- zu Buche. Laut Schlussbrief hatte Anton Traunfellner von dieser Bausumme einen Nachlass von S 36.972,- gewährt, sodass die Summe schlussendlich S 716.866,- betrug. Die Kosten sollten folgendermaßen beglichen werden: S 50.000,- bei Unterfertigung des Bauschlussbriefes S 60.000,- nach Vollendung der Kellergleiche S 60.000,- nach Vollendung der Erdgeschoßgleiche S 60.000,- nach Vollendung der 1. Stockgleiche S 60.000,- nach Vollendung der 2. Stockgleiche Der Rest nach Legung der Abrechnung.


15 Der Grundriss des Dachgeschoßes, Oktober 1951.

Bei der Gemeinderatssitzung am 21. Jänner 195310 war Architekt Anton Valentin anwesend und berichtete über den Bauabschnitt I sowie den Zubau zum Postgebäude: Gegenüber dem Voranschlag seien bei diesem Bauvorhaben Mehrkosten in der Höhe von S 40.850,- erwachsen – die Wirtschaftlichkeit sei bei dieser Baukostensumme dennoch gewahrt. Beim Bauabschnitt I wären 2.402 m3 und beim Zwischentrakt zum Postgebäude 485 m3 umbauter Raum zu verzeichnen.

er mit 1.578 bezifferte, ermessen. Valentin erwähnte auch den großen Umfang der Schreibarbeiten sowie die Arbeiten der Firma Josef Gattringer, welche bei der Endabrechnung sehr niedrig angesetzt waren.

Beim Wohnhausbau betrug der Durchschnittspreis S 277,- und beim Zwischentrakt S 222,- je Kubikmeter des umbauten Raumes. Je Quadratmeter Wohnfläche war ein Baukostenaufwand von S 1.364,- erforderlich. Eine Wohneinheit kam daher durchschnittlich auf S 70.000,- zu stehen. Das Ausmaß der Arbeiten Valentins für das Bauvorhaben lässt sich in der Angabe seiner Stundenzahl, die

In der Sitzung vom 28. Februar 195311 berichtete Bürgermeister Herok über die Notwendigkeit, zwischen der Stadtgemeinde Scheibbs und Architekt Valentin in Anlehnung an den Vertrag für Bauabschnitt I einen Vertrag für Bauabschnitt II abzuschließen. Valentin sollte demnach für die gesamte Bearbeitung der Pläne zuständig sein und die technische und künstlerische Oberleitung der Bauführung für den Bauabschnitt II

Der Bürgermeister bedankte sich nach Ende der Ausführungen Valentins bei diesem für die Liebe und Sorgfalt, welche er bei dem Bauvorhaben aufgebracht habe und gab der Hoffnung auf weitere gute Zusammenarbeit Ausdruck.

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16 Die Wohnhausanlage in der Uferstraße. Im Vordergrund der Verbindungstrakt zum früheren Postgebäude.

17 Die hofseitige Fassade.

innehaben. Sein Honorar wurde mit einer Fixsumme von S 48.500,- vereinbart, zu welcher der Architekt noch die Kosten für Lage- und Höhenpläne, Stempelgebühren, Fernsprechgebühren und die Fahrtspesen sowie eine Tagesentschädigung laut dem geltenden Satz der Architektengebührenordnung erhalten solle. Diese Vertragsvereinbarung wurde vom Gemeinderat einstimmig angenommen.

Installationsarbeiten die Firmen Pfundtner und Winter aus Scheibbs sowie die Firma Schwarz aus Gresten, für die Wasserleitungsinstallationsarbeiten die Firmen Wilhelm Sykora aus Scheibbs und Andritz aus Pöchlarn, für die Maler- und Anstreicherarbeiten die Firmen Wurm und Adler aus Scheibbs, für die Dachdeckerarbeiten die Firmen Ehrenberger in Scheibbs und Drascher in Wieselburg.

Der Gemeinderat von Scheibbs befasste sich am 20. März 195312 mit der Vergabe der Professionistenarbeiten. An der Anbotlegung für die Tischlerarbeiten beteiligten sich die Firma Steyringer aus Wien, Firma Gstettner aus Scheibbs und Firma Rauscher aus Hausmening. Das billigste Anbot kam von der Firma Rauscher. Nachdem sich jedoch Vizebürgermeister Bauer und Gemeinderat Gattringer für die Heranziehung eines ortsansässigen Betriebes aussprachen und sich Karl Gstettner bereit erklärt hatte, einen 3%-igen Nachlass auf die Anbotsumme zu gewähren, erhielt seine Firma den Zuspruch mit einer Bausumme von S 68.474,-. Weiters wurde beschlossen, dass folgende Professionisten zur Anbotlegung eingeladen werden sollen: Für Spenglerarbeiten die Firmen Richard Bruckner und Anton Wedlich in Scheibbs, für die Elektro- und

Wie sparsam mit elektrischen Anschlüssen umgegangen wurde zeigt folgende Notiz im Protokoll: „Ferner wurde beschlossen, für den Kraftstrom die hierzu erforderlichen Rohre verlegen zu lassen. Von einer Kraftstromzuleitung wird aus Ersparungsgründen vorläufig Abstand genommen, nachdem sich jeder Mieter, falls er einen solchen benötigt, durch die Rohrverlegung jederzeit ohne weitere Umstände diesen einleiten lassen kann. Ebenso wurde beschlossen, im Schlafzimmer bei den Betten einen Auslaß und eine Steckdose, in der Wohnküche einen Auslaß und zwei Steckdosen und in der Kochnische einen Auslaß und einen Stecker anzubringen.13“ Am 21. April 195314 vergab der Gemeinderat folgende Aufträge an Professionisten: Die Spenglerarbeiten


sollte die Firma Richard Bruckner zur Auftragssumme von S 12.203,- vornehmen (Fa. Wedlich S 13.185,-). Die Stufen- (S 11.099,-) und Terrazzoarbeiten (in Wohnküche, Bad und Klosett S 15.084,-) übernahm Firma Ehrlich in Scheibbs, die Maler- und Anstreicherabeiten (S 28.080,-) führte die Firma Wurm durch, die Wasserleitungsinstallationen die Firma Sykora (S 15.559,-). Architekt Valentin wurde gebeten, mit diesen Firmen den diesbezüglichen Schlussbrief zu vereinbaren. Der Obmann des Finanzausschusses, Gemeinderat Burkhard, brachte ein, dass es günstig wäre, wenn Valentin die Schlussabrechnungen für das Bauvorhaben teilweise erst 1954 zur Anweisung bringen könne, nachdem die Deckung der Mittel noch nicht zur Gänze sichergestellt sei. Am 8. Mai waren endlich auch die Anbote für die Elektroinstallationen eingetroffen, wobei die beiden Scheibbser Firmen Winter und Pfundtner die gleichen Preisvorstellungen hatten. Da aber Pfundtner bereits im Bauabschnitt I die Arbeiten zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt hatte, wurde die Firma abermals mit den Arbeiten beauftragt. Am 19. Mai 1953 wurde im Gemeinderat die Gleichenfeier für den Rohbau des Bauabschnittes II beschlossen. Sie sollte im Gasthaus Kaplaner stattfinden. Die Behebung der Mängel, die im Bauabschnitt I aufgetreten und von Anton Valentin schriftlich an den Gemeinderat übermittelt worden waren, wurden bis 15. August 1953 behoben.15 Außerdem sollte Valentin auf Wunsch der Stadtgemeinde drei Skizzen betreffend den Blumenschmuck für die Wohnhausanlage übermitteln. Der Entwurf für ein zweiflügeliges Torgitter und eine Gehtüre für den Trakt zwischen Post und Bauabschnitt I wurden vom Gemeinderat am 27. August zur Kenntnis genommen und die Firma Ignaz Potzmader mit der Ausführung betraut. Die Eröffnung des Wohnhausbaues in der Uferstraße wurde mit 29. November 1953, 14:00 Uhr festgesetzt16. Die geschäftsführenden Gemeinderäte, der Bauausschuss, die am Bau beteiligten Firmen sowie Vertreter des Bundes, des Landes und der Bezirkshauptmannschaft sollten dazu eingeladen werden.

18 Der Verbindungstrakt zwischen dem früheren Postgebäude und der Wohnhausanlage.

Anschließend an die Gemeinderatssitzung vom 7. Dezember 1953 wurden die Wohnungen im Neubau in der Uferstraße, damals Haus Nr. 200, vergeben. Im Verbindungstrakt zwischen der ehemaligen Post und der Wohnhausanlage ist eine weiße Marmortafel mit folgender Inschrift angebracht: Errichtet von der Stadtgemeinde Scheibbs 1951-53 mit Hilfe des Bundeswohn- und Siedlungsfonds und der Niederösterr. Landesregierung unter Bürgermeister Anton Herok Baureferent GR Josef Gattringer Finanzreferent GR Johann Burkhard Planung und Leitung Dipl. Arch. Anton Valentin Bauausführung Stadtbaumeister Anton Traunfellner 233


Kapuzinerplatz Scheibbs Die Aufzeichnungen über die „Regulierung des Kapuzinerplatzes“ in Scheibbs nach den Plänen von Architekt Anton Valentin beginnen in der entsprechenden Mappe im Stadtarchiv, wie auch im Gemeinderatsprotokoll mit dem Thema 01 Der Kapuzinerplatz mit dem Kloster. „Wegweiser“. Betreffend die Herstellung eines dreiteiligen Wegweisers für die Stadt Scheibbs schickte Prof. Ferdinand Opitz, aka- und erklärte die Gestaltung des Wegweisers: Er soll in demischer Bildhauer in Wien XII in der Tivoligasse Richtung Wien die Figur des lieben Augustin zeigen, 76, am 2. April 1953 aufgrund der Besprechung mit in Richtung Mariazell eine Schar betender Menschen Architekt Anton Valentin einen entsprechenden Kos- und im Hintergrund die Basilika und in Richtung St. tenvoranschlag. In diesem schrieb er, dass der Preis Georgen den Hl. Georg mit dem Drachen. für eine Kunststeinausführung des Wegweisers, laut Die genaue Höhe und Größe des Wegweisers würde vorgelegter Skizze gefertigt, 9.000 Schilling inklusive anhand einer naturgroßen Schablone vorort in Künstlerhonorar betrage. Transport und Aufstellung Augenschein genommen werden. seien von der Stadtgemeinde zu übernehmen – der Die Her- und Aufstellung des Wegweisers erfolge unter Preis gelte für die Herstellung in der Werkstätte in Leitung des Zivilarchitekten Anton Valentin, Wien 9, Wien XI, Simmeringer Hauptstraße 325. und des akademischen Bildhauers Professor Ferdinand Im Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 8. Mai Opitz, Wien 12. Die Gesamtkosten einschließlich Trans19531 ist zu lesen, dass Bürgermeister Anton Herok port und Aufstellung beliefen sich auf ca. 15.000 den persönlichen Wunsch hegte, am Kapuzinerplatz ei- Schilling. Die Stadtgemeinde Scheibbs bat in diesem nen 2,5 m großen, aus Kunststein geschliffenen Weg- Brief die Landesregierung um Subventionierung des weiser anzubringen. Offensichtlich hatte der Bürger- Projektes in der Höhe eines Drittels der Summe. meister diesen Wunsch erst nach Einholung des Kostenvoranschlages öffentlich ausgesprochen. Von den Am 19. Mai2 berichtete Bürgermeister Herok dem Geanfallenden Kosten von S 9.000,- übernahm das Kul- meinderat, dass Anton Valentin aufgrund des Geturreferat der NÖ Landesregierung ein Drittel, ein meinderatsbeschlusses bereit sei, die Gesamtgestalweiteres Drittel bezahlte das Landesamt V/4, das tung des Kapuzinerplatzes zu übernehmen. Für die letzte Drittel musste von der Stadtgemeinde getragen Vorarbeiten wie Studien und Skizzen würde Valentin werden. Das Modell des Wegweisers von Prof. Opitz der Stadtgemeinde keine Kosten verrechnen. wurde den anwesenden Gemeinderäten gezeigt und es wurde beschlossen, mit den Vorarbeiten zu beginnen. In der Sitzung vom 22. Juni wurde unter Punkt 16 In einem Brief vom 11. Mai 1953 an das Amt der NÖ festgehalten, dass infolge der Gestaltung des KinoLandesregierung in der Herrengasse 13, Wien I, vorplatzes durch den Kinobesitzer Alois Blazek erörterte die Stadtgemeinde Scheibbs ihr Vorhaben die Notwendigkeit erwachsen sei, einen Teilregulie234


rungsplan für den Kernpunkt der Ortseinfahrt unter Einbeziehung der Platzumgestaltung vor dem Kino zu erstellen. Außerdem solle der Verbauungsplan öffentlich ausgelegt werden. Architekt Valentin solle mit diesen Arbeiten betraut werden. Das Haus Nr. 46 am Kapuzinerplatz wurde bereits über viele Jahre wegen seines schlechten baulichen Zustandes kritisiert. Schließlich erwarb es Wilhelm Löwenstein und wollte es nach seinen Plänen umgestalten. Da es aber seitens der Gemeinde zur Umgestaltung des Kapuzinerplatzes kommen sollte, bat man ihn, von seiner Planung Abstand zu nehmen. Am 28. Juli 19533 übermittelte Anton Valentin an die Stadtgemeinde Scheibbs einen Kostenvoranschlag in der Höhe von S 9.690,- für die städtebauliche Planarbeit betreffend den Kapuzinerplatz. Sein Schreiben endete mit dem Satz „Zufolge Ihres Geschätzten Auftrages habe ich wunschgemäß mit der Durchführung der vorstehenden Arbeiten bereits begonnen, erbitte nunmehr auch um Genehmigung der ausgewiesenen Honorarrechnung und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung ...“ Am 28. Juli schickte Valentin einen interessanten Erläuterungsbericht zur Planung des Kapuzinerplatzes: „Die ältesten Ansatzpunkte der Platzgestaltung liegen in der Klosterkirche Hlg. Barbara mit dem mauerumsäumten Klosterareal und den gegenüberliegenden Objekten, Haus Nr. 46, 44 und 43. Vermerkt sei, dass zwischen Nr. 46 u. Nr. 44 seinerzeit ein Stadtturm mit gewölbter Durchfahrt bestand, der somit die Einfahrt nach Scheibbs bildete. Die anderen Baublocks entstanden später, in jüngster Zeit der Kinobau. Gegenstand der vorliegenden Planung ist es, eine erforderliche Ordnung aufzuzeigen um die Verkehrswege auf dem Platz richtig zu führen, die Baufluchtlinien der Baublöcke zu fixieren, die öffentlichen Verkehrsflächen und die Flächen zwischen Baulinie und Baufluchtlinie auszuweisen, die Baublöcke in ihrem massenmäßigen Aufbau der Höhe nach zu begrenzen, in ihrer formalen Durchbildung miteinander in Einklang zu bringen, schließlich bestehende Verunstaltungen zur Entfernung zu beantra-

02 Das Haus von Luise Kühlbrand war damals schon in einem jämmerlichen Zustand.

03 Das Wiener Tor wurde 1880 geschliffen.

gen und damit so, eine gesteigerte, ruhige Platzwirkung zu sichern. Alles aber unter dem realen Gesichtswinkel einer absehbaren, praktischen Verwirklichungsmöglichkeit. Das Erforderliche sei nur kurz zusammenfassend beschrieben: Durch Anordnung von neuen Gehsteigen, bezw. Rückverlegung von bestehenden (siehe Passagen) ergibt sich einerseits eine gleich breite Hauptstraßenführung in die Stadt mit klarer Abzweigung 235


nach Mank; andrerseits werden gute Überquerungen für die Fußgänger geschaffen. Durch die Gehsteigzunge wird die Einfahrt in den Klostergarten gewährleistet und die vom Verkehr abgesonderte Fläche kann bei verschiedenen Anlässen als Aufstellplatz dienen. Durch Vorliegen eines Bauansuchens betreffend Haus Nr. 46 ergab sich die Notwendigkeit die Gestaltung dieser südöstlichen Platzecke vordringlich zu bearbeiten. Aus städtebaulichen Gründen muß die bestehende Baulinienflucht beibehalten bleiben; da aber hier die Hauptstraße verbreitert werden muß ist der bestehende Gehsteig bis knapp zur Flucht zu entfernen und in die neu zu schaffende Durchgangspassage zu verlegen. Die gleichzeitig mit dem Umbau zu verbindende, wünschenswerte neue Außengestaltung des Hauses sowie die zu schaffende Grünflächenenlage mit dem vorgesehenen, künstlerisch durchgebildeten Wegweiser sind in schaubildlicher Darstellung aus dem Plane zu ersehen. Die genannte Grünfläche mit Sitzplatzmöglichkeit ist in die Ebenen des Straßengefälles zu legen. Beim gegenüberliegenden, gemeindeeigenen Haus Nr. 44 könnte zur weiteren Verbesserung der Straßenbreite als Sofortmaßnahme der bestehende Gehsteig ebenfalls entfernt und ein analoger Arkadengang ausgebrochen werden, wodurch eine reine Fahrbahnbreite von 7.00 m resultierte. Städtebaulich wird damit eine betonte Einfahrt nach Scheibbs erreicht, die sozusagen reminiszenzartig an den alten bestandenen Stadtturm erinnern mag. Die Ausführung dieses letztgenannten Arkadenganges kann aber nur als eine Sofortlösung betrachtet werden. Es wäre denn, daß durch die Schaffung der Scheibbser Umfahrungsstraße die jetzige Hauptstraße zur Ortsstraße erklärt wird. Aber auch dann, müßte der Block der Häuser 44 u. 43 im Aufbau auf die gleiche Gesimshöhe wie Haus Nr. 46 gebracht werden (Aufstockung). Dies wäre Aufgabe der späteren Detailplanung. Eine voll befriedigende Lösung ist aber nur durch eine Gesamtsanierung der Objekte 44, 43, Sackgasse mit Grundstück 39 zu erreichen. Es ist aber eine andere Frage, ob eine solche sehr begrüßenswerte Lösung infolge der damit verbundenen Kosten in absehbarer 236

04 Der Kapuzinerplatz.

Zeit eine Realisierung finden kann. Es wäre schließlich anzustreben die Klostermauer samt Tor und Vorhofgitter zu renovieren, den Vorbau zum Kircheneingang zu entfernen und dadurch das vermutlich schöne Eingangsportal freizulegen. Dabei könnte die Einfriedungsmauer bis ans Haus Nr. 89 als Platzabschluss ergänzt werden. Haus Nr. 89 sollte mit seinen Schauseiten unter fachkundiger Leitung einer Renovierung unterzogen werden. Auch bei Haus Nr. 42, welches voraussichtlich noch lange Lebensdauer haben dürfte, wäre bei Gelegenheit an eine zeitgemäße Fassadenerneuerung zu denken. Alle näher zu bezeichnenden Ankündigungs- u. Plakattafeln u. Wegweiser sind zu entfernen. Wenn öffentliche Interessen dies erfordern, könnten Hinweise für den Fremdenverkehr an richtiger Stelle und in gefälliger Weise untergebracht werden. Die beiden Tanksäulen sind abzumontieren; für deren Wiederaufstellung in verbesserter Form wäre von der Stadtgemeinde ein geeigneter Platz zuzuweisen. Bei endlicher Schaffung der Umfahrungsstraße wird ein Detailplan auch die Westseite des Platzes zu behandeln haben. Mit diesem Plan soll aber der Lösung allfälliger, späterer öffentlicher Notwendigkeiten keinerlei Riegel vorgeschoben werden.4“ Mit 5. August 19535 ist Valentins Begleitschreiben


05 Der Plan von Anton Valentin für den Kapuzinerplatz, 28. Juli 1953. Seine Vorschläge: PassageDurchbruch im Traunfellner-Haus, Passage-Durchbruch im Gemeindehaus als Sofortlösung. Wirkliche Lösung nur bei Gesamtsanierung von Nr. 43, 44, Sackg. u. Qst. 30, wobei Baufluchtlinie U-V-W verbesserungsmöglich! Tankstelle ist zu verlegen. Durch Vorbauentfernung – historisches Portal freilegen. Künstlerisch gestalteter Wegweiser.

06 Die Verbesserungsvorschläge von Wilhelm Löwenstein.

zu seinen Plänen für die Stadtgemeinde Scheibbs datiert. In diesem Schreiben bat er, vormerken zu lassen, dass er zur „gegenständlichen Augenscheinsverhandlung als Planverfasser und Konsulent der Stadtgemeinde“ eingeladen werde. Die Stadtgemeinde Scheibbs richtete am 6. August 1953 folgendes Schreiben betreffend den Regulierungsplan des Kapuzinerplatzes an Architekt Valentin: „Der Teilregulierungsplan des Kapuzinerplatzes wird am 18. August 1953 in der Gemeinderatssitzung zum Beschluss erhoben und sodann an die Bezirkshauptmannschaft 237


zur Genehmigung weitergeleitet.“ Die Stellungnahme der NÖ Landesregierung6 zu Valentins Plänen traf am 12. August 1953 ein: „Nach Überprüfung des Entwurfes und Abwägung sämtlicher hierfür maßgebenden Interessen wird vom Standpunkt des Landesamtes BD/R festgestellt, daß die beabsichtigte Platzgestaltung als außerordentlich glücklich zu bezeichnen ist und insbesondere vom städtebaulichen Standpunkt die Betonung der Stadteinfahrt durch die beiderseits der Hauptstraße projektierten Arkadengänge eine besonders reizvolle Gestaltung erfährt. Im Interesse der Stadtgemeinde Scheibbs wäre anzustreben, diese Stadteinfahrtsdominante in kürzester Zeit zu realisieren. Bezüglich der Grünanlage vor dem Kinoneubau wird darauf hingewiesen, daß diese eine unbedingte Notwendigkeit ist, um das wartende Kinopublikum vom Durchzugsverkehr auf der Straße abzusondern.“

238

08 Blick durch das Wiener Tor in die Stadt.

Das Amt für Bundesstraßenplanung stimmte der geplanten Gestaltung des Kapuzinerplatzes ebenfalls zu und wies darauf hin, dass die Erlauftal-Bundesstraße aller Voraussicht nach anderwärtig verlegt werden würde7. Da aber derzeit ungewiss sei, wann dies geschehe, müsse auf eine Verbesserung der bestehenden Verhältnisse Wert gelegt werden.

Die Gemeinderatssitzung vom 18. August 19539 befasste sich ausführlich mit der Planung des Kapuzinerplatzes. Bürgermeister Herok erläuterte anhand der Origi-

07 Der Scholz-Plan für das Kino mit Hotel.

09 Der Scholz-Plan für die Stadteinfahrt.

Bereits am 14. August 1953 erhob der Kinobesitzer Alois Blazek, Wien V, Wiedner Hauptstraße 115, Einspruch gegen die Grünanlage vor seinem Kino8.


10 Valentins Entwurf für die Gestaltung der Südostecke des Kapuzinerplatzes, 15. Juli 1953.

nalpläne die zukünftige Gestaltung und Regulierung des Platzes. Das Projekt wurde bereits im Schaukasten ausgestellt und die Bewohner aufgefordert, Wünsche und Verbesserungsvorschläge schriftlich im Stadtamt einzubringen. Dieser Einladung war Wilhelm Löwenstein gefolgt und gab zu bedenken, dass es günstig wäre, einen Gehweg zwischen dem Haus Nr. 89 und der Mauer des Kapuzinerklosters in Richtung Feldgasse zu errichten. Außerdem fände er es sinnvoll, wenn der Wegweiser in der PlatzMitte aufgestellt werden würde. Gemeinderat Dörfler schloss sich dieser Meinung an. Gemeinderat 11 Das Gebäude Nr. 46 mit Grünfläche und Wegweiser. Schmied gab zu bedenken, dass sich in der Mitte des Platzes der Regeneinlaufschacht befände und daher der Wegweiser gulierung des Kapuzinerplatzes einverstanden. hier nicht aufgestellt werden könne. Außerdem sei 2. Der Aufstellungsort des Wegweisers soll anhand er der Meinung, dass die Grünfläche beim Kino eines Naturmodelles festgelegt werden. zurückverlegt und der Gehsteig verbreitert werden 3. Die Grünflächen vor dem Haus Nr. 89 sind derart solle. Schlussendlich wurden folgende Beschlüsse umzuwandeln, dass eine Parkmöglichkeit geschaffen gefasst: werden kann. 1. Der Gemeinderat der Stadt Scheibbs ist grundsätzlich 4. Die zwischen dem Kapuzinerkloster und dem Haus mit der von Architekt Valentin vorgeschlagenen Re- Nr. 89 bestehende Gemeindestraße soll auf eine Länge 239


12 Links die Marktschmiede.

13 Die Bezirksbauernkammer.

von 25 m aufgelassen werden, für Fußgänger soll jedoch ein Durchgang in Gehsteigbreite errichtet werden. 5. Dem Vorschlag der Bundesstraßenverwaltung wird stattgegeben und die Abflachung der Grünflächen vor den Häusern Nr. 42, 43 und 44 Folge geleistet.

der Einmaligkeit dieses Objektes. Der Wegweiser könne zum Wahrzeichen von Scheibbs werden und das Interesse der Fremden wecken. Die Subvention sei allerdings an die Aufstellung des Wegweisers gebunden. Mit 5. März 1954 wurde der Einspruch von Luise Kühlbrand abgewiesen.

Am 2. September 195311 erhob Alois Blazek erneut Einspruch gegen den Verbauungsplan des Kapuzinerplatzes, weil er auf seinem Grundstück keine Parkplätze haben wollte. Ebenso erhob die Besitzerin des Hauses Nr. 89, Luise Kühlbrand, mit 3. September 1953 Einspruch gegen die Planung Valentins. Im Brief der Stadtgemeinde Scheibbs12 vom 4. September 1953 an die Bezirkshauptmannschaft war die Bitte niedergeschrieben, die Einsprüche abzulehnen und der Regulierung zuzustimmen. Im Schreiben des Gebietsbauamtes III für die Bezirke Amstetten, Lilienfeld, Melk, Scheibbs und St. Pölten vom 29. Dezember 1953 wurde der Stadtgemeinde Scheibbs eine Subvention für die Planungsarbeiten für den Kapuzinerplatz und das Bauhoffnungsland E1 (Feldgasse) in der Höhe von S 8.000,- zugesprochen – unterzeichnet von Landesoberbaurat Güntschl. Am 29. Dezember 1953 informierte die NÖ Landesregierung13 die Stadtgemeinde Scheibbs, dass das Landesfremdenverkehrsamt der Stadtgemeinde zur Aufstellung des Wegweisers eine Subvention in der Höhe von S 5.000,- gewähre und begründete das mit 240

Im Anschluss kam es zu einem kleinen Missverständnis zwischen der Stadtgemeinde und Architekt Valentin. Die Stadtgemeinde richtete am 19. November 1954 folgenden Brief an Architekt Valentin14: „Seitens der Stadtgemeinde Scheibbs erhielten Sie den Auftrag für die Gestaltung und Regulierung des Kapuzinerplatzes in Scheibbs Pläne anzufertigen. Die hiezu notwendigen Planungsunterlagen wurden Ihnen seitens der Fa. Traunfellner bereits vor längerer Zeit übermittelt. Die Kosten für die Planungsabeiten wurden Ihnen bereits bezahlt. Trotz mehrfacher Anfragen durch den Unterfertigten vermisst die Stadtgemeinde immer noch die Pläne für den Bau der Passage im Hause Scheibbs Nr. 44.“ Valentin antwortete darauf am 30. November 195415: „Der Inhalt Ihres obigen gesch. Schreibens kann nur durch eine mißverständliche Auffassung Ihrerseits entstanden sein. Von der Stadtgemeinde Scheibbs habe ich für den Kapuzinerplatz lediglich städtebauliche Leistungen beauftragt erhalten. Der weiteste Umfang derselben ist in meinem Kostenvoranschlag vom 22. Juli


14 Die Südostecke heute mit der Bezirksbauernkammer.

15 Blick stadtauswärts auf den Kapuzinerplatz.

1953 detailliert ausgewiesen; irgendwelche Planverfassungen für Baudurchführungen sind in diesem Kostenvoranschlag in keinerlei Weise vorgesehen, weder wörtlich noch sinngemäß. Die Gesamtsumme dieses Kostenvoranschlages betrug 9.690,- S. Meine Arbeiten sollte ich jedoch auf das Notwendigste einschränken; der Umfang dieser meiner getätigten Leistungen ist daher in meiner Rechnung vom 31. XII. 1953 aufgezählt. Die Summe derselben beträgt nur 4.260,- S. Diesen Betrag haben Sie mir auch bezahlt. Somit ist aus diesem Titel kein Teil dem anderen irgend etwas an Leistung schuldig! Ich bestätige aber gerne, daß Sie mir unter Ihrer A.Z. 610/0 d.do. 20. II. 1954 zwei Gleichstücke einer Bestandsaufnahme vom gemeindeeigenen Hause, Scheibbs Nr. 44, übermittelt haben. Sie haben mir aber keinerlei Auftrag erteilt – weder mündlich noch schriftlich – Baupläne hierfür auszuarbeiten. Wenn aber jetzt der Zeitpunkt gekommen sein sollte daß der von mir im städtebaulichen Vorschlag vorgesehene PassageDurchbruch im Haus Nr. 44 verwirklicht werden soll, bin ich gerne bereit eine erforderliche Planausarbeitung zu übernehmen, wenn Sie mich damit beauftragen, das von Ihnen gewünschte Raum- bezw. Bauprogramm fixieren und meine Arbeitsleistungen vereinbarlich vergüten.“

Baumeister Ing. Walter Uxa, der eine Aufstockung des Kinogebäudes einreichte, das als Hotel genutzt werden sollte.

Daraufhin bat die Stadtgemeinde Herrn Architekt Ing. Oskar Scholz in einem Schreiben16 vom 23. November 1955 um ein Gutachten betreffend den Plan von

Am 28. November schickte Architekt Scholz das Gutachten an die Stadtgemeinde Scheibbs. Er meinte, dass das Hotel in städtebaulicher Hinsicht einen modernen Charakter erhalten müsse. Er werde aber darauf achten, dass betreffend die Gestaltung des Kapuzinerplatzes das Hotel mit dem anschließenden Schulz-Haus in Einklang gebracht wird. Die Kapuzinerkirche mit ihren Umschließungsmauern stellte eine eigene Baustruktur dar und müsste mit dem gegenüberliegenden Kino- bzw. Hotelneubau in keiner Beziehung stehen. Er sprach sich für großzügige Neubauten an einem günstig gelegenen Platz wie dem Kapuzinerplatz aus. Mit Schreiben vom 6. Dezember 1955 zeigte sich das Amt der NÖ Landesregierung17 wenig begeistert von den Hotelplänen und legte der Stadtgemeinde eine Überabeitung dieser nahe. Im Schreiben der Stadtgemeinde Scheibbs18 vom 15. Oktober 1955 an die NÖ Landesregierung wies die Stadtverwaltung darauf hin, dass infolge eines Mangels an Bauarbeitern erst in der vorigen Woche mit der Gestaltung des Kapuzinerplatzes begonnen werden konnte und diese vermutlich erst im Frühjahr 1956 abgeschlossen werden. 241


16 Der Entwurf von Prof. Ferdinand Opitz für die „Spielenden Kinder“.

17 Die Valentin-Zeichnung für den Wegweiser.

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Nach nun schon zweijähriger Wartezeit schien Prof. Opitz19 ungeduldig geworden zu sein und schrieb am 27. Dezember 1955: „Am 2. April 1953 habe ich dem geehrten Stadtamt ein Anbot betreffend die Errichtung eines Wegweisers vorgelegt. Auf Grund zahlreicher zeichnerischer Entwürfe habe ich ein Originalmodell in Gips hergestellt und Ihnen durch Herrn Architekt Valentin zur Stellungnahme überreichen lassen. Das vorgelegte Gipsmodell wurde von dem Kunstreferenten der N. Ö. Landesregierung begutachtet und als geeignet befunden. Nachdem ich bis heute keinerlei Nachricht erhalten habe, ob der Wegweiser nach meinem Modell ausgeführt werden soll oder nicht, bitte ich um freundliche Mitteilung Ihrer Entscheidung. Für den Fall, daß eine Ausführung nach meinem Entwurf nicht beabsichtigt sein sollte, ersuche ich, mir für die mühevolle künstlerische Arbeit ein Mindesthonorar von 700 S (siebenhundert) zu überweisen.“ Zwei Tage später bat die Stadtgemeinde Scheibbs Prof. Opitz um Geduld, da die Bundesstraßenverlegung zum Kapuzinerplatz erst im Frühjahr 1956 fertiggestellt werden könne. Am 23. Mai 1956 bat der Bürgermeister von Scheibbs das Landesbauamt, doch endlich den Kapuzinerplatz staubfrei zu machen und die Situation des Wegweisers zu klären. In einem Schreiben vom 12. September 1956 dankte die Vorstehung des Kapuzinerklosters anlässlich der Fertigstellung des Ordenskreu-


zes vor der Klostermauer der Stadtgemeinde für das entgegengebrachte Verständnis. Am 13. April 1957 teilte die Stadtgemeinde der Landesregierung mit, dass die Arbeiten zur Gestaltung des Kapuzinerplatzes abgeschlossen seien und Prof. Opitz nun zu einer Aussprache eingeladen werde. Erst im Schreiben vom 7. Mai 1958 teilte die Stadtgemeinde Prof. Opitz mit, dass in dieser Woche die Plastik „Spielende Kinder“ von der Firma Ehrlich zur Aufstellung gebracht werde. Warum der dreiteilige Wegweisen, den Opitz Anfangs entwarf, nicht realisiert wurde, ist aufgrund fehlender Unterlagen unklar. Die Entwurfszeichnung von Opitz für die „Spielenden Kinder“ ist leider – genauso wie jene für den dreiteiligen Wegweiser – undatiert. Ob die Skulptur mit den Kindern ein alternatives Projekt zum großen Wegweiser darstellte und warum sich die Pläne der Stadtgemeinde änderten, ist nicht dokumentiert – möglicherweise spielten die Kosten beim Entscheidungswechsel eine tragende Rolle. Die Abrechnung, die am 14. Juni 1958 an das Amt der NÖ Landesregierung20 geschickt wurde, weist einen Betrag von S 12.800,- für die Plastik auf (S 6.000,für Prof. Opitz, S 6.405,- für Sockel und Bepflanzung, S 395,- Aufstellungskosten Fa. Richard Ehrlich).

Wieweit wurden nun die Pläne Valentins für den Kapuzinerplatz umgesetzt? Was das Haus Nr. 89 betrifft, so hatte die Stadtgemeinde Scheibbs mit der Besitzerin Luise Kühlbrand ein schweres Los zu tragen und ein schier endloser Briefverkehr mit dieser ist im Akt dokumentiert21. 1969 scheint Wilhelm Löwenstein als Besitzer dieses Hauses auf. Er hatte große Umbaupläne, die jedoch durch den Straßenbau zunichte gemacht wurden. Er musste das Haus 1972 an die Republik Österreich abtreten. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich offensichtlich noch immer Möbel und andere Besitztümer der Luise Kühlbrand im Haus. Im Mai 1973 wurde der Demolierungsbescheid ausgestellt und das Haus in der Folge abgerissen. Die Pläne Valentins dieses Haus betreffend wurden also mit Sicherheit nicht verwirklicht.

18 Aufgrund meiner Recherchen wurde die Opitz-Skulptur, die einst Wegweiser war aus dem Dornröschenschlaf geholt und ziert heute den Kapuzinerplatz in neuem Glanz.

Die geplante Kino-Aufstockung zur Errichtung eines Hotels blieb ebenfalls nur auf dem Plan bestehen. Am 25. September 1953 wurde das Elite-Kino als Neubau am Kapuzinerplatz eröffnet22. Die letzte Tonkinovorstellung fand am 30. Juni 1963 statt. Danach zog der Konsum in die Räumlichkeiten des Kinos ein23. Realisiert wurden auf jeden Fall die beiden Arkaden als Reminiszenz an das alte Wiener Tor. In engem Zusammenhang mit der Platzgestaltung steht das Haus Nr. 46, wie bereits im vorhergehenden Text oftmals erwähnt wurde. Dieses Haus beherbergt seit 1959 die Bezirksbauernkammer24. Früher stand die Marktschmiede an deren Stelle. 243


Frisiersalon Josef Pils Pöchlarn Im Bereich des ehemaligen Römischen Lagers und der mittelalterlichen Stadtmauern liegt das Haus Nr. 86, heute Thörringplatz 6. Die Nähe dieser denkmalgeschützten Objekte machten es nicht einfach, das im Gemeindebesitz befindliche Haus umzugestalten. Seit vielen Jahrzehnten befinden sich im Obergeschoß Wohnungen und im Untergeschoß ein Frisiersalon. Im Jahre 1953 war Josef Pils Friseur im Haus Nr. 86. Schon für damalige Verhältnisse war offensichtlich das Geschäft zu klein und deshalb suchte er bei der Gemeinde Pöchlarn um Vergrößerung des Herrengeschäftes an. Die Bauverhandlung unter der Leitung des damaligen Bürgermeisters Stifsohn fand am 15. Juni 1953 statt. Als Bauunternehmer trat Friedrich Aichberger auf, als Sachverständiger der Wieselburger Baumeister Karl Wiktora. Im entsprechenden Bauakt der Stadtgemeinde Pöchlarn ist in der Niederschrift zu lesen: „Laut vorliegendem Bauplan beabsichtigt der Gesuchsteller in

01 Das Geschäft vor dem Umbau der Fassade, etwa 1930.

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02 Der Frisiersalon am Thörringplatz 6.

dem der Stadtgemeinde Pöchlarn gehörigen Wohnhaus seinen viel zu kleinen Herrensalon eine bestehende 45 cm dicke Mauer abzutragen und zur Abgrenzung des Raumes eine 25 cm stk. Ziegelmauer neu aufzuführen. Um eine Einfahrt in das Haus zu ermöglichen wird ein Mauerpfeiler zur Hälfte abgetragen und dazwischen ein 2 flügel. 2.00/2.60 m großes Einfahrtstor eingefügt. In Abänderung des Bauplanes wird der als bleibend gedachte Pfeiler im Herrensalon auch abgetragen und eine große Auslage geschaffen.“ Leider ist der dazugehörige Plan nicht im Bauakt vorhanden. Josef Pils ließ von Architekt Valentin einen Plan über die Fassadengestaltung anfertigen. Verwunderlich ist, dass dieser mit 22. Juni 1953 datiert ist und somit einige Tage nach der Bauverhandlung erstellt wurde. Fraglich ist nun, mit welchem Plan Josef Pils sein Bauvorhaben einreichte. *Valentins Entwurf zeigt „Neue Tür- und Fensteröffnungen samt Fassadengestaltung“. Vergleicht man die Ansichtskarte mit dem Valentinplan, so lassen sich


sicherlich gewisse Ähnlichkeiten feststellen und auch die Beschreibung der Bauverhandlung trifft auf die geänderte Fenster- und Türensituation in Valentins Plan zu. Ob tatsächlich Valentins Idee verwirklicht wurde, ist nicht genau nachvollziehbar. An der rechten Fassadenseite sind die Fenster- und Türöffnungen genauso ausgeführt, wie sie Valentin zeichnete. Das große Einfahrtstor, wie es auf der Ansichtskarte von 1930 zu sehen ist, wurde verschmälert und somit neben der Geschäftseingangstüre Platz für ein breites Schaufenster gemacht. Somit konnte auch eine Vergrößerung des Innenraumes des Geschäftslokals bewirkt werden. Das linke Fenster neben dem Einfahrtstor sollte jedoch bei Valentin wesentlich kleiner werden. Die Fassadenverblendung durfte laut Valentin im Grunde ähnlich bleiben, jedoch ohne die senkrecht gesetzten Steine oberhalb des linken Fensters.*

04 Der Plan Valentins für den Friseurladen für Herrn Pils, 22. Juni 1953.

Auffällig ist, dass die Pläne für die Fassadengestaltung des Frisiersalons und jene für den Bau der Landesberufsschule Pöchlarn mit zwei aufeinanderfolgenden Tagen datiert sind.

03 Der damalige Innenminister Franz Olah am 1. Mai 1963 bei der Maikundgebung vor dem Friseurgeschäft.

Einen weiteren Umbau zur Vergrößerung seines Geschäftes wollte Josef Pils im Jahre 1956 durchführen. Der Geschäftsnachfolger von Josef Pils, Wilhelm Mattura, strebte eine Geschäftsvergrößerung im Jahre 1962 an. Von ihm übernahm seine Tochter Frau Thaler das Geschäft, heute betreibt es Marina Reithner.

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Landesberufsschule Pöchlarn Im Jahre 1910 wurde in Pöchlarn eine gewerbliche Fortbildungsschule gegründet. Der Schulsprengel deckte sich damals mit dem Volksschulsprengel und der erste Schulleiter, Josef Strondl, war zugleich auch Volksschuldirektor. Der Unterricht wurde für die Lehrlinge am Sonntag abgehalten, denn wochentags mussten sie arbeiten. Während des Ersten Weltkrieges ruhte der Unterricht und im Jahre 02 Luftaufnahme von Pöchlarn mit der Landesberufsschule 1920 wurde er neu organisiert. 1938 fand die Berufsschule in der Turnhalle ihr neues Quartier. In den kommenden Jahren stiegen die Schülerzahlen rapide an. 1944 wurde der Schulbetrieb aufgrund der Kriegsereignisse eingestellt, aber bereits 1945 in eingeschränktem Ausmaß wieder aufgenommen. 1947 wurde der Schulsprengel erweitert und auch die Maurerlehrlinge des Bezirkes Scheibbs mussten nun in die „Gewerbliche Berufsschule“ nach Pöchlarn1.

01 Der Direktor der Schule, Landesschulinspektor HR Stidl, HR Pflügl und Bgm. Stifsohn begutachten das Modell für die Schul-Erweiterung.

03 Die 1938 angekaufte Turnhalle

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04, 05 Schaubild und Grundriss des von Valentin geplanten Geb채udekomplexes, 23. Juni 1953.

06 Der Grundriss der zweiten Variante von Valentin, 29. September 1953.

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07 Direktor Friedrich Schrattenholzer und der Architekt August Hofbauer mit dem Modell der Schule.

Unter Ing. Friedrich Schrattenholzer erfuhr die Schule eine entscheidende Vergrößerung. Die Innung erwarb das 1926 erbaute Gemeindewohnhaus in der Jubiläumsstraße, welches als Schülerheim adaptiert wurde. In der Chronik der Landesberufsschule ist zu lesen, dass in den Jahren 1954-1957 zwischen dem Schulgebäude und dem Internat von den Schülern ein dreigeschoßiger Klassentrakt erbaut wurde. Der Architekt, so heißt es, sei Baumeister August Hofbauer aus Pöchlarn gewesen, der auch an der Schule als Lehrer tätig war. 08, 09 Die Bauetappen der Landesberufsschule

Im Archiv des Architekturzentrums Wien allerdings finden sich Pläne von Anton Valentin mit Entwürfen für die Landesberufsschule Pöchlarn aus dem Jahre 1953. Sie gleichen fast aufs Haar dem realisierten Bau, welcher aber um ein weiteres Stockwerk erhöht ausgeführt wurde. *Valentin fertigte insgesamt zwei Gestaltungsvarianten für diesen Auftrag an. Die ersten Pläne zeichnete er am 23. Juni 1953. Sie zeigen einen 20-achsigen Verbindungsbau, der zum Internat hin mit einem breiten Vorbau mit einem großen Eingangstor und hohen Fenstern darüber endet. Im langen Trakt springt der untere Teil des Erdgeschoßes aus dem Gebäudekomplex hervor. Da dieser Schnitt 248

auf Fensterhöhe geschieht, wurden die hohen Fenster – wie sie im Obergeschoß zu sehen sind – aufgeteilt und in zwei separaten Reihen ausgeführt. Im unteren Teil sollte sich ein Garderobe- und Verbindungsgang befinden. Das darüberliegende Fensterband war für die Lichtzufuhr in den Tischler- und Maurer-Werkstätten zuständig. Scheinbar sollte auch das Internat vergrößert werden – Valentin fügte dazu an den bereits bestehenden Trakt in Richtung Hof einen weiteren Bau an. Der Speisesaal sollte hofseitig mit vielen Fenstern in die Natur hinaus geöffnet werden.


Betrachtet man den Grundriss von Valentins Plänen, so ist ziemlich klar zu erkennen, dass der endgültige Bau große Anlehnung an seinem Entwurf nimmt. Der Eingangskomplex wurde in gleicher Form ausgeführt, da er sowohl zur Hauptfassade hin, als auch zum Hof hin risalitartig aus dem Gebäude hervorspringt, und auch das Internatsgebäude wurde an der selben Stelle erbaut. Das hohe Fensterband des Eingangsbereiches in Richtung Hof lässt darauf schließen, dass sich dahinter das Stiegenhaus befindet – so wurde es auch bei Valentin eingezeichnet. Ein zweites Plan-Konvolut Valentins mit einer geringfügig abgeänderten Variante stammt vom 19. September 1953. Der Grundriss zeigt, dass der neue Internatstrakt zwischen Bauhof und Internatsgarten erbaut werden sollte. Zum Bauhof hin hätten sich die Schlafräume befinden sollen und zum Garten hin zwei Tagräume. Da für diese Variante kein Schaubild existiert, ist das äußere Aussehen des Gebäudes schwer nachvollziehbar.* Wie Valentin an dieses Projekt kam, liegt im Ungewissen. Offensichtlich aber hat man an den Valentinplänen Anleihe genommen, das gesamte Gebäude um einen Stock erhöht und in Eigenregie mit den Lehrlingen, die hier ausgebildet wurden, erbaut. Sogar das von Valentin geplante Fresko fand im Plan von Architekt August Hofbauer den gleichen Platz, wie Valentin ihn vorgesehen hatte.

11, 12 Bauetappen beim Bau der Landesberufsschule Pöchlarn

10 Arbeit macht hungrig.

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Valentin oder nicht Valentin? Das ist hier die Frage! Rathaus Golling Im online Architektenlexikon des Architekturzentrums Wien1 findet sich in Valentins Werksverzeichnis unter dem Punkt „Öffentliche Bauten“ der Eintrag, dass er in den Jahren 1923-1925 das Gemeindeamt Golling in der Rathausstraße 1 in Niederösterreich geplant bzw. gebaut hätte. Leider konnte ich für diesen Eintrag keine Bestätigung finden, weder bei Familie Valentin, noch im Archiv des Architekturzentrums und auch nicht in der Gemeinde Golling, wo ich die Gemeinderatsprotokolle sorgfältig durchforstete. Ursprünglich war Golling ein Teil der Gemeinde Krummnußbaum. Laut Protokoll der Gemeinderatssitzung2 vom 20. Dezember 1924, die im Gasthaus Kühnel in Golling stattfand, wurde Franz Saiko zum ersten Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Golling gewählt. Am 3. Jänner 1925 kam es zur Beschlussfassung über die Anmietung eines Amtslokales für die junge Gemeinde. Man einigte sich, dieses im Gasthaus Breitwieser unterzubringen.

01 Das Rathaus in Golling.

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02 Das Rathaus in Golling.

Nur einen Monat später, am 23. Februar 1925, wurde ein Bauausschuss für den eventuellen Rathausbau bestimmt. In diesem sollten folgende Herren vertreten sein: Paul Sippl, Hans Hödl, Ambros Razisberger, Karl Schmelzer und Franz Pröllinger. Laut Aufzeichnungen des Architekturzentrums Wien sollte in diesem Jahr das Rathaus Golling bereits fertiggestellt gewesen sein – hier in Golling aber installierte man erst den Bauausschuss. Die endgültige Beschlussfassung über den Bau des Rathauses erfolgte überhaupt erst am 1. April 1925 in der entsprechenden Gemeinderatssitzung. Paul Sippl berichtete ausführlich über das Bauprogramm, sein entsprechender Antrag wurde einstimmig angenommen. Scheinbar war aber der Beschluss dieser Sitzung noch immer nicht bindend, denn im Protokoll der Sitzung vom 18. Juli 1925 ist unter Punkt 5 abermals zu lesen: „Entgültiger Beschluss über den Bau eines Rathauses“. Danach wurde ein Antrag des Gemeinderates Razisberger festgehalten: Nach Einlangen der Pläne sollte der Bauausschuss ermächtigt sein, mit den Ausschreibungen für den Bau zu beginnen. Leider ist nicht festgehalten, wer mit der Planerstellung betraut wurde und wann dies geschah. Es gibt auch keinerlei Hinweis auf ein finanzielles Konzept für den Bau des Amtshauses. Am 4. September 1925 ist zu lesen, dass durch den Verkauf der Fernleitung 5.000 Schilling lukriert werden konnten, die für den Rathausbau Verwendung finden sollten.


03 Wasserspeier am Rathaus in Golling.

Am 26. Oktober 1925 wurde laut Protokoll3 ein Grundtausch mit den Kinderfreunden vollzogen. Diese waren Eigentümer des für den Rathausbau gewünschten Grundstückes und stellten ihn im Zuge eines Tauschverfahrens der Gemeinde zur Verfügung. Im Gegenzug erhielten sie aber um 1/8 Joch mehr Grund, weil die Lage des eingetauschten Grundstückes nicht so schön war. Weiters wurde in dieser Sitzung beschlossen, für den Amtshausbau Ziegel des „Deutschen Formates“ – diese Bezeichnung bezieht sich auf die Ziegelgröße – zu verwenden. Außerdem wurde beschlossen, dass für die Fürsorgerin eine Wohnung im Rathaus reserviert wird. Am 12. Februar 1926 wurde die Baulinie für das neue Amtshaus festgelegt und am 4. Juni 1926 beschlossen, nach der Fertigstellung eine kleine Eröffnungsfeier zu organisieren. Die Auslagen für diese Eröffnungsfeier sollten laut Protokoll vom 13. September 1926 aus dem „Gemeindebeutel“ bestritten werden. Weiters wurde ein Wohnungskommitee für die Vergabe der im Rathaus vorhandenen Wohnungen eingerichtet. Die Bürgermeisterwohnung sollte eine „Dienstwohnung“ sein – bei Amtswechsel werde dem scheidenden Bürgermeister eine entsprechende Wohnung in Neuda zugewiesen. Die Miete für die Wohnungen im Rathaus sollten je nach Lage 10 Schilling bzw. 13 Schilling betragen.

*Die angewandten Stilelemente am Bau des Rathauses Golling spiegeln den Trend der 1920er Jahre klar wider – ob es sich dabei tatsächlich um einen ValentinBau handeln könnte, ist fraglich. In der Anordnung und der Form der Fenster könnte man eine Ähnlichkeit entdecken, allerdings waren in den 1920er Jahren außergewöhnliche Fensterformen – ob schmal und hoch oder besonders klein und höhenversetzt – ein allgemeines, weit verbreitetes Stilelement der österreichischen Architekten. Auch die vielteilige Gliederung bzw. Unterteilung der Fenster findet sich bei vielen Bauten dieser Zeit. Die schlicht und solide gefertigten Türen im Inneren des Rathauses sind ebenfalls typisch für diese Zeit, in der auf Handwerk und Qualität noch größter Wert gelegt wurde. Die Hauptfassade des Rathauses ist zwar expressionistisch ausgeprägt, scheint aber dennoch nicht in das Gesamtwerk Valentins zu passen. Der vorgeblendete Arkadengang im Eingangsbereich ist in Anlehnung an die Arkaden von großen Rathausbauten wie zum Beispiel in Wien oder Brüssel zu sehen. Auch Valentin greift die Typologie des Amtshauses auf – im Falle des Wieselburger

04 Das Rathaus in Golling mit den – auch für Anton Valentin typischen – kleinen Fenstern. Über die Unterteilung der Fenster kann hier nicht auf eventuelle Stilgleichheiten geschlossen werden, da die Fenster bereits erneuert wurden.

Am 16. Oktober 1926 fand die erste Sitzung im neuen Rathaus Golling statt 4. 251


06 Mittig das Wohnhaus, links das Rathaus von Golling, 1964. 05 Türen im Rathaus in Golling.

Rathauses durch den turmartigen Baukörper im Zentrum des Gebäudes. Als extremen Gegenpol zu den drei großen Rundbögen im Erdgeschoß setzte der Architekt des Gollinger Rathauses drei spitze, kantige, gaubenähnliche Elemente direkt darüber. Diese Komposition hat seinen eigenen Reiz und lässt das Gollinger Rathaus sicherlich einzigartig erscheinen. Auch Valentin setzte beim Wieselburger Amtshaus runde Elemente, wie zum Beispiel die Turmöffnungen oder den prägnante Eingangsbereich mit den hohen Rundbögen, und eckige Akzente, wie den Eckerker des Bürgermeisterzimmers, knapp nebeneinander – jedoch geschah dies in weitaus subtilerer Weise.* Nach dem Bau des Rathauses wurde in unmittelbarer Nähe dessen ein Wohnhaus errichtet, das stilistisch dem Amtshaus sehr ähnlich ist und dessen Architekt im Protokollbuch5 vermerkt ist – sein Name ist Prantl. Möglicherweise war er es – Architekt oder Baumeister Prantl – der auch die Rathauspläne fertigte. Wie eingangs schon erwähnt, gibt es keinerlei Hinweise auf das Finanzkonzept und den Planverfasser des Gollinger Rathauses. Tatsächlich aber kann man Parallelen im Baustil des Amtshauses zu jenen des Wohnbaues erkennen. 08 Das Wohnhaus hinter dem Rathaus, hier bereits modernisiert.

252

07 Das Wohnhaus im Jahre 1936. Anhand der drei spitz zulaufenden Fenster im Dachgeschoß ist die stilistische Anlehnung an die Hauptfassade des Gollinger Rathauses klar zu erkennen.


09 Der Plan des Hubert Schinner für ein Wohnhaus für seine Frau Aloisia Schinner, geborene Ludl.

Jaidhauser-Villa, Wieselburg Es zeigt sich immer wieder, dass die Baumeister der Region Anleihen bei Architekt Valentin nahmen, wie z. B. Baumeister Schinner beim Bau der „JaidhauserVilla“ in der Grestner Straße. Diese wurde jedoch durch den Umbau und den Anbau eines zweiten Wohnhauses für Ute Wurzinger, Witwe von Walter Wurzinger (siehe Bruckmühle), und ihre Töchter leider völlig verändert. *Am 25. November 1929 meldete Aloisia Schinner der Gemeindevorstehung in Wieselburg, dass sie beabsichtige, in der Grestnerstraße ein Wohnhaus zu erbauen6. In der Beilage übermittelte sie einen Einreichplan, gezeichnet von ihrem Mann Baumeister Ingenieur Hubert Schinner aus Wieselburg. Nachdem der Bau in den Feuerbereich der Bahnlinie Wieselburg –

Gresten fiel, wurde ein Vertreter der Österreichischen Bundesbahnen zum Lokalaugenschein entsandt7. Unter anderem waren beim Lokalaugenschein Aloisia Schinner als Bauwerberin, Ing. Hubert Schinner als Bauführer und Karl Wiktora als Sachverständiger anwesend8. Dem Antrag von Aloisia Schinner wurde stattgegeben, und die Bewilligung zur Erbauung des Wohnhauses laut vorgelegtem Plan erteilt9. Das Bauvorhaben war folgendermaßen geplant: „Auf Grund des vorgelegten Bauplanes ist beabsichtigt, ein aus Küche, Zimmer, Waschküche, Holz und Kohlenraum, Speisekammer, im Hochparterre und einem Kabinett und Abort im Halbstock und 1 Zimmer, Kabinett und Badekammer im Dachbodengeschoss massiv in Ziegel zu erbauen. [...] Der an der Bahnseite angebrachte 253


10 Der Auswechslungsplan von Schinner für das Haus – nun für Leopoldine Schinner bestimmt.

Balkon, sowie das Schutzdach beim Eingang wird als eisenarmierte Betonplatte ausgeführt. [...]10“ Hubert Schinner baute das Haus aber nicht sofort. Das nächste, den Bau des Schinner-Hauses betreffende Dokument stammt aus dem Jahre 1936. Am 8. August dieses Jahres, also drei Jahr nach dem ersten Schreiben an die Stadtgemeinde, suchte Frau Leopoldine Schinner, die Schwiegertochter der ursprünglichen Bauwerberin Aloisia Schinner, um Benützungsbewilligung für ihren 254

11 Valentins Plan für das Nemecek-Haus, 10. März 1932.


Neubau in der „Dolfusstraße Nr. 23“, in welche die Grestnerstraße kurzfristig umbenannt wurde, an. Der beiliegende Auswechslungsplan vom November 1932 nennt ebenfalls Leopoldine Schinner als Bauwerberin. Am 13. August 1936 wurde ein Lokalaugenschein vorgenommen, und die Bewilligung zur Bewohnung des „neuerbauten Wohnhauses“ erteilt11. Betrachtet man nun den Plan aus dem Jahre 1932, verblüfft die enorme Ähnlichkeit zu dem im März 1932 geplanten und im November desselben Jahres fertiggestellten Nemecek-Hauses in der Grestner Straße.* Nach Aussage von Ing. Rudolf Gruber war die Bauzeit der Jaidhauser-Villa eine relativ lange, denn Zweck dieses Baues war es, den guten Arbeitern der Firma Schinner auch in den schlechtesten Zeiten Arbeit zu geben. Vermutlich wurde aus diesem Grund auch der Plan von 1929 nicht sofort verwirklicht. *Der ursprüngliche Plan für das Haus Schinner zeigt ein zweigeschoßiges Haus mit einem beinahe quadratischen Grundriss. Die Ansichten weisen eine Ineinanderschachtelung von Giebelfronten auf, wie es auch bei Valentin der Fall war. Das steile Dach ist teilweise weit heruntergezogen, und die Traufhöhen befinden sich auf unterschiedlichem Niveau. An der Seitenfront fällt einerseits die symmetrische Anordnung der Haustüre mit jeweils einem schmalen Fenster seitlich auf. Es ist sehr offensichtlich, dass Schinner den Plan Valentins für das Nemecek-Haus kennen musste und seinen Entwurf drei Jahre später dementsprechend abänderte. Der Plan vom November 1932 lässt eindeutig die Grundidee von Valentins Bau erkennen: Ein einfacher Baukubus mit zwei Geschoßen und einem Zeltdach erhebt sich über einem beinahe quadratischen Grundriss. Im Erdgeschoß sind die Fenster nahe den Ecken angebracht und weisen einen seitlichen Zierstreifen auf. Im Obergeschoß der Straßenfront befinden sich im Gegensatz zu Valentins Bau zwei Fenster, diese sind mit Fensterläden versehen. Der Baukörper des Nemecek-Hauses springt

im Erdgeschoß auf Höhe der Fenster etwas zurück und bildet dadurch einen horizontalen Streifen. Auch Schinners Bau ist mit einer horizontalen Verkröpfung versehen. Diese befindet sich direkt unter den Fenstern des Obergeschoßes und verbindet sich optisch mit dem seitlich angebauten, runden Erker, der mit einem Flachdach versehen ist, auf dem ein Balkon ruht. Auch der seitlich vorhandene, überdachte Hauseingang ist jenem des Hauses Nemecek sehr ähnlich. Schinner übernimmt diese Stilmittel klar von Valentin, individualisiert seinen Entwurf jedoch, indem er unter anderem den seitlichen Erker anbringt, der dem Haus ein anderes Aussehen verleiht. Auch der Grundriss ist etwas rechteckiger aufgebaut als jener Valentins. Den Balkon, den Valentin erst für Familie Nemecek plante und dann verwarf, setzte Schinner durch den zugebauten Erker um. Dieses Stilmittel, das aber, wie bereits erwähnt, ein sehr gängiges jener Zeit war, findet sich später bei Valentin wieder.*

12 Das Haus der Familie Jaidhauser.

255


Haus Kemmelbach *Ein erstaunliches Häuschen steht in Kemmelbach an der Hauptstraße Nr. 3. Es wurde laut Schätzungen des Eigentümers, Herrn Nabeka, um 1936 erbaut. Im dazugehörigen Bauakt der Marktgemeinde Neumarkt/ Ybbs12 sind diesbezüglich keinerlei Informationen ersichtlich, da keine Dokumente vor 1950 existieren. Im Jahre 1950 nahm jedoch Baumeister Aychmayer einen Umbau vor. Möglicherweise plante er auch den Neubau des Hauses. Die Straßenfront des Häuschens erweckt durch den turmartigen Vorbau sofort eine Assoziation zum Wieselburger Rathaus. Inwieweit der restliche Zubau dem Originalzustand entspricht, ist nicht klar. Jedenfalls handelt es sich um einen rechteckigen Baukörper, an dem ein Hauseck im Obergeschoß turmartig ausgebaut wurde. Im Erdgeschoß ist die darunter positionierte Hauskante abgeschrägt und die Eingangstüre darin eingelassen. Der turmartige Vorbau ist mit einem Zeltdach versehen, das in das große Dach des Hauptgebäudes übergeht. An der Seitenfront ist eine trapezförmige Dachgaube mit einem Krüppelwalmdach angebracht. Die für die 1930er Jahre typischen an die Hausecken gerückten Fenster kommen auch hier zum Einsatz. Es handelt sich jedoch um keine echten Eckfenster, da sich dazwischen zwar keine Sichtziegelstreifen, aber andersfärbig verputzte Flächen befinden. An jener Seite, an der sich die Dachgaube befindet, wurde die Fassade abgeändert, die verputzte Mauerfläche ist nicht mehr erhalten. Im Gegensatz zu Valentins Entwürfen ist die Fenstersituation sehr dezent gehalten. Nur wenige Fenster zieren das kleine, einstöckige Häuschen, die meisten davon sind an die Hausecken gerückt und über Eck mit dem dunklen Farbstreifen verbunden.* Haus Feldgasse, Scheibbs Auch einige Häuser in Scheibbs tragen Züge der modernen Architektur, wie zum Beispiel das Haus des Architekten DI Winzberger in der Feldgasse 54. Die Villa wurde 1935 von Baumeister Traunfellner für die Winzberger-Mutter, die eine geborene Löwenstein war, sozusagen als Alterssitz gebaut. Dementsprechend luxuriös und nobel war das Haus nicht nur für damalige Zeiten. 256

13, 14 Das „kleine Rathaus von Kemmelbach“.

15 Das Haus Feldgasse 54 in Scheibbs.


Werkverzeichnis der bekannten Pläne WIEN * Dozent Dr. Karl Lindner, Einfamilienwohnhaus, Wien XVIII, Buchleitengasse

1921

* Stockaufbau Frau M. Stimm und Frau I. Lindner, Wien XIII, Hüttelbergstraße 9

1924

* Volkswohnhausbau der Gemeinde Wien, Wien XX, Pappenheimgasse – Denisgasse

1925

* Wiederaufbau des Justizpalastes

1927

* Wohnhausanlage Angeligasse – Klausenburgerstraße, Wien X

1928-1929

* Wohnhaus Rudolf Schiller, Wien XIII, Küniglberggasse

1930

* Wohnhausbau für Frau und Herrn Dohan, Wien XVII, Oberwiedenstraße

1930

* Haus Lagler, Wien XIII, Josef Listergasse

1931

* Umbau Kaffee- und Teeimport KA4ER, Brunnengasse 45, Wien XVI

1933

* Umgestaltung der Ordination Dr. Frank, Wien VI, Mariahilfer Straße 1

1935

* Wohnhausbau für Frau und Herrn Dohan, Wien XVIII, Glanzinggasse 23

1935

* Wohnhausanlage Bierhäuselberggasse (Wüstenrotsiedlung), Wien XIII

1936

* Adaptierung Geschäftslokal und Waschkücheneinbau Brunnengasse 47, Wien XVI

1936, 1937, 1949

* Stützmauer am Kahlenberg mit Brunnen

1937

* Ladenbau mit Pfeilerauswechslung, Kalvarienberggasse 74, Wien XVII

1938

* Anlage eines Gefolgschaftshauses der Kabelfabriks-A.G., Wien XII, Oswaldgasse

1939

* Siedlung Jedlseer Straße

1939

* Städtischer Wohnhausbau Klosterneuburg, Wien XXVI, Adolf Hitler-Platz

1939-1940

* Umbau der Gefolgschaftsräume der Allgemeinen Ortskrankenkasse Wien I, Renngasse 15

1939-1940

* Wohnhausanlage der Gemeinde Wien, Jedlseer Straße, Wien XXI

1939-1941

* Ladenbau A. Pfeiffer, Kutschkergasse 23, Wien XVIII

1941

* Schutzraumpläne von Hauskellern aus der Kriegszeit, Wien IX

1941

* Siedlungsanlage Tannersdorf, Wien XXIII, für die GISEBA

1941

* Wohnhaus Rudolf Pfeiffer, Wien XIX

1941?

* Umgestaltung des Kindergartens in der Rötzergasse 47

1942

* Vorprojekt für den Ausbau des Betriebes J. Klinger, Wien XIV, Rauchfangkehrergasse 35-37

1942

* Denkzeichen im Prater, Wien II „An diesem Platz stand einst das erste Wiener Kaffeehaus..."

1943

* Lebensmittelgroßhandlung A. KA4ER, Liebhartsgasse 55-57, Wien XVI

1945-1946

* Renovierung Direktionsräume Firma Karl Schmoll, Wien XVIII, Martinstraße 12

1948-1950

* Firma Karl Schmoll, Theresiengasse 11, Wien XVIII

1949-1950

* Neubau Betriebsgebäude Firma Karl Schmoll

1949-1950

* Zubau an das Siedlungshaus Röntgengasse 42, Heuberg, Wien XVII

1949-1950

257


* Dauerbrandofenfabrik Karl Meller, Theresiengasse 75-77, Wien XVIII

1950-1952

* Wohnhausanlage Hasenleiten – Am Kanal, Wien XI

1950

* Schlossereiwerkstätte J. Sommer, Wien XIX, Muthgasse 20a

1951

* Wohnhausanlage der Stadt Wien, Wagramer Straße 55-61, Wien XXI

1951-1952

* Wohnhausbau der Gemeinde Wien, Grinzinger Straße 54 – Huleschgasse – Haubenbiglstraße, Wien XIX

1952-1956

* Neues Schaufenster und Geschäftseingang Pfeiffer-Klein, Wien XV, Meiselstraße 3

1953

* Geschäftslokal K. und W. Pfeiffer, Erneuerung des Portalkopfes, Brunnengasse 47-49, Wien XVI

1954, 1956, 1949, 1953

* Wohnhausbau der „Sozialbau“, Wien XXIII – Mauer, Wiener Straße 58

1955-1957

* Wohnhausanlage der Gemeinde Wien, Wien III, Alt-Erdberg, Hainburger Straße 67-115, 2. Bauteil

1955-1959

* Wohnhausanlage Floridsdorfer Markt, Wien XXI, Schleifgasse – Weisselgasse – Brünner Straße

1959-1962

* Erweiterungsbau für das Wilhelminenspital: In Zusammenarbeit mit OBBR DI Architekt A. Bauer und OBBR Architekt Dr. H. Stöhr (Chirurgischer Pavillon, Medizinischer Pavillon, Werkstätten, Direktion, Verwaltungsgebäude mit Speisesaal, Zubau Schwesternheim, Apothekengebäude, Portierhaus mit Besucherhalle und Kioskladen)

1959-1961

* Ausgestaltung eines Magazins als Garage für die Firma A. Weiser & Söhne, Wien II, Obere Augartenstraße 18

1964

* Wohnhausanlage Braunhirschengasse 13, Wien XV

1967

* Wohnhausbau der Gemeinde Wien, Hutweidengasse 14 – Friedlgasse 13, Wien XIX * Allgemeine Invalidenversicherungsanstalt, Bürohaus Wien IX (Wettbewerb) * Amtsgebäude Wien VII, Lerchenfelder Straße 1 (Wettbewerb) * Aufschließung des Kahlenberges (Wettbewerb), Restaurant * Ausgestaltung des Wiener Messegeländes * Auslagenbau K. Schubert, Wien IV * Brasilia Cafe * Denkmal der Arbeit, Wien, Ringstraße * Dollfuß-Denkmal, Wien (Wettbewerb) * Einfamilienhaus Wien XIII * Entwurf Umgestaltung Südtirolerplatz, Wien X * Heldendenkmal, Wien, Heldenplatz * Kaiser Franz Josef-Denkmal, Wien I, Michaelerplatz (Wettbewerb) * Neugestaltung des Portales und des Innenausbaues, Wien IX, Widerhofergasse 1 und 7 * Pelzgeschäft Kankovsky-Pfeiffer, Lerchenfelderstraße, Wien VIII * Portal für Spar- und Darlehenskasse, Währinger Straße 61, Wien IX * Portalherstellung Geschäft Willy Pfeiffer, E. Hörmann und Rudi Pfeiffer, Favoritenstraße 78, Wien X

258

1966-1967


* Schaubild von Mietshaus mit Stockfabrik, Wien VI, Gumpendorferstraße 89 * St. Josef Friedhof, Kahlenberg (Wettbewerb) * Tierärztliche Hochschule Wien * Verbauung Dollfußplatz in Wien vor der Votivkirche * Wohnhaus der Familie Schneeweis, Neuwaldegg, Petrus-Klotz-Gasse 14-16 * Wohnhaus für Frau S. in Wien XIII * Wohnhausanlage Paulinengasse, Wien XVIII (Wettbewerb) * Wohnhausbau, Gaudenzdorfer Gürtel, Wien XII SCHEIBBS * Wohnhausbau der Sparkasse Scheibbs

1928

* Eigenheime der Sparkasse Scheibbs, Feldgasse

1929

* Aufnahme Haus Tastl

1951

* Behelfsheim der Stadtgemeinde Scheibbs

1952

* Erschließung östlich der Feldgasse

1952

* Sanierung Wassergasse

1952

* Umbau Haus Ehrenberger, Hauptstraße 51

1953

* Umbau Haus Hauptstraße 46

1953

* Entwurf für ein Sechsfamilienwohnhaus

1928

* Erschließung der Glax-Gründe

1951

* Wohnhausbau der Stadtgemeinde Scheibbs, Ufergasse

1951-1953

* Adaptierung Gemeindekanzlei Scheibbs

1952-1953

* Gestaltung des Kapuzinerplatzes

1953, 1955

* Dachaufbau für W. Löwenstein WIESELBURG * Amtsgebäude Wieselburg

1926

* Haus Geissler

1927

* Kriegerdenkmal

1928, 1929, 1931

* Wohnhausbau der Marktgemeinde Wieselburg

1929

* Zubau des Hauses des Spar- und Vorschussvereines

1929

* Haus Batscher

1929

* Haus Wiktora

1929

* Wohnhausbau in Wieselburg (Wüster)

1930

* Haus Lossgott

1930

* Stockaufbau Volks- und Hauptschule

1930

* An- und Umbau Haus Karl Riedmüller

1930

* Einfriedung der Realität Moser

1930

259


* Einfriedung für die Realität A. Fahrner

1930-1932

* Anbau und Adaptierung Haus J. Lossgott

1930, 1931

* Haus Nemecek

1931

* Geschäftserweiterung M. Greger, Grestner Straße

1931, 1932

* Umbau Gasthaus Moser

1933

* Regulierung des Platzes vor der Halle nächst der Mankerstraße

1933

* Grabstätte Familie Lossgott

1938

* Grabmal der Familie Nemecek

1934

* Dollfuß-Denkmal, Weinzierl

1934

* Grabmal der Familie Lossgott

1938

* Ortsplanung Mitterwasser

1943

* Mitterwasser

1943

* Haus Wieselburg

1949

PETZENKIRCHEN * Wohnhaus für Herrn und Frau Tree

1930

* Neubau für den Vorschuss- und Sparverein

1930-1932

* Wohnhaus für Anna Krause

1931

* Haus Mayrhofer, Einfahrtstor und Eingang

1932

* Familie Frank, Grabsteinaufschrift

1932

* Realität Josef Schildberger

1933

PÖCHLARN * Frisiersalon Josef Pils, Pöchlarn Nr. 86

1953

* Landesberufsschule Pöchlarn

1953

KREMS * Auslagenumbau und Möblierung Tabak-Hauptverlag Krems, Täglicher Markt 5

1936

* Buchdruckerei Faber, Landstraße

1936

* Schuhhaus Baumgartner

1936

SONSTIGE

260

* Neubau eines Kirchenlokales der katholisch-apostolischen Gemeinde in Brünn, Talgasse 63

1926-1927

* Wohnhaus Spindler, Mauer bei Wien

1934

* Auslagen-Passage für A. Bierbaumer, Tulln

1934

* Spezialpappenfabrik „Carinthia“, Schwarzau am Steinfeld, Wiederaufbau nach Brand

1936

* Haus in Perchtoldsdorf

1936

* Umänderung Haus Maria Paul, Bürgergasse 45, Mauer

1936


* Siedlung Stockerau

1938-1940

* Neubau der Hauptschule in Lackenbach

1940-1941

* Götzendorf an der Leitha

1943

* Ortsplanung Fischamend

1943

* Ruine Perchtoldsdorf, Tor

1944

* Wohnhaus des Franz Sykora, Sieghartskirchen

1946-1949

* Renovierung Warenhaus J. Scheibein, Zistersdorf

1948

* Zu- und Aufbau Franziska Pimperl, Sieghartskirchen

1949

* Bundesrealgymnasium Vöcklabruck (Wettbewerb)

1963

* Kurpension „Tassilo“, Bad Hall, Hauptplatz 7

1961, 1963, 1964, 1965

* Allgemeine Arbeiter Kranken- und Unterstützungskasse * Bismarckplatz in Innsbruck * Bundesrealgymnasium Gleisdorf (Wettbewerb) * Bundesrealgymnasium Gleisdorf (Wettbewerb) * Bundesrealgymnasium mit Internat in Eisenstadt (Wettbewerb) * Einfamilienhaus bei Melk * Einfamilienhaus bei Ybbs * Einfamilienhaus für Architekt Kastner und Page * Entwurf für ein 1- oder 2-Familienhaus * Froschbergsiedlung Linz * Haus Wegscheidler, Lackenbach * Hofpreiswettbewerb * Knabenschule Bruck an der Leitha (Wettbewerb) * Kurhaus Tobelbad * Landeserziehungsanstalt Korneuburg (Ideenwettbewerb) * Ortsplanung Lackenbach * ÖRW Siedlungswettbewerb * Österreichischer Pavillon, Weltausstellung Brüssel 1935 * Rathaus Gablonz (Ideenwettbewerb) * Sitzungszimmer für die Spar- und Darlehenskasse öffentlich Angestellter Österreichs * Skizze für ein Bahnhauptgebäude * Strandbad am Wörthersee * Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Graz * Wahrzeichen in Ober-Arnsdorf, NÖ * Werkssiedlung Pumpspeicherwerk Ottenstein (Wettbewerb) * Wohnhaus Rudolf Pfeiffer

261


ALLGEMEINES * Typenpläne für städtische Wohnhausbauten

1940

* Entwurf einer Jugendstilvilla * Siedlungswettbewerb MÖBELPLÄNE * Dr. Heymann, Wien VI

1929, 1930

* Nationalrat Fahrner, Wieselburg

1929, 1930

* Otto Geist, Kritzendorf

1930

* Dr. Faber, Krems

1931, 1932, 1933

* Wohnung Rudolf Pfeiffer, Wien VIII

1931, 1932, 1935, 1947, 1948

* Familie Geissler, Wieselburg

1931, 1936

* Frau L. Bartenstein, Krems

1931

* Frau Sauer

1932

* Familie Moser, Wieselburg

1933

* P. Bellak, Wien XIII, Feldmühlgasse 22

1934

* Frau E. Bernfus

1934

* Familie C. Brench, Wien III

1934

* Familie Horny, Weidlingau

1934, 1935

* Frau Dr. P., Wien IX

1935

* Bertha Vogel, Wieselburg

1935

* S. Geist, Wien IV

1936

* Frau M. Willinger, Wien XII

1936

* F. Miksch, Schwechat

1936

* Familie Back, St. Pölten

1937

* Haus Staretz

1939, 1941

* Firma J. Klinger, Wien XIV, Rauchfangkehrergasse 35-37

1940

* K. Riedmüller, Wien III, Arenbergring 19

1940, 1941

* Paul Valentin, Wien IV, Argentinierstraße 35

1943

* Franz Pfeiffer, Geschäft Wien XVI und Wohnung Wien XVII

1945-1948

* Wohnung Wilhelm Pfeiffer, Wien XVI, Brunnengasse

1947

* Wohnung Alfred Pfeiffer, Wien VIII

1948

* Dr. P. Zebro, Wien IV

1955

* Frau Dr. Friedjung * M. Komosny, Wien XVII * Möblierungsplan Röntgenordination

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Literatur- und Bildnachweis Anton Valentin – Leben und Werk Fußnoten 1 Mag. Elisabeth Valentin, Zusammenstellung der Vita von Anton Valentin durch seinen Sohn o.Univ.Prof. Dr. Georg Valentin 2 Universitätsarchiv der Akademie der bildenden Künste Wien, Studienbögen Nr. 202 und 1365N, zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin 3 Otto Wagner Archiv, Wien, zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin 4 Zeugnis von Architekt Krist als Kopie zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin 5 Brief zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin 6 Mitteilungen der österreichischen Ingenieurkammer 1927, S. 7, zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin 7 Brief zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin 8 Zusammenstellung von Univ. Prof. Dr. Georg Valentin Bildnachweis 01-03 Familie Valentin 04 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 05-08 Familie Valentin 09 Irene M. Weiß 10-15 Familie Valentin 16 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin Rathaus Wieselburg Fußnoten 1 Irene M. Weiß, Wieselburg – Wandel im Ortsbild, HeimatVerlag, 2009, S. 9 2Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Sektion II 3 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1914-1929, S. 365, Punkt 4 4 Architekturzentrum Wien, Nachlass des Architekten Anton Valentin 5 Mag. Elisabeth Valentin, Blatt aus dem Nachlass 6 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1914-1929, S. 365, Punkt 4 7 Karl Kraushofer, Erlaftal-Bote, 1979, Nummer 30, S. 7 8 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1914-1929, S. 369 „Berichte“ 9 Mag. Elisabeth Valentin, Blatt aus dem Nachlass 10 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1914-1929, S. 387

11 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Sektion II 12 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1914-1929, S. 296, Punkt 6 13 Karl Kraushofer, Erlaftal-Bote, 1979, Nummer 30, S. 7 14 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1914-1929, 7. Juli 1927, S. 406, Punkt 2 15 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Sektion I 16 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Sektion II 17 Stadtarchiv Wieselburg, Bauakt Rathaus 18 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Sektion II 19 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1914-1929, S. 438, Berichte, Punkt 4 20 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1914-1929, S. 441, Berichte 21 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1914-1929, S. 448 ff 22 Stadtarchiv Wieselburg, Protokoll der Sektion I 23 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1914-1929, S.456 24, 25 Stadtarchiv Wieselburg, Sitzungsprotokoll 12. 10. 1929 bis 5. 10. 1954 26 Stadtarchiv Wieselburg 27 Mag. Elisabeth Valentin, Brief vom 23. 1. 1931 28 Architektenlexikon des Architekturzentrum, Wien 18801945, URL: http://www.architektenlexikon.at/de/661.htm (Zugriff am 15.5.2011) 29 Hans Hautmann, Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919- 1934, Wien 1980, S. 425 30 Hans Hautmann, Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919- 1934, Wien 1980, S.109 31 Wolfgang Pehnt, Die Architektur des Expressionismus, Stuttgart 1973, S. 195 32 Wilhelm Löwenstein, Chronik der Bezirksstadt Scheibbs, S. 292 Bildnachweis 01 Robert Gnant 02-04 Stadtarchiv Wieselburg 05 Weiß, Irene, Original im Rathaus Wieselburg, Zimmer 3 06 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 07-10 Stadtarchiv Wieselburg 11 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 12 Stadtarchiv Wieselburg

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13 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 14 Stadtarchiv Wieselburg 15 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 16-17 Stadtarchiv Wieselburg 18-19 Irene M. Weiß 20 Stadtarchiv Wieselburg 21 Familie Engleitner 22 Stadtarchiv Wieselburg 23-37 Stadtarchiv Wieselburg 38-40 Irene M. Weiß 41 Stadtarchiv Wieselburg 42 Helga Leitzinger 43-47 Stadtarchiv Wieselburg 48-49 Irene M. Weiß 50-51 Stadtarchiv Wieselburg 52 Irene M. Weiß 53 Stadtarchiv Wieselburg 53 a und b Irene M. Weiß 54-55 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 56-58 Stadtarchiv Wieselburg 59-61 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 62-63 Stadtarchiv Wieselburg

„Der Planer von Scheibbs“ Fußnoten 1 Stadtarchiv Scheibbs, Protokollbuch der Gemeinderatssit zungen 1952 2 Stadtarchiv Scheibbs, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen von 1951 3 Stadtarchiv Scheibbs, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen von 1953, Sitzung vom 7. Oktober 1953 4 Wilhelm Löwenstein, Chronik der Bezirksstadt Scheibbs, S. 292 5 Archiv der Sparkasse Scheibbs, Planmappe Anton Valentin Bildnachweis 01-02 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 03 Stadtarchiv Scheibbs 04-09 Stadtarchiv Scheibbs 10-15 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 16-18 Archiv der Sparkasse Scheibbs 19 Stadtarchiv Scheibbs 20-21 Ludwig Mayr 22-24 Irene M. Weiß 25-26 Archiv der Sparkasse Scheibbs 27 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 28 Archiv der Sparkasse Scheibbs

Haus Geissler, Wieselburg Fußnoten 1 Stadtarchiv Wieselburg, Melderegister 2 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch der Sektion II 3-5 Stadtarchiv Wieselburg, Bauakt Scheibbser Straße 2 6 Tagebuch Anton Valentins 1936/37, zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin 7 Stadtarchiv Wieselburg, Bauakt Scheibbser Straße 2 8 Gespräch mit Ernst Bauer Bildnachweis 01 Stadtarchiv Wieselburg 02 Irene M. Weiß, Original im Brauhof Wieselburg 03 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 04 Stadtarchiv Wieselburg 05-06 Irene M. Weiß 07-09 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 10 Irene M. Weiß 11 Skizze von Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß 12 Irene M. Weiß 13 Familie Karl Neubacher 14 Stadtarchiv Wieselburg 15 Irene M. Weiß, Archiv 16 Irene M. Weiß 2011

Volksbank Wieselburg Fußnoten 1 Stadtarchiv Wieselburg, Bauakt Volksbank Bildnachweis 01 Stadtarchiv Wieselburg, Sammlung Göschl 02 Irene M. Weiß, Archiv, Foto bearbeitet 03-05 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 06 Willi Haslauer 07-08 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 09 Volksbank Wieselburg 10 Irene M. Weiß Volks- und Hauptschule Wieselburg Fußnoten 1 Erlaftal Bote, XII.Jahrgang, Nummer 3, S.4 2 Maria Eilenberger, Die Schule am Berg bei Wieselburg, Rubrik „Geschichtliches“ in: Lebenswertes Wieselburg-Land, 11/2010, S. 21 Bildnachweis 01 Irene M. Weiß, Archiv 02 Stadtarchiv Wieselburg, Sammlung Göschl 03-07 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin


Riedmüller Villa, Wieselburg Fußnoten 1 Irene M. Weiß, Caspar Bartenstein – Julies Vater zum 160. Geburtstag gewidmet, Wieselburg 2006 , S.37 2 Karl Jägersberger, Hainfelder Heimatbuch, Werden und Wachsen der Stadt Hainfeld, 2004 3 Stadtarchiv Wieselburg, Bauakt 4 In Besitz von Heinz Nemecek 5 Waltraud Neuwirth, Wiener Keramik, Historismus, Jugendstil, Art Deco, Braunschweig 1974, S. 166 Bildnachweis 01 Stadtarchiv Wieselburg 02 Irene M. Weiß 03 Stadtarchiv Wieselburg 04-13 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 14 Stadtarchiv Wieselburg 15-18 Familie Heinz Nemecek 19 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 20-23 Familie Heinz Nemecek 24 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 25-27 Familie Heinz Nemecek Haus Batscher, Wieselburg Fußnoten 1 August Sarnitz, Adolf Loos, Köln 2003, S. 13 2 Peter Haiko, Die Architektur des XX. Jahrhunderts 1989, S. 22 Bildnachweis 01-04 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin Ein- oder Zweifamilienwohnhaus Bildnachweis 01-02 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin Anton Fahrner, Wieselburg Fußnoten 1 Grundbuch Wieselburg Alle privaten Informationen und jene, die das Gebäude betreffen sind von Helene Wurzinger (Gespräch im Sommer 2011) Bildnachweis 01 Irene M. Weiß 2006 02-09 Helene Wurzinger 10 Archiv Irene M. Weiß, Ausschnitt aus dem ETB vom Jänner 1911 11 Stadtarchiv Wieselburg 12 Helene Wurzinger

13-14 Irene M. Weiß 2006, 2011 15-16 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 17 Irene M. Weiß 2006 18 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 19-20 Irene M. Weiß 2011 21-23 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 24-25 Irene M. Weiß 2011 26 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 27 Irene M. Weiß 2011 28 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 29 Irene M. Weiß 2011 30 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 31 Irene M. Weiß 2011 32-33 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin Haus Wiktora, Wieselburg Fußnoten 1 Stadtarchiv Wieselburg, Denkschrift über die Entstehung und die Anlage, den Bau und die Einrichtung des Kriegsgefangenenlagers in Wieselburg a/d Erlaf, Niederösterreich, aus dem Nachlass von Ilse Schneider, S.56 2 Stadtarchiv Wieselburg, Bauakt Breiteneicher Straße 2 3, 4 Stadtarchiv Wieselburg, Lageplan des Kriegsgefangenenlagers 5, 6 Stadtarchiv Wieselburg, Denkschrift über die Entstehung und die Anlage, den Bau und die Einrichtung des Kriegsgefangenenlagers in Wieselburg a/d Erlaf, Niederösterreich, aus dem Nachlass von Ilse Schneider, S.56 7 Karl Hareiter, Zuisila/Wieselburg, Wieselburger Ortschronik, 1975, S. 160 8 Stadtarchiv Wieselburg, Brief von Karl und Katharina Wiktora, 7. März 1930, im Bauakt 9 Stadtarchiv Wieselburg, Bauakt Bildnachweis 01 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß 02 Walpurga Niebauer 03-04 Stadtarchiv Wieselburg 05 Peter Thanel 06 Stadtarchiv Wieselburg 07-09 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 10 Stadtarchiv Wieselburg 11 Peter Thanel 12-13 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin

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Unverwirklichte Pläne für Petzenkirchen Bildnachweis 01-02 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 03 Familie Helmut Schildberger 04-05 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 06 Irene M. Weiß 2011 07 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 08 Irene M. Weiß 2011 Haus Moser, Wieselburg Fußnoten 1 Alle Dokumente in Besitz von Waltraud Straßmayr 2 Grundbuch Wieselburg 3 Waltraud Straßmayr 4 Grundbuch Wieselburg 5 ETB, Nr. 14, 31.3.1998 Bildnachweis 01 Irene M. Weiß 2008 02-08 Waltraud Straßmayr 09-16 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 17 Waltraud Straßmayr 18 Gertrude und Karl Moser 19-24 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 25 Waltraud Straßmayr 26 Anny Nemecek 27-28 Waltraud Straßmayr 29 Irene M. Weiß 2011 Haus Wüster, Wieselburg Fußnoten 1 Stadtarchiv Wieselburg, Bauakt 2 Mitteilungen von Thiele Wüster Bildnachweis 01 Thiele Wüster 02 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 03 Thiele Wüster 04 Stadtarchiv Wieselburg 05 Stadtarchiv Wieselburg 06 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 07 Stadtarchiv Wieselburg Haus Lossgott, Wieselburg Fußnoten 1 Irene M. Weiß, Wieselburg –Wandel im Ortsbild, Heimat Verlag, 2009

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2 Stadtarchiv Wieselburg, Bauakt Lossgott 3 Stadtarchiv Wieselburg , Sitzungsprotokolle von 19291954, S. 27) 4 Stadtarchiv Wieselburg, Bauakt Lossgott 5 Stadtarchiv Wieselburg, Verhandlungsschrift, 18. August 1930 6 Stadtarchiv Wieselburg, Brief von Josef Lossgott jun., 24. Oktober 1930 im Bauakt 7-8 Hajo Düchting, Wie erkenne ich moderne Architektur, Stuttgart 2007, S. 74 9 Stadtarchiv Wieselburg, Bauakt Lossgott 10 Stadtarchiv Wieselburg, Verhandlungsschrift vom 16. März 1932 Bildnachweis 01 Familie Scheruga 02-03 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 04 Stadtarchiv Wieselburg 05 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 07 Stadtarchiv Wieselburg 08 Hajo Düchting, Wie erkenne ich moderne Architektur, Stuttgart 2007, S. 74 09 Stadtarchiv Wieselburg 10-13 Familie Scheruga 14 Irene M. Weiß 15-18 Familie Scheruga 19 Irene M. Weiß 2011 20 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin Vorschuss- und Sparverein, Petzenkirchen Fußnoten 1Alle Informationen stammen von Johann Scheiblauer, Gespräch im Sommer 2011 Bildnachweis 01 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß 02 Johann Scheiblauer 03 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß 04-06 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 07-09 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß 10 Johann Scheiblauer Luise Bartenstein, Krems Fußnoten 1 Informationen von Gerlinde Malek Bildnachweis 01 Thiele Wüster 02 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin


Moritz Greger, Wieselburg Fußnoten 1 Stadtarchiv Wieselburg, Gemeindematrikel 2 Stadtarchiv Wieselburg, Gemeindematrikel 3 Stadtarchiv Wieselburg, Bauverhandlungsprotokoll vom 29. April 1931 4 Stadtarchiv Wieselburg, Bauverhandlungsprotokoll vom 22. Juni 1934 5 Irene M. Weiß, Wieselburg – Wandel im Ortsbild, HeimatVerlag soo9 6 Dr. Karl Hareither, Zuisila, Wieselburg 1975 7 Archiv der Wirtschaftskammer Scheibbs 8 Grundbuch Wieselburg Bildnachweis 01 Dr. Johannes Kammerstätter 02 Walter Fritz 03 Stadtarchiv Wieselburg 04 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 05 Stadtarchiv Wieselburg 06 Robert Gnant 07 Walter Fritz o8 Robert Gnant 09-10 Irene M. Weiß Kriegerdenkmal Wieselburg Fußnoten 1 Stadtarchiv Wieselburg, Bauverhandlungsprotokoll vom 29.4.1931 2 Julie Wüster, Mein Wieselburg in neun Jahrzehnten, Wieselburg 1966, S.14 3 Stadtarchiv Wieselburg Bildnachweis 01 Stadtarchiv Wieselburg 02 Stadtarchiv Wieselburg, Sammlung Kraushofer 03-07 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 08 Rupert Riedl, Leben und Schaffen des Bildhauers Josef Riedl, eine Künstlerbiographie, Frankfurt am Main 2005 09 Irene M. Weiß 10-11 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 12 Irene M. Weiß 13-14 Stadtarchiv Wieselburg, Sammlung Kraushofer 15 Irene M. Weiß Haus Nemecek, Wieselburg Fußnoten 1 Bauakt im Stadtarchiv Wieselburg 2 Stadtarchiv Wieselburg, Karl Kraushofer, Mappe Häusergeschichten 3-4 Bauakt im Stadtarchiv Wieselburg

5 Stadtarchiv Wieselburg, Karl Kraushofer, Mappe Häusergeschichten 6 Stadtarchiv Wieselburg, Sitzungsprotokolle 7 Bauakt im Stadtarchiv Wieselburg 8 Grundbuch Wieselburg 9 Stadtarchiv Wieselburg, Brief von Franz Nemecek, 5. April 1932 10-11 Stadtarchiv Wieselburg, Bauverhandlungs-Protokoll 12 Stadtarchiv Wieselburg, Brief von Franz Nemecek, 18. November 1932 13 Stadtarchiv Wieselburg, Bauverhandlungs-Protokoll 14 Stadtarchiv Wiselburg, Auswechslungsplan Haus Nemecek Bildnachweis 01-05 Rosa Nemecek 06-10 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 11-14 Irene M. Weiß 15 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 16 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß 17-18 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 19-22 Rosa Nemecek 23-26 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 27 Rosa Nemecek 28-30 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 31 Irene M. Weiß Villa und Druckerei Faber, Krems Fußnoten 1 Tagebuch Anton Valentins 1936/37, zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin 2 Hans Frühwirth, Die Doppelstadt Krems-Stein – Ihre Geschichte von 1848 - 2000, S. 82 Bildnachweis 01 Prof. DI Ernst Kalt 02 Familie Malek 03-07 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 07-08 Familie Malek Dr. Andreas Frank, Wien/Petzenkirchen Fußnoten 1 Tagebuch von Anton Valentin Bildnachweis 01 Irene M. Weiß 02 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 03-04 Heidi Lantin

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05-10 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin Familie Mayrhofer, Petzenkirchen Fußnoten Alle Informationen zu diesem Kapitel stammen von Erika Rüpschl und Luise Mayrhofer Bildnachweis 01 Erika Rüpschl 02 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 03 Erika Rüpschl 04-07 Familie Mayrhofer, „Gasthaus zur Traube“ und „Kreutzer-Alm“ 08 Irene M. Weiß 2011 Diverse Projekte Wieselburg Fußnoten 1 Stadtarchiv Wieselburg, Gemeinderatssitzungsprotokolle 12.10.1929 - 5.10.1954 2 Tagebuch Anton Valentins 1936/37, zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin Bildnachweis 01-02 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 03-05 Stadtarchiv Wieselburg 06 Gudrun Lasselsberger 07 Mag. Herta Pischinger 08 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 09 Messe Wieselburg 10 Anni Nemecek Josef Schildberger, Petzenkirchen Fußnoten Alle Informationen zum Kapitel stammen von Mitgliedern der Familie Schildberger Bildnachweis 01 Erika Rüpschl 02-03 Helmut Schildberger 04 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin Dollfuß-Denkmal, Weinzierl Fußnoten 1-5 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch 1934 6 Stadtarchiv Wieselburg, Protokollbuch 1935 7 Dr. Johannes Kammerstätter, Chronik Wieselburg-Land, S. 302 8 Dr. Johannes Kammerstätter, Chronik Wieselburg-Land, S. 301

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Bildnachweis 01 Archiv der Gemeinde Wieselburg-Land 02 Irene M. Weiß, Original in der Stadtgemeinde Wieselburg, Zimmer 3 03 Messe Wieselburg Bertha Vogel, Wieselburg Fußnoten 1 Stadtarchiv Wieselburg, Melderegister 2 Erlaftal-Bote Jahrgang 21, Nr. 8, 19.2.1911, S. 3/4 Bildnachweis 01 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin Baumgartner, Krems Fußnoten 1-3 Tagebuch Anton Valentins 1936/37, zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin Bildnachweis 01-03 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 04 Archiv DI Ernst Kalt Familie Geist, Wien Fußnoten 1 Dr. Johannes Kammerstätter 2 Tagebuch Anton Valentins 1936/37, zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin Bildnachweis 01 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 02-04 Dr. Johannes Kammerstätter Tabak-Hauptverlag, Krems Fußnoten 1 Tagebuch Anton Valentins 1936/37, zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin Bildnachweis 01-03 Archiv Prof. DI Ernst Kalt 04-07 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 08-09 Archiv Prof. DI Ernst Kalt 10 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin Familie Back, St. Pölten Fußnoten 1 Dr. Johannes Kammerstätter 2 Tagebuch Anton Valentins 1936/37, zur Verfügung gestellt von Mag. Elisabeth Valentin


Bildnachweis 01 Dr. Johannes Kammerstätter 02-09 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin

10-11 Irene M. Weiß 2011 12 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 13 Irene M. Weiß 2011

Pläne für den Stadtkern Scheibbs Fußnoten 1 Wilhelm Löwenstein, Chronik der Bezirksstadt Scheibbs, S. 208 2 Stadtarchiv Scheibbs, Gemeinderatsprotolollbuch 1951 3 Architekturzentrum Wien 4, 5, 6 Stadtarchiv Scheibbs, Gemeinderatsprotolollbuch 1953 Bildnachweis 01 Hans Hagen Hottenroth 02 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 03 Irene M. Weiß 2011 04 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 05 Abbildung in: Wilhelm Löwenstein, Chronik der Bezirksstadt Scheibbs, S. 310 06 Abbildung in: Prof. Hans Hagen Hottenroth, Der Bezirk Scheibbs – Ansichten aus vier Jahrhunderten, S. 114 07 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß 08-09 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 10 Manfred Zwirner 11 Irene M. Weiß 2011 12 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 13 Manfred Zwirner 14 Irene M. Weiß 2011 15-16 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin

Wohnhausanlage Uferstraße, Scheibbs Fußnoten 1, 2, 3 Stadtarchiv Scheibbs, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1951 4, 5, 6, 8 Stadtarchiv Scheibbs, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1952 9 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16 Stadtarchiv Scheibbs, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1953 Bildnachweis 01 Irene M. Weiß, Archiv 02 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß, 2010 03-04 Gerhard Wieland 05 Irene M. Weiß 2011 06 Gerhard Wieland 07 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 08 Stadtamt Scheibbs, Abteilung Kultur 09 Stadtarchiv Scheibbs 10 Stadtamt Scheibbs, Abteilung Kultur 11-15 Stadtarchiv Scheibbs 16 Irene M. Weiß 2011 17-18 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß, 2010

Rathaus Scheibbs Fußnoten 1 Stadtarchiv Scheibbs, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1951 2, 3, 4 Stadtarchiv Scheibbs, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1952 Bildnachweis 01 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 02,03 Stadtamt Scheibbs, Abteilung Kultur 04-05 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 06 Irene M. Weiß 2011 07-09 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin

Kapuzinerplatz Scheibbs Fußnoten 1,2 Stadtarchiv Scheibbs, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1953 3, 4, 5 Stadtarchiv Scheibbs, Mappe Kapuzinerplatz 6 Stadtarchiv Scheibbs, Mappe Kapuzinerplatz, Zl.BD/R-70/4-1953 7 Stadtarchiv Scheibbs, Mappe Kapuzinerplatz, L.A.B/2-B Bdstr. Planung vom 12. August 1953 8 Stadtarchiv Scheibbs, Mappe Kapuzinerplatz 9 Stadtarchiv Scheibbs, Protokollbuch der Gemeinderatssitzungen 1953 10, 11, 12 Stadtarchiv Scheibbs, Mappe Kapuzinerplatz 13 Stadtarchiv Scheibbs, Mappe Kapuzinerplatz, Z.L.A/4-404-1953 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, Stadtarchiv Scheibbs, Mappe Kapuzinerplatz 22 Wilhelm Löwenstein, Chronik der Bezirkshauptstadt Scheibbs, S.320 23 Wilhelm Löwenstein, Chronik der Bezirkshauptstadt Scheibbs, S.324 24 Wilhelm Löwenstein, Chronik der Bezirkshauptstadt Scheibbs, S.322

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Bildnachweis 01 Irene M. Weiß, Archiv 02 Stadtarchiv Scheibbs 03 Bild in: Der Bezirk Scheibbs – Ansichten aus vier Jahrhunderten, Hottenroth, S. 124 04 Gerhard Wieland 05 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 06 -07 Stadtarchiv Scheibbs 08 Prof. Hans Hagen Hottenroth 09 Stadtarchiv Scheibbs 10 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 11-12 Prof. Hans Hagen Hottenroth 13 Gerhard Wieland 14-15 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß 2010 16-17 Stadtarchiv Scheibbs 18 Irene M. Weiß Frisiersalon Josef Pils, Pöchlarn Fußnoten Alle Informationen Stadtarchiv Pöchlarn, Bauakt Bildnachweis 01 Manfred Zwirner 02 Irene M. Weiß 03 Manfred Zwirner 04 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin Landesberufsschule, Pöchlarn Fußnoten 1 Landesberufsschule Pöchlarn, Broschüre über die Landesberufsschule Pöchlarn, erschienen 2010 Bildnachweis 01-03 Archiv der Landesberufsschule Pöchlarn 04-06 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 07-11 Archiv der Landesberufsschule Pöchlarn Valentin oder nicht Valentin? Fußnoten 1 http://www.architektenlexikon.at/de/661.htm, Zugriff am 22.09.2010 2, 3, 4, 5 Archiv der Marktgemeinde Golling, Protokollbuch 6 Stadtarchiv Wieselburg, Brief an die Gemeindevorstehung Wieselburg, 25. November 1929, im Bauakt 7 Stadtarchiv Wieselburg, Brief der Marktgemeindevorstehung Wieselburg an die Streckenleitung der ö. Bundesbahnen, 3. Dezember 1929, im Bauakt 8 Stadtarchiv Wieselburg, Kurrende bezügl. Lokalaugenschein, 3. Dezember 1929, im Bauakt

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9 Stadtarchiv Wieselburg, Brief der Marktgemeindevorstehung Wieselburg an Aloisia Schinner, 6. Dezember 1929, im Bauakt 10 Stadtarchiv Wieselburg, Bauverhandlungsprotokoll, 6. Dezember 1929, im Bauakt 11 Stadtarchiv Wieselburg, Kommissions-Protokoll, 13. August 1936, im Bauakt 12 Archiv der Gemeinde Neumarkt/Ybbs. Bildnachweis 01-05 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß, 2010 06-07 Manfred Zwirner 08 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß, 2010 09-10 Stadtarchiv Wieselburg 11 Architekturzentrum Wien, Pläne im Nachlass von Anton Valentin 12 Irene M. Weiß 2001 13-15 Mag.(FH) Mag. Johanna Weiß 2010


Für den Wiener Architekten Anton Valentin zog der Auftrag zur Planung und zum Bau des Rathauses Wieselburg eine beachtliche Anzahl von Folgeaufträgen in Wieselburg, Scheibbs, Petzenkirchen, Pöchlarn, Krems und Wien nach sich. Die große Verwandtschaft einiger Wieselburger Familien kam ihm dabei zugute. In erster Linie aber waren seine Kompetenz, seine Konsequenz, sein untadeliger Charakter, seine Umsichtigkeit und sein enormes Engagement ausschlaggebend für seinen Erfolg in unserer Region.

ISBN 978-3-9501919-1-2


Anton Valentin - Bauten und Bauherren  

Anton Valentin - Bauten und Bauherren

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