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„crossing spaces – Scheibbs meets Armenia“

Hrachya VARDANYAN ONE DAY IN THE LAND OF SAINT FLORIAN


Ausstellungskatalog Hrachya VARDANYAN - One Day in the Land of Saint Florian Editor Joseph Hofmarcher

Projekttitel „crossing spaces - Scheibbs meets Armenia“ Artist in Residence Hrachya Vardanyan Musik Karen Asatrian & Armenian Spirit, Rita Movsesian, Sylvia Kummer Kurator Joseph Hofmarcher Privater Förderer Hans Döller Gastgeber Neubruck Immobilien GmbH, Projekt gefördert durch GF Andreas Hanger (Abg. z. NR), das Land Niederösterreich Bgm. Christine Dünwald (Scheibbs) Weitere Unterstützer Stadtgemeinde Scheibbs, Wishapaqar, Sparkasse Scheibbs, RahmenDamen, Neubruck Immobilien GmbH Fotos Armenian Spirit, Joe Vigerl, Joseph Hofmarcher, asatrian.net, Jürgen Thoma, Romana Dienstbier, Wishapaqar, privat Layout sound architecture collective Impressum / Herausgeber Eisenstraße Niederösterreich, Neubruck 2/1, AT-3283 Scheibbs service@eisenstrasse.info Auflage 2 (PDF)


„crossing spaces – Scheibbs meets Armenia“

Hans Döller Joseph Hofmarcher

Hrachya VARDANYAN ONE DAY IN THE LAND OF SAINT FLORIAN

Artist in Residence Töpperschloss Neubruck 2 3283 Scheibbs

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Gefühle evoziert. Und gerade heute, da im Alltag Sauberkeit und Sicherheit wie auch die Virtualisierung durch die elektronische Vernetzung allerorts die wichtigsten Prämissen darstellen, gerade jetzt wird die vermeintliche Rauigkeit und Grobheit besonders und interessant. Das Erleben von Handwerk, Natur und Material wird in den letzten Monaten häufig diskutiert. Im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien beispielsweise fand Anfang 2017 eine Ausstellung mit dem Titel „handWERK. Tradiertes Können in der digitalen Welt“ statt.

aus früheren Zeiten, die er als Material für seine ausgestellten Werke nutzte. Damit lebt die Geschichte dieses Ortes in seinen Werken fort - ein Fingerzeit für neue Projekte in der Alten Fabrik? Ich wünsche Ihnen viel Freude in der Betrachtung dieses Gemeinschaftswerkes.

Joseph Hofmarcher Kurator, Editor (Eisenstraße Niederösterreich)

Schaffensort Alte Fabrik Eingebettet in der historischen Fabrikshalle im Industriekomplex am Treffpunkt der beiden Flüsse Erlauf und Jessnitz fand der Armenier ein inspirierendes Umfeld vor. Der Standort Neubruck florierte im 19. Jahrhundert durch die Stahlwalzblech-Produktion, wurde im 20. Jahrhundert für Papierproduktion umgebaut, und im Jahr 2015 wurde im Wohnhaus und teilweise auch in den FabriksEDITORIAL gebäuden die Niederösterreichische Landesausstellung ausgerichtet. Dadurch konnte der Mit dem Titel „crossing spaces - Scheibbs Standort und dessen Umgebung restauratomeets Armenia“ wollen wir - der Künstler Hrachya Vardanyan, sein Förderer Hans Döller risch und infrastrukturell aufgeputzt werden. Nach der Landesausstellung ist der Standort und ich - den kulturellen Austausch betonen. nun ein sogenanntes interkommunales BeVardanyan beschäftigt sich in seiner künsttriebsgebiet. Im „Töpperschloss“ (ehemaliges lerischen Arbeit seit einigen Jahren mit der Transzendenz, also mit dem Überschreiten der Wohnhaus der Fabriksbetreiber) befinden sich seit 2016 unter anderem Insitutionen wie die Grenzen zwischen dem Sichtbaren und dem Eisenstraße Niederösterreich, die Mostviertel Immateriellen. Tourismus GmbH, eine Gastronomiestätte und Der künstlerische Austausch fand in Teilproder Coworking Neubruck Space. jekten während des Künstleraufenthaltes Die ehrwürdigen Hallen wurden - zum Glück statt, wie: die Gemeinschaftsarbeit mit der für das historische Industrieerbe - nicht abgeHobbykünstlerin Romana Dienstbier (DieRotragen. Zur Zeit werden diese hauptsächlich mana), mit dem Kurzfilmprojekt mit Gerald als Lagerflächen genutzt. Die große „Halle 1“ Prüller (Cleanhill Studios), sowie in den häumit einem Holzdachstuhl in Tonnenform biefigen Konversationen zwischen Künstler und tet hochwertige Stimmung. Licht von kleinen Kurator. Öffnungen in Fassade und Dach dringt tief in Bei dem Eröffnungskonzert zur abschließenden großen Raum ein, die Spuren der ehemaden Vernissage am 14. Juni 2017 gab auch die internationalen Jazz-Formation „Karen Asatri- ligen Produktion sind klar lesbar. Die alten Mauern erzählen regelrecht Geschichten. an & Armenian Spirit“ ein Konzert. Gerade mit den Neubrucker Werken Vardanyans werden Räume überkreuzt (crossing spaces) und Grenzen verwischt. In der Ausdrucksstärke und Tiefe der Gemälde werden

In diesem Ambiente fand Hrachya Vardanyan ein ideales Umfeld für sein künstlerisches Schaffen und für seine thematischen Recherchen. Er fand sogar noch eine alte Papierrolle

03:00 „Die heilige Hand“ „The holy Hand“


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ONE DAY IN THE LAND OF SAINT FLORIAN Crossing spaces among Vienna, Gyumri and Scheibbs

Hrachya Vardanyan: I don‘t remember the earthquake itself, but the effect and the trace of it was visible during many years in my childhood and until now. Collapsed buildings, permanent metal shelters and dark streets were the way in which my town within its inhabitants were moving ahead...

Mozart in Gyumri Hans Döller: Solange der Bau noch im Gange war, übernachtete ich in der Baubaracke, später, als das Spital nach seiner Eröffnung 1992 mehr schlecht als recht in Betrieb war, in

Eine Rekonstruktion von Begegnungen zwischen Hans Döller, Joseph Hofmarcher und Hrachya Vardanyan

Das Erdbeben 1988 Hans Döller: Ich war damals in der Arbeiterkammer Niederösterreich beschäftigt. Ein damaliger Kollege von mir, Christoph Lechner, war Geschäftsführer der ARGE ARMENIENHILFE, die Bauträger für den Neubau des zerstörten Kinderspitals in Gyumri (damals noch Leninakan) war. Diese Initiative ging

04:00 #von Drachensteinen zu Kreuzsteinen, den Teufel draußen halten / das ist die Mission #from Dragonstones to Crossstones, to keep the devil out / here is the mission

auf den damaligen Präsidenten und späteren Sozialminister Josef Hesoun zurück, er hatte die Sozialpartner der Bauwirtschaft, die österreichische Caritas und die armenische Kirchengemeinde zusammengetrommelt und mit zahlreichen österreichischen Spenden dieses ehrgeizige Projekt gestartet. Als sich mein Kollege Lechner im Dezember 1990 beruflich veränderte, wurde ich eingeladen, quasi „von heute auf morgen“ seine Nachfolge anzutreten. Ich war im April 1991 das erste Mal in Leninakan (nun: Gyumri).

I like Gyumri. Although passing through this stress it still keeps the quality of one of cultural and spiritual centers of Armenia... With its wide landscape and the „Crystal‘‘-mountain Ararat, it calls and invites people to the border of Western Armenia...

einem Hotel des Berliner Roten Kreuzes. Aber das war nicht nur ein für damalige Verhältnisse gutes Hotel, dessen Gänge und Nischen zeigten auch lokale Kunst. Für mich war das ein Schlüsselerlebnis der besonderen Art: in einer halb zerstörten Stadt, die nach zehn Jahren immer noch voll Ruinen ist, gibt es


lebendige, nicht nur museale, Kunst. Hier gibt es Leute, die trotz des täglichen Überlebenskampfes kreativ sind. Und: Jenseits aller „akademischen“ Zugänge durch den einen oder anderen Ausstellungsbesuch hier in Österreich wurde Kunst für mich in Gyumri konkret. Es war nur eine Frage der Zeit, bis mich der Manager des Hotels, Alex Ter Minassjan, in das Haus Vardanyan mitnahm, wo ich schließlich Hrachya Vardanyan kennenlernte. Er war damals noch auf der Kunsthochschule. Aus seinem damaligen „Mozartzyklus“ kaufte ich mein erstes Bild von ihm und beschloss innerlich, die Entwicklung dieses jungen Talents genau zu verfolgen.

Für mich war nicht nur die künstlerische Qualität ausschlaggebend, er hatte ein eigenes neues zu Hause, was für mich hieß, er bleibt da, protestiert nicht mit seinen Füßen wie viele andere vor ihm und vertraut seinen Wurzeln. Schlangen, Drachen und Teppiche Hans Döller: Schlangen haben in unserer christlichen Tradition einen schlechten Ruf, den Drachen kennen wir von der Nibelungensage als Monster, das besiegt werden muss und die Teppiche, wenn kostbar, dann aus dem Orient, die regelmäßig ins Freie geschleppt werden müssen, um ausgeklopft zu werden. Zumindest war das in meiner Kindheit so. Von Hrachya erfuhr ich, dass Teppiche zur armenischen Identität gehören. Als er mir am Sewansee uralte Steine mit Drachenmotiven zeigte, bekam ich ein Gefühl dafür, wie das alles zusammenhängt. In Armenien der Drache, bei uns der Heilige Florian. Beide verbindet das Feuer. Wie das? Hrachya Vardanyan: Growing up in a town, which had an encounter with the power of nature, I chose my way following my father, who is artist-sculptor. As an artist I was researching and trying to find the deeper roots of my creative ground. The symbol of snake/serpent/ dragon is very present in Armenian culture. One can see this motive in

05:00 #Gegenwart von Feuer und Wasser: hinweg über Ikonen und Ikonographien #Presence of Fire and Water: beyond the icons and iconography

Winterliche Begegnung im Atelier Hans Döller: Zehn Jahre später, im Februar 2013, besuchte ich Hrachya Vardanyan in seinem Atelier, im zweiten Obergeschoss eines Hauses außerhalb von Gyumri, das sein Vater gebaut hatte, mit direktem Blick auf den höchsten Berg von Armenien, den Aragaz. Im Jahr davor war er einige Monate in Irland. Er zeigte mir seine Werke aus dieser Zeit und erzählte mir über faszinierende Ähnlichkeiten der Landschaften von Irland und Armenien. Die Auswahl war schwer, aber gut. Und: Ich beschloss, alles daran zu setzen, ihn in Österreich bekannt zu machen. 7

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legends, fairytales, carpets and monumental art. It symbolizes a power, which is essential during the first act of creation; which exists by the „source of water“ as the guardian to the otherworld. To a world of elementals: the One who is on the border between two worlds, he is also the One who keeps the balance... S. Florian stands between water and fire keeping balance and protection. Joseph Hofmarcher: Im mitteleuropäischen vorchristlichen und auch christlichen Zeitalter war das Motiv des Drachens immer gegenwärtig. Man kann in Steinreliefen in romanischen und gotischen Bauten oft Verzierungen mit Fratzen- und Drachendarstellungen betrachten. Woher mögen diese Allegorien kommen? Gibt es eine Beziehung der mitteleuropäischen Darstellungen zur urchristlichen Tradition in der armenischen Kultur?

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>> In der Nibelungensage ist die Rede vom Drachentöter Siegfried. In der katholischen Tradition wird der Heilige Georg als Drachentöter und Schutzpatron unter anderem gegen Fieber und für das Vieh gehandelt. Der Heilige Florian wiederum dient als Schutzpatron für die Feuerwehr und auch für die Schmiede, welche historisch und auch heute noch in der Region Eisenstraße tätig sind.

Eine Radiosendung führt ins Töpperschloss Hans Döller: Vor ca. eineinhalb Jahren schnappte ich in einer Radiokolleg-Sendung von Ö1 die Information auf, dass es im Töpperschloss eine Initiative zur Aufwertung des ländlichen Raumes gebe und dort auch Künstlerinnen und Künstler vorübergehend beherbergt werden könnten. Nachdem ich schon mehrere vergebliche Versuche hinter mir hatte, Hrachya einen Artist-in Residence-Aufenthalt in Österreich zu verschaffen, griff ich zum Hörer, rief meinen Freund Günter Peter an, der den Kontakt zu Joseph Hofmarcher herstellte.

Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden. Das Salz ist gut; wenn aber das Salz nicht mehr salzt, womit werdet ihr‘s würzen? Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander! Markus 9:49-50

07:00

Hrachya Vardanyan: The first visit of mine to the landscape of Scheibbs and Neubruck was in November, 2016. That day, there was first snow and then it was sunny. Mountains were shining, and I saw the rivers flowing at both sides of Töpperschloss: pure, transparent water. This was enough to fall in love with this place. The old paper factory was calling: „Come and work inside me!“ Joseph Hofmarcher: Sehr interessiert nehme ich im Oktober 2016 den Anruf von Hans Döller entgegen, nachdem mich Günter Peter über die Ambition seines Kollegen avisiert hatte. Döller sei befreundet mit einem jungen armenischen Künstler und wolle es diesem ermöglichen, in Österreich einen Schaffensaufenthalt zu absolvieren. Dafür wäre das Töpperschloss bei Scheibbs vielleicht eine passende Örtlichkeit.

>> 06:00

„Felszeichnung des Heiligen Florian“ „Petroglyph of Saint Florian“


08:00 „Reine Jessnitz“ „Pure Jessnitz“

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>> Für mich als freischaffenden Künstler mit Erfahrung in Kuratorium und Veranstaltung klang dieses Vorhaben äußerst interessant. Weil Scheibbs in meiner Wahrnehmung immer eine große Tradition in der bildenden Kunst pflegte, mit Malern wie Sepp Reisinger und Josef Bramer, war es für mich eine stimmige Sache, einen Gastkünstler zu betreuen. Ich fand es auch spannend, einen weiteren

09:00 „Erlauf in Gold“ „Erlauf within Gold“

interkulturellen Austausch aufzubauen, so wie wir mit dem Schmiedezentrum Ybbsitz seit Langem Kontakte in die Welt pflegen. Ein Artist in Residence also, der in der wieder aufstrebenden Landstadt Scheibbs wohnt und in einem Atelier am 5km südlich gelegenen historischen Ort Neubruck schafft. Ein privater Förderer setzt sich für einen Künstler ein, wie beispielsweise Cardinale Scippione Borghese die aufstrebenden Meister des italienischen Barock Gianlorenzo Bernini und Caravaggio förderte, damit sie ihre Werke realisieren konnten. Dies alles schien mir persönlich äußerst unterstützenswert.

>>

10:00 „Schwan in der Nacht“ „Swan in the Night“


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>> Die Institution Eisenstraße wiederum setzt sich seit 25 Jahren für das kulturelle Erbe einer Region in den Alpen und Voralpen ein. Das Töpperschloss und die Alte Papierfabrik eignen sich ideal als inspirierende Schaffensorte.

12:00

11:00 „Das erste Treffen“ „The first Meeting“

Mit diesen Hintergründen im Bewusstsein erwartete ich gespannt den Besuch von Förderer Hans Döller und Künstler Hrachya Vardanyan in Neubruck um unser nun gemeinsames Projekt „Artist in Residence Neubruck - crossing spaces - Scheibbs meets Armenia“

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13:00 „Reise zum Blassenstein“ „Journey to Blassenstein“

14:00 „Treffen zweier Wasser: Jessnitz und Erlauf“ „Meeting of two Waters: Jessnitz and Erlauf“

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>> zu planen. Die beiden Besucher brachten zwei Werke von Hrachya aus der „Serpent Shed Skin“-Serie als Leihgabe in unseren Coworking Eisenstraße Space. Höchst beeindruckt von der strukturellen Tiefe und angetan von der texturellen Ausdruckskraft der Gemälde sah ich einen bildnerisch-künstlerischen Gegenpol zu meinem eigenen Schaffen mit rostendem Stahl. In einer Zeit der Virtualisierung unseres Lebens - durch diverseste elektronische Medien und die gesellschaftliche Ferne von Material und Handwerk - steigt ein Bedürfnis für direktes Erlebnis, für das

15:00 #Gegenwart von Feuer und Wasser: hinweg über Ikonen und Ikonographien #Presence of Fire and Water: beyond the icons and iconography Erfühlen unserer Lebensräume. Durch die bildnerische Kunst von Hrachya Vardanyan sehe ich einen vielversprechenden Ansatz zur Stillung dieses Bedürfnisses.

Coworking, Cofunding, Coinspiration Hans Döller: Voll Freude ging ich an die Sache heran, in der Gewissheit, dass Hrachya bereit war, sich dieser „Fremde“ auszusetzen und in der Überzeugung, dass die Region Scheibbs nach dem langjährigen Engagement von Günter Peter in Gyumri – auf einer anderen Ebene - etwas zurück


Sankt Florian als Wächter zwischen Dies- und Jenseits Während seiner Zeit in Neubruck erhält Vardanyan Besuch von seinem irischen Freund Sean O‘Gaoithin und bei gemeinsamen Wanderungen in der Landschaft um Scheibbs fallen den beiden viele Heiligenbilder an Hausfassaden und an Waldwegen auf. Es wird klar, dass diese Ikonenbilder eine Schutzfunktion haben müssen und an besonderen Orten platziert wurden. Dies stellt eine Analogie zu den armenischen Drachensteinen (armen. Vishapaqar) in der Funktion des Wächters dar.

16:00 „Rinde“ „Bark“

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bekäme. So erschütternd das Erdbeben 1988 wachsen lassen und sich freuen, dass etwas auch war – es hat viel Neues und Unverhoffgelungen ist – das gehört für mich zu einem tes hervorgebracht, auf beiden Seiten, sowohl erfüllten Leben! in Armenien als auch in Österreich, crossing spaces, persönlich und kulturell. Aus hektischen Aktivitäten beim Neubau des Kinderspitals entstanden Freundschaften dort und hier, auch auf den Feldern von Kultur und Kunst. Sich auf neue Begegnungen einlassen, die dabei entstehende Kreativität zur Entfaltung kommen lassen, so geborene neue Ideen

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...Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten... aus Korinther 4,6

17:00

18:00

Der Heilige Florian als Ikone Der Überlieferung nach wurde der Christ Florian unter dem römischen Kaiser Diokletian verfolgt und sollte zuerst bei lebendigem Leib verbrannt werden. Als der Heilige Florian drohte, er würde so mit dem Feuer in den Himmel auffahren und früher bei seinem Herrn sein, wurde er schließlich in der Enns ertränkt. Diese Legende macht Sankt Florian für Vardanyan zum Herrn über die Elemente Feuer und Wasser.


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The body has to be reborn out of a clear and pure different way of seeing. Freie Interpretation aus der Bibel.

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Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge bĂśse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groĂ&#x; wird dann die Finsternis sein! Matthäus 6:22-23

20:00

21:00

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Das Material des Ortes In der Alten Papierfabrik von Neubruck findet Vardanyan eine Rolle Papier, welche den perfekten Grund fĂźr die Weiterentwicklung seiner visuellen Techniken bietet. Die Information der Umgebung oder gar er Geist des Ortes ist somit auch materiell in den Neubrucker Werken eingeschrieben.

23:00

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Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr n체tze, als dass man es wegsch체ttet und l채sst es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt... Matth채us 5,13-14

01:00

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der SCHNITTPUNKT von RAUM und MENSCHLICHER WAHRNEHMUNG NODE of SPACE and HUMAN PERCEPTION „Vishapaqars“ (dragon stones) are massive stone pillars of 2 to 5 m in height which can be found in Armenian highlands and most likely, they were created in Middle Bronze Age (22001600 BC). You can find Vishapaqars at 20003000 m above sea level, mostly in water-rich meadows and near water sources. Sometimes they have a fish shape and are decorated with sculptures of snakes, bulls, rams and other animals or birds. It is supposed that dragon stones have been the divine idols nourish cultivation and irrigation, impersonating water worship. Nowadays there are known approximately 150 examples of these monuments and 90 of them are in Armenia. Poster of the Project „The Return of the Dragon Carpet: Aruch“, 2014.


WISHAPAQAR www.wishapaqar.org

Avetik VARDANYAN President

„After encountering the divinity, we find the symbol of the image and the form, a seal of remembrance called WISHAPAQAR.” Being originally from Gyumri and concerned about the cultural life of Armenia and Gyumri, Hrachya Vardanyan, Avetik Vardanyan and Zhanna Harutyunyan established a cultural NGO named „Wishapaqar: Node of Space and Human Perception“ to contribute in exploration, development and anew presentation of inherited culture both in Armenia and abroad. With their joint efforts, „The Return of the Dragon carpet: Aruch“ exhibition-project took place in Saint Grigor church (Aruch, Armenia) on July 27, 2014 which became the very first and successful project of the team. The Wishapaqar NGO was officially registered on January 15, 2016 and since that has implemented six different art projects often in cooperation with artists. The aim of Wishapaqar is to discover and shape spaces where the human being re-finds the reality inherited from antediluvian times and becomes a creative personality. Art itself is the materialization of one‘s feelings: architecture, sculpture, painting, carpet, music, cinema, etc. Wishapaqar is the unity of people for whom it is essential where they live. We truly believe that the sensation of every space perception is a human value. It has its adamant place in the human value system. Every generation carries the responsibility of preserving and developing the structure of this inherited system. Communicating with the ideological symbols created by ancestors one realizes his current position and orientation toward the perpetual space. J 23

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Zhanna HARUTYUNYAN Co-Founder

Hrachya VARDANYAN Co-Founder


Romana Dienstbier Gastkünstlerin Romana (1982 in Scheibbs geborene Romana Karner) beschäftigt sich seit mehreren Jahren leidenschaftlich mit dem freien Schaffen von Kunst. Ihre Stilmittel sind Malerei, Körperabformung und Fotografie. Ihr Hauptmotiv ist der weibliche Körper. Bei ihrem Ausstellungsdebüt wird neben Arbeiten der Künstlerin vor allem die Gemeinschaftsarbeit mit Hrachya ausgestellt. J

COLLABORATION Square & Circle Unity o f male and female minds / In search of fields for creative communication / The body finds its true nature Hrachya Vardanyan

Gemeinschaftsarbeit von Romana Dienstbier und Hrachya Vardanyan Collaborative work of Romana Dienstbier and Hrachya Vardanyan


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http://hrachyavardanyan.wishapaqar.org/

der KÜNSTLER Hrachya Vardanyan (*1987 Gyumri, Armenien), ist freischaffender Künstler im Bereich bildendende Kunst. In seiner künstlerischen Arbeit ist er auf ständiger Recherche. Es geht ihm um die Untersuchung der Verbindung zwischen dem Sichtbaren und dem Immateriellen. Er befindet, dass aus diesen beiden Polen die wahre Orientierung kommt. Nämlich an einem Ort oder in einer Kultur geerdet zu sein, verwurzelt in einem mythologischen Boden. Vardanyan meint damit die Erinnerung von Landschaft. Die Natur sei Träger von mythologischer Erinnerung. Und Kommunikation kann durch Natur passieren.

http://josephhofmarcher.blogspot.com Kultur markiert der Drachenstein besondere Orte, ist oft der Beschützer von Wasserquellen und dient als Wächter zwischen dem Dies- und dem Jenseits. Der Heilige Florian wiederum ist der Schutzpatron der Feuerwehr und der Schmiede. Daher sieht der Künstler in ihm auch den Wächter über die Elemente Wasser und Feuer. Sein Stilmittel der Mischtechniken besticht durch Texturtiefe. In unserer Zeit der Virtualisierung stillt Hrachya mit seinen Bildern ein Bedürfnis für Echtheit und Materialität. Allein die Betrachtung von Reproduktionen seiner Gemälde evoziert bereits ein Gefühl. Es entsteht im Körper des Betrachters eine Konversation zwischen Verstand und Gefühlsapparat.

Während seiner Arbeit mit dem Symbol des In den Arbeiten auf Neubrucker Papier kann Drachens wurde der Aspekt der Mythologie man die lokale Landschaft und die vielfach versärkt. In der Ikonographie von Sankt aufgefundenen Heiligenbilder fühlen. J Florian, die er tief in der österreichischen Kultur verankert sieht, spiegelt sich der Ansatz des Drachensteins. In der armenischen

der KURATOR Joseph Hofmarcher (*1982 Waidhofen a.d. Ybbs, Österreich), ist freischaffender Künstler und Architekturgestalter mit großem Interesse für Materialität. Sein Schaffen von Nutzobjekten in Stahl seit 2012 hat ihn stark mit Oberflächenqualitäten vertraut gemacht. Für ihn ist immer die Ehrlichkeit im Umgang wesentlich, künstlerisch wie menschlich. In seinem Verständnis muss Stahl rosten und Holz vergrauen. In seine Formensprache versucht Hofmarcher Harmonie und Rhythmus einzuschreiben. Deshalb tritt er in seinem Schaffen meistens unter dem Namen SOUND ARCHITECTURE auf. In seiner Tätigkeit als Projektmanager im Verein Eisenstraße Niederösterreich zeichnet Joseph für den ideellen Hintergrund der „Coworking Eisenstraße Spaces“ verantwortlich. Für den Verein Schmiedezentrum Ybbsitz betreibt er kuratorisch das „Symposium IronCamp Neue Paradigmen für Metallgestaltung und Handwerk“. J


der ARMENISCHE GEIST Auf dem Ararat – da landete die Arche Noahs. In Erewan, Armenien sieht diesen Berg jeder, fast von jeder Ecke aus. Karen Asatrian (*1972) kommt aus Erewan. Auf seinem persönlichen Berg Ararat ist er nun musikalisch gelandet. Hier, in Österreich landet jetzt musikalisch das auf der Bühne, was schon längst durch seine Gedanken segelte. Hier hat er die Besatzung für seine musikalische Arche gefunden. Und wie es sich für eine Arche gehört, gibt es aus jeder Ecke der Welt Musiker an Bord: aus Venezuela, Uruguay, Kroatien, Österreich und – natürlich aus Armenien. Asatrian hat auf seiner suchenden Reise durch die Zeit Erinnerungen aus der armenischen Kindheit mitgenommen: Volksmusik, die in seinen Knochen lagert. Was von außen dazukam – ob Jazz oder anderes – hat er nun zusammengeschweißt. Musik ist das Grundelement seines Lebens, mit dem er versucht, seine wichtigsten Werte zu vermitteln: „Liebe, Respekt und Wahrheit“. Karens Originalkompositionen interpretieren den Sound vergangener Generationen durch das heutige Leben: das Ergebnis nennt er „Avantgarde-Folk“. J 27 27 One Day in the Land of Saint Florian

http://asatrian.net

ein AUFEINANDERTREFFEN in der DIASPORA Asatrian und Vardanyan treffen einander zufällig an einem besonderen Ort in Österreich. Karen Asatrian & Armenian Spirit spielten im Stadtmuseum Wiener Neustadt, in den alten Mauern einer ehemaligen gotische Kirche zwischen den Relikten der Heiligenstatuen und den Gemälden von Hrachya Vardanyan. Dieses erste Treffen der beiden Kreativköpfe gab Impulse für Freundschaft und weitere gemeinsame Arbeiten, wie zum Beispiel das Konzert im Porgy & Bess Wien oder die Vernissage im Töpperschloss Neubruck. Die Beiden teilen eine gemeinsame Vision: in ihrem jeweiligen künstlerischen Medium übersetzen sie ihr kulturelles Erbe in unsere Zeit. Eine gemeinsame Reise von bildendem Künstler und Musiker in der Diaspora. Crossing Spaces. J


Hrachya VARDANYAN AUSSTELLUNGEN in ÖSTERREICH „250. Geburtstag von Wolfgang A. Mozart“ Gyumri Kunstakademie und Kulturabteilung Wien (organisiert durch Barbara Denscher) Galerie Serafin, Wien, 2006

AUSBILDUNG und internationale AUSSTELLUNGEN Education 2005-2010 - Gyumri, Armenia Yerevan Institute of Fine Arts, Gyumri Branch Obtained a Master‘s degree in Fine Arts, with concentration in handmade book-making Artist Residencies

„Irish Circle“ Galerie Neukloster (Kuratorium Heidi Korzil) Wiener Neustadt, 2014

„Serpent Shed Skin“ Serie Stadtmuseum (Kuratorium Heidi Korzil) Wiener Neustadt, Februar 2015

2012, February-March - Clo, Ireland Samkura Trans-European Art and Culture project supported by the EACEA, which combines an international artist in residence program with thematic research and the production of new artworks. 2013, April - Mallorca, Spain “Mallorca Translocal Meeting”: an artists’ initiatives meeting involved Pilar and Joan Miro foundation for the conference and outside installations, exhibition at the Casal Can Gelabert cultural center of Binissalem. 2015, July - Deer Isle, Maine,USA Haystack Mountain School of Crafts: session Textile/Surface Design with Professor Mary Anne Jordan, educational project supported by Luys Foundation. Solo-Exhibitions

100. Jahrestag des armenischen Genozids Ausstellung mit Konzert Armenian Spirit Porgy & Bess Wien, April 2015

2016, October - Sepasar, Armenia Nodes of Orientations, multimedia performance on mount Sepasar 2015, March - Alicante,Spain “Serpent Shed Skin” project at Frax Fundacion 2012, August - Gyumri, Armenia Dawns by Mount Errigal, at Berlin Art Hotel organized by Gallery 25

25 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Österreich und Armenien Ausstellung mit Konzert Armenian Spirit Porgy & Bess Wien, April 2017

2008, December - Frezno, USA Dogs and Chairs, solo exhibition in the scopes of Art Exchange between Gyumri Gallery 25 in Armenia and Fresno Gallery 25 in the USA


der FÖRDERER Hans Döller (*1955 in Gmünd, Waldviertel) war in den Neunziger Jahren als Geschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft Armenienhilfe“ für den Bau und die Aufrechterhaltung des Betriebes des österreichischen Kinderspitals in Gyumri/ Armenien verantwortlich. Bei einem seiner zahlreichen Aufenthalte vor Ort lernte er den jungen bildnerischen Künstler Hrachya Vardanyan kennen, für den er inzwischen vier Ausstellungen in Österreich ermöglicht hat. Nach Auflösung der ARGE 1996 gründete er einen eigenen Unterstützungsverein und gewann 2001 Günter Peter zur Mitarbeit. Döller, derzeit im Sozialministerium tätig, kommt aus einer Tischlerfamilie (Vater und Großvater waren Tischler), eine Tochter erlernte ebenfalls dieses Handwerk. Bei seiner langjährigen Arbeit für ein Gesundheitsprojekt wurde ihm bei seinen Begegnungen mit dem Maler Vardanyan bewusst, welche heilenden Kräfte von der Kunst gerade in einer krisengeschüttelten Region ausgehen können. J

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DANKE! Alte Papierfabrik, Anna Döller, Christine Dünwald, Sean O‘Gaoithin, Walther Gruber, Franz Gundacker, Elsa Hackl, Stefan Hackl, Elisabeth Handl, Andreas Hanger, Ute Langkafel, Christoph Lechner, Rudolf Maghakian, Gisi Resel, Gudrun Schmid, Monika Kuso, Günter Peter, Alexan Ter-Minasyan, Marianne Resch, Andreas Töpper, Thomas Winkelbauer, Monika Zeitler


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WISHAPAQAR NODE OF SPACE AND HUMAN PERCEPTION

RahmenDamen www.rahmendamen.at

Stadtgemeinde Scheibbs

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Catalogue for the exhibition of the visual artist Hrachya Vardanyan in the "Töpperschloss" Neubruck near Scheibbs, Austria. Artist in Reside...

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Catalogue for the exhibition of the visual artist Hrachya Vardanyan in the "Töpperschloss" Neubruck near Scheibbs, Austria. Artist in Reside...

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