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#01 | 2013

5€

W A C H S


josekdesign.de

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Surf inspired Design since 1995


Editorial „Surfen besteht in Deutschland aus 5% Surfen und 95% Schein. Jetzt kommt WACHS!“ ... Text: Jérôme Harlay

Genug Geschichten gibt es schon lange. Geschichten von Europameisterschaften. Von Billabong XXL-Award-Gewinnern. Von jener Nacht auf der Fahrt nach Cádiz, als der Bulli im Schneesturm vor Andorra la Vella liegenblieb. Und von dem Typen mit der Top-Ausrüstung, der am Winkipop so gerade mal eben sein Take-Off schafft, um dir dann gleich vor den Kiel zu schwimmen, weil er vergessen hat, nach links zu gucken. Ob in der Grajagan-Bucht auf Bali oder am Eisbach in München – wir erleben diese Geschichten. Wir erzählen sie uns gegenseitig, abends, beim Lagerfeuer am Strand. ter trägt. Eine Plattform, auf der wir uns austauschen können, selbst wenn wir uns (noch) nicht persönlich kennen. Ein Magazin, das das ganze Spektrum der SurferWelt repräsentiert, das mehr ist als nur ein Wegweiser zum Konsum der richtigen Klamotten und Statussymbole. Darum WACHS. Weil wir ohnehin dabei sind, den Deutschen Wellenreiter Verband zu entstauben und neu aufzustellen. Da können wir auch gleich ein Magazin machen, so, wie wir es brauchen. Eines, in dem wir uns wiederfinden; mit dem wir unsere Mitglieder aktivieren, neue Sponsoren aquirieren, (Noch-) Nicht-Surfern unsere Welt, unser Leben darstellen können. Nur ein starker DWV kann die Interessen seiner Mitglieder effektiv vertreten, auch grenzübergreifend, auch in der International Surfing Association. WACHS ist unsere Stimme, und sie gehört allen Lesern. Wir wünschen uns Beteiligung – eure Fotos, eure Ideen, eure Geschichten. Wir brauchen das jetzt. Lasst zusammen wachsen, was zusammen gehört. WACHS. These are the breaks!

Editorial

Doch was fehlte, war eine Stimme, die wei-

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Das Präsidium ......................... 6 In der Bucht von Locales Sólo ........ 8 Oh, wie schön ist Panama ............. 12 The Heart and The Sea ............... 28 Deutsche Shops & Spots .............. 30

German Champs 2012 ................... 34 45sec Interview ..................... 42 „Keine Angst vor Spinnen“ ........... 44 The Whitecam On Tour ................ 46 The Haunted House of Surf ............ 50 Surf Food ........................... 54 „Auf dem Rad und in der Dusche“ ....... 56 Impressum ............................ 60

Inhalt

Luxuswissen über den DWV ............ 32

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Das Präsidium Frisch gewählt für 2013 Text: Franziska Vogel, Xenia Goffaux | Fotos: Fotoautomat

6

Das Präsidium des DWV vertritt den Verband im rechtlichen Sinne und repräsentiert die deutschen Surfer auf nationaler und internationaler Ebene. Der DWV ist die einzige deutsche Organisation, die von der International Surfing Association (ISA) anerkannt ist; wer als Deutscher beispielsweise an den ISA World Surfing Games teilnehmen will, muss DWV-Mitglied sein. Für 2013 haben wir uns vorgenommen, Ausbildungsrichtlinien für den momentan stark wachsenden SUP-Bereich zu erarbeiten; zudem wollen wir die bestehende Wellenreit-Ausbildung aktualisieren. Präsidiumsaufgaben wie die Juniorenförderung und die Mitgliederverwaltung bleiben, doch zusätzlich arbeiten wir auch an neuen Konzepten, um die Verbandsmitgliedschaft für Einzelmitglieder attraktiver zu machen. Präsidiumsmitglieder werden auf den jährlichen Mitgliederversammlungen für eine Amtszeit von zwei Jahren gewählt. Die Arbeitsprozesse werden erleichtert, wenn nicht alle Posten gleichzeitig neu besetzt werden; daher wählen die Mitglieder beispielsweise Ende 2013 den Präsidenten, den zweiten Beisitzer und den Kassenwart, während die Positionen des Vizepräsidenten und des ersten Beisitzers erst ein Jahr später neu vergeben werden.


Thorsten Kegler, Vize-Präsident

Xenia Goffaux, 43, Dilom-Sportlehrerin,

Thorsten Kegler, 40, ist 1999 dem Surf-

surft seit 22 Jahren. 1994 wurde sie Prä-

virus verfallen. zwölf Jahre lang lebte er

sidiumsmitglied des DWV. Acht Jahre lang

daraufhin in seinem Surfbus, um von Welle

war sie Mitglied der deutschen National-

zu Welle zu reisen. Wenn man ihn nach sei-

mannschaft; sie wurde zweimal Deutsche

nem Job fragt, sagt er: „Personal Surf

Meisterin im Longboard und sechsmal Short-

Trainer Worldwide“. Doch vor eineinhalb

board-Vizemeisterin. Mittlerweile hat sie

Jahren gab er sein Vagabundenleben auf

Familie und ein eigenes Surfcamp; 2011

und ließ sich zum DWV-Vizepräsidenten wäh-

wählten die DWV-Mitglieder sie zu ihrer

len – vor allem, um den Stand Up Paddle-

Präsidentin.

boarding Bereich zu fördern.

Der DWV und seine Gesichter

Xenia Goffaux, Präsidentin

7

Philipp Kuretzky, 1. Beisitzer

Roland Meyer, 2. Beisitzer

Jens Höper, Kassenwart

Philipp Kuretzky, 24, wurde schon als Kind

Roland Meyer, 36, hat 1995 in Portugal mit

Jens Höper, 34, lebt als Werbekaufmann

von seinem Vater auf die Wellen gesetzt.

dem Surfen angefangen. Dabei hat es ihn so

und Reiseveranstalter in Hamburg. 1995

Mittlerweile studiert er Sport- und Sozi-

richtig gepackt, und er ist erst einmal um

startete er seinen ersten Surfversuche an

alwissenschaften in Wuppertal, doch so-

die ganze Welt gereist, um die besten

der französischen Atlantikküste. Eher per

bald er frei hat, ist er in den Wellen

Surfspots der Erde zu erkunden. Seit 2001

Zufall landete er vor eineinhalb Jahren

oder in den Bergen. Weil er selbst gern

ist er DWV Surfinstructor, aber insgesamt

im DWV Präsidium. Doch nicht nur um unse-

bei Wettkämpfen antritt, kümmert er sich

ist er inzwischen doch etwas sesshafter

re Finanzen kümmert er sich seither: Welches

beim DWV vorrangig um den Wettkampfsport.

geworden: In seinem Hauptberuf arbeitet

Projekt auch immer ansteht er engagiert

er als Lehrer an einer Förderschule.

sich dafür.


In der Bucht von locales sólo Surfende Hippies ohne Beine, vereint am Arsch der Welt Text: Luke Wolfgarten | Fotos: Louis Josek

8

Die verdreckte Großstadtluft satt und voller Tatendrang, lassen wir das verregnete Deutschland für knapp zwei Wochen links liegen und hauen ab. Praia Ingrina heißt das kleine Hippie-Kaff an der portugiesischen Küste, das es uns so angetan hat. Standesgemäß hausen wir in der Quiksilver Surf Lodge mit Pool und allem Pipapo. Total übertrieben, aber geil! Jetzt heißt es nackt ums Lagerfeuer tanzen und einfach nur Surfen.


Short Trip Vorbei an geilen H端tten, auf der Suche nach dem perfekten Spot. Gefunden. Aber wie kommen wir da rein?

9


Ja geil. Der Neo hängt steif im Schrank,

den Latz geknallt. Es folgt das typische

sich alleine, doch natürlich begegnen uns

das Boardbag voll versandeter Bretter ver-

Surfgelaber: „Oh Mann wir haben ja so mega

Freunde aus Köln im Lineup. Vereint am

reckt in der Ecke. Ein Blick aus der Dach-

Glück mit dem Wetter. Zwei Wochen Sonne

Arsch der Welt, verbringen wir die nächs-

luke reicht, um zu sehen, dass wir in Köln

bei 25 Grad und richtig geile Wellen.

ten Tage am Strand, machen Feuer, grillen

vom Meer und geilen Wellen weiter ent-

So geil. Einfach eins mit der Natur sein.

und tun, was wir am besten können: Auf´s

fernt sind als ein Veganer vom Mettigel.

Hang Loose.“ Eins mit der Natur sind außer

Maul kriegen. Die geilste Geschichte hat

So läuft das nicht!

uns übrigens auch ein paar verrückte Hip-

aber wieder was mit den Hippies zu tun:

Lange Nachdenken ist nicht unser Ding, und

pies, die uns am Strand von Puffpuffpäng,

Ein paar Tage, bevor wir die Heimreise an-

schnell ins Wasser bringt uns das ganze

30 Autominuten von unserer Villa entfernt,

treten, knallt ein ordentlicher Wind vom

auch nicht wirklich, also buchen wir.

zulaufen. Das dem ein oder anderen von

Meer aus über´s Land. Kaum ist der Sturm

Drei Tage später brechen wir auf. Unser

ihnen mal eben ein, zwei Beine fehlen,

vorbei, rückt ein hungriger Mob mehrerer

Ziel – Portugal. Doch zunächst geht es

scheint sie nicht sonderlich zu beein-

Hippiebanden über den Strand. Von der Po-

mit dem Auto nach Belgien, diesen kleinen

drucken. Stattdessen purzeln sie trotzdem

lizei gedeckt, die vorher alle anderen

Fleck auf der Landkarte gleich neben Hol-

durchs Lineup und machen einen auf dicken

vertrieben hat, sind sie auf der Suche

land, der neben Pommes, Plattenbauten und

Holzkohleofen im Camping-Bus. Unser ei-

nach Plastiktüten voller Koks, die von im

beleuchteten Autobahnen auch einen Flug-

gentlicher Spot heißt aber „Locales Sólo“!

Sturm gesunkenen Schmugglerbooten stammen

hafen zu bieten hat. Von dort aus fliegen wir

Über eine 200 Meter lange, in den Fels ge-

und hier regelmäßig an den Strand gespült

in den Süden Portugals – Villa Do Bispo.

schlagene Treppe gelangt man, wie sollte

werden.

Hier kriegen wir mitten im Februar wet-

es anders sein, in eine kleine, verlas-

tertechnisch erstmal ordentlich einen vor

senen Bucht. Hier ist man eigentlich für

Hallo Mexico … hier spricht Europa.


Short Trip

Das Video zum Trip: vimeo.com/63390167

lalala

11


12

OH, Wie schön ist Panama Eine späte Betrachtung des Junioren-WM-Märchens 2012 Text: Tim Born | Fotos: Thomas Josek

Sie ist ja nun schon ein paar Tage her, die Surf-Weltmeisterschaft der Junioren in Panama. Genauer gesagt, es war im April 2012. Also keine topaktuelle Sport-News mehr, auch wenn das Ergebnis unserer Jungs und Mädels es wert ist, in güldenen Versalien in Marmor gedengelt zu werden, überhaupt keine Frage. Und ich nehme nichts vorweg, wenn ich direkt zu Beginn einmal mehr zum 19. Platz gratuliere, das weiß eh jeder, der schon mal einen Zeh in die deutsche Surfszene getunkt hat. Big up an das gesamte Team – nachträglich und aus vollem Herzen! Warum aber hier und jetzt nochmal in Cinemascope die ganz breite Story auspacken, wo doch nichts so alt ist, wie die Meldung von gestern? Ganz einfach: Weil das, was da letztes Jahr in Mittelamerika geschehen ist, weit mehr ist als ein Platz unter den 20 besten Surfnationen der Welt …


Wettkampf Oh, wie klein sind diese Wellen!

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Doch beginnen wir die Geschichte am Anfang,

breitet und gezeigt, was ein herzliches

geografisch gesprochen, im Nachbar-

Willkommen bedeutet. Das ist Soulsurfen,

land Costa Rica. Denn dort hat sich

das ist Aloha! Allein dafür hat es sich

ein Großteil des deutschen Teams di-

ganz unzweifelhaft gelohnt herzukommen.

rekt vor dem Wettbewerb zum Trai-

Ach ja, last, but not least ist die gera-

ningslager getroffen. Vom 30. März

de noch nicht viel zu kurz und nicht zu

bis zum 13. April 2012 waren Surfer,

krass unsauber laufende Linke in Pavones

Trainer und Betreuerstab im berühm-

auch nicht gänzlich unangenehm und ge-

ten Pavones einquartiert. Soweit die

schmacksbeleidigend zu surfen. Vielleicht

Faktenlage. Trainingslager. Aber wieso bit-

noch ein kleiner und sicherlich unbedeu-

teschön Costa Rica, wenn doch der anschlie-

tender Pluspunkt für die Ortswahl, aber

ßende Contest im ebenfalls surfbaren Panama

das ist reine Spekulation …

stattfindet, drängt sich einem die Frage

Jedenfalls fanden hier Akklimatisierung,

auf. Nun ja, zunächst einmal haben wir mit

Surftraining und Teambuilding unter Vor-

„Um uns auf Panama vorzubereiten, suchen wir

dem 15-jährigen Teamrider Leon Glatzer

aussetzungen statt, die wohl besser nicht

uns heute mal ne richtig schlappe Welle.“

einen Local vor Ort, was die ganze Pla-

hätten sein können. Für eine Gruppe wie

Arnd Wiener

nung und Logistik schon mal stark verein-

die deutsche Nachwuchs-Surf-Equipe ist das

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facht hat. Leon kennt die Ecke. Und die

insofern von besonderer Bedeutung, als

anderen Locals. Letzteres ist ein nicht

dass die einzelnen Surferinnen und Surfer

zu vernachlässigender Vorteil, wenn man

ja in aller Herren Länder wohnhaft sind

mit zwölf wellenhungrigen Nachwuchsrip-

und sich folglich nicht oft zum gemeinsa-

pern ganztägig fremde Line-ups zu entern

men Training sehen beziehungsweise sich im

gedenkt. Es ging ja bei der ganzen Aktion

Falle von Neuzugängen sogar erst im Vor-

neben genereller trainingstechnischer Tur-

feld eines Wettkampfes überhaupt unterei-

niervorbereitung schließlich auch um An-

nander kennenlernen können. Team-Feeling

kommen, warm werden, Temperatur aufnehmen,

aufnehmen und zusammen reinkommen, ge-

da kann man nun wirklich keinen Stress im

nau das fand hier aber mal so was von

Wasser gebrauchen. Und den gab es auch

statt! Und zwar beginnend jeden Morgen

nicht, denn ganz Pavones – alle wussten

um nullvierhundert, 04:00, AM. Zu dieser

schon dank Leon Bescheid, dass Team Germa-

vorsichtig formuliert ambitionierten

ny anrauscht – hatte die Arme weit ausge-

Costa Rica – keine Wellen heute, und auch nicht unser Spot. Nice pic, bro.


Wettkampf „Hi – kennen wir uns?“ „Gestatten – Louis Josek –“

15


An diesem Stand kauft der Trainer stets gesunde Fr端chte f端r sein Team. Der Strand von Costa Rica sieht von Weitem noch sehr entfernt aus.


Wettkampf Wenn uns die Sonne zu heiß wird, finden wir ein kühles Plätzchen in der Tiefe des Dschungels.

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Uhrzeit nämlich sind unsere Helden immer

Dieses gemeinsame Leben, Surfen, Eingroo-

ridern geleistet worden ist. Das ist kon-

aus den Betten gekrabbelt, haben Coach

ven im costa-ricanischen Pavones, hat bei

tinuierliche Entwicklung reinsten Wassers.

Arnd Wiener aus der REM-Phase gerüttelt

dem kunterbunten Haufen aus Surfern, Coach

Anders hätte das wohl irgendwie, aber ganz

und dann allesamt ihre Schlitzer gewas-

Betreuern, mitgereisten Freunden und El-

sicher nicht so laufen können. Ein Blick

sert. Nur der frühe Vogel fängt den Wurm.

tern einen Prozess in Gang gebracht, der

in die Augen – sogar jetzt noch – der da-

Und was für einen! Pavones im frühesten

sich im Laufe der weiteren Tage und Rei-

bei gewesenen Surfer, wenn sie vom WM-

Morgengrauen, zwei Stunden völlig allein

seetappen noch potenzieren sollte: das Ge-

Trip 2012 erzählen, sagt alles aus! Also,

bis die ersten Locals hinzukommen, nur

meinschaftsgefühl wird immer stärker, die

zurück auf die Strecke: unvergessliche

umgeben von den Farben, Geräuschen und

Gruppe scheint enger und enger zusammen

Tage in Pavones, Betriebstemperatur ist

Bewegungen des Ozeans und der verzaubern-

zu wachsen. Man darf natürlich nicht un-

da, die Tanks sind gefüllt, Panama kann

den, direkt am Strand anschließenden Dschu-

ter den Tisch fallen lassen, was in den

kommen! Und weil es das nicht tut, kommen

gelkulisse … das kann man weder erklären,

vergangenen Jahren schon von Coach Arnd,

wir. Das Abenteuer geht weiter, der Treck

noch jemals vergessen. Pura vida eben.

seinen Sidekicks und den „älteren“ Team-

zieht gen Süden …


Wettkampf In Pavones wächst der Dschungel bis ins Meer. BECAUSE IT‘S BITCHIN‘, THAT‘S WHY.

19


13. April 2012, Ortswechsel, natürlich im Ranchero-Style auf dem offenen Pick-up. Aufbruch um 04:30 Uhr; los geht’s Richtung Grenze. Und wer jemals in der hier thematisierten Region eine Staatsgrenze auf dem Landweg überquert hat, konnte sehr deutlich erfahren, dass Schengen von diesem Teil der Erde ein ganzes Stück entfernt ist. Erst Recht, wenn eine Bande surfender Hotstepper mit Sack und Maus in staubigen, vor Surfboards überquellenden Roadkillern angebrettert kommt und mal eben rübermachen will. Gut, dass die in sich ruhende Grundgelassenheit bereits in Pavones zur allgemeinen Raison geworden ist. So waren die Pi mal Daumen fünf Stunden Grenzformalitäten inklusive Diskussionen sowie Ausweis- und Gepäckkontrollen in vielfacher Ausfertigung zwar schon eine kleine Tortur, aber gleichzeitig auch eine mittelamerikanische Reiseerfahrung, die man schlicht und ergreifend mal gemacht haben muss. Wie gesagt, mit zwei Wochen Pavolang genug, dass die Reise letztlich mit guter Grille auf der Panamericana weitergehen konnte. Nach

Wettkampf

nes im Blut war der Atem eben auch

21

etwa 500 Kilometern und insgesamt zwölf Stunden Fahrt, plus Grenzerfahrung, dann endlich die Ankunft am Contest-Beach: Playa Venao, Los Santos, Panama. Angekommen am Ort der nahenden Entscheidungen, zog Team-Manager Philipp von Buch das nächste As aus dem Ärmel. Er hatte einen Volltreffer in Form einer Unterkunft gelandet: Das deutsche Team residierte standesgemäß in einer Villa mit Pool, die der findige Organisator und Strippenzieher beim Inhaber des allseits bekannten Strictly-Surfklamotten-Labels Lacoste aufgetan hatte. Unnötig zu erwähnen, dass die Hütte unweit des Contest-Strands lag. Die Rahmenbedingungen waren also auch hier schon wieder sensationell. Klar, dass die Stimmung im Team spätestens jetzt zu dampfen begann. Die Aufregung vor dem Contest, gemischt mit den bereits erlebten unfassbar schönen zwei Wochen zuvor und nun auch noch dieses Base Camp Deluxe. Wer würde da bitte nicht durchdrehen?!? Doch Coach Arnd hatte seine Crew wie immer im Griff, so dass die noch verbleibenden zwei Tage zum Einsurfen vor Ort zwar mit viel Spaß, aber auch unter hoher Konzentration genutzt werden konnten. Überhaupt scheint hierin das Geheimnis des unnachahmlichen wienerschen Führungsstils zu liegen.


22

Auf dem Weg von Costa Rica nach Panama – ein zwölf Stunden-Dschungeltrip. Vier gebrandete Wochen später musste der Mietwagen neu lackiert werden.


Wettkampf Am Strand von Playa Venao. Aus ästhetischen Gründen zeigen wir an dieser Stelle ein Bild mit 20 Füßen und Konfetti auf dem Boden.

23


24

Joe de Armas Tracy – Snap Malte Mappes – Floater


Wettkampf Kira Groen – Snap Louis Josek – Snap

25


Irgendwie hat er die Jungs und Mädels auf

Ding ausgegangen ist. Vom Training in

chend von den Dabeigewesenen zum besten

genau die richtige Linie zwischen Ehrgeiz

der Vorbereitung, über den Roadtrip quer

gegeben werden, komme ich nicht umhin,

und Lockerheit gebracht, die zu einer der-

durch Panama, bis zum Contest selbst und im

selbst zu grinsen und zu schwelgen, in

art ergebnis- wie ausdrucksstarken Per-

Übrigen auch bei den Beach-Parties nach

Vorstellungen, basierend auf eigenen Er-

formance geführt hat. Als zweite Säule des

getanem Werk: die zwölf Team-Surfer um

innerungen und Geschichten. So sehr er-

deutschen Team-Erfolgs sollte sich das be-

Coach Arnd haben Vollgas gegeben und sich

scheint das WM-Märchen 2012 eher wie eine

dingungslose Zusammengehörigkeitsgefühl der

gegenseitig getragen, geholfen, unter-

abenteuerliche und ereignisreiche Reise –

insgesamt zwölf Starter in den folgenden

stützt, angepeitscht, getröstet, kaputt

eben genau wie es ja ein amtlicher Surf-

Contest-Tagen erweisen …

gelacht und schlicht und ergreifend alles

trip zu sein hat – mit anständig Strecke

Wettkampf. Weltmeisterschaft. 35 Nationen.

richtig gemacht. Das ist auch den Organi-

und genug Seemannsgarn für 100 Boardso-

Beinahe 300 der weltweit besten Junior-

satoren und Teilnehmern der übrigen Surf-

cken, denn ein reines Sport-Event. Der

Surfer. Noch Fragen? The heat is on, es

Nationen nicht verborgen geblieben – wie

Weg war hier einmal mehr das Ziel. Umso

herrscht Druck! Die ersten Wettkampfrun-

auch, bei den erzielten Ergebnissen und

schöner, dass es am Ende auch auf dem Pa-

den mit deutscher Beteiligung starten am

den teilweise wirklich hochkarätigen Leis-

pier weit mehr als nur gestimmt hat. Was

16. April 2012. Und was sich in den dar-

tungen im Wasser. Aber vielleicht ist es

bleibt zu sagen? Rang 19 von 35 spricht

auffolgenden Tagen am Strand und im Wasser

nicht zuletzt gerade diese sicherlich auch

eine deutliche Sprache, der erlebte Res-

von Playa Venao abspielen sollte, hat ohne

durch die frühen Heat-Erfolge noch weiter

pekt der Weltspitze vielleicht noch we-

Übertreibung die internationale Wahrneh-

angeheizte Teamstimmung gewesen, die sehr

sentlich mehr.

mung des deutschen Surfens verändert. Ohne

viel Anerkennung, Respekt und Sympathie

Mascha, Lilly, Kira, Melody, Tobias, Joe,

auf einzelne Heats oder Wertungsdetails

eingefahren hat. Denn genau das schlug

Luis, Louis, Leon, Noah, Malte, Julius …

– dafür ist es vielleicht wirklich auch

unseren Nachwuchsathleten an allen Ecken

ihr habt gerockt! Das kann, will und wird

schon etwas lange her – näher einzugehen,

und Enden entgegen. Während noch vor zwei

euch keiner mehr nehmen! Ganz großen Hut

hat das deutsche Team für viele Überra-

Jahren deutsche Mitstreiter in den Aus-

ab! Wir sind schon jetzt gespannt, was ihr

schungen im Wettbewerbsverlauf gesorgt,

scheidungsrunden von den Surfing-All-Star-

auf der diesjährigen Junioren-WM in Nica-

was ja letztlich auch zu dem unbestreit-

Landesvertretern eher als Green Card be-

ragua reißen werdet. Dass man euch auf dem

bar großartigen Endergebnis in der Grup-

trachtet wurden, war hier – und auch die

Zettel haben muss, wissen jetzt jedenfalls

penwertung mit Rang 19 geführt hat. Aber

vorangegangenen Contests der Junioren hat-

alle.

es war nicht nur das. Die Grundstimmung

ten dafür bereits den Grundstein gelegt –

Übrigens, die nach internationalen sport-

oder besser noch: die Haltung der jungen

schnell klar, dass man es mit ernstzu-

lichen Großereignissen mit deutscher Be-

Sportler war geprägt von einem Teamgeist

nehmender Konkurrenz zu tun hatte. Eine

teiligung, die nicht mit einem ersten Platz

und einer so grundsätzlichen Positivität,

Wahrnehmung, die sich mehr als nur einmal

geendet sind, für gewöhnlich stattfindende

dass es einfach hier ganz deutlich her-

auch für vermeintliche Favoriten bewahr-

Trainerdiskussion ist in diesem Falle ir-

ausgestellt werden soll. Kein Heat eines

heitet hatte. Auf den Punkt gebracht: Eine

gendwie komplett ins Gegenteil verdreht

einzelnen, bei dem nicht alle anderen mit

tolle Leistung auf und neben dem Wasser!

worden. Sonderbar …

frenetischen Anfeuerungsrufen am Strand

Wenn ich mir hier und heute die Bilder

Spalier standen, bis hin zur kollektiven

anschaue und die Geschichten dazu anhöre,

Abklatschrunde nach Beendigung des je-

die kleinen Anekdoten und Flashbacks, die

weiligen Durchgangs – ganz egal, wie das

bei jedem neuen Foto aufploppen und la-


„Quick, someone Instagram the sunset!“


THE HEART AND THE SEA Die wohl untypischte Art einen Surffilm zu genießen Text: Dirk Scheuring

36:38 09:24

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29:35 20:41

26:25 79:01

Mehr als drei Jahre lang folgte Regisseur Nathan Oldfield Surfern wie Dave Rastovic, Alex Knost und Lauren Lindsey Hill mit seiner Kamera, um ihr Leben einzufangen: „The Heart and The Sea“ erzählt in ruhigen 74:33

Bildern von Individuen statt von einer Szene, von Stil statt von Mode, von Haltung statt von Kommerz. Erfrischend.


Deutsche Shops & SPOTS Unsere Lieblingsorte rund um Bretter, Wachs und Sonnencreme!

Spots:

1. Norderney

| Bei west- bis nördlchen Winden ab Stärke fünf bis sechs entstehen am Januskopf und an der Weißen Düne surfbare Wellen.

2. Sankt Peter-Ording

| Bei starkem Westwind entstehen brauchbare Wellen. An besonders guten Tagen schlägt es hier drei Meter hoch.

3. Westerland

| Die besten Spots Deutschlands: Ab fünf bis sechs Beaufort aus westlicher Richtung ist der Spaß garantiert!

4. Weissenhäuser Strand

| Die beste Alternative zur Nordsee und von Hamburg aus schnell mit dem Auto zu er-

30

reichen. 5. Timmendorfer Strand

| Nur eine Autostunde von Hamburg entfernt und bei Nordost ab sechs Beaufort nicht zu unterschätzen.

6. Warnemünde

| Die regelmäßigste Welle bundesweit – neun mal täglich generiert von der aus Dänemark kommenden Fähre.

7. Neheim-Hüsten

| Hawaii sur Ruhr – bei starkem Hochwasser bildet sich hier eine statische Welle, die gesurft werden möchte!

8. Nürnberg

| Die Locals sind dabei, auf der Pegnitz eine Welle nach dem Münchner Modell aufzubauen.

9. München

| Der Eisbach bietet die wohl bekannteste Süßwasserwelle der Welt – hier tummelt sich die Weltelite im Riversurfen.

Shops:

a. Secret Spot

| Küterstraße 5

|

Kiel

|

b. Boardrider

| Fleischhauerstr. 46

|

Lübeck

|

| Eselföterstraße 26

c. Supreme Surf d. Mana Surf

e. White Water Berlin f. frittboards g. Three Up

| Marienburger Str. 18/19

| Postplatz 3 | Venloer Straße 510 | Rudolf-Diesel-Straße 2

h. Ridersheaven

| Immenstädterstr. 9

i. Santo Loco

| Eisenmannstraße 4

|

Rostock

|

|

Zingst

|

|

Berlin

|

|

Köln

|

|

Konstanz

|

|

Sonthofen

|

|

München

|

|

bietet Boardrepair an

ja

nein


Surf Spot

Shops & Spots

Surf Shop

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Luxuswissen über den DWV Dates, Dudes, Dudettes Text: Dirk Scheuring | Jérôme Harlay

Der DWV hat 527 Einzelmitglieder. Davon sind 422 (circa 80 Prozent) männlichen und 103 (circa 20 Prozent) weiblichen Geschlechts. Das Durchschnittsalter unserer Mitglieder liegt bei 33,4 Jahren; unser jüngstes Mitglied ist 13, das älteste 69 Jahre alt. 22 Prozent sind Schüler oder Studenten. 47 Mitglieder – neun Prozent – leben im Ausland. Führend ist Spanien mit 16, knapp gefolgt von Portugal mit 15, der 20.04.2013 | Mitgliederversammlung 32

| Köln

04.05. - 12.05.2013 | ISA World Surfing Games

| Santa Catalina, Panama

08.05. - 12.05.2013 | Surf & Skate Festival 2013

| Hamburg

18.05. - 25.05.2013 | Allgemein Deutscher Hochschul Cup

| Seignosse, Frankreich

08.06.2013 | SUP Flatwater Paddelrace DM

| Köln

08.06. - 16.06.2013 | ISA World Junior Surfing Championship

| Tola, Nicaragua

13.06. - 16.06.2013 | Surf & Skate Festival 2013

| Köln

10.07. - 14.07.2013 | Roxy Pro

| Biarritz, Frankreich

24.07. - 28.07.2013 | Surf & Skate Festival 2013

| München

13.08. - 18.08.2013 | Lacanau Pro

| Lacanau-Océan, Frankreich

21.09. - 28.09.2013 | Deutsche Surf Meisterschaft 2013

| St. Girons Plage, Frankreich

22.09. - 28.09.2013 | ISA World Longboard Championship

| Huanchaco, Trujillo, Peru

27.09. - 07.10.2013 | Quiksilver Pro France

| Hossegor, Frankreich

09.10. - 20.10.2013 | Rip Curl Pro

Schweiz mit vier und Österreich mit drei Auslandsmitgliedern. Zwei leben in Frankreich; jeweils eins in Indonesien, den Niederlanden, Nordirland, Wales und den USA. Köln ist zwar nur die viertgrösste deutsche Stadt, hat jedoch die höchste Konzentration an DWV-Mitgliedern – sieben Prozent von ihnen wohnen dort. Es folgen München und Hamburg mit jeweils sechs Prozent; Berlin belegt mit vier Prozent den undankbaren vierten Platz. 66 Prozent der Mitglieder erhalten den DWV-Newsletter – nämlich jene, die eine Email-Adresse angegeben haben. Die restlichen 34 Prozent dürfen dies als einen Wink mit dem Longboard verstehen.

| Peniche, Portugal


DWV - Surfschulen

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Gerade weil Surfen zum Breitensport avanciert und in komplett Europa Surfschulen wie Pilze aus dem Boden schießen, ist es bei einem Surfkurs wichtig, zu wissen, was man da eigentlich gekauft hat. Der DWV stellt durch die Zertifizierung von Schulen sicher, dass in den Kursen in Praxis und Theorie verbindliche Qualitätsstandards genau befolgt werden Außerdem ist es als Teil einer land-locked community für deutsche Surfer nicht grade einfach, einen Fuß in die Tür des internationalen Business zu bekommen. Welchen Beitrag leisten dazu die DWV-anerkannten Surfschulen? Jede Surfschule, die einen Antrag auf Anerkennung stellt, wird genau geprüft. Werden die vom DWV festgesetzten Qualitätsstandards erfüllt, muss die neu 01

Carcans Plage

|

Summersurf

zertifizierte Schule eine jährliche Mit-

02

Mimizan Plage

|

Wavetours

gliedsgebühr entrichten. Dieser Beitrag

03

Contis Plage

|

Go4Surf

bildet eine wichtige finanzielle Säule des

04

Saint Girons

|

first SURF | Quiksilver Pure Surfcamps

Deutschen Wellenreit Verbandes.

05

Moliets Plage

|

Wavetours | Quiksilver Pure Surfcamps

www.wellenreitverband.de/surfschulen

06

Vieux Boucau

|

Wavetours | first SURF

07

Seignosse

|

Wavetours

08

Langre

|

Liquid Surf

09

San Vincente de la Barquera

|

surfnsoul.com

10

Peniche

|

Maximum Surf Camp

11

Corralejo, Fuerteventura

|

Aloha Surf Academy

12

Famara, Lanzarote

|

Clandestino


Wir zeigen was wir am besten können. In schlechten Wellen surfen! Text: Karolin Hüner | Fotos: Johannes Wyneken, S&A Photography

Flat. An einem sonnigen Herbsttag reisen 100 Starter und eine Legion von Organisatoren, Helfern und Judges an den Strand von Seignosse, wo ab morgen die Deutsche Surfmeisterschaft 2012 stattfinden soll. Und das Meer liegt rum wie ein Hippie. Wellengang? Knöchelhoch. In aufgeregter Vorfreude spielen Cadets und Junioren in der Brandung. Ruhe vor dem Sturm. Denn Sturm ist angesagt für den nächsten Tag, für die ganze kommende Woche der Meisterschaft: Windgeschwindigkeiten von 80 bis 100 Stundenkilometern, Wellen von vier Metern und höher. Kann sich heute noch kaum jemand vorstellen.

lalala


Wettkampf Arne Bergwinkel – wooooooosh! Alex Zirke – kadooooooosh!

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Tolles Foto von Alex Zirke.


Noch ein tolles Foto von Alex Zirke. Diese Fotos von Alex Zirke sind wirklich toll.


Red Bull verleiht Fl端gel. Die H端tte steht, der Contest kann beginnen.


Wettkampf Leon Glatzer – was kann dabei schon schiefgehen?

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Doch früh am nächsten Morgen stehen wir im

zaubert radikale Manöver in die Wellen.

tosenden Wind auf der Düne, und das Meer

Und auch die in Deutschland lebenden Luis

sieht aus wie eine Großbaustelle. Lay-day.

Reismann und Louis Josek zeigten, was es

Am nächsten Morgen: Dasselbe Bild der Zer-

heißt, in fetten Wellen Performance zu

störung. Lay-day, die Zweite.

zeigen. Josek bringt es anschließend auf

Dienstag – dritter Tag: „Sieht das für dich

den Punkt: „Die Deutschen zeigen mal wie-

heute ruhiger aus?“ – „Nicht wirklich …“

der, was sie am besten können – auf Scheiß-

– „Also ich glaube, ich hab mich jetzt ge-

Wellen surfen!“ Auch in der Open Class der

wöhnt an den Anblick.“ Es wird auch Zeit.

Männer stechen die späteren Finalteil-

Wenn die Wettkämpfe jetzt nicht anfangen,

nehmer heraus: der erfahrene Alex Zirke,

wird es unmöglich, das Programm noch durch-

Arne Bergwinkl, Severin Clasen und Arthur

zuziehen. Also geben die Contest-Direkto-

Wystrychowski. Für einige Favoriten aller-

ren Uli Scherb und Thorsten Kegler endlich

dings platzen die Titel-Träume, als ihnen

den Start frei.

die Lippe aufs Brett knallt: Titelver-

In den ersten Heats treten nur die körper-

teidiger Alexander Tesch scheidet ebenso

lich Stärksten an: Masters, Seniors und

aus wie der amtierende Irische Meister

Open Men. Kids und Damen werden heute noch

Ronan Oertzen.

geschont. Das ist sinnvoll – die Hold-

Am Donnerstagmorgen um acht, im eisigen

Downs sind lang und heftig. Surfen wird zum

Regen, werden sogar an zwei Spots Judge-

Glücksspiel: Wer eine Welle erwischt, die

Zelte aufgebaut, um den Zeitplan bewältigen

nicht close ist, kommt weiter. Straight-

zu können. Die Wettkämpfe der Damen be-

hander und Wipe-Outs überwiegen.

ginnen; auch hier schaffen es einige nicht,

Am Ende des Tages liegt ein Heat-Marathon

sich durch den gigantischen Shorebreak ins

hinter allen Beteiligten. Die Hel-

Lineup zu kämpfen. Doch die, die durch-

fer sind erschöpft; wegen des star-

kommen, können sich sehen lassen, und nach

ken Windes und Regens müssen die

einem zehn Stunden Nonstop-Fight stehen

Judge-Zelte, Bänke, Bannerfahnen und

die Finalteilnehmerinnen fest: Titelver-

die Elektrik abends ab- und morgens

teidigerin Kira Groen, die auf den Kana-

wieder aufgebaut werden.

ren lebenden Janni Hönscheid und Virginia

Mittwochmorgen – die See ist wei-

Giesen Leon sowie Daniela Cramer.

terhin aufgewühlt. „Also ich denke,

Endlich, zum Finale am Freitag, bessere

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es ist zumutbar …“: Die Contest Direkto-

Bedingungen: Sonne, leichter Offshore und

ren schicken auch die anderen Wettkampf-

eine nahezu perfekte Ein-Meter-Welle. Bei

klassen ins Wasser. Obwohl die Heats 20

den Junioren sehen wir von Leon Glatzer

Minuten lang sind, schaffen es einige Star-

Cutbacks serienweise, bei den Masters eine

ter nicht rechtzeitig ins Lineup. Glück

Tube nach der anderen von Michael Robinson.

und Verzweiflung liegen dicht beieinander.

Virginia Giesen Leon siegt bei den Damen

Die ersten Heats der Junioren (U18) und

im eleganten und kraftvollen Stil; Alex

Cadets (U16) zeigen bereits das Niveau:

Zirke überzeugt mit radikalen Cutbacks in

Kein Wunder, dass das Deutsche Junioren

Wellenteilen, vor denen andere fliehen wür-

Team um Trainer Arnd Wiener in diesem Jahr

den. Den Juniorinnen-Titel gewinnt Kira

so erfolgreich war, bei der WM in Panama

Groen, die im Damen-Finale durch eine In-

und der EM in Lacanau. Der 15-jährige Leon

terference gepatzt hatte, aber hier dann

Glatzer aus Costa Rica treibt das New-

ihr ganzes Potenzial zeigen kann. Das Fi-

school-Surfen mit sicheren Aerials und

nale der Seniors gewinnt Tim Surtmann nach

radikalen Cutbacks auf die Spitze. Arne

einem spannenden Heat.

Bergwinkl aus Ecuador hat bereits die gesamte Saison in Seignosse verbracht und


first-surf.de

f i r s t S U R F i n Vi e u x B o u c a u u n d S t . G i r o n s P l a g e


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45 sec Interview

„Da ich, wie du weißt, gerade ‘nen Gypsy Trip durch Indonesien mache und meinen Drucker, um Gewicht zu sparen, zu Hause gelassen habe, war ich gezwungen, mir die künstlerische Freiheit zu nehmen und das Interview per Paint zu beantworten.“


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„Keine Angst vor spinnen“ Nils Eberhardt , gebürtiger Peruaner, hat es nach Sydney verschlagen Text: Jérôme Harlay


Nils, kläre uns auf: Wo lebst du, und wie kam es dazu? Ich lebe seit sechseinhalb Jahren in Bondi Beach, Sydney, Australien. Wow, mir fällt gerade selber erst wieder auf, wie lange das schon ist. Es kam dazu, weil ich irgendwo leben wollte, wo ich jeden Tag surfen und gleichzeitig einem normalen Arbeitsleben nachgehen kann. Als gebürtiger Peruaner hat es mich irgendwie auch immer in die wärmeren Gefilde gezogen, und als ich dann einen Monat durch Australien gereist bin, wusste ich, dass ich wiederkommen muss. Waren die Wellen dein Antrieb, um von Hamburg nach Sydney zu ziehen?

nach Sydney, weil dort die Wellen besser

Die Wellen, die Sonne, der Strand, und das alles,

sind. Wenn er nicht surft, arbeitet er als

ohne auf eine einsame Insel ziehen zu müssen.

Art Director für die Werbeagentur Saatchi

Mir war es sehr wichtig, einen Ort zu finden, an

& Saatchi.

dem ich meine Liebe zum Surfen mit meiner Arbeit verbinden kann. Da war Sydney als kosmopolitische Metropole mit seiner direkten Lage am Wasser perfekt. Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus? Gegen sechs Uhr Aufstehen, Wellen checken und dann normalerweise Surfen bis acht. Anschließend geht’s dann mit dem Fahrrad zur Arbeit. Im Allgemeinen habe ich in der Werbung recht lange Arbeitszeiten, aber wenn es zeitlich passt (im Sommer, wenn es länger hell bleibt), kommt auch manchmal noch ein Sunset Surf dazu. Welchen Stellenwert hat Wellenreiten in Sydney? Zwar haben sich in den letzten Jahren auch in Deutschland die Lineups immer mehr gefüllt, aber trotzdem bleibt Wellenreiten dort immer noch etwas Exotisches, das eher von Aussenseitern betrieben wird. In Australien dagegen ist Surfen etwas ganz Normales. Vom Kleinkind bis zum Grossvater surft hier jeder. Im Allgemeinen leider auch besser als ich. Hast du Kontakt zu anderen Deutschen in Sydney? Man findet sich hier irgendwie automatisch. Heimweh, der Hang zum Gewohnten, sprechen in einer Sprache, die man im Alltag nicht spricht, Scherze über deutsche Dinge aus der Kindheit und über aktuelle Anlässe, die man den Australiern nicht wirklich vermitteln kann – all diese Dinge lernt man immer mehr zu schätzen, je länger man weg ist. Wie hältst du Kontakt zu Deutschland? Durch Facebook, Skype und zahllosen Apps ist es kein Problem, den Kontakt zu Freunden und Familie aufrechtzuhalten. Was rätst du den Menschen, die sich in Sydney niederlassen wollen? Kauft euch ein Flugticket, und keine Angst vor den Spinnen. Die sind wirklich nicht so schlimm, wie man immer denkt.

Deutsche im Ausland

Nils Eberhardt, 36, zog 2006 von Hamburg

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Wir lieben Überraschungen. Deshalb verschicken wir Kameras. Einwegkameras mit Rückfahrkarte. Wir schicken sie an Profis oder Anfänger, nach Cali, Bali, Gnarloo oder Teahupoo – egal. Nicht egal ist, was der Empfänger mit der Kamera anstellt. Wir sagen: „Mach damit, was du willst“, und was wir damit meinen ist: „Blas uns aus dem Wasser mit deiner Kreativität!“ Stellst du dich der Herausforderung? Wenn ja, dann schick deine Bewerbung an: wachs.whitecam@gmail.com

THE W H

I

T


E

C A M ON TOUR

Text: Nick Law | Fotos: Nick Law, Luke Wolfgarten

Nick Law, 29, lebt in Schottland und ar-

gern draußen und bereit bist, dich den

du das alles im schlechtesten Wetter, das

beitet als freiberuflicher Fotograf; aus-

harten Bedingungen zu stellen – dann sind

du je erlebt hast, aber es ist eben alles

serdem entwirft und baut er wasserdichte

die Möglichkeiten endlos. Dein Tag fängt

da! … und wie man hier sagt: „Wenn dir das

Gehäuse für Spiegelreflex-Kameras. Wer so

vielleicht an mit Snowboarden auf zwei

Wetter nicht gefällt, dann warte fünf Mi-

ein Gehäuse braucht: lllnicklll@gmail.com

Fuß Neuschnee im Hinterland; anschließend

nuten!“ „Diese Einweg-Kamera tat mir ein

„Was ich an Schottland liebe, ist das Sur-

Surfen auf einer Welle von Weltklasse-For-

bisschen Leid, daher dachte ich, ich be-

fen an stillen Stellen über feuernden Riffs.

mat; fürs Mittagessen harpunierst du dir

reite sie mal vor für ein etwas aufre-

Die Temperaturen liebe ich nicht so sehr“

einen Fisch, und fürs Abendessen suchst

genderes Leben, egal, wie das Wetter ist“

„Schottland ist ein toller Ort, wenn du

du dir einen Hummer aus. Vielleicht tust


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USE WITH WHITE CAMERA. WIND ON. THEN, WHEN SUNSET IS NICE OR SURFER DOES A HACK OR PULLS IN, TAKE PHOTO!


360째 The Whitecam On Tour 49


The HAunted House Of Surf Biaritz 1989 Text: Thomas Josek | Fotos: Thomas Josek

Es gab keine verbandszertifizierten Surfcamps 1989, und hätte es sie gegeben, wir hätten sie nicht bezahlen können. Wir waren ein paar Kids aus Köln, mit selbstgeshapten Boards, über Ostern auf der Suche nach der Welle der Freiheit. Die brach irgendwo zwischen Biarritz und Bayonne an den Strand. Hatten wir jedenfalls gehört.

lalala


Surf History Macht Angst: altes Haus. Haben Angst: junge Surfer.

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Wir hatten Zelte dabei, aber dann fanden wir das Haus, kaum 200 Meter vom Strand entfernt. Es sah aus, als sei es seit mindestens zehn Jahren verlassen; die Türen waren aufgebrochen, die Angeln quietschten: „Willkommen.“ Häuser sind besser als Zelte, fanden wir. Und zogen ein. Es waren beschauliche Tage; milde Frühlingsluft, Campingaz und Abenteuerlust. Die meiste Zeit hingen wir herum und warteten auf Wellen. Es waren gespenstische fünf Nächte; der Wind pfiff durch geborstene Scheiben, der Geruch von Seetang, Wachs und Moder erfüllte die Räume. Das Rumpeln und Scheppern aus dem Keller hätte uns fast in die Flucht geschlagen in der ersten Nacht; wir fanden heraus, dass eine Gruppe von obdachlosen Menschen und Hunden dort wohnte. Zum Glück hatten sie genauso viel Angst vor uns wie wir vor ihnen; fünf Tage lang führten wir eine unbehagliche Koexistenz. Wir kehrten nie dorthin zurück.


Surf History 53


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Surf Food Das Baguette

Oh la la. Das Baguette erfanden angeblich nicht die

wieder aufpumpt. Auf den Belag kommt es an.

Franzosen. Mon dieu! Non, es waren die Österrei-

Wem das Baguette in seiner Grundform nach einer

cher. Und das Croissant haben sie auch erfunden.

Weile zu langweilig erscheint, sollte Ihm im Sand-

C‘est incroyable!

wichtoaster geröstet eine weitere warme Chance

Doch jeder kennt das sogenannte „Stäbchen“, das

geben. Erfahrungsgemäß dennoch sehnt sich nach

aus Weizenmehl, Wasser und Hefe hergestellt wird,

zwei Wochen jeder deutsche Durchschnittssurfer

aus Frankreich. Aus diesem relativ nährstoffarmen,

nach einer ordentlichen Stulle Schwarzbrot. Das ist

aber knackigen Brot kann man zack zack einen

aber eine andere Geschichte. Jetzt Butter bei die

Powerriegel machen, der nach kräftezehrendem

Fische …

Gepaddel in der biskaischen Strömung die Arme


Salat

Ei

Avocado

...

...

...

Tomate

Tomate

Tomate

...

...

...

Gurke

K채se

Pfeffer

... Kr채uter Surf Food

... Schinken

Putenbrust

Thunfisch

Creme Fraiche

...

...

...

Gurke

Mayonnaise

Kirschkonfit체re

...

...

...

Senf

Zwiebeln

Nutella

... Tabasco

hmmm!

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Auf dem Rad und In der Dusche Andreas Klammt , Illustrator aus Hamburg Text: Jerome Harlay | Fotos: Andreas Klammt


Beschreibe dich mit drei Adjektiven: Freigeistig, ausgeglichen, neugierig. Beschreibe deine Werke mit drei Adjektiven: Handgemacht, stimmungsecht, authentisch. Wie hat es dich in deinem Schaffen beeinflusst? Reisen und Surftrips sind für mich genauso wichtiger Ausgleich wie Hamburgspaziergänge und die Zeit mit Freunden. Sie bilden die kreative Reserve, aus der man in Zeiten mit vielen Projekten schöpfen kann. Die Inspiration selbst kommt dann ganz unabhängig davon, wie lange die Erlebnisse zurückliegen. Manchmal auf dem Rad, manchmal unter der Dusche. Der Name seines Labels entspricht der Lage

Wann und wo warst du das erste Mal Surfen?

seiner Wahlheimat – Breitengrad 53,5°, da

In meiner Kindheit war ich jeden Sommer am

liegt Hamburg. Andreas Klammt ist Illust-

Meer – wenn auch noch nicht auf dem Brett.

rator. Die Werke des 34 jährigen sind

Den Anstoß zum Surfen brachte eine Bekannt-

nicht nur in Magazinen zu finden, sondern

schaft zu einem Surfer auf Lanzarote. Im Jahr da-

auch als Motive auf T-Shirts verschiede-

nach habe ich mir mit meinem Bruder ein 7‘2‘‘

ner Kollektionen.

und ein 7‘4‘‘ Board gekauft und nach dem Abi für vier Wochen in Carcans Plage / Lacanau gecampt. Wann hast du für dich entschieden, dass du einer kreativen Arbeit nachgehen möchtest? Zeichnen, Fotografieren und der Boardsport gehabe ich aber zunächst ein Jahr lang Physiotherapie. Dann habe ich aber doch dem Drang nachgegeben und Kommunikationsdesign in Wiesbaden begonnen. Nach einem Praktikum hat mich dann Hamburg in seinen Bann gezogen, und ich habe hier Design & Illustration an der Hochschule studiert. Arbeitest du alleine oder im Team? Ich bin als Selbstständiger in einem kleinen Design- und Illustrations-Studio, aber je nach Job bin ich offen für neue Projekte auch im Team. Die Kombination Design und Illustration bietet einen sehr großen Spielraum. Siehst du dich eher als Graphiker oder Künstler? Ich sehe mich eher als Illustrator mit künstlerischem Interesse und einem Hang zu vintage Surfkultur & Design. Am liebsten mache ich eigene Projekte, die leider zur Zeit aufgrund von Aufträgen etwas zu kurz kommen. Die nächste Ausstellung einiger Arbeiten gibt es bei dem kleinem Surf- und Skatefestival „NORD/NORDWEST“ in Hamburg am 4.-6. April zu sehen. Was ist dein nächstes Projekt? Zurzeit entwickele ich die Spring/Summer 2014 Artist Kollektion für Faith21, designe ein Plattencover für einen Hamburger Künstler und illustriere Etiketten für Sirupflaschen. Wohin wird dich dein nächster Surftrip führen? Durch Ostsee/Nordsee sind Surftrips ganzjährig auf der Liste. Eventuell werde ich Ende März in Frankreich und Spanien Freunde besuchen. Ansonsten stehen Bruder in San Diego, Freunde auf Bali und Sydney besuchen ganz weit vorne.

Featured Artist

hörten schon immer zu meinem Alltag. Studiert 57


Featured Artist 59


Herausgeber Deutscher Wellenreit Verband

Art Direction Moritz Altreuther

Photography Direction Thomas Josek

Design Luke Wolfgarten, Louis Josek www.josekdesign.de

Redaktion Dirk Scheuring | scheuring@gmail.com Jerome Harlay

| info@harlay-sports.com

Fotografen Thomas Josek, Louis Josek, Luke Wolfgarten, Nick Law, Johannes Wyneken, Fotoautomat, S&A Photography

Koordination Jens Höper

Verlag Buchhaltung Verlag, Lichtstraße 43d, 50825 Köln info@buchhaltung-verlag.de www.buchhaltung-verlag.de

V.i.S.d.P. Xenia Goffaux

Auflage 10.000 Stück

Druck MegaDruck.de

Wir danken allen, die an dieser Ausgabe mitgearbeitet haben. Wir danken Arnd Wiener, Philipp von Buch, Martin Itor, Nicole Groen und Tim Surtmann für ihre Junioren-Arbeit. Wir danken den Sponsoren des Panama-Trips: Uli, Jens, Surfclub Sylt, Daniel und Sabrina, Thorsten, Flo und Zingel. Und wir danken all den ehrenamtlichen Helfern des DWV, Ramington Flashride und dem Küchenteam: Dankeschön.


AND

SURF!

ab

244€

für

1 WOCHE IM APARTMENT, INKL. KURS, MATERIAL, SPOTTRANSFER, ...

maximumsurfcamp.com Täglich neue Pics: facebook.com/maximumsurfcamp.peniche

BUCHUNG: +49 (0) 157 308 755 08 | aloha@maximumsurfcamp.com

pic: markus kapeller | teilnehmer surftopmodel – design: dasMinisterium.com

GET OUT


„Sorry for partying!“ Hier könnte Ihre Anzeige stehen! 63


www.wellenreitverband.de

Arsch hoch! Deutsche Surf Meisterschaft

21. - 28. September, 2013 St. Girons Plage, Frankreich


WACHS