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Informationsdesign Newsletter Der Studiengang Informationsdesign Ausgabe 3 | Juli 2007


Impressum

Redaktionsleitung: Dr. Luz-Maria Linder, Sina Salzmann, Corinna Schulenberg Layout: Jonathan Bauer, Christoph Bühnert, Tim Scheuermeyer, Lena Schmid, Andreas Scholz, Kristin Tecles Satz und Umbruch: Jonathan Bauer und Christoph Bühnert Druck und Weiterverarbeitung: alinea Digitaldruck, Dresden Veronika Hubl, Claudia Lange und Jasminka Krobot Auflage: 95 Exemplare Redaktionsschluss: 22. Juni 2007 Wir bedanken uns bei: Dr. Luz-Maria Linder, Prof. Dr. Wibke Weber, Prof. Dr. Roland Mangold, Prof. Dr. Jörg Westbomke, Oliver Siegmund und allen anderen, die zu diesem Newsletter beigetragen haben.


Editorial Informationsdesign in drei Schritten: Landen, Betanken, Durchstarten

Bitte bringen Sie Ihre Rückenlehne in eine aufrechte Position. Ihr Flug durch das Informationsdesign-Studium startet sogleich. Was passiert mit einem Flugzeug, wenn es nicht richtig betankt wird? Es stürzt früher oder später ab. Das soll den Informationsdesignern der Hochschule der Medien gewiss nicht passieren und deshalb werden sie auch bestens ausgebildet. Die dritte Ausgabe des Informationsdesign Newsletters zeigt einen Überblick über das Profil des Studiengangs, Studienprojekte, Kooperationspartner sowie die zukünftigen beruflichen Chancen eines Informationsdesigners. Doch zuallererst müssen die Studierenden einmal im Studiengang Informationsdesign landen. Dazu sollte die Landebahn noch von einigen Fragen befreit werden: Wie lauten die Inhalte des Studiums? Mit welcher technischen Ausstattung arbeitet ein Informationsdesign-Studierender? Außerdem wird im Terminal 1 beschrieben, welche Professoren den Studiengang begleiten, welche Standorte es an der Hochschule gibt

und was der Unterschied zwischen den Studiengangskürzeln IDB, IDB neu und IDB alt ist. Nachdem die Studierenden gelandet sind, kann es mit dem Betanken losgehen: Durch viele verschiedene Projekte im Studium füllt sich der Tank der Informationsdesigner langsam mit dem nötigen Treibstoff. Dazu gehören zum Beispiel die Gestaltung einer Zeitschrift, Usability-Tests mit Hilfe von Eye-Tracking, das Praxissemester und vieles mehr. Der Verlauf und die Inhalte der einzelnen Projekte werden im Terminal 2 vorgestellt. Sobald die angehenden Informationsdesigner mit allen nötigen Kenntnissen betankt wurden, sollten sie sich richtig anschnallen und durchstarten. Wie diese sich dann in der Berufswelt zurechtfinden können wird im Terminal 3 beschrieben. Außerdem werden Tipps für die perfekte Bewerbung gegeben. Checken Sie nun in aller Ruhe ein. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Flug und eine gute Reise. Ihr Redaktionsteam


Inhaltsverzeichnis Landen 008 Informationsdesign der dritten Generation 016

„Informationsdesign weiter in der öffentlichen Wahrnehmung etablieren“ Interview mit Studiendekan Professor Dr. Jörg Westbomke

020

Werkzeuge des Infodesigners

024

Die Gestalter des Alltags

028

Studiengebühren

032

Wolframstraße goes Vahingen?

036

Wir sind Informationsdesign!

Betanken 040 Neuer Lernbereich für Südtiroler Bildungsserver geht an den Start 044 Fünftes Symposium für Informationsdesign 048

Zweiter World Usability Day in Stuttgart

052

Sackerl und Paradeiser – Auslandssemester in Graz

056 IDB on the road – Ein Besuch bei der Robert Bosch GmbH 060 IDB-Bingo für Studierende 062 Lernen mit Spaßfaktor – Lernprogrammkonzepte für Porsche 066

JUST DO IT – Hochschulsport

068

Packende Musterüberschrift – ein Zeitschriftenprojekt

072

„Einen wunderschönen guten Morgen hier bei HoRadS Kultür“

078 Gemeinsam mit Stephen King auf Kuscheltierjagd 082 Neuartige Werbeformen im Kampf um die Aufmerksamkeit

Durchstarten 088

Wo ist Jeannie? Der Kampf einer Studentin mit der Bachelorarbeit

092

Die perfekte Bewerung

096

Studium – und was jetzt? Berufschancen von Informationsdesignern

100 Autoren dieser Ausgabe


LANDEN Informationsdesign Newsletter Bienen landen auf Blumen, Neil Amstrong auf dem Mond und kreative Köpfe im Studiengang Informationsdesign. Im folgenden Terminal 1 wird die Landebahn des Informationsdesign-Studierenden von einigen Fragen befreit: Wie lauten die Inhalte des Studiums? Mit welcher technischen Ausstattung arbeiten die Studierenden? Welche Professoren begleiten den Studiengang? Welche Standorte gibt es an der Hochschule? Und was ist der Unterschied zwischen den Studiengangskürzeln IDB, IDB neu und IDB alt? Bitte bringen Sie ihre Rückenlehne in eine aufrechte Position, stellen Sie das Rauchen ein und schnallen Sie sich jetzt an.


Informationsdesign der dritten Generation

„Keep it simple“ lautet der Wahlspruch des Informationsdesigns. Dabei sind die Anforderungen an Informationsdesigner keinesfalls einfach – wagt der Studiengang doch einen Spagat zwischen den verschiedensten Disziplinen. Angesiedelt zwischen Journalist und Kommunikationsdesigner, Informatiker und Ergonom gibt der Informationsdesigner Orientierung im alltäglichen Informationsdurcheinander. Text: CHRISTOPH BÜHNERT

„Sie müssen vom Nutzer her denken“, fasst Dr. Frank Thissen, Initiator des Studiengangs Informationsdesign, die Ausbildung zusammen. 2001 fiel der Startschuss für das neue Studienangebot. Mittlerweile lernt der sechste Studierendenjahrgang das Vom-Nutzerher-Denken. Gebrauchstauglichkeit, optische Attraktivität, Verständlichkeit und klare Informationsstrukturierung sind die Schlagwörter. Sie sind Drehund Angelpunkt des Studiums. Der Informationsdesigner erwirbt deshalb die Kernkompetenzen verschiedener Fachdisziplinen, um optimierend eingreifen zu können. „Am Anfang war alles sehr chaotisch“ Zum Beginn im Jahr 2001 waren 15 Studierende im Studiengang eingeschrieben. Trixie Freude gehörte zu ihnen: „Es war sehr chaotisch. Die Lehrpläne standen noch nicht endgültig fest“. Das Studium dauerte damals noch sieben Semester und vermittelte zunächst Grundlagen der Informati-

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onswissenschaft, Schreib- und Kreativitätstechniken. Daran schlossen sich Gestaltung, Bild- und Medienkonzeption, Interfacedesign und Informationsvernetzung an. Alles noch sehr theoretisch. Heute sind es fünfzig Studierende im Studiengang. Kooperationsprojekte mit Partnern aus der freien Wirtschaft sind mittlerweile fester Bestandteil des sehr praxis­nahen Studiums. Informationsdesign Version 3.0 Im Studiengang hat sich aber nicht nur die Anzahl der Studierenden geändert. Um neue Entwicklungen und Trends zu integrieren, wurde die Prüfungsordnung zwischenzeitlich dreimal geändert. Die Lehrinhalte sind wiederholt ergänzt und umstrukturiert, Anknüpfungspunkte zwischen den Schwerpunktthemen geschaffen worden. „Nach der Aufbauphase ist der Studiengang jetzt an seinem Zielpunkt angekommen“, kommentiert Professor Dr. Jörg Westbomke,


Im Alltag konkurrieren viele Informationsangebote miteinander. Aufgabe des Informationsdesigners ist es, die Flut der Informationen zu ordnen und die Wahrnehmung zu erleichtern. Dieser Wegweiser (in Leverkusen) wurde nicht von einem Informationsdesigner entworfen! Landen \\ 009


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Professoren im Studiengang Dr. Michael Burmester. Professor für Usability Engineering und Human Computer Interaction Professor Dr. Burmester studierte Psychologie an der Süddeutschen Universität Ravensburg. Zunächst arbeitete er für das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart, anschließend war er bei Siemens Corporate Technology, München, tätig. Ab 2000 arbeitete er für die User Interface Design GmbH in München. 2002 folgte er dem Ruf an die HdM. Elke Knittel. Professorin für Informationsarchitektur und Kommunikationsdesign Professorin Knittel studierte Industriedesign an der FH Darmstadt. Ab 1996 arbeitete sie am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. Danach gründete Professorin Knittel die Agentur „did. design im dialog“ in Stuttgart. 2004 folgte sie dem Ruf an die HdM. Dr. Roland Mangold. Professor für Informations- und Kommunikationspsychologie Professor Dr. Mangold studierte Elektrotechnik in Darmstadt und Psychologie an der Universität Mannheim. 1986 promovierte er, 1992 habilitierte er. Danach arbeitete Professor Dr. Mangold an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Ab 1997 war er selbstständig in der Aus- und Weiterbildung tätig. 2001 folgt Professor Dr. Mangold dem Ruf an die HdM. Er gehört zu den Gründungsprofessoren des Studiengangs Informationsdesign Dr. Frank Thissen. Professor für Multimedia-Didaktik, Informationsdesign, Screendesign und Interkulturelle Kommunikation Professor Dr. Thissen schloss sein Studium der Philosophie, Sprach- und Literaturwissenschaften an der Universität Düsseldorf 1991 ab. Ab 1985 ar­beitete er an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später als Lehrbeauftragter für Philosophie. Außerdem war er für Siemens und SAP tätig. 1997 folgte er dem Ruf an die HdM. 2001 initiierte er die Gründung des Studiengangs Informationsdesign. Dr. Wibke Weber. Professorin für Informationsaufbereitung und -präsentation, Textkonzeption und -design Professorin Dr. Weber studierte Romanistik, Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Frankfurt und Köln. 1996 promovierte sie. Professorin Dr. Weber arbeitete für den Westdeutschen Rundfunk (WDR), den Hessischen Rundfunk (HR) und den Südwestrundfunk (SWR) sowie für die Kulturredaktion von Hubert Burda Media in Offenburg. 2001 folgte sie dem Ruf an die HdM. Professorin Dr. Weber gehört zu den Gründungsprofessoren des Studiengangs Informationsdesign.

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Dr. Jörg Westbomke. Professor für Multimedia und Internet, Datenbanktechnologie Professor Dr. Westbomke studierte Informatik an der Universität Dortmund. 2002 promovierte er an der Universität Ulm. Er war an verschiedenen Projekten im Bereich Wissensvermittlung beteiligt. 2003 folgte er dem Ruf an die HdM. Seit 2006 ist Professor Dr. Westbomke Studiendekan bei Informationsdesign.

Verstärkung in Sicht Zum Wintersemester 2007/2008 wird eine neue Professur für das Design Interaktiver Medien eingerichtet. Den Ruf auf die Stelle hat Ralph Tille erhalten. Der Siebenunddreißigjährige hat Design mit dem Schwerpunkt Produktdesign studiert. Er arbeitete unter anderem für Daimler-Chrysler in Stuttgart und an der Universität Duisburg-Essen. Zurzeit unterrichtet er an der FH Oberösterreich in Wels im Studiengang Innovations- und Produktmanagement. der seit 2006 Studiendekan ist, diese Entwicklung. Wie sieht dieses Informationsdesign der dritten Generation aus? Es ist kein Studiengang, in dem das reine Grafikdesign im Mittelpunkt steht. Verschiedene Inhalte stehen gleichberechtigt nebeneinander: Ergonomie und Usability, Content, Informatik, Kommunikationspsychologie und Design (vgl. Info-Box zum Studienverlauf Informationsdesign). Schwerpunkt der Ausbildung ist die Gestaltung und Vermittlung von Informationen für verschiedene Ausgabekanäle. Hier grenzt sich Informationsdesign von anderen Disziplinen ab, die nur für ein einzelnes Ausgabemedium optimieren. Für Professor Dr. Westbomke ist der entscheidende Pluspunkt für den späteren Berufseinstieg, „der interdisziplinäre Ansatz, der hilft, Brücken zwischen den unterschiedlichen Sparten zu schlagen“. Dass der Studiengang damit den richtigen Weg beschreitet, zeigen die Praktika: „Es ist kein Problem, die Studenten in Praktika zu vermitteln“, erklärt Herr Professor Dr. Westbomke. Die Praktika-Berichte der Studie-

renden wiederum ziehen ein durchweg positives Fazit. Noch mehr Professoren Die Fülle an neuen Lehrinhalten macht die Einrichtung einer neuen Professur notwendig. Ab dem Wintersemester 2007/2008 wird es eine Professur für das Design Interaktiver Medien geben. Der neue Stelleninhaber wird Konzeption und Gestaltung elektronischer Medien vermitteln, also Interface-Design, Multimedia-Authoring, Interaktions- und Navigationsdesign, Animation und Informationsvisualisierung lehren. Noch praxisorientierter Informationsdesign ist in Deutschland noch nicht sehr bekannt. In vielen Bereichen des Wirtschaftslebens herrscht die Meinung vor, dass sich der Nutzer selber in ein Produkt einarbeitet, die angebotenen Informationen über kurz oder lang schon verstehen wird.

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Mit dem Symposium für Informationsdesign ist ein erster Anfang gemacht, um die Belange der Nutzerorientiertheit einem breiten Kreis verständlich zu machen. Dieser alljährliche Austausch erfreut sich wachsender Beliebtheit. Trotzdem ist der Studiengang noch nicht am Markt etabliert. Firmen, die eine Zusammenarbeit mit den Studierenden wagten, waren zunächst skeptisch. Im Laufe der Kooperationsprojekte konnten die

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Ausbildung und praktischer Arbeit Aufgabe des Industriebeirates. Außerdem baut die HdM ein Alumni-Netzwerk auf. Hier berichten auch ehemalige Studierende des Informationsdesigns über ihre weitere Entwicklung nach dem Studium. Wie kommen sie mit den erworbenen Fähigkeiten im beruflichen Alltag zurecht? Wo besteht Verbesserungsbedarf? Und nicht zuletzt: Wie sind die Berufsaussichten der Absolventen? Das Studium ist Chance

Die Mitglieder des Industriebeirats

Am steht die Zulassung: 2003/2004 bewarben sich „nur“ 199 Bewerber auf 50 Studienplätze, daraus wurden zum Wintersemester 2005/2006 365 Bewerbungen. Der Studiengang musste deshalb die Zulassungsvoraus­ setzungen erschweren. Der angehobene Numerus Clausus und die Einführung von Studiengebühren in Baden-Württemberg hatten jedoch nur geringen Einfluss auf die Bewerberzahlen. Für das Wintersemester 2006/2007 haben sich 329 Hochschulzugangsberechtigte beworben. Wenn das Studium nach sechs Semestern beendet ist, kommt der Sprung ins Berufsleben. Gerade der scheinbare Nachteil, dass der Studiengang in der Wirtschaft noch nicht etabliert ist, stellt für den Absolventen einen Vorteil dar: Er kann frei von Vorurteilen mit seinem breiten Kenntnisstand punkten. So sind die Berufsaussichten - entgegen dem Designtrend – durchaus gut. Für Jessica Eickhoff und Kathrin Hollinger geht das Studium im Juni 2007 zu Ende. Gefragt nach ihren Eindrücken, erklärt Jessica Eickhoff: „Es war überraschend vielfältig mit interessanten Themen.“ Kathrin Hol-

Dr. Sybille Horend, DaimlerChrysler, Stuttgart-Fellbach Franz Koller, User Interface Design GmbH, Ludwigsburg Sascha Martini, Bassier, Bergmann & Kindler, Oberhausen Wolf H. Nöding, Fa. Spirit Link GmbH, Erlangen Axel Platz, Siemens AG, München Ulrich Ray, DaimlerChrysler, Stuttgart-Fellbach Sönke Vaihinger, ARD-online, Mainz Barbara Vollert, Porsche AG, Stuttgart

Informationsdesigner aber voll und ganz überzeugen. Die Partnerfirmen, darunter Daimler-Chrysler, Porsche, Bosch und die Deutsche Lufthansa, gaben ein sehr positives Feedback. Im Professorenkolleg möchte man sich aber nicht nur auf diese Art der Rückmeldung verlassen. Zusammen mit Partnern aus der freien Wirtschaft will man die zukünftigen Studienprojekte noch enger mit der Praxis verzahnen. Am 23. Mai 2007 gründete sich deshalb der Industriebeirat des Studiengangs Informationsdesign. Ziel ist die Weiterentwicklung des Studiengangs im engen Kontakt mit der Wirtschaft. Trends und Tendenzen sollen frühzeitig in die Ausbildung mit einfließen können. Umgekehrt sollen Forschungserkenntnisse in der Wirtschaft populär gemacht werden. Neben dem gegenseitigen Austausch ist eine noch engere Verbindung von ­ theoretischer

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linger ergänzt: „Wir hatten ein offenes Verhältnis zu den Professoren, es war teilweise sehr familiär.“ War das Stu-

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dium eine Chance? „Auf jeden Fall“, sind sie sich einig. Beide haben bereits eine feste Jobzusage.

Studium Informationsdesign Studienschwerpunkte Die Studierenden erlangen Kenntnisse aus vier Schwerpunktbereichen: • Communication Design/Interface Design • Professional Writing • Media Technologies (Technologien für das Internet) • Communication Culture/Media Culture Studienverlauf Das Grundstudium (1. und 2. Semester) vermittelt Kenntnisse über: • menschliche Wahrnehmung und menschliches Lernverhalten • Designgrundlagen mit den Schwerpunkten Typografie, Bildgestaltung und visuelle Kommunikation • Mensch-Maschine-Interaktion, Nutzungsszenarien, Handlungsabläufe • Datenbanken, Programmiersprachen und digitale Formate • Netzwerktechnologien • Texten: Aufbau und Strukturierung von Informationen jeder Art Das Hauptstudium (3. bis 6. Semester) vertieft Wissen in einem oder mehreren Teilbereichen. Vier Module stehen zur Wahl: 1. Communication Design/Interface Design: Entwicklung von Erscheinungsbildern, Leitsystemen und Ausstellungsdesign, Interface-Gestaltung, Screendesign 2. Professional Writing: Umgang mit Texten für bestimmte Medien, Redaktion, Schreiben von Handbüchern und journalistisches Arbeiten 3. Media Technologies: vertiefende Informatikkenntnisse und Strategien in Bezug auf die Neuen Medien 4. Communication Culture/Media Culture: Schwerpunkt auf Lernmethoden und Kommunikationstheorie Mindestens zwei Module müssen gewählt werden. Es ist darüber hinaus möglich, Lehrveranstaltungen aus anderen Studiengängen der HdM zu belegen. Das 5. Semester ist ein Praxissemester. Das Studium schließt im 6. Semester mit der Bachelor-Arbeit ab. Die Aufnahme eines anschließenden Masterstudiums ist möglich. Berufsaussichten Informationsdesigner arbeiten in Verlagen, Internetagenturen, Technischen Redaktionen, Werbeagenturen, in der Produktentwicklung interaktiver Systeme oder als selbstständige Allrounder.

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Begriffe rund um das Informationsdesign Content: Bezeichnet jede Form des inhaltlichen Arbeitens. Im Studiengang Informationsdesign erlernen Studierende Schreibtechniken, um z.B. Bedienungsanleitungen und Presseberichte zu verfassen. Design: Die optische Gestaltung der Inhalte verschiedener Medien. Ergonomie: In erster Linie die Gestaltung von Gegenständen, die der menschlichen Physionomie angepasst sind. Im Informationsdesign bedeutet ergonomisches Gestalten die Verwendung von klaren Layouts, leicht erkennbaren Schriften in optimalen Lesegrößen, deutlichen Farbkontrasten etc. Informationsarchitektur: Lehrt das Zusammenspiel von Illustrationen, Tabellen, Zeitleisten, Karten, Plänen und narrativen Texten. Sowohl für statische Medien, wie z.B. Druckprodukte, oder interaktive Medien relevant. Informatik: Die Wissensverarbeitung mit Computern. Dieser Studienbereich vermittelt Kenntnisse im Aufbau und Umgang mit Datenbanken. Die Studierenden erlernen darüber hinaus mehrere Programmiersprachen. Interaktions- und Navigationsdesign: Die Entwicklung von Handlungsabläufen bzw. Leitsystemen. Interface-Design: Beschreibt die Gestaltung der Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine, zum Beispiel die grafische Oberfläche von Bank- und Fahrkartenautomaten. Kommunikationspsychologie: Vermittelt die Grundlagen menschlicher Wahrnehmung. Die Studierenden lernen unter anderem, wie das Gedächtnis funktioniert und wie menschliche Kommunikation aufgebaut ist. Multimedia-Authoring: Die Mischung mehrerer Informationsträger, also Bild, Ton und Text in einem Medium Usability: Darunter versteht man den Aufbau und die Gestaltung von leicht zu bedienenden Schnittstellen aller Art, z.B. die Menüstruktur eines Mobiltelefons.

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Informationsdesigner müssen immer in mehreren Dimensionen denken. Es reicht nicht dem Nutzer Informationen zu präsentieren. Er muss sie auch verstehen können. Oder würden Sie die obige Darstellung als die biblische Schöpfungsgeschichte verstehen?

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„Informationsdesign weiter in der öffentlichen Wahrnehmung etablieren“

Studiendekan Professor Dr. Westbomke beleuchtet im Interview den Studiengang Informationsdesign und zeigt, welche Veränderungen in naher Zukunft stattfinden werden. INTERVIEW: CARINA ROTHENHÄUSLER und TIM SCHEuERMeYER

Herr Westbomke, quo vadis Informationsdesign? Wir wollen den Ausbauzustand erreichen, der ursprünglich geplant war. Seit dem Einrichten des Studiengangs 2001 waren sieben Professuren geplant, derzeit haben wir aber nur sechs Professuren besetzt. Zum Wintersemester wird mit Ralph Tille ein weiterer Designer das Kollegium verstärken, der den Bereich Design Interaktiver Medien unterrichten wird. Mittelfristig wird es ein Ziel sein, Informationsdesign weiter in der öffentlichen Wahrnehmung zu etablieren. Dazu hat gerade die erste Sitzung des Industriebeirates stattgefunden, in der wir uns mit Vertretern der Industrie treffen, um die Ausbildungsinhalte noch stärker an den Bedürfnissen des Marktes auszurichten, wobei ich allerdings überzeugt bin, dass wir schon relativ nah am Markt ausbilden. Infodesign vs. Kommunikationsdesign. Wie setzt sich der Studiengang von anderen Disziplinen ab? Informationsdesigner sind eher die Generalisten, die über viele Themenbereiche den entsprechenden Überblick haben und diese Themen miteinander verknüpfen können, während das Kommunikationsdesign-Studium den Fokus stärker auf den Gestaltungsaspekt setzt. Textkompetenz und UsabilityKompetenz sind so wie im Informationsdesign-Studium in einem Kommunikationsdesign-Studium sicherlich nicht vorzufinden.

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Lehrinhalte sind bekanntlich immer im Fluss. Wie wird sich zum Beispiel der Anteil von Vorlesungen und betreuter Projektarbeit entwickeln? Natürlich wird mit der Integration der neuen Professur der Designanteil größer werden. Die 180 ECTS-Punkte, die während des Studiums zu erbringen sind, können nicht ausgeweitet werden. Deshalb werden wir wahrscheinlich die IT-Ausbildung zurückfahren, ich denke da zum Beispiel an die Vorlesung Computernetze. In diesem Sektor hat eine starke Entwicklung stattgefunden und man kann im Bereich WWW manches schon als Allgemeinwissen bezeichnen, was vor einiger Zeit noch Spezialwissen war. In diesem Zuge werden wir Vorlesungen und damit Veranstaltungen ohne Gruppenteilung zurückfahren und den Anteil von Veranstaltungen mit Kleingruppen erhöhen. Es ist aber kein strategisches Ziel, dass wir weniger Vorlesungen und mehr betreute Gruppenarbeit wollen, sondern es ergibt sich automatisch daraus, dass wir verstärkt Designinhalte in den Studiengang einbringen werden.

Studierende müssen seit dem Sommersemester 2007 Studiengebühren bezahlen. Welchen Benefit gibt’s dafür? Wir werden versuchen in der Designausbildung noch mehr auf Lehrbeauftragte zu setzen, da mit der neuen Professur auch die Anzahl der Studienplätze ansteigt und wir im kommenden Wintersemester 60 Studienanfänger haben werden. Mein Ziel ist es, durch Lehrbeauftragte Herrn Tille oder Frau Knittel unterstützen zu lassen. Wir möchten kleinere Gruppen anbieten und eine intensivere Betreuung ermöglichen. Voraussichtlich ab Sommersemester 2008 wird man auch über erweiterte Ausstattung nachdenken, z.B. im Bereich des Videoequipments. Für die AV-Produktion im Wintersemester wäre es sehr dienlich, nicht nur mit drei Arbeitsplätzen agieren zu können. Eine Aufstockung um ein bis zwei weitere Arbeitsplätze wäre im Sinne einer besseren Lehre sicherlich hilfreich. Die Ausstattung des Mac-Poolraums ist zwar noch ziemlich aktuell, aber auch dort muss irgendwann über eine Erneuerung nachgedacht werden, die aus dem normalen Etat so einfach nicht zu finanzieren ist.

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Im Industriebeirat haben Sie mit potentiellen Arbeitgebern von Informationsdesignern zu tun. Wie beurteilen diese den Studiengang? Der Grund, warum wir den Industriebeirat gegründet haben, war, den Austausch mit potentiellen Arbeitgebern zu stärken. Im Industriebeirat sitzen dabei Firmen, mit denen wir z.T. schon länger kooperieren und die das Studienangebot und unsere Studierende aus eigener Erfahrung kennen. Das Ausbildungsprogramm, wie es derzeit in der Studien- und Prüfungsordnung festgeschrieben ist, wird im Wesentlichen als sehr positiv angesehen, weshalb sie sich für den Arbeitsmarkt ganz gut vorbereitet fühlen dürfen. Natürlich gibt es kleinere Punkte, die man an den Studieninhalten sicherlich noch verbessern kann, aber der Grundtenor der ersten Sitzung war, dass es um Optimierung geht und nicht um grundlegenden Wandel. Worauf bezieht sich die Optimierung? Von mehreren Vertretern wurde angemahnt, dass man versuchen müsste, den Bereich der „soft skills“ zu vertiefen. Projektmanagement zum Beispiel ist eine Sache, die stärker eingefordert wurde, was wir aber in der neuen Studien- und Prüfungsordnung im zweiten Semester in Form einer Vorlesung bereits realisiert haben. Ebenfalls stark gewünscht wurde eine stärkere internationale Ausrichtung. Die Studierenden sollten ein Semester, vorzugsweise das Praxissemester, im Ausland verbringen. Andere Studiengänge sehen in ihren Prüfungsordnungen ein Auslandssemester vor, was bei uns so nicht vorgesehen ist, weil wir stattdessen großen Wert auf das Praxissemester legen. Aber man könnte in diesem Bereich sicherlich mehr tun, indem man verstärkt internationale Partner für Praktika im Ausland sucht und so versucht, die Vermittlungsquote ins Ausland zu stärken.

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Eine letzte Frage: Würden Sie Bachelor-Absolventen empfehlen, ein Master-Studium aufzunehmen? Prinzipiell muss man sich entscheiden, welchen weiteren Berufsweg man einschlagen möchte. Wenn man sehr praxisnah arbeiten möchte, also weniger leitende Funktionen anstrebt, dann weiß ich nicht, ob man uneingeschränkt einen Masterabschluss empfehlen sollte. Richtgrößen besagen, dass 20–30% der Bachelorabsolventen einen Master Studiengang beginnen. Daran können sie schon erkennen, dass auch von der Kapazität her nicht davon ausgegangen wird, dass jeder Bachelorabsolvent ein Masterstudium anschließt. Aus dem Industriebeirat haben wir die Rückmeldung, dass im Moment weniger Master-Absolventen eingestellt werden, sondern ein klarer Bedarf an Personal besteht, welches das „Doing“ macht, wofür der Bachelor-Abschluss als Qualifikation vollkommen ausreicht. Eine weitere Anregung des Industriebeirats war, stärker über berufsbegleitende Programme nachzudenken. Die Bachelor-Absolventen würden dabei 3–5 Jahre Berufserfahrung sammeln und dann berufsbegleitend ein Masterstudium beginnen. Diese Form der Ausbildung haben wir bisher so noch nicht in unsere Überlegungen einbezogen. Das werden wir jetzt tun! Herr Westbomke, wir danken Ihnen für das Interview.

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Professor Dr. Jörg Westbomke Professor Dr. Westbomke studierte Informatik an der Universität Dortmund. 2002 promovierte er an der Universität Ulm. Er war an verschiedenen Projekten im Bereich Wissensvermittlung beteiligt. 2003 folgte er dem Ruf an die HdM. Seit 2006 ist Westbomke Studiendenkan im Studiengang Informationsdesign.

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Werkzeuge des Infodesigners Die technische Ausstattung des Studiengangs

Anspruchsvolle Projekte fordern individuelle Werkzeuge, die es zu beherrschen gilt. Text: JONATHAN BAUER

Es ist eines der unzähligen Gruppentreffen. Besprochen wird die Herangehensweise an ein bevorstehendes Projekt. Eine multimediale Flash-Website steht diesmal auf dem Programm. Stille. In sich versunken überlegen die Studierenden des Informationsdesign, jeder für sich, wie wohl der beste Weg zum Ziel aussehen könnte. Eins ist klar: Die Ansprüche sind gestiegen. Um aus der Masse hervorzustechen, genügt es nicht mehr, nur eine beliebige Site zu basteln. Nein, sie muss zeigen, welche Kompetenzen in den letzten Monaten erarbeitet wurden. Die ersten Vorschläge gelangen in die Runde. Jeder möchte einen Teil seiner Idee verwirklichen. Die Lautstärke nimmt zu, die Diskussion wird unruhiger. Manche würden nun von kostruktivem Brainstorming sprechen. Nach gut eineinhalb Stunden und zwei Litern koffeinhaltigem Brausegetränk pro Kopf hat man sich auf die wesentlichen Eckpunkte geeinigt. Neben dem Grundaufbau in Flash, dem eine verständliche Informationsarchitektur als Grundlage dienen soll, müssen streamfähige Filme, aussagekräftige Fotos und informative Illustra-

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tionen über eine intuitive Navigation verknüpft werden. Dann wieder Stille. Langsam wird allen Beteiligten klar, was sie sich da vorgenommen haben. Allein mit Flash ist es da nicht getan. Sie benötigen eine gute Fotokamera, jemand muss die schon vorhandenen Videos schneiden und braucht dafür einen leistungsstarken Rechner. Hinzu kommen diverse Grafikprogramme, die zur sauberen Umsetzung dringend erforderlich sind. Die Technischen Angestellten Die Probleme finden im vierten Stock ihre Lösung. Es gilt: Wer ein Problem rund um Hard- oder Software hat und es alleine nicht lösen kann, sollte sich in Richtung Raum 410 der Wolframstraße bewegen. Ein unscheinbares Zimmer, in dem von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends mindestens einer der drei technischen Angestellten des Studiengangs Informationsdesign anzutreffen ist. Die drei Eigengewächse kehrten nach ihrem Diplom zurück zur Hoch-


schule, um den damals wie heute noch sehr jungen Studiengang bei technischen Angelegenheiten zu unterstützen. So kümmert sich Peer Johannes um die Probleme rund um Audio- und Videoschnitt und hilft bei Problemen im Usability-Labor. Diese Einrichtung ermöglicht die Aufzeichnung und Analyse von Interaktionen zwischen Probanden und zu testenden Produkten. Diese Eigenschaften machen es zu einem Kronjuwel des Studiengangs. Für den reibungslosen Betrieb des Labors ist der zweite Angestellte, Simon Eisele, zuständig. Zudem kümmert er sich um die Finanzen des Studiengangs und gilt als erster Ansprechpartner in Sachen Apple Computer. Der dritte im Bunde – David Prüm – ist für den reibungslosen Serverbetrieb sowie für jegliche Probleme rund um dynamischen Content zuständig. Vom Grafiktablett bis zum Usability-Labor Neben dem schon angesprochenen Usability-Labor verwalten die technischen Angestellten eine Reihe anderer Werkzeuge und die dafür notwendigen Räume. So zum Beispiel das Fotolabor. Neben der Buchung des Raums, können Kameras aus drei verschiedenen Kategorien geliehen werden. Diejenigen, die schnell mal ein paar Bilder knipsen möchten oder eher ein Platz sparendes Gerät suchen, werden sich mit den Kompaktkameras des Studiengangs anfreunden können. Studierende, die

eine große Brennweite bevorzugen, aber auf die einfache Bedienbarkeit der Kompakten nicht verzichten wollen, können sich eine Bridgekamera leihen. Setzt das Projekt jedoch voraus, dass jede Umgebungsvariable des späteren Motivs kontrolliert werden kann, können die Studierende auf digitale Spiegelreflexkameras von Nikon zurückgreifen. Falls gewünscht natürlich mit Stativ. Zusätzlich stehen im Fotolabor Balgengerät und Endoskop für spektakuläre Makroaufnahmen bereit. Sollen sich die Bilder bewegen, kann auf Mini-DV-Kameras zurückgegriffen werden. Zudem können hierfür extra Abspielgeräte ausgeliehen werden, um die ersten Aufnahmen zu kontrollieren und ein komfortables Aufspielen auf den Rechner zu ermöglichen. Sind die Ansprüche an die Bildqualität nicht allzu hoch, kann auch eine USB-Webcam ausgeliehen werden. Neben den verschiedenen Geräten für Foto- und Videoaufnahmen stehen unzählige andere Dinge bereit, die sich oft als enorm hilfreich erweisen: Wacom-Grafiktabletts für Feinheiten beim Illustrieren und Retuschieren, externe Festplatten, Farbfächer oder gar Handbücher für die im Hause vorhandene Software.

Das Organisatorische Wer diese Dinge ausleihen möchte, muss immatrikuliert sein und einen gültigen Studentenausweis vorzeigen

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Ungewohnt aber praktisch: die neuen Videoschnitttastaturen

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können. Dieser wird für die Buchung benötigt, die über das Bibliothekssystem abgewickelt wird. Da sowohl die Gerätschaften als auch die vorhandene Software exklusiv für den Studiengang Informationsdesign angeschafft wurden, werden die Studiernde dieses Studiengangs bei der Ausleihe auch vorrangig behandelt. „Dies kann bis zu einer Ausleihsperre von bestimmtem Equipment führen“, sagt Peer Johannes. Der technische Angestellte weist dabei auf verschiedene Vorlesungen hin, bei denen manche Geräte einfach gebraucht werden und es keinen Sinn ergeben würde, diese an andere Studenten auszuleihen. Sind die Geräte also nicht vergriffen, kann man sie für eine Woche ausleihen. Je nach Bedürfnis der Studiernde bzw. den Ansprüchen des Projekts kann man diese Ausleihdauer auch mit den technischen Angestellten verhandeln. Ein Stück selbstgebackener Kuchen

erhöht hierbei, nach eigener Aussage, die Verhandlungsfreude. Weniger lustig geht es bei der Überschreitung der Leihfrist zu. Im Klartext heißt dies, dass pro verstrichenen Tag drei Euro fällig werden. Zudem sollte man nicht auf die Idee kommen, die Gerätschaften außerhalb der Hochschule für kommerzielle Zwecke zu benutzen, da diese speziell für die Förderung und Unterstützung der Studierenden in ihrem Studium dienen sollen.

Auf dem Level der Profis Die Möglichkeit, verschiedene Geräte auszuleihen, bringt enorme Vorteile mit sich. Doch nicht jeder trifft zuhause auf kompatible Computer. Oft stellt sich auch die Frage nach der richtigen Software, um mit den Geräten im Einklang arbeiten zu können. Trotz Preis-


nachlass bei Schüler- und Studentenversionen können sich immer noch nicht viele die überall in der Industrie geforderten Programme der großen Softwareschmieden leisten. Entscheidend ist also oft die Frage nach der Ausrüstung der vorhandenen Arbeitsplätze in der Hochschule. Neben den Standardwerkzeugen wie Microsoft Office und der CreativeSuite von Adobe kann auf ein großes Repertoire von Spezialsoftware zugegriffen werden. So sind einige Rechner extra für spezielle Aufgaben wie den Videoschnitt ausgerüstet. Sie weisen FinalCut, DVD-Studio, AfterEffects, QuickTime Pro und einige andere unerlässliche Tools zur Videobearbeitung vor. Zudem sind sie mit speziellen Schnitttastaturen und einem JogShuttle ausgerüstet. Nicht zu vergessen ist hierbei natürlich das Usability-Labor mit seiner exklusiven Hardware wie dem EyeTracker, einem Bildschirm mit Blickregistrierungsfunktion und den Notebooks mit speziellen Analyse- und Auswertungstools.

Ein Ausblick

hat, werden auch die Forderungen nach neuem Equipment lauter. „Doch ganz so einfach ist das alles leider nicht“, versichert Simon Eisele. Er erklärt, dass pro Jahr ein gewisser Betrag zur Verfügung stehe. Hiervon fließe jedoch der Großteil in die Instandhaltung der wichtigsten Werkzeuge. Kleinere Investitionen können dann vom übrigen Geld zweckgebunden getätigt werden. Das nächste große Ziel sei aber die Anschaffung der Adobe CreativeSuite 3, was wohl alle Studierende erfreuen wird. Zudem ist eine Modernisierung von Usabilityund Fotolabors geplant. Ein letzter Blick auf das studentische Projekt. Noch zwei Tage bis zur Deadline. Die Flash-Website steht. Die Videos sind dank gut ausgestatteter Schnittplätze schon längst bearbeitet und komprimiert. Die Fotos mit den geliehenen D-SLRs sind makellos und die Illustrationen, die dank Grafiktablett einfacher von der Hand gingen als gedacht, sind pünktlich eingebunden worden. Jetzt fehlt nur noch der Feinschliff und die zweiundvierzigste Flasche amerikanischen Brausegetränks in dieser Woche.

Seit Sommer diesen Jahres, der die Studiengebühren mit sich gebracht

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Die Gestalter des Alltags

Der Name sagt eigentlich schon alles: Informationsdesign bedeutet Informationen zu designen, also zu gestalten. Aber wer macht so etwas im Alltag und wo begegnen wir den gestalteten Informationen überhaupt? Text: Kristin Tecles

Informationsdesign im Alltag Ob auf dem Weg von zu Hause zur U-Bahn-Station oder beim Kauf einer neuen Kaffeemaschine, Informationsdesign erleichtert jedem den Alltag, obwohl er es selbst oft gar nicht merkt. Das beste Informationsdesign ist deshalb jenes, das den Menschen unbewusst durch den Informationsdschungel begleitet. Ein Beispiel dafür wäre die Gestaltung von Leitsystemen. Stellen wir uns dazu einmal folgendes Situation vor: Eine gestresste Mutter sucht auf einem überfüllten Flughafen einen Wickelraum für ihr Baby. Das Baby schreit und die Mutter hält verzweifelt Ausschau nach einem Hinweis-Schild. Wenn sie nun lange suchen muss, hat die Informationsvermittlung wohl nicht funktioniert. Hier sind die Grundlagen der Wahrnehmungspsychologie gefragt: Welchen Wahrnehmungsbereich besitzt der Mensch? Welche Farben und Kontraste werden vom Menschen in Stresssituationen am Besten

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wahrgenommen? Wo müssen folglich die Schilder hängen, damit sie auch gesehen werden? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigen sich Informationsdesigner. Genau so wichtig ist es allerdings auch, eine Bedienungsanleitung möglichst verständlich zu gestalten. Denn wer will sich nach dem Kauf einer neuen Kaffeemaschine noch stundenlang durch dicke Beihefte quälen? Deshalb muss bei der Gestaltung darauf geachtet werden, dass Bezeichnungen und Begriffe eindeutig gewählt und alle erforderlichen Handlungen verständlich illustriert werden. Ein weiteres Hauptgebiet des Informationsdesigners ist Webdesign. In diesem Bereich geht es besonders um benutzerfreundliche Oberflächen, bei denen die Gestaltung der Funktion folgt, auch „form follows function“ genannt. Wie in allen Bereichen des Informationsdesigns ist auch hier das Hauptziel, den Nutzer schnellstmöglich, also effektiv und effizient, zu seinen gewünschten Informationen zu


bringen. Dies ist vor allem durch eine übersichtliche Navigationsstruktur, eine eindeutige Menübeschriftung und eine klare grafische Aufbereitung möglich. Informationsdesign im Medien­ dschungel von morgen Zusammenfassend kann man also sagen, dass Informationsdesign überall und nirgendwo ist. Doch wie

definiert man dieses Fachgebiet nun eigentlich? „Informationsdesign ist die visuelle, strukturelle und inhaltliche Aufbereitung von Informationen, sodass diese vom Nutzer optimal wahrgenommen werden können.“, meint Oliver Siegmund, selbstständiger Informationsdesigner. Er hat sein Studium 2005 an der Hochschule der Medien abgeschlossen und zusammen mit fünf seiner Kommilitonen die Firma „infodesigner“ gegründet.

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Oft ist das heutige Informationsangebot für den Menschen zu groß, sodass es zu einer regelrechten Flut wird. Man verliert darin schnell die Orientierung und kann nicht mehr zwischen für einen selbst relevanten und unrelevanten Informationen unterscheiden. Deshalb wird Informationsdesign im Mediendschungel des 21. Jahrhunderts auch immer wichtiger. Oliver Siegmund sieht in dieser Tatsache die Zukunft des Informationsdesigns. „Durch das gesteigerte Bewusstsein, dass Webseiten nicht nur schön, sondern auch benutzbar sein müssen, gibt es auf diesem Feld einen großen Bedarf.“, meint er. Informationsdesigner hätten daher sehr gute Berufschancen, denn das Gebiet würde immer bekannter. Oftmals wären Leute, die in diesem Feld arbeiten, Quereinsteiger. Eine wirklich gezielte Ausbildung, wie sie Informationsdesigner an der HdM erhalten, sei selten und ermögliche optimale Einstiegschancen. Auch wenn der Begriff Informationsdesign immer bekannter wird, ist er besonders im deutschsprachigen Raum noch nicht weit verbreitet. Auf viele wirkt das Fachgebiet deshalb als breit gefächerte Disziplin, die viele Bereiche streift und sich nicht wirklich spezialisiert. Siegmund zu Folge mache eine Spezialisierung Sinn, jedoch nur auf wirkliche Kerngebiete des Informationsdesigns. Durch grundlegende Programmierkenntnisse sei man kein Programmierer oder durch gestalterische Grundlagen kein Designer. Hier gäbe es genug Spezialisten.

Die Verbindung zwischen Information und Nutzer Die Stärke des Informationsdesigners liegt darin, dass er die Arbeit der Spezialisten kennt und diese koordinieren kann. Er weiß außerdem, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Medien haben. Ob Schild, Monitor oder Plakat: Das gewählte Medium und dessen Aufbereitung hat stets das Ziel, eine optimale Verbindung zwischen Information und Nutzer schaffen. Nur so kann sich der Nutzer zurechtfinden und seine Ziele in der Informationslandschaft von morgen erreichen. Sei es nun der Wickelraum für das Baby oder der Benutzung ­ einer Kaffeemaschine: Informationsdesign erleichtert das Leben.

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Info Oliver Siegmund infodesigner Agentur für Informationsdesign Goppeltstraße 6d 70191 Stuttgart www.infodesigner.de

Informationsdesigners Alltag: Leitsysteme, Routenplaner, Standorthinweise

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Studiengebühren

Ein Ausgabe, die erst einmal verdaut werden muss

500 Euro. Mit dieser Summe leistet jeder Studierende in BadenWürttemberg seit Sommersemester 2007 einen Beitrag zur Unterstützung der Hochschullehre. Ist diese Summe gerechtfertigt? Text: JASMINKA KROBOT

Viele Diskussionen und Debatten sind seit dem Sommersemester 2007 um das Thema Studiengebühren geführt worden. Tausende Studierende zogen mit Transparenten mit Aufschriften wie „Westen oder Osten - Bildung darf nichts kosten“ und lauten Trillerpfeifenkonzerten durch die Innenstädte Deutschlands und riefen wie an der Universität Stuttgart zum Boykott von Vorlesungen auf. Forderungen nach einem gebührenfreien Erststudium wurden laut, fanden jedoch keinen Zuspruch. In einer Stellungnahme äußerte der Wissenschaftsminister des Landes Baden-Württemberg Peter Frankenberg (CDU) Verständnis für diese Proteste, hielt aber die Studiengebühren für „notwendig und richtig“. Denn die wirtschaftlichen Verhältnisse zeigten, dass das größte Gut des Landes, die Bildung, nicht weiterhin unentgeltlich bleiben konnte. Neben Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, NordrheinWestfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Saarland und Thüringen mussten die Hochschulen des Lan-

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des Baden-Württemberg dem Beschluss zur Einführung der Studiengebühren folgen. Seit dem Sommersemester 2007 müssen auch die Studierenden der Hochschule der Medien Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester zahlen. Durch die Einnahmen soll die Qualität der Ausbildung gesteigert und eine Verbesserung des Lehrangebotes herbeigeführt werden. Auch wenn manche Studierende dies mittlerweile akzeptiert beziehungsweise die Notwendigkeit erkannt haben, belastet die Summe (inklusive aller Nebenkosten) von mehr als 600 Euro die finanzielle Situation der Studierenden der Hochschule der Medien (HdM). Undurchsichtige Bestimmungen werfen viele Fragen auf. Wie lässt sich das Studium finanzieren? Wer ist verpflichtet zu zahlen? Wer bleibt verschont?


1. Wer muss zahlen?

2. Wer muss nicht zahlen?

Jeder Studierende eines BachelorStudiengangs oder weiterführenden Master-Studiengangs ist verpflichtet, die Studiengebühren zu entrichten. Aus diesem Anlass übersendet die Hochschule der Medien jedem Studierenden einen Gebührenbescheid mit Überweisungsträger. Im Vorfeld erhält jeder Studierende eine E-Mail vom Hochschulsekretariat. Diese informiert über die Arbeitsschritte und Modalitäten bei der bevorstehenden Zahlung der Studiengebühren. Wenn kein Darlehen über die L-Bank in Anspruch genommen wird, müssen die Gebühren innerhalb des Rückmeldezeitraums vom 15.01. bis 15.02. bzw. 15.07. bis 15.08. an die Hochschulkasse gezahlt werden. Hierbei fallen für jeden Studierenden folgende Kosten an:

Von der Zahlung der Studiengebühren sind folgende Personen befreit:

• allgemeine Studiengebühren (500 Euro)

• Studierende, die mindestens zwei Geschwister haben, welche Studiengebühren für ein Hochschulstudium zahlen oder mindestens 6 Semester bezahlt haben

• Verwaltungskostenbeitrag (40 Euro) • Studentenwerksbeitrag (71,10 Euro) Falls das Darlehen von der ­ L-Bank gezahlt wird, muss lediglich der Feststellungsbescheid sowie der Darlehensantrag an die Hochschule versendet werden. Diese leitet die Unterlagen an die L-Bank weiter. Unter bestimmten Voraussetzungen sind Studierende von den Studiengebühren befreit.

• beurlaubte Studierende, die vor Beginn der Vorlesungszeit den Beurlaubungsantrag gestellt haben • ausländische Studierende, die durch ihr Herkunftsland besonderes Interesse der Bildungszusammenarbeit aufweisen • Studierende, die simultan an einer anderen Hochschule eingeschrieben sind und dort die Gebühren zahlen müssen • Studierende, die sich in einem laut Studienplan vorgesehen Praktikumssemester befinden

• Studierende, die ein Kind (bis zur Vollendung des 8. Lebensjahres) erziehen und pflegen • Schwerbehinderte Studierende • Austausch- und Programmstudierende

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Studierende, die nicht in eine der Kategorien fallen, sind zum Zahlen der Gebühren verpflichtet. Wenn sie diese nicht entrichten können, haben sie die Möglichkeit, ein Darlehen zu beantragen. 3. Wer hat Anspruch auf ein Darlehen? Einen Darlehensanspruch hat jeder Studierende, dabei kommt es weder auf das eigene noch auf das Einkommen der Eltern an. Außerdem müssen dafür keine Sicherheitsleistungen erbracht werden. Zur Beantragung eines Darlehens muss vorerst ein Feststellungsbescheid beim Studiensekretariat beantragt werden. Dieser prüft die Berechtigung auf einen Anspruch. Wenn alle Voraussetzungen gegeben sind, wird dem Studierenden ein Feststellungsbescheid zugesandt. Natürlich kann ein Darlehen für die Studiengebühren auch bei einer anderen als der L-Bank beantragt werden. Hierzu sollte sich jeder Studierende umfangreich über die Konditionen der jeweiligen Bank informieren. Die L-Bank bietet z.B. besonders studentenfreundliche und entgegenkommende Darlehens-Leistungen. Nachfolgende Studierende haben Anspruch auf ein Darlehen: • Staatsangehörige der EU und des EWR (Island, Liechtenstein und Norwegen) • Familienangehörige eines Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der EU und des EWR (außer Deutschland) • Ausländer und Staatenlose, die ihre deutsche Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland erworben haben, so genannte Bildungsinländer • Heimatlose Ausländer

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Der Anspruch auf die Zahlung gilt für die Regelstudienzeit und vier weitere Semester. Bereits absolvierte Semester an anderen Hochschulen werden vom Anspruch ausgeschlossen. Studierende, die über 40 Jahre alt sind, haben allerdings keinen Anspruch. Alle anderen Studierenden haben die Möglichkeit bei anderen Geldinstitutionen darlehensähnliche Finanzierungen zu erhalten. Die Darlehenssumme muss nach bestimmter Zeit wieder zurückgezahlt werden. 4. Wann zahle ich das Geld zurück? Zwei Jahre nach Abschluss des Studiums wird die Rückzahlung des Darlehens inklusive anfallender Zinsen fällig. Dies kann in Raten von 50 bis 150 Euro erfolgen und ist von der Höhe des Einkommens abhängig. Der genaue Rückzahlungssatz lässt sich am besten bei der jeweiligen Bank erfragen. 5. Was passiert mit dem Geld? Durch die Neueinstellung von Assistenten und Angestellten soll eine bessere Betreuung gewährleistet werden. Diese bewirkt, dass das Angebot an Übungen und Vertiefungskursen verstärkt wird. Andere Anteile der Studiengebühren fließen in die Anschaffung von HDTV-Equipment oder Mentoring-Programmen. Selbst Sprachkurse werden ab dem Sommersemester 2007 kostenfrei angeboten.


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Informationen zum Thema Studiengebühren Wer beim Thema Studiengebühren auf dem Laufenden bleiben möchte, findet auf der Website der HdM unter http://www.hdm-stuttgart.de/studienangebot/studiengebuehren aktuelle Informationen. Weiterführende Informationen zum Thema Studiengebühren können über folgende Stellen eingeholt werden: Universität Stuttgart Abteilung Allgemeine Studienangelegenheiten Geschwister-Scholl-Str. 24 C 70174 Stuttgart Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr von 9:00-12:00 Uhr, Mi von 13:30-15:30 Uhr Anfangsbuchstaben des Nachnamens A-K Frau Daniela Bolay Zimmer 1.139 Tel.: 0711/685-84633 E-Mail: daniela.bolay@verwaltung.uni-stuttgart.de Anfangsbuchstaben des Nachnamens L-Z Frau Evelyn Spauschus Zimmer 1.124 Tel.: 0711/685-84634 E-Mail: evelyn.spauschus@verwaltung.uni-stuttgart.de Nähere Informationen zum Thema Studiengebühren sind abrufbar beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unter www.studiengebuehren-bw.de. Oder man nutzt die Info-Hotline des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst unter der Telefonnummer 01805 / 86 30 01 oder der E-Mail-Adresse info@studiengebuehren-bw.de Darlehensanträge findet man unter www.l-bank.de schriftlich anzufordern unter L-Bank Abteilung Familienförderung 76113 Karlsruhe oder man schreibt eine E-Mail an studiengebuehrendarlehen@l-bank.de

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Wolframstraße goes Vaihingen? Der alte und neue Stand des Erweiterungsbaus für die Fakultät IuK

Text: LENA SCHMID

Erinnern Sie sich an das Jahr 2001? Ich ging damals aufs Gymnasium, war niedliche 15 Jahre alt und meine Hauptsorgen galten eher meinen Pickeln auf der Nase als meiner Zukunft. War ja alles noch so lang hin, das Abitur stand in unerreichbarer Ferne, Stuttgart war ziemlich weit weg und Universitäten waren ein anderes Universum. Während ich mit der Puderdose vor dem Spiegel stand, entstand im September 2001 die Hochschule, die später Dreh- und Angelpunkt meines studentischen Lebens werden sollte. Nach der Symbiose der Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen und der Hochschule für Druck und Medien nahm die Hochschule der Medien, für uns inzwischen Alltag, ihren Betrieb auf. Eine Hochschule – oder doch zwei? Noch war sie aufgeteilt in die zwei Standorte: Wolframstraße und Nobelstraße. Aber das sollte sich bald ändern. Ein schmucker Neubau auf

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dem Vaihinger Campus direkt neben der früheren Hochschule für Druck und Medien war als Mitgift geplant. Der Neubau sollte Obdach bieten für die Studierende, Mitarbeiter und Professoren der Fakultät für Information und Kommunikation. Die beengt-familiäre Atmosphäre des Standorts Wolframstraße sollte ausgetauscht werden gegen modern-luftiges Flair. Schon wenig später waren die Pläne des Gebäudes fertig und die ganze Hochschule begann, sich danach die Lippen zu lecken. Nicht nur optisch wäre der geplante Neubau vom Feinsten, auch die Versprechungen, die mit ihm einhergingen, würden viele Sehnsüchte stillen. Eine 1500 m2 große Bibliothek mit langen Öffnungszeiten und modernsten Recherchetechniken winkte den Studierende des Bibliotheks- und Medienmanagement. Ein adäquater Raum für den Stolz der Informationsdesigner, das UsabilityLab, würde endlich die miefige Atmosphäre des jetzigen Labors ablösen. In den größeren Hörsälen fänden alle Studierenden Platz, kein Sitzen


auf dem Boden oder auf Fensterbänken mehr. Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Studiengängen wäre endlich kein Ding unendlicher Planungsarbeit mehr, die kurze Distanz würde völlig neue Perspektiven für fächerübergreifende Projektarbeiten und Kooperationen eröffnen. Kurz zusammengefasst: Der Neubau wäre ein Traum! Wäre? Er ist ein Traum. Er ist einer der Träume, in denen man verzweifelt versucht, etwas zu erhaschen, man ist ganz nah, hat es genau im Auge, schleicht sich an, streckt die Hand aus und will sie gerade schließen, als das Objekt der Begierde wieder ein Stückchen weiterrückt. Gar nicht unbedingt mit böser Absicht, sondern eher mit einem mitleidigen Lächeln: Du wirst mich doch nie erreichen. Als ich 2004 zum Informationstag die HdM das erste Mal betrat, waren schon drei Jahre vergangen seit der Gründung der Hochschule, die Pläne für den Neubau waren fertig, der Etat prinzipiell bewilligt, nur noch nicht mit Termin versehen. „Wenn Sie hier anfangen, werden Sie vielleicht gar nicht mehr in diesen Standort unterrichtet werden“, sagte man den Interessenten für das Fach Informationsdesign. Als ich im Wintersemester 2005/2006 anfing, tat ich das am Standort Wolframstraße, an dem zusehends Ernüchterung eintrat. Wie lange sollte man denn noch warten? Den Studierenden wollte man aber nicht die Hoffnung ganz rauben, das Modell wurde gezeigt und vorgeführt, der Studiengang Bibliotheks- und Medienmanagement beschäftigt sich

schon seit einiger Zeit mit der Gestaltung, Aufteilung und den neuen Systemen der Bibliothek, die im Neubau untergebracht werden soll. Abwimmeln für Fortgeschrittene In unserem letzten Infodesign-Letter aus dem Jahr 2006 hieß es noch „Der Spatenstich soll im Jahr 2007 stattfinden und der Umzug der Fakultät Information und Kommunikation ist für 2008 geplant.“ Das klingt doch gut. Vielversprechend, optimistisch und zukunftsträchtig und gar nicht weit entfernt. Jetzt ist das Jahr 2007 schon einigermaßen fortgeschritten und das Gelände, auf dem unser Neubau entstehen soll, weiß noch immer nicht, wie ein Spaten aus der Nähe aussieht. Die Wiese grünt fröhlich und bringt eine erstaunliche Anzahl unterschiedlicher Blumen hervor, die uns Medienmenschen leider nur gelinde begeistern. Der Neubau lässt auf sich warten, aber warum? Die briefliche Frage an Bund und Land, wann denn nun mit dem Bau, begonnen werde, bekommt immer dieselbe Resonanz: Ein mehr oder weniger freundliches Abwimmeln und Vertrösten. Man fände das Projekt schon wichtig und so – gewissenhaft betet man in jedem Brief die Vorteile runter, die ein räumliches Zusammenführen der drei Fakultäten mit sich bringen würde. Im gleichen Atemzug weist man darauf hin, dass es der Landesregierung leider gerade wichtiger ist, das knappe Geld anderen Vorhaben zu widmen. Ein Beginn des Bauprojekts sei „auf

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Der geplante Neubau – eine Utopie?

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Grund der knappen finanziellen Ressourcen der Hochschule nicht möglich“, wie der Finanzminister des Landes Baden-Württemberg Stratthaus den Sachverhalt elegant in Worte fasst. Natürlich wieder per Brief, live aufzutreten wäre eventuell ein wenig zu riskant. In Stellvertretung Günther Oettingers bittet Rudolf Böhmler um Verständnis dafür, dass „zentrales Anliegen der Landesregierung (...) angesichts der angespannten Haushaltslage die Konsolidierung des Landeshaushaltes“ sei. Zu deutsch: Das Land bewilligt der Hochschule das benötigte Geld nicht. Das Argument: Wo kein Geld ist, kann man auch keins geben. Immerhin geht es um die stattliche Summe von etwa 15 Mio. Euro. Also wird verschoben und

verschoben und nochmals verschoben. Allerdings nie ohne konkrete Versprechung. Die Bewilligung der Gelder wird getreulich in den nächsten oder übernächsten Haushalt verlegt, ganz aus den Augen verlieren will man die Sache anscheinend auch nicht – oder ist nur die Angst vor der Reaktion der Hochschule zu groß? „Eine Etatisierung des Neubaus für die Hochschule der Medien soll aber im Staatshaushaltsplan 2009/2010 erfolgen und mit hoher Priorität umgesetzt werden“, versucht Böhmler im letzten Schreiben vom November 2006 zu beruhigen. Was ist eine hohe Priorität mehr als ein weiteres Versprechen, dass vielleicht eingehalten wird, vielleicht aber auch nicht?


Die Hoffnung stirbt zuletzt Weiteres Warten steht also auf dem Tagesplan. Professoren lächeln über die Planungen, Studierende schreiben sie ab. Während der zwei Semester, die ich noch da bin, wird in der Sache nichts Neues mehr geschehen, man macht schon Witze darüber: „Mach doch einen Master, vielleicht schaffen sie es in der Zeit.“ Sicherer wäre es auf jeden Fall, den Master nicht sofort zu beginnen. Aber man gibt die Hoffnung nicht auf, vielleicht hat sie doch einmal ein Ende, die Sisyphosarbeit der Hochschulleitung mit den immer gleichen Briefen an die Landesregierung und den immer gleichen Antworten. Antworten, die in ihrer Gesamtheit vor allem eine Nachricht sehr deutlich rü-

berbringen: Wir sparen. An allem. Und die Bildung hat denselben Stellenwert wie alles andere auch. 2004 hieß es in einem Brief der Landesregierung an die Hochschulleitung, „es können derzeit nur Sanierungsmaßnahmen veranschlagt werden. (...) Aus heutiger Sicht werden wir in den nächsten Jahren diese Strategie weiterverfolgen müssen.“ Diese Prognose hat sich bestätigt. Im November 2006 war die Antwort auf die Frage nach dem Baubeginn die folgende: „Ursprünglich war für das Projekt eine Aufnahme in den StHPI 2007/08 geplant. Aufgrund der knappen finanziellen Ressourcen im Hochschulbau war das jedoch nicht möglich.“ Das also ist der aktuelle Stand. Doch man gibt sich hoffnungsvoll. Das Gelände neben der Hochschule sei weiterhin für eben diese reserviert. Hört, hört! Und „die Landesregierung wird alles tun, um die erfolgreiche Entwicklung der Hochschule der Medien weiter zu unterstützen.“ Da kann man nur hoffen, dass die Schuldigkeit nicht mit einer neuen Druckmaschine getan ist. Wir halten es also wie die Verfasser des letzen Infodesign-Letters: Wolframstraße goes Vaihingen. Aber der Ruf erschallt eher aus Gewohnheit denn aus Überzeugung.

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Wir sind Informationsdesign! Über die Irrungen und Wir(r)ungen von IDB

Wir sind Helden und wir sind Kanzler, neuerdings sind wir auch Weltmeister im Handball und sowieso Weltmeister der Herzen. Wir sind Deutschland. Text: CORINNA SCHULENBERG

Das Wir-Gefühl hat Hochkonjunktur. Wir wollen dazugehören. Zu einer Gruppe, zu einer Philosophie, zu einer Nation. Hauptsache ist doch: Wir gehören zusammen. Kein Wunder also, dass diese neu entdeckte Einigkeit auch vor dem Hochschul-Alltag nicht halt macht: Wir sind die HdM, wir sind die Fakultät IuK, wir sind Informationsdesigner. Aber Moment mal, sind wir das wirklich? Ein Blick in diverse Hochschulpublikationen zeigt einen dichten Bezeichnungsdschungel: IDB, Informationsdesign (Bachelor neu) (IDB6), Informationsdesign (Bachelor), Informationsdesign (Bachelor) (IDBa), IDB neu, IDB Informationsdesign (Bachelor alt), IDB6 Informationsdesign (Bachelor neu), IDBa Informationsdesign (Bachelor), IDB alt. Hat sich das Chaos etwas gelichtet, erkennt man: Es gibt nicht einfach nur Informationsdesign auf Bachelor (IDB), es gibt zusätzlich noch IDB alt und IDB neu. Gut zu wissen. Gut wäre es natürlich auch zu wissen, welchem Akronym man sich zurechnen darf. Oder muss. Denn wer wäre schließlich gerne IDB alt? Steht Informationsdesign, diese junge Disziplin der modernen Mediengesellschaft, schon mit einem Bein im Grab? Keine schöne Vorstellung. Und was sollte man da auch lernen, bei Informationsdesign alt: Höhlenmalerei? Typografie im Mittelalter? Auch als Präfix oder Attribut ist ‚alt’ nicht gerade ein Garant für größtmögliche Originalität: Altmodisch, Altersheim, Altes Europa. Nein, bei aller Liebe: Wir sind gerne Informationsdesigner, aber IDB alt, das muss ja wohl nicht sein.

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Dann schon lieber IDB neu. Das klingt gut. Neu klingt ja immer gut. Neue Dinge, neue Herausforderungen, neue Welten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Und das ist doch sowieso unser Ding: Wir sind die Neue Elite, wir arbeiten in den Neuen Medien. Was neu ist, ist modern, in oder hip - wenn nicht sogar der Hype. Wie Tokio Hotel. Oder Schnappi ... Vielleicht ist neu doch nicht das passende Attribut. Informationsdesign an sich ist schließlich modern genug. Wir brauchen kein schmückendes Beiwort. Also IDB. Schlicht und ergreifend. Aber wie ergreifend können drei Buchstaben sein? Drücken sie das aus, was wir sind? Informationsdesigner, Usability-Experten, multidisziplinäre Medienprofis? Wohl kaum. Das lässt sich einfach nicht mit drei Buchstaben sagen. Einigen wir uns also darauf: Wir sind doch Informationsdesign, trotz der ganzen Akronyme und Attribute im Verwaltungsdschungel. Denn schließlich sind wir ja auch Papst. Und nicht P. Oder gar P alt.

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Betanken Informationsdesign Newsletter Touristen tanken Sonne, Flugzeuge tanken Kerosin und Informationsdesign-Studierende tanken jede Menge Wissen 端ber die Medienund Informationswelt. Der entsprechende Treibstoff besteht aus vielen Projekten wie beispielsweise die Gestaltung einer Zeitschrift oder die Durchf端hrung von Usability-Tests. Einen Einblick in den Verlauf der einzelnen Projekte erhalten Sie im folgenden Terminal 2. Bitte bleiben Sie so lange angeschnallt, bis wir die endg端ltige Parkposition erreicht haben.


Neuer Lernbereich für Südtiroler Bildungsserver geht an den Start

Pünktlich zum Start des Wintersemesters 2006/2007 gab es für uns Informationsdesigner im Wahlfach E-Learning einen spannenden Auftrag: Wir sollten für Schüler der Sekundarstufe einen neuen Lernbereich auf dem Südtiroler Bildungsserver BLIKK zum Thema „Schule“ gestalten. 19 Studentinnen und Studenten aus dem dritten und siebten Semester nahmen diese Herausforderung an und belegten den Kurs bei Professor Dr. Frank Thissen. Dieser hatte durch seine guten Kontakte zu Mitarbeitern von BLIKK für ein interessantes Projekt mit einem realen Auftraggeber gesorgt. Text: VERONIKA HUBL

Interaktivität von BLIKK soll Lernprozess fördern In den ersten Vorlesungen setzten wir uns intensiv mit verschiedenen Bildungsservern auseinander und schauten uns an, wie dort Lerninhalte vermittelt werden. Vor allem das Angebot von BLIKK stand dabei im Mittelpunkt. BLIKK steht für Bildung, Lernen, Information, Kommunikation sowie Kooperation und möchte den Erwerb von Wissen bei Kindern und Jugendlichen fördern. Gelernt wird hier viel durch Stöbern, Forschen, Analysieren und die Möglichkeit, sich über Klassen- und Schulgrenzen hinweg auszutauschen. Auch wir wollten uns natürlich an dieses Konzept halten und möglichst viele interaktive und kommunikationsfördernde Elemente in unseren Bereich einbauen. Allerdings war uns anfangs nicht ganz klar, warum es neben dem bestehenden Leselabyrinth und dem Bereich „Mathe überall“ ausgerechnet einen Bereich zum Thema „Schule“ geben

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sollte. Doch Professor Frank Thissen erklärte: „Das Motto Schule war bereits seit längerem als Teilbereich geplant. Die Schüler sollen hier die Möglichkeit bekommen, sich mit der eigenen Schulsituation aktiv auseinander zu setzen und diese kritisch zu hinterfragen. Dazu soll ihnen gezeigt werden, wie Schule früher ablief oder anderswo aussieht.“ Lernangebot zum Thema „Schule“ soll auf Sprache und Interessen der Zielgruppe zugeschnitten sein Noch wichtiger als das BLIKK-Konzept war uns jedoch die Ansprache unserer Zielgruppe. Das Design sollte trendy, die Texte verständlich und die Inhalte interessant sein. Doch was ist für elf- bis vierzehnjährige Jungen und Mädchen, die als deutschsprachige Minderheit im italienischen Südtirol leben, trendy und interessant? Und wie müssen Texte für Schüler geschrieben sein, die nach fünf Jahren Grund-


schule die dreijährige Mittelschule besuchen, in der neben Deutsch und Mathe, Geschichte und Physik Italienisch als erste und Englisch als zweite Fremdsprache gelehrt werden? Dies galt es für uns herauszufinden. Mit Unterstützung von Harald Angerer von BLIKK kreierten wir deshalb Personas. Eine weitere Vorlesung verbrachten wir damit, Ideen zu sammeln und zu diskutieren. Dann stand das Grundgerüst für unseren Lernbereich fest. „Schule früher, heute und in der Zukunft“ sollte er heißen. Die drei Teilbereiche wurden in Gruppen von sechs bis sieben Personen erstellt. Professor Frank Thissen stand uns dabei mit Rat und Tat zur Seite und gab uns hilfreiche Tipps für die Erarbeitung eines Storyboards sowie eine Einführung in die Rolle von Mythen und Emotionen beim Lernen.

feln schrieben, die in ein Tintenfass getaucht werden mussten oder dass in der Pause Murmeln gespielt wurde. Außerdem erzählen die Tagebucheinträge von Strafen, Unterricht auf Italienisch, sowie geheim gehaltenem Deutschunterricht und vermitteln somit auch politisches Hintergrundwissen. Die Schüler werden durch eine altersgerechte Sprache, reichlich Bild- und Videomaterial und einem zur Geschichte passenden Design angesprochen und in das Geschehen hinein gezogen. Dass sie etwas gelernt haben, können sie nach jedem Tagebucheintrag beweisen, indem sie eine Frage beantworten und so nach und nach herausfinden, wem das Tagebuch gehört. Am Ende gibt es zudem als Belohnung eine Urkunde, die ausgedruckt werden kann. Ausflug zur Schule in einem fernen Land

Exkursion in die Schule der Vergangenheit Der Bereich „Schule früher“ nimmt die Schüler mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit Südtirols, genauer gesagt in die Zeit des Faschismus. Anfangs findet der Erzähler ein altes Tagebuch und lädt die Kinder dazu ein, herauszufinden, wem dieses gehört. Blättern die Schüler dann die verschiedenen Tagebucheinträge durch, erfahren sie zum Beispiel, dass das Fach Sport um 1927 noch Leibesübungen genannt wurde, dass ihre Groß- und Urgroßeltern mit Grif-

Auch der Bereich „Schule heute“ nimmt die Schüler mit auf eine Reise. Diesmal geht es mit dem Flugzeug von Bozen aus nach Sri Lanka. Mit an Bord ist der Südtiroler Schüler Toni und seine Eltern, die für ein Jahr dort arbeiten. Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, fordert Toni die Schüler auf, ihn über das Schulgeschehen in Südtirol zu informieren und bietet ihnen als Gegenleistung an, über seine Erfahrungen und Eindrücke von Sri Lanka zu erzählen. „Didaktisch setzt dieser Lernbereich vor allem auf exploratives Lernen“, meint Andreas

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Ein Tagebuch gibt Einblicke in den Ablauf der Schule um 1927.

Scholz, der an diesem Bereich mitgewirkt hat. So können die Schüler zum Beispiel schon im Intro durch ein kleines Rate-Anklickspiel erkunden, wo Sri Lanka überhaupt liegt, wie groß es ist und wie die Hauptstadt heißt. „Kinder lernen ja auch viel durch sehen und ausprobieren. Deshalb haben wir viele Fotos, Grafiken und kleinere Spiele eingebaut, die die Atmosphäre auflockern. Wir leiten die Schüler nicht chronologisch durch unser Angebot, sondern lassen sie selbst wählen. Sie können ohne Zwang anschauen und ausprobieren, was sie gerade interessiert“, erklärt Andreas Scholz. Und In-

Toni zeigt den Schülern Sri Lanka.

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teressantes gibt es hier in der Tat genügend. Man kann zum Beispiel einen kompletten Schultag vom Morgenappell auf dem Schulhof über die einzelnen Schulstunden bis hin zum gemeinsamen Mittagessen miterleben. Man erfährt, dass hier alle Uniformen tragen und die Mädchen und Jungen in getrennte Schulen gehen, dass auf Singhalesisch unterrichtet wird und die Schriftzeichen ganz anders aussehen als bei uns oder dass in Sri Lanka absoluter Gehorsam gegenüber den Lehrern gilt. Außerdem werden die Schüler eingeladen, Pausen- und Freizeitspiele wie Kabbadi, Elefantenpolo oder Kricket kennen zu lernen und nachzuspielen. Der gesamte Bereich enthält zahlreiche Fragen und Aufforderungen, die die Schüler zum Nachdenken und Diskutieren anregen sollen und zur kritischen Reflexion der eigenen Schulsituation beitragen. Zeitreise zur Schule in der Zukunft Klicken die Schüler den Bereich „Schule in der Zukunft“ an, landen sie im Jahr 2060. Hier werden sie von Peter, Anna und Bastian begrüßt. Die drei Schüler erzählen, wie es bei ihnen in der Schule zugeht. So hat Peter zum Beispiel einen Taschencomputer, auf dem er allen Lernstoff speichern kann und den er auch bei Tests verwenden darf. Anna muss ebenfalls nie mehr lernen, da sie einen Chip mit dem kompletten Wissen eingepflanzt bekommen soll und Bastian fährt mit seiner Klasse in der Zeitmaschine ins alte Ägypten und darf beim Pyramidenbau zusehen. Doch ob das alles gut geht? Nein, tut es nicht, denn wer jetzt weiter liest, erfährt, dass Peter in seinem Test versagt, weil die Batterie seines Rechners ausgeht. Auch Anna kommen Zweifel und Ängste wegen ihrer Operation und Bastian verpasst vor lauter Erkundungswahn die Zeitmaschine zurück in die Gegenwart. Ist die Schule, in der man nie mehr lernen


muss, also doch nicht so das Wahre? Genau das kann man hier herausfinden. „Die Kinder sollen lernen, Dinge kritisch abzuwägen und zu hinterfragen, bekommen aber auch die Möglichkeit, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen“, meint Claudia Lange, die an der Entstehung dieses Angebots beteiligt war. So können die Schüler zum Beispiel in der Schreibkapsel halbfertige Zukunftsgeschichten weiter schreiben. In der Mediathek gibt es zudem Informationen über Bücher und Filme, die in der Zukunft spielen, und die Infokapsel stellt Zukunftsvisionen von Forschern vor. „Vom Design her haben wir uns ganz an den Comic-Stil gehalten, da es sich bei der Zielgruppe ja um zirka Zehn- bis Dreizehnjährige handelt. Außerdem konnten wir uns so ganz auf unsere Phantasie verlassen und hatten beim Brainstorming in der Gruppe die verrücktesten Ideen“, erzählt Claudia Lange.

Peter, Anna und Bastian zeigen, wie die Schule in der Zukunft aussehen könnte.

„Schule früher, heute und in der Zukunft“ stößt auf positives Echo Pünktlich zum Ende des Wintersemesters 2006/2007 stand unser neuer Lernbereich mit der Adresse http://84.18.137.213/blikk/ angebote/damals/infothek.htm auf dem Server. Wir waren alle stolz und zufrieden mit unserer Arbeit. Bei den Mitarbeitern von BLIKK kam unser Lernbereich sehr gut an und auch das Echo von Schülern und Lehrern, die unser Angebot erprobten, war sehr positiv. Da unser Bereich noch nicht fest auf dem Bildungsserver verlinkt ist, kann er bisher leider nur angeschaut werden, wenn man die genaue Adresse kennt. Doch wie uns Harald Angerer versicherte, soll sich dies bis zum neuen Schuljahr ändern, denn dann zieht BLIKK auf einen neuen Server um.

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Projektdaten Projektname: Lernbereich für Südtiroler Bildungsserver Zeitraum: Wintersemester 2006/2007 Lehrveranstaltung: E-Learning Betreuer: Professor Dr. Frank Thissen

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Fünftes Symposium für Informationsdesign

Infotainment. Infobroschüre. Infoletter. Infografik. Aber nicht überall, wo Information draufsteht, ist Information drin. Welche Informationen sind im heutigen Medienzeitalter überflüssig? Welche Fehler können bei der Visualisierung von Informationen auftreten? Fragen, auf die das fünfte Symposium für Informationsdesign Antworten sucht. Text: ANDREAS SCHOLZ

Seit 2002 organisiert die Hochschule der Medien (HdM) alljährlich das Symposium für Informationsdesign. Experten, Wissenschafter, Studierende sowie Verantwortliche aus den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Aus/Weiterbildung und Wissensmanagement diskutieren gemeinsam über neueste Trends rund um das Thema Informationsdesign. Ungefähr 100 Experten und Studierende füllen das Audimax am Standort Nobelstraße, als HdM-Rektor Professor Dr. Alexander W. Roos am 8. November 2006 das fünfte Symposium für Informationsdesign unter dem Motto Neue Wege der Informations- und Wissensvisualisierung eröffnet. Jetzt heißt es Bühne frei für die Koryphäen des Informationsdesigns, Usability-Gurus, Cracks des benutzerzentrierten Gestaltens und Global Players des modernen Wissensmanagements! Die Vorträge sind in drei Veranstaltungsblöcke über den ganzen Tag verteilt und werden von Professor Dr.

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Frank Thissen, Professorin Dr. Wibke Weber und Professor Dr. Burmester moderiert, alle drei Professoren im Studiengang Informationsdesign. Nach jedem Block bleibt dem Publikum 15 Minuten Zeit, um den jeweiligen Referenten Feedback zu geben. Behandelt werden so unterschiedliche Themen wie Liquid Browsing, Formen der Informationsvisualisierung für mobile Endgeräte, der Einfluss von Dimensionalität und Chromatik beim Wissenserwerb und interaktive Datenvisualisierung. Die meisten der vorgestellten Trends zielen auf die Nintendo-Generation ab. Doch fast allen im Publikum ist klar, dass die Forschung zukünftig auch der Generation 50+ den Zugang zu den neuen Techniken erleichtern muss. Das Beeindruckende an den Ausführungen der durchweg wissenschaftlich tätigen Referenten ist ihr klarer Praxisbezug. So zum Beispiel bei Professor Dr. Reiterer, Carsten Waldeck, Dr. Remo Burkhard und Professor Dr. Thomas Ertl.


Neueste Innovationen - bessere Navigation für das Handy Wer wünscht sich für den Alltag nicht manchmal eine bessere optische Darstellung und benutzerfreundlichere Navigation für das kleine Handy? Diese Frage beschäftigt Professor Dr. Reiterer allein schon aus beruflichem Interesse. Er lehrt an der Universität Konstanz im Bereich Mensch-Computer Interaktion (MCI). In seinem Vortrag Informationsvisualisierung für mobile Endgeräte berichtet er über bahnbrechende technische Neuerungen auf diesem Gebiet. So sollen Handy-Displays zukünftig durch das Zoomable User Interface (ZUI) benutzerfreundlicher werden. Beim ZUI handelt es sich um einen neuartigen virtuellen Informationsraum. Mit Hilfe eines Stifts (Stylus) können die Besucher durch den Raum navigieren und Informationen an-, weg- oder rauszoomen. Professor Dr. Reiterer erwähnt, dass mobile Endgeräte mit großen Displays bessere Informationsvisualisierungen ermöglichen als kleinere Geräte, die durch ihre geringere Pixelanzahl bei der Darstellung von Informationen eindeutig im Nachteil sind. Aktuelle Software-Trends - nie wieder Chaos auf der Festplatte? Haben Sie sich auch schon darüber geärgert, dass Sie eine Datei auf dem Computer ablegen und diese nicht mehr finden? Carsten Waldeck kann

Aufmerksam verfolgen die Zuhörer im Audimax die einzelnen Vorträge helfen, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Er ist Geschäftsführer der Firma visual knowledge interaction lab und Dozent im Studiengang Media System Design an der Fachhochschule Darmstadt. Auf dem Symposium erläutert Carsten Waldeck die Vorzüge des Produkts Liquid Browsing. Mit diesem Produkt kommt es zukünftig nicht mehr vor, dass Dateien im virtuellen Nirwana landen. Dabei handelt es sich um ein innovatives Tool zur besseren optischen und inhaltlichen Gliederung von Datenmengen. So werden Dateien, Ordner oder übergeordnete Verzeichnisse in Form von unterschiedlich großen Punkten optisch dargestellt. Die Größe der Punkte gibt Aufschluss über die Größe der Datei bzw. des

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Ordners. Je größer der Punkt, desto umfangreicher der Inhalt. Beim Anklicken eines einzelnen Punktes werden die anderen „unwichtigen“ Punkte einfach in den Hintergrund gedrängt. Ein weiterer Grundsatz des Tools: Punkte überlappen andere Punkte nicht. Das Programm gibt es bisher nur für das Betriebssystem Mac OS X und kann für 30 Tage kostenlos getestet werden. Eine Umsetzung für alle anderen gängigen Betriebsysteme ist geplant.

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Weitere Infos zum Thema www.liquifile.info

Informationsvisualisierung in der Uni-Forschung Die Gefahr der Informationsüberflutung ist heutzutage allgegenwärtig. Welche Informationen sind überflüssig und welche sind einzigartig? Diese Fragen muss man laut Professor Dr. Thomas Ertl bei der Informationsvisualisierung stets berücksichtigen. Er leitet das Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme (VIS) an der Universität Stuttgart. In seinem Vortrag Interaktive Datenvisualisierung – Aktuelle Forschungsprojekte an der Universität Stuttgart zeigte er einzigartige Beispiele in der Datenvisualisierung. Zu den derzeitigen Forschungsstudien seines Teams zählt sowohl die Entwicklung eines haptischen Webbrowsers als auch die Visualisierung von Strömungen und Wissensgebieten der Astrophysik.

Infografiken – Wünsche des Benutzers berücksichtigen Kennen Sie Infografiken in Zeitschriften, die wenig aussagekräftig sind und dazu noch unübersichtlich aussehen? Beispiele für eine schlechte Informationsvisualisierung findet Dr. Remo Burkhard in der Praxis leider oft genug. Er ist Senior Researcher an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) und beschäftigt sich intensiv mit Informationsarchitekturen. In seinem Vortrag Visualize Desires, not Facts plädierte er dafür, die Wünsche des Benutzers bei der Informationsvisualisierung in den Mittelpunkt zu stellen und nicht die Aneinanderreihung von nüchternen Fakten. Außerdem macht er sich dafür stark, Informationsvisualisierung nicht nur vordergründig zur Prozessoptimierung in Großkonzernen anzuwenden. Visualisierungen sollen in erster Linie dazu eingesetzt werden, drängende gesellschaftliche Themen unserer Zeit wie Energie, Gesundheit, Ageing oder Klima mehr in den Blickpunkt zu rücken.

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Fazit Eines steht fest: Wer sich einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse und Trends im Bereich der Informationsvisualisierung verschaffen will, kann eine Menge Anregungen aus dem fünften Symposium für Informationsdesign mit nach Hause nehmen. Nach dem offiziellen Ende werden Interessierte noch eingeladen, das Usability-Labor inklusive einer LiveDemonstration am Standort Wolframstraße zu besuchen. Im Internet gibt es zum Nachlesen eine ausführliche Zusammenfassung aller Vorträge im PDF-Format. Dort gibt es in Kürze auch Informationen zum sechsten Symposium für Informationsdesign, das die HdM in Zusammenarbeit mit dem Institut für Informationsarchitektur vom 9. bis 10. November 2007 durchführen wird.


Noch Fragen offen? Das Publikum gibt den Referenten Feedback.

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Programm des fünften Symposiums für Informationsdesign I. Veranstaltungsblock (Moderation: Professor Dr. F. Thissen) • Carsten Waldeck (iverse - visual knowledge interaction lab): Liquid Browsing • Professor Dr. Harald Reiterer (Universität Konstanz): Informationsvisualisierung für mobile Endgeräte • Dr. Remo Burkhard (ETH Zürich): Visualize Desires, not Facts II. Veranstaltungsblock (Moderation: Professorin Dr. W. Weber) • Dr. Tanja Engelmann (Universität Tübingen): Der Einfluss von Dimensionalität und Chromatik beim Wissenserwerb mit Informationsvisualisierungen • Dr. Stephan Kösel (Zentrum für Neue Lernkulturen und Systementwicklung Freiburg): Betriebliche und individuelle Wissensarchitekturen dreidimensional visualisieren • Klaus Greiner (Büro Klaus Greiner GmbH, Köln): Informationsvisualisierung - eine Replik aus der Praxis III. Veranstaltungsblock (Moderation: Professor Dr. M. Burmester) • Danijela Djokic (FH Potsdam): Beispiele der FH Potsdam • Professor Dr. Thomas Ertl (Universität Stuttgart): Interaktive Datenvisualisierung - Aktuelle Forschungsprojekte an der Universität Stuttgart Ansprechpartner im Studiengang Informationsdesign Hochschule der Medien Stuttgart David Prüm Wolframstraße 32, D-70392 Stuttgart Tel.: 0711/25706-114 E-Mail: pruem@hdm-stuttgart.de Internet: w ww.information-design-symposium.org/2006

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Zweiter World Usability Day in Stuttgart Einfach. Besser. Usability!

Am 14. November 2006 jährt sich der World Usabilty Day (WUD) zum zweiten Mal in weltweit 40 Ländern. Das Motto: „Making Life easy! – Einfach. Besser. Usability!“ Im Vordergrund steht, wie auch im vergangenen Jahr, die Gebrauchstauglichkeit von Alltäglichem wie Haushaltsgeräten, PKW-Informationssystemen oder auch Bedienungsanleitungen und Handys. Text: CLAUDIA LANGE

Insgesamt elf deutsche Städte nehmen am diesjährigen WUD teil. Von Aachen bis Dresden und von Hamburg bis Stuttgart haben interessierte Besucher die Möglichkeit sich der Thematik Usability zu nähern. Aber auch in zahlreichen anderen Metropolen wie Sydney, Hong Kong, London und New York besuchen viele die Welt der Benutzerfreundlichkeit. Unter der Schirmherrschaft der Stadt Stuttgart und rund um das Organisationskomitee von Professor Dr. Michael Burmester von der Hochschule der Medien trifft man sich. Usability-Experten, Firmen und Vertreter aus Forschung und Wissenschaft machen es sich zur Aufgabe, die Thematik Usability dem Bürger nahe zu bringen. Die Botschaft: Technik benutzbar und beherrschbar machen Im Rahmen der kleinen Fachmesse präsentieren sich Firmen aus den un-

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terschiedlichsten Bereichen und wecken die Neugier der Besucher. Wie die international bekannte Firma Harmann/Becker mit ihrem Parcours, in dem Besucher verschiedene FahrerInformations-Systeme für Fahrzeuge testen können. Oder die Stuttgarter Straßenbahnen AG, die ihre Optimierung der SSB-Fahrscheinautomaten vorstellt. Wie im vergangenen Jahr sind Repräsentanten aus Wissenschaft und Forschung zahlreich vertreten. So präsentieren sich die Universität Konstanz mit eigenen Forschungsprojekten, das Fraunhofer IAO Stuttgart und die Hochschule Heilbronn. Der Besucher hat die Wahl, durch die Ausstellung zu schlendern oder auch selbst in die Welt der Usability einzutauchen: in Eigeninitiative die neuesten Oberflächen von Navigationsgeräten am Stand von Harmann/ Becker zu testen oder alternative Eingabegeräte für den Computer, die von der Universität Konstanz entwickelt wurden, zu entdecken. Wie im Vorjahr


ist der Fahrsimulator der Hochschule Heilbronn, der direkt am Eingang platziert ist, ein großer Anziehungspunkt. Vor allem die kleinen Besucher sind begeistert dabei, am Lenkrad des virtuellen Fahrzeuges zu kurbeln und es über die virtuellen Straßen des Simulators zu steuern. Während der Fachmesse stellen 15-minütige Kurzvorträge die ganze Bandbreite des Themas Usability praxisnah vor. Referenten aus Wirtschaft und Forschung vertiefen aktuelle Themen, stellen Trends vor und sprechen über ihre Welt. Fragen wie „Können Handys bald alles außer Kaffee kochen?“ oder „Autos werden immer intelligenter – aber werden sie auch benutzbarer?“ werden diskutiert. Eines der großen Themen ist Web 2.0. Es wird über Neuerungen berich-

tet und über die Vereinbarkeit mit der Barrierefreiheit im World Wide Web gesprochen. Zu den Referenten gehören unter anderem Vertreter der DaimlerChrysler Group Research, MFG Medien- und Filmgesellschaft BadenWürttemberg, NAVIGON AG oder der Hochschule der Medien. Eigeninitiative ist gefragt Auch die Möglichkeit, selbst an der Verbesserung der Gebrauchstauglichkeit mitzuwirken, wird geboten. Unter dem Motto ���Ich sehe was, was du nicht siehst“, untersuchen Studierende des Studiengangs Informationsdesign unter der Leitung von Professor Dr. Michael Burmester die Internetseite einer Online-Rechtshilfe und bieten

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wachsende Bedeutung der Benutzerfreundlichkeit im Alltag umso mehr. Und das Datum für den World Usability Day 2007 steht bereits fest. Am 8. November 2007 findet der WUD zum dritten Mal weltweit statt und vereint abermals Vertreter aus Wirtschaft und Forschung mit dem Verbraucher.

Fahrsimulator der Hochschule Heilbronn im Test.

Besuchern des World Usability Days an, selbst dabei zu sein. Mit Hilfe des Eye-Tracking-Verfahrens (siehe Infokasten) werden Usability-Sünden sichtbar gemacht. Anhand der aufgezeichneten Blickbewegungen der Besucher wird sichtbar, wo es Probleme bei der Navigation der Website gibt und wo gewünschte Informationen nicht schnell genug abgerufen werden können. Um nicht nur die Blickbewegungen der Besucher zu testen, sondern sie auch an der Umgestaltung des Internetauftrittes teilhaben zu lassen, lädt eine kleine Gruppe von Studentinnen die Besucher ein, die Website nach ihren Wünschen selbst zu gestalten. Die so gesammelten Untersuchungsergebnisse werden ausgewertet und an die Internetagentur weitergeleitet. Interesse der Öffentlichkeit steigt Der Zuwachs der Besucherzahlen im Vergleich zum vergangenen Jahr freut Aussteller und Veranstalter. Die Wichtigkeit der Thematik Usability stößt auf reges Interesse in der Öffentlichkeit und verdeutlicht die an-

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Eye-Tracking Eye-Tracking ist ein Testverfahren, mit dem die Blickbewegungen eines Nutzers registriert werden können. Dieses Verfahren wird häufig eingesetzt, um Websites, Zeitschriften, Bedienungsanleitungen oder Werbetexte auf ihre Effektivität hin zu überprüfen. Trick dieses Verfahrens ist es, gleichzeitig sowohl die Bewegungen des Auges als auch das Produkt aufzuzeichnen. Mit einer speziellen Software werden diese Daten dann ausgewertet. So lässt sich herausfinden, wohin der Blick der Testperson zuerst fällt, wie der Blickverlauf ist oder welche Objekte überhaupt wahrgenommen werden. Werden bei mehreren Testpersonen an einem Produkt unerwünschte Testergebnisse festgestellt, kann das Produkt auf der Grundlage der Eye-Tracking-Analyse verbessert werden.


HdM-Studierende bei der gemeinsamen Umgestaltung eines Internetauftrittes mit den Besuchern des WUD.

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Fakten zum Word Usability Day 14. November 2006, Treffpunkt Roteb체hlplatz, Stuttgart Umfang: Events in mehr als 175 Orten in 40 L채ndern mit 체ber 40.000 Besuchern Organisation: UPA Usability Professionals Association Informationen: www.worldusabilityday.com www.worldusabilityday.de/stuttgart Vorschau: 3. World Usability Day Datum: 8. November 2007

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Sackerl und Paradeiser – Auslandssemester in Graz

Die FH Johanneum ist die Partnerhochschule der Hochschule der Medien (HdM) in Graz und auch hier gibt es den Studiengang Informationsdesign. Wie es ist, Stuttgart und die HdM für ein Semester hinter sich zu lassen und sechs Monate in Graz zu erleben, weiß Sandra Riveroff, denn sie verbringt das Sommersemester 2007 an der FH Johanneum. Text: CARINA ROTHENHÄUSLER

Natürlich hat man von Graz schon einmal gehört, aber dorthin fahren? Wenn schon Österreich, dann doch Wien, werden die meisten denken. Doch Graz hat auch einiges zu bieten. 2003 war die Stadt Kulturhauptstadt Österreichs und ist nach Wien die zweitgrößte Universitätsstadt Österreichs. Von den 250 000 Grazern sind ca. 40 000 Studierenden, was der Stadt ein besonderes Flair verleiht, da nicht nur viele Fahrräder, sondern auch immer viele junge Menschen auf den Straßen anzutreffen sind. Aber das sind wohl nicht die Gründe, warum es Sandra Riveroff, Informationsdesign – Studentin im vierten Semester, für sechs Monate in die Hauptstadt der Steiermark gezogen hat. Der Grund dafür ist das kleine Schild mit der Aufschrift „Informationsdesign“, das auf eines der vielen Gebäude der FH Joanneum hinweist. Auf die Frage, warum Sandra nach Graz ging, antwortete sie: „Ich wollte mehr im Bereich Design/Gestaltung machen, was an der HdM meiner Mei-

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nung nach etwas zu kurz kommt. An der FH Joanneum gibt es zwar genau den gleichen Studiengang, aber mehr Kurse im Bereich Gestaltung, und als Erasmus-Studentin kann ich meine Kurse aus allen drei Jahrgängen mehr oder weniger nach meinen Vorlieben auswählen.“ Das Erasmus-Programm ist ein Programm zum Austausch von Studierenden, das von der Europäischen Union unterstützt wird und folglich auch nur innerhalb Europas möglich ist. Sandra hat die Chance genutzt und ist als Erasmus-Studentin nach Österreich gegangen. Es muss nicht immer das andere Ende der Welt sein, auch das deutschsprachige Ausland hat seine Vorteile. Die Vorbereitungen Aber bevor es für Sandra mit dem Studium im Ausland losgehen konnte, mussten einige Vorbereitungen getroffen werden: „Im Oktober/Novem-


Für alle Informationsdesigner: Hier geht’s lang. ber letzten Jahres die Bewerbung an der FH Johanneum über das Akademische Auslandsamt sowie die Zimmersuche. Zunächst selbst über eine Wohnungsbörse im Internet – aber da hatte ich leider keinen Erfolg. Dann hab ich ein Zimmer über den Österreichischen Austauschdienst vermittelt bekommen. Ansonsten hab ich mich über die öffentlichen Verkehrsverbindungen und Ausgehmöglichkeiten informiert.“ Die kleinen kulturellen Unterschiede

man sie zum zweiten Mal hört, dann fällt es schon kaum mehr auf. So zum Beispiel, dass man in Graz seine Einkäufe in ein Sackerl gepackt bekommt oder im Supermarkt an der Gemüsetheke zwei Mal auf das Schild sieht, wenn da Tomaten als Paradeiser angeboten werden. Aber wenn man sich nach ein paar Tagen ein bisschen eingewöhnt hat, ist man auf den Ort gespannt, an dem man als Informationsdesigner die meiste Zeit der Woche verbringt: die Hochschule. Was also sagt ein direkter Vergleich von HdM Stuttgart und FH Joanneum Graz aus?

Aber es ist ja nicht nur die Stadt, die den Auschlag gibt, ob es einem im Ausland gefällt oder nicht. Manche Dinge sind am Anfang neu, aber wenn

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Außenansicht der FH Johanneum HdM Stuttgart vs. FH Joanneum Was sind für Sandra die größten Unterschiede zwischen den beiden Hochschulen: „Hier in Graz gibt es viele studienbezogene Exkursionen, und ich finde es auch gut, dass die Professoren hier nebenher noch in ihrem Beruf arbeiten. Die Studierenden haben hier ein Atelier, einen Raum im Obergeschoss des Gebäudes, in dem fast jeder Informationsdesigner seinen eigenen Arbeitsplatz hat. Die Kreativität spiegelt sich auch in den Gängen der FH wider: Dort hängen überall Arbeiten von Studierenden und auch in der Mensa herrscht eine relaxte Atmosphäre. Was ich noch als sehr gut empfinde, ist, dass viele Vorträge externer Designer oder Professoren in der Mittagspause oder abends angeboten werden, zu denen jeder kommen kann.“ Doch Sandra findet auch, dass es ein paar Dinge gibt, bei denen die FH Johanneum nicht ganz mit der HdM mithalten kann: „Die HdM ist koordinierter. Der Stundenplan hier in Graz ist etwas gewöhnungsbedürftig und wenn Exkursionen anstehen, erhalten die Studierenden recht spät Informati-

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onen darüber. Die Mensa ist in Stuttgart auch günstiger und Sprachkurse an der HdM sind jetzt ja umsonst (Anmerkung d. Red.: In Österreich gibt es keine Studiengebühren). In Graz hat jeder Studiengang sein eigenes Studienbüro. Ich weiß nicht, ob das besser oder schlechter ist, aber für einen Fremden ist es etwas verwirrend, vor allem weil der Campus sehr groß ist. Ach ja, und natürlich der Süssigkeiten- und Brötchen-Automat. An der FH Joanneum gibt es leider nur einen Kaffeautomaten.“ Gleich und doch verschieden Wie auch die Studierenden an der HdM auch, musste Sandra am Anfang des 4. Semesters die Kurse wählen, die sie in Graz besuchen wollte. Natürlich gibt es auch hier Unterschiede, doch „manche Kurse können mit Vergleichbaren an der HdM verrechnet werden, das heißt, ich muss voraussichtlich kein Semester zusätzlich anhängen. Es gibt hier auch Kurse, die an der HdM nicht angeboten werden. Von denen, die ich gewählt habe, sind es Typographie, Kunsttheorie und die


Das Atelier im Dachgeschoss, wo jeder Studierende 24 Stunden am Tag arbeiten kann. Programmvorlesungen zu „Cinema 3D“ und „After Effects“. Außerdem gibt es Medientheorie, GamebasedLearning und Audioproduktion. Ich habe den Eindruck, dass hier mehr Programme angeboten werden. Flash wird hier schon im zweiten Semester unterrichtet und die „Standard“-Layout-Programme im ersten Semester.“ Die Frage aller Fragen Und so nutzt Sandra die Möglichkeiten, die die FH Johanneum und die Stadt Graz zu bieten haben. Zum Abschluss natürlich noch die obligatorische Frage, die sicher alle interessiert: „Sandra, würdest du ein Auslandssemester empfehlen?“ „Ja! Obwohl ich in Stuttgart mein WG-Zimmer auflösen musste und allein nach Graz gekommen bin. Aber ich denke, es ist eine Chance, Neues kennenzulernen. Nach dem Studium ist es sicherlich schwieriger, in ein anderes Land zu gehen, wenn man dort nicht

gerade Urlaub macht oder arbeitet. Und außerdem schadet es nie, neue Leute und ein anderes Umfeld kennenzulernen.“

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Kontaktdaten Studiengang Informationsdesign an der FH Joanneum Alte Poststraße 149 A-8020 Graz Tel.: +43 (0)316 5453-0 Weitere Informationen unter: http://informationsdesign.fh-joanneum.at E-Mail: informations-design @fh-joanneum.at

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IDB on the road – Ein Besuch bei der Robert Bosch GmbH

April 2007. Studierende des Informationsdesigns konzipieren eine Podcast-Serie im Auftrag der Robert Bosch GmbH. Auf der Suche nach Ideen für den Podcast folgen sie einer Einladung der Zentralabteilung für Personalmarketing der Robert Bosch GmbH. Die Studierenden besuchen zuerst den Standort Schillerhöhe in Gerlingen und anschließend den Standort Schwieberdingen. Text: ANDREAS SCHOLZ

Wrumm. Wrumm. Wrumm. Ohrenbetäubender Lärm. Geruch von Öl und Benzin steigt in die Nase. Hochspannung. An den Wänden Gefahrenschilder. Ringsum Männer mit Arbeitshemden und hochgekrempelten Ärmeln. Überall Drähte, Kabel, Steckbuchsen, Werkzeuge und andere technische Apparate. Fast schon ein bisschen ehrfürchtig blicken wir auf die Apparaturen. Motoren werden gestartet, im Leerlauf kurz hochgefahren und sofort wieder gestoppt. Und das immer und immer wieder. Pausenlos. Nonstop. Und alles in einem Höllenlärm. „Ja, die Motoren in unseren Werkhallen können ganz schön laut sein“, lacht Peter-Jürgen Schmidt und versorgt uns mit Ohrstöpseln. Er hat fast vierzig Jahre als Wirtschaftsingenieur für die Robert Bosch GmbH gearbeitet. Mit dem Unternehmen ist er auch im Ruhestand immer noch eng verbunden und führt Besuchergruppen durch die Versuchshallen in Schwieberdingen. Wir müssen die Eindrücke in den Versuchshallen erst einmal

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kurz verarbeiten. So sehen also die berühmten Bosch-Motoren aus. Und so ungefähr könnte auch das typische Arbeitsumfeld eines Ingenieurs aussehen. Er fühlt sich in den Werkshallen bestimmt wie im Paradies. Am Vormittag hatten wir in der von Grün umgebenen Firmenzentrale auf der Schillerhöhe in Gerlingen noch das Kontrastprogramm. Statt dem lauten Surren von Maschinen Vogelgezwitscher im Eingangsbereich und edlem Zwirn statt hochgekrempelten Ärmeln. „Auf der Schillerhöhe in Gerlingen befindet sich die zentrale Verwaltung der Bosch-Gruppe und der zentrale Forschungsbereich. Hier ist eher das klassische Business-Outfit angesagt. Der Wirtschaftsingenieur tauscht sein Sakko aber auch mal gern gegen Arbeitskleidung ein, wenn es ihn vom Schreibtisch in die Werks­ hallen zieht“, schmunzelt Eva-Maria Pampel, Teamleiterin Personalmarketing. Der Besuch der Robert Bosch GmbH in Gerlingen und in Schwieber-


Bosch am Standort Schillerhöhe in Gerlingen. Foto: Bosch dingen soll uns vor allem als Quell der Inspiration dienen. Wir, das sind Studierende des vierten Semesters Informationsdesign. Das Drehbuch für die mehrteilige Podcast-Reihe schreiben wir im Seminar „Storytelling“ unter der Anleitung von Professorin Dr. Wibke Weber. Es soll am Ende des Sommersemesters 2007 fertig sein und in der letzten Juniwoche feierlich an die Vertreter der Robert Bosch GmbH übergeben werden. Die Produktion des Podcasts übernimmt die Redaktion des Hochschulradios Stuttgart e.V. in Kooperation mit der Stuttgarter Musikhochschule. In Deutschland verschärft sich der Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften im Ingenieursbereich. So ist auch speziell die Nachfrage nach weiblichen Ingenieuren groß. Schließ-

lich bringen sie nicht nur das notwendige Fachwissen mit, sondern verleihen einem Unternehmen durch ihre hohe Sozialkompetenz und Kommunikationsstärke eine kulturelle Note. Mit der Nutzung innovativer Webtechnologien möchte Bosch seine Position als attraktiver Arbeitgeber für Hochschulabsolventen weiter ausbauen. Der Podcast, den wir Informationsdesigner im vierten Semester für Bosch konzipieren, soll Informationen zum Unternehmen authentisch, ­ dezent und kurzweilig vermitteln. Für uns Studierende ist es deshalb wichtig, uns in die Zielgruppe des Podcasts hineinzuversetzen, überwiegend aus Hochschulabsolventen technischer Studiengänge besteht. Am Vormittag hatte uns die Firmenzentrale in Gerlingen erklärt, wie

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wir die Firma Bosch in unserem Podcast präsentieren sollen und welche betrieblichen Interna wir preisgeben dürfen. Auf dem Tisch Tabletts mit Gläsern, Mineralwasser, Kaffeekannen, Säften und Teller mit Keksen und Schokolade. Geistige Nervennahrung! Wir greifen zu. Dr. Christoph Zemelka, Leiter des Issues Management und Internet am Standort Stuttgart, erläutert die internen und externen Kommunikationsstrukturen des Unternehmens. Uns fallen die kryptischen Abkürzungen auf, die Bosch für seine Geschäftsbereiche verwendet - und die auch auf den (elektronischen) Visitenkarten der Bosch-Mitarbeiter platziert sind. Was heißt AA? Vielleicht Auswärtiges Amt? Oder Arbeitsagentur? Weder noch: AA steht für Automotive Aftermarket. Und mit AE verbindet Bosch den Geschäftsbereich Automotive Electronics. Interessant. Vielleicht können wir diese Abkürzungen in unserem Podcast als kleine Anekdote einbauen. Vor dem Besuch hatten wir Studierende uns intensiv mit den Eckdaten der Bosch-Gruppe befasst. 1886 wurde das Unternehmen von Robert Bosch in Stuttgart gegründet. Die globale Unternehmensgruppe verdient heute ihr Geld z.B. als Zulieferer der Kraftfahrzeugindustrie sowie als Hersteller von Elektrowerkzeugen und Haushaltsgeräten. In Deutschland ist das Unternehmen mit 80 Standorten vertreten. „Haben Sie eigentlich während Ihrer Tätigkeit bei Bosch schon mal etwas erfunden?“, möchten wir nachmittags von Wirtschaftsingenieur Peter-Jürgen Schmidt wissen. „Das kam sogar öfter vor. Was es alles war, darf ich aber nicht verraten – Betriebsgeheimnis“, so Schmidt. Schwieberdingen sei der weltweit größte Entwicklungsstandort von Bosch und mit jährlich rund 3000 Patentmeldungen der zweitgrößte Patentanmelder in Deutschland. Und warum hat sich Schmidt das schwäbische Unternehmen als Arbeitgeber ausgesucht? Der

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Wirtschaftsingenieur ist nicht um eine Antwort verlegen: „Die Firma Bosch steht für eine lange Tradition und für sichere Arbeitsplätze. Man darf hier als Ingenieur viel herumtüfteln. Ich finde es spannend, bei vielen revolutionären technischen Entwicklungen dabei zu sein“. Ein Besuch der Fahrzeug-Teststrecke am Standort Schwieberdingen stellt für uns Studierende schließlich den Höhepunkt des Tagesprogramms dar. Wir erreichen sie nach einem längeren Fußmarsch, der an vielen Gebäuden und Hallen vorbeiführt. Ingenieure untersuchen auf der Teststrecke, wie sich ein Testfahrzeug bei ungleichen Fahrbahnverhältnissen links und rechts mit und ohne AntiBlockier-System verhält. Das AntiBlockier-System (ABS) lässt sich bei dem Testfahrzeug manuell ein- und ausschalten. Unruhig beobachteten wir, wie das Testfahrzeug ohne ABS zahlreiche Pirouetten dreht. Das flaue Gefühl im Magen steigert sich, als wir erfahren, dass wir als Beifahrer mitfahren dürfen. Ob die Pirouetten uns nicht den Magen verderben? Nachdem die ersten drei mutigen Beifahrer wohlbehalten und mit leichtem Grinsen aus dem Wagen aussteigen, wollen auch die anderen mitfahren. Der Test ohne ABS macht wirklich mehr Spaß als der Test mit ABS - da passiert ja nichts Aufregendes! Dennoch vergessen wir nicht, dass wir hier auf der Teststrecke ohne ABS auf einem großen Platz ohne Hindernisse langsam zum Stehen kommen. Aber im wirklichen Straßenverkehr ist die Liste der Hindernisse lang: Bäume, entgegenkommende Fahrzeuge, Verkehrsschilder usw. Wir können jetzt nachvollziehen, was Schmidt mit der Mitwirkung an revolutionären technischen Entwicklungen bei Bosch meinte. Das Unternehmen sucht permanent nach Möglichkeiten, die Sicherheit im Straßenverkehr durch moderne Elektronik zu erhöhen. Das Elektronische


Highlight unseres Besuchs und Inspiration für unseren Podcast: ABSTeststrecke Bosch Schwieberdingen. Foto: Bosch Stabilitätsprogramm ESP® ist hierfür ein weiteres ein Beispiel. Der Besuch bei der Robert Bosch GmbH geht zu Ende. Auf der Rückfahrt von Schwieberdingen nach Stuttgart lassen wir den Tag vor unserem geistigen Auge noch einmal Revue passieren. Ich greife in meine linke Hosentasche. „Relax - it’s Bosch“ steht in weißen Lettern auf dem Werbegeschenk – eine silbergraue Pfefferminzpastillen-Box. „Na ja, vor der Testfahrt war ich aber gar nicht so relaxt“, lächle ich, schiebe mir eine Pastille in den Mund und lasse sie genüsslich auf der Zunge zergehen.

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Projektdaten Projektname: „Podcast für die Robert Bosch GmbH“ Zeitraum: Sommersemester 2007 Lehrveranstaltung: E-Learning (Lehrredaktion) Betreuung: Professor Dr. Wibke Weber Projektteam: Tristan Anding, Nadine Eberspächer, Katharina Kurz, Manuela Mohr, Lena Schmid, Andreas Scholz, Calogero Spataro, Christian Stotz

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IDB-Bingo für Studierende

Kannst du dich in einigen Vorlesungen oder Projektgruppenbesprechungen nicht konzentrieren, weil z.B. draußen die Sonne scheint? Oder du das Gefühl hast, dass kein Ende der Vorlesung abzusehen ist? Dann probiere doch einfach mal das IDB-Bingo aus. Mit diesem Spiele kannst du so manche Vorlesung oder Projektgruppenbesprechung lustiger und interessanter gestalten. Und du wirst sehen, deine Konzentration geht wieder nach oben ... Text: ANDREAS SCHOLZ

Spielregeln Einfach das Feld in der Tabelle ankreuzen, wenn das jeweilige Wort während der Vorlesung oder der Projektgruppenbesprechung fällt. Du hast gewonnen, wenn du horizontal, vertikal oder diagonal fünf Felder in einer Reihe hast. Dann steh einfach auf und rufe laut: „Bingo“! Das Spiel macht mit mehr Teilnehmern natürlich doppelt so viel Spaß als allein.

Kommentare eifriger Spieler Dörte T.:

„Die Projektgruppenbesprechung dauerte gerade mal knapp 15 Minuten, bis ich schon gewonnen hatte.“

Malte F.:

„Ich bin jetzt in den Vorlesungen viel konzentrierter.“

Rouwen M.: „Die Spannung war ganz schön hoch, als drei von uns auf den letzten noch fehlenden Begriff lauerten.“ Friedrun D.: „Der Leiter des Meetings war auf einmal ganz still, als einige von uns zum dritten Mal innerhalb von zwei Stunden ’Bingo’ riefen.“ Gernot A.:

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„Ich bin ein gern gesehener Gast bei Besprechungen, seitdem ich das Spiel zum ersten Mal mitgebracht habe.“


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Zielgruppe

E-Learning

Moodle

Informationsebene

Artefakte

Interface

Portfolio

barrierefrei

Leitsysteme

Redundanz

Farbsemantik

Polarit채tsprofil

Incentives

Benchmarking

Corporate Identity (CI)

IDB-Bingo f체r Studierende

Ergonomie

benutzerfreundlich

interkulturell

Livelink

Szenario

versus

Personas

Usability

evaluieren

Moodcharts


Lernen mit Spaßfaktor

Viert- und Sechstsemestler gestalten zwei Lernprogrammkonzepte für Porsche

Text: Veronika Hubl

„Der Samstagmorgen war gekommen. Auf dem Bürgersteig erschien Tom Sawyer mit einem Eimer Weißkalk und einem Pinsel. Er besah sich den Zaun, den er streichen sollte, und tiefe Schwermut senkte sich auf sein Gemüt. In Gedanken malte er sich aus, was die anderen Kinder jetzt taten. Doch nachdem er eine Weile gestrichen hatte, erschien Ben. „Ich geh schwimmen, hörst du? Würdest du nicht auch lieber mitkommen? Aber natürlich, du möchtest lieber schuften, nicht wahr?“, spottete er. Tom betrachtete den Jungen ein Weilchen und fragte dann: „Was nennst du denn Arbeit? Mir gefällts, schließlich bekommt man nicht jeden Tag einen Zaun zu streichen.“ Das ließ die Sache in neuem Licht erscheinen. Tom schwang seinen Pinsel mit behutsamer Eleganz, trat dann zurück, um die Wirkung festzustellen und setzte hier und da noch einen Tupfer dazu, während Ben seine Bewegungen beobachtete und ihn die Sache immer mehr interessierte. „Du Tom, lass

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mich auch ein bisschen streichen. Ich geb dir auch ein Stück von meinem Apfel.“ Tom zögerte. Widerstrebend im Antlitz, aber mit froher Bereitwilligkeit im Herzen, gab Tom seinen Pinsel schließlich her.“ Gekürzter Auszug aus „Tom Sawyers Abenteuer“ von Mark Twain Erste Vorlesung wirft schwierige Frage auf Mit dieser Geschichte begann Professor Dr. Frank Thissen seine erste Vorlesung im Wahlfach Storytelling. Sie brachte uns alle zum Nachdenken, denn in dieser Veranstaltung sollte es vor allem um die Vermittlung von Lerninhalten auf Basis von Geschichten gehen. Unsere Aufgabe sollte es daher sein, während des Sommersemesters 2007 ein neues Lernkonzept für die bereits bestehende Lern-CD Ignition der Firma Porsche zu entwickeln. Doch wie können wir erreichen, dass sich Menschen für bestimmte


Restauration eines Autos bei Porsche Classic Inhalte interessieren und Lernen nicht als lästige Arbeit, sondern als Spaß empfinden? Diese Frage galt es zu lösen. Vorhandenes Spiel soll mehr Motivationsfaktoren bekommen Ignition ist ein Lernspiel, in dem Porsche-Mitarbeitern Hintergrundwissen über ihre Firma vermittelt wird. Sie sollen so die Möglichkeit bekommen, sich noch besser mit ihrem Arbeit­geber zu identifizieren und ihr Bewusstsein über die langjährige Tradition und Besonderheit von Porsche zu schärfen. Diesen Lernprozess wollten wir bestmöglich fördern. Wir entschieden uns deshalb dafür, in unser neues Konzept noch mehr Spielund Spaßfaktoren und noch mehr In-

teraktionsmöglichkeiten einzubauen, sodass die Motivation zum mehrmaligen Spielen gesteigert wird und man dabei immer noch Neues entdecken und erleben kann. Neues Spiel speziell für Porsche-Verkäufer Da sich sehr viele Studentinnen und Studenten aus dem vierten und sechsten Semester für das Fach angemeldet hatten, beschlossen wir zudem, die große Gruppe zu teilen und nicht nur Ignition zu überarbeiten, sondern zusätzlich ein Konzept für ein weiteres Porsche-Lernprogramm zu entwerfen. Dieses soll Wissen über den Service von Porsche Classic vermitteln und vor allem Porsche-Verkäufern im Inund Ausland zur Verfügung stehen.

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Mythologie lässt sich auch bei Porsche finden Bevor es dann richtig mit der Konzeption losging, erhielten wir in mehreren Vorlesungsstunden hilfreiche Informationen zum Lernen mit Geschichten. So beschäftigten wir uns zum Beispiel mit der Mythologie der griechischen Antike. Auf der Suche nach einer passenden Definition zum Wort Mythos stießen wir dabei auch auf den Satz des Mythologenforschers Joseph Campbell: „Mythologie ist ein System von Bildern, das ein Bewusstsein und Gefühl der Teilhabe an einem größeren Bedeutungszusammenhang vermittelt“. Dieser erschien für uns in Bezug auf unsere Aufgabe besonders interessant, denn schließlich sollten wir in unseren Lernprogrammen den Mitarbeitern und Verkäufern den Mythos Porsche nahe bringen. Verblüffende Erkenntnisse über den Aufbau von Geschichten Auch der dramaturgische Aufbau von Geschichten beschäftigte uns. Wir lasen Märchen und Geschichten und diskutierten über die darin eingesetzten Erzählformen, Erzählperspektiven und deren Wirkung. Vor allem durch welche Vorfälle, so genannte Plot Points, die Handlung einer Geschichte plötzlich in eine andere Richtung gehen kann, war für uns interessant. Doch noch wichtiger waren uns die Figuren einer Geschichte, denn meistens ist der Protagonist nicht alleine

Auszug aus dem Storyboard des neuen Ignition Konzepts

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auf seinem Weg. Da gibt es freundliche Helfer, neidische Mitstreiter oder gemeine Bösewichte. All diese Gestalten funktionieren immer nach ein und derselben Masche, haben bestimmte Funktionen und treten an ganz bestimmten Stellen im Verlauf einer Geschichte auf. Man muss gefährliche Abenteuer bestehen oder schwierige Prüfungen meistern. Das zumindest behauptet der Drehbuchautor Christopher Vogler in seinem Buch „Die Odyssee des Drehbuchschreibers“. Zuerst fanden wir es unglaubwürdig, egal ob im Märchen oder im Kinofilm, immer den gleichen Aufbau der Heldenreise vorliegen zu haben. Doch nachdem wir mehrere Filme und Geschichten daraufhin überprüft hatten, stellten wir verblüfft fest: Es stimmt. Fast immer war eine ähnliche Grundstruktur zu finden und wenn nicht, wurde geschickt gegen dieses Gesetz verstoßen und das Pferd von hinten aufgezäumt. Porsche Ignition und Porsche Classic kooperieren gut Mit dieser Fülle an Hintergrundinformationen machten wir uns schließlich Mitte April ans Werk. Jetzt galt es gute Ideen zu haben, spannende Geschichten zu erfinden und Charaktere von Figuren auszuarbeiten. Es wurde gebrainstormt und gescribbelt und erste Entwürfe entstanden. Meist teilte man sich die Aufgaben in kleineren Gruppen auf. Die einen kümmerten sich um eine gute, spannende Story, die anderen um die Lerninhalte, die nächsten um die Frage, des Gestaltungsstils, das Look & Feel und wieder andere erarbeiteten und schrieben die Dialoge zwischen den Figuren. Zwischenzeitlich stellten wir uns gegenseitig unsere bisherigen Ergebnisse vor. Dabei kam heraus, dass die Ignition-Gruppe und die Porsche Classic-Gruppe Lernprogramme ent-


wickeln, die wunderbar miteinander kooperieren und sich ergänzen, ohne vorherige Absprache. Eine Reise ins Abenteuer Die erste Idee der Ignition-Gruppe war es, eine Kriminalgeschichte zu schreiben. Doch da es eigentlich keinen Bösewicht und auch keinen Helden geben sollte, kam man schnell wieder von dieser Idee ab. „Wir wollten keine typische Heldengeschichte schreiben, sondern die Mitarbeiter motivieren“, meint Simon Rottler, der an diesem Lernprogramm beteiligt ist. Deshalb hat man sich schließlich auf eine Abenteuergeschichte geeinigt, bei welcher der Spieler in der Welt herumreist und verschiedene Aufgaben lösen muss. Die Lerninhalte sind dabei in die Handlung integriert und kleinere Spiele steigern den Spaßfaktor. Am Ende wird die Zeit knapp und der Spieler muss sich richtig beeilen, doch wer es schafft, wird auf ganz besondere Art für seine Mühen belohnt. Porsche Classic entführt in die Retrozeit Porsche Classic ist ein Service, der unter anderem die Restauration von Porsche-Oldtimern anbietet. Daher spielen im Porsche-Classic-Lernspiel Oldtimer eine wichtige Rolle. Vom Design her soll das Lernprogramm deshalb auch im Retrostil gehalten sein. Und auch hier begibt sich der Spieler, wie bereits im Ignition-Programm, an unterschiedliche Orte. Zwar sind diese nicht ganz so weit weg, doch kann es trotzdem passieren, dass man gewollt oder ungewollt in anderen Ländern landet, zum Beispiel per Telefon in Japan. Der Spieler trifft auf teils hilfsbereite, teils mysteriöse Gestalten und kämpft beim Lösen verschiedener Aufgaben gegen die verstreichende Zeit an. Um

Anmutung zum Porsche Classic Lernspiel die Aufgaben bewältigen zu können, benötigt man die Lerninhalte. Diese sind jedoch nicht immer sofort zu finden. Witzige Zwischenfälle sollen den Spaßfaktor steigern und motivieren weiterzumachen, wenn man nicht gleich die richtige Lösung gefunden hat. Am Ende liegt es dann beim Spieler, sich unter Beweis zu stellen. Denn nur wenn er etwas dazu gelernt hat, kann er das Spiel gewinnen. Lernspiele auf dem Prüfstand Noch sind alle fleißig an der Arbeit, feilen an Details, schreiben Dialoge, überlegen sinnvolle Zwischenspielchen oder gestalten Entwürfe für die Spieloberfläche. Doch am 20. Juni 2007 soll es endlich so weit sein. Dann wird sich herausstellen, ob die Umsetzung des Tom-Sawyer-Prinzips gelungen ist und ob die Spiele auch Spaß machen. Denn dann werden die Konzepte beim Auftraggeber Porsche vorgestellt.

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Projektdaten Projektname: „Lernprogramme für Porsche“ Zeitraum: Sommersemester 2007 Lehrveranstaltung: E-Learning Betreuung: Professor Dr. Frank Thissen

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JUST DO IT

Über den stetig steigenden Stellenwert des Hochschulsports

Text: Jonathan Bauer

Fett, hässlich und dennoch erfolgreich – die Rede ist nicht von den Briten. Nein, wir Deutsche dürfen uns seit kurzem neben Exportweltmeister, Weltmeister der Herzen und Handballweltmeister nun auch die Fettmeister nennen. Durch eiserne Disziplin und Enthaltsamkeit, besonders im Bereich der körperlichen Betätigung, haben wir sogar die Berufstrinker von der Insel überrundet und stehen nun mit unseren besten Freunden, den USA, auf dem Siegertreppchen der Adilympics, der Olympiade der Adipösen. An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an die unabhängige Jury für die objektiven, transparenten und sehr einleuchtenden Kriterien. Danke an die International Association for the Study of Obesity, danke Weltgesundheitsorganisation. Was wäre die Welt ohne eure so brisanten Berichte? Vorbei sind die Zeiten, als der deutsche Junge schlank, rank und flink wie ein Windhund sein musste. Nein, das aktuelle Erfolgsrezept, um alle Konkurrenten dünn aussehen zu lassen, ist wohl gerade das Gegenteil. Bloß kein Sport! Ganz vorne mit dabei - die Studenten. Das Risiko sich mit einem Federball zu verletzen, steht wohl in keinem Verhältnis zu einem zünftigen Saufgelage. Da überrascht es nicht, dass weniger als 18 Prozent der Studenten dem Grundsatz folgen: Viel Sport, viel Obst und Gemüse, kein Alkohol und keine Zigaretten. Wieso auch? Breit angelegte Feldstudien haben doch bewiesen, dass Alkohol mehr Spaß bringt als eine gesunde Lebensweise. Falls doch mal eine Leber drauf gehen sollte, kann man sich ja immer noch bei holländischen Fernsehshows bewerben und darauf hoffen, dass es sich diesmal um eine ernst gemeinte Veranstaltung handelt. Dass Sport Abhilfe schaffen könnte, will niemand wissen. Sport kennt man eigentlich auch nur aus dem Fernsehen. Da sitzen die Athleten bei Kerner und Beckmann und stottern irgendwas von Erythropoetin und dem Prinzip der Unschuld. Ganz zu Schweigen von dem so reichhaltigen Angebot der Sportkanäle

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- besonders um Mitternacht. Sport ist nun einmal ein Spiegelbild, und das ist bekanntlich meist hässlich, wie auch unsere Gesellschaft. Mehr denn je passt sich das olympische Motto „Citius, altius, fortius“ – höher, weiter, schneller – dem heutigen Bild des Sports an. Das Gerücht, dass Sport Gewicht reduziere, das Herz-Kreislauf-System stärke, das Selbstwertgefühl fördere, Glückshormone ausstoße und allem in allem einfach nur positive Auswirkungen habe, scheint wohl ein weiteres Ammenmärchen der Uni-Klinik Freiburg zu sein. Studenten wären keine Studenten, wenn sie nicht auch diesen gezielten Manipulationsversuch durchschauen würden. Da nützt auch kein noch so großes Sportangebot der Hochschulen. Über 60 Kurse allein an der Uni Stuttgart! Doch wen soll das beeindrucken? Beim Fußball trifft man nur Wesen, die gerade bis zum nächsten Atemzug denken können, beim Tennis gewinnt man nur, wenn man ein Bündel Hunderter mit sich trägt und beim Basketball braucht man mit einer Körpergröße unter zwei Metern gar nicht erst zu erscheinen. Was bleibt, sind Escrima, Lacrosse oder Aikido. Doch Dinge, die man nicht einmal richtig aussprechen kann, werden wohl kaum sinnvolle Freizeitbetätigungen sein. Und der Griff zur Fernbedienung ist doch so oder so viel einfacher. Irgendein Sportquiz wird gerade schon laufen. In diesem Sinne: Just do it.

Deutscher Hochschulsport

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Packende Musterüberschrift Zeitschriftenentwicklung als Studienprojekt

Text: LENA SCHMID

Was ist eigentlich eine Zeitschrift? Eine Zeitschrift ist ein Heft bedruckten Papiers, das man an einem Kiosk kauft, je nach Interessenlage und Beschäftigung. Man liest die Artikel, die einen fesseln, löst vielleicht das Sudoku hinten auf der letzten Seite, lässt die Zeitschrift eine Weile neben dem Sofa liegen und wirft sie dann weg. Aber wo kommt die Zeitschrift her? Wer macht sie und warum wird sie gemacht? Diese Fragen stellen wir uns. Wir, Studierende im dritten Semester, denen die Aufgabe gestellt ist, eine Zeitschrift zu entwickeln. Konzept, Recherche, Logo, Satz und Beispielartikel sind gefragt, die Themenbereiche „Ethik“, „Zeitgeist“ und „Kulturen“ gegeben. In Fünfergruppen soll eines dieser Themen gewählt und eine Zeitschrift ausgearbeitet werden. Am Ende soll das Werk komplett mit Prototyp und Styleguide präsentiert werden. Antworten auf unsere ersten Fragen liefert Marion Feldmaier. Sie arbeitet beim Burda Verlag in der Entwicklung.

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Und sie ist zu Gast in einer Vorlesung des Fachs User Centered Design, Bereich Text und Design, um einen Vortrag über die Entwicklung von Zeitschriften zu halten. Ein paar Zeitschriften hat sie als Ansichtsexemplare dabei und es fällt sofort auf, wie sehr sie sich voneinander unterscheiden. Inhaltlich, gestalterisch, haptisch. Sie decken die unterschiedlichsten Themen und Zielgruppen, Preissegmente und Bildungsniveaus ab. „Diese Zeitschrift“, sagt Feldmaier, „ist an einem Nachmittag entstanden.“ In der Hand hält sie eine Rätselzeitschrift, wie man sie von Omas Nachttisch kennt. Eine Zeitschrift aus der Retorte sozusagen, es gibt zig ähnliche Ausgaben, die sich optisch und inhaltlich kaum unterscheiden. Man kennt seine Zielgruppe, deren Vorlieben und Eigenheiten. Da lassen sich bewährte Konzepte einfach anwenden, in kürzester Zeit kann eine Zeitschrift entwickelt werden, die dem ähnlichen Konkurrenzprodukt einen sicheren Teil der Auflage abläuft.


Innenseiten der Zeitschrift „Gezeiten“ von Christoph Bühnert, Johannes Kroker und Stefan Martens Die Entwicklung von Zeitschriften ist ein heißes Pflaster Knifflig wird es, wenn man mit einer Zeitschrift Neuland betreten will, wenn man sich abgrenzen möchte, neue Zielgruppen ansprechen, neue Inhalte erschließen. Da bewegt man sich auf dünnem Eis. Die Fülle bestehender Zeitschriften lässt kaum eine Marktlücke zu und wenn tatsächlich eine zu finden ist, muss man schnell sein, um der erste zu sein, sie zu füllen. Der Markt ist dicht gedrängt, Verlage arbeiten mit Hochdruck an neuen Ideen. Mehrere hundert neue Zeitschriften erscheinen jährlich in Deutschland neu auf dem Markt. Kaum 15% überleben das erste Jahr. Sehr wenige Zeitschriften schaffen es, sich dauerhaft zu profilieren, geschweige denn, eine Größe zu werden, wie zum Beispiel „Der Spiegel“ eine ist.

Recherche und Vorarbeit Wie geht man sicher, dass eine Zeitschrift sich später halten kann? Ein Risiko bleibt eine neue Zeitschrift immer. Allerdings ein kalkulierbares. Durch sorgfältige Recherche lässt sich das Risiko, einen Flop zu landen, minimieren. Also lernen auch wir Studierende als erstes, Recherchen anzustellen. Was recherchiert man, wenn man eine Zeitschrift schaffen möchte? Zuerst wird der Markt nach ähnlichen Produkten abgeklopft. Welche Produkte sind schon auf dem Markt und wie grenzt sich die eigene Zeitschriftenidee von denen ab? Dieses Stöbern, Suchen und Abgrenzen nennt man „Benchmarking“, was gleichbedeutend ist mit dem „Schaffen von Maßstäben“. Besonders wichtig sind diese Nachforschungen auch aus rechtlichen Gründen, schließlich darf man mit dem eigenen Produkt

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Cover der Zeitschrift „eventuell“ von Carina Rothenhäusler, Lena Schmid, Corinna Schulenberg, Kristin Tecles, und Janine Wiebicke.

Celebration of Light Celebration of Light in Vancouver Symphonie der Lüfte luftiges Design von Jonathan Ive Gummibärchen

kein anderes tangieren, es imitieren oder gar kopieren. Parallel zum Benchmarking laufen die Recherchen bezüglich der Zielgruppe. Für wen soll die Zeitschrift gemacht werden? Eine sorgfältig durchgeführte Zielgruppenuntersuchung kann einem böse Überraschungen ersparen. Wichtig sind dabei viele Fragen. Zum einen muss die Zeitschrift auf die Zielgruppe zugeschnitten werden, zum anderen muss es sich lohnen, eine Zeitschrift auf diese Zielgruppe zuzuschneiden. Es würde zum Beispiel keine Zeitschrift Fuß fassen können, die in trashiger Jugendsprache aktuelle Strickmuster erklärt, da diese Kombination keiner Zielgruppe gerecht würde. Eine Zeitschrift für karrierebewusste Frauen mit einer besonderen Vorliebe für Traktoren hätte wahrscheinlich ebensowenig Sinn, da sie keine reale Zielgruppe anspricht. Verfehlungen müssen allerdings bei weitem nicht so frappierend sein, um ein Projekt scheitern zu lassen. Eine Computerzeitschrift für die ambitionierte junge Frau scheint ganz vernünftig, trotzdem war eine solche Zeitschrift aufgrund geringer Resonanz schon nach drei Ausgaben wie-

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der vom Markt verschwunden – die Zielgruppe war einfach zu klein. Farben und Layout in einem Satz Nachdem die Zielgruppe ausgiebig und ausreichend erforscht ist, kann mit der Gestaltung begonnen werden. Die erste Hürde ist gleich eine recht hohe: Die Namensfindung. Ein passender, ansprechender, geistreicher und aussagekräftiger Titel ist gesucht... Da stand in mancher der Arbeitsgruppen schon der Haussegen schief. Die Namensgebung ist eine knifflige Angelegenheit, da der Name einer Zeitschrift ausschlaggebend für ihre Wirkung ist. Unter dem Zeitschriftennamen „Verena“ erwartet man ...? Richtig, eine eher traditionelle Zeitschrift für Frauen, in diesem Fall ein Strickheft. Eine andere Schwierigkeit ist, dass jemand anders vor einem schon dieselbe Namensidee hat. Und ein Zeitschriftenname darf nicht doppelt vergeben werden, da auch hier das Copyright seine Finger dazwischen hat. Wenn der Name schließlich gefunden ist, wird der in ein, zwei Feedbacktref-


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A bis Z... Stilsicher aufsteigen Dunkle Geschäfte ... Stop!

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Europa: 7€

fen mit der Professorin und einigen Stunden arbeit zu einem logo mit allen Zeichen ausgebaut. in farbe, graustufen oder Schwarzweiß, aber vor allem individuell und – sehr wichtig – mit Wiedererkennungswert. inhalt der Zeitschrift, Zielgruppe und name sind nun festgelegt. Was fehlt, ist das layout. und was wäre eine Zeitschrift ohne layout? Jetzt werden Schriften ausgesucht, farbfächer geblättert und farben definiert, beispielbilder gesammelt, ränder und Spalten festgelegt. Das ganze klingt recht unkompliziert, ist aber eine zeitraubende angelegenheit. oft scheitern ideen an kleinen Dingen – hat man schließlich eine Schrift aufgetrieben, die perfekt passen würde, fehlt im Zeichensatz das „ß“! Schließlich sind alle Schwierigkeiten bewältigt, das layout steht, der fertige beispielartikel ist eingepasst und das ganze muss nur noch in den Druck. nur noch? Das Drucken jagt uns Studierende noch einmal den Schweiß auf die Stirn, ist auch alles richtig gemacht? alle ränder und Spalten an der richtigen Stelle, farben in CmYK- Werten angegeben, Schnittkanten und Zugaben für die Klebebindung bedacht? und vor allem eines ist wichtig: randlos zu drucken ist ein Ding der unmöglichkeit. Hektisch wird geld gezählt und gesammelt, Drucke kosten ein Vermögen. Doch zum Schluss: alles gedruckt, fertig und zur abgabe bereit, die Präsentation steht. Da ist man dann froh, erleichtert und auch ein bisschen stolz. und wer weiß? Vielleicht schafft es eine der Zeitschriftenideen auch noch auf dem markt.

Titelblatt der Zeitschrift „Absatz“ von Janina Dietz, Katharina Goll, Doris Henzler, Silke Lorenz und Sonja Ruf

Projektdaten Projektname: „gestalten einer Zeitschrift“ Zeitraum: Wintersemester 06/07 Lehrveranstaltung: user interface Design, bereich textproduktion und Design Betreuung: Professorin elke Knittel

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„Einen wunderschönen guten Morgen hier bei HoRadS Kultür“

So erklingt es jeden Dienstag um 10:05 Uhr, pünktlich nach den Nachrichten, durch die Lautsprecher. Was für den Hörer mit dieser Begrüßung beginnt, fängt für die Kulturredaktion schon viel früher an. Text: Corinna Schulenberg

Zirka vier Wochen vor der Sendung Eva ist die Bookerin bei HoRadS Kultür. Das bedeutet, dass sie sich darum kümmert, dass wir jede Woche einen Gast in der Sendung haben. Sie sucht aus unserer Adressdatenbank den passenden Gast für die Sendung heraus. Und dies ist nicht immer ganz einfach: Zum einen muss sie die Balance halten zwischen großen Institutionen und Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Staatstheater oder dem Mercedes-Benz-Museum und eher Kleineren wie dem Puppentheater Kleines Spektakulum oder den Stuttgarter Literaturspaziergängen. Zudem kann die Terminkoordination eine wahre Herausforderung sein: Möchte man einen Theaterregisseur zu einem bestimmten Stück interviewen, so darf der Termin nicht zu lange vor der Premiere sein, sonst fehlt dem Hörer der direkte Bezug. Je näher aber die Aufführungstermine rücken, desto weniger Zeit findet der Regisseur für unsere Sendung. Hier ist es Evas Aufgabe, alles passend zu koordinieren.

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Steht der Termin fest, trägt Eva diesen in die Datenbank ein und schickt eine Kopie der Einladung für den Gast an die Kulturredaktion. Dienstag, eine Woche vor der Sendung Wie gewohnt läuft HoRadS Kultür von 10 bis 11 Uhr morgens, diesmal moderiert von Nicole und mit mir an der Studiotechnik. Die Moderation einer Sendung benötigt eine lange Vorbereitungszeit, die Studiotechnik jedoch nicht. Deshalb wechseln Nicole und ich uns mit beiden Aufgaben ab. So ist der zeitliche Aufwand für uns beide gleich hoch. Sonntag, zwei Tage vor der Sendung Am kommenden Dienstag wird die Moderation von mir übernommen. Bevor ich vorbereitenden Recherchen für das Interview beginne, überlege ich mir


die ersten Fragen: Ich kenne bis jetzt nur den Namen des Gastes und das Thema der Sendung, und genau auf diesem Level befindet sich auch der Hörer, wenn die Sendung beginnt. Die Fragen, die ich mir nun stelle und die ich gleich noch durch meine Recherche klären werde, sind somit auch die Fragen des Hörers: Wer ist der Gast? Warum macht er dies? Was macht seine Veranstaltung, Institution oder Arbeit so besonders? Worum geht es dabei? Diese und ähnliche Fragen müssen stets am Anfang der Sendung beantwortet werden. Vor der Recherche kann ich außerdem freier assoziieren: Womit verbinde ich das Thema der Sendung? Habe ich mich vielleicht spontan an

etwas erinnert? Oder klingt der Name der Veranstaltung nach etwas ganz anderem, als sie eigentlich ist? Habe ich alle Anfangsfragen notiert, folgt die Recherche: Zunächst beachte ich natürlich das vom Gast eingesandte Material, denn dies ist das Thema, auf das er selbst seinen Schwerpunkt legt. Zusätzlich recherchiere ich Informationen aus dem Internet. Besonders wichtig ist es, etwas über den Gast selbst herauszufinden, denn aus einer Biografie leiten sich oft die interessantesten Fragen ab: Wie kommt eine Schauspielerin dazu, Puppenspielerin zu werden? Wieso rufen zwei Studierende eine regionale Konzertreihe ins Leben?

3,2,1 – on Air!

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Wichtig herauszufinden ist es auch, wie der Gast und sein Thema bis jetzt von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden: Werden sie gelobt oder kritisiert? Wie hoch ist der Bekanntheitsgrad? Aus allen Informationen leite ich meine Interviewfragen ab. In wahlloser Reihenfolge kommen so in der Regel fünfzig Fragen zusammen. Die Sendung enthält vier Interviewblöcke. Jeder Interviewblock muss in sich abgeschlossen sein und trotzdem muss sich ein roter Faden durch die gesamte Sendung ziehen. Die Fragen müssen aufeinander aufbauen und jeweils einen neuen Aspekt oder ein neues Detail beleuchten. Meist beginne ich im ersten Interviewblock mit einigen Fragen zur Institution oder Veranstaltung allgemein, um den Hörer ins Thema einzuführen. Dann folgen Fragen zum Gast, denn der Hörer soll sich ein Bild von ihm machen können. Im zweiten Block folgen detaillierte Fragen zur Institution oder Veranstaltung, im dritten behandele ich oft die Historie des Themas. Im letzten Block stelle ich die organisatorischen Fragen: Hier geht es vor allem um Daten, Eintrittspreise, Ticketverkauf und Hinweise zu mehr Informationen. Steht das Interview so weit, kümmere ich mich um ein weiteres Element der Sendung: den Eventkalender. Der Eventkalender ist Element jeder 10-Uhr-Sendung auf HoRadS und gibt Tipps, welche zwei bis drei Veranstaltungen am jeweiligen Tag oder in der nächsten Zeit interessant sind. In unserer Sendung geben wir meistens Hinweise auf kulturelle Veranstaltungen. Ist der Eventkalender fertig, ist der Großteil der Vorbereitungen abgeschlossen. Montag, ein Tag vor der Sendung Pierre, der Chef vom Dienst bei HoRadS, ist auch zuständig für unsere

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Playlist. Sobald er die Lieder für die Sendung zusammengestellt hat, bekomme ich sie per Mail und kann sie in mein Skript einarbeiten. Dabei versuche ich, wenn es möglich ist, Überleitungen vom Lied zum Interview zu schaffen. So wirkt die Sendung in sich geschlossen. Dienstag, Sendungstag, 9:30 Uhr Der Gast erscheint zum Vorgespräch in der Redaktion direkt neben dem Studio. Diese Zeit nutze ich, um uns miteinander bekannt zu machen, Nervosität beim Gast abzubauen und den Aufbau der Sendung zu erklären. Wichtig dabei ist es auch, herauszufinden, was für ein Gesprächstyp der Interviewpartner ist, ob er viel redet und von sich aus lange Antworten gibt, oder ob er eher zurückhaltend ist und ich nachfragen muss. Das Vorgespräch ist außerdem wichtig, um zu klären, ob einige Fragen zu streichen oder hinzuzufügen sind. Der Gast bekommt die Fragen dabei allerdings nicht zu Gesicht, sondern nur einen groben Überblick. Dies ist das generelle Interviewkonzept bei HoRadS, denn es bedingt zum einen die spontanen Antworten der Gäste während des Interviews, zum anderen aber auch unsere journalistische Freiheit: Kennt der Gast die Fragen vorher, ist er wahrscheinlich geneigt, kritische Fragen zu streichen. Dienstag, 9:55 Uhr: Ich gehe ins Sendestudio, um die „Übergabe“ zu machen: Dies bedeutet, dass ich am Ende der Sendung Campus-Charts, die jeweils vor Kultür auf HoRadS läuft, schon auf unsere Kultürsendung hinweise. Damit werden die Hörer neugierig gemacht, auch die folgende Stunde am Radio zu bleiben.

Dienstag, 10:05 Uhr Nach den Nachrichten vom Deutschlandfunk, die wir bei HoRadS einspielen, beginnt Kultür. Diese Woche moderiere ich die Sendung, Nicole sitzt an der Studiotechnik. Zuerst kommt meine Anmoderation, gefolgt von einem Song. Danach beginnt der erste Interviewblock. Die Interviewblöcke werden jeweils durch Lieder voneinander getrennt. In der Mitte der Sendung kommt zudem der Eventkalender. Dienstag, 10:55 Uhr Mit der Abmoderation endet die Kultürsendung. Ich verabschiede mich vom Interviewgast. Dienstag, 11:15 Uhr Pierre bereitet die Sendung für die HoRadS-Website vor, denn sie wird innerhalb der nächsten Woche zum Nachhören Online zur Verfügung stehen. Außerdem schneidet Pierre die Sendung für den Kultür-Podcast zusammen. Hierfür muss aus rechtlichen Gründen die Musik entfernt werden. Auch der Eventkalender wird herausgeschnitten, da er beim Erscheinen des Podcasts nicht mehr aktuell ist. Dienstag, 14:00 Uhr Pierre schickt Nicole als Technikerin und mir als Moderatorin seinen Aircheck: Dies bedeutet, er gibt uns Feedback zur Sendung und Hinweise, was wir in künftigen Sendungen verbessern sollten. Dienstag, 16:00 Uhr: Ich höre mir die Sendung selbst noch einmal an. Oftmals fallen mir dabei

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völlig andere Fehler auf als während der Sendung: Pausen sind gar nicht so lang, wie sie mir noch morgens vorkamen, und auch Versprecher hören sich im Nachhinein nicht mehr so schlimm an. Dafür fallen mir jetzt inhaltliche Fehler stärker auf, ich bemerke es oft erst jetzt, wenn eine Frage oder Antwort zum Beispiel unverständlich formuliert ist. Damit ist die Arbeit an dieser Sendung beendet. „Das war HoRadS Kultür für heute. Die nächste Sendung gibt es nächsten Dienstag. Bis dahin eine schöne und sonnige Woche und tschüß!“

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HoRadS – das HochschulRadio Stuttgart HoRadS wurde 2004 ins Leben gerufen. Seitdem werden Stuttgart und die Region täglich mit frischer Musik versorgt: Von 6 bis 11 Uhr auf der 99,2 (Mittelwelle) und den ganzen Tag über das Internetradio auf der Website www.horads.de . Finanziert wird HoRadS hauptsächlich von den Vereinsbeiträgen der Mitgliedsinstitutionen: • Hochschule der Medien Stuttgart • Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart • Universität Stuttgart • Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg • Pädagogische Hochschule Ludwigsburg • Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg • Paritätische Wohlfahrtsverband HoRadS wird getragen von über 100 Studierenden der Mitgliedsinstitutionen. Sie ­werden dabei unterstützt von Pierre Seidel (Chef vom Dienst), Uwe Saile (Redaktionsleitung) und Manuela Fischer (Leitung der Musikredaktion), die Voll- oder Teilzeit für HoRadS arbeiten.

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Projektdaten Projektname: „HoRadS Kultür“ Zeitraum: Sommersemester 2007 Lehrveranstaltung: HoRadS on Air Betreuung: Professor Dr. Wolfgang von Keitz Team: Eva Förg (Booking) Nicole Kögler (Moderation, Studiotechnik) Corinna Schulenberg (Moderation, Studiotechnik) Pierre Seidel (CvD)

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Gemeinsam mit Stephen King auf Kuscheltierjagd Medienpsychologisches Experiment an der HdM gestartet

Sie sitzen bei einem Glas Wein auf der Couch und das Knabberzeug liegt bereit. Sie freuen sich auf einen gruseligen Filmabend. Allein, Sie und die Helden der Leinwand. Sie warten förmlich darauf, dass Ihnen vor Angst die Salzstangen in der Hand zerbrechen. Ein Filmabend nach Ihrem Geschmack? Text: CLAUDIA LANGE

Warum setzt man sich Filmen aus, die einem die Nackenhaare sträuben? In einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Studie wollen Studierende der Hochschule der Medien in Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Universität zu Halle-Wittenberg dieser Frage auf den Grund gehen. Im Rahmen der Vorlesung „Interdisziplinäres Koorperationsprojekt“ bietet Professor Dr. Roland Mangold Studierenden der HdM die Möglichkeit, Teil eines medienpsychologischen Experiments zu sein.

Das Experiment Initiiert wurde das Projekt von Professor Dr. Mangold und seinem Kollegen Professor Dr. Reinhold Viehoff vom Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften in Halle. Professor Dr. Roland Mangold beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Medienwirkung von Filmen.

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Hierbei fand er heraus, dass die von Filmen ausgelösten Gefühle etwas Anderes sind als die Gefühle, die wir im Alltag erleben. Der Unterschied ist, dass die durch Medien entstehenden Gefühle von den Zuschauern regelrecht gesucht werden. Man wünscht sich diese sogar. Das Gegenteil findet man im Alltag, wo oft unerwünschte Gefühle aufkommen. Laut Mangold fehlt zu diesem Phänomen in der klassischen Psychologie eine Erklärung. Deshalb haben er und Viehoff sich vorgenommen zu untersuchen, ob der Zuschauer sich nur deshalb bestimmte Filme ansieht, um besondere Emotionen zu erleben. So zum Beispiel Angst, Ekel, Trauer oder auch Freude, Spannung und Vergnügen.

Erklärungsversuche Warum man sich gern einen Film ansieht, der einen erheitert und einem vor Lachen die Tränen in die Augen


treibt, liegt auf der Hand: einfach mal gemeinsam lachen oder sich entspannt unterhalten lassen. aber warum sehen wir uns filme an, die uns angst machen, ekel auslösen oder uns in trauer versetzen? Versetzen wir uns gern mit absicht in melancholische Zustände? mangold und Viehoff vermuten folgendes: „eine mögliche erklärung besteht darin, dass die Zuschauer zwar zunächst die durch den film ausgelösten negativen emotionen erleben, dass sie aber auf einer höheren ebene diese emotionalen Zustände in einem anderen licht betrachten und sie als durchaus positiv oder sogar als wünschenswert sehen können.“

Hdm-Studierende mit im Spiel um dieser Vermutung auf den grund zu gehen, wird im Jahr 2006 das forschungsprojekt „emotionale gratifikationen während der filmrezeption: Worin besteht der anreiz, emotionale erlebnisangebote der medien zu nutzen?“ gestartet. Diese erste Studie von insgesamt fünf ist der grundstein des experiments. innerhalb einer Pilotstudie werden in Halle mit 25 teilnehmern interviews geführt. Die ergebnisse sollen Hypothesen, die von mangold und Viehoff aufgestellt werden, untermauern. eine der Hypothesen besagt zum beispiel, dass die bewertung der erlebten emotionen die beurteilung des medialen angebots in bezug auf gefallen,

Horror vorstel lung wann: 05.06.2007 // 18.30 Uhr wo: HdM Wolframstraße was: richtiges Kinofeeling garantiert (Eintritt frei + Popcorn)

Du liebst es, wenn das Blut in deinen Adern vor Aufregung kocht und willst außerdem Teil eines Forschungsprojektes werden? Dann ran an den Stift und trage dich mit Namen und Kürzel in die Liste ein!

LV „Interdisziplinäres Kooperationsprojekt“ Prof. Dr. Mangold (SS07) In Kooperation mit der Uni zu Halle Wittenberg und der DFG

unterhaltsamkeit und künstlerischer Qualität beeinflusst. mit Hilfe der bisherigen ergebnisse wird ein fragebogen erstellt, in dem diese Hypothesen in form von verschiedenen items geprüft werden sollen. Hier kommen die Studierenden der Hdm ins Spiel. nach den Vorgaben

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von Halle konstruiert man in Stuttgart einen Online-Fragebogen, der an beiden Orten zum Einsatz kommen soll. „Ich habe den Film genossen“ oder „Es macht mich stolz, diese Gefühle auszuhalten“ werden als Aussagen im Online-Fragebogen aufgestellt. Der Testteilnehmer gibt nun auf einer Ska-

Trau er spiel

wann: 11.06.2007 // 18.30 Uhr wo: HdM Wolframstraße was: richtiges Kinofeeling garantiert (Eintritt frei + Popcorn) Du liebst dramatische Ereignisse mit Tränen und Taschentüchern und willst außerdem Teil eines Forschungsprojektes werden? Dann ran an den Stift und trage dich mit Namen und Kürzel in die Liste ein!

Geplant ist es, an drei Kinoabenden dem Stuttgarter Publikum auf den Zahn zu fühlen. Die Studierenden sind Versuchsleiter und begleiten das Publikum durch die Abende. Gezeigt werden drei verschiedene Genres Horror, Drama und Komödie. So ist für jeden etwas dabei. Großer Nutzen für die HdM und deren Studierende Welchen Nutzen erhofft man sich für die HdM und deren Studierende? Für die Studierenden beurteilt Mangold die Beteiligung an aktiver Forschung positiv. Die Studierenden sind gleichberechtigt an der Projektarbeit mit Halle beteiligt und die Erfahrungen, die sie während der Versuchsplanung und -durchführung sammeln, kommen auch späteren Projekten der Studierenden zugute. „Da sich die Studierenden so richtig ins Zeug legen, nehme ich an, dass ihnen diese Arbeit auch Freude macht“, berichtet Mangold. Außerdem erweitert die HdM durch dieses Projekt Ihre Kooperationspartner um eine weitere Universität. Der gute Ruf der Universität Halle-Wittenberg und ihrer Abteilung der Medienwissenschaften kommt auch der HdM zugute. Startschuss im Juni 2007

LV „Interdisziplinäres Kooperationsprojekt“ Prof. Dr. Mangold (SS07) In Kooperation mit der Uni zu Halle Wittenberg und der DFG

la von eins bis fünf an, ob die Aussage auf ihn zutrifft oder nicht. Dabei wird selbstverständlich anonym vorgegangen. Bis auf wenige demografische Daten, die erfasst werden, um eine aussagekräftige Statistik zu erhalten, bleibt der Teilnehmer unbekannt.

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Die Durchführung des Experiments startet Anfang Juni 2007 an der HdM. Auf die Ergebnisse sind alle Beteiligten mehr als gespannt. Momentan ist man dabei, die bisherigen Erkenntnisse zu publizieren. „Da es sich um ein Forschungsprojekt mit einer neuartigen Fragestellung handelt, sind wir gegenwärtig sehr intensiv dabei, die erzielten Ergebnisse und Erkenntnisse zu publizieren, um das wissenschaftliche Feld für uns zu reklamieren, be-


vor es von jemandem anderen besetzt wird“, erklärt Mangold. Die ersten Arbeiten konnten bereits in renommierten medienwissenschaftlichen Zeitschriften publiziert werden. So zum Beispiel in der Zeitschrift Communications. „Wenn alles gut geht, wird demnächst ein Beitrag in der Media Psychology erscheinen“, hofft Mangold.

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Projektdaten Projektname: Emotionale Gratifikationen während der Filmrezeption: Worin besteht der Anreiz, emotionale Erlebnisangebote der Medien zu nutzen?

Affen the ater

wann: 12.06.2007 // 18.30 Uhr wo: HdM Wolframstraße was: richtiges Kinofeeling garantiert (Eintritt frei + Popcorn) Du hast dich schon lange nicht mehr kaputt gelacht und willst außerdem Teil eines Forschungsprojektes werden? Dann ran an den Stift und trage dich mit Namen und Kürzel in die Liste ein!

LV „Interdisziplinäres Kooperationsprojekt“ Prof. Dr. Mangold (SS07) In Kooperation mit der Uni zu Halle Wittenberg und der DFG

Zeitraum: Sommersemester 2007 Lehrveranstaltung: Interdisziplinäres Kooperationsprojekt Betreuung: Professor Dr. Roland Mangold

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Neuartige Werbeformen im Kampf um die Aufmerksamkeit Studierende untersuchten Split-Screen-Werbung mit Hilfe von Eye-Tracking

Gerade im Medium Fernsehen wird der Zuschauer mit einer Flut von Werbung bombardiert. Klassische Werbeblöcke werden zu Zapping-Zonen oder werden für den Gang zum Kühlschrank genutzt. Darauf hat die Werbeindustrie ein Argusauge geworfen und sich nach Alternativen umgeschaut: Und so plingt und poppt es mittlerweile auf dem TV-Bildschirm beinahe so fröhlich wie auf einigen Websites. Neben diesen eher harmlosen Einspielern gibt es Werbeeinblendungen, die unübersehbar das laufende Programm überdecken und so demonstrativ ihre Wichtigkeit zeigen. Text: Tim ScheuermEyer

Wie Zuschauer diesen Trend im wahrsten Sinne des Wortes „sehen“, untersuchten vier Studierende des Studiengangs Informationsdesign in einer Eye-Tracking-Studie. Dabei nahmen sie sechs Testpersonen beim Betrachten einer so genannten CutIn-Werbung unter die Lupe. Professor Dr. Roland Mangold betreute das Projekt im Rahmen der Vorlesung HCI Trends und meint: „Das ist eine Werbewirkungsstudie mit großem Mehrwert. Die Studierenden lernen nicht nur den Umgang mit dem Eye-Tracker kennen, sondern setzen sich in empirischer Weise mit Trends in der Werbung auseinander und lernen diese kritisch zu betrachten.“ Funktionsweise Eye-Tracking Bislang war es in der Werbeforschung üblich, Befragungen und Behaltenstests durchzuführen. Mit der Verwendung von Eye-Tracking kommt nun eine

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Komponente hinzu, die eine Untersuchung bestätigen und erweitern kann. Eye-Tracking ermöglicht es, Blickbewegungen aufzuzeichnen. Eine Reihe von festen Blickpunkten (Fixationen) und Blicksprüngen (Sakkaden) zeigt, welche Bereiche von den Testpersonen überhaupt betrachtet werden, wie lange eine Fixation dauert und wie die Blicksprünge verlaufen. Generell gilt: Nur eine längere Fixation ermöglicht eine konkrete Informationsaufnahme. Bei Blicksprüngen kann hingegen nur ein Informationsnebel wahrgenommen werden. Die Studierenden erwarteten daher nur dann eine hohe Behaltensleistung, wenn die relevanten Bereiche von Testpersonen intensiv fixiert wurden. Nicht alle Testpersonen reagieren gleich auf den vorgegebenen Reiz und sind an der Werbung mehr oder minder interessiert. Um diese Differenzen auszugleichen, haben die Studierenden den Testpersonen nach den Tests entsprechende Filter-Fragen gestellt, zum


Beispiel: „Interessieren Sie sich für das beworbene Produkt?“ Damit erhielt das Testteam wichtige Erkenntnisse, die bei der Auswertung objektivere Ergebnisse ermöglichten. Eye-Tracking System Die Tests fanden im Usability-Labor des Studiengangs Informationsdesign statt. Das Labor verfügt über zwei verschiedene Eye-Tracking Systeme. Ein kopfbasiertes System, das als Helm getragen wird, und ein tischbasiertes System, das sich auf den ersten Blick kaum von einem handelsüblichen TFT-Monitor unterscheidet.

In dieser Studie wurde das tischbasierte System verwendet, das laut den Studierenden die besten Voraussetzungen für den Test bot. Beide Systeme arbeiten mit Infrarotstrahlen, die auf der Hornhaut reflektiert und von einer oder mehreren Kameras aufgezeichnet werden. Die Bewegungen von Pupille und Hornhaut zueinander ermöglichen es, die Blickbewegung zu registrieren. Testablauf Vor den eigentlichen Tests wurden den Probanden die Räumlichkeiten und die Technik vorgestellt. SchließCut-In-Werbung überdeckt einen Bildschirmbereich, während das Programm im Hintergrund weiterläuft

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Die Hotspots zeigen die Aufmerksamkeitsverteilung der Testpersonen in den ersten 3,5 Sekunden. Rote Farbe bedeutet dabei starke Aufmerksamkeit. lich sollten sich die Personen so wohl wie möglich fühlen und demnach so authentisch wie möglich verhalten. Sechs Personen wurden zu den Tests eingeladen und haben das Videomaterial betrachtet. Die Studierenden zeigten jeder Testperson einen Ausschnitt aus der Sendung TV-Total. In diesem Ausschnitt taucht eine Cut-In-Werbung für eine neuartige Spielekonsole auf. Der eigentliche Testgrund wurde den Probanden im Voraus bewusst verschwiegen. Die Werbeeinblendung erfolgt im hinteren Drittel des Programms, sodass die Probanden nicht sofort erkennen konnten, dass die Werbung im Fokus steht. Somit konnte es zu keiner bewussten Steuerung und künstlich erhöhten Aufmerksamkeit kommen. Während die Testpersonen entspannt das Programm betrachteten und über den einen oder anderen Gag lachen konnten, zeichnete der EyeTracker permanent die Blickbewegungen auf. Im Anschluss wurden die Testpersonen befragt, ob sie sich an die Werbeeinblendung erinnern konnten.

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Ergebnisse Bei der Auswertung der Blickverlaufsdaten konnten die Studierenden klare Trends erkennen: Alle Testpersonen konnten sich an das beworbene Produkt erinnern. Dieses klare Ergebnis überraschte die Studierenden. Besonders, dass alle Probanden den Produktnamen korrekt wiedergeben konnten, hatte das Testteam nicht erwartet. Es fiel aber auf, dass die Aufmerksamkeit bei vier von sechs Testpersonen nach etwa drei Sekunden die Werbung verließ und zum Programm zurückkehrte. Testpersonen, die in der Befragung angaben, dass sie sich für das beworbene Produkt interessieren, zeigten eine starke Aufmerksamkeit über die Dauer der Werbeeinblendung. Uninteressierte Testpersonen nahmen die Einblendung nur am Anfang bewusst war und konzentrierten sich anschließend wieder mehr auf das Programm.


Cut-In als Erfolgsrezept? Die Studierenden fanden heraus, dass Werbung, die in das laufende Programm eingebunden ist, durch die Orientierungsreaktion des Betrachters automatisch eine hohe Aufmerksamkeit erfährt. Das heißt, dass der Zuschauer seine Aufmerksamkeit dorthin richtet, wo sich etwas bewegt und etwas Neues auftaucht. Dieses Prinzip macht sich die Werbeindustrie zu Nutze und die Ergebnisse scheinen ihr Recht zu geben. Es ist üblich, dass derartige Einblendungen in passiven Programmsituationen gezeigt werden, zum Beispiel wenn der Moderator seine Gäste verabschiedet und diese das Studio verlassen. Im Fall der TV-Total-Sendung wurde eine Totale gewählt, die den Effekt der Distanz zusätzlich unterstützt. Dass die Aufmerksamkeit nach einer gewissen Zeit zum Programm zurückkehrt, zeigt wiederum, dass die Cut-In-Werbung kein Garant für uneingeschränkte und allgemeine Aufmerksamkeit ist.

Das Mehr an Aufmerksamkeit Diese Sonderwerbeform darf trotzdem kritisch betrachten werden. Vor allem wenn man einen Blick in die Zukunft wagt. Innovationen auf dem Werbemarkt sind häufig ein Mehr an Werbung, anstatt einer Umverteilung. Die zehnminütigen Werbeblöcke wird es vermutlich weiter geben, eingebettete Werbung, dazu weiter ausgebaut werden. Damit die Werbetreibenden nicht Gefahr laufen, den Zuschauer zu vergraulen, indem bislang werbefreie Zonen mit Produktempfehlungen zugepflastert werden, darf die Entwicklung nicht zu offensiv werden. Man stelle sich vor, der nächste Dialog im Krimi würde vom aktuellen Männer-

duft präsentiert werden. Schließlich zeigt auch die Entwicklung von Werbebannern im Web, dass exzessive Anwendung zu einer gezielten Unaufmerksamkeit durch den Nutzer führt. Für die Studierenden steht fest: So lange diese Sonderwerbeform gezielt und nicht überbordend eingesetzt wird, behält sie ihren besonderen Charakter, der ihr vielleicht das Mehr an Aufmerksamkeit zukommen lässt.

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Projektdaten Projektname: Eye-Tracking Zeitraum: Sommersemester 2007 Lehrveranstaltung: HCI-Trends Betreuung: Professor Dr. Roland Mangold Projektteam: Nadine Eberspächer, Manuela Mohr, Steffen Scheuermann, Tim Scheuermeyer

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Durchstarten Informationsdesign Newsletter Ob im Sportwagen, im Fitnessstudio oder im Berufsleben: Informationsdesign-Studierende starten durch. Im folgenden Terminal 3 wird beschrieben, wie das Leben eines Informationsdesigners nach dem Bachelor weitergeht. Zuerst gilt es, eine 端berzeugende Bewerbung aufzusetzen. Berufsfeldanalysen zeigen, dass die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ganz gut sind. Wir w端nschen Ihnen einen angenehmen Flug und eine gute Reise.


Wo ist Jeannie? Der Kampf einer Studentin mit der Bachelorarbeit

Ob es eine geheime Quelle der Inspiration gibt? Man sich dadurch die mühsame Recherche und Schreibarbeit für die Bachelorthesis ersparen kann? Eine Informationsdesign-Studentin berichtet über ihr Schwanken zwischen redlichem Bestreben und der Hoffnung auf wundersame Inspiration durch einen hilfreichen Geist aus der Wunderlampe. Text: SINA SALZMANN

Wissenschaftliche Texte aufzusetzen ist mir niemals ganz einfach gefallen. In meinen ersten Semestern war die Bachelorarbeit zum Glück noch weit entfernt. Bis dahin schien es mir noch eine Ewigkeit hin zu sein. Mittlerweile bin ich im sechsten Semester und kann mich nicht länger drücken: Nur noch die Abschlussarbeit steht zwischen mir und meiner – hoffentlich aussichtsreichen – Zukunft. Sorgenvoll frage ich mich, ob ich mit der Recherche und der Schreibarbeit klarkommen werde – oder ich meine Hoffnung von vornherein auf Jeannie setzen sollte, den Flaschengeist, der sich in meinem Laptop wie in einer Wunderlampe einnistet und mir die Arbeit abnimmt. Hätte ich ihn erst einmal gefunden, müsste er mir drei Wünsche erfüllen. Mein erster wäre eine fertige Bachelorarbeit. Zwei Mann-Monate zum Schreiben „Der Studierende muss mit der Bachelorarbeit nachweisen, dass er in der Lage ist, ein Problem aus seinem Studiengang selbständig auf wissenschaftlicher Grundlage zu bearbeiten.“ So steht es in der Prüfungsordnung. Über den Umfang heißt es: „Der effektive Arbeitsumfang einer Bachelorarbeit einschließlich schriftlicher Ausarbeitung entspricht in der Regel einem zeitlichen Aufwand von zwei Mann-Monaten.“ Ich habe nur noch eine Frage: Was bedeuten zwei MannMonate und wann beginnen sie? Schon nach dem ersten Lesen der Prüfungsordnung wird mir klar, dass zwei Monate – wenn man die Nächte dazurechnet – sehr lang ausfallen können. Oder auch sehr kurz, wenn ich die Studierenden betrachte, die die Ordnung zwei Wochen vor der Abgabe lesen werden und zurzeit noch mit ihren Ferienjobs beschäftigt sind. Wagemutig nehme ich das Abenteuer Bachelorarbeit auf.

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Ich sitze also vor meinem Laptop und blicke auf meinen Bildschirm. Der Countdown läuft, die beiden Monate verstreichen von Sekunde zu Sekunde. Der Bildschirm ist leer – und wird sich von alleine auch nicht füllen. Schreibtipps von Freunden Meine Freunde wissen von meinen Schreibnöten, weshalb sie mich mit Kreativ-Tipps eindecken. Zum Beispiel: „Zuerst lesen und denken, dann schreiben“ oder „Ein gut strukturierter Zeitplan ist die halbe Miete und erspart eine Menge Stress“. Später kommen noch Ratschläge fürs Selbstbewusstsein hinzu. Ich muss gestehen, dass mir diese Tipps nicht wirklich weiterhelfen. Immerhin lerne ich Tag für Tag die Vorzüge meines Computers kennen und lieben. Nachdem ich 2647 elektronische Blätter im Geiste zerknüllt habe, verfasse ich mein 2648. Blatt - mit eigentlich ganz passablen Ansätzen. Der Anfang wäre also schon gemacht. Auch ohne Jeannie. Ratschläge eines Ehemaligen Für die nächsten Absätze gibt es ja auch noch den betreuenden Professor, der mir „gerne weiterhilft“. So steht es zumindest in einer E-Mail, die ich zu Beginn des Semesters von ihm erhalten habe. Also gehe ich in die Sprechstunde. Wirklich durchschlagende Tipps, wie ich meine Bachelorarbeit stressfrei durchziehen kann, hat der Professor allerdings nicht auf Lager. Er meint, dass mir die Alumni der Hochschule bestimmt weiterhelfen können. Mit einer neuen E-Mail-Adresse verlasse ich sein Büro. Der Alumnus, der sich hinter der E-Mail Adresse verbirgt, gibt mir den Tipp, dass ich mich einfach nur gut über mein Thema informieren soll. Gut zu wissen. Mit dieser neuen Info versuche ich mich weiter an meinem Gesellenstück. Habe aber den Eindruck, dass sich Strukturierung und Schreibarbeit durch gute Kenntnis des Themas allein nicht bewerkstelligen lassen.

Kaffee, Bücher, Papier, Jeannie: Es kann losgehen!

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Meine nächste Ansprechpartnerin ist meine große Schwester. Ihr Kommentar zu meiner Bachelorarbeit: „Hauptsache, du hast ein cooles Thema“. Das Thema habe ich schon längst angemeldet, so dass mir dieser Ratschlag nicht unbedingt weiterhilft, die aktuelle Schreibblockade zu überwinden. Kluge Ratgeber aus der Bibliothek Meine letzte Hoffnung ist die gute alte Bibliothek. In einer ganzen Flut von Büchern begegnen mir Tipps darüber, wie die Bachelorarbeit „kinderleicht“ zu schreiben sei. Der Autor solle einfach „die Problemstellung eingrenzen und präzise formulieren“ und „ein Gerüst um das Thema herum bauen“. Ich nehme mir die Ratschläge der Bücher zu Herzen. Dass es dabei „kinderleicht“ vorangeht, würde ich aber nicht behaupten. Schon bald steht mir wieder der Schweiß auf der Stirn. Offenbar gibt es keinen Weg, um bar jeder Mühe, in kürzester Zeit, ohne Kopfzerbrechen und Selbstzweifel an ein ansehnliches Ergebnis zu kommen. Ich sehe ein, dass ich die Bachelorarbeit in mühsamer Kleinarbeit schreiben muss. Und zwar in zwei Monaten, inklusive den Nächten.

Ohne die gute alte Recherche kommt man eben nicht weit

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Die Bachelorarbeit ist auch für Informationsdesigner erstmal Arbeit mit Bleistift und Papier.

Doch siehe da: Nachdem ich zum 2648. Mal den ersten Absatz formuliert habe, wird aus dem Ganzen doch noch eine passable Bachelorarbeit. Der Ernst des Lebens – ohne Geist aus der Wunderlampe Ist es ein Trost zu wissen, dass ich nun endlich auch den Ernst des Lebens kennen gelernt habe, dass ich jeden Tag von 8 bis 18 Uhr arbeiten darf und ganze 27 Tage Urlaub im Jahr habe – und zwar ohne Jeannie? Übrigens: Am Tag meiner Abgabe konnte ich beobachten, dass sich ein anderer Student beim gleichen Professor über seine Bachelorarbeit informiert hat und mit einem Zettel in der Hand aus dem Büro kam. Mein einziger Gedanke: Hoffentlich steht auf diesem Zettel nicht meine E-Mail-Adresse.

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Die perfekte Bewerbung

Endlich ist es geschafft. Mit dem Bachelor in der Tasche können Hochschulabsolventen beruflich durchstarten. Eine gut durchdachte Bewerbung hilft gegenüber Mitbewerbern zu punkten. Text: JASMINKA KROBOT

Stell dir ein schlüpfendes Küken vor. Nachdem es die Eierschale zerbrochen hat, schaut es sich zunächst noch etwas orientierungslos die nähere Umgebung an. Das erste lebende Objekt wird dabei vorrangig wahrgenommen und sofort vom Gehirn fixiert und bewertet. So in etwa muss die erste Begegnung eines Personalchefs mit deiner Bewerbung ablaufen. Deine Bewerbung ist dabei die zerbrechliche Eierschale. Das lebende Objekt stellt die gekonnte Gliederung, das schöne Design, die übersichtliche Struktur und das Foto innerhalb der Bewerbung dar. Der erste Eindruck Unterschätze nie die Aussagekraft des Layouts und des Bewerbungsfotos. Denn so entsteht der berühmte erste Eindruck. Durchgeführte Onlinestudien zeigen, dass sich pro Stellenausschreibung zwischen 200 und 250 Arbeitssuchende bewerben,

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sodass den Personalchefs nur zirka zwei Minuten für die Sichtung der Unterlagen bleiben. Daher sollte deine Bewerbung aussagekräftig sein und sich von den Mitbewerbern positiv abheben. Mit dem Ziel, dass sich der Personalchef mehr Zeit für deine Bewerbung nimmt. Das Foto ... ... sollte nicht älter als zwei Jahre sein und nicht den Eindruck eines Urlaubsfotos hinterlassen. Ein kleines Lächeln könnte durchaus vom Vorteil sein, denn niemand stellt gerne eine griesgrämige und alle verschreckende Person ein. Bleib aber du selbst und fange mit Charme und Witz dein Gegenüber ein! Schließlich bist du ein Infodesigner und das kannst du hierbei beweisen. Statt der typischen „Kopf- und Kragen“-Fotos und konventionellen Layouts kann es auch mal etwas Neues sein. Außergewöhnliche Anschnitte, Dokumentgrößen und -farbigkeiten fallen auf.


Absolut ungeeignet: Urlaubsfotos in der Bewerbungsmappe

Der Lebenslauf... ... wird meist vor dem Anschreiben gelesen, denn hier befinden sich alle für den Personalchef relevanten und wichtigen Fakten über dich. Eine klare Struktur und ein ansprechendes Layout sind dabei besonders wichtig. Damit der Lebenslauf gut und schnell erfasst wird, bietet es sich an, diesen tabellarisch zu erstellen. Folgende Rubriken dürfen nicht fehlen: 1. Persönliche Daten (Name und Anschrift)

2. Berufliche Tätigkeit (Nennung der bisher wichtigsten Tätigkeiten mit kurzer Darstellung der Aufgaben) 3. Schulische Ausbildung (Nennung aller Ausbildungsstätten inklusive der Abschlussnote) 4. Kenntnisse (Computerkenntnisse, Fremdsprachen, Zusatzqualifikationen mit Einteilung des Kenntnisgrades von Basiswissen bis zur perfekten Beherrschung) 5. Unterschrift inklusive aktuellem Datum

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Dein fertiger Lebenslauf sollte keine zeitlichen Lücken zwischen deinen Tätigkeiten und Ausbildungen aufweisen. Das wirft nur unnötige Fragen seitens der Personalchefs auf. Benenne daher alle Stationen konkret durch Monats- und Jahresangaben.

Das Anschreiben – hier entscheiden wenige Augenblicke über deine Zukunft Wie du bereits weißt, haben Personalchefs meist nicht viel Zeit, um über deine berufliche Zukunft zu bestimmen. Umso entscheidender ist es, sofort einen guten Eindruck zu hinterlassen. Dafür solltest du dich im Vorfeld gut über das Unternehmen informieren, welches du anschreiben willst. Mit den gewonnenen Fakten kannst du dann im Anschreiben zeigen, dass du dich gründlich mit der Firma befasst hast. So kannst du zum Beispiel einen konkreten Ansprechpartner nennen, den du in der Anrede persönlich ansprichst. Nutze das Anschreiben, um dich individuell vorzustellen und den Umfang deines Könnens präzise darzustellen. Zeige dem Personalchef, was dich von Mitbewerbern mit ähnlicher Qualifikation unterscheidet und worin deine persönlichen Stärken liegen. Benutze keine vorgefertigten Musterformulierungen. Als Informationsdesigner weißt du: Nur wer auffällt, gewinnt! Formuliere deine Texte in kurzer und prägnanter Form. Mache keine unkonkreten Angaben, sondern stelle deine genauen Stärken dar. Insgesamt sollte dein Anschreiben folgende Fragen beantworten: • Was sind deine Qualifikationen und Stärken? • Warum soll das Unternehmen deiner Wahl gerade dich einstellen?

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• Warum willst du in diesem Unternehmen arbeiten? Wenn alle Punkte zu deiner Zufriedenheit beantwortet sind, steht dem Versand der Bewerbungsunterlagen eigentlich nichts mehr im Wege. Wäre da nicht noch ein letzter entscheidender Punkt: die eigenen Arbeiten! Viele Informationsdesign-Studiernde kennen dies aus den Bewerbungen für das Praxissemester. Im Laufe deiner Studienzeit hast du sicherlich viele (Gruppen-)Projekte realisiert. Diese kannst du mit in deine Bewerbung aufnehmen. Wähle aussagekräftige Arbeiten aus, die auch zu dem Unternehmen passen. Bewirbst du dich beispielsweise im Bereich Webdesign, dann zeig in deinen Arbeiten Beispiele, in denen du dich mit diesem Thema befasst hast. Ein gutes Design und ein wohlüberlegtes Layout sind dabei unumgehbar. Bewerbungen, die ein durchgängiges Corporate Design aufweisen, wirken professionell und kommen in der Berufswelt gut an. Online-Bewerbungen bevorzugt Durch die Papierflut an Bewerbungen ziehen es die Unternehmen mittlerweile vor, Stellenausschreibungen online zu bearbeiten und auch zu beantworten. Ein Vorteil ist, dass keine teuren Bewerbungsmappen verschickt werden müssen und alle Unterlagen blitzschnell auf dem Schreibtisch landen. Zum Ärger der Unternehmen, die dadurch Bewerbungen inklusive Formfehlern erhalten. Damit dir das nicht passiert, solltest du dich vorab informieren, ob das Unternehmen deiner Wahl Online-Bewerbungen überhaupt akzeptiert oder du Online-Vordrucke als Bewerbung verwenden sollst. Erst dann kann der Schritt der Online-Bewerbung erfolgen. Hierbei solltest du die folgende Checkliste beachten:


• Eindeutigen Betreff formulieren („Bewerbung“ inklusive Benennung der Position, auf die du dich bewirbst)

• Konventionen und Höflichkeitsformen berücksichtigen (Groß- und Kleinschreibung, Anrede, Grußformel)

• Seriöse E-Mail-Adresse wählen (nicht „marsmännchen@freizeit. de“, sondern Vorname. Nachname@Provider.de)

• Eigene Anschrift, E-Mail-Adresse und Telefonnummer angeben

• Eindeutig benannte Datenanhänge, nicht größer als 1-2 MB • Nur einfach zu bedienende Dateien anhängen (bevorzugt PDF-Dateien) • Anschreiben und Anhänge auf Tippfehler überprüfen

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• Immer gut formulierte Anschreiben versenden, auch wenn du eine eigene Homepage hast Wenn du diese Hinweise beherzigst, bist du gut gewappnet, um erfolgreich ins Berufsleben zu starten. In der Infobox findest du einige Internet-Homepages und Bücher zum Thema.

Links und Bücher zum Thema Bewerbung Online-Jobbörsen • www.arbeitsagentur.de • www.jobware.de • www.jobpilot.de • www.karriereguide.de • www.worldwidejobs.de • www.stellenboersen.de • www.monster.de • www.stepstone.de Online-Praktikumsbörsen für Medienberufe • www.horizont.com • www.dasauge.com • www.mtv.de/schichtwechsel Bewerbungsratgeber • Das große Hesse/Schrader Bewerbungshandbuch (mit CD-ROM) von Jürgen Hesse, Hans Christian Schrader (Eichborn, 2007)

• Das perfekte Vorstellungsgespräch. Professionell vorbereiten und überzeugen von Jürgen Hesse (Eichborn, 2006) • Duden. Erfolgreich bewerben – kurz gefasst. Der kompakte Ratgeber für die überzeugende Bewerbung von Judith Engst (Bibliographisches Institut, Mannheim; Auflage: 2. A., 2006) • Praxismappe für die kreative Bewerbung. Wie Sie auffallen und überzeugen von Svenja Hofert (Eichborn, 2002) • www.stellenreport.de • www.job-pages.de • www.bewerbungen.de • www.berufsstart.de • www.bewerbungsbeispiele.com

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Studium – und was jetzt? Berufschancen von Informationsdesignern

Im letzten Jahr konnte Deutschland ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 2,9% verzeichnen und stand somit an der Spitze der G8-Staaten. Studierende des Informationsdesigns haben zwei Unternehmen befragt, Statistiken der Bundesagentur für Arbeit unter die Lupe genommen, sich bei ehemaligen Studierenden umgehört und einige Selbsteinschätzungen von Studierenden des vierten Semesters zur derzeitigen Arbeitsmarktsituation von Informationsdesigner eingefangen. Text: SINA SALZMANN

Wie sehen meine Berufschancen aus? Diese brennende Frage hat uns Studierende des Informationsdesigns im Sommersemester 2007 bewogen, ganz verschiedene Stimmen zum Thema einzufangen. Unternehmen empfehlen eine Spezialisierung Eine Umfrage bei den beiden Unternehmen Spirit Link GmbH und DesignHoch3 ergab, dass der Begriff „Informationsdesign“ erst seit wenigen Jahren in der Berufswelt präsent ist. Beide Unternehmen haben sich im Jahr 2003 zum ersten Mal mit Infodesign auseinandergesetzt. Die meisten Firmen stehen einem Informationsdesign-Bewerber eher ratlos gegenüber. DesignHoch3 konnte dennoch Informationsdesign auf die drei Worte „form follows function“ reduzieren und auch Spirit Link GmbH konnte uns eine treffende Definition unseres Berufes nennen: „Informationsdesign

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ist die Kunst, Informationen so zu gestalten, dass sie leicht von Menschen aufgenommen und verarbeitet werden können“. Bei der Frage, wie weit der Begriff Informationsdesign verbreitet ist, sind sich beide Unternehmen einig: „Fast niemand weiß wirklich, was man sich darunter vorstellen kann und dementsprechend groß ist auch die Unsicherheit gegenüber diesem neuen Berufsfeld. Wer neue Wege findet und seine Ideen nutzt, hat große Chancen in der Berufwelt weit zu kommen“, so Gordon Koelmel von DesignHoch3. Wulf Bezold von Spirit Link GmbH rät den Studierenden dazu, sich auf ein Themengebiet zu spezialisieren, da der Handlungsspielraum von Infodesignern sehr groß sei. Und auch die Entscheidung zwischen Festanstellung und Existenzgründung, so sind sich die beiden Unternehmen einig, könne man nicht pauschalisieren, da man immer auf viele Faktoren achten müsse und den richtigen Zeitpunkt für seine Entscheidungen abwarten solle.


Berufsbild noch weitgehend ­ nbekannt u

Wenig Arbeitslose unter Akademikern

Mit der Unkenntnis über das Berufsbild des Informationsdesigners steht die Mehrheit der Unternehmen nicht alleine da. Auch Gespräche mit Privatpersonen im Umfeld der Studierenden ergaben interessante Vorstellungen von unserem Studiengang. Nachfolgend die qualifiziertesten Beispiele: „Ach, Werbung also, oder?“, „Das ist irgendwas mit Computern, oder?“, „Ist das so was wie Modedesign?“, „Ist das das Gleiche wie Kommunikationsdesign?“ oder „Ist das Mediendesign?“

Wir nehmen diese Reaktionen zur Kenntnis und setzen unsere Recherche fort. Die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass die Berufschancen für Akademiker sehr gut stehen. Liegt die Arbeitslosenquote in ganz Deutschland noch bei 10%, so kann sie unter Akademikern auf gerade einmal 3,8% notiert werden. Bei gestalterischen und IT-Berufen, wo Informationsdesign anzusiedeln ist, beträgt die Arbeitslosenquote nur 2,5%. Außerdem ist der Werbe- und Dienstleistungssektor im April 2007 von der Bundesagentur für Arbeit zum „Top-Ten-Sieger“ gekürt worden.

Wie wird unser späterer Arbeitsplatz denn überhaupt aussehen?

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Auch Tests bei Online-Jobbörsen ergeben aufschlussreiche Ergebnisse. Die Jobbörse „stepstone.com“ führt 157 freie Stellen auf, die für Informationsdesigner geeignet wären. Darunter befinden sich Berufe wie Technischer Redakteur, PR-Berater, Mediengestalter, PHP-Entwickler, Usability Berater usw. Bei monster.de ergibt unsere Suche sogar über 1 000 Treffer. Nach Praxiserfahrungen ehemaliger Studierenden kann man mit einem Einstiegsgehalt von ca. 40 000 Euro pro Jahr rechnen.

Zuversicht unter Hochschulabgängern bundesweit Bleibt nun die Frage, wie Studierende allgemein ihre Lage einschätzen. Einfach ist die Ausgangssituation ja nicht: Studentinnen und Studenten werden immer wieder daran erinnert, wie viel die Gesellschaft in ihre Ausbildung investiert und was man zukünftig von ihnen erwartet. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen der Studierenden an sich selbst und an ihren Job. Aber die Stimmung bezüglich der Berufswelt ist sehr zuversichtlich. Wie Umfragen vom Jobportal karriere­ fuehrer.de zeigen, fürchten sich nur 20% der Studierenden vor einer längeren Arbeitssuche, wohingegen 90% aller Hochschulabsoventen, die bereits eine Anstellung haben, versichern, diese problemlos gefunden zu haben. Und gerade einmal 5% geben an, mit ihrem derzeitigen Beruf nicht zufrieden zu sein. Allgemein kann man also sagen, dass Hochschulabsolventen nach wie vor wesentlich bessere Berufschancen haben als junge Erwachsene mit einem niedrigeren Bildungsabschluss.

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Auch Informationsdesigner an der HdM selbstbewusst Um die momentane Stimmung unter den Informationsdesignstudiernde einzufangen, starten wir eine eigene Umfrage im vierten Semester. Interessanterweise bestätigen unsere Ergebnisse die Prognosen der Bundesagentur für Arbeit: Alle Studierende an der HdM sehen ihrer beruflichen Zukunft mit Zuversicht entgegen. Die Gefahr der Arbeitslosigkeit wird von ihnen als sehr gering eingeschätzt. Die unterschiedlichen Berufsziele der Studierende – von Webdesign und Programmierung, Multimedia-Prduktion und Usability über die technische Redaktion bis hin zu Werbung und ELearning – spiegeln die Vielseitigkeit des Studiums wider. Beim Thema „Finanzen“ sind sich die Befragten größtenteils einig: Zwar schätzen sie ihre anfänglichen Verdienstmöglichkeiten nicht allzu hoch ein, sehen jedoch in der Regel nach oben hin keine Grenzen und trauen sich und ihren Kommilitonen durchaus höhere Gehälter zu. Aufstiegschancen werden unterschiedlich beurteilt. Die Einschätzungen reichen von „Wir müssen eben flexibel sein, um etwas zu erreichen“ über „Das hängt immer von der Branche und dem Aufgabenbereich ab, ob man erfolgreich sein kann“ bis hin zu „Wir sind Allround-Talente und können daher mit unserer Qualifikation sehr viel erreichen“. Einig sind sich die Studierenden wiederum bei der Frage, inwieweit der Begriff „Informationsdesign“ tatsächlich verbreitet ist. Ausnahmslos wurden die Antworten „gar nicht“ bzw. „nicht weit“ gegeben und Kommentare wie „KEIN Mensch kennt IDB“ oder „Es gibt ja nicht einmal Stellenanzeigen für Informationsdesigner“ rechtfertigen diese Ansichten. Allerdings geben Antworten wie „Es wird immer besser, da immer mehr Menschen die


HdM kennen…“, „Ich hab’s in meinem Bekanntenkreis eben bekannt gemacht“ oder „Man muss den Studiengang bei der Bewerbung eben sehr gut vorstellen“ den Studierenden auch Grund zur Hoffnung. Insgesamt gute Arbeitsmarkt­ prognosen

Ihr macht im Studium irgendwas mit Computern, oder?

Die Einschätzung von Personalchefs und Informationsdesignern im Hinblick auf die Berufschancen von Infodesignern ist also recht positiv. Denn auch wenn Informationsdesign noch relativ unbekannt ist, räumt die Unternehmenswelt dieser Branche gute Chancen ein. Personalchefs betonen immer wieder, dass man als Informationsdesigner seine Vielfältigkeit betonen soll. Speziell die Arbeitslosigkeit wird als gering eingeschätzt – vorausgesetzt, man folgt nicht dem Mainstream und kann sich von den Konkurrenten abgrenzen. Vielen Unternehmen ist noch nicht bewusst, was Infodesigner wirklich können und warum man sie braucht. Vor allem Soft Skills wie Teamfähigkeit, Flexibilität und Kommunikationsfähigkeit können Informationsdesigner während ihres ganzen Studiums unter Beweis stellen und sollten dies auch später betonen. Man kann also sagen, die größte Aufgabe bestehe darin, Unternehmen davon zu überzeugen, dass sie Informationsdesigner brauchen. Für die Zusammenarbeit bei den Umfragen möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bei Gordon Koelmel von DesignHoch3, Wulf Bezold von Spirit Link GmbH und meinen Kommilitonen Angy, Doris, Kat, Manu, Sarah, Silke und Steffen bedanken.

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Autoren dieser Ausgabe Jonathan Bauer Informationsdesign ist für mich ... ... einer der mächtigsten Werkzeuge in der heutigen Gesellschaft. Denn kaum eine andere Disziplin kann das Denken und Verstehen der Menschen so nachhaltig beeinflussen wie dieses.

Christoph Bühnert Informationsdesign ist für mich... ... bei all dem visuellen Müll, der mir jeden Tag begegnet, notwendiger den je.

Veronika Hubl Informationsdesign ist für mich... ... ein Inhalt in ein didaktisches Konzept verpackt, auf eine Zielgruppe angepasst und mit einem passenden Design versehen.

Jasminka Krobot Informationsdesign ist für mich... ... wie eine Achterbahnfahrt in einem Freizeitpark. Neben der großen Auswahl geht es mal rauf und mal runter und am Schluss ist man doch froh, es gemacht zu haben!

Claudia Lange Informationsdesign ist für mich... ... kreative Teamarbeit.

Carina Rothenhäusler Informationsdesign ist für mich... ... wie Detektivarbeit. Es ist nur gut, wenn man es nicht bemerkt.

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Sina Salzmann Informationsdesign ist für mich... ... undefinierbar, selbst nach vier Semestern.

Tim Scheuermeyer Informationsdesign ist für mich... ... ein kontextbezogener Gestaltungsansatz mit semantischer Wirkungsanalyse, der nach iterativer Optimierung ein gesamtheitliches Konzept verfolgt.

Lena Schmid Informationsdesign ist für mich... ... wie eine Liebe: leidenschaftlich, aufregend, zeitintensiv, allgegenwärtig und zukunftsträchtig.

Andreas Scholz Informationsdesign ist für mich... ... ein Studiengang, der meine Fähigkeiten besser repräsentiert und dokumentiert als mein Urwald-im-Gesicht-Foto, das nach einem spontanen Foto-Shooting hier im Impressum gelandet ist.

Corinna Schulenberg Informationsdesign ist für mich... ... supergeil.

Kristin Tecles Informationsdesign ist für mich... ... Spiel, Spass, Spannung und manchmal auch Schokolade.

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