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3. Kleidung & Hose Eine Hausarbeit von Olaf Jantzon

AMD – Akademie für Mode und Design Mode- & Designmanagement Prof. Dr. Petra Leutner Modetheorie, DM 4, 5. Semester

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Aufgabenstellung: Fassen Sie die Unterrichtsinhalte des 5. Semesters im Fach „Modetheorie“ zusammen. Stellen Sie die einzelnen Kapitel über Kleidung und über das Kleidungsstück „Hose“ dar und ergänzen Sie das letzte Kapitel durch eigene Beispiele und Überlegungen.

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Inhaltsverzeichnis: Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Zusammenfassung der Unterrichtsinhalte 1. Flügel, J.C.: Psychologie der Kleidung, Seite 208-263. . . . . . . . . . . . . . . . 5 2. Simmel, Georg: Die Mode, Seite 179-207. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Hauptteil: 1. „Von Hosenkämpfen und toten Hosen“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .7 2. „Die Mannweiber“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .7 3. „Verlust der Signifikanz“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .8 4. „Die zweite Haut“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 5. „Die Verpackung des männlichen Gliedes“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .9 6. Eine neue Grenze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 7. Eine Hose, zwei Beine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 8. „Mann bekennt Farbe“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10 9. Kleidung = Persönlichkeit? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 10. Und warum? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .11 11. Sex sells! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .11 12. 1966/67 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .12 13. Ein Hosenregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .13 Schluss Hosenregister 2.0 – heutige Warenhäute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .15 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .17

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Einleitung Georg Simmel und J.C. Flügel sind die bedeutendsten Modetheoretiker des 20. Jahrhunderts. Wie fortschrittlich ihre Denkansätze bezüglich der Psychologie der Kleidung und der Bedeutung der Mode gewesen sind, soll in dieser Hausarbeit eine knappe Zusammenfassung beider Texte zum Ausdruck bringen. „Die Hose, [...]“ startet Gundula Wolter in ihrem analytischen Kulturbericht recht plakativ und legt damit sofort fest: Dies ist ein Buch, das sich, wie auch der Titel „Die Verpackung des männlichen

Geschlechts“

betreffend

betitelt,

damit

auseinandersetzt,

welche

Lebensgeschichte das männliche Beinkleid begleitet. Um den Inhalt des Werkes von Gundula Wolter vorzustellen, sollen im Folgenden die Einleitung, sowie die Kapitel „Die Zweite Haut“ und „Mann bekennt Farbe“ stellvertretend knapp zusammengefasst werden. Im Anschluss sollen die von Gundula Wolter angeführten Beispiele an Hosenformen durch eigene Überlegungen ergänzt werden. Die Chino, die Latzhose und der Rock sind modische Erscheinungen, die das heutige Bild der Männermode zeichnen und die in diesem Kontext beschrieben werden.

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Zusammenfassung der Unterrichtsinhalte Flügel, J.C.: Psychologie der Kleidung, Seite 208-263 J.C. Flügel untersucht in seiner Arbeit mit dem Titel „Psychologie der Kleidung“ die drei grundsätzlichen Motive von Bekleidung: Schmuck, Scham und Schutz. Im Vorfeld seiner Überlegungen verdeutlicht der Autor die Wichtigkeit der Bedeutung von Bekleidung für unsere Gesellschaft. Kleidung ist in diesem Zusammenhang als „Maske“ zu verstehen, die große Teile der eigenen Persönlichkeit ausmacht. Zu Beginn legt J.C. Flügel fest, dass unter den drei Hauptmotiven für die Einführung von Kleidung keine Vorrangigkeiten bestehen und dass diese ausnahmslos alle „zivilisierten Gesellschaften“ betreffen. Dem Motiv des Schmückens ordnet der Autor eine sexuelle Komponente zu, da phallische Symbole in der Bekleidung fetischistische und exhibitionistische Neigungen nach außen kehren. Trophäen, Kriegsbemalungen, Orden und Rangabzeichen, Trachten und Schmuck kennzeichnen den menschlichen Körper aus unterschiedlichen Gründen. Als Motive sind das Einschüchtern der Feinde, die Differenzierung in einer Hierarchie und das Präsentieren von Reichtum zu nennen. Um das Motiv der Scham zu verdeutlichen, führt J.C. Flügel ein Schaubild an, dass die Kontroversität des menschlichen Schamgefühls passend verdeutlicht. Hierbei stehen sich soziale und sexuelle, körperliche und bekleidende Askpekte ebenso gegenüber wie das Ich den Anderen und die Begierde dem Ekel. Der das Schaubild durchlaufende Hemmungsimpuls richtet sich zuerst an sozialen und sexuellen Formen der Zurschaustellung aus. Das Empfinden über den eigenen Körper (Nacktheit) und dessen Bekleidung beeinflusst den Hemmungsimpuls in der 2. Ebene. Auf der 3. Ebene sieht sich das Individuum der Gesellschaft gegenübergestellt. Dieser Abschnitt wird stark durch gesellschaftliche Normen und Konventionen beeinflusst. Die Gegenüberstellung von Begierde und Ekel (4. Ebene) verdeutlicht den Widerspruch von Verlangen und Ekel vor dem eigenen Körper. Die letzte Schaubildebene zeigt eine Kategorisierung der Scham nach den verschiedenen Körperteilen auf. Das Schutzmotiv der Kleidung gliedert J.C. Flügel in psychische und physische Faktoren. Physische Gefahren sind Kälte, menschliche und tierische Feinde und Unfälle. Als psychische Gefahren nennt der Autor Magie und Geister, „den bösen Blick“ und moralische Gefahren wie beispielsweise Farbe, Stärke, Steifheit, Enge und Reichlichkeit des Obermaterials der Bekleidung. Die ausführlichen, detaillierten und logisch nachvollziehbaren Erläuterungen J. C. Flügels haben heute noch Gültigkeit. Die heutige Mode nutzt die genannten Schmuck-, Scham- und Schutzmotive für optische Gestaltungsmöglichkeiten.

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Simmel, Georg: Die Mode, Seite 179-207 Im Gegensatz zu J.C. Flügel behandelt die Arbeit „Die Mode“ von Georg Simmel nicht die psychologischen Deutungsansätzen von Bekleidung, sondern die Begrifflichkeit der Mode. Simmel sieht die Mode als ein Phänomen der Klassengesellschaft. Die auf Dualismen aufbauende

Denkweise

(Gruppenzugehörigkeit)

des

Autors

und

zugleich

verdeutlicht: auf

Mode beruht auf Nachahmung

Differenzierung

(Individualität).

Durch

Nachahmung fühlt sich das Individuum entlastet. Der Einzelne fühlt sich durch an Konventionen und Moralvorstellungen angepasste Kleidung der Gesellschaft einer Tradition oder einer Gruppe zugehörig. Auf der anderen Seite besteht ein großes Verlangen nach Individualität. Ein Ungleichgewicht der beiden Pole Nachahmung und Differenzierung hätte zur Folge, dass die Bedeutung der Mode irrelevant wäre. Mode wäre dann nur Bekleidung. Simmel sieht die Mode als Erzeugnis formaler und sozialer Umstände, denen keine Zweckmäßigkeit zu Grunde liegt. Mode ist ein Resultat der Klassengesellschaft und kennzeichnet Hierarchien. Somit macht die Mode die Zugehörigkeit zu einem Stand in der Gesellschaft erkennbar. Unter der Begrifflichkeit der Uniformierung versteht Simmel die Verbreitung eines Modestils. Die neue Mode lässt den Träger zuerst uniformiert erscheinen. Durch längeres Tragen beginnt ein Homogenisierungsprozess. Die Kleidung bekommt ihre eigene individuelle Note. Modestile werden maßgeblich von der oberen Klasse der Gesellschaft bestimmt. Von dort aus finden Sie ihren Weg in die breite Masse. Aber auch die Jugend oder andere gesellschaftliche Randgruppen haben ein gewisses Maß an Einfluss auf die Mode. Simmel schließt aus, dass eine Mode alle Gesellschaftsbereiche erreichen kann. Zum Abschluss thematisiert Georg Simmel die Bedeutung von Frauen und Modenarren für die Mode. Aufgrund Ihrer gesellschaftlich niedrigeren Stellung blieb die Mode lange Zeit ein Ausdrucksventil der weiblichen Bevölkerung. Der Begriff des Modenarren beschreibt einen Charakter mit schwacher Persönlichkeit, dessen Ziel darin besteht, jeder Mode zu folgen und diese zu übertreiben. Wie sieht Georg Simmel die Entwicklung der Mode? Die Beschleunigung der Modewechsel bedeutet ein stärkeres Verlangen nach Billigprodukten. Die Kaufkraft der Masse wächst mit dem Angebot und kennzeichnet so auch den Wohlstand der Gesellschaft. Die schnelle Vergänglichkeit bewertet Simmel positiv. Der schnelle Modewechsel macht somit auch den Reiz der Mode aus.

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„Von Hosenkämpfen und toten Hosen“ Die Hose als Teil eines Ganzen („pars pro toto“1). So beschreibt die Autorin die Bedeutung des Beinkleides im späten Mittelalter und in der frühen Renaissance. Dabei stützt sie Ihre These auf Kupferschnitte, Buchillustrationen und andere Bildquellen. Das populäre Bild der Hose weist in diesen oftmals einen hohen symbolischen Charakter auf. Über die Nutzung solcher Metaphern wurden Aussagen über die Relationen zwischen den Geschlechtern getroffen. Beispielsweise wurden männliche Schwäche oder Impotenz durch die Darstellung einer ausgezogenen Hose abgebildet. Den Triumpf der weiblichen Dominanz verdeutlichte in einem Holzschnitt eine Hose als Siegestrophäe im Besitz eines aufgebrachten Weibes. Aus der Häufigkeit, mit der diese Darstellungsform in Bildquellen auftaucht, lässt sich schließen, dass der Besitzwechsel des männlichen Beinkleides in weibliche Hände ein allgemeingültiges Zeichen für die Überlegenheit schöner und sinnlicher Frauen war. In diesem Zusammenhang nennt Gundula Wolter auch den Begriff der „Weibermacht“2. Unter dieser Begrifflichkeit ist ein jahrzehntelanger Kampf um die Vorherrschaft zwischen den Geschlechtern zu verstehen. Hauptsubjekt in diesen Kämpfen stellte die Gleichberechtigung von Mann und Frau dar. „Die Mannweiber“3 Doch nicht nur ein Besitzwechsel der Kleidung fand statt. Frauen, die in die Errungenschaft einer Hose gerieten, begannen später diese auch selbst zu tragen. Intention für diesen Akt war die Entblößung des männlichen Geschlechts und bedeutete einen Angriff auf die männliche Würde. Spott in der Gesellschaft blieb als Antwort auf dieses provokative Verhalten nicht aus. Eine Degradierung dieser Frauen zu sogenannten Mannweibern fand statt. Diese Form der Provokation und Entblößung sprengte die konservative Denkweise der mittelständigen Gesellschaft und fand in der Männerwelt des Viktorianischen Zeitalters keine Akzeptanz. Sie wurde laut Laver, 1970 als „empörende Attacke auf [...] geheiligte Rechte, und [als] Punch“4 verstanden und hatte zur Folge, dass behoste Frauen in zahlreichen Karikaturen als Siegerinnen der sexuellen Revolution verhöhnt wurden. Auch als politisches Symbol in der Bildersprache

der

zeitgenössischen

Karikatur

wurde

die

Hose

genutzt,

um

Vorherrschaftsstellungen klar zu deuten. Die Autorin beschreibt in diesem Zusammenhang die Darstellung von Männern in zugeflickten, schäbigen Hosen zur Untermauerung des Verlustes der männlichen Vormachtstellung. Der Mann machte sich durch die                                                                                                               1

Wolter, Gundula: „Die Verpackung des männlichen Geschlechts“, Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 2001, S. 7 Ebd., S. 7, nach Andersson, Christiane, Dirnen – Krieger – Narren. Ausgewählte Zeichnungen von Urs Graf, Basel 1978 3 Wolter (2001), S. 8 4 Ebd., S. 8, nach Laver, James, Die Mode, Wien 1970 2

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Vernachlässigung häuslicher Verpflichtungen sträflich. Diese Form der Straftat wurde mit der hosenlosen Darstellung des gesühnt. „Verlust der Signifikanz“5 Gegen Ende der Einleitung wird beschrieben, dass zuerst in jüngster Zeit das Abbild der männlichen Geschlechtstracht an Bedeutung verliert. Hierbei nennt die Autorin den Bandnamen der „Toten Hosen“6 und den Ausdruck „Alles tote Hose“7 als selbstironische Beispiele für den Verlust der Bindung der Hose zum männlichen Geschlecht. Die Hose als Symbol für Männlichkeit hat laut Gundula Wolter an Bildstärke verloren. „Das Ende des Geschlechtskleidungsstücks Hose scheint nahe“ 8 . Im Folgenden gibt die Autorin einen Ausblick auf die Gesamtheit ihrer illustrierten Kulturgeschichte. Hierbei rückt sie gezielt die Dominanz der Männer und deren Nutzung von Beinkleidern zur Selbstdarstellung in den Fokus. Somit beschreibt Gundula Wolter nicht nur biographisch den Lebensweg des Kleidungsstücks Hose, sondern auch die Relativierung der Macht des männlichen Geschlechts. Mit ihrer Lektüre will sie auch aufzeigen, inwieweit das Erscheinungsbild der Hose Aussagen über den jeweiligen Zeitgeist ermöglicht. Nach Wolter steht fest, die Vielzahl an Hosenformen und deren modische Inszenierung ist Spiegel der Männerrolle innerhalb unserer Gesellschaft. „Die zweite Haut“9 Was verstehen wir unter der „zweiten Haut“? Bevor eine Erläuterung des Titels dieses Kapitels den Begriff der zweiten Haut näher erklärt, beschreibt die Autorin die biologische Bedeutung unserer ersten Hautschicht. Schutz, Wärmeregulierung, Aufnahme von Sinneseindrücken, Wasserausscheidung, Atmung und Bildung von Schutzstoffen, sind Attribute, die sie unserer organischen Hülle zuordnet. Nachteile dieses hochempfindlichen Gebildes sieht sie in der unzureichenden Anpassung an unsere makroökologischen Lebensräume. Ohne Bekleidung scheint der menschliche Korpus seiner natürlichen Umgebung schutzlos ausgeliefert. Kein Fell gewährt uns Schutz vor Kälte. Kein Horn oder Schild rüstet uns für Angriff und Verteidigung aus. Der Einsatz von Hilfsmitteln zur Sicherung unserer Art, zur Sicherstellung unseres Überlebens und zum Schutz unserer Nacktheit, wird als Notwendigkeit verstanden. Positiv hingegen wird die Empfindsamkeit                                                                                                               5

Vgl. ebd., S. 8 Ebd., S. 8 7 Ebd., S. 8 8 Ebd., S. 8 9 Wolter (2001), S. 11 6

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dieses Hüllorgans gesehen. Unter der Begrifflichkeit „Hauterotik“10 ist eine sensible Tast- und Sinnesfunktion der menschlichen Körperhülle zu verstehen, die uns schnell und flexibel auf äußere Reize reagieren lässt. Schnell hat die Menschheit begriffen: Um zu überleben, müssen wir uns verpacken, schützen, anpassen. Wir brauchen eine zweite Haut. Diese Anpassungsfähigkeit löst die Bindung des Menschen an Lebensräume. Die Zweckmäßigkeit von Bekleidung bedeutet auch für Gundula Wolter einen Ausgleich der natürlich existenten Mängel am menschlichen Körper. Dieses Phänomen wird von Katrin Wiederkehr-Benz als Einpassungsmethode des Menschen verstanden, die ihm gegebenen Mittel dazu zu nutzen, den Anforderungen der Umwelt gerecht zu werden11. Die Verpackung des männlichen Gliedes Vor allem das Organ des Körpers, welches die Fortpflanzung garantiert, verlangte nach Schutz. Die Offenbarung des männlichen Geschlechtsteils wurde schnell als Blöße beziehungsweise Scham begriffen und wollte verhüllt werden. Beispiele aus den Kulturkreisen bolivianischer Indianer und der Ureinwohner der Salomoninseln zeigen Männer im knappen Lendenschurz und geschmückten Penisfutteralen. Die Autorin diskutiert das Verständnis dieser Erscheinungsformen. Ob es sich bei Bekleidungsformen dieser Art um Schmuck

(Ausdruck)

oder

Schutz

(Zweckhaftigkeit)

handelt

ist

ungeklärt.

Als

Diskussionsergebnis ergibt sich, sau auch bei J.C. Flügel, dass keine klare Trennung zwischen zweckmäßigen und schmückenden Attributen von Bekleidung erfolgen kann. Für die Autorin steht jedoch fest, dass eine übergeordnete Funktion von Bekleidung existiert, die die rein zweckmäßige Schutzfunktion übersteigert. Um diese These zu stützten, zitiert sie den Bekleidungspsychologen Franz Kiener, der in seinen Arbeiten die Relation zwischen dem Individuum und seinen Formen, sich zu bekleiden, untersucht hat. Der Begriff des „KleiderIch“12 soll das folgende Spannungsverhältnis näher beschreiben: Es handelt sich um eine neue Form der Persönlichkeit, die sich restlos über die eigene Bekleidung identifiziert und keine Grenze zwischen „Ich“ und dem bekleideten „Ich“ aufzuzeigen weiß. Eine neue Grenze Gundula Wolter’s Annahme wird ebenfalls durch das Phänomen bestätigt, dass aktuell nicht die Haut, sondern unsere Bekleidung als Grenze des eigenen Körpers empfunden wird. Auch Marilyn J. Horn verweist auf diesen Bekleidungszwang in unserer Gesellschaft. „Körper und                                                                                                               10

Ebd., S. 11, nach Franz Kiener: „Kleidung, Mode und Mensch. Versuche einer psychologischen Deutung“, München 1956, S. 13 11 Wolter  (2001),  S.  11,  Vgl.  Katrin  Wiederkehr-­‐Benz,  Zürich  1973,  S.  6     12 Wolter (2001), S. 14, nach Franz Kiener, München 1956, S. 14

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Kleidung werden in unserer Zivilisation [auch bereits im Säuglingsalter] als eine Einheit empfunden“ 13 . Dieses Phänomen wird durch den einfachen Wechsel von Bekleidung begünstigt. Dem Individuum obliegt es, seine zweite Haut beliebig nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Eine Einflussnahme auf die Erscheinung der ersten Körperhülle ist, abgesehen von chirurgischen Eingriffen, nicht möglich. Einfluss auf die Gestaltung des eigenen Bekleidungsstils nimmt das Individuum selbst vor oder es lässt sich von existenten Normen lenken. „Das Kleiderverhalten des einzelnen liegt dabei stets im Spannungsfeld von Konformität und Individualismus, Anpassung und Selbstdarstellung, Tradition und Veränderung“14. Eine Hose, zwei Beine. Doch was löst eine Hose mit nur einem Bein beim Betrachter aus? Die Nacktheit affektiert den Betrachter. Dies gelang 1982 dem Performancekünstler Jochen Gerz, der mit seiner einbeinigen Hose, auf die Subjektivität des blanken Körpers verweisen wollte. Dass das fehlende Hosenbein Nacktheit offenlegt, sie aber dennoch zugleich relativiert, ist jedem Betrachter nicht sofort ersichtlich. Inwieweit empfinden wir das nackte Bein, wirklich als nackt? Inwieweit affektiert uns die Darstellung des Adam von Albrecht Dürer? Nackt oder bekleidet? Relativierung von Affektion und Gleichgültigkeit. „Mann bekennt Farbe“ 1971, das Jahr der sexuellen Revolution. Andy Warhol entwirft das berühmt berüchtigte Cover der Rolling-Stones-Platte „Sticky Fingers“. Mit der Anführung dieses sehr markanten Beispiels dringt Gundula Wolter in einen neuen Funktionsbereich der Hose vor. Der bis zu diesem Zeitpunkt dominierende bekleidende Aspekt der Hose wird nun von einer Produktmarketingperspektive verdrängt. Traditionelle Kleidernormen verlieren an Bedeutung und werden hinterfragt. Diese Bewegung wird zunehmend durch Strömungen in der männlichen Jugend bekräftigt. Ein neuer Bekleidungsanspruch entsteht. „Zweckmäßigkeit, Unauffälligkeit und Anpassung“15 gelten als veraltete Kriterien bei der Kleidungswahl. Die Autorin sieht diese „Revolte gegen die (Kleider-)Normen“

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als hauptsächlichen

Begünstigungsgrund für den Wandel. Aber auch der schnelle Wechsel an Trends in der Männermode begünstigt dieses Phänomen. Ein Streben nach mehr Individualität in allen Berufsfeldern tritt hervor.                                                                                                               13

Ebd., S. 14, nach Marilyn J. Horn: „the second skin. An interdisciplinary study of clothing“, Boston 1975 Wolter (2001), S. 15 15 Wolter (2001), S. 142 16 Ebd., S. 142 14

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Kleidung = Persönlichkeit? Die Entscheidungsfreiheit über die Wahl des eigenen Kleidungsstils bedeutet ab diesem Zeitpunkt eine Imagefrage der eigenen Persönlichkeit. Die Kleidung entscheidet über Faktoren wie die gesellschaftliche Stellung, den Marktwert und das Äußern von persönlichen Facetten und Neigungen einer Person. Die Textilbranche wirkt durch ihre große Angebotsbreite im Einzelhandel unterstützend. Sie ermöglicht dem Kunden ein großes Spektrum an Ausdruck seiner Persönlichkeit. „Sportlich, dynamisch, alternativ, dezent, minimalistisch oder betont männlich“17. Und warum? Der Leistungsdruck steigt. Mann empfindet sich als Produkt. Erstmals wird der Mensch als Arbeitskraft begriffen. Die Bedeutung des menschlichen Kapitals wächst. Aufgrund dessen steigt auch der Anspruch, ein möglichst verkaufsförderndes Outfit zu wählen, um seinen Marktwert zu vergrößern. Harald Binder wählt in seinen Studien über „Werbung. Verpackung. Design.“ treffend die Beschreibung der „Werbung für die Persönlichkeit“18. Seiner Meinung nach betrifft diese Entwicklung nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch die „Beurteilung seiner Mitmenschen“ 19 in der Freizeit. Gundula Wolter ergänzt: Das „ursprüngliche Selbst“ ist auf dem Arbeitsmarkt nicht zu finden. Vielmehr besteht das Angebot aus „kosmetischen Selbsts“ 20 , die bereits an die Bedürfnisse des Marktes angepasst sind. Berufliche Misserfolge bedeuten in diesem Zusammenhang einen Wechsel der „Warenhaut“21. Die Männerwelt avanciert zum „Markenartikel“22. Erfolgreiches Kleiden (trendbewusstes Auftreten) heißt: Abgrenzung zur Konkurrenz und Erschließung neuer Absatzmärkte. Sex sells! Alles wurde vermarktet, da man die psychologischen und soziologischen Gesetzmäßigkeiten erkannte, mit denen das Kaufverhalten der Konsumenten positiv beeinflusst werden konnte. Die stärkste Gewichtung fiel auf Werte der Sexualität. Es wurde entdeckt, dass die Beanspruchung dieses Schlüsselreizes besonders verkaufsfördernd wirkt. Den Mann betreffend, verkaufte sich alles, was eine Potenzsteigerung versprach, gewinnbringend. Dem                                                                                                               17

Wolter (2001), S. 143 Ebd., S. 143, nach Harald Binder: Werbung. Verpackung. Design. Aspekte des Kunstunterrichts und der Visuellen Kommunikation, Stuttgart 1977 19 Wolter (2001), S. 144 20 Ebd., S.144 nach Harald Binder (1977) 21 Wolter (2001), S. 145, nach Harald Binder (1977), S. 74 22 Ebd., S. 145 18

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Mann bot sich durch die Betonung männlicher Attribute die Möglichkeit, eigene körperliche Minderwertigkeitskomplexe zu kaschieren. Andererseits signalisierte die bewusste Betonung der Männlichkeit erotische Wünsche. Mit der zunehmenden Wertschätzung von Bekleidung wuchs auch die Angst, der Bedeutung seiner Kleidung charakterlich nicht zu entsprechen. Wurde Bekleidung als Verkleidung enttarnt, sank das Selbstwertgefühl des Trägers. 1966/67 Mit dem Ende des Wiederaufbaus in Deutschland und Europa wurde die Männermode als neues wirtschaftliches Wachstumssegment wiederentdeckt. Viele ästhetische Innovationen im Herrenkonfektionsbereich drängen auf den Markt. Die Veränderung des Rollenschemas, hervorgerufen durch den Anstieg der sozialen Mobilität und durch das Wachstum der weiblichen Emanzipation, begünstigte diese Entwicklung. Das Modebewusstsein des Mannes verschärfte sich zunehmend.

Zeitgleich erkannte die Textilindustrie das Potential der

Jugendmode. Der junge Idealkunde mit großer Kaufkraft, der aufgrund seiner Identitätsfindung eine hohe Experimentierfreudigkeit besaß, wurde zum Trendsetter vieler Generationen. Um das reale Alter zu verbergen, passten sich die Kleidungsstile der älteren Generationen an die Jugendmode an. „Jungsein“ avancierte zum Imagewert23. Um sich von diesen Strömungen provokant abzugrenzen, nutze die Jugend eine Art Anti-Mode. Da sich die Modeindustrie auf diesen Wandel umgehend einstellte und die Anti-Mode erfolgreich an alle Altersgruppen vermarktete, musste fortlaufend eine neue Anti-Mode kreiert werden. Zum Ende

der

60er

Jahre

vermischten

sich

die

männlichen

und

weiblichen

Geschlechterunterschiede in der Mode so stark, dass eine neue Moderichtung „der UnisexLook“ 24 hervortrat. Die Konzeption der geschlechterunspezifischen Kleidung wurde von Männern und Frauen gleichermaßen geschätzt. Nach dem Motto „Anything goes“25, wie auch Friedmar Apel diese Entwicklung beschreibt, verschwand ab diesem Zeitpunkt die Tabugrenze zwischen Männer- und Frauenkleidung. Parallel zu diesen Bewegungen wuchs in der Gesellschaft das Verlangen nach körperlicher Fitness. Gesundheit bedeutete Glück und gesellschaftlichen Erfolg. Um dieses Image über Textilien zum Ausdruck zu bringen, vermischte sich die einheitliche Berufsuniform zunehmend mit Elementen der Sport- und Freizeitbekleidung. Sportswear machte somit Gesundheit zu einem käuflich erwerblichen Gut.

                                                                                                              23

Vgl. Wolter (2001), S. 151 Vgl. Wolter (2001), S. 152 25 Ebd., S. 152, nach Friedmar Apel: Angezogen Ausgezogen. Bilder und Texte zum inszenierten Leben, Berlin 1984 24

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Ein Hosenregister Die Bundfaltenhose Die Weite der Bundfaltenhose ist Resultat der zwei bis vier charakteristischen Bundfalten unterhalb des Vorderhosenbundes. Die Taille wird betont, wohingegen der Rest des Unterleibes unter den Stoffmengen der Hosenbeine (oftmals Baumwolle) verschwindet. Das Volumen der Bundfaltenhose verspricht Beinfreiheit. Der Träger, der Wert auf ein gepflegtes Auftreten legt, weiß auch die „locker-lässige“ 26 Attitude, die Ihm die Hose verleiht, zu schätzen. Seine Unsicherheit kann Mann in den weiten Taschen der Hose einfach verschwinden

lassen.

Den

Träger

kennzeichnet

ein

offener,

unkonventioneller,

leistungsorientierter Charakter. Freie Berufstätige bevorzugen diese Hosenform. Die Satinhose Die enge Satinhose verspricht dem Träger erotische Souveränität. Unbrauchbare Taschen verhindern das Vergraben der Hände in unsicheren Momenten. Der glänzende, schimmernde Satinstoff lenkt Aufmerksamkeit auf den Träger. Die reflektierende Oberfläche des Materials ruft beim Betrachter positive Gefühlsregungen hervor. Gundula Wolter beschreibt die Auffassung des „Glanz[es,] als Ausdruck des Erfreulichen, Heiteren [und] als Widerspiegelung unverstellter Lebensfreude“27. Dem „Glitzer und Glanz“28 der Satinhose lässt die Autorin noch eine weitere Bedeutung zukommen. Sie sieht die Optik des Materials als „Signal sensueller Distanzierung“ 29 , dessen Wirkungseffekt nur auf einer gewissen Entfernung entstehen kann. Narzissten, deren Aufmerksamkeitsbedürfnis sehr hoch ist, greifen auf diese Hosenform zurück. Diesem Effekt verdanken auch Pop-Stars, Tänzer und Akteure indirekte Aufmerksamkeit „on stage“. Für einen Großteil aller Individuen ist die äußere Erscheinung zum primär wichtigsten „Mittel der Selbstbestätigung und – verwirklichung“30 geworden. Das wachsende Verlangen nach Selbstinszenierung erklärt auch die Erfolgsgeschichte der Satinhose. In der Selbstfindungsphase orientierte sich die Jugend vermehrt an Idolen aus Film, Fernsehen und Musik, deren extraordinäre Kleidungsstile kopiert wurden.

                                                                                                              26

Wolter (2001), S. 154 Vgl., Wolter (2001), S. 155 28 Vgl., ebd., S. 155 29 Vgl., ebd., S. 155, nach Peter-André Alt: Über den neuen Hedonismus, Kursbuch 79, Berlin 1985, S. 57 30 Wolter (2001), S. 155 27

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Die Lederhose Kleidung unterstützt die soziale Differenzierung. Um sich von den Gesellschaftsschichten abzugrenzen, bildeten sich Gruppen, die sich durch eine einheitliche Bekleidungsnorm kennzeichneten. Motorrad- und Rockergruppen, ebenso wie die Punkszene nutzen das Image einer engen Ledermontur, um zu provozieren und sich so gesellschaftlich abzusetzen. Die organische Hülle schmiegt sich eng an die Körperform des Trägers. Dominanz, Aktivität und Narzissmus kennzeichnen die Charakterzüge des Lederhosenbesitzers. Die Passform der Hose schärft das Bewusstsein der Körperbewegungen. Ende der 70iger Jahre wurden die Beinkleider aus Leder von der Punkgruppierung mit zusätzlichem S/M-Schmuck, Nieten und Riemen brutalisiert, um deren Randstellung zur Gesellschaft zu demonstrieren. Die synthetische Fell-Hose Eigenliebe zeichnet auch den Träger der synthetischen Fell-Hose aus. Die weiche, haarige Haptik des falschen Raubkatzenfells unterstreicht die Sehnsucht des Mannes nach körperlichem Kontakt. Da die Musterung des Beinkleides ebenfalls tierische Attribute, wie zum Beispiel „Kraft, Potenz und Aggression“31 suggeriert, soll durch das Tragen der Hose der Betrachter auf Distanz gebracht werden. Der Tiger- oder Leoprint warnt den Beobachter: „Vorsicht bissig!“. Die Blue-Jeans Die Blue-Jeans ist ein „weltanschauliches“32 Kleidungsstück. Gundula Wolter bemisst die Bedeutung der Blue-Jeans an einer jugendlichen, subkulturellen Revolte gegen die klassische Konfektionsbekleidung. Um sich dem Kodex der Jeansträger anzupassen, wurde die Jeans nach dem Kauf durch mehrfach überhitztes Waschen ausgeblichen. Eine respektierte Stellung in der „informellen Hierarchie der Jugendkultur“33 konnte durch eine besonders gebrauchte, abgenutzte und durchlöcherte Jeans erreicht werden. Die körpernahe Passform wurde durch nasses

Tragen

generiert.

Dass

es

sich

bei

der

Jeans

ursprünglich

um

ein

34

„Protestkleidungsstück“ handelt, hat man aufgrund der heutigen Bandbreite an Waschungen längst vergessen. Damals zählten sich die so genannten „Hippies und Gammler“ und zu Trägern des Beinkleides aus Denim. Heute machen Jeans einen großen Teil der Bürobekleidung aus. Die Revolution hatte Erfolg.                                                                                                               31

Wolter (2001), S. 160 Wolter (2001), S. 161, nach Friedmar Apel (1984), S. 156 33 Ebd., S. 161 34 Vgl., ebd., S. 161 32

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Hosenregister 2.0 – heutige „Warenhäute“ Die Chino Spring/Summer 2010 die Wiedergeburtsstunde der Chino-Hose. Wie aus dem Nichts heraus scheint eine neue Hosenform den Einzelhandel zu überfluten. Chinos bei Ralph Lauren, Chinos bei Diesel, Chinos bei Abercrombie & Fitch. Alle hatten die Hose im Sortiment. In Wahrheit jedoch ist die Chino-Hose keine moderne Marketingidee der Textilindustrie. Der robuste, wiederstandsfähige Twillstoff, aus dem das lässige Beinkleid gefertigt wird, fand erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts in der Herstellung von britischen und französischen Militäruniformen Verwendung. Da die Chino für ganze Armeezüge gefertigt werden musste, fehlt der Hose aufgrund von Materialeinsparungen der Umschlag. Dieses Merkmal hat sich bis heute erhalten. Mit der Rückkehr der Soldaten aus dem amerikanisch-spanischen Krieg 1898, wurde der Twillstoff in der Zivilbevölkerung immer beliebter. Für die Namensgebung der Hose ist der ehemalige Herstellungsort des Obermaterials China verantwortlich. Auszeichnungsmerkmale der Chino-Hose sind ein geringes Gewicht und der dadurch entstehende hohe Tragekomfort. Heute wird die luftige „Sommerhose“, die zurzeit als Pendant der Jeans hoch gehandelt wird, in allen erdenklichen Farben produziert. Chinos in gedeckteren Beigetönen sind sowohl im Büro als auch im Alltag bei warmen Temperaturen eine gute Alternative zur klassischen Stoffhose. Die Latzhose 1911- der Amerikaner Henry David Lee erfindet den Overall. Die Hose mit dem Latz wurde anfänglich nur von Farmern, Lokführern und Landarbeitern in den USA getragen, da der robuste Jeansstoff vor Schmutz und Kälte schützte. Die im Latz eingearbeiteten Taschen boten Stauraum für Werkzeug. Heute hat die Latzhose auch andere Einsatzbereiche: Das Label Oschkosch vermarktet den Overall erfolgreich als Umstands- und Kinderbekleidung. Der Latz, die Träger und die weite Taille bieten schwangeren Frauen Halt und gleichzeitig Bewegungsfreiheit. Die Latzhose ist widerstandsfähig. T-Shirt und Hemd werden von den Hosenträgern am Herausrutschen gehindert. Diese Attribute machen die Hose zum idealen Kinderkleidungsstück. Motor- und Wintersportler wissen die wärmende Funktion der Nierenbereiche zu schätzen. Funktionsmaterialien machen die Latzhose deshalb auch im Sportbereich immer beliebter. Das Ökoimage, das der Hose in den 70iger Jahren anhaftete, haben Marken wie Carhartt, Lee und Designer Yunja Watanabe erfolgreich aufpoliert. Heute nimmt der Overall als Teil der Vintage-, Original- und Workwearbekleidung seinen Platz in

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der Modewelt wieder ein. Neue Deniminnovationen steigern die Bequemlichkeit und machen die Hose damit immer alltagstauglicher. Der Rock Der erste Mann in einem Rock muss wohl ein Schotte in einem Kilt gewesen sein. Nein, denn bereits im prähistorischen Zeitalter wurden Röcke von Männern getragen. Die Hose hat den Rock somit seit ungefähr zweitausend Jahren aus der Garderobe des Mannes verdrängt. Als Bestandteil von Traditionen ist der Rock noch heute in Teilen Afrikas, Südostasiens und einigen Ländern Europas wieder zu finden. In der westlichen Welt gilt der Rock heute als das wohl modernste und avantgardistischste Kleidungsstück in der Herrenmode. 1984 startete Jean Paul Gaultier die Wiedereinführung der Röcke. Später folgten namenhafte japanische Designer wie Yohji Yamamoto und Rei Kawakubo seinem Beispiel. Die jüngsten Kreationen entstammen den Newcomern Rick Owens und Damir Doma, die mit ihren futuristischen und puristischen Kollektionen ein neues androgynes Männerbild zeichnen. Tatsache ist: Ein Rock bietet weitaus mehr Beinfreiheit als eine Hose. Dass sich der Männerrock auf dem Vormarsch in die Kommerzialität bewegt, zeigte die Frühjahrs- und Sommerkollektion des schwedischen Texil-Giganten H&M. Frei nach dem Motto „anything goes“ könnten sich schon bald die geschlechterspezifischen Rollenverteilungen ins Gegenteil verkehren: Frauen in Hosen und Männer in Röcken.

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Literaturverzeichnis: •

Monographien: 1.

Bovenschen, Silvia (Hg.): Die Listen der Mode, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1986: a. Flügel, J.C.: Psychologie der Kleidung, Seite 208-263 b. Simmel, Georg: Die Mode, Seite 179-207

2.

Wolter, Gundula (Hg.): Die Verpackung des männlichen Geschlechts, Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 2001

Internetquellen: 1.

Unbekannter Autor: „Das Besondere an Chinos“, paradisi.de – das wohlfühlparadies, 03.03.2010, http://www.paradisi.de/Beauty_und_Pflege/Bekleidung/Chinos/Artikel/7659.php (Stand: 09.02.2012)

2.

Unbekannter Autor: „Geschichte der Chino-Hose“, Artikelverzeichnis – Das ultimative Artikelverzeichnis mit Artikeln zu interessanten Themen, 26.08.2010, http://www.luebecker-hansestadt.de/kleidung/geschichte-der-chino-hose10532.html (Stand: unbekannt)

3.

Wolf, Helmut: „over all“, in: Pool – Magazin für live & culture 03 (2011), http://www.pool-mag.net/content1.html?id=50&iid=3 (Stand: unbekannt)

4.

Unbekannter Autor: „Modeklassiker & Stilikonen: Die Latzhose“, Modeopfer 110, Veröffentlichung: unbekannt, http://www.modeopfer110.de/mode-knowhow/modeklassiker-stilikonen/latzhose.html (Stand: unbekannt)

5.

Strothmann, Luise: „Sie rocken nicht – Röcke an Männerbeinen“, taz.de, 26.09.2009, http://www.taz.de/!41229/ (Stand: unbekannt)

6.

Alexander: „Männer im Rock – Männerrock – Herrenrock in der Öffentlichkeit – meine Geschichte“, blogfeuer.de, 05.07.2009, http://www.blogfeuer.de/2009/07/maennerrock-herrenrock-in-der-oeffentlichkeitmeine-geschichte/ (Stand: unbekannt)

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DIE HOSE  

1. Georg Simmel 2. J. C. Flügel 3. Gundula Wolter 4. Hosenregister

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