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Wirtschaft ohne Grenzen wo Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen an der Tagesordnung stehen

Fachbereichsarbeit in Geographie und Wirtschaftskunde Š Johannes Dostal Betreuerin: Frau Mag. Birgit Nowak BRG/ORG 23, Anton-Krieger-Gasse Wien, 17.02.2011


Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung............................................................................................Seite 04 2. Lebensmittel........................................................................................Seite 06 1. Schokloade........................................................................................... Seite 06 1. Kindersklaven in der Elfenbeinküste.................................................Seite 07 2. Brasilien...........................................................................................Seite 07 2. Bananen............................................................................................... Seite 08 1. Bananenrepubliken..........................................................................Seite 09 3. Orangen............................................................................................... Seite 09 4. McDonald‘s.......................................................................................... Seite 10 1. Rindfleischimport aus Südamerika...................................................Seite 10 2. Die BSE-Krise....................................................................................Seite 11 5. Nestlé................................................................................................... Seite 12 1. Babynahrung....................................................................................Seite 12 2. Vermarktungsargument Aids...........................................................Seite 13 6. Situation in Europa.............................................................................. Seite 15 7. Alternativen......................................................................................... Seite 16 1. Bio....................................................................................................Seite 16 2. Lokaler Handel.................................................................................Seite 16 3. Fairer Handel....................................................................................Seite 16 8. Monsanto............................................................................................ Seite 17 1. Firmengeschichte.............................................................................Seite 17 2. PCB Produktion und ihre Folgen.......................................................Seite 17 3. Agent Orange und Dioxin.................................................................Seite 18 4. Roundup...........................................................................................Seite 19 5. Unsaubere Methoden, um Gentechnik durchzusetzen.....................Seite 20 6. Regenwaldabholzung für GVO-Kulturen..........................................Seite 21 7. Zerstörung der natürlichen Arten durch GVOs.................................Seite 22 8. Patent auf Nahrung..........................................................................Seite 23 9. Rinderwachstumshormon................................................................Seite 25 3. Bekleidung..........................................................................................Seite 26 1. Wo unsere Bekleidung herkommt....................................................Seite 26 2. So werden unsere Sportschuhe produziert.......................................Seite 26 3. Arbeitsbedingungen in den Produktionsstädten..............................Seite 27 4. Made in USA.....................................................................................Seite 28 5. Imageschaden..................................................................................Seite 28 6. Grundrecht Selbstorganisation.........................................................Seite 29 7. Alternative Clean-Clothes.................................................................Seite 30 Seite 2


4. Medizin...............................................................................................Seite 31 1. Ärzte als Komplizen der Pharmaindustrie............................................ Seite 31 1. Verdeckte Ermittlungen....................................................................Seite 31 2. Bristol-Myers Squibbs Medikamentenversuche................................Seite 32 3. Ein weiterer bestechlicher Arzt.........................................................Seite 33 4. Auswirkungen der Reportage...........................................................Seite 34 5. Medikamentenversuche in Österreich und Deutschland..................Seite 34 5. Elektronik............................................................................................Seite 35 1. Tantalgewinnung.................................................................................. Seite 35 1. Situation im Kongo und Umgebung.................................................Seite 35 2. Kindersoldaten ermöglichen Coltanabbau der Rebellen..................Seite 35 3. Klaus Werner als Coltanhändler.......................................................Seite 36 4. Konzerne sehen sich als Wohltäter oder verhängen unkontrollierbare Handelsembargos.........................Seite 37 2. Foxconn-City........................................................................................ Seite 38 6. Erdöl....................................................................................................Seite 40 1. Shell..................................................................................................... Seite 41 1. Firmengeschichte.............................................................................Seite 41 2. Nigeria..............................................................................................Seite 41 3. Kooperation mit Militärdiktaturen...................................................Seite 42 4. Kaputte Ölförderanlagen..................................................................Seite 43 5. Aufarbeitung der Diktatur................................................................Seite 44 6. Die Gewalt geht weiter....................................................................Seite 45 7. Brent Spar........................................................................................Seite 45 2. Angola.................................................................................................. Seite 46 7. Nachwort............................................................................................Seite 48 8. Quellverzeichnis..................................................................................Seite 50 1. Bücher..............................................................................................Seite 50 2. Filme.................................................................................................Seite 50 3. Artikel...............................................................................................Seite 50 4. Weblinks...........................................................................................Seite 51

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1. Einleitung Diese Arbeit setzt sich mit den verschiedenen Wirtschaftszweigen und deren Ausbeutungsmethoden auseinander. Durch die Größe dieses Themas ist die Arbeit allerdings nur auf einzelne Beispiele beschränkt, es werden hierbei sowohl einzelne Produkte wie Bananen oder Erdöl behandelt, aber auch Konzerne, deren Machenschaften Menschen(rechte) verletzen und die Umwelt zerstören. Allerdings sollte man nicht glauben, dass, nur weil in dieser Arbeit über Nestlé und Shell berichtet wird, Kraft Foods und BP besser wären. Genauso wie Kakao, über dessen Gewinnung ich geschrieben habe, unter ähnlichen Bedingungen wie Kaffee gewonnen wird. In einzelnen Gebieten war es mir auch möglich, Alternativen zu finden, wie in der Lebensmittelbranche Fair Trade Produkte oder in der Beleidungsindustrie Produkte, die den Clean-Clothes-Kriterien entsprechen. Doch der Großteil der Arbeit ist den „Verbrechen“ der Multis gewidmet, da es wesentlich mehr über unsere Wirtschaftssituation – die Ausbeutung bis zum letzten – aussagt, als die Hand voll positiv zu nennender Firmen. Selbst Experten in dem Gebiet sehen sich nicht in der Lage, ganze Sachbücher über positiv zu nennende Konzerne zu schreiben, da es erstens so wenige gibt und zweitens es praktisch unmöglich ist, einen Konzern „freizusprechen“, da man ihn nicht bis ins kleinste Detail kontrollieren kann. Passend dazu möchte ich das Gedicht „Wegweiser“ von Erich Fried als Credo meiner Arbeit anbringen:

Wegweiser Was mich mutlos macht ist daß es so schwer ist zu sehen wohin ein Weg geht zum Recht und zur sicheren Zukunft aber was mir dann wieder Mut macht ist daß es so leicht ist zu sehen wo Unrecht geschieht und das Unrecht zu hassen

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Und auch wenn es nicht leicht ist gegen das Unrecht zu kämpfen so verliert man dabei doch nicht so leicht seine Richtung denn das Unrecht leuchtet so grell und verbreitet so starken Geruch daß keiner die Spur des Unrechts verlieren muß Wenn der Weg zum Recht und zur Zukunft dunkel ist und verborgen dann halte ich mich an das Unrecht das liegt sichtbar mitten im Weg und vielleicht wenn ich noch da bin nach meinem Kampf mit dem Unrecht werde ich dann ein Stück vom Weg zum Recht erkennen Erich Fried Quelle: Erich Fried „Gesammelte Werke“, Gedichte 2, Berlin 1993.

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2. Lebensmittel 2.1. Schokolade 1502 brachte Christoph Kolumbus den ersten Sack Kakaobohnen nach Europa. Seitdem ist Schokolade die mit Abstand beliebteste Süßigkeit, fast die Hälfte aller Süßwaren enthalten Kakao oder Schokolade. Neun bis zehn Kilogramm reine Schokolade werden pro Kopf pro Jahr verzehrt, das entspricht in etwa zwei Schokoladetafeln in der Woche. Alleine in Deutschland werden ca. 700.000 Tonnen Schokoware im Jahr produziert. Trotz der hohen Nachfrage an Kakao sind die Preise extrem niedrig. Ein Kleinbauer verdient in etwa 340 Euro im Jahr. Eine Tonne Kakao kostet zwischen 870 und 4000 Euro, der Preis sinkt aber weiterhin. Schuld an den niedrigen Preisen sind wenige, marktdominierende Konzerne, die die Preise praktisch diktieren. Diese Konzerne besitzen große landwirtschaftliche Betriebe, Plantagen und Fabriken. Durch ihre Vormacht in dieser Branche sind sie in der Lage, den Kleinunternehmen ihren Willen aufzuzwingen. Diese Unternehmen sind unter anderem (Aufzählung nach Süßwarenumsatz): • Nestlé (After Eight, Baci, KitKat, Lion, Nesquik, Nuts, Smarties,...) • Mars (Balisto, Banjo, Bounty, M&Ms, Mars, Milky Way, Snickers, Twix,...) • Kraft (Bensdorp, Daim, Finessa, Kaba, Milka, Mirabell Mozartkugeln, Suchard, Toblerone,...) • Ferrero (Duplo, Ferrero-Roché, Hanuta, Kinder Schokolade, Mon Chérie Nutella,...) Noch weiter wurde die Situation durch einen Erlass der EU – unter Druck der Konzerne – im Jahr 2000 verschlimmert. Der Anteil des vorgeschriebenen Kakaobutteranteils wurde um fünf Prozent verringert. Die Konzerne wollen den verringerten Anteil durch Palmöl und andere Fette als Kakaobutterersatz ausgleichen, welche wesentlich billiger sind. Konkret bedeutet das einen Verlust von über 580 Millionen Euro für die Produktionsländer. Dadurch wurde vor allem den Kleinbauern, die 85% des Marktes abdecken, die Lebensgrundlage entzogen. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://de.wikipedia.org/wiki/Schokolade)

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2.1.1. Kindersklaven in der Elfenbeinküste Um irgendwie für solch niedrige Preise produzieren zu können, wird zu drastischen Mitteln gegriffen. In der Elfenbeinküste, dem größten Kakaoexporteur der Welt, gibt es laut der Menschenrechtsorganisation Terre des Hommes 20.000 Kindersklaven. „Sie keuchen wie alte, asthmakranke Männer, ihre Augen sind leblos, ihre Köpfe hängen schlaff zwischen den gesenkten Schultern.“ Sönke Giard Sönke Giard, ein französischer Journalist, schaffte es, mit zwei der Jungen kurz reden zu können. Diese erzählten ihm, wie ihnen im Alter von sieben Jahren ein Mann bezahlte Arbeit angeboten hat. Die Kinder nahmen das Angebot freudig an und wurden darauf von dem Mann in das Dorf Toulé gebracht, wo er sie um je 25 Euro an den Kakaofarmer Amado Bamba verkaufte. Seitdem arbeiten die Kinder ohne Bezahlung von sechs Uhr morgens bis neun Uhr abends, ohne Pausen, sieben Tage die Woche. Den Besitzer kostet dies gerade einmal eine Schüssel Reis am Tag. Abou, einer der beiden Jungen, versuchte einmal zu fliehen, als Strafe musste er einen Tag lang nackt, die Hände hinter dem Rücken gefesselt, in der prallen Sonne sitzen, danach wurde er vor den anderen Kindern ausgepeitscht. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, „Alles hört auf ‚de Gaulles‘ Kommando“, Der Standard, 7.10.2000)

2.1.2. Brasilien Brasilien ist der viertgrößte Kakaoproduzent. Auch hier herrschen schlechte Bedingungen. Nicht ganz so schlimm wie in der Elfenbeinküste, aber immer noch schlimm genug. Die Kakaoplantagen sind fast ausschließlich in dem Besitz von Großgrundbesitzern. Diese leben meist gar nicht in der Region, sondern in New York, Rio de Janeiro oder Paris. Mehr als 150.000 Menschen arbeiten für sie und erhalten dafür Hungerlöhne von etwa 43 Euro im Monat. Da dieses Gehalt nicht ausreicht, um eine ganze Familie zu ernähren, müssen auch Kinder und Großeltern auf den Plantagen arbeiten, da diese aber nicht so viel leisten wie Erwachsene, müssen sie sich meistens schon mit 30 Euro im Monat begnügen. In den letzten Jahren versuchten immer wieder Bauern Land zu besetzen und eigenständig Kakao anzubauen, doch die Großgrundbesitzer ließen sie immer durch die Polizei oder eigene Söldnertruppen „Pistoleiros“ vertreiben. Dabei verloren über 130 Bauern ihr Leben oder wurden schwer verletzt.

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Da Kakao sehr anfällig ist, wird er regelmäßig mit hochgiftigen Insektiziden gespritzt. Die Arbeiter sind meist Analphabeten und wissen nicht einmal, dass sie mit giftigen Substanzen hantieren. Die Pestizide lösen beim Menschen Krebs, Hautkrankheiten, Unfruchtbarkeit und Nervenstörungen im Atmungs- und Immunsystem aus. Kritiker behaupten, dass die Hersteller der Pestizide, Bayer, Monsanto, BASF, Hoechst und Shell keine ausreichende Vorsorge gegen die durch ihre Produkte verursachten Gesundheitsgefährdungen treffen. (idem, 2010)

2.2. Bananen Im Supermarkt hängen sie meist über der halben Obstabteilung; Bananen von Chiquita, Dole oder Del Monte. Doch woher kommen diese exotischen Früchte und unter welchen Bedingungen werden sie hergestellt? Alleine die Tatsache, dass es kaum andere Bananenmarken gibt, sollte den Konsumenten schon kritisch machen. Doch in der heutigen Welt fällt das den meisten Menschen nicht einmal auf. Vergleicht man den Preis der Bananen mit dem der in einer Ecke liegenden Biobananen, so kosten die „normalen“ Bananen ungefähr die Hälfte. Dies liegt nicht etwa daran, dass Wucherpreise für die Biobananen verlangt werden, sondern weil zu wenig für Chiquita und Co. verlangt wird. Die zu geringe Bezahlung bekommt natürlich nicht der Konzern zu spüren, sondern die Plantagenarbeiter. Die Löhne werden von den Konzernen systematisch gedrückt. Um so günstig produzieren zu können, braucht es allerdings mehr, als bei den Gehältern zu sparen. Die Bananen werden regelmäßig gespritzt, unter anderem mit Nemagon, das von Dow Chemical und Shell Oil als preisgünstiges Pflanzengift auf den Markt gebracht wurde. Dieses wurde wegen seiner schädlichen Auswirkungen auf den Menschen(Knochenkrebs, Hautausschläge, Unfruchtbarkeit, missgebildete Neugeborene, Wachstumsstörungen,...) bereits 1977 verboten. Doch noch 1998 wurden in honduranischen Lagerstädten von Standard Fruit (Dole) große Mengen an Nemagon gefunden. Durch das Verbot von einem Gift hat sich die Situation allerdings nicht verbessert. In Kambodscha sind beispielsweise über fünfzig Pflanzenschutzmittel im Umlauf, darunter auch Folidol und Nemacur von Bayer, diese haben praktisch dieselben Auswirkungen auf den Menschen wie Nemagon. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jedes Jahr über zwei Millionen Menschen an Pestiziden. Die Gifte sind natürlich nicht nur für den Menschen, sondern auch für die Umwelt schädlich. So müssen ständig neue Gebiete zum Anbau erworben werden, dies kommt die Konzerne immer noch billiger als nachhaltig zu wirtschaften. (vgl. „Die Bananenseuche“, die tageszeitung, 11.01.2001)

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2.2.1. Bananenrepubliken Die meisten von uns kennen den Begriff „Bananenrepublik“; die Länder die hauptsächlich für ihren Bananenexport bekannt sind, werden so bezeichnet. Doch nicht diese tatsache ist der Grund für diesen Namen, sondern dass die dort produzierenden Bananenkonzerne mehr zu sagen haben als die Regierung. Die Konzerne kontrollieren in diesen Ländern oft das gesamte Transport- und Kommunikationsnetz. Sie bestechen Beamten zugunsten ihrer Geschäfte und stürzten ganze Regierungen in Lateinamerika, die versuchten, durch Landreformen der bäuerlichen Bevölkerung Mindestlöhne zu sichern. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010)

2.3. Orangen Rund neunzig Prozent der in Europa gekauften Orangensäfte stammen aus Brasilien. Dabei schafft es die EU nicht einmal, ihre eigenen Orangenproduktionen, die großteils aus Spanien stammen, zu verkaufen. Trotzdem wird das Orangensaftkonzentrat von den Konzernen lieber aus Brasilien importiert. Schuld daran ist wieder einmal der Preis. Für einen Liter Orangensaft zahlen wir im Supermarkt rund einen Euro, davon erhält der brasilianische Erntehelfer gerade einmal ein Vierhundertstel, das sind 0,26 Cent! Transport und Anbaufläche kosten das Unternehmen ein paar Cent, der Großteil des Preises ist aber reiner Gewinn. Carl Fisher, ein deutscher Auswanderer, begann Mitte der sechziger Jahre den Orangenanbau in Lateinamerika zu industrialisieren. Heute herrschen fünf Familien über mehr als 150 Millionen Orangenbäume und mehr als 70.000 Pflücker. Die Pflücker verdienen pro Kiste gerade einmal 15 Cent, bei einer Spitzenleistung von achtzig Kisten am Tag sind das nicht einmal zwölf Euro. Dabei kostet die Deckung der Grundbedürfnisse in Brasilien ähnlich viel wie in Europa. Zusätzlich dauert die Erntesaison maximal 6 Monate, das restliche Jahr haben die Erntehelfer überhaupt kein Einkommen. Wegen der niedrigen Löhne müssen auch Kinder und Alte mithelfen. Laut Schätzungen des gewerkschaftlichen Dachverbandes CUT waren 1996 15% der Orangenpflücker aus São Paulo Kinder. Seit Gewerkschaften dies angeprangert haben gibt es offiziell keine pflückenden Kinder mehr. Inoffiziell hört man immer wieder von Augenzeugen, dass es fast so viele wie früher gibt. Doch unabhängig ob es Kinderarbeiter gibt oder nicht, wurde damit nicht das ursprüngliche Problem gelöst; die zu geringe Bezahlung der Erntehelfer. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, „Bittere Orangen“, Broschüre, hrsg. Von der Südwind-Agentur, Wien 1997)

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2.4. McDonald‘s McDonald’s wurde von den Brüdern Richard und Maurice McDonald gegründet. Diese eröffneten 1940 ein Restaurant in San Bernardino, Kalifornien. Erst nach 1948 wurde das Restaurant bekannt, als die Brüder auf Selbstbedienung und eine innovative und rationelle Art der Hamburgerzubereitung umstellten. 1954 trat der Milchshake-Mixer-Verkäufer Ray Kroc an die Brüder heran und schlug ihnen vor, weitere McDonald’s Restaurants zu eröffnen. Kurz darauf konnte er sein erstes Lokal in Des Plaines, Illinois eröffnen. Seitdem expandierte die Kette schnell. Der gute Erfolg des Unternehmens beruhte damals auf guten Verbindungen Krocs zu Immobilienfirmen, die gute Lagen für die Lokale ermöglichten. Aber auch zu Disney, wodurch die Plastikspielzeuge zu den gerade aktuellen Filmen hergestellt werden konnten, und zur Coca-Cola-Company, von welcher McDonald’s inzwischen der größte Abnehmer ist. Der Vertrag zwischen Kroc und den Brüdern McDonald sah vor, dass Kroc für die Expansion zuständig war und die Brüder die Kontrolle über die Produktion behielten. Doch Kroc wurde zunehmend unzufriedener mit der Konstellation und schaffte es 1961 den Brüdern McDonald die Rechte an der Marke McDonald’s für 2,7 Millionen Dollar1 abzukaufen. Damals musste auch er für diese Summe einen Kredit aufnehmen. Hätten die McDonald Brüder die Rechte nicht verkauft und wären bei dem Vertrag geblieben, der ihnen 0,5% des Gewinns zusicherte, so würden sie heute 180 Millionen Dollar2 im Jahr verdienen. Heute ist McDonald’s die umsatzstärkste Fastfood-Kette der Welt mit 22,7 Milliarden Dollar3 (2009), obwohl sie nicht über die meisten Lokale verfügt. (vgl. http:// de.wikipedia.org/wiki/McDonald%E2%80%99s, WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010)

2.4.1. Rindfleischimport aus Südamerika Bereits in den achtziger Jahren wurde der Konzern für die Rinderimporte aus Südamerika kritisiert. Als der Konzern 1997 zwei seiner Kritiker verklagte, stellte sich in einem Aufsehen erregenden Prozess heraus, dass McDonald‘s auch in den Neunzigern noch Rindfleisch aus Brasilien und Costa Rica nach England und Frankreich importierte. Die Rinderfarmen befanden sich auf ehemaligen Regenwaldboden, dessen Rodung zur Zerstörung von Lebensraum der Ureinwohner führte. Heute 1 1.999.258 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011 2 133.283.880 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011 3 16.808.578.200 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011

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kommt alles Fleisch, dass in den 5200 Filialen Europas verkauft wird, auch aus Europa. Alleine McDonald‘s Deutschland verbraucht Jährlich 30.000 Tonnen Rindfleisch. Das sind vierzig Prozent der gesamten bayrischen Rinderproduktion. Rund ein Drittel der Futtermittel werden allerdings importiert, ca. die Hälfte davon aus Dritte-Welt Ländern. Dort wird das Futter auf den fruchtbarsten Böden der Länder angebaut, sodass diese nicht mehr für Nahrung der Einwohner genutzt werden können. Die Kühe der Reichen fressen das Brot der Armen. Neben den sozialen Aspekten ist Rindfleisch Essen auch schlecht für die Umwelt. 85% der Klimabelastung durch die Landwirtschaft kommt durch die Produktion tierischer Nahrungsmittel. Diese Belastung kommt durch das Methangas, das den Kühen gelegentlich entweicht. Eine Expertengruppe des deutschen Bundestages berechnete, dass eine Kuh ähnlich viel zur Globalerwärmung beiträgt, wie ein durchschnittliches Auto. Auch über die Tierhaltung an sich lässt sich nichts Positives berichten. Die Tiere werden auf engsten Raum gehalten und werden meist mit Kraftfutter gefüttert, um sie schneller zur Schlachtbank führen zu können. Nach groß angelegten Demonstrationen gegen die Art der Haltung von Rindern versprachen McDonald‘s und Burger King eine Verbesserung der Tierhaltung. Von einer artgerechten Haltung kann aber immer noch nicht die Rede sein. (idem, 2010)

2.4.2. Die BSE-Krise Durch die BSE-Krise 2000 kam es kurzzeitig zu einem fast kompletten Zusammenbruch des Rindfleischgeschäftes. Auch die Burgerkonzerne kamen unter Druck, am stärksten der Marktführer McDonald‘s mit Umsatzeinbußen von 10% im vierten Quartal 2000. Von Januar bis Anfang April 2001 sank die McDonald‘s Aktie umEntsorgung einer BSE-Kuh 22%. Mit dazu trug bei, dass am 13.01.2001 ein Verdachtsfall von BSE in der italienischen Fleischfabrik Cremonini gemeldet wurde, welche McDonald‘s exklusiv beliefert. Genau die Profitgier der Konzerne ist für die BSE-Krise verantwortlich: Diese verbreitete sich dadurch so schnell, dass man den Tieren zu Tiermehl verarbeitete Kadaver zu fressen gab. Dabei sind Kühe eigentlich Vegetarier. Andere unsaubere Futtermittel sind die gentechnisch veränderten: Amerikanische FuttermittelkonSeite 11


zerne mischen seit 1996 gentechnisch verändertes Futter unter die Lieferungen. Greenpeace konnte dies erstmals 2000 bei Futtermittel von Hühnern, die zu „Chicken McNugets“ und „McChicken“ verarbeitet werden nachweisen. Erst nach massiven Protesten erklärte sich McDonald‘s bereit ab April 2001 keine gentechnisch veränderten Futtermittel mehr einzusetzen. (idem, 2010)

2.5. Nestlé 1867 Gelang es dem Apotheker Henri Nestlé ein lösliches Milchpulver herzustellen, welches Säuglingen als Muttermilchersatz gegeben werden konnte. Dieses vermarktete er unter dem Namen Nestlé Kindermehl. Bereits ein Jahr davor gründete er die Farine Lactée Henri Nestlé S.A. mit seinem Familienwappen als Logo, welches auch gut zu seinem ersten Produkt passt. Im Schwäbischen, von wo Henri Nestlé ursprünglich kommt, bedeutet Nestlé „Kleines Nest“. 1898 übernahm er die erste ausländische Fabrik; ein Milchpulverwerk in Norwegen. 1905 fusionierte Nestlé mit der damals deutlich größeren Anglo-Swiss Condensed Milk Company, der Name Nestlé wurde aber wegen besserer Bekanntheit beibehalten. Es folgten zahlreiche Übernahmen, Beteiligungen und Fusionen, der Name Nestlé blieb aber. Unter anderem wurde der Löskaffee erfunden4. Heute ist Nestlé der größte Lebensmittelkonzern der Welt und das größte Industrieunternehmen in der Schweiz mit einem Umsatz von 107,618 Milliarden CHF5 (2009). Nestlé ist praktisch in der gesamten Lebensmittelbranche weltweit tätig und übertrifft selbst Coca-Cola in seiner Omnipräsenz. Doch inzwischen besitzt Nestlé auch Non-food Unternehmen, wie zum Beispiel Anteile an L’Oréal. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://de.wikipedia.org/wiki/Nestl%C3%A9)

2.5.1. Babynahrung In den siebziger Jahren versuchten Nestlé und andere Nahrungsmittelkonzerne künstliche Babynahrung zu vermarkten. Dazu starteten sie groß angelegte Werbekampagnen und verschenkten unter Hinweis, dass die künstliche Nahrung besser sei als die natürliche Muttermilch, Trockenmilchpulver an schwangere Frauen, Mütter und Geburtshäuser. Vor allem in den Entwicklungsländern führte dies zu 4 Heute besitzt Nestlé mehrere Kaffeemarken, die bekanntesten von ihnen sind Nespresso und Nescafé 5 82.216.023.800 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011

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katastrophalen Auswirkungen. Die Mütter nahmen die geschenkte Babynahrung an, in dem Glauben, sie sei wirklich besser als natürliche Muttermilch. Allerdings hatten die meisten von ihnen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Als die Konzerne dann aufhörten, Milchpulver zu verschenken, waren bei den meisten Müttern auch die Brüste ausgetrocknet. Die Frauen mussten auf einmal das Milchpulver um Wucherpreise kaufen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verabschiedete im März 1981 einen „Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatznahrung“. Dieser schränkt die Werbung für Babynahrung stark ein und untersagt das Verschenken und die vergünstigte Weitergabe von Babynahrung. Nestlé veröffentlichte daraufhin 1982 einen eigenen Kodex, der an dem der WHO angelehnt war, dieser wurde aber vom UNO-Kinderhilfswerk UNICEF als vollkommen unzureichend kritisiert. Erst durch zunehmenden Druck durch Boykotte unter dem Motto „Nestlé tötet Babys“ gab Nestlé 1984 nach und unterzeichnete den Kodex der WHO. Doch anstatt sich an den Kodex zu halten, suchte man Schlupflöcher oder ignorierte ihn einfach ganz. Das International Baby Food Action Network (IBFAN) dokumentiert auf seiner Homepage zahlreiche Verstöße gegen den WHO-Kodex. Neben Nestlé sind dort auch Hipp, Milupa, Danone, Abott, Humana, Heinz und viele Weitere zu finden. Ende 1999 berichtet ein ehemaliger Nestlé-Mitarbeiter dem Magazin Stern über die Zustände in Pakistan. „Um die Verkaufszahlen zu steigern, haben wir Kinderärzte geschmiert und Mütter von Säuglingen beschwatzt“ „Todbringende Rezeptschlacht“, Stern 50/1999 Zur selben Zeit wollte der ZDF eine Reportage über den Skandal senden, zog ihn aber kurzfristig, nach Interventionen durch Nestlé, zurück. Laut UNICEF verwendeten damals 84% aller Mütter künstliche Babynahrung in Pakistan, bei 130 Millionen Einwohnern ein lukratives Geschäft. Nestlé informierte zwar auf den Produkten und seiner Webseite, dass Muttermilch die günstigste und beste Nahrung für ein Baby ist, allerdings kann in Pakistan nur jede vierte Frau lesen und schreiben. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, „Todbringende Rezeptschlacht“, Stern 50/1999)

2.5.2. Vermarktungsargument Aids Nestlé und Co. haben einen neuen Versuch gestartet, ihre Babynahrung „an die Frau zu bringen“. Sie argumentieren, dass nur durch eine Gratisausgabe von Säuglingsnahrung die Übertragung von HIV durch die Muttermilch verhindern kann. Vor allem in Afrika hat die Verbreitung von Aids gigantische Ausmaße erreicht. Nach

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Angaben der Aids-Agentur der Vereinten Nationen UNAIDS sind südlich der Sahara neun Prozent aller Mütter HIV-positiv. Fast vier Millionen Kinder sind bereits weltweit an Aids gestorben. Schätzungsweise 3,5 Millionen davon wurden von ihren Müttern infiziert. Laut den Konzernen könnten durch die Ausgabe von gratis Babynahrung viele dieser Kinder überleben. Das Wall Street Journal wirft UNICEF sogar vor mit diesem Verbot den unbeabsichtigten Tod von Kindern in Kauf zu nehmen. Doch UNICEF ist nicht prinzipiell gegen ein Verbot der Gratisausgabe von Babynahrung an HIV-positive Mütter. Allerdings könnte man dann nicht verhindern, dass auch andere Mütter diese Produkte anfangs geschenkt bekommen. Doch auch bei den HIV-positiven Müttern erfolgen nur 15% der Ansteckungen durch die Muttermilch, die meisten Kinder werden bereits im Mutterleib angesteckt. Geschätzte 1,1 bis 1,7 Millionen Kinder wurden seit dem Auftreten von Aids durch die Muttermilch infiziert. Ein weiteres Problem besteht darin, dass nur ca. fünf Prozent der HIV-Positiven in Afrika auch wissen, dass sie Aids haben und man somit gar nicht gezielt den betroffenen Müttern gratis Babynahrung zukommen lassen kann. Jährlich sterben 1,5 Millionen Kinder daran, dass sie nicht natürlich gestillt wurden; das Milchpulver wurde in bakteriell infizierten Wasser aufgelöst, wodurch es leicht zu Krankheiten wie Diarrhöe kommt. Vergleicht man die 1,5 Millionen Toten im Jahr mit den ca. 1,5 Millionen in zwanzig Jahren, so sieht man doch, dass es besser ist, die Gratisausgabe von Babynahrung zu verbieten und damit weitere Millionen Tote durch Infektionen zu verhindern. UNICEF hat auch versucht, mit Nestlé und Co. in Kontakt zu treten, um Muttermilchersatzprodukte für Mütter, die nachgewiesen HIV-positiv sind, unter strengen hygienischen Bedingungen, zugänglich zu machen, doch die Verhandlungen scheiterten daran, dass Nestlé diese Ausnahme gleich wieder für Werbezwecke missbrauchen wollte. Dadurch könnte es passieren, dass künstliche Babynahrung als Wundermittel gegen Aids in aller Munde gerät, wodurch sich auch in armen afrikanischen Ländern satte Profite von Nestlé erwirtschaften ließen und als Nebenwirkung hundert Tausende Kinder durch Infektionen sterben würden. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://babynahrung.org/, http://ibfan.org/, „Formula for Disaster“, Wall Street Journal, 6.12.2000)

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2.6. Situation in Europa Nicht nur in den Dritte Welt Ländern gibt es schlechte Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen. Normalerweise sind wir Europäer die Konsumenten der Menschenrecht-verletzenden-Konzerne, doch in manchen Fällen sind wir auch die Opfer. Zum Beispiel werden dem deutschen Lebensmittelkonzern Aldi (Hofer) und zahlreichen anderen großen Supermarktketten, aber auch McDonald‘s, schlechte Arbeitsbedingungen, niedrige Gehälter und die Unterdrückung von Gewerkschaften vorgeworfen. Im Herbst 2000 revolutionierten französische Gewerkschaften gegen Aldi, weil er seine Angestellten bis zu 60 Stunden arbeiten ließ, ohne die Überstunden zu bezahlen. Am stärksten betroffen sind in Europa allerdings die Erntehelfer und Saisonarbeiter. Diese sind oft Zuwanderer und müssen zu niedrigsten Löhnen arbeiten. Nach der Erntesaison droht ihnen die Abschiebung. In Almería, Spanien sind geschätzt 15.000 bis 25.000 zugewanderte illegale Erntehelfer tätig, die meisten von ihnen stammen aus Marokko. Sie sind dem Willen ihrer Arbeitgeber ausgesetzt, da sie keine Aufenthaltsgenehmigung, geschweige denn Arbeitsgenehmigung haben. Die Behörden wissen das, doch unternehmen sie deshalb nichts dagegen, da der Wohlstand der Region von der Ernte abhängt. Ohne die 25.000 „Illegalen“ würde ein Großteil der Ernte verfaulen. Seit Juan Enciso Bürgermeister von El Ejido ist, stehen Einschüchterungen der Marokkaner an der Tagesordnung. Enciso stammt von einer Familie, die Agroejido, eine der größten Handelsfirmen der Umgebung besitzt. Bereits 1998 wurden zwei Landarbeiter auf grausamste Art und Weise hingerichtet und zwei andere bei lebendigem Leib verbrannt. Diese Fälle wurden nie geklärt. Man vermutet aber, dass dahinter eine Miliz der Ernteunternehmer steckt, um die Erntehelfer einzuschüchtern. Der Profit der Ausbeutung geht natürlich wieder an die Konzerne. Die marokkanischen Arbeiter erhalten rund 20 Euro am Tag, Einheimische zumindest das Doppelte. Und das für lange Arbeitszeiten in den Gewächshäusern mit oft über fünfzig Grad, in welchen der Dunst von Sprühmitteln ist, die zu schweren Vergiftungen führen. Etwa fünf Prozent aller Vergiftungen durch diese Mittel führen zum Tod. Ein Immigrant bringt deren Lebensweise auf den Punkt: „Wir arbeiten unter Plastik und wir wohnen unter Plastik“. (idem, 2010)

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2.7. Alternativen 2.7.1. Bio Die erste Alternative sind biologische Produkte. Diese sind nach der EU-Verordnung Nr. 2092/91 genau geregelt, exakte biologische Anbaubedingungen sind vorgeschrieben und Tiere müssen artgerecht gehalten werden. Außerdem ist die Verwendung von Gentechnik und gesundheitsgefährdenden Zusätzen verboten. Allerdings müssen Bioprodukte nicht unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Zum Beispiel gibt es im deutschen Biolandbau polnische Erntehelfer, die ohne Sozialversicherung für drei Euro die Stunde arbeiten. In den meisten Fällen ist das aber zum Glück nicht so, da die Firmen wissen, dass ihre Konsumenten höhere Ansprüche an die Produktionsbedingungen stellen und auch dafür zahlen. (vgl. http://www.bio-austria.at/)

2.7.2. Lokaler Handel Produkte, die in Mitteleuropa hergestellt wurden sind auf jeden Fall vertretbarer als jene aus Südamerika oder Afrika. Alleine weil durch den spürbar kürzeren Transportweg eine Menge Abgase gespart werden können. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Orangen aus Spanien von Kindern geerntet wurden ist auch äußerst gering. (idem, 2010)

2.7.3. Fairer Handel Viele Lebensmittel und Genussmittel, wie Kaffee, Kakao, Bananen und andere Südfrüchte können allerdings nicht bei uns hergestellt werden. Um auch hier sicher gehen zu können, dass die Ware unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde, gibt es Gütesiegel wie Trans Fair und Max Havelaar. Diese garantieren nicht nur, dass die Arbeiter fair entlohnt wurden, sondern auch ein nachhaltiges Wirtschaften. Durch den Kauf von fair gehandelten Lebensmitteln sichert man die Zukunft zahlreicher Kleinbauern in Dritte Welt Ländern und kann außerdem sicher gehen, dass die Lebensmittel nicht mit hoch giftigen Pestiziden besprüht wurden. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://www.fairtrade.at/)

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2.8. Monsanto 2.8.1. Firmengeschichte Monsanto wurde 1901 von John F. Queeny gegründet. Damals war Monsanto ein Chemiekonzern, dessen geschäftlicher Schwerpunkt die Herstellung von Saccharin und Coffein war. 1960 begann der Aufbau der landwirtschaftlichen Abteilung und Monsanto entwickelte sich zum Spezialisten für Agrarchemie und gentechnisch verändertes Saatgut. Begonnen hat dies mit der Herstellung von Unkrautvernichtungsmitteln. 1982 gelang es Monsanto erstmals, eine Pflanzenzelle genetisch zu verändern, ab diesem Zeitpunkt begann das Geschäft mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO). 2000 wurde Monsanto von Pharmacia erworben, Pharmacia wird allerdings bereits 2002 von Pfizer „geschluckt“ und noch im selben Monat wird Monsanto wieder ein eigenständiger Konzern. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://de.wikipedia. org/wiki/Monsanto)

2.8.2. PCB Produktion und ihre Folgen Bis 1976 war das Aushängeschild von Monsanto die Produktion von PCB6, danach wurde die Produktion verboten. Monsanto wusste aber bereits viel früher, dass PCB gefährliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben kann. Allerdings zog man es vor dies zu verschweigen, um weiterhin Geschäfte mit der Produktion von PCB machen zu können. Eine Fabrik zur Herstellung von PCB befand sich in Anniston, Alabama. Hunderte Menschen starben hier an Krebs, Hepatitis, Diabetes und anderen durch PCB hervorgerufene Krankheiten. Die Menschen, die heute noch in Anniston leben, haben alle einen höheren PCB-Gehalt im Blut als Menschen von anderswo. 2001 legten 20.000 Einwohner von Anniston eine Sammelklage gegen Monsanto ein. Monsanto wurde zu Schadenersatzzahlungen in Höhe von 700 Millionen Dollar7 verurteilt, musste die Gegend kontaminieren und ein Spezialkrankenhaus für PCB 6 Polychlorierte Biphenyle sind giftige, krebsauslösende Chlorverbindungen. Sie wurden vor allem in Transformatoren, Hydraulikanlagen und elektrischen Kondensatoren als Hydraulikflüssigkeit und in Kunststoffen und Lacken als Weichmacher verwendet. Heute zählen PCB zu den zwölf als „Dreckiges Dutzend“ bekannten organischen Stoffen und wurden bei der Stockholmer Konvention 2001 verboten. PCB haben sich allerdings bereits überall auf der Welt verteilt und sind auch nachweisbar. 7 518.326.200 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011

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Opfer einrichten. Nach dem Urteil musste Monsanto auch geheime Dokumente veröffentlichen, hier zwei kurze Ausschnitte daraus: „Der Kontakt mit PCB hat toxische Auswirkungen auf den gesamten Organismus und ruft Akne ähnliche Hautausschläge hervor.“ (Dokument aus dem Jahr 1937)

„Nach dem Platzen einer Rohrleitung in der Fabrik weisen die Arbeiter Symptome von Hepatitis auf.“ (Dokument aus dem Jahr 1961) Ebenfalls kamen viele Briefe, die eigentlich nur für Firmenpartner gedacht waren an die Öffentlichkeit, einer davon beinhaltet folgenden Auszug: „Wir können es uns nicht leisten, auch nur einen Dollar zu verlieren“. Wenn man nun alle Dokumente und Briefe von Monsanto kennt, wird einem sehr schnell bewusst, wie viel Monsanto eigentlich wusste, es aber verschwieg, um mehr Profit machen zu können. (vgl. ROBIN, M.-M., 2007)

2.9.3. Agent Orange und Dioxin 1949 gab es eine Explosion in einer Fabrik von Monsanto, die Dioxin herstellte, daraufhin erkrankten 228 Arbeiter an Chlorakne. Über 245 Tonnen Dioxin wurden im Vietnamkrieg in dem Gemisch „Agent Orange“, welches hauptsächlich aus Dioxin besteht, als Entlaubungsmittel eingesetzt. Damals erkrankten mehrere hunderttausend Bewohner, aber auch 200.000 US-Soldaten. Die Folgen sind bis heute spürbar, bei Geburten gibt es ein stark erhöhtes Auftreten von Fehlbildungen und wesentlich mehr Menschen als normalVerteilnung von Agent Orange erkranken an Krebs, haben Immunschwächen oder andere Krankheiten. Während die geschädigten, ehemaligen US-Soldaten nach gerichtlichen Auseinandersetzungen von den Herstellerkonzernen finanziell entschädigt werden mussten, erhielten und erhalten die vietnamesischen Geschädigten bis heute praktisch nichts. 1990 finanzierte Monsanto Studien, welche belegen sollten, dass Dioxin nicht krebserregend ist. Die Studien fielen auch nach dem Wunsch von Monsanto aus, dass Dioxin nicht krebserregend ist. Bei genauerem Hinschauen stellte man aller-

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ding fest, dass diese Studien manipuliert waren. War ein Krebspatient in der Studie als „nicht mit Dioxin in Kontakt gewesen“ gelistet, so sagt seine Akte dass er mit Dioxin in Kontakt war, so schrieb man was man gerade brauchte, um gleich viele Krebspatienten zu haben, welche in Kontakt mit Dioxin waren, wie welche die es nicht waren. So leitete man dann Kind, dessen Eltern mit Agent Orange in Kontakt ab, dass Dioxin kein Krebserreger sei. gewesen sind. Man wünschte sich also ein bestimmtes Ergebnis und baute die Studie dann so auf, dass dieses Ergebnis herauskam. (vgl. ROBIN, M.-M., 2007, http://de.wikipedia.org/wiki/Agent_Orange, http://de.wikipedia.org/wiki/Dioxin)

2.9.4. Roundup Seit 1974 produziert Monsanto das Totalherbizid8 „Roundup“. Früher wurde Roundup von Monsanto als unschädlich für die Umwelt und biologisch abbaubar angepriesen, Monsanto wurde zweimal für diesen Aufdruck verurteilt, das erste Mal 1996 in New York, das zweite Mal 2006 in Frankreich. Erst vor kurzem verschwanden diese Angaben von der Verpackung. Nach Studien, die Monsanto selber durchgeführt hat, ist innerhalb von 28 Tagen ein biologischer Abbau von zwei Prozent möglich. Es gibt natürlich auch zahlreiche unabhängige Versuche mit Roundup. Der französische Wissenschaftler Prof. Robert Bellé belegte in einer Studie anhand von befruchteten Seeigeleiern, dass Roundup die Zellteilung stört und Krebs hervorrufen kann. Diese Studie wurde allerdings mit einer weitaus geringeren Dosis von Roundup durchgeführt, als es normal angewendet wird; man kann sich also vorstellen, welche Auswirkungen Roundup auf den Menschen haben kann. Als Prof. Robert Bellé dies herausfand, wollte er die Öffentlichkeit allarmieren und wandte sich an seine Aufsichtsbehörden, diese drängten jedoch dazu, dies nicht zu tun, da die Frage der GVOs und deren Entwicklung dahinter steht. –Nur einer von vielen Fällen, in denen Profit der menschlichen Gesundheit, oder sogar Menschenleben, vorgezogen wird. (vgl. ROBIN, M.-M., 2007, Monsanto, http://de.wikipedia.org/wiki/Roundup)

8 Herbizid = Unkrautbekämpfungsmittel, Totalherbizide oder auch Breiba herbizide wirken unspezifisch gegen viele Pflanzenarten

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2.9.5. Unsaubere Methoden, um Gentechnik durchzusetzen Dan Glickman, der Landwirtschaftsminister von 1995 – 2000 in den USA, erzählte, dass die damalige Einstellung allgemein pro GVOs war und man sie nicht durch unnötig lange Überprüfungsverfahren behindern sollte. Einige Leute wollten aber auch nicht zu viele Kontrollen, um verheimlichen zu können, dass Gentechnik schädlich sein kann. Als Glickman genaue Prüfungen durchführen lassen wollte, hagelte es nicht nur von der Wirtschaft und der Opposition Kritik, sondern auch aus den eigenen Reihen, sodass Glickman praktisch nichts anderes übrig blieb, als die GVOs ohne oder mit minimalen Kontrollen zuzulassen. Als Argument, warum keine Prüfungen notwendig waren, sagte man einfach, dass man bis jetzt ja auch nur Gene gegessen hat und man nichts anderes gemacht hat, als ein paar Gene zur Pflanze hinzugefügt zu haben. Gegner der GVO versuchten daraufhin, es als Lebensmittelzusatz deklarieren zu lassen, da so wieder ausführliche Kontrollen notwendig gewesen wären, doch sie hatten damit keinen Erfolg. Für den Staat arbeitende britische Forscher stellten fest, dass die Gentechnik von Monsanto auf den Menschen negative Auswirkungen hat. Nur ein paar Tage später bekam das Institut eine hohe Menge Geld von Monsanto und noch einmal ein paar Tage später wurden genau diese Forscher, offiziell grundlos, entlassen. Um die Unschädlichkeit von Gentechnik zu beweisen, ließ Monsanto eine unabhängige Studie durchführen. Diese Studie belegte auch, was Monsanto haben wollte, doch die Wissenschaftler Prof. Ian Pryme und Rolf Lembcke überprüfen die Studie und bewiesen eine nicht korrekte Durchführung, da viele Fragen einfach offen blieben, ungenügend oder sogar falsch beantwortet wurden. Auffällig ist, dass viele hohe Monsanto-Mitarbeiter zur Regierung wechselten und andersherum, natürlich in Positionen, in denen man maßgeblichen Einfluss auf die GVO-Bewilligungen hat. In den USA hat die Food and Drug Administration (FDA) erlassen, dass GVO nicht gekennzeichnet werden muss und darf. Gentechnikfreie Produkte dürfen ebenfalls nicht gekennzeichnet werden, sodass der Konsument nicht die Wahl hat, welche Produkte er kauft. Hinter diesem Erlass stecken vermutlich auch GVO-Lobbyisten. Begründet wird dieser Erlass damit, dass man den Marktwettbewerb aufrechterhalten möchte. Dass Kunden so ihr Entscheidungsrecht genommen wird, interessiert kaum jemanden. (idem, 2007)

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2.9.6. Regenwaldabholzung für GVO-Kulturen 2007 wurden in Südamerika 40 Millionen Hektar Roundup Ready Soja angebaut. Doch wie konnte es dazu kommen, wenn Argentinien das einzige südamerikanische Land war, in dem GVOs erlaubt waren?9 Nach und nach kamen die GVOs auf geheimnisvolle Art und Weise in die Nachbarländer Brasilien und Paraguay. 2005 legalisierte man in Paraguay die GVOs, um die Sojaexporte zu retten, da in Europa GVOs gekennzeichnet sein müssen. Solange GVOs illegal waren, konnten die Landwirte sie nicht kennzeichnen und damit auch nicht exportieren. Ob nun Monsanto hinter diesen ins Land geschmuggelten Saatgut steckt oder nicht, es war auf jeden Fall lohnend für das Unternehmen, da es seit der Legalisierung auf jede produzierte Tonne Soja Lizenzgebühren verlangen können. Auch in Brasilien wurden GVOs legalisiert, um die Exporte zu retten. Seit der Legalisierung wird mit allen Kräften abgeholzt und Kleinbauern werden, wenn nötig gewaltsam, ihres Grundes enteignet, um mehr Anbaufläche für GVOs zu schaffen. Es werden ausschließlich Monokulturen angebaut, die neben der Abholzung noch einmal schädlich für die Umwelt sind. Roundup wird mit Fliegern und Verteilern,10 welche ohne Schutzbekleidung gefahren werden, verteilt. Man macht nicht einmal vor den Eingangstüren der Kleinbauern halt, es wird praktisch alles „niedergesprüht“. Durch all diese Faktoren wird langsam aber sicher das Kleinbauerntum und die Umwelt in Paraguay zerstört. Den wenigen Kleinbauern, die sich noch halten können, geht es extrem schlecht, ihre Tiere (z.B. Enten und Gänse) sterben durch das Roundup, das sich inzwischen in allen Flüssen, Seen und Teichen befindet. Die Menschen, besonders Kinder, bekommen Hautausschläge und andere Krankheiten. Da kaum jemand diese Lebensbedingungen dauerhaft aushält, ziehen viele Kleinbauernfamilien in die Slums der Großstätte, leider erwartet sie auch dort kein besseres Leben, da sie sich nicht mehr selber versorgen können und ihre Nahrung in Geschäften kaufen müssen. Wenn sie einmal keinen Tagesjob finden, kann es leicht dazu führen, dass sie Nahrung in Mistkübeln suchen müssen. Jährlich wandern wegen der Gentechnik und dessen Großanbau 100.000 Menschen in Paraguay vom Land in die Slums der Großstädte. Abgeholzter Regenwald auf Sumatra 9 Seit 1997 sind GVOs in Argentinien erlaubt 10 Traktoren mit Sprühanhängern

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Inzwischen gehören in Paraguay zwei Prozent der Bevölkerung siebzig Prozent der landwirtschaftlichen Fläche und dank der GVOs geht dieser Konzentrierungsprozess weiter. Dreiviertel der Produzenten sind Ausländer, die ihr Geld in das „neue Gold“ investieren, viele der Investoren wissen nicht einmal, welche Folgen diese Art der Bewirtschaftung hat. Die wenigen, die es wissen, interessiert es nicht, solange sie Geld daran verdienen. Da durch die hohe Rinderproduktion und den Biosprit die Preise für Grundnahrungsmittel wie Soja gestiegen sind, kann man auch davon ausgehen, dass der Trend für GVO-Kulturen noch steigen wird und auch in Zukunft noch viel Regenwald abgeholzt wird. (idem, 2007)

2.9.7. Zerstörung der natürlichen Arten durch GVOs Als man gentechnisch veränderten Mais mit herkömmlichen Mais vergleichen wollte, suchte man herkömmlichen Mais in Mexiko, dem Ursprungsland des Maises. Man war sehr überrascht, dass selbst dieser Mais gentechnisch verunreinigt war (und ist), da in Mexiko nach wie vor GVOs verboten sind, um die Artenvielfalt zu schützen. Diese traurige, bedenkenswerte Feststellung Mexikanische Artenvielfalt, be- veranlasste genauere Untersuchungen. Bei Proben aus droht durch die GVOs fünf verschiedenen Regionen in Mexiko wurden dabei GVOs entdeckt. Man erklärt diese Verunreinigung durch den subventionierten Importmais aus den USA, von dem immer wieder ein paar Maiskörner von den Geschäften auf die Felder gelangt sind. Wenn es dann einmal so weit ist und der gentechnisch veränderte Mais den herkömmlichen vertreiben sollte, so müssten die Maisbauern Lizenzgebühren an Monsanto zahlen und zusätzlich Düngemittel kaufen, da die GVO-Kulturen nicht ohne Dünger bestehen würden, während die herkömmlichen Sorten dies sehr wohl können. Neben der harmlosen Theorie für das Auftreten von GVOs in Mexiko gibt es allerdings auch die Vermutung der absichtlichen Kontamination, angestiftet durch GVO-Konzerne wie Monsanto, um in einem Land mehr verdienen zu können. (idem, 2007)

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2.9.8. Patent auf Nahrung Monsanto hat auf seine Sorten von Gentechnik Patente. Bauern, die diese Produkte anbauen, müssen Lizenzgebühren an Monsanto zahlen. Wie das Einhalten dieser Lizenzzahlungen überprüft wird, wird von Monsanto allerdings nicht angegeben. Lieber gibt man schöne Versprechen ab. „Im Falle des unbeabsichtigten Auftretens von Monsanto-Sorten verpflichten wir uns eine Lösung zu finden, die den Landwirt ebenso zufrieden stellt wie Monsanto selbst.“ Monsanto In der Realität gab es mehr als hundert Anklagen durch Monsanto, die ausnahmslos zum Ruin der Angeklagten führten. Doch selbst Bauern, die Lizenzen zahlen, können ins Visier von Monsanto kommen. Hierzu eine kurze Geschichte über den Landwirt Troy Roush: 1999 kam ein Privatdetektiv im Auftrag von Monsanto zu Troy Roush an den Hof. Er wollte überprüfen, ob alles korrekt bezahlt worden sei und nichts als Saatgut zurückgelassen wurde. Roush wollte ihm die Zahlungsbelege zeigen, doch der Detektiv lehnte ab und machte sich nach dem kurzen Gespräch wieder davon. Ein paar Tage später bekam Roush eine Anklage von Monsanto, man hätte Beweismaterial, dass Roush Saatgut zurückbehalten habe. Selbst wenn er das wirklich hätte, müsste Monsanto sich unerlaubt Zutritt auf seinen Hof verschaffen haben. Nach zweieinhalb Jahren Rechtsstreitigkeiten kam man zu einer außergerichtlichen Einigung, da die Roushes Angst hatten, alles zu verlieren. Monsanto ist es also egal, ob jemand überhaupt das Patentrecht verletzt hat oder nicht, Hauptsache man kann sich irgendwie noch mehr bereichern. Seit 2003 erhalten irakische Bauern patentiertes Saatgut aus den USA. Hersteller dieses Saatguts sind Monsanto, Syngenta und Bayer. Anfangs schenkten sie das Saatgut „großzügiger Weise“ her. Doch 2007 wurde diese Nächstenliebe durch das Einsammeln von Lizenzgebühren ersetzt. Die Bauern hatten dabei von Anfang an keine Wahl, nach dem Krieg hatten die meisten nichts mehr anzubauen, bzw. wurde ihnen von der amerikanischen Besatzungsregierung vorgeschrieben, das GVOSaatgut zu benutzen. Dazu sollte man noch erwähnen, dass Hauptverantwortlicher für den Wiederaufbau der irakischen Landwirtschaft Dan Amstutz ist. Amstutz war früher Manager bei dem weltweit größten Getreidehändler Cargill. Es ist also absolut unangebracht, einen Lobbyisten der Agrarindustrie als Wiederaufbauleiter der Landwirtschaft einzusetzen. „Das ist, als hätte man Saddam Hussein zum Vorsitzenden einer Menschenrechtskommission gemacht.“ Oxfam

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An den nationalen Sorten hatte Amstutz natürlich kein Interesse. Wobei doch der Irak das Ursprungsland des Korns ist; vor über 10.000 Jahren begannen die Menschen in Mesopotamien, dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, mit der Kultivierung von Pflanzen. Der nationale Samenspeicher wurde durch den Krieg zerstört, doch hat das Nachbarland Syrien noch viele Samenproben aus dem Iran. Die Syrier zögern allerdings ihrem Nachbarland sein landwirtschaftliches Erbe zurückzugeben. Viele Friedensnobelpreisträger, die gemeinsam versuchen gegen diese Entwicklungen im Irak vorzugehen, befürchten auch, dass die amerikanischen Unternehmen sich dieses Saatgut anzueignen versuchen würden, um es dann wieder mit Patentkosten an die Iraker zu verkaufen. So müssten die Iraker sogar für ihr eigenes Saatgut Patentgebühren zahlen. Monsanto hat mehr als fünfzig Saatgutfirmen weltweit aufgekauft und schafft sich nach und nach eine Monopolstellung. Durch diese Lebensmittelprivatisierung kann Monsanto Kontrolle ausüben, viel mehr Kontrolle, als uns recht ist! In Indien kaufte Monsanto 1999 Mahyco, das größte Saatgutunternehmen Indiens, auf. 2001 wurde von der indischen Regierung der Anbau von BT-Baumwolle11 erlaubt. Wissenschaftler vergleichen die BT-Baumwolle mit herkömmlicher und kommen zu dem Ergebnis, dass herkömmliche Baumwolle ertragreicher ist, während Monsanto behauptet, dass BT-Baumwolle um dreißig Prozent mehr Ertrag bringe. Die Wissenschaftler stellen außerdem fest, dass die BT-Baumwolle krankheitsanfälliger ist und es daher leichter einmal zu einem Ernteausfall kommen kann. Da Monsanto in Indien aber fast den gesamten Baumwollmarkt beherrscht, bleibt den indischen Bauern nichts anders übrig, als weiter BT-Baumwolle anzubauen, welche nebenbei um einiges teurer ist. Seit der Fastmonopolstellung von Monsanto in Indien stieg auch die Selbstmordrate in Indien stark an. Um sich das Saatgut kaufen zu können, müssen die Bauern Kredite mit Wucherzinsen aufnehmen, fällt dann die Ernte schlecht aus, so bedeutet das Bankrott. Im ersten Jahr, in dem der Anbau von BT-Kulturen erlaubt war, gab es 600 Selbstmorde von Baumwollbauern, danach gab es 680 Selbstmorde in einem halben Jahr, bis heute hat sich diese Zahl nicht mehr wesentlich verändert. (vgl. ROBIN, M.-M., 2007, WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, „Die andere Seite des Irak-Krieges - Iraker sollen ihr Saatgut nicht mehr aussäen dürfen“, Schrot & Korn 9/2005, http://www.free-blog.in/systemfehler/11367/Warum+die+Amis+nicht+aus+dem+Irak+abr%FCcken.html)

11 Baumwolle, die resistent gegen Baumwollkapselwürmer sein soll, sodass man sie nicht mit Insektiziden spritzen muss. In Wahrheit muss man sie nach ca. 30 Tagen genauso spritzen

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2.9.9. Rinderwachstumshormon Nicht nur bei den Pflanzen richtet Monsanto durch Gentechnik Unheil an, auch an Tieren versucht man sich. Als man das Rinderwachstumshormon überprüfen ließ, entfernten die Wissenschaftler einige Daten oder änderten sie, sodass das Ergebnis positiv für das Hormon ausfiel. Eine unabhängige Studie belegt allerdings, dass dieses Wachstumshormon die Gesundheit der Tiere beeinträchtigt und die des Menschen gefährdet. Die Kühe leiden an Mastitis, wodurch Eiter in die Milch gelangt. Gegen die Mastitis erhalten die Kühe Antibiotika, welche dann ebenfalls in der Milch landen und das Wachstumsmittel natürlich ebenso. Die Kühe, welche Wachstumshormone bekommen haben, geben also Milch, in der Eiter, Antibiotika und Rückstände von Wachstumshormonen enthalten sind. Und das alles soll keinen Einfluss auf den Menschen haben? In Europa wurde das Wachstumshormon selbstverständlich nie zugelassen, aber auch in Kanada nicht, obwohl sich die kanadischen Gesundheitsbehörden normalerweise einfach nach den USA richten, welche es zugelassen haben. (idem, 2007)

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3. Bekleidung 3.0.1. Wo unsere Bekleidung herkommt Gut neunzig Prozent der in Europa verkauften Bekleidung und Schuhe werden in Billigstlohnländern wie China oder Bangladesch hergestellt. Die Herstellung dort erfolgt ausschließlich in Zulieferbetrieben. Keine einzige Marke, die wir bei uns im Gewandgeschäft finden produziert selber. Nike, Adidas, Reebock und Co., keiner von ihnen produziert auch nur ein T-Shirt selber. Die Konzerne beschränken sich auf das Designen und das Vermarkten der Ware. (Vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010)

3.0.2. So werden unsere Sportschuhe produziert Beispielsweise finden wir heute kaum einen neuen Sportschuh, der unter hundert Euro kostet. Die Produktion kostet den Konzern gerade einmal zwölf Prozent davon, das heißt die restlichen 88 Prozent sind reiner Gewinn. Von den zwölf Prozent, die der Produzent erhält, müssen Materialkosten und Arbeitszeit bezahlt werden. Der Großteil davon geht natürlich fürs Material drauf, etwas möchte der Produzent als Gewinn einstreichen und der kleinste Betrag geht an die Arbeiter. Laut der Clean Clothes Kampagne erhält eine Näherin für einen Sportschuh ca. 0,4% des Gesamtpreises. Bei Schuhen um hundert Euro würde die Näherin also 40 Cent erhalten. In Zulieferbetrieben wie Formosa und Par Garment, welche Nike, Adidas, Puma, Fila und weitere bekannte Markenfirmen beliefern, verdient eine Arbeiterin knappe fünf Euro am Tag. Davon muss sie über die Hälfte für die Kantine ausgeben, weiters kommt für die meisten ein Busticket von 77 Cent je Fahrt, sprich 1,54€ am Tag, so sind schon wieder 4,10€ von fünf Euro weg. Angenommen die Arbeiterin hat kein Kind oder sonst jemanden zu verpflegen, so bleiben ihr neunzig Cent am Tag. Eine zwölf Quadratmeter-Wohnung kostet in Arbeiterregionen etwa 35€ im Monat, rechnet man jetzt die 0,9€ am Tag mal den dreißig Tagen im Monat so ergibt das 27€, also acht Euro im Monat zu wenig. Da fragt man sich doch warum die Konzerne nicht einfach vierzig Cent mehr pro Schuh an die Näherinnen zahlen. Doch die Antwort ist gleichermaßen einfach wie brutal: warum sollte man mehr als nötig zahlen, wenn man die Ware auch billiger erhält? (idem, 2010)

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3.0.3. Arbeitsbedingungen in den Produktionsstädten Neben den zu niedrigen Gehältern sind auch die Arbeitsbedingungen nicht vertretbar. Die Fabriken sind oft heiß und stickig, da bei der Lüftungsanlage gespart wurde. Die Arbeiterinnen dürfen am Zwölf-Stunden-Tag ihren Arbeitsplatz maximal zweimal kurz verlassen. Beim Verlassen des Fabrikgebäudes werden die Arbeiterinnen peinlichst genau untersucht und werden dabei vom weiblichen Sicherheitspersonal überall betastet. Das Bilden von Gewerkschaften ist strengstens untersagt, sollte man einer Gewerkschaft angehören und dabei erwischt werden, so kann man mit einer sofortigen Entlassung rechnen. Neben allen sonstigen Strapazen werden die Näherinnen oft auch sexuell belästigt. Die damals 15 jährige María erzählt von einem Vorarbeiter, der sie während der Arbeit belästigt hatte. solche Fälle gibt es sicherlich auch bei uns, allerdings scheint dort regelrecht eine systematische sexuelle Ausbeutung stattzufinden. Marlene Vega, eine ehemalige Näherin von Formosa, erzählt in einem Interview mit dem Stern, wie sie eines Tages von zwei Männern gepackt wurde. „Jimmy will dich, das ist keine Bitte, das ist ein Befehl“ sagten die zwei Männer und wollten sie zum Wagen des Sohnes vom Betriebsleiter schleppen. Doch Marlene schaffte es, sich zu befreien, am nächsten Tag wurde sie entlassen. Neben den sexuellen Belästigungen haben die Frauen noch ein weiteres Problem. In Indonesien haben Frauen beispielsweise das verbriefte Recht, während ihrer Menstruation der Arbeit zwei Tage unbezahlt fern zu bleiben, da der Zugang zu Toiletten in den Firmen Kleiderfabrik in Guatemala City sehr beschränkt ist und die Arbeiterinnen sich weder Binden, Medikamente noch Schmerzmittel leisten können. Doch die meisten Arbeiterinnen machen von diesem Recht keinen Gebrauch aus Angst, entlassen zu werden. Sie ziehen sich während ihrer Tage schwarze Unterwäsche und lange Blusen an, damit man die Blutflecken nicht sieht. (Vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, „Die Sklaven der Mode“, Stern 43/1999)

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3.0.4. Made in USA Die Chinesin Rong Wu wurde von Menschenhändlern auf die Pazifikinsel Saipan verschleppt. Dort musste sie 14 Stunden am Tag Hemden für Tommy Hilfiger, Polo, Gap und Donna Karan nähen. Dafür bekam sie einen Lohn von 200 Dollar1 im Monat. Die Hälfte davon musste sie für eine Zwanzig-Quadratmeter-Wohnung, die sie mit 11 anderen Frauen teilte, ausgeben. Die Aufseher waren oft gewalttätig und Schläge waren dauernd zu befürchten. Rong Wu sah sich nach kurzer Zeit gezwungen, als Prostituierte zu arbeiten, um ihre Schulden bezahlen zu können. Auf Saipan wurden jährlich Kleidungsstücke im Wert von einer Milliarde Dollar2 produziert. Diese sind „Made in USA“, da Saipan seit dem Zweiten Weltkrieg unter amerikanischer Schirmherrschaft steht. Dadurch fällt nicht nur der Importzoll weg, es macht auch einen guten Eindruck bei den amerikanischen Kunden. Der amerikanische Anwalt Albert Meyerhoff argumentierte, dass dort wo Made in USA draufsteht auch amerikanische Gesetze gelten müssen. 1999 reichte er eine Sammelklage für die Arbeiter aus Saipan ein, in der er zurückgehaltene Löhne einforderte und die Firmen beschuldigte „mit Hilfe lokaler Fabrikanten […] bewusst, fahrlässig oder rücksichtslos ein System unfreiwilliger Knechtschaft aufgebaut“ zu haben. Außerdem waren in den Sammelklagen von Hormontests und unfreiwilligen Schwangerschaftsabbrüchen die Rede. Durch den öffentlichen Druck erklärten sich die meisten Unternehmen bereit, Schadensersatz zu zahlen und nicht mehr auf Saipan produzieren zu lassen. (idem, 2010)

3.0.5. Imageschaden Immer wieder werden Fälle von schlechtesten Arbeitsbedingungen publik. Doch spätestens seit das amerikanische Magazin Live 1996 Bilder von pakistanischen Kindern, die Fußbälle mit dem Nike-Logo nähen, veröffentlichte, ist das Image der Branche beschädigt. Zehntausende Kinder produzieren Fußbälle für Nike, Adidas und Co. VieleEin WM-Fußball, der von einem pakistanischen Kind zusammen der Kinder wurden als Sklaven verkauft und wie Vieh ge-genäht wird. brandmarkt. Seitdem bringen viele Magazine regelmäßig Berichte über Ausbeutung, Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Gewalt und sexuelle Übergriffe auf junge Arbeiterinnen. Diese Berichte bedrohen das Image von den Konzernen, die sich sonst ihren Konsumenten als weltoffen und modern präsentieren. 1 148 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011 2 740.466.000 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011

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Um ihren Ruf zu wahren, stellten die Unternehmen „Codes of Conduct“3 auf, wie es auch oft von Kritikern gefordert wurde. Allerdings werden diese kaum eingehalten, da die Konzerne nicht mehr bezahlen, aber für bessere Arbeitsbedingungen bräuchte man mehr Geld. So kommt es sogar oft, dass durch die Codes of Conduct noch schlechtere Arbeitsbedingungen entstehen, da der Zulieferbetrieb Feuerlöscher und andere geforderte Maßnahmen finanzieren muss und dafür noch niedrigere Löhne zahlt. „Sehr großzügig betrachtet, haben vielleicht zehn Prozent aller westlichen Unternehmen, denen Missbräuche vorgeworfen wurden, etwas Sinnvolles zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen geleistet“ „A World of Sweatshops“, Business Week 45/2000

kritisiert der amerikanische Ökonomieprofessor Prakash Sethi in einem Artikel der Business Week. Die Konzerne lassen alle keine unabhängige Prüfung zu. Ihre eigenen Prüfungen dienen mehr der Imagepflege, als sich um Missstände zu kümmern. Sollte doch einmal ein Bericht negativ ausfallen, so lässt man diesen einfach verschwinden. So auch ein Prüfbericht der Consultingfirma Ernst & Young, der 1997 katastrophale Zustände in einem Nike-Zulieferbetrieb im Vietnam aufdeckte. Zu Nikes Pech wurde der Bericht der New York Times zugespielt, welche ihn veröffentlichte und damit große Wirbel in der Öffentlichkeit verursachte. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, „A World of Sweatshops“, Business Week 45/2000, „Six Cents an Hour“, Live 6/1996)

3.0.6. Grundrecht Selbstorganisation Christian Mücke von der Clean-Clothes Kampagne Österreich ist der Meinung, dass das Bilden von Gewerkschaften der wichtigste Punkt für gute Arbeitsbedingungen ist. Da sich so die Arbeiter selber organisieren könnten, Löhne aushandeln und notfalls in Streik treten könnten. Nur durch eine freie Selbstorganisation könnte man langfristig und effektiv etwas gegen Missbräuche unternehmen. In manchen Ländern sind sogar Gewerkschaften vorgeschrieben, doch die Konzerne schüchtern die Arbeiter einfach so weit ein, bis sie sich nicht mehr trauen, Gewerkschaften zu bilden. Oder die Konzerne lagern ihre Produktionen gleich in Länder wie China aus, in denen freie Gewerkschaften gesetzlich verboten sind. Auch die thailändische Menschenrechtskoordinatorin und Sozialwissenschaftlerin Junya Yimprasert ist der Meinung, ohne das Recht auf Versammlungs- und Organisationsfreiheit bringen alle anderen Zugeständnisse nichts, da sie nicht kontrolliert werden können. (idem, 2010) 3 engl.: Verhaltenskodex, dieser bestimmt in Unternehmen bestimmte Arbeitsbedingungen, zum Schutz der Mitarbeiter

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3.0.7. Alternative Clean-Clothes Die Clean-Clothes-Kampagne hat allen großen Kleiderproduzenten die „Sozialcharta für den Handel mit Kleidung“ vorgelegt. Das ist eine Verpflichtungserklärung, die den Mindeststandards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entspricht. Bis heute haben diese Verpflichtungserklärung vier Unternehmen unterzeichnet: Migros, Switcher, Veillon und Hess Natur. Die Unternehmen verpflichten sich damit folgende Bedingungen in ihrer eigenen Produktion, ihren Subunternehmen und ihren Zulieferbetrieben einzuhalten und eine unabhängige Kontrolle darüber zuzulassen: • Organisationsfreiheit: Die ArbeiterInnen haben das Recht, sich frei zu or•

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ganisieren und Gewerkschaften zu gründen. Angemessener Lohn: Die ArbeiterInnen müssen mindestens so hoch entlohnt werden, dass sie ihren Lebensbedarf und den der unmittelbar abhängigen Familienmitglieder (Kinder) decken können. Arbeitszeit: Maximal acht Stunden am Tag bzw. 48 in der Woche. Sicherheit: Die Sicherheitsvorkehrungen müssen den ILO Normen entsprechen Mindestalter: Die ArbeiterInnen müssen mindestens 15 Jahre alt sein. Schutz vor Diskriminierung: Arbeitgeber dürfen Angestellte nicht aufgrund von Hautfarbe, Religionsbekenntnis, Geschlecht oder politischer Überzeugung anders behandeln oder entlohnen. Keine Zwangsarbeit: Es darf nicht auf Zwangsarbeiter zurückgegriffen werden. Stabile Arbeitsverhältnisse: Arbeits- und sozialrechtliche Bestimmungen für feste Beschäftigungsverhältnisse sollen nicht durch Kontraktarbeit o.Ä. umgangen werden.

(idem, 2010)

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4. Medizin 4.1. Ärzte als Komplizen der Pharmaindustrie Dem österreichischen Journalisten Hans Weiss sind Gerüchte zu Ohren gekommen, dass Ärzte für Pharmakonzerne Medikamentenversuche an Patienten durchführen. Dabei verdienen die Ärzte pro Patient, der am Versuch teilnimmt, ein „Kopfgeld“; in Amerika und Westeuropa sind Summen zwischen drei- und viertausend Euro üblich. In den Ostblockländern und Afrika sind die Summen spürbar geringer. Aus diesem Grund lassen viele Pharmakonzerne ihr Versuche in diesen Ländern durchführen.

4.1.1. Verdeckte Ermittlungen Um diesen Gerüchten nachzugehen, erklärte sich Weiss kurzerhand zum PharmaConsultant, einen selbst erfundenen Beruf. Er entschloss sich, bei einem ungarischen Krankenhaus nach solchen Patientenversuchen nachzufragen. Als Krankheit wählte er eine schwere bis mittelschwere Depression und dazu passend ein selbsterfundenes Antidepressivum als Medikament, das es zu testen galt. Nachdem Weiss sich für Krankheit, Medikament und Ort entschieden hatte, schickte er Dr. Ákos Kassai-Farkas, dem Chef vom Budapester Krankenhaus, ein Angebot. Er sei – im Auftrag eines großen Konzerns – auf der Suche nach Möglichkeiten für einen Medikamentenversuch mit einem sehr erfolgversprechenden neuen Antidepressivum. Um die Zulassung zu beschleunigen, bräuchten sie um die vierzig bis achtzig Versuchspatienten – ob er so viele zur Verfügung stellen könne? Das neue Medikament solle mit einem alt bewähren Antidepressivum und einem Placebo1 verglichen werden. Für die Mitwirkung an der Studie bot Weiss Dr. Kassai-Farkas 3500 Dollar2 pro Patient plus Prämien bei schneller Durchführung an, das ist überdurchschnittlich viel für Ungarn. Erst nach vier Tagen bekam Weiss eine Antwort von Dr. Kassai-Farkas, dass er gerne an der Studie teilnehmen würde und dass sie auch Kontakt zu anderen Krankenhäusern mit Versuchserfahrungen haben, falls noch mehr „Versuchskaninchen“ gebraucht werden. Weiss fragte darauf an, mit wie vielen Patienten er rechnen 1 Ein Scheinmedikament, dessen einzige Wirkung darin besteht, dass der Patient glaubt ein wirkendes Medikament zu bekommen und eine Besserung der Krankheit durch den Placeboeffekt erreicht werden kann 2 2592 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011

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könne, was für Regeln einzuhalten seien, ob ein schriftliches Einverständnis der Patienten benötigt wird und ob das Testen mit Placebo ein Problem sei. Darauf erhielt er folgende Antwort: „Sehr geehrter Herr Dr. Weiss, 144 Betten sind in meiner Abteilung und 49 Betten im „Day Hospital“. Pro Jahr behandeln wir 500-700 Patienten mit Depressionen. […] Natürlich brauchen wir ein schriftliches Einverständnis der Patienten, die daran teilnehmen. Mit Placebotests habe ich eigentlich kein Problem, aber das Ethik-Komitee macht es manchmal schwer.“ Dr. Kassai-Farkas

Außerdem wies Dr. Kassai-Farkas auf die Webseite der Klinik hin, auf welcher man sehen kann, welche Studien schon früher durchgeführt wurden. Auf der Seite fand Weiss 18 Medikamentenstudien aufgezählt. Darunter auch Versuche von bekannten Pharmakonzernen: • Novartis ließ bereits drei Studien durchführen, darunter eine Placebostudie an Schizophrenen. • Zwei Placebostudien bei akut manischen Patienten. Finanziert vom englischen Pharmakonzern Glaxo-Wellcome. • Hoechst Marion Roussell (Aventis) ließ eine Placebostudie an Schizophrenen durchführen. • Lundbeck finanzierte zwei Studien, darunter eine Placebostudie mit der Testsubstanz Lu-26-054 an Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Depression. • Bristol-Myers Squibb und Otsuka America Pharmaceutial ließen zwei Studien mit dem neuen Schizophrenie-Medikament Aripiprazol durchführen. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010)

4.1.2. Bristol-Myers Squibbs Medikamentenversuche Besonders beachtlich sind die Tests von Bristol-Myers Squibb; alleine in den USA wurden über 35 Studien mit Aripiprazol durchgeführt, welche alle gegen die HelsinkiDeklaration des Weltärztebundes verstoßen. Ende 2002 erhielt der Konzern die Zulassung des Medikaments in Amerika, seither macht er damit erhebliche Gewinne. Bristol-Myers Squibb hatte seinen Umsatz und Gewinn von 1994 bis 2000 bereits durch andere Medikamente verdoppelt. Peter R. Dolan, der Präsident der Firma kündigte an die Gewinne bis 2005 noch einmal zu verdoppeln, was auch mehr als

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gelungen ist. Waren es 2000 noch 400 Millionen Dollar3 Umsatz, so waren es 2009 fast 15 Milliarden,4 damit ist Bristol-Myers Squibb einer der am schnellsten wachsenden Konzerne. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://www.bms.com/pages/default. aspx, http://de.wikipedia.org/wiki/Bristol-Myers_Squibb)

4.1.3. Ein weiterer bestechlicher Arzt In weiteren Emails von Dr. Kassai-Farkas erhielt Weiss noch zwei Namen von Ärzten, die ebenfalls bereit seien, Studien durchzuführen. Er schrieb an Prof. Gábor Faludi von der Semmelweis-Universität in Budapest und an Prof. Horváth György Ostorharics von einem Krankenhaus in Győr. Prof. Faludi antwortete nach einer Woche: „Wir sind bereit, an dieser Studie teilzunehmen. Ich kann Ihnen mitteilen, dass unser Personal viel Erfahrung mit klinischen Versuchen bei Depressionen, Schizophrenie und Angststörungen hat. Wir verfügen über ambulante und stationäre Behandlungsmöglichkeiten. Es könnten 15-20 Patienten an dem Versuch teilnehmen.“ Prof. Gábor Faludi Prof. Ostorharics aus Győr meldete sich hingegen nie. Weiss war mit Gábor Gombos, dem Leiter der psychiatrischen Selbsthilfeorganisation Voice of Souls, verabredet. Dieser wollte eigentlich für Weiss Leute auftreiben, welche „freiwillig“ an Medikamentenstudien teilgenommen haben. Leider hat er niemanden dazu überzeugen können. Aber er berichtete Weiss von den Zuständen und wie Patienten dazu gebracht werden, an den Versuchen teilzunehmen. „Natürlich holen sich die Ärzte das schriftliche Einverständnis von den Patienten oder Angehörigen. Aber freiwillig… was ist schon freiwillig? Würden Sie nein sagen, wenn Sie in einer geschlossenen Abteilung sind und der Arzt Ihnen anbietet, in die offene Abteilung verlegt zu werden – unter der Voraussetzung, dass Sie an einem Medikamentenversuch teilnehmen? Genau das passiert nämlich.“ Gábor Gombos Die Vereinbarungen waren inzwischen weit fortgeschritten und ein Treffen mit Dr. Kassai-Farkas und Prof. Faludi war vereinbart. Ein paar Tage vor dem Treffen teilte Weiss mit, dass unerwartete Nebenwirkungen bei dem Medikament aufgetreten seien und die ganze Angelegenheit verschoben werden müsse. (idem, 2010)

3 296.186.400 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011 4 11.106.990.000 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011

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4.1.4. Auswirkungen der Reportage Als die Reportage von Hans Weiss veröffentlicht wurde, kam es zu großen Aufregungen in Ungarn. Prof. Faludi gab bekannt, dass er Hans Weiss wegen Verleumdung anklagen werde, machte es aber nie. Dr. Kassai-Farkas erklärte gegenber einer ungarischen Tagszeitung, er habe nichts Unehrenhaftes getan, hingegen sei die Art der Reportage als unethisch zu bewerten. Die Tageszeitung Nepszava schrieb am 18.09.2001, dass der Direktor der ungarischen Gesundheitsbehörde OGYI wegen dieses Skandals zurückgetreten sei. Dieser dementierte den Zusammenhang jedoch. Der ungarische Gesundheitsminister beauftragte eine Kommission, die Vorwürfe zu untersuchen. Diese stellte jedoch fest, dass keine ungarischen Gesetze verletzt wurden und daher auch keine Konsequenzen gezogen werden. Der Weltärztebund hatte offensichtlich mit solchen Argumentationen gerechnet und hat daher Punkt neun in der Helsinki-Deklaration folgendermaßen formuliert: „Landesspezifische, ethische, gesetzliche oder verwaltungstechnische Vorschriften dürfen die in der vorliegenden Deklaration genannten Bestimmungen zum Schutz des Menschen in keiner Weise abschwächen oder aufheben“. (idem, 2010)

4.1.5. Medikamentenversuche in Österreich und Deutschland Doch nicht nur aus Ungarn wird über korrupte Ärzte berichtet. Hans Weiss machte ähnliche Angebote an Klinikchefs in München, Mainz, Dresden, Augsburg, Bonn, Düsseldorf und Wien. Auch sie waren alle bereit, gegen hohe Honorare unethische Studien an Patienten durchzufühÄrzte überall in der Welt sind ren. Als diese Berichte in „Korrupte Medizin – Ärzte alsbereit, gegen hohe Honorare Komplizen der Konzerne“ veröffentlicht wurden drohte Dr.unethische Medikamentenversuche durchzuführen Hans-Jürgen Möller, Psychiatrie-Professor von der LMU München mit einer Klage wegen Verleumdung, klagte allerdings auch nie. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/ Doc~EB933289046564A6E9387CC94B5366E40~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed)

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5. Elektronik 5.1. Tantalgewinnung 5.1.1. Situation im Kongo und Umgebung In der Demokratischen Republik Kongo herrscht Krieg in einem Ausmaß, wie es seit 1945 keinen mehr gab. Grund für diesen Krieg sind in erster Linie die Bodenschätze des Kongos. Kongo ist aufgrund seiner Bodenschätze eigentlich eines der reichsten Länder der Welt. Allerdings wird das Land von europäischen Unternehmen ausgeplündert. Viele Europäer wissen von dieser Ausplünderung nicht einmal etwas, da dieser Krieg von den Medien praktisch verschwiegen wird, sollte doch einmal ein Bericht über Gefechte mit Rebellen berichtet werden, so wird als Grund ein „lokaler Konflikt“ oder ähnliches angegeben. Der UNO-Sicherheitsrat verhängte 1998 erstmals ein Handelsverbot gegen „Blutdiamanten“ aus dem Nachbarland Angola aus, was leider nicht viel änderte, da die meisten Diamanten sowieso illegal nach Europa kommen. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010)

5.1.2. Kindersoldaten ermöglichen Coltanabbau der Rebellen Neben Diamanten, Gold, Kupfer und anderen bekannten Bodenschätzen besitzt der Kongo auch Unmengen an Coltan. Coltan ist ein Erz, aus dem sich das Metall Tantal gewinnen lässt. Tantal wird zur Herstellung vieler elektrischer Geräte, Hochtechnologiewaffen, chirurgischer Geräte, Atomreaktoren, Kameralinsen und Nachtsichtgeräten verwendet. Der überwiegendeIm Kongo werden Kindersoldaten „angeworben“ um Minen zu bewachen, da man sonst zu wenig „Männer“ Teil des gewonnenen Tantals wird zurhätte. Herstellung von Kondensatoren verwendet, welche sich in Mobiltelefonen, Computern, Spielekonsolen, Rauchmeldern, Kraftfahrzeugen und vielen anderen technischen Geräten befinden. Tantal ist also ein Rohstoff, auf den die westlichen Länder schwer verzichten können. Leider dreht sich ein Großteils des Krieges im Kongo genau um dieses Material. Die einkaufenden europäischen Firmen, allen voran H.C. Starck, eine Tochterfirma des

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Bayer-Konzerns, kaufen bei den Rebellen, die praktisch alle Minen des Landes kontrollieren. Mit diesen Einkäufen unterstützen sie direkt den Krieg im Kongo. Offiziell gelten diese Einkäufe als „illegale Anreicherung von Rohstoffen“, da es verboten ist, Kriegsgebiete zu unterstützen. Aus diesem Grund werden die meisten Einkäufe über Zwischenhändler getätigt. Nicht nur die Coltanminen werden von den Rebellen kontrolliert, sondern auch über die Hälfte des gesamten Landes, alleine mehr als ein Drittel von den RCD-Rebellen. Adolphe Onosumba Yemba, der Anführer der RCD-Rebellen behauptete gegenüber Klaus Werner, die Einnahmen aus dem Tantalgeschäft zu siebzig Prozent für die Bevölkerung einzusetzen. In Wahrheit sieht die Bevölkerung aber nichts von dem Geld. Anstatt wie behauptet die Bildung der Kinder zu fördern, entführen sie diese und machen sie mit Prügeln und Drogen geschmeidig für Gewalt, alleine dabei kommen viele Kinder um. Die Kinder werden dann als Soldaten eingesetzt, von diesen ist bekannt, dass sie meistens drogenabhängig sind. Große Teile der Kämpfer von Rebellen sind Kindersoldaten, ohne sie würden die meisten Rebellentruppen nicht genug „Männer“ haben, um die Coltanminen zu halten. In den Coltanminen selber arbeiten Zivilisten und oft auch Kinder. Welche Partei gerade die Mine beherrscht, interessiert sie wenig. Das abgebaute Coltan wird ihnen vor der gerade ansässigen Partei zu einem - auch für dortige Verhältnisse - sehr niedrigen Preis abgenommen. Sollten sich die Arbeiter weigern ihre Ausbeute für den angebotenen Preis abzugeben, werden sie einfach hingerichtet. Das Erz wird dann tonnenweise auf illegalen Wegen nach Europa verkauft. Offiziell wird kein Coltan oder Tantal aus dem Kongo verkauft, inoffiziell schätzt man an die 200 Tonnen Coltanerz im Monat. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://de.wikipedia.org/wiki/Coltan, http://de.wikipedia.org/wiki/Tantal, http://de.wikipedia. org/wiki/H.C._Starck-Gruppe)

5.1.3. Klaus Werner als Coltanhändler Klaus Werner stellte verdeckte Ermittlungen an, durch die er bewies, dass H.C. Starck und andere Unternehmen Coltan aus dem Kongo nach Europa importieren: In einer Internethandelsplattform bot er vierzig Tonnen Coltan zu einem günstigen Preis an, schon nach 2 Stunden meldete sich der erste Interessent, innerhalb von ein paar Tagen haben sich sieben Unterhändler bei ihm gemeldet. Werner fragte alle Interessenten nach Zahlungssicherheiten, und tatsächlich gab einer an, an H.C. Starck zu verkaufen und somit Sicherheit gewährleisten zu können, da H.C. Starck ungefähr die Hälfte aller Geschäfte mit Coltan im Kongo mache und auf diesem Gebiet viel Erfahrung habe.

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Da in den letzten Jahren die Situation im Kongo sehr kritisch war und ist, versuchen einige Technikkonzerne Coltan direkt, ohne Zwischenhändler, zu beziehen. Die wohl nennenswerteste Firma ist Samsung, Klaus Werner konnte dieser Firma sogar ein „Geständnis“ entlocken. (idem, 2010)

5.1.4. Konzerne sehen sich als Wohltäter oder verhängen unkontrollierbare Handelsembargos Bis heute starben über 3,5 Millionen Menschen durch den Krieg im Kongo. Doch die dafür verantwortlichen Konzerne bestritten weiterhin, Coltan aus dem Kongo zu importieren, bis es von der H.C. Starck ist der größte Koltanhändler der UNO nachgewiesen wurde. Bayer wies die Be-Welt und sieht sich selber als Wohltäter hauptung, dass sie Coltan aus dem Kongo bezie-des Kongos hen, lange zurück, mit der Behauptung, ihr Coltan aus legalen Abbaugebieten in Zentralafrika zu gewinnen. Nur gibt es in ganz Zentralafrika kein einziges legales Coltanabbaugebiet, da alle Abbaugebiete von Rebellen beherrscht werden oder Bürgerkriege herrschen. Zusätzlich gab Bayer bekannt, dass mit dem Erwerb des Materials die Infrastruktur im Land unterstützt werde, was der Zivilbevölkerung zugute komme. In Wahrheit geht es der Bevölkerung seit dem Coltanboom immer schlechter, es werden keine neuen Schulen, Sanitäranlagen oder Krankenhäuser gebaut, sondern vielmehr die wenigen existierenden aufgelassen. Die Kinder können nicht mehr in die Schule gehen, da sie als Soldaten eingesetzt werden. Und das nennt Bayer eine „Verbesserung der Infrastruktur“. Andere Konzerne wie Nokia und Motorola haben den leichteren Weg gewählt; sie haben einfach ein Handelsembargo über Coltan aus dem Kongo verhängt, was allerdings niemand kontrollieren kann. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG)

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5.2. Foxconn-City Foxconn-City ist die weltweit größte Produktionsstätte von Elektronik- und Computerteilen. Sie befindet sich in Shenzhen, Südchina und gehört Foxconn, dem größten Hardwarehersteller der Welt. Foxconn beliefert zahlreiche der bekanntesten Computer- und Technikfirmen, darunter auch folgende: • • • • • •

Apple: Mac mini, iPod Nano, MacBook Air, MacBook Pro, iPhone, iPad Nintendo: Nintendo DS, Game Boy Sony: PlayStation Amazon: Kindle Intel, Cisco, Hewlett-Packard, Dell, Nokia, Microsoft, Sony Ericsson aber auch andere, uns unbekannte Konzerne.

Alleine in Foxconn-City sind rund 200.000 Menschen beschäftigt, der Großteil von ihnen sind junge Frauen, die als Dangongmei („kleine Schwester“) bezeichnet werden. Die englische Zeitung Mail on Sunday berichtete 2006 von 15-stündigen Arbeitstagen und Monatslöhnen von 40 Euro, was deutlich unter dem regionalen Mindestlohn von 80 Euro – welcher eigentlich schon zu gering ist, um den Alltag damit zu finanzieren – liegt. Nach neuen Meldungen beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit nur noch zwölf Stunden am Tag, doch die Arbeitsbedingungen haben sich ansonsten nicht gebessert. Durch festgelegte Zeiten für den Toilettengang und ein Sprachverbot während der Arbeit entsteht ein enormer psychischerEine Produktionshalle in Foxconn-City Druck auf die ArbeiterInnen. Sollten sie diese Regeln nicht einhalten, so werden sie gewaltsam dafür bestraft. Die ArbeiterInnen wohnen und essen in der Firma, wofür die Firma sogar aufkommt. Seit Anfang 2010 gibt es eine Serie von Selbstmorden in der Foxconn-City. Nach neun Todesfällen reagierte die Firmenleitung mit einem Brief an die Angestellten, nach dem sie sich verpflichten sollen, sich nicht umzubringen oder „in extremer Form“ zu verletzen. Doch bis Ende Mai gab es zwei weitere Selbstmordfälle, woraufhin ein Firmenvertreter ankündigte, die – in der Zwischenzeit bereits gestiegenen – Löhne um bis zu dreißig Prozent auf 1200 Yuan1 erhöhen zu wollen. Der Lohn 1 134 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011

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stieg dann sogar auf 2000 Yuan.2 Man hoffte, dass die Angestellten dadurch eine positive Lebenseinstellung bekommen, doch die Suizide hörten nicht auf. Anfang Juli gab Foxconn bekannt, alle oder einige Werke in China zu schließen, da man eigentlich wegen der geringen Löhne nach China kam, durch die Lohnerhöhungen spare man sich jetzt aber nicht so viel. Seit September gibt es erste Meldungen, dass Foxconn seine Produktionen nach Nordamerika verlagern möchte, allerdings mit vollautomatischen Fertigungsanlagen arbeiten möchte, ohne Produktionsmitarbeiter. Dadurch würden 400.000 schlecht behandelte Arbeitskräfte zu Arbeitslosen werden. (vgl. WERNER-LOBO, K., 2010, http://en.wikipedia.org/wiki/Foxconn, http://de.wikipedia.org/wiki/Foxconn)

2 224 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011

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6. Erdöl Wer von uns benötigt heute kein Erdöl? Keiner! Selbst diejenigen, die auf Auto und Flugzeug verzichten, fahren vermutlich zumindest mit dem Bus, was an sich schon löblich ist. Doch selbst wenn man auf Erdöl als Treibstoff verzichten kann, wie sieht es mit Erdöl als Energieträger prinzipiell aus? Hat man vielleicht eine Gasoder Ölheizung? Wenn nicht, umso besser, doch ohne Erdöl lebt man deshalb noch lange nicht! Nehmen wir einmal andere Dinge aus unserem Alltag unter die Lupe: Lebensmittel, Getränke, Medikamente und andere lebensnotwendige Sachen sind großteils in Plastik verpackt, Plastik wird aus Erdöl hergestellt. Aber auch andere alltägliche Dinge wie Zahnbürsten, Farben, Kunstdünger, Medikamente, Waschmittel, Kosmetik und Teile von technischen Geräten werden aus Plastik und somit aus Erdöl hergestellt. In unserer Gesellschaft ist es also praktisch nicht möglich, ohne Erdöl zu leben. Trotz des gigantischen Ölverbrauchs von 80 Millionen Barrel pro Tag, oder eigentlich wegen des immensen Verbrauchs könnte das Ölzeitalter bald, wie die Steinund Eiszeit, der Vergangenheit angehören. Mein Vater ist auf einem Kamel geritten. Ich fahre mit dem Auto, mein Sohn fliegt mit dem Flugzeug, sein Sohn wird auf einem Kamel reiten. Arabisches Sprichwort Ein einfaches Sprichwort, das doch so viel über die allgemeine Situation aussagt. Wissenschaftler prognostizieren, dass in vierzig bis fünfzig Jahren die Erdölvorräte zu Ende sind. Sollte die Menschheit bis dahin keine Alternative gefunden haben, so werden wir wohl tatsächlich wieder auf Kamelen oder Pferden reiten. Doch ich möchte mich hier nicht weiter mit Zukunftstheorien auseinandersetzen, sondern auf die Gegenwart eingehen, wo und vor allem wie das „Schwarze Gold“ gewonnen wird. Von allen Industriebranchen ist die Erdölbranche die schlimmste, was Umweltverschmutzungen und Menschenrechtsverletzungen angeht. Nirgendwo anders werden Menschenrechte so mit Füßen getreten und die Umwelt so verpestet. Um ihre Profite zu steigern, finanzieren unsere Treibstofffirmen Kriege, bezahlen Killertruppen und machen ganze Landstriche unbewohnbar. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, SEIFERT, T. und K. WERNER-LOBO, 2008)

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6.1. Shell 6.1.1. Firmengeschichte Shell geht ursprünglich auf Marcus Samuel zurück, dieser gründete 1833 ein Kuriositätengeschäft in London. Er handelte in erster Linie mit dekorativen Muscheln (engl.: „Shell“), diese musste er aus Fernost importieren. Als seine Söhne Marcus Samuel und Samuel Samuel das Geschäft übernahmen, begannen diese auch mit dem Import von Kerosin. 1890 ließen sie eigene Tankschiffe unter dem Namen The Shell Transport and Trading Company bauen. Weiters begannen sie mit der Erdölförderung. Der Firmenname ist also nur ein Überbleibsel, das aus Sentimentalität beibehalten wurde, ebenso die Kammmuschel als Logo. 1907 schloss sich M. Samuel, der inzwischen die Firma alleine leitete, mit dem niederländischen Unternehmer Henri Deterding zusammen. Die Unternehmen bündelten ihr Geschäft, blieben aber separat bestehen. Deterding benannte sein Unternehmen in Royal Dutch Petroleum Company um. Erst 2005 wurden die beiden Unternehmen endgültig unter dem Namen Royal Dutch Shell plc. vereinigt. Shell ist heute das größte Energie-Unternehmen der Welt. 2009 war es mit etwa 310 Milliarden Euro Umsatz sogar das größte Unternehmen überhaupt. Inzwischen ist es wieder von Wal Mart überholt worden, da Shell Umsatzrückgänge zu verbuchen hatte. Shell hat in etwa eine Million Anleger, darunter auch mit großen Anteilen das niederländische Königshaus. Trotz der meist steigenden Umsätze baut Shell kontinuierlich Mitarbeiter ab, waren es 2006 noch ca. 112.000, so sind es heute nur noch gute 100.000. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://de.wikipedia. org/wiki/Royal_Dutch_Shell)

6.1.2. Nigeria Bevor der Erdölwahnsinn in Nigeria begann, war es einmal ein schönes, fruchtbares Land. Weiße Sandstrände, Lagunen am Meer mit Palmen und Mangrovenbäumen. Im Landesinneren ein Flusssystem inmitten dichter Wälder und fruchtbarem Ackerland. Neben der Landwirtschaft florierte auch der Fischfang wunderbar. Lebensfreudige Menschen lebten in lebendigen Städten neben unberührter Natur mit seltenen Tierarten. Heute, wenige Jahrzehnte später, verirrt sich kein Tourist mehr in die Region. Susanne Geissler, die die Region im Januar 2001 im Rahmen eines EU-Projekts besucht hat, beschreibt die Situation folgendermaßen: Seite 41


„Du kannst kaum atmen. Die Landschaft siehst du nur durch einen grauen Nebel. Die Luft ist von Industrieanlagen und Verkehr verpestet. Und durch den Grauschleier schimmern überall meterhoch brennende Gasfackeln.“ Susanne Geissler

Die meisten seltenen Tierarten, wie Jaguar, Zwergflusspferd oder das Stumpfkrokodil sind in Nigeria kaum oder gar nicht mehr zu finden. Schon seit 1958 ist Shell in Nigeria tätig, damals war Nigeria noch eine englische Kolonie. Die nigerianische Tochtergesellschaft Shell Petroleum Development Corporation (SPDC) ist mit zwei Millionen Barrel am Tag1 der größte Ölförderer Nigerias. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, http://www.ecology.at/)

6.1.3. Kooperation mit Militärdiktaturen Von 1966 bis 1999 wurde Nigeria fast durchgehend von Militärdiktaturen beherrscht. Diese Regimes wurden von Shell finanziell unterstützt, im Gegenzug konnte Shell ungestört Erdöl abbauen, ohne ökologische Auflagen. Besonders schlimm war die Schreckensherrschaft von General Abacha von 1993 bis 1998. Dieser lies 1995 den Menschenrechtsaktivisten Ken Saro Wiwa ermorden, nachdem dieser jahrelang gegen Shell protestiert hatte. Es wird vermutet, dass Shell diese Hinrichtung wollte, die Firma bestreitet das natürlich. Dies war eine Zeit der Korruption und der Ausbeutung, profitiert haben davon in erster Linie die Erdölkonzerne und die Regimeanführer. Lebten im Jahr der Unabhängigkeit Nigerias, 1960, noch dreißig Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, so waren es 1999 ganze siebzig Prozent. Die Movement for the Survival oft the Ogoni People2 Organisation schaffte es 1993 unter der Leitung von Ken Saro Wiwa, zehntausende Menschen gegen Shell zu mobilisieren. Endlich bekam man Beachtung aus dem Westen. Dies führte so weit, dass Shell kurzzeitig seine Erdölförderung in Nigeria stillegen musste. Da aber über neunzig Prozent der Staatseinnahmen durch Erdölexport stattfand, fing das Regime unter Abacha an, willkürlich Ogoni zu verhaften und hinzurichten. Insgesamt wurden über 2000 Ogoni getötet und geschätzte 80.000 verloren ihre Häuser, da diese vom Militär zerstört wurden. Zwei Jahre nach Beginn dieses Terrors wurde Ken Saro Wiwa mit acht seiner Kollegen, trotz internationaler Proteste, hingerichtet. Die neun Männer bekamen keinen Prozess und die Hinrichtung wurde mit Morden an rivalisierenden Stammeschefs begründet. 1 In Nigeria werden etwa vier Millionen Barrel am Tag abgebaut 2 Die Ogoni sind eine Volksgruppe, die im Nigerdelta lebt

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„Meine intellektuelle Kraft und alle verfügbaren Mittel, ja mein Leben habe ich einer Aufgabe gewidmet, an die ich fest glaube und die ich weder unter Erpressung noch durch Einschüchterung aufgebe.“ Ken Saro Wiwa, vor dem Militärtribunal

Niemand im gesamten Nigerdelta erklärte sich für die Hinrichtung bereit, so musste ein Henker aus einer rund tausend Kilometer entfernten Stadt eingeflogen werden. Amerikanische Verwandte von Ken Saro Wiwa verklagten Shell mit sechs Anklagen. Zuerst wurde die Anklage abgelehnt, doch das Berufungsgericht nahm den Fall im September 2000 wieder auf, dadurch bestand erstmals überhaupt die Chance, dass ein Unternehmen wegen Machenschaften in „Dritte Welt Ländern“ gerichtlich verurteilt wird. Allerdings hat das Verfahren bis heute kein Ende gefunden und von Tag zu Tag sinkt die Chance, dass Shell wirklich verurteilt wird. (idem, 2010) Kampagne von Greenpeace gegen die Machenschaften von Shell in Nigeria.

6.1.4. Kaputte Ölförderanlagen Inzwischen sind die Anlagen von Shell in Nigeria so alt, dass diese in der feuchten Sumpfregion rosten und leck werden. Shell hat durch sein Wirtschaften eine hohe Arbeitslosigkeit hervorgerufen, besonders unter den Jugendlichen. Jetzt gibt Shell den Jugendlichen die Schuld an der Umweltverschmutzung durch austretendes Öl, da sie angeblich die Pipelines angebohrt haben. „Ich lebe neben dieser Pipeline, seit ich denken kann. Sie wurde in den letzten vierzig Jahren nicht getauscht oder gewartet. Jetzt ist sie einfach gebrochen. Ich habe es gesehen: Das war kein Akt der Zerstörung durch Jugendliche, die war einfach alt.“ Unbekannter Ogoni Der Bevölkerung wird nicht nur ihre Heimat weggenommen und zerstört, es wird ihr auch die Schuld daran gegeben. Als die Ogoni gegen diese Behauptungen protestierten, folgte prompt ein Schlag des Militärregimes. Über 200 Menschen wurden dabei umgebracht und weit mehr verhaftet, gefoltert und vergewaltigt – sogar zwölfjährige Mädchen! Seite 43


Nach offiziellen Zahlen kommt es zu etwa 300 Ölverschmutzungen pro Jahr, dabei werden etwa 2300 Kubikmeter Öl verschüttet, die Weltbank, welche normalerweise gut gegenüber Konzernen eingestellt ist, schätzt die Menge sogar auf das zehnfache. Fast alle Unfälle sind auf die veralteten Systeme und die schlechte Wartung zurückzuführen. Insgesamt wurden in Nigeria über sieben Millionen Kubikkilometer Bohrrückstände in fast vierzig Jahren erzeugt. Doch nicht nur das Land wurde durch die Ölverschmutzung unfruchtbar; die sauren Niederschläge, die durch Gasfackeln und Ölbrände entstehen, führen zum Tod zahlreicher Menschen. Es handelt sich um die sogenannte Brief Illness, die „kurze Krankheit“. Sie beginnt mit Kopfschmerzen und Atemnot, dann kommt hohes Fieber hinzu, innerhalb von drei Tagen sterben die meisten an dieser Krankheit. Bereits tausende starben daran. Trotz des großen Unheils, das der Konzern über das Land bringt, sieht er sich als einer der größten Wohlfahrer des Landes. Shell spendet jährlich 60 Millionen Dollar3 für Sozialprojekte in Nigeria. Doch vergleicht man diese Summe mit den gewaltigen Umweltzerstörungen, durch die Shell bereits über 35 Milliarden Dollar4 Gewinn gemacht hat, so sind 60 Millionen nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Und selbst von diesen sechzig Millionen Hilfsgeldern bekommen die Einwohner der betroffenen Regionen nicht einmal etwas mit. (idem, 2010)

6.1.5. Aufarbeitung der Diktatur Seit 1999 ist Nigeria ein demokratisches Land, man versucht zögerlich die Verbrechen der Diktatur aufzuarbeiten und damit auch die Machenschaften von Shell. Der Gerichtshof verurteilte Shell wegen eines Erdölaustritts 1970 - das Urteil ist nicht rechtskräftig, da Shell Berufung einlegte. Shell versucht das Urteil einfach so lange wie möglich hinaus zu zögern, da bis dahin die Betroffenen tot sein könnten. Shell musste bereits gestehen, das Militär bei mindestens einer Auseinandersetzung direkt finanziert zu haben und damit auch verantwortlich für den Tot vieler Zivilisten zu sein. Auch Waffenkäufe wurden bestätigt, allerdings behauptet Shell, damit nur in die Luft geschossen zu haben. Zeugen berichten im Gegensatz dazu, dass Shell-Sicherheitsbeamte damit einen behinderten Jungen, der dem Gelände zu nahe kam, erschossen haben. (idem, 2010)

3 44.427.960 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011 4 25.916.310.000 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011

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6.1.6. Die Gewalt geht weiter Doch auch im demokratischen Zeitalter in Nigeria ist die Gewalt nicht beendet. Während die Ogoni eine Verringerung der Erdölproduktion forderten, setzte Bill Clinton das Land bei einem Besuch im Jahr 2000 unter Druck und forderte das Land zu einer höheren Produktion auf. Ein paar Monate später wurden Aktivisten vom Volk der Iljaw getötet, die gegen die Ölfirma Agip protestierten. 2001 wurden bei Kämpfen zwischen lokalen Milizen um Shellpumpstationen mindestens zwanzig Menschen umgebracht. Außerdem wurde deutlich, dass es zu keiner Versöhnung zwischen Tätern und Opfern kommen kann, da die ehemaligen Militärs und Konzernherren keine Reue zeigen und nicht daran denken sich zu entschuldigen. (idem, 2010)

6.1.7. Brent Spar Nicht nur in Nigeria machte Shell sich einen schlechten Ruf. Die Ölplattform Brent Spar in der Nordsee diente von 1976 bis 1991 als Rohöl-Zwischenlager. Um sich das teure Abwracken zu ersparen, plante man die Plattform samt 130 Tonnen Ölschlamm, Schwermetallen und radioaktiven Materialien zu versenken. Allerdings erfuhrProtestplakat gegen die Versenkung der Brent Spar Greenpeace davon und startete eine Kampagne gegen die Versenkung. Zuerst versuchte Shell die Demonstrationen mit dem Einsatz von Wasserwerfern zu beenden, doch dadurch entstanden nur noch mehr negative Schlagzeilen über Shell. Greenpeace schaffte es schließlich, dass Shell freiwillig aufgab und die Plattform 1995 ordnungsgemäß abwrackte. 1998 beschlossen die Umweltminister der 15 Anrainerstaaten des Nordostatlantiks ein generelles Verbot zum Versenken von Ölplattformen. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://de.wikipedia.org/wiki/Brent_Spar)

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6.2. Angola Noch ist Nigeria der größte Erdöllieferant Afrikas, doch das könnte sich schon bald ändern. Vor den Küsten Angolas wurden riesige Offshorevorkommen entdeckt, deren Förderrechte unter den Erdölgiganten heiß begehrt sind. Angola produziert bereits heute über eine Million Barrel Rohöl am Tag. In den vergangenen zehn Jahren nahm die Regierung pro Jahr zwischen zwei und drei Milliarden Dollar5 aus Erdölexporten ein, das sind gut neunzig Prozent der Staatseinnahmen. Mit einem Großteil des Geldes finanziert die regierende Partei Movimento Popular de Liberação de Angola (MPLA) unter José Eduardo dos Santos einen Bürgerkrieg, der bereits über 25 Jahre andauert. Die MPLA ist seit der Unabhängigkeit Angolas (1975) an der Macht. Bis zum Ende des Kalten Krieges wurde die MPLA von der Sowjetunion und Kuba unterstützt. Ab 1985 wurden die Rebellen unter der Führung von Jonas Savimbi gegen den Kommunismus, für Kapitalismus, von den USA unterstützt. Dies geschah anfangs noch heimlich, doch schon nach einem Jahr erhielten die Rebellen offiziell als „antikommunistische Freiheitskämpfer“ 15 Millionen Dollar6 von Ronald Reagans Regierung. Offiziell spricht man in Angola von vier Kriegen seit der Unabhängigkeit, doch in Wahrheit wird in Angola seit der Unabhängigkeitserklärung fast ununterbrochen gekämpft. Dabei ist den kriegsführenden Parteien praktisch jedes Mittel recht. Landminen machen einen Großteil des Landes unbewohnbar. Diese treffen in erster Linie die Zivilisten, bereits mehr als 100.000 Menschen in Angola leben mit Amputationen, so gut wie alle von ihnen sind Zivilisten. „Wie ungelenke Krebse krabbeln die Menschen mit verkrüppelten oder amputierten Beinen durch die Gegend, gestützt auf in Lumpen gewickelte Fäuste“ Jon Lee Anderson (Amerikanischen Journalist) Angola ist theoretisch eines der reichsten Länder der Welt, es besitzt nicht nur gewaltige Mengen an Erdöl, sondern auch andere Bodenschätze wie Gold, Diamanten, Kupfer und Eisen. Außerdem werden Baumwolle, Zucker, Reis, Tabak und Fisch exportiert, doch die Exportzahlen der nicht-Bodenschätze sinken durch den Krieg. Dieser Krieg wird auf Kosten der Armen geführt, zur Bereicherung der Eliten des Landes. Eine wichtige Rolle in dem Krieg spielen wieder einmal die Erdölkonzerne. Die Waffen zur Führung dieses Krieges stammen großteils aus dem Westen. Da die Regierung dos Santos kein gutes Verhältnis zu den USA hatte, wendete man sich an Frankreich. Der konservative Innenminister Charles Pasqua schlug sich auf die Seite dos Santos‘ und mit ihm die französische Erdölgesellschaft Elf (Total). 2000 wurde aufgedeckt, dass Frankreich Kriegsgeräte im Wert von über einer halben 5 1.480.932.000 bis 2.221.398.000 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011 6 11.106.990 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011

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Milliarde Dollar7 dos Santos zur Verfügung gestellt hatte. Amerika setzte hingegen weiter auf die Rebellen, doch in etwa zeitgleich mit der Ermordung des Rebellenführers Jonas Savimbi wurden die USA aus Angola vertrieben. Doch in Wahrheit spielt das kaum eine Rolle, dank der französischen Hilfe hat die MPLA die bessere Position in Angola. Seitdem drängen sich die Länder des Westens der Öl-Diktatur praktisch auf. Der Krieg, der aussieht wie ein Bürgerkrieg, ist in Wahrheit der zwischen zwei Ölfirmen; der amerikanischen Chevron und der französischen Total; es geht dabei um Milliardenbeträge. Leider wird dieser Krieg auf Kosten der angolanischen Zivilbevölkerung ausgetragen. Inzwischen tummeln sich in Angola nicht nur Chevron und Total, sondern rund zwanzig Erdölfirmen, darunter auch BP, ExxonMobil, Agip, Shell und Texaco. Die Erdölkonzerne, die zur Finanzierung des Krieges beitrugen, finanzieren auch heute noch korrupte Eliten des Landes. Die mehreren hundert Millionen Dollar,8 die Mineralölkonzerne für Förderrechte zahlen, werden zum Teil offiziell für Waffenkäufe verwendet, der Rest versickert in der Korruption für „Provisionen“ und illegale Waffenkäufe. Laut der englischen Umwelt- und Menschenrechtsgruppe Global Witness kaufen hohe Militärs über getarnte Unterhändler Waffen und Munition aus Russland. Doch ein Großteil der Erdöleinnahmen soll laut Global Witness in private Taschen von Eliten fließen. Die Erdölmultis machen sich somit zu Mittätern einer humanitären Katastrophe und werden daher von Global Witness aufgefordert, ihre Zahlungen an angolanische Behörden transparent zu machen und jeglichen Kontakt zu Gruppen, die im Verdacht stehen, Waffenhandel zu betreiben, zu unterlassen. (vgl. WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, http://www.oneworld.org/)

VALIE EXPORT drückt mit ihrem Werk „Kalashnikov“, welche über Erdöl aufgebaut sind, sehr gut die Finanzierung von Diktaturen durch Ölkonzerne aus. 7 370.233.000 Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011 8 Mehrere hundert Millionen Euro, Wechselkurs vom 15 Februar 2011

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7. Nachwort Ich hatte schon lange ein offenes Auge für Verbrechen an Mensch und Umwelt, bei der Produktion von verschiedensten Produkten. Die Fachbereichsarbeit hat mir die Chance gegeben, diese etwas weiter zu erforschen. Mir war also bereits bevor ich anfing, mir Material anzueignen, klar, dass ich in diesem Gebiet viel Ungutes finden würde. Doch beim Lesen der Bücher wurde ich immer wieder überrascht. Zum Beispiel war mir bewusst, dass viele Artikel unter nicht menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden und Umweltzerstörungen im großen Ausmaß stattfinden, jedoch rechnete ich nicht damit, dass es in der Realität immer noch tausende (Kinder)Sklaven gibt, oder Regenwälder nur deswegen abgeholzt werden, weil es billiger ist, als auf existierenden Ackerland nachhaltig zu wirtschaften. Die Konzerne, welche diese Taten begehen, bestreiten dies dann oder bezeichnen sich sogar als Wohltäter, weil sie einige Millionen an die Länder spenden, in denen sie zuvor Milliardenschäden angerichtet haben. Doch auch wir tragen unseren Teil dazu bei, indem wir gerne das günstigste Produkt kaufen, ohne zu fragen, was eigentlich dahinter steht. Diese Art von Konsum bringt viele Konzerne dazu, auf Kosten der Arbeiter ihre Produkte weiter zu verbilligen. Andere Konzerne leben durch ihr Markenimage und können teure Preise verlangen, obwohl sie nur eine geringe Summe für das Produkt zahlen müssen. In dem Werk Wohlstand der Nationen beschreibt Adam Smith, einer der Urväter des Kapitalismus, 1776 den Dienstleistungsaustausch von einfachen Handwerkern, wie Schuster und Schneider. So trug damals das Können und Wohl jedes Einzelnen zum Wohl der Allgemeinheit bei. Auch heute leben wir im Prinzip noch immer in diesem System, nur dass es inzwischen an allen Enden und Ecken ausgeufert ist. Durch den Staat wurden zwar ein paar Regeln auferlegt, allerdings verhindern diese nicht alles Unrecht, welches vor allem vielen Ausländern angetan wird. Dieses System nennt sich Soziale Marktwirtschaft, doch was daran eigentlich so sozial ist, kann ich nicht richtig nachvollziehen. Ein starkes Problem besteht sicher auch darin, dass die großen Konzerne international tätig sind („Global Players“). Sollten sie in einem Land Probleme haben, können sie ihre Produktion in ein anderes Land auslagern. Auf diese Weise werden Länder mit einem niedrigeren sozialen Standard gegen Länder mit einem höheren sozialen Standard ausgespielt. Viele Länder bzw. deren politische Führer nehmen

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Unterbezahlung oder Menschenrechtsverletzungen zugunsten der Vollbeschäftigung in Kauf. Um diese Wirtschaftslage wieder in den Griff zu bekommen, bräuchte es eine Internationalisierung der Handels- und Arbeitsgesetze, doch dieser Schritt der Politik ist noch lange nicht in Sicht. Und solange die Politiker nicht daran interessiert sind, diese Lage zu ändern, liegt es an uns Bürgern, richtig zu konsumieren, boykottieren und protestieren, um vielleicht in Zukunft wieder in einem besseren, faireren Wirtschaftssystem zu leben. Zum Abschluss nochmals ein Gedicht von Erich Fried, das uns alle zum Nachdenken in Bezug auf unsere Handlungsfreiheit anregen sollte: Faustregel Wer nicht Freiheit meint Gleichheit Brüderlichkeit Der soll nicht Von besserer Welt Und von Zukunft sprechen Wer Herrschaft meint Soll nicht von Freiheit sprechen Wer Profit meint Soll nicht von Gleichheit sprechen Und wer Rache meint Soll nicht reden von Brüderlichkeit Was sein muß: Freiheit Emanzipation Schwesterlichkeit Sonst gibt es nicht Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit Erich Fried Quelle: Erich Fried „Gesammelte Werke“, Gedichte 2, Berlin 1993.

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8. Quellverzeichnis 8.0.1. Bücher • FRIED, E., 1993, Gedichte 2. – Berlin, (=Gesammelte Werke, 2) • KLEIN, N., 2005, No Logo! – Der Kampf der Global Players um Markenmacht Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern. – München, 4. Auflage. • SEIFERT, T. und K. WERNER-LOBO, 2008, Schwarzbuch Öl – Eine Geschichte von Gier, Krieg, Macht und Geld. – Wien, 1. Auflage September 2008. • WERNER-LOBO, K. und H. WEISS, 2010, Das neue Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne. – Wien, 1. Auflage März 2010. • WERNER-LOBO, K., 2010, Uns gehört die Welt! – Macht und Machenschaften der Multis. – München, Aktualisierte Neuauflage. • ZIEGLER, S., 2005, Die neuen Herrscher der Welt – und ihre globalen Widersacher. – München, 7. Auflage.

8.0.2. Filme • ROBIN, M.-M., 2007, Monsanto – Mit Gift und Genen. – Paris.

8.0.3. Artikel • • • • • • •

„Die Sklaven der Mode“, Stern 43/1999 „Six Cents an Hour“, Live 6/1996 „Alles hört auf ‚de Gaulles‘ Kommando“, Der Standard, 7.10.2000 „Die Bananenseuche“, die tageszeitung, 11.01.2001 „Bittere Orangen“, Broschüre, hrsg. Von der Südwind-Agentur, Wien 1997 „Todbringende Rezeptschlacht“, Stern 50/1999 „Formula for Disaster“, Wall Street Journal, 6.12.2000

• „Die andere Seite des Irak-Krieges - Iraker sollen ihr Saatgut nicht mehr aussäen dürfen“, Schrot & Korn 9/2005

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8.0.4. Weblinks • • • • • • • • • • • •

http://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Dutch_Shell http://de.wikipedia.org/wiki/Polychlorierte_Biphenyle http://de.wikipedia.org/wiki/Agent_Orange http://de.wikipedia.org/wiki/H.C._Starck-Gruppe http://de.wikipedia.org/wiki/Coltan http://de.wikipedia.org/wiki/Tantal http://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG http://de.wikipedia.org/wiki/Dioxin http://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Smith http://en.wikipedia.org/wiki/Foxconn http://de.wikipedia.org/wiki/Foxconn http://de.wikipedia.org/wiki/Brent_Spar

• • • • • • • • • • • • • •

http://de.wikipedia.org/wiki/Monsanto http://de.wikipedia.org/wiki/Roundup http://de.wikipedia.org/wiki/Schokolade http://de.wikipedia.org/wiki/McDonald%E2%80%99s http://de.wikipedia.org/wiki/Nestl%C3%A9 http://de.wikipedia.org/wiki/Bristol-Myers_Squibb http://www.ecology.at/ http://www.oneworld.org/ http://babynahrung.org/ http://ibfan.org/ http://www.bio-austria.at/ http://www.fairtrade.at/ http://www.bms.com/pages/default.aspx http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~EB 933289046564A6E9387CC94B5366E40~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_ googlefeed • http://www.free-blog.in/systemfehler/11367/Warum+die+Amis+nicht+aus+d em+Irak+abr%FCcken.html • http://de.finance.yahoo.com/waehrungen/waehrungsrechner/ • http://www.valieexport.at/de/werke/werke/?tx_ttnews[tt_news]=2019&tx_tt news[backPid]=4&cHash=6bb8e1983e

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Erklärung: Ich erkläre, dass ich diese Fachbereichsarbeit selbst verfasst und ausschließlich die angegebe Literatur verwendet habe.

Johannes Dostal

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Begleitprotokoll • 06.09.2010: Beschluss eine Fachbereichsarbeit in Geographie zu schreiben, mit den negativen Aspekten unserer Wirtschaft als Thema • 11.09.2010: Begonnen Material zu suchen • 15.09.2010: Begonnen Bücher zu lesen und Informationen zu recherchieren • 17.09.2010 – 18.09.2010: Gemeinsames festlegen des Titels „Wirtschaft ohne Grenzen - wo Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung an der Tagesordnung stehen“ und einer Grobdisposition mit Fr. Nowak • 19.09.2010: Einreichen der Disposition • 30.09.2010 – 22.10.2010: Bericht über Monsanto geschrieben • 23.09.2010: Bericht über Monsanto abgegeben • 13.09.2010: Monsantobericht von Fr. Nowak zurückerhalten, besprochen und verbessert • 24.12.2010 – 03.01.2011: Bericht über Tantalgewinnung geschrieben • 04.01.2011 – 16.01.2011: Kapitel Erdöl geschrieben • 18.01.2011: Kapitel Erdöl abgegeben, zurückbekommen und verbessert • 04.02.2011 – 07.02.2011: Kapitel Medizin geschrieben • 08.02.2011 – 10.02.2011: Kapitel Nahrung geschrieben • 11.02.2011 – 13.02.2011: Kapitel Bekleidung geschrieben • 15.02.2011: Kapitel Medizin, Nahrung und Bekleidung abgegeben, Einleitung geschrieben und per Email geschickt • 16.02.2011: Schlusswort geschrieben und Thema Tantalgewinnung auf Elektronik ausgeweitet. Arbeit nochmals durchgelesen und Formulierungs- und Rechtschreibfehler ausgebessert • 17.02.2011 – 17.02.2011: Formatieren der Arbeit • 18.02.2011: Arbeit drucken lassen und abgeben

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Wirtschaft ohne Grenzen