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MITTWOCH Gustav ruft an. Statt des Postbo-

DONNERSTAG Mein Bett steht in meinem

FREITAG Ich versuche, möglichst lange zu

ten ging heute zufällig unser Repetitor an seinem Haus vorbei, er hat ihn abgefangen. Der Repetitor hat uns das vergangene Jahr über auf das Examen vorbereitet. Er sagt, dass es dieses Semester besonders schlecht ausgefallen sei. Viele haben bereits angekündigt, Rechtsmittel einzulegen, er muss das alles bearbeiten. Als Gustav ihm erzählt, dass wir noch nichts bekommen haben, sagt er direkt, wir sollten uns keine falschen Hoffnungen machen. Beim Landesprüfungsamt gingen bisher immer alle Briefe gleichzeitig raus. Das war es dann mit dem Optimismus. Wir haben nun eine neue Theorie: Höhere Semester haben mal gesagt, dass nicht alle Briefe mit der Deutschen Post, sondern manche auch mit privaten Kurieren versandt werden. Vielleicht sind die langsamer? Vielleicht müssen auch die Briefe von denen, die bestanden haben, per Einschreiben verschickt werden — das würde Zeit brauchen. Diese Möglichkeiten führen dazu, dass ich nun auch nachmittags auf den Briefträger warte. Schließlich haben private Unternehmen oft andere Lieferzeiten. Am Ende des Tages ist trotzdem nichts da.

WG-Zimmer direkt am Fenster. Wenn ich daraufstehe, kann ich die Straße drei Stockwerke tiefer perfekt beobachten. Ich stehe den ganzen Tag auf dem Bett und glotze raus. Nur zum Rauchen gehe ich ab und an ins Wohnzimmer. Mein Zigarettenkonsum hat sich in dieser Wartezeit noch einmal stark erhöht. Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich sei. Ich muss dringend aufhören, wenn das hier alles vorbei ist. Egal, wie viel ich nach draußen starre, kein Briefträger. Trauen die sich nur ran, wenn man wegschaut? Ab und zu mache ich einen Statusabgleich mit Gustav, der wartet ja genauso wie ich. Er hat mittlerweile versucht, das Prüfungsamt telefonisch zu erreichen. Da hebt nicht mal jemand ab. Die Mittagszeit ist mittlerweile um. Über Gustav höre ich das Gerücht, jemand habe das Amt erreicht. Die behaupten angeblich, alle Briefe seien gleichzeitig rausgeschickt worden. Das hat auch der Repetitor gesagt. Aber dann müsste doch mittlerweile was da sein, oder? Meine Theorien variieren zwischen „Der Brief ging verloren“ und „Vielleicht wurden die Briefe nach dem Alphabet geordnet“. Das ergibt für mich allerdings keinen richtigen Sinn, mein Nachname beginnt mit H. Die werden ja nicht erst den Anfang und dann das Ende des Alphabets verschicken — und sich die Mitte für den Schluss aufheben. Kurzzeitig will ich doch daran glauben, dass es einfach ein gutes Zeichen ist. Aber dann fällt mir wieder der Repetitor ein.

schlafen, weil ich dann nicht so lange warten muss. Funktioniert tatsächlich auch bis um neun. Danach starre ich wieder raus. Das Telefon klingelt. Es ist Gustav. „Du hast bestanden!“, brüllt er. Ich verstehe gar nichts mehr. Bei ihm war der Briefträger schon (genau in dem Moment, als Gustav nicht aus dem Fenster schaute). Neben den Noten bekam er eine Ladung zur mündlichen Prüfung. Mein Name steht in seiner Prüfungsgruppe. Ich kann es nicht glauben. Ich lege auf, hüpfe durchs Zimmer und zurück auf das Bett, auf dem ich in den vergangenen Tagen immer stand. Rufe meine Familie an, Freunde. Bin krass erleichtert. Darüber verpasse ich, natürlich, den Briefträger. Als ich eine halbe Stunde später rausgehe, liegt was im Kasten. Ich reiße den Umschlag noch auf dem Weg zur Wohnung auf. Meine Noten. Hui, das war knapp. Der Rest ist Freude.

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