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JOB N o 0 1 / 1 3 -------------- j e t z t . d e

Gegen den Strich. EIN HEFT ÜBER NERDS, BOXENDE MÄDCHEN UND DIE KRAFT DES EIGENSINNS.


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Duales Bachelor-Studium bei Lidl Liebe Leserin, lieber Leser, früher hatte das Wort „Nerd“ eine nicht gerade schmeichelhafte Bedeutung. Das hat sich geändert. Wer sich heute in eine Sache reinfuchst, wer sich super mit Computern auskennt oder überhaupt im Leben seinen eigenen Weg geht, wird bewundert. Wir haben dieses Heft deshalb vor allem den Eigensinnigen gewidmet. Jenen, die das Internet besser machen, und jenen, die den Mars erkunden. Oder auch jenen, die ihre Stadt nicht den Rechten e n ! ass überlassen wollen. erp Viel Spaß beim Lesen!

rv h e m eft azine H g n Kei de/ma t. jetz

I N H ALT 4 Porträt Isabell erzählt, was sie jetzt gerade mag. 6 Wow Die Geschichte von einem Ingenieur, der Weltstar wurde. 12 Ehrlich Wie Büromenschen an ihrem Computer verzweifeln.

Willkommen bei Lidl: Das Duale Bachelor-Studium qualifiziert Sie für unterschiedliche Managementaufgaben bei Lidl. 37 Regionalgesellschaften von Lidl Deutschland bieten Ihnen in Kooperation mit ausgewählten Dualen Hochschulen bzw. Berufsakademien ihre Partnerschaft an. Der erfolgreiche Abschluss bietet Ihnen erstklassige Berufsperspektiven in einer sicheren Branche. Studieren und verdienen: Schon ab dem ersten Monat verdienen Sie Ihr eigenes Geld: 1. Jahr 1.300 €, 2. Jahr 1.500 €, 3. Jahr 1.700 € (Stand: Februar 2013). Hohe Praxisorientierung: Das Studium führt auf direktem Weg in die Praxis. Hierfür werden Sie von uns optimal vorbereitet. Verantwortung übernehmen: Nach Ihrem Studium Handel / Konsumgüterhandel und der Einarbeitung zum Verkaufsleiter (w/m) sind Sie für 80 – 100 Mitarbeiter und 5 – 6 Filialen verantwortlich. Mit dem Studium Warenwirtschaft & Logistik ist Ihr Ziel eine Position als Abteilungsleiter (w/m) in einem unserer deutschlandweiten Logistikzentren. Voraussetzung: Die Voraussetzung für das Studium ist die Allgemeine Hochschulreife, die Fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife.* Duale Hochschulen / Berufsakademien, mit denen Lidl zusammenarbeitet: Mosbach / Heilbronn, Mannheim, Lörrach, Hamburg, Berlin.

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14 Programmieren Die tollsten Programmierer gehen noch zur Schule. 18 Unterricht Wie die Digitalisierung den Lehrerberuf verändert. 20 Poster Zehn Tipps für ein einfacheres Leben. 22 Rechtsradikalismus Detailaufnahmen aus einer hilflosen Stadt. 30 Boxen Beim SV Stahl lernen Mädchen ein neues Selbstbewusstsein. 36 Dingdong Errätst du, wem welches Telefon gehört? 38 Kolumne Nadjas Schuljahre.

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38 Impressum

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WER BIST DU GERADE? Unser Geschmack wandelt sich im Lauf des Lebens. Doch zu jeder Zeit sagt das, was wir gerade mögen, ein bisschen was über uns selbst.

1 Was hörst du gerade? 2 Auf welcher Website bist du im Moment Stammgast? 3 Welche Accessoires magst du zurzeit? 4 Welchen Film hast du zuletzt gesehen und gemocht? 5 Was kannst du gerade überhaupt nicht leiden? 6 Welche Kunst ist gerade gut? 7 Welches Buch hast du zuletzt gern gelesen? 8 Welches Video hast du gerade geliket oder empfohlen?

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Isabel Schultheis, Hamburg


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VON MATTHIAS KOLB / TEXT & ANDY J. SCOTT / FOTOS

Wenn ich groß bin, werde ich Nerd Nerd. In Amerika werden Nerds plötzlich als Helden gefeiert. Einer von ihnen ist der NASA-Ingenieur Bobak Ferdowsi. Die ganze Welt himmelte ihn an, als er die Sonde „Curiosity“ auf dem Mars landete. Liegt es wirklich nur an seiner Frisur?

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Als Barack Obama im August vergangenen

Jahres bei der NASA in Kalifornien anrief, um den Ingenieuren zum Erfolg ihrer MarsMission zu gratulieren, sagte der US-Präsident: „Bei euch arbeitet doch der Kerl mit der Irokesenfrisur. Ich habe überlegt, mir auch einen Mohawk wachsen zu lassen, doch mein Team hat mir abgeraten. Auf alle Fälle seid ihr bei der NASA um einiges cooler als früher!“ Der Mann, dem die Weltraumbehörde das neue Image verdankt, heißt Bobak Ferdowsi, ist 33 Jahre alt und arbeitet in Pasadena als Flugdirektor der „Curiosity“- Mission. Per Livestream konnte am 5. August 2012 jeder auf der ganzen Welt dabei sein, als der mit Messinstrumenten bepackte Marsrover „Curiosity“ auf dem roten Planeten landete. Immer wieder zeigte die Kamera Bobak, der vor Begeisterung strahlte. Seinen schwarzen Irokesen schmückten rote und blaue Strähnen, links und rechts am Kopf prangten gelbe Sterne. Und sofort wurden die Menschen im Internet auf den „Mohawk Guy“ aufmerksam, Journalisten kürten Bobak zum „sexiest Nerd“ der NASA, Tausende posteten sein Bild bei Facebook. Sechs Monate später sitzt Bobak im Café „Zona Rossa“ in Pasadena, nippt an seinem Kaffee – und staunt noch immer über seine Medienkarriere. Auf Obamas Lob folgten Hunderte Heiratsanträge, viele Interviews sowie ein Fotoshooting für GQ, zusammen mit dem „Curiosity“-Team. Wenn künftige Historiker einmal erforschen, was Amerika im Jahr 2012 beschäftigt hat, dann werden sie recht sicher auf Bobaks Kopf stoßen. Viele glauben, dass nicht zuletzt dank Bobak der „Nerd“ im Jahr 2012 endgültig im Mainstream angekommen ist. Die Nerds, das sind nicht mehr die seltsamen Technikfreaks, das sind Menschen wie du und ich. Und manche werden zu Stars. Facebook-Chef Mark Zuckerberg grinst vom Titelblatt des People-Magazins, der StatistikBlogger Nate Silver wird in Talkshows gefei-

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ert, weil er das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in allen fünfzig Staaten richtig prognostizierte, und Apple-Gründer Steve Jobs ist auch nach seinem Tod allgegenwärtig: Walter Isaacsons Jobs-Biografie klebt in den Bestsellerlisten, und zwei neue HollywoodFilme widmen sich Jobs’ Leben. Dass ihn einmal Zehntausende bewundern würden, hätte sich Bobak nie träumen lassen: „Ich hielt mich für alles andere als cool.“ Er habe viel Science-Fiction gelesen, erzählt Bobak, der wegen des Jobs seines Vaters in Japan zur Highschool ging. Heute wirkt er mit Jeans, schwarzen Espadrilles und Karohemd wie einer der vielen Schauspieler, die in Los Angeles auf den Durchbruch hoffen, oder wie der Gitarrist einer Indieband. Als Teen-

ager glänzte Bobak in Mathe und Physik, doch an der American School in Tokio wurden, genau wie in den USA, vor allem die guten Sportler bewundert. Als 1997 die Sonde „Pathfinder“ auf dem Mars landet, staunt Bobak. Er sieht die Bilder von der Oberfläche des Mars und denkt: Für die NASA will ich auch arbeiten. „Ich hatte selbst viele Vorurteile gegenüber Ingenieuren, als ich mich 2003 bewarb“, sagt Bobak. Würde die NASA jemanden wie ihn einstellen, einen 23-Jährigen ohne dicke Brille, dessen Füße nicht in „Socken und Sandalen“ steckten? So dachte er. Bobak bekam den Job und merkte schnell, dass seine Kollegen normale Typen waren, deren Privatleben

sich nicht nur im Keller vor einem Bildschirm abspielte. „Die Leute in meinem Team sind wie ich: Viele sind tätowiert oder haben gefärbte Haare. Unsere Arbeit erfordert Kreativität, und je verschiedener die Leute, umso besser das Ergebnis“, sagt Bobak. Aus Spaß begann er 2008, seine Frisur an bestimmte Ereignisse anzupassen: Beim fünften Systemtest für die „Curiosity“-Mission rasierte er sich ein V in die Schläfen. Zum Start von „Curiosity“ färbte er sich den Schopf in Rot- und Goldtönen, so wie die Flammen der Rakete. Vor der Landung forderte sein Chef das Team auf, über Bobaks Frisur abzustimmen. Die meisten wünschten sich die Farben der US-Fahne in den Haaren des Flugdirektors. Sein plötzlicher Ruhm kam für alle im Jet Propulsion Laboratory der NASA völlig überraschend, erzählt Bobak. „Für uns war es normal, dass ich komische Dinge mit meiner Frisur anstelle.“ Als er am 6. August aufwachte und zu seinem iPhone griff, war das Mailfach voll. Für jeden der 40 000 neuen Follower hatte Twitter eine Mail geschickt; und dazu kamen viele Nachrichten via Facebook und SMS von Freunden, die ihm gratulierten oder die ihn aufzogen. „Es war wirklich verrückt, das alles kam aus dem Nichts“, erinnert sich Bobak, der seitdem an Schulen und Universitäten für die Wissenschaft wirbt. Bei der Parade zu Obamas zweiter Amtseinführung lief er neben einem Modell des „Curiosity“-Wagens mit. „Es war bitterkalt, aber viele Erwachsene und Kinder haben uns zugejubelt“, schwärmt Bobak. Er geht entspannt mit seiner neuen Popularität um. „Wenn mein Mohawk dazu führt, dass sich mehr Kinder für Technik interessieren, dann ist das doch großartig.“ Dass sein Beispiel inspiriert, das zeigt auch seine Facebook-Seite, auf der die Fotos von Knirpsen zu sehen sind, die sich an Halloween als Mohawk Guy verkleidet haben und nun Forscher werden wollen. >


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Das neue Image der Nerds sei ohne Internet und Social Media nicht zu erklären, sagt Bobak. Auf Facebook, Google Plus und Twitter können sich Gleichgesinnte austauschen: „Ich dachte früher, ich sei der einzige Teenager, der Star Trek: The Next Generation guckt. In Wahrheit gab es sehr viele, doch die waren unerreichbar weit weg.“ Heute wüssten Schüler, dass überall auf der Welt Gleichaltrige an Computerprogrammen schreiben oder in der Garage basteln. Anders als noch 1997 bei der „Pathfinder“-Mission veröffentlicht die NASA Videos und Bilder des Rovers „Curiosity“ im Internet. Die Arbeit der Forscher wird also sichtbar wie nie zuvor. Schüler, die sich jetzt für einen Job bei der NASA interessieren, schreiben Bobak einfach. Und er versucht, möglichst viele Mails und Tweets zu beantworten. Bobak vermutet, dass erst die Smartphones vielen Menschen vor Augen geführt haben, wie sehr unser Leben von Technik durchdrungen ist. All die Apps zum Beispiel – jemand muss die doch programmiert haben. „Ich glaube, dass es heute für Lehrer leichter ist, Kinder für Technik zu interessieren“, sagt Bobak. „Es gilt als cool, gut mit Computern

umgehen zu können, weil sie das Leben leichter machen.“ Es gibt kaum mehr Lebensbereiche, die nicht vom Wissen der Nerds geprägt sind. In der Finanzwelt läuft nichts ohne Algorithmen. Barack Obama verdankt seinen Wahlsieg auch Menschen wie Harper Reed. Der 34-jährige Chief Technology Officer sorgte dafür, dass Obamas Wahlkampfstrategen auf aktuelle Daten über Wählerregistrierung und Umfragen zugreifen konnten. Er half dabei, dass Dutzende Wählergruppen maßgeschneiderte Werbebotschaften erhielten. Auch Mitt Romney, der republikanische Herausforderer hatte eine Milliarde Dollar für seine Kampagne zur Verfügung und war doch hoffnungslos unterlegen. Nach Obamas Sieg erschienen Texte über Harper Reed. Die Botschaft: Ohne Nerd geht nichts. Dass Reed genauso wie der Statistiker Nate Silver von der New York Times so viel Aufmerksamkeit bekommt, liegt nicht zuletzt am Auftreten der beiden. Nate Silver ist ein eloquenter, unerwartet lustiger Kerl. Harper Reed passt mit seiner kantigen Brille und dem roten Hipster-Vollbart so gar nicht zum Politbetrieb. Auch Bobak vermutet, dass die Reaktion auf sein Outfit mit veralteten Bil-

dern zu tun hatte: „Der letzte NASA-Film war Apollo 13. Der spielte 1970. Alle trugen weiße Hemden mit schwarzer Krawatte und wirkten schrecklich steif.“ Vielleicht ändert sich dieses Bild jetzt. Schon in den Sechzigerjahren, erzählt Bobak, hätten sich die Popularität der Science-Fiction-Filme und die in Kalifornien boomende Raumfahrtindustrie gegenseitig inspiriert. Gerade die Gründerszene im Silicon Valley beflügelt zurzeit die Unterhaltungsindustrie. Auf dem Kabelsender Bravo ging eben die erste Staffel der Realityshow Start-Ups: Silicon Valley zu Ende. Es war der Versuch, den Alltag von Programmierern einer größeren Zahl von Menschen näherzubringen. Hermione Way, Video-Bloggerin und Protagonistin der Show, verkündete stolz: „Nerds sind die Rockstars des 21. Jahrhunderts.“ Bobak ist da nicht so sicher. Er sei, sagt er, ein ganz Wie allürenfrei und zugänglich normaler Typ, der Bobak Ferdowsi ist, das erlebte seine Arbeit liebt. unser Autor Matthias Kolb gleich Und das ist sicher zu Beginn seiner Recherche. eine sehr gute Be- Er schrieb Bobak eine Direktschreibung für ei- nachricht auf Twitter – und hatte in kürzester Zeit eine Antwort. nen Nerd. Viel direkter kann der Zugang zur NASA kaum sein.

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Was ist ein Nerd? Es gibt mehrere Theorien über den Ursprung des Begriffs „Nerd“. In dem Gedicht „If I ran the zoo“ von Dr. Seuss zum Beispiel taucht ein gleichnamiges Fabelwesen auf. Manche erinnern an den Aufdruck N.E.R.D., der auf den Overalls der Techniker der Firma „Northern Electric Research and Development“ stand. Wieder andere glauben, „Nerd“ sei eine Abkürzung für „not emotionally responsive dude“ (emotional nicht ansprechbarer Kerl). Zugleich kursiert die Legende, dass strebsame Collegestudenten als „knurd“ bezeichnet wurden. Das Wort ergibt sich, wenn man „drunk“ (betrunken) rückwärts liest. Der Buchstabe „k“ sei im Lauf der Zeit verloren gegangen. Was macht „Curiosity“? Der Name des 900 Kilogramm schweren Gefährts „Curiosity“ passt zur Mission: Neugierig soll der mit Instrumenten bepackte Rover mindestens zwei Jahre auf dem roten Planeten herumfahren, Gestein untersuchen und eine Frage beantworten: War irgendwann Leben auf dem Mars möglich? Die MarsMission hat ein Budget von 2,5 Milliarden Dollar. Was bedeuten die Buchstaben JPL in Bobaks Haar? JPL steht für Jet Propulsion Laboratory. In dem „Strahlantriebslabor“ mit Sitz im kalifornischen Pasa Pasadena werden seit 80 Jahren Satelliten und Sonden für die US-Weltraumbehörde NASA gebaut. Im JPL arbeiten mehrere Tausend Ingenieure — einer ist Bobak Ferdowsi.

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WARNUNG

vor dem

DAU A . AU

*

VON CHRISTINA WAECHTER / PROTOKOLLE

Die meisten Menschen haben es nicht so mit Computern — selbst wenn sie beruflich vor einem sitzen. Drei Experten aus dem Backoffice erzählen.

SVEN: Einmal hat eine Mitarbeiterin angerufen und woll-

te bei Excel das Gitterraster wiederhergestellt haben, damit es auch ausgedruckt wie eine schöne Tabelle ausschaut. Während ich noch nach der Funktion suchte, sagte ich: „Du, da hat Microsoft gerade Lieferschwierigkeiten, die sind nicht vorrätig. Kannst du vielleicht das Gitter vorläufig selbst einzeichnen?“ Und die meinte nur: „Okay.“ Und hat aufgelegt. Ich hab dann natürlich gleich zurückgerufen und die Sache aufgeklärt. CAMILLO: Einer rief mal an, weil sein Computer angeb-

lich komplett kaputt sei. Ich saß im Erdgeschoss, er saß im sechsten Stock. Ich fragte noch einmal, ob er seinen Rechner und den Monitor auch angeschaltet habe. Klar, meinte der. Also bin ich raufgelatscht und habe sofort gesehen, dass der Monitor nicht eingeschaltet war. SVEN: Ein Praktikant saß an einem Arbeitsplatz mit zwei

Bildschirmen. Er rief mich an und sagte: „Bei mir verschwindet dauernd die Maus vom Bildschirm.“ Ich hab mich dann eingeloggt und gesehen, dass die Maus auf dem anderen Monitor war. Dann habe ich sie zurückgeschoben, woraufhin er ganz aufgeregt rief: „Da ist sie ja

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wieder!“ Ich hab ihn dann gefragt, was er vor sich sehe. Er meinte nur: „Einen Schreibtisch, einen Monitor, eine Maus und die Tastatur.“ Den zweiten Monitor hat er überhaupt nicht wahrgenommen, weil er ihn ja nicht brauchte. Dass der aber trotzdem ans System angeschlossen war, hat er nicht kapiert. CAMILLO: Ein Mitarbeiter hat mich angerufen und mir ernsthaft erzählt, er habe das Internet gelöscht. Hatte er natürlich nicht. Er hatte aus Versehen das Safari-Symbol entfernt. EDGAR: In einem Drittel der Fälle sind die Anrufe über-

flüssig. Wenn die Menschen sich ein bisschen Zeit genommen hätten oder sich ein klein wenig mit dem Computer auseinandersetzen würden, dann hätten sie sich den Anruf sparen können. Man kann grob sagen, dass die Hälfte der Probleme vom Anwender verursacht werden und die andere von den Rechnern. SVEN: Man sollte einfach mal lesen, was bei einer Fehler-

meldung steht, und nicht immer gleich alles hektisch wegklicken. Man kann ja sogar komplette Fehlermeldungen


bei Google eingeben und findet sofort Lösungsvorschläge. Ansonsten sollte man seine Daten sichern, wenn sie einem wichtig sind, Bilder, Musik oder Videos. Und zwar nie auf einem Computer oder Laptop, die ja kaputtgehen oder geklaut werden können, sondern zusätzlich auf einer, besser noch auf zwei externen Festplatten. CAMILLO: Sicherung ist das Wichtigste – jeder sollte seine Daten mindestens auf einer externen Festplatte abspeichern. SVEN: Ich wurde vor einigen Jahren an einem Sonntag

um 22 Uhr angerufen. „Hilfe, ich komme nicht ins System.“ Es war ein sehr wichtiger Mitarbeiter. Erst habe ich versucht, die Sache telefonisch zu klären. Ich habe gefragt: Ist der Benutzername richtig geschrieben? Ist das Passwort richtig? Groß-/Kleinschreibung beachtet? Ist die Feststelltaste gedrückt? Dann haben wir den Rechner neu gestartet, weil das die Feststelltaste zurücksetzt. Hat er alles gemacht, hat nichts geholfen. Ich bin dann 40 Minuten ins Büro gefahren, habe einen Griff am Computer gemacht und bin wieder 40 Minuten nach Hause gefahren. Was war? Er hatte gleich nach dem Hochfahren wieder die Feststelltaste gedrückt. CAMILLO: Das mit der Feststelltaste ist in 98 Prozent der Passwortanfragen des Rätsels Lösung. In den restlichen zwei Prozent der Fälle ist der Rechner nicht ans System angeschlossen. Ansonsten haben die Leute meist Probleme mit Anwendungen, die sie nicht dauernd benutzen. Dann vergessen sie einfach, wie etwas funktioniert, und weil sie zu faul zum Googeln sind, rufen sie an. Was auch sehr häufig passiert: Der Drucker ist kaputt. Sagen jedenfalls die Leute, weil sie am falschen Drucker ausgedruckt haben. Und statt mal in der Anwendung nachzuschauen, wo sie ausgedruckt haben, drucken sie einfach noch mal,

und siehe da: Der Ausdruck landet wieder im falschen Drucker. Das ist auch der Grund, warum in jedem Drucker immer ein Stapel Papier im Ausgabefach liegt. SVEN: Einmal wurde ich mit der Fehlermeldung „Kein

Speicherplatz mehr verfügbar“ angerufen. Ich schaute vorbei, und die Meldung stimmte. Der Mitarbeiter musste in eine Konferenz, ich habe mir in der Zwischenzeit einen Überblick verschafft und bemerkt, dass der Papierkorb auf dem Desktop total voll war. Wohl noch nie geleert. Ich habe ihn geleert und es dem Mitarbeiter mitgeteilt. Er fiel aus allen Wolken und schrie, dass das sein Archiv sei. Auf die Frage, ob er seine Sachen zu Hause auch im Mülleimer lagere, fragte er zurück, ob ich denn bescheuert sei. EDGAR: Die meisten Menschen sind so computertaug-

lich, wie der durchschnittliche deutsche Autofahrer autotauglich ist. Der weiß meistens auch, wo das Benzin reinkommt und wie man mit dem Auto von A nach B kommt. Was dabei im Innersten des Autos passiert, wissen die allerwenigsten. So ist es mit Rechnern auch. Aber das wandelt sich gerade auch ein bisschen. Wer mit Smartphones aufwächst, weiß viel besser Bescheid.

Sven, Edgar und Camillo arbeiten in unterschiedlichen Unternehmen im Backoffice. Sie kümmern sich also darum, dass die Computer in ihren jeweiligen Häusern das tun, wozu sie eingekauft wurden. Die Namen der drei wurden von der Redaktion geändert. * Dümmster anzunehmender User

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Die Ungeduldigen. Viele gute Programmierer sind noch sehr jung. Wie kommt das? Und was bedeutet das für den Schulunterricht? Eine Geschichte über Neugier und Fragesteller. VON KATHRIN HOLLMER / TEXT & CLAUDIAKLEIN.NET / ILLUSTRATION

M it fünfzehn hat Nick D’Aloisio für eine

Geschichtsarbeit im Internet recherchiert und sich geärgert. Nicht weil er keine Lust auf das Thema hatte, sondern weil er die Suche mit Google schrecklich mühsam fand. Er klickte einen Link an, sah, dass auf der Seite dahinter nichts Interessantes stand, ging zurück zu den Suchergebnissen, klickte den nächsten Link an. „Dafür hat doch keiner die Zeit“, sagt der Londoner Schüler gern in Interviews. „Ich will sofort wissen, ob ich mir eine Website anschauen muss.“ Während die meisten sich damit abfinden, dass das Suchen im Netz oft umständlich ist, hat Nick einen Weg gefunden, wie es doch anders geht. Heute ist er siebzehn und hat aus seinem Problem ein Geschäft gemacht. Ein Geschäft, in das Investoren wie Yoko Ono und Ashton Kutcher mehr als eine Million US-Dollar gesteckt haben. Dazu muss man wissen, dass Nick programmiert, seit er zwölf war. Mit neun bekam er seinen ersten Mac. Mit zwölf hat er sich mit YouTube-Videos und in Chats mit App-Entwicklern das Programmieren selbst beigebracht und schon mehrere Projekte entwickelt: „SoundStumble“ zum Beispiel, eine App, mit der man sieht, welche Musik die Freunde in der Gegend gerade hören. Und „Facemood“, eine App, die Facebook-Timelines analysiert und anzeigt, wie es den Freunden geht. Mit der App „Summly“ löste Nick sein Problem beim Recherchieren im Internet. Seine App nutzt einen Algorithmus, der anders als Google nicht nach Schlagwörtern, sondern nach Inhalten sucht. Sie liefert eine Zusam-

menfassung in Stichworten von maximal 400 Zeichen. So weiß der Suchende gleich, ob sich ein Klick lohnt oder nicht. Die Testversion hat Nick innerhalb von drei Monaten programmiert, seit Ende 2012 steht eine verbesserte Version der iPhone-App im App Store. Im Dezember zählte sie bereits eine halbe Million Downloads. Seine Firma leitet Nick neben der Schule. Er spricht auf Konferenzen wie der DLD (Digital Life Design) in München und wird mit Steve Jobs und dem Google-Gründer Sergey Brin verglichen. Nick kommt aus einer Generation, in der die meisten mit Computern, Tablet-PCs und Smartphones aufgewachsen sind. Die Studie Jugend 2.0 des Branchenverbands Bitkom aus dem Jahr 2011 hat gezeigt, dass 98 Prozent der Zehn- bis Achtzehnjährigen das Internet zumindest gelegentlich nutzen, bei den Zehn- bis Zwölfjährigen sind es 96 Prozent. (Fünf Jahre früher hatten laut dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest erst 90 Prozent der Zwölf- bis Dreizehnjährigen Onlineerfahrung.) Programmieren kann laut Bitkom schon knapp jeder fünfte Dreizehn- bis Fünfzehnjährige und gut jeder vierte Sechzehn- bis Achtzehnjährige. Wenn man früher mit dem Computer umgehen kann, fängt man auch früher an, Fragen zu stellen: Wie geht das? Warum funktioniert das so? Warum nicht anders? Die meisten Eltern haben auf solche Fragen keine Antworten. Sie können vielleicht zeigen, wie man ein Fahrrad zerlegt und wieder zusammenbaut. Aber einen Computer? Auch der achtzehnjährige Lukas Martini aus Mannheim, der

seit einem Jahr als Systemadministrator beim Webdienst „Soup.io“ arbeitet, war als Kind nicht zufrieden mit den Antworten, die er von seinen Eltern bekam. Mit sechs hat er am Computer seines Opas mit „Paint“ Bilder gemalt, mit zehn hat er seinen ersten Computer bekommen und mit elf angefangen zu programmieren. „In meinem Kopf existiert kein Zeitpunkt, zu dem ich keine Ahnung von Technik hatte. Mein Großvater erzählt immer, dass ich ihm schon in der ersten Klasse gesagt habe, welche neuen Computer auf den Markt kommen“, sagt Lukas. Er hat damals angefangen, sich den Quelltext von Webseiten, die er gut fand, anzuschauen, er las Computerzeitschriften und lernte im Internet, wie man Webseiten mit HTML baut. „Ich dachte immer: Okay, da wird eine Seite angezeigt, aber warum? Das wollte ich verstehen“, sagt er. Später hat er sich so die Sprachen PHP und Python beigebracht – ebenso wie alles andere, das er lernen wollte. Mit sechzehn brach er schließlich die Schule ab. Heute muss niemand einen Kurs besuchen, um programmieren zu lernen. Es gibt Foren und Tutorials, mit denen man programmieren lernen und sich abschauen kann, wie andere Probleme lösen. Ohne diese Möglichkeit gäbe es nicht so viele junge Programmierer, sagt Christian Borowski, Sprecher der niedersächsischen und Bremer Informatiklehrer in der Gesellschaft für Informatik und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Oldenburg im Bereich Didaktik der Informatik. „Außerdem ist das Erlernen von Programmiersprachen inzwischen leichter geworden“,

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sagt Borowski. „Programme zu schreiben wird immer einfacher. Mit der Programmiersprache Scratch lernen bereits Grundschüler programmieren. Das ist kein Zauberwerk.“ Mit Lukas kann man gut über den Zauber des Programmierens sprechen. Er hat ein großes Bedürfnis, Hintergründe zu verstehen, und er will unbedingt etwas Eigenes schaffen. „Wenn ich die Technik verstehe“, sagt er, „begreife ich auch die Welt ein bisschen besser. Und wenn ich eine Idee habe, weiß ich, wie ich sie umsetzen kann.“ Gerade arbeitet Lukas – neben seinem Job bei „Soup.io“ und seinem Engagement im Vorstand der Jungen Piraten – an „Shortdiary.me“, einer Tagebuchplattform. „Die Idee ist, dass man jeden Tag einen Eintrag schreibt, der nach sieben Tagen verschwindet und nicht mehr angezeigt wird. Nach einem Jahr kriegt man ihn wieder per Mail geschickt und liest, was man vor einem Jahr gedacht hat“, erklärt er. Spätestens im Frühjahr soll die Seite online gehen. Malte Götz aus Düsseldorf, ist schon einen Schritt weiter. Der Siebzehnjährige hat das

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Browser-Add-on „ProxTube“ entwickelt. Malte wusste, wie man YouTube-Videos ansehen kann, die in Deutschland – meist mit einem Verweis auf die GEMA – nicht gezeigt werden dürfen. „Das funktioniert, und zwar legal, indem man über einen Server in den USA geht. Das ist ganz einfach, aber das jedem Kumpel extra zu erklären ist schon ein bisschen nervig“, sagt Malte. Innerhalb weniger Tage entwickelte er ein Firefox-Add-on und stellte es zum Download online. Inzwischen hat Malte auch eine Chrome-Erweiterung programmiert. Zusammen wurden die beiden Add-ons mehr als fünf Millionen Mal heruntergeladen. Malte besucht die zwölfte Klasse eines Gymnasiums und ist im Informatikleistungskurs. Seinen ersten Computer hat er mit zehn bekommen und sich darauf das Programmieren beigebracht; zuerst die Programmiersprache Visual Basic, im Informatikunterricht kam Java hinzu, außerdem hat er gelernt, wie man Webseiten baut, später noch die Sprachen PHP und C#. Obwohl er sich aufs Abitur vorbereiten muss, arbeitet er nebenbei an

Projekten für „Jugend forscht“ und den Studentenwettbewerb „Microsofts Imagine Cup“. Nach dem Abi will er studieren. „Irgendwas mit Informatik“, sagt er, aber genau weiß er es noch nicht. Wenn man die Geschichten von Nick, Lukas und Malte hört, kommt einem das Wort „Wunderkind“ in den Sinn. Ist es das richtige Wort, wenn man die Programmierleistung von Teenagern beschreiben will? „Ich halte mich nicht für ein Wunderkind“, sagt Malte. Lukas sagt: „Wenn man sich viel mit dem Computer beschäftigt, dann erreicht man irgendwann ein Level, auf dem man sehr gut damit umgehen kann.“ Zwar erfüllen die beiden die Definition eines „Wunderkinds“ insoweit, als sie schon als Jugendliche Fähigkeiten haben, die man normalerweise erst im Erwachsenenalter erreicht. Sie sind Ausnahmen, weil sie Probleme sehen und Lösungen entwickeln, die andere nicht sehen. Hinter den Fähigkeiten von Nick, Lukas und Malte steckt aber vielleicht nicht nur Talent, sondern wohl eher Fleiß und in erster Linie: Neu-


gier. Aber das verstehen nicht alle. Nick zum Beispiel erzählte seinen Freunden lange Zeit nichts davon, dass er gerade die Suche im Internet veränderte. Er hatte Sorge, sie würden ihn für einen Nerd halten. Immer wieder fordern Experten, dass an der Schule viel mehr Programmierkenntnisse vermittelt werden sollten. Manche sprechen sogar davon, dass die Programmiersprachen nach und nach zumindest eine Fremdsprache ersetzen sollten. Sie haben die Hoffnung, dass auf diese Weise Talente wie Malte und Lukas gefördert werden. Aber geht diese Rechnung auf? „Mit dem, was man in der Schule lernt, kann man nicht viel anfangen“, sagt Malte. Er findet den Informatikunterricht größtenteils veraltet. Erst jetzt im Leistungskurs lerne er das meiste komplett neu. Lukas hat die Schule in der zehnten Klasse abgebrochen und deshalb während seiner Schulzeit nur wenig Informatikunterricht genossen. „Ich bin immer in den Unterricht gegangen und habe die ersten zehn Minuten das gemacht, was wir gerade machen sollten – und mich danach mit den Sachen beschäftigt, die ich gerade selbst gebaut habe. Der Lehrer war ganz gut. Er hätte mir sicher etwas beibringen können, aber er musste das Niveau der Klasse bedienen“, erinnert sich Lukas. Christian Borowski glaubt, dass man Schüler wie Malte und Lukas anders fördern muss. Nicht durch ein neues Pflichtfach, sondern durch Wahlfächer, wie es in vielen Bundesländern seit Langem üblich ist. „Erfinder sind oft begeisterte Querköpfe“, sagt Borowski, der in Oldenburg einmal die Woche mit Grundschülern in einer AG Lego-Roboter programmiert. „Wenn man nur zu Hause vor sich hin programmiert, besteht die Gefahr, dass es unstrukturiert wird und keiner mehr die Codes lesen kann. In einer AG für Schüler, die bereits viel Programmiererfahrung haben, könnte Malte lernen, dass er Teile von ‚ProxTube’ für andere Ideen verwenden kann, weil er die dahinterliegenden Konzepte in seinem Programm erkennt“, so Christian Borowski. Die entscheidende Qualifikation für einen Programmierer kann aber vermutlich auch der beste Lehrer nicht beibringen. Ein unbedarfter Mensch surft im Internet, stößt auf ein Problem und denkt sich: „Hm, geht nicht. Das ist wohl so.“ Ein programmierbegabter Mensch denkt vermutlich: „Geht nicht. Warum geht das nicht?“ Und dann fängt er an, nach einer Lösung zu suchen.

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Herr Moderator. Wenn die Schüler mehr wissen als der Lehrer, dann ist der Lehrer eigentlich kein Lehrer mehr, oder? Ein Gespräch mit Informatiklehrer Michael Fröhlich über einen Paradigmenwechsel. VON PETER WAGNER / INTERVIEW & GERALD VON FORIS / FOTO

Herr Fröhlich, wie sah der Computerraum 1993 in Neubiberg aus, als Sie dort Lehrer waren? Es gab zwölf Standalone-Rechner. IBM-PCs mit Festplatten von je 20 MB. In jener Zeit waren Informatiklehrer noch Helden: Sie haben den Schülern Geräte gezeigt, die es zu Hause nicht gab. Was hat sich seitdem verändert? Erst haben immer mehr Familien Heimcomputer angeschafft, und es gab den Hype um Grafikkarten und Intel Pentium-Prozessoren. Zu der Zeit musste man den Schülern klarmachen: Es ist egal, was das für ein Rechner ist, mach deine Arbeit! Um die Jahrtausendwende kam das Internet, und wir haben per Webcam zugesehen, wie Schiffe durch den Panamakanal geschleust wurden. Die nächste Phase, in der sind wir noch, ist die Virtualisierung des Unterrichts. Das heißt? Schüler und Lehrer treffen sich auf einer Lernplattform und schreiben zum Beispiel in der Woche vor einer Schulaufgabe ihre Lernfragen in ein Forum. Diese Fragen können dann gleichermaßen Mitschüler wie der Lehrer beantworten!. Eine vollkommen neue Kultur des Lernens und Kooperierens. Dafür muss der Lehrer fit sein im Umgang mit neuen Medien. Spüren Sie die Überheblichkeit mancher Schüler, die im Gegensatz zu Ihnen mit dem Internet aufgewachsen sind? Jugendliche dürfen überheblich sein. Wenn sie etwas wissen, geben sie damit an. Na ja, wenn Schüler mehr wissen als Sie, ist Ihre Kompetenz infrage gestellt. Ich kann nicht alles wissen. Wenn es zum Problem wird, muss ich den Unterricht umstellen. Wie? Ich trage nicht mehr nur vor, ich moderiere. Das ist ein Paradigmenwechsel in der Lehrerwelt. Dieser Wechsel hat entscheidend mit der Digitalisierung des Lebens zu tun, weil Wissen überall abrufbar ist. Können alle Lehrer damit umgehen? Für viele ist es ein Problem. Das, was sie an der Uni gelernt haben, trägt sie nicht mehr durch die Berufsjahre. Wie reagieren die Kollegen auf die Digitalisierung? Es gibt Ältere, die sich nicht mehr damit auseinandersetzen wollen, es gibt aber auch Jüngere, die nicht damit anfangen. Das heißt? Es gibt Junglehrer, die kommen an die Schule und wissen

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MICHAEL FRÖHLICH IST MEDIENPÄDAGOGISCHER BERATER UND LEHRER FÜR MATHEMATIK, PHYSIK UND INFORMATIK AM GYMNASIUM KIRCHSEEON. ER UNTERRICHTET SEIT 25 JAHREN.

nicht, wie man eine gute Internetrecherche macht. Das kriegen sie auch in der Lehrerausbildung nicht gezeigt. Tatsächlich, ist das so? Die können ein Arbeitsblatt schreiben, aber das Medium Internet als Unterrichtsmethode nutzen, das geht nicht. Entsteht nicht so etwas wie ein Lehrerprekariat, das vom Digitalen nix mitkriegt und dann schlechten Unterricht macht? Wenn ein Mensch gut mit Kindern umgehen kann, dann kann er das. Studien zeigen bislang, dass digitale Medien den Unterricht weder besser noch schlechter machen. Wissen alle Kollegen, was Facebook ist? Was genau sollen die darüber wissen? Dass es das gibt. Das wissen, glaube ich, schon die meisten. Wissen alle, wie’s funktioniert? Nein. Das wissen aber auch nicht alle Eltern. Sind Sechzehnjährige kompetenter im Umgang mit PCs als früher? Ich hatte Situationen, in denen ich einem Sechzehnjährigen gesagt habe: Schau mal, rechte Maustaste, „Bild speichern unter“, so kannst du das Bild auf der Festplatte ablegen. Wusste er nicht? Wenn die Lust auf „World of Warcraft“ haben, dann haben die für das andere auch keinen Kopf. Ich kann es nie verhindern, dass im Informatikunterricht mal Unterrichtsfremdes angeschaut wird, zum Beispiel Comics. Aber ich kann trotzdem den Horizont erweitern und darauf hoffen, dass sie an einer Aufgabe Spaß finden. Lernen ist kein Prozess, den man erzwingen kann. Interessieren sich heute mehr Schüler fürs Programmieren als früher? Nein. Warum? Wenn ich einen Programmierer ausbilde, braucht der immer einen, der ihm sagt, was er zu tun hat. Niemand bekommt gern was gesagt. Wenn ich Schüler berate, sage ich: Studier Medizin, Physik, lern ein Fach mit Inhalt. Dann kannst du immer noch in dem Bereich was programmieren. Es gibt Wissenschaftler, die empfehlen, Latein durch Programmieren zu ersetzen. Und Sie sagen, Programmieren soll man sich später bei Bedarf selber beibringen? Natürlich. Lieber bringen wir noch eine Fremdsprache an die Schule. Kommunizieren ist viel schwieriger. Das andere, das lernen sie schnell.


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diese Stadt. VON ANKE LÜBBERT / TEXT & MONIKA KEILER / FOTOS

Was passiert, wenn alle Jugendlichen ihre Region verlassen und die Demokratie den Falschen in die Hände fällt? Ein Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern.

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LINKS IM BILD DAS GYMNASIUM, RECHTS DAS „NEGERHÄUSCHEN‟.

HANNES RADICKE, 18 Jahre, Schülersprecher Gymnasium

JÜRGEN STÄHLE, 58 Jahre, Schulleiter Gymnasium

Wie ist es, hier zu leben? Die Stadt hat ihre guten Seiten. Ich habe alles, was ich brauche: eine gute Schule, Handballverein, meinen Segelfliegerclub. Was für eine Rolle spielt es für dich, dass die Stadt eine Hochburg des Rechtsextremismus ist? In meinem Alltag keine. Ich halte mich raus. Aus was? Aus politischen Dingen. Glaubst du, dass Jugendliche gefahrlos ihre Meinung vertreten können? Ja. Auch wenn sie ein Shirt tragen, auf dem steht: „Nazis raus“? Das nicht. Aber solange man seine Meinung nicht auf dem Präsentierteller vor sich herträgt, ist alles okay.

Spielen rechtsextreme Strukturen bei Ihnen im Schulalltag eine Rolle? Nein. Wir geben an unserer Schule weder dem Rechtsnoch dem Linksextremismus ein Podium. Ich halte übrigens beide für gleichermaßen gefährlich. Rechtsextremismus ist also kein Problem? An der Schule selbst nicht. Wir tun ja auch eine Menge dagegen. Extremismus ist immer ein Problem der gesamten Gesellschaft, vornehmlich dort, wo demokratische Strukturen wegbrechen sowie Arbeits- und Perspektivlosigkeit den Alltag bestimmen. Eine Folge dieser Entwicklung ist, dass 93 Prozent unserer Absolventen seit der Wende das Land Mecklenburg-Vorpommern verlassen haben. Einen derartigen Verlust an kreativen Köpfen kann auf Dauer wohl keine Region kompensieren. Da fragt man sich auch: Mit wem und für wen machen wir hier morgen noch Demokratie? Glauben Sie, dass wir morgen noch Demokratie machen? Es gibt nach wie vor viele engagierte Bürger, die in ganz verschiedenen Bereichen Großartiges leisten. Das stimmt mich optimistisch. Ich sehe aber auch Gefahren. Die Menschen hier fühlen sich oft alleingelassen. Viele Hoffnungen und Erwartungen nach der Wende haben sich nicht erfüllt.

I n dieser Stadt hat sich etwas verschoben. „Kanaken zer-

hacken“ steht an der Bushaltestelle am Bahnhof. Im Zentrum finden sich ein rechter Szeneladen und ein rechtes Schulungs- und Veranstaltungszentrum. In der Stadtvertretung sitzen zwei NPD-Abgeordnete, die in den Sitzungspausen mit der CDU-Fraktion Kaffee trinken. An einem Tisch. Auf der Propagandaseite „Mupinfo“ rühmen sich zwei NPD-Funktionäre und Köpfe der Kameradschaftsszene damit, dem städtischen Gymnasium 300 Euro für Sportgeräte gespendet zu haben. Die Stadt liegt in Vorpommern. Wie sie heißt, soll in diesem Text keine Rolle spielen. Es könnte Demmin sein, Pasewalk oder Ueckermünde. Ihre Probleme sind die einer ganzen Region.

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Eine private Werbefirma hatte im Auftrag der Schule eine Zeit lang in der Stadt um Spenden geworben. Zwei Jahre nach Eingang diverser Spenden wurde Schulleiter Jürgen Stähle darauf aufmerksam gemacht, dass auch


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stadtbekannte Nazis unter den Geldgebern waren, die sich noch heute auf besagter Webseite mit der Spende brüsten. Stähle kontaktierte seine Vorgesetzten – die Schulaufsicht, den Schulträger sowie die Polizei. Muss das Geld zurückgegeben werden? Der Direktor sagt: „Wir erhielten die Bestätigung, dass kein schuldhaftes Verhalten vorliegt und somit unsererseits kein Handlungsbedarf besteht.“ Seit 1990 hat die Stadt fast ein Drittel ihrer Einwohner verloren. Jahr für Jahr verlassen Menschen die Region, vor allem die gut ausgebildeten und motivierten. Die ganze Stadt ist Zeuge dieser Abstimmung mit den Füßen. Jeder hier hat miterlebt, wie immer mehr Freunde und Verwandte weggingen, wie Hoffnung dem Zynismus gewichen ist und der Glaube an einen rettenden Investor verschwand. Trotzdem gibt es Jugendliche in der Stadt, die hier erwachsen werden und ihren Platz suchen. Robert, 16, ist einer von ihnen, Man muss in den Stadtpark, wenn man mit ihm reden will. Dort sitzen die Punks in einer Hütte, die sie „Negerhäuschen“ nennen. So hieß das Häuschen schon immer, angeblich weil das Dach der Hütte mit Stroh gedeckt ist. Roberts Haare sind bunt gefärbt, er versucht gerade, seinen Schulabschluss nachzumachen. Er spricht viel und schnell und schaut sich immer wieder Richtung Parkeingang um, es ist ein Schulterblick, wie beim Linksabbiegen. Im Mai haben Nazis seine Freunde zusammengeschlagen, drei von ihnen landeten im Krankenhaus. „Die haben ,asoziale Schweine‘ und ,Dreckspack‘ gerufen und hatten Eisenstangen und Totschläger dabei“, erinnert sich Robert. Er konnte sich vor den zwanzig Schlägern in

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einen Kellereingang retten. Seitdem schaut er immer wieder hinter sich. Die Überfälle haben kaum etwas verändert. „Normale Bürger“ hätten weiterhin nichts zu befürchten, sagte der parteilose Bürgermeister der Stadt in einem Interview. Und sein Stellvertreter sagte, er habe keine Lust, die Verletzten im Krankenhaus zu besuchen. In der Öffentlichkeit gelten die Übergriffe als Höhepunkt einer Art Bandenkrieg. Rechts gegen Links, Punks gegen Nazis. Dass die Punks auf öffentlichen Plätzen herumsitzen und Alkohol trinken, nervt viele. Sie sind eine lose Gruppe von gut zwei Dutzend Jugendlichen, die eine diffuse Antihaltung verbindet. Sie werden nicht ernst genommen. Muss man also auch die Schläger nicht ernst nehmen? In der Stadt trifft „ein strukturell starker Rechtsextremismus auf geschwächte demokratische Strukturen“, schreibt Dierk Borstel, Professor für praxisorientierte Politikwissenschaften an der Fachhochschule Dortmund, in seinem Buch „Braun gehört zu bunt dazu“. Die Nazis sehen die Region als „national befreite Zone“, als einen Raum, in dem sie Recht setzen und umsetzen. 1996 gründet sich in der Stadt der „Kameradschaftsbund“, der rechtsextreme Konzerte organisiert und für die nächsten Jahre die rechte Szene und Jugendkultur entscheidend prägt. Hinzu kommen die Kameradschaft „Jungsturm“ und die „Hammerskins“, eine Organisation im Geiste der verbotenen Gruppierung „Blood and Honour“. 2003 zieht der NPD-Mann Michael Andrejewski aus Baden-Württemberg in die Stadt, sitzt bald in Stadtvertretung und Kreistag, seit 2006 auch im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. WENKE GRAMS, 21 Jahre, Studentin in Potsdam

Hast du dich wegen deines Engagements für die Demokratie in der Region bedroht gefühlt? Nein, ich persönlich nicht. Dafür war ich nicht bekannt genug. Aber ich mache mir Sorgen um andere. Zum Beispiel um Kollegen, mit denen ich während meines „Freiwilligen Sozialen Jahres in der Demokratie“ zusammengearbeitet habe und die eine persönliche Durchwahl zur Polizei in ihrem Handy gespeichert haben. Aber für dich persönlich spielt es keine Rolle? Neulich gab es eine Situation.

Welche? Eine Schulfreundin, die jetzt in Berlin lebt, wollte ihren Freund, einen Kenianer, mit zu ihren Eltern nehmen. Sie hat mich gefragt, ob ich denke, dass das geht. Und welche Konsequenzen es für ihn, aber langfristig auch für ihre Familie haben würde. Je weniger Menschen öffentlich gegen die rechte Ideologie auftreten, desto stärker stehen sie im Rampenlicht. In der Innenstadt, in einem ehemaligen Ladengeschäft, liegt der Demokratieladen. Träger sind der Verein „Demokratisches Ostvorpommern“ und die Landeszentrale für politische Bildung. Die Mitarbeiter organisieren Diskussions- und Kulturveranstaltungen und sind Ansprechpartner für alle, die eine aktive Zivilgesellschaft aufbauen wollen. Zweimal war der Laden in jüngerer Vergangenheit Ziel eines Anschlags. Im März 2012 wurden Davidsterne auf die Fensterscheiben geschmiert; im Mai 2012, kurz vor den Überfällen auf die Punks im Stadtpark, kippte jemand Buttersäure durch einen Türschlitz in das Ladeninnere. Wie kommt es zu der Gleichgültigkeit, die viele hier gegenüber den rechtsextremen Strukturen haben? „Vor die Wahl gestellt zwischen Unordnung und Unrecht, entscheidet sich der Deutsche für das Unrecht.“ Das ist ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe, aber eine Mitarbeiterin des Demokratieladens verwendet es für einen Erklärungsversuch. OLE HINNEBURG,, 21 Jahre, studiert in Kiel

Du bist seit 14 Jahren bei einem Tanz- und Artistikensemble der Stadt engagiert und hast bis zum Abitur 2009 hier gelebt. Was ist deine Erfahrung mit dem Rechtsextremismus? Wie viele Nazis es hier gibt, habe ich überhaupt erst festgestellt, als ich die Stadt verließ. Vorher ist es mir nicht so aufgefallen. In unserem Verein sind wir unpolitisch. Was heißt das? Nazis gab es bei uns nicht, aber es heißt zum Beispiel, dass die Kinder mit bunt gefärbten Haaren nicht mittanzen durften. Warum nicht? Weil das in der Öffentlichkeit als links gilt.

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93 PROZENT DER ABSOLVENTEN DES STÄDTISCHEN GYMNASIUMS HABEN NACH DER WENDE DIE STADT UND DAS BUNDESLAND VERLASSEN.

Ist das negativ besetzt? Schon. Ich habe dagegen oft gehört, dass die Rechten angenehmer sind, weil sie die öffentliche Ordnung nicht stören. Wenke Grams hat das Gymnasium besucht, an dem Jürgen Stähle Direktor ist. Nach dem Abitur hat sie beschlossen, für ein „Freiwilliges Jahr in der Demokratie“ in der Stadt zu bleiben. Sie erinnert sich, dass es in jedem Jahrgang Jugendliche gab, die zu den Rechten gehörten. „Im Unterricht spielte das aber keine Rolle“, sagt sie. Der Geschichtsunterricht habe aus Zahlen, Daten, Fakten bestanden. „Politische Diskussionen gab es höchstens in den Pausen. Viele meiner Mitschüler haben auch gesagt: Der ist zwar rechts, aber menschlich ist der doch ganz okay“, erinnert sich Wenke. „Es hatte auch etwas von einem Machtspiel. Die Nazis konnten sich ja sicher sein, dass man Respekt vor ihnen hatte. Einen Nazi in seinem Freundeskreis zu haben war für viele auch eine Absicherung, dass sie in Ruhe gelassen werden würden.“ „Ich nehme erst mal jeden, solange er nicht agitiert“, sagt Roderich Eichel, 45 Jahre, gelernter Tischler und „Mühlentreff“-Chef. Der Club liegt in einer Baracke am MARCO *, 24, „Mühlentreff‟

Ich war mal in der rechten Szene. Habe auch Ausländer verprügelt und war deshalb drei Monate im Knast. Und dann bist du ausgestiegen? Ja. Rodi (Anm.: der Leiter des Jugendclubs „Mühlentreff“) hat mich da rausgeholt. Er hat an mich geglaubt, hier im „Mühlentreff“ bin ich seine zweite Hand.

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Und zu den Rechten hast du keinen Kontakt mehr? Ich versuche ihnen aus dem Weg zu gehen. Die haben Kameradschaft und Freundschaft gepredigt, aber wenn es hart auf hart kam, haben sie einen fallen gelassen. Nur in einer Sache, mit den Ausländern, haben sie meiner Ansicht nach recht. Übergang zwischen Innenstadt und Plattenbau, in einer ruhigen Straße zwischen Einfamilienhäusern. Roderich Eichel hält nicht viel davon, die Stadt schlechtzumachen. „Jeder kann ja seinen Beitrag dazu leisten, dass sie schöner wird“, sagt er. Ganz oben in der Hausordnung steht der Satz „Jeder hier ist gleich viel wert“, weiter unten wird Sexismus verboten, Drogen, Gewalt. Rechtsextremismus kommt nicht vor. Einer der Jungs, die in der Werkstatt schrauben, trägt das Shirt einer Rockband, die im Verdacht steht, rechtsoffen zu sein. Würde es funktionieren, Rechtsextremen konsequent die Tür zu verbieten? „Die Grenzen sind fließend“, sagt Roderich Eichel. „Das lässt sich nicht immer nachprüfen. Mir ist wichtig, dass die Jugendlichen die Hausordnung akzeptieren, dass sie sich an die Gewaltfreiheit halten und daran, dass alle das gleiche Recht haben, hier zu sein. Man muss bedenken, dass die meisten Jugendlichen noch mitten in ihrem politischen Entwicklungsprozess stecken. Wenn wir die rauswerfen, nehmen wir uns die Chance, sie zu erreichen.“ Vor zwei Jahren bezeichnete der Autor Moritz von Uslar die Stadt als „kaputteste, fertigste und unseligste Stadt Deutschlands“. Die Stadt ist ausgeblutet und ringt um eine Perspektive. Sie verliert immer noch, Jahr für Jahr,


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ihre Einwohner. Aber es gibt eine Intercity-Verbindung. Es gibt ein Hallenbad, ein Kino und ein Theater. Und für eine Stadt mit 13 000 Einwohnern gibt es eine beeindruckende Vielzahl an Sport- und anderen Vereinen. Im vergangenen Sommer gründete sich das Aktionsbündnis „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!“, das innerhalb kürzester Zeit 2000 Menschen für eine Menschenkette gegen ein Fest der NPD mobilisierte. Auch die Mitarbeiter des Demokratieladens waren unter den Initiatoren. „Diese Aktion hat uns viel Energie und Hoffnung gegeben“, sagt Wenke Grams. Die Frage ist allerdings, ob das reicht. * NAME VON DER REDAKTION GEÄNDERT MITARBEIT MARTIN SCHULZ

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Auf den Sack gehn. Die boxen, weil sie sich nicht mehr unterbuttern lassen wollen: Eindrücke vom Mädchentraining beim SV Stahl Schöneweide. VON KATHARINA BEHLING / FOTOS & RUBEN DONSBACH / TEXT

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m Übergangsgebiet zwischen Berliner Zentrum und Peripherie leitet Peggy Maelicke das Frauen-Boxtraining des SV Stahl Schöneweide. In Paaren üben ihre Schülerinnen einmal die Woche kompliziert aussehende Boxkombinationen in einer in die Jahre gekommenen Sporthalle. Turnschuhe quietschen, und Sandsäcke ächzen dumpf. Im Hintergrund hängen überlebensgroße Poster von Muhammad Ali und dessen Tochter Laila. Ein etwas verlebter Ort vielleicht, aber einer, an dem man Ambitionen spürt, an dem mit Disziplin und Konzentration gearbeitet wird. Für Peggy Maelicke sind die Mädchen und jungen Frauen „wie eine Familie“, die sie beim Erwachsenwerden begleitet. Viele kommen schon mit acht Jahren zum Training und bleiben oftmals bis ins Erwachsenenalter. „Von der Friseurin und der Studentin bis zum Vorstandsmitglied haben wir alle dabei“ sagt Maelicke, die eine Art Ersatzschwester ist, die bei Liebeskummer mit dem ersten Freund oder Stress in der Familie zuhört. Peggy Maelicke ist mit 16 Jahren zur Berliner Polizei gegangen, heute leitet sie das Sportund Einsatztraining ihrer Behörde. Sie stand im Kader der deutschen Kickbox-Nationalmannschaft. Neben Beruf und Sport hat sie die Zeit gefunden, mindestens einmal die Woche Entwicklungshilfe im Frauenboxen beim SV Stahl zu geben. Als sie selbst einst zum traditionellen Boxen wechselte, war sie ein Exot unter Kerlen. Sie musste sich durchsetzen gegen Vorurteile und Mackertum. >

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eren Seele.“

Maelicke glaubt, der Boxsport kann einem helfen, sich im Leben durchzusetzen. Das Training ist mehr als ein reines Fitnessprogramm. Sobald „die Mädchen“ ankommen, wird jede persönlich begrüßt, dann wird die abgelaufene Woche besprochen: Welche Wettkämpfe gab es? Wer hatte Geburtstag? Hat jemand etwas von zu Hause zu berichten? Der Zusammenhalt und die Gruppendynamik der Boxfamilie profitieren von solchen Ritualen. Danach wird gearbeitet. Seilspringen, Krafttraining, Technik am Sandsack. Boxen ist eine der komplettesten Sportarten. „Wir trainieren Geist und Seele“ sagt Peggy Maelicke. „Bei vielen Mädels formt das Boxen für das ganze Leben. Sie stehen gerader. Sie sind selbstbewusster, und sie lassen sich von den Jungs nicht mehr so leicht unterbuttern.“

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36 jetzt S C H U L E & JOB N o 01 /13 VON JURI GOTTSCHALL / FOTOS

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Warten Sie auf einen Studienplatz?


Mit jedem Klassenzimmer ein Stück älter. In der fünften Klasse lernte ich im Keller. Denn der

Gang, in dem die jüngsten Schüler meines Gymnasiums untergebracht waren, lag im untersten Stockwerk. Von der Eingangshalle führte eine Treppe hinunter, und dann konnte man geradeaus durch eine Tür zu den Toiletten gehen oder links abbiegen, ins Dunkle und zu den Fünfern. Die klumpten sich morgens vor der verschlossenen Feuerschutztüre, die in ihren Gang führte, bis der Hausmeister kam und sie aufschloss. Und sie machten brav Platz, wenn ältere Schüler auf dem Weg zum Klo vorbeikamen: die Sechser und Siebener aus dem ersten Stock, die Achter und Neuner aus dem zweiten, die Zehner aus dem dritten. Und die Oberstufenschüler aus dem Nebengebäude, dessen Betreten vor Erreichen der elften Klasse streng verboten war. Auf dem Gymnasium konnte ich sehr gut beobachten, wie ich älter wurde. Weil ich jedes Jahr in einen neuen Raum zog, mindestens alle zwei Jahre in ein neues Stockwerk und am Ende sogar in ein anderes Gebäude. Gemeinsam mit Menschen in meinem Alter, die in Mathe neben mir stöhnten, die Umkleidekabine mit mir teilten und mir im Kunstunterricht den Farbkasten liehen, beobachtete ich, wie die Menge an Schülern im Gebäude, die jünger waren als wir, jedes Jahr wuchs. Die Menge derer, die älter waren, schrumpfte im Verhältnis dazu. Wir bewegten uns in einem Raum, der das Alter eines jeden darin abbildete, anhand der Gänge und Räume und Gebäudeteile. Wie Lettern in einem Setzkasten hatte jede Gruppe ihren Platz und ihren Status. Manchmal sogar eine Aura. Spätestens in der neunten Klasse fing man nämlich an, sich in Oberstufenschüler zu verlieben. Nicht nur, weil sie süß waren und manchmal sogar schon ein bisschen Bart hatten, sondern weil sie im Oberstufengebäude verschwanden, als gingen sie durch ein geheimes Portal in ein verborgenes Königreich. In Wirklichkeit lagen hinter dem Portal natürlich nur das Treppenhaus und

Schließfächer mit stinkenden Turnschuhen drin. Hätte ich damals nicht dieses Bezugssystem aus Fünfern mit zu großen Rucksäcken, Neunern mit Akne und Dreizehnern mit Zigaretten gehabt, wäre mir das Größerwerden sicher weniger aufgefallen. Man schaut ja nicht dauernd an sich herunter und sagt: „Oha, wieder zwei Zentimeter mehr als im letzten Jahr!“ oder: „Ich seh viel reifer aus als in der Neunten!“ Aber wenn ich zu Beginn eines neuen Schuljahrs morgens zu den Toiletten ging, mitten durch diesen Klumpen aus Zehn- und Elfjährigen mit Schnupfnasen in Anoraks, dann war die durchschnittliche Höhe dieses Klumpens schon wieder etwas niedriger geworden und die Kulleraugen noch etwas kindlicher als im Vorjahr. Heute stelle ich mir mein Schulgebäude manchmal im Querschnitt vor. Dann sehe ich auf den ersten Blick einen wilden Ameisenhaufen, auf den zweiten aber ein geordnetes System. Wenn man als Schüler da hindurchtransportiert wird, weiß man immer genau, wo man sich befindet, in welchem Verhältnis zu den anderen man steht und welchen Status man in diesem Gefüge hat. Am Ende wird man oben, zwanzig bis vierzig Zentimeter größer, ausgespuckt und landet in der Welt, die erst einmal überhaupt nicht mehr nach diesem Prinzip funktioniert. Sie ist ziemlich chaotisch, und es ist viel schwieriger als vorher, jemanden zu finden, der dir seinen Farbkasten leiht. Keiner sagt mehr: „Das ist dein Stockwerk, das ist dein Raum, und das sind deine Klassenkameraden“, und die Fünfer, die dir acht Jahre lang das Gefühl gegeben haben, überlegen zu sein, sind auf einmal auch nicht mehr da. Es gibt keinen Keller und keine Gänge mit Feuerschutztüren mehr. Dafür gibt es auf einmal sehr, sehr viel Unordnung und ebenso viele Möglichkeiten, tausendmal mehr als auf dem Schulhof. Und dann muss man halt einfach losgehen und einen neuen Manchmal fallen einem die Seltsamkeiten Platz finden. der Schulzeit, der Studienzeit und des

VON NADJA SCHLÜTER / TEXT

Joblebens erst mit ein bisschen Abstand auf. Unsere Kolumnistin notiert sie − in diesem Heft, in jetzt UNI&JOB am 15. April und in jetzt LEBEN&JOB am 13. Mai.

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