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U CH L JO B

N o 01/12 // jetzt.de

Alles anders. EIN HEFT ÜBER WALDORFSCHULEN, HOMOSEXUALITÄT UND ALTERNATIVEN ZUM STUDIEREN.


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Liebe Leserin, lieber Leser, in diesem Heft beschreiben wir Alternativen. Der 20-jährige Dale Stephens aus Amerika erklärt uns, warum er die Schüler seiner Heimat vor einem Collegestudium warnt: Es sei zu teuer, man lerne dort nichts – und außerdem verschwende man im Hörsaal bloß seine Zeit. Die Alternative? Sich selbst ausbilden, rät Dale. Aber auch in Deutschland fangen immer mehr Menschen an, über die Weise nachzudenken, wie Bildung geschieht. Die Waldorfschulen haben deshalb so viele Schüler wie noch nie. Johan Dehoust war früher selbst „Waldi“ und hat für uns seine alte Schule besucht, um zu erkunden, woher die neue Begeisterung für die alternative Bildung kommt. Unser Kolumnist Nilz Bokelberg schreibt auf der letzten Seite, wie hart es manchmal sein kann, wenn man im Leben nur das tun will, was einem Spaß macht, wenn man sich auf keine Alternative einlassen will – und wie beglückend es ist, wenn man dennoch aushält und sich treu bleibt. So dreht sich fast jede Geschichte um Alternativen und um die Frage, ob man sie in Erwägung zieht oder nicht. Falls du selbst dieses Frühjahr über deine Zukunft entscheiden sollst – keine Angst: Es gibt immer eine Alternative. Auch später noch. Keine Entscheidung ist für immer. Deine jetzt-Redaktion wünscht dir viel Spaß beim Lesen!

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COVER: UWE JENS BERMEITINGER / FOTO, GREGOR MAKRIS (BIGOUDI) / HAARE, MELANIE JASMIN JESKE / STYLING

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Waldorf-

schule Besuch bei

einer Schulform, die belieb-

ter wird.

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Entscheidung Sophia

überlegt, ob sie die Töpferei des Vaters übernehmen soll.

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Klischee Drei Schüler erzählen, wie

es auf dem Internat wirklich ist. tipps für Schüler und Lehrer.

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Service Originelle Spick-

Auswirkung Wie es das Leben

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verändert, wenn man sich an der Schule als homosexuell outet. 26

Endspurt Hannah beschreibt das letzte Jahr bei ihren Eltern.

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Karriere Dale erklärt, warum er ein Studium überflüssig fin-

det. 32 Azubifrage Wie es sein kann, dass es zugleich zu viele und zu wenige Lehrstellen gibt. 36 Einkauf Schöne Konsumwaren. 37 Rätsel Welche Frisur gehört zu welchem Gesicht?

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Kolumne

or-studium – Duales bachel Studieren mit gehalt.

Was du können musst, um deinen Wünschen treu zu bleiben.

Lidl lohnt sich.


VON JOHAN DEHOUST / TEXT & KATHRIN SPIRK / FOTOS

Der getanzte Johan. Früher sind Waldorfschulen ein bisschen belächelt worden, jetzt sind die Anmeldezahlen so hoch wie nie. Was hat sich da geändert? Unser Autor war Waldorfschüler und hat für uns seine alte Schule besucht.

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Vier Schritte vor und zurück, das geht. Kaum aber erhöht die grauhaarige Dame am Klavier den Takt, verpasse ich den Anschluss, tapse unförmige Sterne auf den hellbraunen Parkettboden. Die Vorhänge sind geschlossen, zum Glück. Da bin ich zurück an meiner ehemaligen Schule und stehe gleich in jenem Raum, den ich nie, nie wieder betreten wollte. Das Epizentrum meiner Waldorfschüler-Seele: der Eurythmie-Pavillon. Vor mehr als sechs Jahren schwebte ich letztmals unbeholfen durch diesen nach Holzwachs riechenden Saal, damals noch umhüllt von einem zartrosa Kittel. Nicht immer waren die Gardinen zugezogen wie heute. Und dann glotzten sie lachend von draußen herein, die Schüler der benachbarten Handelsschule. Granatenpeinlich. Egal wie sehr ich diese Erlebnisse auch zu verdrängen versuchte – sie blieben doch an mir haften. Seit ich 2005 an dieser kleinen, einzügigen Rudolf-Steiner-Schule Bergedorf, weit draußen im Osten Hamburgs, mein Abitur gemacht habe, ist einiges passiert. Ich habe studiert, in der Hamburger Innenstadt, in München, in Berlin. Eine Frage aber bin ich dabei nicht losgeworden: Kannst du deinen Namen tanzen? Wann immer ich erzähle, dass ich auf einer Waldorfschule war, kann ich mit ihr rechnen. Dabei ist die Bewegungskunst, die Rudolf Steiner (1861–1925) für die von ihm gegründeten Schulen entwickelt hat, gar nicht mehr so exotisch: Fast jede zweite Frau, die ich kenne, verrenkt ihren Körper beim Yoga. Das ist der Eurythmie nicht unähnlich, so grundsätzlich. Und überhaupt: Rudolf Steiners anthroposophische Weltanschauungslehre hat zwar mystische, auch total abstruse Grundzüge, aber sie ziehen sich heute quer durch unsere Gesellschaft. In Supermärkten stehen biologisch-dynamische Demeter-Produkte zum Verkauf. Alternativ-anthroposophische Heilmethoden boomen. Und: Noch nie gab es in Deutschland so viele der so oft auf eine einzige Frage reduzierten Bildungseinrichtungen: Immerhin 84 000 „Waldis“ versammelten sich im vergangenen Schuljahr an 229 RudolfSteiner-Schulen. Ich war, als ich 1992 eingeschult wurde, noch einer von knapp 58 000 Steiner-Jüngern an nur 144 Schulen. Die Frage ist doch also eher, was Waldorf so attraktiv

macht. Im Eurythmie-Pavillon laufe ich gemeinsam mit 16 pubertierenden Neuntklässlern eine verschachtelte Dreiecksform. Danach male ich mit ihnen zu einem Gedicht von Christian Morgenstern Vokale in die Luft. Anders als ich früher schlurfen die Schüler in weiten Skaterpullis und H & MTops durch den Saal. Wie unspirituell, denke ich, bin aber auch ein bisschen neidisch. Angeleitet werden wir von Ursula Rolke-Böer, 52, wallende schwarze Haare. „Paul, Hände aus der Tasche! Franziska, du stehst außerhalb deiner Form!“, ruft sie, auf einer schmalen Bank stehend. Es sei schwer, Pubertierenden Eurythmie zu vermitteln, hatte mich Rolke-Böer schon vor der Stunde gewarnt. Wenig überraschend. „Es ist alles andere als cool, es ist warm, da der Mensch sich seelisch öffnen muss, und das ist in diesem Alter nicht einfach“, waren ihre Worte. Es gehe bei diesem „seelischen Turnen“ darum, die verschiedenen Elemente von Musik und Sprache – zum Beispiel Intervalle, Rhythmen, Vokale oder Konsonanten durch Bewegung sichtbar zu machen. Der ganze Körper des Menschen singe und spreche. Dabei müssten die Schüler ein genaues Gefühl dafür entwickeln, wo im Raum sie sich befinden und wo die anderen stehen. Für Rolke-Böer steckt genau darin der zentrale Waldorf-Gedanke: „Wir wollen die Schüler aus einer Orientierungslosigkeit führen, ihnen begreifbar machen, wo ihre Fähigkeiten und wo ihr Platz in der Gesellschaft sind“, sagt sie. Der Mensch komme mit einem Impuls auf die Erde, man müsse ihm lediglich helfen, diesen selbst zu entdecken und auszuleben. Die Steiner-Schulen geben Kindern anfangs viel Zeit und viel Freiraum, einen eigenen Weg zu finden. Kein Sitzenbleiben, keine Noten bis zur achten Klasse, intensive Betreuung durch einen Klassenlehrer in den ersten acht Schuljahren. Früh lernen die Schüler, ihre Hände zu gebrauchen. Geist und Körper sollen sich im Einklang miteinander entwickeln, so in etwa lautet der von Rudolf Steiner formulierte Anspruch. Während meiner Schulzeit in Bergedorf habe ich Strümpfe gestrickt, Getreide ausgesät und geerntet, ich habe Kupferschalen getrieben und ein klei-

Niemand soll sitzen bleiben.

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nes Lehmhaus gebaut. Und dazu viel Theater und viel Musik. Ich gebe zu, das war mir damals alles oft extrem unangenehm. Wenn ich etwa mit meinem Geigenkasten auf dem Rücken Freunden von anderen Schulen begegnet bin, die einen lässig herunterhängenden „Eastpak“ geschultert hatten. Oder wenn ich ihnen erklären musste, warum ich mal wieder in verkrusteten Gummistiefeln unterwegs war. Heute aber denke ich nicht ohne Stolz an diesen Teil meiner Schulzeit zurück. Die ganzheitlich-musische Begleitung ihres Kindes scheint für immer mehr Eltern eine Option. Eine junge Mutter, mit der ich nach meiner Eurythmietrauma-Bewältigung auf dem Pausenhof spreche, erzählt mir, dass sie ihren Sohn an die Waldorfschule geschickt habe, weil sie befürchtete, er wäre anderswo „untergegangen“. „Er ist ein bisschen schwie-

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rig im sozialen Umgang, dahinter steckt aber eine lernbegierige, liebe Person“, sagt sie. Er könne sich, so glaubt sie, hier viel besser entfalten. Besonders groß ist der Andrang an der Bergedorfer Steiner-Schule derzeit in der vierten Stufe. Seit dem Sommer gibt es erstmals zwei Klassen eines Jahrgangs. Eltern des reformgeplagten staatlichen Hamburger Schulsystems entdecken die Waldorfschule für ihre Kinder. Keine rechten Winkel, außen zartrosa und innen bemalt in allen Farben des goetheanischen Farbkreises. Unterm Dach eines quaderförmigen Neubaus, der neben den Rotklinkerbauten wirkt wie ein monströses Raumschiff, treffe ich meinen ehemaligen Musiklehrer Martin Sieveking. „Composing a song in 40 minutes“, das ist der Titel seiner heutigen Unterrichtsstunde. In drei Gruppen sitzen Teen-

ager zusammen und erarbeiten eine Basslinie, einen Sprachrhythmus oder eine Mouth Percussion. Fünf Minuten vor Unterrichtsende ist Aufnahme. Jede Gruppe entsendet einen Vertreter ans Schlagzeug, ans Klavier oder ans Mikro. Hat einer der Zuhörer einen Verbesserungsvorschlag, kann er auf einen in der Mitte stehenden Stuhl klopfen und ihn vortragen. „Fishbowl-Prinzip“ nennt Sieveking das. Der 41-jährige Hamburger ist ein Waldorflehrer der neuen Generation. Immer mehr ältere, manchmal verkrampft an Steiners kruder Anthroposophie festhaltende Kollegen gehen in Pension. Es folgen neue, modernere. „Sie machen nicht mehr nur etwas, weil sie denken, es sei Waldorf“, sagt Sieveking, als wir nach dem Unterricht nebenan beim Bäcker einen Cappuccino trinken. Sie suchten verstärkt nach neuen pädagogischen


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Konzepten. „Es ist natürlich wichtig, fest in der Philosophie der Schule ver wurzelt zu sein, aber man muss auch erkennen, dass sich die Zeiten verändert haben und sich deshalb auch der Unterricht verändern muss“, sagt Sieveking. Bei allem Fortschritt, berichtet mein ehemaliger Musiklehrer, plage die Waldorfschule aber nach wie vor ein Problem: Obwohl man an der Freien Hochschule Stuttgart mittlerweile einen Waldorf-Master erwerben kann, sei es besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern schwer, fachlich und zugleich pädagogisch gut geschultes Personal für die Mitarbeit zu gewinnen. Eine Crux, die ich an mir selbst schmerzlich spüre, wenn ich vor den einfachsten Matheaufgaben kapitulieren muss. Na ja – dafür kann ich meinen Namen tanzen.

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PETER WAGNER / TEXT & GERALD VON FORIS / FOTOS

Entscheidung in Sicht. Auf der Insel links im Bild liegt eine der bekanntesten Töpfereien Deutschlands. Sophia könnte sie von ihrem Vater übernehmen und so eine lange Tradition fortführen. Aber will sie das?

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UNTEN: BLICK IN DIE WERKSTATT. OBEN: GEORG KLAMPFLEUTHNER.

Im Chiemsee liegt die Fraueninsel. Seit mehr als 1200 Jahren steht dort ein Benediktiner­ kloster, seit mehr als 400 Jahren gibt es dort die Töpferei Klampfleuthner, die vielleicht älteste Töpferei in Süddeutschland. Ob es den kleinen Betrieb auch in Zukunft noch ge­ ben wird, hängt von Sophia Klampfleuthner ab. Sie ist 18 Jahre alt und hat im vergangenen Jahr ihr Abitur bestanden. Sophia sagt: „Ich glaube, ich bekomme gerade eine andere Sicht auf die Dinge.“  10 jetzt S C H U L E & JOB N o 01 /12

Der Weg zu den Klampfleuthners funkelt. An diesem Sonntag im November meint es der Herbst besonders gut mit dem Voralpen­ land, das flache Sonnenlicht bricht sich auf den Chiemseewellen und blendet angenehm sommerlich; viele Tagestouristen, die in Gstadt am Chiemsee aufs Schiff drängen, tragen Sonnenbrillen. Sie blinzeln zur kleinen und nahen Fraueninsel, sie deuten hinüber zur weit größeren Herreninsel, wo König Ludwig II. ein Schloss nach dem Vorbild von

Versailles bauen ließ. Nach zehn Minuten Fahrt legt das Schiff im Osten der Frauenin­ sel an, und die Menschen gehen entdeckungs­ lustig im Gänsemarsch über den Steg und di­ rekt zum Kloster. Oder sie biegen nach rechts in den Uferweg, der einmal um die Insel und schon nach wenigen Metern zur Inseltöpferei führt. Georg Klampfleuthner hat das Schiff schon kommen sehen, er wartet zwischen Va­ sen und Tassen und Vogeltränken und Ka­ cheln und Engelskrügen und Weidlingen auf die Besucher. Jetzt gerade ist es ruhiger, aber im Sommer arbeiten er oder seine Schwester Andrea sieben Tage die Woche an der Töpfer­ drehscheibe. Die Werkstatt steht im Laden, wer zu Besuch kommt, kann zuschauen. Seit 403 Jahren existiert die Töpferei an diesem Platz, und seit 289 Jahren ist ein Mensch mit dem Namen Klampfleuthner ihr Chef. So viel Kontinuität ist selten, und darum geht es jetzt im ersten Stock des Hauses, am Küchentisch. Georg und Isolde Klampfleuthner haben nämlich zwei Töchter. Felicia ist 21, Sophia 18 Jahre alt. Wenn die Töpferei auch in den nächsten 400 Jahren ein Familienbetrieb blei­ ben soll, müsste eine der beiden übernehmen. „400 Jahre sind eine verdammt lange Zeit“, sagt Felicia und schaut aus dem Fenster auf den Uferweg, wo die Sonnenbrillenträger vor­ beispazieren und neugierig in den Garten der Töpferei schauen. „Man denkt sich immer: Wenn man die Generation ist, an der es schei­ tert, ist es auch scheiße.“ Felicia weiß aller­ dings, dass sie den Betrieb nicht übernehmen wird. In der Schule war Kunst ihr schlechtes­ tes Fach, und jeder in der Familie berichtet von ihrem Interesse an Naturwissenschaften. Sie studiert heute Biologie in München. „Bei mir würde der Betrieb schnell den Bach run­ tergehen“, sagt sie, und ihr Vater lächelt über diese entschiedene Bescheidenheit. Dann sagt Felicia in Richtung Sophia: „Es tut mir eigentlich leid, weil dadurch der Druck auf dir liegt.“ Der Vater schüttelt sofort den Kopf. „Nicht wirklich, den Druck darf sie sich nicht machen.“ Georg Klampfleuthner, 48, stand vor der ähnlichen Situation. Sein Vater schickte ihn einst aufs Gymnasium und gab ihm danach jede Freiheit, über seine Zukunft selbst zu entscheiden. „Er hat gesagt, er möchte von mir nie hören, er habe mich in die Töpferei gezwungen. Er hat mir vor der Entscheidung nur einen freundschaftlichen Tipp gegeben: Entweder du wirst Töpfer auf der Fraueninsel oder Bundeskanzler – alles andere ist Schmarrn.“ Der junge Georg entschied sich für die Keramikerausbildung in Landshut


„UNSERE KÜNSTLERIN“: SOPHIA.

und dachte irgendwann: „Eigentlich ist es ganz nett.“ Als er drei Jahre später nach Hause kam, hatten Vater und Mutter die alte Werkstatt abgerissen und eine neue gebaut. Der Vater war zu jener Zeit sechzig Jahre alt, und Georg Klampfleuthner dachte: Den kann ich jetzt auch nicht allein lassen. „Und so bin ich pappen geblieben“, sagt er. Im ganzen Land gibt es handwerkliche Betriebe, Geschäfte, Bauernhöfe, kleine Gewerbe, die von einer fleißigen Generation aufgebaut oder bewahrt wurden. Diese Generation wird älter und fragt dann vorsichtig bei den Kindern: Habt ihr Lust? Und das ist dann die Frage: Hat man Lust, das fortzuentwickeln, was die Eltern aufgebaut haben? Hat man Lust, sein Leben mit einem Ort zu verknüpfen? Wie wichtig ist noch mal Tradition? Sophia ist an diesem Novembersonntag nur zu Besuch auf der Insel. Sie studiert jetzt in Regensburg Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie, drei Wochen ist das erste Semester gerade alt. „Im Moment habe ich den Plan, mein Studium zu machen, dann eine Ausbildung zur Keramikerin. Dann will ich heimkommen, arbeiten, meinen Meister machen und den Betrieb übernehmen.“ So sagt sie es, und so hat sie es am Tag vorher

auch ihrer Tante Andrea und ihrer Großmutter Annemarie erklärt. Die beiden waren erstaunt. „Sie haben mich nur angeschaut, und die Oma hat gesagt: Das ist jetzt ein Spaß,

oder?“ Dazu muss man wissen, dass die Großmutter nichts lieber sähe als eine Sophia als Inseltöpferin. „Wenn ich als Kind zu ihr rübergegangen bin und ihr gezeigt habe, was

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“MUSS MICH ZUSAMMENREISSEN”: OMA ANNEMARIE.

ich in der Schule gemalt hatte, dann hat sie gesagt: Mei, unsere Künstlerin. Du übernimmst mal die Töpferei.“ Die Großmutter drängt nicht, sagt Sophia. „Sie würde nie of-

fen sagen: Mach! Weil sie weiß, dass ich dann trotzig reagieren würde.“ Aber die Großmutter kann ihre Freude nicht verbergen, wenn sie die Ahnung davon bekommt, dass es wei-

tergehen könnte. Sie hofft still. „Manchmal“, sagt Sophia, „habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich zum Studieren gegangen bin.“ Das mit der Tradition ist so eine Sache. Soll man wirklich sein Leben danach richten, was war, als man noch nicht auf der Welt war? Hartmut Drexel von der Handwerkskammer München und Oberbayern sagt: „Einen Betrieb zu übernehmen, nur weil eine Tradition da ist, reicht nicht als Antrieb. Tradition ist kein rationales Argument.“ Drexel rät dazu, nur dann einen Betrieb zu übernehmen, wenn man sich voll damit identifizieren könne. Bei der Industrie- und Handelskammer in München kümmert sich Markus Neuner um Nachfolgefragen. Er sieht, wie auch Hartmut Drexel, immer mehr selbstbewusste potenzielle Nachfolger, die kühl abwägen und nur dann in einen Betrieb einsteigen, wenn er von den Eltern so geführt wurde, dass er eine interessante Perspektive bietet. „Der Trend geht hin zu intelligenter Arbeit“, sagt Neuner. Je kreativer oder anspruchsvoller die Arbeit ist, so Neuner, desto leichter findet ein Betrieb einen Nachfolger. Die größten Probleme haben Einzelhändler. Neuner weiß von Trachtenmodengeschäften und Küchenstudios, die auch nach langer Suche keinen Nachfolger

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IM ECK EIN PORTRÄT VON GEORG KLAMPFLEUTHNER SENIOR, DER VOR ZEHN JAHREN STARB.

finden, weil der reine Verkaufsjob nur sehr wenige reizt. Ein paar Wochen und Monate vergehen, Sophia erlebt ihr erstes Semester. An den Wochenenden pendelt sie zu ihrem Freund nach Dresden oder auf die Insel. An zwei Adventswochenenden ist Weihnachtsmarkt. Mehr als 50 000 Menschen setzen mit dem Schiff zur Fraueninsel über, die Idee vom besinnlichen Advent passt gut zur Abgeschiedenheit einer Insel. „Die Insel ist nichts anderes als ein Dorf“, sagt Georg Klampfleuthner. Dieses Dorf war einmal eine Welt für sich, mit Kindergarten, Gymnasium, Hallenbad, Friseur, Doktor, Bäcker und so weiter, Klampfleuthner kann viele verlorene Einrichtungen aufzählen, die einmal das Gerüst eines echten Dorflebens waren. Sie sind verschwunden. „Die soziale Struktur auf der Insel ändert sich massiv“, sagt Klampfleuthner. Jeder kommt nun mit seinem eigenen Boot auf die Insel, jeder muss am Festland einkaufen. Während Georg Klampfleuthner noch mit zehn Freunden über die Insel tigerte, hatte Sophia ihre Freundinnen auf dem Festland. Es gab Phasen, in denen sie das Inselleben auch richtig leid war. „Ich wollte, wie meine Freundinnen, auf dem Fest-

land wohnen und habe meine Eltern gefragt, ob wir nicht wenigstens im Winter rüberziehen können.“ Der Vater lächelt noch heute über den Wunsch. Und es kamen ja andere

Zeiten, in denen Sophia den Stolz auf ihre Herkunft entdeckte, als Bekannte beim Ausgehen anerkennend die Augenbrauen hoben und „Ah, die Klampfleuthnerin“ sagten. >

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DAS HAUS MIT DER TÖPFEREI AUF DER FRAUENINSEL.

Die „Inseltöpferei“ ist in der Region eine Art eingetragener Begriff. Und auch darüber hinaus. Als Sophia in Regensburg in der ersten Kunstgeschichtevorlesung sitzt, prüft die Professorin die Anwesenheit. Bei Sophias Nachnamen stutzt sie — und erzählt schließlich, dass eine Lampe aus der Inseltöpferei bei ihr zu Hause stehe. Vielleicht ist es deshalb auch ganz normal, wenn Sophia und Felicia immer wieder die Frage hören: „Machst du weiter?“ Vielleicht

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ist es verständlich, wenn die Großmutter bei einem Telefonat im Februar erzählt, wie sie erst selbst verstehen musste, dass man Kindern und Enkelkindern nicht einfach die Begeisterung implantieren kann, die man selbst für eine Sache hegt, also für die Töpferei. „Man muss die Kinder das lernen lassen, was sie lernen wollen“, sagt die Großmutter. „Sophia wollte raus. Sie ist glücklich in Regensburg.“ Dann wird Annemarie Klampfleuthner einen Moment lang still und stockt. Die

Diskussion gehe ihr immer wieder nahe. „Ich habe da oft Tränen in den Augen und muss mich zusammenreißen.“ Sie ist von draußen ans Telefon geeilt. Der See ist bei arger Kälte zugefroren, und Georg versucht gerade, das Boot aus dem Eis zu hacken. Annemarie Klampfleuthner hat versucht, mit einem Eimer heißen Wassers zu assistieren. Sie hat mit 18 Jahren auf die Insel geheiratet. Damals erfuhr sie die lange Geschichte der Familie. Dass der erste Klampfleuthner aus der Steiermark kam, ein Ofensetzer, und sich auf Bitten der Äbtissin des Klosters auf der Insel niederließ. Damals begann die Ahnenreihe. Die Großmutter erzählt von Menschen, die zuletzt vor fünfzig Jahren auf der Insel waren und wiederkommen und voll Bewunderung sehen, dass der Betrieb immer noch in Familienhand ist. Der Mensch freut sich an Dingen im Leben, die konstant bleiben. Der Mensch freut sich an Zusammenhängen, die in die Vergangenheit reichen, weil der Mensch überhaupt so gestrickt ist, dass er dort einen Sinn im Leben erkennt, wo Verbindungen existieren. „Wenn jemand weitermacht, das ist doch was Schönes. Es ist ein großes Glück, wenn man das erleben darf“, sagt Großmutter Annemarie. Und schließlich: „Es wäre schön, erleben zu dürfen, dass Sophia weitermacht.“ „Das erste Semester war gut“, sagt Sophia Ende Januar in Regensburg, kurz vor der Prüfungszeit. Sie hat anhand der drei Berufsgruppen Klosterschwester, Fischer und Töpfer den sozialen Wandel auf der Fraueninsel beschrieben und dafür eine 1,3 bekommen. Sie hat Freundinnen gefunden, eine hat sie sogar schon auf der Insel besucht und ihre Heimat bewundert. An der Wand im Flur der ZweierWG hängt eine Übersicht zu den Epochen der Kunstgeschichte. Langsam nimmt der Druck zu, die ersten Prüfungen stehen an, und es hat sich etwas verändert. Der Umzug hat Sophias Sicht auf das Leben verändert. Der Plan mit dem Studium und der Keramikerausbildung steht noch, sagt sie. „Aber es ist ja auch nur ein Plan. Ich glaube, es kommt noch was dazwischen.“ Das Fernweh. Sie hat direkt nach der Schule angefangen zu studieren. Gerade erlebt sie, wie Freunde aus der Oberstufe zurückkehren — aus Südafrika, aus Vietnam. „Ich würde total gern ins Ausland gehen“, sagt Sophia jetzt. Sie spricht von ein paar Monaten, vielleicht von einem Jahr, nach dem Bachelorabschluss. „Ich habe richtig Lust rauszukommen“, sagt sie und formuliert den Plan aus dem November neu: „Erst Studium, dann Ausland — und dann mache


ich eventuell eine Ausbildung zur Keramikerin und übernehme den Betrieb meiner Familie.“ Das Wörtchen „eventuell“ hat sich hinzugemogelt. Das muss aber nichts heißen. Vielleicht verschwindet es ja wieder. Sophias Vater zumindest ist auf alles vorbereitet. „Tradition ist schon gut und wichtig“, sagte Georg Klampfleuthner im November am Küchentisch. „Aber sie darf einen Menschen nicht knechten. Die Priorität für einen Insulaner und auch für den Nachfahren in einem 400-jährigen Unternehmen ist es, ein Leben

zu führen, von dem er mit achtzig Jahren sagen kann: Es war ein gutes Leben.“ Das ist möglicherweise ein Satz, der nicht nur im Chiemsee gilt.

AUF DEM TROCKENEN: EIN RUDERBOOT DER FAMILIE.

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VON MERCEDES LAUENSTEIN / TEXT & GABRIEL HOLZNER / ILLUSTRATION

Ab durchs Fenster.

Wir haben fünf Klassiker der Internatsliteratur gelesen und bei Schüler­ sprechern bekannter Internate nachgefragt: Stimmen sie, die Klischees aus Büchern wie „Burg Schreckenstein“, „Crazy“, „Harry Potter“, „Internat Wespennest“ und „Hanni und Nanni“?

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Die Eltern schicken Fresspakete, und die Schüler plündern sie beim heimlichen Mitter nachtsfest im Schlafsaal. Alexander Lorf, 18, Internat Schloss Salem am Bodensee: Fresspakete der Eltern bekomme ich in regelmäßigen Abständen, gefüllt mit Sachen, auf die ich komischerweise Heißhunger entwickle, obwohl ich Derartiges sonst gar nicht so esse. Ich habe mir einmal abgepacktes Brot schicken lassen, Pumpernickel, als ich noch im britischen Internat Gordonstoun war, denn in Großbritannien gibt es das klassische Brot, das wir aus Deutschland kennen, nicht wirklich. Sonst sind die Pakete natürlich prall gefüllt mit Süßigkeiten. Wenn man das Paket bekommt und es auspackt, ist man von unglaublicher Freude erfüllt. Bei heimlichen Mitternachtsfesten habe ich davon weniger Gebrauch gemacht. Es ist verboten zu rauchen und das andere Geschlecht auf den Zimmern zu besuchen. Macht man aber trotzdem. Durchs Fenster. Und über die Feuertreppe. Ellen Heydemann, 19, Schule Marienau bei Lüneburg: Das stimmt teilweise. Rauchen ist ab 18 erlaubt, aber nur am Nachmittag und auch nur an einem dafür vorgesehenen Platz. Das andere Geschlecht darf man besuchen, aber unter 18 nur bis zur Bettruhe. Natürlich widersetzen sich die Jüngeren diesen Verboten – denn das, was man nicht darf, macht ganz besonders Spaß. Sophie Beck, 19, Schloss Louisen lund nahe Schleswig: Rauchen ist innerhalb des Schulgeländes verboten. Insbesondere auf den Buden. Doch manchmal sieht man, wie die Louisenlunder Büsche Rauchzeichen absondern. Alexander: In den unteren Klassen gibt es eine Drei-Fuß-Regel. Diese besagt, dass beim Besuch des anderen Geschlechts mindestens drei Füße den Boden berühren müssen. Wird heutzutage nicht mehr ganz ernst genommen und eher als komödiantisches Mittel in Erzählungen verwendet. Zum Rauchen mussten wir früher an geheime Orte im Wald. Später wurde man dann sogar für Rauchgeruch in Klamotten bestraft. Das Fenster war bei uns weniger ein Mittel der Flucht, da die Zimmer im Schloss in den höheren Stockwerken liegen. Benjamin Lebert beschreibt in „Crazy“, was ein Internat ausmacht: „Alles, was ich für meinen Teil dazu sagen kann, ist, dass man auf die Gemeinschaft angewiesen ist. (…) Gemeinsam leben, gemeinsam essen,

sich gemeinsam einen runterholen. (...) Sogar weinen muss man gemeinsam. Tut man das nämlich allein, kommt sofort jemand rein, der das mit dir macht.“ Ellen: Da stimme ich vollkommen zu. Das ist aber auch das Schöne an dem Internatsleben. Man ist nie allein und hat immer jemanden um sich, mit dem man reden kann. Man teilt alles und verbringt sehr viel Zeit miteinander, was ich persönlich sehr genieße, da ich ein sehr kontaktfreudiger Mensch bin. Hier findet man wirklich Freunde fürs Leben. Sophie: Allerdings! Gemeinschaft ist auch für mich das Wichtigste auf einem Internat. Internatsleben heißt nämlich genau das: in eine Gemeinschaft eintreten, in ihr wachsen, sich entwickeln, Freunde fürs Leben finden und sich gegenseitig helfen und manchmal auch erziehen. Alexander: Sicher ist es möglich, sich in gewisser Hinsicht zu isolieren, doch ist dies keineswegs der Sinn eines Internats. Gemeinschaften bildet man im Internat überall, sei es in den Zimmern, sei es auf den Flügeln, sei es in der Klasse oder der ganzen Schule. Verhalten, das gegen die Gemeinschaft verstößt, wird am härtesten sanktioniert. Es gibt aber natürlich auch Privatsphäre für Dinge, die man lieber allein machen sollte. Aufs Internat geht man nicht freiwillig, man wird dorthin „geschickt“. Weil die Eltern zu viel arbeiten oder weil man ein sogenanntes Problemkind ist. Sophie: Dies ist wohl das größte Klischee über Internate. Ich kenne kaum jemanden auf Louisenlund, der hier nicht zur Schule gehen möchte. Auf ein Internat gehen zu dürfen ist ein Privileg, das wir dank unserer Eltern genießen dürfen. Und man freut sich natürlich auch auf das Wochenende, an dem wir nach Hause fahren dürfen. Aber am Montag freut man sich ebenso wieder, seine Freunde wiederzusehen und auf seiner Bude zu sein. Es ist eben ein zweites Zuhause. Alexander: Sicherlich ist dies ein Grund, der in einigen Fällen bestätigt werden kann, aber bei mir war es definitiv der eigene Wunsch. auf ein Internat zu gehen, der mich herbrachte. Ich habe eine intakte Familie, die glücklich zusammenlebt und aus der ich nicht fliehen wollte oder musste – und doch reizte mich die Erfahrung eines Internats. Ältere Schüler dürfen jüngeren Schülern kleine Arbeiten wie Sockenstopfen, Schuheputzen, Feuermachen oder Kaffeekochen auftragen.

Ellen: Schön wäre es. Wir dürfen den kleinen Schülern keine Arbeiten auftragen, auch wenn das sicherlich mal eine Überlegung in der Schulordnung wert wäre. Wir als Ältere tragen Verantwortung und unterstützen die jüngeren Schüler, zum Beispiel bei schulischen Defiziten. Sophie: Es gibt in jedem Haus eine Hausälteste oder einen Hausältesten. Diese/r ist die rechte Hand des Hausvaters oder der Hausmutter. Und, ja, die Kleinen müssen dann eben kleinere Arbeiten, wie zum Beispiel morgens den Weckdienst, übernehmen und das ganze Haus wecken. Aber Schuhe putzen – nein. Alexander: Jüngere Schüler werden durchaus zu bestimmten Aufgaben „missbraucht“. Natürlich nichts, was zu schlimm ist, aber die müssen schon einiges über sich ergehen lassen. Dabei geht es weniger um Sockenstopfen. Es geht eher um Anstiftungen zu Mutproben oder Streichen. Jedes Internat liegt in der Nähe eines kleinen Städtchens, wo man sich in einer Eisdiele trifft. Ellen: Unser kleines Städtchen heißt Dahlenburg. So wirklich das Zentrum des Geschehens ist es nicht, jedoch trifft man sich gern nach der zweiten Stunde auf ein kleines Brötchen beim Bäcker. Die nächste Stadt ist Lüneburg. Sophie: Im nächsten Ort, Fleckeby, gibt es einen Edeka-Markt. Das ist der Treffpunkt, da wir dort einkaufen. Der Spaziergang dorthin führt durch den Wald und ist sehr angenehm. Alexander: Wir sind in der Nähe von Überlingen, einer Kreisstadt, die nicht groß, aber auch kein kleines Dorf ist. Unser Treffpunkt ist eine kleine, urige, leicht in die Jahre gekommene Kneipe: das „Galgenhölzle“, besser bekannt als der „Galgen“. Es gibt Elternbesuchswochenenden, an denen sich unter den Schülern neue Rangordnungen herausbilden. Der schmächtige Tim zum Beispiel wird plötzlich zum Helden, weil sein Vater in einem Ferrari vorfährt. Verena hingegen muss Punkte abgeben, denn ihre Eltern kommen nur im verrosteten Citröen 2CV. Ellen: Die Elternwochenenden gibt es wirklich. An diesen Wochenenden geht es jedoch viel mehr darum, wie manche Schüler ihren Hals aus der Schlinge bekommen, wenn es um Lehrer-Eltern-Gespräche geht. Hier wird niemand bevorzugt, nur weil ein Elternteil ein schönes, schnelles oder teures Auto fährt. >

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Alexander: Sicher ist es interessant, welches Auto die Eltern fahren; aber es ist kein Grund, weswegen sich der Umgang zwischen uns Schülern ändert. Zugegeben, na­ hezu alle Eltern von Salemern fahren mit recht guten Au­ tos vor. So ist ein tolles Auto keine großartige Besonder­ heit, ein einfaches Auto aber auch völlig normal.

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Internatsschüler und -schülerinnen bilden eine starke Gemeinschaft. Sie handeln mit vereinten Kräften und bringen es schon einmal fertig, einen Internatszoo mit Kleintieren durchzusetzen oder einen neuen Direktor, der ihnen nicht gefällt, zu stürzen. Sophie: Stimmt voll und ganz. Alexander: Vor zwei Jahren wurde in Salem eine Direk­ torin vorgestellt, die sich den Sympathien sämtlicher Schüler entzog. Die Schülerschaft trat als geschlossene Gemeinschaft auf und sorgte dafür, dass die Frau nie ihr Amt antrat.

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Studium oder Ausbildung – Warum nicht beides?

Wo ein Mädcheninternat ist, kann ein Jungeninternat nicht weit sein – oder andersherum. Man spielt sich gegenseitig Streiche und trifft sich heimlich. Ellen: Wir sind ein gemischtes Internat. Natürlich kommt es manchmal zu Neckereien. Was sich liebt, das neckt sich! Sophie: Louisenlund ist ein gemischtes Internat. Somit wohnen wir eng beieinander. Mein Haus zum Beispiel ist oben ein Mädchenhaus und unten ein Jungenhaus. Nach der Hauszeit darf man jedoch nicht nach unten oder nach oben gehen. Streiche spielt man sich trotzdem. Alexander: Wir sind ein gemischtes Internat und haben in der Tat ein Mädcheninternat in der Nähe. Besonders die Jungs erfreuen sich der erweiterten Mädchenvielfalt, aus der sie wählen können. Den Mädchen hingegen ge­ fällt der erhöhte Konkurrenzkampf weniger. Die Mäd­ chen des anderen Internats kommen nämlich auch regel­ mäßig in unsere Stammkneipen und schmeißen selbst Partys, auf denen gerade die Salemer Jungs dann stark vertreten sind.

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Weil man nirgendwo anders darf, bleibt einem nichts anderes übrig, als sein erstes Mal auf einer Flurtoilette zu erleben. Ellen: Das wäre mir neu. Ich wage es zu bezweifeln, dass die Flurtoilette der gewünschte Ort dafür ist. SOPHIE: Sex ist auf Louisenlund verboten, und wenn man erwischt wird, bekommt man eben Ärger. Alexander: Im Internat gibt es die verschiedensten Orte, an denen der Akt durchgeführt wurde. Die Schüler wer­ den dabei sehr kreativ. Und diese legendären Geschichten werden natürlich immer wieder erweitert und weiter­ gegeben. Alles muss gleich aussehen, es gibt eine Schuluniform, und sogar die Bettbezüge sind einheitlich. Ellen: Das stimmt auch nicht. Es gibt keine Schulunifor­ men, und den Bettbezug darf sich jeder selbst von zu Hau­ se mitbringen, um sich wohlzufühlen.


Alexander: In der Mittelstufe gibt es Uniformen, in der Oberstufe nur noch Dresscodes für bestimmte Events. Sonst war die Einheitlichkeit nicht von großer Bedeutung. In Gordonstoun war natürlich alles einheitlich: Uniform, Sportkleidung, Bettbezug, Ausgehuniform. Jeder Internatsschüler darf ein Haustier mitbringen, aber nur ausgewählte. Etwa eine Katze, eine Eule, eine Ratte oder eine Kröte. Ellen: Tiere sind teilweise erlaubt – aber nur bestimmte, zum Beispiel Pferde und Hamster, aber keine Ratten oder Kröten. Sophie: Leider nein, auf Louisenlund sind keine Haustiere gestattet. Alexander: Nein, bei uns sind keine Tiere erlaubt. Das Internat hat unentdeckte Geheimgänge, Geheim­ räume und manchmal auch einen Poltergeist. Ellen: Der einzige Poltergeist sind wir, die Schüler, wenn wir nach der Ausgehzeit noch über die Gänge toben. Sophie: Da unser Internat ein Freimaurergebiet ist: bestimmt. Jedoch habe ich noch keine entdeckt. Aber wir wissen, dass unter der Schule Gänge von früher existieren, leider sind sie alle verschüttet und unbegehbar. Alexander: Es gibt gewisse Geheimplätze, besonders im Wald, an denen man geraucht hat. Sonst eher nichts Bewegendes. Internatsschüler haben so gut wie ausnahmslos wohl­ habende Eltern. Ellen: Mit Sicherheit geht es den meisten Familien finanziell gut, die ihre Kinder auf eine solche Schule schicken. Aber nicht jede Familie kann diese Kosten aufbringen. Es gibt einige auf unserer Schule, die auf staatliche Hilfsmittel angewiesen sind. Sophie: Das stimmt wohl zum größten Teil. Aber wir haben auch viele Stipendiaten. Das Gute ist, unter den Schülern wird kein Unterschied gemacht. Die meisten wissen noch nicht einmal, wer ein Stipendium hat. Und nicht, weil diejenigen es verschweigen — es ist den anderen einfach egal. Weil auf Louisenlund der Charakter und der Einsatz zählen und nicht der Geldbeutel der Eltern. Alexander: Gerade in Salem ist es sicher häufig der Fall, aber nicht die Regel. Wir haben viele Leute der höheren Mittelschicht. Es gibt Stipendien, die den Besuch quasi jedem ermöglichen.

Julia K., Handelsassistentin, Gunzenhausen „An meinem ersten Tag bei KiK wurde ich einfach ins kalte Wasser geworfen, aber das hat mir nicht geschadet. Ganz im Gegenteil. Man lernt einfach viel mehr, wenn man schnell Verantwortung trägt und auch mal spontan sein muss. Das habe ich in der Zeit, die ich schon dabei bin, schnell festgestellt.“

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KUGELSCHREIBER Der Spickzettel wird mikroklein am Computer geschrieben, ausgedruckt und in den Innenraum eines transparenten Kugelschreibers geschoben.

Das Etikett einer durchsichtigen Wasserflasche wird abgezogen, auf der Innenseite mit Formeln versehen und wieder aufgeklebt.

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Wir haben Lehrer nach den raffiniertesten Spickern gefragt, die ihnen w채hrend Pr체fungen untergekommen sind. Eine Auswahl.

Erwischt.

SCHOKOLADE Die wichtigsten Infos werden auf eine Tafel Schokolade geritzt und w채hrend der Pr체fung gelesen und verzehrt.

BASEBALLCAP Der Spicker klebt auf der Unterseite des Schirms.


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SCHMINKSPIEGEL Der Spickzettel wird spiegelverkehrt geschrieben, unter die Tischplatte geklebt und dann in der Prüfung mit einem kleinen Spiegel entziffert.

TASCHENTÜCHER Die Formeln werden auf einem Taschentuch notiert, das wieder in die Packung gesteckt wird. Beim Schneuzen liest der Schüler die Notizen.

STRUMPFHOSE Der Spicker wird unter einer transparenten Strumpfhose auf Höhe des Oberschenkels positioniert. Die Schülerin schiebt in der Prüfung den Rock hoch und liest die Lösungen.


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VON MICHÈLE LOETZNER / PROTOKOLLE

Wer ist hier schwul?

HEIKO ROHDE, 40, STUDIENRAT AN EINER BERUFLICHEN SCHULE

Lange war mir nicht klar, dass ich homo­ sexuell bin. Ich wollte immer Familie haben, hatte aber bis zum Studium keine tiefere Be­ ziehung gehabt. Nach einem kopfgesteuerten Fehlversuch mit einer Kommilitonin war mir klar, dass ich ausprobieren muss, ob ich schwul bin. Da war ich schon 27. Meine Familie hat anfangs unter meiner Nachricht gelitten und geht heute unter­ schiedlich mit dem Thema um: teilweise tole­ rierend, teilweise akzeptierend. Weil ich mich nie verstecken wollte, bin ich auch an meinen Arbeitsplätzen immer offen mit meiner Ho­ mosexualität umgegangen. Die Reaktionen an der Schule, an der ich unterrichte, waren unterschiedlich. Oberursel ist meine Heimat­ stadt und zählt nur 40 000 Einwohner. Die Feldbergschule ist eine berufliche Schule mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Verwal­ tung, an der alle Schulabschlüsse angeboten werden. Als ich 2008 meinen Freund heirate­ te, sammelte eine liebe Kollegin im gesamten Kollegium für ein Geschenk. Dennoch fielen mir gegenüber Sätze wie: „Ich habe großen Respekt vor Eltern, die ein behindertes Kind großziehen.“ Die Person bezog sich auf die Frage, was meine Eltern zu unserer Hochzeit sagen. So etwas ist natürlich verletzend. Über Vorurteilen und dummen Sprüchen muss man stehen. Das gelingt mal mehr, mal weniger. Wenn ein Schulleiter mit seiner Frau beim Schulfest auftaucht, ist das normal. Wenn ich mit einem Mann komme, gilt das eher als Provokation und als „Hausieren mit Sexualität“. Viele denken, die Gesellschaft ist toleranter geworden, doch da ist noch eini­

ges zu tun. Klar, die gesetzliche Legalisie­ rung der Homo­Ehe hat die Akzeptanz ge­ stärkt. Doch von einer Akzeptanz gerade in Schulen sind wir sehr, sehr weit entfernt! In den Klassen sitzen nach Schätzungen eigent­ lich etwa so viele homosexuelle Jugendliche wie Linkshänder, also zwischen fünf und zehn Prozent. Die Tatsache, dass sie sich we­ gen ihrer Sexualität nicht angenommen füh­ len, findet ihren deutlichsten Ausdruck in einer hohen Selbstmordgefahr. „Schwul“, „Schwuchtel“ und „Lesbe“ als Schimpfworte haben Hochkonjunktur. Dennoch meiden Lehrerinnen und Lehrer das Thema, wo sie nur können. Ausnahmen existieren zwar, aber selbstverständlich ist ein normaler Umgang mit homo­, bi­ oder transsexuell bedingten Lebenskonzepten leider noch lange nicht. Ein guter Grund, weiter daran zu arbeiten! TOM*, 18, SCHÜLER

Lange habe ich überlegt, ob ich mich outen soll, denn ich wollte auf keinen Fall meine Freunde verlieren. Dass ich schwul bin, wusste ich schon, seit ich 15 war. Mit 17 habe ich es dann nach langem Überlegen mei­ nem besten Freund er­ zählt. Wir haben bei mir Playstation gespielt, als ich zu ihm sagte: „Ich glaube, ich bin schwul.“ Im Nachhinein war das vielleicht etwas dramatisch und zu emo­ mäßig. Er dachte erst, das sei ein Scherz. Dann wurde er immer komischer und musste dringend weg. Ein paar Tage hörte ich nichts von ihm. Beim nächsten Basketballtraining hatte ich schon das Gefühl, dass etwas nicht

stimmt. Kaum einer hat mit mir geredet, in der Dusche kamen saublöde Seifenwitze von einem aus unserer Mannschaft. Da wusste ich, dass mein vermeintlich bester Freund al­ les brühwarm weitererzählt hatte. In der Schule bekam ich in den folgenden Wochen ständig dumme Sprüche zu hören. Lange habe ich das nicht ausgehalten. Als je­ mand irgendwann mit Joghurt gefüllte Kon­ dome in meinen Rucksack gepackt hatte, war das Maß voll. Noch während der Englisch­ stunde habe ich das Klassenzimmer verlas­ sen. Zu Hause habe ich meine Eltern einge­ weiht. Die haben total cool reagiert. Für die ist es völlig in Ordnung, dass ich schwul bin. Für meine ältere Schwester auch. Alle drei hatten das wohl eh schon vermutet. Eine Woche bin ich gar nicht zur Schule ge­ gangen, danach nur sporadisch, und dann wa­ ren, Gott sei Dank, Ferien. Meine Eltern ha­ ben vorgeschlagen, ich könnte die Schule wechseln, aber irgendwie kennt in der Stadt jeder jeden, und es wäre dann doch rausge­ kommen. Ein zweites Mal aber hatte ich auf den Ter­ ror keinen Bock. Heute besuche ich ein Internat. Hier weiß keiner von mei­ ner sexuellen Orientie­ rung, und das kann ruhig auch noch so bleiben. Eigentlich sind die Leu­ te auf meiner neuen Schule ganz nett, aber ich will’s nicht noch mal riskieren. Nicht so kurz vor dem Abschluss. Ich habe auch mein Face­ bookprofil gelöscht, damit die anderen gar nicht erst wissen, wohin ich gegangen bin. Meine Schwester habe ich gebeten, es für sich zu behalten — sie wird häufig gefragt, wo ich

„Er hatte alles brühwarm weitererzählt.“

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* NAME VON DER REDAKTION GEÄNDERT

Die Schule kann ein fieser Ort sein – vor allem, wenn man homosexuell ist. Zwei Schüler und zwei Lehrer erzählen, wie es ihnen nach ihrem Outing in der Klasse und im Kollegium ergangen ist. Die Geschichten machen Mut und Sorge zugleich.


Kollegium unserer Nachbarschule, wo ich 17 Jahre unterrichtet hatte, war dagegen weitaus mehr schockiert. Ein Kollege und seine Frau, mit denen ich befreundet war, nahmen sofort Kontakt auf und fragten, warum ich das denn öffentlich mache – warum das sein müsse. Meine Beobachtung ist, dass vor allem männliche Kollegen Probleme haben, mich darauf anzusprechen. Ich habe weder einem Schüler noch Eltern von meiner sexuellen Orientierung etwas erzählt. Es ist schwierig zu beurteilen, ob die Leute es nun wissen. Anfeindungen gab es bislang nicht. Ich denke aber, es ist bekannt. Eine Kollegin erzählte mir, dass eine Schülerin gefragt habe, ob es stimme, dass ich schwul sei. Die Kollegin verwies auf mich, was ja auch eine Antwort ist. Die Schülerin fand es laut Aussage der Kollegin cool und toll, dass ich so offen damit umgehe. Mein Job stand nie auf dem Spiel. Meine direkten Vorgesetzten im Schulamt wissen Bescheid. Ich habe das Gefühl, dass meine Achtung in den Augen der Kollegen teilweise sogar gestiegen ist. Allerdings muss ich auf-

stecke. Nach dem Abitur will ich ins Ausland, und nach der Rückkehr will ich wieder offen mit meinem Schwulsein umgehen. Zumindest ist das jetzt der Plan. ROBERT ZELLER, 60, SCHULLEITER AN EINER MITTELSCHULE

Schon mit 16 ahnte ich, dass ich schwul bin, aber ich wollte es nicht wahrhaben. Ich hatte Freundinnen, habe sogar geheiratet und zwei Söhne bekommen. Erst mit 55 Jahren gestand ich mir endgültig ein, dass ich homosexuell bin. Meine Frau und meine Söhne reagierten positiv. Sie haben es völlig akzeptiert. Meine zwei Brüder schweigen bis heute dazu. Ich bin Schulleiter an einer dörflichen Mittelschule. Als ich in einer Konferenz die Bombe platzen ließ, herrschte erst lähmende Stille. Danach kamen viele – insbesondere Kolleginnen – zu mir, um mir ihre Unterstützung anzubieten. Das Klima, das vor dem Outing sehr gespannt war, wurde eindeutig und nachhaltig besser, was besonders mit meiner Entspannung zu tun hatte. Das große

passen, Jungs zu nahe zu kommen. Eine Umarmung, wie Schüler sie manchmal brauchen, wenn sie sehr traurig sind, ist gefährlich. Sie kann zu Missverständnissen führen. Den Job wechseln wollte ich deswegen nie. Dazu mag ich meinen Beruf zu gern. Und hier kann ich nach meinem verleugneten Leben doch noch dazu beitragen, dass andere Menschen offener mit ihrer Sexualität umgehen, als ich es getan habe. Ein Regenbogenband an meinem Schlüsselbund in der Schule signalisiert klar meine Orientierung. Ich hoffe ja immer noch, dass mich Schüler direkt ansprechen. So könnte ich potenziellen jungen Schwulen als Vorbild dienen. SARAH DIEKGERDES, 17, SCHÜLERIN

Ich erinnere mich dunkel, dass ich mit 13 Jahren einmal in mein Tagebuch geschrieben habe, dass ich glaube, in ein Mädchen verliebt zu sein. Seitdem spukte mir die Ahnung, dass ich lesbisch sein könnte, im Kopf herum. Aber so richtig sicher war ich mir erst mit 15, als ich mich in einem Brief an meine Eltern

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outete. Ich wollte es ihnen nicht ins Gesicht sagen, denn ich hatte Angst, dass sie negativ reagieren würden. Zumindest meine Mutter. Bei meinem Vater war mir klar, dass es kein Problem sein sollte, da sein ehemaliger bester Freund schwul ist und er auch eine Zeit lang mit ihm zusammengelebt hatte. Aber meine Eltern haben es beide sehr gut aufgenommen. Eigentlich zu gut. Mein Vater sagte: „Ich konnte mich eines Schmunzelns nicht erwehren.“ Und meine Mutter: „Wir wussten es eh schon, aber schön, dass du es uns auch noch mal sagst.“ Bei einigen Freunden habe ich mich schon zuvor geoutet, weil mir ihre Reaktion noch wichtiger war. Alle haben sehr positiv reagiert. Einigen war es vollkommen egal, und andere fanden es interessant. Mittlerweile reden wir da aber auch nicht mehr drüber. Für die ist das genauso normal wie Heterosexualität. Von meinen Mitschülern habe ich auch keine negative Resonanz erfahren. Eine Klassenkameradin, mit der ich eigentlich nichts zu tun hatte, hat mir, am Abend nach-

dem ich mich im Biologieunterricht geoutet hatte, noch eine Nachricht bei Facebook geschrieben. Sie sagte, dass sie echt Respekt vor mir habe, weil ich so offen gewesen sei. Die Lehrer haben es so gut wie überhaupt nicht kommentiert. Nur eine hat mich mit Fragen gelöchert. Sie wollte wohl rausfinden, ob ich es ernst meine. Mittlerweile hat mein Outing natürlich die Runde gemacht, aber bis heute bin ich noch nie angefeindet oder gemobbt worden.

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HANNAH ARNU / TEXT

Ich geh jetzt.

Je näher das Abitur rückt, desto näher rückt für unsere Autorin auch der Abschied von ihrem Elternhaus. Klar, sie wird zurückkommen. Aber es wird anders sein. Ein paar Gedanken zu der Zeit, in der man aufhört, ein Kind zu sein.

Bisher war sie immer weit entfernt: die Zeit, in der ich das Abitur in der Tasche haben würde, wenn ich von zu Hause ausziehen würde, kurz: wenn die Kindheit zu Ende sein würde. Als kleines Mädchen hatte ich konkrete Vorstellungen von mir als erwachsener Frau. Ich sah mich unabhängig und frei, ich sah mich in einem wunderschönen Haus leben, möglichst einem Schloss. Nun rückt die Zeit, die ich mir immer nur vorstellte, näher. Im Frühling werde ich Abitur machen, und es wird einiges anders sein als erwartet. Zumindest nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Bei dem Stress in der Schule habe ich selten Gelegenheit, mir über die Zukunft und die anstehenden großen Veränderungen Gedanken zu machen. Gut, ich habe mich für ein Soziales Jahr im Ausland beworben. Aber genaue Vorstellungen, wie mein Leben künftig aussehen wird, verdränge ich meistens. Ich erlebe eher kurze Anflüge einer Ahnung davon, dass bald alles anders sein wird. Dieses Gefühl ist schwer zu beschreiben. Es ist wohl eine Mischung aus Vorfreude, Nervosität und Schrecken. Das, wofür die Pubertät angeblich die Voraussetzung schaffen soll, nämlich die Loslösung von den Eltern, steht nun wirklich bevor. Ich merke es an kleinen Dingen. So hatte ich eigentlich die Angewohnheit, mein Zimmer mindestens zweimal im Jahr umzustellen, neu zu streichen oder umzudekorieren. Als mich neulich wieder die Lust auf einen Ikea-Ausflug mit anschließender Räumaktion packte, war ich sehr bald ernüchtert. Wozu sollte ich mir denn noch die Mühe machen, wo doch bald mein jüngerer Bruder – so wie ich es ihm versprochen habe – in mein altes Zimmer ziehen wird? Insgesamt ist es eine komische Vorstellung, bald keinen Raum mehr in meinem Elternhaus zu haben, der mir ganz gehört. Bald werde ich, wenn ich nach Hause komme, eine vorübergehende Besucherin in einem Gästezimmer sein. In diesem Gästezimmer werden wohl zunächst meine Möbel stehen, und ich werde es wahrscheinlich häufiger nutzen als gedacht. Ein eigenartiges Gefühl bleibt trotzdem. Aber wird sich überhaupt groß etwas verändern? Ich bin doch sowieso schon kein Kind mehr. Wann ich nach Hause komme, wann ich komme und gehe, kann ich so ziemlich bestimmen. Ich verdiene den Großteil meines Taschengeldes selbst, und im Haushalt musste ich auch schon immer mit anpacken. Trotzdem beschleicht mich die Ahnung, dass die Dinge, die ich heute selbstverständlich fin-

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de, bald nicht mehr sein werden. Die Wäsche wird gewaschen, auch wenn ich nicht mit anpacke. Der Kühlschrank wird bestückt, auch wenn ich nicht mit einkaufe. In den Momenten, in denen mir bewusst wird, wofür ich bald ganz alleine sorgen muss, fühle ich nun oft Dankbarkeit dafür. Wie häufig muss man den Müll rausbringen, damit man keine Fruchtfliegen in der Küche hat? Woher weiß ich, welche Wäsche ich bei wie viel Grad waschen muss? Und wo um alles in der Welt kommt das Geld für mein Leben her? Sosehr ich es immer wieder genossen habe, zu Hause sturmfrei zu haben und eine Ahnung davon zu bekommen, wie es ist, allein und in völliger Freiheit zu leben – ich war immer froh, wenn wieder meine Eltern die Verantwortung im Alltag übernommen haben. Bis jetzt beschränken sich meine Kochkünste auf einige Nudelgerichte, Tiefkühlpizza und Pfannkuchen. Zum Leben reicht das noch nicht. Zum Leben braucht man doch noch Überweisungen, Versicherungen, Steuern. Eben Dinge, von denen ich keine Ahnung habe. Auch als ich mir neulich eine Grippe eingefangen hatte, ertappte ich mich beim Kindsein: Ich wünschte mir, dass meine Mutter sich rund um die Uhr um mich kümmerte, dass sie mich unterhielte und mir Tee kochte. Halb belustigt und halb besorgt fragte sie mich: „Was machst du denn, wenn du dann nicht mehr zu Hause wohnst und krank wirst?“ In dieser Situation, in der ich mich elend und hilfsbedürftig fühlte, zweifelte ich plötzlich daran, das Leben jemals richtig meistern zu können, ja überhaupt überlebensfähig zu sein. Auch die Eigenschaft meiner Mutter, immer zu wissen, wo ich Dinge, die ich suche, hingelegt habe, werde ich wohl vermissen. Ein einfaches „Mama, wo ist mein Geldbeutel?“ hat mir den verschollenen Gegenstand oft zurückgebracht. Wie kann man nur einen so guten Überblick haben? Auch für meinen kleinen Bruder scheint es noch befremdlich zu sein, dass er wohl bald ein Einzelkind sein wird — zumindest die meiste Zeit. Er hat die Sorge, dass sich all die elterliche Fürsorge und Aufmerksamkeit auf ihn konzentrieren werden. Am Esstisch, an dem mein Stammplatz dann leer bleibt, werden sich die Gespräche wohl doppelt so oft um seine schulischen Leistungen, Ausgehzeiten und Freundschaften drehen. Doch auch er kann es, das glaube ich zumindest, manchmal kaum erwarten. Denn bald darf er endlich das größere Zimmer haben und muss sich in der Frühe vor der Schule nicht mehr streiten, wer zuerst ins Bad darf. Aber wenn er dann eines Tages auch ausgezogen ist, wie wird dann


das Leben meiner Eltern aussehen? Bei einer befreundeten Familie, die auf dem Dorf lebt, war vor einiger Zeit auch der Zeitpunkt des Abschiednehmens gekommen. Die Tochter zog aus. Beim Bepacken des Autos schaute eine ältere Nachba­ rin der Mutter besorgt über den Zaun zu. „Als ich da­ mals ausgezogen bin“, erzählte sie, „hat meine Mutter gleich Krebs bekommen!“ Sehr ermutigend. Nun mache ich mir bei meinen Eltern keine Sorgen we­ gen einer Erkrankung. Trotzdem stelle ich mir die beiden manchmal vor, wie sie zu zweit in dieser großen Wohnung leben, zu zweit essen, zu zweit fernsehen, zu zweit alt werden. Denn ir­ gendwie werden sie das doch bald sein – ein äl­ teres Ehepaar mit erwachsenen Kindern. Viel­ leicht wird ihr Leben aber erst richtig losgehen, wenn sie endlich frei von allen elterlichen Ver­ pflichtungen sind und nur noch das machen, wor­ auf sie Lust haben. Ihr Alltag wird wohl weniger laut und bunt sein, stellten sie neulich nach einem Abendessen fest, zu dem spontan Freunde von meinem Bruder und von mir dazustie­ ßen, sodass wir statt vier Personen nun zehn waren. Nach angeheiz­ ten Diskussionen über Youtube­Videos, lautem Gelächter und der Ankündigung, dass wir jetzt das Chaos hinterlassen und weggehen würden, meinten sie, und es klang ehrlich: „Ach, Kinder, ohne euch wäre es wirklich langweiliger!“ Manchmal habe ich auch Sorgen, dass meine Freunde bald in aller Welt verstreut sind und dass wir uns aus den Augen verlieren. Natür­

lich gibt es, wie sollte es sonst sein, die großen Pläne, gemeinsam in eine WG zu ziehen. Mit den Men­ schen, mit denen man sich am besten versteht zusam­ menzuwohnen – was sollte es Besseres geben? „Das machen wir ganz sicher“, es scheint alles schon festzustehen. Doch natürlich wissen wir, dass Auslandsaufenthalte oder unterschiedli­ che Studienorte uns wahrscheinlich doch auseinander­ bringen werden. Wir werden uns vielleicht nie wieder so nahe sein wie jetzt. Oft ertappe ich mich dabei, wie ich melancholisch werde. Ich schaue mir alte Fotoalben an, weil ich weiß, dass ich sie nicht mitnehmen werde. Ich wünsche mir mein Lieblingsge­ richt, weil ich weiß, dass es bald niemanden in der Nähe gibt, der es so gut kochen kann wie mein Vater. Ich denke daran, dass es möglicherweise der letzte Weihnachts­ urlaub war, den ich mit meiner Familie ge­ macht habe. Doch alle diese Abschiede be­ deuten auch den Anfang von etwas Neuem. Alle Möglichkeiten werden mir bald offenstehen, ich werde selbst entscheiden können, was ich tue und lasse, es wird niemand da sein, der mir manchmal so sehr auf die Nerven geht wie meine Familie, aber eben auch niemand, der mir im Alltag Sicherheit und Geborgenheit gibt. Das Einzige, was mir zu hoffen bleibt: dass dieses Zuhause für immer mein Zuhause bleibt.

ALLE BILDER HAT HANNAH MIT IHREM HANDY GEMACHT. IN EINEM HALBEN JAHR WERDEN ES ERINNERUNGEN AN ZU HAUSE SEIN.

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VON PETER WAGNER / INTERVIEW & URBAN ZINTEL / FOTOS

Studiere nicht, schwebe!

Wer es in Amerika zu etwas bringen will, muss aufs College. Zumindest ist das eine verbreitete Annahme. Dale Stephens sieht das mittlerweile anders – er kämpft jetzt weltweit für ein gutes Leben ohne Hochschulabschluss.

Ein Student in den USA gibt bis zu seinem Abschluss — abhängig vom College und vom Bundesstaat, in dem er studiert — zwischen 13 000 und 30 000 Dollar für Studien­ gebühren aus. Das ist nicht eben wenig Geld. Viele Absol­ venten nehmen für die Summe einen Kredit auf, in der Hoffnung, ihn nach dem Studium abzahlen zu können. Aber die Rechnung geht häufig nicht mehr auf, wegen der Wirtschaftskrise bekommen viele Absolventen keinen Job. Der 20­jährige Dale Stephens aus Kalifornien sagt nun: Vergesst das College! Lernt im Internet, reist um die Welt, engagiert euch in Projekten, gründet Unternehmen, findet heraus, was euch wirklich interessiert. Dale versteht nicht, warum wir uns in Schulen und Hochschulen einem aus seiner Sicht veralteten Bildungssystem unterordnen. Er glaubt, dass man dort vergisst, was einem Spaß macht. Woher er diese Gewissheit nimmt? Mit elf Jahren ist Dale von der Schule gegangen. Seine Erfahrun­ gen mit dem „Unschooling“, dem selbstbestimmten Lernen, ermutig­ ten ihn, die „UnCollege“­Bewegung zu gründen: Wer das College sein lässt und selbstbestimmt lernt, glaubt Dale, wird glücklicher. Und macht außerdem keine Schulden.

den Chemiekurs im College besucht, abends bin ich zum Französischkurs. Freitags hat sich die Geschichtegruppe getroffen, samstags war noch mal Sport. Macht das Internet selbstbestimmtes Lernen einfacher? Na klar. Heute eine Lerngruppe zu einem bestimmten Thema zu finden ist allein durch Facebook unendlich viel einfacher. Es gibt inzwischen viele Seiten mit Lernvideos. Und dieses eigenständige Lernen möchtest du jetzt auf die Studienzeit übertragen? So ist es. Niemand muss Schulden für ein Studium ma­ chen, jeder kann sich selbst ausbilden und das lernen, was er für einen Job oder seine Interessen braucht. Was sind deine Eltern von Beruf? Meine Mutter war Lehrerin. Mein Vater ist Ingenieur. Und sie haben dich nicht zur Rede gestellt, als du dein Studium nach einem Semester hingeworfen hast? Meinem Vater wäre es schon lieber gewesen, ich hätte fertigstudiert. Er findet, dass das Leben ohne Ab­ schluss risikoreicher ist. Er hat Schiss, dass ich scheitere. Aber in den vergangenen Monaten, seit der Gründung von UnCollege, hat er gesehen, dass ich mehr geschafft habe, als mit einem Collegestudium möglich gewesen wäre. Du bist seit fast einem Jahr Thiel-Stipendiat*, reist um die Welt und sprichst über ein Leben ohne Studium. Du hast dir mit UnCollege dein Projekt gezimmert, aus eigenem Antrieb. Was mache ich, wenn ich nicht so motiviert bin und keine Idee habe, was ich statt Schule oder Uni mache? Es wäre dumm zu sagen: Jeder soll zu Hause unterrichtet werden. Genauso dumm ist es aber zu sagen: Jeder soll zur Schule. Ich finde: Jeder soll seinen eigenen Weg gehen können. Mir ist klar, dass nicht jeder motiviert genug ist, um selbstbestimmt zu lernen. Aber wieso ist das so? Wa­ rum fällt es uns so schwer, unsere intrinsischen Motivati­ onen zu entdecken? Weil wir in einem System unterrich­ tet werden, in dem es nur darum geht, den nächsten Test zu bestehen. Sobald du in deinem Leben nur noch auf die Noten schaust, spielt es keine Rolle, was du da lernst und ob es dich überhaupt interessiert. In der Schule und an der Hochschule gibt es aber Lehrer, die einem den Weg weisen und sagen, was es zu lernen gibt. Das ist ein Problem des Systems: Es macht Entscheidun­ gen einfach. Wie meinst du das? >

„Du musst raus aus der Komfortzone.“

Dale, du bist nach der fünften Klasse von der Schule gegangen, weil es dir dort zu langweilig war. Du hast schließlich selbstbestimmt gelernt. Wie geht das? In Amerika gibt es die Homeschooling­ oder auch Un­ schooling­Bewegung: Du darfst von der Schule gehen und dich von deinen Eltern unterrichten lassen oder einfach selbstbestimmt lernen. In Deutschland ist das wegen der Schulpflicht nicht erlaubt. Wie lernt man, wenn man allein lernt? Homeschooler sind bei uns gut organisiert. In jedem Landkreis gibt es Gruppen, die auch Räume unterhalten. Zu Beginn jeden Jahres haben wir uns getroffen und überlegt, was wir lernen möchten. Das ist wesentlich beim selbstbestimmten Lernen: Du setzt dir ein Ziel und teilst den Weg dorthin in Schritte auf. Jede Gruppe entscheidet selbst über die Kurse und über die Experten, die hinzuge­ zogen werden sollen. Wie sah eine typische Homeschooling-Woche aus? In der siebten Klasse hatten wir montags eine Sportgrup­ pe. Dienstag traf sich die Mathegruppe — einer von uns hat den Unterricht geleitet, ein Vater war da, um Fragen zu beantworten. Mittwochmorgen: Englischunterricht mit drei Schülern und drei Eltern. Donnerstag habe ich

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Die Lehrer sagen dir, was du immer in deiner Freizeit du zu tun hast, und du vermachst. Vielleicht Videosuchst immer nur, das spiele spielen, rumhängen. nächste Level zu erreichen. Nach ein paar Tagen fängst Gute Schule, gute Uni, gudu an zu schreiben. Schreib ten Job, besseren Job. Wer auf, was du erreichen willst, nur damit beschäftigt ist, wo du in zehn Jahren sein das nächste Level zu erreiwillst, was dir Spaß macht. chen, vergisst, wer er ist und In der zweiten Woche was er wollte. kaufst du dir ein One-WayDu magst es nicht, wenn Flugticket in ein fremdes man dir Ziele vorkaut. Land. Steck dir vor dem Meine Mutter war 15 Jahre Flug 100 Euro ein, und Lehrerin. Ich habe mit ihr schau zu, wie du in den drei über Hack your Education letzten Wochen des Monats geredet, das Buch, an dem damit zurechtkommst. ich schreibe. Sie sagte: Das Was lerne ich dabei? Wichtigste in der Schule ist, Du musst in diesen drei Schüler selbst über ihre Wochen rausfinden, wo du Ziele entscheiden zu lassen. arbeiten, schlafen, leben Wenn du sie ihre Lernziele kannst. Du musst lernen, selbst definieren lässt, fühaus deiner Komfortzone len sie sich für das Ergebnis rauszukommen, in der alles verantwortlich. für dich geregelt wird. So Dein wichtigstes Argument gegen ein Studium ist, dass erkennst du vielleicht nach und nach, was dir wichtig ist. sich viele Studenten verschulden, vor allem in Amerika. Nehmen wir an, ich entscheide mich gegen Studium und Das hat auch die Occupy-Bewegung aufgegriffen: Unter Ausbildung. Wenn ich nicht gerade ein Stipendium habe, den Protestierenden waren immer muss ich trotzdem erst mal Geld * Dale gehört zur ersten Generation der sogewieder verschuldete Studenten, die zum Lebensunterhalt verdienen, nannten Thiel-Fellows: Peter Thiel, einer der nach ihrem Abschluss keinen Job Gründer des Internetbezahlsystems Paypal, oder? bekommen haben. Occupy kam für schrieb vor einem Jahr ein mit je 100 000 Dollar Das ist doch gut. So lernst du deine Idee gerade recht, oder? dotiertes Stipendium aus, das sich an 20 Schüler schneller, was dir liegt. Nehmen Ich habe mitbekommen, wie sich unter 20 Jahren richtete, die ihr Collegestudium wir an, du arbeitest als Eisverkäudurch Occupy die Sicht auf Un- hinschmeißen und stattdessen eine Unterneh- fer und lernst, dass dir der Job College verändert hat. Am An- mensidee verwirklichen. Peter Thiel glaubt heu- nicht liegt — dann versuchst du fang hieß es: Dale, es macht doch te, wie auch Dale Stephens, dass es in Amerika eben einen anderen Weg. wirtschaftlich keinen Sinn, nicht eine College-Bubble gibt: Zu viele Studenten Soll ich von einem Aushilfsjob zum aufs College zu gehen! Jetzt heißt nehmen für ihr Studium einen Kredit auf und ha- anderen marschieren? ben nachher keine Aussicht auf einen Job. es: Dale, wir haben verstanden. Viele Menschen, die heute erfolgDie Menschen fragen mich jetzt: Was soll ich tun, wenn reich sind, haben eine Zeit lang sehr unglamouröse Saich nicht aufs College gehe? chen gemacht. Für mein Buch habe ich einen Manager Sagen wir, ich mache dieses Jahr meinen Schulabschluss von TomTom getroffen, die Navigationssysteme herstelund weiß noch nicht, ob ich studieren soll. Was rätst du? len. Der Mann ist nach der Highschool Lkw gefahren, Sagen wir, du hast einen freien Monat zur Verfügung. In hat Burger gebraten und für seinen Blog geschrieben. den ersten Tagen würde ich einfach nur nachdenken. Schließlich schrieb er über eine Ladeneröffnung von Worüber? Apple — und bekam am Ende von Apple eine FilialleiWas dich interessiert. tung angeboten. Aha. Du glaubst also, wer seiner inneren Motivation folgt, statt Du wirst sehen, dass die Antwort nicht leicht zu finden ist. zu studieren, wird sich das aneignen, was er braucht, um Allerdings. durchs Leben zu kommen. Das stellt man auch beim „Deschooling“ fest, wenn man Natürlich. die Schule verlässt und beginnt, sich selbst zu unterrich- Und in der Zwischenzeit fahre ich Lkw. ten: Man muss sich erst orientieren und mit der Freiheit Niemand hat gesagt, dass Selbstfindung leicht ist. Aber umgehen lernen. In den ersten Tagen würde ich tun, was glaub mir: Die Suche ist es wert.

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Der Süddeutsche Verlag ist eines der führenden deutschen Medienhäuser und Herausgeber der Süddeutschen Zeitung. Mit täglich ca. 1,41 Millionen erreichten Lesern ist die Süddeutsche Zeitung die auflagenstärkste Qualitäts-Tageszeitung Deutschlands. Weitere wichtige Geschäftsbereiche des Süddeutschen Verlages sind Fachinformationen (Zeitschriften- und Buchverlage), Regionalzeitungen, elektronische Medien (z.B. sueddeutsche.de, Süddeutsche Zeitung TV) und Drucktechnik. Wir stellen nicht nur höchste Qualitätsansprüche an unsere Redaktionen, Produkte und Dienstleistungen, sondern auch an die Berufsausbildung in den verschiedenen Unternehmensbereichen. In der intensiven und praxisorientierten Ausbildung erhalten die Auszubildenden Einblick in die spannenden Abteilungen unseres Medienunternehmens, übernehmen Verantwortung bei anspruchsvollen Aufgaben und Ausbildungsprojekten und werden von qualifizierten Ausbildern individuell betreut. Wenn Sie unsere Begeisterung für publizistisch, gestalterisch und technisch erstklassige Information und Meinungsbildung teilen, über Organisationstalent und hohe kommunikative Fähigkeiten verfügen, Spaß an Teamarbeit und Kundenkontakt haben und ein hohes Maß an Lernbereitschaft und Engagement mitbringen, freuen wir uns auf Ihre Bewerbung. Wir bieten zum 1. September 2012 folgende Ausbildungsmöglichkeiten an:

Ausbildung zum/r Mediengestalter/in Digital und Print Ausbildung zum/r Medienkaufmann/-frau Digital und Print Duales Hochschulstudium Wirtschaftsinformatik (B.Sc.) Informationen zu unserem Medienunternehmen und zu den Ausbildungsberufen finden Sie unter: www.sueddeutscher-verlag.de


BERND KRAMER / TEXT

Schulabg채nger finden keine Lehrstellen, und Betriebe lassen Tausende Ausbildungspl채tze unbesetzt. Irgendetwas passt da nicht.

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Die Briefe füllen zwei Ordner im Regal ne­ ben dem Schreibtisch. Vielleicht sind es 100, vielleicht 150. Irgendwann hat Jennifer auf­ gehört, die Absagen zu zählen, die auf ihre Bewerbungen zurückkamen. „Es ist frustrie­ rend“, sagt sie. Dabei sah alles bestens aus: Jennifer hat die Realschule abgeschlossen, Schnitt 2,4. Sie hat ein Praktikum in einem Blumenladen und bei einem Landschafts­

gärtner gemacht, außerdem im Discounter gejobbt. „Ich kann sogar Spanisch“, sagt sie. Einen Ausbildungsplatz als Kauffrau hat sie dennoch nicht bekommen. An der Berufsschule hat Jennifer dafür das Fachabitur gemacht. Jetzt, mit 21, ist sie zwar besser qualifiziert, aber die Ordner füllen sich weiter. Jennifers Ordner sind der Gegenbe­ weis zu den Erfolgsmeldungen vom Ausbil­

dungsmarkt. Und nicht nur Jennifer sammelt Absagen: 76 700 junge Leute haben im ver­ gangenen Jahr die Schule verlassen und keine Lehrstelle gefunden. Dazu kommen viele, die in der Statistik nicht mitgezählt werden, weil sie in Überbrückungskursen stecken, obwohl auch sie natürlich lieber in einem echten Be­ trieb lernen würden. Die Berliner Soziologie­ professorin und Ausbildungsforscherin Heike

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Solga schätzt, dass sogar 200 000 jungen Menschen in Deutschland ein Ausbildungsplatz fehlt. Und trotzdem blieben im letzten Jahr wieder 30 000 Lehrstellen frei – fünf Prozent mehr als im Vorjahr. „Es gibt eine wachsende Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze und gleichzeitig immer noch viele Jugendliche, die suchen“, sagt Ausbildungsforscher Joachim Ulrich vom Bundesinstitut für Berufsbildung. „Und das wird sich wohl so schnell nicht ändern.“ Warum? Die erste und einfachste Erklärung ist die Postleitzahl: Betriebe und Schulabgänger suchen einander nicht am selben Ort. In der Region um Herford in Ostwestfalen, wo Jennifer lebt, kommen auf 100 Ausbildungsbewerber gerade einmal 81 Stellenangebote. Fast nirgendwo sonst im Land ist das Verhältnis so ungünstig. Kein Wunder also, dass auch ehemalige Mitschüler von Jennifer sich mit Aushilfsjobs an der Supermarktkasse durchschlagen. Trotz Fachabitur. Fünf Autostunden weiter, auf der Insel Rügen, überlegt Marina Raabe dagegen, woher sie noch Auszubildende nehmen soll. Sie ist Personalbeauftragte im Hotel IFA im Ostseebad Binz. Zwanzig Bewerbungen hat sie

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im letzten Jahr bekommen. Alle Bewerber hat sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Alle wollte sie einstellen. Die meisten sagten dann doch wieder ab, nur sieben unterschrieben den Lehrvertrag. Im Souterrain hat das Hotel sogar Lehrlingszimmer eingerichtet, denn aus der Region kommt kaum noch ein Azubi. „Man hat zwar immer davon gesprochen, dass der Geburtenknick kommt“, sagt Raabe. „Aber in dem Ausmaß? Damit habe ich nicht gerechnet.“ Nach der Wende brach in Ostdeutschland die Geburtenrate rapide ein. Wer vor zwanzig Jahren nicht zur Welt kam, kann heute keine Lehre machen. 3281 Ausbildungsplätze hatten die Betriebe der Arbeitsagentur gemeldet. Gerade 1970 junge Menschen wollten eine Ausbildung, zum Schluss blieben nur 24 von ihnen ohne Lehrstelle. Fast nirgendwo sonst macht sich der Geburtenrückgang so drastisch bemerkbar. Fast nirgendwo sonst kommen so wenige Bewerber auf so viele Lehrstellen wie im östlichen MecklenburgVorpommern. Aber es gibt noch einen Grund dafür, dass Marina Raabe kaum Auszubildende findet: Eine Lehre im Gastgewerbe ist unbeliebt. Auf 100 Ausbildungsplätze zum Restaurant-

fachmann oder zur Restaurantfachfrau kommen deutschlandweit gerade einmal 81 Bewerber. „Wir haben ein Imageproblem“, meint Raabe. Schuld daran sind die Arbeitszeiten: Wer will das Wochenende mit Kellnern oder an der Rezeption verbringen, während die Freunde um die Häuser ziehen? Schuld sind aber auch die Betriebe selbst, die es gewohnt sind, ihre Azubis als billige Arbeitskräfte zu missbrauchen: Im Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes rangieren Restaurant- und Hotelfachleute ganz unten – kaum eine Azubi-Gruppe ist so unzufrieden mit ihrer Arbeit. Im Forum der Gewerkschaftsjugend klagt eine angehende Hotelfachfrau, dass sie Straßen fegen und Schnee schippen muss. Die Ausbildungsbedingungen, das zeigt der Report, sind umso schlechter, je kleiner der Betrieb ist: Desto häufiger müssen Azubis Schnee schippen. Desto häufiger müssen sie mit anpacken wie eine volle Arbeitskraft, ohne jedoch wie eine bezahlt zu werden. Desto seltener hat jemand Zeit, ihnen das beizubringen, was wirklich zum Beruf gehört. Es sind kleine Bäckereien, Metzgereien oder eben Restaurants, und die sind wiederum verhältnismäßig oft da, wo der Nach-


wuchs als Erstes fehlt. Auf dem Land. In der bayerischen Provinz. An der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern. So verschärfen sich die Ungleichgewichte: Gerade kleine Betriebe auf dem Land müssen Bewerber einstellen, die sie vor ein paar Jahren nicht einmal zum Vorstellungsgespräch geladen hätten. Ausgerechnet die Betriebe, die ihre Azubis wie Arbeitskräfte einsetzen, bekommen nun Lehrlinge, um die sie sich wirklich kümmern müssten. „Die Förderung fällt gerade kleinen Betrieben schwer, weil sie die Azubis im Arbeitsprozess einsetzen“, sagt Soziologin Solga. Kein Wunder also, dass man Handwerksmeister und Hoteliers klagen hört, die Schulabgänger seien heutzutage nicht mehr „ausbildungsreif“ – die Betriebe mussten es selbst lange Zeit nicht sein. Es gibt aber auch Betriebe, die nicht jammern, weil sie die freie Auswahl haben. Viele wollen Mediengestalter werden. Oder Tierpfleger im Zoo. Das war Florian Richters Traumberuf, seit er denken kann. Zu Hause in einer Kleinstadt in Franken hat er Vögel gezüchtet, dazu amerikanische Brieftauben und Bantam-Zwerghühner. „Vögel haben mich schon immer fasziniert“, sagt der 18-Jährige. „Man kann ihr Verhalten so gut beobachten.“ Vor knapp drei Jahren stieg Florian nachts um vier in den Zug, um zum Einstellungstest des Berliner Zoos zu fahren. Die Ausbilder wollten zum Beispiel von ihm wissen, wie er ein professionelles Futter für einen Kanarienvogel zusammenmischen würde. Körner als Basis, relativ fett- und ölhaltig, schlug Florian

fachmännisch vor, dazu etwas Grün. „Als die Zusage aus Berlin kam, da flossen schon Tränen bei mir.“ Tierpfleger ist nicht nur Florians Traumberuf. Statistisch gesehen konkurrieren in Deutschland 100 Bewerber um gerade einmal 54 Plätze. Im Berliner Zoo gehen jeden Tag drei bis vier Bewerbungsschreiben ein, an die 1000 sind es im Jahr, die auf eine Handvoll Ausbildungsplätze kommen. Aber es gibt noch eine weitere Erklärung dafür, warum so viele vergeblich eine Ausbildung suchen, obwohl es freie Lehrstellen gibt. Man findet sie in der „Schönholzer Heide“, einem Ausbildungsrestaurant in BerlinPankow. Das Restaurant gibt es eigentlich nur, damit die Arbeitsagenturen dort jene unterbringen können, denen sie „Vermittlungshemmnisse“ bescheinigen. Es ist seltsam, dass es solche inszenierten Ausbildungen braucht, wo doch gerade das Gastgewerbe händeringend nach Lehrlingen sucht. Nico ist 21 und einer derjenigen, die hier in der „Schönholzer Heide“ das Kellnern und Buffetanrichten üben. „Mir bleibt nichts anderes übrig“, sagt Nico, in abgeklärtem Berlinerisch. „Ohne Schulabschluss findeste nix. Du musst dich erst mal beweisen, aber du kommst ja nirgends rein.“ Es ist nicht so, dass Nico unmotiviert wäre. Nur irgendwie hat er auf dem Schulhof ein bisschen zu lange den Halbstarken gespielt, zu viele Kleinkriege mit den Lehrern ausgefochten. Er nahm das Handy mit in den Unter richt, obwohl das verboten war, ließ sich die Schulordnung vorlesen, ließ sich Verweise schicken und blieb erst recht stur. In

der neunten Klasse warf er hin. „Klar, war ’n bisschen blöd mit dem Abschluss.“ Weil er nach der Schule eine Weile am Hotdog-Stand eines Bekannten gejobbt hatte, schlug der Arbeitsvermittler ihm die „Schönholzer Heide“ vor. Soziologin Solga hat die Befürchtung, dass Leute wie Nico dauerhaft abgehängt werden. „Hauptschüler und Jugendliche ohne Abschluss haben extreme Schwierigkeiten“, sagt Solga. „Diese Jugendlichen werden bei der Bewerbung oft schon qua Schulabschluss aussortiert, selbst wenn die Stelle dann unbesetzt bleiben muss.“ Es ist wie ein Stempel, den man nicht wegbekommt: Das sind die, die es trotz Bildungsexpansion nicht geschafft haben. Interessanterweise zeigen Untersuchungen aber, dass es nicht die fehlenden Kenntnisse im Bruchrechnen oder in der Rechtschreibung sind, die Betriebe zögern lassen. Schulwissen ist überraschend nachrangig. „Es geht mehr um Sozialtugenden“, sagt Solga. Wie motiviert ist einer? Wie zuverlässig? Von Hauptschülern erwarten die Betriebe von vornherein kaum etwas. Deswegen hat Solga eine Idee: Schon Schüler sollen in den Jahren vor dem Abschluss jeweils ein paar Tage in der Woche in einem Unternehmen mitarbeiten. Damit die Firmen ihre Vorurteile abbauen können. Damit jemand nicht schon vor seinem Schulabschluss aufgibt. „Im Moment“, sagt Solga, „ist unser ganzes System nicht ausbildungsreif.“

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Alle 4 Hefte des Jahres 2011 im Paket erhältlich: www.jetzt.de/magazine oder unter magazine@jetzt.de Preis: 9,50€ (inkl. Versand und Verpackung)

Philipp Lahm, Fußball-Nationalspieler und Kapitän des FC Bayern München, Gründer der Philipp-Lahm-Stiftung

Warum ich an der „Bildungsoffensive Zeitungspate“ der SZ teilnehme:

VON JURI GOTTSCHALL / FOTOS

„Zeitungslesen sollte zur Gewohnheit werden, damit man über Tagesgeschehen sowie Hintergründe und gesellschaftliche Fragen informiert ist. Besonders wichtig ist es als Teil des Schulalltags, weil Kinder zum aktuellen Geschehen Fragen haben und im Kreise der Schüler und Lehrer verschiedene Themen besprechen können. Kinder und Jugendliche müssen Bescheid wissen, um sich eine eigene Meinung zu bilden und mitreden zu können. Als SZ-Pate möchte ich allen Schulkindern das Zeitungslesen näher bringen. Meine Patenschaftsabos spende ich u.a. den Schülerinnen und Schülern der Rudolf-Diesel-Realschule, München.“

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VON NILZ BOKELBERG / TEXT & FELIX KRÜGER / FOTO

Aushalten.

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute lautet: Ja, es geht. Die schlechte: Es ist nicht immer leicht. Als ich damals bei Viva als Moderator angefangen habe, war das keine Arbeit – oder es hat sich zumindest nicht so angefühlt. Ich war 17 und noch Schüler. Jeden Nachmittag stand ich im Fernsehstudio in Köln­Ossen­ dorf und hab irgend­ welche Euro­Dance­ Acts angesagt. Manch­ mal musste ich auch noch zu Preisverlei­ hungen, um eine Lau­ datio zu halten und danach mit meinen Lieblingsbands zu fei­ ern. Man kann viel­ leicht erahnen, wie over the top awesome mein Leben zu der Zeit war. Ich hatte mit nichts gerechnet und alles bekommen. Das Moderieren lag mir, und plötzlich hatte ich auch noch ein richtig gutes Ein­ kommen! Als Schüler! Mein Beruf brachte damals aus­ schließlich positive Effekte mit sich. Den meisten Menschen hierzulande ist es suspekt, wenn man so über seinen Job redet. Wenn man richtig Lust auf die Arbeit hat, werden die Leute argwöhnisch. Sie vermuten dann ein übertriebenes Gehalt oder dass da jemand die Schattenseiten des Arbeitslebens verdrängt. Und die habe ich dann irgendwann auch kennengelernt. Gerade für einen Moderator gehört Scheitern schon fast zum Berufsbild. Ich bin nach meiner Zeit bei Viva zum DSF gegangen und hab da eine tolle Show mit einem tol­ len und megamotivierten Team gemacht. Aber dann kam ein neuer Programmdirektor, und mit der Sendung war es schneller vorbei, als man „sinnlose Entscheidungsgrund­ lage“ sagen kann. Damals habe ich die fiese Seite einer Arbeit beim Fernsehen kennengelernt: Man ist von Leu­

ten abhängig, denen es nicht um ein originelles, sondern um ein effizientes Programm geht. Und ich musste plötz­ lich einen neuen Job finden. Die Sender standen nicht ge­ rade Schlange bei mir. Dann wurde ich Papa. Und dann wurde es ganz still. Wenn man sich dafür entscheidet, das zu tun, was einem Spaß macht, muss man vor allem eines können: aushalten. Aushalten, dass das Telefon nicht mehr klin­ gelt. Aushalten, dass kei­ ner an einen denkt. Aus­ halten, dass man eine Zeit lang völlig abge­ schrieben sein kann. Das kratzt nicht nur am Ego, sondern auch am Konto. Das bedeutet dann auch: Instantnudeln und so ein Zeug. Das bedeutet: Grübeln und immer wie­ der Neuorientierung. Bei mir führte es zu ei­ nem Studium: Ich bin nach München gegangen und habe an der Filmhochschule Regie studiert. Im ersten Jahr meines Studiums verdiente ich mein Geld mit WG­Pfandflaschen­Wegbringen und Plattenverkaufen. Dann hat ein Freund eine neue Bar er­ öffnet, und ich konnte auflegen. Halleluja. Das war nicht viel Geld, aber es war genug. Es passte zu den Preisen beim Discounter um die Ecke. Vielleicht, denke ich heute, ist das die wichtigste Fähigkeit, die man haben muss, wenn man selbstbestimmt und Nilz Bokelberg, 35, moderiert spaßorientiert arbeiten möchte: heute nicht mehr bei Viva, Man muss sich der Menge an Geld aber noch ab und zu vor der anpassen, die man zur Verfügung Kamera. Legt manchmal auf hat. Man wird nicht zwangsläufig und schreibt eigentlich die reich, wenn man das tut, was man meiste Zeit irgendwelche Texte, in seiner Küche in mag. Aber es macht zufrieden. Und Berlin. Sein Roman erscheint das ist auch eine gute Nachricht. vermutlich im Jahre 5328.

IMPRESSUM jetzt SCHULE&JOB Eine Verlagsbeilage der Süddeutschen Zeitung im März 2012 Verlag Süddeutsche Zeitung GmbH, Hultschiner Straße 8, 81677 München, Tel. 0 89 / 21 83 - 0 Chefredakteur Kurt Kister Verantwortlich im Sinne des Presserechts Dirk von Gehlen Redaktion Peter Wagner Art Director Joanna Swistowski Schlussredaktion Isolde Durchholz Anzeigen (verantwortlich) Jürgen Maukner Kontakt Tel. 0 89 / 21 83 - 82 73, stellen-anzeigen@sueddeutsche.de Anzeigenpreise unter http://mediadaten.sueddeutsche.de/sonderthemen/jetzt_schulejob_unijob Repro Compumedia GmbH, Elsenheimerstraße 59, 80687 München Druck Firmengruppe APPL, PRINT.Forum Druck GmbH, Neulandstraße 40, 74889 Sinsheim Der Verlag übernimmt für unverlangt eingesandte Unterlagen keine Haftung. Das Papier des Magazins jetzt SCHULE&JOB wird aus chlorfrei gebleichtem Zellstoff hergestellt. Bei Nichterscheinen durch höhere Gewalt oder Streik kein Entschädigungsanspruch. Eine Verwertung der urheberrechtlich geschützten Zeitschrift und aller in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung, ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrechtsgesetz nichts anderes ergibt. Insbesondere ist eine Einspeicherung oder Verarbeitung der auch in elektronischer Form vertriebenen Zeitschrift in Datensystemen ohne Zustimmung des Verlages unzulässig. Veröffentlichung gemäß Art. 8 Abs. 3 Bayerisches Pressegesetz Alleinige Gesellschafterin der Süddeutsche Zeitung GmbH ist die Süddeutscher Verlag GmbH, München. An dieser sind beteiligt: Südwestdeutsche Medien Holding GmbH, Stuttgart: 81,25 %; SV Friedmann Holding GmbH, Grünwald: 18,75 %.

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