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2 Delirien Ăźber Shakespeare Alfredo Aracil Musik JosĂŠ Sanchis Sinisterra Text


© Inés Atienza

Fotos aus den Proben und Aufführungen von 2 Delirien über Shakespeare in den Teatros del Canal in Madrid und Corral de Comedias in Alcalá de Henares. Prospero: Hector Colomé. Julia: Clara Sanchis. Solisten des Orchesters und Chor der Comunidad de Madrid. Musikalische Leitung: José Ramón Encinar. Originalzeichnungen und Logo: Alberto Corazón Layout der Broschüre: Carolina Vallejo


2 Delirios sobre Shakespeare / 2 Delirien über Shakespeare

Próspero: Scena y Julieta en la cripta Prospero: Scena und Julia in der Gruft Ist Prospero tatsächlich der grosszügige und weise Greis aus The Tempest, der die Insel regiert, auf die er zusammen mit seiner Tochter Miranda verbannt worden ist? Und Julia, stirbt sie an der Seite ihres geliebten Romeo? Nicht im Falle der 2 Delirien über Shakespeare mit Text von José Sanchis Sinisterra und Musik von Alfredo Aracil. Für diese ist Prospero ein heruntergekommener Mann, krank und blind, der höchstens Macht über eine Musik besitzt, die imaginär erscheint. Julia hingegen hat sich nicht umgebracht, sondern sie lebt seit dreißig Jahren in ihrer eigenen Gruft, im Dunkeln, ohne diese verlassen zu können, nur in Begleitung ihrer Erinnerungen und ihres Gehörs. Musik und Geräusche spielen daher eine wichtige Rolle: sie sind nicht bloßes Ornament oder musikalische Untermalung, sondern ein entscheidender Teil der Dramaturgie: für Prospero sind sie die Äusserung seiner Macht, und entzieht sie sich seiner Kontrolle, so verflüchtigt sich seine Zauberkraft, die Magie, seine Magie; Julia versucht ihrerseits in der Gruft zu überleben, die ihr und Romeos Grab beherbergt. Das einzige, das ihre

Routine unterbricht, sind die Klänge, die möglicherweise nur in ihrem Kopf existieren. Prospero: Scena und Julia in der Gruft sind zwei Melologe, zwei Kammeropern, geschrieben für einen Schauspieler (im ersten Fall) und eine Schauspielerin (im zweiten Fall), Stimmtrio und kleines Ensemble. In beiden Fällen entspricht die Rolle des Stimmtrios (Sopran, Countertenor, Tenor) die anonymer Koryphäen oder die ungewisser Spiegelbilder jener Darsteller, die den Hauptfiguren am nächsten stehen. Ähnlich wie im Falle des Schausspielers und der Schauspielerin und sogar der Musiker, erfolgt deren Teilnahme stets auf der Bühne, dem Publikum sichtbar, als ein umhüllender Teil der Handlung, der Musik und der Worte. Drama und Ironie verbinden sich in diesen beiden Delirien, um uns eine unbekannte Seite zweier Personen zu zeigen, die wir gut kennen. Prospero: Scena wurde 1994 im Almeida Theater in London uraufgeführt, und fünfzehn Jahre später zusammen mit Julia in der Gruft. Beide Kammernopern erschienen dann als Diptychon in den Teatros del Canal in Madrid.


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© José Latova

“Auf halbem Weg zwischen gesprochenem und gesungenem Theater erneuern die 2 Delirien in Diptychonform die Melologe des späten spanischen XVIII. Jahrhunderts... Daher rührt auch die Sparsamkeit der Mittel..., die Strenge der musikalischen Untermalungen, die sich mit dem Text vermischen und eine Akribie fordern, die schon beim einfachen Betrachten der Partitur ersichtlich wird.” Alberto González Lapuente, Itamar, Dezember 2009.

“Wort, Musik, Rhythmus, Körper, Gestik und szenische Bewegung schmelzen organisch zusammen in einer Art von selbstständigem ‘Gesamttext’, nicht mimetischer Natur, der sich dem Zuschauer nähert, ihn überfällt und ihn dazu einlädt, in den Kosmos der Bilder einzutauchen.” Gordon Craig, Soitu.es, Juni 2009.


Próspero: Scena Prospero: Scena

Prospero: Schauspieler Madrigalisten: Sopran, Contratenor und Tenor Musiker: 3 Klarinetten 1 Horn 3 Schlagzeuger Text von José Sanchis Sinisterra, Schäbiger Prospero, und Originalfragmente aus The Tempest von William Shakespeare. Musik von Alfredo Aracil Dauer: ca. 33 Minuten Erstaufführung: Maxwell Hutcheon (Prospero), Sarah Leonard (Sopran), Nicholas Clapton (Contratenor), Andrew Murgatroyd (Tenor) und das Ensemble Music Projects. Musikalische Leitung: Roger Heaton. Bühnenregie: Maxwell Hutcheon und Almeida Theatre. London, Almeida Theatre, 6. März 1994. © José Latova

Julieta en la cripta Julia in der Gruft

Julia: Schauspielerin Madrigalisten: Sopran, Contratenor und Tenor Musiker: 2 Klarinetten 1 Horn 2 Schlagzeuger 1 Akkordeon 1 Bratsche 1 Violonchello Text von José Sanchis Sinisterra, Schäbiger Prospero, und Originalfragmente aus Romeo und Julia von William Shakespeare. Musik von Alfredo Aracil Dauer: ca. 44 Minuten Erstaufführung: Clara Sanchis (Julia), Mercedes Lario (Sopran), José Hernández-Pastor (Contratenor), Gerardo López (Tenor) y Solisten des Orchesters der Comunidad de Madrid. Musikalische Leitung: José Ramón Encinar. Bühnenregie: Natalia Menéndez und Alberto Corazón. Madrid, Teatros del Canal, 29. Mai 2009.

© José Latova


Alfredo Aracil Alfredo Aracil (Madrid, 1954) hat mit C. Halffter, T. Marco, C. Bernaola, L. de Pablo und A. Tamayo in Madrid und mit K. Stockhausen, I. Xenakis, C. Wolf und M. Kagel in Darmstadt studiert. Ebenfalls besitzt er den Doktortitel in Kunstgeschichte, einem Feld, dem er einen wichtigen Teil seiner Aktivitäten und Veröffentlichungen gewidmet hat. Er hat für Radio Nacional de España (RNE) als Abteilungsleiter der musikalischen Produktionen des Senders Radio 2, Mitglied der Expertengruppe im Bereich der klassischen Musik von Euroradio und Koordinator der Inhalte von Radio Clásica gearbeitet. Er hat Zyklen und besondere Aktivitäten für das Herbstfestival der Comunidad de Madrid, EU Radio, Instituto Cervantes in Paris, Stiftung Albéniz, Museum el Prado und Manuel de FallaArchiv in Granada u. a. sowohl organisiert, als auch koordiniert oder geleitet. Ebenfalls war er zwischen 1991 und 1992 Leiter des Programmgestaltungskonsortium für die Organisation von „Madrid, Europäische Kulturhauptstadt“ und zwischen 1994 und 2001 Leiter des Internationalen Musik.- und Tanzfestivals in Granada. Er war Vorsitzender der spanischen Abteilung der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) und Mitglied des Vorstandes der spanischen Gesellschaft für Musikwissenschaft. Derzeitig ist er Ehrenprofessor der Autonomen

Universität Madrid und Koordinator der Kompositionsabteilung der Internationalen Musikakademie in Ciudad de Valencia (IMA). Die ausgesprochen individuelle Musik von Aracil versperrt sich nicht der Vergangenheit und Tradition als ausschliessendem Prozess, wo nur ein Blick in die Vergangenheit oder Zukunft geworfen werden darf, sondern zeigt sich als Träger und Inhalt der Kultur, als ein Raum voller Bezüge und noch nicht erschlossener Gebiete, die in viele verschiedene Richtungen duchlaufen werden können. Seine Werke wurden in Zyklen und Festivals in Europa und Amerika aufgeführt. Beispiele hierfür sind Europalia 85 in Brüssel, Musica 87 in Straßburg, Biennale in Venedig, New York Festival of the Arts, Zagreb Biennale, Almeida Festival London, Settimana Musicale Senese, Encontros Gulbenkian in Lissabon, Woche sakraler Musik in Cuenca, Ensems Valencia, Herbstfestival in Barcelona, Musikwochen San Sebastian, Herbstfestival der Comunidad de Madrid, Musikfestspiele der Kanaren, Expo 98 in Lissabon, Klang der Welt in Berlin und Klassik Theater Festival in Almagro, u. a. m. Er hat Kompositionsaufträge und Auszeichnungen von den wichtigsten spanischen und europäischen kulturellen Einrichtungen erhalten.


José Sanchis Sinisterra José Sanchis Sinisterra wurde 1940 in Valencia geboren. Er besitzt den Magistertitel in Philosophie und Literatur und ist einer der meist ausgezeichneten und gespielten Autoren des zeitgenössischen spanischen Theaters, so wie ein großer Erneuerer der spanischen Theaterszene. Sanchis Sinisterra ist auch für seine Lehrtätigkeit als Dozent und Theaterpädagoge bekannt. Er ist Professor am Institut des Theaters der Provinzverwaltung in Barcelona. Dem Literaturstudium und -lehre stets verbunden, pocht er auf die doppelte Natur, die literarische und die theatralische, des dramatischen Textes. Neben seinen Werken hat Sanchis Sinisterra, in seinen Facette als Forscher und Verbreiter, zahlreiche Artikel über das Theater geschrieben und war an mehreren Symposien und Konferenzen über die Kunst des Dramas beteiligt. 1977 gründete er die Theatergruppe „Teatro Fronterizo“, so wie 1989 den Beckettsaal in Barcelona. Das Werk von Sanchis Sinisterra bewegt sich in einer Dynamik zwischen der Tradition und den zeitgenössischen dramaturgischen Tendenzen. Stets widmet er sich dem Experimentieren und Forschen. Diese Forschungsarbeit umfasst, unter anderem, die Grenzen des Theaterwesens (das Intertextuelle, die Einbeziehung des Betrachters in die Fiktion, die Metatheatralik, die Infragestellung der Fabel und der traditionellen Charaktere, das nicht Ausgesprochene, Rätselhafte, usw...), die Befreiung von den konstitutiven Elementen des traditionellen Theaters und die Erneuerung der

Wahrnehmungmechanismen des Betrachters. Ab den 80er Jahren hat Sanchis Sinisterra oft die Grenzen zwischen der Erzählung und dem dramatischen Genre überschritten und Dramaturgien geschaffen, in enen die Werke verschiedener Autoren des XX Jahrhunderts wie James Joyce, Julio Cortázar und Franz Kafka als Ausgangspunkt genommen wurden, sowie auch die von Autoren aus dem Goldenen Zeitalter in Spanien. Sanchis Sinisterra verteidigt die Notwendigkeit, das Theater anderen Künsten oder der Wissenschaft zu nähern, und beteiligt sich an der Verteidigung dessen, was dieses Autor eine unter einer untergeordneten Theatralik versteht: eine völlig andere Art der Theaterauffassung, weit entfernt von den aufsehenerregenden und kommerziellen Auffassungen. Zu seinen Auszeichnungen und Anerkennungen gehören, allem voran, der Camp de L‘Arpapreis für Lyrik (1975), der Nationale Theaterpreis des Kulturministeriums (1990), der Federico García Lorca Preis im Bereich Theater (1991), Ehrenpreis des Theaterinstituts der Provinzverwaltung in Barcelona (1998), Maxpreis für den besten Dramatiker in spanischer Sprache für ¡Ay Carmela! (1999) und El lector por horas [Der Stundenleser] aus dem Jahre 2000 und, für sein Werk Terror y miseria en el primer franquismo [Schrecken und Elend in den ersten Franco-Jahren], und der Nationale Theaterpreis in Dramatischer Literatur des Kulturministeriums (2004).


“Zwei musikalisch verschwisterte Monodramen, basiert ebenfalls auf zwei fantastischen Monologen von José Sanchis Sinisterra… und errichtet auf einer zarten kammermusikalischen Sprache methalinguistischer Resonanzen und dem grossartigen Einfall zeitgenössischer Koryphäen, bestehend aus einem Madrigalistentrio.” David Rodríguez Cerdán, Scherzo, Juli 2009.

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© José Latova

“So wie der Gedankenfluss von Prospero erdrückend wirkt, ist der von Julia angstvoll… Sie waren eine grosse Unterstützung für die Musik eines waschechten Alfredo Aracils: raffiniert und eindringlich in den expressiven Passagen, aufmerksam für jedes dramatische Detail, für das Wesen der Texte, so wie wir es von ihm gewohnt sind.” Pedro González Mira, Ritmo, Juli 2009.


Próspero: Scena Prospero: Scena Fragmente

Was hast du gemacht? Wo warst du? Hast du nicht den prächtigen Sturm gesehen, den ich mit meinen Künsten ausgelöst habe? Schau, schau nach Norden. Noch ist er dort, nicht wahr? Ist er nicht schauerlich? Soll ich ihn näher bringen? Würdest du nicht gerne ein wenig Angst verspüren? (Man hört den Sturm ein wenig lauter werden, um dann während der nächsten Sätze abzuklingen) Was geht in dir vor, meine Tochter? Hältst du nichts von meinem Geschick? Langweilt dich meine Zauberei? (Er dreht sich um und geht auf den kleinen Schaukelstuhl zu) Ah, Miranda, Miranda... Ich weiss nicht, was dir in letzter Zeit geschieht. Ich habe die Insel mit Düften, mit Gestalten, mit Musik gefüllt... (Der Sturm hat nachgelassen. Prospero hat eine Idee, die ihn aufzuheitern scheint) ¿Willst du Musik hören? (Stille. Feierlich...) Es reicht wenn ich so mache… (Er gestikuliert. Es erklingt ein Instrument) …und so... und so… (Weitere Gesten. Andere Instrumente kommen hinzu) Fertig. Gefällt es dir? (Prospero hört zufrieden zu…, aber die Berührung mit seiner zerfransten Federboa bekümmert ihn erneut…) Ich sauge mein müdes Hirn aus, indem ich wundersame und schreckliche Dinge für dich ersinne… Meine Zunge wird täglich schwieliger vor lauter Zauberformeln, mein Rücken krümmt sich jeden Abend über den Büchern der geheimen Wissenschaften… Aus diesem öden und fahlen Felsbrocken, verloren im Ozean, habe ich es geschafft ein Paradies zu schaffen, nur für dich...


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Was für eine Hölle!… Wenn dieses liebliche Kind, und sollte es nur für wenige Augenblicke sein, in den finsternen Schacht meiner Träume hineinschauen könnte, es wäre bestürzt!… Mit welch staunender Panik würde es seinen Vater betrachten! [Madrigalisten, zusammen...] So wie meine Knochen mit den Jahren Splitter bekommen haben, die von innen her mein Fleisch verletzt haben, so haben sich die Labyrinthe meiner Seele der Trübsal wegen mit Ungeheuern und Sünden gefüllt, die mein Gewissen peinigen und verderben... (Am Ende, mit Prospero im Schlaf versunken, bleibt eine Musik gleich einem fernen Pochen… Es ist der Traum. Das Licht beginnt zu flackern und irreal zu wirken. Prospero, verstört, kämpft mit den Bildern eines Albtraums)

© Inés Atienza


© Teatros del Canal

“Erhabene Feder von Sanchis Sinisterra, der zwei hervorragende Monologe geschaffen hat, rund und abgeschlossen… Zwei hervorragende Spiegel der menschlichen Einsamkeit, auf direkte, herzzerreissende, ironische Weise erzählt, und mit sehr viel Sinn für Humor. Die Feder des Aracil ist ebenfalls erhaben. Herauszuheben wären sein Verstand für den dramatischen Sinn und die Eleganz, mit der er den Text begleitet.” Federico Hernández, Ópera Actual, Juli 2009. “Eine meisterliche Aufführung, in der sich das gesprochene Wort in den Klangteppich integriert … Die Musik stellt sich in den Dienst des Wortes, um die volle Dramatik des Monologs zu unterstreichen und bringt dihren eigenen Zauber mit, aber ohne zu stören … Die Szene von Julia in der Gruft ist einfach genial und bestätigt die Klugheit beider Autoren, die hierfür, nach mehreren Jahren, auf die Formel des Melologs zurückgegriffen haben.” Víctor Pliego de Andrés. Temporada Musical Madrileña, Juni 2009.


Julieta en la cripta Julia in der Gruft Fragmente

Dies ist das Schlimme an so viel Stille: dass man am Ende nicht mehr weiss, ob man hört was man hört, oder es sich nur einbildet... (Sie lauscht) Egal... Zeit zum Aufstehen. Ich werde den Morgen nicht damit verbringen, lange Ohren zu machen... Was soll´s, wofür? So, wie die Dinge stehen... in meinem Kopf, meine ich... So wie die Dinge stehen fällt es mir bereits schwer, zwischen dem zu unterscheiden, was aussen oder innen erklingt... in meinem Kopf, meine ich. (Sie ist aufgestanden und velässt, nicht ohne Schwierigkeiten, das Grab. Nachdenklich schaut sie um sich herum, während sie sich träge das Gewand herrichtet) Beispielsweise heute Nacht... Dieser Klang, der mich geweckt hat: waren es wirklich die Spinnen, die ihr Netz gesponnen haben? Ich hätte schwören konnen, ja, aber... woher soll ich wissen, ob es nicht ein Traum war? Denn das kommt noch hinzu: auch dieses bringe ich durcheinander. Den Traum und das Wachen, ja, ich bringe diese durcheinander. Natürlich manchmal, nur manchmal... Wenn ich mich absichtlich an jene verrückten Tage erinnere, gibt es Momente, wo mir alles bleich und verschwommen vorkommt... oder vermischt und durcheinander. (Sie geht um das Grab herum, als ob sie etwas suchte) Wenn ich es aber träume, wenn ich von einigen jener ungeheuerlichen Augenblicke träume,... ist alles so lebendig und echt... (Sie hat sich einer der Seitenbühnen genähert und schaut nach oben) Ja: die Spinnen haben hart gearbeitet. Möglicherweise war es nicht ein Traum, der mich geweckt hat, dieses hastige Spinnen und Spinnen, als ob... (Sie hat, überrascht, etwas am oberen Ende endeckt) Was ist das? Das kann nicht sein! Eine Fliege? Nicht zu fassen. Welch eine Neuheit: eine Fliege, gefangen in dem Netz dort oben... Und noch beklage ich mich, dass hier nie etwas geschieht, nichts zu tun ist als warten... Aber nein, so ist es nicht. Es geschehen Dinge... Es geschehen immer Dinge, fast immer, kleine Dinge, aber sie geschehen... Und das nährt die Gedanken, oh ja, und wie es sie nährt. Das gibt zu denken, das hält das Hirn wach und beschäftigt es, und rettet es vor Stürmen und Schiffbrüchen, die andererseits...


Julieta en la cripta 38

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© José Latova

Was habe ich dir gerade erzählt?... Ach, ja: die Nacht. Dass sie kommt, wenn man sie am wenigsten erwartet und man nicht die Hälfte der Dinge erledigt hat, die zu erledigen sind, nicht die Hälfte der Hälfte der Dinge... (Ein anwachsendes Rauschen, das nach eigenem Gutdünken den Zeitfluss zu lenken schein, unterbricht ihn) Obwohl, manchmal ist es auch wahr... dass das Gegenteil geschieht: es gibt nichts mehr zu erledigen, nichts mehr zu sagen, nur zuzuhören, wie die stehengebliebene Zeit knistert... und fast der ganze Tag, der einem bevorsteht, scheint sich nicht vom Platz zu rühren... Während die Vergangenheit, die sich vor den Türen meiner Erinnerung auftürmt, im Gegensatz dazu danach schreit sich loszulösen, zu entfalten, zu entziffern...


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