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2011 Heft 1

JESUITENMISSION JESUITENMISSION MENSCHEN FÜR ANDERE

Professionell und menschlich helfen


EDITORIAL Liebe Freundinnen und Freunde der Jesuitenmission! „Das Leben im Amazonasgebiet spielt sich zwischen Baumwurzeln und Baumkrone ab“ – Wer den Wald abholzt, um endlich Fortschritt in die Region zu bringen, der verwüstet sie. Im Jänner war ich mit Freunden auf Besuch bei unseren Projektpartnern in Paraguay, Brasilien/Amazonien und Kolumbien. Besonders der sensible Lebensraum im Amazonasgebiet wird mir immer mehr zum Beispiel für den rechten Umgang in unserer so vielfältigen Welt: Der natürliche Reichtum dieser armen Länder fällt auf und die gnadenlose Ausbeutung dieses Reichtums durch wenige. Der schnelle Impuls, mit unseren Ideen zu helfen, ist spürbar. Manaus ist umringt von einem Industriegürtel, dem der Urwald weichen musste. Diese Art von Fortschritt bringt das natürliche Gleichgewicht von Natur und Gesellschaft im Amazonasgebiet aus dem Lot. Wirtschaftliche Entwicklung muss den Einklang mit den Lebenskräften vor Ort suchen. Wir waren in Elendsviertelen in Asuncion und wurden Zeugen eines Mutter-Kind-Hilfs-Projektes.Wir haben mitten im Urwald in Manaus eine Alternativschule kennengelernt, die sich zum Ziel setzt, Solidaritätsstrukturen der Jugendlichen zu stärken. Sie werden zu Agenten eines echten Fortschritts in ihren Favelas.Wir haben Campesinos im Guerrilla-Gebiet imValle de Cauca/ Kolumbien getroffen. Sie beginnen Kaffee und Gemüse ökologisch zu produzieren. Die Begegnung mit Menschen in Not hat unseren Blick auf das Gute und die Stärken im Menschen gerichtet. Unsere Hilfe missachtet nicht die Realität, macht nicht Platz für eine „saubere Gesellschaft“.Wir verhelfen zu Eigeninitiativen mitten im Leben, mitten im Urwald der Armut. Mit unseren Möglichkeiten unterstützen und fördern wir die starken Seiten der Menschen in Not – in Lateinamerika, in Asien, in Afrika und bei uns in Europa. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und grüße Sie herzlich!

Hans Tschiggerl SJ - Missionsprokurator Impressum

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JESUITENMISSION MENSCHEN FÜR ANDERE, 2011 Heft 1 Medieninhaber und Herausgeber: Missionsprokur der Gesellschaft Jesu in Österreich, Dr. Ignaz Seipel Platz 1, A-1010 Wien, Tel +43 01 5125232 - 56, office@jesuitenmission.at, www.jesuitenmission.at Redaktion und Gestaltung: P. Hans Tschiggerl SJ, Stefan Reichel SJ, Gottfried Getzinger SJ, Druck: LDD Communication Bildnachweis: Büchele SJ (S.22), Hellmuth JRS (S.24), Jesuitenmission (S.2,12f,14f,17f, 23), Lee Hau (S.4f), Morales (S.22). Press-Office SJ Rom (S. 8f), Reichl (S.20f), Zecchin SJ (S.10f), Tiefengrabner (S.3,4,6), Wider (Titel,7) DVR 0029874 (234), P.b.b. Verlagsort 1010 Wien GZ 02Z032649M. ZVR Zahl 530615772 SO 1345 MENSCHEN FÜR ANDERE


Hilfe für die Helfer

China gehört zu den am stärksten wachsenden Ländern der Welt. Dabei wächst im Land leider nicht die politische Bereitschaft, sich um die Randgruppen zu kümmern. Vor allem kirchliche Einrichtungen sind hier aktiv - doch denen fehlt noch die Ausbildung. Hintergrund Seit Beginn der wirtschaftlichen Reform um das Jahr 1980 hat die katholische Kirche aufgrund der Veränderungen des gesellschaftlichen Umfelds begonnen, die verschiedenen Arten von sozialen Dienstleistungen wiederzubeleben. Diese wurden schon früher von kirchlichen Einrichtungen getragen, nur im kleineren Ausmaß. Seither entstanden zum Beispiel Häuser für ältere Menschen, Waisenhäuser, Rehabilitations- und Förderungszentren für behinderte Kinder, für Schwerkranke, einige Lepra-Hilfsprojekte und vieles mehr. Dazu kommen Subventionen für bereits bestehende Schu-

len, medizinische Institutionen und Behinderteneinrichtungen. Auch alle Arten von Mini-Social-Service-Centern sind in den vergangenen Jahren sehr zahlreich aufgeblüht. Die lokalen Gemeinden haben in diesem Sinne, angetrieben durch das lebendige Glaubensleben, viele eigene Sozialarbeitsprojekte gestartet.

In einer der vielen kirchlichen Einrichtungen für behinderte Kinder und Jugendliche wird gerne gespielt

Die Ausbildung fehlt Bis heute hat allerdings fast niemand vom Personal, sowie von den Leitungskräften der katholischen Organisationen für diese Sozialdienste eine professionelle Ausbildung erhalten. Darüber hinaus fehlen die fachlichen Qualifikationen in den 3


THEMA und nationalen politischen Gremien stark machen könnte. Daher gibt es manchmal Irritationen oder sogar Konflikte zwischen den sozialen Instituten und denen, welche die Dienstleistungen der Einrichtungen unterstützen sollen.

In den Sozialzentren erhalten die Mitarbeiter eine erste Ausbildung

Bildung als Innovation Um auf die vielfältigen Bedürfnisse und Probleme der katholischen Sozialzentren nachhaltig reagieren zu können, möchten wir einige interne Bildungs- und Entwicklungszentren schaffen. Durch diese werden wir verschiedenen Bereichen der Betreuspezialisierte Fortbildungsprogramme ungsdienste, sowohl bezüglich der organisieren und eine Plattform für Methoden für ihre Sozialarbeit als Kooperationen und Fachaustausch auch für den Umgang mit den eigeanbieten. Schließlich sollen die kanen Problemfeldern. Es besteht ein tholischen „Social-Service-Center“ dringender Bedarf an professioneller direkt unterstützt und gestärkt werAnleitung und umfassender Ausbilden, um insgesamt ein besseres Serdung im Organisationsmanagement, vice zu bieten und dadurch Zeugen um behutsam die Kapazitäten zu erder christlichen „Caritas“ zu werden. weitern und bereits aufgekommene Konflikte zu lösen. Voraussetzungen schaffen Die Männer und Frauen, die an sozialen Dienstleistungen beteiligt sind, sind größtenteils einfache aber fleißige Menschen. Sie müssen sich nicht sonderlich anstrengen, um mit den vielen Hilfsbedürftigen mitzufühlen und die Anliegen der Armen zu teilen. Sie sind sich jedoch oft nicht klar über die Notwendigkeiten der Verwaltung, haben kein Gespür für das Finanzmanagement und es fehlt einfach an ausreichenden organisatorischen und kommunikativen Kompetenzen. Erschwerend kommt dazu, dass es kaum jemanden gibt, der sich für diese Aufgaben in den regionalen

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CHINA Ziel: Qualitätssteigerung Durch die von der Kirche organisierten Weiterbildungen sollen die Helfer der sonst nicht unterstützten sozialen Dienste auf dem chinesischen Festland eine Professionalisierung erhalten und damit den Erhalt der Einrichtungen gewährleisten. Unsere Ziele: 1. Einrichtung eines Austausch-Netzwerkes zwischen den katholischen Sozial-Zentren zwecks engerer Kooperation 2. Die Erhöhung der Gesamtkapazität der Hilfsleistungen durch Ausbildungsprogramme 3. Vermittlung der grundlegenden Theorien und Kenntnisse der sozialen Arbeit und Anpassung an die Gegebenheiten 4. Ein professionelleres, d.h. menschlicheres Service für die Armen 5. Die Probleme der inländischen Migranten verstehen lernen und Programme für sie entwickeln 6. Sinnvolle und effiziente Gestaltung der Projektfinanzierung.

Ausbildung, oder professionelle Beratung z.B. bei Projektplanungen 6. Konkrete Hilfe bei der Verwaltung der Institute, inkl. strategischer Planung, Evaluation, Finanzmanagement, Manpower Ressources usw. 7. Studien bezüglich inländischer Migranten, deren Zahl aktuell rund 150 Praktische Vorbereitung Millionen in der Volksrepublik Chi1. Starten einer Umfrage unter den na beträgt Mitarbeitern der sozialen Zentren, 8.Aufbau von rechtlichem Schutz des um die Prioritäten der Bedürfnisse Personals und staatlicher Unterstützu kennen zung durch neue Verträge. 2. Organisation eines Treffens und Formulierung gemeinsamer Wün- Durch die Zusammenarbeit mit Prosche und Bedürfnisse unter den So- fessoren und Senior-Socialworkers zialarbeitern soll in einer dreijährigen Testphase 3. Aufbau einer internen Plattform, ein komplettes Programm der Proz.B. einer Webseite und einer Konfe- fessionalisierung aufgebaut werden, renz für den gemeinsamen Austausch damit die Einrichtungen auch zu4. Einrichtung einer e-Datenbank v.a. künftig ihren Dienst an den Randfür Fachliteratur gruppen leisten können. 5. Erstellung eigener Seminar-Formate je nach Bedürfnissen für z.B. John Lee Hau SJ

Die LepraService-Center wollen mehr sein als Versorgungseinrichtungen

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UNSERE PROJEKTE

Sr. Wang bringt Wärme ins Aids-Zentrum

Auf den Spuren Matteo Riccis Dieses Ehrendenkmal Matteo Riccis zeigt ihn als Gelehrten am Hof des Kaisers

Als der Jesuit Matteo Ricci 1583 China betrat, errichtete er eine kulturelle Brücke zwischen Asien und Europa, die bis heute besteht. 400 Jahre nach seinem Tod hat sich P. Gernot Wisser SJ auf die Suche nach den Spuren seines Mitbruders gemacht.

Was haben Sie entdeckt auf den Spuren Matteo Riccis im heutigen China? Natürlich kannte ich Matteo Ricci. Auch der 400. Todestag ließ das Gedenken an ihn aufleben. Nun zu sehen, wo er in Macao an Land ging, und auf dem langen Weg durch China zu erahnen, warum es 18 Jahre gedauert hat, bis er schließlich seinen Fuß in den kaiserlichen Palast setzte, das war ein spezielles Erlebnis. Waren Sie überrascht, Matteo Ricci auf dem Titelblatt einer populären chinesischen Zeitschrift zu sehen? Ja. Matteo Ricci ist bei uns nicht so bekannt, dass eine populäre Zeit-

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schrift über ihn berichten würde; aber in China ist er anscheinend so aktuell, dass er es sogar auf die Titelseite schafft.

Nun war Matteo Ricci nicht nur Theologe, sondern auch Wissenschaftler… Richtig. Er hatte vor seinem Eintritt in die Gesellschaft Jesu 1571 neben Theologie auch Jurisprudenz und Mathematik studiert und war sicherlich ein ausgezeichneter Astronom. Mit seiner raschen Auffassungsgabe erkannte er schnell die Bedeutung europäischer Wissenschaft – Mathematik, Astronomie und Geografie / Technologie und Künste / Malerei,


INTERVIEW Architektur und Holzschnitt – für die Auseinandersetzung mit der chinesischen Führungsschicht. Darüber hinaus war er wohl ein sehr charmanter Zeitgenosse, der Menschen für sich einzunehmen wusste.

wie wir es unseren Großeltern angedeihen lassen, oder werden die Ahnen in den Rang eines Gottes erhoben? Ungeklärt war zuDer Zutritt zur Verbotenen Stadt in dem, ob die Messe Peking war streng reglementiert.Wie in Chinesisch gegelangte Ricci über diese Schwelle? lesen werden durfDas ist an sich eine lustige Geschich- te, wie die Jesuite: Er schenkte dem Kaiser Uhren, die ten vorschlugen. zu warten waren. Die Eunuchen, die Die Diskussionen sich damit überfordert sahen, über- dauerten ihre Zeit: zeugten den Kaiser, Ricci zusammen Briefe von Chimit Mitbrüdern zwecks Unterhalt na nach Rom und seiner Geschenke in den Palast vor- zurück brauchten zulassen. So waren es letztlich mecha- vier Jahre. 1715 verbot der Papst die nische Geräte und weniger hochgei- Landessprache in der Liturgie. Das stige Dialoge mit Konfuzianern, die bedeutete das einstweilige Ende des ihm den Zutritt zum Kaiserpalast er- Christentums in China, da der Kaimöglichten. ser die Religion, die eine Verehrung der Ahnen verunmöglichte, sogleich Ricci starb 1610.Was geschah weiter? verbot und sämtliche Missionare ausIn der Folge kamen immer mehr Je- wies. Durch alle Wechsel der Gesuiten nach China, die in der Wis- schichte und Herrschaften hindurch senschaft und in der Seelsorge für gilt dieses Verbot der Orden in Chidie bekehrten Christen tätig waren. na bis heute. Dennoch bin ich zuverDie Hochblüte der Jesuitenmission sichtlich, was die Zukunft der Kirche im Reich der Mitte war sicher unter in China betrifft. Man spürt bei allen Adam Schall von Bell (1592–1666), Schwierigkeiten eine Öffnung. der als Mandarin erster Klasse beim Kaiser ein- und ausging, dessen Bera- Wenn Matteo Ricci jetzt in China ter war und auch die Kalenderreform wäre, was würde er tun? Er würde wahrscheinlich versuchen, durchführte. mit den Parteimitgliedern in Kontakt Problematisch wurde es also erst zu kommen und ihnen die Ängste zu durch den Ritenstreit? nehmen, so wie er es bereits vor 400 Ja, die Grundfrage lautete: Darf ein Jahren beim Kaiser getan hat. Damals Konfuzianer, der die Ahnen verehrt, wie heute ging es um die BefürchChrist werden oder sind Ahnenver- tung, dass von Ausländern eine Geehrung und Christentum nicht ver- fahr ausgeht, weil sie die Bevölkerung einbar? Handelt es sich bei der Ah- beeinflussen könnten. nenverehrung um ein Gedenken, Gespräch: Pia Stadler

Der österreichische Jesuiten Provinzal P. Wisser SJ

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HAITI

P. Kino - Mission erfüllt

Eine der berühmten Reiterstatuen von P. Chini in Arizona

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Als P. Eusebio Kino (Chini) vor dreihundert Jahren am 15. März 1711 in Magdalena (Sonora/Mexiko) seine Augen für immer schloss, hätte er sicher zurecht wie Jesus, in dessen Nachfolge er sein Leben gestellt hatte, sagen können: „Es ist vollbracht!“ P. Kino - Ein Gesandter Christi Die „Sendung“ - die „Mission“ - die ihm anvertraut worden war, nämlich den Menschen zu dienen und ihnen die Botschaft Jesu Christi zu verkünden, hatte er mit ganzer Hingabe bis zu seinem Tod erfüllt. Doch wer ist dieser „Missionar“ und woher kommt er? Was hat ihn geprägt und kennzeichnet sein Leben und Wirken?

bruck,wo seine besonderen naturwissenschaftlichen und mathematischen Fähigkeiten auffielen. In einer schweren Krankheit hatte er den heiligen Franz Xaver angerufen und das Gelübde gemacht, Jesuit und Missionar zu werden, sollte er wieder gesund werden. Aus Dankbarkeit fügte er daher seinem Taufnamen den dieses großen Asienmissionars hinzu und nannte sich fortan Eusebio Francesco.

Eine bewegte Berufung Geboren am 10. August 1645 in Segno im Val di Non (Italien), besuchte er das Gymnasium im Jesuitenkolleg Trient und machte seinen Studienabschluss im Kolleg in Hall bei Inns-

Missionar von Anfang an Im November 1665 trat er in die Gesellschaft Jesu ein und studierte nach dem Noviziat in Landsberg Logik, Philosophie und Theologie an den Universitäten von Ingolstadt, Frei-


PORTRÄT burg und München. Nach seiner Priesterweihe am 12. Juni 1677 in Eichstätt kam er nicht seinem sehnlichen Verlangen entsprechend nach China, sondern wurde vielmehr für die Mission in Neu-Spanien (Mexiko) bestimmt. Auf dem Weg dorthin musste er jedoch fast drei Jahre in Sevilla auf die Überfahrt warten und kam erst im Mai 1681 in Veracruz (Mexiko) an. Die Lehrzeit In seinen ersten Missionsjahren wirkte er mit wechselndem Erfolg in Baja California, ehe er nach Pimería Alta gesandt wurde, einer Region an der Grenze zwischen den heutigen Bundesstaaten Sonora (Mexiko) und Arizona (USA). Am 13.03.1687 erreichte er Pimería Alta, das als „nördlichster Vorposten des Christentums“ galt und von ca. 30.000 in Wesen und Bräuchen recht verschiedenen Menschen bewohnt war. Bis zu seinem Tod sollte dies - für fast ein Vierteljahrhundert - sein Missionsfeld sein. Unermüdlicher Einsatz Gesegnet mit vielen Talenten, gründete er hier 27 Missionsstationen, förderte 19 landwirtschaftliche Betriebe und legte bei seinen 50 Expeditionen in 24 Jahren mehr als 30.000 km auf Pferden, Eseln oder auch zu Fuß zurück; er führte genaue wissenschaftliche Untersuchungen über die Region durch und erstellte 32 wertvolle Landkarten. Seine Liebe zu den Indianern machte ihn zu einem Verteidiger und Förderer ihrer Rechte gegenüber jenen, die sie in Bergwerken und Fabriken wie Sklaven auszunützen suchten.

Leben für das Evangelium In allem war P. Kino aber zuerst ein „Gesandter“, ein Zeuge und Diener der Sendung Christi. Als Glaubender erlebte er sich von Gott angezogen und blieb so geistlich immer unterwegs. Seine leidenschaftliche Liebe für den gekreuzigten Herrn kennzeichnete sein geistliches Leben und machte ihn fähig zu seinem unermüdlichen Einsatz in der Verkündigung des Evangeliums und zur selbstlosen Hingabe im Dienst am Nächsten. Einfach, so wie er gelebt hat, stirbt er auch: auf zwei Rinderhäuten als Matratze, zugedeckt mit zwei Decken aus Rohwolle und seinem Sattel als Kissen. Seine Botschaft leuchtet weiter Das Licht von P. Kino, das klein und bescheiden begonnen hat und dann bis zu seinem Tod immer leuchtender wurde, ist nicht erloschen, sondern strahlt als das Licht Christi auch heute weiter. In Magdalena ruht, nach den Worten des Alterzbischofs von Hermosillo, nicht nur sein Leichnam, sondern auch sein Geist, sein zivilisatorischer Impuls und seine missionarische Unterweisung, die in die Herzen der Eingeborenen die Werte des christlichen Glaubens als wahre befreiende Kraft einsenkte.

Ein Denkmal von P. Chini, das ihn als Anwalt der Indios darstellt

Anton Witwer SJ 9


Wiederaufbau in Punjab Die neuen Häuser sind wesentlich stabiler, um weiteren Überflutungen stand zu halten

Punjab bedeutet „5 Flüsse“. Die große Wasserstraße bewässert die ertragreiche westliche Ebene Pakistans. Diese antiken Quellen der Fruchtbarkeit und des Lebens brachten aber auch Tod und Zerstörung über diejenigen, die ihre Ufer bewohnen. Die Katastrophe Im August und September 2010 kam es zu schweren Überschwemmungen weiter Strecken des südlichen Punjab und Sindh. Zahllose Menschen, Häuser,Vieh und Lebensgrundlagen wurden weg gefegt und die Flut hinterließ eine Schneise der Zerstörung. Ein solch betroffener Bereich war Kot Aadu, ein Zuckerrohr Anbaugebiet, zwei Autostunden von der Stadt Multan im südlichen Punjab entfernt. Im Anschluss an die Überschwemmungen engagierten sich die Jesuiten in Pakistan, gemeinsam mit anderen NGO‘s für den Wiederaufbau in dieser Gegend.

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Ein Besuch in den Dörfern Der Weg entlang den staubigen Straßen nach Kot Aadu ist umgeben von grünen Pflanzen und Plätzchen innerhalb der trockenen Wüstenlandschaft. Es ist schwer zu glauben, dass große Teile dieser Landschaft vor ein paar Monaten unter Wasser waren. Eine kurzes Stück nach der Hauptstraße begegnen wir dem ersten von der Flut betroffenen Dorf. Der Ort dröhnt von der Tätigkeit der Männer beim Bau ihrer neuen Häuser. Das erste Haus gehört einem Mann namens „The tailormaster“, aber an diesem Tag gibt es kein Anzeichen von Schneiderei. Stattdessen hat er neben seiner Werkstatt den Bau eines


PAKISTAN neuen Zuhauses für seine Familie begonnen. Der Fortschritt geht schnell. Beim zweiten Besuch ist das Gebäude schon fast fertig. Renato Zecchins Idee Von Anfang an war es das Ziel der Jesuiten, den Wiederaufbau der Häuser zu unterstützen. Die einfachen Lehmziegelwohnungen, in denen die Familien untergebracht waren, wurden von der Flut buchstäblich weggefegt – über blieb nur ein Haufen von Geröll. Fr. Renato SJ war bemüht, eine Idee zu vermitteln, dass so etwas nicht wieder passieren kann.Als er durch die Dörfer zog, hatte er das Schlüsselwort „pukka“(stark) auf den Lippen. Die neuen Häuser müssen fest gebaut sein. Ein solides Fundament und starke Mauern sollten dafür sorgen, das Überleben bei einem künftigen Hochwasser zu sichern. Zement und Ziegel ersetzen nun das alte Baugerüst aus Lehmziegeln. Die Verwendung dieser Baumittel und die Aussicht auf ein dauerhaftes Zuhause übersteigen die Erwartungen der „Obdachlosen“ und erfüllt sie mit einer neu gefundenen Sicherheit und Hoffnung für die Zukunft.

Bis heute sind die Jesuiten beteiligt am Bau von achtzig Häusern und an der Bereitstellung von Materialien für noch wesentlich mehr im erweiterten Kot Aadu Gebiet für christliche und muslimische Familien. Die Liste der Bedürftigen steigt weiter an. Jedes Dorf, bei dem Renato anhält, ersucht um mehr finanzielle Unterstützung. Renato erwägt nun, die Gemeinden öfter zu besuchen, um den Bewertungen dieser neuen Anforderungen mehr Zeit zu geben. Während die Arbeit anstrengend ist und das Tempo hektisch, ist die spirituelle und persönliche Belohnung groß. Die Motivation und Energie der Menschen ist ansteckend und macht demütig. Hoffnung vereint Die Einfachheit des Lebens hier stellt Die Hoffnung, die diese Hilfe bringt, immer wieder Fragen an unser westist offensichtlich, wenn man von Dorf liches Werte-System. Inmitten all der zu Dorf unterwegs ist.Väter und Söh- Armut und des Chaos gibt es einen ne, eingehüllt in Staub und Zement, Geist der Gemeinschaft und Familie, zeigen stolz auf ihre Arbeit, während der selbst die schlimmste Katastrophe auch die Frauen und Mädchen ihrer- zu transzendieren scheint. Dank der seits durch Brechen von Ziegeln zum Großzügigkeit der Spender auf der Aufbau beitragen. Selbst die Kinder, ganzen Welt wird dieser Geist weiterzu klein, um mitzuarbeiten, imitieren hin gestärkt und gefördert werden. ihre Eltern und beobachten wie gestandene Vorarbeiter. Robert Morris SJ

Auch die Kleinsten sind voller Ernsthaftigkeit beim Aufbau dabei

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Begegnungen im Slum Julio (Bild Mitte) möchte mit seinen Freunden eine MechanikerWerkstatt eröffnen

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Im Jänner 2011 war Hans Tschiggerl SJ mit einigen Freunden auf Projektreise in Paraguay, Brasilien und Kolumbien. Von Begegnungen und den jüngsten Entwicklungen in unseren Projekten berichtet der Missionsprokurator. Babys auf der Müllhalde Paraguay / Asuncion / Armenviertel Bañado Sur: Die Mülldeponie bestimmt das Leben der Menschen. Sie gibt einigen hundert Menschen Arbeit.Viele suchen im Müllberg nach wiederverwertbaren Stoffen: Plastik, Glas, Eisen. Der wird vor der eigenen Hütte gebündelt und dann an Händler verkauft. Man sieht hinter den meisten Hütten kleine Müllberge, die auf Trennung warten. Ein kleines Familiengeschäft, in dem die Kinder auch richtig mit anpacken müssen. Alessandra startete vor ca. 10 Jahren eine Initiative für schwangere Frauen und Kinder bis 5 Jahre. Die Motivation für Ihre Arbeit ist eine grundsätz-

liche Hochachtung vor dem Leben. Heute hat sie bereits 12 ausgebildete Mitarbeiterinnen, die in sieben Vierteln von Bañado Sur tätig sind. „Wir besuchen schwangere Frauen und versuchen ihnen Mut zu machen. Oft ist die Schwangerschaft ungewollt. Nicht selten müssen die werdenden Mütter auch mit einer Vergewaltigung fertig werden.“ Die Frauen des Kinderprogramms versuchen, die werdenden Mütter auf die Geburt vorzubereiten. Sie haben ein Recht auf einen Platz in der Geburtenstation. Auf die Frage, wie viele Kinder eine Familie im Durchschnitt so hat, antwortet Alessandra lachend: „Sehr viele!“ Es gibt keine genaue


PROJEKTREISE Statistik in diesem Elend. Alessandra aber meint: Frauen unter 30 mit sieben Kindern sind keine Seltenheit. Das Projekt bietet eine monatliche Mutter-Kind-Beratung, Gewichtskontrolle und Gesundheitsüberprüfung. „Wir sind präventiv in unserer Arbeit.Wir bringen den Müttern bei, wie man zusätzlich zur Muttermilch Ergänzungsnahrung zubereitet und überhaupt die Familie gesund ernährt.“ In einem Zentrum von Bañado Sur wird mit den entsprechenden Kochgeräten die Zubereitung von Baby- und Kindernahrung erlernt. In den Hütten sind diese Geräte nicht vorhanden. Sie können im Zentrum jeder Zeit benutzt werden. Sollte ein Kind bereits nahe an der Unterernährung sein, werden Essenspakete ausgegeben. Zu Festen, wie wir dort eines erlebten, kommen alle Kinder der Umgebung. Jede Woche organisiert Alessandra in einem anderen Viertel eine Kakao-Party: Ein Fest für die Geburtstagskinder des Monats. Laute Musik, spielende Kinder – und heute die Begegnung mit den Gästen und Förderern aus Österreich. Von der Straße an die Uni Brasilien / Manaus / GranVitoria:Wir besuchen die Fe e Alegria AlternativSchule, die P. Roberto Jaramillo SJ im Armenviertel GranVitoria eingerichtet hat. Das Einzugsgebiet umfasst ca. 50.000 Einwohner. Die Kinder und Jugendlichen gehen zur staatlichen Primär- und Sekundärschule mit ca. 5 Stunden Unterricht am Tag. Nach Beendigung der Pflichtschule sind die wenigsten Schüler fähig, den Aufnahmetest für die staatliche Universi-

tät zu schaffen. Die Alternativschule bietet Jugendlichen in den letzten 3 Jahren der Sekundärschule eine Vorbereitung auf den Aufnahmetest an der Uni an: Grundidee ist, eine Bildungs-Gemeinschaft unter den Jugendlichen von Vitoria zu schaffen. 150 Jugendliche sind derzeit im Programm. Margarete, die Direktorin, erzählt: „Unser Zugang ist anders als an den normalen Schulen: wir gehen nicht vom Lernstoff aus, sondern von den Alltags-Erfahrungen unserer Schüler. Ein Brunnen wird gegraben, eine Brücke wird gebaut, ökologischer Landbau, das politische Leben in Manaus (Parlament). Am Beginn steht ein Lokalaugenschein, ein Besuch vor Ort. Gemeinsam wird dann die Erfahrung reflektiert: aus der Perspektive der Geschichte, der Mathematik, Biologie, der Sprachen u.a. durchleuchtet. Die Schüler bekommen Arbeitsaufträge und bereiten Referate vor. Bibliothek und Internetzugang stehen zur Verfügung. Das große Ziel dieses alternativen Zusatzunterrichts ist eine neue junge Gesellschaft, die solidarisch lebt.

Alessandra sorgt mit ihren Helferinnen für gesunde Ernährung in unserem Mutter-KindProjekt

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SÜDAMERIKA Die Jugendlichen sollen zu begeisterten Teilnehmern und Vorreitern der Entwicklung ihrer armen Gesellschaft werden, die mit ihren Fähigkeiten versuchen, die Situation zu verbessern. Unser Besuch fällt auf den Tag, an dem die Prüfungsergebnisse bekannt gegeben werden: Alle 26, die zur Prüfung angetreten sind, werden an die staatliche Universität zugelassen!

Hans Tschiggerl und Roberto Jaramillo in der Fe y Alegria Alternativ - Schule

„Wenn du mir 10.000 Pesos bezahlst, kannst du in Ruhe deinem Geschäft nachgehen.“ Luz America ruft die Gruppe dreimal in der Woche zusammen: Die gemachten Erfahrungen im Viertel werden untereinander ausgetauscht. Mit kreativen Methoden:Tanz,Theater, Malerei, Filmabenden … werden die Erlebnisse dargestellt und reflektiert. Treffpunkt ist eine der sieben Kapellen der Pfarre San Pedro Claver. Der Gewalt entkommen Diesmal sind wir zu Gast bei ihnen: Kolumbien / Barrancabermeja / Mi- Orlanda ist 18; sie hat ihren 19 Monas de Paraiso: Luz America arbeitet nate alten Sohn dabei. Er wird von in einem Präventions-Projekt von der ganzen Gruppe geherzt und verJRS: 60 Jugendliche zwischen 14 wöhnt. Orlanda erzählt gerne und und 20 Jahren werden begleitet, um auch witzig. Man spürt, dass sie das sie vor dem Abrutschen in die Kri- Leben überrascht hat. Sie wohnt bei minalität zu schützen. DasViertel be- ihrer „Schwiegermutter“. Ihr Freund steht aus Hütten, die langsam immer ist gerade beim Militärdienst. Es fällt wohnlicher gestaltet werden. Der ihr schwer zu sagen, was sie sich für Drogenhandel und die Gewalt verla- ihre Zukunft erhofft. Der nächste gern sich mit den Flüchtlingen vom Schritt wäre, die Schule abzuschlieLand in die Stadt. Die Jugendlichen ßen und dann eine Ausbildung zu sind leichte Beute für Drogenhänd- machen. Schließlich vertraut sie uns ler. Sie werden als Klein-Dealer miss- doch an: Ihr Traum wäre es, Krimibraucht, oder um Geld einzutreiben. nalistin zu werden. Luz America holt Kriminelle setzen mit Mafia-Metho- sie wieder auf den Boden der Readen die Nachbarschaft unter Druck: lität zurück: „Wir haben vor einem Jahr mit dem Projekt begonnen. Es ist nicht leicht, eine Gruppe überhaupt zusammenzuhalten. Viele kommen, schauen sich das einmal an und gehen dann wieder. Das Ziel, das wir uns für dieses Jahr gesteckt haben: Möglichst alle sollen wieder in die Schule gehen und sie abschließen.“ Ein unsicheres Lächeln huscht über viele Gesichter. Im Februar beginnt die Schule. Tatsächlich steht hier einigen ein lebensentscheidender Schritt bevor.

Hans Tschiggerl SJ 16


„Wer tagsüber Mozart spielt ...“ „...wirft nachts keine Fensterscheiben ein“: Wenn Jugendliche aus Paraguay, China, Simbabwe, Kolumbien und Indien mit jungen Menschen aus Europa in einem Orchester vereint musizieren, steht dahinter eine große Vision. Die Vision aus Paraguay Unüberhörbar war diese bei der Tournee des internationalen Jugendorchester „Weltweite Klänge“. Die Jesuitenmission hat das Projekt bereits zum vierten Mal nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz geholt. Thoko erhebt ihre Stimme. Sie singt den ersten Vers eines Gospels auf Shona, der Landessprache ihrer Heimat Simbabwe. Ein Chor antwortet ihr, formt Silbe um Silbe auf Shona. Ein Chor, zusammengesetzt aus Chinesinnen und Indern, aus Deutschen und Afrikanerinnen, aus jungen Menschen aus Südamerika. Als wür-

de die ganze Welt Thoko antworten. Im Rhythmus der Musik beginnt sie sich zu bewegen, wieder setzt die Welt ein, diesmal sogar das Publikum. Dann das Orchester: Violinen, Violoncelli, ein Kontrabass, Querflöten, eine Harfe und Trommeln, gespielt von Jugendlichen ebenso vielfältiger Herkunft.

Das gesamte Orchester der Sonidos de la Tierra Tournee mit den Organisatoren der Jesuitenmission

Ein großes Fest „Die Essenz dieses Projektes ist, gemeinsam ein großes Fest zu feiern“, sagt Luis Szarán. Der vielfach ausgezeichnete Dirigent des Philharmonischen Orchesters von Paraguay wollte nicht ausschließlich vom Applaus des Publikums abhängig sein, 17


BERICHT

Durch die Leidenschaft der jungen Künstler wurden die Aufführungen zu einem großen Erfolg

als er vor acht Jahren ein Sozialprojekt gründete. „Die Jugend in Paraguays Dörfern ist unglaublich musikalisch, ihnen wollte ich eine Zukunft geben“, sagt Szarán, „Die Musik steigert ihr Selbstwertgefühl und reduziert damit die Gewaltbereitschaft.“ Später kamen junge Menschen dazu, die auf Müllhalden leben. Seit 2006 wird die Aktion ihrem Namen „Sonidos de la Tierra“ – „Weltweite Klänge“ – gerecht: Jährlich wird seither ein zehntägiger Workshop in Europa veranstaltet. Immer andere junge Musiker aus verschiedenen Ländern musizieren gemeinsam und gehen schließlich als Orchester auf Tournee. Dieses Jahr waren es 35 Jugendliche aus sechs Ländern. Die Sprache der Musik Was aus den Jugendlichen eine Gemeinschaft forme, sei die Sprache der Musik, ist der Dirigent überzeugt. Denn nicht alle sprächen Englisch, nicht alle könnten sich miteinander unterhalten. „Wenn sie aus

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ihren unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen zusammen kommen, herrscht zunächst eine eigenartige Stimmung“, erzählt er, „dann beginnen wir, Musik zu machen, und bald sind sie die besten Freunde.“ Vor dem Publikum ist es dann Luis Szarán, der die vielfältigen Stimmen dirigiert, der manche Dissonanz zur Harmonie führt. Eine besondere Herausforderung sieht er in der Leitung des multinationalen Orchesters aber nicht: „Zwischen den Musikern herrscht kein Konkurrenzkampf, das ist außergewöhnlich und erleichtert die Arbeit. Und das Repertoire passe ich an die Möglichkeiten der Jugendlichen an.“ Zu Ehren P. Matteo Riccis SJ Das Repertoire reicht von klassischer Musik bis zu Folklore. Ihre Ursprünge haben die Stücke in jenen Ländern, aus denen die jungen Musiktalente stammen, und im musikalischen Erbe der Jesuitenreduktionen. Diesen Schatz zu erhalten ist ein weiteres Anliegen des Projekts. Für die Jugendlichen ist dies Herausforderung und Anreiz. „Dass wir folkloristische Musik so unterschiedlicher Herkunft spielen, begeistert mich vor allem“, schwärmt eine Musikerin aus China. Klänge aus ihrer Heimat sind in diesem Jahr Schwerpunkt des Konzertprogramms: Der Todestag des Chinamissionars und Jesuiten Matteo Ricci jährt sich zum 400. Mal. „Wir haben eine Komposition aus der Zeit Riccis gefunden. Über die chinesische Melodie habe ich ein Stück komponiert“, erklärt Dirigent Szarán seine Eigenkomposition zu Ehren Riccis, die zum Ab-


SONIDOS - TOURNEE schluss des Konzertes erklingt. Sie wird ihrem Titel „Ein großes Fest“ (A great celebration) gerecht: „In Wirklichkeit spielt dabei jeder, was er will“, schmunzelt Szarán. Harmonie auch in den Staaten Die festliche Ausgelassenheit überträgt sich auch auf die Musiker. „Es ist großartig hier zu sein!“, sagt eine junge Inderin. Auch Thoko strahlt nach dem Auftritt. „Bis jetzt singe ich hobbymäßig, aber nun denke ich daran, nach der Schule eine Gesangsausbildung zu machen“, ist sie begeistert. Einige junge Menschen haben dank „Sonidos de la Tierra“ bereits in eine professionelle Musikerkarriere gefunden. „Das Konzert ist ein großes Danke aus Asien, Afrika und Amerika an alle, die dieses Projekt so tatkräftig unterstützen“, sagt P. Hans Tschiggerl SJ, Missionsprokur in Österreich. Und ein Auftrag, so Tschiggerl: „Was in dieser Gruppe an Harmonie herrscht, wäre vielleicht auch in den Heimatstaaten der Musiker möglich.“

Übernehmen sozialer Verantwortung legt. Tausende Kinder und Jugendliche fanden und finden so durch das niederschwellige Angebot auch Zugang zu Hilfestellungen unterschiedlicher Art, vor allem im Bildungsbereich und bei der Arbeitssuche. Durch das Projekt gelingt es, Jugendliche zu begeistern: ihre eigene kulturelle Tradition zu entdecken, zu leben und damit zu bewahren, gleichzeitig aber auch, durch internationale Erfahrungen ihren eigenen Horizont zu erweitern.

Veronika Kreyca Die Jesuitenmission bietet allen, die dieses Projekt langfristig untersützen wollen, Möglichkeiten zur Patenschaft an. Fragen Sie einfach bei uns nach - wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!

Thoko und Taku mit einer Mbira, einem traditionellem Musikinstrument aus Zimbabwe

Das Projekt „Sonidos de la Tierra“ konnte in weniger als zehn Jahren Existenz seinen Erfolg von Paraguay aus in andere Länder, beispielsweise nach Indien, ausdehnen. Das Geheimnis des Projekts: das Musizieren. „Wer tagsüber Mozart spielt“ findet auch in anderen Bereichen des Lebens leichter die Motivation, sich selbst zu entfalten und für andere einzusetzen. Das zeigt die langjährige Erfahrung mit „Sonidos de la Tierra“, das neben der Vermittlung von Kunst und Kultur immer einen Schwerpunkt auf das 19


Nini, Renate und Peter

Si Dye vle - Wenn Gott will Spiel und Spaß bei den Gruppenaktivitäten im Kindergarten in Bedou

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Christine Reichl ist seit dem Sommer letzten Jahres im Einsatz für Kinder und Jugendliche in Haiti. Mit großem Engagement und einem eigenen Projekt setzt sie sich für den Wiederaufbau ein. „Wenn Gott will“, mit dieser scheinbar nichtssagenden Formel wird in Haiti jede, aber auch wirklich jede Angabe in der Zukunft abgerundet. Ob man sich später oder am nächsten Tag trifft, Termine für die kommenden Wochen macht oder auch nur über Weihnachten oder die bevorstehenden Wahlen spricht - ob etwas Geplantes stattfindet, scheint einzig und allein von Gottes Willen abhängig zu sein. Für mich war diese Redewendung von Anfang an etwas befremdlich und deshalb benützte ich sie nie. Ich wollte es nicht von Gott abhängig machen, ob ich morgen zur Arbeit komme oder nicht. Viele Erlebnisse und Erfahrungen

haben mich inzwischen gelehrt, dass man hier nicht so denken darf wie bei uns.Wenn niemand in die Schule gehen kann, weil der Regen einen Bach überschwemmt hat, der Englischkurs abgesagt werden muss, weil sich politisch motivierte Gruppen in der Stadt gegenseitig mit Steinen bewerfen, ein Wirbelsturm oder Unwetter die Ernte hinwegrafft oder wegen der vielen Cholerafälle die Grenzmärkte geschlossen werden, die für das Überleben so vieler Menschen hier wichtig sind, hat das wohl mit Eigenverantwortung der Menschen nicht mehr viel zu tun. Wie die Welt im letzten Jahr über die Medien mitbekommen hat, wurde Haiti so ziemlich von jedem Unheil


FREIWILLIGE heimgesucht, das man sich für sein eigenes Land nicht wünscht. Nicht eines davon. Ein bereits bitterarmes Land wurde von einem unvergleichlichen Erdbeben erschüttert. In den darauf folgenden Monaten kam ein Wirbelsturm, eine Cholera-Epidemie und eine offensichtlich gefälschte Präsidentschaftswahl. Das Interesse der internationalen Medien versiegt nach großen Ereignissen oder Katastrophen immer schnell, aber für die Menschen hier hört das Leiden deshalb nicht auf. In Ouanaminthe, wo ich lebe und arbeite, wird laufend Platz für immer neue Cholera-Zelte gesucht, vor allem über die Weihnachtsfeiertage hat es viele Neuansteckungen gegeben, weil sich die Menschen Flaschen und Geschirr geteilt haben. Auch zwei Monate nach den Wahlen gibt es noch keine Aussicht auf eine legale, stabile Regierung und gerade das bräuchte Haiti jetzt so dringend: eine starke Kraft, die mit all den Spendengeldern umzugehen weiß und der die Anliegen und Bedürfnisse der Armen nicht egal sind. Bei der Weihnachtsfeier in unserer Schule gab es für alle SchülerInnen eine warme Mahlzeit – eine kleine Portion Nudeln mit Fleisch – eine viel größere Freunde hätte man vielen der Kinder kaum machen können. Alle waren mit leeren Polsterbezügen und Plastikflaschen gekommen. Wir füllten sie mit etwas Reis, Bohnen und Öl, ein Weihnachtsgeschenk an die Familien. Nach der Verteilung kamen noch ein paar Eltern und sammelten die auf die Erde gefallenen Reiskörner auf, bevor diese von den Hühnern weggeschnappt wurden. Die Dankbarkeit in ihren Augen, als

ich mich zu ihnen hinunter bückte und ihnen beim Einsammeln half, werde ich nie vergessen. Wenn man tagtäglich diese unsägliche und ausweglos scheinende Armut hautnah erlebt und weiß, wie es in anderen Teilen der Erde aussieht, in welchem Überfluss wir in Europa leben und doch immer mehr und mehr haben wollen, fragt man sich, warum Gott diese Ungerechtigkeit zulässt. Und doch klagen die Menschen hier nicht ständig über ihr Elend, sie sind glücklich und dankbar für das Wenige, was sie haben. Sie wirken stark, fröhlich, singen und feiern gerne. Und sie würden auch gerne ihr Land ändern und ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Dazu brauchen sie Möglichkeiten und Chancen. Nach einem Aufruf in der Gemeinde haben sich bei uns einige Frauen gemeldet, die gerne etwas lernen wollen. Die meisten sind junge Mütter, die weder lesen noch schreiben können. Nach einem Alphabetisierungskurs wollen wir ihnen Nähen beibringen. So sollen sie sich und ihre Familien versorgen können. Auch wenn Haitis Situation verfahren und ausweglos erscheint, so haben die Menschen doch Hoffnung, dass sich hier einmal die Dinge zum Besseren wenden werden. Hoffentlich bald.Wenn Gott will.

Nini mit einem Mädchen aus dem Camp in Port-au-Prince

Christine Reichl

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IN KÜRZE Gewaltfrei leben „Die Erde ist voller Gewalt“ - so sagt uns die Heilige Schrift. In der Tat:Wenn wir einen Blick auf die Menschheitsgeschichte werfen, wird uns bewusst, von welch’ ungeheurer, ja bestialischer Gewalt sie gekennzeichnet war. Die Art und Weise, wie Menschen mit Menschen umgingen, zeigt, wie tief die Gewalt in allen Menschen verwurzelt ist. An diesem Punkt setzt die Bergpredigt Jesu Christi an. Sie verweist uns auf den wunden Punkt in uns Menschen - die Tendenz zur Gewalt und zur Lüge. In welcher Weise? Dadurch, dass Jesus uns einen Gott verkündet, der die gewaltfreie Liebe ist.Von dieser gewaltfreien Liebe spricht das vorliegende Büchlein. Es führt uns ein in das gewaltfreie Leben Jesu und ruft uns zu einer Grundentscheidung auf. Grundentscheidung meint, dass der Mensch in seiner tiefsten Freiheit mit all seinen Kräften sich ein für alle Mal für Gott entscheidet. Und damit sich dazu entscheidet, sich der Botschaft Jesu zu öffnen und seinem Ruf zu folgen P. Herwig Büchele SJ gewaltfrei zu leben. P. Herwig Bücheles biblische Anfrage an unser Selbstverständnis

Das Buch ist zu erwerben über das „Netzwerk von Christen“ zu einem Preis von Euro 4,30 plus Porto - Bestellung: netzwerk.christen@aon.at oder am Friedensplatz 2, 4020 Linz. Im Handel kostet es Euro 7,80.Weitere Informationen zu den Initiativen des Netzwerkes unter www.netzwerkvonchristen.at Nachwuchs in der Jesuitenmission Anna Teresa Morales, die Tochter unserer Mitarbeiterin, wurde am 21. Oktober geboren, hat 3650g gewogen und war 50cm groß! Wir gratulieren den Eltern ganz herzlich und wünschen der jungen Familie viel Segen für das gemeinsame Wachsen! Katrin Morales stieß im Jänner wieder zum JM Team dazu und wird sich weiterhin um die Projekte und Volunteers kümmern.

Anna Teresa Morales mit ihren Eltern kurz nach der Geburt

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UNSERE BITTE: Sozialprojekte in China

China war in den letzten Wochen stark in den Medien. Auch die Situation der Kirche in China. Seit vielen Jahren begleiten wir dort unsere Freunde. Die persönlichen Begegnungen mit ihnen nehmen mir die Scheu, um Ihre Hilfe zu bitten: - 100 Euro für eine professionellere Ausbildung unserer Sozialhelfer in China - 50 Euro für Essens- und Therapiekosten in unseren Behinderteneinrichtungen - 25 Euro für die basalen Nöte der Lepra- und Aids-Kranken Lee Hua SJ, unser Projektpartner in China, berichtet: „Die Situation in vielen sozialen Einrichtungen ist wirklich trostlos: Die ehrlichen Bemühungen, den Bedürftigen zu helfen, scheitern oft an der mangelhaften Ausbildung der Betreuer!“ Helfen Sie den Helfern. Spendenkonto PSK 7086 326 In Dankbarkeit, BLZ:60000 Ihr Missionsprokurator BIC: OPSKTWW Hans Tschiggerl SJ IBAN: AT52 60000 0708 6326 MENSCHEN FÜR ANDERE-Jesuitenaktion 23


Damit die Welt menschlicher wird ...

Jesuitenmission Dr. Ignaz Seipel Platz 1 A-1010 Wien Tel. +43 01 5125232 - 56 office@jesuitenmission.at www.jesuitenmission.at Spendenkonto PSK 7086 326 BLZ: 60000 BIC: OPSKATWW IBAN: AT52 6000 0000 0708 6326 MENSCHEN FÜR ANDERE

Die Jesuitenmission ist Ihr Netzwerk • für Informationen über Schicksale und Anliegen der Armen • für Austausch, Begegnung und Freiwilligeneinsätze weltweit • für die Weitergabe von Spenden in unsere Hilfsprojekte

Heft 01, 2011  

Magazin der Jesutemission Österreich

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