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2009 Heft 4

JESUITENMISSION MENSCHEN FÜR ANDERE

Glaube und Gerechtigkeit


Liebe Freundinnen und Freunde der Jesuitenmission! Die Begegnung mit Kardinal Jin in Shanghai bleibt mir in lebendiger Erinnerung. Der 94 Jahre alte Mann antwortet auf die Frage, wie wir in China heute helfen können, mit vier Ratschlägen: „Haben Sie Geduld mit der Entwicklung in China.“ Und das gilt nicht nur für dieses Land, sondern für viele Länder in denen wir armen Menschen helfen. Wie oft höre ich das Argument: „Die sollen erst einmal Ordnung im eigenen Haus machen.“ Wir helfen meist in Notlagen. Große gesellschaftliche Änderungen kommen wohl nur, wenn entsprechende wirtschaftspolitische Entscheidungen getroffen werden. Was uns immer bleibt, ist die Not vieler Menschen in Asien, Afrika, Lateinamerika und auch in Europa, die zum Himmel schreit! „Schauen Sie genau hin – ohne vorgefasste Meinungen.“ Das ist nun wirklich eine göttliche Tugend: Ehrlich zu schauen, sich nicht abkehren vom Schmutz der Armut, von der überwältigenden Größe der Not.Wir sind nicht hilflos! Zumindest hinschauen können wir und versuchen zu ergründen, was es heißt, auf Hilfe angewiesen zu sein. Was es heißt, Hilfe zu erfahren. „Suchen Sie die Begegnung mit Menschen in Not.“ Nicht jeder kann und muss nach China, nach Afrika, nach Indien reisen, um der Not zu begegnen. Sie ist auch hier bei uns greifbar. Der Mut, sich nicht nur anrühren zu lassen, sondern tatsächlich auch Not zu lindern, weckt in uns neue Kräfte:Wer hier Not sieht und ihr aktiv begegnet, der findet auch Wege, den Menschen in fernen Kontinenten beizustehen. „Berichten sie positiv!“ Das ist der vierte Ratschlag des weisen greisen Kardinals von Shanghai. Und das tun wir wieder in diesem Heft.Wir können positiv berichten, weil Sie die Menschen, von denen Sie in diesem Heft hören, unterstützen. Herzlichen Dank dafür!

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Hans Tschiggerl SJ Missionsprokurator


Braucht ein Riese Hilfe? Im September 2009 war Hans Tschiggerl SJ mit den Kollegen aus Deutschland und der Schweiz auf Projektreise in China. Drei Wochen lang konnten die Missionsprokuratoren den Alltag der Kirche und der Menschen in China miterleben. Lebendige Kirche in Hebei Seit der kommunistischen Machtübernahme 1949 hat es viele Enteignungen kirchlicher Güter in China gegeben. Aufgrund des neuen Versuchs eine Gesellschaft in Harmonie zu gestalten, kommt es zu Entschädigungszahlungen und zur Rückgabe von Häusern. Die Diözesen werden meist verpflichtet, mit diesem Geld Kathedralen zu errichten. Die Regierung hat überall begonnen, an einem modernen harmonischen Stadtbild zu bauen. Es klingt unglaublich: Der Staat finanziert tatsächlich einige Bischofskirchen in China mit. Die-

se parallele Entwicklung zum wirtschaftlichen Aufschwung ist natürlich auch fragwürdig: Wird die Kirche durch diese Maßnahmen nicht auch ein Stück weit gekauft? Geben große Bauten nicht auch das Signal, dass wir auf der Seite der Wirtschaftsgewinner stehen? Die Pfarren in Hebei sind meist ärmliche, ländliche Gemeinden. Die Erwachsenen sind organisiert in Gruppen, die von Katechisten begleitet werden. Die Seelsorge konzentriert sich auf Persönlichkeitsentwicklung und Begleitung der Jugendlichen. Einige schaffen es, nach Schulabschluss, ein Universitätsstudium in der näch3


CHINA

Sozialeinsatz in Gemeinschaft

sten Stadt zu beginnen. Hier können wir helfen: Bei der Katechistenausbildung und der Studentenseelsorge an den Universitäten. Sogar katholische Kindergärten und Grundschulen werden vereinzelt vom Staat anerkannt. Die Aus- und Weiterbildung von Priestern und Schwestern ist besonders wichtig. Die Jesuitenmission hilft gerade in diesem Bereich. Freiwillige: Wir suchen Johns und Maries

P. Tschiggerl SJ in Meggu

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Peter und ein chinesischer Scholastiker begleiten 40 Schüler in einem Vorbereitungsseminar für einen Freiwilligeneinsatz. Mit Hilfe der ignatianischen Spiritualität lernen die Jugendlichen zu unterscheiden, sich zu entscheiden und apostolischen Eifer: Menschen für andere zu sein. Sieben Studenten verpflichten sich nach Ex-

erzitien für eine Lebensgemeinschaft für ein Jahr. Aufgabe dieser apostolischen Gemeinschaft ist es, auf dem Universitätscampus missionarisch tätig zu sein. In Shijiazhuang gibt es 15 Universitäten. In Wirklichkeit betreiben die jungen Freiwilligen pastorale Begleitung, denn sie suchen mit Plakaten nach „Maries und Johns“ – die Christen am Campus erkennen sofort, worum es da eigentlich geht. Die Gruppe von Freiwilligen begleitet ca. 500 StudentInnen, die sich in diözesanen Gruppen neunmal pro Semester treffen. Die Begegnungen dauern oft den ganzen Tag. Es gibt Erfahrungsaustausch, die Schrift wird gelesen, Freizeitaktivitäten werden geplant und durchgeführt. Die Ausbildung dieser Studenten liegt uns am Herzen. Immer wieder können Vortragende kommen, um sie in menschlichen und religiösen Themen zu unterstützen. Kurse und Aktivitäten sind allerdings mit Kosten verbunden. Ein Besuch im Lepradorf Willkommen Jeje Guhanson: Willkommen Großvater Gutheinz – im Chor begrüßen die Kinder des Lepradorfes Meggu den geliebten „Vater des Dorfes“. Es sind gut 60 Kinder, die uns mit Liedern und Tänzen überraschen. Gerne nehmen wir nach einer Stunde Aufstieg ins entlegene Lepradorf Platz und lauschen den Begrüßungsgesängen. An die 200 Menschen sind versammelt. Darunter viele Lepra Gezeichnete. Nicht alle leben im Dorf. Alle haben sie aber durch den Einsatz von China Leprosy Service (CLS - Luis Gutheinz SJ)


CHINA und durch Casa Ricci (Fernando Azpiroz SJ) Hilfe im Umgang mit ihrer lebensbedrohenden Krankheit erfahren. Die Schwächsten und am härtesten Getroffenen bleiben im Dorf und werden liebevoll von vier Schwestern gepflegt und betreut. Die Kinder, die vor uns tanzen und singen, sind aus der Umgebung, zum großen Teil auch Nachkommen von Leprakranken. Das bieten unsere Lepradörfer in China an: eine Grundschule für die Kinder aus der Umgebung. Vier geistliche Schwestern wirken hier Wunder: Es ist ihnen untersagt von ihrem christlichen Glauben zu erzählen. Dennoch bleibt niemandem verborgen, aus welchen Quellen sie schöpfen. „Schwester, warum kommst Du aus der Hauptstadt um hier im Lepradorf zu leben?“ Manchmal sind ihre Antworten so überzeugend, dass die sehnsüchtigen Fragen zur Taufe führen. Mit einem gewissen Stolz machen manche Leprakranke ein Kreuzzeichen und sagen mir damit: „Ich bin Christ!“ Warum Schwestern? Der Staat will die Schwestern in den Sozialeinrichtungen nicht akzeptieren. China Leprosy Service und Casa Ricci müssen mit dem Staat kooperieren, wenn sie ein Lepradorf errichten wollen. Sie tun es aber nur, wenn Schwestern die Pflege übernehmen. Warum? Die Ärzte und Pfleger, die der Staat zur Verfügung stellt machen den Dienst oft nur widerwillig. Eine korrekte Verabreichung der Medizin an kranke und alternde Menschen ist

alles was von ihnen erwartet werden kann. Die Schwestern leben mit den Ausgegrenzten zusammen. Sie sind nicht hier um zu missionieren. Und doch verkünden sie gerade in diesem Dienst die Ideale Jesu! Luis Gutheinz SJ erzählt: „Oft sagen mir die staatlich Verantwortlichen: Gebt uns das Geld, wir bauen ein Leprazentrum und führen es. Aber wir lassen uns auf solche Angebote nicht ein. Niemals können wir solchen Versprechen trauen. Es braucht Zusammenarbeit, damit die Unterstützung auch wirklich den Notleidenden zugute kommt!“ Die Kinder bringen Leben ins Lepradorf. Sie machen auch bewusst, worum es neben der Pflege der Kranken hauptsächlich geht: Um die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Die Schule ermöglicht ihnen, im Dorf Arbeit zu finden. Noch sind sie, wie ihre Eltern und Verwandten, die unter Lepra leiden, stigmatisiert.

P. Gutheinz SJ in der Schule im Lepradorf

Schwestern im Dienst der Menschlichkeit

Die Jesuitenmission unterstützt 19 Lepradörfer in China: Die geistlichen Schwestern pflegen die Kranken, geben den Kindern Schulunterricht und verkünden so ihren Glauben. Hier können wir dem Riesen China helfen. 5


CHINA

Sr. Wang bringt Wärme ins Aids-Zentrum

HIV Kinder haben Recht auf Bildung

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Die neue Herausforderung: HIV Cecilia von Casa Ricci berichtet: Über ein Jahr lang haben wir nach Möglichkeiten gesucht, AIDS-Kranken zu helfen. Einen Vorschlag zur Zusammenarbeit mit einem staatlichen Partner mußten wir ablehnen. Ihm ging es nur um finanzielle Vorteile, nicht aber um den Dienst am Menschen.

erwünschten Aids-Waisen gebracht – die Ärzte wollen ihn nicht. Das Zentrum behandelt eigentlich nur Erwachsene AIDS-Infizierte, es ist nicht für die Betreuung von Kindern ausgestattet. Edward brachte es nicht übers Herz, den heimatlosen Kleinen wegzuschicken. Später folgten noch vier HIV-positive Kinder. Diese Barmherzigkeit hat die Bedingungen im Zentrum noch schwieriger gemacht. Es ist überfüllt. Hilfe jeder Art ist höchst notwendig.

Edward fragte nach der Möglichkeit, eine Schwester zur Betreuung der HIV Waisenkinder zu senden. Das hörte ich gerne. Schlussendlich entschieden wir uns, zwei Schwestern zur Unterstützung zu senden. Im folgenden Monat habe ich fünf Kirchengemeinden aufgesucht. Wir haben über unser Projekt und den Bedarf an Schwestern gesprochen. Schließlich trafen wir auf Edward Alle fünf haben mir ihre Unterstütund sein AIDS-Zentrum. Es über- zung zugesagt.Wir fordern nicht, dass traf all unsere Erwartungen. Die Tä- die Schwestern ein breites Wissen tigkeitsbereiche seiner Einrichtung über AIDS-Versorgung, medizinische sind: Unterkunft, Ratschläge für Fachkompetenz oder administrative Verwandte und die Anstellung von Kenntnisse mitbringen, jedoch brauAIDS-Kranken im Krankenhaus! Wir chen wir Geduld, Mit- und Veranttauschten unsere Erfahrungen aus, er- wortungsgefühl und Freude.Während zählten von unseren Lepraprojekten, ihres Einsatzes lernen die Schwestern der Reichweite unserer Programme, von den Kindern und wir stellen ihund von der Arbeit mit AIDS-Kran- nen Trainingsmöglichkeiten zur Verken. Edward klagte über die vielen fügung. Technische Kompetenzen Nöte seiner Organisation. Schließlich können erlernt werden. Die Motivabegannen wir über eine Zusammen- tion zu helfen und zu dienen muss jearbeit nachzudenken. doch von Anfang an vorhanden sein. Dieser Samen wird durch die Pflege Später besuchten wir eine der Un- wachsen und reifen. So schenken wir terkünfte für AIDS-Patienten. Das den Kindern Liebe und Fürsorge. Krankenhaus hatte gerade einen unHans Tschiggerl SJ, Cecilia Chang


CHINA Internationales Symposium Matteo Ricci – Grenzgänger zwischen Kulturen 10. -11. Mai 2010

Am 11. Mai 2010 jährt sich zum 400. Mal der Todestag des bekannten Gelehrten, Grenzgängers und Brückenbauers zwischen Ost und West. Bis heute ist der Jesuit Matteo Ricci SJ einer der angesehensten Weisen im Reich der Mitte und inspiriert Menschen zum interkulturellen Austausch. Die Jesuitenmission und das Konfuzius Institut Wien laden zum internationalen Symposium ein: Die Person des Matteo Ricci in der Geschichte Chinas Universität Wien, Konfuzius Institut Montag, 10.Mai 2010 Ort: Universitätscampus „Altes AKH, Hof 1, Aula, Spitalgasse 2, Wien IX 10:00-17:00 Wissenschaftliches Symposium zu Matteo Ricci

Konzert und Begegung Montag, 10.Mai 2010 Ort: Jesuitenkirche, Dr. Ignaz Seipel Platz, Wien 1 20:00 Orgelkonzert mit Christine Yu-Ru Liu

An die Grenzen gehen: Das Erbe des Matteo Ricci in China heute Jesuitenmission Dienstag, 11.Mai 2010 Ort: 10:00 11:00 14:00 15:30 16:30 20:00

Kardinal König Haus, Kardinal-König-Platz 3, Wien XIII Film: Die Jesuitenmission in China P. Paul Oberholzer SJ:China und die Jesuiten 400 Jahre Matteo Ricci Bischof Peter Feng: Die Kirche in China P. Lee Hua SJ: Die Jesuiten und China heute Fr. John Baptist Zhang: Sozialarbeit der Kirche in China P. Luis Gutheinz SJ: Lepra, Einsatz für Menschen am Rand der Gesellschaft

Ausstellung 5.April-5.Mai „China heute“: Fotos von Klaus Pichler Ort: Kardinal König Haus, Wien XIII nähere Informationen und Voranmeldung (bis Februar 2010): office@jesuitenmission.at, oder 01/3170519 7


Afrika im Kampf gegen Aids Wenn wir von Afrika sprechen, denken wir gleich an den Kontinent der Armen und der Kranken – besonders der Aids-Kranken. Michael Czerny SJ baut mit AJAN an einem Netzwerk der Menschlichkeit. Die erschreckenden Daten über die Neuinfizierungen scheint uns recht zu geben. Der Kontinent liegt vor allen anderen Teilen der Welt! Trotz vieler Vorsorgeprogramme und Behandlungen zeigen die Statistiken, dass sich die Epidemie weiter ausbreitet. Zwischen 2000 und 2020 werden rund 55 Millionen Afrikaner an Aids sterben. Kurz gesagt bedeutet das, dass diese Pandemie die größte Bedrohung Afrikas seit dem Sklaven8

handel darstellt. Die Zahl der Infizierten hat sich innerhalb von wenigen Jahren mehr als verdoppelt. Die Zahl der Aids-Waisen übersteigt die Grenze von 10 Millionen. Damit stellt Aids längst keine Gefahr einzelner Menschen mehr dar, sondern ist zur Plage ganzer Völker geworden. Das heftige Vorkommen ist in Afrika von einem medizinischen zu einem wirtschaftlichen und politischen Hilfeschrei mutiert!


AFRIKA Stigmatisierung Diese zugleich realistische und dramatische Sichtweise öffnet einem weiteren Phänomen Tür und Tor: Wir vergessen die Menschen, die hinter den überwältigenden Zahlen stehen. Wir vernachlässigen die Einzelschicksale, die Tag für Tag diesen enormen Missstand ertragen! Die Folgen für die Betroffenen sind in Afrika auf sozialer und kultureller Ebene mindestens ebenso beunruhigend wie die physische Beeinträchtigung. Scham und Stigmatisierung begleiten die Opfer, von dem Tag an, an dem bekannt wird, dass sie sich mit HIV infiziert haben. Aus Angst vor gesellschaftlicher Diskriminierung weigern sie sich, ihr Verhalten zu ändern. Sobald jedoch die Infizierung bekannt wird, verlieren sie ihre bisherige soziale Stellung und sind mit dem Stigma der Krankheit in voller Härte konfrontiert. Die psychischen Leiden der Betroffenen bleiben meist unreflektiert. Nun haben sie auch niemanden, mit dem sie über ihre Gefühle der Ablehnung und der Isolation sprechen könnten. Verbunden mit den Leidenden In diesem Prozess der Stigmatisierung kommt es oft zur schmerzhaften Absonderung der „Normalen“ von den „Anormalen“, der „Kranken“ von den „Gesunden“, zur Trennung zwischen „uns“ und „denen“. So wird der Gemarterte zum Opfer unserer eigenen Ängste.

mit dem Leid leben lernen

Doch gerade hier hat ernsthafte AidsHilfe anzusetzen. Wollen wir uns wirklich für die Opfer der Pandemie einsetzen, dürfen wir nicht bei einer rein körperlich-sexuellen Betrachtung der Krankheit stehen bleiben. Ihre vielgestaltige soziale Komponente muss mitberücksichtigt werden. Es genügt eben nicht, den Opfern die medizinische Beratung und 9


AFRIKA sollte gehört und geachtet werden, so wie es die Kirche versucht. Die Bedrohung durch HIV ändert nicht die Morallehre der Kirche, aber HIV macht es dringlicher für die Kirche, den Gläubigen - besonders den jungen - und anderen, die bewusst oder unbewusst diese christlichen Werte teilen, ihre Morallehre zu vermitteln. Es bedarf dringend des Widerstands gegen die globale Kultur und der Förderung afrikanischer Werte.

Freude am Leben spüren

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Die katholische Morallehre bietet einen wichtigen Weg für beides an. die wissenschaftlichen Erkenntnisse Hilfsdienste und soziale Gerechtigkeit sind in der Antwort der Kirche zur Verfügung zu stellen! auf Aids untrennbar. Deswegen verIch glaube hier wird die durchschla- bindet die Kirche wie von selbst Seelgende Kraft der christlichen Bot- sorge, medizinische Versorgung, die schaft deutlich. Sie drängt darauf, sich Praxis von Compassion/Mitleid und mit den Leidenden und Ausgeschlos- Anwaltschaft, persönliche Moral, Sosenen verbunden zu wissen. Dem zialethik und die Erziehung zur VorAufruf Jesu folgend, den anderen zu sorge. Compassion/Mitleid zu praklieben wie sich selbst, muss es der Kir- tizieren und dabei über die sündhafte che ein besonderes Anliegen sein, ih- Strukturen hinwegzusehen oder moren Leidensweg von Stigmatisierung ralische Prinzipien und Vorsorge zu verkünden ohne gegen die Armut zu und Diskriminierung mitzugehen. Stigmatisierung und Diskriminierung kämpfen, schlägt der kirchlichen Trasind eine Reaktion auf Unwissenheit, dition ins Gesicht und ist eine NegaAngst und Unsicherheit. Auch Men- tion ihrer Sendung, das Reich Gottes schen anderswo würden kaum anders zu verkünden. in dem der Tod für imreagieren, wenn sie von HIV bedroht mer besiegt ist. würden.Stigmatisierung und Diskriminierung müssen verstanden, nicht HIV-positive Familien lediglich verurteilt werden. Und dafür braucht es eine wirkliche kultu- Rosanna ist eine zwanzigjährige mit ihren Kindern sitzengelassene Mutrelle Veränderung. ter. Sie bemüht sich in ihrem Slum in Nairobi zu Recht zu kommen. Afrikanische Werte Sie ist HIV-positiv. „Sechs Jahre lang Die Art und Weise, wie Afrikane- hat mich meine Familie nicht akzeprInnen sich ihre Sexualität aneignen, tiert, weder meine Eltern, noch mein


AFRIKA Mann. Ich habe meinen Job verloren, weil ich HIV-positiv bin.“ erzählt sie. Ihre Tochter starb bereits im Säuglingsalter auf Grund von AIDS. Aber ihr zehnjähriger Sohn – sie wurde schwanger bevor sie sich infizierte – ist gesund. Jomo ist ein kluger, sportlicher Junge, der es liebt zu zeichnen und Fußball zu spielen. Seine Mutter versucht mit aller Kraft am Leben zu bleiben. „Ich will ihn wachsen sehen!“ Rosanna nimmt keine antiretroviralen Medikamente (ARVs), aber, wenn sich ihr Gesundheitszustand verschlechtern sollte, wird AJAN die Krankenhauskosten finanzieren. Hilfe zur Selbsthilfe Ab und zu wird Rosanna von Katholischen AIDS-Organisationen eingeladen, um über ihre schwierige Lebenssituation und ihren Krankheitsverlauf zu sprechen. Das soll junge Menschen dazu ermutigen nicht den gleichen Fehler zu begehen und sich vor möglichen Infektionen zu schützen. Dafür bekommt sie von AJAN einen geringen monatlichen Gehalt. Rosanna ist für diese Hilfe dankbar, aber braucht mehr: „Ich bin jung. Ich habe Zukunft, auch wenn ich nicht einmal die Grundschule abgeschlossen habe. Ich hoffe, dass es mein Sohn zu etwas bringt!“ Da sie unfähig ist körperlich harte Arbeit zu verrichten, hat sie nur geringe Chancen einen Arbeitgeber zu finden. Aber erst kürzlich hatte sie einen geschäftstüchtigen Einfall: Die Grundbesitzer in ihrem Slum verweigern die Bereitstellung einer Wasser-

versorgung. Stattdessen rufen sie die Mieter auf, sich selbst Wasser zu besorgen. Also ergriff Rosanna die Initiative und kaufte mit der Mithilfe von AJAN einen Wasserspeicher und eine Wasserpumpe, um ihren eigenen Handel aufzubauen. Ihre Geschäfte laufen gut und sie kann monatlich bereits 2% ihres Kredits zurückbezahlen.

die Initiative ergreifenbesonders für die Schwachen

Michael Czerny SJ,Thomas Seissl

Viele solche Projekte unterstützt AJAN in verschiedenen Ländern Afrikas mit Ihrer Hilfe! Kosten: etwa 1.000 Euro pro Jahr für ein Projekt.

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DER BESUCH MARIAS BEI ELISABETH G L A S F E N S T E R I N D E R K AT H E D R A L E


K R I P P E N D A R S T E L L U N G H L FA M I L I E S A N K T I G N AT I U S I N S H A N G H A I C H I N A


Märtyrer für Glaube und Gerechtigkeit Erinnerung an die ermordeten Jesuiten in El Salvador. Menschen, die für Glaube und Gerechtigkeit lebten und diesen Einsatz mit dem Tod bezahlten, verdienen Erinnerung und Würdigung. Vor 20 Jahren wurden sechs Jesuiten, ihre Haushälterin und deren Tochter in El Salvador erschossen. Martin Maier SJ hat die Geschehnisse damals hautnah miterlebt. Elba Ramos war eine typische Salvadorianerin: braune Hautfarbe, dunkle Augen, schwarze Haare - und sie konnte vor allem herzhaft lachen. So hatte ich sie 1989 in den ersten Monaten meines Aufenthalts in El Salvador als Köchin meiner Kommunität kennengelernt. Am Nachmittag des 15. November saßen wir bei einem Kaffee, zusammen mit ihrer 15-jährigen Tochter Celina. Seit fünf Tagen hatte sich der Bürgerkrieg in schrecklicher Weise verschärft. Nun wurde auch in den Straßen der Hauptstadt San Salvador zwischen Armee 14

und Guerilla gekämpft. Um unser Haus zogen immer mehr Soldaten auf. Wir rieten Elba und Celina, bei uns zu übernachten. Doch Elba wollte ihren Mann Obdulio nicht alleine lassen. So gingen sie die zehn Minuten zu Fuß in die Zentralamerikanische Universität, wo Obdulio als Gärtner arbeitete und die Familie ein kleines Häuschen hatte. Elba und Celina suchten in dieser Nacht Zuflucht im Wohngebäude der Jesuiten innerhalb der Universität. Dort wähnten sie sich sicherer.


Thema Die Mörder kamen in der Nacht Nach Mitternacht wurden sie von einem Spezialkommando der salvadorianischen Armee aus dem Schlaf gerissen. Von höchster Stelle hatten die Soldaten den Befehl erhalten, die Jesuitenpatres umzubringen. Diese mussten sich im Garten mit dem Gesicht nach unten ins Gras legen. Dann wurden sie mit Maschinengewehren aus nächster Nähe bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Neben Ignacio Ellacuría SJ, dem Rektor der Universität, waren es Segundo Montes SJ, Ignacio Martín-Baró SJ, Amando López SJ, Juan Ramón Moreno SJ und Joaquín López y López SJ. Auch Elba und Celina wurden erschossen, weil den Soldaten befohlen worden war, keine Zeugen übrigzulassen. Der Kampf für Gerechtigkeit und ihr Preis Warum wurden die sechs Jesuiten mit den beiden Frauen umgebracht? Die kürzeste Antwort darauf ist auf der Grabplatte in der Universitätskapelle zu lesen. Hier wird der wichtigste Auftrag des Jesuitenordens in unserer heutigen Zeit beschrieben, wie ihn die Generalkongregation von 1974/75 formuliert hat: „Was heißt heute Jesuit, Gefährte Jesu sein? Sich unter dem Kreuz im entscheidenden Kampf unserer Zeit einzusetzen: im Kampf für den Glauben, der den Kampf für die Gerechtigkeit mit einschließt.“ Mit dieser Grundentscheidung antworteten die Jesuiten auf die weltweite Ungerechtigkeit als drän-

gendster Herausforderung unserer Zeit. Prophetisch hatte die Ordensversammlung aber auch vorausgesagt: „Wir werden nicht für die Gerechtigkeit arbeiten, ohne einen Preis dafür zu bezahlen.“ Dieser Satz ist ebenfalls in die Grabplatte eingraviert. Wissenschaft im Dienst der Armen Ignacio Ellacuría hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, als Philosoph, Theologe und Rektor der Universität der Jesuiten für Glaube und Gerechtigkeit einzutreten. Er war zur Überzeugung gekommen, dass inmitten des zum Himmel schreienden Elends der Mehrheit der salvadorianischen Bevölkerung nicht Wissenschaft um der Wissenschaft willen betrieben werden konnte. Die Zentralamerikanische Universität sollte sich als Universität für soziale Reformen mit dem Ziel einer gerechteren Gesellschaftsordnung einsetzen. Sie sollte zur Stimme derjenigen werden, die keine Stimme haben. Damit wurde sie aber immer mehr zur Zielscheibe der Reichen und der

Die vor zwanzig Jahren ermordeten Jesuiten leben in den Herzen der Armen weiter, für deren Befreiung und Menschenwürde sie sich eingesetzt haben.

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THEMA

Jon Sobrino SJ entging dem Massaker 1989, weil er sich auf einer Vortragsreise außerhalb des Landes befand.

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Mächtigen. Nachdem 1976 die ersten Bomben auf dem Campus der Universität ex­plodiert waren, schrieb der damalige Generalobere Pedro Arrupe SJ in einem Brief an die zentralamerikanischen Jesuiten: „Ich kann mich nur freuen und Euch aufrichtig dazu beglückwünschen, dass Ihr die Sache der Armen verteidigt habt und aus diesem Grund verfolgt werdet.“ Am 12. März 1977 wurde Rutilio Grande SJ ermordet, der sich als Pfarrer der Gemeinde von Aguilares für die Rechte der verarmten Landbevölkerung und eine gerechtere Landverteilung eingesetzt hatte. Kurz danach tauchten Flugblätter auf mit der Aufforderung: „Tu was fürs Vaterland, töte einen Priester.“ Ultimativ wurden die Jesuiten aufgefordert, binnen eines Monats das Land zu verlassen. Andernfalls würde man sie einen nach dem anderen umbringen. Sie blieben - auch wenn sie über längere Zeit jede Nacht ihre Schlafstätte wechseln mussten.

Oscar Romero sind auch Elba, Celina und die sechs Jesuiten im salva­do­r ia­ ni­schen Volk aufer­standen. Sie leben in den Herzen der Armen, für deren Befreiung und Menschenwürde sie sich als Priester und Wissen­schaftler einge­setzt haben. Städte wurden nach ihren Namen benannt, ihre Bilder sind in vielen Kirchen zu finden; ihr Grab in der Universitätskapel­le wurde ebenso zu einer Wall­fahrtsstätte wie der Garten, in dem man sie liegend­ fand, und in dem heute Rosen blühen. Jedes Jahr füllt sich am 16. November der Campus der Universität zu einer großen Gedenkmesse. Verhinderte Aufklärung

Zu einem Licht wurde dieses Martyrium auch unter politischer Rücksicht. Im September 1991 kam es zu einem Prozess, bei dem zum ersten Mal in der Geschichte des Landes acht Soldaten und Offiziere auf der Anklagebank saßen. Allerdings wurden nur zwei von ihnen ver­urteilt, Auferstehung im Volk und diese ließ man schon bald wieder frei. Jon Sobrino SJ, der dem Massaker Obwohl inzwischen feststeht, dass vom November 1989 nur des­wegen die gesamte Armeespitze hinter dem entkommen war, weil er sich im Aus- Massaker stand, ist das Verbrechen bis land zu einer Vor­tragsreise befand, heute noch nicht lückenlos aufge­ schrieb zum Tod seiner Mitbrüder klärt. Ein besonderer Skandal war, und der beiden Frauen: „Ein Marty­ dass auch die US-Botschaft in die ri­um be­sitzt sein eige­nes, wirk­sa­ Vertuschungsmanöver verwickelt mes Licht, das mehr über das Leben war und ein US-Militärberater sound den Glau­ben aus­sagt, als tausend gar im Voraus von den Planungen der Worte. Alle Märtyrer werden in der Morde wusste, ohne etwas zu unterGe­schichte auf­erstehen.“ In den Jah- nehmen. Ende Februar 2001 wies der ren nach der Bluttat haben sich die Oberste Gerichtshof von El SalvaWorte Sobri­nos in einer über­wälti­ dor einen Antrag der Jesuiten ab, den genden Weise erfüllt. Wie Erzbischof Prozess neu aufzurollen. 2008 reichte


THEMA eine spanische Menschenrechtsorganisation eine Anzeige beim Nationalen Gerichtshof in Madrid gegen 14 ranghohe Militärs und den ExPräsidenten Alfredo Cristiani wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. Weg zum dauerhaften Frieden Allerdings ließen die Verzögerung und Verschleppung der Aufklärungen durch die Armee den Fall zu einem Druckmittel gegen die Armee selbst und für die Friedensverhandlungen zur Beendi­gung des Bürgerkriegs werden. Der Peruaner Alvaro de Soto leitete diese Verhandlungen als Vertreter des damaligen UN-Generalsekretärs Javier Perez de Cuellar. Rückblickend beschrieb er die Schlüsselbedeutung der Jesuitenmorde für die Verhandlungen: „Die Jesuiten mussten ihr Leben verlieren, um die moralische Empörung hervorzurufen, die die salvadorianischen Streitkräfte in der Defensive hielten und sie am Verhandlungstisch zu den Zugeständnissen zwangen, ohne die ein dauerhafter Friede wahrscheinlich nicht erreicht worden wäre. Die Untersuchungen der Morde und der Verhandlungsprozess waren ineinander verwoben wie eine Fuge, die Bach würdig gewesen wäre; sie schien vom Himmel her inspiriert.“ Diese Verhandlungen führten zu einem umfassenden Friedensvertrag, der im Januar 1992 unterzeichnet wurde, von dem aber in der Folge nur wenig umgesetzt wurde.

El Salvador heute Auch 17 Jahre nach Unterzeichnung des Friedensvertrags sind die Probleme von El Salvador noch weit von einer Lösung entfernt. Das Land befindet sich immer noch in einem schwierigen und zerbrechlichen Übergangsprozess vom Bürgerkrieg zum wirklichen Frieden, von den jahrzehntelangen Militärdiktaturen zur Demokratie, von extremen sozialen Polarisierungen zu einer nationalen Versöhnung. Die Chance zu einer Aufarbeitung der schlimmsten Verbrechen des Bürgerkriegs wurde 1993 mit der überstürzten Generalamnestie vertan. Beängs­tigend ist vor allem das Ausmaß der Gewalt. So werden heute mindestens ebenso viele Menschen Opfer von Mord und Totschlag wie in den Jahren des Bürgerkrieges. Neue Hoffnungen gibt es seit dem 15. März 2009, als mit Mauricio Funes zum ersten Mal ein Politiker der Linken zum Präsidenten gewählt wurde. Wiederholt berief er sich auf Erzbischof Oscar Romero und Ignacio Ellacuría als Lehrer und Vorbilder. Funes möchte vor allem die Kriminalität durch Prävention und Programme für Jugendliche sowie durch die Schaffung von Arbeitsplätzen bekämpfen. Auch der Kampf gegen die Korruption steht ganz oben auf seiner Agenda. Doch es bleibt abzuwarten, ob der neuen Regierung Erfolg beschieden sein wird. Martin Maier SJ

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INTERVIEW

Wie das achte Sakrament So beschreibt Toni Calleja SJ sein Leben mit Armen in Flüchtlingslagern. „Hier habe ich Gott gefunden, der in mysteriöser Weise vor Ort und für die Menschen da ist.“ Seit drei Jahren kümmert er sich um die Flüchtlingslager Great Lakes (Kongo, Ruanda, Burundi). Toni Calleja Sj ist Projektpartner der Jesuitenmission ren das Leben wie es ist, mit all seinen guten und schlechten Seiten. Sie glauben an die Prinzipien des EvanEs hat mein Leben nachhaltig geprägt. geliums und ich glaube, sie verstehen Meine 30 Jahre als Priester haben sie besser als wir. Ihre Erzählungen mich demütiger werden lassen. Ich und Geschichten haben mich gehabe viele Menschen getroffen, die prägt. Ich habe mit und für Arme aus voller Güte und Menschlichkeit sind. vielen verschiedenen Kulturen gearEs zeigt mir, was wichtig im Leben ist beitet und ich bin gesegnet durch die und was nicht. Arme Menschen haben große Mitmenschlichkeit und Einkaum die Möglichkeit, sich vor dem fachheit, die ich so erfahren durfte. Bösen im Leben zu schützen. Viele von ihnen sind sehr glücklich, unge- Worin besteht Deine aktuelle achtet ihrer Armut. Sie werden mit Arbeit? Leid und Tod konfrontiert und entwickeln keine Selbstgenügsamkeit oder Ich arbeite für JRS Great Lakes, ein Arroganz. Sie entwickeln ein Gespür Projekt in Ruanda, Burundi und für Solidarität und sie sind bereit, das dem Kongo. Dies ist eine der neun wenige das sie haben, mit anderen Regionen, in der JRS tätig ist (vier zu teilen. Diese Menschen akzeptie- davon befinden sich in Afrika). Ich Was bedeutet es für Dich, mit Armen zu leben?

Tony Calleja SJ

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INTERVIEW koordiniere unsere Arbeit in diesen drei Ländern, 548 Personen arbeiten vor Ort, sowohl Einheimische, Vertriebene, Wiederkehrende und Flüchtlinge. Momentan sind wir für 150.000 Menschen da. Wie sieht das konkret aus? Wir arbeiten helfen bei humanitären Nöten. Neue Projekte müssen schnell entwickelt und in Kraft gesetzt werden. Im letzten Jahr stellten wir acht solcher Projekte in Goma und Rutshuru auf die Beine. Beide Gebiete sind von Kriegen zerstört. Der größte Teil unseres Dienstes betrifft die Bildung (56 %), gefolgt von Schutz des Lebens, einkommensfördernden Aktivitäten für die Flüchtlinge und sozialpastorale Arbeit. Gut 3 % unserer Arbeit kann man dem Dienst an der Gesundheit (besonders AIDS) zuschreiben. Ca. ein Fünftel des Einsatzes gilt anderen sozialen Diensten, kulturellen Aktivitäten, der Sicherstellung von Nahrung und Hilfe für Schutzbedürftige. Welche Ideale leiten Dich? Die Ideale von JRS lassen sich ganz kurz zusammenfassen: Wir versuchen mit den Flüchtlingen zu leben. Wir versuchen sie zu begleiten.Wir versuchen ihnen zu dienen und sie zu verteidigen. Damit haben wir alle Hände voll zu tun. Wie können wir Deine Arbeit unterstützen? (1) Durch Gebete, viele Gebete. Für

uns ist es ungeheuer wichtig, dass unsere Arbeit Teil von Gottes Aktivität auf der Welt ist und nicht nur eine weitere humanitäre Tätigkeit. Wir müssen unterscheiden können, nach Gottes Willen denken und handeln, seine Werte beachten. Genau dazu brauchen wir Ihre Hilfe, da wird das nicht alleine schaffen können. (2) Bitte vergessen Sie nicht auf die Flüchtlinge dieser Welt! 18 Millionen von ihnen leben in menschenunwürdigen Situationen. Sie haben Angst um ihr Leben, wissen nicht was der morgige Tag oder die Zukunft bringen wird. Es hilft diesen Person zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich sorgen. (3) Schließlich bekommen wir finanzielle Hilfe durch die Jesuitenmission in Österreich. Ich danke allen Spendern und Spenderinnen. Ihr Beispiel sensibilisiert Menschen, die Notlage der Armen zu sehen, ob in Afrika oder auch im eigenen Land.

Überleben im Flüchtlingslager

Bildung: ein wichtiger Bereich

Das Gespräch mit Tony Calleja SJ führte Mag. Katrin Morales

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Zeit für die Armen Irmgard Hackl hat sich gemeinsam mit anderen Freiwilligen der Jesuitenmission intensiv auf ihren Einsatz vorbereitet. Hier der erster Bericht aus ihrem Einsatzort in Indien Seit 1.August bin ich in Südindien, in Anekal, einer kleinen Stadt nahe Bangalore. Hier versuchen die Jesuiten der Bevölkerung zu helfen Schwierige Situationen

im Schlafsaal

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Die Stadt ist umgeben von vielen kleinen Dörfern. Die durchschnittliche Gehzeit von den Dörfern in eine Schule in Anekal beträgt etwa drei Stunden. Daher haben Jesuiten ein Girls- und Boyshostel für die Schulkinder errichtet. In jedem Hostel sind über 50 Kinder untergebracht. Ich bin im Hostel für sieben bis achtzehnjährige Mädchen tätig. 53 Mädchen schlafen hier eng aneinander gekuschelt in zwei groß-

en Schlafräumen. Das sind sie von zu Hause gewöhnt. Sie stammen aus armen Dorffamilien. Die Kinder gehen nur an den Feiertagen nach Hause. Im Heim bleibt ihnen mehr Zeit zum Lernen. Zu Hause würden sie mit einem ganz anderen Alltag konfrontiert werden und müssten arbeiten. Das Leben im Hostel führt sie auch in die indische Kultur ein. Die Jesuiten bemühen sich um einen engen Kontakt mit den Eltern und stehen mit Rat und Tat zur Seite Zeit schenken Über zwei Monate lebe ich schon hier, aber ich lerne jeden Tag mehr über die indische Kultur. So wer-


FREIWILLIGE de ich etwa auf der Strasse von unbekannten Frauen angesprochen und auf eine Tasse Tee eingeladen. Immer wieder faszinieren mich die Spontaneität und die fröhliche Ruhe der Menschen. Jeder Tag verläuft anders. Dennoch gibt es für mich einen geregelten Tagesablauf: Er beginnt um 5.25 Uhr mit dem Wecken der Mädchen. Mit meiner Gitarrenmusik starten sie in den Tag starten. Danach geht es weiter mit Jonglieren, damit die Mädchen auch wirklich fit und zum Lernen bereit sind. Während die Kinder in der Schule sind, lerne ich auf einer Fußmaschine nähen. Bald kann ich die Kleider der Kinder flicken. Ich helfe beim Kochen, gehe auf den Markt und versuche die Landessprache Kannada zu lernen. Nachmittags spiele ich mit den Kindern, wir trinken Tee und reden. Diese Zeit ist mir besonders wichtig, denn ich bin hier um ihnen meine Zeit zu schenken. Auch wenn ich ihnen die Arbeit (putzen, lernen, Wäsche waschen) nicht abnehmen kann, will ich ihnen das Leben durch meine Anwesenheit und meine Unterstützung verschönern.

nach wie vor tabuisiert. Ihr Interesse ist allerdings sehr groß. Bei diesen Gesprächen werden mir immer wieder die kulturellen Unterschiede bewusst. Dabei fällt mir auch der unterschiedliche Zugang zum Thema Lernen auf. Auswendig Lernen steht im Vordergrund. Hobbies sind unbedeutend. Schnelligkeit und Konkurrenz werden groß geschrieben. Die Kinder müssen hart kämpfen um später vielleicht ein bessseres Leben führen zu können. Das ist für mich teilweise schwerer zu akzeptieren als für sie selbst.

tägliche Routine

Luxus eigenes Zimmer Mein eigenes Zimmer ist für mich zum Luxus geworden, denn ich brauche auch Zeit für mich allein. Lange halte ich es in meinem Raum aber doch nicht aus. Ich könnte ja schöne Momente mit den Kindern verpassen. Sehr oft denke ich mir, dass ich ein Glückspilz bin, weil ich hier in Indien sein darf: bei Kindern, denen es zwar an Materiellem fehlt, die dafür aber an Frohsinn und Tapferkeit umso reicher sind. Irmi Hackl

Miteinander in eine bessere Zukunft blicken

Voneinander lernen Während der “studytime”, unterrichte ich Englisch. Die Kleinen lieben meine spielerischen Lernmethoden und wollen gar nicht aufhören. Den älteren Mädchen gebe ich Aufklärungsunterricht und bringe dabei auch mein Wissen über natürliche Empfängnisregelung ein. Das Thema wird in Schule und Familie 21


In KÜRZE Bücher Flohmarkt der JGCL Zum Sonntag der Weltkirche organisierte die Jugend-GCL unter der Leitung von Ingrid Sieder einen Bücher Flohmarkt. Über Tage hat sich Frau Sieder mit einigen Freiwilligen daran gemacht, die Bücher zu sortieren und nach Bereichen zu ordnen. Vor allem die Dubletten aus Beständen früherer Jesuitenbibliotheken haben großes Interesse bei den Besuchern geweckt. Am Sonntag um 10 Uhr wurde dann der Flohmarkt in der Alten Burse eröffnet. Mit mehreren Helferinnen konnte eine angenehme Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen geschaffen werden. 1035,30 € ist der große Beitrag den die Initiative den Straßenkindern in Manaus / Brasilien erwirtschaftet hat. Ein besonderes Dankeschön an alle, die zu diesem großen Erfolg beigetragen haben: Die Jesuiten, Ingrid und Franz Sieder, Wolfgang Schindegger, Elisabeth Tripolt, Elfi Kugler, Claudia und Herr Treipl, Sr. Erika und Sr. Rozalia. Großen Dank besonders für die tatkräftige Unterstützung der Jugend: David Schwarzmann, Clemens Hlawaty, Poldi Kaserer, Nico Sieder, Babsi Glatz, Marie Treipl, Daniela Kratzik, Sonia Friedmann, Wolfi Hammerschmied. Vielen herzlichen Dank! Ehrendoktorat für P. Luis Gutheinz SJ „Das zentrale Forschungsanliegen von Luis Gutheinz SJ ist es, Grundlagen für die Begegnung des Christentums mit der chinesischen Kultur und den sie prägenden religiösen wie nichtreligiösen Traditionen zu schaffen, Grundlagen für eine genuin chinesische Theologie. Und seit den 90er Jahren hat er sich dabei vor allem um die nötigen Arbeitsinstrumente für „die Werkstatt der chinesischen Theologie“ gekümmert.“ Diese prägnante Zusammenfassung seiner wissenschaftlichen Arbeit, spiegelt wohl einen der Hauptgründe für die Verleihung der Ehrendoktorwürde an P. Luis Gutheinz SJ durch die Goethe Universität Frankfurt – Fachbereich Katholische Theologie wider. Luis Gutheinz, den wir hier meist als engagierten Vater der Leprakranken in China beschreiben, hat gerade in diesem dynamischen Zusammenwirken zwischen Glaube und Gerechtigkeit seine besonderen Verdienste. Wir gratulieren herzlich!

Impressum

JESUITENMISSION MENSCHEN FÜR ANDERE, 2009 Heft 4 Medieninhaber und Herausgeber: Missionsprokur der Gesellschaft Jesu in Österreich, Canisiusgasse 16, A-1090 Wien, Tel +43 01 3170519, office@jesuitenmission.at, www.jesuitenmission.at Redaktion: P. Hans Tschiggerl SJ, Mag. Katrin Morales, Gestaltung: Martin Tiefengrabner, Druck: LDD Communication Bildnachweis: Jesuitenmission (Titelbild,S2-6,12f,16f,21), Jesuitenmission Deutschland (S6,14-17), Jesuitenmission Schweiz (S4,24), Irmi Hackl (S20f), JRS (18f) DVR 0029874(234), P.b.b. Verlagsort 1090 Wien GZ 02Z032649M,

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UNSERE BITTE

Unsere Weihnachtsbitte: Hoffnung wider alle Hoffnung! Liebe Leserin, lieber Leser! HIV und Aids sind eine riesige Herausforderung für Menschen in China und in Afrika. Kinder leiden besonders unter der Stigmatisierung: Sie werden von Kliniken und Waisenhäusern abgewiesen, keine Schule will sie in den Unterricht aufnehmen. AJAN und Casa Ricci sind Einrichtungen der Jesuiten, die menschliche Gemeinschaften aufbauen, in denen Menschen mit HIV überleben und würdig leben können. Hier wird direkt geholfen, Informationsarbeit geleistet und medizinisch-ganzheitliche Hilfe bereitgestellt. Unsere Bitte an Sie: Schenken Sie Hoffnung in anscheinend hoffnungslosen Situationen. Unsere Projektpartner in China und Afrika sind Spendenkonto Jesuiten und geistliche Schwestern, die PSK 7086 326 durch ihre Begleitung und ihren Dienst an BLZ:60000 „hoffnungslosen Fällen“ Wunder wirken. BIC: OPSKTWW IBAN: AT52 60000 0708 6326 Sie können mitwirken. MENSCHEN FÜR ANDERE-Jesuitenaktion Danke für Ihre Unterstützung! Hans Tschiggerl SJ 23


Jesuitenmission Canisiusgasse 16 A-1090 Wien Tel. +43 01 3170519 office@jesuitenmission.at www.jesuitenmission.at Spendenkonto PSK 7086 326 BLZ: 60000 BIC: OPSKATWW IBAN: AT52 6000 0000 0708 6326 Menschen für Andere

Die Jesuitenmission ist Ihr Netzwerk • für Informationen über Schicksale und Anliegen der Armen • für Austausch, Begegnung und Freiwilligeneinsätze weltweit • für die Weitergabe von Spenden in unsere Hilfsprojekte

Heft 04, 2009  

Magazin der Jesuitenmission Österreich

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