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Reader

21. - 25. international

Marseille |

week

Cannes

Oktober 2013

SKVM bbB 11


Reader International Week Marseille 2013

Alle Rechte vorbehalten © SKVM bbB 11 | FH Kufstein Tirol 2014 Texte und Fotos: Daniela Aurelia Berger | Isabella Bernhard | Daniela Bertermann | Christina Bonelli | Rüya Cansiz | Markus Comploj | Teresa Ehrlenbach | Doris Erler | Emma Gottmann | Markus Grollitsch | Wolfgang Gschaider | Mathias Hart | Birgit Hölzl | Philipp Huter | Elisa Krimbacher | Teresa Kühn | Stefanie Mayrhuber | Anna-Maria Millinger | Nina Mussnig | Sebastian Ochs | Jessica Ölz | Elisabeth Saller-Kraft | Isabella Schiendorfer | Sarah Schwaiger | Sabine Stallegger | Elisabeth Stefaner | Claudia Denise Viehböck Prof. (FH) Dr. Robert Kaspar | Prof. (FH) Dr. Verena Teissl Gestaltung: Jessica Ölz | Elisabeth Saller-Kraft


Inhaltsverzeichnis Einleitung 5 Die Hafenstadt Marseille

7

Stadtgeschichte und demografische Daten von Marseille

8

Marseille – Das Tor zu Afrika

11

Kulturangebot in Marseille

14

Das Sportangebot in Marseille- mit Fokus auf das Stade Vélodrome

17

Europäische Kulturhauptstadt Marseille-Provence 2013

22

Konzeptanalyse Kulturhauptstadt Marseille-Provence 2013

23

Marseille-Provence 2013 - Sharing the South

31

Österreichische Projekte als Teil des Programms der Kulturhauptstadt Marseille-Provence 2013

35

Die vielfältige Sportkultur Frankreichs

40

Populäre Sportarten in Marseille im Bezug auf Veranstaltungen und Trendsport im Allgemeinen

41

Boccia und andere populäre Sportarten in Frankreich

48

Albertville und Annecy

51

Olympique Marseille

55

FIFA World Cup am Beispiel der WM 1998 in Frankreich

59

Vorteile und Nachteile der zentralen bzw. dezentralen Fußball Europameisterschaft 2016 und 2020 unter Berücksichtigung des Fan-Verhaltens

63

UEFA EURO 2016 - Frankreich ruft zur Fußball Europameisterschaft

74

UEFA EURO 2016, Stade Vélodrom

79

AS Monaco – Besonderheiten eines Spitzenclubs

85

Formel 1 Grand Prix von Monaco

93

International Week – Marseille

99

Marseille - Provence ist Kulturhauptstadt Europas 2013

100

Das Gespräch mit Herrn Ulrich Fuchs

105

Die Sportszene – Run the City

109

La Rose – die vertrocknete Rose Marseilles?

115

Mélange Marseille

118

Internationales Zentrum für Dialog und Austausch im Mittelmeer

122

Die Qualität touristischer Dienstleistungen am Beispiel der Stadtbesichtigung in Cannes!

124

Palais des Festivals et des Congrès de Cannes unter dem Aspekt von Licht und Schatten des Tourismus

128

Marseille und das Unterfangen „International Week“ – Abschließende Gedanken zu beidem

136 3


Ein besonderer Dank gilt der gesamten Gruppe sowie Frau Prof. (FH) Dr. Verena Teissl und Herrn Prof. (FH) Dr. Robert Kaspar f端r eine erfahrungsreiche International Week.


Einleitung Nach einem intensiven und spannenden Auswahlverfahren stand im Sommersemester 2013 fest, dass unser Reiseziel für die International Week Marseille in Südfrankreich sein wird. Die Hafenstadt Marseille wurde gemeinsam mit dem umliegenden Gebiet der Provence zur Europäischen Kulturhauptstadt 2013 gekürt. Ein weiterer Grund, warum die Entscheidung auf Marseille gefallen ist. Ziel einer International Week ist es, mögliche Querverbindungen zwischen dem theoretischen Inhalten der verschiedenen Lehrveranstaltungen und der Praxis herstellen zu können und somit einen gesamten Eindruck zu erlangen oder gewissen Einrichtungen, Programme etc. kritisch zu beleuchten. Durch ein sehr breitgefächertes Programm versuchten wir möglichst alle Bereiche unseres Studiums abzudecken und in der Praxis kennen zu lernen. Im Vorfeld organisierten Kleingruppen unseres Jahrgangs die verschiedenen Programmpunkte und vereinbarten, wenn möglich, persönliche Termine mit Entscheidungsträgerinnen bzw. –träger, um einen Einblick hinter die Kulissen zu bekommen. Außerdem wurden verschiedene Themen rund um unseren Besuch in Frankreich bzw. in Marseille, als Vorbereitungsmaterial ausgearbeitet und der gesamten Gruppe zur Verfügung gestellt. Gut vorbereitet ging es dann Mitte Oktober nach Frankreich in die wunderschöne Stadt Marseille am Mittelmeer. Begleitet wurden wir in dieser Woche von FH-Vizerektorin Fr. Prof. (FH) Dr. Verena Teissl und Studiengangsleiter Hr. Prof. (FH) Dr. Robert Kaspar. Im Großen und Ganzen spiegelt dieser Reader auch die Vielfalt unseres Aufenthaltes in Frankreich wider und ist eine Erinnerung an die International Week und gibt die gewonnen Erkenntnisse wieder, die jede einzelne Verfasserin bzw. jeder Verfasser hinsichtlich unseres Studiums gewonnen hat.

5


Die Hafenstadt Marseille Die heutige Stadt Marseille wurde um 600 v. Chr. von Griechen und Kelten unter den Namen „Massalia“ gegründet. Aufgrund der zahlreichen Eroberungen durch verschiedene Herrscher wie Ludwig XIV, „feindliche“ Übernahmen und den starken Einwanderungsfluss übers Meer zählt Marseille heute zu einer Stadt mit einer heterogenen Bevölkerung und Kultur, vor allem aber ist die Marseiller Bevölkerung in Frankreich als sehr rebellisch und kritisch bekannt. International bekannt ist die Stadt Marseille auch als das „Tor zu Afrika“. Diesen Namen erhielt die Stadt aufgrund der 20-25% dort lebenden Menschen mit Migrationshintergrund. Diese Vielfalt spiegelt sich vor allem auf den öffentlichen Plätzen wieder und es wird versucht den Stoff in das kulturelle Programm der Stadt aufzunehmen. Den gemeinsamen Nenner findet die Bevölkerung im Sport, genauer im Fußball. Vor allem das Stade Vélodrome in dem neben diversen Fußballmatches auch andere Sportereignisse stattfinden. Aber auch abseits des Spitzensports bietet Marseille sportliche Aktivitäten für jede bzw. jeden, vor allem auch aufgrund der günstigen Lage direkt am Meer.

7


Stadtgeschichte und demografische Daten von Marseille Gründung und Entstehung

Verfasserin: Nina Mussnig

verlor seine Flotte und seinen Reichtum, weshalb sie wirtschaftlich überflügelt

Marseille gilt als die älteste Stadt Frank-

wurden.3

reichs und wurde 600 v. Chr. mit dem ursprünglichen Namen „Massalia“ gegründet. Das natürliche Hafenbecken des späteren Marseille verfügte

Zeit der Unsicherheit

damals über ein sehr reiches Hinterland, das durch Grie-

Zwei Jahrhunderte später wurden die griechischen Stadt-

chen aus Kleinasien entdeckt wurde.

herren von den Römern abgelöst. Diese prägten das

Der Gründungsgeschichte nach, war das Gebiet in der Pro-

Stadtbild durch Neubauten, wie die Stadtmauer oder Ha-

vence zu dieser Zeit von Kelto-Ligurer besiedelt. Durch die

fenanlagen und führten zusätzlich die christliche Religion

die Heirat des Anführers der Griechen und der Tochter des

ein. Als intellektuelle Metropole und als Hafenstadt nahm

keltischen Königs Nann gründeten sie gemeinsam die heu-

Marseille sehr früh das Christentum auf und gründete An-

tige Stadt Marseille. Das Wort „Massalia“ ist eine Schöp-

fang des 5. Jh. am Südufer des Alten Hafens das Kloster

fung aus dem noch gebräuchlichen Wort „Mas“ für Haus

Saint-Victor, das fast 200 Jahre der Bischofssitz von Mar-

oder Siedlung und dem Wort „Salier“ oder „Saluvier“, dem

seille war.4

Namen des Keltenstammes.

Die Völkerwanderung brachte germanische Völker nach

1

2

Marseille und so fiel die Stadt nacheinander an die West-

Die Römer in der Provence

goten, Ostgoten und die Franken. Die anschließenden

Durch die Ansiedlung der Griechen erblühte die neue

Plünderungen und die Pest führten zum vorläufigen Nie-

Mittelmeersiedlung und erstreckte sich auf dem Gebiet

dergang der Mittelmeerstadt. Im Winter 1347/48 breitet

nördlich des heutigen Vieux Port. Es entstanden die ers-

sich die Beulenpest von Genua nach Marseille aus und von

ten Steinbauten und auch der Geldverkehr hielt Einzug.

hier über ganz Europa. Hungersnöte und andere kleine

Die Griechen brachten als erfahrene Kaufleute die Stadt

Rückschläge ließen die demografische Depression anhal-

bald zu Wohlstand und so bewahrte Marseille über fünf

ten. Im Jahr 1481 ging die einst selbstständige Republik,

Jahrhunderte hinweg ein typisch griechisches Gesicht. Der

wie die übrige Provence, in den Besitz des französischen

Reichtum der Eingewanderten erweckte jedoch bald den

Königs über.5

Neid der ligurisch-keltischen Urbevölkerung. Angesichts dieser Bedrohung erbaten die Griechen, die mit Rom verbündeten waren, militärische Hilfe. Massalia wurde befreit und blieb weiterhin eine mit den Römern verbündete Republik. Aus diesem Grund wollten sich die Massalioten weise verhalten, als 49 v. Chr. der Bürgerkrieg zwischen Julius Cäsar und Gnaeus Pompeius herrschte. Als die Stadt jedoch für Pompeius Partei ergriff und dessen Gegner Cäsar siegte, wurde die Stadt 6 Monate lang belagert. Marseille

8

1 2 3 4 5

Vgl. Vlg. Vgl. Vgl. Vgl.

Kibler/Zinn, 1995, S.592 Bengtson, 2001, S.17 Bengtson, 2001, S. 37 Kibler/Zinn, 1995, S.593 Höpel/Middell, 1999, S.22

Der Aufschwung und die Französische Revolution Die Bevölkerung von Marseille war für ihren rebellischen Geist im ganzen Land bekannt und dieser blitzte immer dann auf, wenn diese ihre Privilegien bedroht sahen, vor allem die Interessen als Hafen- und Handelsstadt. Marseille profitierte von der Wirtschaftspolitik Colberts, der


damalige

Finanzminister

unter

dem

Sonnenkönig Ludwig XIV. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Stadt Marseille, von welcher aus der Handel nach dem Orient betrieben wurde, nicht reich genug gewesen und hatte zu wenige Schiffe besessen, um den Handel mit Erfolg zu betreiben. Colbert erwartete sich mehr von der günstigen Lage der Stadt und aus diesem Grund verlieh er im Jahr 1669 Marseille das Privilegium des ausschließlichen Handels der Länder des östlichen Mittelmeeres, wodurch die Stadt der erste Handelsplatz des Mittelmeeres wurde. Die Folge war die Ansiedlung vieler Kaufleute und unter anderem eine beträchtliche Vergrößerung der Stadt.6 Die Bevölkerung von Marseille war stets im ganzen Land für seinen Stolz gegenüber seiner Unabhängigkeit bekannt und infolgedessen lehnten sie sich gerne gegen den König oder andere Obrigkeiten auf. Um die neue Regierung der Aufständischen während der Französischen Revolution zu unterstützen, schickte Marseille freiwillige Jakobiner nach Paris und mit ihnen ihr Kampflied, die Marseillaise. Dieses Lied wurde von Claude Joseph Rouget de Lisle in der Nacht von 25. auf 26. April 1792 in Straßburg als Kriegslied der Rheinarmee gedichtet und komponiert. Für den Text stützte er sich teilweise auf Parolen und Appelle, die in den Jakobinerclubs kursierten. Aus diesem Grund wurde das Lied nicht als Werk eines begabten Dichters, sondern als Manifestation des revolutionären Kollektivbewusstseins gedeutet. Den Namen „Marseillaise“ erhielt das Lied, weil es in Paris erstmals im Juli 1792 von Föderierten aus Marseille gesunden wurde, die an der Volkserhebung teilnahmen, die zum Sturz des Königs führten.7

Die

Industrialisierung

und

der Kolonialismus Die Schaffung des französischen Kolonialreiches, insbesondere der Handel mit Algerien und die Eröffnung des Suezkanals, gaben der Stadt neue wirtschaftliche Bedeutung. Im Rahmen großer Bauprogramme ließ damals Napoleon III. neue Straßenzüge anlegen, Monumente errichten und Hafenbecken bauen, die heute noch das Stadtbild prägen. So entstanden überall romano-byzantinischen Prunkbauten, wie etwa die beiden Kathedralen und der Triumphbogen, die uns heute noch daran erinnern. Unter anderem entstand auch der größte Hafen am Viertel La Joliette, der 1863 den ersten Ölimport entgegen nahm. Es war aber auch die Zeit der Dampfschiffe und der ersten Eisenbahnen und der damit einhergehenden Industrialisierung.8 Der Mittelmeerraum entwickelt sich Anfang des 20. Jahrhunderts auch für viele Pariser Filmkünstler zu einem wahren Attraktionspunkt, denn der mediterrane Raum wird vor dem Hintergrund des Kolonialismus zu einem umkämpften Terrain und einer ideologischen Projektionsfläche. So wird Marseille, im Sinn der Pariser Kultur-und Kolonialmacht, immer wieder umgestaltet und soll so die Größe und den Reichtum der Kolonialmacht Frankreichs auch in baulicher Hinsicht illustrieren. Um dies zu verdeutlichen finden, 1906 und 1922 im Parc du Prado auch koloniale Ausstellungen statt.9 Im Zweiten Weltkrieg gehörte Marseille, nach der Kapitulation der Streitkräfte Frankreichs vorerst zur unbesetzten Zone. Jedoch hatte Hitler vor, die Stadt auszuradieren, da sie alles darstellte, was er hasste, vor allem eine kosmopolitische Bevölkerung und Kultur. Im Jänner 1943 führte die Polizei im alten Hafenviertel der Stadt, eine Großrazzia durch, bei der 40.000 Menschen deportiert wurden. Nur bestimmte Berufsgruppen, wie Ärzte und Beamte, sowie

7 Vgl. Schmidt, Doll, Fekt, Loewe, Taubert, 2005, S.615 8 Vgl. Haschke, 2004, S.1870 9 Vgl. Winkler, 2007, S.27

9


Marseille zählt 850.000 Einwohner auch Personen, die den Besitz einer

(Stand 2011)

Wohnung in anderen Stadtvierteln nachweisen konnten, blieben verschont. Auf Himmlers Anweisung erfolgten die Räumung und die anschließende Sprengung eines Großteiles der

Quellenverzeichnis Onlinequellen:

Klett Verlag, Geografie Infothek. Online verfügbar: http://www2.klett.de/sixcms/list.php?page=infothek_artikel&extra=Haack%20Weltatlas-Online&artikel_id=186374&inhalt=klett71prod_1.c.164537.de

historischen Altstadt.10

Offizielle Seite, Euro Méditerranée. Online verfügbar: http://www.euromediterranee.fr/districts/introduction.html?L=1

Das Marseille von Heute

Sammelband: Kibler.W., Zinn, G.(1995). Medieval France: An Encyclopedia (Routledge Encyclopedias of the Middle Ages). (2.Auflage). Garland Pub.

Marseille ist heute eines der wichtigsten Wirtschaftszentren Frankreichs und der Hafen ist der größte Frankreichs. Die französische Hafenstadt in der Provence hat rund 850.000 Einwohner, obwohl Zwischen 1975 und 1995 Marseille 150.000 Einwohner verlor. Ein Grund dafür war die hohe Arbeitslosigkeit, die in den 1990er Jahren bei mehr als 20% lag, nun aber wieder bei 10% gesunken ist. In Folge der Auflösung des französischen Kolonialreiches kamen zahlreiche Flüchtlinge aus Nordafrika nach Marseille. Viele Menschen aus aller Herren Länder verschlug es im

Middel, M., Höpel, T. (1999). Einführung in die Geschichte Frankreichs 1500-1945. (2. Auflage). Leipziger Universitätsverlag. Schmidt, B., Doll, J., Fekl, W., Loewe, S., Taubert, F. (2005). Frankreich Lexikon. (2. Auflage). Erich Schmidt Verlag. Monographie: Bengtson, W. (2001). Römische Geschichte: Republik und Kaiserzeit bis 284 n.Ch. (8.Auflage). C.H.Beck Verlag. Arenz, C. (1999). Ein Einblick in die Staatswirtschaftlichen Verhältnisse unter Ludwig XIV. Friedrich August Credner, k.k.Hof-Buch-und Kunsthändler.

Lauf der Geschichte in die Metropole und dennoch gelang die Integration in Marseille besser als in anderen französischen Großstädten. Soziale Aufstiegschancen, Arbeit und aktive Teilnahme am politischen Leben führten zu wenig starken ethnischen Konflikten.11 Im Jahre 1989 begann Marseille zusätzlich mit dem Stadterneuerungsprojekt Euroméditerranée aufgrund der Initiative des damaligen

Haschke, C. (2004). Daten der Weltgeschichte. Chronik Verlag im Wissen Media Verlag GmbH. Winkler, D. (2007). Filmgeschichte einer Mittelmeermetropole. transcript Verlag Bielefeld. Ballhausen, H. (2004). Chronik des Zweiten Weltkriegs. Chronik Verlag im Wissen Media Verlag GmbH.

Bürgermeisters. Durch neue Infrastruktur soll eine Stadt in der Stadt entwickelt werden. Es ist ein wirtschaftliches, soziales und kulturelles Entwicklungsprojekt und soll dazu führen, dass Marseille eine attraktive und einflussreiche Stadt zwischen Europa und dem Mittelmeer wird.12

10

10 Vgl. Ballhausen, 2004, S.253 11 Vgl. URL:http://www2.klett.de/sixcms/list.php?page=infothek_artikel&extra=Haack%20Weltatlas -Online&artikel_id=186374&inhalt=klett71pro d_1.c.164537.de; [07.01.2014] 12 Vgl. URL: http://www.euromediterranee.fr/districts/introduction.html?L=1; [10.01.2014]


Marseille – Das Tor zu Afrika Verfasserin: Christina Bonelli Denkt man an Marseille, kommen einem

um die europäischen Mittelmeerländer

unter Anderem Begriffe wie Sonne, Meer,

noch stärker mit Nordafrika zu verbin-

provenzalische Leichtigkeit, kulturelle Viel-

den.3

falt und Bouillabaisse in den Sinn. So ergeht es zumindest vorwiegend nicht-Franzosen und Menschen, die der Hafenmetropole am Mittelmeer noch nie einen Besuch abgestattet haben. Tatsächlich treffen die oben genannten Attribute zu. Jedoch zeichnet das reale Marseille ein weitaus vielschichtigeres Bild, als nur jenes eines Sehnsuchtsziels für kulturund sonnengeneigte Urlaubsreisende. Die mit etwa 860.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Frankreichs1 ist auf Grund ihrer besonderen Lage und Geschichte, als das „Tor zu Afrika“, massiv von Einwanderung und daraus resultierenden sozialen Problemen geprägt. Zwar ist eine Erhebung der unterschiedlichen Verteilung der Ethnien in Frankreich nicht üblich, jedoch ist bekannt, dass neben Emigranten aus Italien, den Balkanstaaten und Osteuropa, jene aus Afrika den Hauptanteil der geschätzt 20 bis 25 Prozent der Bewohnern Marseilles ausmacht, welche einen Migrationshintergrund haben.

2

Dies macht die Stadt zu einem bunten Schmelztiegel der Kulturen, Ethnien und Religionen und damit nicht nur zu einer lebendigen, bunten und kosmopolitischen Metropole, sondern leider auch zu einem Pulverfass sozialer Spannungen. „Marseille ist das Tor zur Welt, Marseille ist die Schwelle der Völker. Marseille ist Okzident und Orient“, schrieb der Schriftsteller Joseph Roth schon 1925. Diese Tradition der Multinationalität ist bis heute ungebrochen und wird gefördert: Marseille wurde unter anderem deshalb zur Europäischen Kulturhauptstadt 2013 ernannt, 1 2 3 4 5 6 7 8

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

Di Scala, 2013 Dickey, 2012 Schuster, 2009 Abd al-Halim, 2001 Schmale, 2000, S. 294ff Engler, 2012 Osterhammel, 2009, S. 120 Kreis, 2010

Das Tor wird geöffnet Keine Frage, die Initiative zur „Öffnung“ ging von Frankreich aus und die daraus erwarteten Vorteile waren ursprünglich wohl eher nur in eine Richtung geplant. Im Zuge der Kolonialisierungsbestrebungen in Afrika wurden ab 1830 unter anderem die Gebiete des Maghreb – also Algerien, Marokko, Tunesien, Libyen4 - erobert und im Laufe unzähliger Kriege und bewaffneter Auseinandersetzungen unterworfen. Daneben beanspruchte Frankreich noch in einer Vielzahl weiterer Staaten und Regionen Afrikas seine Vorherrschaft. Dazu gehörten beispielsweise Ägypten, Kamerun, Togo, die Seychellen, Madagaskar, Gabun, Dschibuti sowie das gesamte westafrikanische Territorium zu dem die heutigen Staaten Niger, Senegal, Mali, Elfenbeinküste, usw. zählen.5 6 Nach dem Zweiten Weltkrieg zerfiel das französische Kolonialreich in Folge einer Unzahl von Unabhängigkeitsbewegungen und -kämpfen und basierend auf der politischen Initiative des damaligen Staatspräsidenten Charles de Gaulle relativ rasch.7 Alleine im „Afrikanischen Jahr“ 1960 wurden 14 französische Kolonien unabhängig.8 Die in einer Vielzahl dieser Länder bis Heute immer wieder aufflammenden innerstaatlichen Konflikte und bewaffneten Auseinandersetzungen sowie eine lange Tradition der Anwerbung ausländischer Arbeiter machen Frankreich nach seiner Zeit als Kolonialmacht zu einem bevorzugten Immigrationsziel für afrikanische Bürger.

11


Pieds-noirs Auf der „anderen Seite“ sind weiße, europäische Siedler, die Pieds-noirs, also „Schwarzfüße“, das sichtbarste Zeichen und

auch – die Steuerung der Zuwanderung nach ökonomischen Zielen und die Integration der zweiten und dritten Generation betrachtet.

Erbe des Kolonialismus in Nordafrika. Beginnend mit der

Vor allem die Integration der Muslime in die französische

Eroberung Algeriens siedelten sich vor allem Franzosen

Gesellschaft und das Verhältnis des französischen Staates

aber auch Malteser, Italiener und Spanier in den annektier-

zum Islam stehen dabei im Mittelpunkt.12

ten Gebieten an und repräsentierten zum Ende des Algeri-

In Marseille leben etwa 200.000 Muslime, das sind mehr

enkrieges im Jahr 1962 rund 13 Prozent der Bevölkerung.

als 23 Prozent der Bevölkerung. Viele von ihnen schon in

Die Situation der europäisch stämmigen Algerier wurde

der zweiten oder dritten Generation.13

mit der Unabhängigkeit des Landes insofern brisant, als diese durch die Unabhängigkeitsbewegung mit dem Tode

Spielball rechter Parteien

bedroht wurden, sollten sie Algerien nicht verlassen. Dabei

Eigentlich hätte Marseille geographisch die besten Vor-

waren viele Pieds-noirs – zu den bekanntesten zählen der

aussetzungen, Handelsdrehscheibe des Mittelmeerraums

Literaturnobelpreisträger Albert Camus sowie der Mode-

zu sein. Das schlechte soziale Klima, ständige Streiks und

schöpfer Yves Saint Laurent - seit Generationen in Algeri-

die niedrige Arbeitsmoral führten jedoch dazu, dass der

en beheimatet. Besonders bitter jedoch war die Tatsache,

Handelshafen, im Übrigen seit jeher einer der größten Ar-

dass diese Menschen auch nach ihrer Flucht in die „alte

beitgeber für Immigranten, stetig Marktanteile verlor und

Heimat“ Frankreich dort nur Fremde und unerwünscht wa-

somit zum trudelnden Flaggschiff des wirtschaftlichen Ver-

ren (vgl. Assmann, Kapitel „Identität“9).10 11

falls der Stadt avancierte.14 Auf der Suche nach Sündenböcken für die schlechte wirt-

Einwandererland Frankreich Marseille als Spiegel Von den knapp 63 Millionen Einwohnern Frankreichs sind rund 8,5 Prozent Einwanderer bzw. beinahe 6 Prozent Ausländer. In Bezug auf Drittstaatenangehörige repräsentierten zwischen 2007 und 2010 Algerien und Marokko die wichtigsten Herkunftsländer. Vor diesem Hintergrund werden als wichtigste Herausforderungen der französischen Migrationspolitik für die nähere Zukunft – wie in vielen anderen europäischen Ländern

12

9 Vgl. Assmann, 2006, S. 227ff 10 Vgl. Welter, 2012 11 Vgl. de.wikipedia.org/Pied-noir, 2013 12 Vgl. Engler, 2012 13 Vgl. Ramsdorf, 2012 14 Vgl. Wiegel, 2012 15 Vgl. Ramsdorf, 2012

schaftliche Lage und hohe Arbeitslosigkeit wurde die Partei „Front National“ mit ihrer Spitzenkandidatin Marine Le Pen, bei der muslimischen Bevölkerung Marseilles und damit den Einwanderern aus afrikanischen Staaten fündig. Mit ihrem Vorwurf, die Immigration hätte die Stadt verkommen lassen, fanden sie bei den Regionalwahlen im Jahr 2010 bei mehr als 20 Prozent der Bevölkerung Gehör und Zuspruch, denn die Maghrebiner gelten für viele Franzosen als schwer integrierbar und unerwünscht.15


Zu den Maghreb-Staaten zählen Algerien, Marokko, Tunesien und Libyen.

Der kleinste gemeinsame Nenner In Marseille gibt es wahrlich nicht nur ein friedliches Zusammenleben der Kulturen, sondern massive Konflikte, Rassismus und Diskriminierung.16 Gleichzeitig identifizieren sich viele Einwohner aber stark mit der Stadt. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als bei einem Match von Olympique de Marseille. Wenn der Verein spielt, sind die Straßen der Hafenstadt wie leergefegt. Beim Fußball zumindest scheinen sich die Marseiller einig zu sein und die Unterschiede in Herkunft, Hautfarbe und Religion für 90 Minuten vergessen.17 Der in Marseille geborene Fußballspieler Zinédine Zidane zum Beispiel, der in Frankreich wie ein Held verehrt wird, ist Sohn algerischer Einwanderer. Seine Sportart war es auch, die mit der Weltmeisterschaft 1998 zu einer Imageverbesserung der Stadt beitrug.

18

In erster Linie bezeichnen sich die Einwohner von Frankreichs zweitgrößter Stadt nämlich nicht als Algerier, Franzose, Italiener, Araber oder Muslim – sondern als Marseiller.19

Quellenverzeichnis de.wikipedia.org/Pied-noir. (14. 09 2013). Abgerufen am 07. 10 2013 von http://de.wikipedia.org/wiki/Piednoir Abd al-Halim, R. (2001). www.bpb.de. Abgerufen am 07. 10 2013 von http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/islam-lexikon/21543/maghreb Assmann, A. (2006). Einführung in die Kulturwissenschaft: Grundbegriffe, Themen, Fragestellungen. Berlin: Erich Schmidt Verlag. Di Scala, D. (2013). www.marseille.fr. Abgerufen am 07. 10 2013 von http://www.marseille.fr/sitevdm/jsp/site/Portal.jsp?page_id=769 Dickey, C. (03 2012). www.nationalgeographic.de. Abgerufen am 07. 10 2013 von http://www.nationalgeographic.de/reportagen/melange-marseille Engler, M. (30. 04 2012). www.bpb.de. Abgerufen am 07. 10 2013 von http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/135111/ historische-entwicklung Gnade, S. (21. 01 2013). www.bpb.de. Abgerufen am 28. 12 2013 von http://www.bpb.de/internationales/europa/frankreich/152511/problemgebiet-banlieue Kreis, G. (16. 09 2010). www.nzz.ch. Abgerufen am 28. 12 2013 von http:// www.nzz.ch/aktuell/startseite/1960--das-afrikanische-jahr-der-unabhaengigkeit-1.7572128 Osterhammel, J. (2009). Kolonialismus: Geschichte - Formen - Folgen. München: C. H. Beck oHG. Ramsdorf, I. (16. 04 2012). www.fluter.de. Abgerufen am 07. 10 2013 von http://www.fluter.de/de/110/thema/10285/ Schmale, W. (2000). Geschichte Frankreichs. Stuttgart: Eugen Ulmer GmbH & Co.

Schuster, S. (17. 09 2009). www.planet-wissen.de. Abgerufen am 07. 10 2013 von http://www.planet-wissen.de/laender_leute/frankreich/provence/marseille.jsp Welter, U. (02. 07 2012). www.dradio.de. Abgerufen am 07. 10 2013 von http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/weltzeit/1800549/ Wiegel, M. (27. 09 2012). www.faz.net. Abgerufen am 07.10.2013 von http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/marseille

16 17 18 19

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

Gnade, 2013 Ramsdorf, 2012 Schuster, 2009 Ramsdorf, 2012

13


Kulturangebot in Marseille Verfasserin: Isabella Bernhard Marseille, eine Stadt in der Kunst und

die Kirche mit hochwertigen Materialien

Kultur eine große Rolle spielen. Als Kul-

und künstlerisch gestalteten Wandbil-

turhauptstadt 2013 möchte Marseille und

dern und Mosaiken.2

umliegende Städte wie Aix-en Provence, Arles, Aubagne, Gardanne, Istres, La Ciotat, Martigues, Salon-de-Provence seine Besucher animieren, sich mit der Geschichte und Zukunft, von Städten im mitteleuropäischen Raum zu beschäftigen. Die Stadt hat einiges zu bieten. Neben zahlreichen Museen, alten Festungen und einem historischem Zentrum, dient Marseille als ausgezeichnetes Beispiel, die Gegensätze einer klassischen Hafenstadt und modernen Kulturhauptstadt aufzuzeigen. Bauten wie das Musée des Civilisations und zahlreichen Installationen, wurden im Rahmen der Neugestaltung, in und um Marseille im Zusammenhang mit der Kulturhauptstadt entwickelt. Viele Projekte bestehen weiterhin und tragen nachhaltig zur Erhaltung dieser Städte bei.1

Basilique de Notre Dame de la Garde Die Basilique de Notre Dame de la Garde, ist eine aus dem dem 19. Jarhundert stammende Wallfahrtskirche, die auf einem 147 Meter hohen Berg aus Kalkstein, im neobyzantinischen Stil errichtet wurde. Ein Berg, von dem ein besonderer Ausblick über die gesamte Stadt, sowie auf die Inseln Ratonneau und Pomegues genoßen werden kann. Ein weiteres besonderes Merkmal dieser prunkvollen Kirche ist die vergoldete Statue La bonne Mere, die sich direkt am Spitze des Kirchturms befindet. Die vergoldete Marienfigur ist 11 Meter hoch, wiegt 9796 kg und ist am 41 m hohen Turm angebracht. Zugänglich ist dieses Denkmal über Stufen, die im Zeitraum zwischen 1853 bis 1864, von dem Architekten Henri Jacques Espérandieu errichtet

Vieux Port (Alter Hafen) Vieux Port, der Alte Hafen von Marseille, dieser zählt zu den berühmtesten Hafenbecken des Mittelmeers, in der unmittelbaren nähe des Alten Hafens befindet sich die Festung Saint Jean und Saint Nicolas sowie der Viereckturm aus dem 15. Jahrundert. Auch die ehemaligen Prachtstraßen Canebiere und Quai du Port münden von Norden und Nordosten in den Vieux Port. Außerdem können frühere Funde der Schiffahrt, im naheliegenden Musee des Docks romains et commerce antique betrachtet werden.3

Palais de Longchamp An der Allee Longchamp, liegt der prunkvolle Palast der im Zeitraum zwischen 1862 und 1869 von Henri Esperandieu im monumentalen Stil erbaut wurde. Im Außenbereich des Palastes befinden sich ein ansehnlicher Wasserfall und Brunnen, welche dem Palast vorgelagert sind. Nahe dem Longchamp Palast befindet sich ein schöner Park sowie einem kleinem Zoo. Im Inneren des Gebäudes findet sich das Kunstmuseum Palais des Beaux-Arts.4

Das Château d’If Eine Seemeile von der Küste Marseilles entfernt, befindet sich eine Felseninsel auf der sich die Festung, die früher als Gefängnis diente befindet. Lange Zeit blieb die Insel von Menschen so gut wie unberührt. Erst im 16. Jahrhundert fuhren Fischer hinaus, um die Insel zu betreten.

wurden. Von Innen beeindruckt 1 2 3 4

14

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

URL: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/kulturhauptstadt-2013-himmel-und-meer-salz-und-wind-11855598.html [12.01.2014] URL: http://www.eut.eu/de/cms/city_detail.php?id=2248 [10.10.2013] URL : http://www.eut.eu/de/cms/city_detail.php?id=2244 [10.10.2013] URL : http://www.eut.eu/de/cms/city_detail.php?id=2252 [10.10.2013]


Im Jahre 1516 bemerkte Franz der I,

europäische und mediterrane Kulturen,

dass die Insel von großer Bedeutung

als Ort des Dialoge und Verknüpfung un-

sein könnte, so beschloß er eine Wehranlage zu errichten. Doch wurde die Festung kurz

terschiedlicher Disziplinen.7 Folgende Ausstellungen können aktuell besich-

darauf zu einem Gefängnis umgestaltet, wo underschied-

tigt werden8

lichste Sträflinge untergebracht wurden. Unumstritten

Visite générale du Mucem (Visite de la galerie Méditer-

blieb José Custodio Faria, aus dem Roman Der Graf von

ranée+ le tempsdes loisirs au Fort St Jean)

Monte Christo der bekannteste Häftling aller Zeiten. Über

Visite architecturale du J4

die Jahre verlor das Gefängnis auf der Insel an Bedeu-

Visite Historique du Fort St Jean

tung, so wurde dieses 1890 der Öffentlichkeit zugänglich

Visite Le noir et le Bleu

gemacht. Spuren von damals sind noch bis heute sichtbar,

Visite du Bazar du genre

wie zum Beispiel das Loch, welches Edmond Dantès ein Insasse, in einer der Zellen gegraben hatte. Eine Fähre bringt jährlich mehr als 90.000 Besucher von Marseille auf

Die 2600 Jahre alte Stadt ist die älteste Stadt Frankreichs,

die Insel und zurück.5

welche 600 vor Christus von den Griechen gegründet wurde. Noch heute zählt der alte Hafen (Vieux Port) von

Museen In Marseille befinden sich 21 Museen, welche den verschiedensten Fachrichtungen zugeordnet werden. Dazu zählen Beispielsweise das Musee des Docks Romains im Bereich Heimatkunde, sowie das Musee Grobet-Labadie, Kunstmuseeum. So versucht man den Ansprüchen der unterschiedlichsten Zielgruppen gerecht zu werden.6

Marseille, zum Herzstück der Stadt. So wurden alle Hauptverkehrsstraßen so angelegt, dass sie am Hauptplatz des alten Hafens zusammentreffen. Neben den unzähligen Kulturstätten, finden sich auch zahlreiche alte und moderne Restaurants, inmitten von Marseille und den umliegenden Städten. Es bietet sich ein außerordentliches Angebot an Möglichkeiten, die französische Kultur näher kennen zu lernen und herzhafte kulinarische Gerichte zu verkosten.

Das Mucem So leistet sich die Kulturhauptstadt ein neues Museum, das Musée des civilisations de l’Europe et de la Méditerrannée. In der Nähe des Vieux Port erzählt der spektakuläre Bau von Geschichte und Kultur einer ganzen Region und vielen Epochen. Bei dem Bau des Gebäudes wurde auf hohe Lichtdurchlässigkeit geachtet, so wurden zahlreiche Glaselemente verbaut. Auf einem Areal von 40 Tausend Quadratmetern Fläche, werden zeitgleich unterschiedlichste Austellungen angeboten. So versteht sich das Museum für 6 Vgl. URL : http://www.frankreich-sued.de/marseille-server/sehenswert.htm [12.01.2014] 7 Vgl. URL: http:// de.euronews.com/2013/06/04/mucem-ein-museum-mit-blick-aufs-mittelmeer/ [10.10.2013] 8 Vgl. URL : http://www.mucem.org/ [10.10.2013]

15


Marseille hat 21 Museen Quellenverzeichnis http:// de.euronews.com/2013/06/04/mucem-einmuseum-mit-blick-aufs-mittelmeer/ [10.10.2013] http:// de.euronews.com/2013/06/04/mucem-ein-museum-mitblick-aufs-mittelmeer/ [10.10.2013] http://www.eut.eu/de/cms/city_detail.php?id=2248 [10.10.2013] http://www.eut.eu/de/cms/city_detail.php?id=2244 [10.10.2013] http://www.eut.eu/de/cms/city_detail.php?id=2252 [10.10.2013] Frankfurter Allgemeine Zeitung http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/kulturhauptstadt-2013-himmel-und-meer-salz-und-wind-11855598.html [12.01.2014] http://www.frankreich-sued.de/marseille-server/sehenswert.htm) [12.01.2014] http://www.marseille-tourisme.com/al/sehenswertes-touren/besichtigungen/unsere-ausflugsideen/ [10.10.2013] http://www.marseille-tourisme.com/al/marseille-entdecken/stadt-derkunst/das-chateau-dif-und-frioul-inseln/ [10.10.2013] http://www.mucem.org/ [10.10.2013]

16


Das Sportangebot in Marseille - mit Fokus auf Sport ist als Teilsystem der Gesellschaft

das Stade Vélodrome

Marseille wird 2016 neben Bordeaux,

und Bestandteil jeder Kultur ein sehr

Verfasserin: Claudia Viehböck

Lens, Lyon, Nizza, Paris, Saint-Denis,

komplexes und facettenreiches Phänomen. Dabei spielen aber nicht nur der Spitzen- und

Saint-Etienne und Toulouse die Fußballspieler und ihre Fans empfangen.3

Leistungssport eine Rolle, sondern vor allem Sparten wie Amateur-, Ausgleichs-, Fitness- und Modesport sind die Ausrichtungen, die typisch für den jeweiligen Kulturkreis sind.1 Demnach sind der Sport und die Kultur in der er ausgeübt wird, eng verwoben und auch das Angebot an Sportarten ist von der spezifischen Kultur abhängig. Dies gilt genauso in Marseille, wo durch die Lage am Meer besonders viele mediterrane Sportarten wie Segeln, Surfen oder Tauchen beliebt sind. Obwohl Marseille aufgrund der Tatsache, dass es 2013 Kulturhauptstadt Europas war, derzeit mehr für seine Kultur als für sportliche Angebote im Gespräch ist, hat die Stadt in dieser Hinsicht einiges zu bieten. Laut der offiziellen Website der Stadt gibt es 1.500 Sportklubs, 150.000 Lizenznehmer und 150.000 lizenzfreie Sportler. Außerdem werden verschiedene Veranstaltungen wie der „Coupe du Monde de football“, der Marathon von Marseille, das „Open de tennis“ und die „World séries“ hier abgehalten. Zur Austragung diverser Sportveranstaltungen unterschiedlicher Größenordnungen und für Sportausübende allgemein stehen insgesamt 124 Sporthallen, 17 Schwimmbäder, 71 Sportarenen, 90 Tennisplätze, 223 Boules-Spiel Plätze, 251 Sportplätze und das Stade Vélodrome zur Verfügung. Die Stadt wendet jährlich 10 Millionen Euro für die Instandhaltung und Neumöblierung der Sportstätten und den Kauf neuer Sportausrüstung auf.2 Ein Teil dieser Ausgaben fließt auch in die Vorbereitungen für die UEFA Euro 2016, die bereits zum dritten Mal in Frankreich stattfinden wird.

1 2 3 4 5

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

Le stade Vélodrome Der Grundstein für das Stadion, welches sich im Herzen der Stadt befindet, wurde am 28. April 1935 gelegt. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit wurde das Stade Vélodrome am 13. Juni 1937 eröffnet. Zu dieser Zeit hatten die Architekten Henri Ploquin und Stephen Pollack das Gebäude für 35.000 Zuschauer konzipiert. Das Stadion wurde im Laufe der Jahre einige Male renoviert und ausgebaut, bis es schließlich für die Fußball-Weltmeisterschaft 1998 das Fassungsvermögen von 60.031 Zuschauerplätzen erreichte. Dadurch wurde es das zweitgrößte Stadion Frankreichs, gleich nach dem Stade de France in Saint-Denis bei Paris.4 Das Stadion von Marseille ist Sitz des Fußballvereins Olympique de Marseille, findet aber dennoch auch für viele andere Sportarten Platz. Obwohl große Teile des Bauwerks im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, konnten auch damals schon viele sportliche Wettkämpfe dort abgehalten werden. Es wurden Hunde- und Motorradrennen, Boule Wettkämpfe, Boxkämpfe, Handballturniere, Baseballspiele und Eiskunstlauf veranstaltet. Nach Ende des Krieges teilte sich der Olympique de Marseille das Stadion mit dem ansässigen Rugby Verein. In den folgenden Jahren wurden im Stade Vélodrome Leichtathletik-Wettkämpfe, Pisten-Radrennen und Rugbyspiele abgehalten. Seit den achtziger Jahren dient das Stadion auch als Schauplatz für Konzerte, wie zum Beispiel von Pink Floyd, den Rolling Stones, U2 oder Police.5

Haag(Hrsg.), 1996, S. 8 http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-sport-a-marseille [07.10.2013] http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/euro-2016 [07.10.2013] http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/un-stade-de-legende [08.10.2013] http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/un-stade-de-legende [08.10.2013]

17


Die Renovierung

gung der Außenanlagen verwendet. So werden jährlich 17.000 m³ Wasser ein-

des Stadions

gespart. Außerdem sorgen vier Windkraft-

Obwohl das Stadion bereits im Jahr 1935

anlagen für die Stromzufuhr des Stadions.7 All

erbaut und danach im Zweiten Weltkrieg sogar teilweise zerstört wurde, mussten erst 1971 erste Erneuerungen vorgenommen werden. Die Kapazität des Stadions wurde damals auf 55.000 Zuschauerplätze erweitert. Etwa

diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass das Stadion den Richtlinien für ein Niedrigenergiegebäude entspricht, wodurch es den Titel Eco-Quartier tragen darf.8

zehn Jahre später, 1983, wurden Logen erbaut und dadurch die Plätze für Zuschauer wieder auf 42.000 reduziert. In Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 1998 wurde das Stadion komplett renoviert und die Zuschauerplätze auf die auch heute noch aktuellen 60.000 erweitert. Zudem bietet das Stade Vélodrome insgesamt 60 Logen und Platz für 1.800 Journalisten. Die vier Tribünen tragen die Namen berühmter Persönlichkeiten aus Marseille: des

Eckdaten des Stadions9 • 100.000 m² Fläche • 18.000 m² Verkaufsfläche auf drei Ebenen • 3.500 m² Wellness-, Sport- und Gesundheitsbereich • 8.000 m² Drei- und Viersternhotellerie • 19.500 m² Fläche des Dienstleistungssektors • 750 Parkplätze

Athleten Jean Bouin, des Radfahrers Gustave Ganay, des Boxers Raymond Grassi und des Gemeinderates Nicolas

Kritik

Roze. Die Tribüne Raymond Grassi wurde jedoch an Ge-

Trotz der Tatsache, dass das Stadion Platz für 67.000 Zu-

denken an Patrice de Peretti auf dessen Namen umbe-

schauer hat, werden im Verhältnis dazu nur sehr weni-

nannt, da dieser im Jahr 2000 verschwand und ein großer

ge Parkplätze angeboten. Mit 750 ausgewiesenen Park-

Anhänger des Stadions gewesen war. Durch die Renovie-

plätzen rund um das Stadion hätten nur rund 1,12% der

rungsmaßnahmen wurde es möglich, dass jeder Zuschau-

Zuschauer die Möglichkeit ihr Auto abzustellen. Im Falle

er von seinem Platz aus einen ausgezeichneten Blick auf

einer Großveranstaltung können zwar die Parkplätze des

die Geschehnisse im Stadion hat. Dafür musste jedoch die

angrenzenden Einkaufszentrums mitbenützt werden, wo-

Überdachung des Stadions entfernt werden, welche für

durch aber auch lediglich 1.130 weitere Parkplätze zur Ver-

die UEFA Euro 2016 wieder angebracht werden wird.

fügung stehen.10 Es bleibt also fraglich, ob das öffentliche

Zur Vorbereitung auf dieses Großereignis wird das Stade

Verkehrsnetz weit genug ausgebaut ist, um die Anzahl der

Vélodrome von Grund auf erneuert und in eine Sportstät-

Zuschauer zu tragen, die so keine Möglichkeit haben, mit

te mit elegantem und purem Design mit Platz für 67.000

dem Auto anzureisen.

Zuschauer verwandelt. Im Zuge dieser Renovierungsar-

Abgesehen von der Parkplatzsituation versucht das Stadi-

beiten werden auch neue Maßnahmen zur nachhaltigen

on durchaus auf dem neuesten Stand zu sein. Eine derart

Energiegewinnung und Ressourceneinsparung unternom-

große Anlage ökologisch zu betreiben ist zwar oft schwie-

men. Das Regenwasser wird gesammelt und für die Be-

rig und bringt einen hohen Kostenaufwand mit sich, aber

wässerung des Rasens, die Sanitäranlagen und die Reini-

es ist wie das Beispiel des Stade Vélodrome zeigt nicht un-

6

18

6 Vgl. http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/un-stade-de-legende [08.10.2013] 7 Vgl. http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/la-modernisation-du-stade [09.10.2013] 8 Vgl. http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/un-nouvel-ecoquartier [09.10.2013] 9 Vgl. http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/un-nouvel-ecoquartier [09.10.2013] 10 Vgl. http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/un-nouvel-ecoquartier [09.10.2013]


Neben Fußball sind auch Surfen, Tauchen, Kajakfahren und Segeln viel möglich. Die Nutzung von Regenwasser

ausgeübte Sportarten.

Mit einem erneuten Trainerwechsel

und erneuerbarer Energien ist für einen

1986 lebte der Club endgültig auf und

Veranstaltungsort dieser Größenordnung

konnte an seine früheren Erfolge anknüp-

sehr vorbildhaft. Dadurch bekommen auch

fen.

sportliche Großveranstaltungen wie die UEFA Euro 2016

Neben dem Profi-Fußballteam betreibt der Olympique de

einen anderen Stellenwert und können durch die nachhal-

Marseille auch eine sehr erfolgreiche Da-menmannschaft

tigen Renovierungsmaßnahmen des Stadions in Marseille

und fördert den Nachwuchs sehr stark.

durchaus einen Vorbildcharakter entwickeln.

Joggen Olympique de Marseille

In Marseille laden die 10 km langen Strände der Corniche

Der Olympique de Marseille ist der in dieser Stadt und vor

und die 26 ha großen Grünflächen der Plages du Prado so-

allem in diesem Stadion ansässige Fuß-ballverein. Seine

wie des dahinter liegenden Parc Borély zum Joggen ein.12

Geschichte begann 1899, als er als erster Fußballverein

Diese Joggingstrecken können als Vorbereitung für den

in Marseille gegründet wurde. 1924 festigte dieser seinen

Marathon von Marseille, den „Run In Mar-seille“ dienen.

Status mit einem imposanten Finale in der französischen

Dieser findet jedes Jahr im Frühling statt und bietet seinen

Meisterschaft. Weitere Siege folgten 1926, 1927 und

Teilnehmern die Wahl zwischen Viertel-, Halb- und ganzem

schließlich 1929 der Champions League Titel. Damit war

Marathon. Die Strecken führen in allen drei Fällen durch

der Grundstein für eine professionelle Fußballlaufbahn des

die Stadt, vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten wie zum

Olympique de Marseille gelegt. Doch nach der Zeit des

Beispiel dem MUCEM oder dem Vieux-Port.13

11

Zweiten Weltkrieges ging es steil bergab mit dem Fußballverein, bis hin zum Abstieg in die zweite Liga 1959, woraufhin die Zuschauer und die Fans dem OM den Rücken kehrten. Erst 1969 kehrte gemeinsam mit einem neuen Trainer der Erfolg nach Marseille zurück, was durch zahlreiche Siege in den folgenden Jahren bestätigt wurde. 1976 erlitt der Club jedoch erneut einen herben Rückschlag, als er nach einem verlorenen Spiel gegen Lyon in die zweite Liga abstieg und Gerüchte über die Auflösung des Olympique de Marseille laut wurden. Die Schulden häuften sich und die weitere Existenz des Clubs hing am seidenen Faden, die am Ende nur durch zahlreiche Investoren gesichert werden konnte.

11 12 13 14 15

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

Kajakfahren Die verschiedenen Anbieter für Kajaktouren in und rund um Marseille bieten verschiedene Exkursionen in die Reede von Marseille und die Calanques an.14 Es gibt von Halbbis Mehrtagestouren über Stand Up Paddling bis hin zu Touren für sehr fortgeschrittene Kajakfahrer viele interessante Angebote.15

Segeln und Surfen Rund 8 km südlich des Stadtzentrums bietet Frankreichs größter Surfclub Pacific Palissades seinen Schülern Unterricht für alle Levels und Ausflüge um die Schönheit

http://www.om.net/fr/la-legende-de-l-om/511001/la-Legende-de-l-OM/&param=70407 [07.01.2014] Simon, 2011, S. 22 http://www.runinmarseille.com/fr/infos_parcours.html [10.01.2014] Simon, 2011, S. 22 http://www.kayak-marseille.fr/ [10.01.2014]

19


Im Stade Vélodrome wird für die Bewässerung des Rasens, die Sanitäranlagen und die Reinigung der Außenanlagen ausschließlich Regenwasser des Meeres rund um Marseille vom Was-

verwendet.

ser aus erkunden zu können.16 Marseille

die neunte Weltausstellung für Unterwasserfotografie abgehalten.21

und seine Umgebung sind generell sehr gut für Segel- und Surfsport geeignet, da hier der für diese Gegend typische Mistral-Wind häufig auftritt. Dadurch entstehen bis zu drei Meter hohe Wellen für die Surfer und auch ideale Konditionen für Segler. Für Anfänger sind die langsam abfallenden Strände und vorgelagerten Landzungen optimal.17 In Marseille finden regelmäßig Wettkämpfe im Segeln und Surfen statt. Beispiele dafür sind unter anderem die Challenge d’Hiver, die Calanques Classique, die Voiles du Vieux-Port oder der Bati Cup.18 Die Qualität des Wassers rund um Marseille ist sehr gut und auch die zahlreichen öffentlichen Strände sind durchwegs gepflegt. Insgesamt gibt es sieben Strände, die von Beachvolleyball, kinderfreundlichen Angeboten, Wasserski, Skaterparks bis hin zu jeglichen kulinarischen Köstlichkeiten alles bieten.19

Wandern Rund um Marseille laden viele Kilometer unberührter Natur zum Wandern ein. Im Osten der Stadt sind das die Kalkklippen des Massif de Marseilleveyre mit einer Höhe von rund 400m. Am Fuß dieses Massivs befinden sich die Calanques, die genau wie der Bergzug frei von Zivilisation sind. Besonders zu beachten sind die sich stark ändernden Wetterbedingungen in Marseille. Aufgrund der Nähe zum Meer kann es hier zu starkem Wind, dem sogenannten Mistral kommen. In solchen Fällen, und auch bei starker Trockenheit im Sommer und der damit einhergehenden Feuergefahr werden die Wander- und Kletterwege gesperrt.22 Zudem sind die Calanques Naturschutzgebiet und unterliegen deshalb von Juni bis September strengen Zugangsregelungen. Diese sind abhängig von den Witterungsbedingungen und werden in drei Stufen, die von freiem Zugang bis hin zu Fahr- und Parkverbot, reichen,

Tauchen

eingeteilt. Solche Zugangsverbote dienen nicht nur dem

Marseille und seine Umgebung sind aufgrund der insge-

Schutz des empfindlichen Ökosystems sondern auch der

samt 250 Riffe, Inseln, Felsküsten und Wracks, die das

Eindämmung von Gefahren ausgehend von und für Be-

Erkunden des Meeres hier besonders interessant machen,

sucher. Um diese Gefahren zu minimieren und die Besu-

sehr beliebte Ziele für Taucher.20 Die Küste vor Marseille

cher der Calanques auf die Regelungen aufmerksam zu

ist besonders bei anspruchsvollen Tauchern beliebt und

machen, werden geführte Wanderungen und Ausflüge mit

belegt daher einen Spitzenplatz unter den Taucherdestina-

ausgebildeten Wanderführern angeboten.23

tionen. Die Stadt ist auch der Sitz des FFESSM (Fédération

20

Française d’Etudes et de Sports Sous-Marins), des INPP

Das Zentrum des Sports in Marseille ist ohne Zweifel das

(Institut National de Plongée), des Meeresforschungszen-

Stade Vélodrome. Zum einen ist dies der Sitz des Fußball-

trums und der international für Tiefseetauchexpeditionen

vereins der Stadt und zum anderen werden hier wichtige

bekannten Firma Comex. Im Jahr 2002 wurde in Marseille

und große Sportveranstaltungen wie die Fußballweltmeis-

16 17 18 19 20 21 22 23

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

Simon, 2011, S. 22 http://www.suedfrankreich-netz.de/168/Sport-Freizeit/Wassersport/Surfen-Windsurfen-Kitesurfen/Surfspots-Cote-d-Azur.html [10.01.2014] http://www.lanautique.com/regates-societe-nautique-marseille.asp [10.01.2014] Simon, 2011, S. 22f Simon, 2011, S. 23 http://www.marseille-tourisme.com/al/marseille-entdecken/calanques/taucherparadies-marseille/ [10.01.2014] Simon, 2011, S. 23 http://www.marseille-tourisme.com/al/wanderungen-durch-die-calanques-von-marseille/ [10.01.2014]


terschaft oder Turniere und Wettkämpfe

anderer

Sportarten

ausgetragen.

Doch auch fernab dieser Veranstaltungen für Leistungs- und Spitzensport hat die Stadt einiges zu bieten. Von Sportarten, die auf oder im Meer ausgeübt werden wie Segeln, Surfen und Tauchen, über Sportarten in luftiger Höhe bis hin zu Sport für Erholung Suchende, die lediglich die Natur genießenn wollen, ist für jeden etwas dabei. So lanciert Marseille auch fernab der Kulturhauptstadt 2013 zu einer wirklich sehenswerten Destination mit großem Angebot und viel französischem Charme.

Quellenverzeichnis http://www.kayak-marseille.fr/ [10.01.2014] http://www.lanautique.com/regates-societe-nautique-marseille.asp [10.01.2014] http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/euro-2016 [07.10.2013] http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-sport-a-marseille [07.10.2013] http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/ la-modernisation-du-stade [09.10.2013] http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/ un-nouvel-ecoquartier [09.10.2013] http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/ un-stade-de-legende [08.10.2013] http://www.marseille-tourisme.com/al/marseille-entdecken/calanques/ taucherparadies-marseille/ [10.01.2014] http://www.marseille-tourisme.com/al/wanderungen-durch-die-calanques-von-marseille/ [10.01.2014] http://www.om.net/fr/la-legende-de-l-om/511001/la-Legende-de-lOM/&param=70407 [07.01.2014] http://www.runinmarseille.com/fr/infos_parcours.html [10.01.2014] http://www.suedfrankreich-netz.de/168/Sport-Freizeit/Wassersport/Surfen-Windsurfen-Kitesurfen/Surfspots-Cote-d-Azur.html [10.01.2014] Haag(Hrsg.), Herbert (1996), Schorndorf, Verlag Karl Hofmann

Sportphilosophie.

Ein

Handbuch,

Simon, Klaus (2011), DuMont direkt Reiseführer Marseille, Ostfildern, DuMont Reiseverlag

21


Europäische Kulturhauptstadt Marseille-Provence 2013 Marseille war in der Vergangenheit als Tor zu Afrika bekannt und die ersten Assoziationen die in Verbindung mit der Kulturhauptstadt 2013 gemacht wurden, waren Einwanderungsflüsse und Drogenprobleme die zu einer hohen Kriminalität führte. Durch den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ und allen Maßnahmen die im Zuge dieses Jahres umgesetzt wurden, konnte Marseille seinen internationalen Ruf deutlich verbessern. Durch die hervorragende Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Kooperationspartner konnten verschiedene Projekte in Kultur, Infrastruktur und Aufwertung der Stadt selbst realisiert werden. Auch Österreich spielte eine große Rolle und es wurden zehn österreichische Projekte im Bereich Bildende Kunst, Theater, Musik und Geschichte in Marseille übernommen und umgesetzt. Im Folgenden soll die Konzeptanalyse, die Umsetzung und die österreichischen Projekte näher erläutert werden.

22


Konzeptanalyse Kulturhauptstadt Marseille-Provence In der jüngeren Vergangenheit genoss Marseille keinen besonders guten Ruf.

2013

Inhaltlich

Verfasserin: Emma Gottmann

Vor allem durch die andauernden Banden-

Die Initiative der europäischen Kulturhauptstadt bezweckt, den Reichtum und die

kriege machte die Stadt in der internationalen

Vielfalt der Kulturen Europas zu akzentuieren,

Presse auf sich aufmerksam. „Verzweifelt forderte eine

„die kulturellen Bande zu würdigen“ und gleichzeitig die

Bezirksbürgermeisterin jüngst sogar eine Militärinterventi-

Konfrontation verschiedener Kulturen und deren Verstän-

on. Wegen des Einsatzes von Kriegswaffen könne nur die

digung - „ein Gefühl für die europäische Bürgerschaft zu

Armee angemessen eingreifen, sagte

Samia Ghali.“ Auf

schaffen“. Dieser Titel bietet der betitelten Stadt auch den

einen Militäreinsatz wurde bislang zwar verzichtet, aber

Anreiz, die Stadt umzugestalten und das kulturelle Leben

dennoch gibt sich die Stadt aktuell sehr viel Mühe, ihr

wieder zu vitalisieren und damit den Bekanntheitsgrad und

Image aufzubessern. Daher wird auch große Hoffnung in

den Tourismus in der Stadt zu fördern und „ihr Image in

den Titel der Kulturhauptstadt Europas gesetzt, den Mar-

den Augen ihrer Bewohner zu verbessern“.3

1

seille-Provence aktuell im Jahr 2013 für sich beansprucht. Marseille-Provence, das sind die Stadt Marseille und die

Im Zuge der Kandidatur für den Titel müssen die Bewer-

umliegenden Städte Aix-en-Provence, Arles, Aubagne,

berstädte bereits ein ganzheitliches Programm vorstellen,

Gardanne, Istres, La Ciotat, Martigues und Salon-de-Pro-

das die regionalen Besonderheiten und Bewohner einbe-

vence, um die wichtigsten zu nennen.

zieht und gleichzeitig eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit auf europäischer Ebene einplant. „Dieses Kriterium

Förderprogramm Kulturhauptstadt Europas Zu Beginn der Achtzigerjahre entstand die Idee einer jährlich wechselnden Kulturhauptstadt für Europa, um die kulturelle und historische Zusammengehörigkeit der europäischen Nationen zu versinnbildlichen. So wird dieser Titel bereits sei 1985 alljährlich einer anderen Stadt verliehen und „[s]eit dem Beginn des neuen Jahrtausends sind es pro Jahr mindestens zwei und gerne auch schon mal eine ganze Region […]. Die größere Streubreite ist eine Folge des EU-typischen Hangs zu wenigstens symbolischer Verteilungsgerechtigkeit.“2

1 2 3 4

soll die Städte außerdem ermutigen, ein Programm mit nachhaltigen Auswirkungen zu entwerfen, d. h. ein Programm, das sich auf die langfristige Entwicklung der Stadt auswirkt.“ Wobei das Programm zu diesem Zeitpunkt einerseits bereits ein ganzes Jahr füllen können sollte, andererseits soll es „Spielraum für ggf. erforderliche Entwicklungen und Änderungen bieten“.4 Auch die Planung der Organisation, das Budget sowie die Kommunikationsstrategie sollte

bereits fortgeschritten

sein und bestimmten Voraussetzungen entsprechen. Zum Beispiel sollte die Organisation eine solide Struktur aufweisen und von den Behörden unterstützt werden, jedoch ohne dabei in Abhängigkeit der Behörden zu geraten.

http://www.krone.at Lehnartz, 2013 Vgl. http://ec.europa.eu Vgl. ebd.

23


Formell

nicht berücksichtigt und Kooperationen

Ein Staat, der die Auszeichnung „Kultur-

vom zuständigen Pariser Kulturdirektor

hauptstadt Europas“ anstrebt, muss sich

Bernard Latarjet abgelehnt. Die Künstler

zu einer freiheitlich-demokratischen Grund-

Martin Carrese, Antonin Doussot und Eric Prin-

ordnung bekennen, um eine Antrags- und Teilnahmebe-

gels meldeten sechs Monate vor der offiziellen Kandidatur

rechtigung zu erlangen. Bei Einreichung der Bewerbung

den Markennamen „Marseilles 2013“ als Namen für ihre

sollte ein Gesamtkonzept, welches ein kulturelles Thema

unabhängige Initiative an.

von europäischen Dimensionen beinhaltet, bereits vorlie-

Als die Stadt jedoch 2008 den Zuschlag erhielt, lehnte La-

gen. Es soll eine möglichst große Einbindung von lokalen

tarjet eine Kooperation mit der Gruppe ab, die dann 2011

und internationalen Künstler sowie der Bevölkerung statt-

mit der Idee antrat, ein OFF-Festival im kleinen Hafen Val-

finden, zum Zweck der Verbesserung der Lebensqualität

lon des Auffes

und des Ansehens im internationalen Vergleich. In diesem

und personell ausweitete und nun zu einem umfangrei-

Zusammenhang sollen auch die Besonderheiten des kultu-

chen Gegenprogramm zum offiziellen Kulturangebot an-

rellen Erbes, wie der Architektur und der Künste, gepflegt

gewachsen ist. Formell anerkannt ist es jedoch nicht und

und betont werden.

wird von öffentlicher Seite überwiegend übergangen.7

abzuhalten, das sich zunehmend räumlich

Die finanzielle Unterstützung der europäischen Gemeinschaft für die Kulturhauptstadt Europas wird seit 2007 aus dem KULTUR-Programm finanziert. Es sind für jede Kulturhauptstadt 1,5 Millionen Euro vorgesehen, wobei die Förderung aufgrund des Subsidiaritätsprinzips maximal 60% der Gesamtkosten betragen darf. Bezuschusst werden allerdings nur Projektkosten und keine Investitionskosten.5 Eine Jury wird mit der Aufgabe betraut, eine Kulturhauptstadt unter den Bewerbern auszuwählen. Sechs der Jurymitglieder werden hierzu vom betreffenden Land bestimmt und sieben weitere von den EU-Institutionen. „Obwohl die endgültige Entscheidung beim Rat liegt, wird seine Bestätigung der Juryentscheidung nur als reine Formalität betrachtet.“6 Der Form der Bewerbung als bereits weit entwickeltes Programm scheint zumindest im Fall Marseilles von den Initatoren großes Gewicht verliehen worden zu sein. Informell entstandene Projektideen aus der Off-Kulturszene wurden nach Einreichung der Bewerbung im Jahr 2004 explizit

24

5 6 7 8

Vgl. www.europa-foerdert-kultur.info http://www.euractiv.com Vgl. www.marseille2013.com Vgl. Fishman, 2013

Bauprojekte Alles in allem investierten Stadt, Staat und Region 660 Millionen Euro in den Um- und Neubau von insgesamt 60 Kultureinrichtungen sowie den Umbau des gesamten Hafens in eine Fußgängerzone. „Für das Programm haben die Veranstalter mit rund 98 Millionen ganz groß eingekauft.“ Bekannte Architekten wie Rudy Ricotti, Jean Nouvel und Frank Gehry wurden mit den verschiedenen Projekten betraut.8 Eines der zwei großen neuen Aushängeschilder Marseilles ist das futuristische Musée des civilisations de l’Europe et de la Méditerranée (MuCEM) des französischen Stararchi­ tekten Rudy Ricciotti „das erste große nationale Museum Frankreichs außerhalb von Paris [...] – schon das ist angesichts des französischen Zentralismus eine Revolution. Das MuCem ist kein Kunstmuseum, sondern dreht sich um ethnologische Fragen, [...] Als ehemaliger Direktor des Institut du Monde Arabe in Paris wird er [Thierry Fabre]


Insgesamt wurden 660 Millionen Euro in den Um- und Neubau von aus dem neuen Museum einen Ort der

60 Kultureinrichtungen

Debatte, der Auseinandersetzung ma-

investiert.

chen.“9 Ebenso auch die futuristisch gestaltete Villa Mé-

sammelt sich in den Betonsilos am Stadtrand.“12

Die gesammelte Armut beschränkt sich nicht nur auf die finanzielle Mittellosigkeit der

diterranée mit ihren ausgedehnten Ausstellungsflächen

Bewohner der „quartiers nord“, auch der Ausbau der kul-

oben und dem imposanten Unterwasser-Auditorium direkt

turellen Infrastruktur spart die Problemviertel fast vollstän-

nebenan.

dig aus. „Rund 600 Millionen Euro [...] fließen in die kultu-

„Der Bau [Villa Méditerranée] bildet eine Art Sprungbrett

relle Infrastruktur, weitere 100 Millionen in das Programm.

mit einer dreißig Meter stützenlos vorgreifenden Ausstel-

Ein einziges Kino gibt es im Norden, ein großes Theater,

lungsplattform. Nur weiß offenbar noch niemand genau,

zwei Bibliotheken, soziokulturelle Zentren gibt es nur we-

wohin der Sprung gehen soll. Die allgemeine Rede von

nige. [...] besonders in den quartiers nord gibt es also

Kulturaustausch vermag die Konzeptarmut dieser neuen

Nachholbedarf. Dennoch entfallen auf die vier nördlichsten

Einrichtung nur schlecht zu verbergen.“10

Bezirke nur drei der insgesamt 52 Großbaustellen.“13

Es scheint beinahe als spiele sich hier ein Konkurenzkampf ab zwischen der Stadt Marseille, die das MuCEM erbaute, und der Provence, die dem MuCEM die Villa Méditerranée gegenübersetzte. Aber diese beiden Bauten sind nicht das Einzige, was im Hafenviertel von Marseille gebaut wurde. Der gesamte Hafen wurde umgestaltet: „Dass die zentralen Viertel von Marseille noch heute von Immigranten und kleinen Leuten bewohnt sind, passt der aktuellen Stadtpolitik nicht ins Konzept, die die Stadt mit einem urbanistischen Erneuerungsprogramm für ihre industrielle Karriere als Businessstandort zurüsten will. Ob diese „Normalisierung“ gelingt, ist nicht sicher in einer Stadt, in der die Dinge selten liefen wie geplant“.11 Bisher waren

re-

novierungsbedürftige Altbauquatiere, Spelunken und Krämerläden das Haupterscheinungsbild des ältesten Viertels Marseilles. Nach dem millionenschweren Umbau sind die Preise rasant

gestiegen, das neue Geschäftsviertel Eu-

romediterranée ist entstanden und wird von Eigentumswohnungen, Boutiquen, Bürotürmen und Designerläden dominiert. „Wer nicht mithalten kann, muss wegziehen. Die Armut 9 Bloch, 2013 10 Hanimann, 2013 11 Brand, 2013 12 Fishman, 2013 13 Schmidt, 2013

Inhaltliches Programm Inhaltlich ist Marseille-Provence 2013 in drei Phasen gegliedert: Im ersten Kapitel von Januar bis Mai lautet das Motto “Marseille-Provence accueille le monde” (Marseille-Provence begrüßt die Welt) und bezieht sich auf die lange Tradition Marseilles als Tor zum Mittelmeer. Es „beginnt mit der Eröffnung der Kulturhauptstadt als ein Fest der Begegnung und des Austausches.“ Das zweite Kapitel zwischen Juni und August heißt “Marseille-Provence à ciel ouvert” (Marseille-Provence unter freiem Himmel) und thematisiert den Bezug zwischen Kunst und Natur. Es bietet auch einige Möglichkeiten, die Wechselwirkung zwischen dem Urbanen und dem Ländlichen aufzugreifen. September bis Dezember zeigt mit “Marseille-Provence aux mille visages” (Marseille-Provence, Land der tausend Gesichter) seine tausend Gesichter und „setzt den Akzent auf die Kunst des Zusammenlebens im öffentlichen Raum, auf neue zeitgenössische darstellende Kunst und ein spe-

25


Das MuCEM ist das einzige Nationalmuseum ziell auf Kinder und Jugendliche ausge-

Frankreichs außerhalb

richtetes Programm.“14

von Paris.

Neben den bereits beschrieben neu erbauten Museen bietet der Hafen Marseilles auch ei-

aller Probleme Marseilles. Im Gegensatz zu den Kulturhauptstadt-Vorgängern Lille

oder Liverpool, die mit dem Veranstaltungsprogramm ihren Weg aus der Krisegekrönt ha-

nige weitere Ausstellungsstätten und Veranstaltungsorte:

ben, will Marseille das Kulturhauptstadtjahr nutzen, um

Im ehemaligen Hafenhangar J1 lässt sich die Historie der

einen Weg aus der Krise zu finden20 eine neue kulturelle

Stadt von der Gründung über die kolonialen Eroberungs-

Infrastruktur aufzubauen, den Bewohnern mehr Lebens-

feldzüge bis zur Neuzeit nachverfolgen.15

qualität zu bieten und somit aus der ärmsten Stadt Frank-

Eine leerstehende Tabakfabrik wurde einst von jungen

reichs ein internationales Vorzeigeobjekt zu formen.21 Dies

Leuten besetzt. Inzwischen haben sie Mietverträge und

bringt aber zugleich die Problematik mit sich, dass diese

die Stadt hat die Hallen zum Kulturzentrum „La Friche la

massive Umgestaltung der Stadt für die Bevölkerung wo-

Belle de Mai“ umgestaltet, in dem nun zahlreiche Kon-

möglich zu plötzlich kommt und zu sehr von oben herab

zerte, Ausstellungen und diverse Events zeitgenössischer

bestimmt wird, um akzeptiert zu werden.

Kunst stattfinden.16

„Migration, Rassismus, Gleichberechtigung, Religion und

Das „Le Silo“ war einst Frankreichs größter Getreidespei-

die Umwelt: dies seien die Themen, die Europa, und be-

cher und wurde 2011 als Konzertsaal neueröffnet.17

sonders auch Marseille, heute beschäftigten, sagte Ber-

Außerdem „bietet [Marseille-Provence 2013] auch Platz für

nard Latarjet, der Leiter von Marseille-Provence 2013, [...]

ganz neue Festivals wie das Festival de Pâques (klassi-

und glaubt, dass keine andere Stadt im Wettbewerb die

sche Musik), „Août en danse“ oder „Cahier de vacances“

Auszeichnung als Europäische Kulturhauptstadt mehr ge-

(junges Publikum). Einige davon haben gute Chancen auf

braucht hätte als Marseille. Keine andere Stadt könne Eu-

einen festen Platz in der Festivallandschaft nach 2013.“

ropa mehr dienen.“22

(http://www.ambafrance-de.org) Insgesamt wurden in

Marseille soll als Kulturhauptstadt Europa helfen, im Mittel-

der ganzen Provence 18 verschiedene Ausstellungen ge-

meerraum eine bessere Position als wichtiger Knotenpunkt

staltet.18

einzunehmen und ein wichtiges Bindeglied in internationalem Austausch und Forschung zu bilden. Diese Verbin-

Anspruch „Kultur ist in dieser durch Einwanderungswellen in mehr als 2.600 Jahren gewachsenen Polis unweigerlich ein Plural: ein „multikulturelles“ Gemisch von Menschen und Einflüssen[...].“19 Diese teils explosive, multikulturelle Mischung gibt der Stadt ihren Charme und gleichzeitig ist sie auch die Wurzel

26

14 15 16 17 18 19 20 21 22

Vgl. de.rendezvousenfrance.com Vgl. Balmer, 2013 Vgl. Fishman, 2013 Vgl. http://marseillecityofculture.eu Vgl. Bloch, 2013 Balmer, 2013 Vgl. Hanimann, 2013 Vgl. Meierhöfer, 2013 www.euractiv.com

dung ist von großer Relevanz für das gesamte Europa, da viele wichtige Entscheidungen im Mittelmeerraum getroffen werden. Marseille habe sich unter den Bewerbern um diesen Titel durchsetzen können, weil es eine „Balance zwischen kultureller Qualität, politischem Engagement und wirtschaftlicher Gewichtung gefunden habe“. So Sir Robert Scott, der Vorsitzende der Jury, kurz nach der


Bekanntgabe der Entscheidung im Le

Zwar wurde das Polizeiaufgebot deutlich

Monde23. Jedoch scheint es, als müs-

erhöht, jedoch ist klar, dass dies allein

se Marseille dazu nicht notwendigerweise auch alle Bewohner Marseilles in sein Vorhaben

nicht die Lösung des Problems sein kann. Gerade für Jugendliche aus Einwandererfamilien

einbinden:

oder unteren Schichten stellt die teils zweistellige Arbeits-

„Zuletzt kamen die Immigranten aus dem Maghreb, die in

losenquote, gepaart mit leichtem Einstieg in lukrative Dro-

ihren berüchtigten nördlichen Außenquartieren leben, die

gengeschäfte, der leichte Zugang zu Waffen und wenig

auch während des Kulturhauptstadtrummels – von weni-

Aussichten auf sozialen Aufstieg eine große Gefahr dar,

gen Veranstaltungen abgesehen – weiterhin eher auf Dis-

in die Kriminalität abzurutschen.27 Eine mögliche Gegen-

tanz gehalten werden.

maßnahme bilden die Kulturzentren, die in den nördli-

Warum sind diese Viertel immer noch so schlecht an die

chen Bezirken eingerichtet wurden oder noch eingerichtet

Stadt angeschlossen? Im Gespräch antwortet Bürgermeis-

werden sollen. Wirklich befriedigend ist diese Maßnahme

ter Gaudin mit entwaffnender Offenheit, es sei keine Prio-

jedoch nicht, wenn man vergleicht, dass die Stadt Mar-

rität, den Zugang von dort ins „Herz“ der Stadt mit öffent-

seille für das Großprojekt Kulturhauptstadt 2013 rund 600

lichen Verkehrsmitteln zu erleichtern.“24

Millionen Euro in insgesamt 52 Großbaustellen investiert hat, von denen lediglich drei in den nördlichen Bezirken

Realität „Die Halbzeitbilanz für Marseille-Provence als Europas Kulturhauptstadt 2013 fällt positiv aus. Seit der Eröffnungsfeier Mitte Jänner haben die Ausstellungen und Veranstaltungen mehr als 3,5 Millionen Besucher angezogen, wie die Organisatoren gestern mitteilten. Das sei ein ausgezeichneter Wert, erklärte der Leiter des Kulturjahres Jean-Francois Chougnet.“25 Jedoch scheint der Norden Marseilles von diesem Erfolg ausgeschlossen zu sein. In den nördlichen Bezirken der Stadt ist von der zuvor erwähnten kulturellen Infrastruktur oder vom neuen internationalen Flair der Hochkultur Marseilles mit gerade mal einer Hand voll unterbezahlter Kultureinrichtungen nicht viel zu spüren: „Hier toben nach wie vor Bandenkriege nordafrikanischer Drogenhändler, der korsischen Mafia und osteuropäischer Krimineller“.26 23 24 25 26 27 28 29 30

Vgl. www.euractiv.com Balmer, 2013 http://www.orf.at Meierhöfer, 2013 http://www.krone.at Schmidt, 2013 Landschek, 2013 Schmidt, 2013

gelegen sind.28 Von einer Einbindung oder Beteiligung möglichst großer Bevölkerungsteile kann hier nicht die Rede sein. Vor allem nicht, wenn auch noch jenen, die sich hier in den Problemvierteln kulturell engagieren möchten, die Mittel verweigert werden: „Im Stadtteil La Savine, im Norden von Marseille [...] unterrichtet Soly Mbae,

Hip-

Hop-Veteran und ehemaliges Mitglied der Gruppe „B-Vice“, Jugendliche in Rap und Breakdance. Sein Projektantrag für das Programm der Kulturhauptstadt wurde abgelehnt – zu teuer.“29 Als Ulrich Fuchs, Codirektor von Marseille-Provence 2013, mit dieser Situation konfrontiert wird, räumt er lediglich ein, es habe „Härten“ gegeben.30 Stattdessen werden Kulturzentren in Einkaufszentren eingerichtet: „Lemée plant, bis 2014 aus dem Einkaufs- auch ein Sport- und Kulturzentrum zu machen: „Wir wollen lokalen Künstlern eine Bühne bieten.“ Man werde viel Platz haben, verspricht er: für Ausstellungen, Breakdance, Konzerte.

27


Der Norden Marseilles profitiert kaum von den Investitionen in die [...] Die Leute kämen doch, „wenn was

kulturelle Infrastruktur.

los ist“. Die Gäste werfen sich Zahlen an

kultur bislang nicht erwähnenswert gewesen, die Off-Kulturszene Marseilles hat

den Kopf, es herrscht eine Goldgräberstim-

sich allerdings über Ländergrenzen hinweg

mung in der illustren Gesellschaft, zu der weder

eingutes Ansehen verschafft. Daher ist fraglich,

lokale Akteure eingeladen wurden noch gewöhnliche Kon-

ob die Entscheidung von Marseille-Provence 2013, gerade

sumenten. „Unter uns gesagt“, meint die künftige, etwas

diese Off-Szene zu großen Teilen zu übergehen und statt-

beschwipste Sprecherin, „die Meinung dieser Leute ist uns

dessen eine annähernd nicht existente Kultur aufzubauen,

auch ziemlich egal.““31

sonderlich zielführend war.

Jetzt kann argumentiert werden, dass hier zumindest ein Kulturzentrum in einem nördlichen Bezirk entstehen soll, jedoch ist fraglich, welche kulturelle Qualität und Nachhaltigkeit bei dieser Zielsetzung hier erzielt werden kann. Eine einzige Programmreihe namens „Quartiers créatifs“ wurde von den Machern der Kulturhauptstadt extra für die Nordbezirke entwickelt: „Darunter ist zum Beispiel ein künstlerisch

gestalteter Garten - der allerdings nach dem

Kulturjahr wieder abgerissen wird. Kostenpunkt: 422.000 Euro. Geld, das die kulturell sonst völlig ausgedörrten Viertel gut gebrauchen könnten. Mehrere lokale Vereine haben aus Protest ihre Beteiligung an den „Quartiers créatifs“ zurückgezogen, sie fühlen sich nicht ernst genommen.“32 Die Gruppierung Marseille 2013 bietet mit Ihrem parallel laufenden Festival Marseille OFF ein alternatives Kulturangebot, an dem sich jene Künstler Marseilles, die sich vor der Organisation der Kulturhauptstadt übergangen fühlen, beteiligen können.

Politik Ein recht schwieriges Thema in Frankreich ist die „Vergangenheitsbewältigung“. Zwischen Marseille und Aix-en-Provence befindet sich das ehemalige Konzentrationslager „Les Milles“, das im September 2012 nach langjährigem Kampf um die Einweihung des Lagers als Gedenkstätte eröffnet wurde und heuer auch ein Veranstaltungsort von Marseille-Provence 2013 ist. „Marseille war vor und im Zweiten Weltkrieg ein Fluchtpunkt europäischer Intellektueller. Der Roman „Transit“ von Anna Seghers spielt hier, Lion Feuchtwanger war in Marseille. Das ist vor Ort relativ wenig bewusst und wird wenig aufgearbeitet.“34 Ein anderes großes politisches Thema, das diesjährig sehr stark vertreten ist, sind die historischen Beziehungen zwischen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und dem nordafrikanischen Kontinent. In diesem Zusammenhang war eine große Ausstellung zu Albert Camus in Aix-en-Provence geplant, die „durch Unstimmigkeit zwischen den

28

Öffentliche Wirkung

Veranstaltern, der Stadt und der Camus-Tochter Catherine

Der Hauptkritikpunkt, der Marseille-Provence 2013 vorge-

gekippt worden [ist].“35 Dennoch ist die Thematik in vielen

worfen wird, ist dass die lokalen

Vereine und Künstler

Debatten, Ausstellungen, Theater- und Musikaufführun-

weitgehend übergangen werden, wie beispielsweise auch

gen das ganze Jahr über präsent. „Da wirkt die historische

die Gruppierung „Marseille 2013“: „Wie ein UFO sei das

Debatte zwischen Sartre und Camus über die Natur des

Projekt in ihrer Region gelandet, ohne Rücksicht auf die

Totalitarismus nach. Bei uns gab es eine Debatte um zwei

bereits bestehende Kultur“33 Zwar ist Marseille in der Hoch-

Kuratoren dieser Ausstellung, die sozusagen konkurrierend

31 32 33 34 35

Schmidt, 2013 Landschek, 2013 Landschek, 2013 Bloch, 2013 Hanimann, 2013


Das zahlreich besuchte Off-Festival „Vallon des Auffes“ findet nicht im Zuge des Kulturhauptstadtprogramms ins Spiel gebracht worden sind, und es war ganz klar, dass dahinter [...] ein Streit auch zwischen den Sartre-Anhängern

man eben nicht Capitale Provencale de

statt und ist eine unabhängige Initiative.

und den Camus-Anhängern schwelt. [...] Camus

la Culture ist […]“39, so Fuchs, man müsse die Balance zwischen regionalen und in-

ternationalen Künstlern finden, das kenne jeder

hat die französische Politik sehr kritisch beleuchtet[...].“36

Kurator. Solch ein Widerstand kann kann allerdings auch

Das ist in Frankreich ein Thema, das viel problematischer

deutlich konstruktive Formen annehmen: das parallel lau-

und aktueller ist als es scheint, da bislang praktisch keine

fende Festival „Marseille OFF“ vereint viele Künstler, denen

Vergangenheitsbewältigung stattgefunden hat.

es verwehrt blieb, an diesem kulturellen Großprojekt teilzunehmen. Sie betrachten Ihr eigenes Projekt auch nicht

Renommee International scheint Marseille-Provence 2013 große Neugier geweckt zu haben. In der New York Times nahm die Mittelmeermetropole sogar Rang drei der „Places to be“

direkt als Widerstand. Es ist mehr eine Ergänzung zum offiziellen Programm. Dennoch erringt Marseille OFF als Konkurrenzveranstaltung praktisch überhaupt keine mediale Präsenz.

ein. Somit konnte Marseille trotz andauernder Bandenkriege sein Image international aufbessern. Die Franzosen sel-

Fazit

ber haben der Kulturhauptstadt gegenüber eine wesent-

Insgesamt ist die Leistung, die Marseille erbracht hat, sehr

lich nüchternere Einstellung. Die Eröffnungsfeier wurde

beeindruckend: angefangen bei der Neugestaltung des

international als großer Erfolg gefeiert. Doch aus Paris:

kompletten Zentrums von Marseille bis zum Aufbau einer

„Applaus? Nein, banal wie Schnee von gestern, geradezu

Hochkultur für die Stadt, die es zuvor in dem Ausmaß nicht

„ärmlich“ sei diese Eröffnungsfeier von „Marseille Proven-

gab.

ce 2013“ gewesen, ätzte aus der Hauptstadt die Tageszei-

Dennoch scheinen die Mittel, die offensichtlich reichlich zur

tung Libération. Ein fast schon erwartbarer Verriss.“37

Verfügung standen, ungeschickt verteilt. Möglicherweise

Generell war das mediale Echo in Frankreich zwar freund-

wäre es stimmiger gewesen, die bereits starke Off-Kul-

lich aber keinesfalls überwältigt vom Programm der Kul-

turszene stärker zu fördern, anstatt eine Hochkultur von

turhauptstadt. „Was tat Marseille? Es tat, was es immer

Kindesbeinen aufzustellen und sofort dem internationalen

tut und sehr gut kann: Es fühlte sich von Paris schlecht

Publikum zu präsentieren. Auch eine stärkere Einbindung

behandelt.“38 Doch nicht nur in Paris sind die Franzosen

der nördlichen Bezirke wäre

unzufrieden mit dem Programm der Kulturhauptstadt, vie-

wobei die stärkere Einbindung der Off-Szene auch gleich-

le der Künstler und Bürger aus den diversen Milieus in

zeitig die nördlichen Bezirke besser eingebunden hätte.

Marseille selbst üben Widerstand und Kritik gegen das

Bewundernswert ist auch, wie sich die Off-Kulturszene

Projekt, „weil natürlich die lokalen Künstler nie zufrieden

nicht einfach zurücklehnt und alles kritisiert, sondern die

sind mit dem Maß, in dem sie in das Projekt miteinbezogen

entstandenen inhaltlichen Lücken aus eigener Kraft er-

sind. Man muss den lokalen Milieus immer in einem et-

gänzt.

wünschenswert gewesen,

was schmerzhaften Diskussionsprozess klarmachen, dass 36 37 38 39

Bloch, 2013 Balmer, 2013 Bopp, 2013 Bloch, 2013

29


Quellenverzeichnis Balmer, R., „Kulturhauptstadt Marseille - Nur die Stadt ist wirklich“, http://www.taz.de/!114435/ , vom 14.4.2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 Bloch, W., „Kampf um Marseille“, http://www.welt.de/kultur/ kunst-und-architektur /article112432100/Kampf-um-Marseille.html, vom 6.1.2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 Bopp, L., „Museum Mucem in Marseille - Die Stadt schlägt die Augen auf“, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/museum-mucem-in-marseille-die-stadt-schlaegt-die-augen-auf-12167147.html, vom 30.4.2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 Brand, H., „Das Tor zum Orient - Eine Lange Nacht über die Kulturhauptstadt 2013: Marseille“, http://www.dradio.de/dlf/sendungen/langenacht/2126475/, vom 1.6.2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 Fishman, R. B., „Frankreich - Marseille ist Kulturhauptstadt 2013“, http:// www.merian.de/magazin/marseille-ist-kulturhauptstadt-2013.html, vom August 2012, zuletzt besucht am 12.10.2013 Hanimann, J., „Marseille als Kulturhauptstadt 2013 Kultur und andere Sorgen - Eine Detailansicht des Musée des Civilisations de l‘Europe et de la Méditerranée in Marseille“, http://www.sueddeutsche.de/kultur/marseille-als-kulturhauptstadt-kultur- und-andere-sorgen-1.1572537, vom 14.1.2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 Landschek, E., „Marseille 2013: Schöner Schein Kulturhauptstadt“, http://www.arte.tv/de/marseille-2013-schoener-schein-kulturhauptstadt/7541832,CmC=7544462.html, vom 6.7.2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 Lehnartz, S., „Warum Marseille das neue Paris ist“, http://www.welt.de/ kultur/article113110081/Warum-Marseille-das-neue-Paris- ist.html, vom 24.1.2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 Meierhöfer, S., „Kulturhauptstadt Marseille - Kunst, Kriminalität und Kontraste“, http://www.3sat.de/page/?source=/dokumentationen/171026/ index.htm, vom Juli 2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 Schmidt, R., „Wir machen die Kultur selbst“, http://www.zeit.de/2013/18/ marseille- europaeische-kulturhauptstadt, vom 2.5.2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 http://www.krone.at/Welt/Kulturhauptstadt_2013_als_Schauplatz_von_ Bandenkriegen-Marseille_in_Angst-Story-333293, 12.10.2013 http://ec.europa.eu/culture/our-programmes-and-actions/capitals/european- capitals-of-culture_de.htm, vom 4.7.2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 http://www.europa-foerdert-kultur.info/politik01/programm04/teilnahme.php, vom 3.7.2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 http://www.euractiv.com/node/254084, vom 17.9.2008, zuletzt besucht am 12.10.2013

30

http://de.rendezvousenfrance.com/de/info/marseille-provence-ist-kulturhauptstadt-2013, vom Januar 2013, zuletzt besucht am 12.10.2013 http://marseillecityofculture.eu/capital-of-culture. html, zuletzt besucht am 12.10.2013 http://www.ambafrance-de.org/Marseille-Provence-europaische, vom 27.12.2007, zuletzt besucht am 12.10.2013 http://orf.at/stories/2191436/ , vom 18.7.2013, zuletzt besucht am 12.10.2013


MarseilleProvence 2013 Sharing the South Umsetzung Kulturhauptstadt

Verfasserin: Doris Erler

Marseille Mit einem großen opening event startete Marseille am 12. Jänner 2013 in das Jahr als Kulturhauptstadt Marseille-Provence. Im Gegensatz zu einem Großteil früherer europäischer Kulturhauptstädte handelt es sich dabei um ein regionales Projekt. Dies bedeutet, dass während des ganzen Jahres nicht nur in Marseille

d’Anthéron’s Festival de Piano, wird eine Vielzahl an neuen Programmen geschaffen. Die Organisation und Durchführung

liegt in der Hand von Kulturbetrieben und Vereinen. Ziel ist es, diese Kulturveranstaltungen so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen. In insgesamt über 900 kulturellen Veranstaltungen soll das Motto „Sharing the South“ künstlerisch umgesetzt werden.

selbst, sondern auch in der umliegenden Provence, Kunstund Kulturprojekte stattfinden. Auf folgender Karte ist die

Programm

komplette Region ersichtlich:

Das Jahresprogramm wird in drei Episoden eingeteilt. Die erste Episode dauert von Jänner bis Mai und wird „Welcoming the World” genannt. In dieser, möchte die Region ihre Offenheit gegenüber anderen Kulturen zeigen und Besucher aus aller Welt willkommen heißen und, vor allem, zum Verweilen anregen. Zum Start von MP2013 wird eine Reihe von modernisierten Kulturstätten wie das FRAC, die Villa Méditerranée oder das J1 nach jahrelangen Umbauten, die für das Projekt Kulturhauptstadt vorgenommen wurden, wiedereröffnet.

Das Motto lautet “Sharing the South” und soll den Besu-

Weiters wird ein Augenmerk auf urban culture gelegt. Auf

chern wie auch der Bevölkerung die kulturelle Vielseitig-

40,000m² findet die Veranstaltung „This is (not) music”

keit und Attraktivität der Mittelmeerregion vermitteln bzw.

statt, die moderne Kunst und Musik, street art und urban

wieder bewusst machen. Es soll eine kreative Plattform für

sport verbindet. Parallel versucht man mit der „Vitanon-

Künstler aus ganz Europa und der Mittelmeerregion, inklu-

nova” in Arles die Probleme rund um städtischen Ghettos

sive Nordafrika, geboten werden, die auch nach 2013 noch

zu thematisieren. Darüber hinaus findet das internationale

genutzt werden kann. Das Projekt MP2013 soll als Impuls

Filmfestival Aflam statt. Es werden Filme gezeigt, die einen

fungieren, um die Wahrnehmung der Region von Touristen

Bezug zur arabischen Welt haben. In der Folge des Arabi-

nachhaltig zu verändern, und so diesen Wirtschaftssektor

schen Frühlings schien es den Veranstaltern wichtig, eine

ausbauen zu können. Die Bevölkerung profitiert im Zuge

Plattform für Menschen zu bieten deren Leben durch Re-

dessen von einer erhöhten Lebensqualität.

volution geprägt ist. Die, speziell in Frankreich, traditions-

Zusätzlich zu bereits etablierten Veranstaltungen wie zum

reiche Zirkuskunst wird ebenfalls gefeiert. Zirkus soll das

Beispiel dem Aix-en-Provence’s Festival d’Art Lyrique, der

Publikum, ob Jung oder Alt, durch Clowns zum Lachen und

Arles’ Rencontres de la Photographie und dem Roque

artistische Darbietungen zum Staunen bringen. Die zweite

31


Das Motto „Sharing the south“ wurde in über 900 künstlerischen Episode von Juni bis August steht un-

Veranstaltungen

werden Köche mit Wissenschaftlern und

ter dem Namen „Open Sky”. Ganz nach

umgesetzt.

Künstlern oder Bäcker mit Designern

diesem Motto wird eine Vielzahl an Open Air Veranstaltungen, Festivals, Straßentheatern

zusammengebracht, um neue kulinarische Köstlichkeiten zu kreieren.

etc. stattfinden und die wunderschöne Natur der Provence

Ein weiterer Schwerpunkt im Herbst ist darstellende Kunst.

im Rampenlicht stehen. Eine der größten Veranstaltungen

Es werden Stücke von lokalen Theatergruppen zum The-

in dieser Zeit ist die „TransHumance“. Der Name bezeich-

ma „neue europäische und mediterrane Bühne“ inszeniert.

net die Herdenwanderung zu nahrungsreichen Regionen,

Parallel findet das actOral statt. Es handelt sich dabei um

sowohl in der freien Wildbahn als auch in der Landwirt-

ein multidisziplinäres Festival, das Autoren, Theaterdirek-

schaft. Es soll ein phantastisches und doch reales, geplan-

toren, Choreographen und Darstellern als Treffpunkt dient.

tes und zugleich spontanes Ereignis entstehen. Menschen

Im Rahmen des Festivals finden Installationen, Theater-

werden eingeladen, zusammen mit italienischen, marok-

stücke und Lesungen in verschiedenen Veranstaltungsor-

kanischen und spanischen Reitern, an einer Reise durch

ten statt. Ziel ist es durch die Perspektiven verschiedener

die Provence teilzunehmen. Entlang der Pfade laden Dör-

Disziplinen Literaturliebhaber zu stimulieren.

fer und Städte ein, ihre landwirtschaftlichen und kultu-

Außerdem wird in der dritten Episode der Fokus auf Lite-

rellen Traditionen kennenzulernen – „sculpted by nature

ratur gelegt, was durch das „Writers of Reality“ Festival

and shaped by men”. Nach Abschluss der Reise, wird die

Ausdruck findet. Das Programm beinhaltet Konferenzen,

Projekt multimedial aufgearbeitet und, unter anderem, in

Workshops, Diskussionen und Lesungen. Als großes High-

einer Ausstellung im Observatoire du Bout du Monde bis

light im Herbst wird eines der ältesten Kinos der Welt wie-

Ende Oktober präsentiert.

dereröffnet. Das Eden Theatre wird mit einem Programm

Unter dem Titel „Off the Beaten Track” bilden Konzerte,

in die Eröffnungsfeierlichkeiten starten, das der Vergan-

Open-air Kinovorführungen und Theaterinszenierungen

genheit des Films beginnend bei den Gebrüdern Lumière

ein Festival. Es sollen regionale und internationale Künst-

und dessen Zukunft gewidmet ist. Es wird ein Kostümball,

ler, Profis und Laien zusammenarbeiten und die MP2013

zwei Ausstellungen sowie ein Kurzfilmfestival stattfinden.

Region kennenlernen. Teil der Veranstaltungsreihe sind

Natürlich gibt es auch eine Vielzahl an Projekten die ganz-

bereits etablierte Festivals wie das Jazz des 5 Continents,

jährig stattfinden wie zum Beispiel der „Ulysses Contempo-

les Suds à Arles oder Nuits d’Istres.

rary Art Trail“ oder die „True Tales of the Mediterranean“.

Ab September beginnt die dritte Episode mit dem Titel „Land of a Thousand Faces”. Hier werden die Vielfalt der Kulturhauptstadt-Region und das Zusammenleben gefeiert. Im Zentrum steht dabei das Essen. Es dient als Synonym für gemeinsam verbrachte Zeit. Unter dem Thema „What’s Cooking?“ werden zahlreiche kulinarische Veranstaltungen stattfinden, wobei vor allem auf das Verwenden von heimischen Produkten Wert gelegt wird. Es

32

Finanzierung Für die MP2013 werden insgesamt werden rund € 690 Millionen investiert, der Großteil davon in permanente kulturelle Einrichtungen und etwa € 90 Millionen in künstlerische Programme. Die Investitionen in Umbauten und Renovierungen werden vor allem vom


Für die Durchführung der Kulturhauptstadt wurde extra ein Verein mit ca. 150 Land Frankreich (€ 160 Mio.), der Stadt

MitarbeiterInnen

Marseille (€ 150 Mio.), dem Counseil Régional Provence-Alpes-Côte d’Azur (€ 110

gegründet.

Mio.), dem Conseil Général des Bouches du

Der offizielle Report zu den Besucherzahlen nach dem Ende der Kulturhauptstadt bestätigt das schon im Laufe des Jahres bewiesene große Interesse der Öffentlichkeit

Rhone (€ 80 Mio.) und € 100 Mio. von privaten Investoren

an den Veranstaltungen. Es werden insgesamt 9.960.000

und anderen Städten in der Region MP2013 getragen. Der

Besuche (ein Besucher kann an mehreren Veranstaltungen

Anteil für das Programm wird, zusätzlich zur Unterstüt-

teilnehmen) geschätzt.

zung der EU von 1,6% des Gesamtbudgets, zu zwei Drittel von den 13 an der Gründung des Projekts beteiligten regionalen Institutionen finanziert, ein Drittel gemeinsam vom Land Frankreich und Corporate Sponsorships. Der Anteil von Corporate Sponsorships beläuft sich auf insgesamt 16% des Gesamtbudgets, was den bisher höchsten Anteil im Vergleich zu anderen Kulturhauptstätten darstellt. Die fünf Hauptsponsoren sind: La Poste, La Société Marseillaise de Crédit, Orange, Eurocopter und EDF mit einem Anteil von jeweils 1,5 Millionen Euro.

Organisation Für die Durchführung der Kulturhauptstadt wurde ein Verein namens Marseille-Provence 2013 gegründet. 2006 wurde die Bewerbung als Kulturhauptstadt eingereicht und 2008 erhielt man den Zuschlag. Jacques Pfister ist der Vorsitzende des Aufsichtsrats. Unter seiner Leitung arbeitet ein rund 150-köpfiges Team. Als Vize-Intendant wurde der bereits in Linz mitwirkende Ulrich Fuchs gewonnen. Unter der Leitung und mit Hilfe der Association Marseille-Provence 2013 organisieren verschiedene Interessens-

Besucher

gruppen Programme für das Projekt Kulturhauptstadt

Es werden mehr als 10 Millionen Besucher erwartet, die für

2013.

über € 1 Milliarde Umsatz sorgen sollen. Um Besucher bei

Öffentliche und private Partner arbeiten zusammen um für

der Gestaltung ihres Aufenthalts zu unterstützen wurde

genügend Unterkünfte, Information, Transportmöglichkei-

der “M” Pavillon eingerichtet. Dies ist die erste Anlaufstelle

ten und Sicherheitskräfte zu sorgen.

für aktuelle Informationen rund um die Veranstaltungen

der Kulturhauptstadt. Für weitere Auskünfte kann die offizielle Website www.mp2013.fr herangezogen werden. Sie bietet umfassende Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen, direkte Buchungsmöglichkeit von Tickets, Daten und Fakten zu dem Projekt Kulturhauptstadt, hilfreiche Informationen zu Unterkünften und vieles mehr. Um in Marseille schnell von einer Veranstaltung zur nächsten zu kommen, wurde der Pass Transport MP2013 geschaffen, der es Besuchern ermöglicht alle öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen.

33


Quellenverzeichnis http://www.mp2013.fr/ http://www.mp2013.fr/ext/MP2013-Official-Program.pdf http://www.france.fr/en/art-and-culture/marseille-provence-2013-european-capital-culture http://www.mp2013.fr/wp-content/uploads/2014/01/MP2013_BILAN-PRESSE_EN_2013_2.pdf Marseille-Provence 2013: Marseille-Provence 2013 – In Zahlen, Handout von Ulrich Fuchs Neue Kulturstätten: http://www.youtube.com/watch?v=_eNxHvH1tY4 TransHumance: http://www.youtube.com/watch?v=0WwbCLFiE60

34


Österreichische Projekte als Teil des Programms der Kulturhauptstadt „Die Initiative „Kulturhauptstadt Europas“ ist eine der bekanntesten Kulturveranstaltungen in Europa. Die Städte werden

Marseille-Provence 2013 Verfasserin: Daniela Berger

auf der Grundlage eines Kulturprogramms aus-

Weiters wird der Künstler Peter Friedl, geboren 1960 in Österreich, an der Ausstellung „Le Pont“ im Musée d’Art Contern-

porain teilnehmen.6 Der Titel der Ausstellung

gewählt, das eine starke europäische Dimension aufwei-

ist als ein Symbol für Abenteuer zu verstehen. Die alten

sen, die Öffentlichkeit einbinden, auf europäischer Ebene

Griechen glaubten, dass das Mittelmeer eine Verbindung

attraktiv sein und zur langfristigen Entwicklung der Stadt

zwischen den Kulturen war. Das überqueren der Grenzen

passen muss.“1

mithilfe einer Brücke, lies sie eine neue Welt betreten,

Für das Jahr 2013 wurden die Kulturhauptstädte Mar-

in welcher bestehende Gefühle, wie Zugehörigkeit, sich

seille-Provence in Frankreich und Košice in der Slowakei

mit neuen Empfindungen vermischte. Marseille als Ver-

ernannt.2 Österreich tritt als offizieller Partner bei der

kehrsknotenpunkt aus Nord und Süd, Ost und West war

EU-Kulturhauptstadt in Marseille auf. Dem zu Grunde liegt

daher für viele ein Ziel. Mit Künstlern aus verschiedenen

ein unterzeichneter Partnerschaftsvertrag zwischen dem

Generationen, die alle eine Erfahrung mit Vertreibung ge-

Österreichischen Kulturforum und „Marseille-Provence

macht haben, spiegelt die Ausstellung einerseits Migration

2013“. Aus mehreren tausend Projektvorschlägen aus al-

und andererseits die Erfindung einer neuen gemeinsamen

ler Welt wurden 10 Projekte aus Österreich ausgewählt

Welt wieder. Einige der Künstler wurden in Marseille ent-

und in das offizielle Kulturprogramm der Kulturhauptstadt

deckt, bevor sie aufbrachen um weitere neue Welten für

Marseille-Provence 2013 aufgenommen. Die Projekte wer-

sich zu entdecken. Genau dieser Zusammenhang verleiht

den in Kooperation mit dem Österreichischen Kulturforum

der Ausstellung den universellen Charakter des mediterra-

Paris durchgeführt. Mit diesen 10 ausgewählten Projekten

nen Erlebnisses. Die Ausstellung beginnt am 25. Mai und

ist Österreich in allen Kunstsparten vertretenen.3

ist bis zum 20. Oktober zu betrachten.7 An der zweiten Auflage der internationalen Ausstellung

Projekte im Bereich Bildende Kunst Die Installation von vierzehn Werken, von internationalen Künstlern, ermöglicht den Bau eines gemeinsamen Raums im Rahmen des Parcours „d’Art Contemporain“ mit dem Titel „l’art à l’endroit“.4 Einer der vertretenen Künstler ist der 2012 verstorbene österreichische Künstler Franz West. Seine dreiteilige Skulptur „Rooms for Rome“ wurde An-

von den Konsulaten in Marseille, Consul’Art, wird die junge Avantgarde-Künstlerin Christina Starzer Österreich vertreten. Ihr Kunstwerk „audition colorée 1“ wird dort Teil der Ausstellung sein.8 Ihr Werk wurde in der von ihr entwickelten Technik, der Tirage gestaltet.9 Insgesamt werden bei dieser Ausstellung 44 Werke aus 41 Ländern dargestellt werden.

fang des Jahres vor dem Justizpalast in Aix-en-Provence ausgestellt.5 1 URL: http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-1024_de.htm [14.01.14] 2 Vgl. URL: http://europa.eu/rapid/press-release_IP-09-749_de.htm [14.01.14] 3 Vgl. URL: http://www.bmeia.gv.at/aussenministerium/pressenews/presseaussendungen/2013/oesterreich-offizieller-partner-der-eu-kulturhauptstadt-in-marseille.html [20.09.13] 4 Vgl. URL: http://asp.zone-secure.net/v2/3531/4591/29904/Marseille-Provence-2013.pdf, S. 74, [20.09.13] 5 Vgl. URL: http://www.bmeia.gv.at/aussenministerium/pressenews/presseaussendungen/2013/oesterreich-offizieller-partner-der-eu-kulturhauptstadt-in-marseille.html [20.09.13] 6 Vgl. URL: http://www.ambafrance-at.org/Osterreich-Partner-der [20.09.13] 7 Vgl. URL: http://www.fca-fr.com/evenements/peter-friedl-le-pont-mac-marseille-du-25-mai-au-20-octobre-2013 [10.10.13] 8 Vgl. URL: http://www.fca-fr.com/evenements/2013/consulart-2013-exposition-christina-starzer [14.01.14} 9 Vgl. URL: http://www.baeckerstrasse4.at/de/menu72/news23/ [14.01.14]

35


Projekte im Bereich Musik

Das Gebäude wurde von dem japani-

Die letzte Oper des 1957 verstorbenen

schen Architekten Kengo Kuma entwor-

österreichischen Komponisten, Dirigent und Pianisten Erich Wolfgang Korngold „Die Kathrin“

fen. Das Thema „Der Duft des Meeres“ begleitet durch das Konzert. Die Vorgestellten

wird im Rahmen des Musikfestival „Musiques Interdites“

Werke sollen Erinnerungen an den Urlaub und die Mag der

im Hof der Präfektur Marseille aufgeführt.10 Bei der Oper

Natur vermitteln.17 Die österreichischen Künstler werden

handelt es sich um ein Stück in 3 Akten, dass das erste Mal

das Werk „Lavandula Vera“ darbieten.18 Dieses Stück ist

im Jahre 1939 in Stockholm aufgeführt wurde. Der Text

ein Auftragswerk für das österreichische Kulturforum Paris.

zu dem Stück wurde verfasst von Ernst Decsey nach der

Ein weiterer Programmpunkt bei Marseille-Provence 2013

Novelle „Die Magd von Aachen“ von H.E. Jacob.11 Bei der

ist das Musikfestival „Jazz sur la Ville“. Mit dem diesjähri-

Inszenierung im Zuge des „Musiques Interdites“ wirken

gen Titel „Europe en Vue“, auf Deutsch „Europa im Blick“,

Solisten der Wiener Staatsoper und Volksoper mit.12

wird das Festival zum achten mal vom 04. bis zum 24. No-

Bei der elften Ausgabe des Musikfestivals „Nuit d’Hiver“

vember durchgeführt. Im Zuge dessen werden insgesamt

wird ein breit gefächertes Programm geboten. Ziel ist es

41 Konzerte an 20 unterschiedlichen Orten aufgeführt.19

eine Kreuzung verschiedener Musiksparten dem Publikum

Mit dem Projekt „Vienna Naked“ ist der österreichische

näher zu bringen.13 Das Projekt „Sea Earth Air“ von Mu-

Jazzmusiker Wolfgang Muthspiel beim Musikfestivals „Jazz

sikerin und Komponistin Mia Zabelka im Duo mit Audrey

sur la Ville“ vertreten.20

Okkido feiert im Zuge dessen Weltpremiere.14 Mia Zabelka

Unter dem Projekt kann man sich folgendes vorstellen:

gilt als Pionierin der elektro-akustischen Musikperformance

„Vienna Naked ist ein Liedzyklus, den sich Wolfgang Muth-

in Österreich. Dies erreicht sie durch innovative Techniken

spiel für seine Stimme und seine Gitarren auf den Leib

und Improvisation. Mit Hilfe von elektronischen Effekten

geschrieben und gedichtet hat. Alle Texte sind englisch-

erweitert sie das elektroakustische Klangspektrum und er-

sprachig. Der Name des Projektes bezieht sich auf den Ti-

stellt dadurch eine außergewöhnliche Beziehung zwischen

telsong “Vienna”. “Naked” bezeichnet einerseits den erst-

Körper, Bewegung, Klang, Maschine und Raum her.15

maligen Akt des Singens, die Direktheit der Texte, sowie

Weiters wird im Zuge der Eröffnung der neuerrichteten

die transparente, pure Klanglichkeit der Aufnahme.“21

Musikhochschule „Conservatoire Darius Milhaud“ die Mu-

Wolfgang Muthspiel wird auch bei dem Festival „Jazzyco-

sikerin und Komponistin Gabriel Proy gemeinsam mit dem

lors“ am 14. November 2013 auftreten.22

MozARTE Quintett Salzburg auftreten.16

36

10 Vgl. URL: http://www.ambafrance-at.org/Osterreich-Partner-der [20.09.13] 11 Vgl. URL: http://www.korngold-society.org/Synopses/Synop_kathrin.html [08.10.13] 12 Vgl. URL: http://www.ambafrance-at.org/Osterreich-Partner-der [20.09.2013] 13 Vgl. URL: http://asp.zone-secure.net/v2/3531/4591/29904/Marseille-Provence-2013.pdf, S. 270, [20.09.2013] 14 Vgl. URL: http://www.miazabelka.com/news [30.09.13] 15 Vgl. URL: http://www.fca-fr.com/evenements/mia-zabelka-au-festival-nuit-dhiver [10.10.13] 16 Vgl. URL: http://www.gabrieleproy.at/info/concerts.html [30.09.13] 17 Vgl. URL: http://www.fca-fr.com/evenements/2013/concert-la-senteur-de-la-mer [09.10.13] 18 Vgl. URL http://www.gabrieleproy.at/info/concerts.html [30.09.13] 19 Vgl. URL: http://jazzsurlaville.fr/jazz-sur-la-ville-2013-europe-en-vue/ [10.10.13] 20 Vgl. URL: http://www.bmeia.gv.at/aussenministerium/pressenews/presseaussendungen/2013/oesterreich-offizieller-partner-der-eu-kulturhauptstadt-in-marseille.html [20.09.13] 21 URL: http://www.viennajazz.org/2012/06/30/wolfgang-muthspiel-vienna-naked/ [30.09.13] 22 Vgl. URL: http://www.fca-fr.com/evenements/wolfgang-muthspiel-vienna-naked-au-festival-jazzycolors-2013 [10.10.13]


Das Geschichtsprojekt „Ici même“ weißt auf die vorherrschende Projekte im Bereich Theater

Kulturvielfalt hin.

riert vom „In situ-Linz 2009“-Projekt, ein

Speziell für die europäische Kulturhaupt-

Projekt das versucht die neue künstlerische

stadt Marseille-Provence 2013 wurde das Theaterstück „Slobodija Odysseia, mon Amour!“

November 2013. Dieses Projekt ist inspi-

und wissenschaftliche Form und Erinnerung an

entwickelt. Als Regisseur fungiert der Österreicher Tho-

eine vergangene Tragödie während des zweiten Weltkriegs

mas Groß.23 Die österreichische Theatergruppe „Bahamut“

zu binden. Dieses Projekt wurde im Jahre 2009 ins Leben

konzipierte das Stück. Das Theaterstück bezieht sich auf

gerufen, als die Stadt Linz als europäische Kulturhaupt-

österreichische und französische Mitglieder der Roma,

stadt auftrat.25

welche ihre Erfahrungen der Wanderschaft der Odysee

„Auch das Konzept der „Kulturlosinnen“ wird von Marseille

gegenüberstellen. Der Inhalt des Stückes sieht folgender-

übernommen – Guides ausländischer Herkunft werden im

maßen aus:

Rahmen dieses Programms die Stadt erklären, wie sie sie

„Zwischen Legende und Wirklichkeit erzählen Schauspieler

persönlich wahrnehmen.“26

und Musiker Geschichten vom Gestern, vom Heute und aus der Fremde. Die Irrfahrten und Erzählungen des Odys-

Normadic Village 2013

seus begegnen auf der Bühne den Erzählungen heutiger

Das digitale Zeitalter hat eine neue Art von nomadischen

umherirrender Menschen. Sie mussten ihre Heimat verlas-

Künstlern hervorgebracht. Die Verwendung von techni-

sen, waren oder sind noch immer auf der Flucht und auf

schen Hilfsmitteln ermöglicht in ständigem Kontakt mit

der Suche nach einer Heimat.“24

der Welt zu bleiben. Der nomadische Künstler von heute

Die Uraufführung des Theaterstückes wird im Oktober im

ist in direktem Kontakt mit den Menschen, der Natur, der

Marseiller Theater aufgeführt.

realen Welt und interagiert innerhalb eines virtuellen Netzwerks. Das nomadische Dorf ist eine vorübergehende Ent-

Projekte im Bereich Geschichte

wicklung im freien Raum in der Nähe eines bestehenden

Ab dem Jahr 1940 wurde Marseille für viele Flüchtlinge,

Dorfes. Häuser beziehungsweise Workshops, der nomadi-

darunter Künstler, Intellektuelle und Politiker, ein neu-

schen Künstler, bilden die Struktur des Dorfes rund um den

es Zuhause. Mit dem Projekt „Ici même“ wird auf diese

Bus Steyr-Ikarus von On The Road Productions. Teilneh-

Kulturvielfalt hingewiesen. Durch Markierungen auf dem

mende Künstler haben die Möglichkeit neue Wege der Zu-

Boden im Zentrum der Stadt wird auf Sehenswürdigkeiten

sammenarbeit zu entdecken und frei zu experimentieren.

dieser Zeit hingewiesen. Insgesamt wurden 50 Markie-

Im Zuge des nomadischen Dorfes werden Ausstellungen,

rungen angebracht welche vom 24. Januar bis Dezember

Aufführungen, Kinofilme und ähnliches der Öffentlichkeit

2013 durch die Stadt führen. Dieser Beitrag wird durch

vorgestellt. Das nomadische Dorf 2013 ist der Höhepunkt

eine Ausstellung im „Archives de Marseille“ und einem

des Festival “Nous serons tous d’ici”, ein Projekt der Bib-

Katalog der Filmvorführungen und Diskussionen ande-

liotheken „communauté d’agglomération d’Aubagne“ und

rer Orte, die nun nicht mehr existieren, dargestellt und

„l’Etoile pour Marseille-Provence 2013“. Es wird vom 23.

begleitet. Die Ausstellung läuft vom 18. Juni bis zum 29.

September bis zum 6. Oktober im Garten von Cubes Les

23 Vgl. URL: http://institut-francais.at/vienne/de/kultur/unsere-veranstaltungen/theater/592-theatre-slobodija-odysseia-mon-amour.html [30.09.13] 24 URL: http://institut-francais.at/vienne/de/kultur/unsere-veranstaltungen/theater/592-theatre-slobodija-odysseia-mon-amour.html [30.09.13] 25 Vgl. URL: http://www.fca-fr.com/evenements/ici-meme [10.10.13] 26 URL: http://www.bmeia.gv.at/aussenministerium/pressenews/presseaussendungen/2013/oesterreich-offizieller-partner-der-eu-kulturhauptstadt-in-marseille.html [20.09.13]

37


Österreich ist offizieller Partner von Marseille-Provence 2013 Pins stattfinden. Das nomadische Dorf wurde unter der Leitung des österreichischen Künstlers Klaus Mähring entwickelt.27

10 österreichische Projekte wurden in das Programm der Kulturhauptstadt Marseille-Provence aufgenommen. Diese wurden aus mehreren Tausend ausgewählt. Die Projekte betreffen die Bereiche Bildende Kunst, Musik, Theater und Geschichte. Ich sehe es als große Chance für die Stadt Marseille und die Provence, sich mithilfe der Kulturhauptstadt ein neues Image zuzulegen. All die Projekte, die durchgeführt werden, verändern das ansehen der Stadt und locken neue Gäste an. Durch unsere Kooperation mit Marseille-Provence erhält auch Österreich die Möglichkeit auf seine Künstler und Künstlerinnen Aufmerksam zu machen und somit den Interessierten eine weitere Seite des, meiner Meinung nach, Sportlandes Österreichs zu zeigen.

Quellenverzeichnis Außenministerium Österreich: Österreich offizieller Partner der EU-Kulturhauptstadt in Marseille. Online verfügbar: http://www.bmeia.gv.at/aussenministerium/ pressenews/presseaussendungen/2013/oesterreich-offizieller-partner-der-eu-kulturhauptstadt-in-marseille.html (20.09.13) Plattform für Junge Kunst: Christina Starzer – Consul’ Art 2013 Marseille. Online Verfügbar: http://www.baeckerstrasse4.at/de/menu72/news23/ (14.01.14) Erich Wolfgang Korngold. Online Verfügbar: http://www.korngold-society.org/Synopses/Synop_kathrin.html (08.10.13) Europäische Kommission: Androulla Vassiliou auf der Woche der Wirtschaft des Mittelmeerraums – Erste Bilanz der Europäischen Kulturhauptstadt Marseille-Provence .Online Verfügbar: http://europa.eu/rapid/ press-release_IP-13-1024_de.htm (14.01.14) Europäische Kommission: Bekanntgabe der Kulturhauptstädte Europas der Jahre 2012 und 2013. Online Verfügbar: http://europa.eu/rapid/ press-release_IP-09-749_de.htm (14.01.14) Französische Botschaft in Wien: Österreich – Partner der Kulturhauptstadt Marseille-Provence 2013. Online Verfügbar: http://www.ambafrance-at.org/Osterreich-Partner-der (20.09.13) Gabriele Proy. Online Verfügbar: http://www.gabrieleproy.at/info/concerts.html (30.09.13) Institut français d‘Autriche: Theater: Slobodija Odysseia, mon amour!. Online verfügbar: http://institut-francais.at/vienne/de/kultur/unsere-veranstaltungen/theater/592-theatre-slobodija-odysseia-mon-amour.html (30.09.13) Jazz Fest Wien: Wolfgang Muthspiel „Vienna Naked“. Online verfügbar: http://www.viennajazz.org/2012/06/30/wolfgang-muthspiel-vienna-naked/ (30.09.13) Jazz Sur la Ville 2013: Europe en vue. Online Verfügbar: http://jazzsurlaville.fr/jazz-sur-la-ville-2013-europe-en-vue/ (10.10.13) Marseille-Provence 2013. Online Verfügbar: http://asp.zone-secure.net/ v2/3531/4591/29904/Marseille-Provence-2013.pdf (20.09.13) Mia Zabelka. (30.09.13)

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http://www.miazabelka.com/news

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38


Österreichisches Kulturforum Paris: Mia Zabelka au Festival Nuit d’Hiver à Marseille. Online Verfübar: http://www.fca-fr.com/evenements/mia-zabelka-au-festival-nuit-dhiver (10.10.13) Österreichisches Kulturforum Paris: Nomadic Village 2013. Online Verfügbar: http://www.fca-fr.com/evenements/ nomadic-village-2013 (10.10.13) Österreichisches Kulturforum Paris: Peter Friedl „Le Pont“. Online Verfügbar: http://www.fca-fr.com/evenements/peter-friedl-le-pont-mac-marseille-du-25-mai-au-20-octobre-2013 (10.10.13) Österreichisches Kulturforum Paris: Wolfgang Muthspiel au Festival „Jazzycolors“ et à „Jazz sur la Ville“. Online Verfügbar: http://www.fca-fr. com/evenements/wolfgang-muthspiel-vienna-naked-au-festival-jazzycolors-2013 (10.10.13)

39


Die vielfältige Sportkultur Frankreichs Neben dem Titel Europäische Kulturhauptstadt 2013 spielt in Marseille auch der Sport eine große Rolle. Vor allem der Nationalsport „Boccia“. Aber auch International machte sich Marseille 2002 bei der Austragung der Segelweltmeisterschaft in der Sportszene einen Namen und konnte somit, das eher schlechte Image verbessern. Unter dem Motto „Fußball spricht alle Sprachen“ zählt Fußball zu den populärsten Sportarten neben Rugby und Rad fahren in Frankreich. Vor allem der Verein „Olympique Marseille“ der zu den bekanntesten Fußballvereinen Frankreichs zählt. Auch der Fußballverein „AS Monaco“ scheint daran zu arbeiten, zukünftig eine größere Rolle und Bedeutung im internationalen Wettbewerb zu fokussieren, dennoch reicht es derweilen nicht, an den Verein „Olympique Marseille“ heran zu kommen. Weitere Internationale Events wie der FIFA World Cup 1998 oder der F1 Grand Prix von Monaco kann sich Frankreich auf die Fahnenstange schreiben. Zusätzlich wird die UEFA Euro 2016 unter anderen in Marseille ausgetragen werden und die Bedeutung dieses Events für die Stadt Marseille und für ganz Frankreich ist im Vorhinein schon ein großes Thema und wird stark diskutiert. Aber auch andere Städte wie Albertville und Annecy übernehmen eine große internationale Rolle, aufgrund ihres sport- und kulturversierten Tourismusangebotes.

40


Populäre Sportarten in Marseille im Bezug auf Veranstaltungen und TrendPopulär bedeutet, dass etwas beim Großteil des Volkes sehr beliebt und bekannt ist und meistens sind dies Sachen die

auch einen Motorantrieb, den man dazu

sport im Allgemeinen Verfasserin: Birgit Hölzl

aus irgendeinem Grund, das Aufsehen der Men-

schalten kann, damit man nicht nur bei perfekten Segelbedingungen ins Meer ste-

chen kann.

schen erweckt haben. Die Popularität von den verschieden

Entstanden ist das Segeln beziehungsweise das Segel-

Sportarten hängt stark von der Nationalität ab. Grundsätz-

schiff laut Aufzeichnungen in Ägypten, wo sie zu Fahrten

lich gilt zu unterscheiden zwischen Zuschauer und Aktiven

auf dem Nil genutzt wurden. Folglich wurden die Schiffe

einer Sportart, wobei in jedem Fall ein Zusammenhang der

meist zu Erkundungsfahrten und Reisen benutzt. Erst in

beiden Komponenten besteht.1

Griechenland wurden die Schiffe verschieden ausgebaut,

Laut der Homepage, Site officiel de la Ville de Marseil-

wobei das Lastschiff und die Galeere entstanden. Ersteres

le, reihen sich die vier beliebtesten Sportarten der Stadt

war für den Handel bestimmt und die Galeere als Kriegs-

folgendermaßen: Fußball, Tennis, Segeln und Boccia. We-

schiff, da es besonders schnell war. Für Handel, Transport,

nig überraschend ist hierbei, dass Fußball auf Platz eins

Fischfang, und Krieg hatten Segelboote über Jahrhunderte

ist, denn diese Sportart führt auch in ganz Frankreich die

eine große Bedeutung. Erst seit dem 18.Jahrhundert wird

Liste der populärsten Sportarten an.2 Mit der Ausrichtung

das Segeln als Freizeitsport ausgeübt. Zuerst waren es nur

der Fußballeuropameisterschafen 2016 wird dieses Ran-

reiche Geschäftsleute und Adelige die das Segeln als Hob-

king bestätigt, denn da wird Fußball auch für die nicht

by ausübten. Mit der Gründung von Segelvereinen tentier-

aktiven Sportler ein unumgängliches Thema werden. Sind

te diese Sportart zum Breitensport und in der heutigen Zeit

Sportgroßveranstaltungen doch eine Identifizierung der

werden Segelschiffe Großteils nur noch als Freizeitaktivität

Stadt nach innen und außen. Sie ergreifen Medien und

und zum Wettkampfsport verwendet.4

Menschen und sind auch Katalysator städtischer Identifizierungsprozesse und urbanen Selbstbewusstseins. Genau aus diesem Grund sind solche Sportveranstaltungen maßgebend für die Sportentwicklung vor Ort. Die Popularität des Fußballs ist also nachvollziehbar, doch auch das Segeln gehört zu den Favoriten und das ist wiederum nicht so leicht ersichtlich, wenngleich Marseille auch eine Hafenstadt ist und somit die besten Voraussetzungen für diese Sportart mit sich bringt.3

Segeln als Wettkampfsport Das Sportsegeln gilt seit 1900 als Olympische Disziplin und unterscheidet sich durch den Wettkampcharakter und durch die großen Unterschiede der Boote vom einfachen „Hobbysegeln“. Durch das Beispiel „Österreichischer Segel-Verband“, lassen sich die Unterschiede im Segelspitzensport ein wenig herausfiltern, wobei man berücksichtigen muss, das dieser Verband auf Olympische Disziplinen spezialisiert ist.

Segeln, eine der beliebtesten Sportarten

Im Österreichischen Segelverband wird unterschieden

in Marseille

zwischen Spitzensport und Breitensport. Im Spitzensport

Ein Segelschiff oder Segelboot wurde früher nur durch Windenergie fortbewegt, mittlerweile gibt es natürlich 1 2 3 4

Vgl. http://uni-protokolle.de/Lexikon/Sportart.html Vgl. http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-sport-a-marseille Vgl. Hebbel-Seeger, Föster, S.194f Vgl.: http://www.segeln-lernen.net/geschichte-segeln.html

gibt es ein Konzept, auf das man aufbaut und versucht es so gut wie möglich umzusetzen. Hinter diesem Konzept,

41


genannt Inspire 24, steht die Überzeu-

Team einen Gegner zu haben. Das Fahr-

gung, dass mit dem Zusammenfügen

tensegeln kann man also auch betreiben,

schon vorhandenen Ressourcen, sowie mit

wenn man nicht direkt mit einem Gegner

der Schaffung neuer Ressourcen effektiver und

konfrontiert sein möchte und deshalb dient es

effizienter gearbeitet werden kann. Ziel ist hierbei ein Trai-

auch oft der Erholung und wird von Hobbyseglern ge-

ning auf olympischer Basis zu ermöglichen. Dieses Kon-

schätzt.7

zept beschreibt Typische Entwicklungsphasen der Athleten jeder Altersstufe ebenso wie die Aus- und Fortbildung von Trainern bis hin zur Finanzierung. Im Breitensport gibt es im Österreichischen Segelverband drei Kategorien: Surfen und Kiten, Regatten und die Yardstick Regatten.5 Bei Surfwettkämpfen können sich die Sportler in verschiedenen Klassen wie zum Beispiel Schnelligkeit oder Technik messen. Das Kitesurfen ist dem einfachen Windsurfen sehr ähnlich, anstatt des Segels wird hier ein Lenkdrachen verwendet und die Sportler können hohe Sprünge wagen, die bis zu 10 Meter hoch sind.6 Bei der Regatta wird eine bestimmte Strecke von einem oder mehreren Teilnehmern zur selben Zeit befahren, die Dauer eines Wettkampfs kann dabei von Stunden (Jollenregatten) bis zu Monaten (Hochseeregatten) betragen. Um das Wettkampfsegeln zu komplettieren soll auch das Fahrtensegeln noch erwähnt werden. Darunter versteht man mehrtägige Segeltörns, die mehr oder weniger nach Wettkampf ausgerichtet sind. Auch Weltumsegelungen gehören dazu, aber hierbei wird oft nur der eigene Ehrgeiz bemessen beziehungsweise werden Zeiten von Vorgängern als Anhaltspunkt verwendet. Im Unterschied zu den Regattaseglern organisieren Fahrtensegler ihre Wettkämpfe meist privat und sind auch selten in Vereinen organisiert. Die Regattasegler bevorzugen Vereine oder wie in Österreich den Verband der Segler um regelmäßige Trainings absolvieren zu können und hierbei im eigenen

42

5 6 7 8 9

Vgl.: Vgl.: Vgl.: Vgl.: Vgl.:

http://österreichischer segel-verband.at http:// surfen-lernen.net http:// segeln-lernen.net http://Marseille-tourisme.com http://worldsailinggames2006.at

Sportsegeln in Marseille Wie schon erwähnt hat Marseille die besten Voraussetzungen für den Segelsport und deshalb finden auch zahlreiche nationale und internationale Veranstaltungen im Bereich des Boot- und Wassersports statt. Beispiele dafür sind die Segelweltmeisterschaften, die Segelregatta der Juristen „Juris Cup“ oder die „Route des Iles“, eine Regatta von Marseille nach Korsika.8 Eines der größten und auch bekanntesten Ereignisse waren wohl die Segelweltmeisterschaften, die im Jahre 2002 stattfanden. Die International Sailing Federation (ISAF) Games wurden 1994 das erste Mal in der westfranzösischen Hafenstadt La Rochelle ausgetragen. Wie bei anderen Weltmeisterschaften ist es auch bei den Segelweltmeisterschaften Ziel, Sportler mit denselben Bedingungen und Materialien für ihre Leistung auszuzeichnen und auch hier vertritt der Sportler sein Heimatland. Die World Sailing Games werden alle vier Jahre ausgetragen und kommen ihrer Bedeutsamkeit einer Olympiade gleich.9 Die Bedeutsamkeit der Segelweltmeisterschaften lässt sich auch dadurch bestätigen, dass die International Sailing Federation ein vom Olympischen Komitee offiziell anerkannte Organisation ist. Die ISAF ist unter anderem verantwortlich für die internationale Promotion des Sports, die Organisation bei den Olympischen Spielen, die Entwicklung der Regeln und des Sports im Allgemeinen sowie die allgemeine Organisation des Segelsports. Diese Organisation ist


Die Segelweltmeisterschaften fanden 2002 in Marseille statt.

sozusagen das „Head office“ des Segelsports und leitet somit alle Wettkämpfe und untergeordneten Verbände und Verei-

Veranstaltung für sich entsprechend geplant, organisiert und durchgeführt werden muss. Um die Bekanntheit des Events

ne. Die ISAF ist eine Non Profit Organisation

und somit gleichzeitig die der darin befindlichen

mit einem kleinen, fix angestellten Team und jeder Menge

Sportart zu steigern, benötigt man Medienpräsenz. Nur

Freiwilligen.10

durch diese Präsenz kann der Transfer von Image und Be-

Für eine Stadt ist es also in vieler Hinsicht ein Erfolg, wenn

kanntheit auch ausgeführt werden.

man die Chance hat diese Segelweltmeisterschaften aus-

Ein Sportevent soll also vor allem eine große Werbewirkung

zurichten. In Marseille scheinen auch die Bedingungen

haben und deshalb sollte ein solcher Event auch einzigar-

für diese Art an Sportveranstaltungen nicht besser sein

tig sein. Ein Event sollte außerdem Gemeinschaftlichkeit

zu können. Eine Metropole direkt am Meer und somit die

erzeugen und zur aktiven Teilnahme herausfordern, also

Chance viele begeisterte Zuschauer für diese Sportart zu

die ausgeführte Sportart interessant und bekannt machen.

gewinnen, um auch nachhaltige Popularität zu erzeugen.

Um dieses Interesse zu erreichen sollte man aber beden-

Wie sich eine Veranstaltung auf die Sportart an sich aus-

ken, dass Sport ein soziales Phänomen ist und sich aus

wirkt und was sie der Stadt bringt, kann man nur schwer

der Gesellschaft entwickelt. Deshalb ist es auch besonders

messen, doch die Tatsache das Segeln die zweitpopulärste

wichtig, dass man seine Zielgruppe genau definiert. Die

Sportart in Marseille ist, liegt vermutlich nicht nur daran,

durch den Sport transportierten Werte und Normen sind

dass die Gegebenheiten direkt vor einem sind.

durch das gesellschaftliche Umfeld bestimmt. Um einen erfolgreichen Sportevent zu organisieren müssen diese

Popularitätssteigerung

einer

Sportart

durch Veranstaltungen Sportevents werden als spezielle Ausprägung des Sports dargestellt, der Sport ist zentraler Gegenstand und wird dazu genutzt verschiedenste Bezugsebenen herzustellen. Sportereignisse haben eine hohen Erlebniswert und dienen der Unterhaltung von Besuchern und Athleten, sie werden aber auch dazu verwendet Werbebotschaften zu verbreiten. Bei Sportevents kann man also eigentlich von Marketing Events in unterschiedlichster Ausführung sprechen. Es werden hierbei die vom Markt vorgegebenen Bedürfnisse analysiert und dann im Event so umgesetzt, dass eben diese Bedürfnisse gestillt werden.11 Es bedeutet also, dass Sportevents für unterschiedliche Nachfragegruppen aufbereitet werden und somit jede 10 Vgl. http://sailing.org 11 Vgl. Hebel-Seger/ Föster, 2008, S.13ff

Kenntnisse und Zusammenhänge unbedingt berücksichtigt werden. Man spricht von der „gesellschaftlichen Einbettung von Sportevents“, wenn man versucht zu analysieren welcher Sportevent für welche Gesellschaft geeignet beziehungsweise relevant ist. Dabei sind vier Interpretationen von Gesellschaft besonders relevant: • Wohlstandsgesellschaft • Leistungsgesellschaft • Erlebnisgesellschaft und • Weltgesellschaft Die Wohlstandsgesellschaft ist geprägt durch einen hohen wirtschaftlichen Lebensstandart und weist somit eine rasche Zunahme der Freizeit, Ausbildungsmöglichkeiten und Konsum auf. Die Arbeitszeit ist durch die technische Ent-

43


wicklung soweit zurückgegangen, dass man über mehr freie Zeit verfügt. Und diese Zeit wird in der Wohlstandsgesellschaft für etliche Freizeitaktivitäten genutzt. Für

Die Weltgesellschaft lässt sich mit der Globalisierung, dem überschreiten der nationalen Grenzen und kultureller Unterschiede

Sportevents, die auf diese Gesellschaftsgruppe ausgerich-

assoziieren. Sportarten werden auf der ganzen Welt mit

tet sind, bedeutet dies ein Angebot zu erstellen, dass ein

denselben Regeln ausgeführt und auch internationale

gewisses Maß an Luxus mit sich bringt, denn diese Gesell-

Wettkämpfe spielen hier eine große Rolle. Man kann also

schaft ist gewillt ihr Geld auszugeben, allerdings werden

davon ausgehen das diese Gesellschaft eine moderne,

auch höhere Ansprüche gestellt.

weltbelesene und auch reisefreudige Gesellschaft ist, die besonderen Wert auf Internationalität legt.

In der Leistungsgesellschaft wird besonderer Wert auf die erbrachte Leistung gelegt, was heißt, dass jeder die glei-

Wenn man nun diese einzelnen Gesellschaftszweige nimmt

che Chance hat sich durch seine Leistung zu etablieren.

und versucht anhand der Fakten den Segelsport einzuord-

Die Leistungsgesellschaft soll also allen Mitgliedern aus

nen, kann man erkennen, dass dieser je nach Ausrichtung

egal welcher sozialen Schicht, die Chance geben sich zu

der Veranstaltung alle vier Beispiele betreffen und anspre-

verwirklichen und mit der erbrachten Leistung Erfolg zu

chen kann. Es ist also die Aufgabe der Veranstalter, her-

erarbeiten. Man kann hier also durch Disziplin und Verbes-

auszufinden welches Publikum angesprochen werden soll

serung seiner eigenen Eigenschaften an Erfolg und Aner-

und dann die Veranstaltung dementsprechend Auszurich-

kennung gewinnen egal ob man wohlhabend oder arm ist

ten. Nimmt man als Beispiel die Segelweltmeisterschafen

und genau dies sind die Faszinationen die Besucher anlo-

in Marseille, kann man davon ausgehen, dass die Welt-

cken, denn die Leistungsgesellschaft ist eine Gesellschaft

gesellschaft und aber auch die Wohlstandsgesellschaft

die besonders Wert auf Gleichberechtigung legt.

angesprochen worden ist. Denn die Internationalität der Veranstaltung fällt als erstes ins Auge des Betrachters.12

Die Erlebnisgesellschaft will Spaß haben und das erlebte soll schön sein, dass gelingt durch Instrumentalisierung von Situationen für Erlebniszwecke. In dieser Gesellschaft sind Beruf uns Arbeit nicht mehr vorrangig für die Lebensgestaltung, materielle Sicherheit verliert ihre Bedeutung und der Wunsch, gegenwartbezogene Wünsche auszuführen und zu erleben ist maßgebend. Spontanität ist Lebensqualität und die Zukunft wird nicht wie in der Leistungsgesellschaft vorausgeplant. Man will im hier und jetzt Erleben und Erfahrungen sammeln und genau diese Ansprüche soll man auch in der Eventplanung umsetzen um diese Gruppe zu erreichen. 12 Vgl. Hebel-Seeger/Föster, 2008, S.24ff

44

Aus Popularität entsteht ein Trend Sport ist ein sehr vielfältiger Begriff der sich, wie schon erwähnt, mit der Gesellschaft verändert und anpasst. Durch die Veränderung der Gesellschaft in den letzten zehn Jahren, hat sich auch der Sport verändert. Werte wie Disziplin und Leistung schwächen ab hingegen Wohlbefinden, Lebensqualität und Abenteuer gewinnen. Risikosportarten, Extremsportarten und Natursportarten werden attraktiver und der Begriff Trendsport ist inzwischen ein verankerter Begriff in der Sportszene. Sport ist ein Spiegel einer Gesellschaft und durch die Ausübung und Bekanntheit


Besonders beliebt in Marseille sind einer Sportart kann dieser als Populär

Outdoorsportarten.

bezeichnet werden. Hält die Popularität

um die Anbieter der Austragungsstätten sondern auch um Anbieter für Ausrüs-

dieser spezifischen Sportart dann über Jah-

tung und Bekleidung. Beim Trendsport gibt

re an und man kann sogar von einem konti-

es Merkmale, an denen man sich orientieren

nuierlichem Zuwachs an Ausübenden sprechen, gilt diese

kann und die auch helfen können schneller zu erkennen

Sportart als Trend.13

und zu handeln.

Trendsport wird oft mit Funsport und Extremsport gleich-

Diese Merkmale sind:

gesetzt, was aber nicht der Fall ist, denn Funsport und

-Stilisierung; die Ausübung der Sportart wächst meist über

Extremsport müssen nicht über einen längeren Zeitraum

das Sporttreiben hinaus, was bedeutet, dass zum Beispiel

ausgeübt werden wie dies beim Trendsport der Fall ist. Ge-

ein Mountainbiker auch in seiner nicht sportlich aktiven

meinsam haben diese drei Sparten des Sports nur, dass sie

Zeit ein Biker ist. Sei es wegen seines Sprachstils oder auf-

meist durch junges Publikum entstehen, denn vor allem

grund seiner Kleidung. Um einem Trend wirklich nachzu-

die jungen Generationen wollen neue Sachen ausprobie-

gehen, will man das auch nach außen sichtbar machen

ren, Erfahrungen sammeln und sich immer wieder zu neu-

und eignet sich die „Sprache“ des Sports an.

en Trends inspirieren lassen. Aktuell sind die Trendsportar-

-Beschleunigung; damit ist das Tempo und die Schnellig-

ten Boccia (besonders bekannt in Frankreich), Slacklinen,

keit einer Sportart gemeint. Durch die Medien wird eine

Crossgolf oder Parkour, Sportarten die eigentlich fast über-

Sportart interessanter gemacht indem zum Beispiel ein

all ausgeübt werden können sei es in einer Stadt oder aber

Base-Jumper seinen freien Fall mit der Helmkamera auf-

auch auf dem Land.14

zeichnet und ins Internet stellt. Ohne Risiko und Beschleunigung ist eine Sportart für den Zuschauer schon meistens

Entstehung von Trendsportarten Das Thema Trendsport ist in den letzten Jahren zu einem ernst zu nehmenden Bereich des Sports geworden. Immer schneller werdende Veränderungen des Sports, sowie neue Formen und Stile der Sport- und Bewegungskultur werden etabliert und weiterentwickelt. Trendsportarten entwickeln sich in den verschiedensten Richtungen und deshalb sind sie auch nicht nur in den bisherigen Sportstätten aufzufinden sondern in neuen und schon verloren geglaubten. Es müssen vom Sportmarkt neue Anforderungen und Bedürfnisse analysiert und erfüllt werden und das meist auf sehr schnelle Weise, denn wie schon erwähnt entstehen Trendsportarten sehr schnell. Wenn die verschiedenen Anbieter hier nicht sofort reagieren ist die Zeitspanne zu kurz und die Folge ist dann Verlust. Hierbei geht es nicht nur 13 Vgl.: Greier, Skript SKVMbbB, 2013 14 Vgl.: http://www.focus.de/sport/trendsportarten

langweilig.

• Virtuosität; da Trendsportarten ganz oft neu entwickelte oder abgeleitete Sportarten sind ist die Voraussetzung, dass man sich die Eigenschaften zur Ausübung mit viel Selbsteinschätzung und eben von ganz vorne aneignet und dies bis zum Perfektionismus. Es geht nämlich nicht immer nur um Leistung und Gewinn, sondern oft nur um Spaß und Kommunikation und der Freude am weitergeben eigener Techniken und Stunts. Man will durch immer besser werdende Techniken seine Mitstreiter überbieten und somit auffordern ebenso wieder an sich zu arbeiten.

• Extremisierung; spricht man von Trendsport wird dies meistens mit Risiko- oder eben Extremsport verbunden, was auch nicht falsch ist, denn besonders im

45


Outdoorbereich sind in den letzten

Betrachtet man einfach nur die Popu-

Jahren viele Trendsportarten ent-

larität einer Sportart, scheint dies ein

sprungen und in diesem Bereich wird durch die technologische Weiterentwick-

einfaches System zu sein, nämlich nur die Beliebtheit einer Sportart, bemessen durch die

lung der Sportgeräte eine Extremisierung geradezu

Beliebtheit der aktiv Ausübenden Sportler und der Besu-

herausgefordert. Das Bedürfnis an Risiko und Gefahr

cher beziehungsweise der Zuschauer. Doch fragt man sich

steigt vor allem bei jungen Generationen, die gerne an

auch wie eine Sportart populär wird und ob es einen Begriff

die Grenzen des Möglichen gehen.

über die Popularität hinaus gibt wird das System zu einem

• Event; diese werden dazu verwendet um den Sport

komplexem Thema, dass man aus den verschiedensten

beim Publikum bekannter zu machen und je nach Grö-

Betrachtungsweisen analysieren kann. Von der Popularität

ße des Events auch Besucher in Städte zu bringen.

kann eine Sportart sich zu einem Trend entwickeln, was

Also eine Art Marketing für Anbieter, Sportler und aber

den Konsum stark beeinflusst, denn Trendsportarten sind

auch eine Stadt oder ein Dorf. Man sollte allerdings

in den letzten Jahren ein Highlight in der Sportwelt gewor-

aufpassen, dass man nicht vergisst das besonders bei

den und der Markt richtet sich stark danach. Sport ist ein

Großevents, wie zum Beispiel den Segelweltmeister-

eigenständiger Sektor am Markt und deshalb werden sol-

schaften in Marseille, der Sport im Vordergrund steht.

che Veränderungen natürlich analysiert und auf die neuen

• Sampling; dieser Begriff kann auch mit der Hybridisie-

Bedürfnisse angepasst. Da im Moment der Outdoorsport

rung verglichen werden. Es werden sozusagen meh-

besonders boomt, ist es für eine Stadt wie Marseille, wo

rere Komponenten miteinander verbunden. Im Sport

man im Großteil des Jahres Sonnenschein hat eine Mög-

sind Beispiele dazu der Triathlon, Inline-Aerobic oder

lichkeit sich durch Sport zu identifizieren und die guten

Tae-Bo. Hier kann man den Zusammenhang mit der

Eigenschaften nach außen zu tragen.

Virtualität finden, denn Sampling besteht darin zwei

Sportveranstaltungen werden als Marketingprozess be-

schon bestehende Sportarten miteinander zu verbin-

schrieben und können der Sportart, als auch der austra-

den und somit eine neue zu entwickeln.15

genden Stadt viele Vorteile bringen. Marseille ist eine Stadt die vorwiegend mit Kriminalität in Verbindung gesetzt wird

Die Entstehung von Trendsportarten ist einerseits sehr

und durch die Austragung der Segelweltmeisterschaften

speziell und in der heutigen Zeit dennoch sehr verbreitet.

wurde nun eine ganz anderer Teil der Stadt nach außen

Man muss sich im Grunde nur einig sein, was man alles als

projiziert, nämlich das Meer, der Hafen, die Internationa-

Trendsport bezeichnen darf und da gehen die Meinungen

lität. Genau das, was man auch jetzt, Jahre später durch

noch etwas auseinander. Dass Trendsport aber eine Berei-

die Ernennung zur Kulturhauptstadt wieder in Erinnerung

cherung für die Sportszene und allem, damit Zusammen-

bringt und somit nachhaltig fest zu ankern versucht.

hängendem ist, kann man nur bestätigen.16

46

15 Vgl. Breuer/Michels, 2003, S.11ff 16 Vgl. Breuer/Michels, 2003, S.18


Quellenverzeichnis Literatur: Eventmanagement und Marketing im Sport – Emotionale Erlebnisse und kommerzieller Erfolg, Andreas Hebbel-Seeger/Jörg Föster, 2008, Erich Schmidt Verlag Trendsport - Modelle, Orientierungen und Konsequenzen, Breuer/Michels, 2003, Meyer & Meyer Verlag Klaus Greier, Skript SKVMbbB11, 2013 Internet: http://uni-protokolle.de/Lexikon/Sportart.html (19.12.2013) http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-sport-a-marseille (19.12.2013) http://www.segeln-lernen.net/geschichte-segeln.html (19.12.2013) http://österreichischer segel-verband.at (23.12.2013) http:// surfen-lernen.net (23.12.2013) http://Marseille-tourisme.com (27.12.2013) http://worldsailinggames2006.at (27.12.2013) http://sailing.org (30.12.2013) http://www.focus.de/sport/trendsportarten (30.12.2013)

47


Boccia und andere populäre Sportarten in Frankreich Im Ranking der populärsten Sportarten

Verfasser: Markus Grollitsch

gibt es je nach Regionen in Frankreich kleine Unterschiede, welche Sportarten in

Marseille besitzt 124 Turnhallen, 17 Swim-

den Top fünf gelistet werden. Außerdem ist die

mingpools, 71 Stadien, 90 Tennisplätze, 223

Bewertung von Faktoren und der Sicht abhängig wie zum

Pétanque Plätze, 251 allgemeine Sportanlagen und das

Beispiel Freizeitsportarten, Amateursportarten, Profisport-

Stade Velodrome, das Heimatstadium von Olympic Mar-

arten, Sportarten nach Zuseher oder auch Sportarten mit

seille.

und ohne Lizenzen. 2009 waren in der Fédération Internationale de Pétanque et Jeu Provencal (F.I.P.J.P.) 531.233 Spieler mit Lizenzen aus 88 Ländern eingetragen. Alleine in Frankreich gibt es 313.985 Lizenzen, gefolgt von Thailand und Spanien.1

Boccia - Boule – Pétanque Die Bezeichnung Boccia, Boule und Pétanque kann geschichtlich nicht eindeutig unterschieden werden, da Kugelspiele in den verschiedenen Regionen in Europa gespielt wurden. Ein Unterschied zwischen Pétanque und

Populäre Sportarten in Marseille

den anderen Kugelspielen ist, das Pétanque aus einem

Die fünf populärsten Sportarten nach Lizenzen in Marseille

Abwurfkreis gespielt wird. Die anderen Kugelspiele werden

sind:

von einer Abwurflinie aus gespielt.4

2

1. Fußball

17.518 Lizenzen

Der deutsche Pétanque Verband bezeichnet das Freizeit-

2. Tennis

10.907 Lizenzen

spiel als „Boule“ und den Sport als „Pétanque“.5 Boccia

3. Segeln

7.000 Lizenzen

4. Pétanque

5.679 Lizenzen

5. Judo

3.766 Lizenzen

In Marseille gibt es 1.500 gemeldete Sportvereine und ca. 600 Sportveranstaltungen pro Jahr. Dazu zählen auch Großveranstaltungen wie zum Beispiel der Volks- und Straßenlauf, der von Marseille nach Cassis führt, das Straßenradrennen „Grand Prix d’Ouverture La Marseillaise“, das Tennisturnier „Marseille Open“ (ATP World Tour 250), Rugby- und Beachsoccerturniere oder der internationale Bouleswettbewerb „ Le mondial la Marseillaise à pétanque“.

wird als italienische Variante des Boules gesehen.6

Geschichte der Kugelspiele Historisch gesehen gibt es vage Beschreibungen, dass es im alten Ägypten und auch in China Kugelspiele gegeben hat. Fundierter belegt sind Kugelspiele bereits bei den Griechen in der Antike und auch bei den Römern. Homer beschreibt einen Wettkampf, bei dem es die Aufgabe war, Eisenblöcke möglichst weit zu stoßen und Oreibasios beschreibt ca. 300 v. Chr. Trainingsübungen, bei denen Kugeln in verschiedener Größe über den Kopf geworfen wurden. Dies ist eher mit dem heutigen Kugelstoßen vergleichbar.7 Die Römer entwickelten den reinen Kraftsport zu einem Geschicklichkeitsspiel.

48

1 2 3 4 5 6 7

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

http://www.fipjp.com/en/statistics http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-sport-a-marseille http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-sport-a-marseille http://www.ch-petanque-ms-2013.ch http://www.petanque-dpv.de/index.php?id=563 http://www.boccia-bund.com/geschichte/index.html Michael Hornickel


Die Aufgabe bestand darin, mit Steinen

Die Fédération Internationale de Pétan-

einen in einer bestimmten Entfernung

que et Jeu Provençal (F.I.P.J.P.) regelt

liegenden Stein zu treffen.8 In Frankreich lässt sich aufgrund von Verboten

welche Normen Wettkampfkugeln erfüllen müssen.11

das Spiel mit Holzkugeln seit dem 13. Jahrhundert belegen. Das Boules Spiel wurde in den folgenden Jahrhunderten, immer wieder untersagt und verboten. Über die Jahrhunderte haben sich verschiedene Spielweisen im Boules-Spiel entwickelt. Gegenwärtige wird zwischen: • La Boule en Bois

das älteste und einfachste Boules-Spiel

• La Boule de Fort

wird ausschließlich in der Halle gespielt

• La Boule des Berges

wird in der Gegend von Paris gespielt

• Boule Lyonnaise

wird auf einen spezielle, präparierten Spieluntergrund

gespielt • Jeu Provencal

wird hauptsächlich in der Provence gespielt

• Pétanque

entstand aus dem Jeu Provencal und ist das meistver-

breitete Boule-Spiel, welches in der heutigen Form seit 1907 gespielt wird9 Zu Beginn der Boule-Spiele bestanden die Zielkugel (Cochonnet, But, Bouchon, Schweinchen oder Sau) und die Kugeln aus Holz.10 Die Kugeln entwickelten sich im Lauf der Jahrhunderte von den Holzkugeln, Holzkugeln die mit Nägeln beschlagen waren bis hin zu den heutigen Me-

Pétanque - Das Spiel Das Spiel wird bevorzugt auf einem festen, mit einer Sandschicht bedeckten, Boden gespielt. In Turnieren wird die Spielfläche begrenzt, sie muss jedoch eine Mindestlänge von 15 Meter und eine Mindestbreite von 3 bis 4 Meter aufweisen. Ziel des Spiels ist es, so viele wie möglich der eigenen Kugeln näher an die Zielkugel zu spielen. Das Spiel gewinnt jene Mannschaft, welche als erste 3 von maximal 5 Aufnahmen a 13 Punkte erreicht hat. Wie bereits erwähnt wird bei Pétanque aus einem Abwurfkreis spielen, wobei die Füße die Kreislinie nicht berühren dürfen.Pétanque kann in folgenden Formationen gespielt werden: • 1 Spieler gegen 1 Spieler (tête à tête) 3 Kugeln[4] pro Spieler (6 Kugeln) • 2 Spieler gegen 2 Spieler (doublette) 3 Kugeln pro Spieler (12 Kugeln) • 3 Spieler gegen 3 Spieler (triplette) 2 Kugeln pro Spieler (12 Kugeln). Die richtige Haltung der Kugel, die Wurftechnik (legen oder schießen), die Taktik, die Wahl der Spielfläche, und die mentale Stärke beeinflussen, welche Mannschaft das Spielfeld als Sieger verlässt.12 Pétanque wird in nicht Lizenz- und Lizenzturnieren, in Nationalen-, Europa- und Weltmeisterschaften gespielt.

tallkugeln. Wie in den meisten Sportarten gibt es auch im Boules-Spiel unterschiedliche Qualitäten in den Sportgeräten (Kugeln) je nach Anforderung (Hobby oder Profisport). 8 Vgl. Michael Hornickel 9 Vgl. Michael Hornickel 10 Vgl. Michael Hornickel 11 Vgl. Joachim Kopp 12 Vgl. Michael Hornickel

49


Le mondial la Marseillaise à Pétanque – eines der bekanntesten Le mondial la Marseillaise

Pètanque-Turniere

à Pétanque Eines der berühmtesten und größten Turniere mit jährlich über 12.000 Teilnehmern ist das Le mondial la Marseille à Pétanque. Das internationale Turnier, welches ein offenes Lizenzturnier ist, findet seit 46 Jahren statt. Marseille verwandelt sich am ersten Wochenende im Juli in ein Pétanque Eldorado, in der auf vielen Plätzen und Grünflächen auch außerhalb des Turniers Pétanque gespielt wird. Die Veranstaltung bietet für den Sportler eine große Herausforderung und bietet durch die einzigartige Atmosphäre für Sportler und Zuseher ein einmaliges Erlebnis. Das Endspiel findet unter großem Publikumsinteresse und der Übertragung im Fernsehen im Hafen von Marseille statt.13 In Österreich und Deutschland bieten Pétanque-Vereine, welche meist zu den nationale Verbänden gehören die Möglichkeit Pétanque zu erlernen und zu spielen.

50

13 Vgl. http://www.lamarseillaise.fr/sports/mondial-petanque

Quellenverzeichnis

Offizielle Seite des F.I.P.J.P.: Statistics of licences. Online verfügbar: http://www.fipjp.com/en/statistics (06.10. 2013) Offizielle Seite der Stadt Marseille: Sport in Marseille. Online verfügbar: http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/lesport-a-marseille (20.09. 2013) Fédération Suisse de Pétanque: Pétanque - Was ist das ? http://www. ch-petanque-ms-2013.ch (20.09. 2013) Deutscher Pétanque Verband e.V.: Boule, Boccia, Bowls, Pétanque. http://www.petanque-dpv.de/index.php?id=563 (20.09. 2013) Boccia Bund Deutschland e.V.: Was ist eigentlich Boccia?. http://www. boccia-bund.com/geschichte/index.html (20.09. 2013) Michale Hornickel (1981) Jeux de Boule - Pétanque und andere Kugelspiele. Berlin: K. Guhl Jochim Kopp (2012) Pétanque – Grundlagen, Technik, Taktik, Training, Spielformen. München: Copress Verlag


Albertville und Annecy

Verfasser: Markus Comploj Vor über hundert Jahren, im Jahre 1900,

und Kommunikation im Frühjahr 2003

war Frankreich das erst zweite Gastge-

die Auszeichnung „Stadt der Kunst und

berland für die Olympischen Spiele. Der Stellenwert der Spiele war im öffentlichen Be-

Geschichte“. Dabei handelt es sich um eine Auszeichnung, die als Bestätigung des Engage-

wusstsein wie auch unter den Sportlern noch recht gering:

ments zu sehen ist, dieses Kulturerbe einem immer zahl-

Einige der Sportler erfuhren nie, dass sie an Olympischen

reicheren und breiteren Publikum bekannt zu machen.4

Spielen teilgenommen hatten.1 Die Bedeutung der Spiele stieg allerdings rasant an. Bei der bis dato letzten französischen Gastgeberschaft, 1992 in Albertville, stellen sie längs den wohl bekanntesten sportlichen Wettstreit der Welt dar. Im folgenden Text soll die Austragungsstätte der XVI. Olympischen Winterspiele im Überblick und mit Schwerpunkt auf ihre sportlichen und kulturellen Besonderheiten vorgestellt werden. Doch soll der Blick in dieser Arbeit auch auf eine vergleichbare Stadt, die nicht Austragungsort einer derartigen Großveranstaltung war, geworfen werden. Geeignet dazu scheint das keine Autostunde von Albertville entfernte, am sechstgrößten See Frankreich liegende Annecy zu sein. Die Olympiastadt Albertville Die Stadt Albertville wurde 1836 von König Charles-Albert gegründet und liegt in der Region Rhône-Alpes, zwischen den vier Alpentälern Combe de Savoie, Tarentaise, Val d´Arly und Beaufortain. Die ca. 19.700-Seelen-Gemeinde Albertville floriert besonders durch die regen Geschäftsbeziehungen zwischen Frankreich, Italien und der Schweiz. Bedingt durch die von Anfang an genutzten Wasserläufe der Region etablierte sich Albertville frühzeitig in diversen Industriezweigen (z.B. Papierfabrik, Gerberei, Wasserkraftwerke…).2 Albertville wurde zudem zum Behördenzentrum des ganzen Bezirkes.3Aufgrund der langjährigen Bemühungen im Umgang mit dem reichen Erbe der Stadt

Die mittelalterliche Siedlung von Conflans Einen besonderen Teil der Stadt Albertville nimmt die mittelalterliche Siedlung Conflans ein. Sie war bis 1836 eigenständig und wurde dann durch König Charles-Albert mit der restlichen Stadt vereinigt. Die landschaftliche Umgebung prägte die Geschichte Conflans. Durch die Erbauung der Stadt auf einer Anhöhe war sie geschützt vor der Kraft der Flüsse Isère und Arly und konnte gleichzeitig den Zugang zum Tal der Tarentaiser kontrollieren. Durch die hohen Stadtmauern wurden Feudalherren und wohlhabende Bürger gleichermaßen vor dem wirtschaftlichen und politischen Begehren Fremder beschützt. Die altertümliche Stadt wuchs bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Durch die Eindeichung der beiden Flüsse Arly und Isère entwickelte sich aus dem sumpfigen Flachland das Städtchen L´Hôpital-sous-Conflans, wodurch es zu einem Bedeutungsverlust der Stadt Conflans kam, der bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts andauert. Gleichzeitig wurde dadurch ein einzigartiges Erbe erhalten: Conflans gehört heute zu den außergewöhnlichsten und einzigartigen Orten in Savoyen.5 Mit die Tour Ramus (vgl. Abb. 1), das 1432 erbaut wurde und der um 1700 nach einem Brand wiederaufgebauten Église Saint-Grat (vgl. Abb. 2) seien nur zwei der unzähligen Sehenswürdigkeiten der Stadt Conflans erwähnt.6

erhielt Albertville vom französischen Ministerium für Kultur 1 Vgl. http://www.olympic.org/paris-1900-summer-olympics 2 Vgl. http://www.pays-albertville.com/InfoliveDocuments/lvc_albertville_allemand_2013_bdef.pdf und http://www.france-voyage.com/frankreich-gemeinden/albertville-29359.htm 3 Vgl. http://www.pays-albertville.com/InfoliveDocuments/lvc_albertville_allemand_2013_bdef.pdf 4 Ebd. und http://www.vpah.culture.fr/ und http://www.vpah.culture.fr/pdf/liste_vpah_21_juin_2012.pdf 5 Vgl. http://www.pays-albertville.com/InfoliveDocuments/lvc_albertville_allemand_2013_bdef.pdf und http://www.vpah.culture.fr/ und http:// www.vpah.culture.fr/pdf/liste_vpah_21_juin_2012.pdf 6 Ebd.

51


Albertville 1992

Hoch-Savoyen. Der See von Annecy ent-

Am 8. Februar um 18.08 Uhr Orts-

stand bereits vor 18.000 Jahren durch

zeit eröffnete Frankreichs Staatspräsident François Mitterand im „Theatre des Ceremonies“

die Eisschmelzung und erstreckt sich über eine Länge von fast 15 km. In dem Süßwasser-

von Albertville die XVI. Olympischen Winterspiele. Zum

see leben unzählige Fischarten und Panzerkrebse.14

ersten Mal in der Geschichte wurden die Olympischen

Es wird vermutet, dass Annecy in den nördlichen Alpen die

Spiele nicht an eine Stadt, sondern an eine Region verge-

Stadt mit den ältesten nachweisbaren menschlichen Ur-

ben und dadurch bedingt lebten auch die Athleten nicht

sprüngen ist. Ausgrabungen des Departement für Archäo-

mehr in einem Olympischen Dorf zusammen.9

logische- und Unterwasserforschung weisen Ursprünge bis

Die Olympischen Spielen in Albertville waren die ersten

3.100 Jahre vor Chr. nach.15

nach der deutschen Wiedervereinigung. Erstmals seit 28

Die Stadt wusste immer die Vorteile der Standlage zu nut-

Jahren waren wieder Deutsche in einem Team vereint.

zen. Aufgrund des zum Symbol gewordenen Sees, dem

Ebenso waren Teams aus den wieder selbstbestimmenden

Thoiu, sowie dem ausgedehnten naturbelassenen Wald

baltischen Republiken Estland, Lettland und Litauen sowie

des „Semnosz“ und der Ebene „des Fins“ genießt Annecy

die von

großes Ansehen. Die Nähe zu Genf war die Quelle ständi-

Jugoslawien unabhängig gewordenen Kroatien

und Slowenien am Start.10

ger Veränderung der Stadt. Anfang des 19. Jahrhunderts

Aus österreichischer Sicht waren es die bis dahin erfolg-

erlebte Annecy eine radikale Umstellung, da sie sich zu ei-

reichsten Olympischen Winterspiele mit 21 Medaillen. Bis

nem aktiven Industriezentrum verwandelte. Unterschied-

heute wurde dieser Erfolg bei Olympischen Winterspielen

lichste Fabriken entstanden, von denen viele durch die

nur einmal übertrumpft, nämlich 2006 in Turin mit 23 Me-

hydraulische Kraftgewinnung durch den Thiou angetrie-

daillen.11

ben wurden. Bereits ab der Mitte des 19. Jahrhunderts

Das Ziel, den für die Olympiade entstandenen Olympiapark

entwickelte sich eine Sensibilität bezüglich der Alpenge-

auch nach den Spielen weiter zu benutzen, wurde erreicht.

biete und die Region öffnete sich dem Tourismus rund um

Die Sport- und Freizeiteinrichtung ist unter anderem mit

den See, der zahlreiche Besucher anlockte.16 Aufgrund des

einem Stadium, mehreren Fußball-, Baseball-, Tennis- und

architektonischen und historischen Erbe der Stadt, ihrer

Rugbyplätzen, sowie einem Schießstand, einem Gesund-

Kanäle und dem Blumenschmuck wird Annecy auch häufig

heitspfad und einer Kletterwand, eine der größten Euro-

als „Venedig der Alpen“ bezeichnet.17

pas, ausgestattet.12

Die Stadt Annecy hat unzählige Bauten der unterschiedlichsten Epochen vorzuweisen. Mit der „La porte Perrière“

Annecy, das „Venedig der Alpen“13 Die Stadt Annecy besteht aus drei Kantonen und bildet mit ihren rund 52.100 Einwohnern die Hauptstadt von

52

(Die Steintür), die über Jahrhunderte hinweg eine der vier Haupteingänge der Stadt darstellte, oder einer Festung aus dem 12. Jahrhundert (Der „Palaste de I´lle“) seien nur

9 Vgl. Stolz, 1992, S. 7 10 Vgl. Stolz, 1992, S. 7 und Winheim (2012) und ÖOC (2012) 11 Ebd. 12 Vgl. http://www.pays-albertville.com/InfoliveDocuments/lvc_albertville_allemand_2013_bdef.pdf und http://www.pays-albertville.com/uk/ il4-town,art,history_p23-albertville-the-olympic-heritage.aspx 13 Vgl. http://de.lac-annecy.com/annecy-344.htm 14 Vgl. http://de.annecy.eu/643-die-stadt-in-zahlen.htm 15 Vgl. http://de.annecy.eu/636-geschichte-der-stadt.htm 16 Vgl. http://de.annecy.eu/636-geschichte-der-stadt.htm 17 Vgl. http://de.lac-annecy.com/annecy-344.htm


zwei der eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten genannt. Seit 1980 besitzt Annecy

Annecy besitzt 640 Blumengefäße entlang der Kanäle

ein Kunst- und Geschichtskonservatorium,

Städte stehen in einem ständigen Wettbewerb zueinander. Sie wetteifern um

Einwohner, qualifizierte Arbeitskräfte, um

in dem Ausstellungen stattfinden und unter-

die Ansiedlung von Unternehmen und, nicht

schiedliche Sammlungen besichtigt werden können.18

zuletzt, um Touristen und Urlauber. Was die touristische

Annecy arbeitet seit Jahren an der Verbesserung der Um-

Ausrichtung betrifft, zeigt die vorangegangene Gegen-

welt durch Bekämpfung der Umweltverschmutzung so-

überstellung der beiden französischen Alpenstädte, wie

wie an der Qualitätskontrolle von Wasser und Luft. Diese

unterschiedlich die Konzepte sein können. Albertville

Anstrengungen wurden 1972 durch den von einer inter-

konnte 1992 die Olympischen Spiele in die Region Savoyen

nationalen Jury vergebenen Preis für Naturschutz und

bringen und rückte so, zumal es die ersten Spiele seit dem

Raumordnung belohnt. 1983 erhielt die Stadt die große

Zusammenbruch des Ostblocks waren und die neu antre-

Silber-Medaille für Umwelt der UNO.19

tenden Teams auch Ausdruck der politischen Veränderun-

Die durch den Hochgeschwindigkeitszug sehr gute Ver-

gen waren, in das Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Es

kehrsinfrastruktur und die umliegenden Flughäfen werden

ist davon auszugehen, dass durch die Errichtung und den

von vielen Groß- und Mittelbetrieben genutzt.20 Fünf Ge-

Umbau von Sportstätten, Unterkünften und zusätzlicher

werbezweige illustrieren das gewerbliche Bild von Annecy:

Infrastruktur massive Eingriffe in die Natur und das Land-

• Fein- bzw. Präzisionsmechanik für die Automobil-, Luft-

schaftsbild vorgenommen wurden. Annecy dagegen setzte

fahrt- und Nuklearindustrie sowie im Bereich Biome-

schon vor Jahrzehnten den Fokus auf sanfteren Tourismus.

dizin

So erwarb sich die Stadt Sporen in ihren Bemühungen um

• Industrie-Ausstattungsgüter • Sport-, Freizeit- und Luxusindustrien, • Informatik und die Elektronik, • Nahrungsmittelindustrie.21

den Naturschutz und baute gleichzeitig ihr kulturelles Angebot aus. Beim erwähnten Animationsfilmfestival, das Kenner als international renommiert bezeichnen23, gingen im letzten Jahr nach Angaben des Veranstalters 110.000 Karten über den Ladentisch.24

In Annecy findet jährlich das Internationale Animations-

Doch ganz so einfach scheint die Trennung zwischen

filmfestival und die Animationsfilmmesse statt. Es werden

sanftem und Massentourismus, zwischen Kultur und Brei-

Vorführungen, Kreativ-Workshops und Konferenzen gebo-

tensport nicht zu sein: Annecy, das „Venedig der Alpen“,

ten. Auf der parallel stattfindenden Filmmesse treffen sich

bewarb sich vor zwei Jahren erfolglos um die Austragung

auf 4.000 m² über 450 internationale Aussteller. Bei einem

der Olympischen Spiele 2018. Zwar hätte auch hier auf

internationalen Wettbewerb werden jedes Jahr 18 von ins-

die Natur Rücksicht genommen werden sollen25 – eine

gesamt über 200 Filmen ausgezeichnet.22

bloße Spezialisierung auf naturnahen Tourismus und das Kulturangebot hat der Stadt aber offenbar doch nicht gereicht.

18 19 20 21 22 23 24 25

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

http://de.annecy.eu/637-die-historischen-monumente.htm http://de.annecy.eu/644-umwelt-agenda-21.htm und http://de.annecy.eu/645-die-umwelt-eine-zweite-natur.htm http://de.annecy.eu/428-das-wirtschaftliche-gefuge.htm http://de.annecy.eu/433-das-becken-um-annecy.htm http://www.annecy.org/a-propos/qui-sommes-nous-/page-multilingue-de http://www.mdr.de/kultur/film/dok-animationsfilm-interview-anngeret-richter100.html http://www.annecy.org/annecy-2014/festival/presentation http://www.sueddeutsche.de/muenchen/olympiabewerbung-von-annecy-berge-voller-zweifel-1.1116456

53


Quellenverzeichnis

Online verfügbar: http://www.annecy.org/ annecy-2014/festival/presentation (03.01.2014).

ÖOC - ÖSTERREICHISCHES OLYMPISCHES COMITÉ (Hrsg.) (2012) Österreich Bilanz – Die spotliche Bilanz der österreichischen Teilnehmer bei den Olympischen Spielen. Online verfügbar: http://www.olympia.at/museum/main.asp?kat1=62&kat2=333&kat3=&vid=1 (28.09.2013). WINHEIM, Wolfgang (2012) Albertville 1992: Ein Rückblick. Beitrag in : Kurier, 12.02.2012. Online verfügbar: http://kurier.at/sport/wintersport/ albertville-1992-ein-rueckblick/767.777 (28.09.2013). Online verfügbar: http://de.annecy.eu/636-geschichte-der-stadt.htm#par1730 (24.09.2013). Online verfügbar: (27.09.2013).

http://de.annecy.eu/643-die-stadt-in-zahlen.htm

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http://de.annecy.eu/644-umwelt-agenda-21.htm

Online verfügbar: http://de.annecy.eu/637-die-historischen-monumente. htm (28.09.2013) Online verfügbar: http://www.france-voyage.com/frankreich-gemeinden/albertville-29359.htm (01.10.2013). Online verfügbar: http://www.pays-albertville.com/InfoliveDocuments/ lvc_albertville_allemand_2013_bdef.pdf (01.10.2013). Online verfügbar: http://de.annecy.eu/428-das-wirtschaftliche-gefuge. htm (11.10.2013). Online verfügbar: http://www.tripadvisor.de/Tourism-g187260-Annecy_ Haute_Savoie_Rhone_Alpes-Vacations.html (11.10.2013). Online verfügbar: http://de.annecy.eu/433-das-becken-um-annecy.htm (11.10.2013). Online verfügbar: http://www.annecy.org/a-propos/qui-sommes-nous-/ page-multilingue-de (11.10.2013). Online verfügbar: http://www.vpah.culture.fr/ (02.01.2014). Online verfügbar: http://www.mdr.de/kultur/film/dok-animationsfilm-interview-anngeret-richter100.html (02.01.2014). Online verfügbar: http://www.vpah.culture.fr/pdf/liste_vpah_21_ juin_2012.pdf (02.01.2014). Online verfügbar: (03.01.2014).

http://de.lac-annecy.com/annecy-344.htm

Online verfügbar: http://www.olympic.org/paris-1900-summer-olympics (03.01.2014).

54

Online verfügbar: http://www.sueddeutsche.de/ muenchen/olympiabewerbung-von-annecy-berge-voller-zweifel-1.1116456 (04.01.2014).


Olympique Marseille Gründung und Geschichte

Verfasser: Mathias Hart Nach einem einjährigen Gastspiel in der

Olympique Marseille zählt heute im

Saison 1962/63 etablierte sich Marseille

wahrsten Sinne des Wortes zu den popu-

erst ab 1966 wieder in der ersten Liga und konn-

lärsten Vereinen Frankreichs und wurde im Jahr 1892 durch René Dufaure de Montmirail, einen in Marseille

te einige Jahre später wieder an die großen Erfolge aus

ansässigen Aristokraten, als Sportklub Marseille gegrün-

den 20er und 30er Jahren anknüpfen. Ende der 80er Jah-

det. Bei einem Praktikum in England lernte er den Fußball

re gehörte Olympique Marseille wieder zu Europas Spit-

kennen und war fortan ein begeisterter Anhänger dieses

zenklubs. 1985 begann der Klub viel Geld für die Neuver-

Sports. Fünf Jahre später wurde der Sportklub in Fußball-

pflichtungen von Spielern mit internationalem Format zu

klub Marseille umbenannt und im Jahr 1899 erfolgte der

investieren was vier aufeinanderfolgende Meisterschaften

Zusammenschluss mit einem ortsansässigen Fechtverein.

ab 1989 zur Folge hatte.4

Dies wurde auch als die Geburtsstunde von Olympique

Als 1993 die sogenannte „Affäre OM-VA“ bekannt wurde,

Marseille angesehen.1

in welcher vor einem Spiel Bestechungsgelder gezahlt

Der Fußball war im damaligen Frankreich mehr als Rugby

wurden, folgte der Abstieg des Vereins was die Aberken-

bekannt, da das Spiel mit dem runden Leder seinerzeit

nung der französischen Meisterschaft und die Zurückstu-

lediglich von einigen englischen und deutschen Matrosen

fung in die zweite Liga zur Folge hatte.5 Der Verein war

praktiziert wurde, deren Schiffe den Hafen von Marseille

an seinem Tiefpunkt angelangt und stand aufgrund hoher

anliefen. Jene Pioniere waren es dann auch, die den Fuß-

Schulden Mitte der 1990er Jahre am Rande des Ruins. Zu

ball rasch verbreiteten und ihn nach und nach zu einer Art

Beginn des 21. Jahrhunderts erholte sich der Klub wieder,

Religion machten. Ab dem Jahr 1902 verschrieb sich auch

dennoch blieben Skandale nicht aus. Fußballerisch konnte

Olympique Marseille voll diesem Sport und übernahm in

sich der Verein jedoch wieder national sowie international

Sachen Fußball schon bald die Vorreiterrolle in der süd-

etablieren.6

französischen Küstenregion.2 Olympique gehörte schon vor dem Zweiten Weltkrieg zu

Erfolge

den 20 Gründungsvereinen der Division 1, der ersten fran-

Als eines der Gründungsmitglieder kann Olympique Mar-

zösischen Fußballiga, die heute Ligue 1 genannt wird und

seille, in seiner langen und turbulenten Geschichte in der

ist laut einer repräsentativen Umfrage der beliebteste Fuß-

französischen Liga, mittlerweile auf 9 französische Meis-

ballverein Frankreichs.3 1937 gewann der Klub erstmals

terschaftstitel zurückblicken. Meister wurde l´OM in den

die französische Meisterschaft, der 1948 der zweite Titel

Jahren 1937, 1948, 1971, 1972, 1989, 1990, 1991, 1992,

folgte. In den folgenden Jahren versank l’OM aber mehr

und zuletzt im Jahr 2010. Der Titel aus dem Jahr 1993

und mehr in der Bedeutungslosigkeit. Die Folge war der

wurde, wie bereits erwähnt aufgrund des Bestechungss-

unvermeidbare Abstieg aus der Division 1 1959.

kandals aberkannt.

1 2 3 4 5 6

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

Offizielle Seite der FIFA, www.fifa.com OM4ever, www.om4ever.com Offizielle Seite der FIFA, www.fifa.com Offizielle Seite Olympique Marseille, www.om.net Süddeutsche online, www.sueddeutsche.de Offizielle Seite der FIFA, www.fifa.com

55


Der nationale Pokalwettbewerb konnte in den Jahren 1924, 1926, 1927, 1935,

Die Gründung der

1938, 1943, 1969, 1972, 1976 und 1989

französischen Fußballiga

insgesamt 10-mal gewonnen werden. In der aktuellen Saison liegt die Mannschaft von Trainer Elie Baup

Die Ligue 1 ist die höchste Spielklasse im französischen

nach neun Spieltagen punktgleich mit dem OSC Lille auf

Männerfußball; von 1932 bis 2002 hieß sie Division 1 oder

dem dritten Tabellenplatz.7

Première Division. Sie war von Beginn an eine Profiliga.

Der größte Erfolg auf internationaler Bühne war der Ge-

Französische Meisterschaften wurden zwar schon seit

winn der Championsleague 1993 an dem bestenfalls in

1894 abgehalten, jedoch zählt der Gewinn der Meister-

dieser Saison wieder angeknüpft werden soll. Dieser

schaft erst seit 1932 als offizieller Titel. In Frankreich stand

Traum könnte jedoch schnell vorbei sein, da mit Borussia

Fußball noch bis in das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts

Dortmund, Arsenal London und dem SSC Neapel 3 sehr

hinter Radsport, Boule und Rugby. Es dauerte bis zur Jahr-

harte Brocken in der Gruppenphase warten.8

tausendwende bis man den französischen Fußballbetrieb zu den fünf stärksten Ligen Europas rechnen konnte.11

Wichtige Fakten • Die Vereinsfarben des Klubs sind Weiß-Blau. Bei Heimspielen wird in vorwiegend weißen, bei Auswärtsspielen in vorwiegend blauen Fußballtrikots gespielt.

• Das Wappen des Vereins besteht aus einem blauen M, das über ein gleichfarbiges O gelegt wurde. Über dem Logo „schwebt“ ein fünfzackiger Stern, die zielstrebige Unterschrift „DROIT AU BUT“ (deutsch etwa „zur Sache (kommen)“ vervollständigt das Wappen9

• Das Heimstadion von Olympique Marseille ist das „Stade Vélodrome“. Das „Vélodrome“ (deutsch „Radrennbahn“) verfügte ursprünglich auch über eine Radrennbahn, was den Namen des Stadions erklärt. Das

Am 11. September 1932 begann in Frankreich der professionelle Spielbetrieb. 20 Vereine erhielten die Zulassung für die erste Spielzeit und gelten somit als die Gründungsmitglieder der Liga. Sie wurde in zwei Spielstaffeln eingeteilt, aber nicht nach regionalen Gesichtspunkten, sondern in jeder Gruppe spielten Vereine aus dem gesamten Staatsgebiet. Die Aufteilung der Division 1 in zwei Gruppen wurde nach dem ersten Jahr aufgegeben: seit 1933 war die höchste Spielklasse, mit Ausnahme der Kriegs- und Besatzungsjahre (1939–1945), stets eingleisig. Ansonsten wurde der Ligacharakter von 1932 bis in die Gegenwart beibehalten.12

Stadion wird momentan für die Fußball-Europameis-

Die Ligue 1 im Vergleich mit den vier

terschaft 2016 umgebaut und erweitert. Nach den

„großen“ europäischen Ligen

Arbeiten werden rund 67.000 Zuschauer dort Platz

Einer auf Basis der Zahlen von 2007 erhobenen schweize-

finden. Es ist das größte für Vereinsspiele genutzte

risch-französischen Untersuchung zufolge weist der Spit-

Stadion des Landes.10

zenfußball in Frankreich eine Reihe typischer Besonderheiten auf, die ihn von den Ligen in England, Italien, Spanien und Deutschland signifikant unterscheiden:

56

7 Vgl. Transfermarkt.de, www.transfermarkt.de 8 Vgl. Offizielle Seite der UEFA, www.uefa.com 9 Vgl.Offizielle Seite Olympique Marseille, www.om.net 10 Vgl. Offizielle Seite Olympique Marseille, www.om.net 11 Vgl. Rsssf -Rec(reational) Sport.Soccer Statistics Foundation, www.rsssf.com 12 Vgl. Offizielle Website der UEFA www.uefa.com


• Nur 31,1 % der Profis sind auch Nationalspieler; bei den vier „Großen“

Olympique Marseille gewann 1993 die Championsleague

liegen die entsprechenden Werte zwischen 41,2 (Spanien) und 67,7 % (England)

und zum anderen die „Championnat de France Amateur 2“ bestehend aus

acht regionalen Gruppen mit ebenfalls 16 Teams. Aus 26 Gruppen, auf regionaler und teilweise auf Département-Ebene basierend, setzt sich

• 32,5 % der Spieler stehen bei dem Klub unter Vertrag,

die Struktur der sechsten Liga, der „Division d’Honneur“

bei dem sie als Jugendliche ausgebildet wurden; dage-

zusammen. Die gleichfalls breitgefächerten Ligenstruktu-

gen bewegen sich die Vergleichszahlen nur zwischen

ren der „Division Supérieure d’Élite“ und “Division Supéri-

8,5 (Italien) und 20,5 % (Spanien)

eure Régionale” folgen als siebte beziehungsweise achte

• Französische Erstligaspieler sind mit einem Durch-

Liga im französischen Fußball. Unter den genannten Li-

schnittsalter von 24,9 Jahren etwas jünger als ihre

gen befinden sich noch weitere Stufen wie die „Division

Kollegen (zwischen 25,5 in Deutschland und 26,4 Jah-

d’Honneur Régionale“, “Promotion d’Honneur“, „Promo-

ren in Italien)

tion d’Honneur Régionale“, „Interrégionale“, „Régionale“

• In Frankreich besitzen nur 33,1 % der Profis eine andere Staatsangehörigkeit, während deren Anteil in den

oder „Promotion Interdistrict“ auf die jedoch nicht weiter eingegangen werden soll.14

Vergleichsligen zwischen 36,8 (Italien) und 59,4 % (England) liegt

• 78 Franzosen, aber nur 16 Italiener, 15 Spanier, zehn Deutsche und kein einziger Engländer spielen in einer der vier anderen ausländischen Ligen, die hier verglichen werden13

Ligen Struktur Die höchste Liga im französischen Fußball ist die „Ligue 1“ die aus 20 Vereinen besteht. Paris Saint Germain, Olympique Marseille, AS Monaco und Olympique Lyon zählen zu den wohl bekanntesten Clubs dieser Liga. Die zweite Liga („Ligue 2“) setzt sich ebenfalls aus 20 Teams zusammen und ist vergleichbar mit der 2. Bundesliga im deutschen Fußball. „National“ ist die Bezeichnung der dritten französischen Liga die aus 18 Vereinen besteht und noch zur Profiliga zählt. Die Ligen vier und fünf sind bereits reine Amateurligen, zum einen die „Championnat de France Amateur“ mit jeweils 16 Teams, aufgegliedert in vier regionale Gruppen 13 Vgl. France Football, 2008, S. 22-27 14 Vgl. Offizielle Seite des franz. Fußballverbands, www.fff.fr

57


Die Vereinsfarben des Klubs sind Weiß-Blau Quellenverzeichnis La Ligue 1 en comparaison avec les quatre „grands“ championnats européens. (26. Februar 2008). France Football, S. 22-27. http://de.fifa.com/classicfootball/clubs/club=33192/index.html, Abgerufen am 5. Oktober 2013 http://www.om4ever.com/HistSaisons/1993-94.html, L‘Histoire de l‘Olympique de Marseille, depuis 114 ans. Abgerufen am 5. Oktober 2013 http://www.om4ever.com/historiqueOM.html, Abgerufen am 5. Oktober 2013 http://www.om.net/fr/la-legende-de-l-om/511001/la-Legende-de-lOM/&param=70407om.net, Abgerufen am 5. Oktober 2013 http://www.om.net/fr/le-club-le-stade/510301/Le-Club-Le-Stade/&param=70355, Abgerufen am 7. Oktober 2013 http://www.rsssf.com/tablesf/franchamp.html, Abgerufen am 7. Oktober 2013 http://www.stade-velodrome.eu/projet.html, stade-velodrome, Abgerufen am 5.Oktober 2013. http://www.sueddeutsche.de/sport/landesmeister-finale-savicevic-erhebt-massive-bestechungsvorwuerfe-1.1719808, (11. Juli 2013), Abgerufen am 5. Oktober 2013 http://www.transfermarkt.de/de/olympique-marseille/fakten/verein_244.html, Abgerufen am 6. Oktober 2013 http://de.uefa.com/memberassociations/association=fra/profile/index. html, Abgerufen am 7. Oktober 2013 http://de.uefa.com/uefachampionsleague/season=2014/standings/index.html, Abgerufen am 6. Oktober 2013 http://www.fff.fr/# , Championnats, Abgerufen am 10. Oktober 2013

58


FIFA World Cup am Beispiel der WM 1998 in Frankreich Gründungstag der FIFA (Fédération Internationale de Football Association) war

Verfasserin: Stefanie Mayrhuber

der 21. Mai 1904 in Paris, Frankreich. Der Verein ist in einem Kongress, Exekutivkomi-

Präsident der FIFA maßgeblich mitbegründet. Er war von 1921 bis 1954 im

Amt und überreichte den FIFA-WM-Pokal zahlreiche Male.

tee, Generalsekretariat und verschiedenen Kommissionen

Der Brasilianer, ehemalige Olympiaschwimmer und Was-

organisiert.1 Von 1904 bis jetzt hat die FIFA viel erreicht

serpolospieler João Havelange, 7. Präsident der FIFA-Or-

und geschaffen. 1930 beispielsweise fanden erstmals

ganisation, setzte zahlreiche Veränderungen und Neue-

Fußball Weltmeisterschaften statt. Austragungsort hierfür

rungen während seiner Amtszeit von 1974 bis 1998 durch,

war Uruguay. Das Land qualifizierte sich für die FIFA als

unter anderem die Aufstockung der WM-Teilnehmer. Von

Austragungsort aufgrund seiner Geschichte im Bezug auf

ursprünglich 16 Mannschaften wuchs die Teilnehmerzahl

dessen 100 jährige Unabhängigkeit sowie deren Erfolg bei

im Jahr 1998 auf 32 an. Dies begünstigte auch die erhöhte

den ersten Olympischen Spielen von 1924 bei denen erst-

Teilnahme von Mannschaften aus Asien und Afrika. Außer-

mals aus aller Welt Fußballmannschaften daran teilgenom-

dem kamen zahlreiche neue Turniere hinzu wie etwa U17,

men hatten.2

U20 Meisterschaften, der FIFA-Konföderationen-Pokal und

In dieser Arbeit soll kurz die FIFA und deren Geschichte

die FIFA-Frauenfußball-Weltmeisterschaft.

anhand der wichtigsten Präsidenten aufge-rollt werden

Durch seinen Verdienst an der FIFA-Familie wurde Ha-

um die Entwicklung des FIFA World Cups zu einem Megae-

velange am 08. Juni 1998 zum Ehrenpräsidenten ernannt.3

vent zu begreifen. Als prä-gendes Beispiel wird die Fußball

Am 18. April 2013 legte er seine Ehrenpräsidentschaft je-

Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich herangezogen. Im

doch zurück. Damit kam er der FIFA zuvor, die ihn nach

Speziellen wird auf den Vorfall brutaler Gewalteinwirkung

der letzten Meinung vom amtierenden FIFA-Präsidenten

durch Hooligans bei dieser WM eingegangen um neben

Joseph S. Blatter, seinem Amt enthoben hätte. Havelange

den euphorischen Hochgefühlen, die eine Weltmeister-

wurde Bestechlichkeit durch die ehemalige Vermarktungs-

schaft auslöst, auch auf die negativen Seiten einzugehen.

agentur ISL nachgewiesen. Wie aus dem Bericht der FIFA von Hans-Joachim Eckert, der mit der Untersuchung der

FIFA Präsidenten im historischen Zeitver-

Vorwürfe betraut wurde, hervorgeht gab es von 1992 bis 2000 Zahlungen an Havelange.4

lauf und deren Leistungen

Trotz der Höhen und Tiefen, welche die FIFA betreffen, ist

Erster Präsident, gewählt durch den ersten Kongress, war

es trotzdem unbestreitbar, dass ohne sie der Sport Fußball

der Franzose Robert Guérin. In seinen zwei Jahren Amts-

nie in so einer Größe gelebt werden würde, wie heute und

zeit kamen zu den sieben Gründungsmitgliedern weitere

die Fußball Weltmeisterschaften nicht so viele Nationen

acht Nationen hinzu, unter anderem der englische Fuß-

begeistern würde.

ballverband, der zur damaligen Zeit großen Einfluss hatte.

FIFA World Cup 1998 in Frankreich

Die Fußball-Weltmeisterschaft, das nunmehr größte Sportevent der Welt, wurde vom Franzosen Jules Rimet, 3. 1 2 3 4

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

FIFA 1994-2013a, o.S. FIFA 1994-2013d, o.S. FIFA 1994-2013b, o.S. Abschlussbericht Ethikkommission FIFIA, 2013, S. 3

In diesem Abschnitt der Arbeit wird die WM in Frankreich im Jahr 1998 näher als herausragendes Beispiel für die

59


Der FIFA World Cup fand 1998 in Frankreich statt. Entwicklung des FIFA World Cups ausgeführt. Den Zuschlag für den World Cup

Frankreich wurde

1998 erhielt Frankreich am 2. Juli 1992 vor

Weltmeister!

Marokko.5 Die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft

raschenderweise bei deren ersten WM Teilnahme nach der Teilung des ehemaligen Jugoslawiens, dabei war. Die Kroaten

überzeugten durch spielerisches Können und

1998 in Frankreich fand vom 10. Juni bis 12. Juli 1998

stachen Deutschland, denen ebenfalls Chancen auf den

statt.6 Sie erwies sich als die größte Sportveranstaltung

Titel eingeräumt wurden, im Viertelfinale mit einem 3:0

des letzten Jahrtausends und erreichte außerordentliches

aus. Gegen Frankreich scheiterten die Spieler von Trainer

internationales Interesse was sich in den Zahlen wieder-

Miroslav Blazevic allerdings. Frankreich stand damit Brasi-

spiegelt. 12.000 Journalisten waren während der WM in

lien im Finale gegenüber. Am 12. Juli war der Anpfiff durch

Frankreich im Einsatz. Zahlreiche Berichte wurden über

den ersten afrikanischen Schiedsrichter aus Marokko bei

die 32 Mannschaften mit ihren 704 Spielern geschrieben.

einer WM bislang. Said Belqola leitete das Spiel mit größter

Während der Spiele waren rund 2,8 Millionen Zuschau-

Fairness. Bereits in der 27. Minute fiel das erste Kopfballtor

er im Stadion. Und rund 40 Milliarden Menschen in 190

durch den Franzosen Zinedine Zidane und in der Nach-

Ländern haben die 64 Weltmeisterschaftsspiele in 5.750

spielzeit der ersten Halbzeit köpfelte der Starspieler von

Stunden Bildmaterial im Fernsehen miterlebt.7

Frankreich erneut erfolgreich den Ball ins Tor. Trotz der ro-

Die 16. Weltmeisterschaft im Fußball wurde in 10 Stadien

ten Karte und dem damit verbundenen Platzverweises für

ausgetragen. Diese wurden einerseits neugebaut anderer-

den Franzosen Marcel Desailly in der 68. Minute, gelang

seits modernisiert. Der Auftakt wie auch das Endspiel der

es den Gastgebern in der letzten Spielminute noch das

FIFA-Fußball WM fand im „Stade de France“ in Paris statt.

3:0 zu schießen und damit den Titelverteidiger Brasilien

Im „Stade Vélodrome“ in Marseille wurden insgesamt 7

zu besiegen.9

Spiele dieser WM ausgetragen.8 Während des Events kam es zu vielen Überraschungen und sogar Österreich war in den Vorrunden-spielen dabei, schaffte den Sprung ins Achtelfinale allerdings nicht. Einige Favoriten auf den Sieg, wie z.B. Spanien mussten sich bereits nach den Vorrundenspielen der Weltmeisterschaft auch schon wieder verabschieden. Beim ersten Spiel gegen Nigeria verloren sie 2:3 und gegen Paraguay schaffte die Mannschaft gerade ein unentschieden. Paraguay war es auch der Spanien aus der WM warf durch deren Sieg gegen den Gruppenersten Nigeria. Sieger der WM 1998 wurde das Gastgeberland Frankreich. Die Franzosen setzen sich souverän gegen ihre Gegner durch. Im Halbfinale trafen sie auf Kroatien, das über-

60

5 Vgl. Grüne, 2002, S. 416 6 Vgl. Grüne, 2002, S. 15 7 Vgl. Schaffrath, 1999, S. 7 8 Vgl. HEIM:SPIEL 2000-2014, o.S. 9 Vgl. FIFA 1994-2013c, o.S. 10 Vgl. KODEX, 2013, S. 135

Gewalt im Fußball am Beispiel Nivel Gewalt tritt in den verschiedensten Formen in unserer Gesellschaft auf und häufig auch im Zusam-menhang mit Sport. Eine Definition des Begriffes der Gewalt wäre über das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch möglich wie sie unter anderem aus dem § 1293 abzuleiten ist. Hier heißt es, dass jeder Nachteil, der jemanden an Vermögen, Rechten oder dessen Person zugefügt wird, als Schaden und demnach im weiteren Sinn als Gewalt verstanden werden kann.10 Ein äußerst drastisches Beispiel für Gewalt zeigt sich während der FIFA Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich wobei am 21. Juni 1998 der französische Polizist Daniel Nivel mit


damals 43 Jahren brutal niedergeschlagen von deutschen Hooligans wurde. Sie

Im „Stade Vélodrome“ fanden sieben Spiele der WM 1998 statt.

überraschten ihn in einer Seitenstraße. Mit einem Gewehrkolben wurde Nivel niederge-

Zusammenfassend lässt sich auf Basis der dargelegten Informationen in dieser

Arbeit feststellen, dass selbst die gewaltreichsten und schlimmsten Vorfälle während

streckt, anschließend traten die Täter mehrmals auf ihn

einer Weltmeisterschaft der Feierlaune am Ende dieser

ein. Der Polizist trug schwere Schädelhirnverletzungen

nichts anhaben können. Der Sieg, speziell im eignen Land,

davon und lag sechs Wochen im Koma. Der zweifache Fa-

wie es in Frankreich 1998 gewesen ist, stellte den Fall Ni-

milienvater trug irreparable Schäden durch diesen Vorfall

vel an den Rand der Ereignisse und ließ das Gewaltverbre-

davon. Eines seiner Augen ist fast blind und er ist sowohl

chen kurzfristig als unwichtig erscheinen. Auf lange Sicht

psychisch als auch physisch aufs Äußerste eingeschränkt.

gesehen, wird der Fall Nivel aber nie aus dem Gedächtnis

Am 30. April 1999 wurden die Verdächtigen in Essen,

der Menschen verschwinden und bei jedem neuerlichen

Deutschland angeklagt und nach einem lang andauernden

Vorfall von Gewalt während eines solchen Megaevents wie

Prozess zum gemeinschaftlichen Mordversuch, schwerer

der Fußball Weltmeisterschaft aufkommen.

Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs verurteilt. Die Verhandlungen erwiesen sich als äußerst schwierig, da ein belastender Zeuge für den Haupttäter fehlte. Erst gegen Ende des Prozesses forschte man Burkard Mathiak, ein Mitarbeiter eines Fanprojektes, das sich um Schalker Anhänger kümmert, aus. Seiner Aussage ist die letztendliche Verurteilung der Hooligans zu verdanken.11

Der FIFA World Cup hat eine lange Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen. Das Beispiel der Weltmeisterschaft in Frankreich von 1998 zeigt das deutlich. Auf der einen Seite herrscht höchste Euphorie durch die zahlreichen Tore und auf der anderen stehen kleinere bzw. auch größere Zwischenfälle die unter anderem durch die Weltpresse gehen, wie der Fall Nivel. Rückblickend schockierte der Vorfall vom 21. Juni 1998 die Menschen weltweit und ließ erneut die Diskussion um Gewalt bei Fußballspielen aufflammen.

11 Vgl. Meingast, 2011, o.S.

61


Quellenverzeichnis

Frankreich gewann im Finale gegen Brasilien 3:0

Grüne, H. (2002). WM Enzyklopädie 1930-2006. Kassel: Agon Sportverlag Schaffrath, M. (1999). Fußball-WM ´98 – Analyse, Akzeptanz, Akquise. Münster: LIT Verlag Doralt, W. (2013). KODEX des österreichischen Rechts. Bürgerliches Recht 2013/14. 45. Aufl., Wien: LexisNexis FIFA (1994-2013a): http://de.fifa.com/aboutfifa/organisation/index.html (10.10.2013) FIFA (1994-2013b): http://de.fifa.com/aboutfifa/organisation/president/ pastpresidents.html (10.10.2013) FIFA (1994-2013c): http://de.fifa.com/worldcup/archive/edition=1013/ overview.html (11.10.2013) FIFA (1994-2013d): http://de.fifa.com/classicfootball/matches/world-cup/match=1087/index.html (11.01.2014) Abschlussbericht der Ethikkommission FIFA (2013): http://de.fifa.com/ mm/document/affederation/footballgovernance/02/06/60/80/islreporteckert29.04.13d.pdf (11.10.2013) HEIM:SPIEL 2000-2014 (2014): http://www.weltfussball.at/spielorte/ velodrome-marseille/1998/2/ (14.01.2014) Meingast, T. (2011): http://www.spiegel.de/sport/fussball/hooligan-angriff-auf-polizist-nivel-das-leben-dieses-mannes-wurde-zerschmettert-a-759987.html (11.10.2013)

62


Vorteile und Nachteile der zentralen bzw. dezentralen Fußball Europameisterschaft 2016 und 2020 unter Berücksichtigung des Die UEFA läutet mit der Europameisterunrühmliches Fan-Verhalten verhängt Fan-Verhaltens schaft 2016 in Frankreich ein Turnier mit

völlig neuen Dimensionen ein. Neben der

Verfasser: Phillip Huter

Anzahl der Teilnehmer steigt auch die Anzahl

werden, könnten die Chancen auf eine

Qualifikation für einige Nationen zu Nich-

te machen. So hat zum Beispiel Russland mit

der ausgetragenen Spiele. Erstmals wird auch ein Achtelfi-

einer Bewährungsstrafe von 6 Punkten Abzug für die

nale in eine Europameisterschaft integriert und verschafft

EM-Qualifikation 2016 zu rechnen, sollten die russischen

ihr somit WM-Charakter. Mit der EURO 2016 SAS, einem

Fans nochmals auffallend aus der Reihe tanzen.

neuen Organisationsmodell, das Vertreter der UEFA, des

In der folgenden Arbeit werden die Europameisterschaften

FFF, der französischen Regierung und der Spielorte in ei-

2016 und 2020 mit den bereits einleitend erwähnten kon-

ner Steuerungsgruppe vereint, finden sich erstmals alle

zeptionellen Änderungen beleuchtet. In Folge werden die

Aktivitäten einer Europameisterschaft unter einem Dach.

möglichen Auswirkungen des Fan-Verhaltens aufgegriffen.

Um den Anforderungen der UEFA zu entsprechen, erwar-

Als Grundlage dienen dabei Quellen aus dem Internet, die

ten Frankreich als Gastgeber für die EURO 2016 Investi-

sich auf aktuelle Informationen zur Thematik stützen.

tionen in Millionenhöhe, vor allem für Renovierungen, Umbauten und Neubauten der Stadien. Kritische Stimmen befürchten mit der Teilnahme von 24 teilnehmende Nationalmannschaften und insgesamt 51 bzw. 52 Spielen, dass das Niveau des Turniers beeinträchtigen könnte. Mit der als „EURO-EM“ betitelten Europameisterschaft 2020, zu der erstmals Spiele auf den gesamten europäischen Kontinent verteilt ausgetragen werden sollen, verändert sich das Konzept der Europameisterschaft abermals. Der Europa-übergreifende Ortswechsel während des Turniers 2020 bringt wiederum neue Dimensionen und Herausforderungen für alle Beteiligten mit sich.

Es

ist abzuwarten, welche sportpolitischen Maßnahmen die UEFA bis zur Festlegung der Spielorte im September 2014 treffen wird. Mehr teilnehmende Nationen bringen mehr Fans. Mehr Fans bringen mehr Geld. Doch neben politischen und wirtschaftlichen Vorteilen bringt diese Tatsache auch Risiken mit sich.

Insbesondere das Verhalten der Fans könnte

ausschlaggebenden Einfluss auf den europäischen Fußball vor, während und nach der Europameisterschaft haben. Die Sanktionen und Bewährungsstrafen der UEFA, die für

Die Europameisterschaft 2016 Am 28. Mai 2010 hat die UEFA bekanntgegeben, welche Nation den Zuschlag als Ausrichter der Europameisterschaft 2016 vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 erhält. Frankreich hatte sich bei der Vergabe gegen die Türkei und Italien durchgesetzt und wird somit zum dritten Mal nach 1960 und 1984 eine EM organisieren.1 Die größte Herausforderung für die Organisatoren der EURO 2016 besteht darin, im Rahmen dieses öffentlichen Großereignisses ein friedliches Zusammentreffen der Fans und der Nationalitäten zu gewährleisten.

Euro 2016 SAS Für die Organisation der Europameisterschaft 2016 wurde im Jänner 2011 die EURO 2016 SAS gegründet, ein Zusammenschluss der UEFA und des Französische Fußballverbands. Die in Paris eingetragene Firma gehört zu 95 % der UEFA und zu 5% dem FFF. Erstmals finden sich alle Aktivitäten einer Europameisterschaft unter einem Dach. Anders als bei diesem neuen Organisationsmodell wurden diese in der Vergangenheit zwischen der UEFA und dem

1 Vgl.: http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-em-frankreich-bekommt-zuschlag-fuer-2016-a-697306.html, abgerufen am 04.11.2013, 23:43

63


EURO 2016 SAS ist ein Zusammenschluss aus der UEFA und dem Französischen Fußballverbands für lokalen Organisationskomitee aufgeteilt.

die Organisation der EURO

digte die französische Sportministerin

Alle Wettbewerbsangelegenheiten und

2016 in Frankreich.

Valérie Fourneyron die Ernennung eines

kommerziellen Rechte, wie Medien- und

Marketingrechte, bleiben jedoch weiterhin unter

interministeriellen Delegierten für große

Sportereignisse an, welcher die Verantwortung

der Kontrolle der UEFA.

für zukünftige Turniere in Frankreich tragen soll.5

Die Steuerungsgruppe der EURO 2016 SAS traf 2011 erst-

Valérie Fourneyron sagte zudem nach dem Treffen in Mar-

mals zusammen. Sie versammelt mit der UEFA, dem FFF,

seille: „Wir haben bisher bei jedem Treffen des Lenkungs-

Vertretern der französischen Regierung und der Gastge-

ausschusses deutliche Fortschritte feststellen können.

ber-Städte, entscheidende Interessengruppen der EURO

Heute ist alles bereitet für einen großartigen Erfolg für den

2016 an einem Tisch. Vorsitzender ist dabei Jacques Lam-

Fußball, den französischen Fußball und den französischen

bert, der schon 1998 für die Organisation der FIFA-WM

Sport. Die staatliche Unterstützung wird dafür sorgen,

in Frankreich zuständig war. Die Treffen dienen dem In-

dass die EURO 2016 ein großer Erfolg wird. Wichtig ist uns

formationsaustausch, der Diskussion von Vorschlägen und

auch das Vermächtnis dieses Wettbewerbs, von dem die

der Suche nach Lösungen strategischer Organisationsfra-

Gastgeberstädte noch lange nach dem Turnier profitieren

gen.

werden. Dies ist eine gute Gelegenheit, bis in die letzte

2

3

Ecke dieser Welt zu verkünden, dass Frankreich diese HerDie achtköpfige Steuerungsgruppe:

ausforderung meistern wird und dass wir die Welt bei uns

Jacques Lambert (Vorsitzender)

willkommen heißen. Das haben die Gastgeberstädte, die

Noël Le Graët

Regierung und dieser Lenkungsausschuss versprochen.“6

4

(FFF-Präsident)

Valérie Fourneyron (Französische Sportministerin )

Michel Platini hielt dazu fest: „Es war ein wirklich gutes

Maurice Vincent

Treffen. Zwischen der französischen Regierung, dem FFF

(Vertreter der Gastgeberstädte)

Borislav Mihaylov (Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees)

und der UEFA herrscht unter der Leitung von EURO 2016

Peter Gilliéron

(Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees)

SAS-Präsident Jacques Lambert eine bemerkenswerte At-

Gianni Infantino

(UEFA-Generalsekretär)

mosphäre der Kooperation. In Frankreich laufen die Dinge

Fernando Gomes (UEFA-Sonderberater)

sehr gut.“7

UEFA Präsident Michel Platini wird regelmäßig an den Tref-

Die EURO 2016 SAS ist für alle operativen Aspekte der

fen der Steuerungsgruppe teilnehmen.

EURO 2016 zuständig, neben der Umsetzung des Turniers, für verwandte Veranstaltungen, das private Sicherheits-

Das Treffen der Steuerungsgruppe der EURO 2016 SAS am 17. 10.2013 in Marseille Neben Diskussionen zu den Bau-Fortschritten in den Stadien präsentierte der FFF in Marseille weitere Projekte, die im Rahmen des Turniers stattfinden sollen. Außerdem kün-

64

2 3 4 5 6 7 8

konzept und die Promotion des Wettbewerbs. Die französische Regierung und die lokalen Behörden stellen die Bühne, die Infrastruktur, die öffentlichen Dienste und die Verkehrsmöglichkeiten bereit. Weiters liegt die öffentliche Sicherheit und die Werbung für das Land sowie die Spielorte in ihrer Verantwortung.8

Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/organisation/sas/index.html, abgerufen am 13.11.2013, 11:03 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011585.html, abgerufen am 06.11.2013, 22:30 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/organisation/sas/index.html, abgerufen am 13.11.2013, 11:03 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011585.html, abgerufen am 06.11.2013, 22:30 Quelle: http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011585.html, abgerufen am 06.11.2013, 22:30 Quelle: http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011585.html, abgerufen am 06.11.2013, 22:30 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/organisation/sas/index.html, abgerufen am 13.11.2013, 11:03


Herausforderungen Modernisierung der veralteten Infrastruktur

der EM den entsprechenden Rahmen bieten zu können, müssen zwei Stadien eine Kapazität von 50.000 Sitzplätzen aufweisen. Drei weitere Stadien müssen mindestens

Die EURO 2016 ist ein riesiges Ereignis für den franzö-

40.000 Menschen Platz bieten und für vier weitere Spiel-

sischen Fußball. Die Herausforderung, eine alternde Inf-

stätten ist ein Fassungsvermögen von 30.000 Plätzen vor-

rastruktur zu modernisieren, wurde bereits in Angriff ge-

geschrieben. Als Ausweichmöglichkeit sollen die Bewerber

nommen. Mit dem Bau von vier neuen Stadien und der

drei weitere Stadien bereithalten, die ebenfalls durch bau-

Renovierung von fünf anderen Arenen wird sich Frankreich

liche Maßnahmen an die Anforderungen der UEFA ange-

somit auf eine Stufe mit den führenden Nationen in Euro-

passt werden müssten. Abfall-, und Materialwirtschaft von

pa stellen.9

gefährlichen Substanzen, Lärmschutz, Luftqualität, Schutz

Organisation auf internationaler Basis

von Böden und Gewässern, und eine Verringerung des

Eine weitere Herausforderung besteht in der Organisation

Konsums hinsichtlich des Wasser- und Energieverbrauchs,

auf internationaler Basis in Zusammenarbeit mit der UEFA,

sowie Barrierefreiheit soll bei den Neu- und Umbauten

um der EURO 2016 die bestmöglichen Rahmenbedingun-

berücksichtigt werden. Übergabetermin der Spielstätten

gen zu bieten. Frankreich hat bereits das Know-how auf

an die UEFA ist der 30. Juni 2014.12 Die EURO 2016 in

diesem Gebiet bewiesen und mit nunmehr 24 Mannschaf-

Frankreich wird in zehn Stadien ausgetragen werden. Die

ten, 51 Spielen und geschätzten 2,5 Millionen Zuschau-

vier Stadien in Bordeaux, Lille, Lyon und Nizza werden neu

ern soll die EURO 2016 mehr Fußball, mehr Intensität und

gebaut. Fünf weitere Stadien, dazu zählen Marseille, Paris,

noch mehr Spektakel bieten können.10

Saint-Etienne, Lens und Toulouse, werden renoviert und

Austragungsorte Folgende Austragungsorte wurden im Sommer 2011 für die EURO 2016 in Frankreich von der FFF festgelegt: Saint-Denis, Paris, Lille, Bordeaux, Nizza, Lyon, Marseille und Lens. Saint-Étienne und Toulouse schafften es nicht in die Hauptauswahl, fungieren aber als Reserve-Spielorte. Nancy und Strassbourg haben ihre Kanditatur auf Grund fehlender finanzieller Mittel wieder zurückgezogen.11

Saint-Denis wird mit geringen Maßnahmen adaptiert. Auch Flughäfen und Straßen werden in Frankreich weiter ausgebaut, um der EM gerecht zu werden.13 Langfristig soll die neue Infrastruktur den Sportverbänden und Vereinen in den Gastgeber-Städten und Regionen neue Dimensionen eröffnen. Die Gesamtinvestitionen für die Renovierungen, Um- bzw. Neubauten betragen 1,6 Milliarden Euro. Eine Summe, die Dank der starken Unterstützung der Spielorte und einem innovativen Finanzierungsplan, aufgebracht

EM-taugliche Spielstätten

werden konnte. Inwieweit diese Investitionen gerechtfer-

Mit den neuen Dimensionen hatte die UEFA die Anforde-

tigt sind, wird die Zukunft zeigen.

rungen an die Bewerbungen erhöht und verlangt nun mindestens neun EM-taugliche Spielstätten. Um dem Finale 9 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011361.html, abgerufen am 05.11.2013, 23:40 10 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011361.html, abgerufen am 05.11.2013, 23:40 11 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/organisation/index.html , abgerufen am 02.11.2013, 23:00 12 Vgl. http://www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?folder=sites/euro_2016&site=start, abgerufen am 01.11.2013, 23:30 13 Vgl. http://www.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2010152.html, abgerufen, am 13.11.2013, 07:30 14 Vgl. http://www.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2010152.html, abgerufen am 10.11.2013, 23:45

65


In Folge eine zusammenfassende Auf-

vier Stadien werden für die EURO 2016 neu gebaut

listung15 der Stadien für die EURO 2016 mit Daten zum aktuellen Status, geplanten Fassungsvermögen und geschätzten Kosten für Umbau bzw. Neubau.

LENS - „Stade Félix Bollaert-Delelis“ Status: in Planung, geplante Fertigstellung: Ende 2015 Kosten für Komplettrenovierung: 111,2 Millionen Euro zukünftiges Fassungsvermögen: 35.000 Zuschauer

SAINT-DENIS - „Stade de France“

Geplante Austragung von Vorrunde und Achtelfinale

Status: fertig, ohne große bauliche Veränderungen Geplantes Fassungsvermögen: 76.474 Zuschauer

NIZZA - „Allianz Riviera“

Geplante Austragung von Eröffnungsspiel Vorrunde, Ach-

Status: fertig seit September 2013

tel-, Viertelfinale, HF und Endspiel

Kosten für den Neubau: 184 Millionen Euro Momentanes Fassungsvermögen: 33.470 Zuschauer

LYON - „Stade des Lumières“

Geplante Austragung von Vorrunde und Achtelfinale

Status: im Bau, geplante Fertigstellung: Winter 2015 Kosten für den Neubau: 320 Millionen Euro

MARSEILLE - „Stade Vélodrome“

Geplantes Fassungsvermögen: 58.000 Zuschauer

Status: im Bau, geplante Fertigstellung Sommer 2014

Geplante Austragung von Vorrunde, Achtel-, Viertelfinale,

Komplett-Renovierung für: 151,1 Millionen Euro

HF und Endspiel

Momentanes Fassungsvermögen: 67.000 Zuschauer Geplante Austragung von Vorrunde, Achtelfinale, Viertelfi-

LILLE - „Grand Stade Lille Metropole“

nale und Halbfinale

Status: fertig seit August 2012 Kosten für den Neubau: 323,2 Millionen Euro

PARIS - „Parc des Princes“

Geplantes Fassungsvermögen: 50.100 Zuschauer

Status: im Bau, geplante Fertigstellung: Sommer 2015

Geplante Austragung von Vorrunde, Achtelfinale, Viertelfi-

Renovierung für: 70-90 Millionen Euro

nale und Halbfinale

Momentanen Fassungsvermögen: 40.058 Zuschauer Geplante Austragung von Vorrunde, Achtelfinale, Viertelfi-

BORDEAUX - „Grand Stade de Bordeaux“

nale und Halbfinale

Status: im Bau, geplante Fertigstellung Frühjahr 2015 Kosten für den Umbau: 200 Millionen Euro

SAINT-ETIENNE - „Stade Geoffrey Guichard“

Geplantes Fassungsvermögen: 42.566 Zuschauer

Status: im Bau, geplante Fertigstellung: Herbst 2015

Geplante Austragung von Vorrunde, Achtelfinale, Viertelfi-

Kosten für den Umbau: 75 Millionen Euro

nale und Halbfinale

Momentanen Fassungsvermögen: 41.500 Zuschauer Geplante Austragung von Vorrunde und Achtelfinale





66

15 zusammengefasst nach http://www.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2010152.html, abgerufen am 05.11.2013;http://em2016-frankreich.com/ und http://www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?head=EURO-2016-ueberblick-Stadien&folder=sites&site=news_detail&news_ id=9466 , abgerufen am 07.11.2013, 22:30


Das Logo bildet die Kunst des Fußballs und das kulturelle Erbe Frankreichs ab.

Das Logo der EURO 2016 Für das Logo und damit bei der visuel-

TOULOUSE - „Stade Municipal de Toulouse“ Status: im Bau

len Identität der UEFA EURO 2016 waren die Kunst des Fußballs und das kulturelle Erbe

geplante Fertigstellung: Herbst 2015

Frankreichs die entscheidendsten Inspirationen. Das Logo

Kosten für Komplett-Renovierung: 56 Millionen Euro

vereint künstlerische und fußballerische Aspekte um die

zukünftiges Fassungsvermögen 33.000 Zuschauer

Henri-Delaunay-Trophäe.18

Geplante Austragung von Vorrunde und Achtelfinale Jacques Lambert verlautbart zum Status der Stadien für die EURO 2016 folgendes Statement: „Die Umbau- und Neubauarbeiten an den Stadien liegen voll im Soll. Alle Stadien machen die erwarteten Fortschritte, wir halten unsere Zeitpläne ein, auch wenn die Vorbereitungen in

(Quelle: http://www.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=1966170. html, abgerufen am 13.11.2013, 11:03)

manchen Stadien reibungsloser ablaufen als in anderen. Zu diesem Zeitpunkt gibt es keinerlei Grund, besorgt zu sein. Drei Stadien sind bereits fertig und die Arbeiten an zwei anderen – Marseille und Saint-Etienne – werden noch 2014 beendet sein. Die anderen folgen dann Schritt für Schritt bis 2015.“16 Nach Jacques Lambert werden also die wichtigsten Fristen bei den Neu- und Umbauten der Stadien eingehalten und der Europameisterschaft 2016 vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 steht bisher nichts im Weg. Am 23. Februar 2014 ist die Auslosung der Qualifikation im Palais des Congrès Acropolis in Nizza geplant, bei der unter den 53 Teilnehmerländern 23 EM-Tickets ausgelost werden. Ab Frühjahr 2014 wird mit dem Verkauf von Hospitality-Paketen begonnen und im Herbst 2014 das Maskottchen präsentiert. Nach der Eröffnung des neuen Stadions in Nizza werden dann zu Beginn der Saison 2014/15 auch die Renovierungsarbeiten in Marseille und Saint-Etienne abgeschlossen sein.17

UEFA EURO 2016: „Le Rendez-Vous“ Bei der Bewerbung für die EURO 2016 spielte das Kulturelle Erbe Frankreichs und die damit verbundene Inspiration als treibende Kraft eine zentrale Rolle. Frankreich will mit der EURO 2016 das Beste des Fußballs, Europas und Frankreichs vereinen. Nach der Enthüllung des Logos wurde am 17.10. 2013 beim vierten Treffen der Steuerungsgruppe in Marseille der Slogan der Europameisterschaft präsentiert: UEFA EURO 2016: „Le Rendez-Vous“. Jacques Lambert hob dabei hervor, dass die Europameisterschaft als genau dieses von Emotionen geprägte Zusammentreffen gesehen werden sollte und somit auch als Botschaft und Willkommensgruß an alle Liebhaber des Fußballs in der ganzen Welt.19 Die Europameisterschaft 2016 und die damit verbundenen Ambitionen des Gastgeberlands kann als Einladung an den Rest Europas und an die ganze Welt gesehen werden, um in den Genuss der Vielfalt an Touristenattraktionen und kulturellen Sehenswürdigkeiten zu kommen, die Frankreich zu bieten hat.20

16 17 18 19 20

Quelle: http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011585.html, 06.11.2013, 22:30 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011361.html, abgerufen am 05.11.2013, 23:40 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011361.html, abgerufen am 05.11.2013, 23:40 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011361.html, abgerufen am 05.11.2013, 23:40 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011361.html, abgerufen am 05.11.2013, 23:40

67


Um die Werte, Stärken und Eigenschaf-

51 Anpfiffe gibt es bei der EURO 2016. Bisher waren es 31 Spiele.

ten der Attraktionen Frankreichs zu un-

nehmerfeld und die Europameisterschaft

termauern, sind alle am Ereignis Beteiligten gefragt: Die Gastgeber-Städte, die Regierung, die

England verdoppelte sich 1996 das Teilin Frankreich 2016 erlebt nun nach nur 52

Jahren eine Versechsfachung des europäischen

Französische Fußballfamilie, die Sponsoren, Übertragungs-

Fußballs.23

partner und alle Organisatoren. Leistung, Kultur, Techno-

UEFA Präsident Michel Platini meint dazu: „Ich mache mir

logie, Gastronomie, Natur und das Erbe Frankreichs sind

keine Sorgen um die Qualität. Die Entwicklung ist gut für

wichtige Bestandteile bei der Wertevermittlung im Zuge

den Fußball. Wir können acht Mannschaften mehr dabei

der Europameisterschaft 2016.

haben, die genauso gut sind wie die anderen. Wir können

21

ein wunderbares Achtelfinale haben“24

Kritik an der EURO 2016 Die Idee zur 24er Auswahl wurde von den Iren bei der

Politische und wirtschaftliche

UEFA eingereicht. Durch die erhöhte Anzahl der teilneh-

Hintergründe

menden Nationen sollen nun auch die zu ihrem Recht kommen, die es bisher schwer hatten sich für die EM zu qualifizieren. Die einen Monat dauernde Europameisterschaft wird vor allem wegen der Expansion ganz genau unter die Lupe genommen werden. Kritiker befürchten, dass die erhöhte Anzahl der spielenden Nationen eine Verwässerung der Europameisterschaft mit sich bringt und einseitige und langweilige Spiele zwischen etablierten Nationen und den dadurch mitmischenden „Kleinen“ das Niveau der EURO 2016, welches generell hoch ist und von Ausgeglichenheit und Spannung lebt, senken werden.

22

Außerdem hat die

EM-Qualifikation mit der 24er Vorauswahl nur noch wenig mit ihrem eigentlichen Zweck zu tun, einem Auswahlverfahren. Die großen Fußballnationen bekommen durch die Änderungen sozusagen ein Abo auf die Endrunde. Anders war dies noch in den Jahren 1960 bis 1976 in denen die Endrunde nur unter vier Teams ausgetragen wurde. Von 1980 bis 1992 waren es dann acht Mannschaften. In

68

Es lässt sich aus dem Fußball und der damit verbundenen Begeisterung der Fans immer noch ein bisschen mehr herausholen. Durch die neue Achtelfinalrunde bei der EM 2016 erlangt diese WM-Format und dauert ganze 29 Tage. Die Ausweitung dürfte in Wahrheit vor allem politische und wirtschaftliche Gründe haben. Die Nationen aus dem Osten zum Beispiel werden dankbar sein für eine mögliche Teilnahme und Platini kann sich von deren Seite vollste Unterstützung als Wahlhelfer in der Stärkung seiner Position erhoffen. So wäscht eine Hand die andere.25 Platini wird sicher auch schon an die nächste Wahlkampagne denken. Ob nun erneut als Chef der UEFA oder als Nachfolger Joseph Blatters an der Spitze des Weltverbandes FIFA.26 Grundsätzlich generiert die UEFA deutlich höhere Einnahmen durch eine größere Teilnehmerzahl. Und die millionenschweren Werbepartner sind natürlich an einer möglichst langen Live-Berichterstattung interessiert,

21 Vgl. http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011361.html, abgerufen am 05.11.2013, 23:40 22 Vgl. http://www.laola1.at/de/fussball/euro-2012/euro-2016-in-frankreich-mit-24-teams/page/29201-436-59-59-.html, abgerufen am 04.11.2013, 21:30 23 Vgl. www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sp&dig=2012%2F07%2F03%2Fa009 0&cHash=febefe7a48cd1ea25177cb87578d8053 , abgerufen am 03.11.2013, 22:15 24 Quelle: http://www.laola1.at/de/fussball/euro-2012/euro-2016-in-frankreich-mit-24-teams/page/29201-436-59-59-.html, abgerufen am 04.11.2013, 21:30 25 Vgl.: www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sp&dig=2012%2F07%2F03%2Fa009 0&cHash=febefe7a48cd1ea25177cb87578d8053 , abgerufen am 03.11.2013, 22:15 26 Vgl. http://www.laola1.at/de/fussball/euro-2012/euro-2016-in-frankreich-mit-24-teams/page/29201-436-59-59-.htmllle , abgerufen am 04.11.2013, 21:30


gibt es doch 51 statt bisher 31 EM-Spie-

Spielen der Europameisterschaft 2020

le. Es könnten sogar 52 werden, sollte

bekanntgegeben haben. Es haben sich

es auch ein Spiel um Platz drei geben. Für

insgesamt 32 Mitgliedsverbände mit folgen-

27

die Vermarktung und damit verbundene Strate-

den provisorischen Städten beworben:

gien und Sponsoren ist sind diese Umstände ein gefunde-

Armenien (Jerewan), Aserbeidschan (Baku), Belarus

nes Fressen. Auch das Hotel- und Gastgewerbe blickt mit

(Minsk), Belgien (Brüssel), Bulgarien (Sofia), Dänemark

leuchtenden Augen auf die EM und steigende Besucher-

(Kopenhagen), Deutschland (München), England (Lon-

zahlen.28

don), Finnland (Helsinki), Frankreich (Lyon), Griechenland (Athen), Israel (Jerusalem), Italien (Rom und Mailand),

Die Europameisterschaft 2020 ein neues Konzept bringt neue Voraussetzungen Der revolutionäre Beschluss der UEFA die Europameisterschaft 2020 in mehreren Städten über den ganzen Kontinent verteilt auszutragen und die Entscheidung auch kleineren Städten eine Chance zu geben, lassen viel Raum für Spekulationen. EM-Spiele könnten in nahezu jeder Stadt Europas, die über ein passables Stadion verfügt, stattfinden. Zunächst war vorgesehen, dass sich nur Hauptstädte für die Austragung von EM-Spielen bewerben dürfen. Schließlich wurden aber auch Metropolen akzeptiert, deren Stadien, Infrastruktur und Übernachtungsmöglichkeiten dem gehobenen Standard entsprechen. Laut Michel Platini soll das Turnier in 12 oder 13 Spielstätten ausgetragen werden.29 UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino meint dazu: „die UEFA setzt auf einen guten Mix aus Ländern, die noch nie eine EM hatten, und denen, die schon einmal ein solches

Kasachstan (Astana), Kroatien (Zagreb), EJR Mazedonien (Skopje), Niederlande (Amsterdam), Polen (Warschau und Chorzów), Portugal (Lissabon und Porto), Republik Irland (Dublin), Rumänien (Bukarest), Russland (St. Petersburg), Schottland (Glasgow), Schweden (Solna), Schweiz (Basel), Serbien (Belgrad), Spanien (Madrid, Barcelona, Bilbao und Valencia), Tschechische Republik (Prag), Türkei (Istanbul), Ukraine (Kiew und Donezk), Ungarn (Budapest) und Wales (Cardiff).31 UEFA-Präsident Michel Platini. Sagt dazu: “Wir sind sehr stolz zu sehen, wie groß das Interesse am Bewerbungsverfahren ist. Mehr als die Hälfte unserer Mitgliedsverbände möchte Spiele der UEFA EURO 2020 ausrichten. Die Endrunde wird ein großartiges Fußballfest auf dem ganzen europäischen Kontinent werden. Das ganz Besondere an dieser Ausgabe zum 60-jährigen Bestehen der Europameisterschaft wird sein, dass sie vor der Haustüre aller Fußballfans stattfinden wird.“32

Turnier ausgetragen haben“.30

Spielpaketvergabe Die Bewerber für die EURO 2020 Das UEFA bestätigte am 20. September 2013 die Liste der Mitgliedsverbände, die bis zur festgesetzten Frist am 12. September 2013 ihr Interesse an der Ausrichtung von

Die Spiele der Europameisterschaft 2020 werden auf 13 verschiedene Pakete verteilt, darunter 12 Standardpakete mit je drei Gruppenspielen und einer Achtel- oder Viertelfinalbegegnung, sowie ein Paket mit den Halbfinalspielen

28 Vgl. www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sp&dig=2012%2F07%2F03%2Fa0090&cHash=febefe7a48cd1ea25177cb87578d8053, abgerufen am 03.11.2013, 22:15 29 Vgl. http://www.handelsblatt.com/fussball-em-em-2020-tuerkei-bewirbt-sich-um-finalspiele/8777974.html, abgerufen am 02.11.2013, 21:45 30 Quelle http://www.handelsblatt.com/fussball-em-em-2020-tuerkei-bewirbt-sich-um-finalspiele/8777974.html, abgerufen am 02.11.2013, 21:45 31 Vgl. http://de.uefa.org/aboutuefa/organisation/executivecommittee/news/newsid=1999124.html, abgerufen am 13.11.2013, 07:30 32 Quelle: http://de.uefa.org/aboutuefa/organisation/executivecommittee/news/newsid=1999124.html, abgerufen am 13.11.2013, 8:00

69


2020 wird die Europameisterschaft in zwölf europäischen Ländern und dem Finale. Jeder der 32 National-

ausgetragen.

gen berücksichtigen werden, die bislang

verbände kann maximal zwei Bewerbun-

noch kein Turnier veranstalten durften.

gen einreichen, eine für ein Standardpaket und eine für das Halbfinal- und Endspielpaket.

Dadurch wird die Auswahl schon kleiner. Neben dem Olympiastadion Luschniki in Moskau

Die Verbände entscheiden, ob sie für diese zwei Bewer-

käme die erst vor einem Jahr eröffnete Arena Nationala in

bungen dieselbe Stadt oder zwei verschiedene Städte

Bukarest in Fragen und auch in Tiflis soll ein neues, großes

vorschlagen möchten, allerdings wird maximal ein Austra-

Stadion entstehen.35

gungsort pro Land bestimmt. Die Kandidaten dürfen ihre ursprünglich angegebene Austragungsstadt noch ändern, müssen ihre definitiven Bewerbungsunterlagen aber bis 25. April 2014 einreichen.33 Das UEFA- Exekutivkomitee wird dann am 25. September 2014 die Austragungsstädte bestimmen. Zu vermuten ist, dass bei der Vergabe der EM-Partien 2020 in erster Linie die üblichen Verdächtigen zum Zuge kommen. „Es wird wahrscheinlich kaum Überraschungen geben“, glaubt Thomas Krämer vom Magazin Stadionwelt.34

Spekulationen Stadionexperte Thomas Krämer sieht Schottland und Wales als potentielle Austragungsorte. Mit dem Ibrox Stadion und dem Celtic Park hat Glasgow zum Beispiel gleich zwei Stadien internationalen Standards. Und das Millennium Stadium in Cardiff bietet ganzen 74.500 Zuschauern Platz. Die Problematik der Standorte, in Bezug auf die Standortauswahl für die Europameisterschaft 2020, ist jedoch die geografische Nähe zu London. Denn die Ankündigungen der UEFA, die EURO 2020 als Turnier in ganz Europa

70

Spielfertige Stadien

ausrichten zu wollen, erfordern auf sportpolitischer Ebe-

Vor allem in Westeuropa stehen große und moderne Fuß-

ne Handlungsbedarf. Wenn der gesamte Kontinent, von

ballarenen, in denen Großereignisse wie Champions-Le-

Schweden bis zur Türkei und von Portugal bis Russland

ague-Finale stattfinden. Dazu zählen das Camp Nou in

eingebunden werden soll, reduziert sich die Anzahl der

Barcelona, mit knapp 100.000 Plätzen das größte Stadion

möglichen Spielorte, die geografisch nicht zu nah beiein-

Europas, das Estadio Santiago Bernabéu in Madrid und

ander liegen.36

die Allianz-Arena in München. Auch das Estádio da Luz

Auf Grund der Kriterien der UEFA wäre aber kaum ein

in Lissabon, das Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand, das

Standort so geeignet wie Istanbul, der mit dem Ata-

Wiener Ernst-Happel-Stadion oder die Arena in Amster-

türk-Olympiastadion und der Türk Telekom Arena gleich

dam dürften gute Chancen haben bei der Auswahl für

über zwei große und moderne Spielstätten verfügt. Istan-

die EURO 2020. Auch die Friends Arena in Stockholm ist

bul ist keine Hauptstadt, zudem fand in der Türkei noch

brandneu. Und in Kiew steht ein Olympiastadion, das zur

keine EM statt. Auch aus sportpolitischen Gründen wäre

vergangenen EM für 585 Millionen Euro umgebaut wurde.

Istanbul eine clevere Wahl der UEFA. Schließlich wollten

Die genannten Städte haben jedoch bereits eine EM aus-

die Türken die EM 2020 allein ausrichten und hatten als

gerichtet und nach Aussage der UEFA sollen auch diejeni-

einziges Land gegen Platinis Idee eines europaweiten

33 Vgl. http://de.uefa.org/aboutuefa/organisation/executivecommittee/news/newsid=1999124.html, abgerufen am 13.11.2013, 09:00 34 Quelle: http://www.spiegel.de/sport/fussball/moegliche-spielorte-und-stadien-der-fussball-em-2020-a-871547.html, abgerufen am 06.11.2013, 0:30 35 Vgl. http://www.spiegel.de/sport/fussball/moegliche-spielorte-und-stadien-der-fussball-em-2020-a-871547.html, abgerufen am 06.11.2013, 0:30 Vgl. http://www.spiegel.de/sport/fussball/moegliche-spielorte-und-stadien-der-fussball-em-2020-a-871547.html, abgerufen am 06.11.2013, 0:30


Turniers gestimmt. Ob Istanbul Spiele

körper auf das Feld geworfen, sowie be-

bekommt, womöglich sogar das Finale

leidigende Spruchbänder gezeigt. Zudem

wird sich zeigen. Erst im Frühjahr 2014 sind klare Aussagen dazu von der UEFA zu erwarten.

untersuchte die UEFA einen Vorfall nach der Partie bei dem etwa 30 betrunkene russische

Bis dahin wird um die Austragung der lukrativen Partien

Fans mehrere Ordner attackiert, und davon 4 verletzt hat-

gekämpft.37

ten.39 Auch während der EM-Endrunde 2012 und der über-

Auf die Frage welche Auswahl die UEFA für 2020 treffen

raschenden russischen Niederlage gegen Griechenland

könnte sagt Michel Platini: „Im Moment haben wir ein wei-

wurde der RFS für das Fehlverhalten von Fans bestraft.

ßes Blatt Papier. Noch ist alles offen.“

Grund waren wiederum Feuerwerkskörper und unerlaub-

38

te Banner. Nach der Europameisterschaft 2012 muss der

Unrühmliches Fan-Verhalten Bei meiner Recherche zur Thematik konnte ich zahlreiche Artikel zum Verhalten der Fans auf Fußballgroßereignissen finden. Die Thematik wird heikel diskutiert, denn Ausschreitungen der Fans führen regelmäßig zur Gefährdung der Sicherheit in den Stadien und Spielunterbrechungen. Für die zentrale EURO 2016 in Frankreich, welche in den bereits festgelegten Spielstätten ausgetragen wird, und die dezentrale EURO 2020, mit Austragungsorten verteilt auf den europäischen Kontinent, stellt sich die Frage, welche Maßnahmen und Richtlinien die UEFA in Bezug auf das Fan-Verhalten für die Europameisterschaften setzen wird. Es folgt ein Einblick in aktuelle Ereignisse und damit verbunden Sanktionen der UEFA: UEFA sanktioniert RFS Der Russische Fußballverband wird zu einer bedingten Strafe von sechs Punkten Abzug in der Qualifikation zur EM 2016 verurteilt. Zusätzlich muss Russland 120.000 Euro Geldstrafe zahlen. Grund dafür war das Fehlverhalten der russischen Fans beim EM-Auftaktspiel gegen Tschechien am Freitag, den 08. Juni 2012. Die Russen konnten das Spiel mit 4:1 für sich entscheiden. Daraufhin hatten Anhänger der Russen im Stadion von Breslau Feuerwerks-

RFS insgesamt 185.000 Euro Strafgeldern bezahlen. Zusätzlich verhängte die UEFA auf Grund der Vorkommnisse einen Punktabzug von sechs Zählern für die EM-Qualifikation 2016, als Bewährungsstrafe, sollten die Fans bis zum Ende der Play-offs noch ein weiteres Mal negativ auffallen. Damit ist der RFS der bislang mit Abstand am härtesten bestrafte Verband während einer Europameisterschaft.40 Der RFS hat Einspruch angekündigt. Der Verbandschef des RFS Sergei Fursenko bezeichnet die Entscheidung der UEFA als Präzedenzfall und erkennt, dass eine Qualifikation für die EURO 2016 mit diesen Voraussetzungen kaum möglich sein dürfte. Berücksichtigt man die Tatsache, dass der RFS kaum Einfluss auf ein UEFA – konformes Verhalten seiner Fans hat, sind die Bedenken der Russen durchaus berechtigt.41 Das Fan-Verhalten und damit verbundene Sanktionen von Seiten der UEFA lassen für die kommenden Europameisterschaften 2016 und 2020 die Frage offen, mit welchen Maßnahmen und Richtlinien die UEFA störungsfreie Turniere gewährleisten will? Denn die Thematisierung das Fan-Verhaltens wird von der UEFA weitgehend unterdrückt und in den Medien zensiert. Sollte die UEFA die neue Linie von zu harten Strafen, die in den sportlichen Wettbewerb eingreifen, autoritär vollstrecken, könnte das Teilnehmerfeld der nächsten Europameister-

38 Quelle: http://www.spiegel.de/sport/fussball/moegliche-spielorte-und-stadien-der-fussball-em-2020-a-871547.html, abgerufen am 06.11.2013, 0:30 39 Vgl. http://www.heute.at/sport/euro/art38444,728396, abgerufen am 11.11.2013, 21:45 40 Vgl. http://www.focus.de/sport/fussball/em-2012/em-35-000-euro-uefa-bestraft-russland-erneut_aid_771761.html, abgerufen am 10.11.2013, 22:15 41 Vgl. http://www.taz.de/!95350/ , abgerufen am 09.11.2013, 07:30

71


schaften ein gänzlich anderes sein, denn

so authentisch wie möglich zu erhalten.

auch deutsche, italienische und kroati-

Neben der Gefahr einer Verwässerung

sche Fans zündeten bereits Feuerwerkskörper in ihren Blöcken.42

durch die erhöhte Teilnehmerzahl, aus primär wirtschaftlichen Gründen, sollte man dabei in erster Linie eines nie vergessen: Der Fußball und seine Fans leben unzertrennlich von, für und miteinander. Bestraft man die Verbände und Clubs, bestraft man die Fans

72

Wie es um das Verhalten der Fans auf Grund der veränder-

und umgekehrt.

ten Dimensionen der EURO 2016 und im Rahmen des neu-

Was sich festhalten lässt ist, dass die veränderten Dimen-

en Konzepts zur EURO 2020 bestimmt sein wird, lässt sich

sionen und konzeptionellen Neuerungen sowie die Au-

schwer voraussagen. Die Kosten für die An- und Abrei-

torität der UEFA den europäischen Fußball maßgeblich

se, abhängig von den Austragungsorten, werden variabel

beeinflussen werden. Nach der zentralen EURO 2016 in

sein. Natürlich werden sich aber auch viele Fans glücklich

Frankreich bleibt abzuwarten, wie die UEFA nach der de-

schätzen können, dass Spiele der EURO 2020 sozusagen

zentralen EURO 2020 über weitere Vorgehensweisen und

vor ihrer Haustür stattfinden werden. Ausschreitungen der

das Konzept der Europameisterschaft in der Zukunft ent-

Fans und unrühmliches Fan-Verhalten einiger, dafür be-

scheiden wird.

kannter Nationen, sind zu erwarten. An den Dreh- und

Beleuchtet man die Thematik nachhaltig, fragt man sich,

Angelpunkten, an denen sich die Fans zwangsläufig be-

wohin die momentanen Entwicklungen führen sollen. Ver-

gegnen werden, sind 2020 bestimmt verschärfte Sicher-

nünftig wäre es wohl, bereits vorhandene Ressourcen zu

heitsvorkehrungen zu treffen.

nutzen, sollte die Europameisterschaft auch nach 2020

Grundsätzlich stellt sich die Frage, inwieweit die Sankti-

dezentral organisiert sein. Sollte dies nicht der Fall sein,

onen und Bewährungsstrafen, welche die UEFA über die

was wahrscheinlich ist, da sich viele Nationen benachtei-

National-Verbände verhängt, von den Fans abhängig ge-

ligt fühlen werden, wird die Anzahl der UEFA konformen

macht werden können. Ohne Transparenz könnte es zu

Stadien in Europa im Laufe der Zeit stetig wachsen. Und

dubiosen Verhalten und vermehrten Strafen kommen.

unter der Voraussetzung, auch den Nationen die Chance

Man denke zum Beispiel an eine Gruppe vermeintlicher

auf eine Austragung der EM zu ermöglichen, die noch kei-

Fans, bewaffnet mit Feuerwerkskörpern und provokanten

ne hatten, würden die dafür renovierten, um- und neuge-

Bannern, die von korrupten Verbänden angeheuert, die

bauten Stadien einmal für die EM verwendet und danach

Chance auf eine Qualifikation für die Europameisterschaft

dafür nicht mehr zum Einsatz kommen. Man sollte sich

ausgewählter Nationen, beeinflussen könnten, ohne sich

dabei insbesondere in Erinnerung rufen, dass selten ein

dafür rechtfertigen zu müssen. Die wirtschaftliche Kraft des

Stadion nach seiner primären Verwendung für prestige-

Fußballs und sein politischer Einfluss haben mächtige Aus-

trächtige Großereignissen auch weiterhin seinen eigent-

maße angenommen. Fußball ist und bleibt an Emotionen

lichen Zweck erfüllt, vor allem bei wanderten Veranstal-

gebunden und gewinnorientiert. Es braucht klare Regeln

tungen. Was bleibt sind Investitionen in Milliardenhöhe,

und Richtlinien für alle Beteiligten, in Zukunft wohl auch

für Infrastruktur, die tausende Menschen auf absehbare

für das Verhalten der Fans, um das Charakterspiel Fußball

Zeit, für die EM über den Zeitraum von nur einem Mo-

42 Vgl. http://www.taz.de/!95350/, abgerufen am 09.11.2013, 07:30


nat, oder nachfolgend gelegentlich, Anspruch nehmen,

Aufgrund von Ausschreitungen während der Europameisterschaft 2012 muss der RFS insgesamt 185.000 Euro Strafe Quellenverzeichnis in bezahlen.

um dem Sport zu

frönen. Wirtschaft und Politik freut es und natürlich will jeder ein Stück von dem schmackhaften Kuchen, der Macht, Geld und Ansehen verspricht. Ist es da überhaupt angebracht an den Sinn hinter dem Spektakel zu denken, wenn die Gelder in der heutigen Zeit auch an anderer Stelle dringend nötig wären. Eher nicht, wenn man bedenkt was der Fußball bewegt. Eher schon, wenn man sich bewusst macht was es braucht, um Fußball zu spielen. Ein Spielfeld, ein Ball, Menschen, Begeisterung und natürlich Regeln. Man denke nur an die weltweite Beeinträchtigung der Umwelt, Ressourcenknappheit bzw. ungerechte Ressourcenverteilung. Die Reduktion auf das Wesentliche würde viele Investitionen gar nicht erst notwendig machen. In vielerlei Hinsicht könnte es helfen, zeitgemäße Dimensionen für die Zukunft zu definieren. Aber dabei sollte man nicht all zu weit ausholen.

http://em2016-frankreich.com/, 05.11.2013, 22:30

abgerufen

http://www.heute.at/sport/euro/art38444,728396, fen am 11.11.2013, 21:45

am

abgeru-

http://www.handelsblatt.com/fussball-em-em-2020-tuerkei-bewirbtsich-um-finalspiele/8777974.html, abgerufen am 02.11.2013, 21:45 http://www.focus.de/sport/fussball/em-2012/em-euro-2016-frankreich-legt-die-neun-spielorte-fest_aid_629452.html, abgerufen am 02.11.2013, 23:00 http://www.focus.de/sport/fussball/em-2012/em-35-000-euro-uefabestraft-russland-erneut_aid_771761.html, abgerufen am 10.11.2013, 22:15 http://www.laola1.at/de/fussball/euro-2012/euro-2016-in-frankreich-mit-24-teams/page/29201-436-59-59-.htmllle , abgerufen am 04.11.2013, 21:30 http://www.spiegel.de/sport/fussball/moegliche-spielorte-und-stadiender-fussball-em-2020-a-871547.html, abgerufen am 06.11.2013, 0:30 http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-em-frankreich-bekommtzuschlag-fuer-2016-a-697306.html, abgerufen am 04.11.2013, 23:43 http://www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?folder=sites/eu zro_2016&site=start , abgerufen am 01.11.2013, 23:30 http://www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?head=EURO-2016-ueberblick-Stadien&folder=sites&site=news_detail&news_ id=946 6 , abgerufen am 05.11.2013, 22:30 http://www.taz.de/!95350/ , abgerufen am 09.11.2013, 07:30 www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sp&d i g = 2 0 1 2 % 2 F 0 7 % 2 F 0 3 % 2 Fa 0 0 9 0 & c H a s h = f e b e f e 7 a 4 8 c d 1 e a25177cb87578d8053, abgerufen am 03.11.2013, 22:15 http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011361.html, abgerufen am 05.11.2013, 23:40 http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2011585.html,, abgerufen am 06.11.2013, 22:30 http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/organisation/sas/index.html, abgerufen am 13.11.2013, 11:03 http://www.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=2010152.html, abgerufen am 10.11.2013, 23:45 http://www.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=1966170.html , abgerufen am 13.11.2013, 12:15

73


UEFA EURO 2016 - Frankreich ruft zur Fußball Europameisterschaft Es lässt sich heute noch nachempfinden

Verfasserin: Teresa Ehrlenbach

wie im Mittelalter auf der britischen Insel in Ashbourne Fußball gespielt wurde. Jährlich am Faschingsdienstag und Aschermittwoch

te im Jahr 1905 als zum erstenmal ein Weltturnier für Nationalmannschaften diskutiert wurde. Erst fünfundzwanzig Jahre

später im Jahr 1930 wurde die erste Weltmeis-

trafen sich hunderte Menschen zum so genannten „Shro-

terschaft unter der Regie der FIFA durchgeführt. Die da-

vetide Football“ was einer früheren Form des Fußballs aus

malige Tschechoslowakei, Ungarn, Italien und Österreich

dem 12. Jahrhundert gleicht. Dabei wurde ein Ball in der

gaben den erforderlichen Impuls und ebneten den Weg zu

Größe eines Medizinballs in die Menschenmenge geworfen

einem Europapokal. Der erste Präsident der Europäischen

um das Spiel zu starten. Von Regeln war dieses Spiel weit

Fußball-Union (UEFA) Ebbe Schwartz übberreichte im Juni

entfernt. Jede Mannschaft durfte willkürlich viele Spieler

1959 den UEFA-Meisterpokal an Jose Maria Zarraga- Spie-

haben und gespielt wurde mehrere Stunden am Stück.

ler der Fußballmannschaft Real Madrid. Die Gründung der

Auch das Spielfeld war mit einer Größe von mehreren Ki-

Europäischen Fußball-Union im Jahr 1954 wurde nach

lometern sehr weitläufig abgegrenzt und umfasste damals

dem zweiten Weltkrieg durch politische Entwicklung voran

auch den örtlichen Fluss. Bis ins 19. Jahrhundert standen

getrieben. Hier stand die „Idee Europa“ - die europäische

sich somit oft ganze Stadtviertel gegenüber. Es handel-

Einigung- im Mittelpunkt. Auf Ebene des Fußballs bedeute-

te sich dabei um ein brachiales Spiel und diente auch als

te dies, dass ein neues Projekt einer Europameisterschaft

Anlass für Massenprügeleien. Es wurde aufgrund der Bru-

initiert werden konnte. Die Einführung einer Europameis-

talität mehrmals Verboten um die soziale Ordnung nicht

terschaft folgte im Jahr 1960. Mit der Anmeldung von 31

zu gefährden. Als die Industrialisierung und die Urbani-

Ländern zur Teilnahme an der UEFA Europameisterschaft

sierung Einzug hielten verlor der Folk Football an Bedeu-

1968 wurde die Einführung nach zwei gescheiterten Ver-

tung. Ab dem 16. Jahrhundert gab es an britischen Elite-

suchen beim dritten Anlauf als Erfolg gewertet.2

schulen fußballähnliche Spiele. Es war gesitteter und nicht mehr von brachialer Gewalt gezeichnet, allerdings waren Stöße und Tritte nach wie vor erlaubt um an den Ball zu kommen. Ab den 1830er Jahren förderten Pädagogen das Ballspiel aktiv und führten Regeln ein. Dabei galt es den Schülern Tugenden wie Fairness, Teamgeist und Selbstbeherrschung zu vermitteln. Der Fußball war geboren und entwickelte sich zu einer der beliebtesten Sportarten des 20. und 21. Jahrhunderts.1

Geschichtlicher Hintergrund

74

Fakten und Meilensteine zur UEFA EURO 2016 15. Februar 2010: Frankreich, Italien und die Türkei bewerben sich um die UEFA EURO 2016. Grundsätzlich ist es allen europäischen Ländern möglich sich für die Fußball-Europameisterschaft zu bewerben. Die Auswahl des Gastgeberlandes der UEFA Europameisterschaft wird von einem speziellen UEFA-Exekutivkomitee getroffen. Als Italien in der ersten Runde ausschied ergab sich das Stechen zwischen Frankreich und der Türkei wobei Frankreich

der UEFA EURO

am Ende die Mehrheit der dreizehn abgegebenen Stim-

Die Planung und Umsetzung der Fußball Weltmeisterschaft

men für sich gewinnen konnte. Dies geschah am 28. Mai

durch den Internationalen Fußball-Verband (FIFA) starte-

2010. Nach einer Danksagung an die Türkei und Italien

1 www.planet-wissen.de/sport_freizeit/ballsport/fussballgeschichte/ -10.01.2014 2 https://www.conti-online.com/generator/www/de/de/continental/contisoccerworld/themen/60_euro_2008/07_geschichte/07c_em_historie/ em_historie_teil_01_de.html - 04.01.2014


verkündete Jean-Pierre Escalettes als

meisterschaft aufgenommen. Aus dem

Präsident des Französischen Fußballver-

Artikel geht hervor, dass mit der „Week

bands (FFF) seine Freude über die Möglichkeit, erneut eine Fußballgroßveranstaltung als

of Football“ immer von Donnerstag bis Dienstag täglich Spiele ausgetragen. So werden

Gastgeberland durführen zu dürfen. Um den Ansprüchen

laut UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino an jedem Tag

der Veranstaltung zu entsprechen werden bis 2016 sieben

zwischen acht und zehn Spiele stattfinden. Davor waren es

Stadien renoviert und vier neu erbaut. Schon in den Jah-

zwischen zwanzig und dreißig Spiele. Der Wettbewerb soll

ren 1960 und 1984 wurde das EURO Finale in Frankreich

durch diese Aktion übersichtlicher gestaltet werden. Am

ausgetragen.

23. Februar 2014 werden in Nizza die Qualifikationsgrup-

Nennenswerte Persönlichkeiten die der Vergabe der UEFA

pen per Zufallsprinzip ausgelost.5

3

EURO 2016 beiwohnten waren Noel Le Graet, Präsident des Französischen Fußballverbands (FFF) sowie der Präsident der EURO 2016 SAS Jacques Lambert. Das Logo der EURO 2016 steht unter dem Motto „Celebrating the art of football“. Darauf zu sehen ist der Henri-Delaunay-Pokal der von den französischen Nationalfarben umgeben ist. Der Franzose Henri-Delaunary war einer der Mitbegründer des Europäische Fußball-Verbands. Dieser Pokal wurde bei der EURO 1984 von der französischen Mannschaft gewonnen und soll auf dem Logo an die vergangene Erfolgsgeschichte erinnern. Das Logo jeder UEFA EURO hat einen stark kulturellen Hintergrund. Es soll die jeweiligen Eigenschaften und Geschichten des Gastgeberlandes spiegeln, damit schon beim ersten Blick klar wird, welches Land die UEFA EURO austrägt.4 In einem Artikel „UEFA beschließt ‚Week of Football‘ “ aus der Zeitschrift „Der Standard“ vom 19. Dezember 2013 wurde der Modus für die EM-Qualifikation 2016 veröffentlicht. 53 Teams kämpfen in neun Gruppen um 24 EM-Tickets. In den Europameisterschaften der Vorjahre waren nur 16 Teams am Wettbewerb beteiligt. Direkt qualifizieren können sich die beiden Erstplazierten und der beste Dritte. Aus den übrigen acht drittplatzierten Mannschaften werden vier Mannschaften durch Play-off Spiele in die Europa3 4 5 6

Spielorte und Stadien der UEFA EURO 2016 Am 20. Mai 2011 standen die elf Austragungsorte der EM 2016 in Frankreich fest. Es wurden neben dem Prinzenpark-Stadion in Paris auch das Stade de France welches sich im Pariser Vorort Saint Denis befindet ausgewählt. Das Stade de France war schon 1998 der Finalort der Weltmeisterschaft. Auch Lyon bekam den Zuschlag für den Bau eines neuen Stadions trotz juristischer Probleme. Seit Mitte Juli 2011 stehen auch Toulouse und St. Etienne als Austragungsorte fest. Einen Zuschlag für Stadien-Umbau bekamen auch die gewählten Spielorte Marseille, Bordeaux, Lens, Lille, Nancy und Nizza. Das Auswahlverfahren der Spielorte ist auch hier ähnlich wie bei der Auswahl des Gastgeberlandes. Der Bundesrat des Französischen Fußball-Verbandes (FFF) wählte die elf Orte nach einem Stimmenmehrheitsprinzip aus.6 Am 10. September 2013 veröffentlichte die Webseite Stadionwelt.de einen Artikel über die Investitionssumme die Frankreich in die Renovierung und den Neubau von Fußballstadien in den elf Spielorten aufwendet. Nach Angaben der UEFA belaufen sich die Kosten für die Stadionprojekte auf rund 1,6 Milliarden Euro. Aufgrund einer hohen Beteiligung der Stadioneigentümer und innovativer Finanzierungslösungen war diese Investition möglich. Es werden

http://de.uefa.org/management/newsid=1493418.html http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/news/newsid=1966237.html#logo+uefa+euro+2016 – 30.08.2013 http://derstandard.at/1385171773598/UEFA-beschliesst-Week-of-Football -04.01.2014 http://www.kicker.at/news/fussball/em/startseite/552810/artikel_die-spielorte-der-euro-2016.html- 11.01.2014

75


Die EURO 2016 wird in elf Austragungsstätten gesondert für die EURO 2016 in BordeArena stattfinden. aux, Lyon, Lille und Nizza vier Fußball-

Toulouse fasst 33.000 Besucher und ist

stadien komplett neu errichtet. Die Stadien

Spielstätte des Toulouses FC. Das 1937

in Lens, Marseille, Paris, Saint-Etienne und Tou-

erbaute Fußballstadium wurde eigens für die

louse werden zum Teil erweitert und umfassend saniert.

1983 stattfindende FIFA-WM erbaut. Die UEFA EURO 2016

Das Stadion im Pariser Vorort Saint-Denis wurde 1998 für

gibt Anlass das Stadion zu erneuern. Die Fertigstellung ist

die damalige Fußballweltmeisterschaft errichtet und ist mit

für Herbst 2015 geplant. Der Spielort Lyon hat mit seinen

einer Kapazität von 80.000 Personen das größte Stadium

Zuschüssen das Bauprojekt `Stade des Lumiéres‘ initiiert.

Frankreichs. Für die Europameisterschaft werden keine

Die Eröffnung soll im Winter 2015 stattfinden und für die

zusätzlichen Sanierungen vorgenommen. Das Stade Pierre

EM 2016 Kapazität von 58.000 Zuschauern bieten.

Mauroy wurde mit dem Umbau im August 2012 fertig. Es

Im Norden Frankreichs liegt die Stadt Lens, die als einzi-

liegt im Austragungsort Lille, einer Großstadt an der Gren-

ge Kohlebergbau-Hochburg bekannt ist. Der UEFA-Wett-

ze zu Belgien. 50.100 Zuschauer können hier den Kampf

bewerb wird im Stadium Félix Bollaert-Delelis stattfinden,

um den EURO Pokal 2016 verfolgen. Das Stadion wurde

welches 35.000 Besucher fasst. Das Station zählt zu den

für die EM 2016 neu erbaut und Lille erhofft sich dadurch

legendärsten Frankreichs. Eine Besonderheit ist, dass in

erhöhtes touristisches Interesse. In Nizza wurde ebenfalls

diesem Gebäude alle Einwohner von Lens- nämlich rund

ein komplett neues Stadion aus der Erde gehoben. Die Al-

36.000 Menschen- Platz finden würden. Die Fertigstellung

lianz Riviera Arena hat ein Fassungsvermögen von 35.000

der Umbauarbeiten ist für Winter 2015 geplant.8

Personen. Die Bauarbeiten wurden im September 2013 be-

In einem Interview mit Xavier Daniel, dem Direktor der

endet. Als Hafenstadt und zweit Größte Stadt Frankreichs

Stadienprojekte beim Organisationskomitee der UEFA

wird die EM 2016 den hohen Ansturm an Touristen in Nizza

EURO 2016, gibt dieser bekannt, dass alle Stadien bis spä-

noch zusätzlich fördern. Saint-Etienne ist die Hauptstadt

testens einem Jahr vor Beginn der EURO im Sommer 2015

von Loire und vorwiegend eine Industriestadt. Nach der

in Betrieb gehen werden. So haben laut Daniel alle Spielor-

Fertigstellung der Renovierungsarbeiten im Sommer 2014

te die Möglichkeit eine Saison lang einen Probedurchlauf

wird das Stade Geoffroy-Guichard Stadion den Ansturm

zu machen um Abläufe optimieren zu können. Die Infra-

von 41.500 Zuschauer bewältigen können.

struktur ist ihm zufolge in Frankreich bereits gut ausgebaut

Bordeaux wird als ökonomisches und kulturelles Zentrum

und so wird der Fokus auf die Stadionprojekte gerichtet.

des Südwesten Frankreichs bezeichnet. Der UEFA Wettbe-

Auf die Frage hin was die EURO 2016 für die französische

werb wird im Stade de Bordeaux stattfinden welches für

Stadionlandschaft bedeutet entgegnete Daniel, dass die

zirka 184 Millionen Euro renoviert wird. Die Fertigstellung

imposanten Projekte für die EURO insgesamt eine enor-

des Stadions ist für das Frühjahr 2015 geplant und kann

me Bewegung im französischen Sportstättenbau auslösen

mit seiner gewonnen Kapazität bei der Austragung der

wird und eine Professionalisierung des kommunalen Sport-

UEFA 2016 43.000 Zuschauern Platz bieten. Der Spielort

stättenbetriebs fordert. Von den Qualitätsunterschieden

Paris baut seine Fußballarena Parc des Princes für 45.000

her ist Daniel zufolge ein altes Stadium kaum mehr mit

Personen aus. Im Sommer 2015 ist die Fertigstellung der

einem neuen zu vergleichen. Hierbei ginge es nicht nur um

7

76

geplant. Das Stade Municipal

7 www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?head=16-Milliarden-Euro-fuer-Stadien-in-Frankreich&folder=sites&site=news_detail&news_id=9277 – 11.01.2014 8 www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?head=EURO-2016-ueberblick-Stadien&folder=sites&site=news_detail&news_id=9466 – 11.01.2014


Kapazität sondern auch um modernste

2011 bereits die Ganay-Tribüne auf der

Informations- und Kommunikationstech-

Ostseite des Stadions als die zweite von

nologien,

Sicherheitsanforderungen

die

dem höchsten Standard entsprechen müssen

drei Baustufen komplettiert wurde. Jede einzelne der Stufen erfordert die Installation

und natürlich auch um Komfort. Das Grande Stade de Lille

einer Ummantelung von Stützen und Boden. In der letz-

hebt er als tollen Vorgeschmack auf die neue Stadionge-

ten Stufe werden Fahrstühle und sanitäre Anlagen auf der

neration hervor. Daniel bezeichnet das Bauprojekt sowohl

Südtribüne installiert. Die Kapaziätat von 60.000 Besu-

in puncto Kapazität als auch im Sinne der Ausstattung und

chern wird auf 67.000 erweitert. Das Bauvorhaben soll bis

Funktionalität als ein absolutes Referenzprojekt für den

zum Sommer 2014 beendet sein und hat keinerlei Einfluss

Stadiumbau in Frankreich.9

auf den Spielbetrieb. Die Olympique de Marseille trägt hier nach wie vor die Heimspiele aus.

Stade Vélodrome – Vorbereitung auf die UEFA EURO 2016 Das Stadium wurde im Juni 1937 mit einem Fußballspiel zwischen Marseille und Torino FC eröffnet. Gesamt fasst es zirka 60.000 Zuschauer wobei die Rekordbesucherzahl bei 59.120 Personen liegt. Das Stade Vélodrome ist auch der Austragungsort der Qlympique de Marseille. Bis ins Jahr 1985 konnte man in der Arena Sportarten wie Leichtathlekik, Rugby, Boxen, Tennis, Hockey sowie auch Motorsport ausüben. Im Jahr 1985 wurde die Renovierung des Multifunktionsstadiums beendet. Wie dem Namen zu entnehmen ist war auch eine Rennbahn im Stadium integriert die ebenfalls im Zuge des Umbaus entfernt wurde. Beide FIFA- Weltmeisterschaften im Jahr 1938 und 1998 fanden in diesem Stadium statt sowie zahlreiche andere denkwürdige Sportevents. Aber das Stadium beherbergt nicht nur Sportveranstaltungen sondern ist seit 1980 Austragungsort von Konzerten und politischen Veranstaltungen. Das Vélodrome ist im südlichen Teil von Marseille angesiedelt und war lange Zeit unüberdacht. Im Jahr 2011 wurden erneut Renovierungen gestartet- 267 Millionen Euro werden in ein Dach für das Stadion investriert.10 Das Bauprojekt wurde in drei Stufen eingeteilt wobei Ende

Momentan wird unter Hochdruck an der bereits erwähnten Überdachung gearbeitet.11 Diese Überdachung ist vor allem für die Fußball- Europameisterschaft im Jahr 2016 notwendig. Mit diesem Projekt versucht Marseille über seine Grenzen hinaus mit anderen Stadien zu konkurrieren. Das Vélodrome ist vielseitig ausgestattet und besitzt zudem ein tolles Feature. Der obere Teil des Ganay sowie das komplette Forum wurden vom Archikekten Jean Bouin umgebaut. Hier wurde darauf geachtet, dass den Zuschauern eine bessere Sicht aufs Grün gegeben ist. Die Arena ist zudem auf Menschen mit Behinderung aller Art vorbereitet. Es gibt 68 Stellplätze für Rollstuhlfahrer auf der Nordseite des Stadions wobei es hier einen direkten Zugang vom Außenplatz gibt. Die selbe Anzahl an Stellplätzen gibt es auch auf der Südseite- ebenso mit direktem Zugang für Rollstuhlfahrer- es wird weder auf der Nord- noch auf der Südseite ein Aufzug benötigt. Im Ganay gibt es 112 Stellplätze für Rollstuhlfahrer inklusive Sitzplätze für Begleitpersonen. Außerdem gibt es noch 123 Stellplätze in diversen anderen Sektoren wie den VIP-Logen etc.. Für Seh- oder Hörbehinderte Personen sind jeweils 10 Plätze vorgesehen. Hier soll es ebenfalls wieder Sitzplätze für Begleitpersonen geben. Daraus ergibt sich

9 www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?head=-Der-franzoesische-Stadionmarkt-ist-fuer-Europa-geoeffnet&folder=sites&site=news_detail&news_id=8180 – 11.01.2014 10 http://de.uefa.com/uefaeuro/finals/hosts/france/city=2201/stadium/index.html – 06.08.2013 11 www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?head=Statusbericht-Umbau-des-Stade-Velodrome&folder=sites&site=news_detail&news_id=6803 -11.01.2014

77


Das „Stade Vélodrome“ war ursprünglich ein Multifunktionsstadium eine Kapazität von 371 Plätzen für Per-

inklusive einer

sonen mit eingeschränkter Mobilität wie

Rennbahn.

beispielsweise Rollstuhlfahrern. Es gibt Rollstuhlzugänge, Rampen, Markierungen für Sehbehinderte, Schilder sowie Aufzüge.

Webseite http://www.arema-velodrome.com [29.08.2013] 12

Die Devise des Umbauprojekt lautet nachhaltig Bauen und Respekt für die Umwelt. Das ist vorallem einer der Schwerpunkte in der Firmenpolitik der Bauherren Bouygues Construction und GFC Construction. Es wurde eine Auswer-

Webseite http://www.conti-online.com [04.01.2014] Webseite http://derstandard.at [04.01.2014] Webseite http://www.kicker.at [11.01.2014] Webseite http://www.planet-wissen.de [10.01.2014]

tung der Empfindlichkeit der Umwelt in Auftrag gegeben.

Webseite http://www.stadionwelt.de [11.01.2014]

Berücksichtigt wurden hier Abfallwirtschaft, Materialwirt-

Webseite http://de.uefa.com [06.08.2013]

schaft von gefährlichen Substanzen, Lärmschutz, Luftqualität, Schutz von Böden und Gewässern, eine Verigerung des Konsums hinsichtlich des Wasser- und Energieverbrauchs sowie die Sauberkeit und Lagerung von Bau. Das Stadium wird als eine Art „Öko-Quartier“ bezeichnet. Das Projekt entspricht den Anforderungen des Umwelt-Grenelle. Ziel ist es der Öko-Nachbarschaft anzugehören. Es gilt sich an den sieben Fragen der Nachhaltigkeit zu orientieren.13

78

Quellenverzeichnis

12 http://www.arema-velodrome.com/le-projet/le-stade/ - 29.08.2013 13 http://www.arema-velodrome.com/le-projet/le-stade/ - 29.08.2013


UEFA EURO 2016, Stade Vélodrom Verfasser: Sebastian Ochs Kein Sport polarisiert die Massen mehr

auf-geklärte Fußballfan, kennt hundert

als es der Fußball tut. Egal ob Welt-

Gründe, warum er beim Anpfiff nicht ins

meister- oder Europameisterschaft die Einschaltquoten der Finalmatches dieser Sporte-

Fieber fallen soll, warum es nun reicht und nicht mehr mit ihm, nie wieder ... und fällt ins

vents brechen jedes Mal neue Rekorde.

Fieber. Nach fünf Minuten ist er an dieses Spiel verloren,

Man kann also sagen, der Fußball ist eine Art Weltmacht.

selbst wenn es schlecht ist, er schimpft und hasst, doch

Ob am Strand der Copacabana, auf einem schäbigen Hin-

im nächsten Moment ist es wieder Liebe, große Liebe für

terhof oder in den modernsten Arenen: Das Spiel mit der

einen Spieler, eine Mannschaft.2

runden Kugel zieht die Menschen in seinen Bann - und

Ein Stadion ist nicht nur der Ort des Schönen und Gu-

zeigt, wie Globalisierung funktionieren sollte.

ten, sondern manchmal das Gegen-teil. Es ist weniger ein

Fußball, das sind Old Europe und New Europe, das ist

Idyll als ein Abbild. Die Gesellschaft erkennt sich hier auch

Brasilien plus der Rest von La-teinamerika, das ist Afrika,

in ihren problematischen Seiten, Rassismus und Gewalt,

Asien, Australien, das sind die USA, das ist die islamische

aber gleichzeitig liefert das Spiel Instrumente dagegen.

Welt. Eine WM oder EM ist immer auch ein Fest der Globa-

Weil Fußball so populär ist, sorgt er für etwas extrem

lisierung, einer besseren, als man sie sonst erlebt. Natio-

Wichtiges in disparaten Gesellschaften, in einer disparaten

nen dieser Erde treffen sich zum herrschaftsfreien Diskurs.

Welt: Erreichbarkeit. Während Eto‘o ge-schmäht wurde,

Diese Macht des Fußballs überrascht, denn das Spiel ist

zeigte der Torwart von Real Saragossa auf einen schwar-

nur noch ein Überlebender, ist durch tausend Feuer ge-

zen Mann-schaftskameraden. Das sollte heißen: Seht her,

gangen, wurde missbraucht und versehrt - und überstrahlt

auch einer von uns. Die Welt wird so nicht gleich geheilt,

dennoch jeden anderen Sport. Der Fußball hat die gna-

aber die Rassisten sahen sich erwidert, herausgefordert.

denlose Kommerzialisierung überlebt, die Explosion der

Wer von Politikern längst nicht mehr ansprechbar ist, ist

Ablösesummen und Gehälter, die Dominanz der Sponso-

es vielleicht noch von Fußballstars. Nur dieses Spiel dringt

ren, die sich in den Stadien immer breiter machen. Der

vor bis in die hintersten Winkel der Gesellschaft.3

Fußball hat die Geltungssucht von Clubeignern wie Ber-

Nun, wo sich WM 2014 in Brasilien und EM 2016 in Frank-

lusconi oder Abramowitsch überlebt, die Vereine in Spiel-

reich nähern, keimt es wieder auf, dieses Nationenüber-

zeuge verwandeln. Der Fußball hat die Flatterhaftigkeit

schreitende Wir-Gefühl.

der Spieler überlebt, die heute ein rotes und morgen ein

In Folgendem soll, aus gegebenem Anlass, ein Ausblick

blaues Trikot überstreifen und von der Identifikation der

auf die UEFA EURO 2016 ge-geben sowie im Speziellen

Fans nichts zurückgeben können. Der Fußball hat über-

ein Lagebericht des Austragungsortes Marseille und des

lebt, dass seine Akteure mehr und mehr zu Kraftmenschen

dor-tigen Stadions „Stade Vélodrome“ abgegeben werden.

werden, die sich nach strengen Mustern auf Ball und Gegner stürzen.1 All das wird verkraftet. Wenn der Spieltag gekommen ist, wenn das Stadion ächzt und brüllt wie ein Tier, wenn der Ball rollt, sind die üblen Geschichten vergessen. Der

Das Stade Vélodrom In Folgendem soll ein zeitlicher Überblick der Entstehung des „Stade Vélodrome“ bis hin zum Ausbau für die UEFA EURO 2016 gegeben werden.

1 Vgl. http://www.spiegel.de/sport/fussball/faszination-fussball-mehr-als-nur-ein-spiel-a-419515.html; Abruf am 07.10.2013 2 Vgl. http://www.spiegel.de/sport/fussball/faszination-fussball-mehr-als-nur-ein-spiel-a-419515.html; Abruf am 07.10.2013 3 Vgl. http://www.spiegel.de/sport/fussball/faszination-fussball-mehr-als-nur-ein-spiel-a-419515.html; Abruf am 07.10.2013

79


Das Stade Vélodrome wurde 1933 auf den Ruinen einer Bau des Stadions 1935

Autofabrik gebaut.

ist bis heute die Stadt Marseille.4

In den frühen 1930er Jahren fehlte es in Marseille, nach Meinung der Öffentlichkeit, an öffentlichen Sportanlagen, woraufhin der Stadtrat beschloss, die kommunalen Grundstü-cke südlich von Parc Chanot für die Schaffung und Entwicklung eines kommunalen Sportparks zur Verfügung zu stellen. Es wurde jedoch aus finanziellen Gründen schnell beschlossen, nur ein neues Stadion zu bauen. Der Bau des Stadions

Abb. 1: Stade Vélodrome 1937 | Quelle: www.stadiumguide.com

begann 1933 auf den Ruinen der alten Autofabriken Tur-

Abbildung 1 zeigt das „Stade Vélodrome“ nach seiner Fer-

cat Mery, wurde aber auch zunächst gestoppt, als deutlich

tigstellung 1937. Die damals noch vorhandene Aschen-

wurde, dass ein Projekt dieser Größenordnung finanziell

bahn für Leichtathletikbewerbe sowie die namensgebende

schlicht nicht machbar war. Erst die Aussicht auf den FI-

Rad-rennbahn sind dabei als prägnante Merkmale des Sta-

FA-Weltpokal 1938 brachte die Wende. In folge dessen

dions wahrzunehmen.5

wurden die Bauarbeiten des „Stade Vélodrome“, dass von dem französischen Architekten Henri Ploquin entworfen

Das Stade Vélodrome eine der ersten Multifunktionsarenen

wurde, wieder aufgenommen. Die Grundsteinlegung er-

Wie bereits erwähnt war das „Stade Vélodrome“, vor al-

folgte offiziell am 28. April 1935. Nur zwei Jahre später,

lem zu Beginn seiner Zeit, Ver-anstaltungsort für zahlrei-

am 13. Juni 1937 wurde dann das neue Stadion, nach nur

che sportliche Events und war somit eine der ersten Multi-

26 Monaten Bauzeit, mit 35.000 Plätzen eingeweiht. In

funk-tionsarenen seiner Zeit. Durch die damals integrierte

seiner Anfangszeit wurden zahlreiche sportliche Bewerbe

Radrenn- und Aschenbahn bot es genug Platz um zahl-

im „Stade Vélodrome“ ausgetragen. Neben Fußball wur-

reiche sportlichen Ereignisse abzuhalten. So wurde neben

den Rugby-, Leichtathletik-, Auto- und Motorradrenn- und

Fußball, zahlreiche Leichtathletik und Radrennbewerbe

Bahnradrennbewerbe ausgetragen. Durch die Bahnrad-

abgehalten, z.B. die Weltmeisterschaften im Bahnradfah-

rennbewerbe und die damit ver-bundene Radrennbahn,

ren 1972. 1953 wurde auch eine Runde Formel 1 im „Sta-

auch Velodrom bezeichnet, bekam das „Stade Vélodrome“

de Vélodrome“ abgehalten.6

auch seinen Namen. Mit seiner Eröffnung wurde das „Sta-

Somit lässt sich dem Stadion im Süden Marseilles attestie-

de Vélodrome“ auch das neue Heimstadion des hiesigen

ren bereits lange vor anderen Stadien, einen multifunktio-

Fußballvereins Olympique Marseille, dessen Heimstadion,

nalen Charakter gehabt zu haben.

das „Stade de l‘Huveaune“ zu klein wurde. Zum Anlass der Eröffnung spielte Olympique Marseille ein Einweihungsmatch gegen den italienischen AC Torino, welches mit 2 zu 1 gewonnen wurde. Auch wenn das Stadion mit Olympique Marseille seinen „Hauptnut-zer“ gefunden hatte, war und ist der Verein nur Pächter, denn Inhaber des Stadions

80

Erste Umbauarbeiten und Renovierungen in den 1970er und 80er Jahren 1970 wurden die ersten Änderungen am „Stade Vélodrome“ vorgenommen. Die Scheinwerfer auf der Ganay- und Jean-Bouin-Tribüne wurden durch vier 60 Meter hohe Flut-

4 Vgl. www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/un-stade-de-legende; Abruf am 08.10.2013 5 Vgl. www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/un-stade-de-legende; Ab-ruf am 08.10.2013 6 Vgl. www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-stade-velodrome/un-stade-de-legende; Abruf am 08.10.2013


Für die EURO 2016 wird das Stade Vélodrome komplett lichttürme, für nächtliche VeranstaltunAbbildung 2 zeigt das „Stade Vélodroüberdacht. gen, ersetzt. Im März 1971 wurde die

me“ in den 1980er Jahren bereits nach

Kapazität des Stadions um fast 6000 Plätze

dem Ent-fernen der Radrennbahn. Trotz

erhöht, indem die Radrennbahn verkleinert und die Aschenbahn gänzlich entfernt wurde. Dies brachte die

des Entfernens der Bahn wurde an der altehrwürdigen Bezeichnung „Vélodrome“ festgehalten.

Gesamtkapazität des Stadions auf 55.000 Personen, inklusive Stehplätze. In der Saison 1982-1983 kehrte Olympique Marseille für eine Saison in das „Stade de l‘Huveaune“ zurück, als das Vélodrome, im Rahmen der Vorbereitung auf die Fußball-Europameisterschaft 1984, umgebaut wurde. Die Spielfläche wurde während dieser Zeit ersetzt. Auch die direkte Umgebung des Stadions wurde in diesem Zug, mit der Schaffung einer zweiten U-Bahnlinie, die das Stadion von zwei Stationen aus erreicht und dem Bau des Palais des Sports in der Nähe modernisiert. Das Halbfinale zwischen Frankreich und Portugal, während der EM 84, hatte einen Zu-schauerrekord bei einem Länderspiel von 54.848 Zuschauern. Die Kapazität des Stadions wurde nach der EM, durch den Bau von Logen, auf 42.000 reduziert. Der damalige Präsident von Olympique Marseille, Bernard Tapie, der von 1986 bis 1994 im Amt war, beschloss jedoch schließlich die Radrennbahn des Stadions endgültig zu entfernen und die Ecken des Stadions umzugestalten, was einen Kapazitätsausbau des Stadions auf bis zu 48.000 Plätze ermöglichte. Dieses endgültige Entfernen der Rad-rennbahn bedeutete das Ende der Multifunktionsarena „Stade Vélodrome“.7 Abb. 2: Stade Vélodrome 1980er Jahre (Quelle: www.stadiumguide.com)

Umbau zur WM 1998 Das „Stade Vélodrome“ wurde für die WM 1998 komplett renoviert. Seine Kapazität erhöhte sich von 42.000 bzw. 48.000 auf 60.031 Plätze. Am 4. Dezember 1997 ist das „Vélodrome“ erstmals Gastgeber der Auslosung einer WM-Endrunde, die zum ersten Mal überhaupt an einem Ort im Freien gehalten wurde. Sieben Spiele, darunter das erste Spiel, Frankreich gegen Südafrika, das Viertelfinale zwischen Argentinien und den Nie-derlanden und das Halbfinale zwischen Brasilien und den Niederlanden wurden im „Vélodrome“ ausgetragen.8

Ausbau des Stadions zur Europameisterschaft 2016 Für die Fußball-Europameisterschaft 2016 soll das „Stade Vélodrome“ komplett über-dacht und auf rund 67.000 Plätze erweitert werden. Mit dem Bau wurde im März 2011 begonnen und die Fertigstellung des Stadions soll im Sommer 2014 erfolgen. Zusätzlich soll bis 2016 eine neue „Mantelbebauung“ mit einem Einkaufszentrum errichtet werden. Im Sommer 2009 stimmte der Stadtrat trotz erheblicher Bedenken mehrheitlich einem Vertrag zu, wonach dies in Form einer öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen Mar-seille und einem Konsortium namens „Arema“ geschehen sollte, das sich aus den Bau-unternehmen „GFC Construction“, „Eiffage“ und „Vinci“ zusammensetzt und einen Teil der Finanzierung – zu diesem Zeitpunkt wurden die Gesamtkosten auf 120 bis 160 Mio. Euro beziffert – bereitstellt, zu der die hoch verschuldete Stadt alleine nicht

7 Vgl. http://www.stadiumguide.com/velodrome; Abruf am 08.10.2013 8 Vgl. www.fifa.com/classicfootball/stadiums/stadium=3/index.html; Abruf am 08.10.2013

81


in der Lage gewesen wäre. Allerdings

4,35 Mio., die Olympique einspart, weil

hatte sich bereits 2010 herausgestellt,

es wäh-renddessen lediglich symbolische

dass die Gesamtkosten sich tatsächlich auf 267,5 Mio. Euro belaufen würden. Davon müs-

50.000 Euro pro Jahr Miete an die Stadt bezahlen muss.10

sen die öffentlichen Hände (vom französischen Staat über die verschiedenen regionalen Gebietskörperschaf-ten bis zur Kommune) 135 Mio. zuzüglich dem auf etwa 30 Mio. Euro geschätzten Ver-zicht auf Baugenehmigungsgebühren aufbringen, Arema hingegen lediglich gut 100 Mio. Euro. Als Gründe der Kostenexplosion wurden die Bedingung, dass der Umbau bei laufendem Spielbetrieb durch Olympique Marseille erfolgen müsse, der Wunsch nach einem angrenzenden zusätzlichen, kleinen Stadion und die ursprünglich ebenfalls nicht eingeplante Berücksichtigung einer erdbebensicheren Bauweise genannt.9 Dafür, dass Arema für die Baukosten finanziell in Vorlage tritt, erhält das Konsortium von 2013 bis zum Jahr 2044 jährlich 23,5 Mio. Euro, insgesamt also beinahe 730 Mio. Euro, aus dem Verkauf der Namensrechte, den Eintrittsgeldern diverser Veranstaltungen, sowie – so beabsichtigt es zumindest die Stadtverwaltung – vom Hauptmieter Olympique Marseille. Somit müsste die klamme Kommune nichts dazu bezahlen. Für den Verein würde dies ab Fertigstellung des Stadions eine jährliche Mietzahlung von 8 Mio. Euro bedeuten, mithin mehr als fünf Mal so viel wie bisher (1,5 Mio. Euro pro Jahr). Dazu ist der Verein, der an der Vertragsgestaltung im Vorwege nicht beteiligt worden war, nicht bereit. Er weist zudem darauf hin, dass er während der Umbauphase einen massiven Rückgang der Ein-

Die UEFA EURO 2016 Die neue Europameisterschaft Am 28. Mai 2010 hat die UEFA bekannt gegeben, welche Nation den Zuschlag als Aus-richter erhält: Frankreich wird zum dritten Mal nach 1960 und 1984 eine EM organisie-ren. Neu ist dabei, dass sich erstmals 24 Teams qualifizieren statt bisher 16. Damit werden fast die Hälfte aller Mitgliedsverbände der UEFA, derzeit sind dies 53, bei der EURO 2016 dabei sein. Dementsprechend werden aber auch die Anforderungen an die Bewerbungen größer, alleine die Anzahl der Spiele steigt von 31 auf 51. Daher verlangt die UEFA nun neun EM-taugliche Spielstätten. Zwei davon müssen über eine Kapazität von 50.000 Sitzplätzen verfügen, um dem Finale des Turniers einen ansprechenden Rahmen bieten zu können. Weitere drei Stadien müssen Platz für mindestens 40.000 Menschen bieten, und für vier weitere Stadien ist ein Fassungsvermögen von 30.000 Plätzen vorgeschrieben. Drei zusätzliche Stadien sollen von den Bewerbern als Aus-weichmöglichkeit bereitgehalten werden. Diese müssten also, falls nötig, ebenfalls durch bauliche Veränderungen an die Anforderungen der UEFA angepasst werden. Alle Spiel-stätten müssen der UEFA am 30. Juni 2014 übergeben werden.

nahmen aus den Eintrittsgeldern hinzunehmen hat: betrug

82

die mittlere Zuschauerzahl bei Punktspielen in der Saison

Die UEFA EURO 2016 kritische Würdigung

2010/11 noch gut 51.000 Besucher, ist sie in der Saison

Schön, dass jetzt also auch die Nordmänner von den Färö-

2012/13 auf etwas über 33.000 zurückgegangen. Über die

er Inseln, die Liechtensteiner, Luxemburger und San-Ma-

dreijährige Bauphase hochgerechnet, entspricht dies ei-

rinesen ihre Chance bekommen, da ja zum nächsten

nem Einnahmeminus von rund 30 Mio. Euro abzüglich der

EM-Turnier 24 Mannschaften, nicht mehr nur 16, reisen.

9 Vgl. www.arema-velodrome.com/en/the-project/history; Abruf am 08.10.2013 10 Vgl. www.uefa.com/uefaeuro-finals/hosts/france/city=2201/index.html; Abruf am 08.10.2013 11 Vgl. http://www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?folder=sites/euro_2016&site=start; Abruf am 08.10.2013


Die EM dauert künftig 29 Tage Die UEFA hat 53 Mitgliedsverbände. Das

das zu verdanken? Den Iren. Die haben

heißt: Fast jeder Zweite qualifiziert sich

den 24er-Vorschlag bei der UEFA einge-

fürs Endrundenturnier in Frankreich. Zum Vergleich: die FIFA hat 209 Mitgliedsverbände,

bracht. Zum Dank fährt Platini jetzt zu den Iren und überreicht ihnen einen Preis für die

lässt aber zu einer Weltmeister-schaft nur 32 Teams zu.

tollsten Fans und hoffentlich auch einen für die dümms-

Warum nicht die UEFA zum Vorbild nehmen und eine WM

ten Ideen. Wie schön war’s doch früher, als noch munter

mit 100 Mannschaften ausrichten? Endlich wäre Tonga,

ausgesiebt wurde. Von 1960 bis 1976 wurde die Endrun-

der Tschad oder Belize dabei. Wir würden wunderbare Ge-

de nur unter vier Teams ausgetragen. Von 1980 bis 1992

schichten über Fußballexoten lesen und FIFA-Boss Sepp

waren es acht Mannschaften. In England verdoppelte sich

Blatter hätte die nächste Wahl locker in der Tasche. 100

1996 das Teilnehmerfeld. Frankreich 2016 erlebt gerade-

Nationen würden ihn für den besten aller Präsidenten hal-

zu eine Team-Schwämme. In nur 52 Jahren hat sich der

ten. Ähnliches wird sich auch UEFA-Chef Michel Platini bei

europäische Fußball also versechsfacht – und macht damit

der Verwässerung der EM gedacht haben. Endlich kom-

sogar Marktradikale neidisch. Nur die Engländer freut’s.

men Nationen zu ihrem Recht, die es bisher eher schwer

Sie sind jetzt garantiert immer dabei.12

hatten in der Qualifikation. Die aus dem Osten zum Beispiel, Platinis Wahlhelfer und Steigbügelhalter. Sie werden ihm dankbar sein. So wäscht eine Hand die andere. Die großen Fußballnationen haben künftig ein Abo auf die Endrunde. Die EM-Qualifikation verkommt zur Farce. Interessant ist dann nur die Frage, ob es Island oder Zypern ins erlesene 24er-Feld schafft. Und auch diese Fußballformel gilt bald nicht mehr: dass die Vorrunde einer Europameisterschaft schwerer zu überstehen ist als die einer Weltmeisterschaft. Die kommende Bläh-EM hat aber auch Vorteile, zumindest für die UEFA. Künftig kann mehr Geld an die Nationalverbände ausgeschüttet werden. Die zusätzlichen Spiele (Anstieg von 31 auf 51) lassen die Werbe- und Marketingstrategen jubeln. Auch das französische Hotel- und Gastgewerbe freut sich schon über die vielen Fans aus ganz Europa. Es lässt sich doch immer noch ein bisschen mehr aus dem Fußball und seinen willigen Fans herauspressen. „Wir sind das Haus des Fußballs“, verteidigt Platini sein Programm, „der Fußball ist ein gefragtes Produkt, und natürlich verdienen wir damit Geld.“ Die EM dauert künftig 29 Tage, es wird ein Achtelfinale eingebaut. Sie bekommt WM-Format. Und wem haben wir all 12 Vgl. http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sp&dig=2012%2F07%2F03%2Fa0090&cHash=febefe7a48cd1ea25177cb87578d8053; Abruf am 09.10.2013

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Quellenverzeichnis

Die UEFA hat 53 Mitgliedsverbände. 24 davon dürfen bei der EURO 2016 teilnehmen.

Die Tageszeitung: www.taz.de, Abruf am 09.10.2013 Fédération Internationale de Football Association (FIFA): www.fifa.com, Abruf am 08.10.2013 Marseille: www.marseille.fr, Abruf am 08.10.2013 Stade Vélodrome: www.arema-velodrome.com, Abruf am 08.10.2013 Spiegel Online: www.spiegel.de, Abruf am 07. & 09.10.2013 Stadionwelt Inside: www.stadionwelt.de, Abruf am 08.10.2013 The Stadiumguide: www.stadiumguide.com, Abruf am 08.10.2013 Union of European Football Associations (UEFA): www.uefa.com, Abruf am 08.10.2013

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AS Monaco – Besonderheiten eines Spitzenclubs Verfasser: Wolfgang Gschaider Das Thema wurde aus dem Grund von

der „AS Monaco“ konnte kurze Zeit nach

mir gewählt, da ich ein Fan der franzö-

dem Einsteigen des russischen Geldge-

sischen Fußball-Liga bin und auch die Vorgänge rund um den „AS Monaco“ regelmäßig verfolge. Der „AS Monaco“ ist ein Verein mit einer langen

bers den Aufstieg in die höchste französische Spielklasse schaffen und in der Hinrunde mit sehr guten Leistungen überzeugen.4

Geschichte, welcher sportlich gesehen bereits viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Der Wiederaufstieg in die „Ligue 1“, die höchste französische Spielklasse und der aktuelle 2. Rang in der Tabelle (Stand: 12.01.2014) zählen sicherlich zu den Höhepunkten in der langjährigen Vereinsgeschichte.1 Betrachtet man den „AS Monaco“ genauer, so drängen sich folgende Fragen auf: Warum spielt der monegassische Club in der französischen Fußball-Liga und nicht in der monegassischen Fußball-Liga? Was macht den Erfolg des Clubs aus, welcher sich seit der Saison 2012/2013 manifestiert hat? Sind die hohen Ausgaben in der Transferperiode 2013/2014 gerechtfertigt und tragen die in diesem Zeitraum erworbenen Spieler maßgeblich zum Erfolg des Vereins bei?2 In meiner Arbeit versuche ich Einblicke in die Struktur dieses Vereins zu geben. Weiters versuche ich einen Zusammenhang zwischen dem Erfolg und den finanziellen Mitteln, welche dem „AS Monaco“ seit dem Wechsel in der Vereinsführung im Jahr 2011 zur Verfügung stehen, herzustellen. Ein Zitat von Otto Rehhagel, einem sehr bedeutenden und erfolgreichen deutschen Fußballspieler und Trainer , lautet: „Geld schießt keine Tore“, doch

Gründung und Geschichte Am 1. August 1919 wurde der „AS Monaco“, auch ASM genannt, unter der offiziellen Bezeichnung „Association Sportive de Monaco Football Club“ gegründet. Der „AS Monaco“ wurde damals aus insgesamt fünf in Frankreich und im monegassischen Fürstentum ansässigen Fußballvereinen zusammengeschlossen5 und zählt damit zu den ältesten Fußballvereinen im französischen Fußballverband.6 Das erste Pflichtspiel fand in der Saison 1924/1925 in der damaligen Süd-Ost-Liga statt, in der der „AS Monaco“ erste Erfolge verbuchen konnte und in die Gruppe B der SüdOst-Liga aufgestiegen ist.7 Der Verein wird seit der Gründung auch von der Fürstenfamilie unterstützt und konnte dadurch im Laufe seiner Geschichte auch immer wieder Top-Stars der internationalen Fußballwelt verpflichten.8 Das Debüt in der Division 1 fand am 23. August 1953 statt und die darauf folgenden sechs Saisonen konnte sich der „AS Monaco“ stets einen guten Platz im oberen Tabellendrittel sichern.9 In den Jahren 1953-1969, 1971/1972, 1973-1976 spielte der Verein in der Division 1, welche die höchste französische Spielklasse ist und im Jahr 2002 in „Ligue 1“ umbenannt wurde.10

3

1 Offizielle Homepage der Ligue 1, http://www.ligue1.com/, Abruf am 03.01.2014 2 Offizielle Homepage von transfermarkt.at, http://www.transfermarkt.at/de/as- monaco/transfers/verein_162_2013_default_default_alle_a_default.html, Abruf am 03.01.2014 3 Salzburger Nachrichten online, http://www.salzburg.com/nachrichten/diverse/kopf-des- tages/sn/artikel/koenig-otto-wird-75-ich-bin-ein-demokratischer-diktator-70043/, Abruf am 03.01.2014 4 ZEIT online, http://www.zeit.de/2002/19/Geld_schiesst_Tore, Abruf am 03.01.2014 5 Offizielle Seite der FIFA, http://de.fifa.com/classicfootball/clubs/club=30983/, Abruf am 05.01.2014 6 Offizielle Homepage des „AS Monaco“, http://www.asm-fc.com/en/article/the-origins-1919-193062951.html, Abruf am 05.01.2014 7 Offizielle Seite der FIFA, http://de.fifa.com/classicfootball/clubs/club=30983/, Abruf am 05.01.2014 8 Offizielle Seite der FIFA, http://de.fifa.com/classicfootball/clubs/club=30983/, Abruf am 05.01.2014 9 Offizielle Seite der FIFA, http://de.fifa.com/classicfootball/clubs/club=30983/, Abruf am 05.01.2014 10 Offizielle Homepage des „AS Monaco“, http://www.asm-fc.com/en/history/trophy-room-303.html, Abruf am 05.01.2014

85


AS Monaco wurde 1919 aus fünf monegassischen Fußballvereinen Von 1977 bis ins Jahr 2011 war der „AS

gebildet

Monaco“ ununterbrochen in der höchsten französischen Spielklasse anzutreffen.11 Nach 35 Jahren, die der „AS Monaco“ durchge-

kein

professioneller

Liga-Spielbetrieb

stattfinden kann.14 Da der monegassische Fußballverband kein Mitglied der FIFA oder der UEFA ist, ist die Fußballnationalmannschaft

hend in der Ligue 1 spielte, musste der Verein in der Sai-

Monacos auch nicht an der Teilnahme von Europa- oder

son 2010/2011 in die Ligue 2 relegieren, die zweithöchs-

Weltmeisterschaften zugelassen. Negative Auswirkungen

te französische Spielklasse. Die erste Saison in der Ligue

auf die monegassischen Vereine in den französischen Li-

2 verlief alles andere als positiv für den Verein und die

gen hat das jedoch keine.15

Mannschaft blieb hinter allen Erwartungen und das hatte mehrere Trainerwechsel zur Folge. Nach nur 5 Tagen im Amt wurde Trainer Laurent Banide entlassen und im September durch den ehemaligen italienischen Fußballspieler Marco Simone ersetzt. Dieser konnte den „AS Monaco“, trotz eines Fehlstarts in die Saison, noch in das Mittelfeld der zweiten französischen Liga führen. Bereits Mitte Mai 2012 wurde Simone dann aber unvorhergesehen entlassen und Rybolowlew rekrutierte Claudio Ranieri als neuen Cheftrainer.12 Nach 2 Saisonen in der Ligue 2, schaffte der „AS Monaco“ am 10. August 2013 seine Rückkehr in die Ligue 1.13

Das Stade Louis II Die Heimstätte des „AS Monaco“ ist das „Stade Louis II“, ein reines Sitzplatzstadion, welches 18.520 Sitzplätze bietet.16 Das in den 80er Jahren erbaute und am 25. Januar 1985 eröffnete Vereinsstadion befindet sich mitten im Herzen des kleinen Fürstentums, im Bezirk Fontvieille. Die Sportanlagen des „Stade Louis II“ erstrecken sich auf einer Fläche von zirka 30.000 m² und beherbergen neben dem eigentlichen Fußballstadion auch eine Mehrzwecksporthalle und eine Schwimmhalle. Das Spielfeld des „Stade Louis II“ befindet sich auf dem Dach eines vierstöckigen Parkhauses mit 1.700 Stellplätzen und somit in einer Höhe von

Gründe für die Zugehörigkeit zum franzö-

8,35 Meter über der Zufahrtstraße.17 Ebenfalls auf dem

sischen Fußballverband

Gelände des Vereins befindet sich das Ausbildungszent-

Da es keine monegassische Fußball-Liga gibt, findet man die monegassischen Fußballvereine in den französischen Fußball-Ligen wieder, darunter auch den „AS Monaco“ in der Ligue 1. Gründe für diese Zugehörigkeit zur französischen Fußball-Liga sind, dass der Fußballverband von Monaco kein Mitglied der FIFA ist und aufgrund der geringen Größe des Stadtstaates, sowie der daraus resultierenden niedrigen Anzahl an Fußballvereinen innerhalb Monacos,

86

rum des „AS Monaco“. Das Ausbildungszentrum dient zur Ausbildung und Förderung von Nachwuchsfußballern. Es ist für die jungen Fußballer aus dem Verein sowie auch dem Fußballnachwuchs anderer Vereine eine wichtige Einrichtung um ihre sportlichen Leistungen im bestmöglichen Umfeld verbessern zu können. Zum Ausbildungszentrum gehören ein Internat mit Einzelzimmern, ein Restaurant sowie diverse Nebengebäude. Die Vereinsführung legt

11 RP Online, http://www.rp-online.de/sport/fussball/international/andere-ligen/as-monaco-ist-der-liga-eindorn-im-auge-1.3402361, Abruf am 05.01.2014 12 Offizielle Homepage des „AS Monaco“, http://www.asm-fc.com/en/article/2010s-new-pages-to-be-written62957.html, Abruf am 05.01.2014 13 Offizielle Homepage des „AS Monaco“, http://www.asm-fc.com/en/article/2010s-new-pages-to-be-written62957.html, Abruf am 05.01.2014 14 Offizielle Seite der FIFA, http://de.fifa.com/classicfootball/clubs/club=30983/, Abruf am 05.01.2014 15 Offizielle Seite der FIFA, http://de.fifa.com/ballondor/index.html, Abruf am 06.01.2014 16 Offizielle Homepage des „AS Monaco“, http://www.asm-fc.com/en/history/asm-story-2-302.html, Abruf am 06.01.2014 17 Stadion Guide, http://www.stadiumguide.com/louis2/, Abruf am 06.01.2014


sehr

viel

Wert

darauf,

auch

dem

Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew ist Präsident des AS Monacos

Nachwuchs des „AS Monaco“ und anderen jungen Spielern die bestmöglichen Trainingsbedingungen zur Verfügung zu stellen.18 Die vereinseigene Spielstätte, die sich inmitten der imposanten Hochhauskulisse Monacos befindet, dient seit dem Jahr 1998 als Austragungsort für die Begegnung im europäischen Super- Cup.19

Die aktuelle Situation im Verein

Der Präsident des „AS Monaco“ heißt seit 2011 Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew – er belegt Platz 119 auf der Forbes Liste der reichsten Männer der Welt. Der russische Investor hält 66,67 % am „AS Monaco“ und sein Einstieg war eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Der sportbegeisterte Oligarch Rybolowlew befand sich im Scheidungskrieg und ergriff die Chance, mit

Die Erfolge

der Investition in den „AS Monaco“ einen kleinen Teil sei-

Im Laufe der Geschichte in der französischen Liga, ist dem

nes Kapitals zu schützen. Der Verein, welcher in der Saison

„AS Monaco“ bereits 7 mal gelungen den französischen

2011 nicht mit guten Leistungen überzeugen konnte, pro-

Meistertitel zu gewinnen und der nächste Erfolg soll, nicht

fitiert sehr von der finanziellen Unterstützung. Das restli-

zuletzt aufgrund der hohen Investitionen, in der Saison

che Drittel der Vereinsanteile verbleibt beim Gesamtverein,

2013/2014 erreicht werden.20 Meister wurde die Mann-

mit dem Hintergrund, die Interessen des Fürstentums zu

schaft der „AS Monaco“ in den Jahren 1961, 1963, 1978,

repräsentieren.23 Der sehr vermögende russische Oligarch

1982, 1988, 1997 und 2000. Ebenfalls beachtlich sind die

hat sich das Ziel gesetzt, den Verein welcher seit 2011 in

34 Jahre die der Verein von 1977 bis zum Abstieg 2011

der 2. französischen Liga spielt, wieder zu altem Glanz und

in der höchsten Spielklasse vertreten war. Den nationalen

in die Ligue 1 zu verhelfen. Der Einstieg von Rybolowlew

Pokalwettbewerb konnte man 5-mal für sich entscheiden,

ist aber nicht nur mit Jubel verbunden, es ranken sich auch

in den Jahren 1960, 1963, 1980, 1985 und 1991. Im einzi-

vielerlei Vermutungen bezüglich seiner Absichten hinter

gen Champions-League-Finale 2004 unterlag der „AS Mo-

den Millionen Deals während der Transferzeit 2013. Die

naco“ dem FC Porto mit 0:3.21

französische Presse schrieb sogar über Steuerbetrug der beim „AS Monaco“ betrieben werde.24

Bekannteste Spieler in der Geschichte des „AS Monaco“ Zu den bekanntesten Spielern des „AS Monaco“ zählen unter anderem Roger Milla, Thierry Henry, David Trézéguet, Lilian Thuram, George Weah, Jürgen Klinsmann und Fernando Morientes.22

Aufgrund der steuerlichen Vorteile, welche sich aus einem Firmensitz im Fürstentum Monaco ergeben, ergeben sich finanzielle Möglichkeiten die dem „AS Monaco“ zugutekommen. Obwohl der Verein im Spielbetrieb der französischen Liga teilnimmt, kann die Vereinsführung von dem im Fürstentum geltenden Steuerrecht profitieren.25

18 Offizielle Homepage des „AS Monaco“, http://www.asm-fc.com/en/club/youth-academy-313.html, Abruf am 06.01.2014 19 Offizielle Homepage des „AS Monaco“, http://www.asm-fc.com/en/academy/home-3-280.html, Abruf am 06.01.2014 20 Sport Magazin (Nr. 07/08 – August/September), S. 27 21 Sport Magazin (Nr. 07/08 – August/September), S. 28 22 Weltfussball.de, http://www.weltfussball.de/teams/as-monaco/20/, Abruf am 06.01.2014 23 Offizielle Homepage des „AS Monaco“, http://www.asm-fc.com/en/article/2010s-new-pages-to-be-written62957.html, Abruf am 06.01.2014 24 Sport Magazin (Nr. 07/08 – August/September), S. 25 25 Handelsblatt online, http://www.handelsblatt.com/fussball-international-as-monaco-soll-doch-keinereichensteuer-zahlen/9217918.html, Abruf am 08.01.2014

87


AS Monaco gewann bereits sieben Mal den französischen Mit den vom Investor stammenden fi-

Meistertitel

nanziellen Mitteln die dem „AS Monaco“ nun zur Verfügung stehen, plant man die Ziele für die Saison 2013/2014 zu verwirklichen. Ei-

schafft eine finanzielle Unausgewogenheit, welche sich in weiterer Folge auch zu einem sportlichen Ungleichgewicht ent-

wickeln kann.29 Als Beispiel kann man die Gehäl-

nes der großen Ziele lautet die französische Meisterschaft

ter der beiden Top-Spieler Falcao (AS Monaco) und Zlatan

zu gewinnen und den amtierenden Meister Paris Saint Ger-

Ibrahimovic (Paris Saint Germain) heranziehen. Während

main zu entthronen. Die Grundlage um dieses Ziel zu er-

beide Spieler netto gleichermaßen 14 Millionen Euro pro

reichen, sollte durch die scheinbar maßlose Transferpolitik

Jahr verdienen, so muss Paris Saint Germain hierfür brut-

nach dem im Jahr 2013 fixierten Aufstieg gegeben werden.

to 93 Millionen Euro aufbringen und 79 Millionen Euro an

Die steuerlichen Vorteile, welche die Profisportler des „AS

Steuern abführen. Der „AS Monaco“ muss nur 50.000 Euro

Monaco“ genießen waren die Grundlage dafür, dass man

an Steuern abführen.30 Vincent Labrune, der Präsident von

einige große Namen verpflichten konnte, wie etwa Rada-

Olympique Marseille, beschrieb die Situation als „Ankunft

mel Falcao oder João Moutinho.

eines ausländischen Klubs‘‘, gegen den die Liga ‚‘finanziell

26

Mit Blick auf die nahe

Zukunft und die weiteren Ziele des Vereins, sind ebenfalls

nicht ankämpfen‘‘ könne.31

Veränderungen im Spielerkader geplant. Dadurch soll eine Mannschaft zusammengestellt werden, die in der Ligue 1 spielt und auch den Titel gewinnen kann. Mit einer spielerisch starken Mannschaft können auch internationale Erfolge als Ziele gesetzt werden.27 Die Vorgänge rund um die hohen Transfersummen, sowie die angeblichen Gagen der neuen Spieler des „AS Monaco“, sorgen in der französischen Liga für rumoren. Der finanzielle Vorteil der Unterstützer des „AS Monaco“, auch aufgrund des Steuerrechts, führt zu Diskussionen innerhalb der Vereine der Ligue 1.28 Andere Die Vereine mit Firmensitze in Frankreich, sind an das französische Steuerrecht gebunden und müssen die unter der Regierung Hollande eingeführte Reichensteuer abführen. Diese steuerliche Mehrbelastung schränkt die Vereine in ihrer Bewegungsfreiheit ein und

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Die Transfers 2013/2014 Der „AS Monaco“ investierte in der Transferzeit 2013/2014 die stolze Summe von € 159.950.000, nach Abzug der Einnahmen aus Spielerverkäufen. Den größten Teil des Gesamtbetrages aus den rund 18 Zugängen zum Verein machten 3 Spieler aus - João Moutinho, James Rodríguez (beide vom FC Porto) und Radamel Falcao (Atlético Madrid).32 Während man € 60.000.000 Ablöse an Atlético Madrid zahlte, um Falcao unter Vertrag nehmen zu können, bekam man die Dienste von Moutinho und Rodríguez vergleichbar günstiger, da hier für beide Spieler € 70.000.000 an den FC Porto überwiesen wurden. Insgesamt kann man also sagen, dass der „AS Monaco“ zirka € 130.000.000 für die Dienste dieser 3 Weltklassespieler zahlte, obwohl die

26 TT online, http://www.tt.com/%C3%9Cberblick/Sport%C3%BCberblick/6650002-6/das-f%C3%BCrstliche- gehalt-lockt-auch-st%C3%BCrmerstar-falcao-nach-monaco.csp, Abruf am 08.01.2014 27 N24.de, http://www.n24.de/n24/Mediathek/videos/d/4098552/as-monaco---ziel-ist-die-meiserschaft--.html, Abruf am 08.01.2014 28 Die Zeit online, http://www.zeit.de/sport/2013-06/monaco-steuern-falcao-rybolowlew, Abruf am 08.01.2014 29 NZZ online, http://www.nzz.ch/aktuell/sport/fussball/existenzaengste-in-monaco-1.18220238, Abruf am 08.01.2014 30 Die Zeit online, http://www.zeit.de/sport/2013-06/monaco-steuern-falcao-rybolowlew, Abruf am 08.01.2014 31 Die Zeit online, http://www.zeit.de/sport/2013-06/monaco-steuern-falcao-rybolowlew, Abruf am 08.01.2014 32 Transfermarkt.de, http://www.transfermarkt.de/de/asmonaco/transfers/verein_162_2013_default_default_alle_a_default.html, Abruf am 08.01.2014


AS Monaco liegt derzeit auf Platz 2 der Tabelle der französischen Ligue 1 Höhe der Summe von Seiten des Ver-

Stand am 25. Spieltag 2013/14

eins nicht offiziell bestätigt wurde.33 Ein interessantes Detail der aktuellen Sai-

Eine Kompromisslösung ausgehend vom Verbandspräsidenten Noel Le Graet lau-

tete, dass der „AS

son 2013/2014 ist, dass diese Top-Spieler in der laufenden Saison in keinem internationalen Turnier zu se-

Monaco“ innerhalb von 4 bis 7 Jahren eine Kompensations-

hen sind, da der „AS Monaco“ weder für Champions-, noch

zahlung an die Liga, in der Höhe von 200 Millionen Euro

Euro-League qualifiziert ist. Dies kann sich natürlich auch

zahlen soll, was von der Vereinsführung jedoch empört als

als großer Vorteil herauskristallisieren, da es für die Spieler

Freikauf abgelehnt wurde.36 Eine Lösung für diese speziel-

keine Doppelbelastungen gibt und man sich auf die Meis-

le Problematik war im November 2013 noch nicht in Sicht,

terschaft in der Ligue 1 konzentrieren kann. Derzeit belegt

und der Ligaverband drohte bereits mit dem Ausschluss,

der „AS Monaco“ hinter Paris Saint Germain den zweiten

falls der Geschäftssitz nicht bis 2014 verlegt wird.37

Platz in der französischen Tabelle.34

Im Dezember 2013 kam es letztendlich doch noch zu einer Einigung innerhalb der Nationalratsversammlung in Paris. Obwohl man am 12. Dezember 2013 noch beschlossen

Unstimmigkeiten innerhalb der französischen Liga Als der „AS Monaco“ im Jahr 2013 den Aufstieg in die Ligue 1 fixieren konnte, strebte der Vereinsvorstand, allem voran der russische Investor, bereits höhere Ziele an. Die anfängliche Euphorie wurde jedoch bald durch ein Politikum getrübt. Der französischen Fußballverband forderte, den Geschäftssitz des „AS Monaco“ auf französisches Staatsgebiet zu verlegen, um so das steuerrechtliche Ungleichgewicht und den daraus resultierenden Wettbewerbsvorteil aufzuheben. Aus diesem Grund und auch aufgrund der Forderung des französischen Staatspräsidenten Francois Hollande, Einkommen von über 1 Million Euro jährlich mit 75% zu besteuern, wehrt sich die Vereinsführung des „AS Monaco“ jedoch den Geschäftssitz zu verlegen.35

hatte, auch die Einnahmen des „AS Monaco“, welche über 1 Million Euro liegen, mit 75% zu besteuern, lenkte man bereits am Tag darauf wieder ein. Der französische Finanzminister Bernard Cazeneuve begründete seine Entscheidung letztendlich damit, dass die neue Gesetzgebung im Bezug auf das Fürstentum Monaco gesetzwidrig sei und so nicht beschlossen werden konnte.38 Die anderen in der französischen Liga ansässigen Vereine jedoch betrifft die steuerrechtliche Änderung und das wird sicherlich weiterhin für Diskussionsstoff sorgen.39 Durch den neuen Steuerplan unter der Regierung Hollande, müssen die Vereine in Frankreich mit einer Mehrbelastung von ca. 44 Millionen Euro rechnen. Alleine 20 dieser 44 Millionen Euro fallen für Paris Saint Germain an. Der Investorenklub aus der Hauptstadt kam aber durchaus glimpflich davon, denn es wären bis zu 30 Millionen Euro an Steuern denkbar gewesen.

34 Offizielle Seite der UEFA, http://de.uefa.com/memberassociations/association=fra/index.html, Abruf am 10.01.2014 35 RP Online, http://www.rp-online.de/sport/fussball/international/andere-ligen/as-monaco-ist-der-liga-ein- dorn-im-auge-1.3402361, Abruf am 10.01.2014 36 RP Online, http://www.rp-online.de/sport/fussball/international/andere-ligen/as-monaco-ist-der-liga-ein- dorn-im-auge-1.3402361, Abruf am 10.01.2014 37 Sport Magazin (Nr. 07/08 – August/September), S. 28 38 Handelsblatt online, http://www.handelsblatt.com/fussball-international-as-monaco-soll-doch-keine- reichensteuer-zahlen/9217918.html, Abruf am 12.01.2014 39 Handelsblatt online, http://www.handelsblatt.com/fussball-international-as-monaco-soll-doch-keinereichensteuer-zahlen/9217918.html, Abruf am 12.01.2014

89


aufgrund von steuerlichen Vorteilen liegt der Sitz des Vereins im Die veranschlagte Summe kommt je-

Fürstentum Monaco

doch zustande, da die Regierung die Zahlung bei fünf Prozent des Unternehmensumsatzes deckelte.40 Die Vereine hatten als

wenn die Chancen aufgrund der Zukäufe des

Vereins und dem damit verbundenen Konkurrenzkampf sehr tief sinken. Laut dem Wirt-

Zeichen gegen die steuerliche Mehrbelastung, einen Streik

schaftsvorstand des FK Austria Wien, Markus Kraetschmer,

für Anfang Dezember 2013 angekündigt, welcher jedoch

könnte Barazite auch ein drittes Mal zur Austria kommen,

vorerst aus blieb.

sofern sein Knie wieder regeneriert ist.44

41

Wirtschaftlich gesehen war der Verkauf von Barazite und

Der FK Austria Wien profitiert vom Aufstieg der „AS Monaco“ Auch der Niederländer Nacer Barazite, welcher bis 25. Jän-

der in dieser Saison fixierte Aufstieg der „AS Monaco“ durchaus relevant für den FK Austria Wien, da man eine Bonuszahlung aus dem Deal erhalten hat.45

ner 2012 noch für den FK Austria Wien im Einsatz war, stand bis 30. Juni 2013 in den Diensten der Monegassen. Glücklich ist Barazite jedoch mit dem Engagement nicht gewesen, da er sich zum einen verletzungsbedingt und zum anderen aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Trainerstab nicht richtig durchsetzen konnte.42 In der Saison 2012/2013 wechselte der Niederländer mit marokkanischen Wurzeln auf Leihbasis wieder zurück zum FK Austria Wien, wo er sich aber verletzungsbedingt ebenfalls nicht mehr durchsetzen und an alte Erfolge anknüpfen konnte. Ein Aspekt warum sich Barazite in Monaco nicht wirklich einleben und wohlfühlen konnte, war neben dem sportlichen auf und ab auch sein Glaube. In Wien ist es für den gläubigen Moslem deutlich einfacher gewesen seinen Glauben zu praktizieren, in Monaco fiel ihm das sichtlich schwerer und das trug natürlich zur Gesamtsituation bei.43 Bis Ende November wird Barazite noch brauchen, um sich von der Kniegelenks-Operation zu erholen der er sich kürzlich unterzogen hatte, dann kann der Kampf um einen Platz in der Startelf des „AS Monaco“ beginnen – auch

90

Die hohen Investitionen in den Verein haben bisher noch nicht zu einer Steigerung der Besucherzahlen im Stade Louis II führen können und der „AS Monaco“ bestritt die letzten Heimspiele vor 8.000 bis 9.000 Zusehern. Um diesem Problem der leeren Ränge entgegen zu wirken, hat Präsident Rybolowlew jedoch Marketingkampagnen in den örtlichen Medien gestratet, welche die einheimischen Fußballfans zum Kauf von Saison-Abos animieren sollen.46 Ein Verein kann heutzutage ohne Geld nicht mehr reibungslos funktionieren – das steht fest. Das Geld alleine macht aus einem mittelmäßigen Verein jedoch auch keinen Champions-League-Sieger. Es ist das gewisse Gleichgewicht zwischen guter Führungs- und nachhaltiger Nachwuchsarbeit, welches einen Verein über kurz oder lang zu Titeln verhilft. Die Grundstrukturen die beim „AS Monaco“ gegeben sind, bieten eine gute Basis um auch auf längere Sicht in den oberen Rängen vertreten zu sein. Die vom Verein geholten Spieler, darunter auch das Trio Falcao,

40 Handelsblatt online, http://www.handelsblatt.com/fussball-international-as-monaco-soll-doch-keinereichensteuer-zahlen/9217918.html, Abruf am 12.01.2014 41 Der Standard online, http://derstandard.at/1385171053870/AS-Monaco-kommt-um-Reichensteuer-herum, Abruf am 12.01.2014 42 Sport Magazin (Nr. 07/08 – August/September), S. 28 43 Sport Magazin (Nr. 07/08 – August/September), S. 29 44 Sport Magazin (Nr. 07/08 – August/September), S. 29 45 Sport Magazin (Nr. 07/08 – August/September), S. 29 46 Süddeutsche online, http://www.sueddeutsche.de/sport/transferpolitik-des-as-monaco-neuer-dualismus- auf-pump-1.1724161, Abruf am 12.01.2014


Moutinho und Rodriguez, haben bisher mit ihren Leistungen überzeugen können. Die Einkäufe waren in diesem Sinne also erfolgreich und konnten zum positiven Abschneiden des „AS Monaco“ in der Hinrunde beisteuern.47 Ob der Meistertitel in der ersten Saison fixiert werden kann bezweifle ich, dass der Meister in der Ligue 1 über kurz oder lang jedoch wieder „AS Monaco“ heißen wird, steht fest.

48

Die sehr guten Leistungen in der Hinrunde

kann man sicherlich auf eine Mischung aus Aufstiegseuphorie und sehr gute Einzelleistungen der Top-Athleten zurückführen. In der österreichischen Bundesliga passiert im Moment ähnliches, denn hier belegt der Aufsteiger SV Grödig, welcher mit minimalsten finanziellen Mitteln auskommen muss, den zweiten Platz hinter der Millionentruppe des FC Red Bull Salzburg.49

Quellenverzeichnis Online-Quellen: Offizielle Homepage der Tipp 3 Bundesliga: http://www. bundesliga.at/index.php?id=658&season=20132014&league=BL1&team=5075; Abruf am 12.01.2014 Tiroler Tageszeitung online: http://www.tt.com/%C3%9Cberblick/ Sport%C3%BCberblick/6650002-6/das-f%C3%BCrstlichegehalt-lockt-auch-st%C3%BCrmerstar-falcao-nach-monaco.csp; Abruf am 08.01.2014 Joeres, A.: „Neuer Dualismus auf Pump“ in „Süddeutsche Zeitung“ online, unter: http://www.sueddeutsche.de/sport/transferpolitik-des-as-monaco-neuer-dualismus-auf-pump-1.1724161; Abruf am 12.01.2014 Der Standard online: http://derstandard.at/1385171053870/AS-Monaco-kommt-um-Reichensteuer-herum; Abruf am 12.01.2014 Handelsblatt online: http://www.handelsblatt.com/fussball-international-as-monaco-soll-doch-keine-reichensteuer- zahlen/9217918.html; Abruf am 12.01.2013 RP Online: http://www.rp-online.de/sport/fussball/international/andere-ligen/as-monaco-ist-der-liga-ein-dorn-im- auge-1.3402361; Abruf am 05.01.2014 Offizielle Seite der UEFA: http://de.uefa.com/memberassociations/association=fra/index.html; Abruf am 10.01.2014 Offizielle Vereins-Homepage des „AS Monaco“: http://www.asm-fc. com/en/article/2010s-new-pages-to-be-written-62957.html; Abruf am 05.01.2014 Offizielle Homepage von Transfermarkt.de: http://www.transfermarkt. de/de/as- monaco/transfers/verein_162_2013_default_default_alle_a_ default.html; Abruf am 11.01.2014 Ackermann, R.: „Existenzängste in Monaco“ in „NZZ (Neue Zürcher Zeitung)“ online, unter: http://www.nzz.ch/aktuell/sport/fussball/existenzaengste-in-monaco-1.18220238; Abruf am 08.01.2014 N24.de: http://www.n24.de/n24/Mediathek/videos/d/4098552/as-monaco---ziel-ist-die-meiserschaft--.html; Abruf am 08.01.2014 Weltfussball.de: http://www.weltfussball.de/teams/as-monaco/20/; Abruf am 06.01.2014 The stadium guide: http://www.stadiumguide.com/louis2/; Abruf am 06.01.2014 Offizielle Seite der FIFA: http://de.fifa.com/classicfootball/clubs/ club=30983/ Abruf am 05.01.2014

47 Sport Magazin (Nr. 10 - November), S. 50 48 TT online, http://www.tt.com/%C3%9Cberblick/Sport%C3%BCberblick/6650002-6/das-f%C3%BCrstliche- gehalt-lockt-auch-st%C3%BCrmerstar-falcao-nach-monaco.csp, Abruf am 12.01.2014 49 Offizielle Seite der Tipp 3 Bundesliga, http://www.bundesliga.at/index.php?id=658&season=20132014&league=BL1&team=5075, Abruf am 12.01.2014

91


Offizielle Homepage von transfermarkt.at: http://

www.transfermarkt.at/de/as-

monaco/transfers/verein_162_2013_default_default_alle_a_default.html; Abruf am 03.01.2014 Salzburger Nachrichten online: http://www.salzburg.com/ nachrichten/diverse/kopf-des-tages/sn/artikel/koenig-otto-wird75-ich-bin- ein-demokratischer-diktator-70043/; Abruf am 03.01.2014 Maunz, S.: „Ein Fußballklub, ein reicher Russe, ein Steuerparadies“ in „Die Zeit“ online, unter: http://www.zeit.de/sport/2013-06/monaco-steuern-falcao-rybolowlew; Abruf am 03.01.2014 Siemes, C.: „Geld schießt Tore“ in „Die Zeit“ online, unter: http://www. zeit.de/2002/19/Geld_schiesst_Tore; Abruf am 03.01.2014 Offizielle Homepage der Ligue 1: http://www.ligue1.com/; Abruf am 03.01.2014 Zeitschriften: Jaros, A.: Russisches Roulett. In: Sport Magazin, 2013, Nr. 07/08, S. 26ff Hofer, T.: Steuerfrei im Fürstentum. In: Sport Magazin, 2013, Nr. 10, S.

92


Formel 1 Grand Prix von Monaco Verfasserin: Isabella Schiendorfer Wenn man von Motorsport spricht, heißt

1 Grand Prix von Monaco und die sich

das nicht zwingend, dass man sich über

daneben bzw. davor entwickelten zu-

Autorennen oder die Formel 1 unterhält.

sätzlichen Autorennen, die Rallye von Mon-

Der Motorsport allgemein umfasst eine Vielzahl an Sportarten mit motorisierten Fortbewegungsmitteln

te Carlo und der Grand Prix Historique erklärt werden.

wie z. B. Motorrad, Automobilen, Booten oder Flugzeugen. Diese Auswahl kann man dann wieder gliedern in Motorradstraßenrennen, Motorrad-Motocrossrennen, Motorrad-Enduro-Sport, Automobil-Rallyes, Autocross, Mo-

Fürstentum Monaco Historische Entwicklung |

torbootrennen, Flugzeugrennen, etc. Diese kleine Auswahl

Entstehung des Fürstentums

soll nur verdeutlichen, dass dem Oberbegriff Motorsport

Der Name Monaco kommt laut geschichtlichen Erzählun-

sehr viele Sportarten zugeschrieben werden. Die Art und

gen und mediterranen Legenden von der Bezeichnung

Weise der Ausübung, das bedeutet, ob hobbymäßig oder

Portus Monoeci, dem ehemaligen Hafen des Herkules. Das

als Profisport, ist in diesem Fall nebensächlich – in nahezu

Fürstentum Monaco gliedert sich in drei Distrikte auf:

jeder Kategorie des Motorsports gibt es Amateurrennen

• Die alte Gemeinde Monaco / vom Adelspalast der Grimal-

und professionelle Wettrennen. Meist werden mit der Formel 1 bzw. mit dem Autorennsport generell folgende Begriffe assoziiert bzw. auch damit geworben: Schnelligkeit, Adrenalin, schöne Frauen,

dis geprägt;

• La Condamine / das Hafenviertel; • Monte Carlo / der Felsen des Kasinos, der Hotels und der nicht enden wollenden Feste;

Kurven....

Im 12. Jahrhundert erteilt der deutsche Kaiser Friedrich

Doch was steckt wirklich hinter der Marke des Auto-

I., Genua die Oberhoheit über die ganze ligurische Küste

rennsports?

von Porto Venere bis Monaco. Diese Jahre waren geprägt

Eine wichtige und bekannte Organisation bzw. der Dach-

von Kämpfen zwischen den Welfen (Anhänger des Kaisers)

verband für den Motorsport welt-weit ist die Fédération

und den Waiblingern (Verteidiger des Papstes). Zu dieser

Internationale de l´Automobile – kurz FIA. Gegründet im

Zeit tauchte der Name Grimaldi, eine alte ligurische Fa-

Jahre 1904 in Paris ist es eine der Kernaufgaben dieser

milie, zum ersten Mal in der Geschichte Genuas auf. Die

Non Profit Organisation den Automobilsport für Amateu-

Grimaldis waren nicht nur Kaufleute und Vertreter der

re und Professionisten zu fördern. Die FIA hat über 230

mediterranen Rasse, sondern auch Politiker und Welfen.

nationale Motor- und Sport- Organisationen in über 135

Franziskus Grimaldi gelang 1295 nach der Machteinnahme

Staaten auf fünf Kontinenten als Mitglieder und ist für die

der Waiblinger die Eroberung der Felsen von Monaco. Dar-

Vertretung der Rechte von Automobilclubs und Autonut-

aufhin festigten die Grimaldis nach und nach ihre Stellung

zern auf der ganzen Welt zuständig. Zudem verwaltet die

auf dem Felsen.

FIA die Regeln und Vorschriften für alle internationalen

Im Jahre 1860 wurde Monaco unter die Protektion Frank-

vierrädrigen Motorsportarten.1

reichs gestellt – ein für die Zukunft wichtiger Einschnitt der

In dieser Arbeit wird zuerst das Fürstentum Monaco, ins-

entscheidend war. In den Jahrhunderten zwischen 1295

besondere die Fürstenfamilie, dargestellt bevor der Formel

und 1860 wurde Monaco von französischer Oberhoheit

1 Vgl. www.fia.com, 19.10.2013

93


in Unabhängigkeit unter die Vormund-

die das Rennen im Fürstentum umgibt.

schaft Spaniens und später unter das

Nicht nur aufgrund der Gratulationen des

Protektoriat von Sardinien gestellt. Nach

Fürsten von Monaco wurde dieses Rennen

1860 entwickelten sich die Beziehungen zu

zu einem Mythos. Das Rennen, 2013 bereits zum

Frankreich auf freundschaftlicher Basis und Monaco nahm

71. Mal durchgeführt, ist durch seinen Verlauf und spekta-

eine Schlüsselstellung in der Kultur und des Lebens im Mit-

kuläre Zwischenfälle legendär geworden. Die Straßen sind

telmeerraum ein.

gewunden, die Kurven sind eng, die Anstiege sehr steil

2

und die Gefälle stark. Ein Grand Prix scheint in Monte Carlo Der Palast der Familie Grimaldi Der Palast ist aus dem 16. und 17. Jahrhundert, hat jedoch mittelalterliche Türme die 1215 von den Genuesen erbaut wurden. Im Jahre 1295 nahm Franziskus Grimaldi die Festung in Besitz, seine Nachfolger erweiterten sie dann und es wurde ein adliges Herrenhaus daraus. Auf Veranlassung des jetzigen Herrschers wurde ein neuer Palastflügel geschaffen in dem die zahlreichen Privatgemächer sowie ein interessantes Napoleonisches Museum untergebracht sind. Viele Erinnerungsstücke der Grimaldi-Dynastie werden dort aufbewahrt.3

Geschichte | Entstehung des Formel 1

Monaco.5 Der Grand Prix von Monaco wurde im Jahr 1929 vom Automobilie Clube de Monaco, kurz ACM, gegründet. Dieser wurde im Jahr 1925 aus dem SVAM dem monegassischen Fahrrad- und Automobil-Sport-Verein gegründet. Der SVAM wurde im Jahr 1907 in den ACM umbenannt da die Bedeutung von Kraftfahrzeugen immer stärker zunahm. Der damalige Präsident des Clubs war Alexander Noghès. Das erste Rennen fand im April 1929 statt. Das Fürstentum brauchte sein eigenes Rennen, um den vollen internationalen Status erlangen konnte. Es gab zwar bereits seit 1911 eine Rallye in Monte Carlo, diese wurde aber nur auf nationaler Ebene durchgeführt und sie verlief größtenteils

Grand Prix von Monaco

außerhalb von Monaco.6

„Jede Stelle in Monte Carlo hat etwas, man muss nur die

Der Sohn des damaligen Gründers des ACM , Antony No-

richtige finden. Das gilt gleicher-maßen für Fans, Fahrer

ghès, initiierte das Rennen und übernahm eine Vielzahl

und Fotografen. Unvergleichlich ist das Erlebnis Monte

der organisatorischen Aufgaben. Er wurde in der dama-

Carlo immer, für manchen auch unvergesslich. Keinem

ligen Zeit als verrückt bezeichnet, da man sich nicht er-

kann es schwerfallen, sich verzaubern zu lassen.“

klären konnte, wie ein Autorennen bzw. ein Grand Prix im

Der Formel 1 Grand Prix von Monaco im Stadtteil Monte

Fürstentum Monaco funktionieren konnte nachdem man

Carlo ist jedes Jahr ein ganz besonderes Highlight bei den

teilweise schon Schwierigkeiten hatte mit dem Auto durch

Monegassen. Der Monaco Grand Prix ist ein Mythos für

Monaco bzw. Monte Carlo zu kommen. Diese Frage stellt

jeden Formel 1 Begeisterten. Jeder Fahrer oder Experte

sich auch heute noch für erstmalige Grand Prix Besucher.

bekommt glänzende Augen, wenn er von der Aura spricht,

94

unmöglich – genau darin begründet sich der Mythos von

2 3 4 5 6 7

Vgl. Editoral Escudo de Oro. S.A., 1994, S.2 ff Vgl. Editoral Escudo de Oro. S.A., 1994, S.10 ff Kräling, 2008, S. 212 Vgl. www.spox.com, 19.10.2013 Vgl. www.grand-prix-monaco.com, 17.10.2013 Vgl. www.grand-prix-monaco.com, 17.10.2013


Der Formel 1 Grand Prix von Monaco fand das erste Mal Antony Noghès war nicht der Erste,

1929 statt.

deckel und Fahrbahnmarkierungen. Auf

der einen Grand Prix nach internationa-

dem Stadtkurs sind Überholmanöver im

lem Reglement austragen wollte. Sein Va-

Rennen aufgrund der geringen Strecken-

ter, Alexander Noghès wollte bereits im Jahre

breite nahezu unmöglich. Die Teams nehmen

1925 ein Autorennen in Monaco austragen, was jedoch

erfahrungsgemäß verstärkte Autoersatzteile nach Mon-

von der damaligen Kommission in Paris abgelehnt wur-

te Carlo mit, da es bei diesem Rennen öfter als gewohnt

de. Am 13. Oktober 1928 wurde Monaco nach immer wie-

zu Kollisionen mit Leitplanken kommt. Vor der Saison im

der kehrenden Interventionen von Antony Noghès als 34.

Jahr 2003 wurde im Meer Land aufgeschüttet, um mehr

Land für einen Grand Prix zugelassen. Am 14. April 1929

Platz für die Boxengasse zu haben. Trotzdem haben die

wurde der erste Grand Prix von Monaco von Prinz Pierre

Mechaniker bei diesem Rennen weniger Platz als auf jeder

von Monaco eröffnet. Damals starteten sechzehn Fahrer

anderen Strecke. Dieses Rennen ist für alle Fahrer eine

für sieben Länder in Fahrzeugen von sechs verschiedenen

große Herausforderung und verlangt hohes fahrerisches

Herstellern. Es wurden 100 Runden gefahren, was in der

Können.10

damaligen Zeit drei Stunden, 56 Minuten und elf Sekunden dauerte. Der damalige Sieger war William Grover der unter dem Pseudonym Williams an den Start ging. Er gewann in einem 2,3 Liter Kompressor Bugatti Typ 35 B und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 km/h.8 Es gab während des 2. Weltkrieges eine Unterbrechung des Grand Prixs von Monaco, von 1938 bis 1947 fand er aus wirtschaftlichen Gründen und einem Mangel an Teilnehmern nicht statt. Zudem war die Zeit nicht angemessen, um sportliche Veranstaltungen dieser Art auszutragen. In den Jahren von 1948 bis 1955 wurden drei Autorennen ausgetragen, seit 1955 ist der Grand Prix von Monaco eine fixe Größe in der Formel 1.9

Rennstrecke Die Rennstrecke hat eine Länge von 3.340 Meter, überdauert 78 Runden und führt über 11 Rechtskurven und 8 Linkskurven pro Runde ins Ziel.

Berühmte Rennfahrer | Sieger des Grand Prix Monaco „Rennfahrer, das ist kein Beruf, den sich die Menschen aussuchen. Dieser Beruf wählt sich seine Menschen aus. Es sind besondere Typen, die es bis in die Königsklasse schaffen, jeder auf seine Art. Und jeder anders. Ein Kaleidoskop der Charaktere. Der eine verwegen, der andere verlegen, der eine nur mutig, der andere übermütig. Alle verbindet sie aber etwas: die Leidenschaft für die Formel 1.“11 Unter diesem Aspekt werden erfolgreiche Rennfahrer und Sieger von Monaco – etwas näher dargestellt. Jochen Rindt, Jackie Stewart, Niki Lauda, Ayrton Senna und Michael Schumacher gehören zu den Ausnahmesportlern, die den Formel 1 Grand Prix von Mo-naco mindestens ein Mal gewannen.

Das Rennen findet in der monegassischen Metropole Monte Carlo in einem Stadtkurs statt. Über 3,34 Kilometer führt die Strecke über enge Kurven, Unebenheiten, Kanal8 Vgl. www.classicdriver.com, 16.10.2013 9 Vgl. www.grand-prix-monaco.com, 16.10.2013 10 Vgl. www.formel1.de, 13.10.2013 11 Kräling, 2008, S. 110

95


Niki Lauda gewann den Grand Prix 1975 und 1976 Jochen Rindt

Niki Lauda kam 1971 zur Formel 1

Jochen Rindt ist der einzige Rennfahrer

nachdem er alle Nachwuchsrennserien

in der Geschichte des Formel 1 der posthum 1970 zum Weltmeister gekürt wurde. Der in

durchfahren hatte. Den Weg an die Spitze schaffte er 1973 in Monte Carlo, als er den Fer-

Graz aufgewachsene Rennfahrer bleibt laut Ferdi Kräling,

rari von Jacky Ickx mit einem BRM auf Distanz hält. Nach

einem renommierten Fotografen und Autor, den Personen

dieser Leistung will Enzo Ferrari den jungen Rennpiloten

ganz besonders in Erinnerung. Denn er „sah aus wie ein

im Cockpit von Ferrari haben. Der Unfall von Niki Lauda,

Held, er fuhr wie ein Held, und er starb wie ein Held.“12

bei dem er fast verbrannte, ereignete sich im Jahr 1976,

Jochen Rindt war für Formel 1 Fans eine Art Freiheits-

dessen Ursache konnte nie aufgeklärt werden. Bereits 42

kämpfer, der sich im Motorsport ganz nach oben kämpfte.

Tage nach dem Ereignis sitzt Niki Lauda wieder im Ferrari

Begonnen haben soll es mit einem Tretroller in der Kind-

und bestreitet ein Rennen.

heit. Nach seinem Durchbruch in der Formel 2 bekam er

Bei diesem Rennen in Monza wird er Vierter und verpasst

im Jahr 1964 die Möglichkeit zu einem Gaststart in der

den Weltmeistertitel nur um einen Punkt. Im Jahr 1985

Formel 1 beim Großen Preis von Österreich. Nach eini-

tauscht Niki Lauda das Cockpit eines Rennwagens mit dem

gen Wechseln der Rennställe, von Cooper über Brabham,

eines Flugzeuges und beendet endgültig seine Fahrerkarri-

kommt er im Jahr 1969 zum Titelverteidiger Lotus. Im Jahr

ere bei der Formel 1.15

1970 setzt der Siegeszug von Jochen Rindt ein. Auch in diesem Jahr gewinnt er den Formel 1 Grand Prix von Monaco. Bei dem Rennen in Monza hat Rindt alle Chancen auf den Weltmeistertitel. Die Siegerehrung erlebt er aber nicht mehr. Nach einem schwerwiegenden Unfall schlägt der Lotus von Jochen Rindt die Leitplanken ein und er stirbt noch im Rettungswagen. Den Weltmeistertitel erhält am Saisonende seine Witwe Nina überreicht.13

Ayrton Senna „Die Sache mit dem Limit ist immer eine diffizile Angelegenheit, besonders für Formel 1-Piloten. Wer drunter bleibt, erreicht es nicht. Wer drüber geht, überlebt es vielleicht nicht. Immer wenn ich glaubte, das Limit erreicht zu haben, fand ich heraus, dass es möglich ist, es noch weiter hinauszuschieben.“16 So beschreibt Ayrton Senna seine Philosophie – sein Leben. Für Ayrton Senna war das

96

Niki Lauda

Rennfahren eine Frage des Könnens, des Glaubens und

Niki Lauda gewann den Großen Preis von Monaco insge-

des Glücks. Am 1. Mai 1994 verunglückte der dreifache

samt zwei Mal hintereinander, in den Jahren 1975 und

Weltmeister im Autodromo zu Imola tödlich, als in einer

1976. Kräling imponiert an Lauda „seine Intelligenz, die

Kurve die Lenkung bricht. Er war bekannt für absolute

Cleverness, das Durchsetzungsvermögen und der Hunger

Konzentration, in der Startaufstellung hielt er jedes Mal

nach Erfolg haben ihn nicht nur sportlich zu einer interna-

die Augen lange geschlossen. Seine Karriere begann 1984

tionalen Größe werden lassen. Er ist dabei trotzdem immer

bei dem Toleman-Team, dort kauft er sich aber frei und

auf dem Teppich geblieben.“14

Lotus nimmt ihn unter Vertrag. Den Formel 1 Grand Prix

12 13 14 15 16

Kräling, 2008, S. 116 Vgl. Kräling, 2008, S. 116 Kräling, 2008, S. 132 Vgl. Kräling, 2008, S. 134 Kräling, 2008, S 138


Die Rennstrecke liegt in Monte Carlo und dauert von Monaco gewinnt er insgesamt sechs

78 Runden á 3,34 km.

Mal – 1987, 1989, 1990, 1991, 1992 und

Die Strecke ist der gleiche Rundkurs wie auch bei dem Formel 1 Grand Prix. An

1993. Insgesamt kann er 40 Grand Prix Sie-

dem Rennen nehmen nur Rennautos aus

ge in seiner Karriere verbuchen.17

der früheren Zeit teil. Es gibt 7 verschiedene Rennen – alle unter dem Titel des Grand Prix Historique von Monaco. An jedem einzelnen Rennen sind unterschied-

Michael Schumacher Die Ära des Rennpiloten Schumacher prägt die Formel 1 mehr als alle anderen. Er fuhr insgesamt sieben Weltmeistertitel ein und gewann in seiner Karriere 91 Grand Prixs. Michael Schumacher etablierte in seiner Karriere den Motorsport in Deutschland neu. Er gewann den Formel 1 Grand Prix von Monaco insgesamt fünf Mal – 1994, 1995,

liche Wägen zugelassen. Hier kommt es auf das Baujahr der Rennwagen an.20 Veranstaltet wird dieses Rennen vom Automobile Club von Monaco, kurz ACM, der seit jeher die Verantwortung für den Formel 1 Grand Prix sowie für die Rallye Monte Carlo trägt.21

1997, 1999 und 2001. Bei dem tödlichen Unfall von Ayrton Senna in Imola fuhr er auf Platz eins – niemand wusste bei

Rallye Monte Carlo

der Siegerehrung, dass Senna bereits tot war, dies wurde

Länger als den Grand Prix von Monaco gibt es die Ral-

der Öffentlichkeit und den anderen Piloten verschwiegen.

lye Monte-Carlo. Dieses Autorennen wurde am 28. Jänner

Schumacher konnte während seiner Karriere nichts gegen

1911 das erste Mal durchgeführt und sollte Geld ins Fürs-

sein Image unternehmen – er wurde von den anderen

tentum und nach Frankreich bringen, um das Januarloch

Rennpiloten und der Öffentlichkeit gefürchtet und geach-

der Hotels zu stopfen. Damals wurde dieses Rennen auch

tet, aber nicht geliebt. Den öffentlichen Vorwurf, nicht an

Sternfahrt genannt. Bis auf Unterbrechungen während des

Sennas Grab gestanden zu haben, kontert er nie. Er nimmt

Ersten und Zweiten Weltkrieges wird die Rallye Monte Car-

ein Jahr nach der groß inszenierten Beerdigung Abschied

lo jedes Jahr im Jänner durchgeführt.22

von seinen Rennkollegen, ganz allein. Wie Kräling ihn be-

Die damaligen Startorte waren Paris, Genf, Boulog-

schreibt „ein Solist eben, mit vielen unbekannten Seiten.“

ne-sur-Mer am Ärmelkanal, Brüssel, Wien und Berlin. Das

18

Nenngeld betrug 1911 50 französische Francs. Es gab

Grand Prix Historique „Entsprechend selbstbewusst stellen die Monegassen ihre kommende Veranstaltung vor: Das Fürstentum von Monaco wird zu einem wahren Tempel für die Zeitreise.“19 Neben dem Formel 1 Grand Prix gibt es den Grand Prix Historique von Monaco. Dieser existiert seit 1997 und findet alle zwei Jahre statt. Das Austragungsdatum ist meist

auch Bewer-tungsfaktoren, denn bei solch einer Sternfahrt mit verschieden langen Anfahrtswegen konnte nicht der Erstankommende Sieger ein. Also legte man folgende Regeln fest:

• Die Durchfahrts-Geschwindigkeit zwischen Startort und Ziel musste mindestens 10 km/h betragen.

zwei Wochen vor dem Formel 1 Grand Prix von Monaco. 17 18 19 20 21 22

Vgl. Kräling, 2008, S. 140 f Kräling, 2008, S.149 www.motor-klassik.de, 13.10.2013 Vgl. www.grand-prix-monaco.com, 13.10.2013 Vgl. www.motor-klassik.de, 13.10.2013 Vgl. Brägger, 1988, S. 8

97


Die Ralley-Monte Carlo findet seit 1911 statt und dient dazu das • Es wurde auch die Karosserie mit ein- „Jännerloch“ zu füllen. Quellenverzeichnis bezogen – sie sollte die Anfahrt ohne gewalttätige Einwirkungen seitens der Randsteine, Felsvorsprünge und Ähnlichem überstehen.

• Das Auto musste eine gewisse Eleganz ausströmen. • Der Allgemeinzustand des Wagens im Ziel und die zurückgelegte Distanz wurden als letzte Bewertungspunkte von der Jury bewertet.23

Literatur: Bernhard Brägger, 1988. Die Geschichte der Rallye Monte-Carlo. Schweiz: Edition Scriptum.

Editorial Escudo de Oro, S.A., 1994. Das ganze Fürstentum Monaco. Spanien: Editi-ons Molipor. Ferdi Kräling, 2008. Formel 1. 40 Jahre Faszination und Leidenschaft. Bielefeld: Delius Klasing Verlag. Internet: Classic Driver (Schweiz) AG, Magazin, online im WWW unter URL www. classidriver.com (26.10.2013) Fédération Internationale de l´Automobile, About the FIA, online im WWW unter URL www.fia.com (26.10.2013) Monte Carlo Multimedia, Historic Grand Prix, online im WWW unter URL www.grand-prix-monaco.com (26.10.2013) Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG, Szene, online im WWW unter URL www.motor-klassik.de (26.10.2013) Perform Media Deutschland GmbH, Formel 1, online im WWW unter URL www.spox.com (26.10.2013) sport media group GmbH, Saison, online im WWW unter URL www.formel1.de (26.10.2013)

98

23 Vgl. Brägger, 1988, S. 9f


International Week - Marseille Bei unserem Besuch in Marseille versuchten wir ein möglichst breitgefächertes Programm zu gestalten, das uns einen möglichst umfangreichen Einblick in das kulturelle aber auch sportliche Leben Marseille´s gestattet. Durch eine spezielle Kulturhauptstadtführung „CapCult“ bekamen wir einen Eindruck über viele Geschehnisse bzw. Angebote die nur durch die Ernennung zur Europäischen Kulturhauptstadt entstanden sind. Abgerundet wurde diese Führung mit einem Gespräch mit dem stellvertretenden Intendanten Herrn Ulrich Fuchs, der uns einen Einblick in das Kulturmanagement dahinter ermöglichte. Die Stadt Marseille putzte sich regelrecht heraus um den ankommende Besucherin bzw. Besucher nicht zu enttäuschen, dennoch gibt es auch die andere Seite der Medaille. Mit den sozialen Brennpunkten von Marseille und die vorherrschenden Probleme wurden wir bei der Führung „Cultural Pilots“ in einem sozial schwächeren Viertel etwas außerhalb des Stadtkerns, konfrontiert. Sportlich lernten wir die Kulturhauptstadt bei einer Radtour kennen und außerdem bei dem Rundlauf „Run the City“ bei dem wir verschiedene Aspekte der Stadt auf individuelle Art und Weise kennen lernten. Abschließend lernten wir bei einem Ausflug nach Cannes, die Gegend rund um die Filmfestspiele Cannes kennen und konnten so kulturelle, touristische und internationale Zusammenhänge besser interpretieren.

99


Marseille - Provence 2013

Marseille - Provence ist Kulturhauptstadt Europas 2013

Für das Jahr 2013 wurde Marseille - Pro-

Verfasserin: Sarah Schwaiger

vence accueille le monde“in Deutsch „Marseille-Provence empfängt die Welt“,

die Tradition der Gastfreundschaft, die Be-

vence als Kulturhauptstadt Europas aus-

ziehung zum Gegenüber und das Weltbürger-

gewählt. Marseille und die umliegende Region für Frankreich werden mit diesem beliebten Titel, der seit

tum werden von Januar bis Mai 2013 im Speziellen ver-

1985 jährlich von der Europäischen Union vergeben wird,

mittelt.

die einzige Europäische Kulturhauptstadt auf absehbare

Zeit sein. Insgesamt finden zirka 900 ungewöhnliche und

Mit einem Fest der Begegnung und des Austausches be-

innovative Kunst- und Kulturprojekte in Aix-en-Provence,

ginnt dieses erste Kapitel und somit auch der Start in das

Arles, Aubagne, Gardanne, Istres, La Ciotat, Martigues,

Kulturhauptstadtjahr von Marseille – Provence. „Marseille

Salon-de-Provence und selbstverständlich in Marseille

Provence à ciel ouvert“ auf Deutsch „Marseille-Provence

statt. In den Museen, im Theater, unter freiem Himmel, in

unter freiem Himmel“ ist der Leitsatz des zweiten Höhe-

der Stadt oder auf dem Land sind alle künstlerischen und

punkts des Kulturhauptstadtjahres in Marseille – Provence.

kulturellen Disziplinen vertreten.

Im mittleren Abschnitt, welcher in den Sommermonaten

„Das gemeinsame Mittelmeer“ ist der zentrale Schwer-

Juni bis August 2013 stattfindet, liegt der Schwerpunkt auf

punkt der Kulturhauptstadt 2013. Der Fokus liegt auf den

den Beziehungen zwischen Kunst und Natur. Thematische

beiden Ufern des Mittelmeers und ihrer Beziehung zuei-

Erlebnistouren zwischen urbanen und ländlichen Land-

nander. Das Mittelmeer ist eine Plattform des Transfers,

schaften, Veranstaltungsformate unter dem Sternenhim-

welcher die künstlerischen und kulturellen Bewegungen

mel werden präsentiert und ungewöhnliche Orte zu entde-

beeinflusst hat. Die unmittelbare Nähe zur nordafrikani-

cken wird ermöglicht.

schen Küste und das Zusammenleben beziehungsweise,

„Marseille-Provence hat tausend Gesichter“ beziehungs-

Nebeneinanderleben mit anderen Völkern, Kulturen sowie

weise „Marseille Provence aux milles visages“ lautet die

Religionen ist ein permanenter Diskurs, welcher sich wie

Themenstellung von September bis Dezember 2013. Im

ein roter Faden in allen Veranstaltungen der Kulturhaupt-

letzten Kapitel setzt die Kulturhauptstadt einen besonde-

stadt 2013, in Marseille – Provence, durchzieht. Daher

ren Akzent auf die Kunst des Zusammenlebens im öffentli-

wurden zahlreiche Künstler aus ganz Europa und des Mit-

chen Raum. Neue Zeitgenössische darstellende Kunst und

telmeerraumes eingeladen, um diesen Austausch zwischen

ein speziell auf Kinder und Jugendliche ausgerichtetes Pro-

den Menschen mit unterschiedlichster Abstammung, auch

gramm sind die letzen Höhepunkte des Kulturhauptstadt-

während des Kulturhauptstadtjahres zu ermöglichen und

jahres 2013 in Marseille – Provence.1

zu demonstrieren.

100

Als Geschichte mit drei Kapiteln, welche lauten: „Marseil-

Marseille und seine transkulturelle Räume

le-Provence empfängt die Welt“, „Marseille-Provence unter

Marseille ist eine der ältesten Städte Frankreichs (etwa seit

freiem Himmel“, „Marseille-Provence hat tausend Gesich-

600 v. Chr.). Ein Treffpunkt der Ideen, Völker und Kulturen

ter“ wurde das Kulturhauptstadtjahr 2013 geplant und ge-

ist die Hafenstadt am Mittelmeer schon immer gewesen.

staltet. Der Titel im ersten Kapitel lautet. „Marseille-Pro-

Die natürlichen Vorzüge von Marseille geraten häufig durch

1 Vgl. http://at.rendezvousenfrance.com/info/marseille-provence-ist-kulturhauptstadt-2013


die erstaulich lebendige Vielfalt der Kulturen und die Funktion als große Hafen-

Marseille wird auch als die Stadt der 111 Dörfer bezeichnet

und Handelsstadt in den Hintergrund. Die zahlreichen Museen und Restaurants gestalten Marseille zu einer Stadt der Superlative. Mit 240 Quadratkilometern hat Marseille die doppelte Fläche von Paris.   Marseille charakterisiert sich auch durch seine besondere Funktion als Brückenkopf zu Nordafrika. Menschen aus arabischen und afrikanischen Ländern sind die Haupteinwanderer in Marseille. Mehrheitlich ist das Viertel Belsunce nördlich der Canebière, auch als Marseille Beirut genannt, von Einwandern bewohnt. Die Stadt mit den 111 Dörfern ist auch einer anderer Begriff für Marseille, welcher für die starke Zuwanderung aus aller Herren Ländern steht. In diesen 111 Dörfern vereinigt Marseille die unterschiedlichsten Nationen. Das Zugehörigkeitsgefühl gilt mehr dem jeweiligen Dorf als der Stadt insgesamt. Außerdem gilt, dass Marseille mehr dem Mittelmeer als der Provence zugewandt ist. Grund dafür ist einerseits die hohe Anzahl an Einwanderern aus dem Mittelmeerraum, anderseits ihre Vergangenheit als alte Handel- und Seefahrerstadt. Nur wenige Reste antiker Bauten sind in der ältesten Stadt Frankreichs erhalten geblieben. Außerdem gibt es nirgendwo so viele Theaterbesucher, gemessen an der Einwandererzahl, wie in Marseille. Die Urbanisten wollen bis zum Jahr 2020 den öffentlichen Raum für die Bevölkerung zurückerobern. Ziel ist es, die Technologie,

Transport,

Tourismus,

Handel und Freizeit in einer zeitgemäßen Metropole zusammen zu führen. Euroméditerranée Urban Development Agency heißt das größte Stadtentwicklungsprojekt, welches von Staat, Stadt und Region inszeniert und seit 1995 in Marseille umgesetzt wird.2

anhand CaP.CULT CaP.CULT steht für eine maßgeschneiderte

Großstadtatmosphäre, der Alte Hafen und die

Schlüsselbereiche

Kultureller Transfer

Programmorganisation während des Kulturhauptstadtjahres 2013 in Marseille. Die beiden Wahl-Marseillaises, Carina Kurta und Pia Leydolt sind als unabhängige Kulturhauptstadt-Expertinnen mit ihrer jungen dynamischen Organisationsagentur in Marseille-Provence 2013 ganzjährig tätig. Frau Kurta spezialisierte sich bereits während des Studiums der European Studies für Kunstgeschichte, Museologie und an der École du Louvre in Paris sowie der Universität Heidelberg auf das Konzept Kulturhauptstadt und Architektur. Carina Kurta, 1984 in Fürstenfeld geboren, absolvierte eine Tourismusausbildung in Österreich Als Mitarbeiterin der Kulturhauptstadt Linz 2009 und Istanbul 2010 konnte Carina Kurta bereits einen umfassenden Blick auf die Vielfalt der Kulturhauptstädte Europas werfen und führte sie schließlich nach Marseille. Pia Leydolt, 1979 in Wien geboren und derzeitig in Marseille wohnhaft studierte Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien mit Spezialisierung auf Public Management und absolvierte einen Lehrgang für PR in Kunst, Politik und Wirtschaft. Sie war in unterschiedlichen Kunst- und Kulturintuitionen tätig, unter anderen als Pressesprecherin und Verantwortliche für den gesamten Pressebereich bei der Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas. Außerdem erlang sie das Fach-Zertifikat Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Die zwei ehemaligen Kulturhauptstadt-Mitarbeiterinnen haben es sich zum Ziel gesetzt ein individuelles Programm anhand aktueller Kunst- und Kulturprojekte zu gestalten und anzubieten. Persönliche Betreuung vor Ort sowie Touren, Spaziergänge abseits klassischer touristischer Pfade werden von den Kulturexpertinnen angeboten. Frau Kurta und Frau Leydolt agieren als eine Art Wegweiser für

2 Vgl. http://www.goruma.de/Staedte/M/Marseille/kurzinfo.html, http://www.zeit.de/2013/21/kulturhaupstadt-marseille-sound

101


Kulturinteressierte um sich in der kultu-

Außerdem finden in den Ausstellungs-

rellen Vielfalt von Marseille und Provence

räumen des Pavillon M immer wieder

zu orientieren. Einen roten Faden durch das äußerst umfangreiche Programm der diesjähri-

Konzerte, Ausstellung, sowie Diskussionen statt. Ein vielseitiges Kulturprogramm wird

gen Kulturhauptstadt Marseille-Provence 2013 zu finden

ebenfalls im Place Bargemon angeboten. ICI-MEME ist ein

ist das Ziel der Organisation.3

Projekt, welches den öffentlichen Straßenraum zur „The-

Frau Leydolt vermittelte in der dreistündig organisierten

matisierung“ der Nationalismus-Vergangenheit Marseilles

Rundschau das europäische Projekt der Kulturhauptstadt,

nützt. Anhand von 50 weißen Stencils/ Bodensprayungen

sowie „Marseille-Provence 2013“ im Detail. Ausgangs-

(à la Stolpersteine) wird eine Geschichte erklärt, die sich

punkt war der Vieux Port, beziehungsweise Alter Hafen

während des Zweiten Weltkrieges an diesem Ort der Stadt

auf Deutsch, und führte von Mairie – Pavillon M – Maison

zugetragen hat.5

Diamantée –Panier – Vieille Charité – Place Lenche – Saint

Die CaP.CULT - Stadttour verlief weiter über den Place

Laurent – MuCEM und letztendlich zu Villa Méditerranée.

Bargemon zum Hôtel Dieu und hoch zur Kirche in den

Ombrière, auch Schattendach benannt, ist ein spiegelnder

Panier7 in Richtung Vieille Charité. Das Vieille Charité war

Schattenspender im Zentrum von Marseille des Star-Ar-

das erstes „Sozialzentrum“ der Stadt Marseille aus dem

chitekten Sir Norman Foster und wurde im März 2013

17. Jahrhundert für Obdachlose und Waise, später auch

eröffnet. Das Spiegeldach, als architektonischer Glanz-

als Militärlazarett genutzt. Heute sind u.a. die Stadtmu-

punkt, ist der neue Attraktionspunkt im Alten Hafen. Den

seen der Archäologie und Ethnologie hier untergebracht.

spannenden Effekt der Spiegelung von Wasser und Land

Zudem ist sie in diesem Jahr einer der Spielstätten und

zu finden und als Zufluchtsort für die zahlreichen Besu-

Schauplatz für Ausstellungen in Zusammenarbeit mit der

cher vor der Hitze im Sommer zu nützen, ist die Idee des

Kulturhauptstadt Europas. Von „Saint Lauent“ führt die

legendären Architekten Sir Norman Foster. Ebenso findet

Brücke auf die Festung Fort St. Jean und weiter ins MuCEM

der traditionelle Fischmarkt jeden Morgen bis Mittag am

führt. J4 und die Joliette, die neuen Kulturbauten. MuCEM8

zentralen Zufluchtspunkt der Einheimischen und Touristen

ist das spektakulärste Gebäude, das in diesem Jahr eröff-

dem Vieux Port statt.

net wurde (Architekt Rudy Riciotti).

Die Rundschau führte weiter von Mairie über das Rathaus

Es besteht aus drei Teilen: dem neuen Ausstellungshaus

bis zum Pavillon M, welcher das Informationszentrum der

auf der Esplanade J4, der Festung Fort St. Jean (die noch

Kulturhauptstadt 2013 ist. In diesem temporären Gebäu-

nie zuvor für die Bevölkerung zugänglich war) sowie dem

de, welches insgesamt über fünf Etagen verfügt, finden

neuen Schaudepot im Kulturviertel La Belle de Mai. Mit

laufend interaktive Ausstellungen statt. Im Untergeschoss

den Brücken ist es dem Architekten gelungen, den ältes-

wird anhand einer 30 Sekunden Videoanimation die Ent-

ten Stadtteil von Marseille (Le Panier) mit dem Neuesten

wicklung der ältesten Stadt Frankreichs visualisiert, bezie-

(J4 und La Joliette) zu verbinden. Es ist das erste Nati-

hungsweise erklärt.

onalmuseum, das sich außerhalb von Paris befindet und

4

3 Vgl. http://www.oe-journal.at/index_up.htm?http://www.oe-journal.at/Aktuelles/!2013/0813/W4/52708Acapcult.htm, http://www.news4press. com/CaPCULT-begleitet-Sie-durch-die-Kulturh_731912.html, CaP.Cult - http://www.capcult.org/de/ 4 Vgl. Entstanden nach einem Wettbewerb – produzierender Charakter von ECOC 5 Folgeprojekt aus der österreichischen Kulturhauptstadt von Linz 2009 6 ehemaliges städtisches Krankenhaus, seit April 2013 das dritte 5-Sterne-Hotel in der Stadt 7 ältester Stadtteil mit typischer Mittelmeer-Atmosphäre, kleinen Gassen, vielen Treppen, Läden und Galerien 8 Musée des Civilisations de l‘Europe et de la Méditerranée; Neueröffnung im Juni 2013

102


setzt damit ein politisches Zeichen der Dezentralisierung. Im Rahmen der

Košice (Slowakei) und Marseille sind Europäische Kulturhauptstädte 2013

Museumsöffnungszeiten sind alle Wege auf

den Fort St. Jean, auf das Dach des MuCEM sowie der Rundgang um das Museum auf die Esplanade

den Status einer Gemeinschaftsaktion. Über ein Rotationsprinzip, das sich an

der Reihenfolge der EU-Ratsvorsitze ori-

entiert, erfolgt nun die Ernennung der Kulturhauptstädte.

J4 öffentlich und kostenlos zugänglich. Villa Méditerranée,

Zuschüsse der Gemeinschaft an die Kulturhauptstädte

welches sich neben dem MuCEM befindet ist ein helles Ge-

Europas werden aus dem Kultur-Programm von 2007 bis

bäude und mit seinem 40 m langen überhängenden Dach

2013 finanziert. Für jede Kulturhauptstadt sind 1,5 Mio.

einzigartig in seiner Konstruktion in Europa. Es wurde auf

Euro vorgesehen. Die Förderung darf max. 60 % der Ge-

Initiative der Region Provence Alpes Côtes d´Azur gebaut

samtkosten betragen. Zuschussfähig sind Projektkosten,

und dient als Wissenschafts- und Konferenzzentrum zu

jedoch keine Investitionen.

den Themen Mittelmeerraum, dessen Kulturen sowie des-

Bis 2017 sind die Bewerbungsverfahren bereits abge-

sen Entwicklung und Bedeutung.

schlossen. Die Kommission und der europäische Minister-

9

rat einigten sich bereits auf eine Liste von Ländern bis

Erfolgsmodell Kulturhauptstadt Europa Das Zentrum der Ostslowakei, Košice, und die französische Mittelmeermetropole Marseille sind die Kulturhauptstädte 2013. Die Gemeinsamkeit der beiden Städte ist ihre Brückenfunktion. Marseille verbindet Europa mit dem südlichen Mittelmeerraum und ist seit Jahrhunderten eine wichtige Handelsstadt zwischen Mittel- und Osteuropa. Eine europäische Stadt erhält nicht allein für das was sie ist den Titel als Kulturhauptstadt Europas, sondern hauptsächlich aufgrund ihrer Pläne für ein außergewöhnliches Jahr. Außerdem muss dieses ganzjährliche Programm bestimmte Kriterien erfüllen. Von Stockholm bis Genua, von Athen bis Glasgow und von Krakau bis Porto wurden bereits mehr als 40 Städte zur Kulturhauptstadt Europas ernannt. Das Erfolgsmodell Kulturhauptstadt wurde vor 30 Jahren geboren. 1985 wurde auf Initiative der griechischen Kulturministerin Melina Mercourin, diese bei den europäischen Bürgern und Bürgerinnen äußerst beliebte Aktion ins Leben gerufen. Durch Abstimmung der Kulturminister und Kulturministerinnen wurden die Städte ausgewählt. 2005 wurde dies jedoch geändert und die Veranstaltung genießt 9 Vgl. http://www.capcult.org/de/

2019. Dabei stellt je einer der alten 15 EU-Staaten und einer der dreizehn neuen Mitgliedstaaten eine der beiden Kulturhauptstädte. Das Auswahlverfahren für die Kulturhauptstädte erfolgt in zwei Phasen und dauert zwei Jahre. In den ausgewählten Mitgliedstaaten wird eine Ausschreibung veröffentlicht, die sich an alle Städte dieses Landes richtet, die an der Ausrichtung der Europäischen Kulturhauptstadt interessiert sind. In diesen Mitgliedstaaten tritt eine Auswahljury zusammen, die sich aus sechs nationalen Vertretern und sieben durch die europäischen Organe benannten Experten zusammensetzt. Diese Jury trifft eine erste Vorauswahl von Städten, die daraufhin das zuvor skizzierte Programm ausformulieren. Basierend auf den ausformulierten Programmen schlägt die Auswahljury eine Stadt vor. Die Ehrung wird durch den Ministerrat der Europäischen Union vergeben. Voraussetzung für die Bewerbung um die Kulturhauptstadt Europas ist es, dass der betreffende Staat die demokratischen Grundsätze, den Pluralismus, die Rechtsstaatlichkeit sowie die Menschenrechte anerkennt. Das Jahresprogramm verbindet Kunst und Kultur von lokaler, regionaler und nationaler Relevanz mit der europäischen Dimension.

103


Es präsentiert die vielfältigen Facetten der Stadt einem internationalen Publikum. Die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten europäischer Kulturen hervor zu heben und einen Beitrag zu einem besseren Verständnis der Bürger und Bürgerinnen Europas füreinander zu leisten ist das große Ziel.

10

Quellenverzeichnis Atout France, 15.01.2014 http://at.rendezvousenfrance.com/info/marseille-provence-ist-kulturhauptstadt-2013 Bundesministerium für Untericht, Kunst und Kultur, 15.01.2014 http://www.bmukk.gv.at/europa/eukultur/kulturhauptstaedte/index.xml CaP.Cult, Carina Kurta, Pia Leydolt, 15.01.2014 http://www.capcult.org/de/ Deutsche Welle, 15.01.2014 h tt p : / / w w w. d w. d e / k u l t u r h a u p t s t a d t- e i n - e r fo l g s m o dell/a-15569651

Marseille wurde gemeinsam mit Košice in der Slowakei von der EU zur Europäischen Kulturhauptstadt 2013 gewählt. Am 12. Januar 2013 wurde dies mit riesigen Lichtinstallationen und einem großen Feuerwerk begangen. Insgesamt hatte man dafür in Marseille rund 600 Mio. Euro investiert. 2013 will die die zweitgrößte und älteste Stadt Frankreichs beweisen, dass Kultur auch den Strukturwandel in einer krisengeschüttelten Hafen- und Industriemetropole beschleunigen kann. Marseille ist ein Paradebeispiel für Multikulturaliät, welches das Nebeneinanderleben verschiedener Kulturen im selben sozialen System demonstriert. Trotz unterschiedlichster Herkunft, Religion oder Rasse wird in Marseille deutlich, dass ein Nebeneinanderleben durch

Europäische Kommision, 15.01.2014 http://ec.europa.eu/culture/our-programmes-and-actions/capitals/european-capitals-of- culture_de.htm Europäische Kulturhauptstadt, 15.01.2014 http://www.europa-foerdert-kultur.info/politik01/programm04/teilnahme.php Europäisches Parlament, 15.01.2014 http://www.europarl.at/de/Aktuell-Presse/Meldungen/2013-Meldungen/ pr-2013-January/pr 2013-Jan-2.html Goruma, 15.01.2014 http://www.goruma.de/Staedte/M/Marseille/kurzinfo.html News for Press, Thorsten Lehmann, Nicole Mühlfelder, 15.01.2014 http://www.news4press.com/CaPCULT-begleitet-Sie-durchdie-Kulturh_731912.html   OE Journal, 15.01.2014 http://www.oe-journal.at/index_up.htm?%20%20http://www.oe journal.at/Aktuelles/!2013/0813/W4/52708Acapcult.htm

starke Interessenskonflikte funktioniert. Der Titel Kultur-

Zeit online, Schüle Christian, 15.01.2014

hauptstadt wird Marseille helfen, Brücken zwischen den

http://www.zeit.de/2013/21/kulturhaupstadt-marseille-sound

Mittelmeerstaaten zu bauen und den kulturellen Reichtum einer vielfältigen Stadt dazustellen. Allein durch die zwei neu erbauten Museen, wird das Kulturangebot verbessert und ein umweltfreundlicher Tourismus im gesamten Department gefördert. Die renovierten Orte werden außerdem den Einwohnern und den Besuchern für lange Zeit Freude bereiten.11   10 Vgl. http://www.bmukk.gv.at/europa/eukultur/kulturhauptstaedte/index.xml, http://www.europarl.at/de/Aktuell-Presse/Meldungen/2013-Meldungen/pr-2013-January/pr-2013-Jan-2.html, http://ec.europa.eu/culture/our-programmes-and-actions/capitals/european-capitals-of-culture_ de.htm, http://www.dw.de/kulturhauptstadt-ein-erfolgsmodell/a-15569651, http://www.europa-foerdert-kultur.info/politik01/programm04/teilnahme.php 11 Vgl. http://www.europarl.at/de/Aktuell-Presse/Meldungen/2013-Meldungen/pr-2013-January/pr-2013-Jan-2.html

104


Das Gespräch mit Herrn Ulrich Fuchs Auf die Anfrage von Herrn Prof. (FH) Dr. Verfasserin: Sabine Stalleger Robert Kaspar erhielten wir, der Studien-

Europäische Kulturhauptstadt

gang SKVM bbB 11, am Montag, den 21.

Marseille-Provence 2013

Oktober 2013, die Möglichkeit zu einem Gespräch mit Herrn Ulrich Fuchs, stellvertretender Intendant

2006 fiel der Startschuss für das Projekt „Europäische

der Europäischen Kulturhauptstadt Marseille-Provence

Kulturhauptstadt Mar-seille-Provence 2013“. Das Hauptau-

2013. Er lud uns hierzu in das Verwaltungsgebäude der

genmerk der Bewerbung lag auf der Thematik Mittelmeer-

Organisation im historischen Zentrum von Marseille ein,

raum und dem Slogan „Marseille am Rande Europas“. Mar-

welches den Namen MAISON DIAMANTÉE aufgrund sei-

seille ist ein offenes Tor zu Afrika, was alleine die Tatsache

ner außergewöhnlichen Fassade trägt und noch bis zum

begründet, dass die Entfernung nach Algier kürzer ist als

Dezember 2013 als Bürogebäude verwendet wird.

nach Paris. Bei der EU reichte das Komitee ein umfangrei-

Das Gespräch hatte zum Ziel, uns Studenten das generelle

ches Konzept zur Stadtentwicklung und zur Entwicklung

Konzept „Europäische Kulturhauptstadt“ näher zu bringen,

der kulturellen Identität der gesamten Region ein. 2008

Details über die Person Ulrich Fuchs zu erfahren und Hin-

konnte sich Marseille-Provence gegen die nationalen Mit-

tergrundinformationen zu seinem aktuellen Projekt „MP

bewerber Lyon, Bordeaux und Toulouse behaupten und

2013“ (Marseille-Provence 2013) zu erhalten.

gewann den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2013“ für

Als Quelle für das Nachstehende dienen hauptsächlich das

sich.

Gespräch mit Herrn Fuchs als auch das von ihm ausge-

2013 stellt ein ganz besonderes Jahr dar und die Euroäi-

händigte Factsheet mit Daten und Fakten über die Kultur-

sche Kommission sah sich mit der Herausforderung kon-

hauptstadt Marseille. Weitere ergänzende Quellen werden

frontiert, nicht nur eine Stadt in das Programm mit aufzu-

in den Fußnoten und im Quellenverzeichnis erwähnt.

nehmen sondern das ganze Department mit u.a. folgenden Städte einzuschließen: Arles, Salon-de-Provence, Istres and Martigues, Aix-en-Provence, Aubagne und Marseille.3

Ulrich Fuchs bei

Die offizielle Begründung, Marseille hätte es von allen be-

„Europäische Kulturhauptstadt“

worbenen Städten am nötigsten wurde nicht nur von der

Ulrich Fuchs war fünf Jahre für die Kulturhauptstadt Linz

Öffentlichkeit, sondern auch von der Presse und Kritikern

tätig, war im Bewer-bungsteam von Bremen mit dabei und

heiß diskutiert und ist durchaus kritisch zu betrachten.4

ist seit 2010 bei Marseille-Provence 2013 beschäftigt. Da-

Hingegen vieler negativen Stimmen im Vorfeld, die sich u.a.

rüber hinaus ist er durch seine vielen Projekte weit über

auf die finanzielle Schieflage von Marseille und die hohe

die Grenzen hinaus gut vernetzt und genießt den Titel als

Kriminalität der Stadt berufen, sollten alle Befürworter und

„Europameister“.1 Ab 2014 ist er in die Jury der Europäi-

Investoren mit ihre positiven Standpunkt gegenüber des

schen Kulturhauptstadt berufen worden.

innovativen Konzeptes von MP2013 recht behalten. Noch

2

vor der offiziellen Eröffnung erhielt das Projekt im Herbst 2012 den „Melina-Mercouri-Preis“, welcher mit 1,5 Mio.

1 2 3 4

www.welt.at Fuchs, Ulrich (2013) Mp2013 (2013) Fuchs, Ulrich (2013)

105


Euro dotiert ist, als Anerkennung der

tenfreie Veranstaltungen wurden orga-

hohen Qualität ihrer Vorbereitungen und

nisiert, damit eine möglichst große Be-

der Einhaltung der Verpflichtungen, welche

völkerungsschicht daran teilnehmen kann.

sie in der Auswahlphase eingegangen waren.5

Des Weiteren wurde auf eine Niederschwellig-

Selbst Ulrich Fuchs stand der umfangreichen Herausfor-

keit der Inhalte des Programmes geachtet. Dies stieß bei

derung skeptisch gegenüber, doch die Entwicklung von

der Bevölkerung von Marseille auf große Begeisterung und

Transport, Universitäten, die neu entstandenen Koope-

so konnte eine unerwartet große Teilnehmerzahl verzeich-

rationen in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur

net werden.7

spricht für sich: waren diese vorher quasi nicht existent,

Neue digitale Medien wurden sehr erfolgreich eingesetzt:

sind viele neue Projekte entstanden. Im Gespräch ist Herr

In Kooperation mit dem Hauptsponsor Orange wurde eine

Fuchs besonders auf die folgenden eingegangen:

App kreiert, wodurch für jeden Besucher der Kulturhauptstadt das gesamte Programm der Region jederzeit digital

Projekte von MP 2013 Mit dem im Juni 2013 eröffneten MuCEM ist das erste nationale Museum außer-halb Paris entstanden. Die Kosten von rund € 190 Mio Euro sind jedoch nicht in den ursprünglich 90 Mio. Budget der Kulturhauptstadt Marseille-Provence 2013 inkludiert, da es vorher bereits Pläne gab, ein solches im Vieux Port zu errichten, diese jedoch immer wieder aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln verschoben wurden. Auch weitere neu errichtete Gebäude wie die Villa Méditeraneé, Friche La belle de Mai oder FRAC sowie die Renovierungen des städtischen Museums wurden auf öffentlichen Töpfen der Stadt bezahlt.6 Das gesamte Areal des alten Hafen, der Vieux Port, wurde zu seinem ursprünglichen Zustand zurückgebaut. Dort wo noch vor wenigen Jahren eine sechsspurige Autobahn den Kern der Marseiller Altstadt darstellte und der Blick aufs offene Meer nicht gewährleistet war, entstand durch

zur Verfügung stand und bei der eine große Downloadzahl verbucht werden konnte. Auch das digitale Marketing wurde umgesetzt mittels vielen QR-Codes und einer hoch frequentierten Facebook-Seite.8 Herr Fuchs setzte uns auch über die Pläne für die nächsten Jahre in Kenntnis. Eine Vorausschau für 2014 wurde sehr pessimistisch angepriesen, da standart-mäßig das Jahr nach der Ausrichtung sehr schwierig ist, da viele Produktionen auslaufen, neue Projekte begonnen werden und es oftmals einen großen Personalwechsel in den verschiedensten Einrichtungen gibt und neue Programme entwickelt werden müssen. Darüber hinaus nimmt das Publikum so viel Kulturprogramm innerhalb kürzester Zeit als Übersättigung wahr und es ist eine kurze Regenationsphase nötig, um neue Motivaton zu schaffen. Ab 2015 sind Biennalen mit dem Fokus auf den Mittelmeerraum fest eingeplant.

ein Stadtentwicklungskonzept eine neue Flaniermeile mit einem Spiegeldach und genug Platz zum Spazieren und

Das Konzept

Verweilen. Das Spiegeldach stellt nicht das einzige Kunst-

„Europäische Kulturhauptstadt“

projekt unter freiem Himmel dar. Frei zugängliche Kunst im öffentlichen Raum (u.a. Musik/Theater/Bildende Kunst) stellt eine wichtige Säule des Konzeptes dar. Viele kos-

106

5 6 7 8

Pressemitteilung der Europäischen Kommission (2013) Marseille-Provence 2013 – In Zahlen (2013) Fuchs, Ulrich (2013) Fuchs, Ulrich (2013)

Darüber hinaus gab uns Herr Fuchs noch Einblicke in die allgemeine Organisation der Europäischen Kulturhauptstadt.


Das Gesamtbudget von Marseille-Provence 2013 umfasste Ein grundlegender Ansatz, den es bei der

90 Mio. Euro.

Organisation einer Europäischen Kul-turhauptstadt zu beachten gilt ist folgender: unterschätze nie die Chancen und Risiken des

ausschließen sollen. Diese Änderungen sollen zur Folge haben, dass nicht einzelne Städte mit der gewaltigen Organisation und der Erfüllung der Auflagen betraut sind. Die

Projektes. Es darf nicht als Festival angesehen werden,

Entwicklung und Umsetzung des Jahresprogrammes ob-

das nach Ablauf der Periode zum Abschluss kommt, son-

liegt in Zukunft einem gesamten Land bzw. einer großen

dern die einzelnen Programmpunkte müssen nachhaltig

Region. Dies soll die Konzeption, die Finanzierung und Ge-

geplant werden. Des Weiteren müssen die Bedürfnisse der

währleistung von Nachhaltigkeit erleichtern.12

Bevölkerung sowie der möglichen Touristen mittels einer SWOT-Analyse ermittelt werden und in die Programmation mit einfließen.9 Wird dies bei der Umsetzung außer Acht gelassen wie z.B. in Istanbul und teilweise in Linz, droht das Projekt mit einem weniger Erfolgreichen Abschluss. Beim Call für die Künstler, ihre Projekte für die Europäische Kulturhauptstadt einzureichen, ist es unbedingt von Nöten, diese präzise zu formulieren und auf deren Nachhaltigkeit zu achten. Es werden meist Projekte von Kulturschaffenden ausgewählt, die über das übliche Maß ihrer Arbeit hinausgehen. Zeitgenössische und innovative Arbeiten werden hierbei besonders bevorzugt.10 Um den ganzjährigen Erfolg der jeweiligen Stadt zu garantieren ist auf ein heterogenes Programm zu achten, welches sowohl Amateure und Profis als auch Projekte aus bildender und darstellender Kunst sowie der Forschung beinhaltet. Zu erwähnen sei hier auch, dass die Qualität des Programmes nicht mit der Höhe des Budgets gleichzusetzen ist.11 Ab 2020 gibt es Änderungen im Reglement, welche eine neue Ära einleiten wird. Während bis 2019 noch jeweils zwei konkrete Städte als „Europäische Kulturhauptstadt“ nominiert werden, welche auch schon feststehen, wird der Titel ab 2020 an Mitgliedsstaaten der EU vergeben. Darüber hinaus gibt es detailliertere Hilfestellungen von der Kommission, die einen Misserfolg wie z.B. Istanbul 9 Fuchs, Ulrich (2013) 10 Fuchs, Ulrich (2013) 11 Fuchs, Ulrich (2013) 12 European Capitals of Cultur beyond 2019 (2013)

107


Ulrich Fuchs war bereits Leiter der Kulturhauptstädte Linz & Bremen, sitzt ab 2014 in der Jury zur Auswahl der Kulturhauptstädten und ist ab Quellenverzeichnis

SS14 externer Lektor an der

European Capitals of Cultur beyond 2019 (2013), online verfügbar http://ec.europa.eu/culture/our-programmes-and-actions/capitals/capitals-beyond-2019_de.htm (10.01.2014)

FH Kufstein.

Fuchs, Ulrich (2013) Vize-Intendant, Kulturhauptstadt Marseille Provence 2013, Gesprächsrunde in Marseille am 21.10.2013, 19.30 – 21.00 Uhr Marseille-Provence 2013 – In Zahlen (2013), ausgehändigt von Herrn Ulrich Fuchs am 21.10.2013 Mp2013 (2013), online verfügbar, http://www.mp2013.fr/presentation-3/?lang=en (09.11.2013) Pressemitteilung der Europäischen Kommission (2013), online verfügbar, http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-1_de.htm (10.01.2014) Welt.at (2013), online verfügbar, http://www.welt.de/kultur/ kunst-und-architektur/article112432100/Kampf-um-Marseille.html (09.11.2013)

108


Die Sportszene – Run the City Verfasserin: Anna-Maria Millinger

Die Wurzeln des Sports

lungsstrukturen als Sport identifiziert.2

Die Wurzeln des Sports beziehungsweiRöthig und Größing gehen davon aus, dass

se der Leibesübungen liegen an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Gesundheitliche,

Sport gegenüber der Alltagswelt eine gewisse Ei-

hygienische und medizinische Aspekte sind erst später in

genständigkeit besitzt. Sie bezeichnen die Unabhängigkeit

den Mittelpunkt gerückt. In der Zwischenkriegszeit und

von Alltagshandlungen als scheinbar. Auch sie beziehen

während des zweiten Weltkriegs, bildete die Sportge-

sich auf die von Heinemann angesprochenen Konstrukti-

schichte eine wichtige Basis für ideologisch begründete

onsmuster. Doch man kann davon ausgehen, dass sportli-

Körper- und Leistungskonzepte, wie sie sich dann in den

ches Handeln stets zielgerichtet oder zweckbestimmt ist.3

Schulsportpraxen bis hin zum „nationalen“ Spitzensport

Durch die historische Reflexion von Sport versteht man

zeigten.1

wann, wo und unter welchen Umständen sich moderne

Die Definition des Sportbegriffes ist heiß diskutiert. Die

Formen der Bewegungskultur entwickelt haben. Das Han-

Auffassungen von Sport sind von Personengruppe zu Per-

deln im Sport wird durch die sporthistorische Forschung

sonengruppe, aber auch von Land zu Land verschieden.

untersucht.4

Viele empfinden bereits das „Gassi-Gehen“ mit dem Hund als Sport, andere trainieren wiederum täglich für einen

Die Identität

Marathonlauf und sprechen dann erst von Sport.

Jeder Mensch ist von Natur aus aufgrund seiner Differen-

Doch auch die Zeit spielt eine große Rolle, denn viele Be-

zen gegenüber allen anderen Menschen ein Individuum.

wegungsangebote von kommerziellen Sportanbietern hät-

Einzig Maschinen und das Klonen bringen Kopien, die

te man früher nicht dem Sport zugeordnet. Auch von Land

identisch sind hervor.

zu Land gibt es Unterschiede – in Schweden wird zum Bei-

Von außen unterscheidet man sich durch staatliche Kon-

spiel das Pilzesammeln als Sport angesehen und in Italien

trolle und Überwachung, Registrierung von Geburts- und

die Vogeljagd.

Todesdaten in Kirchenbüchern sowie der Erfassung der

Zusammenfassend kann man aber sagen, dass Sport ein

Bürger durch den Staat (Ausweisdokumente zur Siche-

soziales Konstrukt ist. Es wird nicht nur ein sich immer

rung der Unverwechselbarkeit). Von innen unterscheidet

wiederholender Bewegungsablauf, wie zum Beispiel Lau-

man sich durch Techniken der Selbsterforschung, Selbst-

fen oder Springen, als Sport angesehen, denn wir finden

erkenntnis und Selbstinszinierung.5

auch in der Arbeit stetig gleiche Bewegungsabläufe. Doch wenn die Tätigkeit als zweckfrei aber leistungsorientiert, erholsam, gesund und freudvoll angesehen wird und auch andere Merkmale, wie durch Schweiß, Anstrengung, zutreffen, entsteht ein Bedeutungsfeld, in dem die Beschäftigung als Sport angesehen werden kann. Über solche Konstruktionsmuster werden zum Teil heterogene Hand1 2 3 4 5

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

Individuelle Identität Eine Gruppe verfügt nach Mauss über einen überschaubaren Bestand von Namen, die konstant bleiben, während die einzelnen Namensträger über die Generationen wechseln. Zum Beispiel: Mitglieder archaischer Gesellschaften sind als Personen nicht nur Namens- sondern auch Rol-

MARSCHIK, Matthias, MÜLLNER, Rudolf, PENZ, Otto, SPITALER, Georg, 2009, S. 256f HEINEMANN, Klaus, 1998, S.33f RÖTHIG, Peter, GRÖßING, Stefan, 2007, S. 8 MARSCHIK, Matthias, MÜLLNER, Rudolf, PENZ, Otto, SPITALER, Georg, 2009, S. 255 ASSMANN, Aleida, 2011, S. 207

109


len- und Statusträger. Die Mitglieder

des Menschen liegt darin, den persön-

dieser Gesellschaft gewinnen einen Ort,

lichen Nutzen zu vermehren und Gewinn

um den für sie bereitgehaltenen und vorgegebenen Platz einzunehmen. Durch entspre-

zu maximieren. Niemand tut also etwas umsonst, doch es geht nicht nur um den ma-

chende Riten, allen voran die Initationsriten, bedeutet die

teriellen Gewinn. Auch die soziale Anerkennung hat eine

Personwerdung Inklusion, Aufnahme und Einbindung in

immense Bedeutung als selektiver Anreiz. Konflikthaftes

die Gruppe.

Verhalten wird von Treibel als Konkurrenz deklariert. In

„Person“ leitet sich von dem lateinischen Verb „persona-

Wettbewerbssituationen verrichten Menschen Tätigkeiten,

re“ ab, welches sich wiederum auf die Maske, durch die

die belohnt werden. Die Belohnung steht allerdings nicht

die Stimme des Schauspielers ertönt bezieht. Daraus lässt

allen zur Verfügung, sondern wird einer Seite entzogen,

sich schließen, dass Menschen durch die Übernahme von

weshalb Feindseligkeit und Aggressionen entstehen kön-

verschiedenen Verhaltungsmustern und durch die Verkör-

nen. Doch es ist auch kooperatives Verhalten vorgesehen,

perung von Rollen ihre individuelle Identität finden. In

dieses aber nur entsteht, wenn ein größerer Nutzen er-

diesem Zusammenhang bedeutet die Personwerdung, die

kennbar ist.8

Verkörperung vorgegebener Rollen und die Eingliederung in ein soziales Beziehungsgefüge.6 Soziologen betrachten zwar den Einzelnen, bemühen sich aber nicht zu individualisieren, denn sie interessieren sich bewusst für die Einflüsse, denen der Mensch ausgesetzt ist. Viele Denk- und Handlungsformen sind nicht nur vom Inneren geprägt, sondern auch von anderen Menschen, mit denen man in Beziehung steht und durch die gesamte gesellschaftliche Umwelt, die einen umgibt. Der Mensch verhält sich umweltbezogen. Diese Tatsache fällt jedoch auf den ersten Blick oft gar nicht auf, da die Gruppen, die ihn beeinflussen räumlich abwesend sind. Nach Dechmann und Ryffel ist der Mensch ein Schmelztiegel von verschiedenen Umwelteinflüsse.7 Treibel sieht das soziale Handeln von Individuen als Tauschvorgang. Bei Interaktionen werden materielle sowie immaterielle Güter, zum Beispiel Anerkennung oder Prestige ausgetauscht. So wird unbewusst für ausgleichende Gerechtigkeit gesorgt. Doch das Hauptinteresse

110

6 7 8 9

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

ASSMANN, Aleida, 2011, S. 208 DECHMANN, Birgit, RYFFEL, Christian, 2001, S. 27f TREIBEL, Annette, 2000, S. 97 DECHMANN, Birgit, RYFFEL Christiane, 2001, S. 43

Definition von Gruppen und Gesellschaft Im soziologischen Sinn hat eine Gruppe mindestens zwei oder mehr Mitglieder, die in einer regelmäßigen Beziehung stehen. Die Beziehung ist von längerer Dauer und strukturiert, sie ist also nicht zufällig und regellos.9 Abels setzt für das Zusammenleben in Gruppen Interaktionen zwischen den Gruppenmitgliedern voraus, somit besteht für ihn eine Gesellschaft aus Individuen, die miteinander agieren. Unter Interaktion versteht er einen Prozess, der menschliches Verhalten formt. Es lässt sich also feststellen, dass Menschen, die miteinander agieren, darauf achten müssen was der jeweils andere tut oder tun will. Dadurch entsteht eine wechselseitige Rollenübernahme und die gegenseitige Anzeige und Interpretation des Verhaltens. Die Handelnden definieren sich und ihr gemeinsames Handeln und interpretieren es auf der symbolischen Ebene. Für die symbolische Interaktion gibt es keine genau definierte Welt an sich, sondern nur Welten, wie sie Menschen für sich und füreinander konstruieren.


In Marseille gibt es aktuell 1.500 Sportklubs Die Welten werden wiederum aus Ob-

Sportliches Handeln ist ohne gesell-

jekten zusammengesetzt, die dann das

schaftlichen Hintergrund nicht denkbar.

Produkt symbolischer Interaktion sind. Die

In jedem Sozialsystem können bestimmte

Bedeutung von den Objekten kann aber höchst

Normen festgestellt werden, die im weitesten

unterschiedlich sein, zum Beispiel steht für den einen Was-

Sinne auch in der Gesellschaft enthalten sind. Diese wer-

ser als Zeichen des Lebens für jemand anders allerdings

den auch von den Ausführenden bewusst oder unbewusst

als Rohstoff. Die Bedeutung der Objekte entsteht im We-

anerkannt.12 Laut Rittner und Breuer stellen gerade Netz-

sentlichen aus der Art und Weise, in der diese gegenüber

werke zivilen Engagements wie Nachbarschaftshilfen, Ge-

von anderen Menschen definiert werden.

sangs- oder Sportvereine eine wesentliche Form des sozi-

Der Kern der Gesellschaft ist das Individuum, die nächs-

alen Kapitals dar. Sie stehen für repräsentative horizontale

te Schicht bildet die Kleingruppe gefolgt von der Orga-

Interaktionsbeziehungen, in denen der Informations- und

nisation und daraus entsteht die Gesellschaft. Durch das

Kommunikationsaustausch erleichtert wird und die Nor-

Zusammenspiel der verschiedenen Schichten gewinnt das

men der Gegenseitigkeit gefördert werden. Infolgedessen

System eine ganz besondere Beschaffenheit und Eigen-

wachsen das Sozialkapital sowie das Vertrauensniveau ei-

dynamik, die sich prägend auf die einzelnen Schichten

ner Gesellschaft.13

auswirkt. Doch die Gesellschaft ist sehr komplex, durch

Sport übernimmt Aufgaben im Bereich der Sozialisation

die hohe Anzahl der Beteiligten und deren Beziehung zu-

und ermöglicht essentielle Formen der Körper- und Selbst-

einander.11

erfahrung. Sport ist auch ein bedeutender Wirtschaftsfak-

10

tor mit positiven Wachstumsraten, das ist unter anderem

Die Sportgesellschaft Da Sport in unserer Gesellschaft institutionalisiert und akzeptiert ist, kann er als gesellschaftliche Institution bezeichnet werden. Sportler zu sein oder einer gesellschaftlich anerkannten Gruppe der Sportler anzugehören bedeutet jedoch nicht eine Mitgliedschaft in einem Verein, Verband oder einer Organisation zu besitzen. Es stellt sich immer wieder die Frage, was Menschen am Sport so fasziniert. Als Antwort könnte man die gesundheitsfördernde Wirkung, sowie den Ausgleich zur Arbeit und auch den Punkt, dass Sport völkerverbindend ist, angeben. Durch Sport kann zum Beispiel das gesamte Problemfeld der „Bewegungsmangelkrankheiten“ gelöst wer-

auf den Sportartikel und den Tourismus zurückzuführen. Die körperliche Aktivität soll chronische Erkrankungen reduzieren sowie allgemein für niedrigere Kosten im Gesundheitssystem beitragen. Sport ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft, er findet sich in den Medien, in unserer Kleidung und auch in unserer Sprache wieder. Generell kann man sagen, Sport ist aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Man kann eindeutig Wechselwirkungen zwischen den verschiedensten Gesellschaftsbereichen und Sport feststellen. Durch die körperliche Ertüchtigung solle die ökonomische Fitness sichergestellt werden, Selbstdisziplin im Sport beweist, dass man das im Job auch kann.14

den.

10 11 12 13 14

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

ABELS, Heinz, 2001, S. 46f DECHMANN, Birgit, RYFFEL Christiane, 2001, S. 184ff RÖTHIG, Peter, GRÖßING, Stefan, 2007, S. 9 RITTNER, Volker, BREUER, Christoph, 2004, S. 33f http://www.falter.at/heureka/2013/06/sport-und-gesellschaft/ [10.01.2014]

111


Die Sportgesellschaft am Beispiel von Deutschland. In Deutschland wurde die generelle Frage „Warum sich der Staat um den Sport kümmert be-

Die Sportgesellschaft am Beispiel von Marseille. Marseille ist heute eine moderne Hafenstadt mit 830.000 Einwohnern und somit, nach Paris, die

ziehungsweise warum dieser eine so intensive und zum

zweitgrößte Stadt in Frankreich. Doch der Ruf von Krimi-

Teil auch kostspielige Sportpolitik betreibt“ gestellt.

nalität und Rassismus eilen der Stadt voraus. In den 80er

Sport hat in unserer Zeit eine zentrale Bedeutung, weil

Jahren entstanden diese Vorurteile, aber in den letzten 20

man in ihm zahlreiche Möglichkeiten zur inhaltlichen Ent-

Jahren hat sich einiges getan. Die Kriminalitätsrate ist ge-

faltung der Persönlichkeit sieht und das Sporttreiben vor

sunken und soziale Spannungen zwischen den verschie-

allem auch unter dem Aspekt der Gesundheitsvorsorge

denen Bevölkerungsgruppen wurden bekämpft. Der Lauf

eine wichtige Rolle spielt. Man könnte also sagen, Sport

der Geschichte verschlug Menschen aus den verschiedens-

dient dem Gemeinwohl und liegt somit im öffentlichen In-

ten Ländern in die Hafenstadt: Kriegsflüchtlinge aus ganz

teresse.

Europa, Zuwanderer aus Nordafrika, südeuropäische Ar-

Doch der Staat sieht sich nicht als Lenker oder Leiter des

beitsimmigranten.

Sports, die Beziehung funktioniert vielmehr von unten,

Einer der bekanntesten Einwohner Marseilles ist der Fuß-

also ausgehend von den Verbänden und Vereinen, nach

ballspieler Zinédine Zidane. Er ist der Sohn algerischer Ein-

oben, bis hin zum Staat. Es wird nur dann vom Staat mit

wanderer, wird aber von allen verehrt wie ein Held und hat

materiellen oder ideellen Fördermaßnahmen eingegriffen,

dadurch auch zur wesentlichen Imageverbesserung der

wenn die eigenen Kräfte der Vereine oder Verbände nicht

Stadt beigetragen.17

ausreichen würden.

Marseille ist 2013 Kulturhauptstadt Europas, deshalb liegt

Die Parteien für den Sport haben gesonderte Fachaus-

das momentane Augenmerk mehr auf den kulturellen An-

schüsse oder Arbeitskreise, in denen werden von Fachleu-

geboten als auf den sportlichen Angeboten. Doch die Stadt

ten Sportprogramme ausgearbeitet beziehungsweise von

hat einiges zu bieten.

Zeit zu Zeit immer wieder überarbeitet oder an etwaigen

Es gibt insgesamt 1.500 Sportklubs, 150.000 Lizenzneh-

Trends angepasst.15

mer und 150.000 lizenzfreie Sportlinnen und Sportler, nach

Der organisierte Sport stellt in Deutschland die wichtigste

der offiziellen Website der Stadt Marseille. Unter ande-

Quelle des sozialen Kapitals, gemessen an der Zugehö-

rem finden verschiedene Veranstaltungen, wie zum Bei-

rigkeit zu sozialen Organisationen, dar. Sportvereine und

spiel der „Coupe du Monde de football“, der Marathon von

–Verbände sind die erfolgreichste Freiwilligenorganisation

Marseille, das „Open 13 de tennis“ und die „World séries

der Nachkriegszeit mit rund 27 Millionen Mitgliedschaften

13“ in Marseille statt. Den Sportlerinnen und Sportlern ste-

in 89.000 Vereinen. Es ist natürlich zu berücksichtigen,

hen zahlreiche Sporthallen, Schwimmbäder, Tennisplätze

dass unter den 27 Millionen Mitgliedern zahlreiche Mehr-

und Sportarenen zur Verfügung. Diese Veranstaltungsorte

fachmitgliedschaften sind, trotzdem sind Sportvereine in

werden auch für diverse Sportveranstaltungen in den ver-

puncto Zugehörigkeit die elementaren Träger sozialen Ka-

schiedenen Größenordnungen genützt.18

pitals.16

112

15 16 17 18

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

RÖTHIG, Peter, GRÖßING, Stefan, 2007, S. 25ff RITTNER, Volker, BREUER, Christoph, 2004, S. 33f http://www.planet-wissen.de/laender_leute/frankreich/provence/marseille.jsp [26.12.2013] http://www.marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-sport-a-marseille [26.12.2013]


Zinédine Zidane ist einer der bekanntesten Sport als Integrationsmittel

Fußball-Migranten

Zinédine Zidane ist aber nur einer von

Frankreichs.

zahlreichen, sportlichen Größen in Frankreich. Diese mit Weltmeister- oder Olympia-Ti-

Sport hat in den letzten Jahren vermehrt an Bedeutung als Integrationsmechanismus gewonnen. Er verfügt über

klare Symbole und macht die Eigenleistungen

teln ausgezeichneten Sportlinnen und Sportler sind der

des Menschen sichtbar, vergleichbar und nachvollziehbar.

Stolz des Landes, des französischen Sports und der Sport-

Menschen bekommen Anerkennung für deren Leistungen,

fans.19

Anerkennung wiederum bedeutet Integration, deshalb ist

Zinédine Zidane war, als er mit knapp 17 Jahren sein erstes

es wichtig Menschen mit Migrationshintergrund am Sport

Fußballspiel als Profi-Spieler absolvierte, in einem komplett

teilhaben zu lassen.22

anderen Migrationsraum angekommen. Er war zu einem Fußball-Migranten geworden. Zahlreiche Studien beschäftigen sich mit dem unübersehbaren Phänomen transnationaler Migration, die den professionellen Spitzensport seit Beginn den 90er-Jahren weltweit in Atem hält. Die Zahlen der Migration von Profi-Fußballspielerinnen sowie Fußballspielern und auch anderen Berufssportlerinnen und Berufssportlern ist seit der 90er-Jahr so stark angestiegen, dass es alle früheren Formen der internationalen Mobilität weit übertrifft. So werden zum Beispiel professionelle Fußballspielerinnen und Fußballspieler als fußballerische Wanderarbeiterinnen und -Arbeiter bezeichnet, da sie immer kürzere Verträge abschließen. Generell lässt sich sagen, dass die umfassenden Migrationsbewegungen während der letzten 50 Jahre für zusätzliche Toleranz, sowie auch ethnisch-kulturelle Vervielfältigung der nationalen Räume des Sports in den komplexen, sich differenzierenden Gesellschaften gesorgt haben.20 Yannick Noah ist einer der zahlreichen Beispiele. Der Sohn eines aus Kamerun stammenden Profifußballers und einer Französin, gewann 1983 die French Open und beendete danach seine Spielerkarriere. Seitdem engagiert er sich neben seiner musikalischen Karriere besonders für Wohltätigkeitsvereine, die seine Mutter gegründet hat, zur Förderung der Erziehung durch Tennis und zur sozialen Eingliederung benachteiligter Stadtviertel.21 19 20 21 22

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

http://www.france.fr/de/herausragende-persoenlichkeiten/yannick-noah-1960 [26.12.2013] MARSCHIK, Matthias, MÜLLNER, Rudolf, PENZ, Otto, SPITALER, Georg, 2009, S. 137ff http://www.france.fr/de/herausragende-persoenlichkeiten/yannick-noah-1960 [26.12.2013] http://www.falter.at/heureka/2013/06/sport-und-gesellschaft/ [10.01.2014]

113


Quellenverzeichnis ABELS, H. (2001). Interaktion, Identität, Präsentation. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. ASSMANN, A. (2011). Einführung in die Kulturwissenschaft. Berlin: Erich Schmidt Verlag GmbH & Co KG. DECHMANN, B., & RYFFEL, C. (2001). Soziologie im Alltag. Weinheim und Basel: Beltz Verlag. HEINEMANN, K. (1998). Einführung in die Soziologie des Sports. Schorndorf: Karl Hofmann Verlag. RITTNER, V. B. (2004). Gemeinwohlorientierung und soziale Bedeutung des Sports. Köln: SPORT und BUCH Strauß GmbH. RÖTHIG, P., & GRÖßNIG, S. (2007). Sport und Gesellschaft. Wiebelsheim: Limpert Verlag GmbH. TREIBEL, A. (2000). Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart. Opladen: Leske + Budrich. Internetquellen France. (kein Datum). Abgerufen am 26. 12 2013 von http://www.france.fr/de/herausragende-persoenlichkeiten/yannick-noah-1960 Marseille. (kein Datum). Abgerufen am 12. 26 2013 von http://www. marseille.fr/sitevdm/sports-et-loisirs/le-sport-a-marseille Planet-Wissen. (kein Datum). Abgerufen am 26. 12 2013 von http:// www.planet-wissen.de/laender_leute/frankreich/provence/marseille.jsp Falter. (kein Datum). Abgerufen am 10. 01 2014 von http://www.falter. at/heureka/2013/06/sport-und-gesellschaft/

114


La Rose – die vertrocknete Rose Marseilles? Marseille und sein Image

Verfasserin: Rüya Cansiz das Ende des 19. Jahrhunderts zurückzuführen. Angefangen hat es mit den

Die ethnische und kulturelle Vielfalt Mar-

Armeniern, die damals dem Genozid in

seilles ist Grund für seine Bekanntheit. Etwa

der Türkei entfliehen wollten. Danach wander-

10% der 850.000 Bewohner sind Migranten, aber insgesamt sind 90% der Bevölkerung, die nicht aus fran-

ten die Italiener aufgrund des Faschismus in ihrem Land

zösischen Familien stammen.1 Marseille ist also multikultu-

nach Marseille. Gefolgt von nordafrikanischen Juden nach

rell. Doch nicht nur für diesen Aspekt liegt der Name der

dem zweiten Weltkrieg und schließlich Migranten aus dem

Hafenstadt in vieler Manns Ohren. Statt Sommer, Sonne,

Maghreb.

Strand und Meer wird Marseille eher mit Begriffen wie Kri-

Der Grund für die letzten Einwanderungswellen ist auf

minalität, Arbeitslosigkeit und Verschmutzung assoziiert.

die Industrialisierung der Stadt zurückzuführen. Marseille

Auch in den Medien wird sie gleichermaßen präsentiert.

schaffte durch den Industriebetrieb viele Arbeitsplätze, die

Meist berichten die Nachrichten über Drogenhandel und

wiederum viele Arbeiter erforderte, um die freien Stellen

Bandenkriege. Aber wer ist dafür verantwortlich? Laut Me-

besetzen zu können. Somit wurden billige Arbeitskräfte aus

dien sind Migranten die Sündenböcke der ältesten Stadt

dem Orient und mehr aus den Kolonien der Grande Nation

Frankreichs. Wir wollten uns das genauer ansehen und

geholt. Doch der Wirtschaftsaufstieg hielt nicht lange an

Culture Pilot führte uns ins Innere von „La Rose“ – ein

und so kam es zum langsamen Stadtverfall Marseilles. Die

Bezirk, wo arm und reich nebeneinander leben.

Gründe dafür sind aus vier wesentlichen Entwicklungen

3

herzuleiten. Zum einen verlor Marseille durch die Verle-

Culture Pilot Dieses Kulturlotsinnen Projekt wurde erstmals 2009 im Rahmen vom Kulturhauptstadt-Jahr vom BFI, Berufsförderungsinstitut Linz/Oberösterreich, ins Leben gerufen. Damals wurden 12 Immigranten dazu geschult, individuelle und personalisierte Touren in ihrer Nachbarschaft für Touristen, aber auch der lokalen Bevölkerung, anzubieten. 2011 beschloss BFI diese Idee mit einigen Partnerländern zu teilen und so baute Marseille/Frankreich dieses Projekt neben Barcelona/Spanien, Lissabon/Portugal und Venedig/Italien in das Kulturhauptstadt- Programm mit ein.2

Alles begann mit der Industrialisierung Die Migrationsgeschichte der Hafenstadt Marseille ist auf

gung vieler wichtiger Handelsfunktionen aus dem Stadtgebiet als Funktionär am Handelshafen an Bedeutung. Zum anderen beeinträchtigte die Dekolonisierung durch die geringen und rückläufigen Handelsbeziehungen mit den Ex-Kolonien des Maghreb die verbleibenden Handelsfunktionen massiv. Als dritter Faktor für die drastischen Änderungen Marseilles zählen die sog. pieds noirs. Als Algerien 1962 unabhängig wurde, kamen jene, die einst Frankreich verließen, wieder aus Algerien zurück. Wohnungen mussten geschaffen werden. Diese Wohnungen, meist Sozialwohnungen, wurden vorwiegend im Norden errichtet. Nach dieser Zuwanderung kam es jedoch kurze Zeit später auch zu einer Abwanderung. Diese Personen galten als bildungs- und einkommensstärkere Bevölkerungsschicht.4 Durch diese Zu- und Abwanderungen kam es ein weite-

1 Vgl. URL: http://www2.klett.de/sixcms/list.php?page=infothek_artikel&extra=Haack%20Weltatlas-Online&artikel_id=186374&inhalt=klett71prod_1.c.164537.de [13.11.13] 2 Vgl. URL: http://www.mp2013.fr/the-2013-programme/participative-projects/culture-pilots-transferring-experience-between-european-capitals-of-culture/?lang=en 3 Vgl. URL: http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/panorama/artikel/marseille-die-stadt-die-sich-teilt/868080/marseille-die-stadt-die-sich-teilt. html [13.11.13] 4 Vgl. URL: http://books.google.at/books?id=bxQbuj6ShWkC&pg=PA5&lpg=PA5&dq=deindustrialisierung+marseille&source=bl&ots=QeC9348cCA&sig=qhmko5JvHWt8LQUU6b1l8Z6VTqE&hl=en&sa=X&ei=EdaDUrqyL83Lsgbyh4DwAg&redir_esc=y#v=onepage&q=deindustrialisierung%20 marseille&f=false, S.4f [13.11.13]

115


res Mal zu einer wirtschaftlichen Schwä-

man Caïd. Er verdient im Durchschnitt

chung, da qualifizierte Jobs nicht besetzt

20.000€ täglich und bezahlt davon seine

werden konnten. Jedoch die Deindustrialisierung führte endgültig zur Krise Marseilles.

Choufs und Charbonneurs. Auch die Mütter seiner Arbeiter erhalten vom Caïd Geld.7

Zwischen 1975 bis 1985 gingen mehr als 50.000 Arbeits-

Die Regierung hat keine Kontrolle über das Geschäft mit

plätze verloren.5 Infolge dessen stieg die Arbeitslosenrate

den Drogen. Die meisten Polizisten trauen sich gar nicht in

und Verzweiflung und Armut hatte Kriminalität zu Folge.

bestimmte Wohnviertel hinein; die Anderen sind selber kri-

Marseille ist also Objekt in vielen lokalen, nationalen und

minell. Die Situation scheint aussichtslos. Es ist wie Krieg.

sogar internationalen Medien geworden. Diese berichten über Abrechnungsmorde im Drogenmilieu bis hin zu Hinrichtungen auf offener Straße. Allein in diesem Jahr sind 13 Morde dem erbitterten Kampf um Drogen, Waffen und Einfluss zu verhängen.6 Die Polizei spricht von Hyperkriminalität.

Die Folgen von Armut Für die Jugendlichen erscheint das Leben in Armut perspektivenlos und so werden lukrative Geschäfte, um an das schnelle Geld ranzukommen, interessant für sie. Die Meisten aus den ärmeren Stadtvierteln Marseilles haben gar keine Alternative zu dem. Meist werden Kinder schon im Alter von 10 angesprochen. Sie arbeiten dann als Choufs, was auf marokkanisch so viel wie Aufpasser bedeutet. Diese stehen am Eingang ihrer Wohnblöcke um nur jene reinzulassen, die sie auch kennen und kassieren dafür 100€ am Tag. Die Choufs arbeiten für sog. Charbonneurs, Dealer, die ebenfalls ihre Kunden an den Eingangshallen empfangen. Sie bekommen etwa 200€ für ihre Tagesschicht. Auch viele Frauen sind im Drogenhandel verwickelt. Für 5000€ im Monat lassen sie ihre Eingangstür durchgehend offen, damit im Falle einer Polizeirazzia, sich die Charbonneurs verstecken können. Gegen Entgelt nehmen sie auch Stoff in Verwahrung. Den Boss so eines Drogennetzes nennt

116

Persönliche Eindrücke durch die Führung im Stadtviertel La Rose Das Stadtviertel La Rose teilt sich in zwei; auf der einen Seite scheint es ziemlich ruhig. Etwas Grünfläche, wenig Menschen auf den Straßen und schöne Häuser mit dekorativen Zäunen vor der Eingangstür. Zunächst war ich etwas verwundert, denn ich hatte eine komplett andere Vorstellung von dem Viertel. Doch je mehr wir in das Innere des Quartiers eindrangen, desto eher entsprachen die Eindrücke meinen Erwartungen. Verdreckte Straßen, hohe Sozialbauten, keine Spielplätze, etc. Stattdessen halten sich Jugendliche im Hof einer alten Schulanlage auf, dessen Haus längst aufgrund von Asbest abgerissen werden musste. Der Aufenthalt dort kann für viele beunruhigend sein, denn die Jugendlichen, die auf den Straßen ihre Freizeit verbringen, schüchtern einen mit ihren Blicken ein. Man weiß nicht, was sie wollen. Vielleicht sind sie von diesen Führungen genervt und fühlen sich zur Schau gestellt für die Touristen. Aber vielleicht sehen sie es auch als Chance. Die Chance, um endlich auf die Probleme in diesem Stadtteil aufmerksam zu machen, damit neues Selbstbewusstsein entdeckt werden kann und sich somit auch etwas dort verändert. Eine Art stiller Hilfeschrei an die Außenwelt. Grundsätzlich sieht es dort wie in jedem sozialbe-

5 Vgl. URL: http://books.google.at/books?id=479Yl8xXAUoC&pg=PA82&lpg=PA82&dq=marseille+erol+yildiz+birgit&source=bl&ots=NEITJNAjlz&sig=7D79GOBeo3vmeXFaHnQAIx55CCg&hl=en&sa=X&ei=3TqGUqvmF-Pj4QSG9ICoCg&ved=0CDMQ6AEwAQ#v=onepage&q=marseille%20 erol%20yildiz%20birgit&f=false, S.85 [13.11.13] 6 Vgl. URL: http://www.focus.de/politik/ausland/es-ist-beaengstigend-bandenkrieg-wuetet-in-kulturhauptstadt-marseille_aid_941883.html [13.11.13] 7 Vgl. URL: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/In-den-Ghettos-von-Marseille/story/12799887 [13.11.13]


die Migrationsgeschichte von Marseille ist auf das 19. Jahrhundert nachteiligten Ortsteil aus, jedoch ist das der objektive Eindruck; das, was wir als

zurück zuführen

Bild im Kopf eingespeichert haben. Ich bin auch in einem Stadtviertel aufgewachsen, das nicht gerade gern bewohnt wird. Zwar ist die Situation in meinem Bezirk bei weitem nicht dieselbe wie die in Marseille, aber auch ich habe mehr gesehen als ruhige Gassen. Der Unterschied ist: Ich kann meinem Viertel leicht entfliehen. Angefangen bei der Bildung, ist es mir möglich zu entscheiden in welchem Bezirk ich welche Schule besuchen möchte. In Marseille sieht das etwas anders aus. Es muss jene Schule besucht werden, die es in dem jeweiligen Stadtviertel gibt. Eine andere Ausbildungsstätte kostet zu viel und dies können sich die Meisten aus dem Ortsteil La Rose nicht leisten. Es scheint wie ein Teufelskreis. Gefangen in Armut und Kriminalität wachsen die Jugendlichen aus den Armenviertel in Marseille auf. Das Einzige, das helfen könnte diesen Kreis zu brechen, ist Geld; aber nur den Wenigen steht dies zur Verfügung. Viele können die Lebensbedingungen dieser Menschen kaum einschätzen. Sie glauben an das was sie hören und bilden somit Stereotype: Sie denken, dass ein Migrant zugleich arm und kriminell ist und gehen ihnen so gut es geht aus dem Weg. Aber sie vergessen, dass diese armen Kriminellen auch nur Menschen sind, denen dringend geholfen werden muss. Statt die Augen vor solchen Problemen zu verschließen, sollte einander geholfen werden . Denn wenn nicht wir,

Quellenverzeichnis

Bandenkrieg wütet in Kulturhauptstadt Marseille (2013); URL: http://www.focus.de/politik/ausland/ es-ist-beaengstigend-bandenkrieg-wuetet-in-kulturhauptstadt-marseille_aid_941883.html [13.11.13] Geographie Infothek (2010): Infoblatt Marseille; URL: http://www2. klett.de/sixcms/list.php?page=infothek_artikel&extra=Haack%20Weltatlas-Online&artikel_id=186374&inhalt=klett71prod_1.c.164537.de [13.11.13] Jaroschweski, Julia/Peteranderl, Sonja (2013): Marseille - die Stadt, die sich teilt; URL: http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/panorama/ artikel/marseille-die-stadt-die-sich-teilt/868080/marseille-die-stadt-diesich-teilt.html [13.11.13] Marseille Provence 2013 - europäische Kulturhauptstadt (2013): Programm 2013 URL: http://www.mp2013.fr/the-2013-programme/participative-projects/culture-pilots-transferring-experience-between-european-capitals-of-culture/?lang=en Megerle, Heidi (2008) in Schönert, Maurice (2010): Sozialdemographische Herausforderung in Marseille: Stadtentwicklung und Stadterneuerung in einer sozial-räumlich polarisierten Stadt; URL: http://books. google.at/books?id=bxQbuj6ShWkC&pg=PA5&lpg=PA5&dq=deindustrialisierung+marseille&source=bl&ots=QeC9348cCA&sig=qhmko5JvHWt8LQUU6b1l8Z6VTqE&hl=en&sa=X&ei=EdaDUrqyL83Lsgbyh4DwAg&redir_esc=y#v=onepage&q=deindustrialisierung%20marseille&f=false, S.4f [13.11.13] Meiler, Oliver (2013): In den Ghettos von Marseille; URL: http://www. tagesanzeiger.ch/ausland/europa/In-den-Ghettos-von-Marseille/story/12799887 [13.11.13] Peraldi, Michel (2009): Marseille: der Geist der Krise in: Yildiz, Erol/Mattausch Birgit (Hg.): Urban Recycling: Migration als Großstadt-Ressource; URL: http://books.google.at/ books?id=479Yl8xXAUoC&pg=PA82&lpg=PA82&dq=marseille+erol+yildiz+birgit&source=bl&ots=NEITJNAjlz&sig=7D79GOBeo3vmeXFaHnQAIx55CCg&hl=en&sa=X&ei=3TqGUqvmF-Pj4QSG9ICoCg&ved=0CDMQ6AEwAQ#v=onepage&q=marseille%20erol%20yildiz%20 birgit&f=false, S.85 [13.11.13]

wer dann sollte Raum für eine bessere Welt schaffen?

117


Mélange Marseille Allgemeine Migrationssitua-

Verfasserin: Elisabeth Stefaner

tion in Frankreich Die Einwanderungssituation in ganz Frankreich, nicht nur in den Hafenstädten der Côte d`Azur, ist bis heute stark geprägt von der Kolonialgeschichte früherer Jahrhunderte sowie einer langen Tradition der Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer. Insgesamt hat die Zuwanderung im letzten Jahrhundert kontinuierlich zugenommen und die französische Gesellschaft somit nachhaltig geprägt. Die Einwanderung galt zumindest aus wirtschaftlicher Perspektive lange Zeit als Erfolgsgeschichte, jedoch wird sie in den letzten drei Jahrzehnten zunehmend als Ursache sozialer Probleme wahrgenommen. Wahlerfolge rechtsextremer Parteien machen dies ebenso deutlich, wie immer wieder aufflammende Unruhen in den Vororten französischer Metropolen. Integrationspolitik rückt dabei in den letzten Jahren ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit in Frankreich. Zusätzlich hat die Einwanderungspolitik in den letzten Jahren in Frankreich einen zunehmend restriktiven Kurs eingeschlagen. Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern wird versucht, Einwanderung stärker nach ökonomischen Nutzenkriterien zu steuern. Daraus resultierend stellen die verstärkte Steuerung der Zuwanderung sowie die Integration der Zweiten und Dritten Generation die wichtigsten Herausforderungen für die nähere Zukunft der französischen Migrationspolitik dar.1

Die Situation in Marseille

118

starben innerhalb von zehn Tagen drei junge Männer. Das jüngste Opfer, ein 25

jähriger Mann, von Kugeln durchsiebt, er war einschlägig polizeibekannt. Es ist ein mafiöses System, das die Stadt plagt.

2

In Europa werden immer mehr Staaten zu Einwanderungsländern. Marseille könnte ein Modell für das zukünftige Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft sein. Doch das soziale Gleichgewicht ist nicht einfach zu halten. Vor allem die nicht endenden Konflikte im Nahen Osten schicken immer wieder Schockwellen der Angst durch diese Stadt. Der wundersame soziale Frieden hat viel mit den Stränden zu tun, an denen so leicht Freundschaften geschlossen werden, davon ist so mancher hier überzeugt. Doch das bunte Treiben am Meer reicht nicht bis in den urbanen Alltag. Es gibt auch jede Menge Rassismus in Marseille. Ist Marseille also tatsächlich ein Beispiel für kosmopolitische Harmonie, oder doch eher eine Gesellschaft kurz vor dem Aufruhr? Die durchaus unangenehme Antwort lautet: Marseille ist beides. Marseille ist die älteste Stadt in Frankreich, und ist wie in Schichten entstanden. Sie ist eine Hafenstadt und seit je daran gewöhnt, dass Fremde ankommen. Seit dem Jahr 1915 kommen die Armenier, die damals vor dem Genozid in der Türkei flüchteten, in den dreißiger Jahren kamen dann auch die Italiener, die dem Faschismus entkommen wollten. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Einwanderung der nordafrikanischen Juden. Und dann, als Frankreich seine Kolonien Marokko, Algerien und Tunesien

Immer wieder erschüttert eine Serie von Gewaltverbre-

in die Unabhängigkeit entließ, kamen Zehntausende so-

chen die südfranzösische Hafenmetropole, die in diesem

genannter „pieds-noirs“ („Schwarzfüße“) zurück, das sind

Jahr als europäische Kulturhauptstadt an ihrem Image

weiße Franzosen, die seit Generationen in Algerien gelebt

bastelt. Allein 2013 haben organisierte Kriminalität, Dro-

haben. Nach der Dekolonisation und der Unabhängigkeit

genringe und Bandenkriege mit bisher 13 Morden die bru-

der Länder des Maghreb stieg in Marseille die Zahl der

tale Seite der Stadt an die Oberfläche gezerrt. Im August

Bürger mit Migrationshintergrund. Unter diesem politisch

1 URL: http://focus-migration.hwwi.de/Frankreich.1231.0.html [13.11.1013] 2 URL: http://www.handelsblatt.com/politik/international/bandenkriminalitaet-in-marseille-prinzip-kalaschnikow/8684638.html [13.11.1013]


korrekten Euphemismus versteht man

steuern. Die Kommune hat dabei eng

gebürtige Franzosen, die aber immer

mit den religiösen Führern zusammenge-

noch als Menschen ausländischer Herkunft

arbeitet, um die Ruhe auf den Straßen Mar-

betrachtet werden. Es ist zwar politisch korrekt

seilles zu bewahren. Die Stadt fördert auch reli-

diese Menschen so zu bezeichnen, aber es klingt denn

giöse Rundfunksender, Friedhöfe und Bürgervereine. Dies

noch sehr negativ, weil sie ja eigentlich einfach Franzosen

Bündnisse zwischen der Verwaltung und den Religionsge-

sind.

meinschaften wiedersprechen vielleicht der französischen

Jean-Claude Gaudin, ist 72-Jährig und ist seit 1995 Bür-

Staatsräson, aber in Marseille ist Pragmatismus gefragt.

germeister von Marseille, und er will das Amt auch noch

Geographisch ist Marseille nicht nur von der Lage am Mit-

nicht in naher Zukunft niederlegen. Auch Gaudin kann

telmeer begünstigt. Die Stadt auch hat das Glück, von

nur schätzen, wie viele der Einwohner seiner Stadt einen

einer Gebirgskette umgeben zu sein. Einwanderer und

Migrationshintergrund haben. Sind es 20, sind es 25 Pro-

Bewohner der Stadt mussten lernen, mehr oder weniger

zent? Man weiß auch nicht, wie viele arabischer oder af-

übereinander zu leben. In den 30 Jahren nach dem Zwei-

rikanischer Herkunft sind. Man weiß nicht, wie viele aus

ten Weltkrieg, „Les trentes glorieuses“, wie die Franzosen

muslimischen Familien stammen. In Frankreich ist es ein

diese Zeit nennen, in denen die rasch wachsende Wirt-

Verstoß gegen das Gesetz, wenn ein Beamter die Rasse,

schaft ausländische Arbeiter für ihre Fabriken brauchte,

Religion oder Herkunft eines Bürgers amtlich festhält.

wurden im Umland vieler französischer Städte Wohnblocks

Nicht einmal bei der Volkszählung ist dies zulässig. Kirche

hochgezogen. In Marseille wurde, durch die Begrenzung

und Staat sind nicht nur getrennt, Religion spielt offiziell

durch Meer und Berge, das Gegenteil getan, es wurde in

auch keine Rolle. Wer Franzose ist, ist Franzose und nichts

der Stadt gebaut.3

sonst. Doch es ist offensichtlich, dass selbst für die zweite und dritte Generation die Anpassung in der neuen Heimat oftmals nicht leicht ist. Die Herausforderung für jede Stadt mit hohem Migrantenanteil ist nicht die erste Einwandererwelle, sondern es kommt darauf an, ob sich Kinder und Enkel integrieren. Der Bürgermeister von Marseille hat den Ruf, sich schon mal über die tief verwurzelten republikanischen Werte Frankreichs hinwegzusetzen. Er weiß zwar nicht genau, wie viele seiner Bürger Muslime sind, aber er weiß, dass er Wege der Zusammenarbeit mit ihnen finden muss. Das Rathaus wendete sich 1990 an die religiösen Oberhäupter der Stadt, um das Projekt „Marseille Espérance“ („Hoffnung Marseille“) ins Leben zu rufen, einen Verbund jüdischer, christlicher, buddhistischer und muslimischer Persönlichkeiten, um die Stadt durch diverse Krisen zu

La Rose – Eindrücke unserer Führung La Rose ist eines der „gefährlicheren“ Stadtviertel im Norden von Marseille. Im 19. Jahrhundert war La Rose jedoch eines der reichsten Viertel der Stadt. Es gab ein Weingut, die Gebäude stehen noch heute, aber der Winzer ist weggezogen um wo anders seinen Wein anzubauen und zu keltern. Heute kann man nur noch den glänzenden Anblick der zahlreichen prunkvollen Anwesen erahnen. Teilweise sind die Häuser verfallen und herunterkommen, teilweise ausgebrannt und nur partiell renoviert und wieder bewohnt. Auch der Bach der zu den glorreichen Zeiten viel Wasser führte ist heute nur noch ein kleines Rinnsal, der Grund dafür ist jedoch unbekannt. Ein früheres Herrenhaus, nicht weit von der noch intakten kleinen Kirche, wel-

3 URL: http://www.nationalgeographic.de/reportagen/melange-marseille [13.11.1013]

119


Marseille ist die älteste Stadt Frankreichs und schichtweise aus verschiedenen che von der reichsten Familie der GeAber La Rose hat auch eine andere Zuwandergruppen gend erbaut wurde, dient heute als eines Seite. Dort leben auch „normale“ Menentstanden. der drei Hauptquartiere der Marseiller Polischen, und sie leben auch gerne dort, es zei. Rundherum wurden dort, wie in so vielen französischen Städten in den 30er Jahren als die Stadt ei-

es Schulen, Restaurants, einen Frisör und Bars, alles was

nen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, und dankbar für

man in einem Stadtviertel so gewohnt ist zu haben. Kinder

ausländische Arbeitskräfte war, riesige Wohnblocks errich-

gehen dort auch zur Schule, weil sie Hoffnung haben und

tet. In den Sozialbauten leben heute noch immer Migran-

die Menschen langfristiger denken, denn Bildung ist für

ten verschiedenster Herkunft, Algerier, Tunesier, Marokka-

immer und kann ihnen in der Zukunft hoffentlich ein bes-

ner und viele andere. Die Arbeitslosenrate beträgt über

seres sorgenfreies Leben ermöglichen.

50% und es ist keine Besserung in Aussicht. Die Menschen

Die Sozialeinrichtung Balades Urbaines Capitales betreut

dort leben von Sozialhilfe oder von dem Geschäft mit der

Sozialwohnungen, versucht die Migranten der verschiede-

Kriminalität. Die Mafia hat alles unter Kontrolle. Sie bauen

nen Länder zusammen zu bringen, Vorurteile und Strei-

sich riesige Netzwerke auf und zählen bereits die Jüngs-

tigkeiten aus der Welt zu schaffen und ein ruhiges Zu-

ten zu ihrem Gefolge. Sie zahlen den Kindern Geld wenn

sammenleben zu schaffen. In ihrem Hauptquartier bieten

sie für sie arbeiten, sie fangen mit kleinen Jobs, wie Wa-

sie Kinder- und Famlienbetreuung, machen Ausflüge und

chestehen an und können sich sogar „die Karriereleiter“

kleine Feste. Auch französische Sprachkurze werden ange-

hocharbeiten wenn sie fleißig sind. Natürlich steigen viele

boten, welche regen Anklang finden.

Kinder gern in das Geschäft ein, denn das Geld ist knapp

Es mag vielleicht wie ein Tropfen auf den heißen Stein

und wenn sie in die Schule gehen, werden sie dafür nicht

wirken, aber man muss klein anfangen und Ausdauer be-

bezahlt. Zusätzlich binden die Mafiabosse ihre Arbeiter an

weisen um einen Unterschied zu machen eine nachhalti-

sich, in dem sie bereits den Kindern Drogen geben um sie

ge Integration der Migranten zu gewährleisten und ihnen

leistungsfähiger und abhängig zu machen. Es ist ein Teu-

Perspektiven und Möglichkeiten bieten ihr Leben und ihre

felskreis aus dem die Kinder nicht mehr heraus kommen.

Denkweise zu ändern. Und wie wir selbst gesehen haben,

Sie fangen mit dem Geschäft an, weil sie Geld brauchen,

ist ein gefahrloses Zusammenleben auch in den „gefähr-

werden von ihrem Boss drogenabhängig gemacht, somit

lichen“ Vierteln Marseilles bis auf weniger Ausnahmen

sind sie gezwungen die Suchtmittel wieder bei ihrem Chef

durchaus möglich.

zu kaufen um die Sucht zu befriedigen. Waffengewalt und Morde sind auch keine Seltenheit. In dieser Gegend des Viertels gibt es keinen Sportplatz, die Ruine einer ehemaligen Schule und Sporthalle werden nicht wieder aufgebaut, weil sie niemand benützen, nur wieder kaputt machen würde, keine Geschäfte und keine Bars, am Abend und in der Nacht geht man nicht vor die Tür.

120

ist ihre Heimat. In diesem Teil von La Rose gibt


Quellenverzeichnis

www1: Engler, Markus (März 2007): Fokus Migration Frankreich. Online verfügbar: http://focus-migration.hwwi.de/Frankreich.1231.0.html [13.11.1013] www2: Autor nicht bekannt (24.8.2013): Prinzip Kalaschnikow. Online verfügbar: http://www.handelsblatt.com/politik/international/bandenkriminalitaet-in-marseille-prinzip-kalaschnikow/8684638.html [13.11.1013] www3: Dickery, Christopher (2012): Mélange Marseille. Online verfügbar: http://www.nationalgeographic.de/reportagen/melange-marseille [13.11.1013]

121


Villa Méditerranée

Internationales Zentrum für Dialog und Austausch im Mittelmeer welt-Herausforderungen

Die Villa Méditerranée ist ein „internatio-

Verfasserin: Teresa Kühn

nales Zentrum für Dialog und Austausch im

wecken, mit

denen diese Region der Erde konfrontiert ist.

Mittelmeerraum“.1 Das Gebäude liegt zwischen dem Alten Hafen und dem Industriehafen im Stadtteil La

Die Architektur

Joliette, direkt neben dem MuCEM. Ebenso wie das MuCEM

Im Jahre 2004 wurde ein Wettbewerb für den Entwurf des

wurde die Villa Méditerranée erst im Jahr 2013 eröffnet

Gebäudes ausgeschrieben, diesen gewann der italienische

und stärkt somit das kulturelle Image der europäischen

Architekt Stefano Boeri.

Kulturhauptstadt Marseille. Die über und unter dem Meer

Die berufliche Laufbahn von Stefano Boeri, Professor für

gebaute Villa Méditerranée bietet Ausstellungsräume, Ar-

Städtebau und ein engagierter Akteur auf der politischen

beits- und Versammlungsräume sowie ein Auditorium.2

und kulturellen Bühne Italiens, folgt einer humanistischen

Und kann somit für viele verschiedene Veranstaltungen

Tradition, die ihn besonders feinfühlig für die derzeitigen

genutzt werden.

Veränderungen in der mediterranen Welt werden lässt.

Ziel der Villa Méditerranée ist es, ein einladender Veran-

Boeri selbst sagt, dass es die wichtigste Intension des

staltungsort, sowie ein Tagungsort, welcher offen für alle

Projekts war, das Meer das Innere des Gebäudes durch-

Netzwerke die nach internationaler Zusammenarbeit stre-

dringen zu lassen. Dies sei das Grundelement einer Ver-

ben. Es ist eine Plattform des Austausches und der Res-

bindung, die dem gesamten Projekt die Richtung weist, es

sourcen für die Spezialisten von internationalen Institutio-

beseelt und strukturiert.

nen, lokalen Behörden, verschiedenen Forschungszentren

Der Architekt entwarf ein außergewöhnliches Gebäude,

und Wirtschaftsgemeinschaften. Symposien, Konferenzen

dessen Räume sich auf und unter dem Meer erstrecken

und auch Tagungen finden geeignete Räume in der Villa

und das sich durch einen spektakulären Vorbau von 40

Méditerranée.

Metern Länge auszeichnet, der über einem 2000 m2 gro-

3

Die Villa Méditerranée entstand aus dem Wunsch der Re-

ßen Wasserbecken schwebt. Das obere Stockwerk, des-

gion Provence-Alpes-Côte d’Azur, zum Aufbau einer ge-

sen Dach sich 19 Meter über dem Wasserbecken erhebt,

meinsamen Identität der im Mittelmeerraum lebenden

umschließt eine Ausstellungsfläche von 760 m2, die über

Menschen beizutragen. Als Ort der Begegnung und der

eine Brücke mit einem 150 m2 großen Saal verbunden

Offenheit fördert sie Austausch und Dialog und nimmt an

und von einem frei zugänglichen Belvedere umgeben ist.

der Gestaltung des Mittelmeerraums von morgen Teil: ei-

Unter dem 2,25 Meter tiefen Wasserbecken befindet sich

nes Mittelmeerraums voller Brüderlichkeit, ein Träger der

das Untergeschoss des Gebäudes mit der Agora. Ein Audi-

Hoffnung, der Solidarität und des Friedens. Die Villa Mé-

torium mit 400 Plätzen bietet zudem Platz für Aufführun-

diterranée beherbergt verschiedene Institutionen, Aus-

gen, Vorträge und Filmvorführungen.

stellungen und Konferenzen. Sie möchte das Interesse der Fachwelt, aber auch der breiten Öffentlichkeit für die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und Um-

122

1 URL: http://translate.google.de/translate?hl=de&sl=fr&u=http://fr.wikipedia.org/wiki/Villa_M%25C3%25A9diterran%25C3%25A9e&prev=/search%3Fq%3DVilla%2BM%25C3%25A9diterran%25C3%25A9e%26client%3Dfirefox-a%26hs%3DYM4%26rls%3Dorg.mozilla:de:official 2 URL: http://www.marseille-tourisme.com/al/actualites/detail/article/Die%20Villa%20M%C3%A9diterran%C3%A9e/ 3 URL: http://www.villa-mediterranee.org/en/taking-biggest-challenges-facing-contemporary-mediterranean-area


Ausstellungen

menschliche und wirtschaftliche Mobili-

Die Villa Méditerranée ist ein Ort des

tät im Mittelmeerraum.

Willkommens und der Kontaktpflege, der Da über die Hälfte des Gebäudes unterhalb des

allen Netzwerken offensteht, die an der internationalen Kooperation im Mittelmeerraum arbeiten. Als

Wassers liegt, sind die Räume nur schlecht durchlüftet.

Kommunikations- und Hilfs-Plattform für internationale

Und auch die Räume die sich überhalb des Meeres befin-

Einrichtungen,

Vereinigungen,

den lassen sich nur schlecht lüften. Für ein Kulturzentrum,

Forschungszentren und Wirtschaftsverbände beherbergt

welches sich auf Veranstaltungen jeglicher Art spezialisie-

sie Kolloquien, Konferenzen und Treffen.

ren will, ist eine gute und vor allem frische Luft essenzi-

Ein Teil der Arbeit der Experten wird der breiten Öffentlich-

ell. Bei Kongressen oder auch anderen Veranstaltungen,

keit vorgestellt, wobei ein besonderes Augenmerk auf die

sollten die Räume gut durchlüftet werden können, da sich

junge Generation im Mittelmeerraum gelegt wird. Ihr wer-

meist viele Personen im gleichen Raum befinden und so-

den regelmäßig Veranstaltungen gewidmet, wie beispiels-

mit viel Sauerstoff verbraucht wird.

weise der Ausstellungsparcours „2031 en Méditerranée,

Das Kulturzentrum ist meist auch für den allgemeinen Be-

nos futurs!“ oder verschiedene Austausch- und Besuchs-

sucherverkehr offen und es wird kaum Eintritt verlangt.

programme. Diese Treffen verfolgen alle das gleiche Ziel:

Jedoch gibt es nur sehr wenig Infomaterial und wenn

Erfahrungen und Blickwinkel kreuzen, um gemeinsam die

dann nur in Französisch. Auch die Website des Zentrums

Zukunft besser zu gestalten.4

ist nicht sehr aussagekräftig. Für eine Kulturhauptstadt mit

Die Dauerausstellung „Plus loin que l‘horizon“ (zu deutsch:

dem Ziel, internationale Kongresse und Veranstaltungen in

Hinter dem Horizont) von Bruno Ulmer, zeigt das Thema

der Villa Méditerranée abzuhalten, sollte man auch inter-

der menschlichen und wirtschaftlichen Mobilität im Mittel-

nationale Infobroschüren auflegen und die Website dafür

meer. Eröffnet wurde diese Ausstellung am 14. Juni 2013

besser anpassen.

und läuft noch bis 2016. Dieses Projekt ist einzigartig. Es

Die Ausstellung „Hinter dem Horizont“ kämpft ebenfalls

zeigt verschiedene Konten der Mobilität, mit unterschied-

mit dem gleichen Problem. Alle Medien sind nur auf Fran-

lichen Medien und einem festgeschriebenem, geschichtli-

zösisch und es gibt keine Möglichkeit eine andere Sprache

chem Pfad.

zu wählen.

Gebietskörperschaften,

Vom Erdbeeren Handel zwischen Südspanien und Nordeuropa oder dem Hafen von Istanbul, wo Container aus China ankommen und weiter nach Algerien geschifft werden und dem Massentourismus mit Kreuzfahrtschiffen, werden viele verschiedene Aspekte des Mittelmeerraums gezeigt.5 Der Besucher geht zwischen Containern durch, steht an der Reling eines Kreuzfahrtschiffes und schaut aufs weite Meer hinaus. Die Ausstellung hat viele Facetten und verschafft dem Besucher einen guten Überblick über die 4 URL: http://www.marseille-tourisme.com/al/actualites/detail/article/Die%20Villa%20M%C3%A9diterran%C3%A9e/ 5 URL: http://www.villa-mediterranee.org/en/beyond-horizon

123


Die Qualität touristischer Dienstleistungen am Beispiel der Stadtbesichtigung Frankreich führt auch 2013 wieder die

in Cannes!

Mit dem Aufkommen des Massentouris-

Liste der beliebtesten Reiseziele der Welt

Verfasserin: Elisa Krimbacher

mus in Frankreich, die Steigung der At-

an. Die Küstenregionen, die Hauptstadt

traktivität der Region, welche sich begrün-

1

Paris aber auch die Weinregionen im Norden

det durch die Dichte von Denkmälern, Festivals,

Frank-reichs werden gerne von ausländischen Urlaubern

Museen aber auch malerischen Orten, wurde auch die

besucht. Assoziationen wie Cham-pagner, der Schick der

Infrastruktur für den Fremdenverkehr in Frankreich ge-

alten Filme sowie die edle Côte d’Azur, die als das Ur-

schaffen bzw. ausgebaut. Hotels wurden errichtet, Straßen

laubsziel der Reichen & Schönen gilt, verbindet man mit

ausgebaut und das Angebot der touristischen Nachfrage

Frankreich. Die Infrastruktur vor Ort hat sich angepasst,

angepasst.

Hotels wurden errichtet, Restaurants eröffnet und touristi-

Ein Drittel aller Tourismus-Einnahmen kommen von aus-

sche Dienstleis-tungen kreiert. Die Herausforderung an die

ländischen Besuchern. Interes-sant wird in diesem Zu-

Tourismusdestinationen, ist die Qualität der touristischen

sammenhang die Tatsache, dass die Tourismus-Bilanz3 in

Dienstleistung nicht aufgrund der Quantität zu verlieren.

Frank-reich einen jährlichen Überschuss von 10 Milliarden

Dies kann sich als äußerst schwierig herausstellen, da die

Euro ergibt. Diese übersteigt die Einnahmen aus der Au-

Anzahl der Angebote in den letzten Jahren ge-stiegen ist

tomobilindustrie.

und es auch den Konsumenten einfacher gemacht wird

Nächtigungszahlen von über 581 Millionen (2011)4 spre-

diese zu vergleichen.

chen für den Tourismus als wesentliche Einnahmequellen.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des

Im Vergleich dazu liegen die jährlichen Nächtigungszahlen

Tourismus in Frankreich und schildert die Problemstellung

Österreichs bei knapp 131 Millionen (2012).5

bei touristischen Angeboten am Beispiel der Stadtführung

Auch die Attraktivität von Frankreich lässt sich durch die

in Cannes, als Bestandteil der „international week“ der FH

Nächtigungszahlen erkennen. Immer mehr Osteuropäi-

Kufstein. Die Beurteilung des touristischen Angebots be-

sche Touristen zieht es vor allem in die Region Proven-

ruht auf der Wahrnehmung der Autorin.

ce-Alpes-Côte d’Azur.6 Somit bleibt Frankreich auch 2013 an der Spitze und führt die Liste der beliebtesten Ferien-

Einführung in die Bedeutung des Tourismus in Frankreich2 Der Tourismus zählt zu den bedeutendsten Einnahmequellen Frankreichs. Jährliche Ein-nahmen von mehr als 30 Milliarden Euro werden dem Hotelgewerbe, Handel und Frei-zeitbereich zugeordnet. Knapp eine Million Arbeitsplätze schafft die Tourismusbranche in unzähligen Unternehmen wie Hotels, Gaststätten und Restaurants oder Tourismusbüros.

124

destinationen weltweit an.  

Einführung in die Bedeutung von Qualität im Tourismus Problemstellung bei touristischen Dienstleistungen Der steigende Wettbewerb innerhalb der Tourismusbranche und die steigende Diversität der Angebote weltweit wie auch der Anstieg der Konsumentenansprüche, sprich

1 Neue Züricher Zeitung: (http://nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/frankreich-bleibt-weltspitze-1.812951#) 2 Frankreich Website: http://france.fr/de/wissen/wirtschaft/panorama/der-tourismus-ein-schluesselbereich-der-franzoesischen-wirtschaft 3 Darunter wird das Verhältnis der Ausgaben ausländischer Touristen in Frankreich zu den Ausgaben französischer Touristen in im Ausland verstanden 4 Institut national de la statistique et des ètudes èconomiques : (http://www.insee.fr/fr/themes/tableau.asp?reg_id=0&ref_id=NATTEF13532) 5 Statistik Austria: (http://statistik.at/web_de/statistiken/tourismus/beherbergungen/ankuenfte_naechtigungen/index.html) 6 Neue Züricher Zeitung: (http://nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/frankreich-bleibt-weltspitze-1.812951#)


die Erwartungshaltung der Gäste, haben in den letzten Jahrzenten dazu geführt,

Integration der externen Faktoren: Der wesentliche externe Faktor

dass Tourismusdestinationen sich sichtlich

bei Dienstleis-tungen im Gegensatz zu

ihrer Qualität orientieren. Die Abhängigkeit des

Produkten ist der Mensch. Somit kann das

Tou-rismus bezieht sich im Wesentlichen auf die Ansprü-

touristische Angebot mit Schwankungen in der Quali-

che der Konsumenten und dem Entsprechen derer als Tou-

tät verbunden sein.

rismusdestination. Die Erwartungshaltung zu erfüllen führt

• Das Resultat der Leistungserstellung hat vermehrt einen

im weiteren Sinne zur Zufriedenheit des Konsumenten;

immateriellen Charakter: Darunter versteht man die

welche wiederum die Kundenbin-dung stark beeinflusst.

Schwierigkeit der Messbarkeit der einzelnen Dienst-

Die Annahme basiert auf der Grundlage, dass ein zufrie-

leistung im Vergleich von verschiedenen Tourismusan-

dener Konsument auch bereit ist, die Tourismusdestination

geboten.

weiter zu empfehlen, wie auch die-se erneut zu besuchen. Die Bedeutung der touristischen Dienstleistung und deren

Da bei der touristischen Dienstleistung der Konsument so-

Relevanz für den Konsumen-ten lässt folgende Definition

mit der Kunde mit eingebunden wird und zur Leistungs-

erkennen: „Touristische Dienstleistungen sind selbststän-

erstellung beiträgt, ist die Komplexität bei einem solchen

dige, marktfähige Leistungen, die mit der Bereitstellung

hoch. Oft besteht, wie bereits eingangs erwähnt, die tou-

und/oder dem Einsatz der Leistungsfähigkeiten des Tou-

ristische Dienstleistung aus mehreren Teilleistungen, so-

rismusanbieters verbunden sind (…). Interne und exter-

dass in der Beurteilung der Gesamtleistung die Teilleistung

ne Faktoren(…) werden im Erstellungsprozess kombiniert.

jedes einzelnen Faktors mit einberechnet werden muss.

(…)“7 Ergänzend zu diesem Begriffsverständnis ist darauf hinzuweisen, dass eine touristische Dienstleistung aus einem so genannten touristischen Leistungsbündel besteht. Dieses Leistungsbündel steht für die Komplexität der touristischen Dienstleistung, denn es wer-den zusätzlich zu dieser auch noch Faktoren wie Umwelt, Stimmungslage des Konsu-menten/des Produzenten sowie äußere, nicht beeinflussbare Faktoren hinzugezählt.8 Aus diesen beiden Erklärungen lassen sich im Folgenden Problemstellungen erkennen:9

• Leistungsfähigkeit des Tourismusanbieters: Dieser wird ein bedeutendes Gewicht beigemessen, denn keine

Qualitätswahrnehmung touristischer Dienstleistungen Die Qualität einer touristischen Dienstleistung basiert primär auf der Erkennung der Konsumentenbedürfnisse des Tourismusanbieters unter Betrachtung der Gegebenheiten und Beschaffenheiten der jeweiligen Region. Professor für Marketing Manfred Bruhn bezieht sich in er Bestimmung der Qualitätsdi-mensionen von touristischen Dienstleistungen auf die Grundlagen von Avedis Donabe-dian, welcher als Gründer der Qualitätsstandards vor allem im Gesundheitswesen gilt:10

Dienstleistung kann ohne spezifische Fähigkeit (KnowHow, Budget) umgesetzt werden. 4 URL: http://www.marseille-tourisme.com/al/actualites/detail/article/Die%20Villa%20M%C3%A9diterran%C3%A9e/ 5 URL: http://www.villa-mediterranee.org/en/beyond-horizon 7 Bruhn & Hadwich, 2004, S. 6 8 Muskat, 2006, S. 17 9 Bruhn & Hadwich, 2004, S. 7 10 Bruhn & Hadwich, 2004, S. 8

125


Die Tourismusbranche zählt zu den wichtigsten Arbeitgeber • Potenzialdimension: Hier steht die

in Frankreich

Wahrnehmung der Struktur und

leistungen in der Qualitätswahrnehmung

Potenzials des Tourismusanbieters im

gegen-über touristischer Sachgüter sen-

Vordergrund. Hierzu zählen beispielsweise die Quali-fikation der Mitarbeiter, der Zustand der Hotel- oder Strandanlagen, wie auch Infrastruktur.

Grundsätzlich sind touristische Dienst-

sibler, denn den Sachgütern kann ein direkter Wert bei-gemessen werden sowie im Falle eines Umtausches kann der Preis rückerstattet werden. Zudem sind

• Prozessdimension: Hierunter wird der die Prozessein-

Sachgüter oft zu Beginn beurteilbar, Dienstleistungen hin-

schätzung während der Leistungserstellung verstan-

gegen werden erst während oder nach der Inanspruch-

den. Beispiele sind hier die Flexibilität der Mitarbeiter,

nahme klassifizierbar.

Schnelligkeit des Hotelempfangspersonals oder auch

Bei Tourismusgütern handelt es sich grundsätzlich um

die Abwicklung von besonderen Kundenanliegen.

Vertrauensgüter, denn der Kauf ist in der Regel mit Risi-

• Ergebnisdimension: Hier zählt das Ergebnis der Leistung

ken behaftet. Die Qualität kann frühestens während des

bzw. das Ergebnis des Leistungserstellungsprozesses.

Prozesses beurteilt werden. Kommunikative Maßnahmen

Beispiele hierfür sind die Erholung des Urlaubers oder

wie Werbung schaffen hier Vertrauen, denn touristische

neu erworbene Fähigkeiten durch den Besuch einer

Dienstleistungen müssen glaubhaft verkauft werden. Bei-

Fachmesse in der Urlaubsregion.

spiel hier wäre ein zu niedriger Preis wirkt gegenüber Kunden unglaubwürdig.

Anhand dieser drei Dimensionen lässt sich die Qualitätswahrnehmung des Konsumenten dahingehend ausdrucken, sodass der Kunde während des Vorverkaufs aber auch während der Inanspruchnahme der touristischen Dienstleistung nicht sicher beurteilen kann, ob der Tourismusanbieter über die nötigen Qualifikationen verfügt. Es kann zum Bei-spiel aus Seiten des Anbieters kurzfristige Änderungen der Dienstleistung geben (Krankheit des Mitarbeiters) welche sich wesentlich auf die Wahrnehmung des Konsumenten auswirken können. In Falle einer negativen Auswirkung besteht auch nur selten die Möglichkeit einer Nachbesserung oder dem Umtausch der Dienstleistung. Zum Bei-spiel kann das schlechte Essen in einem Restaurant nicht einfach durch das Rückerstattens des Rechnungsbetrages beseitigt werden.

Tourismus in Cannes Touristische Dienstleistungen in Cannes Betrachtet man die Website des in Cannes sitzenden Tourismusbüros wird auf den ersten Blick klar; Cannes ist stolz auf seine Filmfestspiele! Doch nicht nur die Filmfestspiele zeichnen die Hafenstadt an der Côte d’Azur aus. Zahl-reiche Sehenswürdigkeiten wie die La Croisette, die berühmte Strandpromenade, die Marché Forville, ein Lebensmittelmarkt direkt in Cannes oder die bekannte Einkaufstraße Rue D’Antibes, an welcher sich die teuersten Shops aneinander reihen. Um diese Sehenswürdigkeiten geführt entdecken zu können, bietet das Tourismusbüro Cannes geführte Stadttouren an. Die relative junge Stadtgeschichte wird hier im Rahmen eines Spaziergangs durch die Stadt wiedergegeben.

126


Beurteilung

der

touristischen

Die Schwierigkeit der touristischen Leis-

Dienstleistung „Stadtführung“

tungserstellung besteht im Wesentlichen

unter Betracht der Qualitätswahrnehmung

darin, einer breite Palette unterschiedlicher Konsumenten zufrieden zu stellen, denn

Der Stadtrundgang startet direkt am Palais du Festival,

das Emp-finden jedes einzelnen Kunden ist verschieden,

dem Austragungsort der berühm-ten Filmfestspiele in

was den einen durchaus gefällt kann für den nächsten ein

Cannes. Dies entspricht im Wesentlichen der Erkennung

totaler Reinfall sein. Das der Tourismus die wesentliche

der Kon-sumentenwünsche, da dies wohl das bekannteste

Einnahmequelle in Frankreich ist, lässt sich anhand der

Wahrzeichen der Stadt ist. Teilt man jedoch die Stadtfüh-

Vielzahl an Angeboten erkennen, die sich in einem Urlau-

rung in Bereiche auf, so wird klar, dass nicht alle der von

ber in Frankreich bieten. Jedoch fraglich ist, warum die

Bruhn an-geführten Dimensionen zur Gänze erfüllt sind.

sprachliche Barriere noch nie thematisiert wurde.

Die Potenzialdimension der Stadt Cannes als kulturelle

Betrachtet man die Stadtführung in Cannes als Teil der

Stadt ist begrenzt, denn neben den Shops, Boutiquen,

international week der FH Kufstein, so ist diese durchaus

Luxushotels lediglich etwas Küstenregion und den wenige

eine tolle Abwechslung, denn Cannes ist im Vergleich zu

Denkmählern ist nur wenig Platz für Kultur; mit Ausnah-

Marseille doch etwas Anderes. Den Filmschick, die Atmo-

me der Filmfestspiele. Zusätz-lich lässt sich der Potential-

sphäre an der La Croisette auf einen wirken zu lassen, ne-

dimension der Zustand der Anlagen zuschrieben, welche

ben den Reichen und Schönen die Rue D’Antibes entlang

in Cannes nicht der wesentlichste Unterschied zu anderen

zu spazieren, ist es durchaus Wert eine Reise nach Cannes

an der Küste befindlichen Städten ist. Die Qualifikation der

zu machen.

Mitarbeiter des Tourismusbüros, welche die Stadtführung vornimmt, ist den Gegebenheiten angepasst. Auch die sprachliche Barriere ist lösbar, denn die Führungen werden auch in englischer Sprache angeboten. Die Prozessdimension während der Stadtführung wurde nicht zur Gänze ausgeschöpft, da die Führung für die wenigen Sehenswürdigkeiten in Cannes zu lang war bzw. für einige Sehenswürdigkeiten wie dem Marché Forville wiederum zu kurz war. Der Ablauf und Prozess der Führung schien standardisiert zu sein und sich wenig nach den Bedürfnissen der Konsumenten zu richten. Die Stadtbesichtigung hat das Ziel, den StudentInnen einen groben Überblick über Cannes zu geben, und dies wurde durchaus erfüllt. Fasst man hier die Ergebnisdimension eng, so darf sich diese Stadtführung durch Cannes durchaus als erfolgreich beschreiben, denn der Überblick über Cannes wurde gegeben.

127


Der Wirtschafts- und Tourismusstandort Cannes

Palais des Festivals et des Congrès de Cannes unter dem Aspekt von Licht und Schatten Jahre 2010. des Tourismus Verfasserin: Daniela Bertermann

Der berufsbegleitende Studiengang SportKultur- und Veranstaltungsmanagement 2011 der FH Kufstein hat im Rahmen der international week im Oktober 2013 die Möglichkeit genutzt, die Stadt Cannes und ihre Kongressbauten kennen zu lernen. Die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur ist eine von 27 Regionen in Frankreich, Hauptort dieser Region ist Marseille. Cannes liegt direkt an der Mittelmeerküste, kilometerlange Sandstrände und über 300 Sonnentage im Jahr sind das Markenzeichen. Der Ort ist sowohl auf der Straße als auch per Bahn sehr gut an Nizza (Flughafen), Monaco und St. Tropez ange-

3

Dies ergibt eine Steige-

rung von über 56 % innerhalb von nur 10 Jahren.

Diese Entwicklung bestätigt das Eurostat Jahrbuch der Regionen 2010. Auch hier liegt die Position der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur auf einem der ersten Plätze (Rang 8). (Siehe Graphik Seite 3) Um die richtige Einschätzung der dargestellten Positionen zu erhalten, ist es notwendig, einen Vergleich der im Tourismus führenden Länder, Spanien, Italien und Frankreich durchzuführen. Bei der Gegenüberstellung der touristischen Präsenz bilden nur die Regionen Tirol in Österreich (Rang 11) und Oberbayern in Deutschland (Rang 16) Ausnahmen.4

bunden und jedes Jahr Ziel von unzähligen Touristen.1 Die Zahl der Einwohner der Stadt Cannes wird seit 2006 aus (Teil-)Zensusergebnissen verschiedener Jahre berechnet und die Statistik ergab zum Stichtag 1. Januar 2011 72.607 Einwohner, Tendenz stagnierend. Diese Auswertung wird von der Internetseite „http://www.citypopulation.de“, die als Quelle das Institut National de la Statistique et des Études Économiques, France (web) nachweist, publiziert.2

Abbildung 1: Die 20 wichtigsten Tourismusregionen der EU-27, Übernachtungen von Inländern und Nichtinländern in Hotels und auf Campingplätzen, nach NUTS-2 Regionen, 2008 (Millionen Übernachtungen) (Quelle: Eurostat, 2010, S. 185)

Auf der Basis dieser Daten ist es aufschlussreich, sich mit den Übernachtungszahlen in der Region detaillierter

Die Auswertungen bestätigen die Aussagen von Touris-

auseinander zu setzen. Laut der statistischen Auswertung

musspezialisten, hervorzugeben ist in diesem Zusammen-

„Anzahl der Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben

hang Frau Heimeran-Emans, die in Ihrem Buch „Cannes

in Frankreich in den Jahren 2000, 2005 und 2010 nach

und Umgebung entdecken“ festschreibt, dass der Touris-

Regionen“, hat die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur,

mus in Frankreich und besonders in der Region Proven-

zu der die Stadt Cannes gehört, nach der Region Île-de-

ce-Alpes-Côte d’Azur einen hohen Stellenwert hat und ei-

France, deren Hauptort Paris ist, die höchsten Übernach-

nen großen Teil der Wirtschaftskraft darstellt.

tungszahlen von den 22 französischen Tourismusregionen

Unter diesem Aspekt ist es sehr bemerkenswert, dass Can-

im Jahre 2010. So stiegen die Übernachtungen von noch

nes die zweithöchste pro Kopfverschuldung in Frankreich

5

33.711.939 Mio. im Jahre 2000 auf 52.666.923 Mio. im

128

1 Vgl. Simon, 2011, 14 u. 384f 2 Vgl. URL: http://www.citypopulation.de/php/france-alpesmaritimes_d.php?cityid=06029 [09.01.2014] 3 Vgl. URL: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/49935/umfrage/uebernachtungen--in-beherbergungsbetrieben-in-frankreich-nach-regionen/[09.01.2014] 4 Vgl. Eurostat, 2010, S. 184f 5 Vgl. Heimeran-Emans, 2009, S. 53 - 59


aufweist, wenn man einem Artikel aus

1907 fand die feierliche Eröffnung statt,

der das Riviera Côte d’Azur Zeitung vom

das Casino wurde zu einer großen At-

September 2013 Glauben schenken darf.

traktion. Bereits im Jahr 1919 haben füh-

Dort heißt es, dass die Stadt pro Einwohner mit

rende Architekten das Casino, das eine Renais-

ca. 3.730 Euro verschuldet ist. Das bedeutet 278 Mio. Euro

sance erlebte, erweitert und modernisiert, um dem Geist

Verbindlichkeiten für die Stadtverwaltung und den neun-

der damaligen Zeit zu entsprechen. Im Jahre 1930 führte

ten Platz im Verschuldungsranking in Frankreich.

der bekannte Architekten Roger Séassal (Nizza) nochmals

6

eine Umgestaltung durch und gab dem Gebäudekomplex

Die Entstehungsgeschichte der Casino- und Festivalgebäude „Das interessanteste am Palais des Festivals ist seine Geschichte … Mitte des 18. Jahrhunderts dachten die Stadtväter darüber nach, wie man Cannes für die wachsende Zahl der Wintergäste attraktiver machten könnte. Und was lag da näher als der Bau eines Theaters mit angeschlossenem Casino? An erhabener Stelle an der Croisette er-

ein moderneres Aussehen.8 In diesem Zusammenhang muss man sich vergegenwärtigen, dass alle Gebäude, die erbaut, umgebaut, modernisiert oder erweitert wurden seit dem Jahre 1907 als Veranstaltungsstätten genutzt wurden und als Palais des Festivals (et des Congrès) zu bezeichnen waren.

Das neue Casino

richtete man daher 1863 das „Casino Municipal“, das wie

– Casino Croisette oder Palais Croisette

ein Schloss aussah. … Da sowohl das Casino Municipal als

Die Entstehung des neuen Palais des Festivals et des

auch der „Cercle Nautique“ über Bühnen verfügten, das

Congrès de Cannes ist mit der hohen Akzeptanz der Film-

Casino aber auf wenig Gegenliebe bei den ausländischen

festspiele und dem dringenden Bedarf an zusätzlichen

Gästen stieß, war sein Schicksal rasch besiegelt. Mangels

Räumlichkeiten verbunden. Dadurch, dass die Anzahl der

Rentabilität wandelte man es kurzer Hand in das Hôtel

Kongress- und Großveranstaltungen stetig wuchs und da-

Beau Rivage um.“

mit auch die Besucherzahlen sich erhöhten, musste die

7

Stadt für die zukünftigen Anforderungen ein funktionales,

Das alte Casino – Casino Municipal Die Verantwortlichen der Stadt Cannes wollten einerseits ihren aristokratischen Gästen, die eine neue Kultur mitbrachten, entsprechen, andererseits sollten sich die gehobene Unterhaltung im eleganten Rahmen auch im Gebäude und seiner Ausstattung widerspiegeln. Nach langen Diskussionen hatten sich die Entscheidungsträger auf den Bau einer Kombination aus Spielcasino und Theater geeinigt und dafür ein 10.000 m² großes Grundstück freige-

mit neuesten Technologien ausgestattetes Kongresszentrum vorweisen. Der wachsende Markt hatte zur Folge, dass Cannes die Chance nutzen musste, eine ganzjährige Auslastung seiner Infrastruktur zu fördern. Die Schlussfolgerung aus dieser Entwicklung war der Neubau des Casino Croisette, das Nachfolgergebäude des Casino Municipal, da es nach intensiver Nutzung 1979 abgerissen wurde. Der Palais des Festivals et des Congrès eröffnete im August 1988.9

geben. 6 7 8 9

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

Mediterraneum Editions s.a.r.l., AS, Riviera Côte d’Azur Zeitung, 2013 Heimeran-Emans, 2009, S. 109 Heimeran-Emans, 2009, S. 109f Heimeran-Emans, 2009, S. 110f

129


Der heutige Palais des Festi-

Die Bedeutung des

vals et des Congrès

„Le Festival“ für die Cannois

Der heutige Palais des Festivals et des Congrès ist das erweiterte Gebäude des Casino Cro-

An den zwölf Tagen im Jahr, an denen Cannes Austragungsort des Filmfestivals ist, so die

isette, es stellt heute einen Vielzweckbau dar und hat

Aussage von Silvia Heimeran-Emans, bedeutet das für die

von den Einwohnern der Stadt (Cannois) den Spitznamen

Cannois verstopfte Gassen und ständiges Getümmel. Der

„Bunker“ erhalten.10 Im Jahr 2001 wurde das Gebäude in

Tagesablauf will wohl durchdacht sein, um dem allgemei-

Frankreich in die Liste der Baudenkmäler aufgenommen.

nen Ausnahmezustand in der Stadt zu umgehen, der spä-

In diesem Haus befinden sich ein großes Auditorium, ein

testens ab 12:00 Uhr mittags vorherrscht. Doch gibt es

Theater, verschiedene Säle, ein Spielcasino, eine Disko-

auch einige Vorteile für die Einheimischen in dieser Zeit.

thek und im Außenbereich der „Walk of Fame“. Dort haben

Die Entleerung der Briefkästen erfolgt nach einer Sonder-

sich etliche Stars der Filmbranchen durch Ihre Handabdrü-

regelung, die Geschäfte haben an beiden Sonntagen ge-

cke und Unterschiften verewigt.11 Für uns Studenten war

öffnet und Vermieter von privaten Unterkünften erzielen

es ein Erlebnis von verschiedenen, prominenten Persön-

Höchstpreise. Die Cannois akzeptieren diesen Zustand ein-

lichkeiten die Unterschriften zu entziffern.

mal im Jahr und bleiben dabei extrem freundlich, schließlich ist „Le Festival“ ein entscheidender Wirtschaftsfaktor.14

Festival de Cannes Die Idee, ein alternatives, von politischem Interesse unab-

Die Verwaltung des Palais

hängiges Filmfestival zu gründen, stammt unter anderem

des Festivals et des Congrès

von Phillipe Erlanger, einem Vertreter der französischen Regierung. Licien Lumière, „der Vater des Kinos“ unterstützte sein Vorhaben. Im Jahre 1940 sollte das erste Filmfestival stattfinden. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kam dazwischen und erzwang die Absage der Veranstaltung. Jahre später haben Filmbegeisterte die Pläne noch einmal aufgegriffen, das bestehende Gebäude wurde unter enormem Zeitdruck umgebaut und so konnte im September 1946 das Filmfestival, noch unter einem provisorischem Dach, zum ersten Mal stattfinden.12 Bereits im darauffolgenden Jahr konnte das zweite Festival durchgeführt werden, danach fand das Festival wieder im Jahr 1949 statt und ab 1951 wurde daraus eine jährlich wiederkehrende Veranstaltung.

130

10 11 12 13 14 15

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

13

Für den Betrieb des neuen Palais wurde am 1. Januar 1992 die Société d’économie mixte pour les événements cannois (SEMEC) aus drei Vereinigungen gegründet: (Cannes Tourisme, L’OMACC und L’association Cannes Palais des Congrès). Die Stadt hat dieser Gesellschaft folgende Aufgaben übertragen: Tourismuswerbung, Kongresse einwerben und durchführen, Trägerschaft der Tourist-Information, Trägerschaft des Palais des Festivals et des Congrès und Durchführung von Events in der Stadt. Die Verwaltung und Vermarktung des Palais des Festivals et des Congrès sind die wichtigen Aufgaben der SEMEC. Sie ist heute für die Organisation und Durchführung von über fünfzig bedeutenden Veranstaltungen pro Jahr verantwortlich.15

Heimeran-Emans, 2009, S. 109 Heimeran-Emans, 2009, S. 111 Heimeran-Emans, 2009, S. 64 URL: http://www.festival-cannes.com/en/about/aboutFestivalHistory.html [09.01.2014] Heimeran-Emans, 2009, S. 67f URL: http://de.palaisdesfestivals.com/cannes-convention-bureau-de/nos-missions-de [14.11.2013]


Das Palais des Festivals et des Congrès wird von den Einwohnern der Stadt als Wirtschaftlich gesehen, hängt die Fi-

„Bunker“ bezeichnet.

nanzkraft der Stadt maßgeblich vom In-

Die Veranstaltungen im Palais des Festivals et des

ternationalen Filmfestival und von der MI-

Congrès und ihre Wertschöpfung

DEM (Marché international de l‘édition musicale), der führenden, jährlich stattfindenden Musikmesse16 ab.17

In dem bereits beschriebenen Gebäudekomplex haben im

Um einen Überblick über das Ausmaß der Veranstaltungen

Jahr 2013 ca. 125 Veranstaltungen mit unterschiedlichen

und ihrer Wertigkeit in der Budgetierung zu erhalten, hat

Themen, verschiedener Größenordnung, bestimmten Ziel-

die Verfasser am Beispiel des Internationalen Filmfestivals

gruppen und differenzierter Aufmerksamkeit in den natio-

wirtschaftlich relevantes Zahlenmaterial zusammenge-

nalen und internationalen Medien stattgefunden.

stellt.

Ein wesentlicher Teil dieser Events betrifft nationale und

In den knapp 2 Wochen, an denen „Le Festival“ stattfin-

internationale Messen, die größte Aufmerksamkeit erfährt

det, werden in die Stadt Cannes über 650 Million Euro

das jährlich stattfindende Internationale Filmfestspiel. Ein

umgesetzt. Es melden sich jährlich ca. 31.000 Teilnehmer

Auszug aus den weiteren regionalen, nationalen und inter-

sowie über 4.000 nationale und internationale Journalisten

nationalen Veranstaltungen wird nachfolgend aufgelistet.

an. Zu dieser Zeit sind die 2.300 Zimmer der Luxushotels nahezu komplett ausgebucht. Ein Siebtel des Jahresumsatzes machen die Hotels der Stadt Cannes an diesen zwölf Veranstaltungstagen.18

• „Festival International des Jeux“, ein Messe- und Festivalerlebnis rund um das Thema „Spiele“21

• MIDEM, “Marché international de l‘édition musicale“, eine der größten Musikmessen weltweit22

Jährlich besuchen zwischen 280.000 bis 300.000 Gäste die

• MIPIM, “Marché International des Professionnels de

über 50 bedeutenden Kongresse und Festivals und damit

l’immobilier“ eine Messe für Wohn-, Gewerbeimmo-

den Palais des Festivals et des Congrès und garantieren

bilien und Betriebsansiedlung, die in diesem Jahr 25

damit, dass der wirtschaftliche Kreislauf erhalten bleibt

jähriges Bestehen feiert23

und die Stadt Cannes genügend Einnahmen verzeichnet, um zukünftige Investitionen tätigen zu können.19

• ILTM, “International luxury travel market, Messe der Business-to-Business-Branche für Luxusreisen24

Im Jahresverlauf generiert der Geschäftstourismus jährlich

• MAPIC, “Marché international professionel de l‘implen-

835 Mio. Euro Umsatz und stellt 16.500 Arbeitsplätze in

tation commerciale et de la distribution“, eine interna-

Cannes und der Region sicher. Für die Modernisierung und

tionale Messe für Einzelhandelsimmobilien25

Erweiterung der genutzten Gebäude und der Infrastruktur

• Tax free world Exhibition26, diese Messe fand bei unse-

liegen Kostenvoranschläge in Höhe von 140 Mio. Euro vor.

rem Besuch vom 20. bis 25. Oktober 2013 in Cannes

Im Zeitabschnitt von 2002 bis 2009 wurden bereits 24 Mio.

statt

Euro in Modernisierungsmaßnahmen investiert.20 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26

Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl. Vgl.

URL: http://www.midem.com/en/the-event/[09.01.2014] Heimeran-Emans, 2009, S. 69 Heimeran-Emans, 2009, S. 69 URL: http://de.palaisdesfestivals.com/cannes-convention-bureau-de/nos-missions-de [14.11.2013] Heimeran-Emans, 2009, S. 111 URL: http://www.cannes-reiseziel.de/events-shows-cannes/festival-der-spiele-cannes [05.01.2014] URL: http://www.expodatabase.de/messen-europa/frankreich/cannes/februar-2014/ [05.01.2014] URL: http://www.mipim.com/ [12.01.2014] URL: http://www.iltm.net/ [12.01.2014] URL: http://www.mapic.com/[13.01.2014] URL: http://www.tfwa.com/duty_free/TFWA-World-Exhibition.16.0.html [13.01.2014]

131


Unsere Stadtführung

die sehr ausführlichen Erklärungen den Spannungsbogen nicht gehalten haben.

in Cannes

Die Entstehungsgeschichte und die Nut-

Am Donnerstag, den 24.10.2013 war der Ausgangspunkt das Office du Tourisme in der Nähe des Palais des Festivals et des Congrès – Cannes. Die Planung hat vorgesehen, dass die Stadtführung zu den Sehenswürdigkeiten von Cannes in englischer Sprache abgehalten wird. Im Programmheft unserer international week sind dazu die Schlagworte „Altstadt, Fischerdorf und Filmfestivals Cannes“ vermerkt. Da es sich bei der Stadtführung um eine „normale“ Stadtführung und nicht um eine kulturwissenschaftliche oder architektonische Stadtführung gehandelt hat, war der Festival- und Kongresspalast, der der Veranstaltungsort für das Internationale Filmfestival ist, nur ein kleiner, themati-

zung des Veranstaltungsortes Palais des Festivals et des Congrès de Cannes und seiner Vorgänger war der Verfasserin vor dem Besuch der Stadt Cannes nicht bewusst. Die grundsätzlichen Informationen über das Konzept, die Veranstaltungen und das Veranstaltungsmanagement haben einen wesentlichen Eindruck über die Arbeit der Verantwortlichen und ihrer Aufgaben vermittelt. Es ist sehr deutlich geworden, welche komplexe Vielfalt an Arbeitsbereichen, miteinander in Einklang gebracht werden, um für die Besucher, die Mitwirkenden, die Veranstalter, die Einwohner und die Stadt Cannes mehr als nur einen wirtschaftlichen Erfolg zu erarbeiten.

scher Teil der Führung.

132

Der Festival- und Kongresspalast wird fast täglich durch

Persönliche Stellungnahme

unterschiedliche Veranstaltungen (Kongresse, Messen,

Die Stadt Cannes hat ihren Bekanntheitsgrad in erster Li-

Galas, Shows und Festivals) genutzt und ausgelastet, des-

nie durch das Internationale Filmfestival erhalten. Der Ruf

halb ist der Gang durch die Räumlichkeiten innerhalb einer

einer mondänen, südländischen Stadt an der Côte d‘ Azur

Führung nur sehr selten möglich. Leider konnten auch wir

wird nach Meinung der Verfasserin mit allen werbewirksa-

die Räumlichkeiten nicht besichtigen (Tax free world Exhi-

men und touristischen Maßnahmen aufrecht erhalten und

bition) und haben deshalb die Detailinformationen zu den

die Verantwortlichen der Stadt Cannes sind bestrebt, diese

einzelnen Bereichen nur sehr eingeschränkt erhalten.

Aura auch zu verteidigen.

Insbesondere der visuelle Eindruck eines so großen Ge-

Der offizielle Stadtführer „Cannes“ – Discover Cannes Gui-

bäudekomplexes mit unterschiedlichsten Aktionsberei-

de Book“27

chen, ca. 35.000 m³ Veranstaltungsfläche ist gerade für

henen Modezeitschriften. Vorrangig wird die Gastronomie

uns Studenten (SKVM) eine unverzichtbare Wertschöp-

in ihrer Vielfalt beschrieben, die Einkaufsmöglichkeiten in

fung, die dazu beiträgt, sich dem gesamten Spektrum be-

und um Cannes Umgebung dargestellt und die Events in

wusst zu werden.

der Stadt angepriesen. Der kulturell oder geschichtlich in-

Die Führung und die Darstellung der Geschichte der In-

teressierte Leser muss sich mit ca. eineinhalb Seiten der

ternationalen Filmfestspiele sowie des Palais des Festivals

Stadtgeschichte abfinden.

et des Congrès de Cannes waren aus Sicht der Verfasse-

Unabhängig davon ist es verwunderlich, dass das „Gui-

rin klar strukturiert. Die Erwartungshaltung an eine pro-

de Book“ nicht in deutscher Sprache erhältlich ist, obwohl

fessionelle Führung konnte insbesondere zu Beginn der

man so viel Wert auf Internationalität legt.

Tour nicht erfüllt werden, da die oftmaligen Pausen und

Dieser Eindruck verstärkt sich bei der Suche nach genau-

27 Vgl. Palais des Festivals et des Congrès de Cannes, 2013

ist vergleichbar mit einer der aktuell angese-


1946 fand das erste Festival de Cannes statt eren Informationen, es ist sehr schwer nung auf Besserung sind und mit uneran weitere Quellen, die die Stadt Cannes

laubten Mitteln versuchen, sich einen Teil

betreffen, zu gelangen, die nicht das Film-

des Wohlstandes zu erschleichen.

festival im Focus haben.

Die Sicherheitshinweise in den veröffentlichten

Allgemeine Veröffentlichungen über die Entstehungsge-

Tourismusbroschüren sind sehr ausführlich uns detailliert

schichte der Stadt Cannes sind außerhalb der Internet-

beschrieben und geben einen ersten Eindruck von dem

seiten der Reiseanbieter und allgemeinen Reiseführern

Zwiespalt, der in dieser Stadt herrscht.29

Mangelware. Die Sprachenvielfalt bei den Informations-

Unabhängig davon muss man auch auf das Thema Inf-

broschüren ist ebenfalls sehr eingeschränkt. Französisch

rastruktur, Autoverkehr, Parkplatzsituation in der Stadt

und Englisch sind die vorherrschenden Sprachen.

aufmerksam machen, die als außerordentlich schwierig

Der Aufenthalt während der Exkursion in Cannes mit den

beschrieben wird, da zu keinem Zeitpunkt des Tages aus-

unterschiedlichen Begegnungen in der Stadt haben der

reichend Parkplätze zur Verfügung stehen und dadurch

Verfasserin den Eindruck vermittelt, dass das Leben au-

das tägliche Verkehrschaos, auch außerhalb der Festival-

ßerhalb der großen Events, im speziellen dem internatio-

zeiten, vorprogrammiert ist.30

nalen Filmfestival, zu wenig Beachtung findet und in den

die Studenten der Exkursion bei der Hinfahrt mit dem Rei-

zur Verfügung stehenden Printmedien keine angemessene

sebus persönlich miterleben.

Diesen Zustand konnten

Würdigung erfährt. Man sollte einen Blick hinter die Kulissen wagen und selbst beurteilen, ob alles was mit den glamourösen Veranstaltungen in Verbindungen gebracht wird, Gold ist, was glänzt. Die Infrastruktur der Region und der Stadt Cannes haben bereits 2005 dazu geführt, dass die zweitwichtigste Mobilfunkmesse Europas (3GSM World Congress), neben der Cebit, nach Barcelona abgewandert ist.28 Die Grenzen für die Erweiterung von Kapazitäten (Veranstaltungsräume, Hotelbetten, Parkplätze, usw.) scheinen

erreicht und die Verantwortlichen müssen sich in Zukunft überlegen, wie sie große internationale Veranstaltungen unter den gegebenen Bedingungen organisieren können. Geld spielt für viele Menschen, die diese Stadt besuchen, keine Rolle, sie stellen ihren Wohlstand zur Schau. Dabei wird sehr oft nicht bedacht, dass viele Mitmenschen in Cannes und Umgebung sowie der Sozialtourismus mit dem täglichen Überleben zu kämpfen haben, ohne Hoff28 Vgl. Heimeran-Emans, 2009, S. 59 29 Vgl. Heimeran-Emans, 2009, S. 184f 30 Vgl. Heimeran-Emans, 2009, S. 183

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MIDEM eine der größten internationalen Musikmessen findet in Cannes statt Quellenverzeichnis

Literaturquellen Heimeran-Emans, Silvia (2009). Cannes und Umgebung entdecken. 2. Auflage, Norderstedt: Books on Demand GmbH Palais des Festivals et des Congrès de Cannes, (2013). Cannes – DISCOVER CANNES – GUIDE BOOK Simon, Klaus (2011). Reise-Handbuch – Provence Côte d’Azur. 1. Auflage, Ostfildern: DuMont Reiseverlag Internetquellen Brinkhoff Thomas (2013). Cannes (Grasse) [online]. Verfügbar unter: http://www.citypopulation.de/php/france-alpesmaritimes_d.php?cityid=06029 [09.01.2014] Europäische Union (2010). Eurostat Jahrbuch der Regionen 2010 [online]. Verfügbar unter: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_ OFFPUB/KS-HA-10-001-11/DE/KS-HA-10-001-11-DE.PDF [09.01.2014] Festival de Cannes - Tous droits réservés (2014). About the Festival: History of the Festival [online]. Verfügbar unter: http://www.festival-cannes.com/en/about/aboutFestivalHistory.html [09.01.2014] m+a Internationale Messemedien. (2013). Messen in Cannes, Frankreich im Februar 2014 [online]. Verfügbar unter: http://www.expodatabase. de/messen-europa/frankreich/cannes/februar-2014/ [05.01.2014] Mediterraneum Editions s.a.r.l. (2014). Wirtschaft: Cannes hat die zweithöchste Pro-Kopf-Verschuldung Frankreichs [online]. Verfügbar unter: http://www.rczeitung.com/index.php/wirtschaftsartikel/items/verschuldete-cote.html [12.01.2014] Palais des Festivals et des Congres de Cannes (2012). Unsere Aufgaben [online]. Verfügbar unter: http://de.palaisdesfestivals.com/cannes-convention-bureau-de/nos-missions-de [14.11.2013] Palais des Festivals et des Congres de Cannes (2012). Festival der Spiele [online]. Verfügbar unter: http://www.cannes-reiseziel.de/eventsshows-cannes/festival-der-spiele-cannes [05.01.2014] Reed Exhibitions (2013). [online]. Verfügbar unter: http://www.iltm.net/ [12.01.2014] Reed MIDEM A member of Reed Exhibitions (2014). HISTORY OF MIPIM [online]. Verfügbar unter: http://www.mipim.com/en/the-event/history/ [12.01.2014] Reed MIDEM A member of Reed Exhibitions (2014). HISTORY OF MAPIC [online]. Ver-fügbar unter: http://www.mapic.com/en/the-event/history/ [13.01.2014] Reed MIDEM A member of Reed Exhibitions (2014). Networking, conferences and business at Midem [online]. Verfügbar unter: http://www. midem.com/en/the-event/ [09.01.2014] Statista (2014). Anzahl der Übernachtungen* in Beherbergungsbetrieben in Frankreich in den Jahren 2000, 2005 und 2010 nach Regionen [online]. Verfügbar unter: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/49935/ umfrage/uebernachtungen--in-beherbergungsbetrieben-in-frankreich-nach-regionen/ [09.01.2014]

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TFWA (2013). The Exhibition at a glance [online]. Verfügbar unter: http://www.tfwa.com/duty_free/ TFWA-World-Exhibition.16.0.html [13.01.2014]


Marseille und das Unterfangen „International Week“ – Abschließende Gedanken zu beidem Am Bahnhof St. Charles in Marseille gibt es einen Warteraum, der nach dem Dichter Arthur Rimbaud (1854-1891) benannt ist, und ein Klavier, das zur freien Verfügung für Passanten steht. Beide Dinge fand ich sehr berührend – den Warteraum hat 2011 niemand geringerer als Patti Smith eröffnet, ein Mitschnitt, dessen Ästhetik ein Handy als Aufzeichnungsgerät vermuten lässt, ist auf YouTube hochgeladen. Am Klavier wurde alle drei Mal, die ich am Bahnhof war, gespielt. Ob gut oder schlecht interessiert niemanden, es geht um Lebenslärm. Marseille war eine Erfahrung des „Südens“, laut, lebendig und doch entspannt. Eine Hafenstadt, deren soziale Struktur sich von bürgerlichen Städten unterscheidet, in der die Berufe der Schifffahrt, der Zuzug aus dem Mittelmehrraum und die Industrie aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert bestimmend waren. Mit dem Niedergang der Industrie wuchs die Arbeitslosigkeit, Marseille blieb scheinbar immer Hafenstadt; andere Strukturen wuchsen nur im regionalen Umfeld, wie in Aix en Provence, wo sich die bürgerliche und akademische Gesellschaft mehr zu Hause fühlt. Mit der Arbeitslosigkeit wuchsen die Verführungen zum Drogenhandel, was der Stadt viel negative Dynamik und Reputation beschert. Die wenig durchlässige Multikulturalität von Marseille äußert sich in Erzählungen von Vierteln, deren Einwohner noch nie das Meer gesehen haben – Zugangsbarrieren zu anderen Vierteln machen sich hier bemerkbar. Was das Projekt ECoC betrifft, so stellte es sich als Impuls für Richtungsänderung dar – eine Kernaufgabe kultureller Veranstaltungen. Die über Jahrzehnte erfolgte Vernachlässigung der kulturellen Infrastruktur brachte für die Betreiber besondere Herausforderungen mit sich, denn wo die Infrastruktur klein ist, gibt es auch wenig potenzielles Publikum. Mit der Belebung öffentlicher Plätze, einem populären Programm und mit der Realisierung lang gehegter Ideen wie einem Museum zum Mittelmeerraum (MuCem) kann sich Marseille dank ECoC neu positionieren und lokale sowie internationale Dynamiken anstoßen. Enttäuschend bleibt das Innenleben des architektonisch beeindruckenden MuCem, dessen größerer Wert die Kunstmeile zu sein scheint, die über die Terrasse des MuCem führt und von tausenden Flaneuren begangen wird. Die Auseinandersetzung mit der Frage, was die Identität eines Ortes, einer Stadt ausmacht, bleibt aber in der Formensprache quasi stecken. Ganz anders die Ausstellung zu dem Architekten Le Corbusier, der in Marseille ein einzigartiges Projekt geschafften hat, die Citè Radieuse, ein damals avantgardistisches Projekt einer Wohneinheit als Lebensraum. Es steht direkt neben einem anderen Brennpunkt des öffentlichen Lebens in Marseille: Dem Stade Vélodrom, das sich derzeit im Umbau befindet und wohl als das symbol- und geschichtsträchtigste Sportgebäude in Marseille bezeichnet werden kann. Beim Konzert der Musiker aus Kaledonien im Espace Julien wurde die Idee vom Mittelmeerraum als Öffnung zur Welt lebendig. Was aus der europäischen Mitte ev. als exotisch erlebt wird, Sänger in „Ethno-Outfit“, wird durch den lauten, dialogischen Response des Publikums, von Fans, zu einem festlichen, poetischen Ereignis.

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Jede International Week ist nicht nur von der Destination selbst geprägt, sondern in besonderem Maße auch von der Gruppe, ihrer Dynamik und dem Zusammenspiel aus Erwartungen und Erlebten. Der Auswahlprozess und die Vorbereitungen waren langwierig, in bestimmten Phasen entstand eine Dynamik des Laisse faire. Die Erfahrungen, dass Anfragen bei Einrichtungen unbeantwortet bleiben oder Sprachhürden auftauchen, dass es mühsam ist, sich durch Neuland aus der Distanz voran zuarbeiten schienen sich manchesmal eher lähmend auszuwirken, denn herausfordernd zu wirken – ähnliche Herausforderungen charakterisieren auch das Berufsleben in Sport-, Kultur- und Veranstaltungswesen. Für uns als Begleiter der International Week mit dem Studiengang SKVM 11bbB war es wohltuend, die Veränderung in der Wahrnehmung der TeilnehmerInnen zu erleben: Aus anfänglicher Distanz und Ablehnung bei einigen wurde Neugierde. Die Führungen, auch wenn nicht immer die Erwartungen erfüllend, ermöglichten doch Einblicke in die besondere Komplexität dieser Stadt. Ob das grundsätzliche Anliegen der IW, eine Auslandserfahrung unter professionellen Aspekten zu erleben und Verbindungen zu den Lehrfächern herzustellen gelungen ist, muss jeder für sich beantworten. Ein offenes Herz, offenen Augen und Ohren können die Brücke dafür bilden, den Rest muss der analytische Verstand, der Intellekt erledigen. Die Zeit in Marseille haben wir als wertvoll im gemeinsamen Erleben erfahren; das kann auch Enttäuschungen beinhalten. Für viele war der Ausflug nach Cannes entbehrlich, da das Kongress-Center nicht für eine Führung frei war (nur ca. 5 Tage im Jahr ist das Center für Führungen zugänglich). Das Angebot, reale Eindrücke mit medialen Bildern vergleichen zu können, über ikonische Orte nachzudenken, sich von einem Raum zu Ideen und Theorien inspirieren zu lassen, trug kaum Früchte. Auch solche Erfahrungen sind Teil einer IW, die immer ein Prozess ist. Wir danken der Gruppe und dem großen Engagement alle jener, die sich um Führungen und Termine bemüht haben, allen voran Jessica Ölz und Elisabeth Saller-Kraft. Der Reader soll uns neben den Sinneseindrücken, die die individuelle Erinnerung immer wieder verändern wird, als ein bleibendes, fixiertes Erinnerungsstück dienen.

Verena Teissl & Robert Kaspar Kufstein Februar 2014

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