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AUSGEWÄHLTE BEITRÄGE DER DEUTSCHEN BLOGOSPHÄRE

usdruck

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Ich bin kein Designer. War ich nie, werd ich nie sein. Sicher, ich hab ein paar Vorstellungen davon, wie ein gutes Design aussehen sollte, nur beziehe ich das ganz alleine auf meine eigenen Erfahrungen und Ansichten. Es fällt mir schwer, mich in mein Gegenüber zu versetzen, und allein durch seine Beschreibung eine Idee davon zu kriegen, wie sein Design aussehen könnte. Manchmal lande ich einen Glücksgriff. Meistens nicht. Ich bin kein Typograph. Ich interessiere mich nicht für Schriften, kann Helvetica nicht von Arial unterscheiden und verstehe gerade deswegen nicht, wie darüber regelrechte Glaubenskriege geführt werden können. Ich kann Schriften nicht beschreiben, lediglich in serifen- und serifenlose Varianten unterteilen. Am Ende muss ein Text lesbar sein, das ist alles, was ich will. Ich habe von Print keine Ahnung. Gut, ich weiss, dass das, was ich auf dem Bildschirm sehe, nicht unbedingt das sein wird, was später auf Papier zu sehen sein wird. Dass Bildergrößen nicht gleich Bildergrößen sind, und dass Druckereien mit CMYK statt RGB arbeiten. Da hört es aber auch auf. Ich bin Blogger. Ich schreibe in einer digitalen Welt, in der jeden Tag eine schier unüberschaubare Anzahl von neuen Informationen verfügbar ist, in der der topaktuelle Beitrag von heute schon morgen Schnee von gestern sein kann. Inhalte sind vergänglich, für den Moment geschrieben und in den meisten Fällen auch nicht dazu gedacht, für die Ewigkeit festgehalten zu werden - auch wenn das Internet nicht vergisst. Ich erfülle also keinerlei Vorraussetzungen, um ein Magazin zu erstellen, dass einige ausgewählte Beiträge der deutschen Blogosphäre zu Papier bringt. Beiträgem die zeitlos sind, die mich zum Lachen gebracht haben, zum nachdenken, die toll erzählt sind, kurz, die für mich aus der Masse ein klein wenig heraus ragen, zu Papier bringt. Ich kann es aber versuchen.


Von Johnny Haeusler am 20. Januar 2006 geschrieben http://www.spreeblick.com/2006/01/20/irgendwie-sandig/

IRGENDWIE SANDIG

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twas angewidert schaut sie mich an. Es ist dieser Wenn-du-schonmal-ausnahmsweise-kochst-Blick.

„Was is’n? Stimmt was nicht mit den Koteletts?“ „Die schmecken irgendwie… sandig“, erwidert sie. Sandig. Das habe ich noch nie gehört. Ich bin ganz sicher kein guter Koch, ich koche einfach zu selten und nicht gern genug, aber ein Kotelett kann ich schon noch in die Pfanne hauen. Habe ich ja auch. Und dabei ist es wohl „sandig“ geworden. Was für ein Quatsch. Mir schmeckt es jedenfalls. Bis ich ein deutliches Knirschen in meinem Mundraum höre und ein fieses Gefühl an meinen Zähnen spüre. Sie hat Recht. Die Koteletts schmecken irgendwie sandig. Wieso? „Der Fleischer ist eh schlecht, sagen alle, der verkauft Dreck, das bring’ ich dem morgen zurück. Oder hast du die nicht richtig sauber gemacht?“

SCHMECKT NÄMLICH TROTZDEM SUPER, SAGT MEIN GESICHTSAUSDRUCK. SCHMECKT ABER TROTZDEM IRGENDWIE SANDIG, SAGEN MEINE ZÄHNE.

Natürlich habe ich die richtig sauber gemacht. Glaube ich. Die Kartoffeln, die ich geschält hatte, waren sehr erdig und hinterließen jede Menge… naja, Sand eben. Scheiße. Da koche ich schonmal und dann baue ich wieder Mist. Dabei bin ich sicher, dass ich den Tisch richtig sauber gemacht habe. Außerdem lagen die Koteletts auf einem Handtuch, zum Trocknen nach dem Abwaschen. Kann gar nicht sein, danach sind sie sofort in die Pfanne und dann in den Ofen zum Warmhalten gewandert. Das alles sage ich ihr auch, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass sie mir nicht wirklich glaubt. Zumindest deute ich die Tatsache, dass sie ihr Kotelett mittlerweile unter kaltes, fließendes Wasser gehalten hat um es danach auf einem neuen Teller mit einer Schicht Ketchup zu überziehen als gewisse Vertrauenslosigkeit in meine Ich-mach-das-schon-Ambitionen. Echter Kerl, der ich bin, macht mir „irgendwie sandig“ gar nichts aus. Ich esse nicht nur mein, sondern auch ihr Kotelett. Schmeckt nämlich trotzdem super, sagt mein Gesichtsausdruck. Schmeckt aber trotzdem irgendwie sandig, sagen meine Zähne. Einige Tage später, der Geburtstagskuchen für den den Jüngsten steht auf dem Tisch. Eine hübsche, aufwändige Backkreation, überzogen mit feinstem Schokoladenguss und verziert mit einer genau berechneten Kerzenzahl lässt die Augen der Kinder und einiger Gäste leuchten. Bis jemand meint: „Der schmeckt irgendwie… sandig, der Kuchen“. Was leider stimmt. Da ich mit der Kuchenherstellung nichts zu tun hatte bin ich posthum rehabilitiert, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass wir ein Problem haben, das zweifelsfrei mit unserem Ofen zu tun haben muss,


Was Deutschland eint: Am Abend vor dem Feiertag herrscht im Supermarkt ganz offen Krieg. “Wir werden alle verhungern!”- “Du zuerst!”

der einzigen Gemeinsamkeit im Kotelett- und KuchenHerstellungsprozess. Drei erfahrene Erwachsene inspizieren selbigen und kommen zu dem Schluss, dass er gereinigt werden muss. Vermutlich, wie soll es anders sein, ist durch die Umluft bewegter Schmutz die Ursache zweier verdorbener Mahlzeiten. Die Reinigung des Ofens wird beschlossen, die Freude über Lösung des Problems wiegt nur knapp stärker als der Ärger darüber, dass der Geburtstagskuchen im Müll landet, da er komplett ungenießbar ist. Ärgerlich. Aber wir wissen jetzt wenigstens, woran es liegt. Bis der abendliche Salat irgendwie… sandig schmeckt. Schlechte Laune macht sich breit. Das kann doch alles nicht wahr sein, wo kommt der verdammte Sand her? Der Salat, der selbstredend keine Sekunde lang im Ofen war, schmeckt viel sandiger als die Kotelettes und sogar noch sandiger als der Kuchen vom Nachmittag. Hier stimmt etwas nicht. In unserer Küche. Die Kinder dürfen heute mal länger wach bleiben, die Sand-Recherche hat Vorrang. Einrichtungsgegenstände werden verrückt, Arbeitsplatten inspiziert. Eine Lupe wird ins Spiel gebracht, feinste und frisch gereinigte Tücher für Staub-Tests genutzt. Fensterdichtungen werden auf ihre Funktion überprüft. Plötzlich ein leiser Aufschrei, die nähere Betrachtung der Salatsoßen-Reste bringt nichts anderes als… Sand zum Vorschein. Feinsten, klar als solcher erkennbaren Sand. Unsere Blicke wandern in dee Luft, an die Küchen-Decke. Nochmals zum Fenster, nochmals in den Ofen, hinter den Ofen, sogar unter den über dem Ofen montierten Gasherd. Staub, ja, etwas normaler Schmutz, auch, aber kein Sand. Nicht in dieser groben Körnung. Mir wird etwas unwohl. Die Tatsache, dass sich unerkannt und ungehindert Sand in unsere Nahrung mischt, gefällt mir nicht, ich vermute einen neuen Lebensmittelskandal, eine Alien-Invasion oder wenigstens Atomtests in unserer unmittelbaren Umgebung. Wir stehen vor einem Rätsel. Wir werden einen Fachmann für unerklärliche Phänomene kommen lassen müssen, ich suche in Gedanken nach einem Titel für die Verfilmung. Suchen tut derweil auch der Jüngste, der durch die Küche trabt. Er vermisst etwas. Prüfend wandert sein Blick über die Tische und Arbeitsplatten, bis seine Augen an einem kleinen Gegenstand hängenbleiben. Es ist einer unserer Salzstreuer, den er sich ursprünglich zum „Küche-Spielen“ ausgeliehen, entgegen aller sonstigen Angewohnheiten zurückgestellt und nach dem Spiel wieder brav aufgefüllt hatte. Mit feinstem, aus dem Urlaub mitgebrachtem… Sand.


REDAKTIONSSITZ


WIE ICH DIE ZUNG VERPASSTE


Von Markus Herrmann am 15. September 2008 geschrieben http://www.nomnomnom.de/2008/09/15/wie-ich-die-redaktionssitzung-verpasste-1

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igentlich hätte es richtig schön werden sollen. Alle 3 Nommer endlich Mal wieder vereint und zwar zur ersten offiziellen Redaktionssitzung/Klassenfahrt. Aus terminlichen Gründen konnte ich allerdings erst einen Tag später anreisen, was an sich eher trivial klingt, letztendlich aber doch einige Probleme mit sich brachte. In den nächsten Tagen möchte ich an dieser Stelle nun ausführlicher darüber berichten.

Alles verlief nach Plan. Ich war 10 Minuten vor der Zugankunft am Bahnhof, konnte mir also bequem noch etwas zu lesen kaufen und dann langsam schwer bepackt zum Gleis trotten. Noch nicht mal im Zug gab es Probleme. Ich fand sofort einen Sitzplatz und das wo der doch nach Berlin fuhr, da wollen sie doch eigentlich alle hin. Weder quäkende Kinder noch gekünstelt schnaubende Excel Männer neben mir. Wenn der Tag so weiterverlaufen würde, wäre ich am Abend wahrscheinlich Multimillionär und verheiratet mit Kate Nash. In Berlin angekommen stürmte ich aufs Gleis wie in einem alten Heintje Film, hier sollte irgendwo das nomnomnom Kollegium stehen und auf mich warten. Ich hatte mir die ganze Zeit überlegt wie sie mich wohl begrüßen würden. Mit Sicherheit haben sie den Tag Vorsprung genutzt um eine kleine Nettigkeit zu basteln. Ein großes Schild mit meinem Namen, ein noch größeres Lebkuchenhermz oder gar Feuerwerk? Womöglich sogar eine Ramones Coverband. So sehr ich aber auf dem Gleis umher irrte und Ausschau nach ihnen hielt, nirgends war ein bekanntes Gesicht zu sehen. Wahrscheinlichlich haben sie in der untersten Etage das Lebkuchenhermz nicht in den Fahrstuhl bekommen und brauchen noch einen Moment. »Alles easy« dachte ich, bin ja nun auch kein Unmensch. Moment, hatte ich gerade tatsächlich »Alles easy“ gedacht? Hoffentlich hatte ich es nicht leise vor mich hergemurmelt. Erste Skepsis machte sich breit und ich hatte Angst, dass mir aus dem Nichts Gunter Gabriel auf die Schulter klopft und mir mit einem »Recht hast du Junge« zufrieden zunickt. So langsam müssten sie jetzt aber mal kommen, eine Viertelstunde war bereits vergangen. Nach einer halben Stunde hörte ich auf Ausschau zu halten und setzte mich auf einen dieser Gittersitze am Gleis. Aber hier würden

sie mich womöglich nicht sehen wenn sie mit den Luftballons der Rolltreppe hochgefahren kommen. Egal, so würde ich es Gunter Gabriel auch nicht so einfach machen, alles easy. Argh! Anderthalb Stunden waren bereits vergangen. Zusammengesackt starrte ich mit steifem Blick die Bahnschienen vor mir an. Ich hörte gerade »Fernando« von Abba als sich der Akku des MP3-Players verabschiedete. Das hatte mir ja gerade noch gefehlt, wo doch Musik der beste Divisor jeglicher Wartezeit ist. Ich blickte weiter in Richtung der Schienen und versuchte Melodien aus dem Fiepen meines linken Nasenlochs zu kreieren. Als ich alle Refrains der Lieder die je eine deutsche Fußballnationalmannschaft zu einem internationalen Turnier aufgenommen hatte, erfolgreich gefiept hatte und erstes Seitenstechen vom taktvollen Atmen bekam, verging mir auch daran die Lust. Gelangweilt und ein wenig desillusioniert blickte ich noch einmal dem Bahnsteig entlang. Womöglich hatten mich die Beiden vergessen und unterhielten sich gerade beim »brunchen« in einem hippen Szenecafé über ihre Macbooks. Ich sah vor meinem inneren Auge das fiese Glänzen in Phils Augen während er an seinem Moccacino nippte. Selbstverständlich wusste er das ich seit anderthalb Stunden am Bahnhof sitze, selbstverständlich würde er die 17€ für das Brunch-Buffet für Anne bezahlen. Hätte ich mir denken können. Meine Gedanken würden aber abrupt durch einen Blick zur rechten Seite unterbrochen. Woah. Zwei unbequeme Drahtgeflechtsitze neben mir saß eine junge Dame die ich in diesem Augenblick wohl angesehen haben muss als würde ich gebannt darauf Warten das auf allein 3 Feldern eines Glücksspielautomaten vor meiner Nase Sonnen erscheinen. Der vermeintliche Augenblick dauerte zugegebener Maßen mehrere Augenblicke lang,


Goethe hat gelogen, Pudel haben gar keinen Kern. Reinige meinen Nussknacker.

eren. Aus dem dumpfen Lärm des Bahnhofs konnte ich allmählich ihre Stimme herausfiltern und dann … HUAH! Oh. Mein. Gott. Für den Bruchteil einer Sekunde machte ich vor Begeisterung das Geräusch, was Marv bei »Kevin – Allein zu Haus« immer machte wenn er mit hochgradigen Temperaturen oder Starkstrom in Berührung kam. Sie hatte einen französischen Akzent. Ich musste irgendetwas tun um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. irgendetwas. Los! In meinem Kopf war sofort die Hölle los, Louis de Funès sprang wie in alten Zeiten auf und ab und hielt mir nur schwer leserliche Notizen mit möglichen Ratschlägen hoch. Etwa 29 Stück pro Sekunde. Ich musste etwas tun was mich cool, zugleich aber auch gebildet wirken ließ, interessant eben. Und ihr dabei auch noch klar machen, dass ich sie angucke ohne das sie merkt das ich sie angucke. Gar nicht mal so einfach, im Prinzip aber ein altbekanntes Problem was eben nur nicht allzu oft auf dem Bahnsteig auftritt. Am Besten ist es da ja wenn man in irgendetwas herumblättert. Ein Buch ist da etwas zu eintönig und man setzt alles zu sehr auf eine Karte, lieber ein gutes Magazin mit möglichst großen und selbstverständlich interessanten Bildern. Die beste Variante ist aber wohl das Booklet einer guten CD (ja Platte ist natürlich noch besser aber auf Reisen ein wenig unhandlich), damit schlägt man gleich 2 Fliegen mit einer Klappe . Eigentlich sollte man in solchen Fällen immer das Booklet vom »Garden State« Soundtrack zur Hand haben. Aufgeklappt würde das bestimmt auch bis zu ihr rüber reichen. Mist! allerdings blinkten da ja auch quasi 3 Sonnen vor mir auf. Nebeneinander! Ich hatte kurzzeitig die Sirenen vom Anfang von »Anton aus Tirol« im Kopf und fiepte mit meinem linken Nasenloch die 3 markanten Töne aus »Blockbusteeeeeer« von Sweet. Ich hatte keine Zeit mir Gedanken über diese Ausgeburt meiner Psyche zu machen, ich musste handeln. Wenn man mich fragt wie denn mein Typ Traumfrau aussieht sage ich immer, dass ich keinen habe, das Gesamtbild muss halt stimmen. Hier hatten wir nun so ein Exemplar. Sie sah aus wie Ronja Räubertochter mit Mitte Zwanzig und hatte sich links und rechts an die Lider ihrer tiefbraunen Augen solche kleinen Flügelchen mit Kajal gemalt. Hach. Neben ihre Beine hatte sie eine Tasche voller Bücher

abgestellt. Genauer gesagt einen schwarzen Stoffbeutel mit dem Aufdruck des arte Logos. Ich traute meinen Augen kaum, als ich dann auch noch sah, dass auf all den Büchern und losen zerknitterten Zetteln ein kleiner gelber Game Boy Color lag. Was für eine Frau. In der rechten Hand hielt sie ihr Mobiltelefon in da sie munter plauderte und in der linken eine Eiswaffel mit genau 3 Kugeln: Schokolade, Cookies und irgendetwas undefinierbares – auffällig bunt war es auf jeden Fall. Ein Hang zum Klassiker mit Offenheit für Neues, wir würden wunderbar zusammen passen. Als ich allein die visuellen Reize halbwegs verarbeitet hatte, konnte ich mich so langsam wieder auf meine anderen Sinne konzentri-

Aber hatte ich ja nun mal nicht und musste so meine eher spärlichen Möglichkeiten durchgehen. In meinem Rucksack hatte ich Christine Nöstlingers »Gurkenkönig« und eine InTouch Ausgabe von vor 2 Wochen. Nein das geht nicht, Ronja hat schließlich einen Sack voller Bücher und dann steh da auch noch arte drauf. Ich war ein wenig ratlos und erste Ernüchterung machte sich breit, womöglich wäre sie eh gleich weg und ich würde hier wieder ganz allein sitzen. Wirklich Konzentrieren konnte ich mich zudem auch nicht, da Louis de Funès in meinem Kopf mittlerweile »I Should Be So Lucky« von Kylie Minogue zum Besten gab. Wie sollte ich denn da bitteschön einen halbwegs vernünftigen Plan auf die Beine stellen?


Von Kleinkindern wird mir übel. Komm mir gar nicht erst mit Babies, diese shrimpsförmigen Ferkel, wie die schon kucken. Brrr.

die Physik auf meine Seite. Es war zum ersten Mal in meinem Leben.

Die Entfernung zwischen Bielefeld und Berlin beträgt 332 Kilometer. Eine Zugfahrt von Bielefeld nach Berlin dauert mit dem ICE 2 Stunden und 42 Minuten. Dabei werden 4 Bahnhöfe angefahren.

Eine Zugfahrt von Bielefeld nach Berlin dauert mit Regionalverkehr ungefähr 6 Stunden und 30 Minuten. Dabei werden 44 Bahnhöfe angefahren.

Eine Zugfahrt von Bielefeld nach Berlin mit dem ICE kostet 75,00€. Mit Regionalverkehr kostet dieselbe Fahrt 50,20€.

Im Hauptbahnhof Berlin verkehren jeden Tag 261 Fernverkehrszüge, 326 Regionalverkehrszüge und 620 S-Bahnen. Geschätzte 300.000 Reisende und Besucher nutzen täglich die Angebote.

Nach einer Studie von Stiftung Warentest sind 2 von 5 Fernzügen unpünktlich.

Doch dann schlug es ein wie ein Blitz. HA! Am Morgen hatte ich doch Dank meines großzügigen Zeitmanagements noch eine taz kaufen können – perfekt. Ich kramte sie aus meiner Tasche, legte einen Teil auf den Platz neben mich und begann den anderen Teil zu lesen. Wobei, gelesen habe ich da nichts, meine Konzentration galt schließlich voll und ganz ihrem Telefonat. Ich bewegte lediglich meine Augen auf und ab um interessiert auszusehen. Sie telefonierte gerade mit einer Freundin die wohl eigentlich gerade hätte ankommen sollen, nun aber den Anschlusszug verpasst hat und irgendwo in der Provinz fest saß. Das tat mir sehr Leid. Sie versuchte ihre Freundin mit ein paar Späßchen aufzumuntern und versicherte ihr als Entschädigung einen Kuchen zu backen wenn sie nun erst Morgen käme. Mhmmm Kuchen. Kurze Zeit später fand das Telefonat auch schon sein Ende, sie klappte ihr Handy zu und ließ sich mit einem unglaublich niedlichen Seufzen in den blauen Sitz zurücksacken. Ich war noch aufgeregter als zuvor. Ihre Freundin würde nicht kommen und sie womöglich gleich aufstehen und gehen. Für immer. In dem Bruchteil der Sekunde als ich vor meiner Zeitung tausende Dinge überlegte die ich in dieser akuten Situation nun tun könnte, stellte sich

Beim schwungvollen Zurücklehnen hatte sie ihre rechte Hand etwas weit nach links schwingen lassen, woraufhin sich die obere leuchtpinkgrellblaue Eiskugel verabschiedete und auf meiner Zeitung landete. Auf meiner Zeitung! Ich konnte mein Glück nicht fassen, blickte von der Zeitung auf und schaute in ihre riesigen Augen. Zumindest versuchte ich das, denn im ersten Moment hatte ich meinen Körper noch nicht so weit unter Kontrolle, als das er aufhörte die Augen in einem irren Tempo wie bescheuert auf und ab zu bewegen. Es waren die zumeist fragwürdigen Reaktionen und Reflexe meines Körpers die mich immer wieder in unangenehme Situationen brachten. Wie einmal im Ferienlager der siebten Klasse, als ich durch einen Geistesblitz einen bloßen Handkantenschlag für die beste Variante hielt um das Hornissennest aus dem Baumhaus zu entfernen. Glücklicherweise hatten wir Macauly Culkin damals nicht dabei. Ach nein, das waren ja Bienen. Oder als ich der kleinen L. aus der Parallelklasse aus Versehen das Nasenbein mit dem Knie zertrümmerte nur weil ich sie vor dem herannahenden Modelflieger des P. retten wollte. Kreuzgefährlich diese Dinger. Jetzt saß ich hier und meine Augen zuckten wie irre auf und ab. Könnte das denn jetzt bitte mal aufhören? Hoffentlich würde ich nicht wieder durch irgendein Versehen ausfällig werden. Doch glücklicherweise fand das Zucken ein vergleichsweise glimpfliches Ende: Ich machte das Geräusch des Elefanten aus der Sendung mit der Maus, meine Pupillen

erstarrten und ich blickte ihr direkt ins Gesicht. Herrje wie bescheuert das wohl gerade ausgesehen haben muss. Womöglich denkt sie jetzt das ich einer diese Typen bin die bei ihrer Beschreibung auf MySpace und Dergleichen als erste Punkte immer haben, dass sie »total crazy« oder »einfach nur freaky« sind. Normalerweise ist so was ein handfester Beleg dafür, dass jemand total langeilig ist und sich darum eine tierisch nervige Attitüde kreiert hat. Doch wie sollte ich ihr jetzt beibringen, dass das bei mir nicht der Fall ist? Ich war doch einfach nur aufgeregt. Vielleicht sollte ich einfach kurz aufstehen, ein bisschen umher springen und meine Tasche schütteln um ihr zu zeigen das da nirgends eines dieser nervigen Glöckchen dranhängt. Doch ehe ich auch nur ansatzweise auf dem Pfad hin zu einer guten Idee war, ließ mich mein Kopf mal wieder allein und in diese gewisse Leere fallen. Hmpf. Während also hinter meinen Augen ein Reboot im vollen Gange war, blickte ich in ihr fein gezeichnetes Gesicht und erwartete eine Reaktion. Nichts


Finanzamt: “Innerhalb von zehn Werktagen haben sie die Steuernummer.” Ich: “Normale Werktage, oder die Beamtenversion?” Er: “Witzig.” Klick.

passierte. Vom Gefühl her hätte man in diese Zeit bequem drei bis vier Sigur Rós Stücke packen können. Oh Gott, womöglich würde sie gleich einfach kommentarlos gehen und ich würde ihr ewig als »dieser Spinner von Gleis 12« im Gedächtnis bleiben. Vielleicht wäre es doch nicht so schlecht wenn mir jetzt Gunter Gabriel zur Hilfe eilen könnte. Aber da! Ha! Ein kleines Zucken in ihren Mundwinkeln, die Kajal-Flügelchen an ihren Augenlidern brachten sich in Stellung und sie … sie grinste mich an und ehe ich das allein erstmal für mich realisiert hatte, begann sie herzhaft zu lachen. Wahnsinn. Das war ja jetzt wie in einem dieser Indiestreifen. In denen hatte ich bereits gelernt, dass wenn ich jetzt auch lache, wir ein paar Tage später gemeinsam in einem ungemein schicken alten Auto durch die Weltgeschichte fahren würden. Oder so ähnlich, meine Reaktion war jetzt jedenfalls erstmal gefragt und ich lachte voller Erleichterung herzhaft los. Sie strich sich mit dem Zeigefinger eine kleine Träne aus dem rechten Auge und zog dabei so ein lustiges Koboldmakigesicht, wie es alle Frauen immer ziehen wenn sie Angst um

die Wasserfestigkeit ihrer Schminke haben. »Sorry tut mir echt Leid, willst du meine haben?« Sie deutete auf die Taz die sich zusammengerollt unter dem Game Boy Color befand. Schade das Gunter Gabriel immer noch nicht eingetroffen war, ich hätte ihm sonst unauffällig auf die Schulter geklopft und mir zusammen gepressten Lippen gesagt. »Hna wherhatte hie hidee mitder haz?« Aber ich hatte ja gar keine Zeit mich über den erfolgreich aufgegangenen ersten Teil eines Plans zu freuen, dessen zweiter Teil gerade noch in den Sternen stand. Ich erinnerte mich an wichtige Lektionen aus meiner Kindheit. Der anfängliche Anstand würde mir weitere Türen öffnen. Immer wenn meine Oma mir 5 Mark zur Verabschiedung schenken wollte, sprang meine Mutter dazwischen: »Nein komm, das braucht nun wirklich nicht zu sein«. Die 5 Mark bekam ich dann aber selbstverständlich trotzdem stillschweigend und heimlich mit dem »sag’s aber keinem Blick« in die Jackentasche gesteckt. Eigentlich war das von vornherein allen Beteiligten klar, aber die Nummer mit der anfänglichen Ablehnung gehörte eben dazu. Später trat dieses Phänomen wieder auf als ich

meinen Führerschein hatte und gelegentlich den Fahrdienst für stark angetrunkene Silberhochzeits- oder Geburtstagsgäste antrat. War man am gewünschten Ziel angekommen gab es aufgrund der Gurtpflicht eine kurze Unterbrechung »Woisdennjetz derknnnnopf?!« und wo der Fahrgast eh einmal da mit der Hand rumhantierte konnte auch gleich das Portemonnaie gezückt werden. »Komm Junge, hier!« Es war vollkommen klar, dass ich den Schein der mir da unter die Nase gehalten wurde unbedingt haben wollte dennoch übernahm ich vorerst die Rolle meiner Mutter. »Nee komm, lass das mal stecken, ist doch selbstverständlich«. Selbstverständlich hatte ich an einem Samstag Abend nichts besseres zu tun als stark alkoholisierte Rentner umher zu kutschieren. Durchschnittlich verließen sie dann nach der dritten Ablehnung das Auto und ließen den Schein irgendwie geschickt liegen, wobei es dann zumeist noch mehr als ursprünglich war. Was sagt uns das also? Merke: Anfängliche höfliche Ablehnung kann einem im Endeffekt noch mehr bringen. »Nee, lass mal, hatte die eh schon durch, aber Danke!« Kaum hatte ich es gesagt, da wurde mir bewusst, dass das Beispiel von damals gar nicht ziehen würde. Schließlich hatte ich ihr


Is wie in der Psychiatrie hier: Jedes Mal, wenn ich meinen Rechner aus den Augen lasse, hängt er sich auf.

doch gar keinen Gefallen getan und die höfliche Ablehnung wurde womöglich nur dazu führen das sie nach einem »Hm, okay« endgültig gehen würde. Also musste ich nachlegen. Angriff, Alles oder Nichts, Tor 3 oder der rote Umschlag. Bevor sie reagieren konnte legte ich nach: »Aber so’n Eis hätt’ ich auch gern!«. Sie guckte erst ein wenig verwundert, ja das war wohl einer dieser unerwarteten Angriffe die uns damals auch Kreispokalsieger in der B-Jugend werden ließen. Doch dann gab es wieder das kleine erleichternde Zucken im Mundwinkel und sie lachte erneut, wenn auch diesmal mit etwas Ungläubigkeit im Unterton. Sie überlegte kurz, blickte zur Seite und »Warum eigentlich nicht? Davon kann ich eh nie genug bekommen.« Das war grade das breiteste Lächeln was ich je gesehen hatte und dann sagte sie auch noch, dass sie von Eis nicht genug bekommen könne. Wahrscheinlich würde gleich ein Zug entgleisen, es ging nicht mit rechten Dingen zu an diesem Freitagnachmittag. Sie hätte jetzt eh unerwarteter Weise ein bisschen Zeit übrig, ich scheine wohl ein witziger Typ zu sein und wenn ich auch Zeit hätte würden wir hier um die Ecke in diesem kleinen Cafè ein Eis holen gehen. Wenn ich denn Lust hätte. Mmmmhh Eis – ich war zu allem bereit.

Ich nahm das Angebot an, wir standen auf und bevor ich die Hälfte der Zeitung entsorgte aß ich noch etwas von dem bunten Eis was vorher draufgefallen war. Sie lachte wieder und als wir gemeinsam die Treppe runter gingen fragte sie mich was ich denn hier machen würde. Das ich eigentlich hier war um mich mit »Leuten aus dem Internet« zu treffen, von denen mich die ersten beiden bereits versetzt hatten konnte ich da jetzt unmöglich sagen. Also entschied ich mich kurzer Hand für die Abenteurer-Nummer: »Ja also ich bin einfach mal auf gut Glück hier hingefahren. Mir wurde zu Hause gerade alles etwas zu viel – einfach mal raus und so, was erleben.« Sie nickte verständnisvoll und wir gingen weiter in Richtung Ausgang. Langsam und gemütlich gingen wir in Richtung Ausgang. Ich musste mir vorstellen wie sich bereits erste Bahnmitarbeiter hinter den Überwachungsbildschirmen eingefunden hatten um die Geschehnisse zwischen mir und der jungen Dame genauer zu verfolgen. Bestimmt haben die dort solche Touchscreenvorrichtungen und können Markierungen wie bei Fußballanalysen machen. Wahrscheinlich war ich gerade eingekreist und die Szene wie wir die Treppe herab gingen wurde immer wieder abgespielt. Was würde wohl Mehmet Scholl jetzt tun? Auf dem Weg zum Eis bauten wir erstes

Basiswissen auf. Auch mal wieder schön, schließlich werden solche Gespräche in dieser Form aufgrund diverser Social Network Platfformen immer seltener. Ronja hieß eigentlich Beatrix und war hier zum studieren, das Wintersemester über wollte sie in Berlin bleiben und dann mal sehen ob sie wieder zurück nach Nantes geht oder noch eine Verlängerung dran hängt. Ah Verlängerung. Für einen Moment dachte ich wieder an die Bahnmitarbeiter in der Überwachungszentrale.

Aber die konnten mir jetzt auch egal sein, schließlich hatten wir den Bahnhof verlassen und kamen dem Eis immer näher. Die Fragenkombination wo ich denn her komme und was ich eigentlich so mache, gestaltet sich immer etwas schwierig. Also im Prinzip ist es das gar nicht, aber ich halte es durchaus für eine Herausforderung einer französischen Austauschstudentin die Herkunft »Bielefeld« wohlklingend unterzubringen. Aber egal, kannte sie eh nicht und ließ sich somit die Möglichkeit für den Top Gag »gibt’s nicht« entgehen. Mein Studienfach lässt sich da schon eher gekonnt einbringen, insofern es vorher natürlich ins rechte Licht gerückt wurde. Rein theoretisch studiere ich »Medieninformatik & Gestaltung«, da aber ein Großteil der Gesprächspartner/innen beim Terminus »Informatik« unangenehm zusammenzucken oder sich zu langweiligen Gesprächsthemen animiert fühlen, umgehe ich das immer el-


Soeben deckungsgleiche Kaffeeringe auf Kopiervorlage UND eigener Stirn entdeckt. Ich brauch mal ein paar Tage frei.

egant und sage nur »Mediengestaltung«. Das hat den Vorteil das es zum einen wesentlich interessanter klingt und zum anderen bei manch einer die Vorstellung hervorruft das man bestimmt ein total spannender Typ ist, der sich am Morgen vorm eMails abrufen im Café um die Ecke noch mal mit Farbe auf dem Bauch gegen die Wand wirft. Zumindest bilde ich mir das immer ein. Beatrix schien davon zumindest angetan und brachte den Vorschlag in ein anderes Eiscafé zu gehen. Das hier in der Nähe sei so unpersönlich und es sei so schrecklich unangenehm der türkischen Bedienung dabei zuzusehen wie er kläglich versucht sich betont italienisch zu geben. Bei ihr in der Nähe gäbe es ein ganz tolles gemütliches in einem Hinterhof, wären auch nur ein paar Stationen mit der U-Bahn von hier. Ganz kurz dachte ich a… klar hatte ich Zeit. Auf zur U-Bahn! Wo ist die U-Bahn? Ist das die U-Bahn? Wir liefen zurück zur U-Bahn, ich versuchte vor den Überwachungskameras möglichst athletisch auszusehen und erklärte Beatrix währenddessen was man hier unter »Fremdschämen« versteht. In der U-Bahn versuchte ich ein Gespräch über Musik aufzubauen, schließlich ist das doch der wichtigste Persönlichkeitszug. Selbstverständlich versuchte ich mich da musikalisch allwissend zu geben und versuchte erstmal auf ihre Nationalität

einzugehen. Doch bereits im Ansatz merkte ich, dass ich kläglich scheitern würde. Woran denkt man denn auch, wenn man an Musik aus Frankreich denkt? Klar, Yann Tiersen aber wenn ich das jetzt sagen würde, würde sie einen Moment lang so wie Amelie gucken, dann die Augen verdrehen und an der nächsten Station so aussteigen, dass ich nicht hinterher käme. Außerdem wäre das nicht fair, immerhin hatte sie zuvor schon die »Bielefeld gibt’s doch gar nicht« Nummer nicht gebracht. Aber was gibt es denn dann noch? Spontan fiel mir da noch dieser nervige Pädophilentraum ein – Alizée. An dieser Stelle ein vollkommen zusammenhangsloses Beispiel, welches Halbwissen man sich durch Wikipediarecherche nebenbei so aneignen kann: »1995 gewann Alizée einen Malwettbewerb der Fluggesellschaft AOM French Airlines. Ihre Zeichnung wurde auf dem Rumpf eines Flugzeuges reproduziert, das außerdem auf ihren Namen getauft wurde. Mittlerweile wurde die Maschine allerdings umlackiert und steht zurzeit im Dienst der südafrikanischen Airline 1time.« Am liebsten hätte ich in diesem Moment auch schnell mal bei Wikipedia nach guter französischer Musik gesucht, aber mir fiel dann wirklich nur noch dieser lustige französische

Hip Hop ein der einem vornehmlich bei arte hin und wieder über den Weg läuft. Aber eigentlich hat es ja schon was für sich wenn unglaubliche harte Vorstadtkids auf so ziemlich alles und jeden schimpfen, ihre Sprache für diesen Zweck aber absolut nicht geschaffen ist. Ich tat letztlich einfach so als hätte ich Frankreich im Themenkomplex Musik nie angesprochen und unsere Musikgeschmäcker erwiesen sich als durchaus kompatibel. Für einen Moment verfiel ich der Zukunftsvision wie ich mit ihr gemeinsam vorm Weihnachtsbaum sitze und sie gerade die LP eines Bloc Party Unplugged Albums auspackt. Ich grinse dabei über beide Ohren und trage einen weinroten Rollkragenpullover mit cremefarbenen Hirschen, selbst gestrickt. Doch ehe ich mich so wirklich in mein Fantasieweihnachtsfest vertiefen konnte, wurde ich auch schon aus der Bahn gezerrt. Beatrix sprang vor mir herum und grinste, ich sollte besser aufpassen und nicht so viel träumen sagt sie. Und wie sie das erst sagte, ich entschied mich noch mehr zu träumen als zuvor. Die Treppe hoch, 2 Straßen weiter und schon standen wir in einem schicken kleinen Hinterhof wo eine kleine dicke Frau hinter einer alten Theken Eis verkaufte. Woah, das hier musste wohl einer dieser Gründe sein warum Berlin so auf ganz besondere Art und Weise hipp ist, definitiv.


Was Deutschland eint: Am Abend vor dem Feiertag herrscht im Supermarkt ganz offen Krieg. “Wir werden alle verhungern!”- “Du zuerst!”

Wir nahmen in der Ecke neben dem Baum Platz, aber bevor ich jetzt irgendwas mit Eis zu mir nehmen konnte musste ich erstmal was Flüssiges zu mir nehmen, schließlich war ich zuvor Zug gefahren. In Zügen, wahlweise auch U- oder S-Bahnen, gelten ja generell andere physikalische Begebenheiten, so kann man schwitzen und gleichzeitig frieren ohne auch nur irgendwas zu tun. Zudem hat man in keinem Spiegel der Welt so schlechte Haut wie in der Spiegelung von ICE-Fenstern, aber das nur am Rande. Ich brauchte also erstmal dringen was zu trinken. Falls Beatrix tatsächlich denken sollte, dass ich mich am Morgen mit Farbe gegen die Wand werfe oder Drogen aus halbgiftigen Parkpflanzen baue, konnte ich hier jetzt unmöglich einfach nur Cola trinken und wählte das extravaganteste der Getränkekarte – Ginger Ale. Doch bevor ich meine ausgetrocknete Kehle mit dem ersten Schluck zumindest halbwegs befriedigen konnte bekam ich einen tierischen Hustanfall. Das hasse ich so an Ginger Ale, vorm ersten Trinken hüpfen einem diese kleinen Bläschen in die Nase und man verschluckt sich. Ich fing mich halbwegs, vertilgte dann beinahe eine herannahende Hummel und verpasste dem Stuhlbein des weißen Plastikgartenstuhls einen erheblichen Knacks als ich mich zurückwarf. Schon früh begann ich diese komischen stapelbaren Stühle zu hassen, da sie nie auf meiner Seite waren und immer kaputt brachen als ich mich über die Anweisung nicht zu kippeln hinwegsetzte. Aber hier war ja gerade noch mal alles gut gegangen, nur ein Stuhlbein hatte einen Riss und wenn ich jetzt weiter wie auf einem dieser Gymnastikbälle hier sitzen würde, dürfte nichts passieren. Beatrix fühlte sich bestens unterhalten und fragte mich ob ich denn wirklich so gar nichts für meinen spontanen Berlin-Besuch geplant hätte. Für einen Moment sah ich sie dann wieder beim Brunch irgendwo im Prenzlauer Berg sitzen und antwortete entschlossen mit einem »Nein« Wobei doch, etwas war da doch noch. Auf ein Konzert wollte ich sagte ich ihr. In dem Moment als sie mich fragte welches es denn wäre schlug mein inneres Ich beide Arme über dem Kopf zusammen. Klar, du sitzt hier mit dem bezauberndsten Mädchen Frankreichs im wohl idyllischsten Eiscafé der nördlichen Hemisphäre und willst ihr ernsthaft erzählen das du Morgen in diesen O2 Klotz den keiner leiden kann gehst um dir Metallica anzugucken. Super Plan, echt. Da musste ich meinem inneren Ich wohl erneut Recht geben. Das mit Metallica war nun mal so eine Sache die sich stets als etwas kompliziert herausstellt. Irgendwann wollte ich darüber mal ausführlichere Forschungen machen, später mal. Wenn man nämlich Menschen mit halbwegs ausgeprägtem guten Musikgeschmack erzählt, dass man Metallica mag denken die ersten 43% das man aus dem Nichts jederzeit eine Bierdose an der Stirn zerschellen lassen könnte um sich das über die Bauchfalte zu gießen. 55% denken das man keinen Musikgeschmack hat bzw. »alles« hört, weil Metallica nun mal einer der vielen kleinen gemeinsamen Teiler ist und mittlerweile auch in jedem 2. aufgebrezelten Golf ein Rohling mit der Aufschrift »Best Of Metallica MP3« im Handschuhfach liegt. Die restlichen 2% sagen dann übrigens, dass sie mal James Hetfield getroffen haben. Ein derartig komplexes Thema konnte ich in dieser gebrechlichen Phase des Kennenlernens unmöglich einwerfen und entschied mich lieber noch eine weitere kleine Notlüge einzufädeln. Ich erinnerte mich an eins der gefühlten 748 Plakate auf dem Weg hier hin und sagte ich würde zu Coldplay gehen, die wollte ich unbedingt schon mal live sehen allein schon wegen des Anfangs von »Bones«. Aber ansonsten mag ich auch lieber Konzerte im kleineren Rahmen, ja. Sie nickte zufrieden und sagte sie sei sehr neidisch. Dann habe ich etwa drei bis vier Sätze ausgelassen, da ich mich voll und ganz auf ihr Lächeln konzentrierte und war erst wieder bei Sinnen als zwei Eiskarten auf den Tisch gelegt wurden. Ach stimmt ja, zum Eis essen waren wir ja hier. Beatrix begann sofort mir eine Empfehlung nach der anderen unter die Nase zu halten. Des Akzentes wegen ließ ich mir jedes ProArgument diverser Eisbecher mindestens 2-mal aufsagen. Mein inneres Ich zeigte sich immernoch erstaunt darüber wie gut ich die Sache mit Metallica umschippert hatte und meinte das hier durchaus etwas draus werden könnte.


Wenn man Leuten nicht offen ins Gesicht schlagen will, kann man ihnen auch sagen, sie w端rden gut nach M端nchen passen.

BROKEN


Alkohol ist nie die Antwort. Aber man vergisst wenigstens die Frage.


Von Marcel Winatschek am 15. Juli 2009 geschrieben http://www.amypink.com/2009/07/15/heres-to-the-crazy-ones/

HERE’S TO THE CRAZY ONES

N

ichts brennt sich so sehr in unser Gedächtnis ein, ob nun positiv oder negativ, wie die besonderen Momente in unserem Leben, diejenigen die uns daran erinnern, dass wir noch da sind, atmen, bluten, lachen. Es sind die Geschichten, in denen wir uns den wohl gesetzten Regeln der Nation widersetzen, alle Zweifel über die Schönheit unseres Daseins für kurze Zeit über Bord werfen und Taten vollbringen, die absolut ohne Sinn zu sein scheinen, aber uns dennoch so viel mehr schenken als alle Beförderungen, Liebesbekundungen und Lobeshymnen zusammen. Weil sie aus der Tiefe unseres Selbst kommen, angeführt vom Herzen, der Spontanität und der Unbesiegbarkeit des Augenblicks. Egal ob wir uns zusammen mit den besten Freunden ein nacktes Wettrennen durch die dunklen Straßen der Nacht liefern, von Liebeskummer gequält eine Mauer vor ihrer Haustür mittels bunt-

en Farben in eine ewige Leinwand unserer zerrissenen Gefühle verwandeln oder allein auf einem großen weiten Feld stehen und uns vor lauter Glück oder tiefem Schmerz die Lunge aus dem Körper schreien. Dem besten Freund einen Zungenkuss schenken, das Sparkonto plündern und nach Island jetten, sich die Freiheitsstatue als bunte Tätowierung stechen lassen. Doch die wenigstens lassen ihre inneren Zügel los und diejenigen von uns, die es sich durch Alkohol, Drogen oder der puren Glückseligkeit doch mal trauen machen es viel zu selten oder bereuen es sogar sich diesen Freiraum gegönnt zu haben. Wegen den Blicken der Anderen, der kontinuierlichen Rechtfertigung, der


Peinlichkeit, der man sich ausgesetzt hat. Und die man hätte vermeiden können. Aber wenn wir darüber hinweg sehen, wenn wir an uns selbst, das kurze zur Verfügung stehende Leben und der Freiheit von allem und jedem glauben, dann können wir verrückt sein. Dinge wagen ohne sie vorher bis zur Ermüdung durch deklariert zu haben. Risiken eingehen, die alles verändern können. Und dem Alltag ohne Sinn und Verstand entfliehen. Seid mutig. Seid verrückt. Seid anders. Und jetzt sagt uns: Was habt ihr Durchgeknalltes in eurem Leben getan? War es toll, war es schrecklich, habt ihr danach geheult? Für die Liebe, für die Freundschaft, für euch selbst? Und was möchtet ihr unbedingt noch ausprobieren? Tiefseetauchen lernen, Orgien feiern, Leben retten? Here’s to the crazy ones. The misfits. The rebels. The troublemakers. The round pegs in the square holes. The ones who see things differently.


Geschrieben von Anke Gröner am 16. März 2009 http://www.ankegroener.de/?p=3474

<10

Detlev und Christiane wohnen nebenan, und genau wie ihre Eltern mit meinen Eltern befreundet sind, bin ich mit ihnen befreundet. Wir gehen alle in eine Klasse. Ich lerne lesen. Hanni und Nanni, Dolly, Putzi, Bummi, Burg Schreckenstein. Ich esse gerne das weiße Fleisch vom Sonntagshühnchen, Erbsen aus der Dose und Apfelmus. Meine Omi hat eine kleine Truhe voller Schokolade, an die darf ich ran, wenn ich nachmittags bei ihr bin, wenn Mama arbeiten geht. Ich habe gefühlt eine Million Stofftiere, und Teddy schläft immer neben mir. Meine kleine Schwester ist da, ohne dass es mich stört oder mich freut. Sie ist halt da. Eines Tages gehe ich nach der Schule mit zu Nicole, deren Mutter ich vorlüge, dass meine Omi Bescheid weiß. Als ich Stunden später nach Hause komme, versohlt mir Omi mit einem Kochlöffel den Hintern. Ich lerne fahrradfahren und rollschuhlaufen. Ich klettere gerne auf die Trauerweide hinten im Garten, weil man mich dann nicht mehr sehen kann. Mein Lieblingsbaum ist die Birke neben der Trauerweide, aber auf die kann man nicht klettern. Ich lerne Akkordeonspielen, gehe zur musikalischen Früherziehung und zum Aquarellmalen. Auf meinem „Schreibtisch“, ein alter Terrassentisch, liegt eine Rolle Tapete, die ich vollmalen darf, bis Papa die Rolle ein Stück weiterzieht, damit ich weitermalen kann. Ich breche mir den kleinen Finger der linken Hand beim Ballspielen, und schaue völlig fasziniert der Röntgenaufnahme meiner Hand zu. Selbst als die Betäubungsspritze sich der Hand nähert, bestaune ich weiter meine Knochen. Auf dem Weg zur Schule laufe ich einmal bei Rot über die Ampel, und ein LKW kann gerade noch bremsen. Ich weiß nicht mehr, ob ich schon irgendwas werden wollte.

40


Wer 20 Loch Doc Martens mit Reißverschluss kauft, würde Punks auch das Öttinger klauen.

<20

Ich komme aufs Gymnasium. Ich lerne Latein statt Französisch. Ich bin weiterhin mit Christiane befreundet. Ich lerne Anja kennen und bin eifersüchtig, wenn Anja mehr mit Christiane unternimmt als mit mir. Ich sage ihr das, was sie nicht versteht. Sie schenkt mir ihren Teddybär, und ich habe wegen ihr Liebeskummer, auch wenn ich das noch nicht so bezeichnen kann. Meine Mutter setzt mich mit 12 das erste Mal auf Diät. Ich beginne, mich an meine Lebensabschnitte in Gewicht zu erinnern anstatt in Jahreszahlen oder Ereignissen. Ich werde Dritte bei den Kreismeisterschaften im Judo und höre kurz vor der Grüngurtprüfung mit dem Sport auf, weil ich unseren neuen Gruppenleiter nicht mag. Ich werde 1,67 groß und wiege 56 Kilo. Ich lerne, dass es Jungs gibt, mit denen man einfach befreundet sein kann und dass es welche gibt, mit denen ich irgendwelche Sachen machen möchte, über die mich die BRAVO informiert. Meine Omi hat weiterhin ihre Schokoladentruhe, und sie kauft mir die BRAVO und MAD-Hefte. Ich trage weiße Adidas-Turnschuhe und habe einen grünen Benetton-Beutel. Ich trage außerdem die Klamotten meiner älteren Cousine auf und finde es fürchterlich. Ich bin verliebt in Carsten, Thomas, Markus, Dominik und Peter. Meine Schwester hat eher einen Freund als ich, und ich bin neidisch und traurig. Ich kriege mit 13 das erste Mal meine Tage. Meine erste Zigarette ist eine Camel ohne Filter. Als ich 16 bin, bekomme ich im Monat 13,50 Mark Taschengeld, was nicht mal für eine LP reicht. Omi versorgt mich mit Pink Floyd und den Stray Cats. Mit 17 lerne ich einen Jungen kennen, den ich mich nur traue anzusprechen, weil er dicker ist als ich, obwohl ich überhaupt nicht dick bin. Auf einer Party knutschen wir zu Shine on you crazy diamond 14 Minuten lang und sind danach neun Jahre zusammen. Er bringt mir Lungenzüge bei und ich rauche Benson & Hedges. Ich bemale meine Federmäppchen im Unterricht, bekomme Einsen in Deutsch und Englisch und Fünfen in Biologie und Physik. Die Chemiestunden verbringe ich damit, meine ersten drei Romane zu schreiben (Ponyhof, Jugendgang, große Liebe). Ich arbeite bei zwei Schülerzeitungen mit, werde Klassensprecherin und Schülersprecherin. Für den Filmclub der Schule mache ich einen Filmvorführerschein für 8- und 16-Millimeter-Projektoren. Ich wiederhole die 9. Klasse, sprühe mir jeden Morgen eine halbe Dose Haarlack in die Haare und lasse mir die Nase piercen, weil der Basser von Kajagoogoo auch einen Nasenring hat. Ich höre mit Akkordeon auf und fange mit Geigenunterricht an. Ich zeichne nicht mehr auf Tapeten, sondern auf stapelweise altem Geschäftspapier, das Papa aus dem Büro mitbringt. Ich zeichne Millionen von Menschen in seltsamen Klamotten. Ich stelle mir vor, Sängerin in einer Band zu sein. Ich erfinde meine Band, gebe den Jungs Namen und Eigenschaften, denke mir ihre Biografien aus, zeichne sie und verliebe mich in drei von den sechsen. Ich schreibe Songs in schlechtem Englisch, glaube daran, dass der dritte Weltkrieg vor der Tür steht, streiche mein Zimmer schwarz und spanne blaue Wollfäden durch den Raum, so dass sich alle bücken müssen, die in mein Zimmer möchten. Ich mache den Führerschein und kaufe mir eine grüne Ente. Mama will mir für jedes Kilo, das ich abnehme, 100 Mark zum Führerschein spendieren. Ich nehme kein einziges Gramm ab und wiege beim Abitur 69 Kilo. Ich will Modedesignerin werden.


tipp! seit meinem gespräch mit den zeugen jehovas über mein sexualleben bin ich auf ihrer vorzugsliste.

<30

Ich lerne, dass man ein Schneiderpraktikum machen muss, wenn man Modedesign studieren will. Ich will nicht um 7 in einer Schneiderei sein, mache aber trotzdem meine Mappen zur Bewerbung an den Hochschulen fertig. In Hamburg und Bremen werde ich abgelehnt, in Hannover fragt man mich, ob ich nicht lieber Industriedesign studieren will und lehnt mich dann ab. Ich jobbe bei McDonald’s und höre irgendwelchen Halbwüchsigen zu, wie sie meine Figur mit der großen Mülltüte vergleichen, die ich gerade zum Shredder bringe. Ich immatrikuliere mich in Bremen für Deutsch und Geschichte für das höhere Lehramt und mache im ersten Semester ein Schulpraktikum in einer 7. Klasse, die sich überraschenderweise nicht für den Zauberlehrling interessiert. Ich bleibe immatrikuliert, gehe aber nicht mehr zur Uni, sondern verbringe die Tage essenderweise vor dem Fernseher und nehme in einem Jahr 25 Kilo zu. Die Mauer fällt. Meine Oma stirbt an Krebs. Meine Omi stirbt an Krebs. Mein Opa stirbt bei einem Autounfall. Ich bin meinem Freund dreimal untreu. Ich bin eifersüchtig auf eine Schulkameradin, mit der er viel Zeit verbringt und verbiete ihm, sie zu sehen. Er bricht den Kontakt zu ihr ab. Sie schreibt mir einen wütenden Brief, in dem sie mir meine Unsicherheit an den Kopf wirft und mir sagt, dass sie nichts von ihm will. Ich rufe sie an und lade sie zum Geburtstag meines Freundes ein. Wir sind zehn Jahre lang unzertrennlich. Ich reise nach Ägypten, China, Israel und in die USA. Ich fahre drei verschiedene Fiat Unos. Ich exmatrikuliere mich in Bremen und schreibe mich in Hannover für Geschichte und Germanistik ein. Ich halte es bei den Germanisten zwei Semester aus und wechsele zu Anglistik. Ich belege am liebsten Seminare zu Frauenthemen und die, in denen Filme geguckt werden. Ich bin insgesamt 24 Semester immatrikuliert, von denen ich gefühlt in fünf wirklich studiert habe. Ich kaufe einen PC. Ich arbeite bei drei verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen. Ich fange an, im Kino zu jobben. Ich beginne mit dem Kartenabreißen und ende als Theaterleiterassistentin. Ich arbeite ohne Vorführerschein an 35-Millimeter-Projektoren. Ich bin verliebt in Dirk und Martin. Mein Freund studiert in Leipzig, und ich hasse unsere Wochenendbeziehung. Als ich 26 bin, trennen wir uns im Guten. Eine Woche später hat er eine neue Freundin. Ich fange an, Wodka zu trinken und Sekt und Martini. Ich rauche Marlboro und nehme 15 Kilo ab. Ich ziehe von zuhause aus und lasse mir von meinen Eltern eine Eigentumswohnung kaufen, die ich komplett zumülle. Ich bewerbe mich bei den Filmhochschulen in München, Ludwigsburg und Berlin für den Studiengang Drehbuch. Ich werde in Berlin zur Prüfung eingeladen, die ich knapp verhaue. Ich lerne Karl kennen und verliebe mich in ihn. Ich verliebe mich auch in Kai, Matthias, Volker, Martin und Jochen. Ich lasse mir den Oberarm tätowieren und die Zunge piercen. Ich färbe meine Haare blau und gehe kellnern, nachdem mich alle Filmhochschulen abgelehnt haben. Ich mache den Motorradführerschein und kaufe mir eine 500er Virago. Ich merke, dass ich Kinder nicht leiden kann. Ich entdecke das Internet und verliebe mich in Devin aus South Carolina, mit dem ich monatelang E-Mail-Kontakt habe. Wir telefonieren, tauschen Bilder aus und treffen uns schließlich in Budapest, wo wir uns abgrundtief fürchterlich finden, aber prima Sex haben. Karl sagt „You’re only fat because it pisses off your Mum.“ Ich trinke viel zu viel Wein und werde immer trauriger. Ich beschimpfe meine Freunde, die Partner haben, dass mir ihr Pärchenscheiß auf den Sack geht. Meine Freunde waschen mir den Kopf und schleifen mich zur Therapie. Der Therapeut hat ein Ledersofa und redet lieber über sich als über mich. Ich lasse mir die Unterlippe piercen, das Dekollete und die Augenbraue. Ich entrümpele meine Wohnung und schleppe 30 Müllsäcke auf die Deponie. Papa fällt meine Birke im Garten. Ich ziehe nach Hamburg und mache ein Textpraktikum in einer Werbeagentur. Karl stirbt bei einem Autounfall.


Verbindet man meine Leberflecke mit Filzstift, kommt nur Unsinn raus. Wollt’s checken, bevor’s post mortem eine Überraschung gibt ...

<40

Ich bin Juniortexterin in einer Werbeagentur. Eines Tages gehe ich aus einem Meeting aufs Klo und kann eine halbe Stunde nicht mehr aufhören zu weinen. Ich mache einen Termin bei der Therapeutin, an deren Praxisschild ich jeden Morgen auf dem Weg zur U-Bahn vorbeilaufe. In der Therapie treffe ich meine imaginäre Band von früher wieder und fühle mich sicher. Ich stelle meine Ernährung um und fange an Sport zu treiben. Meine jahrelangen Rückenschmerzen werden immer schlimmer. Eines Tages ist mein linkes Bein nicht mehr da, und ich muss operiert werden. Danach funktioniert mein rechter Fuß nicht mehr, und ich habe viel Gefühl in der unteren Körperregion verloren. Ich bin Texterin in einer anderen Agentur, und auf der Fahrt zur Weihnachtsfeier, während um mich herum alle Spaß haben, fange ich an zu heulen. Ich besuche meine Therapeutin ein zweites Mal. Ich fange an zu bloggen. Ich nehme 25 Kilo ab und wieder zu. Ich bin verliebt in Alexander, Gerhard und Tobias. Ich weiß, dass ich nie wieder eine Beziehung haben werde und arrangiere mich damit. Sobald ich mich damit arrangiert habe, lerne ich den Kerl kennen. Ich fahre einen BMW. Ich entferne alle Piercings außer dem Nasenring und lasse meinen Nacken tätowieren. Ich verkaufe mein Motorrad. Ich entwickle mich zum Partyraucher, und drei Schachteln Zigaretten halten ein ganzes Jahr, weil ich nie auf Partys gehe. Ich gucke Filme und Serien nur noch im Original. Ich spiele kein Instrument mehr. Ich beginne dreimal damit, Französisch zu lernen. Ich zeichne nicht mehr. Ich bin Texterin. Ich bin Seniortexterin. Ich bin Head of Copy. Ich mache mich selbständig. Ich bin dick und ahne, dass ich das auch bleiben werde. Ich werde Patentante der ersten Tochter meines ersten Freundes. Ich habe in allen Lebensbereichen das Entrümpeln beibehalten. Ich bin gern zuhause. Ich kaufe zwei Macs, einen iPod und ein iPhone. Ich verreise gerne. Ich rege mich über laute Nachbarn auf. Ich trenne keinen Müll. Ich fahre nicht mehr schwarz. Ich bin wieder in die Kirche eingetreten, aus der ich mit 18 ausgetreten bin. Mein Blog war in einem Museum zu sehen, und Texte von mir sind in einem Buch veröffentlich worden (kein Ponyhof, keine Jugendgang, ein bisschen große Liebe). Ich denke oft an die Filmhochschulen und an Karl. Ich habe Christiane neulich bei unserer Silbernen Konfirmation wiedergesehen und mich mit dem Satz „Wir sehen uns in 25 Jahren“ verabschiedet.


Endlich mal wieder Gruppentherapie. Zu Beginn allen Kloppe angedroht. Atmosph채re ein bisschen vergiftet.

<50

Seit heute in Arbeit.


Von Rene´ Walter am 14. Januar 2006 geschrieben http://www.nerdcore.de/wp/2006/01/14/a-day-in-the-life-2/

A DAY IN

THE LIFE


Für jemanden, der die Mechanismen der Industrie nicht so gut kennt, könnte es aussehen als würde ich im Flur auf Blades die Katze jagen

4.00: 4.20: 4.45: 4.50: 4.51: 4.57: 5.05: 5.09: 5.10: 5.11: 5.12: 5.15: 5.23: 5.25: 5.57: 6.03:

6.10: 6.14: 6.23: 6.27:

6.38: 6.47: 7.10: 7.13:

7.45: 7.57:

9.15:

9.23: 9.48: 10.32:

10.37:

aufstehen. aufstehen! aufstehen! AUFSTEHEN! Zähneputzen, Wasser ins Gesicht schütten, wach werden. Duschen, wach werden. Anziehen, alles einpacken. Alles haben? Alles dabei. Tee trinken, wach werden. Tee zu heiß finden und stehenlassen. Frühstück? Nein, 2 Mandarinen schnappen und raus aus dem Haus. Zum Bahnhof schlurfen. Wach werden. Am Bahnhof ankommen. Wach werden. Zugeinsteigen. Schlafen. Ankunft Stadion, umsteigen. Zug zum Flughafen. Nur Bullen im Zug, sieht komisch aus. Aber auch ein paar Stewardessen. Sehen nicht komisch aus, auch nicht um die Uhrzeit. Flughafen, hallo. Tickets abholen, Konrad = nicht da. Konrad nicht da, Gate schließt um 7.20. Hunger. Einchecken, Konrad nicht da. Frühstück (Rührei mit Speck, Semmeln, Kaffee) Handy klingelt. Konrad. Konrad da. Kaffee. Flugzeug besteigen. Plätze finden. Stewardessen. Finger in der Handgepäckverwahrungsdings FAST abtrennen. Blut. Pflaster. Stewardess. Abflug, pünktlich. Furzen. Unangenehm. Feststellen, dass 220/110VoltAdapter noch im Frankfurter Büro rumliegen. Scheiße finden. (London Ortszeit): Landung. Bißchen holprig, schlenkert, alles gut. 220/110 Volt-Adapter kaufen. 4 Pfund billig finden. Heathrow Express zur Paddington Station nehmen, schlafen. 20 Minuten im Heathrow Express vor der Paddington Station rumstehen und scheiße finden. In Paddington Station einfahren, zur Tube runterfahren und geil finden.

10.38: In der Tube stehen mit 500 anderen Leuten, dicht gedrängt, trotzdem cool finden. Mind the Gap! 10.52: Oxford Circus aussteigen, London geil finden. 10.53: Blondine auf der Oxford Street. 10.54: Brünette auf der Oxford Street, McDonalds. Asiatin im McDonalds. 10.57: Den angebissenen Beagle von McDonalds wegschmeißen. Ekelig. Zum Office laufen. 11.12: Office auf Anhieb finden, stolz sein. 11.15: Kollegen begrüßen, Hello, Hello, How are you, Cool to see you again, Friend. 11.18: Frisch machen. Wach werden. 11.22: Tee trinken, englischen. Schmeckt auch nich anders. 11.24: Ian hat das Lichtschwert zuhause vergessen. VERGESSEN! Warum bin ich hergeflogen? Hmm? 11.29: Emails checken, nix besonderes. Ein bißchen arbeiten. Nix Seriöses. 11.32: Frankfurter Büro informieren, that we arrived successfully. Alle froh. 11.52: The Meeting we are here for. 13.14: Hat was gebracht, echt jetzt. Stolz auf meine Beiträge. Wird cool, versprochen. 13.35: Lunch mit Kollegen, englisches Essen, schwuler Kellner der genauso spricht, wie der Assistent vom Professor in der Muppetshow. Mimimimimiiii. Lustig. 14.12: Emails checken, nix besonderes. Arbeiten, nix Seriöses. 14.47: Logo machen, seriös. Ian ist begeistert. Cool. 15.01: Rob dazu bringen wollen „Römer“ zu sagen. Sagt aber immer nur „Rumer“ und „Raumer“. Lustig. 15.32: In London rumlaufen, alles cool finden. 16.32: Mit Ian und Jeff ins Pub gehen und Bier trinken. Kein Guinness. Bitte. 16.33: Pub erstaunlich leer finden. Über Musik reden. Über Politik. Über Fußball. 16.34: WE will make it! No WE will make it! Klar finden, dass das kommt. 17.12: Pub erstaunlich voll finden. Bier trinken. Schmeckt gut. 17.24: Über Mieten und Lebenshaltungskosten in London reden. Unfaßbar finden. Londoner leben gar nicht

17.36: 17.52:

18:07: 18.23:

18.48: 19.08: 19.23:

19.48: 19.49: 19.50: 19.51: 19.52: 19.53:

19.54: 20:20: 20:24:

20:32: 23.15: 23.34:

23.35:

23.47: 23.52: 23.59: 00.37: 00.49: 01.56:

in London, die arbeiten nur da, weil Leben in London zu teuer ist. Logisch finden. Bier trinken. Ian verabschieden. Bier trinken. Mit Jeff Richtung Oxford Circus laufen, über Mashups reden. Findets lustig, aber nicht seriös. Ich geb ihm Recht. Tube nach Paddington Station besteigen. Sauvoll. Cool finden. Tickets für Heathrow Express kaufen, ich kenn mich aus und weiß wo. Yeah. Heathrow Express fährt los. Schneller diesmal. Ankunft Heathrow. Ok. Burger in einem Restaurant namens „Giraffe“ essen. Corona trinken. Lecker. Daran erinnern, dass das Gate um 19.55 schließt. Rennen. Lauf, Forrest, lauf! Lola rennt! Take the money and run. Run for your life! Konrad steckts weg wie ein Marathonläufer. Ist ja auch einer. Ich aber nicht. Notiz: im Frühjahr Sport machen! Unbedingt! Gate ist noch offen. Puh! Abflug, London Tschüss sagen. London bei Nacht von oben sieht saucool aus. London ist verdammt groß fällt mir auf. Stewardessen. MauMau mit Konrad spielen, steht unentschieden. In Frankfurt landen, nicht holprig. Cool. Im Tiefbahnhof feststellen, der Zug zum Hauptbahnhof fährt um 23.47. Der Zug nach Hause vom Hauptbahnhof um 23.52. Scheiße! SCHEISSE!! Im Tiefbahnhof feststellen, der Zug nach Niederrad kommt um 23.52 an. Der Zug nach Hause von Niederrad fährt um 23.59. Puh! Cool. Nächstes mal 2 Tage, mindestens. Genau. Konrad Fünfe geben, dann nochmal und aussteigen. Zug ist pünktlich. Dankesehr. In Wolfskehlen ankommen. Müde. Sehr. Blogeinrag starten. Blogeintrag beenden. Cool finden, auf Veröffentlichen klicken, violà!


Von Nils Bokelberg am 14. August 2007 geschrieben http://www.qlod.org/weltfrieden/?p=495

KÜSSE, KIPPEN, RAVIOLI Ich weiss wirklich nicht mehr wie alt wir genau waren. 14? 15? Vielleicht sogar schon 16? Ja, ich denke wir waren 16. Meine allerbeste Freundin war nach Freiburg gezogen. Das kam einer mittelschweren Katastrophe gleich. So weit weg… was sollten wir tun? Also beschlossen wir zu viert hinterherzureisen. In den Ferien. Da so viele Jungs schwer in einem Mädchenzimmer unterzubringen sind, gingen wir auf einen Campingplatz. Zelte dabei, Fahrräder mitgenommen, neue Campingrucksäcke bekommen: Man kann mit Fug und Recht behaupten: Wir waren bereit. Das war unser erster Urlaub ohne “Aufpasser”, die Stimmung war also entsprechend gross. Unser Zug fuhr mitten in der Nacht in Köln los und kam am nächsten Morgen in der

Stadt im Breisgau an. Wir alberten noch ein bischen auf der Fahrt herum und dann schlief einer nach dem anderen ein. Im Kopf der Gedanke an die grosse Freiheit, und ich meine nicht die in Hamburg sondern die im Herzen eines 16-jährigen. Obwohl, wenn ich so überlege waren wir, glaube ich, doch erst 15. Gegen 8 Uhr morgens sind wir angekommen. Die Rucksäcke geschultert, alles andere auf den Gepäckträgern verstaut (zum Beispiel den Ghettoblaster... natürlich angeschaltet) und los ging die Fahrt durch die Fremde. Wir hatten einen Stadtplan von Freiburg und zwei Adressen. Die vom Campingplatz und die von der Schule meiner besten Freundin. Einstimmig wurde es für eine gute Idee befunden, doch erstmal dahin zu fahren. Nach

einer längeren, nicht gerade von Eile geprägten Rumkurverei erreichten wir endlich unser Ziel. Mittlerweile muss es so 11 Uhr gewesen sein. Wir standen vor der Schule. Drinnen war Unterricht, draussen nichts los. In Freiburg war die Feriensituation nämlich anders als bei uns. Gut, dachten wir, erstmal niederlassen. Wir legten die Fahrräder auf den Bürgersteig, zogen die Rucksäcke aus und richteten uns ein gemütliches Camp vor der Schule ein. Nach einer Weile fanden wir es sogar so gemütlich, das jemand den Gaskocher auspackte, ein anderer eine Dose Ravioli, und wir erstmal ein nahrhaftes Früstück Schrägstrich Mittagessen zubereiteten. Als das gar war und wir zu essen begannen, war auch prompt die Schule aus und sämtliche Lernenden stürmten hinaus. Ich glaube wir sahen ziemlich komisch


aus. Zumindest musterten uns alle. Wir sassen auch DIREKT vor dem Haupteingang. Um die Freundin zu finden sicherlich strategisch clever, um in Ruhe zu essen nicht der geeignetste Platz. Wir fanden sie auch nicht. Sie fand uns. Das war erstmal ein grosses Hallo! Endlich hatten wir uns wieder. Sie war erstmal peinlich berührt, ob unseres Auftritts, aber dann lachte sie sich darüber kaputt. Puh. Glück gehabt. Man muss sich das ja nochmal vor Augen führen: Du bist gerade neu in einer Stadt und neu an einer Schule, mitten in der Pubertät und so. Das ist ganz sicher nicht gerade einfach. Wenn aber dann auch noch deine Freunde plötzlich vor deiner Schule sitzen und sich da ihr es-

sen kochen, so das es jeder mitbekommen MUSS… ich weiss ja nicht ob da andere auch so cool reagiert hätten wie sie… Nachdem sie uns ihre neuen Freundinnen vorgestellt hatte, wurde es Zeit für uns mal auf den Campingplatz zu fahren. Sie fuhr nach Hause, würde uns aber später besuchen kommen. Wir irrten durch die Gegend, entfernten uns immer weiter vom Stadtkern und gerieten immer tiefer in einen dunklen Wald. Und dann standen wir plötzlich vor unserem Domizil. Dem Chef des Campingplatzes bot sich folgendes Bild: Fünf pubertäre Rheinländer auf ihren Fahrrädern, mit überdimensionalen Rucksäcken auf dem Rücken und auf dem Gepäckträger eines Fahrrades leierte ein Ghettoblaster “Tötet Onkel Dittmeyer”. Schnell war

klar: Der Mann bestand auf Vorkasse. Das haben wir nicht anders erwartet, wir zahlten und gut gelaunt führte er uns zu unserem Platz. Das grosse Zeltaufbauen begann. Derjenige aus der Gruppe, der in seinem Zelt alleine schlief, hatte auch mit den grössten Konstruktionsfehlern zu kämpfen. Das bedeutet für den Rest des Urlaubs sollte er in einem Zelt schlafen, das keine Mittelstange hatte und deswegen etwas durchhing. Aber was solls. Als alles aufgebaut war wurde das Abendessen bereitet. Schätzungsweise Ravioli. Dann kam die beste Freundin, mit Freundinnen und alle sassen zusammen, lachten, hörten zu laut “Master of Puppets” und tranken Bier. Gegen 22 Uhr begannen die ersten umliegenden Camper sich zu beschweren und der Abend


“Ich hab kein ADS! Ich hab ADSL! … Hui, ein Häschen!” *hoppel* “Kennen Sie Homo Faber? … ach, Lottospielen wollte ich auch noch.”


gerade intensiv den lichtschalter gereinigt. wenn´s gleich sturm klingelt, hab ich wohl unsittlichkeiten und beleidigungen gemorst.

wurde beendet. Wir waren ja mittlerweile auch lang genug auf den Beinen. Eine kleine Pause war jetzt genau das Richtige. Der nächste Morgen. Peu a peu erwachte die kleine Reisegruppe. Als erstes wurde ausgiebig gefrühstückt. Genug Nutella hatten alle zu Hause eingepackt, dann noch schnell Brötchen geholt im Campingplatzsupermärktchen und dem schlemmen stand nichts mehr im Wege. Da die Freundin tagsüber noch zur Schule musste, wurde beschlossen an den See zu fahren. Die Jungs gingen schwimmen, der Autor dieses Artikels lag in der Sonne und las die drei Fragezeichen oder die Bravo oder die Spex. Als genug geschwommen war, wurde es Zeit sich um das Mittagsessen zu kümmern. Der grosse Plan war zu grillen. Aber in Ermangelung eines Grills und des dazugehörigen Grillgutes, besann sich die Gruppe auf ihre Kernkompetenz und es gab: Ravioli! Später dann besuchte man Freundin in ihrem neuen Zuhause. Ich hab endlich die Mutter wiedergetroffen, mit der ich mich auch sehr gut verstand. Wir sassen alle im Jugendzimmer und auch die neuen Freundinnen kamen vorbei. Es stellte sich heraus das eine aus Berlin kam und so verbrachte sie die Zeit damit uns den Satz “Janz Berlin is eene Wolke, nur icke bin zu sehen.” beizubringen. Wir tranken Wein und pafften Selbstgedrehte. Tabak war billiger. Dann ging es zurück auf den Campingplatz. Nach einem kurzen Ghettoblasterintermezzo, das den ganzen Platz weckte, schlummerten wir selig ein. Nach dem Nutellafrühstück und der Gardinenpredigt des Campingplatzchefs beim Brötchenholen (”Beschwerden! Zu laut!”) ging es wieder an die Tagesplanung. Heute würden wir in die Stadt fahren. Bummeln. Natürlich zog es uns als einziges in den WOM (gibts auch nicht mehr, oder?) wo wir reihenweise Platten durchhörten. Ich hörte zum ersten Mal eine Band namens “Fleischlego” und fand die irgendwie gut. Aber es gab die nur auf Schallplatte und dafür war kein Platz im Campinggepäck. Ausserdem würde man sie sowieso nicht auf dem Platz hören können, insofern sinnlos. Dann aber tat sich der Himmel auf, Engelschöre sangen in mein Ohr: Die neue “Throw that Beat in the Garbagecan” war da! Sie hiess “Cool” und es gab sie sogar auf Kassette! Perfekt für den Ghettoblaster! Ich war paralysiert. Nahm das Tape, schwebte zur Kasse, bezahlte und verliess glücklich das Geschäft. Von nun an sollte unser Ausflug auch seinen eigenen Soundtrack haben. Wir gönnten uns was und gingen bei McDonalds essen. Später trafen wir uns mit den Mädels und gingen in eine Kneipe. Hier tranken wir alle unseren ersten Stiefel. Das war ein grosser Spaß, aber auch nicht so ganz billig und es riss ein unvorhergesehenes Loch in unsere Urlaubskasse. Nach den Ravioli am nächsten Mittag waren wir so gut wie pleite… was nun? Alle blank, keiner hatte Kohle übrig. Nun war guter Rat teuer. Das Abendessen sollte gesichert sein, denn wir hatten noch eine Dose Ravioli, aber ansonsten sah es düster aus. Sollte unser Abenteuer, unsere kleine Reise

hier schon vorbei sein? Verdammt, hätte ich mir nur nicht die überteuerte Kassette gekauft..Dann könnten wir jetzt im Aldi genug zu essen holen. Bereuen nützt nichts. Manchmal muss man für die Kunst auch Opfer bringen. Und wenn es die Zufriedenheit des eigenen Magen ist. Es deutete auf jeden Fall alles darauf hin, das wir am nächsten Tag zurück fahren würden. Damnit! Als wir am Abend bei der Besten zu Hause sassen war die gute Stimmung auf jeden Fall gedämpft. Wir sassen auf der Terrasse, derjenige, der im kaputten Zelt schlief alberte herum, aber auch das konnte unsere Stimmung nur noch marginal aufhellen. Bis der Vater der Besten in der Tür stand. Sie waren nach Freiburg gezogen, weil der Vater hier, ich glaube sogar, Leiter einer Filiale eines recht bekannten Möbelhauses werden konnte. Das war natürlich ein super Job. Er hatte mitbekommen was uns passiert war. Und hatte eine super Möglichkeit für uns: Das Lager sei so dreckig und wir bräuchten doch Kohle… Am nächsten Morgen standen wir früh auf, schwangen uns auf unsere Räder und standen pünktlich um 9 vor dem schwedischen Wohnzimmergiganten. Kurz wurde uns erklärt, wo wir was finden, und schon gings los. Die Europalletten musste man mit so einem Pallettenziehgerät aus den Regalen holen, dann dahinter fegen und wieder zurück schieben. Der Zeltstangenlose verbrachte den Tag an der Müllpresse und zerstörte, was auch immer da abgeliefert wurde. So kam es auch das er, im Müll pressenden Eifer, einen Karton hineinwarf, auf den Pressschalter drückte und zusah, wie eine Ladung nagelneuer Taschenlampen zerquetscht wurden. Er zog es vor, das niemandem zu sagen. In dem Lager gab es Kistenweise Wasser und Limo, jeder von uns hatte immer eine Flasche dabei. Wir kehrten was das Zeug hielt und wenn wir mal irgendwo fertig waren, dann konnten wir an anderer Stelle wieder von vorne anfangen. Das war aber auch staubig hier. Da wir uns zu viert sowieso auf die Füsse getreten sind, konnte sich immer einer auf den riesen Matratzenstapel im Lager legen und entspannen. Nach 20 Minuten wurde er abgelöst und der Nächste ruhte sich aus. Man muss ganz ehrlich sagen: Mit Besen und Kehrschaufeln war der Staubentwicklung in diesem Riesenlager nicht klein beizukommen. Erst recht nicht von fünf 15-jährigen, die vielleicht auch schon 16 gewesen sein können. Erst sehr viel später, nach dem Urlaub, wurde mir klar, das der Vater uns eigentlich nur den Arsch retten wollte. Aber nicht einfach so, wir sollten auch was dafür tun, deswegen die sinnlose Aufgabe. Respekt an den Mann, ganz grosse Geste. Find ich super. Nach diesem Arbeitstag wurden wir ausgezahlt und die Reisekasse war wieder frisch und fetter gestopft als vorher... ja! Jetzt sollte der Urlaub richtig losgehen! Wir spielten Minigolf und tranken dabei Schnaps, wir assen Ravioli und auch mal, ganz verrückt, eine FünfMinuten-Terrine, wir verwandelten den Campingplatz in einen Moshpit. Kurz: Wir genossen unsere Zeit. Uns konnte keiner was, wir waren die Könige. Tag und Nacht. Es war einer der letzten Abende. Wir sassen mit den Mädels zusammen, tranken Sekt und Bier und wur-


I put the Scheiße-warum-hab-ich-nicht-einfach-Nein!-gesagt in Laminatlegen-am-Sonntag.

Ghettoblasterbesitzer lud die Knutschstimmung mit den romantischsten Liedern auf, die er dabei hatte (Carcass, Napalm Death, Orbituary) und philosophierte mit der Besten rum. Über Metal, scheiss Schule und wie albern wir seien. Der Junge aus dem Schrottzelt war am betrunkensten und wollte die ganze Zeit Red Hot Chilli Peppers hören. Wir kicherten. Der Minigolfplatzheimsucher holte uns ab um uns etwas zu zeigen: Wir gingen mit, die Knutscher Hand in Hand mit ihren Eroberungen, die anderen hinterher. Da war sie am Minigolfplatz: Die perfekte Hecke. Es war damals in unserem Heimatstädtchen von uns ein beliebter Sport zu “Hedge-diven”. Wir stellten uns nachts vor irgendwelche Hecken, auch solche in Vorgärten von Ein-Familien-Häusern, und “auf Drei” ging der Ghettoblaster an und wir sprangen mit Anlauf zusammen in die schön gestutzten Gartenkunstwerke. Dann schnell auf die Räder und abhauen. Wir wurden nie erwischt. Hier, auf der Campingplatzminigolfanlage war nun eine perfekt gestutzte, dornenlose, perfekt zwischen weich und hart austarierte Hecke. Wir gingen in Position, nahmen Anlauf und sprangen hinein. Die Mädchen konnten nur noch zusehen. Diese Hecke war so perfekt, wir hörten nicht mehr auf. Und sprangen und sprangen und sprangen. Es wurde spät, die Mädchen mussten nach Hause. Wir gingen zurück zum Zelt und verabschiedeten uns. Lang. Ausgiebig. Jugendlich.

den schon alleine von der Tatsache betrunken, das wir Alkohol tranken. In jungen Jahren ging sowas noch. Eine der Berlinerinnen wollte endlich mit unserem peinlichen paffen aufräumen und brachte uns bei an der Zigarette zu ziehen und dann zu sagen: “HUH! Mama kommt!” Wir zogen, wir HUH-ten, und die meisten husteten. Ich nicht, was mich erstaunte. Dennoch rauchte ich die ganze Zigarette mit dem Spruch. Jeden Zug. Bis es keiner mehr hören konnte, was ich extrem lustig fand. Wir wurden betrunkener, oder zumindest das, was wir dafür hielten, und es wurde kühler. Das Anlehnungsbedürfnis wuchs. Ich hatte ein Auge auf die kleine Berlinerin geworfen, ihre grössere, uncharmant ausgedrückt nahezu bullige, Freundin hatte aber unglücklicherweise eins auf mich geworfen. Klassische Patt-Situation. Meine Erfahrung mit Mädchen und ihrem unausgesprochenen BesteFreundinnen-Schwur war aber gross genug zu erahnen: Die Kleine würde nie etwas machen, die kann ich mir abschminken. Das wurde vielleicht auch dann klar, als sie mit einem meiner Kumpels zu kuscheln anfing. Ich hatte keine Wahl. Nicht mehr knutschen in diesem Urlaub? Ohne mich. Ich liess mir die Avancen der grossen Frau gefallen und kuschelte mit ihr. Wir knutschten. Die Kleine mit dem anderen Kumpel auch. Ein anderer, der noch irgendwo Schnaps gebunkert hatte (Slivowitz, den er von seinen Eltern hat mitgehen lassen) ging Richtung Minigolfbahn um zu sehen “ob da nochwas geht”. Der

Durch lautes Gerüttel an den Zelten wurden wir geweckt. Der Chef des Platzes wollte ein ernstes Wörtchen mit uns reden. Was denn auf dem Minigolfplatz passiert sei? Wir waren die Unschuld selbst und beteuerten von nichts zu wissen. Er konnte uns nichts beweisen und zog sauer von dannen. Es war unser letzter Tag. Zur Feier assen wir unsere letzte Dose Ravioli. Die Beste kam nochmal vorbei um uns eine gute Reise zu wünschen. Ausserdem hatte sie einen Brief für mich dabei, von meiner Eroberung. Ich war tatsächlich ganz froh, sie nicht nochmal sehen zu müssen, denn, auch wenn das hart klingt, sie war doch eher nur ein Ersatz. Klar, ich durfte ihr sogar an die Brüste fassen, aber das reichte leider nicht um meine Liebe zu ihr zu entfachen. Wir fuhren zum Bahnhof, wo uns auch die Eltern der Besten verabschiedeten und uns noch ein bischen Reiseproviant mitgaben. Dann ging es in den Zug. Ich erinner mich noch wie meine Beste am Gleis stand und weinte. Die Eltern winkten uns nach. Wir sassen im Abteil. Es ging zurück nach Hause. Als alle schon eingeschlafen waren, ging ich nochmal aus dem Abteil. Ich machte das Fenster im Gang auf und hielt mein Gesicht in den nächtlichen Fahrtwind. Der Mond schien hell auf die dunklen Landschaften. Ich liess nochmal die letzten Tage Revue passieren. Was wir erlebt hatten, was wir gemacht hatten, wie wir alles gemanaged bekommen haben. Und da wurde mir klar: Wir waren nicht mehr dieselben. Wir würden nie mehr dieselben sein. Oder, um es mal sinnbildlich auszudrücken: Seit diesem Urlaub hatten wir alle Haare am Sack.


Neues Klopapier wickele ich immer ganz ab, schreibe auf das vorletzte Blatt â&#x20AC;&#x153;Nachschub kaufenâ&#x20AC;? und rolle es wieder auf.


#twitternWieBeiMuttern Am 28. August 2008 schreibt Twitter-User @343max, dass er, um neue Follower zu bekommen, Gesundheitstipps per Twitter geben wird und benutzt dazu den Hashtag #twitternWieBeiMuttern. Andere User greifen das Spiel auf und veröffentlichen Weisheiten, die uns unsere Mütter mitgegeben haben könnten. Bereits sechs Stunden nach dem ersten Tweet verzeichnet Google mehr als 200, nach 24 Stunden mehr als 650 Treffer. Die Hochphase geht über etwa 72 Stunden mit mehr als 1.500 geschriebenen Tweets, schon damals ein Beweis, wie schnell sich Themen über Microblogging-Dienste verbreiten lassen. Ein Auszug.

@343max: Da keine neuen Follower kommen muß ich mich besser um euch kümmern. Darum gibt es ab jetzt tolle Gesundheitstipps.

@marcwitzel: aber nur noch 140 zeichen. dann ist schluß!

@bauhausmensch: Du tweetest jetzt hundertmal: “Ich soll nicht...”

@BrandNewWelt: Es ist mir scheissegal wieviel Zeichen die anderen zur Verfügung haben. Du kriegst nur 140!

@blogwart: Es reicht! Du gehst jetzt nach identi.ca und kommst erst wieder raus, wenn du über dein Verhalten nachgedacht hast.

@PickiHH: Du hast ja wohl nicht mehr alle Tweets in der Timeline!

@NerdyGrossOut: Wenn der Kuchen twittert, haben die Krümel Pause!

@UschiUrlaub: Noch so´n Tweet und ich twitter Dir eine dass Dir Hashtagen und Followen vergeht!

@emscha_old: Du bleibst so lange sitzen, bis alles getwittert ist.

@off_the_record: Das könnt ihr euren Followern erzählen!

@dschulian: Wie viel hast du gestern getwittert? So viel? Kein Wunder, dass es dir heute nicht gut geht...

@Heike_: Gut Tweet will Weile haben

@IMBild: Hör auf zu twittern so lange du es noch kannst!

@aNo_nym: Aber spätestens um acht twitterst du zu Hause!

@hkiri: Gleich twittert es 13!

@kehrseite: twitter ist fertig!

@awl: mit so einem kurzen tweet gehst du mir nicht raus

@musicalgruppe: Früh übt sich wer follower haben will.

@kahta: du hast mir gar nix zu twittern!

@jolli_jumper: diese Follower sind schlechter Umgang für dich...

@spreeblick: Wir wären damals froh gewesen, wenn wir 140 Zeichen gehabt hätten!

@jayzon277: Und nicht wieder alles durcheinander twittern

@Franz: Man kann auch ohne Twitter lustig sein!

@kommagent: Twittern ist das halbe Leben

@jolli_jumper: diese Follower sind schlechter Umgang für dich...

@FrauLehmann: Ich twitter es nicht nochmal, mein Kind.

@jayzon277: Und nicht wieder alles durcheinander twittern

@musicalgruppe: Früh übt sich wer follower haben will.


@baranek: Als wir jung waren, hat man auch nicht getwiittert. Und? Hat es uns geschadet?

@zauberfrau: Die Nachbarn twittern schon über uns...

@ No t I n Po r t l a n d : @343max Und lass dich nicht von Fremden antwittern!

@turschte: Twitter nicht mit fremden Followern

@andreloibl: man zeigt nicht mit dem @ auf andere Leute! :-)

@Katti: Es wird getwittert, was auf den Tisch kommt!

@peternoster: wer twittern kann, kann auch arbeiten!

@Thomas_J: Also wir hätten uns ja nicht getraut, sowas zu twittern

@emathion: Mach dir nichts daraus, andere Follower haben auch schöne Tweets.

@thafaker: Die Twitter in Afrika währen froh, wenn sie solche tweets hätten

@AF_Blog: Wer nicht twittern will, muß fühlen!

@applpix: das twittere ich dir, wenn du älter bist

@murdelta: deine follower nehmen doch alle drogen

@tanith: So kannst du mit deinen Followern reden, aber nicht mit mir!

@andreaslange: Twitter dir das hinter die Ohren!

@jhschmidt: Nichts ist schon getwittert worden, was nicht schon früher getwittert worden ist.

@PickiHH: Ich hab hier immer noch den letzten Tweet, mein Freund!

@jati: Nun setz Dich erstmal und schreib Deinen Tweet.

@filid: @343max Jetzt gehn wir alle noch mal aufs Klo und twittern dann los

@zebramaedchen: Ja, Kind, twitterst Du denn auch genug?

@9600baud: Junge, kriegst du auch genug zu essen? Ich hab’ dir noch ein paar tweets eingepackt.

@booldog: Das LASSICH-MIR-NICHTTWEETEN!

@julianwki: Wer A twittert, muss auch B twittern!

@PickiHH: bevor Du Dich mit einem Follower einlässt, möchte ich die Timeline der Eltern sehen.

@peternoster: Mit diesem Tweet gehst du mir aber nicht aus dem Haus

@othertimes: Unter keinen Umständen followst Du fremden Männern mit Süßigkeiten!

@daniel_r_: “Wer nicht hören kann, muss twittern!”

@applpix: du twitterst schon wie dein vater!

@Schrottie: Musst Du immer Deine Tweets überall herumliegen lassen?

@bcaptured: das leben ist kein twitterhof.

@tintobrass: Und wenn alle andern von einer Brücke twittern, twitterst du hinterher, oder was?


Von Max Winde am 20. Mai 2008 geschrieben http://www.spreeblick.com/2008/05/20/im-test-tv-kurzer-hype-oder-dienst-mit-mehrwert/

TV

IM TEST:

KURZER HYPE ODER DIENST MIT MEHRWERT?

Halb Deutschland ist mit gigantischen Bildern für ein neues Mobiltelefon plakatiert: „Die neueste Entwicklung aus dem Hause XY Mobile macht TV-Genuss mobil!“ Sicher habe nicht nur ich mir beim Betrachten der Werbung die Frage gestellt: Was genau hat es eigentlich mit diesem „TV“ auf sich, von dem in letzter Zeit so viel die Rede ist? Die Macher von TV – die putzige Abkürzung steht für „Television“, der Dienst wird von vielen Usern auch liebevoll „Fernsehen“ genannt – orientierten sich bei der Entwicklung offensichtlich an Erfolgsmodellen wie Twitter, Jaiku oder Flickr: Nicht zu viel darf der Dienst bieten, Einfachheit ist Trumpf, und gerade die Beschränkung soll die User anregen. Selbst auf eigentlich simpel erscheinende Bedienkonzepte wie den Usernamen haben die Macher konsequent verzichtet, die Bedienung von TV erfolgt über eine kleine Spezialtastatur, die ausschließlich über Zifferntasten verfügt. Was auf den ersten Blick geradezu genial erscheint, könnte sich bei genauerer Betrachtung als Pferdefuß des Dienstes erweisen. So ist eine Bewertung der Inhalte oder eine Kommentarmöglichkeiten generell nicht vorgesehen. Auch das Einstellen von eigenen Inhalten ist im Augenblick noch nicht möglich, einen zum Hochladen von Inhalten notwendigen Pro-Account gibt es bisher nur per Invitation, und eine solche zu ergattern

ist sehr schwer: Nur ein paar Dutzend Pro-User gibt es in Deutschland, weltweit sind es vermutlich gerade mal ein paar Hundert. Betrachten lassen sich die Inhalte jedoch von jedermann: kein Account ist nötig, keinen AGBs muss man zustimmen, kein Passwort gilt es sich zu merken. Die wenigen Pro-User besitzen jedoch offensichtlich eine technisch sehr anspruchsvolle Aufzeichnungstechnik. Die Bildqualität der gestreamten Inhalte ist generell sehr hoch, die Tonqualität hervorragend. Diese hohe Qualität gilt eingeschränkt auch für viele Inhalte: Über TV sind einige Inhalte wie Filme oder Serien verfügbar, die sonst nur über (teils kostenpflichtige) Dienste wie iTunes oder BitTorrent zu genießen sind. Leider schlägt auch hier eine unschöne Einschränkung des Dienstes erbarmungslos zu, denn grundsätzlich hat man keinen Einfluß darauf, welche Inhalte gestreamt werden. Ob zu dem Zeitpunkt, zu dem man TV nutzen möchte, tatsächlich interessante Inhalte verfügbar sind, ist reine Glückssache. Mitunter beschlich mich beim Testen sogar das Gefühl, die Pro-User würden sich bewusst einen Spaß daraus machen, interessante Inhalte ausschließlich in den Nachtstunden verfügbar zu machen. Dadurch ist die Signal-To-Noise-Ratio des Dienstes erschreckend niedrig, die Inhalte sind oft extrem alt und von fragwürdiger Qualität und reichen gerade tagsüber praktisch nie an selbst zusammengestellte Inhalte heran. Einige Anbieter scheinen sogar mit Techniken zu arbeiten, die man fast als betrügerisch bezeichnen möchte. Als Faustregel gilt: Angebote, die zur Benutzung eines


selbst schuld, wer sich auf partys in den kreis der psychologiestudenten stellt. ist doch klar, dass man da nur heulend wieder rauskommt.

Telefons auffordern, sollte man meiden, egal wie einfach die Beantwortung der Frage auch scheint und wie limitiert die Sammelpuppe auch sein mag. Aber auch darüber hinaus ist es sehr schwer, die Qualität der gebotenen Programme einzuschätzen: Quellen werden nur selten genannt und selbst an einfachste journalistische Standards wie die Verwendung von Links hält sich keiner der wenigen Pro-User. Wer sich davon nicht abschrecken lässt und TV in der rein passiven Demoversion antesten möchte, wird auf den Webseiten von einigen Pro-Usern fündig. Einige Inhalte können über Dienste wie zattoo.com oder OnlineTVRecorder genutzt werden, mitunter finden sich kurze Ausschnitte auch auf YouTube. Wer TV jedoch regelmäßig nutzen will, kommt um die Anschaffung von Spezialhardware nicht herum. Das Angebot reicht hier von recht preiswerten USB-Sticks über kleinere, teilweise portable Geräte bis hin zu gigantischen Standalone-Einheiten,

die das zeitgleiche Betrachten im größeren CommunityKreis zulassen. Im Funktionsumfang unterscheiden sich all diese Lösungen kaum, lediglich die Abbildungsfläche des dargestellten Streams variiert bei den unterschiedlichen Geräten. Auch das teuerste, stationäre StandaloneTV-Gerät ermöglicht es nicht, Inhalte zu einem selbstbestimmten Zeitpunkt zu genießen. Viele Anbieter haben solche Einschränkungen von TV erkannt und bieten eine Reihe von innovativen Zusatzdienstleistungen rund um den Dienst an. Eine geradezu unüberschaubare Zahl von „Programmzeitschriften“ versucht vorherzusagen, welcher Anbieter wann genau seine interessanten Inhalte anbieten wird. Zusatzgeräte wie „Videorekorder“ rüsten eigentlich selbstverständliche On-Demand-Funktionen oder auch nur eine simple Pausenfunktion nach. Diese Dienste sind im Allgemeinen jedoch nur nach Studium langer Bedienungsanleitungen zu nutzen, erfordern oft den Gang zu „Kiosk“-Verkaufseinrichtungen und sind praktisch immer kostenpflichtig. Gerade „Programmzeitschrift“ nervt durch regelmäßig entstehende Updatekosten, jedoch muss auch bei einigen Videorekordern regelmäßig kostenpflichtiges Verbrauchsmaterial (DVD) nachgefüllt werden. Noch nicht ganz geklärt scheint das Geschäftsmodell des Dienstes zu sein. Die Angebote einiger User sind kostenpflichtig, die Zahlart reicht von Pay-per-view (@ premiere) bis hin zu Pay-per-life (@ard, @zdf). Viele Pro-User blenden auch in regelmäßigen Abständen

bildschirmfüllende Layer-Ads mit Sound ein, eine Werbeform, die bei praktisch allen seriöseren Web 2.0 Anbietern zurecht verpönt ist, macht sie doch den Genuß der Inhalte praktisch unmöglich. Hat man sich jedoch erst mal mit all diesen Einschränkungen abgefunden, so kann man durchaus Gefallen finden an den Skurrilitäten und Macken der kleinen TVCommunity. So sperren sich die User oft gegenseitig in Container oder Urwälder oder zwingen sich gegenseitig zum Singen. Auch das „Witze erzählen, die nicht komisch sind“ ist offenbar sehr beliebt. Besonders charmant erfolgt die

Präsentation von fremdsprachigen Inhalten: Diese werden nie im Original gestreamt, sondern nur in einer auf deutsch nachgesprochenen Version, die aber nicht mehr gut sein darf. Selbst die rein passive Nutzung des Dienstes führt zu merkwürdigen Ritualen: Will man interessante Inhalte nicht verpassen, muss man z.B. Toilentengänge so lange hinauszögern, bis wieder ein Werbebanner eingeblendet wird. Für Surfer, die sich mit der Eigenverantwortung bei der Zusammenstellung des Abendprogramms überfordert fühlen und die hohen Einstiegskosten nicht scheuen, könnte das Prinzip des Sich-von-anderen-vorschreibenlassen-was-man-sehen-muss durchaus einen gewissen Reiz haben. Am Massenmarkt geht diese Entwicklung jedoch komplett vorbei und wird vermutlich ein ähnliches Schicksal erleiden wie der Pauschaltourismus oder das Im-Staustehen.


Von Stephie am 19. Februar 2009 geschrieben http://angeber.in/?p=520

WILLKOMMEN IN DER HÖLLE DER PUBERTÄT! Treten Sie ein! Nehmen Sie Platz! Raucher sind ausdrücklich erwünscht, Nichtraucher bitte direkt durchgehen – der Balkon mit frischmöglichster Berliner Luft befindet sich gleich geradeaus und dann halbrechts! Getränke in der Küche – bitte bedienen Sie sich, es ist für jeden Geschmack etwas da! Den kleinen, kläffenden Hund einfach nicht beachten, er hat mehr Angst vor Ihnen, als sie je vor ihm haben könnten. Ihnen ist fröstelnd? Kein Problem! Decken sind ausreichend vorhanden! Kissen auch, greifen Sie ruhig zu – es ist von Allem genügend für Alle da! Machen Sie es sich gemütlich, lehnen Sie sich zurück, schliessen Sie die Augen! Seien Sie völlig entspannt! Kurzum: Fühlen Sie sich wie zu Hause! Und dann stellen Sie sich Folgendes vor: Sie sind zu Hause. Wir schreiben Sonntag, den 15 Februar 2008. Ein wunderbarer Tag. Direkt vor Ihrer Haustür liegt Schnee ohne Ende und die Sonne strahlt aus allen Himmelsecken auf Berlin herunter. Sie haben ein fantastisches Mittagessen in ausnahmslos netter Gesellschaft genossen und ausserdem just den Traummann und Ihren Vater den Mann, der hier nicht namentlich genannt werden möchte, in einer beispiellosen Partie Toc-Toc haushoch besiegt. Zu diesem Zeitpunkt ahnen Sie noch nicht mal im Ansatz irgend etwas davon, dass Ihr Auto in naher Zukunft irgendwem als kostenfreies Ersatzteillager dienen wird. Und der Sohn befindet sich sicher und wohlbehalten, nach einer durchfeierten Valentinsnacht, in seinem Zimmer und sieht heute besonders erwachsen aus. Zudem gewinnt er just an diesem Sonntag ein sehr wichtiges Fussball-Wii-Spiel gegen Irgendwen und die Welt ist insgesamt ein einziger warmer Apfelkuchen mit Sahne, in den man sich geradezu reinlegen könnte. Bis die Türklingel die harmonische Idylle jäh zerreisst. Sie öffnen nichtsahnend und gutgelaunt besagte Tür – und ab dem Moment ist alles anders, als es vorher war:

Eine 47 kg schwere Tränenmeeresflut mit langen, schwarzen Haaren – formaly known as DieTollsteFrauDerWelt – stürzt durch die geöffnete Wohnungstür direkt in Ihre Arme und innerhalb von Millisekunden droht ein Tränentsunami Ihren Flur komplett unter Wasser zu setzen. Während der Sohn an Ihnen und dem Häufchen Elend in Ihren Armen seelenruhig vorbeispaziert, direkt in’s Bad und mit Drehen des Schlüssels (von innen!) verkündet: “Ich nehm ‘ma ein Erkältungsbad.” Um keine 0,5 Minuten später wieder aus derselben Tür herauszugucken, Sie selbst mit einem abgrundtief erbostem Blick fixiert und erklärt, dass er es hasst, dass Sie sich immer in alles einmischen müssen. Und während Sie, zutiefst verwundert, losstottern: “Ich habe doch nur die Tür aufgemacht…?!”, knallt er die Badtür wieder zu, schliesst ab und überhört Ihr hilfloses “Was hab’ ICH denn jetzt gemacht und was ist hier eigentlich los??” ganz bewusst. Zeitgleich nimmt der Tränenfluss DerTollstenFrauderWelt die Ausmasse einer Sintflut an und der Traummann guckt verwundert um die Ecke, während Jack in der Handtasche der Unglücklichen nach Essbarem sucht.


“das ist aber kein besonders gemütliches taxi!” “schätzchen, wir sind in einer u-bahn”


“man muss die blätter feiern, wie sie fallen.” “son quatsch.” “ich fands nachdenklich.” “ich fands pseudo.” “ja?” “klar.”

Sie wollen grade beschliessen jetzt, in diesem Moment, sofort!, einen Nervenzusammenbruch zu erleiden und durch Wegsperren Ihrer eigenen Person in eine Anstalt, wo man Ihnen viele, schöne bewusstseinsverändernde Mittelchen gratis zuführen wird, sich geschickt der Situation zu entziehen, da purzeln zwischen den Millionen von Tränchen auch schon schluchzende Worte aus der 47-kg-Frau. Sie erfahren, dass irgendwer (wahrscheinlich der Sohn) irgendwen (wahrscheinlich DieTollsteFrauDerWelt) versetzt hat, dass Hertha BSC Tabellenführer ist, und dass doch Valentinstag ist und dass alles mit Frankfurt ja schon angefangen habe und weiterhin irgendeine beste Freundin sie ja immer gewarnt hat und schon neulich in der Disko waren DieTollsteFrauDerWelt und noch ein Mädchen die einzigen Mädchen und alles. Sie verstehen gar nichts, ahnen aber, dass der Sohn zu Blöd zum Lügen ist und/oder noch viel lernen muss, was Frauen angeht (Wer nicht?!) – und reichen geduldig ein Taschentuch nach dem Anderen und holen Jacks Schnauze immer wieder unauffällig aus dieser Handtasche raus, deren Inhalt er freudig und schwanzwedelnd in der Wohnung verteilt. Nach ca. 15 Minuten sind Sie plötzlich von der Taschentuchreicherei befreit, denn so lange dauert ein Erkältungsbad – da kommt der Sohn aus dem Bad zurück, schnappt sich seine Sachen und verlässt die Wohnung – nicht, ohne Sie selbst vorher noch mal gehörig angezischt zu haben, dass er sich doch jegliche Einmischung ausdrücklich verbeten habe. Woraufhin Sie der Wohnungstür, die er Ihnen vor der Nase zuknallt (von aussen!), verzweifelt versuchen zu erklären, dass Sie doch nur die Tür geöffnet haben, weil es geklingelt hat und Sie überhaupt keine Ahnung haben, in welchem Film Sie hier sind und vor allem: Wer die Regie führt! Die Wohnungstür hört Ihnen geduldig zu, Antworten auf Ihre vielen Fragen hat sie aber leider auch nicht parat. Wenig später fahren Sie das mittlerweile komplett verzweifelte Tränenbündelchen mit den langen, schwarzen Haaren dann nach Hause und sind immer noch keinen Millimeter schlauer als vorher. Sie warten, schwankend zwischen Fassungslosigkeit und Verwunderung, mehrere Stunden auf die Heimkehr des Sohnes und fragen dabei im 5-Minuten-Takt den Traummann: “Ich hab’ doch nur die Tür aufgemacht, oder was habe ich jetzt eigentlich getan?” – da erreicht Sie plötzlich eine SMS. Von DerTollstenFrauDerWelt: Der Sohn sei bei ihr, er sei krank und ob er bei ihr schlafen könne? Haben Sie vorher bereits die Welt schon nicht mehr verstanden, so verstehen Sie jetzt schlichtweg GAR NICHTS mehr. Sie erklären dem Traummann, dass der Sohn offenbar vorhin die Wohnung verlassen hat und zur TollstenFrauDerWelt gelaufen ist, während Sie die Toll-

stenFrauDerWelt zur TollstenFrauDerWelt nach Hause gebracht haben. Der Traummann sieht erschöpft aus. Sie auch, aber Sie können sich ja selbst nicht sehen und der nächste Spiegel ist im Flur, das ist zum Glück weit genug weg. Während Sie mit einer Gehirnhälfte überlegen, wie Sie sich nun pädagogisch wertvoll verhalten können, ruft die andere Gehirnhälfte bereits den Sohn an und erklärt ihm, dass Sie ihn jetzt abholen kommen. Keine Widerrede! Faxen dicke! Punktumschlussfertigaus! Gesagt. Getan. Der Sohn steigt wenig später in’s Auto und erklärt, dass ihn alles ankotzt. Sie erklären, dass Sie auch alles ankotzen würde, wenn Sie grade beim Blöd-Rumlügen erwischt worden wären. Woraufhin der Sohn erklärt, dass ihn Ihre Einmischerei auch total ankotzt und er sich jetzt eine Wohnung sucht. Was Sie veranlasst zum wiederholten Male nachzufragen, WAS genau Sie eigentlich getan haben – ausser, dass Sie eine Tür geöffnet haben, weil es geklingelt hat. Und erhalten keine Antwort. Für 2 Tage. Geschlagene 2 Tage spricht der Sohn nicht mehr mit Ihnen und hat ein Gesicht angezogen, dass Ihnen deutlich signalisiert, dass er ernsthaft und aufrichtig erzürnt mit Ihnen ist. Sie selbst laufen in diesen 2 Tagen komplett gehirnparalysiert durch diese Welt und fragen jeden Menschen, der Ihnen begegnet, was Sie eigentlich getan haben – ausser, dass Sie eine Tür geöffnet haben. Weil es doch geklingelt hat?! Und warum der Sohn nicht mehr mit Ihnen redet, weil Sie können ja nichts dafür, wenn es klingelt? Oder doch? Am 3. Tag dann ist plötzlich alles vorbei. Der Sohn spricht wieder mit Ihnen, die Erde ist wieder Rund und ausserdem braucht er ja dringend Ihre Unterschrift unter diesem Vertrag für das Fitness-Studio, bei dem er sich anmelden will. Es aber nicht kann, weil er ja leider, leider noch Minderjährig ist. “Ausserdem war von Ausziehen ja nie die Rede, das hast Du völlig falsch verstanden, Mama” und Ihre aufrichtige Versicherung, dass Sie nichts falsch verstanden haben, sondern genau genommen NICHTS verstanden haben, weil eigentlich haben Sie ja nur die Tür geöffnet, weil es doch geklingelt hat, verhallt irgendwo in den Weiten des Universums. Ungehört. Den der Sohn muss schnell los, DieTollsteFrauDerWelt abholen gehen. Sie brauchen noch etwa weitere 1,5 Tage und einmal Deutschland sucht den Superstar-Gucken, dann sind auch Sie wieder halbwegs auf dem Damm und erwachen langsam aus Ihrem Trauma. Was bleibt, ist ein nervöses Zucken im rechten Augenwinkel, wenn die Türklingel geht.


Von S am 14. Oktober 2009 geschrieben http://www.dragstripgirl.de/netzwelt/interconnectica/

INTERCON Ich bin enttäuscht von der Zukunft. Twitter, Latitude, Wave, Facebook- großartig, noch mehr Erinnerungen daran, dass ich überhaupt keine Freunde habe und ständig nur irgendwelche Links mit Fremden austausche. Fremde, mit denen ich meistens im echten Leben bewusst und verständlicherweise nichts zu tun hätte.


Werde jetzt gewaschene Socken nach Farbe sortieren. Sind alle schwarz, das schaff’ ich.

NNECTICA Ich habe letztens ein N95 gefunden, und habe mich tierisch gefreut dass auch ich jetzt den Schritt in die Zukunft mache und mobil im Netz bin. Bis mir auffiel, dass es mich nicht kickt, nicht bockt, und ich viel lieber meine Bettwäsche aufhängen möchte. Ich habe nichts zu erzählen aus meinem “Unterwegs-Leben”, weil ich kein Unterwegs-Leben mehr habe.

dert sich nichts, außer die Plattformen, auf denen wir unsere inhaltslosen Nachrichten verbreiten. Die gleichen Themen und Best Of’s wie vor drei oder sechzehn Jaren. Nicht nur in anderen Wörtern, sondern auch in anderen Gewändern. Diesmal aber nicht auf einem Blog, im Fernsehen oder in der Zeitung, sondern in einem Wave. Oder in einem Tweet. Oder bei Ffffound.

Und jetzt will man mich vielleicht auf meine Ignoranz hinweisen und sagen, dass dies die notwendigen Schritte in die Zukunft sind, und das wir so alle immer enger vernetzt werden, Brücken schlagen können zu Menschen, mit denen man ansonsten nicht in Berührung kommen würde. Man möchte mich doch bitte wachrütteln und mir zeigen, dass ich selbst der Informations- und Kommunikationssucht erlegen bin, das deutlichste Beispiel diese Plattform! Ich könne das alles ja nur nicht richtig schätzen, und man muss ja auch die positive Seite sehen. Aber am Ende läuft es trotzdem darauf hinaus, dass wir über das Leben auf einer Metaebene schwadronieren, ohne überhaupt mehr zu wissen, was das Leben eigentlich ist.

Der Kontext bleibt auf der Strecke. Plötzlich sammeln wir irgendwelche Grafikschnipsel, auf denen weise Zitate stehen. Wir haben keine Zeit mehr, das ganze Buch zu lesen, weil wir vielleicht den Tagesstream verpassen könnten. In ein paar Jahren werden diese Spruchfetzen auf Häuserwände projeziert, nämlich per Laserstick aus der Hosentasche heraus. Und so drücken wir uns dann aus. Nicht mehr mit Händen und Füßen, nicht mehr mit Papier und Stift, sondern mit Lichteffekten und ohne Kontext. Wir sehen nicht, wer hinter der Kunst steht. Wir drehen nur noch Filme, die von Filmen inspiriert sind, nicht von der Realität. Ist es Sucht, ist es ein Überfluss an Synthetik, ist das das natürliche Habitat des Menschen, ist das Evolution oder Depression? Und dann stellt sich die ganz großartige Frage, so klar oder vielleicht doch nicht so klar: wer braucht noch Kommunikationsmittel, wenn es nichts mehr zu kommunizieren gibt, und niemanden, mit dem man kommunizieren will? Ein Haufen Pixel auf einer ewig langen Timeline.

Es sollte aus mehr bestehen als Fakten, Informationen, Essays und Tweets. Mehr als nur das geschriebene Wort. Mehr als nur ein Video von etwas, was vielleicht gar nicht passiert ist. Aber das gibt es nichts, denn uns passiert nichts mehr. Wir setzen uns nur noch einen virtuellen Helm auf, der uns in eine unendliche Welt eintauchen lässt. Wir stellen uns lieber vor, wie wir Berge erklimmen, anstatt es zu tun. Das ist gut und das ist schlecht. Aber vor allem ist es deprimierend, wenn man so sehr an der Zukunft teilnehmen möchte und feststellt, dass der Fortschritt dorthin selbst es ist, der einen davon abhält. Ich rede hier nicht von Kausalitäten und dem “gefährlichen Internet”, aber ich kann verstehen, wieso Leute an Überfettigung oder wegen eines Amoklaufes sterben: von einem Extrem ins Nächste, wenn das alles ist, was uns übrig bleibt. Und die Diskussion darüber? Es verän-

Versteht mich nicht falsch: ich finde das alles nicht schlecht. Oh, im Gegenteil. Ich bin der größte Fan von kurzlebigen Informationsfluten, die dann wieder langsam aus meinem Gehirn bröckeln. Und ja, ich bin die erste, die sich dieser Sucht, Leidenschaft, Krankheit hingibt. Aber es bleibt nicht ohne bitteren Nachgeschmack, wenn ich das Gefühl habe, nach 15 Stunden Arbeit im Internet genug gelebt zu haben. Und es macht mir Angst zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin.


Montag! Erwäge mir den “Erledigt”-Stempel zwischen die Augen zu rammen...


Wie gewinnt man eigentlich Freunde? Ich frage f端r einen... oh, verflucht!


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