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WIE ELTERN VERANTWORTUNGSVOLL MIT BILDERN IHRER KINDER UMGEHEN

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Licht der weLt Über Jahre hat eine Londoner Fotografin Mütter kurz nach der Geburt besucht. Ihre Bilder zeigen berührende Momente der Innerlichkeit. Fotos

Jenny Lewis

Nicola mit Verity 5. 10. 2O13 „Es war eine schnelle Geburt, und ich verließ bald die Klinik. Zu Hause staunte ich über das neue Leben, das in meinen Armen begann. Verit y ist für mich ein Wunder.“

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Dilek mit Noah 21. 5. 2O13 „Ich habe Noah zu Hause bekommen und war tagelang wie berauscht. An dem Tag, an dem das Bild gemacht wurde, fühlte ich: Wir sind jetzt eine Familie.“

Lorna mit Josephine 17. 2. 2O13 „An dem Tag, als Josephine zu Hause auf die Welt kam, schneite es, und ich hat te Angst, die Hebammen würden es nicht rechtzeitig zu mir schaffen. Aber sie kamen!“

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„Ich sehe auf diesen Bildern, was ich auch damals spürte. Die Verbundenheit und die Fremdheit. Die Hilflosigkeit der Neugeborenen und gleichzeitig ihre Stärke und Kraft. Die Erschöpfung der Mütter und ihre wache Empfindsamkeit.“ Es gibt ein Lied, das ich nicht hören kann, ohne sofort an meinen ältesten Sohn zu denken. Es ist „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens, und es schepperte aus einem alten CD-Player, während er auf die Welt kam. Ich weiß bis heute nicht, warum. Die Hebamme in der Klinik hatte irgendwann gefragt, ob ich nicht vielleicht etwas Musik hören möchte und ich hatte willenlos genickt, ich hatte fürchterliche Schmerzen, es war mir einfach egal. Draußen schien die Sonne, ein kräftiger strahlender Herbsttag, bayerischer, blauer Himmel, am nächsten Morgen würde das Oktoberfest beginnen. Ich trug das schwarze Schwangerschaftskleid, das ich im vergangenen Frühjahr in Rom gekauft hatte, und rot-beige Turnschuhe mit losen Schnürsenkeln, ich konnte ja keine Schleife mehr binden mit meinem riesigen Bauch. Ich erinnere mich auch noch an den scharfen, klaren Geruch des Desinfektionsmittels, als ich mir später auf der Station die Hände wusch. Ich sehe, wie heute, meinen Sohn in meinem Arm liegen, er schläft, seine Haare duften süßlich, seine Haut ist warm und weich, ich liebe ihn sofort und frage mich gleichzeitig: Wer bist du eigentlich? Der Arzt war Linkshänder. Ich erzähle das alles, weil beim Betrachten der Bilderserie von Jenny Lewis bei mir die Erinnerung zurückkam, in einer Detailliertheit, die mich selbst überrascht. Es ist ja über zehn Jahre her. Aber ich weiß noch fast alles. Vermutlich geht das jeder Frau so, die ein Kind zur Welt gebracht hat, es ist wohl ein Reflex der Natur, an diesem einschneidenden Tag alles wie auf einen Film zu bannen. Jenny Lewis hat Mütter in den ersten 24 Stunden nach der Geburt besucht und fotografiert. Ich sehe auf diesen Bildern, was ich auch damals spürte: die Liebe und die Angst. Die Verbundenheit und die Fremdheit. Die Hilflosigkeit, Schutzbedürftigkeit der Neugeborenen und gleichzeitig ihre Stärke und Kraft. Die Erschöpfung der Mütter und ihre wache Empfindsamkeit dabei. Vielleicht macht das den Zauber der ersten Tage mit einem Baby aus: Große Gegensätze vereinen sich in dieser Zeit ohne Widerspruch. Man fühlt sich stark und dann wieder schwach. Man spürt einen großen

Kyle mit Winona 14. 5. 2O13 „Als Jenny mit ihrer Kamera kam, wurde mir erst bewusst, dass ich soeben ein Kind bekommen hat te. Gleichzeitig dachte ich:

Frieden und ist im nächsten Moment voller Sorge. Es ist ein fast irrealer Schwebezustand. Draußen mag das Leben toben, aber hier bei uns: Da tut sich eine neue Welt auf. Wir sind jetzt eine Familie. Oder: eine noch größere Familie. Die Mütter auf den Bildern sind zu Hause. Weil sie ihre Babys dort bekommen haben oder kurz nach der Geburt heimgegangen sind. In einer Klinik, glaube ich, hätte es diese Momente der Innigkeit nicht gegeben. Es ist nur so ein Gefühl. Ich habe alle meine drei Kinder im Krankenhaus bekommen, aus einem Bedürfnis nach Sicherheit heraus, aber ich bin bei meinem zweiten und dritten Sohn wenige Stunden, nachdem sie auf der Welt waren, wieder gegangen. Ich fühlte mich verletzlich und nur zu Hause sicher. Ich wollte Ruhe haben, und nur hier glaubte ich, sie auch wirklich zu bekommen. Ich habe jetzt auch noch einmal die Bilder meiner Kinder betrachtet, als sie wenige Stunden alt waren. So wie die Geburten waren auch die ersten Stunden bei jedem anders, bei jedem besonders. Sie rochen unterschiedlich, jeder Körper hatte eine andere Spannung, sie schienen schon in den ersten Augenblicken eigene Vorlieben zu haben, wie sie angefasst, wie sie liebkost, wie sie getragen werden wollten. Aber ich sehe auch: sie selbst. Ja, wirklich, ich meine rückblickend Wesenszüge zu erkennen, die sie heute haben. Einen Schalk, eine Wachsamkeit, eine große innere Ruhe. Mein großer Sohn wird bald elf Jahre alt. Er spielt für sein Leben gerne Fußball, interessiert sich neuerdings für Musik und fängt an, über Mädchen nachzudenken. Bald hat er meine Schuhgröße und hochheben und im Arm halten kann ich ihn schon lange nicht mehr. Mein Mann und ich wundern uns jetzt oft darüber, wie schnell er groß geworden ist. Bald wird er auf sein erstes Konzert gehen, Sportfreunde Stiller. Sein Freund hat ihm neulich eine CD der Band gebrannt, darauf eine neue Interpretation eines uns sehr bekannten Liedes: „Ich war noch niemals in New York“. Er mag das Lied sehr. Ich habe ihm dann erzählt, warum das wohl so ist.

Sie hat eine schöne Ket te an. Lustig, was einem in solchen Momenten auffällt.“

Mareen Linnartz mit ihrem ältesten Sohn, ein

FOTO: PRIVAT

paar Tage, nachdem er auf die Welt kam. Den Schlafsack hatte schon der Vater als Baby.

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Jenny mit Cicely 19. 9. 2O13

Clemmie mit Imogen 14. 12. 2O12

„Cicely ist in der Nacht

„Als das Bild gemacht

auf die Welt gekommen.

wurde, empfand ich mich wie

Ich war so stolz, als ich sie

in einer neuen Welt. Ich war

später ihrem älteren Bruder

erschöpf t, aber fühlte es nicht.

Miles zeigte. Ich werde nie

Ich spürte nur totale, tiefe,

sein Lächeln vergessen.“

plötzliche Liebe.“

Laura mit Finn 13. 9. 2O12 „Nach der Geburt duschte ich mich im Krankenhaus. Im Spiegel konnte ich meinen Mann sehen, der Finn hielt. Er weinte. Ich war erschöpf t, aber als ich das sah, habe ich gelächelt.“

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ERSCHÖPFT, BER AUSCHT, GLÜCKLICH? WIE WAREN IHRE ERSTEN MOMENTE MIT IHREM BABY? SCHREIBEN SIE UNTER NIDO.DE/ NEUGEBORENE

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Katy mit Ada 20. 1. 2O13 „Als Ada auf die Welt kam, war mein Freund dabei, wir haben zu spät die Hebamme gerufen. Es hat mich fasziniert, wie sehr mein Körper wusste, was er zu tun hat.“

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Translation of One Day Young article for Nido magazine written by Mareen Linnartz "There is a song that immediately reminds me of my son everytime I hear it. 'Ich war noch niemals in New York' by Udo Juergens (famous German song) played from an old CD player while my son was born. I have no idea why. My midwife had asked me whether I wanted some music and I had nodded barely listening, numb with pain. The sky was blue, a beautiful Bavarian autumn afternoon. I wore that black dress I had bought in Rome and red sneakers that weren't properly tied. I remember the distinct disinfectant smell on the ward. I remember my son in my arms, he is sleeping, his hair smells sweetly, his skin is soft and warm, I fall in love immediately and ask: who are you? The doctor is left handed. I am telling you all this because I am astounded by just how much I suddenly remember looking at Jenny Lewis' series One Day Young. It's been over 10 years but I remember almost everything. I know this is probably normal, it is probably nature's reflex to store these incredible events in a woman's mind forever. Jenny Lewis visited women in the first 24h after giving birth and photographed them. What I see in these pictures is what I felt myself back then: the love and fear, the bond and strangeness. The helplessness of the newborn, as well as his strength and power. The exhaustion of the mother as well as her loving alertness. Perhaps this is part of the magic of those first few days with a baby: opposite emotions come together without contradicting each other. You feel strong, you feel weak. You feel at peace, you feel incredibly worried. It is an almost surreal state of being. The world outside carries on as before, but here, inside, you discover a whole new world. We are a family now. Or an even bigger family. Jenny's mothers are at home. Either they gave birth at home or they went home soon after. You couldn't have captured such intimacy at a hospital I don't think. That's how I feel. I gave birth to all my three children at hospital because I was longing for safety, but every time I went home a few hours afterwards. I wanted peace and quiet, the kind you only get at home. I looked at my newborn babies' pictures again. They were all so different, even back then. They smelled differently, they had distinct likes and dislikes, in hindsight their distinct characteristics were already apparent in those first few moments. The wit, the vigilance, the calm. My oldest son will be 11 soon. He loves football, music and is starting to think about girls.His feet are almost my size and the days that I could pick him up and carry him in my arms have long passed. My husband and I can't believe just how fast he's grown. He's about to see his first concert, 'Sportfreunde Stiller", They recently covered 'Ich war noch niemals in New York", He loves that song. So I told him why."!


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