17. AROUND THE WORLD IN 14 FILMS - Das Weltkinofestival in Berlin

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17. AROUND THE WORLD IN 14 FILMS 01.12 . - 10.12.2022 Kino in der Kulturbrauerei, delphi LUX und Neues Off

www.14films.de



UNSER FESTIVAL

Liebe Filmfreundinnen und Filmfreunde,

mit großer Freude begrüßen wir Euch zu unserer 17. Kino-Weltreise bei Around The World In 14 Films! Nach zwei Ausgaben unter sehr besonderen, eingeschränkten Vorzeichen sind wir nun glücklich in vorpandemischer Form zurück. Und nach fantastischer Zusammenarbeit in 2021 sind wir zum zweiten Mal in drei Kinos der Stadt! Zu unserem angestammten Festivalkino in der Kulturbrauerei gesellen sich wieder zwei wunderschöne Leinwände: die Kinos der Yorck-Gruppe delphi LUX und Neues Off. Die Kern-Kinoweltreise der Entdeckungen des Jahres im „14 Films-Wettbewerb“, umrahmt von 14 „Special Screenings“, darunter zwei Deutschland- und 26 Berlin-Premieren, sind wie gewohnt ein echtes „Very Best Of“ aus Cannes, Locarno und Venedig 2022. Wir sind stolz auf unsere vierte Kooperation mit der Berlinale und zeigen ein weiteres „Best of“ des „World Cinema Fund“ des Jahres. Dazu vergeben wir zum zweiten Mal den BASIS BERLIN POSTPRODUCTION PREIS für Beste Regie. Unser ganz besonderer Dank gilt unserem Hauptförderer, dem Auswärtigen Amt, und unseren Hauptsponsoren, angeführt von AUDI City Berlin, ARTE, der CineStar-Gruppe und KWK (Karl Wilhelm Kayser). Tausend Dank auch allen Partnern, Unterstützern und unserem engagierten Team. Wir freuen uns diesmal auf ein unvergessliches Live-Erlebnis des internationalen Weltkinos von Chile bis Tahiti! Bernhard Karl und Susanne Bieger, Festivalleitung

Bernhard Karl Susanne Bieger Nikola Mirza Pamela Salwinski Ramin Ramezani Daniela Kellner Jan Smacka Patrick Wellinski Nicoletta Materny Felix Neunzerling Javi Boletta

Leitung / Programm / Management Leitung / Programm / Management Presse / Kommunikation / Website Graphische Gestaltung Social Media Gestaltung Programmheft und Plakat Film Traffic Webmaster Redaktion deutsche Katalogtexte Assistenz der Festivalleitung Organisation Eröffnung Leitung Kinobetreuung

www.filmfest-muenchen.de www.14films.de www.jellypress.de

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Datum

Saal

Filmtitel

Sektion

Anwesende Gäste

CINESTAR - KINO IN DER KULTURBRAUEREI ALLE FILME WERDEN VON FILMPATINNEN UND - PATEN PRÄSENTIERT DO 01.12. (3) 19.30

An einem schönen Morgen

Opening

FR 02.12. (5) 19.30

Imagine

Film 12

(3) 19.45

Saint Omer

Special German Premiere

(5) 21.15

When The Waves Are Gone

Film 13

(6) 22.00

R.M.N.

Film 9

SA 03.12. (6) 19.15

Pacifiction

Film 14

(5) 19.30

War Pony

Film 2

(5) 22.00

Broker

Asian Masters

(6) 22.30

Die Frau im Nebel

Asian Masters

Trenque Lauquen Part 1 and Part 2

WCF / Argentinien

SO 04.12. (5) 10.30 (6) 19.15

Under The Fig Trees

WCF / Tunesien

(5) 19.30

The Dam

WCF / Sudan

(5) 21.30

Autobiography

WCF / Indonesien

(6) 21.45

Burning Days

WCF / Türkei

MO 05.12. (6) 19.30

No Bears

Focus On Iran

(5) 19.45

Mediterranean Fever

Film 11

(6) 21.45

Leila’s Brothers

Focus On Iran

(5) 22.00

Burning Days

WCF / Türkei

Mia Hansen-Løve

Guslagie Malanga

Albert Serra

Erige Sehiri

Ali Cherri

Nicole Gerhards

Maha Haj

Ticket online unter www.cinestar.de/de/kino/berlin-kino-in-der-kulturbrauerei oder während der täglichen Öffnungszeiten an der Kinokasse


Datum

Saal

Filmtitel

Sektion

Anwesende Gäste

CINESTAR - KINO IN DER KULTURBRAUEREI DI 06.12.

MI 07.12.

DO 08.12.

FR 09.12.

SA 10.12.

(5) 19.30 How Is Katia?

Film 10

(6) 19.30 Die Frau im Nebel

Asian Masters

(5) 21.45 The Dam

WCF / Sudan

(6) 22.15 Broker

Asian Masters

(6) 19.30 EO

Film 8

Christina Tynkevich

(5) 19.45 Autobiography

WCF / Indonesien

(6) 21.30 Petruv’s Flu

Hommage

(5) 22.00 Trenque Lauquen Part 1

WCF / Argentinien

(6) 19.30 Acht Berge

Film 5

Groeningen / Vandermeersch

(5) 19.30 Human Flowers Of Flesh

Film 6

Helena Wittmann

(6) 22.15 Saint Omer

Special German Premiere

(5) 22.15 Trenque Lauquen Part 2

WCF / Argentinien

(6) 19.30 Rodeo

Film 4

(5) 19.30 The Ordinaries

Film 7

(6) 21.45 Godland

Film 3

(5) 22.15 Under The Fig Trees

WCF / Tunesien

(5) 19.30 1976

Film 1

(3) 19.45 Verleihung BASIS Berlin-Postproduction Award, im Anschluß: The Banshees of Inisherin

Closing

(5) 21.30 Pacifiction

Film 14

(6) 22.15 Final Cut of the Dead

Closing

Lola Quivoron Sophie Linnenbaum

Jury 14 Films


Datum

Filmtitel

Sektion

Saal

YORCK KINOS – DELPHI LUX UND NEUES OFF

FR 02.12.

SA 03.12.

SO 04.12.

MO 05.12.

DI 06.12.

20.45

An einem schönen Morgen

Opening

21.00

Die Frau im Nebel

Asian Masters

21.15

Final Cut of the Dead

Closing

18.00

Broker

Asian Masters

19.15

Human Flowers Of Flesh

Film 6

Lux 4

20.45

Die Frau im Nebel

Asian Masters

Lux 2

21.15

Imagine

Film 12

Lux 4

19.30

Mediterranean Fever

Film 11

Lux 4

20.00

Pacifiction

Film 14

Lux 2

19.45

Godland

Film 3

Lux 4

20.45

R.M.N.

Film 9

Lux 2

19.45

Petruv’s Flu

Hommage Serebrennikov

Lux 4

20.45

No Bears

Focus Iran

Lux 2

Lux 2 NEUES OFF Lux 4 NEUES OFF

Ticket online unter www.yorck.de oder während der Öffnungszeiten an der Kinokasse


Datum

Filmtitel

Sektion

Saal

YORCK KINOS – delphi LUX und NEUES OFF

MI 07.12.

DO 08.12.

FR 09.12.

SA 10.12.

19.15

How Is Katia?

Film 10

Lux 4

20.30

Acht Berge

Film 5

Lux 2

18.45

1976

Film 1

Lux 4

20.45

Leila’s Brothers

Focus Iran

Lux 2

21.15

Final Cut of the Dead

Closing

Lux 4

19.15

When The Waves Are Gone

Film 13

Lux 4

20.45

EO

Film 8

Lux 2

21.00

War Pony

Film 2

NEUES OFF

18.00

The Ordinaries

Film 7

NEUES OFF

19.00

Rodeo

Film 4

Lux 2

19.30

Saint Omer

Special German Premiere

Lux 4

21.45

Broker

Asian Masters

Lux 2


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OPENING NIGHT AN EINEM SCHÖNEN MORGEN

Mia Hansen-Løve

Sandra (einzigartig: Léa Seydoux), eine in Paris lebende Übersetzerin, zieht allein ihre achtjährige Tochter groß und kümmert sich um ihren Vater, einen Philosophielehrer, der an einer neurodegenerativen Krankheit leidet. Sein Geist und sein Gedächtnis schwinden, sein Gesundheitszustand verschlechtert sich mit der Zeit sogar so sehr, dass die Familie einen Platz in einem Pflegezentrum für ihn suchen muss. In all diesem emotionalen Durcheinander beginnt Sandra sich mit ihrem alten Freund Clément zu treffen, und obwohl er noch in einer Beziehung steckt, entbrennt zwischen den beiden eine leidenschaftliche Romanze, die allerdings Sandras Alltag weiter verkompliziert. Schließlich ist Sandras Tochter noch nicht ganz überzeugt von diesem neuen Mann an Mamas Seite. Regisseurin Mia Hansen-Løve erzählt diese alltagsnahe Geschichte komplett undramatisch, still und ganz nebenbei, als würden wir dieser Sandra zufällig in der Pariser Metro begegnen. Dabei entsteht eine außergewöhnliche Sensibilität gegenüber dieser Frauenfigur und ihrem Leben: Verlust und Neuanfang, Trauer und Lebensfreude stehen sehr nah beieinander. Dabei entwickelt der Film mit der Zeit einen philosophischen Zugang zu allen Figuren, den man in dieser intellektuellen Intensität seit den Filmen von Eric Rohmer nicht mehr gesehen hat. Es ist schlicht außergewöhnlich, wie nah uns Sandra mit ihrem Leben kommt. An einem schönen Morgen wird Sandra lernen, dass sie zur Übersetzerin ihres eigenen Lebens werden muss. Und Mia Hansen-Løves Film wird am Ende zu einer feinfühligen Studie einer modernen Frau, die versucht, in einer unruhigen Realität einen Moment des Friedens zu finden. Dafür wurde der Film beim Filmfestival in Cannes gefeiert, wo er in der Reihe Quinzaine des Réalisateurs das Label Europa Cinemas-Preis gewann. Sandra, a young mother who raises her daughter alone, pays regular visits to her sick father. While she and her family fight tooth and nail to get him the care he requires, Sandra reconnects with Clément, a friend she hasn’t seen in a while. Although he is married, a passionate relationship begins.

OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals Preise

Un beau matin Mia Hansen-Løve Mia Hansen-Løve Frankreich, Deutschland Les Films Pelléas, Razor Film, Arte France Léa Seydoux, Pascal Greggory, Melvil Poupaud, Nicole Garcia, Camille Leban Martins 112 min. französische OF / deutsche UT Weltkino Cannes, Sydney, Jerusalem, Peking, Telluride, Chicago, Gent, Busan, New York Cannes Quinzaine Label Europe Cinemas

Do. 01.12. – 19.30 Uhr, Saal 3 Kulturbrauerei (Eröffnungsabend), präsentiert von TBA Fr. 02.12. – 20.45 Uhr Saal 2 delphi LUX

Mit freundlicher Unterstützung der Agentur Heppeler



SPECIAL GERMAN PREMIERE

Deutschland-Premiere

SAINT OMER

Alice Diop

Das Unvorstellbare passiert: Eine junge Frau aus dem Senegal legt ihr 15 Monate altes Baby ins Meer. Der Säugling stirbt. Ein Gericht kommt zusammen. In Saint-Omer soll der Frau der Prozess gemacht werden. Mord oder nicht – das ist die Frage. Zunächst. Im Gerichtssaal sitzt auch eine andere junge Frau: Rama. Die Professorin und Schriftstellerin stammt ebenfalls aus dem Senegal. Sie identifiziert sich mit der Angeklagten und will eine Reportage über den Prozess schreiben. Der Prozess beginnt und nach den ersten Aussagen wird klar, dass nichts klar ist. Wer sitzt hier wirklich auf der Anklagebank? Ein Flüchtlingstrauma? Oder der institutionelle Rassismus einer westeuropäischen Gesellschaft? Alice Diop gilt bereits als eine der wichtigsten Stimmen des zeitgenössischen französischen Kinos. Schon als profilierte Dokumentarfilmerin hat sie sich für die innerfamiliären Strukturen afro-europäischer Familien interessiert, und so mit ihrem Werk „Nous“ 2021 die Berlinale-Reihe Encounters gewonnen. „Saint Omer“, der mittlerweile zum offiziellen Oscarkandidaten Frankreichs ernannt wurde, ist ihr Spielfilmdebüt. Obwohl der Film visuell und strukturell viele Merkmale ihrer dokumentarischen Arbeiten aufweist, ist er doch ein sehr eigenes, eklektisches Werk. Denn die raffinierte Art, mit der Diop das Genre des Gerichtsfilms mit aktuellen, post-migrantischen Diskursen flutet, gehört zu den wirklich beeindruckenden Leistungen des Films. Welchen Wert hat die Schwangerschaft einer Migrantin? Wer kann es sich leisten, Mutter zu werden, wer nicht? Der Medea-Mythos schleicht sich langsam in diese Bilder, lädt sie mythisch auf und verweist auf ein größeres Weltengericht, das in diesem kleinen Saal im Norden Frankreichs auch tagt. Der Film schockiert, weil es uns alle angeht. Mutig, unerschrocken, modern – Ein Meisterwerk. A young novelist attends the trial of a young woman accused of killing her 15-month-old daughter byabandoning her to the rising tide on a beach in northern France. But as the trial continues, the words of the accused andwitness testimonies will shake Rama’s convictions and call into question our own judgement. In SAINT OMER, Alice Diop,confronts the unimaginable, placing us as close as possible to the accused in order to examine the mystery of her actions with great sensitivity and intelligence. Deutschland-Premiere Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals Preise

Alice Diop Alice Diop, Amrita David, Marie NDiaye Frankreich Srab Films (Toufik Ayadi, Christophe Barral), Arte France, Pictanovo Hauts-de-France Kayije Kagame, Guslagie Malanda, Valérie Dréville, Aurélia Petit 123 min. französische OF / englische UT Grand Film Venedig, Toronto, New York, Busan, Hamptons, London, Viennale, Stockholm Venedig Bestes Debüt und Großer Preis der Jury und Edipo Re Preis

Fr. 02.12. – 19.45 Uhr, Saal 3 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA Sa. 10.12. – 19.30 Uhr, Saal 4 delphi LUX



SPECIAL FOCUS ON IRAN NO BEARS

Jafar Panahi

Jafar Panahi braucht Urlaub. Der Regisseur hat sich dafür ein kleines Dorf an der iranisch-türkischen Grenze gesucht. Er übernachtet in einer Pension und wird für die Dorfbevölkerung zu einer wunderlichen Attraktion. Was die Bewohner nicht wissen: Panahi befindet sich gerade mitten in Dreharbeiten für einen neuen Film. Sein Team ist hinter der Grenze in der Türkei und Panahi gibt Regieanweisungen über seinen Laptop. Tagsüber macht er Fotos vom Treiben im Dorf und fotografiert ein junges, sich küssendes Paar unter einem Baum. Dieses Foto löst eine heikle, chaotische und mit der Zeit auch bedrohliche Revolte aus. Denn die junge Frau auf dem Foto ist einem anderen jungen Mann versprochen. Der Treuebruch soll bestraft werden, doch dafür braucht es das Beweisfoto. Aber Panahi verweigert die Kooperation und gerät somit selbst in Gefahr. „No Bears“ ist ein Geniestreich. Wieder begeistert der mittlerweile inhaftierte und mit einem Berufsverbot belegte Regisseur Panahi mit einem doppelbödigen Vexierspiel, das nach den Grenzen des engagierten Künstlers im heutigen Iran fragt. Er reflektiert dabei nicht nur seine eigene Lage, sondern stellt schmerzhafte Fragen nach innerem und äußerem Exil. Dabei denkt er so offen wie nie zuvor über die Gefahren seiner eigenen Bilder nach, denn wie in Michelangelo Antonionis Meisterwerk „Blow Up“ wird hier die Existenz einer Fotografie zur politisch-philosophischen Auseinandersetzung über die Grenzen der Realität. „No Bears“ ist wütender und auch fatalistischer als die vorangegangenen Filme Panahis. Seine eigene Lage könnte schlimmer nicht sein. Inhaftiert im berüchtigten Evin-Gefängnis, ist er in diesen Tagen ganz auf sich allein gestellt. Bei den Filmfestspielen von Venedig gewann Panahi den Preis der Jury. Zum ersten Mal konnte man kein Video von ihm sehen. Nur eine Mitteilung konnte verlesen werden. Umso wichtiger ist es, „No Bears“ jetzt zu sehen. Panahi glaubt an einen anderen Iran. Seine Filme ergeben mittlerweile eine Roadmap der Freiheit. In seinen Geschichten entscheiden die Iraner sich keine Bären mehr aufbinden zu lassen. Dann verschwindet ihre Angst. Dann beginnt ihre Zukunft. No Bears portrays two parallel love stories. In both, the lovers are troubled by hidden, inevitable obstacles, the forces of superstition and the mechanics of power. OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals Preise

Khers Nist Jafar Panahi Jafar Panahi Iran JP Production (Jafar Panahi) Jafar Panahi, Naser Hashemi, Vahid Mobaseri, Bakhtiar Panjeei, Mina Kavani, Reza Heydari 107 min. farsi, azeri, türkische OF / englische UT Venedig, Toronto, Zürich, Reykjavik, New York, Busan, London, Viennale, Hong Kong Venedig Spezialpreis der Jury

Mo. 05.12. – 19.30 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA Di. 06.12. – 20.45 Uhr, Saal 2 delphi LUX



SPECIAL FOCUS ON IRAN LEILA’S BROTHERS

Saeed Roustaee

Ein Film wie ein Pulverfass. Schon das erste Bild wirft uns in eine Gesellschaft unter Starkstrom. Die 40-jährige Leila (Taraneh Alidoosti) hat ihr ganzes Leben damit verbracht, sich um ihre Eltern und ihre vier Brüder zu kümmern. Die Familie lebt in Armut, was auch an Vater Heshmat liegt, der mehr damit beschäftigt ist, sich als neues Oberhaupt des Familienclans krönen zu lassen und sich nicht um die Zukunft seiner Kinder kümmert. Leilas Brüder hingegen haben über die Zeit ganz eigene Strategien entwickelt, um sich in ihrer Armut einzurichten. Manouchehr (Payman Maadi), Farhad (Mohammad Ali Mohammadi) und Parviz (Farhad Aslani) haben schlechte Jobs, große Familien und vor allem: kein Geld. Die Ausnahme ist der einzig vernünftige Bruder Alireza (Navid Mohammadzadeh). Er hat einen ehrlichen Job und ist auf Distanz zum herrischen Gehabe seines Vaters getreten. Als Heshmat ankündigt, das gesamte Ersparte in die Hochzeit eines Verwandten zu stecken und nicht in die Geschäftsidee seiner Kinder, beginnt eine atemlose Jagd nach Gerechtigkeit und Familienliebe. Regisseur Sayed Roustaee zeigt eine Familie im Würgegriff der sich ständig verschlimmernden Sanktionen des Westens gegenüber dem iranischen Regime. Natürlich sind es die ärmsten Familien, die unter diesen wirtschaftlichen Auflagen zuerst leiden. „Leila’s Brothers“ ist ein Blick auf die letzten Tage des Patriarchats. Ein genialer Film, mit einer letzten Einstellung, die vielleicht zu den schönsten des Kinojahres gehört. Saeed Roustaees Film wirkt wie eine Prophezeiung, die sich in unheilvoller Art und Weise vor unseren Augen realisiert hat. Der Film feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes, wo Roustaee mit dem FIPRESCI Preis der internationalen Filmkritik als bester Film ausgezeichnet wurde. Leila, 40, has spent her whole life taking care of her parents and four brothers. The family argues constantly and is crushed by debts, in a country caught in the grip of international economic sanctions. As her brothers are trying to make ends meet, Leila formulates a plan: to start a family business that would save them from poverty. While they are in desperate need of financial support, Leila finds out that their father Esmail has secretly been hiding a family heirloom as an offering to become the new Patriarch of the clan, the highest honor in the Persian tradition. This revelation will bring chaos to the already fragile family dynamics, gradually leading it one step closer to implosion. OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals Preise

Baradaran-e Leila Saeed Roustaee Saeed Roustaee, Azad Jafarian Iran Sky Frame Saeed Roustaee Taraneh Alidoosti, Payman Maadi, Navid Mohammadzadeh, Saeed Poursamimi 168 min. farsi OF / englische UT Cannes, München, Zürich, Busan, Hong Kong, Gent, Adelaide Cannes FIPRESCI Preis, München ARRI OSRAM Preis Besondere Erwähnung

Mo. 05.12. – 21.45 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA Do. 08.12. – 20.45 Uhr, Saal 2 delphi LUX



1 CHILE 1976

Manuela Martelli Im Winter 1976 ist es bereits drei Jahre her, dass sich Augusto Pinochet an die Spitze Chiles geputscht hat. Die Folgen seiner Militärdiktatur sind hart und versetzen seine Gegner in Angst. Ganz anders geht es der bürgerlichen Familie von Carmen (Aline Küppenheim). Die 50 Jahre alte Hausfrau lebt ein gutes Leben an der Seite ihres Mannes Miguel. Der Arzt hat sich mit dem Regime arrangiert und auch Carmen profitiert von dieser Nähe. Als sie in das Sommerhaus der Familie fährt, um das Anwesen zu renovieren, wird sie von einem Priester gebeten, einem jungen Mann zu helfen. Elias ist im Widerstand und wurde durch eine Kugel verwundet. Carmen, die mal Medizin studiert hat, zögert zunächst. Doch ihre Begegnung mit Elias wird ihre ganze Einstellung zum Leben und ihrer Umwelt verändern – und bringt sie in Gefahr.Regisseurin Manuela Martelli beweist in ihrem Spielfilmdebüt einen sehr genauen Blick auf die moralischen Konflikte ihrer Hauptfigur. Carmen ist eine Frau, die sich in ihren teuren Kaschmirpullovern und exquisit eingerichteten Wohnungen im wahrsten Sinne des Wortes eingerichtet hat. Mit einem wunderbaren Gespür für psychologische Nuancen betrachtet der Film, wie diese Frau aus ihrer selbst gewählten Passivität ausbricht und den goldenen Käfig ihres Alltags verlässt. „1976“ erzählt so auch von einer Politisierung und Emanzipation. Schauspielerin Aline Küppenheim („Eine fantastische Frau“) ist ein Star in Chile und verleiht ihrer Carmen eine spannende Komplexität, die sich nie billigen Deutungsmustern verschreibt. Auch dafür wurde der Film nach seiner Weltpremiere in der Reihe Quinzaine des Réalisteurs in Cannes gefeiert. Dort begann dann auch seine steile und erfolgreiche Festivalkarriere, die den Film von Chicago über San Sebastián bis zum Tokyo International Festival brachte. Chile, 1976. Carmen heads off to her beach house to supervise its renovation. Her husband, children and grandchildren come back and forth during the winter vacation. When the family priest asks her to take care of a young man he is sheltering in secret, Carmen steps onto unexplored territories, away from the quiet life she is used to.

Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals Preise

Manuela Martelli Manuela Martelli, Alejandra Moffat Chile, Argentinien, Katar Omar Zúñiga, Dominga Sotomayor (Cinestación), Alejandra García, Andrés Wood Aline Kuppenheim, Nicolás Sepúlveda, Hugo Medina, Alejandro Goic 95 min. spanische OF / englische UT Cannes, Jerusalem, Melbourne, Helsinki, San Sebastián, Rio, Mill Valley, Tokyo Athen, Jerusalem, London

Do 08.12. – 18.45 Uhr Saal 4 delphi LUX Sa. 10.12. – 19.30 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA



2 USA WAR PONY

Riley Keogh, Gina Gammell Männerjugend im Reservat: Matho (LaDainian Crazy Thunder) ist ein junger Teenager, der zur Gemeinschaft der Oglala Lakota gehört und in eine Mitschülerin verknallt ist. Doch Matho darf seine Schwärmerei nicht unbeschwert erleben. Er wohnt bei einem aggressiven Vater, der ihn missbraucht. Und als er bei einem Verwandten landet, wird Matho mit Drogen konfrontiert, die er verkaufen soll. Im gleichen Reservat lebt der gut zehn Jahre ältere Bill (Jojo Bapteise Whiting). Bill ist cool und frech und ein Frauenheld. Er hat mittlerweile zwei Kinder von zwei Frauen. Eine sitzt im Gefängnis, die andere ist Bill mehr oder weniger egal, er schenkt ihr aber einen Pudel, dessen Welpen er gewinnbringend verkaufen will. Regisseurin Riley Keough ist Model und Schauspielerin und hat mit „War Pony“ ein grandioses Spielfilmdebüt vorgelegt, bei dem sie mit Gina Gammell als Regisseurin zusammengearbeitet hat. Mit großer Zuneigung und Präzision schildern die Regisseurinnen die Lebenswelten ihrer Hauptfiguren, ohne sie je zu romantisieren. Das Leben im Reservat wird in all seinen Beschränkungen und Ausweglosigkeit gezeigt. Dabei haben die Darsteller ihre eigenen Erfahrungen in die Rollen und Geschichten eingebracht, was „War Pony“ einen sehr authentischen Ton verleiht. Darin erinnert der Film phasenweise an Chloé Zhaos „The Rider“. Bill und Matho sind Schlitzohren, Überlebenskünstler und auch kleine Machos. Trotzdem schließt man sie sofort ins Herz, weil hier zwei Männerfiguren gezeigt werden, die viel Liebe zu geben haben, die begierdefähig sind und im Grunde ihr Herz am rechten Fleck tragen. Damit wird „War Pony“ auch zum politischen Statement gegen die widrigen Lebensumstände in den Reservaten in den Vereinigten Staaten. Der Film feierte seine Weltpremiere während der Filmfestspiele von Cannes in der Reihe Un Certain Regard und gewann die Camera d‘Or für den besten Debütfilm des Festivals und damit einen der wichtigsten Preise der Veranstaltung. WAR PONY follows the interlocking stories of two young Oglala Lakota men growing up on the Pine Ridge Reservation. At 23, Bill just wants to make something of himself. Whether it’s delivering goods or breeding Poodles, he is determined to hustle his way to the “American Dream”. Meanwhile, 12-year-old Matho can’t wait to become a man. Desperate for approval from his young father, a series of impulsive decisions turns Matho’s life upside down and he finds himself unequipped to deal with the harsh realities of the adult world. Bound by their shared search for belonging, each of the boys grapple with identity, family, and loss, as they navigate their unique paths to manhood. Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals Preise

Riley Keough, Gina Gammell Franklin Sioux Bob, Bill Reddy, Gina Gammell, Riley Keough USA Bert Hamelinck, Sacha Ben Harroche, R. Zacarias, W. White, G. Gammell, R. Keough Jojo Bapteise Whiting, Ladainian Crazy Thunder, J. Schmockel, W. Colhoff, Iona Red Bear 115 min. englische OF Cannes, München, Karlovy Vary, Antalya, Melbourne, Riga, Taipeh, Valladolid, Ghent Cannes Bestes Debüt, Deauville, Motovun, München CINEVISION PREIS, Zürich

Sa. 03.12. – 19.30 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA Fr. 09.12. – 21.00 Uhr, Neues Off



3 ISLAND GODLAND

Hlynur Pálmason Die Filme des isländischen Autorenfilmers Hlynur Pálmason gelten immer noch als Geheimtipp unter den großen Filmfestivals. Dabei hat der 1984 geborene Regisseur mit „Winterbrüder“ und „White, White Day“ zwei unglaublich eindrückliche, visuell und mythisch einfallsreiche Geschichten erzählt, die ihn zu den interessantesten Stimmen im zeitgenössischen europäischen Kino gemacht haben. Auch sein neuester Film „Godland“ beweist dieses Erzähltalent eindrücklich und ist eine virtuose Demonstration seiner Inszenierungsmethode. Durch kalte Bäche, kahle Felsen und smaragdgrüne Moose macht sich Pfarrer Lucas (Elliott Crosset Hove) auf den Weg zu seiner neuen Gemeinde. Der junge Däne wird von dem örtlichen Führer und Geschichtenerzähler Ragnar (Ingvar Sigurðsson) begleitet. Die Beziehung zwischen den beiden Männern ist von Anfang angespannt, denn der Priester trägt seinen missionarischen Eifer offen zutage und offenbart so ein nahezu leidenschaftliches Mindset eines waschechten Kolonialisten. Diesem Weltbild entzieht sich der alte Ragnar hartnäckig. Der Hintergrund der Geschichte spielt am Ende des 19. Jahrhunderts, als die komplexe Beziehung zwischen Dänemark und Island ihren Höhepunkt erreicht. „Godland“ zeichnet diese Beziehung von Macht und Knechtschaft als komplexe und intelligente Auseinandersetzung mit kolonialen Strukturen. Pálmason erzählt das mit stoischem Ernst, mit einem unglaublichen Gespür für die unbeständigen und kapriziösen Landschaften Islands, die immer wieder den Gemütszustand der Figuren spiegeln. Es sind Bilder, die von der Vereisung der Seelen sprechen und die auftürmenden Konflikte erfahrbar werden lassen. „Godland“ ist ein Film über Einsamkeit, Entfremdung und moralische Bitterkeit, der aber Festivalgänger auf der ganzen Welt begeistert. Der Film gewann den Hauptpreis beim Filmfestival in Chicago und wurde in Cannes zu den großen Kritiker-Highlights des Festivals gewählt. In the late 19th century, a young Danish priest travels to a remote part of Iceland to build a church and photograph its people. But the deeper he goes into the unforgiving landscape, the more he strays from his purpose, the mission and morality.

OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals Preise

Vanskabte land Hlynur Pálmason Hlynur Pálmason Dänemark, Frankreich, Island, Schweden Snowglobe, Join Motion Pictures, Maneki Films, Garagefilm, Film i Väst Elliott Crosset Hove, Ingvar Sigurðsson, Vic Carmen Sonne, Jacob Hauberg Lohmann 143 min. dänisch, isländische OF / englische UT Cannes, Sydney, Cluj, Telluride, Toronto, Helsinki, London, Haifa, Viennale London, San Sebastián Zabaltegi-Tabakalera Preis

Mo. 05.12. – 19.45 Uhr, Saal 4 delphi LUX Fr. 09.12. – 21.45 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA



4 FRANKREICH RODEO

Lola Quivoron Es kann sein, dass „Maverick“ mit Tom Cruise dieses Jahr der Film mit dem größten Geschwindigkeitsgefühl im Kino war. Aber die Hollywood-Kampfjets haben kein Monopol darauf. Denn die schönste und magischste kinetische Filmerfahrung des Jahres hat die Französin Lola Quivoron auf die Leinwand gezaubert. In „Rodeo“ wird dem Temporausch auf der Motocross-Piste gehuldigt. Der Film beobachtet eine Gruppe von Jugendlichen, die bei ihren abenteuerlichen Wettrennen immer wieder auch ihr Leben riskieren. Hauptfigur ist Julia (Julie Ledru), die sich nur dann richtig glücklich fühlt, wenn das Adrenalin durch ihren ganzen Körper pulsiert. Nichts in ihrem Leben kann ihr dieses Gefühl der absoluten Freiheit geben – außer das Motorrad. Deshalb ist sie bereit, alles dafür zu tun: Sie wird stehlen, sie wird betrügen, sie wird lügen; und sie wird sich mit aller Macht den Männern dieser Welt entgegenstellen, die ihr häufig zu verstehen geben, dass Frauen in der harten und toughen Welt der Motocrosser nichts zu suchen haben. „Rodeo“ durchzieht ein süchtig machender, nervöser Puls. Julias Liebe zum Motorrad entwickelt eine überwältigende Energie und wird zur Metapher einer nahezu absoluten Freiheitssehnsucht dieser jungen Frau. Regisseurin Lola Quivoron hat diese kräftigen Bilder mit einem Team von professionellen und nicht-professionellen Schauspielern erarbeitet. Für die halsbrecherischen Stunts hat sie sich die Hilfe von Mathieu Lardot geholt, der unter anderem als Stuntkoordinator für die James Bond - und Jason Bourne - Filme gearbeitet hat. Weltpremiere feierte „Rodeo“ bei den Filmfestspielen von Cannes und gewann den Coup de Coeur Preis in der Sektion „Un Certain Regard“. Der Film kam so gut an, dass Regisseurin Lola Quivoron von amerikanischen Produzenten und Agenten förmlich belagert wurde. Ihr nächster Halt ist daher klar: Hollywood. Hot tempered and fiercely independent, Julia finds escape in a passion for motorcycles and the high-octane world of urban ‘Rodeos’ - illicit gatherings where riders show off their bikes and their latest daring stunts. After a chance meeting at a Rodeo Julia finds herself drawn into a clandestine and volatile clique and, striving to prove herself to the ultra-masculine group, she is faced with a series of escalating demands that will make or break her place in the community. egie R Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals Preise

Lola Quivoron Lola Quivoron, Antonia Buresi Frankreich CG Cinéma Julie Ledru, Mohamed Bettahar, Dave Nsaman Okebwan, Junior Correira, Yanis Lafki 110 min. französische OF / englische UT Plaion Pictures Cannes, Jerusalem, Helsinki, Hamptons. London, Gent, Stockholm, Cork Cannes Coup De Coeur, Champs-Elysées Film Festival, Reykjavik

Fr. 09.12. – 19.30 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA Sa. 10.12. – 19.00 Uhr, Saal 2 delphi LUX



5 ITALIEN BELGIEN ACHT BERGE

Felix van Groeningen und Charlotte Vandermeersch Das belgische Filmemacher-Paar Felix van Groeningen und Charlotte Vandermeersch haben den preisgekrönten Roman „Acht Berge“ des italienischen Autors Paolo Cognetti aus dem Jahr 2016 für die große Leinwand adaptiert und eine tiefsinnige Meditation über unsere Fähigkeit zur Liebe geschaffen. Darin spiegeln sich große zwischenmenschliche Themen, wie die willkürlichen und unumkehrbaren Erfahrungen der Kindheit unsere Beziehung zur Welt prägen. Vor der majestätischen Landschaft des Aosta-Tals erzählt „Acht Berge“ von der langen Freundschaft von Pietro und Bruno. Die zwölfjährigen Jungen lernen sich kennen, als Pietros Eltern aus Turin fliehen und auf dem Land leben wollen. Die Jungs lassen sich durch die Landschaft treiben. Dabei werden beide von den unterschiedlichen Haltungen der Väter geprägt. Viele Jahre später, als Erwachsener kehrt Pietro zurück ins Tal, um ein Haus zu renovieren. Während der rauen, stillen, gemeinsamen Bauarbeiten versuchen Bruno und Pietro die Fehler und Leerstellen ihres Lebens in Worte zu fassen und müssen damit auch ihr Verhältnis zu ihren Vätern klären. Vor der ewigen Kulisse der Alpen öffnen sich die bärtigen Männer, Schicht um Schicht, in ihrer Traurigkeit, aber auch um ihren Mut gegenüber dem eignen Schicksal. Der Titel ist Programm in „Acht Berge“, denn kaum ein anderer Film hat dieses Jahr die überwältigende Macht der Natur derart mythisch und kraftvoll in Bilder gefasst. Dadurch wird der Kontrast eines Lebens in und mit der Natur besonders deutlich. Söhne und Väter, Stadt und Land, Lebensträume und schicksalhafte Umstände sind die großen Leitlinien der Erzählung. Sie bündelt diese Konfliktlinien in einem Film, der geheimnisvoll und leidenschaftlich zugleich ist. Alles Essenzielle kommt zur Sprache und am Ende atmet es sich besser, wie nach einem Ausflug in die Alpen. A story of a friendship. Of children becoming men who try to erase the footprints of their fathers, but who, through the twists and turns they take, always end up returning home. Pietro is a boy from the city, Bruno is the last child of a forgotten mountain village. Over the years Bruno remains faithful to his mountain, while Pietro is the one who comes and goes. Their encounters introduce them to love and loss, reminding them of their origins, letting their destinies unfold, as Pietro and Bruno discover what it means to be true friends for life. OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals Preise

Le Otto Montagne Felix van Groeningen, Charlotte Vandermeersch Paolo Cognetti, Charlotte Vandermeersch, Felix van Groeningen Belgien, Frankreich, Italien Wildside, Rufus, Menuetto Film, Pyramide Productions, Vision Distribution Luca Marinelli, Alessandro Borghi, Filippo Timi, Elena Lietti 147 min. italienische OF / deutsche UT DCM Cannes, München, Zürich, Busan, Cinelibri, Valladolid, AFI Cannes Jury Preis

Mi. 07.12. – 20.30 Uhr, Saal 2 delphi LUX Do. 08.12. – 19.30 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA



6 DEUTSCHLAND FRANKREICH HUMAN FLOWERS OF FLESH

Helena Wittmann

50 Shades of Blue: Die scheinbar unendliche Vielfalt und Poetik von Meeres- und Wellenbildern stehen im Mittelpunkt einer kontemplativen filmischen Reise durch das Mittelmeer. Die internationale Crew des Segelschiffs „Don du Vent“ besteht aus diversen Gestalten und Lebensläufen. Nach einer Klippenwanderung folgen wir den jungen Frauen und Männer aufs Meer. Sie reisen von Marseille über Korsika nach Nordafrika; und folgen damit den Spuren der französischen Fremdenlegion. In Briefen, Fotografien und tiefen sehnsuchtsvollen Blicken und Körpern tastet der Film nach unterschiedlichen historischen und kulturellen Artefakten, die die Welt und Existenz der einstigen Elitetruppe geformt haben. Immer wieder löst sich die Kamera vom Geschehen auf dem Boot, driftet in die Tiefen des Meeres, offenbart Schätze und Vergessenes einer untergegangenen Lebensform. Damit schwingt sich „Human Flowers of Flesh“ auf zu einer Meditation über den Mittelmeerraum, ohne die dunklen, kolonialen Kapitel zu ignorieren. Und wenn ein gewisser Denis Lavant als Legionär im Bild auftaucht, gräbt Regisseurin Helena Wittmann einen intelligenten, filmhistorischen Tunnel zu Claire Denis Meisterwerk „Beau Travail“, der die Körper- und Liebeswelten der Fremdenlegion in ikonische Bilder fasste. Wieder beweist Helena Wittmann, dass sie zu den visuell eigenständigen Stimmen des deutschen Gegenwartskinos gehört. Wie schon ihre poetische Atlantiküberquerung „Drift“, mit dem sie debütierte, wird auch ihr zweiter Film „Human Flowers of Flesh“ zu einer trancehaften Seherfahrung, mit aufrüttelnden Momenten, wie dem traumhaften Herausschälen eines Flugzeugwracks am Meeresgrund. Eine Sequenz, die selbst Unterwasser-Regisseure wie James Cameron vor Neid erblassen lassen müsste. Damit bezieht der Film eine radikal, moderne und eigenständige Position im deutschen Kino. Kontemplativ, kreativ und emotional ist dieses Werk, das wie das ferne Echo einer persönlichen Erinnerung uns berührt und dafür Bilder von magisch-wabernder Mehrdeutigkeit findet. Ida lives on a ship with her crew of five men. In Marseille her attention is caught by the secretive male world of the French Foreign Legion, and she decides to follow its traces across the Mediterranean. As Ida and her crew sail via Corsica to the historical headquarters of the Legion in Algeria, boundaries and certainties blur while life at sea produces a special kind of mutual understanding. Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals

Helena Wittmann Helena Wittmann Deutschland, Frankreich Fünferfilm, Tita Productions Angeliki Papoulia, Ferhat Mouhali, Gustavo de Mattos Jahn, Ingo Martens, Mauro Soares 106 min. französisch, englisch. portugiesisch, berber, serbokroatische OF / deutsche UT Grand Film Locarno, Hamburg, New York, Gent, Viennale, AFI

Sa. 03.12. –19.15 Uhr, Saal 4 delphi LUX Do. 08.12. – 19.30 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA



7 DEUTSCHLAND THE ORDINARIES

Sophie Linnenbaum

„Who lives, who writes, who tells your story“ – heißt es im Hit-Musical „Hamilton“. Und die Frage nach der Kontrolle über das eigene Narrativ ist das eigentliche Thema von Sophie Linnenbaums herrlich durchgeknallter Diskurskomödie „The Ordinaries“. Die junge Paula will nicht wie ihre eigene Mutter ein Leben als Nebenfigur fristen. Wenig Dialoge, kaum Handlung, keine Heldenreise. Paula träumt von einem Leben als Hauptfigur und besucht dafür auch die geeignete Schule. Doch das Hauptfiguren-Abitur erweist sich als knifflig. Die junge Frau muss beweisen, dass sie eine eigene Geschichte überhaupt tragen kann. Dazu muss sie todesmutig an steilen Klippen hängen oder lauthals schreien. Aber im Fach „emotionale Musikerzeugung“ ist die Klassenbeste miserabel. Der Soundtrack ihres Heldinnenlebens will ihr einfach nicht gelingen. Und so beginnt ihre eigentliche Reise zu sich selbst. In dem Paula das seltsame Schicksal ihres verstorbenen Vaters erkundet, gerät sie an die Ränder ihrer Welt, in der sich filmische Grenzen und Wunden auftun, die Paula am Ende vielleicht erlauben werden, die Heldenmelodie ihres Herzens zu hören. „The Ordinaries“ traut sich Dinge, die im deutschen Kino ungewöhnlich sind. Eine intelligente, hervorragend durchdachte und auch visuell einfallsreiche Sci-Fiction-Komödie sieht man nicht häufig. Dabei zitiert Regisseurin Linnenbaum große Vorbilder des Hollywoodkinos. Man fühlt sich erinnert an die Welten von Steven Spielbergs in „A.I.“ oder an die Fabulierlust der Wachowski-Geschwister in „Matrix“. Dabei zielt der Film gar nicht so sehr auf die Überwältigung der Schauwerte, sondern versteht sich als intelligente Parabel auf unsere Zeit, in der jeder danach giert, zum Influencer seines eigenen Lebens zu werden. Paulas Reise zu sich selbst wird aber zu einem Moment der ehrlichen Selbsterkenntnis für alle, die sich den narrativen Illusionen des Metaverses oder Second-Lifes hingeben, und sich am Ende im unendlichen Kaninchenbau der digitalen Welt verlieren. Gewinnerin des First Step Awards! In a repressive three class-society, Paula, a simple Supporting Character, is about to face the most important test of her life: she has to prove she deserves to be a Lead. She is at the top of her class at the Main Character School – but so far has failed in generating great emotional music. In search of a solution, she finds herself in the abyss of the cinematic world, on the fringes of the storyline and lost amongst the Outtakes. Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals Preise

Sophie Linnenbaum Sophie Linnenbaum, Michael Fetter Nathansky Deutschland Laura Klippel, Britta Strampe, ZDF, Filmuniversität Babelsberg Fine Sendel, Jule Böwe, Henning Peker, Sira Faal, Noah Tinwa, Denise M’Baye, P. Aleardi 120 min. deutsche OF / englische UT notsold, Port au Prince München, Karlovy Vary, Filmkunstfest MV, Oldenburg, Leipzig, Zürich, Köln Filmfest München Förderpreis Beste Regie und Beste Produktion, First Step Award

Fr. 09.12. – 19.30 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA Sa. 10.12. – 18.00 Uhr, Neues Off



8 POLEN EO

Jerzy Skolimowski Filme alter, weißer Männer haben nicht den besten Ruf. Doch gelegentlich kommt da einer, der so unverschämt jung und vital daherkommt, dass man meinen könnte, hier ist ein 20 Jahre alter, visionärer Avantgardist am Werk und nicht ein 85-jähriger Autorenfilmer. Genau das ist der Fall bei „““EO“ des polnischen Altmeisters Jerzy Skolimowski. „EO“ ist ein Film über einen Esel. Einen Esel im heutigen Europa, der abwechselnd in die Obhut von weisen und törichten, guten und brutalen, einfühlsamen und eitlen Menschen gerät. Manche wollen ihn retten, andere töten. Doch meist sind die Menschen sehr mit sich selbst beschäftigt. Der Umgang mit dem Tier wird zu einem Zeugnis der Kälte,Ignoranz und Gewalt des Menschen gegenüber seiner Umwelt. Angelehnt an Robert Bressons Meisterwerk „Au hasard, Balthazar“, schafft Jerzy Skolimowski in „EO“ eine einfache, aber visuell beeindruckende, universelle Parabel über den Zustand der modernen Gesellschaft und über das Ungleichgewicht zwischen Mensch und Tier. Dabei gleicht der Film einem sehr freien Wort-Ton-Poem, einem audiovisuellen Essay über das Bedürfnis nach Freiheit. Der polnische Regisseur hat keine Angst vor visuellen Experimenten, die Kamera von Michal Dymek vollführt atemberaubende und außergewöhnliche Kunststücke. Kein Bild gleicht dem vorangegangenen. Das Ergebnis ist ein faszinierendes und sehr frisches Werk des zeitgenössischen Kinos. Und Skolimowski erfindet sich noch mal neu, suchend, voller Bravour und selbstbewusst. „EO“ gewann in Cannes den Jurypreis, den Soundtrack Award für den besten Filmton und ist der offizielle Oscar-Kandidat Polens für die Kategorie „Best International Feature Film“. The world is a mysterious place when seen through the eyes of an animal. EO, a grey donkey with melancholic eyes, meets good and bad people on his life‘s path, experiences joy and pain, endures the wheel of fortune randomly turn his luck into disaster and his despair into unexpected bliss. But not even for a moment does he lose his innocence.

Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals Preise

Jerzy Skolimowski Ewa Piaskowska, Jerzy Skolimowski Polen, Italien Ewa Piaskowska, Jerzy Skolimowski Skopia Film, Alien Films Sandra Drzymalska, Tomasz Organek, M. Kościukiewicz, Lorenzo Zurzolo, Isabelle Huppert 86 min. polnische OF / englische UT Rapid Eye Movies Cannes, Jerusalem, Hong Kong, Toronto, Busan, Vancouver, Rio, New York, Viennale Cannes Jury Preis und Soundtrack Award, Hamptons

Mi. 07.12. – 19.30 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von Patrick Wellinski Fr. 09.12. – 20.45 Uhr, Saal 2 delphi LUX



9 RUMÄNIEN R.M.N.

Cristian Mungiu Tief im bergigen rumänischen Hinterland liegt still und ruhig eine siebenbürgischen Stadt, umgeben von dunklen, schweren Wäldern. Seit Langem schwelen unter den Bewohnern der Stadt stillschweigende Vorurteile und Ressentiments gegenüber Fremden, die plötzlich explodieren, als neue Arbeitskräfte in der örtlichen Groß-Bäckerei ankommen: Es sind Einwanderer aus Sri Lanka, denen sehr deutlich gemacht wird, dass sie nicht willkommen sind. Doch die Fremdenfeindlichkeit ist das eigentlichtäglich Brot in dieser Region, die absurderweise seit Jahrhunderten von mehreren Nationalitäten bewohnt wird. Doch ein gemeinsamer Feind in Form dieser Arbeiter erweist sich nützlich, um andere Konflikte zu ignorieren. Dieses politisch brisante wie aktuelle Motiv ist übrigens nur einer von vielen Fäden (denn es gibt hier auch eine Liebesgeschichte, ein Kindheitstrauma, eine absurd-komische französische Aktivistenfigur und viel gekränkten männlichen Stolz), die sich schließlich zu einem (ost)europäischen gordischen Knoten verweben. „R.M.N“ ist die rumänische Abkürzung für eine Magnetresonanztomografie, also einem Verfahren, das nahezu unsichtbare Muster sichtbar macht. Genau das ist das gestalterische Prinzip von Regisseur Cristian Mungiu, der versucht, den grassierenden Fremdenhass in mittel- und osteuropäischen Gesellschaften herauszuarbeiten. Visuell bleibt Mungiu, der die Goldene Palme in Cannes für sein Abtreibungs-Drama „4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage“ gewann, seinem trockenen Stil treu. Klare, röntgenhafte Bilder rücken der Stadtgemeinschaft erstaunlich nahe und kulminieren in einer 17-minütigen Szene, die in einer einzigen Einstellung gedreht wurde und in der 26 Personen sprechen. Dieser metaphysische Film über Globalisierung, die Krise der Männlichkeit, Komplexe und Nationalismus will nichts weiter als ein Porträt unserer Gegenwart sein. Ein gewaltiges Unterfangen, das absolut überzeugt. A few days before Christmas, having quit his job in Germany, Matthias returns to his multi-ethnic Transylvanian village. He wishes to involve himself more in the education of his son, Rudi, left for too long in the care of his mother, Ana, and to rid the boy of the unresolved fears that have taken hold of him. He’s preoccupied with his old father, Otto and also eager to see his ex-lover, Csilla. When a few new workers are hired at the small factory that Csilla manages, the peace of the community is disturbed, underlying fears grip the adults, and frustrations, conflicts and passions Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals Preise

Cristian Mungiu Cristian Mungiu Rumänien, Frankreich, Belgien, Schweden Mobra Film, Why Not Productions, Filmgate Films, Les Films du Fleuve, Wild Bunch Marin Grigore, Judith State, Macrina Bârlădeanu, Orsolya Moldován, Andrei Finți 125 min. rumänische OF / englische UT Cannes, New Horizons, Toronto, Zürich, Busan, New York, Viennale, Tokyo, Taipeh Crested Butte Film Festival, Palic

Fr. 02.12. – 22.00 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA Mo. 05.12. – 20.45 Uhr, Saal 2 delphi LUX



10 UKRAINE HOW IS KATIA?

Christina Tynkevych Die Aufmerksamkeit für das aktuelle ukrainische Kino war dieses Jahr auf allen internationalen Festivals sehr groß. Dabei zeigte sich eine erstaunlich junge, wilde, mutige Kinematografie, die trotz des russischen Angriffskrieges einen selbstbewussten Platz im europäischen Kino für sich beansprucht. Dabei zeigte sich auch, dass der ukrainische Film in erster Linie von starken weiblichen Stimmen vor und hinter der Kamera geprägt ist. Das erstaunliche Debüt „How is Katia?“ von Christina Tynkevych ist ein hervorragendes Beispiel für dieses Kino. Anna (wunderbar: Anastasia Karpenko) ist eine alleinerziehende Mutter, die als Rettungssanitäterin ein Leben im ständigen Alarmzustand verbringt. Sie will sich und ihrer Tochter eine einigermaßen sichere Zukunft sichern. Doch alle Pläne und Hoffnungen zerbersten, als Annas Tochter Katja von einem Auto angefahren wird. Annas hektisches Alltag gerät weiter ins Schlingern, weil sie nicht lockerlässt und probiert, die Täter zu überführen. Aber Gerechtigkeit, das muss Anna schmerzhaft lernen, ist nicht garantiert. Korruption, Vetternwirtschaft und Gewalt prägen die ukrainische Gesellschaft, die der Film ziemlich kompromisslos und düster porträtiert. Die Kamera heftet sich an Annas Versen, hechtet ihr atemlos hinterher. Eine Mutter im Ausnahmezustand, die sich einen moralischen Kampf nach dem nächsten liefert. Wenige Filme haben es dieses Jahr geschafft, derart nachfühlbar die steigende Ohnmacht und Verzweiflung einer Figur in Bilder zu fassen. Der Film klagt das alte, verkommene politische System der Ukraine an. Und obwohl die Welt, in der Anna kämpft und rennt, noch eine Welt vor dem russischen Angriffskrieg ist, wird man das Gefühl nicht los, dass die Zukunft der Ukraine nur aus dem Geist und dem Lebenseifer einer Anna entstehen kann. Auch darin wirkt der Film fast prophetisch. Für diese Energie und Vision wurde „How is Katia?“ bei den Filmfestspielen in Locarno mit dem Special Jury Prize Ciné+ ausgezeichnet und die Hauptdarsteller Anastasia Karpenko gewann den Preis als beste Darstellerin in der wichtigsten Nebenreihe Concorso Cineasti del presente. Anna, a single mother and a paramedic, has just taken up a mortgage in the hope of creating a better life for her 12-year-old daughter Katia. But a rough twist of events makes Anna face a moral dilemma that will challenge her personal moral borders in a society that hasnʼt got any.

OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals Preise

Yak Tam Katia? Christina Tynkevych Christina Tynkevych, Serhii Kastornykh, Julia Gonchar, Natalia Blok Ukraine Evos Film Olga Matat Anastasia Karpenko, Yekateryna Kozlova, Tetyana Krulikovskaya, Oleksii Cherevatenko 101 min. ukrainische OF / englische UT Locarno, Kharkiv, CinEast, Warschau, Stockholm, Cork, Mannheim Locarno Spezial Jurypreis Filmmakers Of The Present und Beste Schauspielerin

Di. 06.12. – 19.30 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA Mi. 07.12. – 19.15 Uhr, Saal 4 delphi LUX



11 PALÄSTINA MEDITERRANEAN FEVER

Maha Haj

Feinde sind manchmal doch die besten Freunde: Das ist das unausgesprochene Motto von Maha Hajs tragikomischem Spielfilm „Mediterranean Fever“. Waleed ist ein depressiver Familienvater, der seinen Job an den Nagel gehängt hat, um endlich als Autor durchzustarten. Doch jetzt quält ihn – neben dem Familienalltag mit Frau und Kindern – auch noch eine Schreibblockade. Viel Zeit verbringt er daher vor dem Computer, ohne nur eine Zeile zu formulieren. Er gibt die Schuld hauptsächlich den neuen, laut lärmenden Nachbarn. Vor allem Familienoberhaupt Jalal nervt Waleed tierisch. Nicht nur, weil Jalal tagsüber in voller Lautstärke schlimme Pop-Songs spielt, sondern weil er so gar nicht auf Wallets Wut einsteigt. Jalal scheint immer ruhig, gelassen und mit einem Lächeln durch die Welt zu gehen. Die beiden Männer freunden sich langsam an und Wallet erkennt, dass der entspannte Herr Nachbar vielleicht doch gar nicht so entspannt ist, als sich herausstellt, dass er Schulden hat und von Gangstern gejagt wird. „Mediterranean Fever“ ist ein Film mit vielen subtilen und dramaturgischen Fallstricken. Ein Fest für alle, die raffiniert gebaute Figurenkonstellationen zu schätzen wissen. Nach jeder Szene offenbaren die beiden Männer immer neue Facetten ihres Charakters. So verkomplizieren sich die Verhältnisse, aber auch unsere Haltung gegenüber Jalal und Waleed. Regisseurin Maha Haj beobachtet diese Entblößung ihre Figuren mit einer wunderbaren Mischung aus behutsamem Humor und sanftem Realismus. Doch was so mühelos und freundlich wirkt, zeigt auf den zweiten Blick seine spitzen Klauen. Denn der Film geht keinem politischen oder gesellschaftlichen Konflikt aus dem Weg. Der Nahostkonflikt erscheint in all seinen verfahrenen Widersprüchen, Vorwürfen und Klagen reduziert auf eine komplexe Charakterstudie. Für dieses kluges Fingerspitzengefühl gab es bei den Filmfestspielen von Cannes dieses Jahr in der Reihe Un Certain Regard den wohlverdienten Preis für das beste Drehbuch. Mediterranean Fever is the story of an encounter between Waleed, a 40-year-old writer and father suffering from depression, and his neighbor Jalal, a small-time crook. With this story of friendship balanced on a razor‘s edge, Palestinian director Maha Haj presents her second feature film in Un Certain Regard, after Personal Affairs (Omor Shakhsiya) in 2016. egie R Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals Preise

Maha Haj Maha Haj Palästina, Deutschland, Frankreich, Zypern, Katar Majdal Films, Pallas Film, Still Moving, AMP Filmworks, Metafora Production Amer Hlehel, Ashraf Farah, Anat Hadid, Samir Elias, Cynthia Saleem, Shaden Kanboura 108 min. arabische OF / englische UT Cannes, Edinburgh, Hong Kong, War On Screen, Warschau, Tokyo FILMex Cannes Bestes Drehbuch Un Certain Regard, Hong Kong Golden Firebird

So. 04.12. – 19.30 Uhr, Saal 4 delphi LUX Mo. 05.12. – 19.45 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA



12 IRAN

Deutschland-Premiere

IMAGINE

Ali Behrad

Wer das iranische Kino nur mit neorealistischen Geschichte assoziiert, übersieht leicht die unerschütterliche Vielfalt dieses Filmlandes. Ein exzellentes Beispiel für eine vollkommen eigene Filmsprache ist „Imagine“ von Ali Behrad. Der Film beginnt nachts, als in Teheran ein Taxifahrer (Mehrdad Sedighian) eine Frau (Leila Hatami) abholt, die gerade erst die Asche ihres verstorbenen Bruders feierlich verstreut hat. Beide kommen während der Fahrt ins Gespräch. Sie reden über das Leben und Beziehungen, über Eindrucke, Gefühle und ihre eigenen Lebenserfahrungen. Wie in einem Richard Linklater - Film gibt das Reden dem Film seinen Rhythmus vor. Das Gefühl für Zeit geht dabei verloren. Immer wieder steigt die Frau in das gleiche Taxi ein. Wie viel Zeit zwischen den Begegnungen liegt, wird nicht gesagt. Wie überhaupt Regisseur Ali Behrad stark mit Auslassungen und Ellipsen arbeitet. Dabei scheinen diese beiden Figuren geisterhaft, fast körperlos, durch die Nacht zu gleiten. Sie kommen sich nicht wirklich nahe. Sie lernen sich nicht wirklich kennen. Wie in einem persischen Gedicht symbolisieren die beiden zwei einsame Herzen, die sich für kurze Zeiten Wärme, Nähe und Verständnis schenken. Namen und Biografien spielen da keine Rolle. Es gehört viel Selbstvertrauen dazu, um einen Film so flirrend und träumerisch zu gestalten und dabei alle aufgeworfenen Fragen offenzulassen. „Imagine“ ist eher eine filmische Atmosphäre und weniger ein klassischer Spielfilm. Poetisch im besten Sinne, philosophisch und jeder Gegenwart enthoben, kann man sich dieser modernen Geistergeschichte kaum entziehen. Nach der Weltpremiere des Films in der Semaine de la Critique in Cannes reiste das Werk auf Festivals von São Paulo, über Edinburgh nach Bukarest. Night in Tehran. A daydreaming cab driver falls in love with a woman he can’t have, leading to a series of encounters, filled with mystery and fantasy.

Deutschland-Premiere OT Tasavor Regie Ali Behrad Drehbuch Ali Behrad Produktionsland Iran Produktion Ghabe Asemanjavad Noruzbegin Cast Leila Hatami, Mehrdad Sedeghian Länge 78 min. Sprache farsi OF / englische UT Festivals Cannes Fr. 02.12. – 19.30 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA Sa. 03.12. – 21.15 Uhr, Saal 4 delphi LUX



13 PHILIPPINEN WHEN THE WAVES ARE GONE

Lav Diaz

Lav Diaz gilt als moralisches Gewissen des Weltkinos. Oftmals werden vor allem die langen Laufzeiten seiner Filme als Markenzeichen herausgestellt (Filme, die fünf, acht oder zehn Stunden dauern, sind keine Seltenheit). Aber Lav Diaz ist ein Regisseur, dessen Geschichten immer stärker den Charakter eines Dostojewski-Romans annehmen. In seinem neusten Film „When The Waves Are Gone“ erreicht der philippinische Regisseur selbst für seine Verhältnisse eine neue, reife Klarheit in Narration und Visualität. Im Zentrum stehen zwei Freunde, die vor 30 Jahren eine Bank ausgeraubt haben. Einer landet im Gefängnis, der andere flieht mit dem Geld auf seine Heimatinsel zurück und steigt dort zu einem diktatorischen Herrscher auf. Mit dieser Macht sorgt er dafür, dass sein ehemaliger Freund im Gefängnis bleibt. Doch nach langer Zeit gelingt diesem die Flucht. Er sinnt nach Rache. Im Schutz der Sturmsaison nähern sich die ehemaligen Freunde langsam an, bis zur unausweichlichen Konfrontation, die in einem einmaligen Finale dieser Kinosaison mündet. In dieser Parabel über Schuld und Verbrechen, über den kathartischen Effekt von Rache und den moralischen Folgen steckt der Kern des Kinos von Lav Diaz. In präzisen digitalen Schwarzweiß-Aufnahmen erschafft er einen Film voller Duelle und konfliktreicher Konfrontationen. Damit übt er eine vernichtende Kritik am gewalttätigen Zustand seines Landes, indem er den physischen und psychischen Zerfall seiner Figuren auf der Leinwand zeigt, die von der Schuld der mörderischen Vergangenheit geplagt werden. „When The Waves Are Gone“ feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Venedig in der wichtigen Nebenreihe Orizzonti und gewann dort den Preis für die beste Regie. Lieutenant Hermes Papauran, one of the best investigators of the Philippines, is at a deep moral crossroad. As a member of the police forces, he is a first-hand witness of the murderous anti-drug campaign that his institution is implementing with dedication. The atrocities are corroding Hermes physically and spiritually, causing him a severe skin disease resulting from anxiety and guilt. As he tries to heal, a dark past haunts him and has eventually come back for a reckoning.

T O Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals

Kapag wala nang mga alon Lav Diaz Lav Diaz Philippinen, Frankreich, Portugal, Dänemark Epicmedia, Films Boutique, Rosa Filmes, Snowglobe, Arte France John Lloyd Cruz, Ronnie Lazaro, Shamaine Centenera- Buencamino, Dms Boongaling 187 min. philippinische OF / englische UT Venedig, Busan, Gent, Rio, Tokyo, Viennale, Hong Kong, Taipeh

Fr. 02.12. – 19.15 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA Fr. 09.12. – 19.15 Uhr, Saal 4 delphi LUX



14 TAHITI FRANKREICH SPANIEN PACIFICTION

Albert Serra

Nach intensiven Abstechern ins Leben der Libertinage am puritanischen Hof Ludwig XVI.(„Liberté“) und der minutiösen Sterbebegleitung eines weiteren französischen Monarchen („Der Tod von Louis XIV.“, Eröffnungsfilm von 14 Films 2016) kehrt Albert Serra, das Enfant Terrible des europäischen Autorenkinos, mit „Pacifiction“ in die Gegenwart zurück. Serra begibt sich nach Tahiti, dessen Landschaften einem märchenhaften Land gleichen, einem Raum an der Grenze zwischen einem süßen Tagtraum und einem erstickenden Albtraum. Schon mit der ersten Szene – einer langen Reise, die einen glühenden Himmel über dem Meer und einen Hafen voller Containerschiffe zeigt – erzeugt Kameramann Artur Tort eine nahezu apokalyptische Stimmung im Pazifik. Die wuchtig, mysteriöse Hauptfigur, die uns durch dieses verlorene Paradies führt, ist De Roller (unglaublich: Benoît Magimel), der Hochkommissar der Republik, der das Archipel im Auftrag der französischen Behörden verwaltet. Fleischig, schwitzend, und gekleidet wie Werner Herzogs Fitzcarraldo in einem makellosen weißen Anzug, versucht De Roller als Vermittler zwischen dem Imperium und der lokalen Bevölkerung zu vermitteln, weil gerade wieder ein Gerücht kursiert über die Wiederkehr eines in Polynesien immer noch lebendigen Albtraums: die Wiederaufnahme französischer Atomwaffentests. Mit der Zeit verschwimmen Erwartungsangst und diplomatisches Geschacher in ein undurchdringliches Geflecht von kolonialen Ängsten und imperialen Machtansprüchen. „Pacifiction“ ist vollkommenes und durch und durch fesselndes Kino. Wie das gesamte Werk des katalanischen Regisseurs ist er durchdrungen von Ironie, bitterer Romantik und einer Atmosphäre der Dekadenz. Dabei fügt Serra eine spannende Reihe filmischer (Fassbinder und Coppola) und literarischer (Conrad und Chandler) Referenzen zu einer flirrend irritierenden Kriminalgeschichte im Pazifik. Kommen Sie ruhig mit ihren müden, alltagsgeplagten Augen ins Kino. Nach diesem Film werden Sie den Kinosaal mit einem neuen, frischen Paar ausgestattet wieder verlassen und verfügen dann über einen besseren, klareren Blick auf unsere Welt. On the French Polynesian island of Tahiti, the High Commissioner of the Republic and French government official DE ROLLER is a calculating man with flawless manners. His somewhat broad perception of his role brings him to navigate the high end ’establishment’ as well as shady venues where he mingles with the locals. Especially since a persistent rumor has been going around: the sighting of a submarine whose ghostly presence could herald the return of French nuclear testing. Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals

Albert Serra Baptiste Pinteaux, Albert Serra Frankreich, Spanien, Deutschland, Portugal Idéale Audience Group, Andergraun Films, Tamtam Film Dirk Decker Benoît Magimel, Pahoa Mahagafanau, Sergi López, Matahi Pambrun, Marc Susini 165 min. französische OF / englische UT Cannes, Jerusalem, Hong Kong, Peking, San Sebastián, London, Busan, Viennale

Sa. 03.12. – 19.15 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA So. 04.12. – 20.00 Uhr, Saal 2 delphi LUX Sa. 10.12. – 19.15, Saal 5 Kulturbrauerei



ASIAN MASTERS NIGHT DIE FRAU IM NEBELM

Park Chan-wook

NEBEL

Es heißt, der koreanische Regisseur Park Chan-wook habe beschlossen, Regisseur zu werden, nachdem er Alfred Hitchcocks „Vertigo“ gesehen hatte. Wenn das stimmen sollte, dann huldigt er mit seinem neusten Film auf erstaunliche Weise der Kunst seines Meisters. Denn in „Die Frau im Nebel“, der in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde, vermischen sich Bilder aus den Thrillern des berühmten Briten mit Gefühlen, die direkt aus dem Kino von Douglas Sirk stammen könnten, um in bester melodramatischer Tradition davon zu erzählen, wie eine lähmende Besessenheit zur Liebe wird. Der verheiratete Polizeibeamte Hae-jun (Park Hae-il) lernt die junge Witwe Seo-rae (Tang Wei) kennen, deren Mann bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Obwohl Hae-jun ein ausgefülltes und gutes Leben führt beginnt er obsessiv die Nächte vor dem Haus der geheimnisvollen Frau zu verbringen. Die Untersuchungen des Detektivs bringen ihn immer näher an diese Femme Fatale, die beide in eine Spirale von Begierdeabhängigkeit katapultiert. Der Regisseur von „Old Boy“ hat in seinen Neonoir-Thrillern immer wieder bewiesen, wie modernes Storytelling funktioniert. Hier fügt Park Chan-wook aber eine neue Emotionalität bei. Ein spannendes, irrationales Gefühl, erweist sich diesmal als Taktgeber der Geschichte, die dann auch an einer koreanisch-chinesischen Grenzstadt spielt, in der ein Atomkraftwerk geheimnisvoll im Hintergrund wabert. Diese herrlichen Irritationsmomente fügen sich in meisterhafte visuelle Einfälle, die eine reiche, eigenständige Filmsprache offenbaren. Außerdem ist „Die Frau im Nebel“ vielleicht der schönste romantische Film des Jahres, obwohl er von einer Liebehandelt, die niemand bemerkt und die vielleicht nie existiert hat. A man falls from a mountain peak to his death. The detective in charge, Hae-joon, comes to meet the dead m an‘s wife Seo-rae. She does not show any signs of agitation at her husband‘s death. With her behavior so unlike that of a grieving relative, the police consider her a suspect. Hae-joon interrogates Seo-rae, and while observing her on stakeout, feels himself slowly developing an interest in her. Meanwhile the difficult-to-read Seo-rae, despite being suspected of a crime, acts boldly towards Hae-joon. A suspect who is hiding her true feelings. A detective who suspects and desires his suspect. Their Decision to Leave. OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals Preise

Heojil kyolshim (ET Decision To Leave) Park Chan-wook Park Chan-wook, Chung Seo-kyung Südkorea Moho Film Park Chan-wook, Daeseok Ko Park Hae-il, Song Seo-rae, Tang Wei, Go Kyung-pyore, Lee Jung-hyun 138 min. koreanische OF / englische UT Plaion Pictures, Studio Canal Cannes, Karlovy Vary, Jerusalem, Toronto, New York, Vancouver, Busan, Rio Cannes Beste Regie

Fr. 02.12. – 21.00 Uhr, Neues Off Sa. 03.12. – 20.45 Uhr, Saal 2 delphi LUX Sa. 03.12. – 22.30 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei Di. 06.12. – 19.30 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA



ASIAN MASTERS NIGHT BROKER

Hirokazu Koreeda In seinem ersten in Südkorea gedrehten Film „Broker“ befasst sich der japanische Meisterregisseur Hirokazu Koreeda mit einem Phänomen, das perfekt zu seinem Interesse an Themen wie familiärer Intimität und gesellschaftlicher Ablehnung passt. Im Zentrum seiner Geschichte steht diesmal eine Praxis, die in Korea unter dem Begriff „Boxbabys“ bekannt ist. Damit werden Säuglinge bezeichnet, die von ihren Eltern in Babyklappen abgege ben werden. Der titelgebende Makler ist ein Mensch, der die ungewollten Neugeborenen an kinderlose Eltern verkauft. Die Praxis ist illegal und sorgt regelmäßig für große Aufmerksamkeit seitens der Presse und Bevölkerung. Aber Koreeda ist kein Regisseur der Eindeutigkeiten. Seine Perspektive auf diese Praxis ist voller Ambiguitäten. Er erzählt von einer Gruppe von Baby-Maklern, die ein neues Baby verkaufen wollen. Womit die Männer aber nicht rechnen, ist, dass die Mutter des Babys, gequält von Gewissensbissen, sehen möchte, wohin ihr Kind verkauft wird. Sie setzen sich in einen Kleinbus und so beginnt ein klassisches Road Movie quer durch die koreanische Landschaft, um die perfekte Familie für den Kleinen zu finden. Und mit der Zeit entwickelt sich aber die Gruppe im Kleinbus zu einer für Koreeda typischen Ersatzfamilie. Langsam, zärtlich und achtsam ändert sich unser Blick auf das Unterfangen und der Kinderhandel erhält mit der Zeit sogar etwas Humanes und Tröstliches. Eine bemerkenswerte Wärme geht von diesen Szenen aus, die voller magischer Momente sind, aber auch - und das bestätigt die Inszenierungskunst des japanischen Regisseurs - ein unverhohlener Sinn für Humor, der zuletzt in seiner klaren Reinheit uns im japanischen Kino des großen, legendären Regisseurs Yasujirô Ozu derart direkt ins Herz traf. Sang-hyun runs a laundry shop but is constantly saddled with debt. Dong-soo, who grew up in an orphanage, works in a baby box facility. One night, they secretly carry off an infant who was left at the baby box. But on the following day, the mother, So-young, unexpectedly returns for her son. Realizing that her baby has been taken, she is about to call the police when the two men tell her everything. So-young ends up joining Sang-hyun and Dong-soo on a journey to find new parents for her son. Meanwhile, the police detective Su-jin and her younger colleague Detective Lee are witnessing all of this as it unfolds. Brought together by chance through a baby box, the five individuals embark on an unusual and unexpected journey. Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals Preise

Hirokazu Koreeda Hirokazu Koreeda Südkorea Zip Cinema Eugene Lee Kang-ho Song, Dong-won Gang, Doona Bae, Ji-eun Lee, Joo-young Lee 129 min. koreanische OF / englische UT Plaion Pictures Cannes, Jerusalem, Telluride, Toronto, San Sebastián, Busan, Vancouver, Rio Cannes Bester Schauspieler und Ökumen. Jury, München ARRI OSRAM Preis

Sa. 03.12. – 18.00 Uhr, Neues Off Sa. 03.12. – 22.00 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei Di. 06.12. – 22.15 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA Sa. 10.12. – 21.45 Uhr, Saal 2 delphi LUX



HOMMAGE KIRILL SEREBRENNIKOV PETRUV’S FLU

Kirill Serebrennikov Familie Petrov hat die Grippe, und damit Fieber, Husten und Schüttelfrost. Die Kälte- und Hitzewellen, die dadurch abwechselnd die Leinwand erschüttern, werden unweigerlich auch die Temperatur im Publikum erhöhen. Denn Kirill Serebrennikovs Film reißt einen mit, entzieht einem die Immunität gegenüber einer musterbrechenden Erzählung und löst ein wahres Delirium aus. Aber von diesem Fieber lässt man sich gerne infizieren, vor allem weil eine stringente Inhaltsangabe kaum möglich ist. Über mehrere Tage hinweg begleiten wir den gleichnamigen, nicht ganz gesunden Petrov sowie andere Figuren, wie seine Ex-Frau, die mit einem manischen Morddrang kämpft, oder einen vor Jahren verstorbenen Freund auf einer Reise durch ein verschneites Moskau, das von einer schmerzhaften Verwandlung gezeichnet ist. Das von Korruption und Hilflosigkeit zerfressene Land zeigt keine Anzeichen der Hoffnung mehr; doch dann geht es richtig los: durch zwielichtige Kneipen, Schulturnhallen, Künstlerhöhlen, Stadtbibliotheken, Wohnwageninterieurs und Straßenhinrichtungen. Immer wieder schwingt sich der Film auf und verlässt die Zeitebenen, erzählt vom Grauen der Sowjetunion, aber auch von der Leere danach. Der ganze Film ist im Wesentlichen eine Reise durch Fantasien, Träume, Erinnerungen und Geheimnisse, eine Geschichte über Nähe und Ferne in der Familie. Basierend auf dem preisgekrönten Roman von Alexei Salnikov ist „Petruv’s Flu“ ein Stück filmischer Poesie, das sich der brutalen Realität widersetzt, ein atemberaubendes urbanes Märchen und ein mitreißend wütender Schrei. A flu-ridden family of nobodies in post-Soviet Russia lives out their ordinary days with extraordinary secrets- the husband is a plumber that transforms humdrum moments into wonderfully weird Japanese comic strips whenever things excite him and the wife is a librarian who has a thing for killing abusive men with a kitchen knife.

OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals Preise

Petrovy v grippe Kirill Serebrennikov Kirill Serebrennikov nach Alexey Salnikov Deutschland, Frankreich, Russland, Schweiz Hype Film Ilya Stewart, Razor Film Roman Paul und Gerhard Meixner Semyon Serzin, Chulpan Khamatova, Yuri Kolokolnikov, Alexander Ilin, Vladislav Semiletkov 145 min. russische OF / englische UT Farbfilm Cannes, Jerusalem, San Sebastián, Taipeh, Cluj, München, Hong Kong, New York Cannes CST Artist Technician Preis, Bestes Sounddesign Russian Guild of Film Critics

Di. 06.12. – 19.45 Uhr, Saal 4 delphi LUX Mi. 07.12. – 21.30 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA



BERLINALE SPOTLIGHT WORLD CINEMA FUND ARGENTINIEN TRENQUE LAUQUEN PART 1 + PART 2

Laura Citarella

Eine Frau verschwindet. Zwei Männer machen sich auf die Suche nach ihr: Sie lieben sie beide. Warum ist sie gegangen? Jeder von ihnen hat seinen eigenen Verdacht und verbirgt ihn vor dem anderen, der auf mysteriöse Weise nie wirklich zu seinem Rivalen wird. Keiner von beiden hat recht - aber hat das überhaupt jemand? Diese plötzliche Flucht wird zum verborgenen Kern einer Reihe von Fiktionen, die der Film feinfühlig miteinander verwebt: das Geheimnis des Herzens einer anderen Frau, die ebenfalls vor vielen Jahren verloren ging; das Geheimnis des Lebens eines Dorfes auf dem Lande, das von einem übernatürlichen Vorfall beherrscht wird, den niemand wahrzunehmen scheint; das Geheimnis der Ebene, die sich immer weiter ausbreitet und alles verschlingt, wie die Schatten, die nach der Dämmerung in die Welt eindringen. (Grand Film) Regisseurin Laura Citarella gehört zum argentinischen Filmkollektiv „El Pampero Cine“, das für das knapp 15 Stunden lange Mammutwerk „La Flor“ verantwortlich war. „Trenque Lauquen“ ein originelles und verspieltes Werk, das Genrekonventionen zerpflückt und neu sortiert. Auch wenn der Film in zwei Teilen präsentiert wird, bildet die Reise der Figuren doch eine Einheit. Berichte, Gerüchte, Briefwechsel, Rückblenden und Fantasien weben ein sehr unterhaltsames und intelligentes Labyrinth aus Geschichte und Geschichten. Die Erzähllust von Laura Citarella und ihrem Team kennt keine Grenzen, sodass man das generöse Gefühl bekommt, mindestens zehn Filme in einem zu sehen. Kino als Spielplatz. Das gibt es derzeit nur aus Argentinien. This epic work from Argentina is an elaborate trip through the genres – from romcom via fantasy to thriller. A woman disappears, two men set out to find her. Both are in love with her. Why did she go? Both have an idea, and neither is right. The sudden disappearance is the starting point for a series of interwoven stories. About another woman’s secret, who also vanished years ago. About a village afflicted by a supernatural event. And about a stretch of land which keeps growing and consuming everything in its path – like the shadows that invade the world after twilight.

Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals

Laura Citarella Laura Citarella, Laura Paredes Argentinien, Deutschland El Pampero Cine Laura Citarella, Grand Film, WCF Laura Paredes, Ezequiel Pierri, Rafael Spregelburd, Elisa Carricajo, Juliana Muras 120 min. (Part 1), 120 min. (Part 2) spanische OF / deutsche UT Grand Film Venedig, San Sebastián, New York, Gent, Hamburg, Viennale, AFI

So. 04.12. – 10.30 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, PART 1 & PART 2, präsentiert von Vincenzo Bugno Mi. 07.12. – 22.00 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, PART 1 Kooperation mit dem Do. 08.12. – 22.15 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, PART 2



BERLINALE SPOTLIGHT WORLD CINEMA FUND SUDAN THE DAM

Ali Cherri

Der Installationskünstler Ali Cherri gehört zu den am häufigsten ausgestellten Künstlern des Libanons. Seine Ein- oder Mehrkanal-Installationen werden gezeigt in der Tate Modern in London, im Guggenheim Museum in New York City, im Centre Georges Pompidou in Paris oder auf der Kunstbiennale von Venedig. Dort erhielt Cherri dieses Jahr den Silbernen Löwen für seine Videoinstallation, aus denen auch der Spielfilm „The Dam“ entstanden ist. Poetisch und politisch, realistisch und fantastisch, eng mit einem bestimmten Ort und einer bestimmten Zeit verbunden und doch über Landkarten und Epochen hinausgehend, ist „The Dam“ eine allgemeingültige Parabel über zivilisatorischen Aufbau und Zerstörung. Der Held des Films, der im Nordsudan rund um den riesigen Merowé-Staudamm gedreht wurde, ist Maher (Maher El Khair), ein Maurer, ein Saisonarbeiter aus Darfur, der sich abends in die Wüste schleicht, um eine mächtige Figur aus Lehm zu formen. Lehm ist ein mythisches Material, aus dem Städte, Götter und sogar Menschen geschaffen wurden, ganze Welten und Glaubensvorstellungen entstanden aus Lehm und wurden wieder zu Staub. Davon sprechen die Legenden und Mythen von Mahers Vorfahren. „The Dam“ beobachtet in Kapiteln (die nach den Elementen benannt sind und zu denen nicht nur „Erde“, „Wasser“, „Luft“ gehören, sondern auch „Revolution“ oder „Kapitalismus“), wie unterschiedliche Kräfte sich auf das Schicksal von Gesellschaften und Natur auswirken. Das ist ein Kino, das sich schwer in klassischen dramaturgischen und narrativen Kategorien fassen lässt. Gewaltig, voller Fantasie und Kreativität. Bedrohlich lodert die Leinwand. Cherri stellt die Frage, ob sich eine Kraft der ewigen Zerstörung der Dinge in den Weg stellen wird. Das ist in seiner Wucht kein Resultat eines betulich, exotischen Ethnografie-Kinos. „The Dam“ ist knallhartes, hochgradig politisches Kino, das jeden zwingt, sich mit unserem Verhältnis zur Welt auseinandersetzen. Die Jury auf der Biennale in Venedig fasste es bei der Übergabe des Silbernen Löwen so: „Eine Meditation über Erde, Feuer und Wasser, die aus einer konstruktiven Perspektive in eine mythische Dimension führt.“ Genau so ist es. Die Bilder von Ali Cherri sind gerade State of the Art. Oder anders: Pflichtprogramm. Sudan, near the Merowe Dam. Maher works in a traditional brickyard fed by the waters of the Nile. Every evening, he secretly wanders off into the desert to build a mysterious construction made of mud. While the Sudanese people rise to claim their freedom, his creation slowly starts to take a life of its own… OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals

All-Sadd / Le barrage Ali Cherri Ali Cherri, Geoffroy Grison in Kooperation mit Bertrand Bonello Frankreich, Sudan, Libanon, Deutschland, Serbien, Katar Kino Elektron, Galerie Imane Fares, DGL Travel, Twenty Twenty Vision, WCF Maher El Khair 80 min. arabische OF / englische UT Cannes, New York, Fameck, Bergen, Tokyo

So. 04.12. – 19.30 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, präsentiert von Vincenzo Bugno Di. 06.12. – 21.45 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei

Kooperation mit dem



BERLINALE SPOTLIGHT WORLD CINEMA FUND TUNESIEN UNDER THE FIG TREES

Erige Sehiri

Einen Tag auf einer tunesischen Feigenplantage verbringt man in Erige Sehiris Spielfilmdebüt „Under The Fig Trees“. Man begleitet eine Gruppe von Sommerarbeiter:innen, sieht dabei zu, wie sie die Früchte ernten, wie unterschiedliche Klassen und Geschlechter, Bekanntschaften und Liebschaften zwischen den Ästen und im Schatten der Bäume entstehen, sich annähern und wieder auseinander wandern. Es gibt hormongesteuerte Teenager, die hier ihren Sommerjob etwas lustlos, aber fingerfertig vollbringen; und es gibt die älteren Profis, vorwiegend Frauen, die mit vielen Tipps beweisen, dass sie wirklich alles über das Feigenpflücken wissen. Man isst gemeinsam, singt und plauscht. Doch das Treiben wird immer wieder von Geschichten durchzogen, die sich zwischen einigen Figuren abspielen. Zwei verliebte Teenager finden wieder zueinander, nachdem sie sich jahrelang aus den Augen verloren haben. Eine junge Frau probiert, den Kontakt zu ihrem ehemaligen Verlobten wiederherzustellen. Ein anderer Erntehelfer probiert alles, um seinen Job zu behalten, auch wenn der Plantagenbesitzer ihn ständig entlassen will. Die tunesische Regisseurin Erige Sehiri versteht es wunderbar, den kleinen Klassizismus zwischen den Figuren herauszuarbeiten. In Gesten und Worten zeigen sich die Unterschiede zwischen den Ständen und Geschlechtern. Und obwohl die Feigenpflücker meinen unter sich zu sein, stehen sie dann doch unter der ständigen Beobachtung des Besitzers. Die Überwachung bestimmt das Verhalten der Figuren geheim und unterschwellig. Keiner kann so sein, wie er sein will. Alle spielen eine Rolle, verstecken Gefühle und Leidenschaften. Damit wird „Under The Fig Trees“ zu einem wahren Panorama der tunesischen Gesellschaft. Dafür findet Sehiri sonnendurchflutete, naturverliebte Kinobilder, die fast vergessen lassen, dass wir es mit einem Spielfilm und nicht mit einer Dokumentation zu tun haben. „Under The Fig Trees“ feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes, und zwar in derwichtigen Nebenreihe Quinzaine des Réalisateurs. Among the trees, young women and men working the summer harvest develop new feelings, flirt, try to understand each other, find – and flee – deeper connections.

OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals

Taht el Karmouss Erige Sehiri Erige Sehiri, Ghalya Lacroix, Peggy Hamann Tunesien, Schweiz, Frankreich, Katar, Deutschland Henia Production, Maneki Films, Akka films, In Good Company, WCF Fide Fdhili, Feten Fdhili, Ameni Fdhili, Samar Sifi, Leila Ouhebi 92 min. arabische OF / englische UT Cannes, München, Toronto, London, Reykjavik, Rio, Montpellier, Valencia, Viennale

So. 04.12. – 19.15 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, präsentiert von Vincenzo Bugno Fr. 09.12. – 22.15 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei

Kooperation mit dem



BERLINALE SPOTLIGHT WORLD CINEMA FUND TÜRKEI BURNING DAYS

Emin Alper

Der ehrgeizige Staatsanwalt Emre kommt in eine Kleinstadt, um sein Amt anzutreten, nachdem sein Vorgänger unter ungeklärten Umständen verschwunden ist. Die Bewohner scheinen dem Neuankömmling zunächst aufgeschlossen gegenüberzustehen, aber es stellt sich heraus, dass Emre nicht die Absicht hat, sich an die archaischen Regeln dieser Gemeinschaft zu halten. Die lokale Hierarchie, an deren Spitze ein Bürgermeister steht, der seine Hand im Spiel hat, wenn es um die Wasserversorgung des Ortes geht (die in dieser Gegend ein kostbares Gut ist), spielt für Emre keine Rolle. Doch als er beginnt, die korrupten Geschäfte der lokalen Elite aufzudecken, macht Emre sich plötzlich einflussreiche Feinde und wird mit der Zeit selbst zur Zielscheibe übler homophober Angriffe. Schließlich wird er sogar in die brutale Vergewaltigung eines jungen Mädchens verwickelt. Doch Emre versucht sich in dieser Welt zu behaupten - und riskiert sehr viel. Regisseur Emin Alper hat einen intensiven Politthriller gedreht, den man als eine Metapher auf Erdoğans repressive Herrschaft lesen kann. Doch die bittere Botschaft und erstickende Atmosphäre von „Burning Days“ ist von allgemeingültiger Natur, und entfaltet sicherlich überall seine Wirkung, wo die Rechten und Konservativen an der Macht sind. Mit einem intensiven, cleveren visuellen Code kann Alpers Werk auch filmisch überzeugen, versteht es der Regisseur doch, die Genreregeln in seine Autorenhandschrift zu überführen. „Dies ist ein Film über eine männerdominierte Gesellschaft und ihre inneren Konflikte“, sagte Emin Alper in Cannes, wo der Film seine Weltpremiere in der Sektion Un Certain Regard gefeiert hat. Alpers unbestechliche Kunst ist es, dieses Brodeln der Konflikte in wunderbares Kino zu übersetzen. Emre, a young and dedicated prosecutor, is newly appointed to a small town hit by a water crisis and political scandals. After an initial welcome, he experiences an increasing number of tense interactions and is reluctantly dragged into local politics. When Emre forms a bond with the owner of the local newspaper pressure escalates under heated rumors.

OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals Preise

Kurak Günler Emin Alper Emin Alper Türkei, Frankreich, Deutschland, Niederlande, Griechenland, Kroatien Ay Yapim, Liman Film, Zola Yapim, Circe Films, Horsefly, Match Factory, WCF Selahatti̇n Paşali, Eki̇n Koç, Erol Babaoğlu, Erdem Şenocak, Seli̇n Yeni̇nci̇ 128 min. türkische OF / englische UT Cinemien Cannes, Sydney, München, Jerusalem, Helsinki, Chicago, Bergen, Philadelphia Antalya sieben Preise, Pula Bester Film

So. 04.12. – 21.45 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von Vincenzo Bugno Mo. 05.12. – 22.00 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei

Kooperation mit dem



BERLINALE SPOTLIGHT WORLD CINEMA FUND INDONESIEN AUTOBIOGRAPHY

Makbul Mubarak

Es ist eine alte Erfolgsgeschichte im Kino: Filmkritiker, die zu Regisseuren werden. Auch Makbul Mubarak arbeitete lange als Kritiker und Essayist in Indonesien und präsentiert mit „Autobiography“ seinen Kinodebütfilm, den er selbst als „emotionale Untersuchung“ seiner Kindheit beschreibt. Einer Kindheit, die in den letzten Jahren der grausamen Suharto-Diktatur stattfand. Hauptfigur ist Rakib, der allein auf die Villa des pensionierten Generals Purna aufpasst. Rakib ist allein, da sein Vater im Gefängnis sitzt und sein Bruder sich im Ausland befindet. Eines Tages kehrt Purna in seine Villa zurück, um seinen Wahlkampf vorzubereiten. Er zwingt den jungen Mann, ihm bei seiner Arbeit zuassistieren. Doch mit der Zeit wächst Rakibs Zuneigung zu Purna. Er nimmt den General als Vaterfigur an, sieht in ihm sogar einen Mentor, der ihm durch intensives Schießtraining sogar Selbstbewusstsein vermitteln kann. Eines Tages wird ein Wahlplakat von Purna zerstört und Rakib sucht den Täter. Was er findet, ist die Wahrheit über seinen Mentor, der natürlich nicht der ist, für den er sich ausgibt.Mit einer unbändigen Ehrlichkeit erzählt Mubarak von einer Gesellschaft, in der die mächtigen Männer des Diktators Suharto jeden Zentimeter des Alltags der Bevölkerung kontrollieren und bestimmen. Sie stehen über dem Gesetz. Dieses düstere Kapitel der indonesischen Geschichte überführt Mubarak mit seinem polnischen Kameramann Wojciech Staroń in klar kadrierte Bilder, die mit suchenden Close-ups die Charaktereigenschaften der Protagonisten eindrücklich ergründen. So entsteht das Panorama einer Gesellschaft, die halt- und orientierungslos durch die Zeiten einer Diktatur stolpert. „Autobiography“ feierte seine Weltpremiere in der Reihe Orizzonti bei den Filmfestspielen von Venedig und gewann den FIPRESCI-Preis der Filmkritik als bester Film. A young man torn between loyalty and justice confronts the truth of his father figure that may destroy them both. With his father in prison and his brother abroad for work, young Rakib works as the lone housekeeper in an empty mansion belonging to Purna, a retired general whose family Rakib’s clan have served for centuries in a rural Indonesian town.

OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Festivals Preise

Autobiografi Makbul Mubarak Makbul Mubarak Indonesien, Polen, Deutschland, Singapur, Frankreich, Philippinen, Katar Kaninga Pictures, Kawan Kawan, In Vivo Films; Niko Film Nicole Gerhards, WCF Kevin Ardilova, Arswendy Bening Swara, Yusuf Mahardika, Lukman Sardi 115 min. indonesische OF / englische UT Venedig, Toronto, Busan, Rio, London, Adelaide, Tokyo, Taipeh, Stockholm Venedig FIPRESCI Preis

So. 04.12. – 21.30 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei, präsentiert von Vincenzo Bugno Mi. 07.12. – 19.45 Uhr, Saal 5 Kulturbrauerei

Kooperation mit dem





CLOSING NIGHT THE BANSHEES OF INISHERIN

Martin McDonagh

„Padraic (Colin Farrell) und Colm (Brendan Gleeson) leben auf einer abgelegenen Insel an der Westküste von Irland. Sie sind schon ihr Leben lang Freunde. Der Schrecken ist groß als Colm plötzlich beschließt, ihre Freundschaft zu beenden. Mit der Unterstützung seiner Schwester Siobhan (Kerry Condon), die zusammen mit dem Sohn des örtlichen Polizisten Dominic (Barry Keoghan) ihre ganz eigenen Probleme in der kleinen Inselgemeinde hat, versucht der am Boden zerstörte Padraic, ihre Freundschaft wieder aufleben zu lassen. Doch Colm stellt ihm ein schockierendes Ultimatum. Die Ereignisse beginnen zu eskalieren und komplett aus dem Ruder zu laufen. In den Hauptrollen spielen Golden-Globe Gewinner Colin Farrell („The Batman“, „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“) und BAFTA-Preisträger Brendan Gleeson („Macbeth“, „Assassin‘s Creed“), die bereits bei „Brügge sehen…und sterben?“ mit Martin McDonagh zusammengearbeitet haben. In weiteren Rollen sind Kerry Condon („Better call Saul“, „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“) und Barry Keoghan („Eternals“, „Dunkirk“) zu sehen. Als Kameramann fungiert Ben Davis, der schon seit Jahren mit Martin McDonagh zusammenarbeitet. Der Score stammt von Carter Burwell. Produzenten von THE BANSHEES OF INISHERIN sind Martin McDonagh sowie Graham Broadbent und Peter Czernin von Blueprint Pictures, die beide ebenfalls eine langjährige Zusammenarbeit verbindet. Sie produzieren für Searchlight Pictures und Film4. THE BANSHEES OF INISHERIN feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspielen Venedig und wurde mit zwei Preisen ausgezeichnet. Colin Farrell wurde für seine herausragende schauspielerische Leistung mit der Coppa Volpi als Bester Schauspieler geehrt. Regisseur und Autor Martin McDonagh erhielt den Preis für das Beste Drehbuch.“ (The Walt Disney Company Germany) Set on a remote island off the west coast of Ireland, The Banshees of Inisherin follows lifelong friends Padraic and Colm, who find themselves at an impasse when Colm unexpectedly puts an end to their friendship. A stunned Padraic, aided by his sister Siobhan and troubled young islander Dominic, endeavours to repair the relationship, refusing to take no for an answer. But Padraic’s repeated efforts only strengthen his former friend’s resolve and when Colm delivers a desperate ultimatum, events swiftly escalate, with shocking consequences. Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals Preise

Martin McDonagh Martin McDonagh Irland, Großbritannien, USA Blueprint Pictures, Film 4 Productions, TSG Entertainment, Searchlight Pictures Colin Farrell, Brendan Gleeson, Kerry Condon, Barry Keoghan 114 min. englische OF / deutsche UT The Walt Disney Company Germany Venedig, Toronto, Zürich, Helsinki, Vancouver, Busan, Athen, Hamptons, Rio Venedig Bester Schauspieler Colin Farrell und Bestes Drehbuch, Mill Valley

Sa. 10.12. – 19.45 Uhr, Saal 3 Kulturbrauerei (mit Preisverleihung), präsentiert von TBA



CLOSING NIGHT FINAL CUT OF THE DEAD

Michel Hazanavicius

In einer verlassenen Galerie finden gerade die Dreharbeiten zu einem Trash-Horrorfilm statt. Vor Ort sind schwierige Schauspieler und ein völlig aufgedrehter Regisseur. Rémis (Romain Duris) Talent war es, bisher Werbespots und Filme mit sehr niedrigen Budgets zu drehen. Sein Motto – „schnell, billig und annehmbar“. Nach vielen künstlerischen Misserfolgen taucht endlich eine neue Gelegenheit am Horizont auf. Aber die Aufgabe, die sich ihm stellt, scheint halsbrecherisch: Rémi muss einen Zombiefilm in einer einzigen Einstellung mit einer Laufzeit von 30 Minuten drehen. Mit „Final Cut of the Dead“ hat Oscarpreisträger Michel Hazanavicius („The Artist“) im ersten Moment ein Remake eines japanischen Kulthorrorfilms gedreht, der nahezu Einstellung für Einstellung reproduziert wird. Hierbei nimmt sich der Regisseur besonders viel Zeit, das Chaos am Set in Szene zu setzen. Dabei wechselt er furchtlos zwischen Film und Film-im-Film-Ebene hin und her und schafft es ganz nebenbei auch, von den großen Umwälzungen der Filmbranche zu erzählen. Wieviel Kunst ist in der Streaming-Industrie möglich? Wie relevant sind Autorenvisionen in einer Umgebung, in der Algorithmen und Klicks über die Existenz eines filmischen Werks entscheiden? Das wird in „Final Cut of the Dead“ schreiend komisch in Szene gesetzt. Von Slapstick über Wortwitz beherrscht Hazanavicius die ganze Klaviatur des Humors. Diese Satire auf das Filmgeschäft war der diesjährige Eröffnungsfilm bei den Filmfestspielen von Cannes. Wie passend. Der Film erweist sich als eine große Liebeserklärung an das Kino und den kommunalen Prozess, der den Bildern vorausgeht. Film ist Teamwork. Things go badly for a small film crew shooting a low budget zombie movie when they are attacked by real zombies. In a frenetic one-shot where body parts and fluids are flying, the actors fight the undead, and their director, for their lives before the film comes to a shocking conclusion and the credits roll... but is that the whole story?

OT Regie Drehbuch Produktionsland Produktion Cast Länge Sprache Deutscher Verleih Festivals

Coupez! Michel Hazanavicius Michel Hazanavicius nach Shin’ichirô Ueda und Ryoichi Wada Frankreich, Großbritannien, Japan, USA Getaway Films, La Classe Américaine, Bluelight, SK Global Entertainment Romain Duris, Bérénice Bejo, Grégory Gadebois, Finnegan Oldfield, Matilda Lutz 110 min. französische, japanische OF / deutsche UT Weltkino Cannes, Cluj, Jerusalem, Sitges, Rom, Viennale, Splat!FilmFest, Fort Lauderdale

Fr. 02.12. – 21.15 Uhr, Saal 4 delphi LUX Do. 08.12. – 21.15 Uhr, Saal 4 delphi LUX Sa. 10.12. – 22.15 Uhr, Saal 6 Kulturbrauerei, präsentiert von TBA



ALLE ZWEI WOCHEN AUF GRISEBACH.COM UND ÜBERALL, WO ES PODCASTS GIBT

„KUNST-PODCASTS, DIE SIE NICHT VERPASSEN SOLLTEN.“ — MONOPOL

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