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Ein Brevier f端r Auto- und andere Freunde


Idee: Jürg D. Toffol Text und Gestaltung: Niggi Starck, www.starck.ch Druck: buysite ag, Basel, www.buysite.ch © PORZIO Verlag, CH-6622 Ronco s/Ascona, 2008, www.porzio.ch ISBN 978-88-902057-2-9


Ein Brevier f端r Auto- und andere Freunde


Vorwort ..............................................7 Airbag ................................................9 Anlasser ...........................................11 Antiblockiersystem, ABS....................11 Aschenbecher ...................................11 Automobilclub ..................................13 Autokino ..........................................13 Automobil ........................................13 Automobilindustrie ...........................15 Automobilsport.................................17 Autoradio .........................................17 Autoreisezug, Autozug .....................19 Autos und Sauberkeit .......................19 Benzin ..............................................21 Blinker ..............................................21 Bremse .............................................23 CB-Funk............................................23 Crashtest ..........................................25 Elektronik .........................................25 Fahrausweis ......................................27 Hupe ................................................27 Hutablage .........................................27 Kopfbedeckung ................................29

Kopfstütze ........................................29 Kotflügel...........................................31 Kühlerfigur .......................................31 Lenkrad ............................................33 Maut, Vignette, Roadpricing .............33 Mille Miglia .......................................35 MG, englische Automobilgeschichte .35 Motor ...............................................37 Motorfahrzeugkontrolle ....................37 Navigationssystem.............................39 Oldtimer, Veteran .............................39 Ottomotor ........................................41 Pferdestärke, PS ................................43 Radar ................................................43 Räder, Felgen, Reifen ........................45 Railton und Hudson, geniale Köpfe ...45 Riley, Vergangenheit .........................47 Scheibenwischer ...............................49 Servolenkung ....................................49 Sicherheitsgurt ..................................49 St. Christophorus ..............................51 Tachometer ......................................51 Tuning ..............................................53


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Vorwort Es stimmt, wenn die Leute sagen, ich sei ein passionierter Zeitgenosse. Ich bin es. Was ich tue, will ich gut und richtig tun: mit Begeisterung, leidenschaftlich, manchmal auch heftig und inbrünstig. Und ich stehe zu meinen Passionen. Zuoberst ist da die Familie, dann meine unternehmerische Tätigkeit und schliesslich alte Autos. Ja, alte Autos. Und davon soll in diesem Brevier für meine Auto- und anderen Freunde die Rede sein. Mit diesem Brevier will ich Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle – mit jedem auf eine eigene, besondere Art – an meiner Passion für Autos teilhaben lassen. Teilhaben lassen an der Begeisterung für diese tech-nischen Wunderwerke, an der Faszination einer Ausfahrt in einen blühenden Frühlings- oder einen farbenprächtigen Herbsttag. Das Brevier erhebt keinerlei Anspruch auf irgendetwas. Es ist die Sammlung von Bildern und Texten, die mir meine Passion geschenkt hat, eine Sammlung, die ich von Herzen gerne weiterschenke. Jürg D. Toffol

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Das Wort Automobil ist zusammengesetzt aus dem Griechischen auto - selbst und dem Lateinischen mobilis - beweglich. Es steht für ein mit eigenem Antrieb sich bewegendes Fahrzeug, das unabhängig von Schienen und ohne den Einsatz von Zugtieren vorwärts kommt. So oder ähnlich wird das Auto im Lexikon oder bei Wikipedia definiert. Da ist aber noch eine ganze Menge an Wissenswertem, sei es aus der Zeit der Motorwagen – so wurden die ersten Autos genannt – sei es aus unserer hoch technisierten Epoche. Hier eine Auswahl in alphabetischer Reihenfolge:

Airbag Der Airbag, zu deutsch „Luftbeutel“, ist Teil des „Insassenrückhaltesystems“. Das erste Patent für einen Airbag wurde 1920 im Flugzeugbau erteilt. 1953 meldete der Deutsche Walter Linderer „einen aufblasbaren Behälter in zusammengefaltetem Zustand, der sich im Falle der Gefahr automatisch aufbläst“, zum Patent an. Ende 1980 ging bei Mercedes in Sindelfingen mit der S-Klasse der Baureihe W 126 das erste Serienauto mit Fahrerairbag und Gurtenstraffer für den Beifahrer vom Montageband. Seit dem Jahrtausendwechsel gehören Airbags zur Standard-Sicherheitsausrüstung in Fahrzeugen. Die Funktionsweise von Airbags: Beschleunigungssensoren melden dem Airbagsteuergerät den Aufprall, dieses zündet pyrotechnisch, mit einem lauten Knall, den Airbag. Es strömen explosionsartig durch einen Generator erzeugte bis zu 150 Liter Stickstoff in den Beutel aus Kunstfasergewebe. Der Airbag ist nach ca. 55 Millisekunden nach der Auslösung vollständig aufgeblasen und der Fahrer taucht ein. Nach 85 Millisekunden ist der Fahrer maximal in den Airbag eingetaucht und bewegt sich wieder vom Lenkrad weg. 9


Anlasser Als Anlasser oder Starter wird ein Teil an einer Verbrennungsmaschine bezeichnet. Der erste Anlasser war die menschliche Muskelkraft an der Kurbel. Nicht selten führte dieses „Anlassen“ zu einem Rückschlag und, im schlimmsten Fall, zu einem „Chauffeurarmbruch“. In den USA baute Cadillac 1912 den ersten Anlasser, in Europa war es Citroën im Jahr 1919. Die altehrwürdige Kurbel behauptete sich bis in die 50er Jahre in den Werkzeugausstattungen der Fahrzeuge.

Antiblockiersystem, ABS Den ersten hydraulischen Blockierverhinderer hat der französische Automobil- und Flugzeugpionier Gabriel Voisin 1920 erfunden. Aufgrund einer Selbstverpflichtung der europäischen Automobilindustrie (ACEA) werden seit dem 1. Juli 2004 alle Fahrzeuge mit weniger als 2,5 t zulässigem Gesamtgewicht serienmässig mit ABS ausgestattet. Die Wirkungsweise von ABS: Bei einer Vollbremsung regelt es den Bremsdruck in kurzen Intervallen und verhindert so das Blockieren der Räder. Es bewirkt dabei nicht primär die Verkürzung des Bremswegs, sondern verhindert ein Schleudern, bzw. Ausbrechen des Fahrzeugs.

Aschenbecher Seine Majestät König Ferdinand I. von Bulgarien wünschte in seinem Fahrzeug standesgemäss rauchen zu können. Deshalb baute die Daimler-Motoren-Gesellschaft 1914 zwei „Rauch-Necessaires“ mit elektrischem Zigarettenanzünder in seine Limousine ein. Aschenbecher gehörten in der Folge bald zur Standardausrüstung der Automobile. Heutzutage, im Zeitalter erhöhten Gesundheitsbewusstseins und der Ausgrenzung von Rauchenden aus dem öffentlichen Raum, finden sich diese „Necessaires“ vermehrt unter den Zubehöroptionen der Autohersteller. 11


Autokino Das Autokino, ein Freilichtkino, dessen Leinwand man vom Auto aus betrachten kann, wurde als „Drive-in Movie Theater“ im Jahr 1933 in New Jersey, USA, erfunden und erlangte umgehend Kultstatus. Eine Erfolgsgeschichte! Von 1953 bis 1958 wurden in den USA 3’000 Autokinos eröffnet, während 5’000 konventionelle Kinos dicht machen mussten. Als einer der Hauptgründe für die Beliebtheit dieser Institution wird „der Mangel an Rückzugsmöglichkeiten für junge Paare“ erwähnt – honni soit qui mal y pense! Neben dieser „Privacy“ lockten vor allem die riesigen Leinwände, in der Regel 15 auf 40 Meter, das Publikum an. Die heutigen Autokinos werben mit Slogans wie: „Dort, wo Kino am grössten ist, essen, trinken, rauchen, mit Oma, Opa, Hund und Katz!“ Das einzige Schweizer Autokino wird in Muri betrieben.

Automobil Am 29. Januar 1886 wurde Carl Benz unter der Nummer 37’435 das „Kaiserliche Deutsche Reichspatent, DRP“ für ein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ erteilt, ein dreirädriges Auto mit einem Viertaktmotor, was allgemein als Geburtsstunde des Automobils gewertet wird. Am 3. Juli desselben Jahres fuhr er in Mannheim erstmals eine Strecke von rund 100 Metern. 1888 schaffte er die Fahrt von Mannheim nach Pforzheim. Vor ihm stellten Männer wie Daimler und Maybach autoähnliche Gebilde vor, Nicolaus Otto erfand 1876 den Viertakt-Verbrennungsmotor, der noch heute nach ihm „Ottomotor“ benannt wird, 1868 fuhr der Franzose Perraux mit seinem dampfgetriebenen Motorrad umher und noch früher, 1820, konstruierte in London Sir Goldsworthy Gurney seinen ersten Dampfwagen.

Automobilclub 1896 wurde der Touringclub der Schweiz, TCS, von 205 passionierten Radfahrern gegründet, in der Absicht, den „Fahrradtourismus“ zu fördern. 1901 veröffentlicht der TCS ein Verzeichnis aller Orte, wo in der Schweiz Benzin gekauft werden konnte. Der zweite Automobilclub, der Allgemeine Automobilclub der Schweiz, ACS, porträtiert sich selbst wie folgt: „Der ACS, ein Verein im Sinne des ZGB, gegründet am 6. De13


zember 1898 in Genf, bezweckt den Zusammenschluss der Automobilisten zur Wahrung der verkehrspolitischen, wirtschaftlichen, touristischen, sportlichen und aller weiteren mit dem Automobilismus zusammenhängenden Interessen wie Konsumentenund Umweltschutz. Er widmet der Strassenverkehrsgesetzgebung und ihrer Anwendung seine besondere Aufmerksamkeit. Er setzt sich ein für die Verkehrssicherheit auf der Strasse.“

Automobilindustrie Wikipedia.org definiert den Begriff Automobilindustrie wie folgt: Die Automobilindustrie ist ein Industriezweig, der sich der Herstellung von Automobilen und anderen Kraftfahrzeugen widmet. Die Automobilindustrie entstand nach Erfindung des Automobils 1885 durch den Deutschen Carl Benz gegen Ende des 19. Jahrhunderts und erlebte einen bedeutenden Aufschwung durch die Massenproduktion von Kraftfahrzeugen (vor allem durch Henry Ford), der bis heute anhält. In vielen Industrieländern, wie in den USA, Japan, Deutschland und Korea stellt die Automobilindustrie einen der bedeutendsten Industriezweige dar. Im Jahr 2003 wurden weltweit gut 14 Millionen Neuwagen in Verkehr gesetzt. Die deutsche Automobilindustrie und ihre Zulieferer beschäftigten im Jahr 2004 1.1 Millionen Mitarbeitende. Am 30. September 2006 waren in der Schweiz gut 5 Millionen Strassenmotorfahrzeuge immatrikuliert, 70 Prozent davon waren Personenwagen, 11 Prozent Motorräder, des Rest Sachentransport-, Landwirtschafts-, Personentransport- und Industriefahrzeuge.

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Automobilsport Mit „Paris-Rouen“ fand 1894 das erste Automobilrennen statt. Heute präsentiert sich der Automobilsport in einer fast nicht überschaubaren Vielfalt: Formelsport (z.B. Formel 1, Indy Racing League), Kartsport, Sportwagen (z.B. 24-Stunden-Rennen von Le Mans), Tourenwagen (z.B. Deutsche Tourenwagen Meisterschaften, NASCAR), Bergrennen, Rallyes und andere. In der Schweiz wurden bzw. werden unter anderem folgende Veranstaltungen durchgeführt: seit 1910, mit Unterbrüchen: Bergrennen Gurnigel, 1922-1934: Klausenrennen, ab 1923, mit Unterbrüchen: Bergrennen von Oberhallau, ab 1926, mit Unterbrüchen, Bergrennen Les Rangiers, 1934-1954: Grand Prix der Schweiz, Bremgarten (wurde aus Sicherheitsgründen gesetzlich verboten, nachdem 1955 am 24-Stunden-Rennen von Le Mans bei einem Unfall 80 Menschen starben). Im Jahr 2007 wurden politische Anstrengungen unternommen, um die gesetzlichen Bestimmungen verändern und den „Grossen Preis der Schweiz“ wieder durchführen zu können.

Autoradio Die ersten Autoradios tauchten in den frühen 20er Jahren in den USA auf. Sie bestanden aus dem Gehäuse für den Röhrenempfänger, einem Lautsprecher, mehreren Batterien, zum Teil Flüssigsäure-Akkus, und einer langen Dachantenne – portable Geräte also, in einen Koffer gepackt und je nach Ausführung nur von zwei starken Männern zu bewegen. Die ersten seriell gefertigten Einbaumodelle ka-men um 1926 auf den US-Markt. Das erste europäische Modell wurde 1932 auf der Berliner Funkausstellung vorgestellt. Ab den 50er Jahren waren fast alle Neufahrzeuge mit einem Radioeinbauschacht ausgerüstet. Die Transistorentechnik ermöglichte den Einbau schlanker und leichter Radios. Heute ist das Autoradio unterwegs zum polyvalenten Multimediagerät, doch ist es seinen primären Funktionen, der Informationsbeschaffung bzw. Unterhaltung sowie, im höchsten Lautstärkenbereich, dem Einsatz als Balzinstrument hauptsächlich für junge und jung gebliebene Männer durchaus treu geblieben. Abbildung: Crosley Roamio, Model 91, 1926

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Autoreisezug, Autozug Der Autoreisezug wurde zur Überwindung längerer Reisestrecken in Deutschland erstmals 1935 eingesetzt und erfreut sich noch heute in ganz Europa grosser Beliebtheit. Autozüge wurden bzw. werden, vor allem in der Schweiz, für die Unterquerung der Alpen eingesetzt, so auf der Albulaachse der Rhätischen Bahn, auf der Furkastrecke der Matterhorn-Gotthard-Bahn, der Lötschberg-Simplonachse der Bern-LötschbergSimplon-Bahn, am Oberalp-Pass durch die Matterhorn-Gotthard-Bahn, sowie durch den Vereina-Tunnel der Rhätischen Bahn. Die Gotthardbahn der Schweizerischen Bundesbahnen, SBB, eröffnete 1924 den Autoverlad zwischen Göschenen und Airolo. Mit der Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels 1980 wurde der Betrieb wieder eingestellt und seither nur in Notfällen, bei längerfristiger Sperrung des Strassentunnels z.B. wegen Unfällen, erneut aufgenommen. 1968 nahmen die SBB die Huckepack-Verbindung – „Brummis auf die Schiene“ – von Basel nach Melide auf.

Autos und Sauberkeit

„Autos waschen: maskuline Lieblingsbeschäftigung an Samstagen, Sonn- und Feiertagen, hauptsächlich in den lateinischen Ländern verbreitet, aber auch im teutonischen Raum zu beobachten.“ Die Eingabe von „auto waschen“ bei der aktuell potentesten Suchmaschine des Internets ergab im Jahr 2008 2.14 Millionen Ergebnisse, „car wash“ deren 8.72 Millionen, „voiture lavage“ ergab 2.01 und „auto lavaggio“ 1.29 Millionen Ergebnisse. Womit die obige Definition einwandfrei als Vorurteil entlarvt ist. 19


Benzin Der Begriff Benzin hat mit Karl Benz, dem Erfinder des Automobils, nichts zu tun. 1833 verwendete der deutsche Chemiker Mitscherlich den Begriff „Benzin“ für ein aus dem ostindischen Bezoeharz gewonnenes Destillat. Professor Justus von Liebig, auch ein deutscher Chemiker, verwendete 1834 den Namen „Benzol“ für ein Erdöldestillat, einen Kohlewasserstoff, den Vorläufer unseres heutigen Benzins. Liebig hat übrigens auch den Fleischextrakt und das Backpulver erfunden. Benzin war zu Beginn ausschliesslich in Apotheken und Drogerien erhältlich. Um die Wende zum 20. Jahrhundert begannen die Automobilclubs, Benzinlagerstellen zu betreiben und Hotels verkauften ihren Gästen Benzin. Die ersten Tankstellen wurden in den 20er Jahren eröffnet.

Blinker Der Ausdruck Blinker leitet sich vom englischen „to blink“, blinzeln, zwinkern ab und heisst im Fachjargon „Fahrtrichtungsanzeiger“. Er hat gleichzeitig die Funktion der Alarmierung und der Warnung. Die Autos der ersten Generationen kamen ohne Blinker aus, er tauchte erst auf, als mit der wachsenden Automobilisierung der Strassen ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis von Fahrenden und Gehenden entstand. Die ersten Blinker waren Winker, die zuerst manuell, später elektromagnetisch aus- und eingefahren wurden. Der besseren Sichtbarkeit wegen wurden sie im Lauf der Zeit zusätzlich beleuchtet. Der heute gängige Blinker wurde in den 1950er Jahren eingeführt. 21


Bremse Bremsen dienen zur Verringerung der Geschwindigkeit von Fahrzeugen durch die Umwandlung der zugeführten Bewegungsenergie über Reibung in Wärmeenergie. Es wird unterschieden zwischen mechanischen Bremsen (Backenbremse, Hemmschuh, Trommelbremse, Scheibenbremse, Keilbremse, Bandbremse, Magnetscheibenbremse und Fliehkraftbremse), elektromagnetischen Bremsen (Wirbelstrom- bremse, Elektromotorbremse und Lamellenbremse), Strömungsbremsen oder Fluidbremsen (Retarder, Bremsschirme und Bremsklappen, Wasserwirbelbremse) und Gegentriebbremsen oder Schubumkehrbremsen. Die Bremssysteme haben sich von einst sehr brachialen zu hoch komplexen Gebilden entwickelt. Die Automobilisten von heute werden von Bremsassistenten, Antiblockiersystemen und Bremskraftverstärkern unterstützt. Das Wort Bremse leitet sich sprachlich aus „Hemmvorrichtung“ ab und hat mit der gleich genannten Stechfliege – diese Bremse hat ihre sprachlichen Wurzeln im Niederländischen – nichts zu tun.

CB-Funk Die Kommunikation mit Funkgeräten über die Frequenzen des „Citizen-Band“, Bürger-Band, war vor der Verbreitung des Mobiltelefons insbesondere unter Fernfahrern sehr beliebt. Dieser „Jedermann-Funk“ war in den 1970er Jahren in Mode. Um die einzelnen Funkmeldungen möglichst kurz und prägnant halten zu können, wurden Codes oder Abkürzungen verwendet. Beispiele: Glatteis: Radarkontrolle, Oberwelle: Ehefrau, QRL: Ich bin beschäftigt! QRX: Bitte warten! 51: Lass dich nicht erwischen!, 88: Viele Küsse und Liebe!, 99: Verschwinde! – Alles Roger? 23


Crashtest Crashtests dienen dazu, Erkenntnisse über das Verhalten eines Fahrzeugs bei verschiedenen Aufprallsituationen, frontal oder seitlich, hartes oder weiches Hindernis, zu gewinnen. Solche Tests sind in der Europäischen Union obligatorisch, bevor ein Fahrzeugtyp für den Strassenverkehr freigegeben wird. Am 4. Juni 2007 führte der ADAC mit der Limousine BS6 des chinesischen Herstellers Brilliance einen Crashtest durch. Das Fahrzeug erhielt einen von fünf möglichen Sicherheitspunkten: sehr hohes Verletzungsrisiko für die Insassen. Der ADAC taxierte den Wagen als nicht strassentauglich. Brilliance hat das Fahrzeug nicht vom Markt genommen.

Elektronik Früher waren Automobile mechanische Wunderwerke – ihre einzige elektrische Ausrüstung waren die Beleuchtung und bei Ottomotoren die Zündung. Heute enthalten die Fahrzeuge die modernsten elektronischen Einrichtungen: Angefangen bei der Antriebssteuerung über Klimatisierung, Lagestabilisierung, Komforteinrichtungen bis hin zu Energiesparmassnahmen bei der Motorsteuerung und Energierückgewinnung beim Bremsen. Heute gehen 90 Prozent des Entwicklungsaufwands für einen neuen Fahrzeugtyp in die Elektronik. Elektronik macht 30 Prozent der Kosten eines Fahrzeugs aus. 25


Fahrausweis Amtlich richtig heisst der Fahrausweis in der Schweiz Führerausweis – ein weiteres Indiz dafür, dass der Volksmund in der Amtsstube nicht gehört wird, oder umgekehrt? Bleiben wir beim Fahrausweis: Er ist eine amtliche Urkunde über das Erteilen einer Fahrerlaubnis (amtlich Führererlaubnis) für ein Fahrzeug (amtlich Kraftfahrzeug) einer bestimmten Fahrzeugklasse, ausgestellt auf den Namen des Fahrers (amtlich Führer). Ihre Ausstellung (die der amtlichen Urkunde) unterliegt der Abklärung der Fahreignung (amtlich Führereignung) des Fahrers (amtlich Führer) oder der Fahrerin (amtlich existiert weder Fahrerin noch Führerin, Entschuldigung die Damen!) in Form einer Fahrprüfung (amtlich Führerprüfung) auf den Grundlagen von Strassenverkehrsgesetz, SVG und der Verkehrszulassungsverordnung, VZV.

Hupe Die Hupe ist als akustisches Signalinstrument die direkte Nachfolgerin des Posthorns, das aus dem 15. Jahrhundert stammt. Vorgänger des Posthorns war das Rinderhorn, durch das im frühen Mittelalter die Metzger bliesen, bevor sie zum Viehkauf fuhren, damit ihnen die Leute ihre Briefe zur Beförderung brachten. Die Posthörner wurden zur Warnung von Verkehrsteilnehmern und, mittels Signalmelodien, zur Kommunikation (Stadttor öffnen, Pferdewechsel vorbereiten usw.) eingesetzt. Die heute bekannteste Melodie ist das „tüü-taa-too“ der Schweizer Postautos. Sie stammt aus dem Andante der Ouvertüre zu Rossinis „Wilhelm Tell“.

Hutablage Eigentlich ist die Hutablage ein sprachlicher Anachronismus, weil sich auf dem „waagrechten Bereich zwischen Heckscheibe und Rücksitzlehne“ in weniger als 99 Prozent der untersuchten Fahrzeuge tatsächlich ein Hut befand. Anstelle der Hüte wurden auf den Hutablagen Schirme, Wackeldackel, umhäkelte Toilettenpapierrollen, Samtkissen, Lautsprecher und dergleichen festgestellt. Es bleibt also abzuwarten, bis Hüte wieder in Mode kommen oder bis die Etymologen ihre Suche nach der wahren Bedeutung des Wortes Hutablage abgeschlossen haben. Ähnliches gilt für das Handschuhfach. 27


Kopfbedeckung Ladies first! Die ersten Auto fahrenden Frauen glichen den Imkern. Sie zogen sich Schleier über den Hut und befestigten das Ganze mit Schals, denn schliesslich sollte die Montur nicht davonfliegen. Sie taten dies nicht aus modischer Eitelkeit, sondern weil es früher wenig geschlossene Karosserien und nur fürchterlich staubige Naturstrassen gab. Der fest sitzende Topfhut setzte sich in den 1920er Jahren als fahrzeugtauglich und als Stil-Ikone durch. Die Herren der Schöpfung nahmen mit Lederkappe und Brille vorlieb: weniger stilvoll, dafür allwettertauglich.

Kopfstütze Die Kopfstütze dient der Verminderung von Krafteinwirkungen auf die Halswirbelsäule bei plötzlicher Veränderung der Fahrzeugbewegung. Sie entstand aus einer Weiterentwicklung der „Schlummerrolle“ aus dem Jahr 1952, die vom deutschen Fabrikanten Karl Meier für den VW-Käfer produziert wurde. In neueren Fahrzeugmodellen werden Kopfstützen mit Lautsprechern und Monitoren für die im Fahrzeugfond mitfahrenden Personen ausgerüstet. Kopfstützen werden oft nicht richtig eingestellt. Es gilt: Die Oberkante der Kopfstütze soll sich auf Scheitelhöhe des Kopfes befinden, der Abstand zwischen Kopfstütze und Hinterkopf soll so klein wie möglich sein, Faustregel: zwei Finger breit. 29


Kotflügel Das Wort Kotflügel bildete sich erstens aus seiner Funktion und zweitens aus seiner Form. Die Strassen früherer Zeiten waren Naturstrassen ohne Belag und es verkehrten darauf einst mehr Reit- und Zugpferde als Automobile. Deshalb waren die Strassen voll von Pferdeäpfeln, was sich vor allem bei Regenwetter unangenehm auf die Verkehrsteilnehmer auswirkte. Um sich vor Schlamm- und Kotspritzern zu schützen, erfanden bereits die Kutschenbauer den Kotflügel. Er ist eines der wenigen Relikte, das die Automobilhersteller von den Kutschenkonstrukteuren übernahmen.

Kühlerfigur Die Kühlerfigur war Schmuckstück und Erkennungsmerkmal der Autos vergangener Tage. Sie zierte den Kühlerdeckel zu Zeiten, als der Kühler noch nicht unter die Motorhaube versorgt wurde. Bekannte Figuren waren die „Emily“ bzw. „Spirit of Ecstasy“ auf dem Rolls Royce, der „Leaper“ auf dem Jaguar oder der Stern auf dem Mercedes. Mit dem wachsenden Verkehrsaufkommen und der entsprechenden Zunahme von Unfällen verschwanden die Figuren aus Sicherheitsgründen nach und nach. Die übrig gebliebenen Kühlerfiguren müssen hohen Sicherheitsanforderungen genügen und, weil sie sehr begehrte Sammlerstücke sind, mit Diebstahlsicherungen ausgerüstet sein. 31


Lenkrad Das Lenkrad entwickelte sich aus der Lenkkurbel. Seine Positionierung im Fahrzeug beschreibt die Entwicklung der Automobilgeschichte. Zuerst war es in der Fahrzeugmitte platziert, so hatte der Fahrer die Übersicht über beide Seiten. Mit zunehmendem Verkehr rutschte das Lenkrad auf die rechte Wagenseite, um den Strassengraben besser im Blick zu haben bzw. nicht darin zu landen. Weil mit der Zeit die Strassengräben allmählich verschwanden und der zunehmende Verkehr immer schneller wurde, begann man links zu lenken, nicht zuletzt um bei Überholmanövern die bessere Übersicht zu haben.

Maut, Vignette, Roadpricing Was im frühen Mittelalter Strassenzoll hiess, lautet heute Maut, Roadpricing oder Vignette. Es geht dabei um das Bezahlen einer Gebühr für die Nutzung von Strassen, Brücken, Autobahnen oder Tunnels. Es wird zwischen der zugangsbezogenen Gebühr, z.B. der schweizerischen Autobahnvignette, und der nutzungsabhängigen Gebühr, z.B. der italienischen Autobahnmaut, unterschieden. Die Höhe einer Maut wird oft auch von der Eigenschaft oder Grösse eines Fahrzeugs abhängig gemacht.

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MG – englische Automobilgeschichte Im Jahr 1923 gründete Cicil Kimber im englischen Oxford die Firma „Morris Garages“. Ab 1929 produzierte Kimber in Abingdon in Oxfordshire Sportwagen unter dem Kürzel seines Firmennamens: MG. Nach Kimbers tödlichem Unfall im Jahr 1945 ging MG zusammen mit den Marken Morris, Riley und Wolseley in die Nuffield Organisation über und nahm so am Aufstieg und Niedergang der englischen Automobilindustrie teil: Aus Nuffield wurde 1952 die British Motor Corporation, diese ging 1966 in die British Motor Holdings über, aus der 1968 die British Leyland wurde. Letztere kollabierte 1975 und wurde verstaatlicht. 1980 wurde das MG-Werk in Abingdon geschlossen. Aus Leyland wurde 1982 die Austin Rover Group, welche von 1988 bis 1994 zu British Aerospace gehörte. Dann kaufte BMW den Konzern als Rover Group. 2000 übernahm das Phoenix Consortium die Rover Group und taufte sie in MG Rover Group um. Diese ging 2005 Konkurs. Im selben Jahr erwarb der chinesische Staatsbetrieb Nanjing Automobile Corporation die MG Rover Group für 53 Millionen USD. Zu den erfolgreichsten MG-Modellen gehören der MG TC, der in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg als der Sportwagen schlechthin galt, der MGA und der MGB, von dem über eine halbe Million Exemplare gebaut wurden.

Mille Miglia Die Italiener haben die hübschesten Mädchen, das beste Essen, die einzigartige Italianità, das schönste Wetter, die aufregendsten Autos – und das faszinierendste klassische Oldtimerrennen, die Mille Miglia. Dieses 1000-Meilen-Rennen von Brescia quer durch die italienische Halbinsel nach Rom und wieder zurück nach Brescia wurde erstmals 1927 ausgetragen und fand 1957, nach einem grauenhaften Unfall, zum letzten Mal 35


statt. Zwanzig Jahre später erfolgte eine Neuauflage dieses Strassenklassikers, diesmal allerdings nicht mehr als beinhartes Strassenrennen, sondern als GleichmässigkeitsWettbewerb – bei dem aber bis heute nur die Fahrzeugtypen startberechtigt sind, die schon bei der historischen Mille Miglia dabei waren.

Motor Der Motor, lateinisch: Beweger, verrichtet mechanische Arbeit, indem er Energie umwandelt. Ein Automotor versetzt eine Welle in Rotation. Diese Welle treibt das Getriebe und dieses die Räder an. Die technische Entwicklung zu den heutigen Motoren begann mit der Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert und der darauf folgenden industriellen Revolution. Mit der Erfindung des Automobils begann die Verbreitung der Verbrennungsmotoren. Die heutigen Motoren wandeln thermische, chemische oder elektrische Energie in Bewegung um. Ihre Optimierung ist sehr weit fortgeschritten.

Motorfahrzeugkontrolle Die „Automobilbehörde“ wird in der Schweiz Motorfahrzeugkontrolle genannt, in Deutschland ist es der TÜV. Sie ist kantonal organisiert und vollzieht einen grossen Teil der strassenverkehrsrechtlichen Erlasse von Bund und Kantonen wie Fahrzeugimmatrikulationen, Fahrzeug- und Führerprüfungen, Sonderbewilligungen, administrative Verwaltung sämtlicher Fahrzeuge, Führerausweise und Nummernschilder sowie die 37


Administration der Motorfahrzeugsteuern. Die kantonalen Motorfahrzeugkontrollen unterstehen dem Bundesamt für Verkehr des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, UVEK in Bern.

Navigationssystem Die aufkommenden Navigationssysteme sind im Begriff, Kompasse, Land-, See- und Strassenkarten und Sextanten abzulösen. Das Navigationsgerät integriert folgende Komponenten: Der Funkempfänger empfängt Signale von codierten, geostatischen Sendern und übermittelt diese an das elektronische System zur Positionsbestimmung. Dieses System bildet seine Position in Längen- und Breitengraden mit einer Genauigkeit von +/- 10 Metern mittels digitaler Karten auf einem Monitor ab. Ein elektronischer Kompass hält dabei die Ausrichtung des Benutzers fest. Mittels Eingabegeräten kann der Benutzer Fahrziele erfassen und sich vom Navigationsgerät, unter Berücksichtigung der Komplexität des Strassenverkehrs, sicher zum gewählten Ziel führen lassen. Die ersten Systeme waren militärischer Bauart, sie wurden während des Zweiten Weltkriegs entwickelt.

Oldtimer, Veteran Das Wort Veteran leitet sich aus dem lateinischen “vetus”, alt, ab. Es wird für ehemalige Kriegsteilnehmer und für alte Fahrzeuge verwendet. Als Veteranenfahrzeug gilt ein Motorfahrzeug, wenn es älter als 30 Jahre ist, nur für private Zwecke verwendet wird, höchstens 3’000 Kilometer pro Jahr zurücklegt, der ursprünglichen Ausführung entspricht und optisch und technisch in einwandfreiem Zustand ist. Den amtlichen Ein39


trag „Veteranenfahrzeug“ im Fahrzeugausweis trägt die kantonale Fahrzeugprüfung auf Anmeldung und nach getaner Arbeit ein. So funktioniert’s in der Schweiz.

Ottomotor Nikolaus August Otto liess 1862 seinen Vierzylinder-Boxermotor schützen. Dieser Verbrennungsmotor gilt als Urahn der heute gängigen Benzinmotoren. Durch die Abwärtsbewegung des Kolbens werden Kraftstoff und Luft in den Zylinder gesaugt. Dieses Gemisch wird durch die folgende Aufwärtsbewegung des Kolbens im Zylinderkopf komprimiert und mittels einer Zündkerze gezündet, das heisst zur Explosion gebracht. Dadurch schnellt der Kolben wieder nach unten, treibt die Kurbelwelle an und saugt erneut Kraftstoff und Luft in den Zylinder. Und so weiter. Ottos erste Motorversionen waren in der Tat Explosionsmotoren, denn sie zerlegten sich regelmässig in ihre Einzelteile. Die Patentreife erreichten seine Motoren 1876 zu einem Zeitpunkt, zu dem der Uhrmacher Christian Reithmann seine Version eines Viertaktmotors bereits hatte patentieren lassen. Der Rechtsstreit führte 1894, drei Jahre nach Ottos Tod, zum Urteil, wonach Christian Reithmann als Erfinder des Viertaktmotors galt. Die Deutz AG, Inhaberin des Otto-Patents, bot Reithmann eine Abfindung von 25’000 Goldmark und eine lebenslange Rente an, daraufhin unterschrieb Reithmann eine Erklärung. Darum spricht man heute noch vom Ottomotor. Oder vom Ludwigmotor, weil findige kö41


nigstreue Bayern sich auf den Standpunkt setzten, dass, weil Reithmann zur Zeit seiner Erfindung in königlichen Diensten stand, König Ludwig II. allein das Recht zustehe, sich als Erfinder des Viertaktmotors zu bezeichnen.

Pferdestärke, PS Ursprünglich verstand man unter Pferdestärke die durchschnittlich nutzbare Dauerleistung eines Arbeitspferds, z.B. beim Antrieb einer Mühle. Dieser volkstümliche Leistungsindex wurde bei der Einführung der Dampfmaschinen beibehalten. Das „Deutsche Institut für Normung, DIN“ definierte 1 PS „als die Leistung, die erbracht werden muss, um einen Körper der Masse m = 75 kg entgegen dem Schwerkraftfeld der Erde (bei Erdbeschleunigung 9,80665 m/s) mit einer Geschwindigkeit von 1 m/s zu bewegen: Leistung = Arbeit / Zeit = 75 x 9.08665 x 1 = 735,49875 kg m/s. Das entspricht der Leistung eines Zugpferdes, das im Schritttempo von 5,4 kmh einen 500 kg schweren Karren eine 10-prozentige Steigung hochzieht. Den Begriff PS gibt es eigentlich gar nicht mehr. Er wurde vom SI-Einheitssystem, Système International d’Unités, 1977 durch die Einheit Watt, W, abgelöst und darf nach der endgültigen Einführung der EG-Richtlinie 80/181/EEC zum 1. Januar 2010 zusammen mit allen anderen Nicht-SI-Einheiten in der gesamten EU nicht mehr verwendet werden. Ein PS entspricht 0,735 Kilowatt, also: 1 PS = 3/4 kW, ungefähr.

Radar Radar ist die Abkürzung von „Radio Detection and Ranging“, Funkerkennung und Abstandsmessung. Die Technologie wurde im Zweiten Weltkrieg von den englischen Luftstreitkräften erstmals erfolgreich eingesetzt. Unbestätigten Angaben zufolge sollen in Mitteleuropa im Jahr 2007 rund 7’000 Radarfallen in Betrieb gewesen sein. Die Ordnungshüter setzen stationäre und mobile Radargeräte zur Geschwindigkeitsüberwachung ein, sorgen damit für mehr Verkehrssicherheit und bessern die Budgets der 43


öffentlichen Hand mit Bussgeldern auf. Demgegenüber haben sich verschiedene Institutionen gegen die „Wegelagerei und Abzockerei des Staates“ formiert. Das Angebot an meist illegalen Radarwarngeräten ist immens.

Räder, Felgen, Reifen Die Erfindung des Rades in der Bronzezeit um 5’000 v. Chr. gilt als eine der wichtigsten der Menschheit. Mit der Erfindung von Dampfmaschine und Verbrennungsmotor ersetzten aus Stahlblech zusammengeschweisste Felgen das bis dahin übliche Holzspeichenrad. Den luftgefüllten Gummireifen liess der Engländer Robert Thompson 1846 patentieren. Er wurde von John Dunlop in Belfast im Jahr 1888 ein zweites Mal erfunden und ab dem Jahr 1894 auch für den Automobilbau genutzt. Die Felgen und Reifen haben sich im Lauf der Zeit zu Hochleistungskomponenten entwickelt.

Railton und Hudson, geniale Köpfe Railton? – Hudson? Beide waren geniale Köpfe, beide waren Automarken. Beide lieferten praktische Beiträge zu den ersten Kapiteln der Themen Marktnischen und Globalisierung. Die Railton Cars Ltd. im englischen Cobham, Surrey, produzierte von 1933-1940 und nach dem Zweiten Weltkrieg, von 1946-1950, rund 1'500 Autos. Das Rekordjahr war 1935 mit 377 verkauften Fahrzeugen. Reid Railton, ein bekannter Designer und Tuner bezog die Chassis seiner Fahrzeuge bei der US-amerikanischen Hudson Motor Car Co. in Detroit. Hudson war Ende der 30er Jahre mit 300'000 produzierten Wagen hinter Chevrolet und Ford die Nummer drei im amerikanischen Automobilmarkt. Insbesondere die Hudson Hornet trug in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als beliebtes NASCAR-Fahrzeug, zum guten Image der Marke 45


bei. Hudson ging 1954 zusammen mit Nash Motors in der American Motors Corporation, AMC, auf. AMC ging in die Chrysler Corporation über, diese in die DaimlerChrysler AG woraus im Jahr 2007 die Daimler AG und die Chrysler Holding LLC hervorgingen. Reid Railton ging den Weg des Spezialisten. Er entwarf unter anderem den Railton Mobil Special, der 1947, am Steuer sass John Cobb, mit 635.2 km/h den Geschwindigkeitsweltrekord fuhr.

Riley, Vergangenheit Riley, eine Marke die wohl nur noch unter Oldtimerliebhabern bekannt ist, schrieb ein typisches Stück Automobilgeschichte. Die Rileys waren im englischen Coventry mit Textilwebereien zu sehr viel Geld gekommen. Sie beschäftigten hauptsächlich Kinder, seinerzeit die billigste Arbeitskraft. 1878 wurde in Grossbritannien das gesetzliche Mindestalter für Beschäftigte auf 10 Jahre angehoben. Kinder zwischen 10 und 14 Jahren durften nur noch halbtags beschäftigt werden. Die Textilbranche wanderte auf den Kontinent ab. 1870 übernahm William Riley den Familienbetrieb und suchte nach Diversifikation. Er kaufte 1890 die Fahrradfabrik Bonnick & Company Ltd. und machte 1896 The Riley Cycle Company Ltd. daraus. Percey Riley, ein Sohn von William, produzierte 1897 aus Fahrzeugteilen und einem Einzylindermotor eine dreirädrige Voiturette. Ab 1903 begann er mit der Eigenproduktion von Motoren. 1919 eröffnete er zusammen mit seinem Bruder Stanley in Coventry eine neue Fabrik zur Herstellung des Riley 11 „Redwinger“, eines sehr beliebten Fahrzeugs mit 1'498 ccm, 35 PS, Leichtmetallkolben und reichhaltiger elektrischer Ausstattung. Der bekannteste Riley wurde der Riley 9 „Monaco“. Als Familienwagen konzipiert, wurde er durch das Tuning von Reid Railton zu einem sehr beliebten Sportwagen. 1939 kaufte William R. Morris die Riley-Werke in Coventry. Damit trat die Marke ihren Weg in die automobile Vergessenheit an, als kleiner Teil des „Riesen“ British Motor Corporation beziehungsweise bei British Leyland. Mit dem Löschen der Marke wurde Riley 1969 zu Vergangenheit.

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Scheibenwischer Die Amerikanerin Mary Anderson meldete 1903 das Patent für die erste funktionierende Scheibenwischanlage, die „window cleaning device“, an. 1908 erhielt Prinz Heinrich von Preussen, der Bruder von Kaiser Wilhelm II., das deutsche Patent für einen handbetriebenen Scheibenwischer, den er an seinem Opel eingebaut hatte. Den ersten elektrisch betriebenen Scheibenwischer stellte die Firma Robert Bosch GmbH im Jahr 1926 vor. Dieses Unternehmen ist noch heute ein bedeutender Zulieferer der Automobilhersteller.

Servolenkung Das Wort Servo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “dienen”. Die Servolenkung dient, im eigentlichen Sinn des Wortes also, der Reduktion der Lenkradkräfte beim Lenken im Stand, beim Rangieren oder beim Fahren mit geringen Geschwindigkeiten. Sie arbeitet hydraulisch oder elektromagnetisch. Die Servolenkung wird zur Kategorie der „Fahrtassistenzsysteme“ gezählt, einer langen Liste von hilfreichen „Dienern“ wie Abstandsregeltempomat, Antriebsschlupfregelung, automatische Stabilitätskontrolle, Einparkhilfe, Kurvenlicht, Nachtsicht-Assistent, Spurwechselassistent oder Tempomat.

Sicherheitsgurt Der Sicherheitsgurt ist ein Rückhaltesystem in Verkehrsmitteln. Gustave Desiré Liebau meldete 1903 den ersten Sicherheitsgurt zum Patent an. Renault entwickelte im selben Jahr einen Fünfpunkt-Sicherheitsgurt, den Volvo im Anschluss zum Dreipunkt-System weiterentwickelte. Das erste Fahrzeug mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten als Serienausstattung, ein Volvo 544, kam 1959 auf den Markt. Seit 1981 müssen Neufahrzeuge in der Schweiz mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten ausgerüstet sein, die Anschnallpflicht gilt seit demselben Jahr definitiv. Statistiken sprechen davon, dass angegurtete Fahrzeuginsassen bei einem Unfall sieben Mal grössere Überlebenschancen haben als solche, die keinen Gurt tragen.

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St. Christophorus Christophorus, der Christusträger, ist der Schutzpatron der Automobilisten; Papst Pius XI. ernannte ihn 1925 dazu. Die Autofahrenden teilen sich Christophorus mit knapp 40 weiteren Gattungen von Schutzsuchenden, worunter sich unter anderem Bergstrassen, Chauffeure, Fährleute, Kraftfahrer, Schatzgräber und Zahnwehgeplagte befinden. Christophorus ist einer der 14 Nothelfer. Er wurde um das Jahr 250 in Kleinasien als Märtyrer geköpft. In manchem Auto baumelt am Innenspiegel ein Christophorus-Talisman.

Tachometer Nicht zuletzt weil es die Herren der Schöpfung waren, die massgeblich an der automobilen Entwicklung teilhatten, wurde der Tachometer rasch zum wohl ersten erhältlichen Sonderzubehör. Weniger, weil es wirklich gebraucht wurde, als vielmehr, weil zwischen Geschwindigkeit und männlichem Selbstbewusstsein offenbar ein ziemlich direkter Zusammenhang bestehen muss. Mit zunehmender Motorenleistung und damit steigender Geschwindigkeit verringerte sich im Lauf der Zeit die Verkehrssicherheit. In Deutschland wurde 1909 das Tempolimit von 15 Stundenkilometern innerorts eingeführt. Aber auch deswegen wären keine Tachos von Nöten gewesen – 15 Stundenkilometer entsprechen dem Tempo eines trabenden Pferdes. 51


Tuning Tuning: Gesamtheit der Massnahmen zur nachträglichen Erhöhung der Fahrleistung von Kraftfahrzeugen. Tuning hat sich zu einem eigenständigen Zweig der Automobilindustrie entwickelt. Dieser kam mit der einsetzenden Massenfabrikation von Fahrzeugen in den 1950er Jahren auf. Es galt seinerzeit als „in“, einen aufgemotzten VW-Käfer zu fahren und nicht im Einheitsbrei zu verschwinden. Die allgemeine Entwicklung der Automodelle zur Gleichförmigkeit, ihre „Globalisierung“ und der damit einhergehende Charakterverlust der Marken haben das Ihre zur Beliebtheit des Tunings getan. Beliebte Tuning-Objekte der Vergangenheit waren nach dem Käfer z.B. die Modelle Opel Manta, VW Golf GTI oder der 3er BMW. Unter der Tuningkundschaft überwiegt der männliche Anteil deutlich.

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Ein Brevier für Auto- und andere Freunde – Jürg D. Toffol