Andreas Caderas, Japan Art - Galerie Friedrich Müller, 2008

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ANDREAS CADERAS



ANDREAS CADERAS

Galerie Friedrich M端ller



Malerei



Malerei Die hier vorgestellten Bilder sind ein Extrakt aus einem großen, umfangreichen Werk, das Andreas Caderas im Jahre 2002 begonnen hat. Auf allen Bildern zeigt sich ein Hase, jedoch wählte der Künstler dieses Tier nicht um seiner selbst willen, sondern es dient ihm als Projektionsfläche: Seine hohe künstlerische Expressivität manifestiert sich spontan und unverfälscht in der Darstellung von Hasen. Dabei geht es Caderas nicht um eine anatomisch genaue Wiedergabe des Tieres. Vielmehr wird der Hase äußerst abstrakt dargestellt und stets nur ein Ausschnitt von ihm. Es sind Momentaufnahmen, in denen der Künstler explosionsartig seine Stimmung aus dem Inneren heraus freisetzt und authentisch zu Papier bringt. Flüchtig erscheint einem das Wesen, scheu und geduckt. Der Betrachter bekommt gerade noch Fell und Ohren zu Gesicht; und dann gibt es die Hasen, die sich offen zu erkennen geben und im direkten Blickkontakt stehen, wenn auch scheinbar nur für einen kurzen Augenblick. Bisweilen sind die Darstellungen so flüchtig, dass man eher die Idee von einem Hasen bekommt, als das Tier tatsächlich wahrzunehmen. Wie deutlich sich der Hase auch immer zeigen mag, es ist nicht das Tier sondern seine Stimmung, die erfahrbar ist; es ist die Stimmung des Künstlers selbst. Caderas wählt für seine Arbeiten bewusst ein kleines Format. Das Papier ist durch Reißen auf diese Größe gebracht. Die Motive gehen über den Bildrand hinaus. Nirgendwo kommt es zu einer Stauung. Seine Energie bündelt sich auf relativ engem Raum, wodurch seine Bilder einen enormen Ausdruck erhalten. Der Betrachter kann anhand des Bildausschnitts den gewaltigen Gefühlsausbruch des Künstlers erfassen und das Monumentale in seinem Werk nachvollziehen. Der Raum für seine gestalterische Freiheit scheint grenzenlos: „Ich habe die Freiheit zu machen, was ich will; das nehme ich mir heraus. Ich habe nirgendwo so viel Freiheit wie beim Malen.“ Caderas lässt seine Werke ohne Überlegung innerhalb weniger Sekunden bis Minuten entstehen. Sie sind eine eindrucksvolle Momentaufnahme dessen, was alle Menschen erfahren, nämlich der tiefen Gefühle gegenüber Liebe, Hass, Tod und der damit verbundenen Ängste und Sehnsüchte. Es bedarf im Grunde keiner weiteren Bildanalyse, „die Bilder alleine sollten aussagekräftig genug sein, um etwas auszulösen.“ Caderas malt seine Bilder ohne Werkzeug direkt mit den Fingern. Mal ist die Farbe gemäß den Gefühlen durch wilde Kratzspuren aufgewühlt, mal durch sanftes Streichen beruhigt. Nichts ist entschieden, alles passiert. „Die Seele und die Hände führen mich über das Papier, ich muss überhaupt nicht denken, weil ich eben geführt werde. Nur eine erfüllte Leere, alles weggeworfen. Die Fingerspitzen weich, manchmal hart kratzend, schnell spontan, dann ganz fein, fast kein Zwischenraum zwischen Blatt Papier und Fingerkuppe. Das sind magische Momente, Tod, Liebe, Sehnsüchte springen alle aufs Blatt Papier.“ Claudia Wilhelm



Painting The pictures presented here are an extract from a large, extensive work which Andreas Caderas began in 2002. There is a hare on every picture, though the artist did not choose this animal for its own sake; rather it serves him as a projection screen. His great artistic expressiveness manifests itself spontaneously and genuinely in the representation of hares. However, Caderas is not interested in an anatomically precise reproduction of the animal. Rather, he portrays the hare in an extremely abstract way and always paints only part of it. These are snap shots in which the artist sets his mood free from within like an explosion and authentically puts it on paper. The creature appears fleetingly, shy and crouching. The observer can just about see the fur and ears; and then there are the hares which show themselves openly, directly facing the observer, even though seemingly just for a moment. At times the representations are so fleeting that we get an idea of a hare rather than actually perceiving the animal. However clear the hare may be, it is not the animal, rather its mood which we experience; it is the mood of the artist himself. Caderas deliberately chooses to use a small format for his works. He tears the paper to fit this size. The motifs go beyond the edge of the picture. There is no congestion anywhere. His energy is bundled into a relatively small space, giving his pictures enormous expression. Together with the image detail, the observer can grasp the artist’s powerful emotional outburst and understand the monumental quality of his work. The space for his creative freedom seems limitless: “I have the freedom to do what I want; and I take that liberty. Nowhere do I have so much freedom as when I paint.” Caderas creates his works without thinking, in a matter of a few seconds or minutes. They are an impressive snapshot of that which all people experience, namely, the profound feelings about love, hate, death and the associated fears and longings. Essentially, no further image analysis is necessary, as “the pictures alone should be expressive enough to start something moving.” Caderas paints his pictures directly with his fingers, without using any utensils. Sometimes the colour is churched up with wild scratch marks, according to his feelings, and sometimes calmed by soft strokes. Nothing is decided, everything happens. “My mind and my hands lead me over the paper; I don’t have to think at all, because they lead me. Just a filled emptiness, everything is thrown away. The fingertips soft, sometimes scratching hard, swift, spontaneous, then finely, almost no space between the piece of paper and my fingertip. These are magical moments, death, love, longings all jump on the piece of paper.” Claudia Wilhelm





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Objekte



Eisenobjekte Als Objektkünstler wählt Caderas wie auch in seiner Malerei stark reduzierte Formen und vereint darin Schlichtheit mit immenser Ausdruckskraft. Bei der Herstellung seiner handgeschmiedeten, massiven Eisenobjekte fließt wie beim Malen der Hasen augenblickliches Empfinden unmittelbar in künstlerisches Schaffen. Form und Oberflächenstruktur seiner Würfel, zylinderförmigen Gefäße und Schalen entstehen durch die spontane Freisetzung seiner emotionalen Kraft. Das Eisen wird von dem Künstler stets unter Berücksichtigung seiner natürlichen Beschaffenheit bearbeitet. Was dem Betrachter wie ein Stück gefundene Natur anmutet, ist in Wirklichkeit das Ergebnis eines unermesslichen Kraftaufwandes. Jedes Objekt ist das Resultat eines eigenen, äußerst dynamischen Schmiedeprozesses. Unterschiedliche Rhythmen von Hammerschlägen bewirken von Objekt zu Objekt immer wieder andere Muster und Strukturen. Bisweilen verursacht die gewaltige Wucht der Hammerschläge eigenwillig gebrochene Kanten. Dabei bleibt die Grundsymmetrie der kompakten Form bestehen, verliert aber an Strenge und gewinnt an Natürlichkeit. Jedes Objekt ist ein Unikat und so verschieden der Charakter jedes Werkes auch ist, allen gemeinsam ist die samtige Oberfläche, die sich auf eindrucksvolle Weise so anschmiegsam anfühlt, dass sie eher an geformten Ton als an geschmiedetes Eisen erinnert. Caderas bearbeitet das Material Eisen so, dass ein völlig neuer Eindruck entsteht, nämlich der der Leichtigkeit. Beim Berühren der Objekte wird man überrascht von der tatsächlichen Schwere und Massivität, die gepaart ist mit Weichheit, Wärme und Geschmeidigkeit. Alle Eisenobjekte werden am Ende der Fertigung in warmen Abstufungen von Braun bis Schwarzbraun patiniert. Diese erdverbundenen Farbtöne verlangen geradezu nach wiederholtem Fühlen und Berühren und nach unmittelbarem Kontakt mit dem Gegenstand. Die Objekte erhalten durch die Hände des Betrachters mit der Zeit einen matten Glanz, Individualität und Lebendigkeit, wodurch umso mehr die natürliche Schönheit des Materials betont wird. Darüber hinaus haben alle Objekte auch eine spezifische Funktion. Während die Würfel als spielerisches Element zum Bauen und interaktiven Gestalten von immer wieder neuen Kompositionen animieren, dienen die zylindrischen Gefäße als Vase. Die minimale Vertiefung bei den Schalen reicht aus, um aus dem Gegenstand ein Gefäß zu machen, welches ohne zusätzlichen Boden auf der gerundeten Unterseite zu schweben scheint. Alle Objekte sind handsigniert mit dem Namen des Künstlers sowie dem Datum und Ort des Entstehens. Die Würfel sind zusätzlich chronologisch durchnummeriert. Claudia Wilhelm

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Iron objects As an object artist Caderas, as in his paintings, chooses strongly reduced forms and combines in them simplicity and immense power of expression. When he produces, by hand, his solid iron objects, as in his paintings of hares, momentary feeling flows directly into artistic creation. The spontaneous liberation of his emotional power produces the form and texture of his cubes, cylinder-shaped vessels and bowls. The artist always works the iron taking into consideration its natural composition. What appears to the observer as a piece of nature that has been found is in reality the result of an immeasurable application of strength. Each object is the result of one particular, extremely dynamic production process. Different rhythms of hammer strokes constantly create different patterns and textures from object to object. At times the powerful impact of the hammer strokes causes unique broken edges. While the basic symmetry of the compact form remains intact, it loses strictness and gains naturalness. Each object is unique and as different as the character of each work may be, they all have in common a velvety surface so impressively soft to the touch that it reminds us more of moulded clay than iron. Caderas processes the material iron in such a way that it conveys a completely new impression, namely, that of lightness. When we touch the objects we are surprised by the actual weight and solidness, which is coupled with softness, warmth and suppleness. Following production, the artist patinates all the iron objects in warm shades from brown to brownish-black. Precisely these earthy tones call out to us to repeatedly touch and feel them and to make direct contact with the object. In time, the objects take on a matte shine, individuality and vitality owing to the touch of the observer, which emphasizes even more the natural beauty of the material. In addition, all the objects have a specific function. While the cubes, as a playful element, animate people to design and build ever new compositions interactively, the cylindrical vessels serve as a vase. The minimal depression in the bowls is sufficient to make the object into a vessel, which, without an additional base, seems to float on the rounded underside. All the objects are signed by hand with the artist’s name and the date and place of the production of the object. The cubes are also numbered chronologically. Claudia Wilhelm

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Andreas Caderas, geboren 1955, lebt und arbeitet in Basel, Schweiz


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Abbildungen 9

Nr. 2540, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 2915, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 2911, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 2824, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 2493, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 2884, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 2696, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 2538, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 2530, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 4046, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 2938, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 3525, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 2472, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 2608, 2003

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

35 - 2

Nr. 2412, 2004

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

35 - 3

Nr. 2299, 2003

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

35 - 4

Nr. 2725, 2003

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

35 - 5

Nr. 2321, 2003

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

35 - 6

Nr. 2262, 2003

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Nr. 644, 2003

Öl und Graphit auf Papier

25 x 35 cm

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Würfel, 6 Stück, 2000

Eisen, handgeschmiedet

5 x 5 x 5 cm

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Würfel, 15 Stück, 2000

Eisen, handgeschmiedet

5 x 5 x 5 cm

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Würfel, Nr. 33, 2000

Eisen, handgeschmiedet

5 x 5 x 5 cm

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Gefäß, Nr. 6, 17.4.2000

Eisen, handgeschmiedet

30 x 8 cm

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Gefäß, Nr. 12, 1999

Eisen, handgeschmiedet

33,2 x 8,8 cm

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Gefäß, Nr. 8, 1999

Eisen, handgeschmiedet

33,2 x 9,3 cm

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Gefäß, Nr. 7, 1999

Eisen, handgeschmiedet

33,1 x 9,2 cm

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Schale, 14.5.2001

Eisen, handgeschmiedet

7 x 30 cm

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Schale, 17.10.2001

Eisen, handgeschmiedet

6,5 x 31 cm

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© 2008 Galerie Friedrich Müller, Frankfurt www.japan-art.com Text: Claudia Wilhelm Übersetzung: Dr. Jeremy Gaines Fotografie: Galerie Friedrich Müller Gestaltung: Alexander Müller Druck: Colour Connection GmbH, Frankfurt Auflage: 300