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Foto: Ole Stichling

P f l ege & ges u n dheit

Alt werden fern der Heimat Im Rahmen der IBA Hamburg auf den Elbinseln entsteht derzeit ein deutschlandweit einzigartiges Modellprojekt, das sich dem interkulturellen Zusammenleben von Senioren widmet. v o n

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erade hier in Wilhelmsburg ist der Bedarf für Altenwohnungen momentan riesig“, sagt Leyla Yagbasan, die Betreiberin des seit 13 Jahren vor Ort ansässigen Pflegedienstes Multi-Kulti. Und das, obwohl Wilhelmsburg als Stadtteil mit einer vergleichsweise jungen Bevölkerung gilt. Aber auch hier rückt verstärkt die wachsende Gruppe von Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund in den Blickpunkt: mehr als die Hälfte sind türkischer Herkunft. Immer weniger von ihnen kehren im Alter in die Heimat zurück und immer weniger können oder wollen in der Familie gepflegt werden. Dennoch ist der Wunsch groß, in der Nachbarschaft und im angestammten sozialen Umfeld wohnen zu bleiben. Für die Menschen im bunten und lebendigen Wilhelmsburger Reiherstiegviertel gibt es in Kürze ein entsprechendes Angebot: Das Veringeck. Das Konzept sieht das offene Zusammenleben von Senioren verschiedener Nationalitäten in Altenwohnungen sowie einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft für türkischstämmige Demenzkranke vor. Darüber hinaus will das Projekt mit seinem Konzept auch als Begegnungsort in dem vielfältigen Stadtteil Wilhelmsburg wirken. Auf zwei von vier Etagen des Neubaus entstehen derzeit 23 altengerechte Wohnungen, in denen ab Herbst 2011 Senioren aller Nationalitäten und Kulturen leben werden und, je nach individuellem Bedarf, ambulante Pflegeleistungen

in Anspruch nehmen können. „Es handelt sich nicht um eine stationäre Pflegeeinrichtung, sondern um ein Haus mit einem bewusst offenen Charakter und einer lebendigen Hausgemeinschaft“, sagt Investor Hauke Stichling-Pehlke von der Veringeck GbR. „Die Angehörigen können in das Alltagsleben einbezogen werden und wir erhoffen uns, dass es durch die Gestaltung des Gebäudes auch zu Begegnungen mit der Nachbarschaft kommt“. Dafür werden im Erdgeschoss neben einer Altentagesstätte auch ein Café und ein türkisches Dampfbad (Hamam) für Bewohner und Öffentlichkeit errichtet. miteinander der K ulturen o hne K o nflikt

In der dritten Etage wird eine WohnPflege-Gemeinschaft speziell für demente türkische Senioren eingerichtet, die rund um die Uhr vom Pflegedienst Multi-Kulti betreut wird.

Da für demenziell Erkrankte eine vertraute Umgebung wichtig ist, wird bei Zusammenleben und Pflege in Sprache, Küche und Alltagsgestaltung die Herkunft der Bewohner berücksichtigt. Für türkisch-muslimische Senioren ist es eines der ersten Projekte seiner Art, weshalb das Veringeck auch als Pilotprojekt durch die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (BSG) und die IBA Hamburg mitentwickelt und gefördert wird. Für IBA-Geschäftsführer Uli Hellweg stellt das Veringeck im Rahmen des IBA Leitthemas „Kosmopolis – Internationale Stadtgesellschaft“ einen zentralen Baustein dar: „Denn zum konfliktfreien Zusammenleben der Kulturen gehören auch im Alter sowohl gemeinsame Räume und Angebote zur Begegnung als auch Möglichkeiten und Nischen, um sich zurückziehen zu können. Das Veringeck erfüllt diesen Anspruch mit seinem Gebäude- und WohnPflege-Konzept vorbildlich“. <<

 Multi-Kulti Pflegedienst Veringstraße 29 21107 Hamburg Tel. (040) 75665940 Fax (040) 75665969

 Internationale Bauausstellung IBA Hamburg Am Zollhafen 12 20539 Hamburg Tel. (040) 226 227-242 Fax (040) 226 227-315 www.iba-hamburg.de

Viele Blickbeziehungen in den Stadtteil: Die Gestaltung des Veringecks ist das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs, ab Herbst 2011 leben hier Senioren aller Nationalitäten und Kulturen zusammen. Visualisierung: Gutzeit+Ostermann ­Architekten

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Ausgabe 1.2011

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