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P o l itik & G ese l l s c haft

>> Dreh- und Angelpunkt des Gemeinschaftlebens ist heute wie vor 90 Jahren der Siedlerverein. „Wir haben hier eine richtige, funktionierende Nachbarschaft mit allem Drum und Dran“, freut sich Sonja Setzepfand. „Wir leben hier wirklich wie in einem kleinen Dorf.“ Sonja Setzepfand, Vorsitzende des Siedlervereins und seit 28 Jahren Börnerin.

„ H ier lernt man T o leranz “

Und wenn es doch mal irgendwo Knies gibt, dann kümmert sich ein gewählter Schlichter darum, dass die Sache gütlich aus der Welt ge-

schaffen wird. Aber sehr viel gibt es für ihn nicht zu tun. „Wer in der Siedlung wohnt, der lernt Toleranz“, freut sich die Vereinsvorsitzende. Gemeinsame Aktivitäten wie Sommerfest und Siedlerball in der Aula des nahen Gymnasiums Heidberg, die der Verein organisiert, bringen die Bewohner regelmäßig übers Jahr zusammen. Gerade erst wurde das ehemalige Kino Langenhorner Lichtspiele an der Tangstedter Landstraße zum Kulturzentrum „LaLi“ umgebaut. Dort bringt die Theatergruppe Börner Speeldeel, zu-

sammen mit Siedlung und Verein ebenfalls gerade 90 Jahre alt, jedes Jahr ein plattdeutsches Stück und ein Weihnachtsmärchen auf die Bühne. Die Siedlung in Langenhorn und ihre Geschicke müssen Schumacher sehr am Herzen gelegen haben. Denn zum 25jährigen Bestehen schickte er, von den Nazis entmachtet und kränkelnd, aus Lüneburg ein Gedicht, das er den Siedlern gewidmet hatte. An dem bunten Leben in der Siedlung, die seinen Namen trägt, hätte er ohne Zweifel seine helle Freude. <<

Rot gegen grau Kein anderer Architekt hat das Bild Hamburgs ähnlich geprägt wie Fritz Schumacher. Er ist unbestritten einer der größten Architekten und Stadtplaner des 20. Jahrhunderts. Und nicht wenige stellen ihn angesichts der Vielfalt seines Wirkens in eine Reihe mit dem preußischen Baumeister Friedrich Schinkel.

Schumacher hat viele Gebäude entworfen, die Finanzbehörde, die Schule Krausestraße in Dulsberg und die Grundbuchhalle (v.l.) sind nur einige davon.

V o n H ei n r i c h G r o ssb o n ga r dt

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 Fritz-SchumacherGesellschaft e.V. c/o Hochschule für bildende Künste Lerchenfeld 2 22081 Hamburg Gesellschaft. fritzschumacher.de

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in Traumjob im eigentlichen Sinne war es nicht, 1909 Baudirektor in Hamburg zu werden. Natürlich war es eine großartige Aufgabe, die Entwicklung dieser dynamischen Stadt zu gestalten. Aber Entscheidungen fielen hier nur mühsam. Doch der 40jährige Schumacher wollte die Herausforderung und meisterte sie nicht zuletzt, weil er einen scharfen Geist hatte und ein glänzender Rhetoriker war.„Durch seine Sprachgewalt konnte er sich in dieser schwer zu regierenden Stadt durchsetzen“, erzählt Prof. Hans-Günther Burkhardt, Vorsitzender der Fritz-Schumacher-Gesellschaft. Untrennbar mit Schumachers Namen verknüpft ist die Verwendung von rotem Backstein als Baumateri-

al für die Fassaden. Die 20 mal 10 Zentimeter großen Backsteine mit ihrem lebendigen Farbenspiel waren ein Material, mit dem die Architekten durch unterschiedliches Mauern schmuckvolle Fassaden schaffen konnten. Manche dieser Häuser mögen heute vielleicht etwas düster wirken, doch damals war das ganz anders. „Man muss sich das Hamburg jener Tage als ziemlich grau vorstellen“, erzählt Burkhard. Die Farbigkeit, die den Fassaden von Gründerzeithäusern ihre Lebendigkeit verleiht, ist eine Erfindung der Neuzeit. Die einzige Farbe war der weiße Kalkanstrich der Reedervillen, der in der von Ruß geschwängerten Luft aber auch nur zwei oder drei Jahre hielt. Eine Riesenaufgabe war es, des ra-

schen Bevölkerungswachstums Herr zu werden. 1900 hatte die Hansestadt 700.000 Einwohner, zehn Jahre später schon über 900.000. Ihnen wollte Schumacher eine Heimat geben. „Wer die Stadt als Lebewesen empfand, musste bald erkennen, dass dies Wesen im tiefsten Kern krank war und dass man dieser Krankheit nur durch organische Eingriffe Herr werden konnte. Es handelte sich um eine soziale Aufgabe von größtem Ausmaß“, schrieb er später. Wie er sich das vorstellte, kann man heute noch in der Jarrestadt, in Dulsberg, auf der Veddel und in der Fritz-Schumacher-Siedlung in Langenhorn sehen. Auch der Stadtpark trägt seine Handschrift; das Planetarium und das Landhaus Walter

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