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P o l itik & G ese l l s c haft

Das kleine, grüne Paradies „Mein Name ist Jeason, Börner in der dritten Generation. Ich bin glücklich, in ein kleines Paradies hineingeboren zu werden“, heißt es in der Geburtsanzeige auf der Rückseite der aktuellen Ausgabe des Langenhorner Heimatblatts „De Börner.“ Das kleine Paradies, das ist die Fritz-Schumacher-Siedlung in Langenhorn und Börner nennen sich ihre Bewohner. Heinrich Großbongardt hat sie besucht.

V o n H ei n r i c h G r o ssb o n ga r dt

A

Bernd Brunhöver , Vorstand der Genossenschaft der FritzSchumacher-Siedlung.

ls Börner der dritten Generation gehört der kleine Jeason fast noch zu den Neubürgern. „Als wir im vorigen Sommer ein Zelt für ein Fest aufstellten, hatten wir plötzlich aus einer Familie fünf Generationen dabei“, erzählt Sonja Setzepfand, Vorsitzende der Gemeinschaft der Fritz-Schumacher-Siedlung und damit sozusagen Oberbörnerin. Sie lebt hier erst seit 28 Jahren. Wer hier einmal wohnt, will nicht wieder weg.

Die Fritz-Schumacher-Siedlung, das sind 660 Wohnungen in adretten zweigeschossigen Reihen- und Doppelhäusern, von denen jedes einen Streifen Garten mit 700 bis 800 Quadratmetern hat. 50 Hektar groß ist die Siedlung mit ihren knapp 2.500 Einwohnern. Was in Zeiten städtebaulicher Verdichtung und horrender Grundstückspreise wie der pure Luxus erscheint, ist ein in vieler Hinsicht richtungweisendes städtebauliches Projekt – nicht nur,

weil es sich hier um den ersten staatlichen Wohnungsbau in Hamburg handelt. Für Fitz Schumacher, den Namensgeber der Siedlung und damaligen Baudirektor Hamburgs, war sie ein Gegenentwurf zu dem Massenwohnungsbau mit den berüchtigten Hamburger Knochen, wie sie zu jener Zeit gang und gäbe waren. Im Bauboom um 1900 hatten Spekulanten die baupolizeilichen Vorschriften so zurechtgebogen und den Baugrund derart extrem ausgenutzt, dass viele Zimmer aus dem schmalen Seitenhof kaum noch Licht und Luft hatten. In Arbeitervierteln wie Eimsbüttel, Borgfelde oder Hamm täuschten mit Stuck verzierte Jugendstilfassaden Gediegenheit vor, dahinter aber herrschte drangvolle Enge mit teilweise vier winzigen Wohnungen pro Etage. Und wo die Wohnungen größer waren, lebte nur selten eine Familien allein darin. E ine W o hnung für jede F amilie

Schumacher war der festen Überzeugung, dass jede Familie ihre eigene ausreichend bemessene Wohnung braucht. Stadtplanung, Wohnu ngsbau u nd d ie Lösu ng der sozialen Probleme waren für ihn untrennbar miteinander verbunden. Wohnen für die kleinen Leute betrachtete er als zentrales Pro22

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Ausgabe 1.2011

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