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PROZESS Ein Freispruch für Jörg

„BMW CHARITY“ Sänger Hans-

Kachelmann wird immer wahrscheinlicher. ➤ SEITE 12

SEITE 1 FREITAG, 6. MAI 2011

RENNSPORT Bernie Ecclestone

Jürgen Buchner und andere Promis sammeln heute Spenden. ➤ SEITE 6 ●

bangt um sein Formel-1Imperium. ➤ SEITE 17

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Blüten erfroren: Beim Wein droht Totalausfall

Obama gedenkt der Terroropfer am Ground Zero

Der Jahrgang 2011 des Weins von der Donau im Raum Regensburg wird sehr, sehr mager ausfallen: In der Nacht zum Mittwoch hat der Frost einen Großteil des hiesigen ➤ SEITE 25 Weins vernichtet. ●

US-Präsident Barack Obama hat gestern in New York der etwa 3000 Opfer der Terroranschläge vom 11. September gedacht. „Wir können die Freunde,

GERICHT

64-Jähriger leugnete den Holocaust Ein Senior hatte in einer Pause des Prozesses gegen Holocaustleugner Richard Williamson behauptet, für den Massenmord der Nazis gebe es keine Beweise. Nun ist er selbst angeklagt. ➤ SEITE 25 ●

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SEITE 12 SEITE 15 SEITE 22 SEITE 24 SEITE 21 SEITE 42 SEITE 20 ●

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Milliarden geben LibyenKontaktgruppe nötigen Spielraum. Der Diktator lässt unterdessen Flüchtlinge beschießen. Die internationale Libyen-Kontaktgruppe will einen Hilfsfonds zur finanziellen Unterstützung der Gaddafi-Gegner einrichten. Darauf verständigten sich die Außenminister aus mehr als 20 Ländern gestern in Rom. In den Treuhand-Fonds soll Geld aus dem Milliarden-Vermögen von Machthaber Muammar alGaddafi einfließen, das im Ausland eingefroren wurde. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte in Rom, das Geld von den eingefrorenen Konten stehe nicht dem Ausland, sondern „dem libyschen Volk“ zu. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Gelder aus diesem Reichtum zum Volk finden, um das Leid zu lindern.“ Zugleich sprach sich

ROM/TRIPOLIS.

BÖRSE

derlegte (Foto: afp). Dort hatten Terroristen vor fast zehn Jahren zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme ➤ SEITE 2 des World Trade Center gesteuert.

Gaddafis Vermögen fließt an die libyschen Rebellen BÜRGERKRIEG Eingefrorene

INHALT

die wir verloren haben, nicht zurückbringen“, sagte er in der Feuerwache „Pride of Midtown“, die er besuchte, bevor er am Ground Zero einen Kranz nie-

die Kontaktgruppe abermals dafür aus, die Suche nach einer politischen Lösung voranzutreiben. Bei einem Treffen im Golfstaat Katar hatte sich die Gruppe bereits Mitte April darauf verständigt, die Einrichtung eines „Temporären Finanzmechanismus“ für den Nationalen Übergangsrat der Rebellen zu prüfen. Der Fonds soll strengen Kontrollmechanismen unterliegen. Der Übergangsrat mit Sitz in Bengasi hat das Ausland um Kredite in Milliardenhöhe ersucht. Bei dem Treffen in Rom war ●

DAUERFEUER AUF GADDAFI

➤ In der fünften Woche des LibyenEinsatzes fliegt die Nato fast ununterbrochen Luftangriffe. Das Nato-Hauptquartier berichtete gestern über insgesamt 62 Luftschläge auf die Hauptstadt Tripolis sowie die Städte Misrata, Ras Lanuf, Al-Sintan und Sirte. ➤ Insgesamt hat das Militärbündnis seit dem 31. März 2042 Einsätze geflogen. Während der letzten 34 Tage gab es im Durchschnitt täglich 59 Luftangriffe gegen Gaddafis Armee. (dpa)

auch sein Vorsitzender Mahmud Dschibril dabei. Wenige Tage nach der Ausweisung des libyschen Botschafters aus London hat Großbritannien zwei weitere Diplomaten der libyschen Botschaft zum Verlassen des Landes aufgefordert. Die Ausweisung sei ein Mittel, weiteren diplomatischen Druck auf das Regime von Machthaber Muammar al-Gaddafi auszuüben, sagte eine Sprecherin am Donnerstag am Regierungssitz Downing Street 10. Mehr als 1000 Flüchtlinge aus der von Gaddafi-Truppen belagerten Stadt Misrata kamen am Donnerstag in Bengasi an. Die von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) gecharterte Fähre „Red Star One“ habe am Morgen im Hafen der Rebellen-Hochburg festgemacht. Wegen des heftigen Beschusses durch Gaddafis Truppen und Minen in der Hafeneinfahrt hatte die Fähre fünf Tage vor der Küste Misratas gelegen. Eine Afrikanerin und ihre zwei Kinder wurden dabei getötet. Die IOM wollte vor allem Gastarbeiter aus der Stadt herausbringen. (dpa) ➤ SEITE 3

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SUBVENTION Regierungskreise bestätigen Förderprogramm

Die Einführung von ElektroAutos in Deutschland soll nun doch vom Staat gefördert werden. Entsprechende Überlegungen wurden gestern in Koalitionskreisen bestätigt. Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen. Ein entsprechendes Regierungsprogramm sei Ende Mai zu erwarten. Die Autoindustrie fordert seit Monaten eine Anschubfinanzierung der noch teueren E-Autos. Laut „Bild“ sollen E-Autos künftig zehn Jahre steuerfrei bleiben. Außerdem sollen tausende E-Autos für Behörden angeschafft und die Forschungsförderung für die Industrie auf eine Milliarde Euro verdoppelt werden. Für E-Autos als Dienstwagen soll die „Ein-Prozent-Regelung“ so gestaltet werden, dass ihre Anschaffung finanziell so attraktiv ist wie die von herkömmlichen Modellen. (dpa) BERLIN.

nr. sieben Wochenendausgabe

MORGEN IN DER MZ

WETTER

Doch Geld für E-Autos

URTEIL Bundesverfassungsgericht setzt Bundesländer zeitlich und finanziell unter Druck

Neue Gebäude, mehr Therapeuten, mehr Bewacher: Die Länder rechnen mit hohen Kosten für die Reform der Sicherungsverwahrung, die das Bundesverfassungsgericht verlangt. Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) kritisierte, das Verfassungsgericht habe bisher den Sicherheitsbedürfnissen der Bevölkerung Vorrang gegeben, „jetzt stärkt es das Freiheitsrecht des Täters“. Der Vorsitzende des Bundestags-InnenausschusBERLIN.

ses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte, auf die Gerichte und Gutachter werde viel Arbeit zukommen. Sie müssten künftig noch einmal prüfen, ob ein Straftäter nur weiter gefährlich oder hochgefährlich und gestört sei. „Wie man diese Unterscheidung künftig ziehen soll, ist mir unklar“, sagte er. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sieht nun vor allem die Länder in der Pflicht: „Das heißt jetzt: neue Anstal-

ten bauen, viel Geld investieren und vor allen Dingen Therapieangebote verbessern, um immer die Perspektive der Freilassung zu haben.“ Allein Hessen geht von Mehrkosten von mehreren Millionen Euro für die geforderte Unterbringung aus. Derzeit sitzen etwa 500 Männer und Frauen in Sicherungsverwahrung. Karlsruhe hatte dem Gesetzgeber eine Übergangsfrist bis zum Mai 2013 eingeräumt. (dpa)

Gute Mi(e)ne zum Bleistift

Morgen widmen wir uns in der „nr. sieben“ dem Bleistift. Er gibt Ideen Kontur, behauptet den Platz hinterm Ohr des Zimmermanns und markiert, wo der Nagel rein muss. Bei ihm gibt es nicht nur schwarz und weiß. Er begleitet Praktiker und Theoretiker, Kinder und Künstler. Zum Beispiel den Zeichner Hans Traxler, den MZ-Autorin Angelika Sauerer in Frankfurt besuchte. Für die Bilder dieser Ausgabe haben die Studenten der Akademie Regensburg ihre Stifte gespitzt und die Seiten gestaltet.


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FREITAG, 6. MAI 2011

THEMEN IM BLICKPUNKT

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Obamas „bittersüßer Moment“

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MITTELBAYERISCHE ZEITUNG

WELTWIRTSCHAFTSFORUM ●

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Aus Visionen sollen Taten werden – die Skepsis aber ist berechtigt

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GROUND ZERO Der US-Präsident ist nach dem Tod Bin Ladens an den Ort gereist, an dem die Geschichte begann. ●

VON DANIEL SCHNETTLER UND ELISABETH GRÜNDER, DPA ●

„Wir können die Freunde, die wir verloren haben, nicht zurückbringen.“ Barack Obama steht im Gerätehaus der Feuerwache „Pride of Midtown“ in New York, als er diese Worte spricht. Die Feuerwehrleute lauschen ihm. 15 ihrer Kameraden hatten vor zehn Jahren ihr Leben verloren, als die Türme des World Trade Center einstürzten, nachdem Flugzeuge in sie hineingerast waren. Dann fährt er zum Ground Zero weiter. Es ist eine seltsame Stimmung, die die ganze Stadt erfasst hat. Viele New Yorker empfinden Freude und Genugtuung über den Tod des Terroristenführers. Andererseits trauern die Menschen um die Opfer der Anschläge vom 11. September. „Es ist ein kleines Stückchen Freude in einem Jahrzehnt des Leids“, kommentiert Sally Regenhard den Tod Bin Ladens. Sie hat ihren Sohn Christian verloren – er war einer der Feuerwehrleute, die versucht hatten, die Menschen aus den Türmen zu retten. „Ich empfinde eine gewisse Genugtuung, aber das wird niemals die Trauer und die Schmerzen aufwiegen, mit denen wir leben müssen“, sagt sie.

NEW YORK.

Obama hat Versprechen gehalten

Der Präsident habe sein Versprechen gegenüber den Opfern gehalten. Mindestens genauso viel bedeuten ihr die Menschen, die sich rund um Ground Zero eingefunden haben, an dem Obama einen Kranz im Gedenken an die Opfer niederlegt. „Einige Familien hatten das Gefühl, dass sie langsam vergessen werden, aber diese wunderbare Anteilnahme zeigt, dass die Menschen sie nicht vergessen.“ Es ist das erste Mal, dass Obama als Präsident diesen Ort besucht. Obama wolle diesen „wichtigen und bedeutsamen Augenblick“ mit den Angehörigen der Opfer verbringen, sagt sein Sprecher Jay Carney. „Einen bittersüßen Augenblick“, wie er ergänzt. Nancy Santana gehört zu denjenigen, denen Obama Mut zuspricht. Sie hat ihren Sohn Victor verloren, als der zweite Turm einstürzte. Er arbeitete im Restaurant in der Spitze des Gebäudes. „Er war 23 Jahre alt“, sagt Nancy Santana. Ob sie Genugtuung empfinde, nachdem Bin Laden tot sei? „Nein, es macht keinen Unterschied“, sagt sie. „Sie haben ihn getötet und er wird nicht zurückkehren.“ Gefühl von Hoffnung und Neuanfang

Eine Gedächtnisstätte an Ground Zero soll an die Opfer erinnern. Ihre Namen werden in Bronzetafeln eingraviert, die rund um zwei riesige Wasserbecken angebracht werden – dort, wo früher die Türme standen. Noch ist der Ort des Gedenkens aber eine riesige Baustelle. Neue Hochhäuser wachsen. Am 11. September, wenn sich die Tragödie zum zehnten Mal jährt, ist die Eröffnung der Gedenkstätte geplant. Der Tod von Bin Laden rückt den Ort in ein neues Licht. Seit dem 11. September 2001 gilt Ground Zero vor allem als Symbol von Terror und Leid. Nun überwiegt das Gefühl von Hoffnung und Neuanfang. Der neue „Freedom Tower“ wird mit seinen 541 Metern die ehedem 411 Meter hohen Zwillingstürme noch überragen. Es gibt aber auch kritische Stimmen, wie Ryan. „Es ist ein kleiner Sieg, aber es hat sich nicht viel geändert“, sagt der junge Mann. „Wir sind immer noch in Afghanistan, wir sind immer noch im Nahen Osten und im Irak. Und es gibt immer noch Terrorismus.“ An diesem Tag dürfte Ryan aber wenig Gehör finden. Um ihn herum jubeln die Menschen, als Obama eintrifft.

Versprechungen statt Verbesserung: Die großen Ankündigungen afrikanischer Politiker erwiesen sich häufig als reine Propaganda.

Foto: dpa

Afrika zwischen Reden und Realität zählt Ikri. Die Shell-Manager wissen von dem nächtlichen Handwerk, aber tolerieren es. Das Nigerdelta gilt als das eindrucksvollste Beispiel für den Schaden, der Rohstoffreichtum in Afrika anrichten kann. Der Kontinent verfügt über zehn Prozent der weltweiten Ölreserven, 40 Prozent des weltweiten Goldes und knapp 90 Prozent der Vorräte an Chrom- und Platinmetallen. Eine breite Basis für eine rasche Steigerung des Lebensstandards. Doch der Weg aus der Armut entpuppt sich allzu oft als Sackgasse. Auf der einen Seite sind da die nackten, fast verheißungsvollen Zahlen: Der Unternehmensberatung McKinsey zufolge waren natürliche Rohstoffe für ein Viertel des afrikanischen Wirtschaftswachstums zwischen den Jahren 2000 und 2008 verantwortlich. Eine erfreuliche Bilanz, sagen die Ölmultis. Den Alltag bestimmen jedoch Menschen wie Helen Ikri. Sie ging wie die

ENTWICKLUNG In Kapstadt

wird beim Weltwirtschaftsforum der Aufschwung des Kontinents beschworen – von dem allerdings noch wenige profitieren. ●

AUS NIGERIA VON UNSEREM KORRESPONDENTEN CHRISTIAN PUTSCH ●

Die Schritte scheppern auf dem Eisensteg, mit jedem einzelnen wird es heißer. Golden erleuchten schließlich riesige Flammen die nigerianische Nacht. Sie geben den Blick frei auf Helen Ikris Arbeitsplatz. Zwei riesige Abfackelanlagen speien Abgase der Erdölförderung in die Luft, gigantische Flammenwerfer inmitten des nigerianischen Dschungels. Die 35-jährige Nigerianerin trägt ein kurzärmliges Hemd. Es war einmal weiß, Schweiß, Öl und Erde haben sich zu einem fleckigen Grau vermischt. Seit dem Ende des Gottesdienstes am Mittag steht sie hier und versucht, ein wenig von der Ölförderung des Landes zu profitieren.

KAPSTADT/ABUJA.

Indirekt wohlgemerkt – und illegal. Die Mutter von fünf Kindern trocknet auf dem Grundstück des Mineralölkonzerns Shell Kassavas: gemahlene Wurzelknollen zu einer Art Brot. „Hier legen wir es auf Holzplatten vor die Flammen, so dass es nicht Tage, sondern nur sechs Stunden dauert“, er-

DAS WELTWIRTSCHAFTSFORUM

➤ Das World Economic Forum in Kapstadt beschäftigt sich mit wichtigen Fragen der wirtschaftlichen Weichenstellung in Afrika. Unter anderem soll diskutiert werden, wie die Handelsbeziehungen zu internationalen Partnern ausgebaut werden können und wie sich das Wachstum im Land vorantreiben lässt. ➤ Veranstalter ist eine in Cologny im Kanton Genf ansässige gemeinnützige Stiftung des deutschen Wirtschaftswissenschaftlers Klaus Schwab, die in ers-

Riesige Potenziale, kaum Fortschritt

meisten in der Gegend nur vier Jahre zur Schule. Seitdem half sie ihrer Mutter beim Kassava-Trocknen. Sie leidet seit Jahren unter Kopfschmerzen und Husten. Vermutlich wegen der Gase, so genau weiß das niemand – der nächste Arzt ist Stunden weg. Ihre Familie lebt ohne Strom und fließendes Wasser in einer kleinen Hütte. Wie in vielen Ländern profitieren kleine Eliten von den Handelserlösen der natürlichen Ressourcen. Schlimmer noch: In ländlichen Gegenden bleibt nicht nur das Problem, dass Geld ankommt. Neben der Umwelt werden durch die Fokussierung auf Öl auch noch andere Industrien kaputt gemacht, wie die Landwirtschaft. Denn die Nachfrage nach Öl ist so gewaltig, dass die staatliche Förderung anderer, manchmal jahrhundertealter Wirtschaftszweige, ausbleibt. Oder, ebenso dramatisch, der Ausbau des Dienstleistungssektors verschlafen wird. Längst ist in Ländern wie Nigeria, Äquatorialguinea, dem Kongo, Su-

Sichere und unsichere Aussichten

Über die Gründe des ungenutzten Potenzials debattieren Generationen von Experten. „Von der Vision zur Aktion“, heißt das Thema der Weltwirtschaftskonferenz in Kapstadt, bei der seit Mittwoch 700 Experten und zahlreiche Spitzenpolitiker tagen. Es bleibt abzuwarten, ob Letztere die Empfehlungen in die Tat umsetzen werden. Die Kassava-Verkäuferin Helen Ikri jedenfalls hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden. „Ich arbeite jeden Tag. Morgens um sechs Uhr komme ich auf die Anlage, abends um elf gehe ich“, erzählt sie. „Nur an Weihnachten bleibe ich einige Tage zu Hause.“ Ein wenig Hoffnung bleibt, dass es ihren fünf Kindern einmal besser gehen wird. Die jüngsten Töchter Ruro und Mercy, 13 und acht Jahre alt, gehen noch zur Schule. Doch wenn sie nach Hause kommen, helfen sie ihrer Mutter auf der Abfackelstation. So wie Helen Ikri selbst vor 25 Jahren damit begonnen hat, ihre Mutter zu den Flammen zu begleiten. Sollte alles normal laufen, werden sie ihrem Weg folgen.

ter Linie für das von ihr seit 1971 veranstaltete Jahrestreffen bekannt ist, das alljährlich in Davos stattfindet. ➤ Afrikas Wirtschaftsleistung wuchs im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent, 2011 sollen es 5,3 Prozent werden, so der Internationale Währungsfonds (IWF). ➤ Aber der Boom ist nach wie vor vor allem der Ausbeutung und dem Export der Bodenschätze des Kontinents wie Öl, Uran, Titan oder Gold zu verdanken.

KOMMENTAR

dan und Angola Erdöl mit großem Abstand der wichtigste Exportfaktor. Natürlich: Insgesamt hat die Zahl der Kriege in Afrika abgenommen, auch die Armut in vielen Ländern. Doch es gibt auch besorgniserregende Kennzahlen. Der Anteil der Industrieproduktion am Bruttosozialprodukt sank in 20 Jahren von 15 auf zehn Prozent, berichtete die Afrika-Kommission. Im gleichen Zeitraum stieg er in Asien von 23,5 auf 30 Prozent.

Nur Transparenz schafft Perspektiven V

on der Vision zum Handeln – der Beginn eines neuen Kapitels in Afrika. Nobel klingt das Motto der Wirtschaftskonferenz. In den vergangenen Monaten aber machte der Kontinent wieder vor allem mit Kriegen von sich reden. Die wohl wichtigste Diskussionsplattform des Kontinents hat fraglos an Bedeutung gewonnen. Doch darf diese Bedeutung nicht überschätzt werden. Seit Jahrzehnten gibt das Forum Empfehlungen zur Verbesserung der „weichen Infrastruktur” – zum Beispiel, wenn es um die Ausbildung oder die Stärkung der Rolle der

Einnahmen einen hohen Frau geht. Zustimmung Anteil in Bildung. Doch gibt es dazu zuhauf von die Leistung der Schüler Afrikas Staatsoberhäupstagniert, wie auch die tern – zu oft bleibt es bei Lehrerausbildung. AuLippenbekenntnissen. ßerdem ist der Anteil der Nach den Aufständen Studenten im Vergleich in Nordafrika versuchen VON CHRISTIAN zu Asien erschreckend viele Staatsoberhäupter PUTSCH, MZ gering. Dabei entstünde den Eindruck zu erwenur über sie eine Mittelcken, fieberhaft an einer schicht, die dem Kontinent zu StabiliVerbesserung der Lebensverhältnisse tät verhelfen kann. zu arbeiten. Das mag in Teilen sogar Darin liegt der Kern des Problems. stimmen – es hapert jedoch an der Die trotz teils beeindruckender Umsetzung. Südafrika beispielsweise investiert mit fast acht Prozent seiner Wachstumszahlen allgegenwärtige ●

Armut ist weniger ein Resultat mangelnden Wissens als vielmehr mangelnder Implementierung. Immer wieder gilt die Konzentration der Machthaber der eigenen Machtsicherung. Das Weltwirtschaftsforum finanzieren Konzerne: Sie sollten auch in Transparenz investieren, wie etwa kostengünstiges Internet. Dann könnte das Weltwirtschaftsforum seine Botschaft stärker an die Jugend Afrikas richten. Sie ist von Armut und Arbeitslosigkeit am meisten betroffen – im Gegenzug läge dort das größte Potenzial zur Veränderung.


THEMEN IM BLICKPUNKT

MITTELBAYERISCHE ZEITUNG

Kurzer Ausflug in das Leben eines Stars CASTING Keiner der Vorjahres-

sieger bei DSDS ist heute Superstar. Trotzdem haben auch die Kandidaten der achten Staffel wieder große Hoffnungen. ●

VON CHRISTINE HEGEN, MZ ●

„Einmal aufstellen! Und jetzt die Siegerfaust!“ Diese Anweisungen konnten sich die Fotografen nach dem Halbfinale bei „Deutschland sucht den Superstar“ schenken. Kandidaten in Siegerposen vor blauer DSDS-Wand sind Kult, das Posieren nach jeder Show ist für die Kandidaten ein Ritual: „Ja, ich hab’s geschafft.“ Im Fall von Sarah Engels und Pietro Lombardi schließt sich noch ein zweites Foto an: der Kuss. Die beiden sind nicht das erste Pärchen, das sich durch die Sendung kennen und lieben gelernt hat. Allerdings werden sie an diesem Samstag das erste sein, das im Finale gegeneinander antritt. Die zwei 18-Jährigen träumen einen Traum: Sie wollen an die Chartspitze, sie wollen ihr Geld mit Musik verdienen und sie wollen berühmt sein, Stars.

REGENSBURG.

Kampf gegen das Casting-Image

Wie unrealistisch das ist, zeigt der Fall Mehrzad Marashi. Der talentierte Sieger des vergangenen Jahres ist bereits seit Monaten wieder in der Versenkung verschwunden. Von den insgesamt sieben Gewinnern sind nur noch zwei im Geschäft: Alexander Klaws als etablierter Musical-Darsteller und Mark Medlock als Gesicht und Stimme für den alljährlichen Bohlen’schen Sommerhit. „Langfristiger Erfolg ist sehr schwierig geworden im Musikbusiness, nicht nur für die Finalisten von DSDS“, sagt RTL-Pressesprecherin Anke Eickmeyer. DSDS sei lediglich Sprungbrett, ein Turbobeschleuniger in Sachen Popularität. Und hier liegt das Problem. Im DSDS-Mikrokosmos erleben die Kandidaten, wie es sich anfühlt, ein Star zu sein. In kurzer Zeit erreichen sie Höhen, die andere Künstler durch harte Arbeit nicht erreichen. Weil die Nachbarn zum Beispiel die Fanbelagerung nicht mehr aushielten, zogen die Sänger in dieser Staffel um. 15 000 Anhänger stürmten zu einer Autogrammstunde in ein Einkaufszentrum – es gab eine Massenpanik. Der harte Aufprall

Für die, die Woche um Woche aussortiert werden, ist der Aufprall auf dem Boden der Tatsachen umso härter. Aus der Glitzerwelt geht es zurück in Schule, Job oder Hartz IV. Mehr Fallhöhe hat nur der Sieger der Show. Stellt sich ab der zweiten Single kein Erfolg mehr ein, steht der eben noch gehypte Nachwuchs-Musiker schnell alleine da – ohne Dieter Bohlen, ohne Sendezeit in den Medien und ohne Plattenvertrag. Zumal der Stempel „Castingstar“ kein Freifahrtschein ist. Diese Erfahrung hat die Regensburger Siegerin Elli Erl gemacht. Schon damals boykottierten Radiosender Mu-

Einmal Superstar und zurück – Vorjahressieger Mehrzad hat musikalisch nicht einmal ein Jahr überlebt.

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Fahrplan für die Ära nach Gaddafi

NEUORDNUNG Kontaktgruppe will Wahlen vier Monate nach Sturz des Machthabers.

sik und Musiker aus der Retorte, unabhängig von deren Talent oder Qualität. Elli focht einen langen Kampf, um dieses Image loszuwerden. Doch auch ihre handgemachten und Bohlen-freien Alben fanden überregional nur wenig Beachtung. Mit dem Niedergang der gemachten Stars will der Kölner Privatsender nichts zu tun haben. RTL produziert zwar Quote, aber keine Stars.

VON CHRISTOPH SATOR, DPA ●

Eigentlich wollte Guido Westerwelle gestern im ehemaligen Ostpreußen sein. Aber dann ging das Flugzeug nach Rom, wo kurzfristig ein Treffen der internationalen Libyen-Kontaktgruppe anberaumt wurde. Militärisch bewegt sich in Libyen derzeit nur wenig. Umso wichtiger wird die Suche nach einer politischen Lösung. Zuständig dafür ist in erster Linie die „Contact Group“, die im März in London ins Leben gerufen wurde – ein etwas merkwürdiges Gebilde aus Organisationen von UN über Arabische Liga bis zur Nato sowie 22 Staaten. Im Ziel sind sich alle einig: Gaddafi muss weg, und zwar so schnell wie möglich. Gleich zwei Mal schrieben die Teilnehmers des römischen Treffens in ihr Abschluss-Kommuniqué den Satz hinein: „Die Zeit läuft aus für Gaddafis Regime, das jetzt in der Defensive ist und international zunehmend isoliert.“ Aber auch bei doppelter Erwähnung ist viel Wunschdenken dabei.

ROM.

Inszenierter Zickenkrieg

Der Sender weiß, wie man Menschen anlockt: Die Macher kennen sich aus mit Voyeurismus, Selbstdarstellung und Dramaturgie. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Schon 2010 jubelte der Sender über die besten Quoten seit der Erstlingsstaffel von 2002. Schließlich war diese siebte Staffel auch die kriminellste in der Geschichte der Show: Ein Kandidat flog wegen Drogenkonsums, von einem zweiten tauchten intime Bilder auf. Finalist Menowin schwänzte am Fließband Termine und wurde von seinem Vorstrafenregister eingeholt. Inzwischen sitzt er wieder im Gefängnis. RTL fing sich damals eine lange öffentliche Debatte ein, ob man derartigen Kandidaten eine Bühne geben dürfe. Und so war es in dieser Staffel ein banaler, dafür aber bis ins Detail inszenierter Zickenkrieg in der Villa, der die Zuschauerzahlen nach oben trieb. Im Mittelpunkt des Streits stand ein ungeputztes Bad. Knapp sieben Millionen im Schnitt und in der Spitze fast acht Millionen schalteten bei der zweiten Mottoshow ein, als der Konflikt zwischen Nina und Anna-Carina den Höhepunkt inklusive mehrerer Zusammenbrüche erreichte. Jeder Dritte zwischen 14 und 49-Jahren sieht diese Szenen. Die Zuschauerzahlen übersteigen die Werte vom Vorjahr.

Finanzen sind kein Problem

Auch über den Weg zum Ziel ist man sich weiterhin nicht wirklich einig. Westerwelle sah sich in Rom bestätigt: „Die Grenzen des Militärischen sind sichtbar.“ Andere wie US-Außenministerin Hillary Clinton legen dagegen mehr Wert auf anhaltenden militärischen Druck, um Gaddafi endlich wegzubekommen. Immerhin einigte sich die Gruppe darauf, einen Sonderfonds zur Unterstützung der Gaddafi-Gegner einzurichten. In den Treuhand-Fonds soll Geld aus Gaddafi-Vermögen einfließen, das im Ausland beschlagnahmt wurde. Damit soll der Übergangsrat der Aufständischen unterstützt werden, dessen Außen-Beauftragter Mahmud Dschibril in Rom dabei war. Allein in Deutschland sind Gaddafi-Konten im Wert von etwa 6,1 Milliarden Euro gesperrt. Westerwelle sagte, das Geld stehe nicht dem Ausland, sondern „dem libyschen Volk“ zu. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Gelder aus diesem Reichtum zum Volk finden, um das Leid zu lindern.“ Hinzu kommen sollen Einnahmen aus der Ölförderung in den Rebellengebieten. Eigentlich gilt gegen das rohstoffreiche Land wegen Gaddafis brutalen Vorgehens gegen die eigene Bevölkerung ein Öl- und Gasembargo.

Stimme gegen „Bravo-Faktor“

Auch musikalisch hat sich RTL perfekt auf die Zielgruppe eingeschossen. Jeden Samstag sangen die Kandidaten die Charts rauf und runter. Schwammige Mottos wie „Megahits“, „Partykracher“ oder „Europa gegen Amerika“ machten das möglich. So sang Kandidatin Zazou Mall in den ersten vier Mottoshows zwei Mal Rihanna, einmal Lady Gaga und einmal Katy Perry. Mit Wandlungsfähigkeit, wie sie früher bei „Big Band“, „Hard Rock“ oder auch „Schlager“ verlangt wurde, hat das nichts mehr zu tun. Immerhin steht jetzt mit Sarah Engels aber zumindest die Kandidatin im Finale, die sich als beste Sängerin dieser Staffel entpuppte. „Sie ist stimmlich eindeutig am stärksten“, sagt Gesangslehrerin Vroni Bertsch. „Ihre Stimme trägt gut und sie kann auch in den Höhen ganz gut damit umgehen, ohne zu pressen oder zu stemmen.“ Bertsch unterrichtet an der Uni Regensburg und ist für die Stimmbildung bei den Domspatzen zuständig. Pietro Lombardi bescheinigt sie einen schönen Stimmklang. „Er macht intuitiv einiges richtig“, sagt Bertsch, „aber er trifft fast keinen Ton zu hundert Prozent.“ Ein echter Nachteil – wäre Pietro nicht Pietro. Obwohl als geistiges Leichtgewicht abgestempelt, wurden gerade seine Ausdrücke „Bombe“ und „Jackpot“ zu den geflügelten Worten der Staffel. Statt sich zu verstellen, macht er alles, was nicht perfekt ist, zu seinem Markenzeichen und sich selbst zur Marke: Kein Outfit ist ihm zu clownmäßig, keine Farbe zu knallig und auf seinen Caps, die er

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Sarah Engels und Pietro Lombardi: Dass Mann und Frau im Finale von „Deutschland sucht den Superstar“ stehen, ist kein Novum in der Geschichte der Sendung. Allerdings sind sie das erste Liebespärchen, das um die Superstar-Krone kämpft. Foto: RTL/Stefan Gregorowius

DIE FRÜHEREN DSDS-GEWINNER ●

➤ Alexander Klaws (2003): Er gewann die erste Staffel und stürmte anschließend die deutschen Charts. Heute ist Alexander Klaws Musical-Darsteller in Hamburg. ➤ Elli Erl (2004): Die Regensburger Lokalmatadorin ist bisher die einzige Frau, die bei DSDS gewonnen hat. Elli Erl betreibt heute ihr eigenes Plattenlabel, leidet allerdings unter dem Stempel des Castingstars. ➤ Tobias Regner (2006): Er verlor nach ersten Erfolgen seinen Plattenvertrag und versuchte seitdem, unter dem Namen „Regner“ mit Band und deutschen Texten wieder Fuß zu fassen. ➤ Mark Medlock (2007): Bohlens Liebling spezialisierte sich auf Sommerhits und ist mit mehrfachen Gold- und Platin-Auszeichnungen für Singles und Al●

ben der erfolgreichste Gewinner von DSDS. ➤ Thomas Godoj (2008): Er sagte sich bald von RTL, Dieter Bohlen und Manager Volker Neumüller los, um sein eigenes Ding zu machen. Seit 2010 ist es ruhig um ihn geworden. ➤ Daniel Schumacher (2009): Ihm sprach Dieter Bohlen den „Killerinstinkt“ ab, den man für das Business brauche. Nach seiner ersten Single und dem zugehörigen Album erreichte er nur noch hintere Charts-Platzierungen. ➤ Mehrzad Marashi (2010): Der DSDSSieger des vergangenen Jahres ist von der Bildfläche verschwunden. Die letzten Nachrichten: Eine Geldstrafe, weil er einen Freund zur Falschaussage anstiftete, und die Eröffnung einer Tanzschule. (hc) ●

Show für Show trägt, fehlt nur noch der Propeller, um als verlorener Bruder von Tick, Trick und Track durchzugehen. Doch seine Fans machen ihn zu einem mächtigen Gegner. Als Pietro in der dritten Mottoshow den Song „Down“ von Jay Sean sang, stieg die fast zwei Jahre alte Nummer in der Fol-

gewoche in die Top 10 der deutschen Charts ein. Auch die Jury nennt Pietro nicht den besten Sänger, aber den Kandidaten mit dem größten „Bravo“-Faktor – für Bohlen ist er das Gesamtpaket. Es sieht auch heuer wieder schlecht aus für eine weibliche Siegerin.

180 Millionen Dollar aus Kuwait

Zudem forderte die Kontaktgruppe andere Länder auf, dem Beispiel des Golf-Staates Katar zu folgen, der dem Übergangsrat mit Sitz in Bengasi für seine Arbeit 180 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt hat. Bislang hatte Dschibril meist vergeblich um Kredite gebeten. Erstmals stellte der Übergangsrat in der italienischen Hauptstadt Rom eine Art Fahrplan für ein Nach-Gaddafi-Libyen vor. Innerhalb von zwei Wochen könnte ein „Treffen des gesamten libyschen Volkes“ einberufen werden, das dann den Auftrag für eine neue Verfassung erteilen soll. Vier Monate nach der Annahme der Verfassung per Volksabstimmung könne es dann allgemeine Wahlen geben. Der Weg dahin ist allerdings noch weit. In Rom wurde aber zumindest schon das nächste Treffen der LibyenKontaktgruppe vereinbart: Es soll im Lauf des nächsten Monats in einem der Vereinigten Arabischen Emirate stattfinden. Die Hoffnungen, dass sich im nordafrikanischen Wüstenstaat bis dahin entscheidend etwas verändert, sind augenblicklich jedoch alles andere als groß.


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MEINUNG

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KOMMENTAR ●

MITTELBAYERISCHE ZEITUNG

Aussteigen, um zu siegen CSU Ministerpräsident Seehofer zwingt seiner Partei die

Energiewende auf. Söder könnte davon profitieren.

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wei CSU-Männer Ansicht von Wirtwollen aussteischaftsminister Martin gen – und öffnen Zeil die Energiekompesich damit viele Türen. tenz in seinem MinisBayerns Umweltministerium – doch mangels ter Markus Söder hat eines ausgearbeiteten ein Konzept für den Konzeptpapiers beVON GUSTAV NORGALL, MZ Atomausstieg vorgestimmen zur Zeit Sölegt. 2020 soll mit Isar der und die CSU mit ➥ Diskutieren Sie mit: II das letzte bayerische ihren Vorschlägen die www.mittelbayerische.de/forum Atomkraftwerk vom bayerische Debatte. Netz gehen, allenfalls Der Vizeministerpräsikönne man das Datum auf 2022 verdent und damit der Regierungspartner schieben. Kräftig unterstützt wird SöFDP werden von Seehofer geschickt der dabei von Ministerpräsident Horst marginalisiert. Offiziell beteuert man Seehofer. Der CSU-Parteichef plädiert zwar ständig die Koalitionstreue, doch vehement für diesen Kurs – ja er den Wettbewerb um die Schlagzeilen zwingt die Partei fast zu diesem enerführt man gelegentlich mit harten giepolitischen Richtungswechsel. Bandagen. Es fällt zum Beispiel auf, Sein Vorgänger Erwin Huber äudass mittlerweile Kabinettsmitglieder ßert massive Bedenken, er will die im Gespräch ziemlich offen den fehCSU nicht „grün lackieren“. Eine Ener- lenden Eifer der FDP-Kollegen in Sagiearbeitsgruppe der CSU-Landtagschen regionaler Wirtschaftsförderung fraktion unter Leitung des Oberpfälzer beklagen. Da werden Positionen für Abgeordneten Tobias Reiß legt sich in den kommenden Wahlkampf aufgeeinem Konzeptpapier auf kein Datum baut. Vielleicht kann man die FDP fest, sie sorgt sich um eine „bezahlbare doch wieder aus dem Landtag verdränEnergieversorgung“. Und Gerda Hasgen. Dann käme eine absolute CSUselfeldt, die neue Vorsitzende der Mandatsmehrheit wieder in greifbare CSU-Landesgruppe im Deutschen Nähe. Noch dazu eröffnet die energieBundestag, will „seriöserweise“ ebenpolitische Wende ganz nebenbei die falls keine konkrete Jahreszahl nenOption notfalls für ein schwarz-grünes nen. Die Funktionärsebene bremst, Bündnis in Bayern. Ist erst einmal das doch der Demoskopie-Junkie Seehofer Dauerstreitthema Kernkraft vom weiß, dass laut Umfragen fast drei Tisch, trauen viele Seehofer zu, mit Viertel der CSU-Anhänger für einen Schwarz-Grün zu liebäugeln – und sei schnellen Ausstieg sind. es nur, um mit der Drohung eines Jenseits der wirtschaftspolitischen Wechsels die FDP zu zähmen. Debatte um ein Für oder Wider einer Markus Söder gibt in diesem taktischnellen Hinwendung zu den erneuschen Spiel vorerst den treuen Erfülerbaren Energien sorgt sich Seehofer lungsgehilfen von Seehofer. Als der vor allem um die politische Glaubwür- Stern von Guttenberg hell glänzte, galt digkeit seiner Partei. Wer nach Fukuder in der Partei umstrittene Söder shima so weitermachen will wie bisschon mal als politisches Sackgassenher, muss damit rechnen, bei den kom- Modell. Nun kann er mit seinen Plämenden Wahlen abgestraft zu werden. nen für den Umbau Bayerns zu einer Das Superwahljahr 2013, dann wird Umweltmodellregion glänzen. Gelingt nicht nur der Bundestag sondern auch der Kurswechsel, steigt Söders Anseder bayerische Landtag neu gewählt, hen. Der Umweltminister wirft sich ist nicht mehr so fern. Seehofer geht zur Zeit vehement für Seehofers Pläne zu Recht davon aus, dass Umweltfrain die Bresche. Keine schlechte Vorausgen bei der Wahlentscheidung eine setzung, um ihn einmal zu beerben. Er wichtige Rolle spielen werden. muss allerdings aufpassen: Viele in der Ganz nebenbei, und das ist für den CSU trauen sich nicht, Seehofer selbst gewieften Parteistrategen Seehofer sizu kritisieren, aber sie könnten seinen cher ein nicht zu unterschätzendes Ar- vermeintlichen Adlatus schnell zum gument, eröffnet die energiepolitische Sündenbock abstempeln, wenn auf Neuaufstellung der CSU viele neue dem schwierigen Weg zur EnergieMöglichkeiten. Eigentlich liegt nach wende Probleme auftauchen. ●

WEITERE KOMMENTARE Afrikahilfe: Vom Aufschwung profitieren noch zu wenige. Der Grund dafür liegt in mangelnder Transparenz. ➤ SEITE 2

Euro: Dass die EU die Schuldenkrise in den Griff bekommen hat, ist Ergebnis eines Lernprozesses. ➤ SEITE 5

Auch Pfleger brauchen Pflege GESUNDHEITSFÖRDERUNG Der

Eine besondere Bedeutung kommt in jedem Fall der gezielten Prävention zu. Der Einsatz technischer Hilfen im Pflegeprozess oder Rücken schonender Techniken, insbesondere beim Heben, sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Es gilt aber auch persönliche Faktoren zu berücksichtigen, wie beispielsweise das Alter der Pflegefachkräfte. Die AOK Bayern bietet ein landesweites Programm zur betrieblichen Gesundheitsförderung wie Rückentraining, Workshops zur Burn-outVermeidung oder zum Stress-Management an, das sich speziell an Pflegeeinrichtungen und ihr Pflegepersonal richtet. Arbeitsbedingte Gesundheitsbelastungen werden hier betriebsspezifisch ermittelt und gemeinsam mit den Betroffenen Lösungen erarbeitet. Damit sollen Pflegefachkräfte unterstützt und ihnen eine lange aktive und gesunde Berufsausübung ermöglicht werden. 2010 haben sich mehr als 100 bayerische Pflegeheime für ein derartiges Projekt zur Betrieblichen Gesundheitsförderung entschieden. Ersten Analysen zufolge profitieren die Beteiligten am meisten von Verbesserungen beim Gesundheitsverhalten der Beschäftigten, bei der innerbetrieblichen Kommunikation, beim Betriebsklima und der Arbeitsorganisation. !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

AUSSENANSICHT

Pflegeberuf ist psychisch und physisch anspruchsvoll. Die AOK bietet spezielle Hilfe an. Schweres Heben und Tragen, langes Stehen und Gehen, häufiges Bücken und auch Schichtdienst gehören oft zum Pflegealltag. In der Folge sind bei Mitarbeiter/innen in der Altenpflege besonders lange krankheitsbedingte Fehlzeiten wegen Beschwerden am Muskel-Skelett-Apparat und psychischer Erkrankungen zu verzeichnen. Die AOK-versicherten Pflegeheimmitarbeiter/innen wiesen 2010 eine Quote von 5,5 Prozent krankheitsbedingter Fehlzeiten auf. Diese lag de facto rund 30 Prozent über dem bayernweiten Durchschnitt von 4,2 Prozent. Durch diese Fehlzeiten von Kolleg/innen kommt es, trotz entsprechender Vorsorgepflichten des Managements, tendenziell zu Mehrbelastungen der anderen Mitglieder des Pflegeteams. Ihre Gesundheitsprobleme sehen viele Betroffene in einem Zusammenhang zur Arbeitsbelastung. Dauern Beanspruchung und Überbelastung an, gefährdet dies ernsthaft die Gesundheit des Personals und die Qualität der erbrachten Pflege. Darüber hinaus sind krankheitsbedingte Fehlzeiten ein betriebswirtschaftlicher Kostenfaktor für die Pflegeeinrichtung selbst und bewirken entsprechende Leistungsausgaben

HAROLD ENGEL Ressortdirektor AOK Bayern ●

der gesetzlichen Krankenversicherung. Natürlich kann die Pflege nicht vollkommen anstrengungs- und stressfrei organisiert werden. Doch es gibt Möglichkeiten, um den Zeitdruck und die oft beschriebenen Belastungssituationen von Pflegekräften zu verbessern. Eine qualifizierte Heimleitung versteht in diesem Sinne Personalführung und Betriebsorganisation als Schlüssel zu gesunden Arbeitsbedingungen und damit als Voraussetzung guter Pflege. Die Reflexion des Betriebsklimas und der Arbeitsabläufe gehört ebenso zu einem guten Heimmanagement wie die nachhaltige Auswahl, Qualifizierung und Supervision von Führungskräften. In der Strukturund Prozessqualität liegt erhebliches Potenzial; man denke nur an Pflege unterstützende räumliche Gestaltung, fachkundige Aufnahme neuer Heimbewohner, transparente Schichteinteilung, zeitökonomische Übergabeverfahren oder vernünftige EDV-gestützte Pflegedokumentation.

➜ Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

„Im Vergleich zu Google, Apple & Co. war der Große Bruder orwellscher Prägung ein blindes Huhn. Erstaunlicherweise stehen Probleme des Datenschutzes auf der Skala der politischmedialen Aufgeregtheit ziemlich weit unten. Der ,User’, dem ein Datenmissbrauchsfall zu Ohren kommt, zuckt die Achseln und wendet sich wieder seinem Smartphone, seinem GoogleSuchfenster und seinem Facebook-Account zu. All das sind wunderbare Erfindungen. Den Umgang mit ihnen scheint die Gesellschaft aber noch nicht so ganz gelernt zu haben“.

➲ Meistgelesen ●

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Die Zeitung zur Medienpolitik der USA:

„Barack Obama und seine Spindoktoren leisten ihren Bildverzicht gewiss nicht nur im Namen der Menschenwürde, die gerade auch ein Hinrichtungsopfer verdient. Sie tragen aber zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit für die Ambivalenz von Bildern bei – gerade im politischen Ausnahmezustand. Obama hat besonnen darauf reagiert, dass es inzwischen eine gesellschaftliche Diskussion darüber gibt.“

➲ MZ-Spezial ●

Der Countdown zum Eurovision Song Contest läuft: Am 14. Mai startet Lena die Mission Titelverteidigung. Alle Infos rund um den weltgrößten Gesangswettbewerb finden Sie unter: www.mittelbayerische.de/esc

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„Ist die Debatte über die Zulässigkeit der Kommandoaktion vom Sonntag überflüssig? Natürlich nicht. Auch Angela Merkels Bemerkung, sie habe sich gefreut, dass Bin Laden getötet worden ist, darf hinterfragt werden. In einem Land, in dem vor gar nicht so langer Zeit rechtliche Normen außer Kraft gesetzt wurden und ein Menschenleben nichts galt, dürfen, nein müssen solche Fragen gestellt werden.“

Die Kasseler Zeitung zu Merkel/Obama:

WWW.MITTELBAYERISCHE.DE

01 Großaufgebot Zum Spiel gegen SSV Jahn erwartet die Polizei am Samstag 300 gewaltbereite RostockFans. Gleichzeitig ziehen die „Bandidos“ durch Regensburg. 02 Tödlicher Unfall Ein Motorradfahrer krachte im Gewerbegebiet Saal gegen einen Zaun. 03 Unglück Der tote Kanufahrer, der an einem Wehr in Regensburg gefunden wurde, stammt aus Bad Kötzting. 04 Toto-Pokal Der SSV Jahn Regensburg zieht ins Finale ein.

➲ Video des Tages ●

Trotz des harten Winters ist der Borkenkäfer in diesem Jahr besonders aktiv – auch bei uns in der Region. Es drohen extreme Schäden für den Wald. www.mittelbayerische.de/video

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Die Zeitung zu Datendiebstahl:

„Mit Triumphschreien in den USA gefeiert, scheint die Tötung Osama bin Ladens mehr Beunruhigung als Klarheit, mehr Schwindelgefühl als Erleichterung zu schaffen. So ist der Tod Bin Ladens Teil eines Krieges gegen den Terror. Jetzt könnte der Terrorismus gar zunehmen als Reaktion auf den Tod Bin Ladens. So bleibt nur die arabische Befreiungsbewegung. Diese hat die von Bin Laden gepredigten ,Erzfeinde’ USA und Israel nicht mehr nötig, sondern kämpft für gleiche Rechte für alle, pluralistische Verfassungen und Demokratie.“

Die römische Zeitung zum Terrorkampf:

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PRESSESTIMMEN

Karikatur: Mester

-Thema

Darf sich die Kanzlerin öffentlich über den Tod Bin Ladens freuen? Reaktionen der User: In ihren vier Wänden kann Frau Merkel denken und machen was sie will, als Bundeskanzlerin wohl eher nicht. Frank Frau Merkel lässt momentan echt kein Fettnäpfchen aus! Etwas mehr Teflon bitte! Stefan Sie ist Kanzlerin eines Landes, das auf der Terroranschlags-Liste wohl sehr weit oben steht. Vielleicht sollte man die Freude eher als“Erleichterung“ ausdrücken. Bin Laden hat wohl genug angerichtet... Anja

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POLITIK

MITTELBAYERISCHE ZEITUNG

Freie Presse à la Silvio Berlusconi ●

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Strafprozess in der Schieflage

JOURNALISMUS Italien-Korrespondent Michael Braun schilderte die bizarre Medienwelt Italiens. VON SEBASTIAN HEINRICH, MZ

FREITAG, 6. MAI 2011

P5

VORTRAG Der Präsident des Bundesgerichtshofs sieht die Strafrechtspflege von vielen Seiten unter Druck.

REGENSBURG. Es wurde viel gelacht im

Presseclub. Immer wieder sorgte Michael Braun, Italien-Korrespondent der „taz“, für Heiterkeit bei den Zuhörern seines von der Friedrich-EbertStiftung organisierten Vortrags. Doch die Umstände, die er schilderte, sind eher schaurig als lustig. Braun sprach über Journalismus und Politik unter Silvio Berlusconi – anlässlich des internationalen Tags der Pressefreiheit. Und um die steht es südlich der Alpen schlecht. Kritische Stimmen finden zwar Platz, in Tageszeitungen und im Internet. Aber sie werden kaum wahrgenommen. Über 70 Prozent der Italiener gaben 2008, vor der letzten Parlamentswahl an, sich überwiegend oder nur im Fernsehen informiert zu haben. Fünf der sechs größten Sender kontrolliert Medien-Magnat und Ministerpräsident Berlusconi.

Surreales aus der Medienwelt

Braun lieferte fast surreale Beispiele aus der italienischen Medienwelt: Augusto Minzolini, Chefredakteur der größten Nachrichtensendung „TG 1“, der Berlusconis Sex-Skandale wochenlang verschweigen ließ. Pressekonferenzen, die der Ministerpräsident bei unliebsamen Fragen abbricht. Berlusconis Lieblingsjournalist Emilio Fede, der in seinem „TG 4“ den Mund verzieht, wenn er Oppositionspolitiker nennt – und der laut Staatsanwaltschaft seinem Chef und Kumpel die Prostituierte „Ruby“ vermittelt hat. Braun, Repräsentant der FriedrichEbert-Stiftung in Rom, blieb nicht an der bizarren Oberfläche des „Berlusconismo“. Er erklärte ihn. „Drei I’s sind entscheidend“, sagte er, „Ideologie, Interesse und Ignoranz“. Je nach ideologischer Ausrichtung hätten Italiener völlig unterschiedliche Wahrnehmungen der Realität. Das beruhe auf der jahrzehntelangen Spaltung Italiens in Konservative und Kommunisten, Modell „Don Camillo und Peppone“. Berlusconi führe die Tradition fort und könne so Mythen als Wahrheit verkaufen: Wie den von der kommunistisch infiltrierten Staatsanwaltschaft, die ihn verfolgt. Das zweite „I“, das persönliche Interesse, beeinflusse Wahlentscheidungen so stark, dass etwa 80 Prozent der Selbstständigen Berlusconi wählen – der Steuersätze über 33 Prozent für unmoralisch hält. Das Problem der Ignoranz fasste Braun so zusammen: „Je mehr ich fernsehe, desto mehr wähle ich Berlusconi.“ Sorge um die Zukunft

Brauns Ausblick in die Zukunft ist nicht rosig. Denn Berlusconi werde trotz innenpolitischer Schwierigkeiten und Sexskandale nicht an einem Wählervotum scheitern. Und Braun stellte klar: So etwas wie Berlusconi könnte es auch woanders geben. Vor allem warnte er vor einem Zerbrechen der Euro-Zone und einem damit verbundenen Schub für Populisten in Süd- und Südosteuropa. Dann hätten die Presseclub-Besucher in den nächsten Jahren am Tag der Pressefreiheit wohl deutlich weniger zu lachen.

Michael Braun bei seinem Vortrag im Presseclub. Foto: altrofoto.de

VON MARIA GRUBER, MZ

Kiel fest. Eine Stellungnahme des Verteidigungsministeriums zu den Vorkommnissen an Bord steht noch aus. Laut Medien soll der Abschlussbericht nach dem Willen von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) im Juni vorgelegt werden. Foto: dpa

sche Zentralbank haben sich mit Lissabon über ein 78 Milliarden Euro schweres Hilfspaket geeinigt. ●

AUS BRÜSSEL VON UNSERER KORRESPONDENTIN HANNA ROTH ●

Immobilien, Tabak und Fahrzeuge vorgesehen. Unklar ist noch, wie viel Zinsen das Land auf die Kredite zahlen muss. Die EU wird für ihren Anteil von 52 Milliarden Euro vermutlich höhere Zinsen verlangen als der IWF. Dieser kündigte gestern einen Satz von 3,25 Prozent im ersten und 4,25 Prozent im zweiten Jahr an. Es liegt nun an den Euro-Finanzministern, diese letzten Details bei ihrem Treffen übernächste Woche festzulegen. Spätestens am 16. Mai entscheidet sich, welchen Kurs Finnland künftig fahren wird. Die Wahren Finnen hatten angekündigt, bei einer Regierungsbeteiligung Hilfskredite für Portugal zu blockieren. Beobachter gehen aber davon aus, dass die Partei von ihrer harten Haltung abrücken wird. „Helsinki wäre in der EU sonst völlig isoliert“, heißt es in Brüssel.-

stellen. Um diese Vorgaben einzuhalten, muss das Land harte Einschnitte vornehmen. Diese erscheinen auf den ersten Blick weniger streng als die Vorgaben für Griechenland. So werden entgegen früherer Befürchtungen weder Weihnachtsgeld noch 13. Gehalt gestrichen. Zudem sollen Pensionen von Rentnern nicht gekürzt werden. Dennoch müssen Einnahmen her. Die Geldgeber setzen auf umfassende Privatisierungen in den Bereichen Telekommunikation, Verkehr und Energie. So soll die staatseigene Airline TAP bis zum Jahresende verkauft werden. Außerdem ist eine Reduzierung des Arbeitslosengelds vorgesehen sowie eine Kürzung der Auszahlungsdauer. Auf Pensionen und Arbeitslosengeld über 1500 Euro pro Monat wird erstmals Einkommenssteuer fällig. Zudem ist die Erhöhung der Steuern für

BRÜSSEL/LISSABON. Vier

Wochen dauerten die Verhandlungen, seit gestern steht das Grundgerüst des Hilfspakets. 78 Milliarden Euro wird Lissabon von der EU und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten. Im Gegenzug hat sich das Land zu harten Sparmaßnahmen verpflichtet. Portugal hat so die erste Hürde im Kampf gegen die Pleite genommen. Voraussetzung war eine Einigung zwischen der kommissarischen Regierung in Lissabon und den wichtigsten Oppositionsparteien. Beide Seiten segneten das Hilfspaket ab. Damit ist Lissabon erst einmal aus der Schusslinie der Finanzmärkte. Mindestens zwei Jahre kann es von günstigen Krediten der Helfer zehren und muss sich nicht zu horrenden Zinsen an den Märkten Geld holen. Mitte Juni wird die nächste große Staatsanleihe in Höhe von sieben Milliarden Euro fällig. Gleichzeitig muss das Land 2011 sein Defizit von 9,1 auf 5,9 Prozent senken. 2012 sollen es nur noch 4,5 Prozent und 2013 drei Prozent sein. Hier ist die EU von ihrem strengen Kurs abgewichen. Zuerst war geplant, dass Lissabon sein Defizit schon 2011 auf 4,6 Prozent senken muss. „Die fiskalischen Anpassungen sind umsichtig und nicht zu schnell“, sagte IWF-Vertreter Poul Thomsen. So oder so werde eine Defizitreduzierung von sechs Prozent in drei Jahren Portugals Wirtschaft vor enorme Herausforderungen

Hektik im Gesetzgebungsprozess

Portugal nimmt erste Hürde im Kampf gegen die Pleite EURO EU, IWF und Europäi-

REGENSBURG. Junge Männer, die in einer U-Bahn-Station auf jemanden brutal einschlagen – ohne erkennbaren Grund, allein aus Freude an der Gewalt. Wenn solche unfassbaren Bilder durch die Medienlandschaft wandern – und sie tun es mit zunehmender Häufigkeit –, ist eines sicher: Die Forderung von Politikern nach härteren Strafen – wie jüngst nach ähnlichen Verbrechen in Berlin oder München.

Heimkehr nach einer schwierigen Fahrt Die „Gorch Fock“ ist zurück in der Heimat. Nach einer achteinhalbmonatigen Südamerika-Fahrt, die vom Unfalltod einer Kadettin und Schlagzeilen über angebliche Schikane und unwürdige Rituale an Bord überschattet wurde, macht der Dreimaster heute im Heimathafen

Solch „reflexartige Rufe nach lückenschließenden Gesetzen“ übten immensen Druck auf die Strafrechtspflege aus, stellte Prof. Dr. Klaus Tolksdorf, Präsident des Bundesgerichtshofs, bei seinem Vortrag zum Thema „Strafrechtspflege unter Druck“ im Spiegelsaal der Regierung der Oberpfalz fest. „Ich bin in Sorge, ob diese Aufgeregtheit und Hektik einer klugen Reform förderlich ist“, etwa bei der Diskussion über die Milde im Jugendstrafrecht oder den Gesetzentwurf zum Warnschuss-Arrest. Vor einer Reform des Strafrechts sollte geprüft werden, ob das bestehende Recht ausgeschöpft werde, forderte Tolksdorf vor den Mitgliedern der Juristischen Studiengesellschaft Regensburg. Hinzu sähe sich die Justiz mit Populismus konfrontiert. Mit Kritik müssten Richter umgehen können, jedoch dürfe nicht der Boulevard Entscheidungsinstanz sein. Sog, Medienanwälte, dessen erklärtes Ziel ist, Einfluss auf die entscheidenden Richter zu nehmen, verschärften die Situation. „Strafrecht ist kein Allheilmittel“

Röttgen will neue Sportwetten bei Hartz IV sind tabu Stromförderung

Ude ist wieder Städtetags-Chef

Kardinal bestraft schwulen Kritiker

Neben dem Druck von außen gebe es hausgemachte Probleme, die den Strafrechtsprozess in eine „gefährliche Schieflage“ bringen. Wie verfahrensbeendende Absprachen bzw. Deals, die gefährliche Scheinlösung darstellten. Die Folge seien Sanktionsscheren und falsche Geständnisse, die bei der Bevölkerung ein verheerendes Bild von der Justiz hinterließen. Zudem verkomme die Arbeit der Strafverteidiger zunehmend zum Kampf mit allen Mitteln. „Verteidigung ist Kampf, lautet heute der Schlachtruf“, so Tolksdorf. „Ist das Gericht der Gegner?“, fragte der BGH-Präsident. „Nein. Das Anliegen ist, sich von der Schuld oder Unschuld in einem rechtsstaatlichen Verfahren ein Bild zu machen“, so seine Antwort. Der sich immer stärker ausweitende Opferschutz übe weiteren Druck aus. „Früher stand die verletzte Rechtsordnung im Zentrum des Strafverfahrens, nun wurde der Verletzte in den Vordergrund gerückt.“ Die unabdingbare Neutralität bei der Wahrheitsfindung falle so schwerer. Mehr Konfrontation, mehr Druck, Beschleunigungsgebot – „diese Rechnung geht nicht auf“, ist Tolksdorf überzeugt. Ziel müsse sein, Verfahren wieder handhabbar zu machen. „Wissenschaft, Richter, Anwälte, Verteidiger und auch die Allgemeinheit muss erkennen, dass das Strafrecht kein Allheilmittel ist.“

dabei: Die Westdeutsche Lotterie darf Hartz-IV-Empfängern keine Sportwetten verkaufen. Das gilt aber nur, wenn sich ein Hartz-IVEmpfänger in der Lotto-Annahmestelle klar als solcher zu erkennen gibt. Das hat das Landgericht Köln entschieden. Es wies damit einen Widerspruch der Westdeutschen Lotterie gegen das Verkaufsverbot ab. (dpa)

Oberbürgermeister Christian Ude führt für eine dritte Amtszeit den Deutschen Städtetag. Der 63 Jahre alte SPD-Politiker wurde gestern von der Hauptversammlung des kommunalen Spitzenverbandes mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt. Ude war der einzige Kandidat für die Nachfolge von Verbandschefin Petra Roth (CDU). (dpa)

Joachim Meisner hat dem schwulen Buchautor David Berger, der ein Buch über Homosexualität in der katholischen Kirche verfasst hat, die Erlaubnis zum Religionsunterricht entzogen. Meisner begründete dies gestern mit Bergers Kritik, die sein Vertrauen zu ihm zerstört habe. Berger hatte schwere Vorwürfe gegen die Kirche erhoben. (dpa)

Präsident des BGH: Prof. Dr. Klaus Foto: Gruber Tolksdorf

KOMMENTAR ●

Lektion gelernt

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in Euro-Land steht kommt Portugal realistivor der Pleite – sche Vorgaben zur Senund die Gemeinkung seines Defizits. schaftswährung befinAuch die Sparmaßnahdet sich trotzdem auf men fallen milder aus, Höhenflug. Es ist als dies bei Griechenschon erstaunlich, wie land der Fall war. DahinVON HANNA ROTH, MZ felsenfest der von vieter steckt die spät gelen längst totgesagte wonnene Erkenntnis, Euro an den Märkten derzeit steht. dass rigides Sparen zur HaushaltssaJetzt zeigt sich, dass die EU die nierung lange nicht ausreicht. Um Schuldenkrise in den Griff bekomaus dem Schuldensumpf zu kommen hat. Denn es stehen clevere men, muss die Wirtschaft wachsen, Instrumente wie der Rettungsmüssen Einnahmen generiert werschirm zur Verfügung. Dies ist auch den. Die Balance zwischen Sparen Ergebnis eines Lernprozesses, dem und Investieren ist in Athen durchsich EU, IWF und Europäische Zent- einandergeraten. In Lissabon soll ralbank stellen mussten. So bedies nun besser gemacht werden. ●

POLITIK IN KÜRZE

KÖLN. Die Richter bleiben

BERLIN. Umweltminister

Norbert Röttgen (CDU) hat Eckpunkte für einen erneuten Umbau der Ökostromförderung vorgelegt. Ökostrom soll verstärkt dann eingespeist werden, wenn die Nachfrage groß ist. Dafür sollen Anbieter eine neue Prämie erhalten können. Auch soll der Bau von Windkraftanlagen und von Stromspeichern stärker unterstützt werden. (dpa)

STUTTGART. Der Münchner

KÖLN. Der Kölner Erzbischof


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FREITAG, 6. MAI 2011

SPENDENTAG

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8.00-9.00 UHR

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MITTELBAYERISCHE ZEITUNG

8.00-9.00 UHR

08.00-09.00 UHR

09.00-10.00 UHR

9.00-10.00 UHR

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BEI UNS IM NETZ

➲ Der Spendenstand ● Von 8 bis 20 Uhr sitzen die Prominen-

ten aus der Region an den Spendentelefonen. Den aktuellen Spendenstand erfahren Sie auf unserer Homepage. Zudem zeigt unser Videoteam, wie die Telefonleitungen glühen und sich die Promis für die gute Sache schlagen. Den Videobeitrag sehen Sie später ebenfalls auf:

Dr. Andreas Wendt Werksleiter BMW Regensburg ●

Martina Grießhammer Presse-/Öffentlichkeitsarbeit BMW AG ●

Wolfgang Subirge Radio Charivari ●

Sonja Tajsich Triathletin ●

unter anderem Bayerns Umweltminister Markus Söder, Regensburgs Bischof Gerhard Ludwig Müller und Sänger HansJürgen Buchner (Haindling). Auch die Ironman-Siegerin Sonja Tajsich, der Trainer des Fußball-Drittligisten Jahn Regensburg, Markus Weinzierl, und Mundart-Schriftsteller Toni Lauerer stellen sich in den Dienst der guten Sache.

AUFRUF Bayerns Ministerpräsi-

dent unterstützt die „BMW Charity“ und den Spendentag von MZ und Charivari. „Freude am Helfen“: Unter diesem Motto setzen Werkleiter Dr. Andreas Wendt und die Verantwortlichen des BMW-Werks Regensburg 2011 die Tradition der „BMW Charity“ fort. Wie in den Jahren zuvor soll damit die medizinische Versorgung in Ostbayern verbessert werden. Von der „BMW Charity“, die Radio Charivari und die MZ mit ihrem heutigen Telefon-Spendentag unterstützen und die ein Benefizkonzert des Regensburger Jazzclubs am 28. Juni abrundet, profitieren heuer Projekte des Rettungszentrums und der Schlaganfall-Initiative Regensburg.

REGENSBURG.

Besondere Unterstützung erfahren die „BMW Charity“ und die Aktion der beiden ostbayerischen Medien – auch der Fernsehsender TVA hat die Werbetrommel dafür gerührt – durch einen Appell des bayerischen Ministerpräsidenten. „Mit diesem jährlich stattfindenden Spendentag tragen die Organisatoren dazu bei, dass sich die Menschen in Ostbayern für ihre Heimat tatkräftig engagieren“, schreibt Ministerpräsident Horst Seehofer in einem Grußwort für die MZ. „Aktionen dieser Art unterstützen soziales Engagement, leisten ganz praktisch und unbürokratisch Hilfe und stärken den Gemeinsinn“, betont er. Den vielen Prominenten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport am Lesertelefon wünsche er „von ganzem Herzen keine einzige ruhige Minute“, auf dass das Spendenkonto wachse und wachse. Abschließend schreibt Horst Seehofer: „Liebe Leserinnen und Leser der Mittelbayerischen Zeitung, bringen Sie die Prominenten am Lesertelefon ins Schwitzen. Machen Sie mit, jeder Beitrag zählt!“

Im vergangenen Jahr kamen durch das Engagement Dutzender Prominenter, die auch an diesem Freitag zwischen 8 und 20 Uhr in der Telefonzentrale der MZ erreichbar sind, fast 55 000 Euro zusammen. Alles in allem bescherte die „BMW Charity“ dem Rettungswesen in Ostbayern bislang rund 570 000 Euro. Charivari überträgt erneut live aus dem Callcenter der MZ, wenn ab dem Morgen Repräsentanten aus allen Gesellschaftsbereichen die Anrufe aus der Bevölkerung annehmen. Spenden notieren ●

DIE SPENDENPROJEKTE: SCHNELLE HILFE BEI SCHLAGANFÄLLEN

10.00-11.00 UHR

10.30-11.30 UHR

10.30-11.30 UHR

Günter V. Radny Musiker

Dr. Gerhard Ludwig Müller Diözesanbischof

Renate Pollinger Geschäftsführerin TVA Ostbayern

Norbert Breidenbach Vorstandsvorsitzender REWAG

Hermann Goß Brauerei Bischofshof

Danuta Kessler-Zieroth Pressesprecherin Krones AG

Sven Gericke EV Regensburg

Susanne Raith D’Raith-Schwestern

Tanja Raith D’Raith-Schwestern

Freitag, 6. Mai 2011, 8 bis 20 Uhr !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Kostenfreie Spendenhotline: (0800) 112 0 211 !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Markus Weinzierl SSV Jahn Regensburg ●

11.00-12.00 UHR

Hans-Jürgen Buchner Haindling

10.00-11.00 UHR

Joachim Wolbergs Bürgermeister Stadt Regensburg ●

10.00-11.00 UHR

12.00-13.00 UHR

10.00-11.00 UHR

11.30-12.30 UHR

Spendenkonto bei der Sparkasse Regensburg Empfänger: RZR – BMW Charity Konto 36 02 74 07 Bankleitzahl 750 500 00 Weitere Informationen: www.bmw-charity.de

11.00-12.00 UHR

Barbara Wilfurth Präsidentin Veloclub Regensburg

Rainer Fischer Autohaus Hofmann Regensburg

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12.00-13.00 UHR

11.00-12.00 UHR

12.00-13.00 UHR

Peter Kittel Veranstaltungsmanager ●

Gerd Penninger Geschäftsführer Funkhaus Rgbg ●

12.00-13.00 UHR

13.00-14.00 UHR

13.00-14.00 UHR

13.00-14.00 UHR

13.00-14.00 UHR

13.00-14.00 UHR

14.00-15.00 UHR

14.00-15.00 UHR

14.00-15.00 UHR

Franz-Xaver Lindl Vorstandsvors. Sparkasse Rgbg.

Urs Eder Physiotherapeutin

Markus Söder Staatsminister

Franz Löffler Bezirkstagspräsident

Prof. Dr. Michael Nerlich Uniklinikum Regensburg

Prof. Dr. Ulrich Bogdahn Uniklinikum Regensburg

Carsten Wettberg Fußballtrainer-Legende

Dr. Rudolf Ebneth BMW AG

Toni Lauerer Humorist

➤ Die Schlaganfall-Initiative Regensburg wird die Spenden für ein Forschungsprojekt verwenden, bei dem es um die umgehende Therapie von Patienten geht. ➤ In einer Studie am Bezirksklinikum wird nach Angaben von Prof. Dr. Ulrich Bogdahn untersucht, ob und wie weit Ultraschall als Sofort-Therapie eingesetzt werden kann, um einen Gefäßverschluss im betroffenen Hirngefäß aufzulösen (Sonothrombolyse). ➤ Für dieses Forschungsprojekt hatten die Verantwortlichen des BMW-Werks Regensburg bereits einen 1er BMW als „Schlaganfallmobil“ gespendet.

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14.00-15.00 UHR

14.00-15.00 UHR

14.00-15.00 UHR

Evelyn Weigert Micro Music

Klaus Maria Weigert Micro Music

Johannes Buchauser Leiter Berufsfeuerwehr Regensburg

14.00-15.00 UHR

14.00-15.00 UHR

15.00-16.00 UHR

15.00-16.00 UHR

15.00-16.00 UHR

15.30-16.30 UHR

Marion Schneider Firma Hofmann Personalleasing

Reinhard Söll Odeon Concerte

Volker Liedtke Landrat des Landkreises Schwandorf

Waldemar Knott Kreisbrandrat Regensburg

Hans Dorfner Ex-Profi des FC Bayern München

Armin Wolf Sportmoderator

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➤ Die Spenden der „BMW Charity“ kommen dem Rettungszentrum und der Schlaganfall-Initiative Regensburg zugute. ➤ Wie Professor Dr. Michael Nerlich vom Rettungszentrum erläutert, wird von den Erlösen ein Tele-Neuroschallgerät gekauft. ➤ Es kann in einem Hubschrauber oder Rettungswagen verwendet werden, um nach einem Schlaganfall Ultraschall-Daten an die zuständige Stroke Unit (Schlaganfall-Spezialeinrichtung) zu senden. ➤ Die Spezialisten dort werten die Bilddaten aus und stellen eine präzise Diagnose. So wird wertvolle Zeit gewonnen, um dem Patienten weiterführend zu helfen.

„Jeder Beitrag zählt!“

570 000 Euro für die gute Sache

➤ www.mittelbayerische.de

Hannes Ringlstetter Kabarettist

10.00-11.00 UHR

Steffi Denk Sängerin ●

Herbert Mirbeth Landrat des Landkreises Regensburg

10.00-11.00 UHR

„Aktionen dieser Art stärken den Gemeinsinn“, sagt Horst Seehofer über die „BMW Charity“ und den heutigen Spendentag. Foto: dpa

Ernö Weil Intendant Stadttheater

10.00-11.00 UHR

11.00-12.00 UHR

Seehofer: „Bringen Sie die Prominenten ins Schwitzen!“

Manfred Sauerer Chefredakteur MZ

16.00-17.00 UHR

Alex Bolland „Karl Valentin“

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16.00-17.00 UHR

16.00-17.00 UHR

16.00-17.00 UHR

16.00-17.00 UHR

16.00-17.00 UHR

17.00-18.00 UHR

17.00-18.00 UHR

17.00-18.00 UHR

Birgit Bolland „Liesl Karlstadt“

Josef „Bäff“ Piendl Hochzeitslader und Humorist

Anton Bögl Kreisbrandrat Neumarkt

Werner Söldner Kreisbrandrat Kelheim

Andreas Donauer Donikkl

Heiner Reichert Radio Charivari

Hans Weber Kreisbrandrat Cham

Norbert Neugirg Altneihauser Feierwehrkapell’n


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FREITAG, 6. MAI 2011

SPENDENTAG

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8.00-9.00 UHR

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MITTELBAYERISCHE ZEITUNG

8.00-9.00 UHR

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BEI UNS IM NETZ

➲ Der Spendenstand ● Von 8 bis 20 Uhr sitzen die Prominen-

ten aus der Region an den Spendentelefonen. Den aktuellen Spendenstand erfahren Sie auf unserer Homepage. Zudem zeigt unser Videoteam, wie die Telefonleitungen glühen und sich die Promis für die gute Sache schlagen. Den Videobeitrag sehen Sie später ebenfalls auf:

Dr. Andreas Wendt Werksleiter BMW Regensburg ●

Martina Grießhammer Presse-/Öffentlichkeitsarbeit BMW AG ●

Wolfgang Subirge Radio Charivari ●

Sonja Tajsich Triathletin ●

unter anderem Bayerns Umweltminister Markus Söder, Regensburgs Bischof Gerhard Ludwig Müller und Sänger HansJürgen Buchner (Haindling). Auch die Ironman-Siegerin Sonja Tajsich, der Trainer des Fußball-Drittligisten Jahn Regensburg, Markus Weinzierl, und Mundart-Schriftsteller Toni Lauerer stellen sich in den Dienst der guten Sache.

AUFRUF Bayerns Ministerpräsi-

dent unterstützt die „BMW Charity“ und den Spendentag von MZ und Charivari. „Freude am Helfen“: Unter diesem Motto setzen Werkleiter Dr. Andreas Wendt und die Verantwortlichen des BMW-Werks Regensburg 2011 die Tradition der „BMW Charity“ fort. Wie in den Jahren zuvor soll damit die medizinische Versorgung in Ostbayern verbessert werden. Von der „BMW Charity“, die Radio Charivari und die MZ mit ihrem heutigen Telefon-Spendentag unterstützen und die ein Benefizkonzert des Regensburger Jazzclubs am 28. Juni abrundet, profitieren heuer Projekte des Rettungszentrums und der Schlaganfall-Initiative Regensburg.

REGENSBURG.

Besondere Unterstützung erfahren die „BMW Charity“ und die Aktion der beiden ostbayerischen Medien – auch der Fernsehsender TVA hat die Werbetrommel dafür gerührt – durch einen Appell des bayerischen Ministerpräsidenten. „Mit diesem jährlich stattfindenden Spendentag tragen die Organisatoren dazu bei, dass sich die Menschen in Ostbayern für ihre Heimat tatkräftig engagieren“, schreibt Ministerpräsident Horst Seehofer in einem Grußwort für die MZ. „Aktionen dieser Art unterstützen soziales Engagement, leisten ganz praktisch und unbürokratisch Hilfe und stärken den Gemeinsinn“, betont er. Den vielen Prominenten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport am Lesertelefon wünsche er „von ganzem Herzen keine einzige ruhige Minute“, auf dass das Spendenkonto wachse und wachse. Abschließend schreibt Horst Seehofer: „Liebe Leserinnen und Leser der Mittelbayerischen Zeitung, bringen Sie die Prominenten am Lesertelefon ins Schwitzen. Machen Sie mit, jeder Beitrag zählt!“

Im vergangenen Jahr kamen durch das Engagement Dutzender Prominenter, die auch an diesem Freitag zwischen 8 und 20 Uhr in der Telefonzentrale der MZ erreichbar sind, fast 55 000 Euro zusammen. Alles in allem bescherte die „BMW Charity“ dem Rettungswesen in Ostbayern bislang rund 570 000 Euro. Charivari überträgt erneut live aus dem Callcenter der MZ, wenn ab dem Morgen Repräsentanten aus allen Gesellschaftsbereichen die Anrufe aus der Bevölkerung annehmen. Spenden notieren ●

DIE SPENDENPROJEKTE: SCHNELLE HILFE BEI SCHLAGANFÄLLEN

10.00-11.00 UHR

10.30-11.30 UHR

10.30-11.30 UHR

Günter V. Radny Musiker

Dr. Gerhard Ludwig Müller Diözesanbischof

Renate Pollinger Geschäftsführerin TVA Ostbayern

Norbert Breidenbach Vorstandsvorsitzender REWAG

Hermann Goß Brauerei Bischofshof

Danuta Kessler-Zieroth Pressesprecherin Krones AG

Sven Gericke EV Regensburg

Susanne Raith D’Raith-Schwestern

Tanja Raith D’Raith-Schwestern

Freitag, 6. Mai 2011, 8 bis 20 Uhr !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Kostenfreie Spendenhotline: (0800) 112 0 211 !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Markus Weinzierl SSV Jahn Regensburg ●

11.00-12.00 UHR

Hans-Jürgen Buchner Haindling

10.00-11.00 UHR

Joachim Wolbergs Bürgermeister Stadt Regensburg ●

10.00-11.00 UHR

12.00-13.00 UHR

10.00-11.00 UHR

11.30-12.30 UHR

Spendenkonto bei der Sparkasse Regensburg Empfänger: RZR – BMW Charity Konto 36 02 74 07 Bankleitzahl 750 500 00 Weitere Informationen: www.bmw-charity.de

11.00-12.00 UHR

Barbara Wilfurth Präsidentin Veloclub Regensburg

Rainer Fischer Autohaus Hofmann Regensburg

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12.00-13.00 UHR

11.00-12.00 UHR

12.00-13.00 UHR

Peter Kittel Veranstaltungsmanager ●

Gerd Penninger Geschäftsführer Funkhaus Rgbg ●

12.00-13.00 UHR

13.00-14.00 UHR

13.00-14.00 UHR

13.00-14.00 UHR

13.00-14.00 UHR

13.00-14.00 UHR

14.00-15.00 UHR

14.00-15.00 UHR

14.00-15.00 UHR

Franz-Xaver Lindl Vorstandsvors. Sparkasse Rgbg.

Urs Eder Physiotherapeutin

Markus Söder Staatsminister

Franz Löffler Bezirkstagspräsident

Prof. Dr. Michael Nerlich Uniklinikum Regensburg

Prof. Dr. Ulrich Bogdahn Uniklinikum Regensburg

Carsten Wettberg Fußballtrainer-Legende

Dr. Rudolf Ebneth BMW AG

Toni Lauerer Humorist

➤ Die Schlaganfall-Initiative Regensburg wird die Spenden für ein Forschungsprojekt verwenden, bei dem es um die umgehende Therapie von Patienten geht. ➤ In einer Studie am Bezirksklinikum wird nach Angaben von Prof. Dr. Ulrich Bogdahn untersucht, ob und wie weit Ultraschall als Sofort-Therapie eingesetzt werden kann, um einen Gefäßverschluss im betroffenen Hirngefäß aufzulösen (Sonothrombolyse). ➤ Für dieses Forschungsprojekt hatten die Verantwortlichen des BMW-Werks Regensburg bereits einen 1er BMW als „Schlaganfallmobil“ gespendet.

● ●

14.00-15.00 UHR

14.00-15.00 UHR

14.00-15.00 UHR

Evelyn Weigert Micro Music

Klaus Maria Weigert Micro Music

Johannes Buchauser Leiter Berufsfeuerwehr Regensburg

14.00-15.00 UHR

14.00-15.00 UHR

15.00-16.00 UHR

15.00-16.00 UHR

15.00-16.00 UHR

15.30-16.30 UHR

Marion Schneider Firma Hofmann Personalleasing

Reinhard Söll Odeon Concerte

Volker Liedtke Landrat des Landkreises Schwandorf

Waldemar Knott Kreisbrandrat Regensburg

Hans Dorfner Ex-Profi des FC Bayern München

Armin Wolf Sportmoderator

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➤ Die Spenden der „BMW Charity“ kommen dem Rettungszentrum und der Schlaganfall-Initiative Regensburg zugute. ➤ Wie Professor Dr. Michael Nerlich vom Rettungszentrum erläutert, wird von den Erlösen ein Tele-Neuroschallgerät gekauft. ➤ Es kann in einem Hubschrauber oder Rettungswagen verwendet werden, um nach einem Schlaganfall Ultraschall-Daten an die zuständige Stroke Unit (Schlaganfall-Spezialeinrichtung) zu senden. ➤ Die Spezialisten dort werten die Bilddaten aus und stellen eine präzise Diagnose. So wird wertvolle Zeit gewonnen, um dem Patienten weiterführend zu helfen.

„Jeder Beitrag zählt!“

570 000 Euro für die gute Sache

➤ www.mittelbayerische.de

Hannes Ringlstetter Kabarettist

10.00-11.00 UHR

Steffi Denk Sängerin ●

Herbert Mirbeth Landrat des Landkreises Regensburg

10.00-11.00 UHR

„Aktionen dieser Art stärken den Gemeinsinn“, sagt Horst Seehofer über die „BMW Charity“ und den heutigen Spendentag. Foto: dpa

Ernö Weil Intendant Stadttheater

10.00-11.00 UHR

11.00-12.00 UHR

Seehofer: „Bringen Sie die Prominenten ins Schwitzen!“

Manfred Sauerer Chefredakteur MZ

16.00-17.00 UHR

Alex Bolland „Karl Valentin“

16.00-17.00 UHR

16.00-17.00 UHR

16.00-17.00 UHR

16.00-17.00 UHR

16.00-17.00 UHR

17.00-18.00 UHR

17.00-18.00 UHR

17.00-18.00 UHR

Birgit Bolland „Liesl Karlstadt“

Josef „Bäff“ Piendl Hochzeitslader und Humorist

Anton Bögl Kreisbrandrat Neumarkt

Werner Söldner Kreisbrandrat Kelheim

Andreas Donauer Donikkl

Heiner Reichert Radio Charivari

Hans Weber Kreisbrandrat Cham

Norbert Neugirg Altneihauser Feierwehrkapell’n


Mittelbayerische Zeitung

Spendentagg

Freitag, 6. Mai von 8 bis 20 Uhr

Kostenlose Hotline: 0800 112 0 211

Spenden und stündlich gewinnen! Live auf Radio Charivari. Promis aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport nehmen Ihre Anrufe entgegen. Bei der Sonderverlosung haben alle Spender ab 10 € die Chance auf den neuen BMW 1er.

11 bis 12 Uhr

110 bis 11 Uhr

„5 l-Zapf-Star-Fass“ an jeden Spender in dieser Stunde

Wochenende mit einem MINI Cabrio Gestiftet von

12 bis 13 Uhr

1 x 2 Karten für die Premiere der Schlossfestspiele „Turandot“ am 15. Juli 2011 Gestiftet von

13 bis 14 Uhr

Kaffeemaschine, Wasserkocherr und Saftpresse von Rowenta

Gestiftet von

Gestiftet von

9 bis 10 Uhr

1 Wochenende Elektroroller Gestiftet von

14 bis 15 Uhr

2 VIP-Karten 1.FC Nürnberg in der Saison 2011/12

Hauptgewinn: Der neue 1er

8 bis 9 Uhr

BMW Mountain Bike

Gestiftet von

15 bis 16 Uhr

lieferbar ab Herbst 2011

Gestiftet von

Sonderverlosung unter allen Spendern ab 10 € Als Hauptpreis stellt das BMW Werk Regensburg einen BMW 1er der neuen, kommenden Modellgeneration zur Verfügung. Den Gewinner erwartet ein BMW 116d (5-Türer) mit einem Wert von rund 30.000 Euro.

19 bis 20 Uhr

1 x 2 Tickets für Otto in der Donau-Arena am 10. Oktober 2011 Gestiftet von

1 x 2 Tickets für Udo Jürgens in der Donau-Arena am 29. Februar 2012 Gestiftet von

Das neue Modell wird erst im Laufe des Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt, weshalb derzeit noch keine Fotos vom Fahrzeug und Detailinformationen zur Ausstattung etc. veröffentlicht werden können. Das BMW Werk Regensburg wird eine attraktive Fahrzeugausstattung festlegen. Der Gewinner wird den neuen BMW 1er als einer der ersten in der Region erhalten, die Fahrzeugübergabe wird im Rahmen der Markteinführung des neuen BMW 1ers erfolgen.

16 bis 17 Uhr

18 bis 19 Uhr

Bayerisches 5-Gang-Menü mit Bier und Wein-Begleitung für 4 Personen Gestiftet von

17 bis 18 Uhr

1 x 2 Tickets für die Kastelruther Spatzen in der Donau-Arena am 31. März 2012

Coca-Cola Fahrrad Gestiftet von

Gestiftet von

0800 112 0 211 anrufen, spenden und live auf Charivari gewinnen! Ihre Spende für das Rettungszentrum und die Schlaganfall-Initiative Regensburg Alle Spenden kommen Projekten in der Region zugute. Das Rettungszentrum Regensburg (RZR) ist wissenschaftlich beratend und fördert den Rettungsdienst in Ostbayern. Hierbei ist das RZR absolut organisationsneutral. Alle an der Rettung von Patienten beteiligten Einrichtungen werden dabei eingebunden: Rettungsdienst, Feuerwehren, Polizei, Kliniken und Ärzte. Die Schlaganfall-Initiative Regensburg e.V. wurde 1998 gegründet. In enger Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Neurologie im Bezirksklinikum Regensburg und Beteiligung der Neurologie der Barmherzigen Brüder ist es das Hauptziel der Initiative, die Schlaganfallversorgung und die Aufklärung über das Krankheitsbild Schlaganfall in der Region Oberpfalz/Niederbayern zu verbessern.


POLITIK

MITTELBAYERISCHE ZEITUNG

„OlympiJa“ oder „NOlympia“ Münchner Bewerbung um Olympia 2018 steht am Sonntag beim Bürgerentscheid in Garmisch-Partenkirchen am Scheideweg. ●

NAHOST Die Kanzlerin fordert Israelis und Palästinenser zu neuen Verhandlungen auf. ●

VON JÖRG BLANK, DPA ●

SEITE 9

Merkel verlangt Bewegung

SPORT „Ja“ oder „Nein“: Die

VON KLAUS BERGMANN UND CHRISTIAN KUNZ, DPA

FREITAG, 6. MAI 2011

P8

„OlympiJa“ oder „NOlympia“? 59 Tage vor dem entscheidenden Votum des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) muss die Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018 eine sehr bedeutsame Abstimmungshürde nehmen. Beim