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Servus TSVler, ich weiß, dass mein kurzfristiger Abgang natürlich etwas unglücklich ist und die Spartenführung nun mit der kurzfristigen Trainersuche eine stressige Aufgabe hat. Ich möchte mich auch dafür entschuldigen, dass ich meinen Rücktritt nicht mehr öffentlich für alle im Vereinsheim gemacht habe. Leider hatte ich dazu gestern nicht mehr die Willenskraft. Ich möchte betonen, dass mir das Ganze nicht leicht gefallen ist und vor allem nicht unüberlegt passiert ist (wie Ihr schon an der Länge dieses Briefes seht). Die die mich gut kennen, hatten das vielleicht auch schon länger vermutet. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass mein Abgang im Rahmen eines gestrigen Sieges gewesen wäre. Daher hab ich natürlich auch in allen meinen Aussagen, nicht den Eindruck erwägen wollen, dass ich nach dem Spiel aufhöre, damit die gesamte Konzentration beim Spiel bleibt. Dadurch wäre auch etwas Luft nach unten gewesen und die Spartenführung hätte etwas weniger Druck bei der Trainersuche gehabt. Mein Plan seit letzter Woche war es eigentlich, dass ich nach 2 Siegen in Folge (egal wann diese gewesen wären) eine gefestigte Mannschaft übergebe. Diese Info wollte ich eigentlich auch schon letzte Woche an Grill Franz weitergeben, wollte ihn damit aber nicht in seinem Urlaub belasten. Anhand dieses offenen Briefes möchte ich Euch begründen, wieso ich mich nicht mehr in der Lage sehe, die Kraft dafür aufzubringen. Quasi seit 2 Jahren trage ich einen Rucksack mit vielen kleinen Problemen mit mir herum, der leider im Laufe der Zeit immer größer geworden ist. Dabei ist keines der Probleme alleine für sich ausschlaggebend, in der Summe ist es aber halt doch schon ziemlich viel. Alle diese Problemchen sind für sich eigentlich nicht unüberwindbar, mir ist es in der ganzen Zeit aber leider nicht gelungen, diese mit Euch zu beheben. Nachfolgend möchte ich auf diese Probleme eingehen und zwar nicht um mit Euch abzurechnen. Genau das Gegenteil ist der Fall, Ihr seid mir alle ans Herz gewachsen und ich möchte Euch damit anregen, diese Probleme gemeinsam aus der Welt zu schaffen und so letztlich mehr Erfolg zu haben. Für diejenigen, die nicht alles lesen möchten, vorab noch kurz zusammengefasst, wieso ich nun schon ab sofort aufhören muss. Nach zuvor 8 Punkten in 4 Spielen, hab ich in meinem Urlaub von dem lustlosen Auftritt beim 0:4 gegen Untergriesbach erfahren. Leider hab ich es nicht geschafft, meinen Ärger darüber, über die Urlaubswoche hinweg abzubauen. Dies in Verbindung mit gesteigertem beruflichen und familiären Zeitaufwand und dem ständigen Kopfweh und Heiserkeit nach Spielen (hatte nicht das Gefühl, dass es ohne ständige Kommandos und Antreiben geht) waren mir eine Lehre. Da ich nur den sportlichen Aufwand reduzieren kann, entstand der Entschluss, in der Winterpause aufzuhören. Am letzten Sonntag, hatte ich dann nach dem 2:1 eine kleine Ansprache hinsichtlich des Mannschaftsgeistes gehalten (mal wieder) und dass es sich gehört, dass das Team geschlossen nach Auswärtsspielen noch einmal zusammen einkehrt. Zumal ja die Hälfte der Mannschaft unter der Woche auch wieder nicht da ist und von einmal 90 gemeinsamen Minuten pro Woche kein Team entsteht, worin jeder mit jedem Pferde stehlen könnte. Letztlich waren wieder nur 7 von an diesem Tag 28 aktiven Spielern beim Escherich (ein paar waren dagegen sogar in einem anderen Lokal). D.h. 21 haben sich gedacht, „der und die


anderen können mich mal“. Da entstand mein Gedanke, mit dem Rücktritt nach 2 siegreichen Spielen in Folge. Leider war es aber damit die Woche nicht getan. Bei der Spielerversammlung am Samstag, waren ein paar Spieler mit der taktischen Vorgabe offensichtlich nicht einverstanden und konnten mir nicht einmal in die Augen sehen. Bei der abschließenden Frage nach Anmerkungen dazu, kam aber leider nichts. So hätten wir das zusammen zumindest mal diskutieren können. Laut einer nachträglichen Aussage eines Spielers waren damit sogar 80% der Mannschaft nicht einverstanden, trotzdem kam nichts aus der Mannschaft!? Da entstand der Beschluss mit dem Rücktritt nach dem gestrigen Spiel. Ich dachte, bevor wir jetzt noch groß beginnen alle untereinander zu streiten und dass einer dem anderen nicht mehr ins Gesicht schauen kann, wäre es besser, das gleich zu beenden. Ich hoffe, Ihr seht das mit gewissem Abstand ähnlich. Es hat also nichts mit dem Spiel von gestern zutun, zumal alle alles gegeben hatten, was sie an diesem Tag konnten. Auch wenn ich nun noch die Probleme aufzähle, möchte ich darauf hinweisen, dass definitiv nicht alles schlecht war und ist (sollte dies so rüberkommen) und ich auch keinem Einzelnen gegenüber ein schlechtes Gefühl habe. Ich habe immer betont, dass in Wegscheid viel möglich ist und die Mannschaft eine rosige Zukunft haben kann. Das Talent ist in jedem Fall da (nur dies alleine reicht nicht). Dazu müssen aber alle an einem Strang ziehen und gemeinsam versuchen ein paar der folgenden Probleme zu beseitigen. Probleme innerhalb bzw. mit der Mannschaft: Eigenverantwortung der Spieler  nur sehr reduziert bei den Meisten vorhanden Z.B. hat die Spielvor/nachbereitung der mit den Aufgaben betrauten Spieler, i.d.R. nie komplett funktioniert. Auch die sonstigen Tätigkeiten (z.B. Tore abbauen nach Spielen), wurde nie eigenständig durchgeführt – alles muss hier seitens des Trainers quasi „befohlen“ werden und dabei müssen Namen genannt werden, da sich sonst wieder keiner angesprochen fühlt.  Spielerrat: den zu gründen, hätte ich mir sparen können (von da ist eigentlich nie etwas gekommen – höchstens auf Anfrage) Sogar die Möglichkeiten die Spielerkasse aufzubessern, mussten immer wieder von mir kommen. Ehrgeiz, Trainingsbeteiligung und eigenes Training  leider sind viele Spiele beruflich unter der Woche verhindert und können nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. D.h. um in der 1. am Wochenende 90min Gas geben zu können, müssten diese unbedingt selber etwas machen (zumal ja ein Großteil auch noch Raucher sind – viel mehr als in anderen Mannschaften) – machen dies aber definitiv nicht. Da aber aus der 2. kaum einer mit entspr. Trainingsleistungen nachdrückt, müssen diese aber auch nicht mehr machen (daher mein Gedanke, zumindest die 2-3 trainingsfleißigeren spielen zu lassen, auch wenn diese nicht so talentiert sein sollten. Leider fühlten sich davon sehr wenige an der Ehre gepackt). Schlechte Fitnesswerte  das Thema hatten wir oft genug und schließt sich an den vorhergehenden Punkt an  die ständige Wechslerei ist hier begründet


Fortschritt spielerischer und taktischer Art  ich konnte bei weitem nicht alles entwickeln, was ich eigentlich wollte Dabei bin ich ja schon extrem langsam vorgegangen. Wenn wir etwas einstudiert haben, dann 2 Wochen mal wieder nicht mehr bzw. der jeweilige Spieler mal wieder ein paar mal nicht da war, dann war immer wieder gleich alles vergessen. Dabei muss sich aber der Trainer und die gesamte Mannschaft am „Aufnahmetempo“ des schlechtesten Spielers richten, da es sonst nicht funktioniert. Hierfür ist meiner Ansicht nach das eigene Interesse zu gering.  dazu hab ich immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die Spieler von der Spielposition her ein Pendant im Profifußball suchen sollten und dessen Bewegungsabläufe studieren sollten. Dies wurde definitiv von vielen nicht gemacht, sonst hätte sich da ein paar was abgeschaut bzw. hätten erkannt, dass meine Hinweise dort umgesetzt sind und Sinn ergeben.  Einige Spieler haben nach wie vor sehr große technische Probleme in der Ballbehandlung -> was soll man da eigentlich hauptsächlich trainieren -> Taktik, Fitness o. Ballbehandlung Geringer Teamgeist und Egoismen  die Mannschaft teilt sich nach wie vor in mehrere Lager bzw. Einzelpersonen Der Trainer muss jede Woche wieder aufs Neue den Teamgeist beschwören und ein Ziel vorgeben, damit dies alle als eine Gemeinsamkeit sehen und dies gemeinsam verfolgen können. Außerdem muss dazu immer wieder auf einzelne Spieler eingeredet werden, um Wogen zu glätten bzw. die Verbindung zu den anderen herzustellen. Dabei muss dann wiederum sehr genau aufgepasst werden, was man sagt, da ja sonst einige Spieler schnell mal beleidigt sind (Aussagen wie „dann sucht Euch doch einen anderen“ – sind da schnell mal an der Tagesordnung, wenn es schlecht läuft -> Kindergarten!)  trotz mehrmaligem Hinweisens, dass sich da einige in der Mannschaft selber zusammensetzen und –raufen müssen, ist da nicht viel passiert bzw. das Problem war kurze Zeit später wieder da Eingespieltheit  leider ist es aufgrund von Urlaub, Beruf und Verletzungen nicht möglich mal zwei Spiele hintereinander mit der gleichen Aufstellung zu spielen. Von einspielen in der Vorbereitung will ich gar nicht reden. Erfahrung als Trainer …  … haben offensichtlich einige in der Mannschaft (taktisch und aufstellungstechnisch gesehen). Wenn es aber darum geht, im Spiel Verantwortung zu übernehmen, sich vor die anderen zu stellen, „Coaching“ auf dem Spielfeld zu betreiben, dann sieht’s eher mau aus D.h. nicht, dass man mal nicht anderer Meinung sein darf als der Trainer, doch wenn dieser Woche für Woche wieder die taktische Einstellung begründen muss, dann geht dies an die Substanz.


Probleme in der Sparte allgemein: Sportliche Leitung mit zuwenig Personal besetzt  sie besteht meiner Ansicht nach aus max. 2 Personen, das ist definitiv zu wenig! Hier muss unbedingt ein Bindeglied zwischen Spartenführung und Trainer eingesetzt werden  ein Trainer sollte nicht generell derjenige sein, der die Spieler für viele Arbeiten im Verein koordiniert, sich die Spiele und alles darum herum (Platz, Schiri …) selber ausmacht, an Vereinstagungen teilnimmt (als einziger Trainer), um Trainingsplätze kümmert (wenn Platz gesperrt), den Betreuer macht, selber um Unterstützer (Betreuer, sportl. Leiter, CO-Trainer) kümmert, ums Abziehen des Sandplatzes kümmert, Trainingslager von A-Z plant und fixiert (Hotel, Bus, Verpflegung, Gerät …), um das interne Hallenturnier kümmert (an dem dann kaum jemand teilnimmt, außerhalb der 1./2. Mannschaft), sonstige Reservierungen und Absprachen durchführt, Meldungen an das Sportgericht durchführt … -> versteht mich nicht falsch, ich habe diese Aufgabe gerne gemacht, es wäre aber für meinen Nachfolger einfacher, er könnte da ein paar Aufgaben abgeben Weiter benötigte Helfer  Trainer für die 2. -> was mit Erich ist, weiß ich nicht (hab ihn seit 4 Wochen nicht mehr gesehen)  Weiterer Betreuer -> Hörsch macht sein Bestes, er spielt aber ja auch noch selber und kann daher nicht immer gleich alles parat haben (zumal ja von den Spielern ohne Aufforderung keiner unterstützt). Wenn dann mal was fehlt, wie das Trinken letzte Woche (die Getränkebox wurde nicht übergeben), dann einige aber gleich das große Geschrei dabei  Evtl. zweiter Trainer, der beim Training unterstützt (sollten eigentlich die verletzten Spieler machen, dafür war aber trotz mehrmaliger Aufforderung kaum einer da -> Teamgeist, Ehrgeiz siehe oben) Kein regelmäßiger Austausch zwischen Spartenführung, Trainer und Jugendtrainern  gemeinsame Linie sollte besprochen/vorgegeben werden -> nicht nur versuchen alles so wie bisher am Laufen zu halten  hier wäre für die mittelfristige Zukunft viel möglich  sollte nicht vom Trainer ausgehen  „Das haben wir schon immer so gemacht“ -> das ist Stillstand und Stillstand ist bekanntlich gleich Rückschritt -> wenn man Leute von außen bekommt, die sich in verschieden Vereinen die besten Ansätze abgeschaut haben, dann sollte man dies nutzen Vereinsleben  gibt es in meinen Augen kaum bis gar nicht (3 gemeinsame Halbe nach einem Heimspiel mit 5 Zuschauern ist kein Vereinsleben) -> hier muss unbedingt was gemacht werden. Was, weiß ich aber leider auch nicht, ich hab viel versucht (Facebook, Fanfahrten …) und immer wieder die Spieler darauf hingewiesen auch dafür zu werben. Leider ist mir hier nicht viel gelungen.


Kein Flutlicht am Rasenplatz  die Spartenführung hat hier im letzten Jahr alles versucht und leider etwas Pech mit den vorhandenen Gegebenheiten gehabt  ich möchte aber trotzdem noch mal darauf hinweisen, dass da unbedingt drangeblieben wird, da eigentlich schon seit letzter Woche kein Training auf dem Rasen mehr möglich ist, dieses Jahr aber noch 7 Spiele auf Rasen stattfinden werden. Mir fällt kein Verein ein, bei dem das noch so ist.

Umfeld:  zwischen einigen Vereinsangehörigen/Zuschauern und mir hat es nicht gepasst. Ich habe immer mal wieder versucht mich mit ihnen auszutauschen und das zu klären. Schon die Woche darauf hatte ich dann aber wieder das Gefühl, dass ihre negative Einstellung gegenüber mir, die gleiche geblieben ist.

Ich hoffe, Ihr könnt meine Entscheidung und meine Beweggründe mit etwas Abstand mal irgendwann nachvollziehen und Ihr rückt durch meinen Rücktritt wieder etwas näher zusammen. Außerdem hoffe ich, dass der Trainerwechsel bei Euch neue Energien freisetzt. Abschließend möchte ich mich für die doch größtenteils schöne Zeit und die vielen lustigen und geselligen Stunden in Wegscheid bedanken. Wenn Ihr Lust und Zeit habt wird es bei Gelegenheit natürlich noch eine entsprechende Abschiedsparty geben, wobei wir eben über solche lustigen Vorfälle noch einmal gemeinsam lachen können. Ich wünsche wirklich jedem Einzelnen von Euch von ganzem Herzen privat, beruflich und vor allem auch im Verein und im Fußball das Beste. Beste Grüße Florian

Servus TSVler  
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