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frust für die polizei Die Eltern sollten mit den Kindern über Drogen sprechen und sich dafür interessieren, wie und mit wem die Kinder ihre Freizeit verbringen. Bei Jugendlichen ist entscheidend, dass die Eltern für sie da sind, wenn sie aus der Schule oder vom Lehrbetrieb heimkommen. Leider sind viele Junge sich selbst überlassen, weil sie nur mit einem Elternteil aufwachsen oder weil beide Eltern auswärts arbeiten. Drogen kommen übrigens in allen Gesellschaftsschichten vor. Der Bund stützt sich bei der Drogenpolitik auf vier Säulen: Prävention, Therapie, Über­ lebenshilfe und Repression. Lässt sich das Konzept verbessern? Geissbühler: Es wäre gut, wenn alle Säulen noch gelten würden. Repression und Therapie finden fast nicht mehr statt. Zentral ist heute die Drogenabgabe an Süchtige. Es wird nicht mehr angestrebt, Süchtige von den Substanzen zu befreien. Jedes Jahr kostet die Drogenabgabe in der Schweiz 150 Millionen Franken – Tendenz steigend, und das bezahlen wir mit unseren Krankenkassenprämien! In diesem Betrag sind die Krankheitskosten nicht eingerechnet, die Süchtige verursachen, und die sozialen Kosten in ihrem Umfeld sowieso nicht. Die meisten Methadon- und Heroinbezüger sind Sozialfälle und leben ihr ganzes Leben auf Kosten der Allgemeinheit. Viele Leute sind sich dessen nicht bewusst. Zudem fühlen sich unzählige Eltern im Stich gelassen, wenn sie Präventionsstellen anrufen. Dort wird ihnen erklärt, wie sie mit Drogen umgehen sollen, aber nicht, wie ihre Kinder davon freikommen können. Es fehlt heute an konkreter Hilfe. Oft ist die Rede von «weichen» und «harten» Drogen. Macht die Unterscheidung Sinn? Und wo soll man den Alkohol positionieren? Geissbühler: Alkohol ist wasserlöslich und wird vom Körper rasch ausgeschieden. Drogen sind fettlöslich und setzen sich vor allem im Gehirn fest. Sie werden viel langsamer abgebaut.

« Jedes Jahr kostet die Drogenabgabe in der Schweiz 150 Millionen Franken. Es fehlt heute an konkreter Hilfe!» Deshalb kann man Wochen nach einem Joint plötzlich einen Flash haben. Wer zu einer Droge greift, will einen Flash. Beim Alkohol will der Grossteil der Bevölkerung Genuss und keinen Rausch. Das ist ein Riesenunterschied. Wenn Jugendliche aber an einem Massenbesäufnis teilnehmen, sind die Auswirkungen ähnlich verheerend wie beim Drogenmissbrauch. Die Unterscheidung zwischen «harten» und «weichen» Drogen macht für mich keinen Sinn. Drogen sind Drogen. Was ist in der Drogenpolitik Ihr grö­sstes An­ liegen? Geissbühler: Dass die Verharmlosung aufhört, vor allem bei Cannabis. Das Parlament geht den Weg des geringsten Widerstandes und hat dabei mehrfach den Volkswillen missachtet, zum Beispiel bei der Hanf-Initiative. Zudem fasst das Parlament in der Drogenpolitik Beschlüsse, bei denen es die Konsequenzen nicht abschätzen kann. Seit Oktober 2013 darf jeder und jede Erwachsene zum Eigenbedarf zehn Gramm Cannabis bei sich haben, und man muss nur eine Busse bezahlen, wenn man erwischt wird. Dabei ist weder die Form definiert noch der THC-Gehalt. Nur so viel: Mit zehn Gramm Cannabis-Öl lassen sich fast 100 Joints herstellen! So wird die Arbeit der Polizei rund um Drogen noch komplizierter und frustrierender. Der Anreiz, die Finger von Drogen zu lassen, schwindet! ■

Alles im Griff? Für ein Leben ohne Drogen.

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CPV - Für ein Leben ohne Drogen  

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