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Facebook im Einzelgespräch und eine gesunde Neugierde scheinen mir wichtig zu sein. Verbieten kann in diesem Fall kontraproduktiv sein. CL: Können Sie ein paar konkrete Praxisbeispiele geben, wie man die Medienkompetenz der Kids fördern kann? SL: Beeindruckt hat mich der Fall Claudio (Name abgeändert). Er ist ein 13-jähriger Junge mit grossem technischem Interesse. Er ist fasziniert von Geräten, die den Zugang zum Internet ermöglichen, und besitzt die Fähigkeit, Webseiten zu programmieren und zu designen. Sein Wissen erwarb er vor allem im Internet durch Foren und interaktive Chats. Auch Facebook ist ihm bestens bekannt. Leider nutzte er diese Plattformen auch für negative Aktivitäten: Er verunglimpfte Kameraden auf Facebook und programmierte eine Hass-Website gegen einen Kollegen (Kevin*).

Bild: fotolia.com

fiktive Szene

CL: Damit steht er ja bekanntlich nicht alleine da. Wie sind Sie im Fall Claudio vorgegangen? SL: Der Schulleiter beauftragte mich, mit Claudios Eltern, Kevins Eltern sowie Claudio und Kevin eine Lösung zu erarbeiten. Meine

Vermutung war, dass Claudio durch diese Taten bei anderen Kollegen Lob und Anerkennung erkaufen wollte. Dies bestätigte er mir in mehreren Gesprächen. Die Eltern von Kevin waren einverstanden, keine Anzeige gegen Claudio zu erstatten. CL: Das ist sicher ein erster Erfolg. Doch damit hat Claudio ja seine Einstellung noch nicht geändert, oder? Will heissen, die Gefahr für Verunglimpfung besteht weiterhin? SL: Richtig. In diesen Gesprächen mit Claudio wollte ich von ihm wissen, ob er sich vorstellen könne, wie Kevin sich dabei gefühlt habe. Dies verneinte Claudio klar. Auf die Frage, ob es ihn denn interessieren würde, wurde er neugierig. Hier sprechen wir in der Fachsprache von Perspektivenwechsel, Anschlussfähigkeit oder auch Empathie in Bezug auf das Gegenüber. Diese Anschlussfähigkeit hat auch mit Werten, Normen und Haltung zu tun. Dies erarbeiteten Claudio und ich zusammen in Einzelgesprächen. CL: Reichen Gespräche allein denn aus? SL: Die Praxisfelder waren direkt betroffene Orte wie der Pausenhof und das InformatikSchulzimmer. Mehr und mehr lernte er, auf kritische Situationen und Auseinandersetzungen zuzugehen und sie altersentsprechend zu lösen. So konnte er seine grosse Leidenschaft, das Programmieren und Designen, in der Schule nun positiv einsetzen, indem er die Verantwortung für das Layout der Schülerzeitung übernahm. Bei technischen Computerfragen fiel der Name Claudio sogar in Lehrerkreisen. Auch bei Fragen im Umgang mit Facebook sprachen die Lehrer Claudio an – und er konnte ihnen oft Antwort geben. Durch diese Erfahrungen wuchs sein Selbstwertgefühl, er lernte, seine eigene Meinung auszusprechen und zu vertreten sowie den Umgang mit Kritik. Durch seine neu gewonnene Selbstsicherheit war er weniger versucht, auf dumme Jungenstreiche ➔­

cybermobbing / Gefahren im Internet

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Cybermobbing - Gefahren im Internet  

Informationsbroschüre der CPV Schweiz zum Thema Gefahren im Internet - Cybermobbing

Cybermobbing - Gefahren im Internet  

Informationsbroschüre der CPV Schweiz zum Thema Gefahren im Internet - Cybermobbing

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