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Ratschläge bei Verdacht sexuellen Missbrauchs Spielsituation handelt, sondern dass ernst gemeinte Auskünfte erwartet werden. Geht aus den Auskünften des Kindes hervor, dass es elterliche Verbote nicht beachtet hat, sollten ihm deshalb keine Vorwürfe gemacht werden. Andererseits sollte das Kind aber auch nicht die Erfahrung machen, dass es durch die Erzählung sexualbezogener Inhalte besondere Aufmerksamkeit erregen oder beispielsweise das Zubettgehen hinausschieben kann. Unabhängig davon, welche Angaben das Kind macht, sollten mehrfache Befragungen vermieden werden, da diese – von Laien durchgeführt – ein hohes Suggestionsrisiko bergen können. Aus demselben Grund sollte ein Kind auch nicht von weiteren Personen z. B. aus der Verwandtschaft oder dem Freundeskreis der Mutter nach möglichen Missbrauchserlebnissen befragt werden. Geht es um die Aufklärung eines möglichen Sexualdeliktes, ist eine Aussage als ein Beweismittel zu betrachten, das ebenso wie andere Beweismittel mit äußerster Vorsicht und Behutsamkeit zu handhaben ist.

Das bedeutet, dass Laien, die vermuten, dass ein Sexualdelikt stattgefunden hat, die Aufklärung des Verdachts möglichst schnell in professionelle Hände legen sollten, das heißt in diesem Falle: zuerst in die Hände der Polizei. Beratungsstellen sind erst dann geeignete Anlaufstellen, nachdem ein Verdacht abgeklärt worden ist. Nachdem die polizeilichen Ermittlungen durchgeführt worden sind, können Beratungsstellen be­troffenen Personen und ihren Angehörigen, die dies wünschen, Hilfe und Unterstützung bieten, um mit dem Erlebten umzugehen. Sollte eine Therapie des möglichen Opfers gewünscht werden, ist zu beachten, dass diese erst beginnt, nachdem die Tatsächlichkeit des vermuteten Sexualdelikts festgestellt worden ist durch dafür ausgebildete und berechtigte Personen und Stellen (Polizei, psychologische und in manchen Fällen auch psychiatrische Sachverständige und spe­ z ielle Gerichte). Andernfalls kann der Beweiswert der Aussage des möglichen Opfers beeinträchtigt oder sogar stark gemindert werden, sodass die Straftat

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BDK - Sichere Kindheit, verantwortungsvolle Gesellschaft  

Mit der Broschüre „Sichere Kindheit" möchte die Redaktion von „Kripo-Tipps" eine Information und Handreichung für Eltern, andere Erziehungsv...

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