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Ratschläge bei Verdacht sexuellen Missbrauchs Nicht selten werden dem Kind Fragen gestellt, beispielsweise ob es ein (gutes oder schlechtes) Geheimnis habe, oder sogenannte hypothetische Fragen danach, was der Verdächtige getan haben könnte. Aufgrund ihres starken Suggestionspotenzials sind solche „Aufdeckungstechniken“ zur Abklärung eines Verdachtes und erst recht in einem Strafverfahren oder als Grundlage für familienrechtliche Entscheidungen völlig unangebracht und ungeeignet – was den Anwendern solcher Tech­­­­­­niken in der Regel allerdings nicht bewusst ist. Ratschläge zum Umgang mit dem Verdacht auf ein Sexualdelikt Hat ein Kind etwas erzählt, was Anlass gibt anzunehmen, dass es Missbrauchshandlungen erlebt hat, sollten sich seine Bezugspersonen bemühen, in sachlichruhiger Atmosphäre mit dem Kind zu sprechen. Insbesondere jüngeren Kindern sollte deutlich gemacht werden, dass es sich nicht um eine Spielsituation handelt, sondern dass ernst gemeinte Auskünfte erwartet

werden. Geht aus den Auskünften des Kindes hervor, dass es elterliche Verbote nicht beachtet hat, sollten ihm deshalb keine Vorwürfe gemacht werden. Andererseits sollte das Kind aber auch nicht die Erfahrung machen, dass es durch die Erzählung sexualbezogener Inhalte besondere Aufmerksamkeit erregen oder beispielsweise das Zubettgehen hinausschieben kann. Unabhängig davon, welche Angaben das Kind macht, sollten mehrfache Befragungen vermieden werden, da diese – von Laien durchgeführt – ein hohes Suggestionsrisiko bergen können. Aus demselben Grund sollte ein Kind auch nicht von weiteren Personen z. B. aus der Verwandtschaft oder dem Freundeskreis der Mutter nach möglichen Missbrauchserlebnissen befragt werden. Geht es um die Aufklärung eines möglichen Sexualdeliktes, ist eine Aussage als ein Beweismittel zu betrachten, das ebenso wie andere Beweismittel mit äußerster Vorsicht und Behutsamkeit zu handhaben ist. Das bedeutet, dass Laien, die vermuten, dass ein Sexualdelikt stattgefunden hat, die Aufklärung des

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BDK - Sichere Kindheit, verantwortungsvolle Gesellschaft  

Mit der Broschüre „Sichere Kindheit" möchte die Redaktion von „Kripo-Tipps" eine Information und Handreichung für Eltern, andere Erziehungsv...