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ben. Hierbei kommt es allerdings kaum zu Schädelbrüchen. Beim Schüttel-Trauma wird ein Kind üblicherweise an den Armen oder am Brustkorb, selten auch an den Beinen oder am Kopf gefasst und kräftig geschüttelt. Durch die noch schwach ausgebildete Nackenmuskulatur des Kindes kann der Kopf nicht richtig gehalten werden und schlägt beim Schütteln kräftig von vorne nach hinten. Das Gehirn folgt, jeweils etwas verzögert, diesen Schüttelbewegungen. Dadurch kommt es häufig durch das Abreißen von Blutgefäßen zu Blutungen innerhalb der Schädelhöhle und des Gehirns. Diese Schädigungen und Blutungen können für das Kind innerhalb kürzester Zeit akut lebensbedrohlich sein, da sie häufig auch mit einer Hirnschwellung einhergehen. Nach neueren Untersuchungen sterben etwa ein Viertel der Kinder trotz medizinischer Behandlungen. Von den überlebenden Kindern trägt ein großer Teil Langzeitschäden davon, die körperliche Behinderungen, Lernbehinderungen, Sehbehinderungen bis hin zu Blindheit, Krampfanfälle und geistige Behinderungen umfassen können und oft erst viele Jahre später offensichtlich werden. Einen Säugling zu schütteln ist immer lebensgefährlich! Skelettverletzungen/Knochenbrüche sind meist Folge einer massiven stumpfen Gewalteinwirkung mit Überschreiten der Biegungselastizität der Knochenstruktur. Insbesondere bei Kleinkindern sind sie Zeichen besonders gewalttätiger Misshandlungen, da sie einen erheblichen Kraftaufwand (Kompressionskraft) erfordern. Rippenfrakturen bei einem Kind sind aufgrund der hohen Elastizität der Knochen nur bei schweren Verkehrsunfällen oder auch bei einem Sturz aus sehr großer Höhe denkbar. Verletzungen

des Skeletts finden sich häufig in Kombination mit anderen Misshandlungsspuren. Brüche verschiedenen Alters mit unterschiedlichen Heilungsstadien deuten sehr oft auf Misshandlungen hin. Das Auftreten von Knochenbrüchen bei Kindern von einem Lebensalter unter drei Jahren muss generell als hoch verdächtig angesehen werden. Innere Verletzungen im Zusammenhang mit Kindesmisshandlung stellen die zweithäufigste Todesursache dar. Sie entstehen durch stumpfe Gewalteinwirkung auf den Körper. Sehr oft sind äußerlich gut sichtbare Hämatome vorhanden. Hierbei kann es zu Zerreißungen der inneren Organe z. B. infolge von Faustschlägen oder Fußtritten kommen. Innere Verletzungen sind schwer zu erkennen, insbesondere dann, wenn keinerlei Hautbefunde festgestellt werden können. An Vergiftungen ist bei Symptomen wie Müdigkeit, Apathie, Gangunsicherheit und Bewusstlosigkeit zu denken. Vergiftungen können bei Säuglingen und Kleinkindern aus folgenden Gründen vorkommen:

» Überdosierung eines Schlaf- oder

Beruhigungsmittels. Eventuell wurden Beruhigungsmittel verabreicht, um das Kind ruhig zu stellen, damit die Betreuungsperson ungestört ist, bzw. anderen Aktivitäten nachgehen kann.

» Einnahme von Alkohol » Einnahme eines ungesicherten

Medikamentes durch Kleinkinder

» Medikamentenabgabe als Tötungsversuch beim erweiterten Selbstmordversuch oder im Rahmen eines Münchhausen by Proxy Syndroms

Beim Kinderschutz gibt es gemeinsame Verantwortungen. Eltern, Geschwister,

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BDK - Sichere Kindheit, verantwortungsvolle Gesellschaft  

Mit der Broschüre „Sichere Kindheit" möchte die Redaktion von „Kripo-Tipps" eine Information und Handreichung für Eltern, andere Erziehungsv...

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