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normales Leben mehr führen. Wir brauchen eine Kultur der Verantwortung und des Hinsehens. Wenn Nachbarn, Erzieher oder Kinderärzte etwas Auffälliges (Gewalt gegen Kinder) bemerken, sollte die Polizei oder das Jugendamt davon erfahren.

der Kindeswohlgefährdung geht es somit um eine erhebliche seelische, geistige oder körperliche Gefährdung eines Minderjährigen. Sei es durch Vernachlässigung oder durch schädliches Verhalten von Sorgeberechtigten oder anderen Betreuungspersonen.

Gewalt an Kindern ist keine Marginalität, die man wahlweise gesellschaftlich oder politisch aussitzen kann. Sie steht nicht unter dem Motto „Familienschutz vor Kinderschutz“ und ist erst recht nicht einem staatsfreien Schonraum „Familie“ zuzuordnen. Diese sensible Thematik bedarf besonderer Aufmerksamkeit von uns allen.

Die Gefährdung des Kindeswohls ist die rechtliche Grundlage für einen Eingriff in das Erziehungsrecht der Sorgeberechtigten. Liegen gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung vor, hat das Jugendamt das Gefährdungsrisiko im Zusammenwirken mit anderen Fachkräften einzuschätzen und Maßnahmen zu einem wirksamen Schutz des Minderjährigen einzuleiten. Die letzte Voraussetzung für familiengerichtliche Eingriffe ist, dass die Eltern nicht bereit oder nicht in der Lage sind, die Gefährdung abzuwenden. Liegt dieser begründete Verdacht vor, wird die Handlungsverpflichtung des Familiengerichts wirksam. Dies setzt allerdings voraus, dass dem Gericht entsprechende Informationen bekannt werden.

Kinder haben einen Anspruch auf multiprofessionelle Hilfe, von jedem Bürger, jedem Arzt und vor allem von jeder staatlichen Institution und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

2.1 Kindeswohlgefährdung Der Begriff “Kindeswohl” ist ein Rechtsbegriff aus dem Familienrecht und umfasst das gesamte Wohlergehen eines Kindes oder Jugendlichen einschließlich seiner gesundheitlichen und seelischen Entwicklung. Unter Kindeswohlgefährdung versteht man eine gegenwärtige, in einem solchen Maß vorhandene Gefahr, die mit ziemlicher Sicherheit zu einer erheblichen Schädigung des Kindes im Laufe seiner weiteren Entwicklung führen wird. Damit bezieht sich dieser Begriff nicht auf eine bestimmte Tathandlung, sondern stellt eine im Einzelfall zu bewertende Konsequenz aus einer Summe von Taten, Umständen, pflichtwidrigen Unterlassungen, Einflussfaktoren oder Kompetenzdefiziten dar. Bei

Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen haben generelle Ursachen der Kindeswohlgefährdung identifiziert, die in Kumulation gefahrenerhöhend für Kinder sein können. Allgemeine Risikofaktoren:

» Schwierige soziale Lebenslage

(wirtschaftliche Krisensituation), oft verbunden mit desolaten Wohnbedingungen

» Problematische Vorgeschichte der

Eltern mit eigener Misshandlung, Vernachlässigung, Heimaufenthalten, Scheidung

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BDK - Sichere Kindheit, verantwortungsvolle Gesellschaft  

Mit der Broschüre „Sichere Kindheit" möchte die Redaktion von „Kripo-Tipps" eine Information und Handreichung für Eltern, andere Erziehungsv...

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