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POETA DELLE CENERI WHO IS ME

KOLLEKTION HERBST-WINTER 2011/2012


KOLLEKTION HERBST-WINTER 2011/2012


Ivan Mandzukic Gedanken zur Abschlussarbeit Thema: P.P.P. Pier Paulo Pasolini – sein Gesellschaftsmodell

Warum P.P.P. als Leitfaden meiner Abschlussarbeit?

Er ist ein Spiegel seiner Gesellschaft. In seinen Filmen, Gedichten, Zeichnungen beobachtet er genau seine italienische Gesellschaft er ent-kleidet im übertragenen Sinne diese Gesellschaft, macht sie nackt, um zu zeigen, wie sie wirklich ist. Durch das Zeigen von geistiger und körperlicher Perversionen will er auf den IST Zustand aufmerksam machen.

Pasolini fasziniert mich durch sein kritisches Handeln, durch seine Eindeutigkeit, durch seine Ästhetik, durch seine Poesie. Sein Werk, seine Weltanschauung helfen mir, meinen eigenen Weg, meinen eigenen Inhalt zu suchen und zu finden.

Er ist extrem kritisch, er zeigt das in Menschen Verborgene, er spielt mit einzelnen Personen, mit Individuen im Kollektiv. Er provoziert, um gehört zu werden. Seine Homosexualität ist die treibende Kraft im Kampf zur Akzeptanz, Anerkennung, Gleichstellung. Aus kleinbürgerlicher Umgebung stammend wechselt er in eine offene römische intellektuelle Gesellschaft, ist Mitglied der kommunistischen Partei Italiens wie alle Intellektuelle. Mit seinem Werk hat er nicht nur in Italien eine ethische und ästhetische Revolution gestartet. Nach dem Motto: Ich ent-kleide dich. Ich mache und zeige dich nackt. Ich gebe dir dadurch die Möglichkeit, neue Kleider zu schaffen, zu finden, anzuziehen, ein neuer Mensch zu werden denn das weiß man, die Kleider machen Menschen. 4

Die Mode ist für mich ein gesellschaftliches Phänomen, das neben der sozialen natürlich auch ästhetische Komponenten beinhaltet. Um meinen Weg finden zu können, muss ich wie P.P.P. die Gesellschaft geistig und körperlich ent-kleiden, analysieren, genau beobachten. Die daraus gewonnenen Erfahrungen machen es mir möglich, das NEUE zu schaffen. Ich will, wie er das Perverse, die Eleganz das Alltägliche durch meine Kleider, meine Mode sichtbar machen, einen ästhetischen aber auch gesellschaftlich kritischen Beitrag leisten.


Centro Studi – Archivio Pier Paolo Pasolini, Bologna

Pier Paolo Pasolini (5. März 1922 – 2. November 1975) war ein italienischer Filmregisseur, Dichter und Publizist und wurde in Bologna als Sohn des Berufsoffiziers Carlo Alberto Pasolini und der Volksschullehrerin Susanna Colussi geboren. Bereits als Schüler schrieb er Gedichte und 1942 veröffentlichte er seinen ersten Lyrikband. Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss Pier Paolo Pasolini sich der Kommunistischen Partei Italiens an, wurde jedoch nach zwei Jahren ausgeschlossen, weil er sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. 1955 erschien sein erster Roman „Ragazzi di Vita“. Sechs Jahre später kam sein erster Film ins Kino: „Accattone“. Als Poet, Romancier, Essayist, Drehbuchschreiber und Filmregisseur setzte Pier Paolo Pasolini sich für sozial Benachteiligte ein und kritisierte immer wieder die italienische Gesellschaft, vor allem deren Konformitätsdruck und die autoritären Herrschaftsstrukturen. Vereinnahmen ließ er sich von keiner Seite. Im November 1975 wurde Pasolini in der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen ermordet. Seine Leiche wurde am Strand von Ostia gefunden. Pasolini war offenbar mehrfach mit einem Auto überfahren worden. Wegen des Mordes verurteilt wurde der Stricher Pino Pelosi, der die Tat gestand und eine Freiheitsstrafe bis 2005 verbüßte. 2005 widerrief er sein Geständnis gegenüber Journalisten und erklärte, Unbekannte hätten Pasolini getötet. Pasolini wurde auf dem Friedhof von Casarsa beerdigt. 5


Ich liebe das Leben wild und verzweifelt. Und ich glaube, daĂ&#x; diese Wildheit und diese Verzweiflung mich an mein Ende fĂźhren ... Pier Paolo Pasolini

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Ich habe meinen Vater getÜtet, menschliches Fleisch gegessen, und – ich bebe vor Freude! Pier Paolo Pasolini

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Dieser Mensch hat keine Wurzeln mehr, er ist ein monströses Geschöpf des Systems, meines Erachtens ist er zu allem fähig. Pier Paolo Pasolini

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Vier Nazifaschisten machen Razzien; das SchloĂ&#x; von Sade, wo sie die Gefangenen hinbringen, ist ein kleines Muster-KZ. Es interessierte mich zu sehen, wie die Macht agiert, wenn sie sich von der Menschlichkeit abspaltet und sie zum Objekt macht. Pier Paolo Pasolini

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Tatsache ist, dass die Sexualität hier noch verwendet wird, aber anstatt, wie in der Trilogie des Lebens, als etwas Freudvolles, Schönes und Verlorenes verwendet zu werden, wird sie als etwas Schreckliches eingesetzt, sie ist zur Metapher dessen geworden, was Marx den Warencharakter des Körpers, die Entfremdung des Körpers nennt. Das, was Hitler brutal gemacht hat, also indem er die Körper tötete, zerstörte, das hat die konsumistische Zivilisation auf kultureller Ebene getan, aber in Wirklichkeit ist es dasselbe. Pier Paolo Pasolini 22


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Nie zuvor in der Geschichte wurde der KĂśrper so als StĂźck Fleisch behandelt wie in der Zeit der Gaskammern. Pier Paolo Pasolini

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Wenn Sie wissen, daß ich ein Ungläubiger bin, dann kennen Sie mich besser als ich selber. Ich kann ein Ungläubiger sein, aber ich bin ein Ungläubiger, der eine Sehnsucht nach einem Glauben hat. Pier Paolo Pasolini

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The mark which has dominated all my work is this longing for life, this sense of exclusion, which doesn't lessen but augments this love of life. Pier Paolo Pasolini

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Wir sind alle in Gefahr. Pier Paolo Pasolini

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Impressum Dieses Lookbook ist Teil der Diplomarbeit von Ivan Mandzukic Kollektion Herbst-Winter 2011/2012 Diplom Thema: P.P.P. Kollektion & Styling: Ivan Mandzukic, Berlin Fotos: Stefan Kraul, Berlin Foto Seite 5: Centro Studi – Archivio Pier Paolo Pasolini, Bologna Make-up, Hair: Alexander Weber, Belin Accessoires: IVANMAN, Berlin Models: Jan Mollenhauer, Filip Nadrajkowski, David Suchy, Alexander Weber Graphic Design: Joachim Mildner, Zürich Druck: www.ausdruck-berlin.de © by Ivan Mandzukic 2010 All rights reserved. Fotoshooting am 18. Mai 2010 im Olympischen Dorf der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin, Hof „Haus der Nationen“ Special thanks to Mr. Vladimir Lalo Nikolic.

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