Issuu on Google+

ikrokosmos Verborgene Welten Alles eine Frage der Hygiene

Josephine Stenger-Ruh


2


Wie egal uns unsere Hygiene ist Ein Einleitungstext darüber, wie der Mensch mit der Allgemeinhygiene umgeht. Beruf oder sozialer Stand spielen dabei keine Rolle. Küche und Wohnraum Bakterienkolonien in unserer Umgebung. Wo wir uns am wohlsten fühlen, da ist auch genügend Raum für Erreger. Badezimmer Wenn es um mangelnde Hygiene geht, denken die meisten sofort an Toiletten. Das dort aber gar nicht die meisten Keime lauern, wissen nur wenige. Alles eine Frage des Blickwinkels Sind wir wirklich Herr unserer Körperhygiene?

Öffentlicher Raum Jeder trägt etwas zur Allgemeinhygiene bei. Doch wieso ist es dann überall so keimbelastet? Die Einseitigkeit der Medien Ein Vergleich von aktuellen Zeitungsartikeln: Wie die Medien den Hygienemangel darstellen. Quellenverzeichnis

Statistiken Problematische Fakten über die Hygiene-Welt unserer Bevölkerung.

3


Wussten Sie, dass das wichtigste beim Händewaschen das Abtrocknen ist? Auf der Hautoberfläche befinden sich abertausende von Bakterien, die zu unserem Körper gehören wie Ketchup zu Pommes. Die Verbindung unserer Körperwärme und ein wenig Feuchtigkeit bieten ihnen den perfekten Boden zum gedeihen. Papier trocknet unsere Hände am besten, da das Material besonders saugstark ist. Stoffhandtücher und elektrische Händetrockner, wie man sie oft in öffentlichen Toiletten findet, sind da nur halb so gut. Dort werden Handtücher nicht oft genug gewechselt und sind dadurch oft feucht oder gar nass. Der Händetrockner heizt erst einmal kräftig die Bakterien auf der Haut ein, bevor er viel zu langsam die Haut trocknet. Dann lieber gar keine Hände waschen? Falsch. Klar denken Sie jetzt vielleicht: Ist doch mein Körper, mich stören die Bakterien an meinen Händen nicht. Aber genau so schnell, wie sich diese Keime auf ihrer Haut

4

vermehren, können Sie sie an andere Menschen weitergeben. Durch einen Händedruck, vielleicht auch nur durch das Berühren eines Türgriffs. Oder Sie machen an der nächsten Imbiss-Bude halt, um sich eine Currywurst mit Pommes reinzuschieben. Dort werden Sie alles mögliche berühren: Serviettenhalter. Soßentube. Theke. Geld. Wechselgeld. Und schon sind Ihre Bakterien im Umlauf. Und nicht nur Ihre... Männer waschen sich nach einem Toilettengang weniger häufig die Hände als Frauen. Direkt danach wird gegessen und dabei jeder einzelne Finger abgeschleckt. Mhm, ErregerSandwich. Der Mann hinter der Theke der Imbissbude gehört eventuell zu dieser Mehrheit an Nicht-Händewaschern. Um nicht unhygienisch zu sein, muss man mit einem stark ausgeprägten Bewusstsein für die Allgemeinhygiene durch die Welt gehen. Aus eigener Erfahrung, oder die von Freunden, erinnere ich mich da an die ekligsten Dinge, die nicht jedem auffallen zu scheinen.


12. 390. 760 Menschen … … starben im Jahr 2011 weltweit an übertragbaren Krankheiten. Mit jeder Sekunde kommt ein neues Opfer hinzu. Die Erreger von eben solchen Infektionen gelangen über die Atemwege (Tröpfcheninfektion) oder durch ungeschützten Geschlechtsverkehr in den Organismus eines Menschen.

Da gab es die Wurstverkäuferin im Biomarkt: Hustet sich in die Hand um danach mit den Bazillen-Fingern nach der Aufschnittwurst zu greifen, die ich bestellt habe. Oder der gehetzte Büroangestellte, der über die Tastatur gebeugt einen Döner verschlingt. Klar, dass da auch mal Soße runter tropft. Aber macht ja nix, das Ganze wird zwischendurch mit dem Finger weggewischt und abgeschleckt. Dann kann weiter getippt und gegessen werden. Oder man betrachtet einfach ein bisschen das WGLeben. Zigaretten werden in Trinkgläsern ausgedrückt, im Gemüsefach wird es langsam aber sicher gräulich, gekocht wird mehr als gespült. Also: Ganz egal in welchem Alter oder in welcher Gesellschaftsschicht man sich befindet, der Mensch neigt zur Unhygiene. Damit schadet er nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Mitmenschen. Infektionskrankheiten, die von Mensch zu Mensch übertragen werden, sind weit verbreitet und es gibt tausende von Arten. Aber an-

statt sich nach dem Ursprung dieser Krankheiten zu fragen, pumpt sich unsere Bevölkerung mit Medizin wie Antibiotika voll. Aber auch das schadet unserer Umwelt. Viele Bakterien sind mittlerweile immun dagegen geworden, weil der Mensch diese Medizin ja wieder ausscheidet und in die Umwelt entlässt. Doch eigentlich ist es ganz einfach, Infektionen vorzubeugen. Ganz ohne künstliche Stoffe. Einfach mit einem

besseren Bewusstsein. Man fängt bei sich selbst an, und steckt andere mit der richtigen Einstellung an. Manchmal reicht es aus, andere auf ihre Fehler hinzuweisen. Beispielsweise die Frau an der Wursttheke.

Diese Broschüre gibt Ihnen einen Einblick in unsere Hygienewelt. Auf das Sie dann zu Taten schreiten werden.

* Das sog. Rotavirus wird durch kontaminierte Lebensmittel und Trinkwasser auf den Menschen übertragen. Erbrechen, Fieber und schwere Durchfallerkrankungen sind die Folge..

5


6


7


8


9


10


11


12


Durch das Verschlucken von Wurmeiern … … des Spulwurms der Gattung Toxocara, entwickeln sich Larven im menschlichen Körper. Sie leben über einen langen Zeitraum und wandern durch das Gewebe, bis sich Entzündungen bilden. Dies ist einer der Erreger, der durch Haustiere wie Hunde und Katzen auf den Mensch übertragen wird. Die genaue Anzahl von Zoonosen kann nur schwer geschätzt werden, da weltweit eine sehr große Menge dieser Infektionen existieren.

13


14


15


46.000 Menschen in Deutschland sind HIV-positiv. Aids wird u. a. durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen und ist damit eine Infektionskrankheit, die von Mensch zu Mensch weitergegeben wird. Die Krankheit geht einher mit der Vernachlässigung der Verhütung von Krankheiten. Somit ist sie gleichzeitig eine Nicht-Rücksichtnahme auf die Allgemeinhygiene.

16


17


18


19


„Er konnte sich, vollkommen in sich selbst ertrinkend, um alles in der Welt nicht riechen.“ Einige Menschen entwickeln ein gestörtes Verhältnis zur eigenen Körperhygiene. Dies kann verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel ein Trauma aus Kindheitstagen. In unserer heutigen Gesellschaft reicht allerdings schon etwas Druck von der Medienwelt oder dem Freundeskreis aus, um unsere Vorstellung von Sauberkeit in eine bestimmte Richtung zu lenken. Ob das die korrekte Einstellung ist, ist jedoch zu bezweifeln. Jeder Mensch ist von anderer Beschaffenheit. So braucht auch jeder Körper eine individuelle Pflege. Während Angst vor Ansteckung in unserer Gesellschaft vorherrscht, ist die wirkliche Krankheit jedoch der Zwang den eigenen Körper von seinem eigentlichen Geruch zu befreien. Wir bedienen uns alle an parfümierten Seifen, Lotionen und Shampoos. Selbst unsere Kleidung waschen wir nicht mehr geruchsneutral. Zusätzliche Düfte nebeln uns ein, wenn wir dann auch noch zu Deo und Parfum greifen. Doch woher kommt die Angst vor dem eigenen Geruch? Gerechtfertigt ist

20

sie nämlich keineswegs. In vergangenen Jahrhunderten legte der Mensch schon wert darauf, seinen Gestank mit kostbaren Gerüchen, und seine Unreinheiten mit Puder zu überdecken. Damals wusste man jedoch noch nicht wohin mit all dem Müll, und die Öffentlichkeit war voll davon. Heute leben wir in dieser Hinsicht im wahren Luxus. Trotzdem ist und bleibt der Mensch unhygienisch und trägt viel zur Verschmutzung bei. Umwelttechnisch genauso wie im Bezug zur Allgemeinhygiene. Vielleicht ist der allgemeine Waschzwang also letztendlich nur eine Art der Menschheit, sich von all den Unreinheiten im Alltag zu befreien. Rein seelisch gesehen. Denn während wir unsere Umwelt immer mehr verschmutzen, waschen wir wortwörtlich unser schlechtes Gewissen fort. So manch einer gar täglich. „Die Seele aller Wesen ist ihr Duft.“ Textauzüge aus „Das Parfum“ von Patrick Süßkind (schwarze Textabschnitte)


Rund 838.336.434 Menschen … … auf der ganzen Welt haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Ein deutsches Kind trinkt täglich 4130 Liter Wasser am Tag. Ein Kind aus dem Sudan in Afrika gerade mal 5 Liter.

Der diesjährige Wasserverbrauch beträgt weltweit 361.827 Milliarden Liter. Der durchschnittliche Deutsche duscht einmal täglich. Ein tropfender Wasserhahn hat den Verlust von ca. 17 Litern pro Tag zu verantworten.

21


22


23


24


25


26


27


28


29


Jeder dritte Mann ‌

30


… und jede zweite Frau vermeidet es, eine öffentliche Toilette zu benutzen. Sie haben Angst sich an einer Krankheit anzustecken. Das Klo erhält dort eine gründlichere und regelmäßigere Reinigung als die Spülbecken und Wasserhähne. Dabei lauern dort mehr Keime. Eine Untersuchung zeigt jedoch, dass sich die meisten Krankheitserreger auf Computer-Tastaturen und an Kühlschränken befinden.

31


32


33


34


35


36


Vergleicht man verschiedene Artikel, die das Thema mangelnde Hygiene im öffentlichen Raum behandeln, stößt man oft auf einseitige Berichterstattung. Entweder es wird der Standpunkt der jeweiligen Behörde erklärt, oder aber das unangebrachte Verhalten von Nutzern der jeweiligen Räumlichkeiten wird aufgezeigt. Viel interessanter ist es jedoch, beide Sichtweisen miteinander zu vemischen, um einen ganz eigenen Überblick zu bekommen. Da gab es zum Beispiel jede Menge Artikel über die unsterilen Krankenhäuser, die den Tod und/oder die Erkrankung vieler Patienten zu verantworten haben. Nur ein Artikel ist hingegen darüber erschienen, wie falsch das Verhalten von beiden Seiten sein kann. Von Ärzten wie von Patienten kann die Allgemeinhygiene vernachlässigt werden (siehe schwarzer Textabschnitt). Diese Gegenüberstellung von Tatsachen zeigt ganz klar: Nicht nur die Menschen die in öffentlichen Räumlichkeiten arbeiten, sondern auch die, die diese nutzen sind dafür zuständig, die dortigen Bereiche sauber zu halten.

Textauszüge aus dem Artikel „Man ist, was man isst.“ von DR. Marco Moor aus der Zeitschrift NEON, Ausgabe Januar 2012

„EIn etwa 70-jähriger Mann steht verloren vor einem Regal mit abgepackten Wurstsemmeln, bekleidet mit einem weiß-blauen Patientenflügelhemd (…) Unter seinem Hemd baumelt ein Urinbeutel an einem Katheterschlauch. Damit ist er am Orangentablett hängen geblieben.“ „Patienten in der Klinikkantine sind verboten. Nicht einmal Handwerker, die im Gebäude etwas reparieren, dürfen bei uns in die Personalkantine. Und an keinem Ort im Krankenhaus herrschen so strenge Regeln wie hier.“ „Ich selbst habe nur einmal ein unangerührtes Patientenessen angeknabbert. (…) Der Patient schlief fest. Danach erzählte mir ein Kollege, dass das „zu-sich-Nehmen von Patientenessen“ als Diebstahl geahndet wird und der Grund für eine Abmahnung ist.“

37


38


Internet süddeutsche.de - Darmbakterien auf dem Sitzplatz - Hygienemängel in Kliniken: 30.000 Tote jährlich - Mangelnde Hygiene kostet Tausende das Leben stern.de - Zentralverband lehnt Hygiene Ampel für Gastronomie ab Bücher // Magazine HAUPTSACHE GESUND! GESUNDHEITSAUFKLÄRUNG ZWISCHEN DISZIPLINIERUNG UND EMANZIPATION Katalog zur Ausstellung vom 02.07.1998 bis 03.01.1999 Eine Publikation des Deutschen Hygiene-Museums Dresden und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Köln Jonas Verlag, 1998 NEON Ausgabe Januar 2012 Kolumne Sprechstunde Man ist, was man isst Seite 100 „Dr. Marco Moor berichtet jeden Monat für Neon aus seinem Klinikalltag, Moor, der eigentlich anders heißt, ist Internist und arbeitet seit sieben Jahren in einem der größten Krankenhäuser des Landes.“

focus.de - Brutstätten für Bakterien weltonline.de - Die Hygiene der Deutschen ist mangelhaft worldometers.info/de/ gesundheitsamt-bw.de - Infektionen durch Tierkontakte listedesinfektionsmittelPDF (Haut und Flächenreinigung) who.int/en World Health Organisation dw-world.de Deutsche Welle- Hygiene wird in Deutschland oft vernachlässigt thetruthport.de infektionsnetz.at - Liste von Krankheitserregern und Infektionskrankheiten labormerk.de/de/pd/dienstleistungen/liste_viren_bakterien_pilze_de.pdf gmx.net/themen/gesundheit/ bildergalerie/bilder/1689wpc-eklige-fakten-aus-dem-alltag

Josephine Stenger-Ruh

Hochschule RheinMain / / Projekt Interdisziplinärer Entwurf / / 3. Semester Matrikelnr: 165263 // Prof. Wagner // Prof. Freitag-Schubert // Prof. Böttcher

39


ikrokosmos Verborgene Welten Alles eine Frage der Hygiene

Josephine Stenger-Ruh Hochschule RheinMain / / Projekt Interdisziplinärer Entwurf / / 3. Semester Matrikelnr: 165263 // Prof. Wagner // Prof. Freitag-Schubert // Prof. BÜttcher


Mikrokosmos: Verborgene Welten - Alles eine Frage der Hygiene