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Klimt made in Gelsenkirchen – doch auch andere Klassiker können die Maler des MiR bei Bedarf auf die Leinwand bringen.

Gemalt wird hier oft im Großformat, entsprechend viel Platz und Bodenfläche bietet der Malsaal.

Im Malsaal wartet man gerade darauf, dass die Farbe der großen Bodenplatten trocknet. Sie werden als Kulisse für Bellinis Oper „Norma“ dienen, die zur Premiere am 5. März das erste Mal vom Publikum zu sehen sein werden. Gestrichen sind die Platten in einem Silberton, passend zu den korrespondierenden Bauten. „Die Holzwände mussten vor dem Anstrich noch mit Stoff bezogen werden, damit man die Holzmaserung darunter nicht sieht. Die Oberfläche muss absolut glatt sein“, erklärt die Werkstattleiterin. Vier feste Bühnenmaler und -malerinnen und zwei Auszubildende sind derzeit im Malsaal beschäftigt. Auch Jahres- oder Schülerpraktikantinnen und -praktikanten holen sich hier die ersten Einblicke in das Berufsfeld des Bühnenmalers. Überall hängen Skizzen und Pläne. Das nach den Entwürfen des Bühnenbildners gestaltete

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Modell des Bühnenbilds gibt im Kleinen eine Ahnung vom Großen. Alles soll so realistisch wie möglich und so leicht wie nötig sein. Sollen große Wandbilder gemalt werden, liegen diese auch auf dem Boden. Doch anders als Straßenmaler bearbeiten die Bühnenmaler die Fläche im Stehen. Mit verlängerten Pinseln haben sie einen besseren Überblick über Wirkung und Verhältnismäßigkeit. Und Knie schonender ist es allemal. In der Schreinerei werden die riesigen hölzernen Kulissenelemente zurechtgesägt und montiert. Alles muss leicht sein, darf jedoch seine Stabilität nicht einbüßen. „Die Türen zur Kulisse bei ‚Alice in Wonderland‘ haben wir alle nachgebaut. So eine richtige Altbautür ist unglaublich schwer. Und bei insgesamt 27 Türen kann man sich ja vorstellen, was das hieße“, erzählt Sina Rohrlack.

Die gebürtige Berlinerin hat in Hamburg ihren Studiengang Medientechnik als Ingenieurin absolviert. Schon währenddessen arbeitete sie im Hamburger Schauspielhaus, das sie später auch übernahm. „Hier habe ich als Bühnen- und Lichttechnikerin gearbeitet, habe das Lichtdesign übernommen und bühnenbildnerisch gearbeitet.“ Nach weiteren Berufsjahren in Krefeld und Göttingen kam sie im August 2014 ans MiR. Seit fast zwanzig Jahren arbeitet sie in der Branche, weshalb ihr auch niemand ein X für ein U vormachen kann. „Ich weiß schon, wie alles geht“, lacht sie. „Wenn jemand mir erzählen will, das ginge nicht, kann ich dagegenhalten.“ Selbst will sie handwerklich aber nicht mehr mitmischen. In der Dekorationsabteilung werden gerade Matratzen auf die benötigten Maße vergrößert. Es riecht nach Lösungsmitteln. Die Dekorateure Peter Adamski und Dominic Langner arbeiten zu zweit an allem, was mit Stoffen zu tun hat. Früher nannte man die Abteilung die Tapezierwerkstatt. „Damals wurden Wände ja noch mit Stoff bespannt. Daher kommt eigentlich diese Bezeichnung“, erzählt Peter Adamski, der mit 35 Jahren am Musiktheater sicher zu den altverdienten Mitarbeitern gehört. Betten, Matratzen, Polster, Vorhänge; all das muss konfektioniert und mit feuerfesten Stoffen bezogen werden.

isso. # 10 Februar 2016  
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