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J U L I – O K T O B E R  2 0 16 E U R 6 , 9 0 D/A

S F R 9, 9 0

DAS KU NSTM AGA ZI N FÜ R ENTD ECK ER

Die Kunst-App im App Store und bei Google Play m.artmapp.net

GRAUBÜNDEN

BAROCKREGION MANNHEIM TOUCHDOWN TANNENZÄPFLE

GIACOMETTI KIRCHNER LANDY SCHAD SPINATSCH VITAL AUGSBURG BASEL BONN FRANKFURT ROTTWEIL SCHWERIN SOEST THUN


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2016

27–30

OCTOBER 22nd International Contemporary Art Fair | ABB Hall 550 | Zurich-Oerlikon Thu 4pm – 10pm | Fri 12pm – 9pm | Sat Sun 11am – 7pm | www.kunstzuerich.ch


Titelmotiv: Daniel Rauers, 2013, Ohrenkuss-Ausgabe „Superkräfte“ © Martin Langhorst (www.lichtbilderlanghorst.de)

Editorial 12 2016

IHRE KUNSTREISE NACH BASEL.

Foto Editorial: © Carmen Jäger unten: Peter Schlör, Foto: Antje Mead

Noch mehr Licht!

Die Metropolregion Rhein-Neckar bildet seit langem eine Drehscheibe für Fotografie. Beim letzten „FOTOFESTIVAL Mannheim Ludwigshafen Heidelberg“ entdeckte ich die neuen Arbeiten des Bündner Fotokünstlers Jules Spinatsch, dem wir in dieser Ausgabe ein großes Porträt widmen. Seit dreißig Jahren wirkt hier auch der in Mannheim lebende Künstler Peter Schlör. Seine ungewöhnlichen „Heimatbilder“ aus dem Schwetzinger Schlossgarten begleiten unser aktuelles Barock-Thema. Hallo Peter, 1986 hast Du Mannheims Wahrzeichen, den Wasserturm in ungewöhn­ licher Pose porträtiert und 2006 im Schwetzinger Schlosspark eine Woche lang im Winter – bei klirrender Kälte – Deine seriellen Arbeiten entwickelt. Seit einigen Jahren scheinst Du Dich ganz der Landschaft verschrieben zu haben – fast hat man den Eindruck, dass Du Dich immer mehr vom Gegenstand löst? Ja, das stimmt. Seit meiner Reise nach La Palma in 2008 nehme ich meine Fotografie wörtlich und übergebe immer mehr dem Licht selbst die Regie. Auf den Kanaren herrscht ein sensationeller Wandel aller vorstellbaren Lichtszenarien – seither bin ich regelrecht süchtig nach fein nuanciertem Licht, das man hier zu Lande leider nur extrem selten erleben kann. Deine neuesten Arbeiten sind aber auf Island und in Neuseeland entstanden. Suchst Du eine Neuausrichtung? Ja, Island brachte eine Zäsur nach der ich mich sehnte. Zweimal war ich für mehrere Wochen dort. Immer an identischen Orten im Abstand von exakt einem Jahr. Nur so lässt sich das Variable vom Kontinuierlichen unterscheiden. Das Licht ist ein ganz anderes dort – vor allem das „ewige“ Licht der Gletscher. Jeder Ort hat seine Besonderheiten – Neuseeland bietet eine unvergleichliche Vielfalt. Peter, aktuell zeigt die Landesgalerie in Linz Arbeiten in einer Gruppenausstellung und im Herbst bist Du auf der Kunst Zürich bei Arte Giani vertreten. Gibt es Ausstellungs­ pläne in Deiner Heimatregion? Im Oktober zeige ich zur OFF//PHOTO eine Auswahl meiner frühen Arbeiten im neu belebten TANKTURM in Heidelberg – für mich derzeit einer der spannendsten Orte im Delta.

Liebe Leser, ich wünsche Ihnen nun viel Spaß auf Ihrer Entdeckungstour mit ARTMAPP. Reiner Brouwer Herausgeber

Rund 40 Museen mit Sammlungen und Ausstellungen von Weltruf – das ist in der Schweiz einzigartig und auch im internationalen Vergleich Spitzenklasse. Darunter sind vier weltberühmte Museen: Fondation Beyeler, Kunstmuseum Basel, Museum Tinguely und Vitra Design Museum. Mit dem Art & Design Special können Sie alle Facetten dieser vier Museen erleben. Leistungen des Angebots: 1 Basel Art Pass: 48-h-Eintritt in die Art & Design Museums Basel 1 Übernachtung in der gewählten Hotelkategorie 1 Mobility Ticket: kostenlose Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs Buchen Sie Ihren Aufenthalt unter: www.basel.com/ baselartpass, artanddesign@basel.com oder + 41 (0)61 268 68 58

HIGHLIGHTS Fondation Beyeler / Riehen: Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter 04.09.2016 – 22.01.2017 Kunstmuseum Basel: Der figurative Pollock 02.10.2016 – 22.01.2017 Museum Tinguely / Basel: Musikmaschinen / Maschinenmusik 19.10.2016 – Januar 2017 Vitra Design Museum / Weil am Rhein (D): Alexander Girard. A Designer`s Universe 12.03.2016 – 29.01.2017 Schaudepot: Die Sammlung des Vitra Design Museums 1800 bis heute. Januar bis Dezember 2017 NEU: 24 Stops / Rehberger-Weg: www.24stops.info


Max Pechstein, Aufgehende Sonne (Detail), 1933 © Pechstein Hamburg / Toekendorf / Adagp, Paris 2016 © Saarlandmuseum Saarbrücken, Stiftung Saarländischer Kulturbesitz

ZWISCHEN ZWEI HORIZONTEN DEUTSCHE UND FRANZÖSISCHE AVANTGARDEN AUS DEM SAARLANDMUSEUM

29.06.16 16.01.17 >

centrepompidou-metz.fr

Die Sammlung des Saarlandmuseums zu Gast in Metz


Inhalt

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(auszugsweise)

ARTM APP Sommer 2016

Stephan Kunz, Direktor des Bündner Kunst­m useums Chur © Bündner Kunstmuseum Chur

Alberto Giacometti in Stampa, Foto: © Stiftung Ernst ­S cheidegger-Archiv

Eiskonditor Dario Fontanella, Foto: Carolin Breckle

Graubünden

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DIE DREI GROSSEN MUSEEN IN CHU R , DAVOS U ND ST. MORITZ „Wir arbeiten eng zusammen“ – von Alice Henkes

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DIE NEU E KIRCHNER-APP Auf den Spuren des Künstlers in Davos - von Anabel Roque Rodrìguez

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W U NDER DES U NIVERSU MS Ruedi Bechtler & das Hotel Castell in Zuoz/Engadin – von Barbara Fässler

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DIE ART MASTERS IM ENGADIN Galerienszene zwischen St. Moritz und Zuoz von Nicole Büsing & Heiko Klaas

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DAS LICHT DES BERGELL Giacometti in Stampa: Ausstellung zum 50. Todestag – von Alice Henkes

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Barockregion

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ZEIT DES AU FBRUCHS Interview mit Prof. Dr. Alfried Wieczorek, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen – von Daniela Gregori

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BAROCKES RHEINL AND-PFALZ Interview mit Thomas Metz, Leiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe RP von Daniela Gregori

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„BAROCCO“ Mannheimer Geschmackssensationen – von Kim Behm

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„ER NA MUSS BLEIBEN“ Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen am Rhein – von Daniela Gregori

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ZWISCHEN BAROCK U ND ZUKU NF T IN SCHWABEN Fotografie von Thomas Witzke

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Schwarz wald

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von Daniela Gregori

GRENZGANG Der Rehberger Weg zwischen Weil am Rhein und Riehen bei Basel

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BAL ANCEAK TE Museum Art.Plus in Donaueschingen

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KU NST FÜ R DIE STADT Jürgen Knubben, Kurator und Künstler aus Rottweil – von Chris Gerbing

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Susanne Gaensheimer, Direktorin des mmk Frankfurt, Foto: Renato Ribeiro Alves

Por träts JU LES SPINATSCH  von Anabel Roque Rodrìguez

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PETER SCHLÖR  „Light Fall“

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ROBERT SCHAD  von Christoph Schütte

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Mecklenburg -Vorpommern DER NEU BAU FÜ R DIE MODER NE Staatliches Museum Schwerin – von Susanne Burmester

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KU NSTR AU M MIT STAHLKR AF T St. Georgen in Wismar – von Jan-Peter Schröder

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MECK-POMM WIRD DU RCH KU NSTPREISE STARK! 10. Kunstpreis der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe von Susanne Burmester

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Ausstellungen WOHLK ALKU LIERTE BANDBREITE Buchmann Galerie Berlin – von Raimar Stange

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EIN FITZCARR ALDO DER GÄRTEN Parkomanie Fürst Pückler – von Katja Behrens

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FRISCHER WIND IM „TORTENST ÜCK“ Das Frankfurter MMK Museum wird 25 Jahre alt – von Christoph Schütte

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HELEN HIRSCH VERORTET ZEITGENÖSSISCHES am Kunstmuseum Thun – von Sarah Alberti

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APPETIZER

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BUCHTIPPS

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AMREI‘S ARTBLOG

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TER MINE

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IMPRESSU M

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Helen Hirsch, Direktorin des Kunstmuseum Thun, Foto: Patrik Spahni


SCHAD

PARCOURS DE SCULPTURES - BRETAGNE PRINTEMPS > AUTOMNE 2016 CÔTES D’ARMOR ABBAYE DE BON-REPOS FINISTÈRE ABBAYE DE DAOULAS ABBAYE DU RELEC CHÂTEAU DE KERJEAN DOMAINE DE TRÉVAREZ MANOIR DE KERNAULT MORLAIX /MAISON PENANAULT ARTS À LA POINTE/ AUDIERNE PLOZÉVET PRIMELIN

WWW.SCHAD-BRETAGNE.FR


�f l-lE 'IIE'1V

CONTEMPORARY ART SPACE

Hallucigenia Nemo, 2013 MARTIN WALDE

Drohne #9, 2016 BJÖRN SCHÜLKE


Ouroboros, 2016 BORIS PETROVSKY

Knoten 168-2-1, 2014 MARTINA LAUINGER

THE VIEW 2016 19. Juni - 30. September

MARTIN WALDE .. .. BJORN SCHULKE BORIS PETROVSKY MARTINA LAUINGER www. the-view-ch. com


Gestaltung: BUERO211.DE Jaume Plensa, Lilliput IV, 2012, Foto: Ari Karttunen / Espoo Museum of Modern Art © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

JAU M E

PLENSA

D i e i n ne r e Si cht | 4 . 9 . 2 016 – 15 .1. 2 017 Gefördert durch

Tickets inkl. VRS-Fahrausweis über

www.maxernstmuseum.lvr.de


Corporate Design: Studio Good | Gestaltung: www.arte-fakt.info

OTTO MUELLER

natürlich nackt

im Kabinett:

n Otto Modersoh in Emden

Die Kunsthalle wird gefördert von

Die Ausstellung wird gefördert von

Medienpartner der Ausstellung

Kulturpartner

Kooperationspartner

Otto Mueller, Zwei Mädchen in den Dünen, Sylt, 1920, Farblithographie. Brücke-Museum Berlin, Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung


Louis de Marsalle, 2016, Fotograf: Stephan Bösch

05.06. – 06.11.16 Alles Kirchner ! Das Museum als Wunderkammer

Rupprecht Matthies feat. Kirchner. Wortwechsel zwischen Kunst und Leben

Kirchner Museum Davos

Ernst Ludwig Kirchner Platz Promenade 82 CH–7270 Davos

Tel +41 81 410 63 00 info@kirchnermuseum.ch www.kirchnermuseum.ch


Museum d’art dal Grischun Cuira Museo d’arte dei Grigioni Coira

SOLO WALKS Eine Galerie des Gehens 25.06.– 06.11.2016 Ulay & Marina Abramovic Francis Alÿs Carl Andre Samuel Beckett Joseph Beuys Jacques-André Boiffard Louise Bourgeois Stanley Brouwn Günter Brus André Cadare Gaston Chaissac Guy Debord VALIE EXPORT Hamish Fulton Franz Gertsch Alberto Giacometti Thomas Hirschhorn Ferdinand Hodler Ernst Ludwig Kirchner Paul Klee Louise Lawler Richard Long Eli Lotar Henri Michaux Eadweard Muybridge Bruce Nauman Markus Raetz Ugo Rondinone Mark Rothko Jean-Jacques Rousseau Christoph Rütimann Giovanni Segantini Roman Signer Louis Soutter Sturtevant André Thomkins Cy Twombly Robert Walser Marianne Werefkin Adolf Wölfli


Jules Spinatsch, „Scene S1“, 2006, c-print, 100 x 163 cm, aus der Monografie Snow Management Complex – JRP Ringier. Courtesy: Galerie Luciano Fasciati, Chur


GRAU BÜNDEN


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Die drei großen Museen in Chur, Davos und St. M oritz

„Wir arbeiten eng zusammen.“

Stephan Kunz, Direktor des Bündner Kunstmuseums Chur

Natur und Kultur gehen in Graubünden eine besondere ­A llianz ein. Graubünden ist der größte und zugleich der am wenigsten besiedelte Kanton der Schweiz. Für Ausländer und auch für viele Schweizer ist er vor allem ein Urlaubsziel, das mit seinen unberührten Landschaften, den spektaku­ lären Bergen und abgeschiedenen Tälern, aber auch mit seiner ­Offenheit den Reisenden gegenüber beeindruckt. In Graubünden verbinden sich leichter als in jeder anderen Re­ gion der Schweiz unterschiedliche Sprachen und Kulturen. Seit ­L angem schon kommen Dichter, Denker und Kunst­ schaffende aus aller Welt hierher, um Ruhe und Inspiration zu finden. Friedrich Nietzsche siedelte sich einst in Sils Maria an, ­Giovanni Segantini in St. Moritz. Graubünden war und ist Wahlheimat und Inspirationsort für viele international ­renommierte Kunstschaffende wie Giovanni Giacometti und seine Söhne, HR Giger oder Angelika Kauffmann.

Diese besondere Attraktion Graubündens für Kulturschaf­ fende spiegelt sich in der Museumslandschaft des Kantons. Zahlreiche Häuser widmen sich der Pf lege regio­n aler und ­lokaler Kultur. Zudem verfügt Graubünden über drei Kunst­ museen mit internationalem Renommee. Das Bündner Kunstmuseum Chur, das Kirchner Museum Davos und das Segantini Museum in St. Moritz sind die großen Leuchttürme im Ausstellungsbereich. Die drei Häuser positionieren sich im touristisch geprägten Graubünden mit ähnlichen Problem­ stellungen bei ganz unterschiedlichen Programmen. Was Kunstmuseumsarbeit im „Reisekanton“ bedeutet, was die drei Häuser miteinander verbindet und was sie von­ einander unterscheidet, darüber geben Stephan Kunz, Direktor des Bündner Kunstmuseums Chur, Beat Stutzer, ­D irektor des Segantini Museums und Thorsten Sadowsky, Direktor des Kirchner Museum Davos, im Gespräch mit ARTMAPP Auskunft.


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A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — G R A U B Ü N D E N

Bündner Kunstmuseum Chur, Villa Planta und Er weiterungsbau, Foto: © Ralph Feiner


20 ARTMAPP: Stephan Kunz, das Bündner Kunst­ museum Chur hat gerade einen Erweiterungsbau von Barozzi Veiga aus Barcelona erhalten. Einge­ weiht wurde der Neubau Ende Juni dieses Jahres. Was bedeutet diese Erweiterung für das Museum? Stephan Kunz: Durch die Erweiterung haben wir mehr als doppelt so viel Fläche wie zuvor in einem Museum, das nun aus zwei Häusern besteht, die unterirdisch miteinander ­verbunden sind. Das Stammhaus, die Villa Planta, hat einen nostalgischen Charme, der Erweiterungsbau bietet neutrale Ausstellungsräume. Dadurch haben wir viel mehr Möglich­ keiten, unsere Sammlung zu präsentieren, die bisher nur in kleinen Teilen zu sehen war. Jetzt können wir ihre Schwer­ punkte viel besser herausarbeiten und dem zeitgenössischen Teil mehr Gewicht geben. Und wir können die internationa­ len Bezüge zur Kunst Graubündens stärker zeigen: Giovanni Segantini kam aus Italien nach Graubünden, Ernst Ludwig Kirchner aus Deutschland. Alberto Giacometti ging aus ­Graubünden nach Paris. Programmatisch ist die Eröffnungs­ ausstellung „SOLO WALKS. Eine Galerie des Gehens“. Das Thema ist naheliegend: das Wandern, das zu Fuß unterwegs Sein. Alberto Giacometti hat mit seinem „L’homme qui mar­ che“ ja gewissermaßen eine Ikone des Gehens geschaffen. Zugleich ist es eine internationale Ausstellung mit Werken von Carl Andre, Bruce Nauman, Hamish Fulton. Es gibt einen Bezug zur Region, aber auch internationale Offenheit. ARTMAPP: Die Sammlung des Bündner Kunst­ museums Chur umfasst rund 8.000 Werke. Wel­ ches sind die Schwerpunkte, die Sie erwähnten?

SK: Wir haben Werke einer Ausnahmekünstlerin aus dem 18. Jahrhundert, Angelika Kauffmann, die hier in Chur geboren ist. Die meisten Arbeiten stammen aus dem 20. Jahrhundert von Giovanni Giacometti und seinen Künstlerfreunden, Gio­ vanni Segantini, Ferdinand Hodler und Cuno Amiet. In der Villa Planta zeigen wir auf einer Etage nur Giacometti und sein Umfeld, dazu gehören natürlich auch seine Söhne Alberto und Diego. Im Neubau präsentieren wir Augusto Giacometti als Pionier der abstrakten Kunst sowie Ernst Ludwig Kirchner und den Schweizer Expressionismus. ARTMAPP: Beat Stutzer, das Segantini Museum in St. Moritz wurde 1908 nur acht Jahre nach Seganti­ nis Tod eröffnet. Wieso entschloss man sich so schnell, Segantini ein Museum zu widmen? Beat Stutzer: Segantini war schon zu Lebzeiten eine internati­ onal bekannte Persönlichkeit, ein Star würde man heute sagen. Er galt als symbolistischer Erneuerer der Kunst und der Alpenmalerei und sein Tod mit nur 41 Jahren auf dem Schaf­ berg wurde sogleich mystifiziert. So hat man nur wenige Jahre danach beschlossen, ein Museum zu bauen. Es war zunächst ein Museum ohne Inhalt. Man musste anfangs mit Leihgaben von Segantinis Mailänder Galerie arbeiten. ARTMAPP: Das Gebäude hoch über dem St. Morit­ zersee hat eine besondere Ausstrahlung. BS: Der Bau von Nicolaus Hartmann ist eine Mischung aus Museum, Denkmal und Apotheose des Künstlers. Allerdings ist er nicht besonders geräumig. Eines der Prunkstücke der Sammlung ist das „Alpentryptichon“ von 1899. Dessen Sei­ tenteile konnten bereits bei der Eröffnung des Hauses als Leihgaben präsentiert werden. Man hat damals davon ge­ träumt, auch das Mittelstück zeigen zu können. Leider hatte man nicht damit gerechnet, dass es sehr eng wird, wenn man alle drei Werke vereint. Der 1999 fertiggestellte Erweite­ rungsbau von Hans Jörg Ruch war ein Quantensprung. Die Sammlung ist beständig gewachsen und wird ergänzt durch Dauerleihgaben der Otto Fischbacher Stiftung, zu der einige der Hauptwerke Segantinis gehören. Ohne den Erweite­ rungsbau könnte man das nicht zeigen.

Thorsten Sadowsky, Direktor des Kirchner Museum Davos


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Kirchner Museum Davos, Foto: Frank Kleinbach

Thorsten Sadowsky: Der Berner Kunsthändler Eberhard W. Kornfeld hat bereits in den 1960er-Jahren kleine Sommeraus­ stellungen in einem der Häuser organisiert, in denen Kirchner gelebt hat. 1982 wurde die Ernst Ludwig Kirchner Stiftung ­gegründet und im alten Postgebäude der Stadt ein kleines Mu­ seum eingerichtet. 1992 entstand das heutige Museum nach Entwürfen der Zürcher Architekten Annette Gigon und Mike Guyer. Die Basis des Hauses geht auf Roman Norbert Ketterer zurück, der seit Anfang der 1950er-Jahre der Nachlassverwal­ ter für das Werk Ernst Ludwig Kirchners war. Mit seinen Kunstauktionen, die er nach dem Zweiten Weltkrieg in Stutt­ gart abgehalten hat, trug er wesentlichen dazu bei, den Expressionismus, im Dritten Reich als „entartete“ Kunst ver­ femt, in Deutschland zu rehabilitieren. Roman Norbert Ketterer und seine Frau Rosemarie Ketterer haben den Muse­ umsbau finanziert und einen Großteil der Sammlung gestiftet. Mit dem Museum schließt sich ein Kreis: Nach Kirchners Suizid 1938 hat seine Lebensgef ährtin Erna ­S chilling noch bis 1945 in Davos gelebt. Dann wurde der Nachlass im Kunstmuseum Basel inventarisiert. Anfang der 1950er-Jahre gingen die Werke nach Deutschland, jetzt sind viele wieder hier in Davos. Wir haben, wenn man alles ­z usammenzählt – Ölbilder, Arbeiten auf Papier, Skizzen­ bücher, Skulpturen, Fotografien – etwa 12.000 Werke. Das ist be­achtlich. Das Gesamtwerk wird auf 25. bis 30.000 Werke geschätzt. Neben den Schenkungen des Ehepaares Ketterer gibt es zahlreiche Zustiftungen im Museum.

ARTMAPP: Wie eng arbeitet das Kirchner Muse­ um Davos mit der Galerie Henze & Ketterer in Wichtrach zusammen? TS: Die Kinder von Roman Norbert Ketterer, Ingeborg ­Henze-Ketterer und Günther Ketterer, sind heute die Nach­ lassverwalter des Kirchner-Werkes. Sie sowie Wolfgang Henze, der Ehemann von Ingeborg Henze-Ketterer, und ­Carola Ertle Ketterer, die Ehefrau von Günther Ketterer, sind die zentralen Akteure in der Kirchner Stiftung, die das Mu­ seum finanziert. Die Ketterer-Familie engagiert sich auch persönlich sehr stark. Das Kirchner Museum Davos wird zu weit über 90 Prozent privat finanziert. ARTMAPP: Monografische Museen gelten als schwierig, weil Museumsbesucher heute immer wieder Neues geboten bekommen wollen. Wie gehen Sie damit um? BS: Wir im Segantini Museum halten das Haus lebendig, in­ dem wir Segantini immer wieder neu erfinden. Es gibt kaum einen zweiten Künstler seiner Generation, der eine so wech­ selhafte Rezeptionsgeschichte erfahren hat. Zu Lebzeiten wurde er umjubelt. Die Museen haben gewetteifert, ein gro­ ßes Werk Segantinis kaufen zu können. Nach dem Ersten Weltkrieg folgte eine Umwertung durch die neuere Kunstge­ schichte. Der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe ließ nur die französische Malerei gelten. Fast zeitgleich mit der Moderne kam die Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis. Es gab Ansätze, Segantini mit seinen Mutter-Kind-Bildern zu vereinnahmen,

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ARTMAPP: Thorsten Sadowsky, das Kirchner Museum Davos zeigt vor allem Werke aus dem Nachlass des Künstlers an dem Ort, an dem Kirch­ ner 20 Jahre lang gelebt hat. Wie ist das Museum entstanden?


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Beat Stutzer, Direktor des Segantini Museums St. Moritz, Foto: Arno Balzarini, Keystone

Expressionismus mit den Künstlern Gruppe „Rot Blau“. Und Segantini zusammen mit Giovanni Giacometti. Da können wir auf eine breitere Sammlung als die monografischen Muse­ en zurückgreifen. ARTMAPP: Welche Bedeutung hat der Tourismus für die Bündner Museumswelt? TS: Ohne Tourismus geht nichts in Graubünden. Im Moment wird intensiv diskutiert, wie sich die Bergregionen künftig aufstellen können, um attraktiv zu bleiben. Kunst und Kultur werden als touristischen Faktoren in Zukunft eine noch grö­ ßere Rolle als bisher spielen. ARTMAPP: Wie sehr muss oder kann ein Museum auf die Erwartungen der Touristen eingehen?

doch ist das nicht gelungen. In den 1950er-Jahren wurde er vor allem als nostalgischer Schilderer vergangener Zeiten ­betrachtet. Erst in den 1990er-Jahren hat man ihn als Maler wiederentdeckt und gesehen, wie modern er war – respektive ist. Mit dieser wechselvollen Geschichte können wir arbeiten. TS: Wir im Kirchner Museum Davos machen Aus­stel­lungen mit Zeitgenossen Kirchners, die mit ihm in Beziehung ­standen oder sich künstlerisch auf ihn bezogen haben. Aber auch zeitgenössische Kunst ist bei uns sehr wichtig. Ich ­v er­s uche, bestimmte Themen aus dem Werk Kirchners ­auf­zugreifen und in zeitgenössischen Positionen zu ­spiegeln. Vor zwei ­Jahren etwa hatten wir eine große ­G eorg Baselitz-­ Aus­s tellung. Baselitz ist ein wichtiger Künstler, der den Neoexpressionismus beeinf lusst hat. In anderen Ausstel­ lungen beleuchten wir Besonderheiten im Werk Kirchners. Wichtig ist, dass wir aus der Sammlung heraus denken und ­a rbeiten, weil die Besucher natürlich die Erwartung haben, dass im Kirchner Museum Davos ganz viel Kirchner zu sehen ist. Meist zeigen wir eine Sammlungspräsentation und eine kleine Wechselausstellung. ARTMAPP: Wie positionieren sich Ihre drei Mu­ seen zueinander? SK: Wir arbeiten eng mit dem Segantini Museum und dem Kirchner Museum Davos zusammen. Wir können im ­Bündner Kunstmuseum Chur aber beide Künstler, die dort präsentiert werden, stärker in ihrem kunsthistorischen ­K ontext zeigen. K irchner im Umfeld des Schweizer

TS: Man muss natürlich in gewisser Weise die Erwartungen berücksichtigen. Das gilt auch für die Vermittlung. Im Kirch­ ner Museum Davos haben wir gerade neue Audioguides in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache eingeführt. Und wir haben die Kirchner App auf Deutsch und Englisch entwickelt, mit der man Orte aufsuchen kann, die für Kirchner relevant gewesen sind. Die App funktioniert wie ein Dialog zwischen Erna Schilling, Kirchners Lebensgefähr­ tin, und dem fiktiven Kunstkritiker Louis de Marsalle, den Kirchner 1920 für sich erfunden hat. Das sind die beiden Spre­ cher, die Museumsbesucher durch Davos begleiten. BS: Touristen sind unglaublich wichtig. Zu uns ins Segantini Museum kommen vor allem viele Italiener. Der Anteil der ­asiatischen Besucher ist in den letzten Jahren etwas zurückge­ gangen, obwohl Segantini in Japan eine sehr große Rolle spielt. Segantini ist dort so populär wie Heidi und wird seit den 1920er-Jahren rezipiert. SK: Wir im Bündner Kunstmuseum Chur haben drei wich­ tige Besuchergruppen: Die Bevölkerung vor Ort, die das Museum trägt. Die Touristen, die das Haus als Kultur­ programm auf ihrer Reise besuchen – das ist ebenfalls ein starkes Segment. Und wir wollen Leute durch die Kunst nach Chur bringen. Wir wollen erreichen, dass das Bündner


23 Kunst­museum so attraktiv ist, dass man wegen des Museums nach Chur kommt. Das eigentliche touristische Publikum ist breit ge­ mischt. Das ist durchaus eine Qualität, und es bedeutet nicht, dass wir nicht trotzdem anspruchsvolle Ausstellungen ma­ chen können. Wir müssen uns nicht anpassen. Wir versuchen als Museum den Bedürfnissen der Touristen entgegenzukom­ men, indem wir Giacometti, Segantini, Kirchner immer zeigen. Das gehört klar dazu. Und doch wir machen kein Pro­ gramm nur für Touristen.

BÜ N DN E R K U NS T M USEU M CH U R 26. Juni bis 6. November 2016 „ S O L O WA L K S . E i n e G a l e r i e d e s G e h e n s“ „ Z i l l a L e u t e n e g g e r. T i n t a r e l l a d i l u n a“ ab 25 . Juni 2016 „ A u f A u g e n h ö h e“ , S a m m l u n g s p rä s e n t a t i o n w w w . b u e n d n e r- k u n s t m u s e u m . c h

ARTMAPP: Waren Reisende nicht immer schon wichtig für Graubünden und seine Kultur? K I RC H N E R M U S E U M DAVO S

SK: Sicher, wir wissen, wie viele Persönlichkeiten aus der Lite­ ratur, der Philosophie, der bildenden Kunst vom 19 . Jahrhundert an nach Graubünden kamen. Auch die ganze Ge­ schichte der Bündner Fotografie ist eng verbunden mit dem Tourismus. Die Bündner Bergfotografen, das waren wichtige Pioniere der Fotokunst. Ohne den Tourismus gäbe es diese Arbeiten gar nicht, die wir heute in unserer Sammlung zeigen können.

bis 6. November 2016 „ A l l e s K i r c h n e r ! D a s M u s e u m a l s W u n d e r k a m m e r“ „ R u p p r e c h t M a t t h i e s f e a t . K i r c h n e r. Wo r t w e c h s e l z w i s c h e n K u n s t u n d L e b e n“ www. k irchne r mu se um . ch

S E G A N T I N I M U S E U M S T. M O R I T Z

ARTMAPP: Stephan Kunz, Beat Stutzer, Thorsten Sadowsky – vielen Dank für das Gespräch!

„We r k e a u s d e r S a m m l u n g“ www. segant ini-museum. ch

Das Alpentript ychon La Vita – La Natura – La Morte im Kuppelsaal des Segantini Museums St. Moritz

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — G R A U B Ü N D E N

Das Interview führte Alice Henkes.


Die Alpenstadt

Chur entdecken!

D i e H a u p t s t a d t d e s K a n t o n s G ra u b ü n d e n h a t s c h o n v i e l e B e s u c h e r ü b e r ra s c h t . I m Vo r b e i f a h r e n a h n t m a n n ä m l i c h s o g a r n i c h t , w a s f ü r S c h ä t z e s i c h i m Z e n t r u m d e r l­ e b e n d i g e n G ­ e b i r g s m e t ro p o l e v e r b e r g e n : E i n e ä u s s e r s t s e h e n s w e r t e A ­ ltstadt, e in re iches k ult urelles A ngebot sowie die vielf ält ige und abwech slungs re iche A rchitek t ur machen den B esuch in Chur unvergleichlich . Ein persönlicher Augenschein hat schon viele B esucher zu Fans der Schwei zer Alpenstadt gemacht…

M A L E R I S C H E C H U R E R A LT S TA D T

M U S E E N , G A L E R I E N , T H E AT E R

Mit einer Siedlungsgeschichte von über 5000 Jahren ist Chur die älteste Stadt der Schweiz, was sie in ihrer malerischen und durchgehend autofreien Altstadt auch eindrücklich zelebriert. Zahlreiche Boutiquen, Restaurants, Bars, Museen und Ga­ lerien sorgen im lebendigen Zentrum für ein geradezu mediterranes Flair. Über der Altstadt thront der Bischöfliche Hof mit der 800 Jahre alten Kathedrale St. Mariä Himmel­ fahrt, die zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der Schweiz zählt.

Ob in den archäologischen Ausgrabungsstätten oder im Räti­ schen Museum über der Altstadt thronend; Chur hat seine Geschichte bewahrt und zugänglich gemacht. Dank dem Prä­ dikat „Hauptort Graubündens“ empfangen den Besucher mit dem Bündner Kunstmuseum und dem Bündner Naturmu­ seum zwei weitere unermüdliche Sammler alpenländischer Kultur. Im Forum Würth Chur werden zudem regelmässig Ausstellungen aus der Sammlung von Reinhold Würth ­gezeigt, eine der bedeutendsten Privatsammlungen Europas. Der vielfältigen Churer Kunstszene kann man ausserdem in nicht weniger als sieben Galerien, verteilt in der ganzen Stadt, auf die Spur kommen. Und auch Freunde des Theaters kom­ men in der Bündner Hauptstadt auf ihre Kosten: Das Theater Chur versteht sich als Experimentierfeld des Nachdenkens über die darstellende Kunst im Alpenraum. Die „Klibühni“ ist, wie der Name schon sagt (Kli) das kleine Theater. Hier wird Theater mit einer bunten, frischen Mischung aus Eigen­ produktionen, Gastspielen und Spezialveranstaltungen geboten in einer wunderschönen städtischen Liegenschaft.

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V I E L FÄ LT I G E S TA D T F Ü H R U N G E N

Viel Wissenswertes aus der Geschichte und Kultur der Alpen­ stadt erfährt man auf einem geführten Stadtrundgang. Von der klassischen, historischen Altstadtführung bis zu zahl­ reichen thematischen Führungen gibt es ein erstaunlich großes Angebot.

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25 links: Chur Panorama im Sommer, unten: Bündner Kunstmuseum Chur, Villa Planta und Er weiterungsbau Fotos: @ Chur Tourismus

Z E I T G E N Ö S S I S C H E A RC H I T E K T U R

Mit dem Erweiterungsbau des Bündner Kunstmuseums prägt ein weiteres, imposantes Gebäude die Alpenstadt. Das Projekt „Die Kunst der Fuge“ wurde vom spanischen Estudio Barozzi Veiga entworfen, das 2015 unter anderem mit dem renom­ mierten Mies-van-der-Rohe Preis ausgezeichnet wurde. Der international bekannte Architekt Peter Zumthor wohnt in Haldenstein, einem kleinen Dorf gegenüber der Stadt Chur. Viele Spuren hat er in Graubünden hinterlassen (unter ande­ rem die Felsentherme in Vals) und auch in Chur stehen mehrere Bauten von Zumthor, darunter die Schutzbauten für die römischen Ausgrabungen. Die Broschüre „Zeitgenössi­ sche Architektur“ informiert über die wichtigsten Bauwerke in Chur und Umgebung. w w w . c h u r t o u r i s m u s . c h ( We b c o d e : A r c h i t e k t u r)

S P E Z I A L A N G E B O T: H I G H L I G H T:

K U N S T & K U LT (C H )U R

N EU-E RÖF F N U NG BÜ N DN E R K U NS T M USEU M

Das Bündner Kunstmuseum eröffnet nach 2-jähriger Bauzeit am 25. Juni 2016 seine Tore wieder. In der historischen Villa Planta und dem neuen, markanten Erweiterungsbau ist unter anderem eine umfassende Sammlung von Künstlern, welche in Graubünden geboren wurden oder gelebt haben, zu sehen darunter weltbekannte Künstler wie Alberto Giacometti, Giovanni Segantini, HR Giger, Not Vital, Angelika Kaufmann oder Ernst Ludwig Kirchner. Mit der Erweiterung ist das Bündner Kunstmuseum Chur für das Publikum eines der at­ traktivsten und komfortabelsten Museen in der Schweiz geworden. Es versteht sich als Zentrum für Kunst in und aus Graubünden mit internationaler Ausstrahlung.

Profitieren Sie von der vergünstigten Kulturpauschale bei Ih­ rem Aufenthalt in Chur. Das Spezialangebot umfasst mindestens eine Hotel-Übernachtung inkl. Frühstück, den Eintritt ins erweiterte Bündner Kunstmuseum sowie wahl­ weise die Ausleihe des Audio Guides oder 50% Rabatt auf eine öffentliche Stadtführung. Alle enthaltenen Leistungen erhal­ ten Sie dabei zum attraktiven Pauschalpreis. Ab CHF 80 pro Person im Doppelzimmer. w w w . c h u r t o u r i s m u s . c h ( We b c o d e : K u l t C h u r)

DAU E R AU S S T E L L U N G „ A M O R T “ 29 . Mai bis 30. Ok tober 2016

Der Verein ART-PUBLIC Chur realisiert in diesem Jahr eine neue Dauerausstellung im öffentlichen Raum von Chur. Die­ se führt eine Reihe von Kunstprojekten im öffentlichen Raum in Chur weiter und verleiht dem öffentlichen Kunstdiskurs Kontinuität. Die Ausstellung soll wiederum dazu beitragen, sich mit Orten auseinanderzusetzen und diese durch neue Sichtweise und Aspekte zu bereichern. w w w . a r t- p u b l i c . c h

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Rätisches Museum Chur

Von Gletscherfunden und Zauberbergen Das R ät ische Museum in Chur f ühr t seine Besucher innen und Besucher t ief i n d i e G e s c h i c h t e G ra u b ü n d e n s u n d b e r ü h r t d a b e i z u g l e i c h i m m e r w i e d e r F ra g e n , d i e a u c h h e u t e n o c h a k t u e l l s i n d .


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links: Innenansicht Rätisches Museum, rechts: Direktorin Andrea Kauer, Fotos: © Rätisches Museum

ALICE HENKES

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Mit der Geschichte Graubündens eng verbunden ist bereits das Gebäude, in dem das vom Kanton geführte Museum ­logiert. Erbaut wurde es 1675 von Freiherr Paul von Buol zu Strassberg und Rietberg. Die Familie von Buol gehörte zur Führungsschicht im historischen Freistaat der „Drei Bünde“. 1872 wurde im Erdgeschoss des barocken Patrizierhauses, das im Herzen der Altstadt von Chur steht, das Rätische Museum eröffnet, das damals aus einer Bibliothek, eine Naturalienund eine Altertumssammlung bestand. Heute besitzt das Museum 100.000 Exponate aus allen Epochen der Bündner Kulturgeschichte. In wechselnden Sonderausstellungen ­sowie einer thematisch gegliederten Dauerausstellung, die in den letzten Jahren vollkommen neu gestaltet wurde, sind a­ rchäologische, kulturgeschichtliche und volkskund­ liche Objekte zu sehen, die die Entwicklung des Kantons ­Grau­bünden von der Urgeschichte bis ins 20. Jahrhundert nachvollziehen. Die vor wenigen Jahren neu strukturierte Dauer­ ausstellung gruppiert die Exponate der Sammlung zu Themenblöcken, die auch heute aktuell sind und verbindet so die Geschichte mit der Gegenwart. Der Rundgang beginnt im Kellergeschoss mit der Abteilung „Funde und Befunde“, die in die Tiefen der Geschichte führt. Die ältesten Exponate stammen aus der Steinzeit und zeugen von den frühesten Siedlungsspuren in Bünden. In der ersten Etage geht es dann um „Macht und Poli­ tik“. In den prunkvollen Räumen, in denen die von Buol’sche Familie einst repräsentativ residierte, folgt die Schau einer ­t raditionellen Geschichtsbetrachtung und beleuchtet wichti­ ge Ereignisse und meist männliche Persönlichkeiten der Bündner Geschichte, die über Jahrhunderte durch eine klein­ teilige politische Landschaft und die Interessen fremder Mächte an den Alpenpässen geprägt war. Im zweiten Stock untersucht die Abteilung „Arbeit und Brot“ die wirtschaftliche Lage Graubündens. Neben Landwirtschaft, Kleingewerbe und Industrie, die über Jahr­ hunderte die wichtigsten Arbeitszweige waren, eröffnete sich ab dem 19. Jahrhundert der Tourismus als wichtige Einnah­ mequelle. Unter dem Dach des Hauses geht es schließlich um „Glaube und Wissen“, und alles, was dazwischenliegt.

Regelmäßige Sonderausstellungen setzen zusätzlich zur Dau­ erausstellung inhaltliche Akzente. Die Ausstellung „kAltes Eis – Gletscherarchäologie in Graubünden“ präsentiert noch bis Ende August archäologische Funde, die durch die klima­ tisch bedingte Gletscherschmelze freigelegt wurden. Bis 4. September dauert die Ausstellung „Der blaue Heinrich. ­Höhenluft und Liegekur“, die sich mit dem Kurbetrieb in den Bündner Alpen beschäftigt. Von 1870 bis 1950 spielten Frei­ luftkuren im Bündner Höhenklima eine wichtige Rolle etwa bei der Behandlung der Tuberkulose. Dies setzte eine beson­ dere Art des Tourismus in Gang. In ehemaligen Bauerndörfern entstanden mondäne Kurhotels und um diese herum eine ganz eigene vornehme Welt, wie sie auch Thomas Mann in seinem Roman „Der Zauberberg“ beschrieben hat. Nach 1950 wurden neue Behandlungsmethoden gegen die Tuberkulose gefunden, die einstigen Kurhotels versuchten, sich als Sport­ pensionen neue Besucherkreise zu erschließen.


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25 Jahre Luciano Fasciati und die neue Galerie Loewen

Zwei Galerien in Chur

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G A L E R I E L U C I A N O FA S C I AT I

Die Beziehungen zwischen Galeristen und Künstlern sind stets besonders und oft von einer langen sowie intensiven Ar­ beit geprägt. Dass Galeristen nicht nur in den großen Metropolen angesiedelt sind, ist wichtig für das kulturelle Le­ ben von kleineren Regionen, es ist bedeutsam und beeinflusst künstlerische Produktion vor Ort. Der Kanton Graubünden hat längst gezeigt, dass er neben der sportlichen Attraktivität auch viele kulturelle Highlights beherbergt. Zwei Galerien sind uns in der Region besonders aufgefallen: Der eine Gale­ rist feiert in diesem November sein 25-jähriges Jubiläum, während die andere Galerie gerade erst frisch eröffnet hat.

Künstlerische Produktion passiert nicht nur in den großen Kunstzentren, sondern auch in der Peripherie. In der zeitge­ nössischen Kunst kann man sogar eine Tendenz sehen, die sich immer stärker mit diesen vermeintlichen Randzonen auseinandersetzt. Luciano Fasciati gründete seine Galerie 1991, in einer Phase also, als es kaum Galerien und keine Off­ spaces für die Kunstschaffende in Graubünden gab. Er hatte zu jener Zeit gerade seinen damaligen Job verloren und erkannte in dieser Situation eine Chance. Mit einem Hintergrund als Kurator bespielt er fortan seine Räume mitten im Zentrum von Chur in einer Mischung aus Ausstellungsmacher und Ga­ lerist. Diese Kombination ist selten auf dem Kunstmarkt anzutreffen und mag vielleicht den Erfolg der Galerie miter­ klären, die inzwischen über die Region hinaus bekannt ist. Er selbst sagt, dass er sich manchmal mehr als Ausstellungsma­ cher denn als Galerist sieht und dies zeigt sich auch daran, dass er keine Angst vor konzeptuelleren, schwerer vermittelbaren künstlerischen Positionen hat. Das Galerieprogramm mit wechselnden Ausstellungen setzt sich immer wieder interes­ siert mit zeitgenössischen Fragen zur Kunst im öffentlichen Raum, insbesondere mit ortsspezifischen künstlerischen In­ terventionen auseinander. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf zeitgenössischen Kunstschaffenden aus der Schweiz. Im Programm finden sich wohlbekannte Namen wie Not Vital oder Jules Spinatsch, aber auch jüngere, aufstrebende Künstler wie Selina Frölicher und Micha Bietenhader. Das Programm wird durch Editionsprojekte und spezifische Kunstveranstal­ tungen ergänzt und setzt damit wichtige kulturelle Impulse für die Region. Luciano Fasciatis Verbundenheit zu Graubün­ den erkennt man auch daran, dass er seine Galerieräume immer wieder verlässt und ebenso eng mit den Kulturinstitu­ tionen in Graubünden zusammenarbeitet. Zwischen 2010 und 2013 kuratierte Luciano Fasciati etwa das Kunstereignis „Arte Hotel Bregaglia“ in Promontogno. Bei diesem Format lud er zeitgenössische Positionen ein, die sich mit der über 140-jährigen Geschichte des Hotels Bregaglia auseinander­ setzten und so eine Brücke von der Zeit der Belle Époque bis ins Heute schlugen. Alle Arbeiten waren ortsspezifisch und tief mit der Region verbunden. Für den Verein ART-PUBLIC Chur, welcher sich für eine nachhaltige Vermittlung und professionelle Förderung von Kunst im öffentlichen Raum in Chur und Umgebung ein­ setzt, hat er verschiedene Projekte realisiert. In diesem Jahr konzipiert Fasciati mit ihnen das Projekt „Am Ort – Kunst und Musik im öffentlichen Raum Chur“. Noch bis Oktober 2016 werden in Chur öffentliche Räume künstlerisch durch musikalische Interventionen neu erfahrbar gemacht. Das Pro­ jekt gliedert sich dreiteilig in die Bereiche Kunst im öffentlichen Raum, Klangwelten und Projekte in den


GA L ER IE LOEW E N

Stadtbussen. Im Fontanapark umschließt Roman Signer den Springbrunnen mit einem voluminösen Zylinder aus Holz, als ob er den Brunnen schützen möchte. Sichtbar bleibt nur die Wasserfontäne. Vom Thurgauer Künstlerduo huber.huber sind ebenfalls im Fontanapark zwei der insgesamt im ganzen Gebiet der Altstadt verteilten 40 Vogelhäuschen zu sehen. Gebaut sind sie aus Fundmaterialien und entstanden im Rah­ men eines Langzeit-Kunstprojektes, das nach Zürich (2005), New York (2007), Glarus 2008) und Rapperswil (2010) nun auch in Chur gezeigt wird. Alle Interventionen laden Gäste, aber auch Bewohner ein, die Stadt neu zu erkunden. Die Zukunft der Kunst in Graubünden sieht Fasciati tendenziell positiv entgegen, gerade die Neueröffnung des Bündner Kunstmuseums in Chur und verschiedene Projekte, sicherlich auch seine eigenen experimentellen Konzepte, kön­ nen dafür sorgen, dass Graubünden im Kunstgeschehen mehr Sichtbarkeit bekommt.

links: Luciano Fasciati, Ausstellungsaufbau „Arte Hotel Bregaglia“, 2011 und oben: Jules Spinatsch, Eröffnung „Arte Hotel Bregaglia“, 2010, Fotos: © Ralph Feiner, Courtesy: Progetti d‘Arte in Val Beregaglia

rechts: Manuel Solcà und Julia Fankhauser vor einer Arbeit von Not Vital, Foto: © Galerie Loewen

Eine Galerie neu zu gründen, dazu bedarf es einer enormen Leidenschaft und des Glaubens an die künstlerischen Positio­ nen, die man vertritt. Die Galerie Loewen wurde Ende Mai 2016 von Manuel Solcà und Julia Fankhauser eröffnet und ist ein solches Projekt. In den Räumlichkeiten einer ehemaligen alten Apotheke in Chur hat die Galerie ihren Sitz gefunden. Die ursprüngliche Idee war es eigentlich, eine Ausstellungs­ f läche für Solcàs Sammlung, bestehend aus Werken von Künstlern aus der Region wie HR Giger und Not Vital, zu fin­ den. Doch nach der Besichtigung entstand die Idee für die Galerie, bei der aber wie schon bei der privaten Sammlung der Schwerpunkt auf Graubündner Künstler gesetzt werden soll. Solcà glaubt, dass es eine gewisse kulturelle Verbundenheit in der Region gibt und möchte diese tiefen Emotionen in seiner Programmatik reflektieren. Die Galerie möchte sich zu einem offenen Ort entwickeln, an dem man keine Schwellenangst als Besucher hat und auch Positionen von jüngeren Künstlern gezeigt werden sollen. Um sich zu einem Ort des Verweilens zu entwickeln, möchte die Galerie in Zukunft auch ein Kul­ turcafé in den Räumen ansiedeln. Die Eröffnungsausstellung „Capuns Arte Penicillin“ läuft noch bis zum 31. August und zeigt Werke von Not Vital, HR Giger, Robert Ralston, Notta Caflisch, Fabian Florin/Yi­ annis Hadjipanayis und Mirko Baselgia. Letzterer hat im Sommer ein dreimonatiges Arbeitsstipendium vom Kloster Schönthal erhalten. Der 34-jährige Bündner kann nun seine Natur- und Kunstforschungen direkt am Kloster ausführen und neue Arbeiten produzieren. Der junge Künstler hat sich darangemacht, Lehm aus dem nahen Weiher zu schöpfen. Be­ reits im 17. Jahrhundert wurde daraus Ton für Ziegel der Dorfkirche gewonnen. Wofür das Material bei Baselgia ver­ wendet werden soll, ist allerdings noch offen. Nach der Eröffnungsausstellung wird die Galerie Loe­ wen Robert Ralston eine Einzelausstellung widmen. Ralston arbeitet seit den frühen 1950er-Jahren und wird Werke aus dieser Zeit bis zu den aktuellen Arbeiten zu zeigen. ANABEL ROQUE RODRIGUEZ

w w w . l u c i a n o -f a s c i a t i . c h w w w . a r t- p u b l i c . c h www. galer ieloewen . ch

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Fotografien als Kommentar zu unserer Zeit

Jules Spinatsch In den Anfängen der Fotografie wurde das Medium stets mit der Vorstellung der Wirklichkeitsabbildung verknüpft. Längst ist klar, dass diese Verbindung spröde geworden ist und jede Einstellung durch den Fotografen bereits ein interpre­ tiertes Bild von dem wiedergibt, was dargestellt wird. Die fotografischen Serien des Davoser Künstlers Jules Spinatsch studieren minutiös ihre jeweiligen Umgebungen und schaf­ fen es, mehr über unser Verhältnis zu Bildern zu erzählen, als über das reine Abbilden sichtbar wäre. Seinen Durchbruch erlangte er mit der Serie „Snow Management“, eine Art Studie zur Tourismusindustrie, wel­ che die Transformation der Alpen zur Ereignislandschaft thematisiert. In „Temporary Discomfort“ betrat er die politische Bühne und erforschte die Grenzen dokumentarischer ­Fotografie. Dabei begab er sich zum World Economic Forum nach Davos und New York, doch seine Bilder verweigern sich den stereotypen Mustern der Pressefotografie. Sicherheit,

Überwachung und Macht erscheinen plötzlich auf Neben­ schauplätzen – in Form von Sicherheitspersonal, auf beliebig wirkenden Bildern wie von Überwachungskameras oder durch die Ansichten von Davos als alpine Kleinstadt, ruhig im Schnee liegend. Die Bilder erhalten erst durch den Kontext, in dem sie entstanden sind, ihre Bedeutung. In seinen neuen Serien geht Spinatsch noch einen Schritt weiter. Die vermeintliche Kontrolle über die Bilder und ihre Objektivität wird an die Kamera abgegeben. Seit 2003 entstehen Panoramabilder, die aus vielen kleinen Auf­ nahmen zusammengesetzt sind, die jeweils mit einer computerprogrammierten Webcam gemacht und anschlie­ ßend in chronologischer Abfolge geordnet werden. In regelmäßigen Abständen werden Bilder von der Kamera auf­ genommen, die später in ihrer zeitlichen Abfolge erst ein Gesamtbild ergeben. Dieser Vorgang gibt Auskunft über den temporären Verlauf, der meist auch im Titel notiert wird, und den Ort, an dem die Fotos gemacht wurden.


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Jules Spinatsch: Temporar y Discomfort Chapter I, The Valley, „Discontinuous Panorama A240635“, World Economic Forum, Davos, 2003,

So erscheint der exemplarische Platz für Sicherheit und Über­ wachung, das Gefängnis, plötzlich in einem umgekehrten Verhältnis und wird selbst zum beobachteten Gegenstand. Die menschenleeren Gänge liegen sachlich vor dem Auge des Betrachters, der zeitliche Verlauf ist durch das abgerissene ­K alenderblatt oder die sich wandelnden Lichtverhältnisse nachvollziehbar. Erst die Gesamtheit der einzeln geordneten Bilder ­verwandelt das einzelne Raster zu einem Informationsträger, dessen Botschaft vom Betrachter verstanden wird. Das ­einzelne Bild ist ohne die gesamte Zusammenstellung oft so abstrakt, dass es kaum genau zugeordnet werden kann. In der Unschärfe durch Bewegung oder die Änderungen von ­L ichtverhältnissen erkennt man Zeitlichkeit. Genau hier er­ gibt sich die interessante Verbindung von dokumentarischer Foto­g rafie und Fotografie als Medium der Erfahrbarmachung von Zeit.

Eine durchgetanzte Nacht im „Time Warp Festival“ ist plötz­ lich in Teilen ihrer Farbvielfalt, Emotionen und Tanzgesten erfahrbar. An vielen Stellen haben die einzelnen Fotografien malerische Anmutung und gehen fast völlig in ihrer Abstrak­ tion des Augenblicks auf. Die Werke sind auch im Hinblick auf ihre Präsentation äußerst interessant. Jedes einzelne Bild dieser Panorama­ aufnahmen ist ein Werk in sich. Eine zeitliche Sortierung erscheint bei einer Hängung an der Wand zwar schlüssig, aber auch eine Anordnung nach Farben oder motivischen ­Ä hnlichkeiten wäre denkbar. Nicht ohne Grund sind die Foto­ bücher von Spinatsch bekannt und begehrt. Es sind Archive der einzelnen Projekte und ermöglichen in der ihnen eigenen Präsentationsform ganz neue Beobachtungen. Jules Spinatschs Werke verweigern sich der einfachen Einordnung innerhalb eines kollektiven Bildergedächtnisses, sie erzählen uns vielmehr über Strukturen, Wahrnehmungen und Beobachtungen. Seine Bilder brechen mit Erwartungen oder sprengen die physikalischen Gesetzmäßigkeiten – sie denken Raum und Zeit auf einer Ebene. Die Werke sind hoch narrativ und laden in ihrer Vielschichtigkeit zum Entdecken ein. ANABEL ROQUE RODRÍGUEZ

2 7. A u g u s t b i s 2 4 . S e p t e m b e r 2 0 1 6 Jules Spinatsch Galer ie Luciano Fasciat i, Chur w w w . l u c i a n o -f a s c i a t i . c h

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Courtesy: Galerie Luciano Fasciati, Chur


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Jules Spinatsch, „Unit R2D2“, 2005, c-print, 80 x 100 cm, rechts: „Scene J3“, 2004, c-print, 80 × 100 cm, aus der Serie „Snow Management Complex 2001– 09“, Courtesy: Galerie Luciano Fasciati, Chur


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Jules Spinatsch, „Tanzboden 1“, Panorama of 714 Single Images in chronological order, recorded 5. April 19:30 – 6. April 11:00. Dancefloor 1, Time Warp Festival, Mannheim. 260 x 480 cm, 2015, Courtesy: Galerie Luciano Fasciati, Chur


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Philipp Bauknecht “Bauernhäuser mit gelber Wolke” 1918-20 Oel 50 x 40 cm

Expressionismus und Moderne Kunst Wintersaison

Montag - Samstag 14.30 - 18.00

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Der Globus als Atelier, aber das Engadin als Zuhause

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Not Vital Der aus dem Engadiner Dorf Sent stammende Künstler Not Vital arbeitet auf der ganzen Welt und kehrt doch immer ­w ieder hierher zurück, zu seinen Wurzeln. Seine künst­ lerische Sprache reicht von Skulpturen, Gemälden und Zeichnungen über monumentale architektonische Groß­ projekte. Die Werke erstaunen und faszinieren international: Mal verewigt er Kuhfladen in Bronze („Buatschas“), druckt Rindszungen und wandelt sie in Skulpturen („Tongue“), ­musealisiert zarte Schneebälle („Snowballs“) oder baut auf ­a llen fünf Kontinenten Häuser, die nur dazu dienen, den ­Sonnenuntergang zu beobachten. Trotz seiner Internationalität kreisen Not Vitals ­T hemen immer wieder um das heimatliche Umfeld: Tra­ dition und Kultur, Peripherie und Zentrum, Welt und Heimat. Eine motivische Konstante in seiner Kunst sind die Berge, ebenso Tiere in ihrer Bedeutung als Jagd- oder Opfer­ tier. Es ist ­verblüffend, wie sich Vitals Werke immer wieder aufs Neue mit den ortsspezifischen Besonderheiten auseinan­ dersetzen und dabei intelligent zwischen Humor und Erhabenheit c­ hangieren. In seiner Arbeitsweise lässt sich der Künstler immer wieder – und das weltweit – bedingungslos auf Menschen und die Natur ein und besticht mit einer er­ frischenden Neugierde. Als örtliches Zentrum seines Schaffens hat er bereits 2003 ­seine eigene Stiftung Fundaziun Not Vital in Ardez ­gegründet, die verschiedene Projekte in der Region voran­ treibt und eine Kunstsammlung mit Werken von ihm sowie an­deren Künstlern beherbergt. Für eine weitere regionale ­Verwurzelung sorgte er im März dieses Jahres, als er das Schloss Tarasp in der Gemeinde Scuol kaufte. Für 7,9 Millio­ nen Schweizer Franken erwarb es Vital von der Adelsfamilie von Hessen und wird es in Zusammenarbeit mit der Stiftung des Anwesens Pro Chastè da Tarasp in ein Kulturzentrum umwandeln. Der ­Öffentlichkeit soll dieses für Schlossfüh­ rungen und Besichtigungen von künstlerischen Arbeiten Vitals sowie anderer Künstler offenstehen. Not Vital, „10 Schneebälle“, 2001, Treibholz und Gips, 167 x 97 x 85 cm, Courtesy: Galerie Andrea Caratsch, St. Moritz

www.foundat ion. not vital. ch bis 26. Febr uar 2017 „ L a c o l l e z i o n e . N u o v e c o n s o n a n z e“ m i t 1 7 0 „ S n o w b a l l s“ (2 0 0 7) v o n N o t V i t a l M u s e o d ’A r t e d e l l a S v i z z e ra i t a l i a n a , L u g a n o www. luganolac. ch

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ANABEL ROQUE RODRÍGUEZ


39 Auf den Spuren des Künstlers in Davos

Die neue Kirchner-App

links: Ernst Ludwig Kirchner, Das Bildhaueratelier neben dem Wildbodenhaus, 1924

Ernst Ludwig Kirchner, Bauerntanz im Obergeschoss des Hauses „In den Lärchen“, mit Selbstporträt, links,

Orte, an denen sich große Künstler länger aufgehalten haben, besitzen eine besondere Aura. Ernst Ludwig Kirchner ist mit Davos eine kreative Symbiose eingegangen, die 21 Jahre lang die Grundlage für sein kreatives Schaffen bildete. Das Kirch­ ner Museum Davos, das heute den Großteil seines Œuvres beherbergt, leistet einen wichtigen Teil, sein Erbe für Genera­ tionen aufzuarbeiten. Die beeindruckende Sammlung des Hauses umfasst zahlreiche Gemälde, Skulpturen, Zeich­ nungen, druckgrafische und textile Werke sowie nahezu alle Skizzenbücher und die nicht zu unterschätzenden Fotogra­ fien des Künstlers. Als Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Brücke“ ist Kirchner einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Ex­ pressionismus. Vom Ersten Weltkrieg schwer traumatisiert und durch Alkohol- und Drogensucht gezeichnet, suchte er 1917 im schweizerischen Davos nach Ruhe. Der Ort war be­ reits seit den 1920er-Jahren als Kurort der Bohème beliebt.

Aber die Schweiz wurde ihm nicht nur ein Zufluchtsort, in Davos fand er darüber hinaus eine eigenständige Bildwelt in der Natur. Die beeindruckenden alpinen Landschaften, das einfache ländliche Leben und die bäuerlichen Bewohner ­inspirierten Kirchner sofort und prägten fortan sein Schaffen. Zuerst auf der Stafelalp, als Zentrum des bäuerlichen Lebens, dann im Haus „In den Lärchen“, einem geräumigen histori­ schen Walserhaus, sowie später „Auf dem Wildboden“, dem Haus, in dem er bis zu seinem Freitod 1938 gewohnt hat, ­f ührte er sein vielfältiges Werk fort. Insbesondere das Mit­ einander von Mensch und Natur interessierten ihn in den Davoser Jahren. In der kargen Bergkulisse konzentrierte er sich stark auf die Farben und Formen, die in seinen Arbeiten nun noch vehementer in den Vordergrund rückten. Es ging ihm nicht um die Abbildung der Wirklichkeit, sondern ­d arum, seine subjektiven Empfindungen in eine künst­ lerische Sprache zu übersetzen.

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Ernst Ludwig Kirchner, Nina Hard und Erna Schilling vor Kirchners Hütte auf der Stafelalp, Sommer 1921

­e rweiterten Form auch als App herausbringt. Die gleich­ namige Applikation soll es ermöglichen, Kirchner noch näher zu kommen, und gibt Informationen über die Häuser, in ­denen der Maler einst wohnte, über seine Wirkungsstätten, über den Waldfriedhof, wo sich Kirchners Grab befindet, und sie ­behandelt zu großen Teilen auch das Kirchner Museum Davos selbst. ANABEL ROQUE RODRÍGUEZ

K I RC H N E R M U S E U M DAVO S Wa n d e r h e f t m i t Wa n d e r k a r t e im Museumshop erhältlich. A p p g ra t i s D o w n l o a d f ü r i P h o n e / i O S u n d A n d ro i d m i t S u c h w o r t „ K i r c h n e r M u s e u m D a v o s“ . www. k irchne r mu se um . ch

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Das Œuvre Kirchners in Zusammenhang mit ihren Original­ orten zu entdecken und so die Lebenswelt des Künstlers nachvollziehen zu können, ist ein wunderbares Erlebnis. ­Daher ist es kaum verwunderlich, dass das Museum Führun­ gen unter kundiger Leitung anbietet, die auch Orte besuchen, an denen Kirchner gelebt, gewohnt und ­gemalt hat. Erfah­ rungen und Impressionen dieser Wanderungen wurden vom Kirchner Museum in einem wunderbaren kleinen 50-seitigen Büchlein unter dem Titel „Auf den Spuren von Kirchner in Davos“ zusammengefasst. Es beinhaltet vier ­lokale Routen mit Varianten für den Sommer sowie den Winter und, wie es sich für den alpinen Raum gehört, alle Angaben wie Gehzeit, Höhenunterschiede und weitere nützliche Wanderinformationen. Da Museumsarbeit sich immer wieder neu erfindet und häufiger mit Vermittlung im digitalen Zeitalter ausein­ andersetzen muss, ist es nur ein natürlicher nächster Schritt, dass das Kirchner Museum Davos dieses Buch nun in einer


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Ruedi Bechtler & das Hotel Castell in Zuoz/Engadin

Wunder des Universums

Ruedi Bechtler, „Algen Plantagen“, 1990 –1998, Foto: © Hotel Castell


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Als mich Ruedi Bechtler freundlich in sein Atelierreich in ­Z ürich-West geleitet, tauche ich unmittelbar ein in ein ­Universum voller Gegenstände, Lichtobjekte aus Sammel­ stücken, gespiegelter Fotografien und energiegeladener Tusche­zeichnungen. Die Frage, wie die Praxis des Künstlers die Sammlertätigkeit beeinflusst – und umgekehrt, drängt sich auf. Welches sind die Themenstränge, die ihn interessie­ ren und worin besteht ein Zusammenhang zur eigenen Kunst? Ruedi Bechtler denkt laut nach: „Ja, das Auge des Prak­ tikers. Genau. Da besteht sicher ein Zusammenhang. Zwei Künstler, die ich sehr mag, sind Carsten Höller und Simon

Ruedi Bechtler, Foto: © Hotel Castell

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Es gibt wohl die unterschiedlichsten Beweggründe, Kunst zu sammeln: persönliches Interesse an Kunst, Wohltätigkeit durch Mäzenatentum, finanzielle Investition und Speku­ lation oder das Bedürfnis, einen kulturellen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Ganz anders gelagert ist die Moti­ vation von Ruedi Bechtler, einem der wichtigsten Schweizer Sammler von Gegenwartskunst: „Weil es nichts Besseres gibt.“ So beschreibt der gelernte ETH-Ingenieur und kon­ vertierte Künstler im Gespräch, was ihn antreibt: „Es ist immer spontan. Ich bin sehr interessiert an neuen Ausdrucks­ formen, an neuen Werken und an neuen spannenden Bezügen, die sich ergeben. Ich kann nicht genau sagen, wie und warum. Ich sehe ein Werk und dann macht es klick. Wie ich das erkenne? – Ich sehe es und dann erwerbe ich es.“ Ruedi Bechtler entspringt einer der einflussreichsten Sammlerfamilien der Schweiz. Bereits sein Vater Walter ­sowie sein Onkel Hans sammelten Kunst und waren 1965 als Mitbegründer der Alberto Giacometti-Stiftung mitverant­ wortlich, dass der Kauf der Giacometti-Sammlung von G. David Thompson mit privaten Geldern gelingen konnte, nachdem die öffentliche Hand sehr knapp dagegen gestimmt hatte, und dieser konsistente Werkkorpus somit heute in ­öffentlichen Museen zu sehen ist. Die vom Vater gegründete Walter A. Bechtler Stiftung, welche Werke zeitgenössischer Plastik erwirbt und diese an der Öffentlichkeit zugänglichen Orten zur Verfügung stellt, wurde in den 1990er-Jahren von den beiden Söhnen Ruedi und Thomas übernommen. Nach den Werken „Heureka“ von Jean Tinguely und dem „Cube“ von Sol LeWitt, deren Platzierung der Presse jeweils viel Stoff zum Reden bescherte, wurde 2010 der „Moosstein“ von ­F ischli/Weiss installiert. Im Jahr 2001 ist des Weiteren in ­Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) das von Christoph Schenker kuratierte Projekt ­„ PUBLIC ART PLAIV“ in vier Engadiner Gemeinden (Zuoz, Madulain, S-chanf und La Punt Chamues-ch) entstanden. Präsentiert wurden in diesem Rahmen bereits Werke von Martin Kippenberger, Tadashi Kawamata, Lawrence Weiner, Ken Lum, Betham Huws und James Turrell.


Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger, „Jägerstübli“, 2015, Foto: © Hotel Castell

Starling. Beide befassen sich mit Umwelt, mit Energie, mit der Endlichkeit, mit Drogen, mit dem Universum. Fischli/Weiss kenne ich seit 40 Jahren. Mit Roman Signer und Pipilotti Rist habe ich schon einige Projekte initiiert.“ Beim gemeinsamen Durchblättern seines Künstlerkatalogs „Flip-Flop“, 2010 ­anlässlich einer Ausstellung in der Galerie Ziegler, Zürich, bei JRP Ringier erschienen, tauchen diese inhaltlichen Bezüge noch schärfer auf. Beispielsweise durch lose gestreute Zitate wie etwa dieses von Max Planck: „Geist ist der U ­ rgrund der Materie“, oder jenes von David Bohm und David Peat: „Spiel, so scheint es, ist das eigentliche Wesen des Denkens“ (aus: Das neue Weltbild: Naturwissenschaft, Ordnung und Kreati­ vität, München 1990, S. 57). Hotel Castell in Zuoz/Engadin, Foto: © Hotel Castell


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So unterstreicht der Künstler-Sammler einerseits ­seinen spie­ lerischen Zugang zur Kunst sowie zur Welt und andererseits sein vertieftes Interesse für Naturphänomene im Mikro- und Makrokosmos, welches sich in thematischen ­Fotoarchiven zu den Themen Wasser, Sandburgen, Abfälle, aber auch in Bio­ experimenten in seiner künstlerischen Aus­einandersetzung niederschlägt: „Etwas, das übergreifend ist, von hier nach da, ist das Wunder des Universums. Zum Beispiel der Vogelflug. Wer ist auf die Idee gekommen? Wie war das überhaupt mög­ lich, dass eine Feder entwickelt wurde, vorerst ohne ersichtliches Ziel? Das ist unglaublich! Und danach hat der Vogelflug tatsächlich funktioniert. Das ist der Kern von ­allem, von meinem Interesse, von allem, was ich mache. Auch der Zufall ist ein sehr wichtiges Element.“ Aber das Projekt, welches Ruedi Bechtler am meisten am Herzen liegt, ist das hoch über Zuoz thronende Hotel Castell, das er 1996 von seinem Schwiegervater übernommen hat und flugs in ein Kunstmekka der besonderen Art umfunk­ tioniert hat. Die Fotografien, Installationen und Malereien seiner Sammlung, welche großzügig die Gänge und die ­Hotelzimmer bevölkern, folgen gleichwohl den stringenten künstlerischen und wissenschaftlichen Fragestellungen des Initiators. Ebenso die „Castell Art Weekends“, welche jährlich

dort stattfinden. In diesem Jahr, vom 23. bis 25. September, wird über das Thema „The Culture of Nature“ debattiert wer­ den und der Frage nachgegangen, wie unsere Bilder der Natur unser Weltbild und Verhalten beeinflussen. An drei Event­ tagen werden vier eigens von Ruedi Bechtler und Alexandra Blättler eingeladene Kunstschaffende ihre Arbeit vorstellen: Marc Dion, Dana Sherwood, Maria Loboda und George Stein­ mann. Das Highlight der Veranstaltung ist freilich, dass die Besucherinnen und Besucher drei Tage in intensivem Aus­ tausch mit den Kunstschaffenden verbringen: beim Wandern, beim Gourmetessen oder bei Wellnessanwendungen im hauseigenen Hamam. Denn über die feinschmeckerischen und genießerischen Aspekte des Hotels Castell wären noch mindestens so viele Worte zu verlieren wie über die äs­t he­ tische Erfahrung, sich im „Skyspace“ von James Turrell sitzend der Unendlichkeit des Universums hinzugeben und das Verschwimmen von Zeit und Raum am eigenen Körper wahrnehmend, abdriftend zu levitieren ... B A R B A R A FÄ S S L E R

23. bis 25 . September 2016 A r t We e k e n d www. hotelcastell. ch

Roman Signer, „Drei kleine Ereignisse“, Art Weekend 1996, Foto: © Hotel Castell

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — G R A U B Ü N D E N

www. bechtle rst if t ung. ch


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Galerienszene z wischen St. M oritz und Zuoz

Die Art Masters im Engadin I n e n g e n K u r v e n w i n d e n s i c h d i e P a s s s t ra ß e n h i n a u f i n s ­E n g a d i n . H i e r, a u f k n a p p 2 . 0 0 0 M e t e r n H ö h e u n d i n a t e m ­b e ra u b e n d e r L a n d s c h a f t , t r if f t sich seit Jahrzehnten eine wohlhabende Klientel aus Mailand, Z ü r i c h o d e r a n d e r s w o . P rä c h t i g e , l u x u r i ö s e H o t e l s b i e t e n S t e r n e k o m f o r t , die Sk igebie te halte n g ute P i ste n f ür Spor t fan s be re it und im mondäne n S t . M o r i t z k a n n d i e D a m e v o n We l t f a n t a s t i s c h e i n k a u f e n . We r j e d o c h a u ß e r in Pel z ode r die ne ueste Sonne nbr ille auch noch in Kun st invest ie re n will, i st ebe nfall s im Engadin g ut aufgehobe n . Hie r hat sich in de n le t z te n Jahre n e i n e h o c h k a rä t i g e G a l e r i e n s z e n e e t a b l i e r t , d i e e x q u i s i t e A r b e i t e n f ür die g ut ge f üllte B r ie f ta sche be re ithält .

unten: Galeristin Monica De Cardenas, Zuoz © Monica de Cardenas

rechts: Galerist Stefan von Bartha, S - chanf, © von Bartha


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Vor zehn Jahren eröffnete Monica De Cardenas ihre Galerie in Zuoz mit einer Einzelausstellung von Markus Raetz. „Ich lie­ be das Engadin, wo ich seit meiner Kindheit die Ferien verbringe und auch fünf Jahre zur Schule gegangen bin. Es ist ein wunderbarer Ort in der Natur, der aber gleichzeitig sehr international ist. Viele Sammler, aber auch Künstler und Ku­ ratoren verbringen ihre Freizeit hier, lieben diesen Ort. Alle scheinen hier auch mehr Muße und Konzentration zu haben, um Kunst anzuschauen, darüber zu sprechen und nachzuden­ ken. Gleichzeitig ist es ein Ort, der schon fast magisch Energie und Kraft spendet.“ Monica De Cardenas legt den Schwer­ punkt in ihrer Galerie auf Fotografie und Malerei. Sie vertritt unter anderem Alex Katz, Thomas Struth, aber auch Stephan Balkenhol. Ihre Galerie befindet sich in einem alten Engadiner Bauernhaus, das vom hiesigen Architekten Hans-Jörg Ruch behutsam umgebaut wurde. Monica De Cardenas: „Die Kul­ tur ist im Engadin seit jeher heimisch: Die prachtvollen alten Engadiner Häuser verschiedenster Epochen zeugen davon. Philosophen, Künstler und Schriftsteller haben hier gelebt.“ Ihre Sammler kommen aus Mailand, wo sie ihre Hauptgalerie betreibt, aber auch aus Zürich wie der gesamten Schweiz, aus München und dem restlichen Europa. Auch in den USA, ­Brasilien oder Indien hat sie Kunden. Peter von Bartha, der im benachbarten S-chanf ebenfalls in einem von Hans-Jörg Ruch umgebauten historischen Gebäude seine Galerie betreibt, hat beobachtet: „Es gibt eine lange Tradition über mehrere ­Generationen hinweg von wichtigen Schweizer, deutschen, italienischen und englischen Familien, die im Engadin Häuser besitzen und hierherkommen, um Kunst zu sammeln. Meine Erfahrung ist, dass die Sammler, die hier kaufen, eher neue Werke schätzen als hochpreisige. Vielleicht weil sie sich hier in den Alpen mehr Zeit nehmen, neue Künstler und deren ­Werke zu entdecken als in der Stadt.“ w w w . m o n i c a d e c a rd e n a s . c o m

VO N B A R T H A

Die Galerie von Bartha wurde 1970 von Stefan von Barthas ­Eltern, Margareta und Miklos von Bartha, in Basel gegründet. Sie zeigten zunächst historische Künstlergruppen wie die Asociación Arte Concreto-Invención, die ZERO-Gruppe oder die ungarische Avantgarde. Stefan von Bartha richtete die Galerie dann in Richtung zeitgenössischer Kunst aus mit Positionen wie Florian Slotawa, Superf lex oder Bob & ­Ro­berta Smith. Im Sommer 2016 zeigt er in S-chanf eine Ein­ zelausstellung des schweizerisch-ägyptischen Künstlers

Karim Noureldin. „Ich bin wirklich gespannt, was er mit un­ serem sehr ungewöhnlichen Gallery Space anfängt“, so Stefan von Bartha. Neben Zeichnungen im geometrischen Stil wird er auch Teppiche zeigen, die auf seine Heimat zurückgehen. „Die Galerienszene im Engadin ist ziemlich einzig­ artig, da man hier so viele gute, bekannte und professionelle Galerien in so kurzer Entfernung zueinander hat. Sicherlich hat dies mit dem Charme von St. Moritz zu tun, aber auch ­d amit, dass Sammler viel Zeit mitbringen, wenn sie in den Bergen sind. Es gibt ebenso eine lange Tradition von wich­ tigen Künstlern, die hier im Hochtal Zeit verbracht haben. Außerdem gibt es hier wichtige Sammlungen wie etwa im Hotel Castell in Zuoz. Wir haben uns entschlossen, noch einen architekto­ nisch ungewöhnlichen Galerieraum in unserem Haus hier in S-chanf, wo mein Vater zeitweise lebt, zu eröffnen. Es ist ein perfekter Ort, um wichtige Sammler und Freunde aus aller Welt in einer relaxten Atmosphäre und in beeindruckender Umgebung zu treffen. Die Architektur der Galerie hat ein gro­ ßes Feedback von unseren Künstlern bekommen, und wir ermutigen sie, den Galerieraum in seiner Gänze und mit sei­ nen Besonder­h eiten für ortsbezogene Installationen zu benutzen.“ www.vonbar tha. com

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — G R A U B Ü N D E N

GA L L E R I A MON IC A DE C A R DE NA S


Su- Mei Tse, „Trees and Roots“, Bronze, Ausstellungsansicht, Zuoz, 2011

Felsenbad von Tdashi Kawamata im Hotel Castell

© Galerie Tschudi

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GA L ER IE T SCH U DI

GA L ER IE CU RT I NS

Eine weitere Galerie in der Nachbarschaft, wiederum in Zuoz, ist die Galerie Tschudi. Sie wurde 1985 von Ruedi Tschudi und Elsbeth Bisig in Glarus, 60 Kilometer östlich von Zürich, ­g egründet. Im Dezember 2002 eröffneten sie auf dem ­h is­torischen Hauptplatz von Zuoz eine Filiale in einem der mittelalterlichen Gebäude. Auch diese Galerie hat das ­A r­chitekturbüro Ruch & Partner umgebaut. Unter anderem haben sie einen 16 Meter hohen Turm freigelegt, um Kunst­ werke präsentieren zu können. Auch der ehemalige Heustall ist zum Teil der Ausstellungsräume geworden. Die Galerie Tschudi zeigt Konzeptkünstler wie Carl Andre, Bethan Huws, ­Hamish Fulton oder Stanley Brouwn.

Auch im zwanzig Minuten entfernten St. Moritz haben in den letzten Jahren einige Top-Galerien ihre Filialen eröffnet: Die Galerien Gmurzynska und Andrea Caratsch aus Zürich sowie die Galerie Karsten Greve aus Köln sind nur einige der illust­ ren Namen. Ebenfalls in St. Moritz befindet sich die Galerie Curtins. Ihr Betreiber ist der 83-jährige, aus Österreich stam­ mende Maler Franz Rödiger, der seit 1956 in der Schweiz lebt. Seine Freundschaft zu Künstlern wie Alberto Giacometti, der im nicht weit entfernten Ort Stampa geboren ist, aber auch zu Siegfried Anzinger, Karl Aegerter oder Emil Schumacher be­ stimmen das Galerieprogramm. Vor drei Jahren richtete die Galerie dem Wiener Maler Siegfried Anzinger eine Retros­ pektive zum 60. Geburtstag aus. Auch Einheimische Künstler sind hier zahlreich vertreten.

www. galer ie-tschudi. ch

www. galer ie-c ur t ins. ch

Ebenso das Kunstfestival St. Moritz Art Masters, 26. August bis 4. September, das mit Ausstellungen, Talks und einem großen Rahmenprogramm und vielen Sponsoren jedes Jahr im August ausgerichtet wird, sorgt für anhaltend großes Inte­ resse an der Kunst im Engadin.

Siegfried Anzinger und Franz Rödiger in der Galerie Curtins

www. st mor it zar t ma sters. org

© Galerie Curtins

www. engadin. st mor it z . ch

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — G R A U B Ü N D E N

N I C O L E B Ü S I N G & H E I K O K L A A S


50 Giacomet ti in Stampa: Ausstellung zum 50. Todestag

Das Licht des Bergell Stampa hat seine Arbeit geprägt wie kein anderer Ort. Zeitlebens kam Alberto Giacometti immer wieder in seine Heimat, um hier zu arbeiten.

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — G R A U B Ü N D E N

Erstmals ist nun in Stampa eine stimmige Giacometti-Ausstellung zu sehen.

Paris war die Stadt, die seine künstlerische Karriere beflügelte, Stampa war der Ort, der ihn inspirierte. In seinem Heimatort im Bergell fand Alberto Giacometti die Landschaft, die Leute und das Licht, die ihn zum Arbeiten anregten. Jetzt wird ­erstmals eine umfangreiche Ausstellung im Geburtsort des Künstlers eingerichtet. Im Museo Ciäsa Granda werden ­Werke des Künstlers gezeigt sowie Fotografien von Ernst Scheidegger, die Giacometti bei der Arbeit in seinem Atelier zeigen, mit seiner Familie oder in der Begegnung mit den Menschen aus Stampa. Der Schwerpunkt der Ausstellung, die von Beat Stut­ zer, dem ehemaligen Direktor des Bündner Kunstmuseums und dem Konservator des Segantini Museums in St. Moritz, eingerichtet wurde, liegt auf Skulpturen, Gemälden und Zeichnungen, die im Bergell entstanden sind. Rund 50 Arbei­ ten sind zu sehen, vorwiegend Landschaften und Interieurs, aber auch Porträts seiner Familie oder von Persönlichkeiten aus dem Ort, den Giacometti als junger Mann verlassen hatte, dem er aber dennoch ein Leben lang treu blieb. Alberto Giacometti (1901–1966) ging 1922 nach Paris. Die französische Metropole wurde sein Lebensmittelpunkt. Hier verkehrte er im Kreis jener Künstler und Kulturschaffen­ den, die das Kulturleben ihrer Zeit prägten. Persönlichkeiten wie Pablo Picasso und Henri Matisse gehörten zu seinen Freunden. Doch mehrmals im Jahr kehrte Giacometti stets ins Bergell zurück. „Er verschwand, ohne sich in Paris bei s­ einen Freunden abzumelden und tauchte plötzlich in Stampa auf. Ebenso unvermittelt reiste er dann wieder zurück“, ­erzählt Beat St ut zer. St ampa war f ür Giacomett i nicht nur ­E rholungsort; er hielt dort ein Atelier, in dem viele wichtige Werke entstanden. „Erst wenn man die Landschaft des Bergell erlebt hat, kann man das Werk Giacomettis wirklich ver­ stehen“, sagt Beat Stutzer. Unweit von Stampa, in Maloja, begegnete Giacometti 1943 dem Fotografen Ernst Scheidegger. Dieser begann, ­sowohl Giacomettis Werk als auch sein Leben zu dokumentie­ ren. Rund 20 seiner Schwarz-Weiß- und Farbbilder sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Die Ausstellung in Stampa bietet eine weitere Attrak­ tion: Sie macht das Atelier Giacomettis zugänglich. Behutsam wurde dieser Ort wieder so hergerichtet, wie er zu Lebzeiten des Künstlers ausgesehen hat. Noch immer sind deutliche Spuren Giacomettis sichtbar. „Dort, wo Giacometti gearbeitet


und geraucht hat, sind Brandlöcher auf dem Boden zu sehen“, erzählt Beat Stutzer. „Er hat die Streichhölzer oft einfach brennend fortgeworfen.“ Auch einige Markierungen sind noch zu erkennen, mit denen Giacometti gekennzeichnet hat, wo sein Stuhl und jener des Modells standen. Das Atelier wird auch nach dem Ende der Ausstellung zugänglich bleiben. Und wer nach dem Besuch in Stampa noch ein wenig länger in der Welt von Giacometti verweilen möchte, dem empfiehlt sich ein Abstecher in die Pensiun ­A ldier in Sent. Das charmante Berghotel hat sich ganz der Kunst gewidmet. Arbeiten von Alberto und Diego Giacometti sowie Fotografien von Ernst Scheidegger zieren Restaurant

und Lounge. Und im aparten Gewölbekeller gibt es sogar ein ­ useum mit einer umfangreichen Präsentation von druck­ M grafischen Werken von Alberto Giacometti.

Alberto Giacometti in seinem Atelier in Stampa, 1965,

www-alber to-g iacomet t i-museum . ch

ALICE HENKES

bis 16. Ok tober 2016 „ A l b e r t o G i a c o m e t t i . A C a s a“ M u s e o C i ä s a G ra n d a u n d A t e l i e r G i a c o m e t t i D a s A t e l i e r w i rd a u c h n a c h E n d e der Au sstellung geöf f net bleiben. w w w . c i a e s a g ra n d a . c h P e n s i u n A l d i e r, S e n t i m E n g a d i n

Foto: © Fondation Archiv Ernst Scheidegger, Zürich

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52 Seit 15 Jahren engagier t sich der Verein «Die Zürcher Galerien» für die Schweizer Kunstmetropole.

«Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit»

Zürich gehört heute zu den wichtigsten Städten für zeit­genössische Kunst. Dieser Aufstieg ist insbesondere den zahlreichen Galerien vor Ort zu verdanken, in deren ­P rogrammen sich seit jeher die Vielfalt wegweisender künstlerischer Positionen widerspiegelte. Die im Markt er­ folgreichsten wie Hauser & Wirth haben mittlerweile auch diverse Vertretungen in grossen Metropolen, umgekehrt eröffneten hier bedeutende in- und ausländische Galerien einen zweiten Standort oder verlegten sogar den Hauptsitz in die Limmatstadt. Um sich im seit der Jahrtausendwende enorm wachsenden Weltmarkt nachhaltig be­ haupten zu können, gründeten 17 dieser Galerien am 2. April 2001 den Verein «Die Zürcher Galerien» (DZG). Das Ziel war, gemeinsame Veranstaltungen zu etablieren, ein internes und externes Informationsnetz aufzubauen sowie die kulturellen und wirtschaftlichen Anliegen der Galerien gegenüber dem Gemeinwesen und dessen Institutionen zu kommunizieren und zu befördern. Heute vertritt der Verein DZG 64 Galerien, die insgesamt über 10.000 m² Aus­ stellungsfläche bespielen. Die nach Stadtregionen gestaffelte dreitägige Saisoneröffnung Ende August jedes Jahr ist zu einer Institution geworden, die weit über Zürich hinaus strahlt und Tausende von Besuchern jeder Couleur zu Rundgängen animiert. Auch das Galerien-­Wochenende im Herbst ist ein Publikumsmagnet und das Zurich Contemporary Art Weekend vor Eröffnung der Art Basel im Juni spricht darüber hinaus Sammler und ­Kuratoren aus aller Welt an, einen Abstecher nach Zürich einzuplanen, um Neues zu ent­ decken und Kontakte zu pflegen. Lange nicht allen Kunstinteressierten ist klar, welch wichtige Rolle professionelle ­Galerien für den Erhalt einer lebendigen Kunstszene spielen. In den Medien wird allzu gern nur über sensationelle Auftritte oder exorbitante Auktionspreise berichtet. Allein die


53 DZG-Galerien engagieren sich jedoch insgesamt für das Werk von mehr als 800 verschie­ denen einheimischen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Und es gilt noch immer, was schon Karl Valentin geistreich auf den Punkt brachte: «Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.» Parallel zu ihren Ausstellungen oder Messeauftritten knüpfen Galerien weltweit ­Kontakte zu Sammlern, Kuratoren, Museen, anderen Galerien oder Journalisten, um ihre Künstlerlinnen und Künstler bekannter zu machen. Sie betreuen oder begleiten oft die ­P roduktion neuer Werke, Kataloge und andere Publikationen, wirken inhaltlich und organi­ satorisch bei externen Ausstellungen in Museen und anderen Galerien mit oder vermitteln Leihgaben. Manche Galerien sind auch selber verlegerisch tätig und geben ­kontinuierlich Edi­ tionen heraus. Die meisten haben zudem ein reges Veranstaltungs­p rogramm und organisieren Künstlergespräche, Konzerte, Performances, Vorträge oder Filmaufführungen. Auch mit einem gemeinsamen Internetauftritt versucht der Verein seine Mitglieder zu unterstützen. Unter www.dzg.ch wurde eine Plattform geschaffen, auf der gebündelt die wichtigsten Informationen sowie die Links zu allen Ausstellungsprogrammen zu finden sind. Ein zehnmal im Jahr vertriebener Leporello wirbt in Printform für das aktuelle Pro­ gramm aller Mitgliedergalerien. Mit einer Gesamtauflage von über 20.000 Exemplaren liegt er jeweils dem renommierten Kunstbulletin bei und wird über Zürich Tourismus sowie in der ganzen Schweiz über Museen und Hotels verteilt. Am 10. Juni wurde in Zürich die Manifesta 11 eröffnet, die europäische Biennale ­zeitgenössischer Kunst. Sie ist der jüngste Beleg für das Renommee Zürichs als Kunststadt. ANDRÉ BEHR, ZÜRICH

D I E Z Ü RC H E R G A L E R I E N S a i s o n e rö f f n u n g e n : 2 4 . / 2 5 . / 2 6 . A u g u s t 2 0 1 6 G a l e r i e n - Wo c h e n e n d e : S a m s t a g / S o n n t a g , 2 2 . / 2 3 . O k t o b e r 2 0 1 6 , 1 1 b i s 1 7 U h r *

Z Ü R I C H AU S S E R S I H L S a i s o n e rö f f n u n g : M i t t w o c h , 2 4 . A u g u s t 2 0 1 6 , a b 1 8 U h r *

I N N E N S TA D T L I N K S D E R L I M M AT S a i s o n e rö f f n u n g : D o n n e r s t a g , 2 5 . A u g u s t 2 0 1 6 , a b 1 7 U h r *

I N N E N S TA D T R E C H T S D E R L I M M AT

L ÖW E N B R ÄUA R E A L U N D U M G E B U N G S a i s o n e rö f f n u n g : F r e i t a g , 2 6 . A u g u s t 2 0 1 6 , i n d i v i d u e l l e s P ro g ra m m*

* D e t a i l l i e r t e P ro g ra m m e u n d Te i l n e h m e r l i s t e u n t e r w w w . d z g . c h

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — Z Ü R I C H

S a i s o n e rö f f n u n g : D o n n e r s t a g , 2 5 . A u g u s t 2 0 1 6 , a b 1 7 U h r *


Galerie Curtins St. Moritz Ursina Vinzens

Siegfried Anzinger

WEGBEGLEITER

Karl Aegerter

Emil Schumacher www.galerie-curtins.ch


Fotografie z wischen barocker Opulenz und Strenge

Peter Schlör – Light Fall

P e t e r S c h l ö r ( * 1 9 6 4 , M a n n h e i m) k o n z e n t r i e r t s i c h in seinen neuesten Arbeiten auf die B ­ eziehung zwischen Licht und Gegenstand. D a f ü r s p ü r t e r u n g e w ö h n l i c h e ­L a n d s c h a f t s rä u m e a u f (v g l . A b b . „ O h a u I I I “ , 2 0 1 5 , N e u s e e l a n d ), d i e i m We c h s e l komplexer Lichterscheinungen immer u ­ nterschiedlich ­w i r k e n . D i e s e A r b e i t e n l a s s e n e h e r a n a b s t ra k t e K u n s t al s an reale L and schaf t de nke n und komme n z u w e i l e n i n b a ro c k e r O p u l e n z d a h e r.


Peter Schlör, „Ohau III“, 2015, 9 x 43 cm, Alle Fotoarbeiten Courtesy: Arte Giani Galerie, Frankfurt

Der Schlossgarten in Schwetzingen – in der Nähe meiner Heimatstadt Mannheim – fasziniert mich seit meiner Kindheit. Im Frühjahr 2006 hielt der Winter ungewöhnlich lange an. Zu dieser Zeit stand für mich die konzeptuelle Auseinandersetzung mit dem Landschaftsbegriff im Vordergrund. Der gut erhaltene Barockgarten mit seinen rhythmisch ange­ ordneten Elementen bot mir ein ideales Experimentierfeld für meine seriellen Studien. Im Winter zeigt sich seine Formenvielfalt filigran, skelettartig und transparent. Die architektonische Gliederung des Landschaftsraums erscheint deutlich. Wenn Schnee, Raureif und dif­ fuses Licht dazukommen, wirkt das Ganze wie ein Scherenschnitt. Der Raum erscheint vollkommen flach und nahezu farblos. Eine gan­ ze Woche lang bewegte ich mich damals bei Dauerfrost täglich über viele Stunden durch den Park – ein langsames Abschreiten mit vielen Momenten des Innehaltens. Der Rhythmus der Pflanzungen gab mir hierbei die Stationen vor. Die entstandenen Arbeiten sehe ich weniger als Zitate einer ­barocken Parklandschaft – für mich stellen sie eher eine Interpretation derselben mit neuen bildgebenden Mitteln dar. Mit den Werkzeugen der digitalen Bildbearbeitung, die zu dieser Zeit Einzug in meine ­A rbeit hielten, setzte ich sozusagen den Formschnitt in meinen ­Kompositionen fort. Im Zusammenfügen der Aufnahmen verviel­ fachte ich die – in der Realität singulär konzipierten – Elemente (zum Beispiel den Apollotempel), gleichzeitig erscheinen die streng ­rhythmisch angelegten Pflanzungen jeweils nur einmal im Bild. Im Ergebnis ist das eine Umkehrung des ursprünglich zentralistisch ­angelegten Gestaltungsprinzips des Barock. PETER SCHLÖR

w w w . p e t e r- s c h l o e r. d e

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B A R O C K R E G I O N

links: Porträt Peter Schlör, Foto: © Antje Mead


A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B A R O C K R E G I O N

Peter Schlör, „Orangerie“ (Detail), 2006, 2-teilig, Schwetzinger Schlossgarten


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Peter Schlör, „Allee“ (Detail), 2006, Schwetzinger Schlossgarten


BAROCK REGION


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B A R O C K , FA S Z I N I E R E N D W I E W I D E R S P R Ü C H L I C H

Barock wird gerne als Sinnbild genommen für Üppigkeit, Dekadenz und überhaupt einem Vielzuviel an allem. Doch was weiß man eigentlich über diese Zeit des Umbruchs, dieser Epoche der Innovationen? Gleich 41 Orte aus fünf Bundesländern haben sich rund um die Ausstellung „Barock – Nur schöner Schein“ in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen zum Netzwerk „Barockregion“ zusammengeschlossen, um zu zeigen, dass die Zeit zwischen 1580 und 1750 noch viel mehr zu bieten hat als nur Pomp, Puder und Perücken. Die Vielfalt zu zeigen und dennoch auf das Wesentliche konzentriert zu sein, kann man als Prämissen der Mannheimer Ausstellung zusammenfassen. Aufgeteilt in die Themenkomplexe Raum, ­Körper, Wissen, Ordnung, Glaube und Zeit wird mit rund 300 Exponaten der Barock in ­v ielen ­Facetten dargestellt. Rund um die Ausstellung möchte das kulturtouristische Netz­ werk nicht nur angereisten Besuchern deutlich machen, wie viel barockes Erbe uns heute noch u ­ mgibt. Residenzen samt Parkanlagen, Schlösser samt Gärten, Sakralbauten, selbst die ­konstruierten Grundrisse von Städten wie Mannheim oder Karlsruhe lassen sich auf die ­Barockzeit zurückverfolgen. Alles in allem kann man bei diesem reichen Angebot wahrlich von „barocker Fülle“ sprechen. Und selbst kulinarisch hat man sich diesbezüglich Verlocken­ des einfallen lassen. Einzig eine Frage bleibt nun offen: Beginnt man die Barocktour mit einer Landpartie und vertieft sich dann in der Ausstellung oder wendet man das dort Gesehene nicht minder lustvoll an den Originalschauplätzen an? DANIEL A GREGORI

Peter Schlör, „Assoziation“, 2006, Schwetzinger Schlossgarten


MI T DE R A RT M A PP A PP ZU DE N 4 1 R E ISE Z I E L E N DE R BA ROCK R EGION In zwei Schr it ten am Ziel:

Geben Sie in der Suchmaske den Begriff „Barock“ ein, im Zielort z.  B. „Mannheim, Deutschland“, den Umkreis für mehr Ergebnisse auf „100 km“ und den Zeitraum für die Termine auf einige Monate. Danach das Lupensymbol drücken. Sie erhalten dann eine neue Übersicht.

Hier sieht man z. B. in einem Ausschnitt von Mannheim zwei POI: das Barockschloss (der untere Pin) und dann das Museum Zeughaus, REM. Dort findet im September die Ausstellung „Barock – Nur schöner Schein?“ statt. ­D rücken Sie auf das Info-­ Icon, erhalten Sie weitere nützliche Informationen zum Museum und den Ausstellungen.

© rem, Mannheim

ETTLINGEN

HEIDELBERG

www. museum-et tlingen. de

www. he idelbe rg-marke t ing. de

w w w . t o u r i s t- m a n n h e i m . d e

MANNHEIM

Erlebnisreiche Rundgänge Die historische Altstadt mit seinen malerischen Plätzen, idyllischen Partien am Flüsschen Alb und dem schönen Schloss hat viel Abwechslungsreiches für erlebnisreiche Themenführungen zu bieten. Ein Highlight sind die beeindruckenden barocken Fresken der ehemaligen Schlosskapelle von Cosmas Damian Asam.

Barocke Altstadt-Führungen Verwinkelte Gassen, verträumte Plätze, quirliges Studentenleben, romantisches Flair: Die barocke, geschichtsträchtige Heidelberger Altstadt hat viele Facetten, die im Rahmen der Führung mit spannenden Geschichten vermittelt werden.

Kultur wird in Mannheim groß geschrieben. Ob das Barockschloss oder das Zeughaus mit den Reiss-Engelhorn-Museen, die Kunsthalle oder das Nationaltheater. Auch musikalisch kann die UNESCO City of Music mit der SAP-Arena oder der Popakademie auftrumpfen. In der Quadratestadt gibt es immer etwas zu entdecken.


Kultur touristisches Netz werk „Barockregion“

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Anlässlich der Ausstellung „Barock – Nur schöner Schein?“ haben die Reiss-­ Engelhorn-Museen Mannheim das kulturtouristische Netzwerk „Barockregion“ ins Leben gerufen. Insgesamt beteiligen sich daran 41 Orte aus fünf Bun­des­l ändern – ­Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland und Bayern. Ob imposante Schlossanlagen, prachtvolle Sakralbauten, repräsentative Bürgerhäuser, g­ eometrisch ausgerichtete Gartenanlagen oder militärische Festungs­bauten – jeder einzelne der ­„ Barockregion“-Orte hat einzigartige barockzeitliche Sehenswürdigkeiten und Denk­ mäler zu bieten, die den Besucher in ihren Bann ziehen. Im Ausstellungsjahr 2016/2017 wird das Angebot durch ­zahl­reiche Veran­stal­ tungsreihen ergänzt: spezielle Stadt­f ührungen, Konzerte, Vorträge, Feste und Aus­stel­lungen sorgen an historischen Originalschauplätzen für besondere Kultur­ erlebnisse rund um das barocke Zeitalter. Die Broschüre „Barockregion“ stellt die einzelnen Orte und ihre Angebote vor, die sich sowohl an Individualtouristen wie auch an Gruppenreisende richten. Prachtvolle Schlösser und Kirchen, dekadente Feste, gepu­derte Perücken oder üppige „Rubensweiber“. Lange Zeit wurde die ­B arockepoche lediglich mit ­k lischeehaften V ­ or­stellungen in ­Verbindung gebracht. Erstmalig präsentieren die Reiss-­Engelhorn-Museen die Vielschichtigkeit und die Gegensätze des Barockzeit­ alters in einer kulturgeschicht­lichen Groß­ausstellung. Rund 300 kostbare Objekte aus renommierten europäischen ­Museen – darunter hochkarätige Gemälde aus dem Kunsthistorischen Museum Wien – führen die faszinierenden Besonderheiten der Epoche vor Augen. ­D abei wird der Barock als ein gesamteuropäisches Phänomen nachvollziehbar, das sich nicht nur in europäischen Zentren wie Paris, Wien und Rom manifestierte. Mannheim selbst ist der ideale Schauplatz für die B ­ arock-Ausstellung. Die ­k urfürstliche Residenzstadt erlebte im 18. Jahrhundert ein „Goldenes Zeitalter“ und entwickelte sich zu einem kulturellen Zentrum von europäischer Bedeutung. P R O F. D R . A L F R I E D W I E C Z O R E K , G E N E R A L D I R E K T O R D E R R E I S S - E N G E L H O R N - M U S E E N

I n t e r v i e w m i t P ro f. D r. A l f r e d W i e c z o r e k a u f d e r n a c h f o l g e n d e n S e i t e

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B A R O C K R E G I I O N

Einzigartige Reiseziele


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Prof. Dr. Alfried Wieczorek, Generaldirektor der Reiss - Engelhorn - Museen

Zeit des Aufbruchs

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Alfried Wieczorek, Generaldirek­ tor der Reiss-Engelhorn-Museen. ARTMAPP: Was macht das Thema Barock für eine Großausstellung interessant und relevant? Alfried Wieczorek: Das Zeitalter des Barock wird oft zu ­Unrecht mit den K ­ lischees von Pomp, Puder und Dekadenz in Verbindung ­gebracht. Wenn man sich näher mit der euro­ päischen K ­ ul­t urgeschichte der Jahre 1580 bis etwa 17 70 beschäftigt, so entdeckt man einen überraschenden Facet­ tenreichtum. Wie der Titel unserer kulturhistorischen Großausstellung „­ Barock – Nur schöner Schein?“ andeutet, möchten wir den üblichen Blick auf die Epoche ein Stück ­erweitern. Es zeigt sich, dass der Barock in einer Zeit geboren ist, die einen Aufbruch darstellt, der in allen Lebensbereichen zu erkennen ist. Dies ist eine außergewöhnliche Sichtweise, die so noch nicht dargestellt wurde. Wichtig ist es uns eben­ falls zu zeigen, dass das Thema Barock und barocke Formen in den unterschiedlichsten Bereichen des Kunsthandwerks, der Mode und dergleichen heute noch eine bedeutende ­Rolle spielen.

ARTMAPP: Nicht zum ersten Mal spinnt sich um eine Ausstellung wie nun „Barock – Nur schöner Schein?“ ein kulturtouristisches Netzwerk. Wie ist das in der Genese, gibt es zuerst ein ­Aus­stellungsprojekt oder findet sich dieses über ein T ­ hema, das in der Region eine große ­Ü berein­stimmung findet? AW: Sowohl als auch. Die Ideen gehen von uns aus, wir spre­ chen die Partner darauf an, was sie davon halten würden und holen so ein Meinungsbild ein über die Tragfähigkeit des ­gemeinsamen Projektes. Damit erlangt man relativ schnell die Grundlagen. Wenn es zum Thema passt, erweitern wir den geographischen Bezugsraum um bestimmte Regionen. Diesmal haben wir mit Trier und Fulda zwei Orte hinzu­be­ kommen, die etwas weiter entfernt sind. Allerdings haben diese Städte auf dem Gebiet des Barock viel zu bieten, so dass es Sinn macht, sie auch einzubinden. Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass dieses Netzwerk für alle Beteiligten ­Vorteile bringt. Wichtig ist bei der Einbindung der rund 40 Partner, dass es für jeden ein Potential an Möglichkeiten gibt, sich selbst zu präsentieren. Wir beraten uns mit den ­Orten und sind diejenigen, die sich um PR- und marketing-­ technische Belange kümmern und das entsprechende Material zur Verfügung stellen.


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Fotos: © rem, Mannheim

ARTMAPP: Die kulturhistorische Ausstellung „Barock – nur schöner Schein?“ will die Epoche in sechs Themenkomplexen und rund 300 Exponaten in ihrer gesamten Vielschichtigkeit erfassen. Der Zeitaufwand und Leihverkehr hierfür muss gewaltig sein. Lassen sie uns kurz hinter die ­Kulissen blicken? AW: In der Regel benötigen Ausstellungen wie diese eine ­Vorlaufzeit von vier bis fünf Jahren, diesmal hat es durch einen altersbedingten personellen Wechsel etwas länger gedauert. Dr. Uta Coburger hat das Team wissenschaftlich geleitet und um die fünf Personen sind im Vorfeld direkt eingebunden. Später kommen noch Kräfte für Technik, Auf bau und ­R e­staurierung hinzu. Alles in allem kommt man auf einen Mitarbeiterstab von 25 bis 30 Personen. Man versucht hier ­sinnvollerweise alles überschaubar zu halten. Durch den wis­ senschaftlichen Beirat, der zu einem Großteil die Beiträge liefert, sind die Koryphäen der Barockforschung eingebunden. Natürlich kommt noch eine Vielzahl an Menschen hinzu, die nicht unmittelbar im Museum mitarbeiten, deren Ertrag aber dennoch sehr wichtig ist.

AW: Die langjährige Zusammenarbeit mit dem Kunsthistori­ schen Museum Wien wurde zu dem Zweck initiiert, die hochkarätigen Bestände einer größeren Öffentlichkeit zu­ gänglich zu machen. Eine Ausgangsbasis für die Kooperation stellte der freundschaftliche Kontakt zum ehemaligen Gene­ raldirektor des KHM Prof. Dr. Wilfried Seipel dar, der nun mit seiner Nachfolgerin Dr. Sabine Haag und vielen anderen ­M itarbeitern eine Fortsetzung findet. Die Verträge hierfür laufen auch noch eine Zeit lang. Für die Barockausstellung ­b ekommen wir mit 36 Gemälden eine stattliche Zahl an Hochkarätern. Wenn man so will, ist das schon eine eigene kleine Ausstellung. Das KHM verfügt gerade aus dieser Zeit über einer Vielzahl an Spitzenwerken. Für uns ist es ein beson­ derer Schatz, dass sie uns gegenüber da nun auch nicht geizen.

ARTMAPP: Verraten sie uns noch ihren barocken Lieblingsort? AW: Natürlich gibt es all diese wunderbaren barocken Schlösser und auch das Mannheimer ist eines der schönsten und größten, doch gibt es Orte, die sind nahezu un­entdeckt. Da gibt es ein Schlösschen in den Weiten Rheinhessens, das man da nicht erwarten würde, nämlich Schloss Kirch­ heim­b olanden. Diese wenig beachteten Dinge finde ich besonders spannend.

11. September 2016 bis 19. Febr uar 2017 S o n d e ra u s s t e l l u n g „ B a ro c k – N u r s c h ö n e r S c h e i n ? “ der R eiss-Engelhor n-Museen Mannheim w w w . b a ro c k 2 0 1 6 . d e

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B A R O C K R E G I O K N

ARTMAPP: Neben anderen internationalen Leih­ gebern, zeigt sich das Wiener Kunsthistorische Museum, mit dem es seit einigen Jahren eine ­Kooperation gibt, für die Ausstellung besonders großzügig. Wie kam es zu dieser etwas ungewöhn­ lichen Partnerschaft?


Thomas M etz, Leiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe RP

Barockes Rheinland-Pfalz

Barockgarten von Schloss BĂźrresheim / Mayen, Foto: GDKE Rheinland- Pfalz / Pfeuffer


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ARTMAPP: Auf den ersten Blick steht Ihre Region mit Orten wie Trier oder Speyer eher für die Antike beziehungsweise das Mittelalter. Wie barock ist Rheinland-Pfalz? Thomas Metz: In der Tat hat Rheinland-Pfalz mit antiken Großbauten wie den römischen Welterbestätten in Trier ­sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal. Dennoch hatten in unserem Bundesland auch Kurfürsten ihren Sitz. Und damit verknüpft sind auch Residenzschlösser und barocke Anlagen. Die Kooperation mit den Reiss-Engelhorn-Museen haben wir zum Anlass genommen, das „barocke Rheinland-Pfalz“ mit einem wunderschönen Reiseführer aufzuarbeiten. Es hat dann doch schon viele überrascht, wie viel barockes Erbe in Rheinland-Pfalz noch zu finden ist. Auch wenn vieles ­ver­lorengegangen ist, finden sich nicht nur in den Residenz­ städten Mainz, Trier und Koblenz Zeugnisse der barocken Zeit. Eine besondere Bedeutung kam sicherlich der Hof­ haltung des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz zu. Das Bistum war damals das größte nördlich der Alpen und der Mainzer Fürstbischof hatte als Erzkanzler des alten Reiches eine wichtige Funktion, die natürlich auch auf die Stadt und ihre Architektur ausstrahlte. Mainz war nach Wien eine der bedeutendsten Städte des Reiches. ARTMAPP: Im Sport gilt die Devise, zuallererst Heimspiele zu gewinnen. Kann man für derlei kulturtouristische Netzwerkprojekte auch die heimische Bevölkerung begeistern?

Thomas Metz, Foto: Reuther

ARTMAPP: Wie wichtig ist derlei Netzwerkarbeit für die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz? TM: Wichtig ist uns, zu zeigen, was die Region zu bieten hat. Natürlich helfen hier Partnerschaften und gegenseitige ­Unterstützung. Ausstellungen wie die zu den Staufern oder Wittelsbachern haben das Gefühl einer regionalen Identität unterstützt. Wie jetzt auch beim Thema Barock entstanden Netzwerke, die sich um eine Ausstellung rankten und bei ­denen wir gerne mitwirkten. Waren diese Netzwerke stärker auf die Metropolregion Rhein-Neckar ausgerichtet, so sollte man mit Blick auf das Land Rheinland-Pfalz auch den Kultur­ sommer des Landes nennen, der sich 2014 beispielsweise auch dem Thema Barock angenommen hatte. ARTMAPP: Hätten Sie für uns noch einen ­barocken Geheimtipp? TM: Ja, zwar nicht rein barock, doch zumindest auch barock geprägt ist Schloss Bürresheim bei Mayen. Es ist ein Gesamt­ kunstwerk aus Gebäude, Inventar und Gärten. Entstanden über viele Jahrhunderte, die alle ihre Spuren hinterlassen ha­ ben und diese Zeiten erlebbar machen. Auch den Barock. Hier wären insbesondere die Gärten anzusprechen. ARTMAPP: Thomas Metz, vielen Dank für das Gespräch! Das Interview für ARTMAPP führte Daniela Gregori.

TM: Man muss die Bevölkerung begeistern! Gerade für kul­ turtouristische Netzwerke sind die Bürgerinnen und Bürger wichtige Multiplikatoren. Innenmarketing ist ein wesent­ licher Bestandteil unserer Arbeit und daran lassen sich dann auch Tourismuskonzepte entwickeln. Ohne die Bevölkerung gelingt das nicht. Wir wollen damit natürlich auch Identität stiften. Ein Aspekt, der uns mindestens genauso wichtig ist, wie der Kulturtourismus.

www. gdke-rlp. de

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Rheinland-Pfalz ist ein großer Partner im kulturtouristi­ schen Netzwerk der Barockregion Mannheim. Mit Thomas Metz, Leiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rhein­ land-Pfalz mit Sitz in Mainz und Koblenz, sprachen wir über die W ­ ichtigkeit der Zusammenarbeit mit den ReissEngel­h orn-Museen Mannheim bei den Themen Barock und Kulturtourismus.


Kulturgenuss und Lebensfreude. Barockstadt Fulda und Schloss Fasanerie

Fulda – Hessens schönste Barockstadt © Tourismus und Kongressmanagement Fulda

Fulda ist Hessens schönste Barockstadt. In ihren Bau- und Kunstdenkmälern spiegelt sich die Pracht jener Blütezeit der Stadtgeschichte, in der erst Fürstäbte und später Fürstbischö­ fe weltliche und geistliche Macht in Personalunion vereinten. Von ihrem ausgeprägten Repräsentationsbewusstsein ­k ünden noch heute faszinierende Fassaden und aufwändige Innenausstattungen, deren Charme Fulda-Besucher bezau­ bert. Genuss garantieren auch servicestarke Hotellerie und vielseitige Gastronomie. In gehobenen Restaurants lässt sich fürstlich speisen. Gemütliche Cafés laden dazu ein, die Seele baumeln zu lassen – Blick auf historische Wahrzeichen meist inklusive. Lebensfreude pur!

D O M S T. S A LVAT O R

Bekanntestes Wahrzeichen Fuldas ist der Dom St. Salvator. Johann Dientzenhofer erbaute das Gotteshaus zwischen 1704 und 1712 im Stil des italienischen Barock als kreuzförmige dreischiffige Pfeilerbasilika mit kurzem Querhaus und großer Vierungskuppel. Der Innenraum ist weiß gefasst und vereint in der Formensprache des 18. Jahrhunderts Schönheiten aus Malerei, Skulptur und Architektur zu einem sakralen Ge­ samtkunstwerk. Der Hochaltar inszeniert schmuckreich die Himmelfahrt Mariens. Zum Grab des heiligen Bonifatius in der West-Krypta pilgern Jahr für Jahr Tausende Gläubige aus aller Welt. Seit Erhebung der Fürstabtei zum Fürstbistum Ful­ da 1752 ist der Sakralbau Bischofs- und Kathedralkirche. An

Stelle des heutigen Domes stand einst die erste Klosterkirche, die 751 durch Bonifatius geweiht wurde. Aus dem frühen Mit­ telalter stammt die benachbarte Michaelskirche. Ihre 822 geweihte Krypta ist nahezu unverändert erhalten geblieben.

BA ROCK V I E RT E L

Auch das Stadtschloss, eine barocke Vierflügelanlage mit zwei Seitenf lügeln und Ehrenhof, trägt die Handschrift Johann Dientzenhofers. Einige Gebäudeteile wurden als Historische Räume rekonstruiert und stehen Besuchern als Museum zur Verfügung. Von den Prunkräumen hat der Besucher einen herrlichen Blick auf Schlossgarten und Orangerie, die nach Plänen von Maximilian von Welsch geschaffen wurden, ­s owie auf die 6,8 Meter hohe Floravase des Bamberger ­Bildhauers Daniel Friedrich Humbach. Das geschlossene ­B arockensemble komplettieren Paulustor, Hauptwache, ­Bürgerhäuser und Adelspalais.

A r ra n g e m e n t s u n d E v e n t s

Im Palais Buttlar, 1 7 37 nach Plänen von Hofarchitekt Andreas Gallasini errichtet, ist die Tourist-Info heute An­ laufstelle für Besucher. Sie bietet unter anderem eine breite Palette unterschiedlicher Themenführungen und attraktive Arrangements für Pauschal-Gäste, die Fulda entdecken oder


bei einem der vielen Events dabei sein möchten: Beim „Mu­ sical Sommer Fulda“, der von Mitte Juni bis Ende August „Der Medicus – Das Musical“ nach dem Bestseller-Roman von Noah Gordon als Welturaufführung auf die Bühne des Schlosstheaters bringt, bei den Domplatz-Open-Air-Kon­ zerten im Juli, dem traditionellen Weinfest im Spätsommer im Hof des barocken Vonderau Museums oder dem histori­ schen Weihnachtsmarkt in der Altstadt rund um die barocke Stadtpfarrkirche. To u r i s m u s u n d K o n g r e s s m a n a g e m e n t d e r S t a d t F u l d a Te l . + 4 9 (0) 6 6 1 1 0 2 - 1 8 1 4 w w w . t o u r i s m u s -f u l d a . d e

S C H L O S S FA S A N E R I E

Ein Muss für Barockliebhaber ist ein Besuch von Schloss Fasa­ nerie in Eichenzell. Die ehemalige Sommerresidenz der Fuldaer Fürstbischöfe gilt als Hessens schönstes Barock­ schloss und befindet sich heute im Besitz der Kulturstiftung des Hauses Hessen, die im Inneren der repräsentativen Resi­ denz ein Museum betreibt. Prachtvolle historische Räume und erlesene Kunstschätze, eine exquisite Sammlung von Möbeln und Kunstwerken aus dem 18. und 19. Jahrhundert nehmen die Besucher mit auf eine Reise in die fürstliche Ver­ gangenheit. Das Schloss, dessen Ursprünge auf das Jahr 1735 zurückgehen, wird seit 2009 aufwendig saniert. Weithin sichtbar erstrahlt das Barockschloss größtenteils wieder im ursprünglichen gebrochenen Weiß-Ton.

71 Führ ungen und Ausstellungen

Besucher erhalten im Rahmen der klassischen Schlossfüh­ rung Einblicke in höfische Wohnkultur. Für Kinder gibt es eine Märchenführung. Bis zum Saisonende am 6. November 2016 wird zudem die Sonderführung „Schätze der Zaren­ tochter“ angeboten. Ausgewählte Kunstobjekte aus der Mitgift der Zarentochter Alexandra Nikolajewna sind zu ­s ehen: formvollendetes Porzellan, glänzendes Silber und prachtvolles Kunstgewerbe aus Sankt Petersburg. Die große Sonderausstellung im ehemaligen „Badehaus“ widmet sich 2016 „Fabergé – Geschenke der Zarenfamilie“. Die Aus­ stellung zeigt bis zum 16. Oktober erlesene Kunstobjekte des welt­berühmten russischen Goldschmieds Peter Carl Fabergé und veranschaulicht die Verbindungen der russischen Zaren mit den deutschen Fürsten. Zum Schloss gehören ein weit­ läufiger Landschaftspark und das Restaurant und Café „Die Fasa­nerie“. Zu den Highlights des abwechslungsreichen ­Veranstaltungsprogramms zwischen April und Oktober ­z ählen „Das Fürstliche Gartenfest“ und die „Zeitreise ins 18. Jahr­hundert“, bei der rund 400 Darsteller in Militär- und Zivilkostümen Schloss und Park in ein lebendiges Museum verwandeln. Mu seum Schloss Fa saner ie Te l . + 4 9 (0) 6 6 1 9 4 8 6 - 0 w w w . s c h l o s s -f a s a n e r i e . d e

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Schloss Fasanerie – Hessens schönstes Barockschloss © Kulturstiftung des Hauses Hessen


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Schloss Ludwigsburg © Achim Mende, Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Ludwigsburg – die lebendige Barockstadt Die Barockstadt Ludwigsburg hat viele Facetten. Ob im prachtvollen Residenzschloss, bei einem Bummel durch die lebendigen Einkaufsstraßen oder bei einem der zahlreichen Feste: Gäste aus aller Welt erleben die Stadt vor den Toren Stuttgarts immer von ihrer besten Seite. Im Jahr 1704 begann der württembergische Herzog Eberhard Ludwig in Ludwigsburg mit dem Bau seines ­R esidenzschlosses. Die größte barocke Schlossanlage Deutschlands mit 18 Gebäuden, drei Höfen und 452 Räumen lockt jährlich hunderttausende Besucher an. Prunkstücke sind außerdem das Jagd- und Lustschloss Favorite und das ­romantische Seeschloss Monrepos. Die weitläufigen Park­ anlagen des Residenzschlosses beheimaten die älteste und schönste Gartenschau Deutschlands, das Blühende Barock. Die raffinierten Blumenarrangements – Gartenkunst ver­ schiedener Epochen und Regionen – sind ein Genuss für das Auge. Im Herbst können die Besucher bei der weltgrößten Kürbisausstellung skurrile Gewächse in prachtvollen Farben und außergewöhnlichen Formen erleben. Ludwigsburg ist ein barockes Gesamtkunstwerk: ­Gerade und breite Straßen schneiden sich im rechten Winkel, zweigeschossige Bürgerhäuser in zarten Pastellfarben prägen das Stadtbild. Den Mittelpunkt bildet der weite Marktplatz mit seinen beiden barocken Kirchen. Malerische Arkaden,

Blumenschmuck, Cafés und Restaurants, aus denen man das Treiben beobachten kann, sorgen besonders in der warmen Jahreszeit für südländisches Flair. Weinlaube, Marktplatzfest, Musikfeuerwerk, Lud­ wigsburger Barock-Weihnachtsmarkt: Die Liste der Feste in Ludwigsburg lässt sich noch lang fortsetzen. Vielleicht hat es mit den ba­rocken Wurzeln zu tun, dass hier gern und oft ­g efeiert wird. Die Venezianische Messe, die die Lud­ wigsburger Innenstadt alle zwei Jahre in eine magische Traumlandschaft verwandelt, geht auf Herzog Carl Eugen ­z urück. Bei einer Italienreise fand er solchen Gefallen am ­Venezianischen Maskenfest, dass er es 1768 kurzerhand in ­seine Residenzstadt importierte. Die nächste Venezianische Messe findet vom 9. bis 11. September 2016 statt. Ein weiteres kulturelles Highlight sind die renom­ mierten Ludwigsburger Schlossfestspiele. Große Dirigenten, Orchester und Solisten ­sowie junge Künstler geben sich jedes Jahr ein Stelldichein. ­L ohnenswert ist der Besuch des Kera­ mikmuseums oder des Modemuseums. Dort kann man einen Blick in die ­K leiderschränke der ver­g angenen 300 Jahre wer­ fen. Beeindruckend ist auch das MIK Museum – Information – Kunst. In dem architektonisch h ­ erausragenden Kulturkom­ plex sind verschiedene Ein­r ichtungen unter einem Dach vereint: unter anderem das Ludwigsburg Museum, das in


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oben: Venezianische Messe, links: Kürbisausstellung „Blühendes Barock“

seiner Dauerausstellung Ideen und Visionen vorstellt, die Ludwigsburg prägten, und der Kunstverein Ludwigsburg, der zeitgenössischen Künstlern ein Forum bietet. Auch der Einkaufsspaß kommt nicht zu kurz. Indivi­ duelle Geschäfte und Boutiquen laden zum entspannten Bummel ein. Der Besuch des pulsierenden Wochenmarkts auf dem Marktplatz ist ein besonderes Erlebnis. Wer sich vom Shopping ausruhen will, kann dies in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants tun. Abends lockt die attraktive Barund Kneipenszene in die City. Ob Wein oder Cocktail, hier findet jeder den richtigen Tropfen. Ludwigsburg ist das ideale Reiseziel für Familien: Im Märchengarten des Blühenden Barocks lässt Rapunzel auf Zu­ ruf ihren Zopf ­h inunter und durch einen Irrgarten bahnen sich Klein und Groß den Weg zum Froschkönig in der Saison vom 18. März bis 6. November 2016. Eine andere Attraktion ist das Kinderfilmhaus, untergebracht in einem der sechs Tor­ häuser der Stadt. Studenten der in Ludwigsburg ansässigen Film­a kademie Baden-Württemberg zeigen anhand eigener Filme, Zeichnungen, Puppen und Modelle wie ein Film funk­ tioniert und wie man ihn produziert. An Herbsttagen lassen Sie sich von der weltgrößten und alljährlich stattfindenden Kürbisausstellung im Blühen­ den Barock verzaubern.

Oder entdecken Sie die bewegte Geschichte Ludwigsburgs bei einer der vielfältigen Stadtführungen. Das ganze Jahr hin­ durch können Sie aus einem abwechslungsreichen P ­ rogramm an Führungen durch kompetente Gästeführer auswählen: Stadtführungen, spezielle Themen-, Kostüm- und Eventfüh­ rungen, Schlossführungen, Museumsführungen, Park- und Gartenführungen, Dichterführungen und Kinderführungen. Wer möchte, kann von Ludwigsburg aus auch die Umgebung erkunden. Die Stadt ist eingebunden in eine reizvolle Region: Die ­L andeshauptstadt Stuttgart liegt ebenso in der Nähe wie das romantische N ­ eckarstädtchen Esslingen oder die Fach­ werkstadt Bie­t igheim-Bissingen.

To u r i s m u s & E v e n t s L u d w i g s b u r g To u r i s t I n f o r m a t i o n Te l . + 4 9 (0) 7 1 4 1 9 1 0 2 2 5 2 tour i st info @ludwigsburg. de www. ludwigsburg. de

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© Benjamin Stollenberg, Tourismus & Events Ludwigsburg


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Neuwied. „Barock mit allen 5-Sinnen“ A B T E I R O M M E R S D O R F, H E I M B AC H -W E I S

ROE N TGE N-M USE U M , N E U W I E D

E rö f f n u n g d e s B a ro c k j a h r e s i m R a h m e n d e r R o m m e r s d o r f e r

Ta s t e n

F e s t s p i e l e m i t d e m T h e a t e r s t ü c k „ D e r e i n g e b i l d e t K ra n k e“

Sommer / Herbst 2016

a m 1 7. 0 6 . 2 0 1 6

Der wohlhabende Bürger Argan ist ein wahnhafter Egoist und Hypochonder. Mit der panischen Einbildung, er sei ster­ benskrank, tyrannisiert er seine Familie und sieht sich als leidenden Mittelpunkt der Welt. Glauben schenkt er nur ­seinem Arzt und seinem Apotheker. Er zwingt sogar seine Tochter Angelika, den einfältigen Sohn des Arztes zu heiraten, um die Kosten zu senken. Dass Angelika längst andere Pläne hat, ist ihm ebenso wenig beizubringen wie die Tatsache, dass er eigentlich kerngesund ist und Arzt und Apotheker ihn bloß ausnehmen. Die treue und gewitzte Haushälterin Nanette versucht schließlich mit einem raffinierten Plan, dem einge­ bildet Kranken die Augen zu öffnen. Molières berühmteste Komödie ist eine bitterböse Satire auf das blinde Vertrauen in Ärzte und das Geschäft mit der Krankheit. Nach Molière in der hessischen Fassung von Wolfgang Deichsel.

Das Roentgen-Museum in Neuwied präsentiert in einer ­D auerausstellung eine der weltweit bedeutendsten Samm­ lungen von Roentgenmöbeln und Kinzinguhren aus dem 18. Jahrhundert. Ab Herbst 2016 werden verschiedene Ob­ jekte, die auf den ausgestellten Portraits von Abraham und David Roentgen sowie Kinzing zu sehen sind, in Nachbil­ dungen präsentiert. Die Besucher können dann Schreibfeder, Zirkel, Schatullen, Metalle und vieles mehr berühren und in die Hand nehmen. Aus einem Schreibtisch kann durch ver­ schiedene Funktionen die Tischplatte manuell zum Lese- und Stehpult verwandelt werden. Mit Verarbeitungsmaterialien wie Furnierholz, Bron­ zen, Stoff etc., hat der Besucher weiter die Möglichkeit, seinen Tastsinn entsprechend ausleben zu können. w w w . n e u w i e d . d e / B a ro c k - i n - N e u w i e d

E n s e m b l e : B a ro c k a m M a i n . T i t e l ro l l e : M i c h a e l Q u a s t w w w . ro m m e r s d o r f-f e s t s p i e l e . d e

SCHLOSS E NGER S, E NGER S H ö r e n u n d S e h e n i m B a ro c k s c h l o s s E n g e r s

Riechen, Sehen

Juni bis Dezember 2016

i m F ra n z ö s i s c h e n G a r t e n d e r A b t e i R o m m e r s d o r f

Im wunderschönen Französischen Garten können Sie ­ flanzen aus dem Barock bestaunen. Wundervolle Beete, die P von Culterra Haus & Garten aus der Heinrich Haus gGmbH ­ge­staltet sind, säumen den Weg bei Ihrem Spaziergang durch das Grün. Riechen Sie an verschiedenen „Riechstationen“ die einzigartigen Düfte aus der barocken Zeit. Erfahren Sie ­außerdem zu ausgewählten Terminen Interessantes und ­W issenswertes über die Pflanzen aus dem Barock bei einem gemütlichen Spaziergang durch den Französischen Garten.

Direkt am Rhein liegt das Barockschloss Engers: Unmittelbar am rechten Rheinufer ließ der trierische Kurfürst Johann Phi­ lipp von Walderdorff um 1760 sein Jagdschloss in Engers errichten, heute ein Stadtteil von Neuwied. Die besten Künst­ ler des Rokoko schufen ein Juwel der Baukunst in schönster Lage, ausgestattet mit herrlichen Prunkräumen. Heute ist das Schloss Konzert- und Kulturhaus, Hotel und Restaurant, ­Tagungsstätte, Museum und beherbergt die Villa Musica. Das Schlossmuseum mit dem Saal der Diana ist an Sonn- und ­Feiertagen von 11 bis 17 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Füh­ rungen werden nach vorheriger Anmeldung arrangiert.

w w w . . d e / B a ro c k - i n - N e u w i e d

Infos und Ticketbestellung:

Sommer / Herbst 2016

Te l . 0 2 6 2 2 9 2 6 4 1 1 7 www.villamusica. de

B a ro c k p ro j e k t m i t j u n g e n M e n s c h e n i m S c h l o s s E n g e r s 5 . bis 1 2 . Dezember 2016

Vom 5. bis 12.12.2016 findet eine Arbeitswoche „Barockmu­ sik“ mit jungen Solisten der Villa Musica und Christian Rieger in Schloss Engers statt. Schloss Engers / Villa Mu sica R heinland Te l . 0 2 6 2 2 9 2 6 4 2 6 5

Französischer Garten der Abtei Rommersdorf © Stadtmarketing Neuwied


Vis-à-vis des Neuwieder Schlosses gelegen, eingebettet in die barocke Stadtplanung wird die StadtGalerie zum bestens ge­ eigneten Ort, schöne Dinge zu schauen und in deren Genuss zu schwelgen.

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www. neuwied. de/Galer ie

I M G A N Z E N S TA D T B E R E I C H N E U W I E D B a ro c k - B o t s c h a f t e r Cult ure pour les e nfant s Herbst 2016

I N U N D U M SCHLOSS E NGER S

Dieses Angebot zielt darauf ab, innerhalb von einem halben Jahr, Mädchen und Jungen, kulturelle Kompetenzen zu ver­ mitteln und sie zu Barock-Botschaftern auszubilden. Hierbei lernen die Kinder in dem außerschulischen Projekt kulturelle Orte wie Museen, Theater, Konzerte in ihrer eigenen Stadt kennen. Sie erhalten Einblicke hinter die Kulissen, können selber Kunstwerke angelehnt aus dieser Epoche gestalten. Das Projekt wird in Kooperation von KiJub, Villa Musica und IGS angeboten.

Vo n a l l e m e t w a s : B a ro c k a m R h e i n E n g e r s

www. neuwied. de/ k ijub. ht ml

Schloss Engers © Stadtmarketing Neuwied

20. / 21. August 2016 D a s g rö ß t e B a ro c k f e s t i n R h e i n l a n d - P f a l z

Auf einem prachtvoll dekorierten Festgelände tummeln sich viele barock Gewandete und nehmen in ihren historischen Spielszenen die Gäste mit in das Jahr 1794. Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen, Herr v. Schloss Engers und Onkel des Französischen Königs Ludwig XVI, feierte in seinem ba­ rocken Schloss rauschende Feste und musste dann vor den aus Frankreich anrückenden Revolutionstruppen die Flucht antreten. Dreizehn Barockkonzerte, fünf historische Spiel­ szenen, kulinarische Kurfürstentafel, ein Barock-Café, ein K inder-Kostümfest, ein Höhenfeuerwerk, die größte ­Holzspielesammlung Europas im XXL-Format mit 18 Spiel­ stationen, Gaukler und Musikanten laden zum Verweilen ein. www. e nge rse rconve nt . de

I N D E R N E U W I E D E R I N N E N S TA D T Jugend-Kunstausstellung „ G l a m o u rö s , P o m p ö s“ – B a ro c k i n N e u w i e d November 2016

Die Schüler und Schülerinnen der Mittel- und Oberstufe des Rhein-Wied-Gymnasiums, des Werner-Heisenberg-Gym­ nasiums und der Integrierten Gesamtschule Neuwieds werden glamouröse und pompöse Kunstwerke im Barockstil malen und gestalten. Um ihre Sicht des Barocks zu zeigen, wird ein leerstehendes Ladenlokal in eine Galerie auf Zeit ver­ wandelt. Über diese Kooperation der unterschiedlichsten Institutionen beginnend beim Handel, Kultureinrichtungen bis zum Kinder- und Jugendbüro der Stadt Neuwied werden die Jugendlichen die Möglichkeit haben, ihre Galerie profes­ sionell zu führen.

S e h e n u n d S c h m e c k e n : B a ro c k e K u n s t ; Schauen und Schwelgen in der StadtGaler ie 25 . November 2016 bis 2 2 . Januar 2017

Barocke Kunst ist voller Prunk und Pathos. Sie ist üppig, pom­ pös und fantasievoll überladen – ein Erlebnis für Geist und Sinne. In der StadtGalerie werden dekorative Inszenierungen den Glanz vergangener Zeit spiegeln, Entdeckungen und Konsum der Genussmittel Schokolade und Kaffee werden in Szene gesetzt, Künstler und Künstlerinnen unserer Zeit zei­ gen ihre barock gestalteten Arbeiten und Ansichten zu dieser glamourösen Epoche. StadtGalerie Neuwied © Stadtmarketing Neuwied

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B A R O C K R E G I O N

S TA D T G A L E R I E N E U W I E D


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Kirchheimbolanden – Barock in der „Kleinen Residenz“ BA ROCK E R T E R R A SSE NGA RT E N

Die nordpfälzische Kreisstadt Kirchheimbolanden nennt sich „Kleine Residenz“. Sie diente den Fürsten von Nassau-Weil­ burg zwar nur wenige Jahrzehnte als Residenz, doch bis heute prägen die Jahre zwischen 1730 und 1800 die Stadt. Ihr bau­ liches Erscheinungsbild erhielt einen spätbarocken Charakter: Eine fürstliche Hofhaltung mit Schloss, Hofkirche, Ballhaus, Schlossgarten und Orangerie entstand. Adelspalais und ­Verwaltungsgebäude wurden erbaut und Straßenzüge mit neuen Bürgerhäusern angelegt. Mit dem Begriff „Kleine ­R esidenz“ verbindet sich aber auch die Entfaltung eines ­reichen h ­ ö­f ischen Kulturlebens: Höfische Jagden gehörten ebenso dazu wie höfische Feste, ein Hoftheater, vor allem aber die ­H of­musik. Protegiert von Fürstin Caroline, einer Oranier-­Prinzessin königlicher Herkunft, erlebte letztere eine besondere Blüte. Selbst auf Mozart wirkte die Stadt ­a ttraktiv, der hier 17 78 für eine Woche konzertierte und seinen Geburtstag verbrachte. Das verpf lichtet Kirchheim­ bolanden bis heute. Tor zum Schlossgarten,

Stadt Kirchhe imbolande n

Foto: Ludwig Blumentrath

Ne ue A llee 2 , R athau s, 67 29 2 Kirchhe imbolande n

© Museum im Stadtpalais, Kirchheimbolanden

Te l . + 4 9 (0) 6 3 5 2 4 0 0 4 0 www. k irchhe imbolande n . de

H O T E L B R AU N – A R T H O T E L m i t d e r g rö ß t e n „ S p ra y b a n a n e“ d e r We l t

Im Stadtzentrum von Kirchheimbolanden, der „Kleinen ­ esidenz“, in unmittelbarer Nähe zur historischen Altstadt, R heißt Sie Ihr seit nunmehr über 30 Jahren und in zweiter ­Generation geführtes Hotel Braun herzlich willkommen. Das Hotel Braun ist nicht nur eines der „Top Hotels für ­G eschäftsleute in der Pfalz“, sondern zeugt ebenso wie die ­g esamten ehemaligen „Kappesgärten“ auf denen es steht, vom wirtschaftlichen Aufschwung der „Kleinen Residenz“, seit der Eröffnung im Jahre 1978. Neben 29 „Classik“- und 11 „Deluxe“-Zimmern er­ warten Sie eine zauberhafte, romantische Wellness-Oase und zwei Seminarräume, die hohen Ansprüchen an Ausstattung und Technik gerecht werden. Das Hotel Braun bietet darüber hinaus mit der traumhaften Cocktail-Lounge „the martin’s“ ­a llen Gästen einen Ort der Entspannung und Geselligkeit. Der Künstler Thomas Baumgärtel vor seiner „Spraybanane“, 14 x 7 m, im Mai 2016 vor dem ART Hotel Braun

H o t e l B ra u n – A R T H o t e l 3 Ster ne Super ior U h l a n d s t r. 1 , 6 7 2 9 2 K i r c h h e i m b o l a n d e n Te l . + 4 9 (0) 6 3 5 2 4 0 0 6 0 w w w . h o t e l b ra u n . d e


B A R O C K BESTAUNEN BAROCK BESTAUNEN Auf Tour mit dem fliegenden Pater Mohr im Kloster Schussenried

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Ein musealer Ort : Die Schlosskirche in Saarbrücken VO N KO NR AD BIRN BAUM

Wer auf den Spuren des Barocks in Saarbrücken wandeln möchte, für den lohnt sich ein Besuch der hiesigen Schloss­ kirche, die bedeutende Kunstdenkmäler beherbergt und heute von der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz museal ­genutzt wird. Begonnen wurde die einst spätgotische Kirche in den 1470er-Jahren und hat seitdem einige Umbauten erlebt. Nach einem Brand wurde sie ab dem Ende des 17. Jahrhunderts im Barockstil renoviert. Davon zeugt am prominentesten der 1743 aufgesetzte Turmhelm, der wohl auf einen Entwurf Friedrich Joachim Stengels, des Architekten des Saarbrücker Schlosses und der Ludwigskirche, zurückgeht. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Schlosskirche zerstört, ihr Wiederauf­ bau erfolgte in den Jahren von 1952 bis 1958. Der Turmhelm wurde 2006 originalgetreu rekonstruiert. 1958/59 realisierte Georg Meistermann einen Zyklus von 26 Glasfenstern, der den Kirchenraum bis heute auf ganz besondere Weise erstrahlen lässt. Auf der Empore des Seiten­ schiffs werden unter anderem mittelalterliche Skulpturen aus Lothringen gezeigt und weitere sakrale Objekte vom 13. bis 19. Jahrhundert ergänzen die museale Präsentation.

Barockes Gemälde, das heute in der Alten Sammlung im ehemaligen Kreisständehaus, zu der auch das Museum in der Schlosskirche ­g ehört, ausgestellt ist. Es zeigt das barocke Saarbrücker Schloss nach der Fertig­s tellung des N ­ eubaus 1748 unter dem Barock­a rchitekten Friedrich Joachim Stengel, der das barocke Saarbrücken maßgeblich architektonisch geprägt hat. Foto: Stiftung Saarländischer Kulturbesitz

Als herausragende Zeugnisse des Barocks im Innenraum ­haben sich drei monumentale Grabmäler erhalten, denn in den Jahren 1651 bis 1768 diente die Schlosskirche als Grablege für die Fürsten von Nassau-Saarbrücken. Unter dem Chor ­befindet sich noch heute deren Gruft mit den Gebeinen der Adligen. An der Nordwand der Kirche erhebt sich das Grab­ mal für den Grafen Ludwig Crato und seine Frau Philippine Henriette, geschaffen von dem Metzer Bildhauer Jacques ­P ierrard de Coraille im Jahr 1713. Von barocker Architektur umgeben, steht das Paar in Herrscherpose und wird flankiert von wappentragenden Assistenzfiguren sowie den Personi­ fikationen von Beredsamkeit und Überfluss. Knapp 13 Jahre zuvor war bereits das Grabmal für Cratos Eltern, Graf Gustav Adolph und seine Gattin Eleonore Clara, gefertigt worden – ebenfalls von de Coraille. Im Chorhaupt befindet sich das dritte barocke Grabmal für Fürst Wilhelm Heinrich, den ­g roßen Erneuerer des Stadtbilds von Saarbrücken im Zeichen des Barocks. Es stammt vom Hof bildhauer Johann Philipp Mihm und entstand 1772 als letztes der Fürstengräber. Fünf erhaltene Kopf- und Büstenfragmente aus einem Zyklus von Aposteln und Evangelisten des Jacques Pierrard de Coraille aus der Zeit um 1690, die wohl ehemals auf den ­G ewölbediensten standen, runden die Ausstattung der Schlosskirche ab. Lohnenswert ist anschließend noch ein ­Besuch der Alten Sammlung im Kreisständehaus nebenan. Auf den dort gezeigten Gemälden der Fürstenfamilie wird die ­barocke Geschichte der heute modernen Stadt Saarbrücken eindrucksvoll nachvollziehbar. Ständige Ausstellung We r k e v o m 1 3 . b i s z u m 1 9 . J a h r h u n d e r t www. k ult urbesit z . de

Schlosskirche, Foto: Stiftung Saarländischer Kulturbesitz


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Die Ludwigskirche in Saarbrücken VO N BE ATE KO LO DZI E J

„Mitten auf einem schönen mit ansehnlichen Gebäuden um­ gebenen Platze steht die lutherische Kirche, in einem kleinen, aber dem Ganzen entsprechenden Maßstabe.“ So erinnert sich Johann Wolfgang von Goethe in seinem Werk „Dichtung und Wahrheit“ an die Ludwigskirche in Saarbrücken, durch das er 1770 gereist war. Heute gehört sie zu den Wahrzeichen der Landeshauptstadt und gilt neben dem „Michel“ in ­Hamburg und der Frauenkirche in Dresden als eine der bedeu­ tendsten protestantischen Barockkirchen in Deutschland. Den Auftrag für eine Gemeinde- und Hofkirche, die von einem „place royale“ umgeben sein sollte, erteilte im Ok­ tober 1761 Wilhelm Heinrich, Fürst von Nassau-Saarbrücken. Der Baumeister Friedrich Joachim Stengel, der bereits einige wichtige Gebäude in Saarbrücken (Neubau Schloss, Friedens­ kirche, Erbprinzenpalais, Kirche St. Johann) konzipiert hatte und wie kein anderer das Stadtbild bis heute prägte, führte ihn aus. Doch erst unter Fürst Ludwig, dem Sohn von Wilhelm Heinrich und späteren Namensgeber des Sakralbaus, wurde die Kirche vollendet und im August 1775 feierlich geweiht. Entgegen der ursprünglichen Ausführung ist der Platz, dessen Mitte sie einnimmt, heute nur noch von drei Seiten ­bebaut. Im Westen befindet sich das ehemalige Waisenhaus. Hier ist seit 1989 ist die Hochschule der Bildenden Künste (HBK) Saar untergebracht. An der Nord- und Südseite hin­ gegen stehen zwei geschlossene Reihen von städtischen

Palais‘, ergänzt um einen Neubau, der die Staatskanzlei beher­ bergt. Ein Gymnasium an der Ostseite wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg abgerissen und durch eine Freitreppe ersetzt. Von außen in Sandstein gehalten, wird die Fassade der Ludwigskirche durch Pilaster, hohe Bogen- und Ovalfenster gegliedert, in Wandnischen stehen die vier Evangelisten, und eine Balustrade mit Monumentalstatuen umläuft die Dach­z one. Wahrlich als Highlight entpuppt sich der Innen­ raum: Gänzlich in Weiß gehalten, erstrahlt er in ­barocker Pracht. Doch hätte er auch eine moderne, dem Zeitgeist der 1950er-Jahre entsprechende Ausstattung erhalten können! Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg standen nur noch die Außenmauern des Gotteshauses, und dessen ­W iederauf bau führte zu einigen Kontroversen, besonders was das Innere anging. Letztlich entschied man sich für eine Rekon­struktion im Sinne Stengels und gab der Stadt Saar­ brücken somit ihre barocke „Perle“ zurück. Doch leider nagt auch an ihr der Zahn der Zeit. Und so wird die Ludwigskirche ab September 2016 für umfangreiche Renovierungsarbei­ ten für knapp ein Jahr geschlossen, um pünktlich zu den ­Re­formationsfeierlichkeiten im Oktober 2017 in neuem Glanz zu erstrahlen. w w w . k u l t u r- s a a r l a n d . d e w w w . b a ro c k s t ra s s e - s a a r p f a l z . d e

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B A R O C K R E G I O N

Ludwigskirche in Saarbrücken, Foto: Susanne Renk / Tourismuszentrale Saarland


Die BarockStraße SaarPfalz. Eine Route des Entdeckens VON JÜRGEN PROFÖHR

SA A R BRÜCK E N U N D U MGE BU NG

Baumeister Friedrich Joachim Stengel gab Saarbrücken unter den nassau-saarbrückischen Fürsten Wilhelm Heinrich und Ludwig ein neues, barockes Gesicht. Das Schloss – architek­ tonisch eindrucksvoll weiter entwickelt – die Ludwigskirche, Stengels Meisterwerk, und der lebhafte St. Johanner Markt markieren noch heute die Eckpunkte der Stengelschen Stadt­ anlage. Die Stengelpromenade lädt zu einem erlebnisreichen Rundgang. Das Jagdschloss Karlsbrunn und die Fürsten­ wiesen um das Forsthaus Neuhaus sind Zeugnisse der fürstlichen Jagdleidenschaft in den umliegenden Wäldern. Abseits der Herrscherhäuser: Handwerk und frühe Industrien. In Sulzbach wurde Salz gewonnen. Am Brennenden Berg ­begann sich Goethe für den Bergbau zu interessieren. Barocke Meisterleistungen sind in der Ölmühle Berschweiler und in Uhrmachers Haus in Köllerbach zu bestaunen.

OTTWEILER

Reichsgräfin Catharina, Ott weiler, Foto: Archiv Landkreis Neunkirchen

Folgen Sie den Spuren einer Schlüsselepoche Europas, die in vielem die Welt veränderte und deren Impulse bis in die heu­ tige Zeit nachwirken. Als Route des Entdeckens möchte die BarockStraße SaarPfalz die Augen für verborgene Schätze ­öffnen und die Sinne für die Geschichten und Ideen hinter dem Sichtbaren schärfen. Besuchen Sie vier lebendige Städte: Saarbrücken, Ottweiler, Zweibrücken und Blieskastel – die früheren Residenzen der Fürsten von Nassau-Saarbrücken, der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken und der Grafen von der Leyen, drei einander eng verbundener Herrscherhäuser mit ihren kleinen Reichen nahe dem großen Frankreich.

Herzogsvorstadt Zweibrücken, Foto: Wolfgang Henn

Für die Ottweiler Aufenthalte der fürstlichen Familie ließ Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken Baumeister ­Stengel ein Stadtpalais bauen, das seiner Gemahlin Sophie Erdmuthe später zeitweise als Witwenpalais diente. Am Ufer der Blies ließ der Fürst ein Jagd- und Gartenhaus errichten. Der Pavillon ist heute von einem barocken Rosengarten ­umgeben. Nicht weit davon entstand auf fürstliche Initiative eine Porzellanmanufaktur, deren Öfen erstmals mit Stein­ kohle befeuert wurden. Die zweite Heirat des Sohnes, Fürst Ludwig, wäre heute eine wunderbare Geschichte für die Klatschpresse: der Aufstieg eines Bauernmädchens, im ­Volksmund „Gänsegre­t el“ von Fechingen“ genannt, zur Reichsgräfin von Ottweiler. Auf Wunsch schlüpft die ­Reichsgräfin in die neuzeitliche Rolle der Stadtführerin oder sie lädt zu einer Audienz ins Witwenpalais, um das seltene Ottweiler Porzellan zu zeigen.


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Möllerhalle, Alte Schmelz, St. Ingbert, Foto: Michael Haßdenteufel

H O M B U RG – Z W E I B R Ü C K E N

BL I E SK A S T E L – SA N K T I NGBE RT

Der schwedische König Karl XII. verhalf Zweibrücken Anfang des 18. Jhs. zu neuer Blüte. Sein Nachfolger, Herzog Gustav ­Samuel Leopold von Pfalz-Zweibrücken, ließ Jonas Erikson Sundahl ein Residenzschloss im Stil des klaren nordisch ­geprägten Barock erbauen. Das Stadtmuseum in der unter Christian IV. entstandenen Herzogsvorstadt präsentiert ­G emälde, Grafiken, Möbel und das seltene Zweibrücker ­Porzellan. Für die barocke Lebensfreude steht die Parkanlage Tschiff lick, die von dem hier im Exil lebenden Polenkönig ­Stanislaus Leszczynski prächtig angelegt wurde. Auf dem Karlsberg nahe Homburg finden sich Reste der einstmals größten Landesresidenz Europas, unter Herzog Karl II. ­August erbaut und in der Französischen Revolution unter­ gegangen. Teile der einzigartigen Gemäldesammlung, die Johann Christian von Mannlich für den Herzog zusammen­ getragen hatte, sind heute in der Galerie im Edelhaus in Schwarzenacker zu bewundern.

Ein Bummel durch das verwinkelte Von-der-Leyen-Städt­ chen Blieskastel erfüllt alle barocken Erwartungen: vom Paradeplatz mit dem Oberamts- und Waisenhaus geht’s durch die malerische Altstadt mit ihren barocken Kleinoden hinauf zum Schlossberg mit den stattlichen Hofratshäusern und der Schlosskirche als Krönung. Mit Verlegung ihrer ­Residenz an die Blies führten Franz Carl und Marianne von der Leyen, die schon kurze Zeit später als Witwe die Regie­ rungsgeschäfte übernahm, Blieskastel zu ungeahnter Blüte. Mitten im Grünen am Niederwürzbacher Weiher die Lust­ schlösser: Annahof und Roter Bau. Im Kern barock und für viele überraschend: die Alte Schmelz vor den Toren Sankt ­Ingberts, ein beeindruckendes Ensemble der Industriekultur. In der Stadt ist die Engelbertskirche zu bewundern, die Franz Carls Eltern für die Untertanen in ihrer „Kohlestadt“ errich­ ten ließen. Infor mat ionen: G e s c h ä f t s s t e l l e B a ro c k S t ra ß e S a a r P f a l z b e i d e r S a a r p f a l z -To u r i s t i k , P a ra d e p l a t z 4 , 6 6 4 4 0 B l i e s k a s t e l ,

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M annheimer Geschmackssensationen

„Barocco“

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B A R O C K R E G I O K N

Barock – man lasse das Wort langsam, etwas gedehnt auf der Zunge zergehen, und schon hat man eine Fülle von Bildern im Kopf. Barock – man spürt den Puder förmlich in der Nase ­k itzeln! Reifröcke, so breit, dass sie den Weg versperren, ­exzentrische, turmhohe Perücken, Schönheitsflecken, tiefe Dekolletés und Herren in seidenen Strümpfen. „Barocco“ – das ist das etwas Unkontrollierte, das etwas außerhalb der Regeln und Normen Liegende, das ein bisschen Zuviel, das wir in den geschwungenen Formen finden, in den Architek­ turen, die wie Bühnenbilder daherkommen, in den üppigen Brokatstoffen auf den Porträts der Herrschenden und Ein­ fluss­reichen, in den fantasievollen Tafelaufsätzen, die jedes

oben: Carl-Theodor-Torte, Foto: Maria Schumann

Zwei Schokoladenbecher und eine „Zittertasse“ (Trembleuse) aus dem 18. Jahrhundert

Alle Fotos: © rem

Diner zum Abenteuerland werden ließen. Und doch ist das nur die eine Seite des Barock. Diese Epoche der überbor­ denden Fülle, der Lust am Leben, war zugleich eine Epoche der Entdeckungen, der Wissenschaften, der Erkundung der Welt. Anfang des 16. Jahrhunderts war die Kakaobohne von spa­n ischen Eroberern nach Europa gebracht worden. Es dauerte allerdings noch einige Zeit, bis man herausfand, welche K ­ östlichkeit diese bittere Bohne unter Zuhilfenah­ me von viel Zucker ist. Zunächst verschrieben Ärzte den bitteren Kakao zur Stärkung von Kranken und sogar in der Fastenzeit durfte Kakao getrunken werden. Mit Zucker ver­ setzt änderte sich das grundlegend: Die heiße Schokolade wurde zum Luxusgenuss des Adels und des reichen Bürger­ tums. Man nahm gerne ­morgens im Bett ein Tässchen aus der eigens für dieses V ­ ergnügen entworfenen „Trembleuse“. ­Diese „Zittertasse“ hat einen ­hohen Rand auf der Untertasse, der ein Verrutschen des Trinkgefäßes und Verschütten der Kostbarkeit verhindern sollte. Und schon sind die Bilder wieder da: Elegante kichern­ de Damen, die genüsslich eine heiße Schokolade trinken und über Liebeleien und Intrigen der Gesellschaft plaudern. An den barocken Höfen genoss man allerlei süße Köstlichkeiten, wie heiße Schokolade, Kuchen, Torten und Pralinen – und Eis! Eis war im Barock nicht nur ein süßes Sommervergnügen. Bei den ausschweifenden Diners wurde es als Zwischengang ­g enossen und zwar nicht nur mit süßen Zutaten. Die Eis­ konditoren ließen sich allerhand Geschmacks- und Gestaltungsvarianten einfallen, zum Teil wurde das Eis in skurrile Formen wie Fischköpfe oder Gurken gegossen. Die Mannheimer haben auch heute noch einen Eis­ konditor mit Fant asie: Dario Font anella . L andläuf ig berühmt als der Erfinder des Spaghetti-Eises, ist Fontanella


ein echter Eiskonditor, der in seiner hauseigenen Manufak­ tur ständig an neuen Kreationen arbeitet. Je nach Jahreszeit kann man hier „Schokolade-Ingwer“ „Birne-Parmigiano“ oder „Aprikose-Lavendel“ genießen. Eigens zur Ausstellung „Barock – Nur schöner Schein?“ hat Dario Fontanella die Sorte „Quitte-Exquisit“ kreiert. Quitteneis? Das klingt verlockend, es sei jedoch darauf hingewiesen, dass neben kandierten Früchten auch Senf körner auf der Liste der ­Z utaten stehen, die der Süße der Quitte eine raffinierte Schärfe entgegensetzen. Hier wird der Eisgenuss eindeutig zur sinnlichen Geschmackssensation. Wem das dann doch zu gewagt erscheint, dem sei „Fantasia barocca“ empfohlen: eine Eispyramide, wie sie gut und gerne im Barock der prachtvolle Höhepunkt der Tafel hätte sein können. Mannheim erlebte seine Blütezeit in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, zur Zeit des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz und Bayern. Seine herausragende Förderung von Künsten und Wissenschaften machte Mannheim zu einer ­e uropäischen Kulturmetropole. Wenn ab September die ­ganze Stadt im Zeichen des Barock steht, wird auch das Scho­ koladenhaus Pralissimo Rinderspacher die hauseigene

Eiskonditor Dario Fontanella, Foto: Carolin Breckle

„Kurfürstenpraline“ aus cremigem Nougat und aromatischem Fleur de sel anbieten. Süß und salzig – auch hier wieder ein ­Geschmackserlebnis, so aufregend und widersprüchlich wie die Zeit des Barock. KIM BEHM

B A R O C K E R S TA D T S PA Z I E RG A N G

Begleitend zur Sonderausstellung „Barock – Nur schöner Schein?“ legen die Reiss-Engelhorn-Museen gemeinsam mit der Werbegemeinschaft Mannheim City die Broschüre ­„ Barocker Stadtspaziergang“ auf. Sie lädt Einheimische und Touristen ein, die barocken Seiten Mannheims zu entdecken und zu genießen. Neben Sehenswürdigkeiten bieten aus­gewählte Geschäfte und Cafés kulinarische Köstlichkeiten und modische Hingucker – von barocken Schokokreationen über Parfümdüfte bis hin zu gewagten Hutmodellen. Die Broschüre kann ab 22. Juli 2016 unter www.barock2016.de aufgerufen und bestellt werden.

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86

Wilhelm - Hack- Museum Ludwigshafen am Rhein

„Erna muss bleiben“

Werner Gothein, seine Freundin, Erna Kirchner (Schilling) und E.L. Kirchner im Atelier Berlin- Friedenau, 1914/15, Glasnegativ, 18 x 24 cm Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992, Foto: Kirchner Museum Davos

rechts: René Zechlin, Direktor des Wilhelm- Hack- Museums, vor E.L. Kirchners doppelseitigem Gemälde „Urteil des Paris“ / „Badende auf Fehmarn“ (Rückseite), um 1913

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B A R O C K R E G I O N

Foto: Wilhelm- Hack- Museum Ludwigshafen am Rhein

Es gehe ihm um die Schaffung eines Museums, nicht eines Mausoleums, bemerkte der Kaufmann Wilhelm Hack (1899– 1985), als er seine Sammlung der Stadt Ludwigshafen überließ, die sich ihrerseits verpf lichtete, ein nach ihm benanntes ­Museum zu erbauen. 1979 wurde das Haus im Herzen der Stadt eröffnet und ganz im Sinne des Stifters, dem eine Stätte der Begegnung vorschwebte, verzichteten die Stuttgarter ­A rchitekten Hagstolz und Kraft auf Hemmschwellen im ­E ingangsbereich, auf verwinkelte Räume und Stellwände. Stattdessen lassen sich alle Ebenen des Inneren gleich beim Betreten dieses offenen Raumes überblicken. Das ist ­einerseits eine große Qualität, doch im laufenden Ausstel­ lungsbetrieb kann dies – aus Mangel an Hängefläche – auch eine Bürde sein. Doch möchte René Zechlin, seit 201 4 ­Di­rektor des Hauses, aus dieser Einschränkung eine Tugend machen, die Wände freilegen und die Räume atmen lassen. Auch der Außenbereich des vor einigen Jahren energetisch nachhaltig sanierten Museums verströmt noch authentisch den Geist der 1970er-Jahre. Davon zeugen unter anderem eine große Fliesenarbeit von Joan Miró und die „Endlose Treppe“ von Max Bill, die nach seinen Ausführungen mit ihren 19 Stu­ fen von dem philosophischen „Prinzip Hoffnung“ seines Freundes Ernst Bloch, geboren in Ludwigshafen, inspiriert ist. Wenngleich das Wilhelm-Hack-Museum mit seinen Samm­ lungsschwerpunkten in den Bereichen klassische Moderne,

Konkrete Kunst, Pop-Art und in Hinblick auf Positionen der Gegenwartskunst als das bedeutendste Museum für das 20. und 21. Jahrhundert in Rheinland-Pfalz gilt sowie regen ­Zuspruch auch bei Besuchern der benachbarten Bundes­länder findet, sieht René Zechlin das Besucheraufkommen aus der unmittelbaren Nachbarschaft noch ausbauf ähig. „Wir ­müssen den Coolnessfaktor erhöhen“, beschreibt er die ­Herausforderung. Eine der diesbezüglich erfolgreichsten Akti­v itäten ist der bereits 2012 initiierte hack-museums­ gARTen, ein Kunstprojekt, das die Bevölkerung aller Schichten und Ethnien zum gemeinsamen Gärtnern im ­Außenbereich des Museums einlädt. Doch auch in den Kerngebieten der Museumsarbeit mischt man im internationalen Ausstellungsgeschehen und Leihverkehr nach Kräften mit. Es gäbe weitaus mehr Leihan­ suchen, als man erfüllen könne, erzählt Zechlin, der indes als diesjährige Sommerausstellung einen besonderen Coup lan­ den konnte. „Abstract Loop Austria“ hieß die klug konzipierte Ausstellung, die bis vor Kurzem im 21er Haus Wien – Museum für zeitgenössische Kunst lief und eigentlich mit Arbeiten von Marc Adrian, Helga Philipp, Richard Kriesche und Gerwald Rockenschaub ihren Fokus auf die österreichischen Tenden­ zen der Konkreten und konstruktiven Kunst der heutigen Generation legte. Doch ist die Ausstellung mit weiteren inter­ nationalen Positionen reichhaltig ergänzt und hat durchaus einen Bezug, der im Südwesten Deutschlands verwurzelt ist. Gelten nicht zuletzt die Stuttgarter Schule und die Aktivi­ täten der Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm als die wichtigsten Impulsgeber und standen in regem Austausch


87 mit den Protagonisten der Avantgarde andernorts. Wodurch sich unter dem Titel „ABSTRAKTIONEN“ in Ludwigshafen irgendwie auch wieder ein Loop schließt. Und dann gilt es noch „Erna“ für das Haus zu retten: „Erna soll bleiben!“, heißt es gleich auf der Startseite des Muse­ ums. Dahinter verbirgt sich ein Spendenaufruf, Ernst Ludwig Kirchners „Urteil des Paris“, vermutlich geschaffen im Jahr 1913 und bisher eines der Hauptwerke der Sammlung, für Lud­ wigshafen zu erhalten. Mit den Erben des zu restituierenden

Gemäldes konnte man sich einigen, bis Redaktionsschluss waren bereits mehr als 83 % der Kosten gesichert. Die Chancen, dass Erna samt ihrer Schwester, einem weiteren Modell, und dem Künstler selbst auch in Zukunft im Wilhelm-Hack-­ Museum verbleiben, stehen demnach gut. DANIEL A GREGORI

www. wilhelmhack. museum


88 Heidelberg, Ludwigshafen, M annheim

Drei Kunstvereine in der Metropolregion

Susanne Weiß, Direktorin des Heidelberger Kunst vereins, Foto: Eva Gentner

Was wären deutsche Städte ohne ihre Kunstvereine? Seit dem 19. Jahrhundert stehen sie für bürgerliches Engagement und bieten oftmals noch nicht etablierten oder weniger kunst­ markttauglichen Positionen eine Plattform. Rund 300 Kunstvereine existieren in Deutschland, mitnichten lässt sich in diesem Kontext von typischer Kunstvereinskunst oder ein­ schlägigen Kunstvereinsausstellungen sprechen. Damit Programm und Programmatik eines jeweiligen Hauses funk­ tionieren, wollen die Gegebenheiten und das Umfeld erst analysiert sein, um das richtige Angebot für den richtigen Ort zu entwickeln. Man muss schon wissen, in welcher Stadt man agiert, meint Barbara Auer, die seit 1996 den Kunstverein ­Ludwigshafen am Rhein leitet. Die Einwohnerschaft sei hier nicht von Haus aus kunstaffin, doch weiß sie mit vielschich­ tigen Ausstellungen, die sich weniger über Theoretisches als visuell erklären, Neugierde zu wecken. Lag der Schwerpunkt zu B ­ eginn ihrer Tätigkeit noch auf Fotografie, so wird in der ­b eeindruckenden 500 Quadratmeter großen Halle des ­Bürgermeister-Ludwig-Reichert-Hauses nun ein breites ­mediales Spektrum gezeigt. Statt fünf Ausstellungen im Jahr kon­zentriert man sich mittlerweile auf nun vier und hat dafür das Vermittlungsangebot ausgebaut. Einen besonderen ­S tellenwert nimmt hierbei „unARTig“, die Kinder- und ­Jugendkunstschule ein, in der gezielt das Interesse der jünge­ ren Generationen geweckt und gefördert wird. Für das nächste Ausstellungsprojekt „Timelines“ wird durch eine ­K ooperation mit Kunstraum „PORT 25“ gleichsam eine ­Brücke über den Rhein nach Mannheim geschlagen. Der dortige Ausstellungsleiter indes, Martin Stather, verfolgt für sein Programm ebenso das „Prinzip allover“. ­Zudem ist für das Haus durch ein jährliches Designfestival und eine Kooperation mit der lokalen Hochschule und deren Sektion für Gestaltung ein Schwerpunkt auf diesem Gebiet festzumachen. Seit 1990 ist Martin Stather für das Programm des bereits 1833 gegründeten Mannheimer Kunstvereins ver­ antwortlich. D ­ ieses Jahr feiert überdies der eigens von Theo Papst entworfene Pavillon sein 50. Jubiläum. Als höchste ­E hrung für besondere Förderer vergibt der ­M annheimer Kunstverein seit 1988 die „Freiherr von ­Stockhorn-Medaille“, die bislang erst sechs Personen ­ver­liehen wurde. Zudem wer­ den vom Kunstverein die Nachlässe Mannheimer Künstler bewahrt, die mit ihrem Werk die Stadt prägten.


89 Bei aller lokalen Anbindung und teils spartenüber­g rei­ fenden Kooperationen mit Institutionen wie Theatern oder der Sammlung Prinzhorn möchte Susanne Weiß mit ­ihrem ­P rogramm als Teil eines internationalen Diskurses wahr­ ge­nommen werden. 1869 bereits wurde der Hei­delberger Kunstverein gegründet, seit 1990 hat er die Räumlichkei­ ten eines preisgekrönten Baues von Dieter Quast bezogen, in ­e inem Hinterhof inmitten des Stadt zentrums. Im Grenz­b ereich von Ausstellungen und deren Vermittlung hat die Direktorin Susanne Weiß mit „Einzelausstellung: nicht al­leine“ ein Format entwickelt, in dem der jeweilige Künstler gemeinsam mit dem Kurator zum ausgestellten Werk gleichsam dessen Genese offenlegt und somit Ein­ blicke in die künstlerische Praxis liefert. Das Werk eines anderen Künstlers, ein Film, Buch oder sonstige Objekte ­vermögen so oft mehr zu sagen als ein bisweilen e­ twas theo­ rielastiger Handzettel. Ludwigshafen, Mannheim Heidelberg – drei sehr ­unterschiedliche Städte, drei traditionsreiche Kunstvereine, dreimal ein junges Programm, zugeschnitten auf den jeweili­ gen Ort. Eben das ist es, was Kunstvereine so wertvoll macht.

Martin Stather, Ausstellungsleiter des Mannheimer Kunst vereins, Foto: © Mannheimer Kunst verein

DANIEL A GREGORI

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Barbara Auer, Direktorin des Kunst vereins Ludwigshafen Foto: © Kunst verein Ludwigshafen

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B A R O C K R E G I O N

K U N S T V E R E I N L U DW I G S H A F E N


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Die Galerien in der M etropolregion Rhein - Neckar

Gemeinsam für die Kunst

Julia Philippi, Galeristin in Dossenheim bei Heidelberg, Foto: Eva Gentner

Global denken, regional handeln – so könnte man die ­Maximen der Galerien in der Metropolregion Rhein-Neckar zusammenfassen. Die Szene bietet einen breit gefächerten Überblick über die aktuelle Kunst: Konkrete Kunst, StreetArt, Keramikkunst, ganz junge internationale Kunst, etablierte Positionen der zeitgenössischen Kunst ebenso wie historische Tendenzen der Kunst nach 1945 – es gibt nichts, was der kunstinteressierte Besucher in den Galerien der ­Re­g ion vermissen wird. Kunst, auch der Handel und das Sammeln von Kunst, spielt in der Region traditionell eine zentrale Rolle. Schon der 1936 über Amsterdam in die USA emigrierte Kunsthändler Herbert Tannenbaum setzte mit seinem Mannheimer Kunst­ haus nicht nur auf den Verkauf, sondern mit eigenen Konzepten auch auf die Vermittlung der damals zeitgenössi­ schen Kunst. 1958 gründete Wolfgang Rothe in Heidelberg die Edition Rothe, die zeitgenössische Kunst mittels druck­ grafischer Editionen einem breiten Publikum zugänglich machen sollte.

Das Entdecken und Vermitteln von zeitgenössischer Kunst sind neben dem Verkauf seit jeher die Kernaufgaben einer ­Galerie. Die (eigenen) Ausstellungsräume sind der Ort des ­d irekten Kontakts zu Besuchern, Kunden, Kuratoren und Künstlern, und dieser persönliche Austausch ist allen Galeris­ ten ein besonderes Anliegen. Bei den Vernissagen mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen, ist für die Besucher im­ mer wieder eine beeindruckende Erfahrung, berichtet Peter Zimmermann. Die meisten Galerien zeigen sowohl etablierte als auch junge Positionen. Eine ganz besondere Gelegenheit, den Nachwuchs zu entdecken, bietet die Galerie Zulauf in Freinsheim. Seit über zehn Jahren organisiert sie das Förder­ projekt „Junge Kunst“, eine Kooperation mit internationalen Kunstakademien. Zuletzt stellten Ende 2015 Studierende der Akademie der Bildenden Künste Warschau in der Galerie aus. Dennoch: Nicht nur in der Metropolregion beklagen die Galerien seit Jahren rückläufige Besucherzahlen. Lohnt es sich da überhaupt, den Ausstellungsbetrieb in den eigenen Galerieräumen aufrechtzuerhalten? Eine Frage, die von allen Galeristen mit einem uneingeschränkten „Ja, aber …“ beant­ wortet wird. „Natürlich kann heutzutage vieles im Internet einem viel breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Ein Kunstwerk kann seine eigentliche Wirkung aber erst ­entfalten, wenn man es real vor Augen hat“, meint Peter Zim­ mermann. Julia Philippi, die mit ihrer Galerie erst kürzlich von Heidelberg ins nahe gelegene Dossenheim gezogen ist, er­ gänzt, man müsse sehr viel stärker „aus den Räumen heraus und auf das Publikum zugehen“, dann allerdings spiele der Standort keine Rolle. Auch hierin sind sich alle einig: Die Er­ fahrung zeigt, das interessierte Publikum kommt aus allen Teilen der Welt in die Region. Blanka Heinecke von der märz galerie mannheim denkt weiter. Ein Galeriehaus wäre interessant, in dem meh­ rere Galerien ansässig sind und die Öffnungszeiten sowie die Betreuung der Ausstellungen gemeinsam übernommen wer­ den könnten. Die Kräfte bündeln also, das klassische Modell „Galerie“ verändern, um es zu erhalten. Gemeinsam ist man stärker, auch wenn es um die Vermittlungsarbeit geht. Das ­haben die Galerien der Region schon lange erkannt. „Gemeinsam für die Kunst“, so unterzeichnen die ­d er zeit zwölf i m „Ga ler ienverba nd R hei n-Neck a r“ zusammen­g eschlossenen Galerien ihre Grußworte im ­q uartalsweise erscheinenden Ausstellungsanzeiger. Ge­ meinsam richten sie auch die jährlichen Galerientage im Mannheimer Kunstverein aus, die 2016 bereits zum 21. Mal stattfanden! Ein echtes Erfolgsmodell, das im Laufe der Jahre immer wieder modif iziert wurde, um das P ublikum ­weiterhin anzulocken. Regelmäßige Gastspiele in den Kunst­ vereinen der Region wie Ludwigshafen am Rhein, Heidelberg und Speyer ergänzen das gemeinsame Programm. Dass die


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Im Galerienverband Rhein-Neckar sind elf Galerien der Region zusammengeschlossen: Neben den Mannheimer Galerien galerie arthea, Sebastian Fath Contemporary, Galerie Kasten, märz galerie mannheim / cube 4x4x4 und Galerie Peter Zimmermann sind dies die Galerie Marianne Heller (Heidelberg), galerie linde hollinger (Ladenburg), Galerie Josef Nisters (Speyer), Galerie Julia Philippi (Dossenheim), UP ART Galerie fĂźr zeitgenĂśssische Kunst (Neustadt an der WeinstraĂ&#x;e) sowie Galerie Zulauf (Freinsheim). w w w . g a l e r i e n v e r b a n d - r h e i n - n e c k a r. d e

Dr. Friedrich W. Kasten, Galerie Kasten in Mannheim, Foto: Lutz Wagner

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B A R O C K R E G I O N

Szene hier eher klein ist, sieht Julia Philippi als Vorteil. Die Wege sind kurz, man kennt sich, der Austausch mit den ­Kollegen wird Ăźber die gemeinsamen Aktivitäten im Gale­ rien­verband hinaus gepflegt. Die Metropolregion Rhein-Neckar bietet keine schnelllebige brodelnde Galerienszene. Sebastian Fath ­C ontemporary in Mannheim mit dem GrĂźndungsdatum 2003 ist immer noch die jĂźngste Galerie im Verband. Aller­ dings spiele der Standort in Zeiten globaler Vernetzung des Kunstmarktes und seiner schnell wechselnden Zentren ohne­ hin nur eine untergeordnete Rolle, meint Dr. Friedrich W. Kasten von der Galerie Kasten in Mannheim. Er setze lieber auf konsolidierte Galeriearbeit. Die Galerie ist, so Kasten, „letztlich der einzig selbstbestimmte Ort einer nichts und ­n iemandem ver­pf lichteten Kulturarbeit. Eine in der Wahl ­i hrer Inhalte unabhängige Position im Kulturangebot. Das ist ein groĂ&#x;es Plus, das man seinem Publikum stärker ver­ mitteln sollte.“


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Buchtipps Reisewege zum Barock in Rheinland - Pfalz

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Der traditionsreiche Verlag Schnell & Steiner ist insbeson­ dere für die Reihe der „Kleinen Kunstführer“ bekannt, die sich seit ihrem ersten Erscheinen in den 1930er-Jahren mit mehr als 3.100 erschienenen Titeln zu Europas größter Kunst­f ührerreihe entwickelt hat. Das wissenschaftliche und kulturgeschichtliche Programm umfasst alle Bereiche abendländischer Kunst von der Antike bis zur Gegenwart. Der Verlag arbeitet mit Kooperationspartnern wie anderen re­ nommierten europäischen Verlagen und verschiedenen staatlichen sowie kirchlichen Institutionen zusammen. ­Darüber hinaus verleiht Schnell & Steiner seit 2009 jährlich den mit 5.000 Euro dotierten Kulturpreis „Kunst und Ethos“. BET TINA GÖTZ

Verlag Schnell & Steiner 280 S. 301 Farb- und 3 S/W-Abb. 17 x 24 cm Softcover (Klappenbroschur, fadengeheftet) EUR 24,95 ISBN 978-3-7954-2837-2

Mit allen Sinnen Reisewege zum Barock in Rheinland-Pfalz Hrsg. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B U C H T I P P S

Das barocke Rheinland-Pfalz ist eine echte Entdeckung! ­ erbindet man diese Region gemeinhin mit römischer Antike V oder dem Mittelalter, so stellt der 2014 im Verlag Schnell & Steiner erschienene Kunstreiseführer „Mit allen Sinnen. ­R eisewege zum Barock in Rheinland-Pfalz“ die beein­ druckende Fülle des barocken Erbes zwischen Trier, Koblenz, Andernach und Zweibrücken vor. Die Bandbreite reicht von Schloss- und Sakralbauten bis zu Gärten und Bürgerhäusern, von Malerei und Skulptur über Möbel und Porzellan zu Eisengusskunst. Präsentiert werden bedeutende wie weniger bekannte Denkmäler und Objekte in den ehemaligen kurfürstlichen Residenzstädten Mainz, Trier und Koblenz, aber auch noch zu entdeckende Ortschaften und Museen wie Dirmstein oder das Er­kenbertMuseum in Frankenthal. Kunstspezifische Zusammenhänge werden dabei auf lebendige und verständliche Art erklärt. Nach einer allgemeinen Einführung in die Epoche wird im Kapitel „Bauwesen“ mit der Darstellung des Zusam­ menspiels von Architektur, Malerei, Plastik und Ornament eine zentrale Idee des Barocks anschaulich vor Augen gestellt: das Gesamtkunstwerk, das alle Sinne überwältigt. Die folgen­ den Kapitel stellen nach Kunstgattungen gegliedert Künstler und einzelne Werke in den historischen Zentren Kurmainz, Kurtrier und Kurkoblenz vor. Den Anfang macht die Skulptur, gefolgt von Malerei und Kunsthandwerk. Praktische Orien­ tierungshilfe bietet am Ende des Bandes eine alphabetisch geordnete Zusammenfassung aller Orte und Museen sowie ein Glossar mit Begriffserklärungen. Mit dem opulent bebilderten Reiseführer haben Kunst­interessierte wie Fachleute das perfekte Begleitbuch für den nächsten Besuch in Rheinland-Pfalz. Die Autoren verste­ hen es, eine glanzvolle Epoche aufleben zu lassen und schon vor der Reise Neugierde und Vorfreude auf ein einmaliges Kulturerlebnis zu wecken.


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Schloss Ludwigslust Hrsg.: Staatliches Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow, Staatliche Schlösser und Gärten Mecklenburg-Vorpommern — Schloss Ludwigslust zählt zu den bedeutendsten Barock­ schlössern Norddeutschlands und war Zentrum der Hofhaltung zweier Mecklenburger Herzöge. Der Ostflügel der Dreiflügelanlage wurde im Frühjahr 2016 nach jahrelanger Sanierung wieder eröffnet und erstrahlt nun in seiner ganzen Pracht. Der reich illustrierte Band beschreibt die Geschichte und ­A rchitektur des Schlosses, die Gestaltung der eindrucksvollen Innenräume und die herzogliche Kunstsammlung.

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Deutscher Kunstverlag GmbH 288 S. 259 Farb- und 26 S/W-Abb. 23 x 28 cm Hardcover, gebunden EUR 34,90 ISBN 978-3-422-07360-9 Dt.

The Making of – Neubau Kunstmuseum Basel Kanton Basel-Stadt, Kunstmuseum Basel Philippe Bischof, Stefan Charles (Hrsg.) — Die Sammlung des Kunstmuseum Basel gehört zu den ­b edeutendsten der Welt. Durch den Erweiterungsbau der ­A rchitekten Christ & Gantenbein erhält das Museum mehr Raum für Wechselausstellungen und für sein Depot. Anhand von Baustellen- und Architekturfotos, Skizzen und ­B auplänen, in Interviews und Beiträgen wichtiger Protagonisten und Begleiter des Bauprozesses wird das Entstehen dieses ­faszinierenden Neubaus dokumentiert.

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Christoph Merian Verlag 146 S. 76 meist Farbabb. 20 x 27 cm broschiert mit Schutzumschlag EUR 28,00 ISBN 978-3-85616-808-7, Dt. ISBN 978-3-85616-809-4, Engl.


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Hirmer Verlag 184 S. 102 Abb. 24 x 28 cm, geb. EUR 34,90 ISBN 978-3-7774-2612-9 Dt., Engl.

Mythos-Rennsport Bernd Luz — Ein Ausflug durch die Rennsportgeschichte Bernd Luz gilt als herausragender Künstler und Grafiker mit Benzin im Blut. Man kann von einem echten „Hype“ reden. Luz begeistert und überzeugt mit spannenden Hintergründen zu Meilensteinen des automobilen Rennsports. Und das nicht nur für Insider. Automobile Kunstwerke der Extraklasse. Ein Augenschmaus und zugleich kurzweilige Unterhaltung. Eine Hommage an wichtige Fahrzeuge und Events. Empfehlenswert. Verlag Stadler 128 S. zahlreiche Farbabb. 29,7 x 21 cm Hardcover EUR 29,95 ISBN 978-3-7977-0597-6 Dt., Engl.

Kunth Verlag München 344 S. 26,0 x 33,0 cm geb., mit Softtouch Einband, im Schuber EUR 49,95 ISBN 978-3-95504-226-4

METROPOLIGHTS NEW YORK Lichter einer großen Stadt — „Man verfällt New York augenblicklich …“ (Tom Wolfe) New York, New York. Die Lichter am Times Square, der ­B roadway, das Empire State Building, riesige Kulturtempel, eine Flut von gelben Taxis und vor der Hafeneinfahrt die Statue of Liberty. Kreative und Künstler fühlen sich seit jeher im Big Apple heimisch, sie beeinflussen das kulturelle und gesellschaftliche Leben nachhaltig. Andy Warhol und Lady Gaga, Duke Ellington und Woody Allen – sie alle verkörpern den „New York state of mind“. Das Buch lädt ein zu einer ­faszinierenden Reise durch die M ­ etropole in brillanten ­Farbbildern und informativen Texten.

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BOXING CUBA From Backyards to World Championship Hrsg.: Michael Schleicher Fotografien von Katharina Alt, Vorwort von Charles Schumann — Ein Bildband der Superlative: Vom olympischen Kader über junge Talente bis hin zu Nationalidolen und Trainern – jedes der einfühlsamen Portraits spiegelt die kubanische Leidenschaft für den Sport. Boxstars wie Héctor Vinent Charón, Félix Savón Fabre, Julio César La Cruz und Emilio Correa Bayeux treffen auf weitere Talente – insgesamt versammelt der Band 22 Medaillen-Gewinner. Ergänzt durch die zwölf Runden ­u mfassende Boxgeschichte von Michael Schleicher rund um Kid Chocolate und Kid Gavilán wird das Faszinosum dieses Weltsports hautnah miterlebbar. Denn dieses Jahr gilt für Kuba mehr denn je: „Boxen ist das Leben selbst“, so Joyce Carol Oates.


über die Linie hinaus 19. Juni - 23. Dezember 2016

Markus Oehlen, Poor Boy, 2012

KUNSTWERK I SAMMLUNG ALISON UND PETER W. KLEIN I SIEMENSSTRASSE 40 I 71735 NUSSDORF ÖFFNUNGSZEITEN MITTWOCH BIS 23.02.16 FREITAG11:12 UNDSeite SONNTAG VON 11 - 17 UHR I WWW.SAMMLUNG-KLEIN.DE KW_Picasso_Ad_4c_181x125.qxp_Artmapp 1

Pablo Picasso, Venus und Amor, 13.12.1968, Sammlung Würth, Inv. 3006, Foto: Volker Naumann

PICASSO UND DEUTSCHLAND DIE SAMMLUNG WÜRTH IN KOOPERATION MIT DEM MUSEO PICASSO MÁLAGA

KUNSTHALLE WÜRTH SCHWÄBISCH HALL 6. 4.–18. 9. 2016 TÄGLICH 10 – 18 UHR EINTRITT FREI www.kunst.wuerth.com

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Swiridoff Verlag.

Alle Aktivitäten der Kunsthalle Würth sind Projekte der Adolf Würth GmbH & Co. KG.

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L´art pour l´art

Thomas Witzke Hermann Voith Galerie

KUNSTMUSEUM HEIDENHEIM Picasso Plakate- und Druckgraphiksammlung

© 2016: www.d-werk.com | Bild- und Fotonachweise unter www.Schloss-Achberg.de

Marienstr. 4 (Nähe Bahnhof), 89518 Heidenheim Tel. 07321 327-4810 oder -4814, www.kunstmuseum-heidenheim.de Öffnungszeiten: Di – So 11 – 17 Uhr, Mi 13 – 19 Uhr ab_az_Scharfblick_2016.qxp_ab_Scharfblick_ArtMapp_181x125_2016 21.06.16 17:31 Seite 1

1. Juli – 11. Sept. 2016

Neusachliche Werke aus der Sammlung Brabant 16. Juli bis 16. Oktober 2016

SCHARFBLICK Freitag 14 bis 18 Uhr | Sa., So., Feiertage 10 bis 18 Uhr | Info@Schloss-Achberg.de | www.Schloss-Achberg.de


THE CONNOR BROTHERS

ULI POHL ZERO

KAESEBERG

VESNA KOVACIC

GROUP SHOW „SECOND VIEW“ 09.AUG. - 18.SEPT.2016

BENJAMIN SCHUBERT „I SEE THAT YOU HAVE SEEN“

OKTOBER 2016

www.galerie-im-venet-haus.de Bahnhofstr. 41 / 89231 Neu-Ulm


KLARE KAN TE


Mit wachem Blick wanderte der in Stuttgart und Ulm behei­ matete Künstler Thomas Witzke beispielsweise durch die Kunstmuseen in Heidenheim und Stuttgart. Den Eindruck dieser Räume verarbeitete er in hoch aufwendigen Vektor­ grafiken, die Museumsarchitektur abstrakt, rein, entleert zeigen – als visionären Raum. Wie anders und neu sich ein sol­ cher Raum präsentieren kann, das zeigt nicht nur die aktuelle Ausstellung von Thomas Witzke im Heidenheimer Kunst­ museum, sondern auch die Raumbehandlung des englischen Architekten John Pawson, der die Neugestaltung der kriegs­ versehrten Barockkirche „St. Moritz“ in Augsburg übernahm. Auch hier findet sich jene Vision von Klarheit und Weltläufig­ keit, wie sie Thomas Witzke bei seinen Spaziergängen durch die Kunst erblickt.

Im größtenteils durch das Barock geprägten Schwabenland entdeckt der aufmerksame Betrachter neben den historischen Bezügen auch immer den Blick in die Gegenwart und ­Zukunft  – ob es der in diesem Sommer eröffnende Skulp­ turenpark der Neu-Ulmer Venet-Haus Galerie ist oder die Klosterkirche Neresheim, die als Baukörper einzigartig ­heraussticht aus dem an visionären Einfällen nicht armen Portfolio des Barockarchitekten Balthasar Neumann. Be­ gegnungen von Moderne und Tradition, Gegenwart und Geschichte bietet die vielfältige Museums- und Galerienland­ schaft Oberschwabens. Zwar sagt man dessen Bewohnern eine von Sparsamkeit und Bodenständigkeit geprägte Stur­ heit nach. Ein Mangel an Erfindergeist und visionärem Weitblick lässt sich hingegen nicht feststellen – vielmehr eine Lust am Träumerischen und Fantastischen zwischen Him­ melreich und Erdenschwere. Diese zu entdecken lädt auch die „Oberschwäbische Barockstraße“ ein, die in diesem Jahr ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiert und wie auf einer Perlenkette Sehenswürdigkeit an Sehenswürdigkeit reiht. Wo die Mo­ derne unvermittelt auf bricht zu neuen Horizonten, da ist auch die Vergangenheit bestens aufgehoben. FLORIAN L. ARNOLD

w w w . o b e r s c h w a e b i s c h e - b a ro c k s t ra s s e . d e

Thomas Witzke, „Museum Hamburger Bahnhof, Berlin“, 2016, „l‘art pour l’art“ Vektorzeichnung, c-print, Ultrasec ® M Die Vektorzeichnung zeigt den von dem polnischen Künstler Robert Kusmirowski gestalteten Durchgang zu den Rieckhallen

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Zwischen Barock und Z ­ ukunft: Zu neuen ­Horizonten in Schwaben


Vektorzeichnungen von Thomas Witzke im Kunstmuseum Heidenheim

Auf Linie gebracht

Thomas Witzke, „Kunstmuseum Heidenheim“, 2015 „l‘art pour l’art“ Vektorzeichnung, c-print, Ultrasec ® M


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Thomas Witzke, „Lenbachhaus, München“, 2016, links: Thomas Witzke, „Musée Soulages, Rodez“, 2015, „l‘art pour l’art“ Vektorzeichnungen, c-print, Ultrasec ® M

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L‘art pour l‘art, also Kunst um ihrer selbst willen – das ist nicht der Ansatz von Thomas Witzke. Seine Kunst ist immer schon, beispielhaft etwa bei seiner frühen wunderbaren Installation zu den „Jahrestagen“ von Uwe Johnson und hier nicht selten auf eine wunderbar doppelbödige Weise, referenziell. Aber „L‘art pour l‘art“ ist der Titel der neuen Werkgruppe des mitt­ lerweile in Ulm und Stuttgart beheimateten Künstlers. Darf man diesen, es würde ja aufs Beste passen zu Witzke, als fein bedachte Ironie verstehen? „L‘art pour l‘art“ ist eine Serie von zwölf Bildern, die Kunsträume, also ursprünglich der Kunst dienende, weil sie präsentierende Räumlichkeiten, in prägnanten Ausschnitten selber zur Kunst transformiert. – Sie werden in einem auf­ wändigen ebenso nach- wie freischöpferischen Prozess, der dokumentierenden Fotografie überführt in feinst struktu­ rierte und hochaufgelöste digitale Zeichnungen, die in der Folge ausstellbar sind – im besten Falle in ebenjenen Locations, die sie darstellen. Um dort dann quasi Kunst in zweiter Potenz zu generieren. Witzke ist ein leidenschaftlicher und ergo hoch auf­ merksamer Museumsbesucher. An den unterschiedlichsten Orten dieser Welt und in den unterschiedlichsten Aus­ stellungsräumen legt er es dabei nicht nur auf die wachsame Rezeption der dort gezeigten Kunst an, sondern unterzieht auch die Räumlichkeiten selbst seiner aufmerksamen ­Wahrnehmung. Er versucht die jeweils spezifischen Charak­ teristika dieser Orte zu erspüren und zu analysieren.

Das hat Tradition bei Witzke; schon in einer frühen Selbstbe­ schreibung berichtet er von der „Entdeckung der Neugier“, die er bereits in die Kinderzeiten datiert. Jetzt dokumentierte er für seine neue Serie prägnante räumliche Partikularitäten ausgewählter Kunstmuseen – und setzt sie, pars pro toto, als bildhafte Stellvertreter einer ­wesentlichen kulturellen Errungenschaft der bürgerlichen Gesellschaft, die das Museum als die Kunst zelebrierende Sonderbauten sowie als zweckräumliche Vergegenwärti­ gungsmaschinen versteht, die jedermann zugänglich sind. Jedes Kunstmuseum hat, davon ist Witzke überzeugt, nicht nur seinen spezifischen Schwerpunkt und Charakter, sondern ebenso seinen eigenen Stil und seine Stimmung. Sie unterscheiden sich im Anspruch und in der Ausstrahlung – nicht aber in ihrer eigentlichen, ursprünglichen Funktion: Kunst jedem Interessierten zugänglich zu machen. Diese dienende Funktion greift Witzke auf, um sie künstlerisch zu überhöhen: Durch sein auf wändiges ­z eich­nerisches, scheinbar fotorealistisches und gleichwohl stilisierendes und idealisierendes Gestalten schafft er eine sehr gegenständliche Kunst, die einem Motiv huldigt, das ­bislang noch keinen Apotheotiker fand. Witzke schafft damit Kunst für die Kunst – „L‘art pour l‘art“ also, der zumeist ­negativ konnotierten Begrifflichkeit gibt er auf diese Weise ­einen neuen Sinn.


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Thomas Witzke, „Haus der Kunst, München“, 2016,

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„l‘art pour l’art“ Vektorzeichnung, c-print, Ultrasec ® M

Witzke arbeitet dafür mit Vektorzeichnungen: In seinen ­Bildern, obgleich sie ja auf seinen eigenen Fotografien basie­ ren, ist nichts Fotografisches mehr enthalten. Auch da verknüpft er zwei Kunstformen, generiert eine Kunst aus einer anderen Kunst – auch damit spielt er auf seinen Serientitel an. Die Idee zu diesem Projekt entstand im Pariser Musée Picasso; er wandte sich seither ebenso ersten wie kleineren Häusern zu – in oft eigenwilligen, gelegentlich sogar nachge­ rade kühn gewählten Ausschnitten. Als Beispiel sei seine ungewöhnliche Innenansicht vom Münchner Haus der Kunst genannt – das er als Einrichtung schätzt, ohne dessen Archi­ tektur zu mögen. Er hat aus diesem Konf likt eine ebenso überraschende wie sinnige ­Lösung erfunden, die auch formal überzeugt, etwa in ihrer Korrespondenz zwischen Pseudo­ oberlicht und dessen negativer quadratischer Entsprechung am Boden.

So unterschiedliche Häuser wie die Stuttgarter Staatsgalerie, die zwei Pinakotheken und weitere Münchner Häuser, das Heidenheimer Kunstmuseum (quasi eine Art Heimspiel) und diverse europäische Museen hat er seinen nicht zu­ fällig im Dutzend erscheinenden Bildern beigefügt. Pars pro toto – das gilt hier also auch für die zwölf zum Augen­ schein gebrachten Kunsthäuser, die ja eben für eine ganze kulturelle Institution stehen. Eine weitere Reihe mit ebenfalls einem Dutzend Ar­ beiten, die er auch als exemplarische Kunsträumlichkeiten versteht, ist am Entstehen: Dafür hat er Künstlerateliers aus­ gewählt, die auf die entsprechende Weise vom Bild zur Zeichnung transformiert werden, denen freilich die program­ matische Öffentlichkeit abgeht. Eine weitere Steigerung ließe sich dann, um den Gedanken einmal weiterzuspinnen, hin ins maximal Intime allenfalls finden, wenn Thomas Witzke tomografische Ansichten von Künstlerhirnen gestalten wür­ de. So bietet er in seiner „L‘art pour l‘art“-Reihe immerhin Einblicke ins prächtig funktionierende eigene Künstlerhirn. Denn natürlich sind seine Museumsbilder, bei aller schein­ baren Objektivität, ganz und gar subjektive Ansichten. MANFRED ALLENHÖFER

1. Juli bis 11. September 2016 Thomas Witzke, „l‘ar t pour l‘ar t“ Kunst museum Heidenheim www. k unst museum-heidenheim. de


„l‘art pour l‘art“ Vektorzeichnung der Staatsgalerie als Raumbild in der Staatsgalerie Stuttgart mit freundlicher Genehmigung der Staatsgalerie Stuttgart, w w w.staatsgalerie.de Foto: Thomas Witzke, w w w.kunstmedia.de


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Die Abteikirche Neresheim

Die Leichtigkeit des Steins


Ganz in der Nähe von Heidenheim thront auf dem Ulrichs­ berg in schwäbischer Gelassenheit die spätbarocke Abtei Neresheim von Balthasar Neumann. So elegant sich deren Kirche mit ihren zahlreichen Klostergebäuden in die sanfte Hügellandschaft des Härtsfelds einfügt, so strahlend klar empfängt den Besucher ihr Innenraum. Klarheit ist wohl die stärkste Empfindung, die ihn inmitten dieser Architektur von allen Seiten umhüllt. Diese letzte Kirche des Würzburger Barockbau­ meisters Balthasar Neumann, der 1753, noch während ihrer Bauzeit (1747–1792) verstarb, markiert einen der Höhepunkte spätbarocker Baukunst. In ihrer architektonischen Trans­ parenz und sichtbaren Schlüssigkeit ist sie wohl einmalig. Angelegt als dreischiffige Basilika, allerdings mit nur mehr zu schmalen Gängen reduzierten Seitenschiffen, wirkt der Innenraum als ein einziger großer Saal aus Vierung, Lang­ haus, Querhaus und Chor. Die zentrale Ordnung wird von dem Längsoval der Vierung, den zwei kleineren Querovalen des Langhauses und den zwei Kreisformen im Chor vorgegeben. Die Pilas­ ter an den Wänden der schmalen Seitenschiffe vollziehen die ­d araus entstehende, abwechselnde Kurvenbewegung mit und finden ihren Höhepunkt in den vier frei stehenden Dop­p elsäulen der Vierung. Auch wenn dieser Text keine kunsthistorische Abhandlung sein möchte, sind diese ­a r­c hitektonischen Beschreibungen doch wichtig, um die empathische Wirkung dieser Architektur zu verstehen. Wer in diesem grandiosen Kirchenraum steht, wird ­sofort mitgerissen von einem Gefühl reinigender Klarheit und kühler Transparenz. Dass die architektonische Struktur so sichtbar ist, mag sicher auch dem schmucklosen, reinen Weiß und dem Verzicht auf Ornament und barocken Stuck geschuldet sein, was nicht zuletzt auch mit dem Tod Balthasar Neumanns noch während der Frühphase des Baus zu tun hat. Die Wirkung an sich aber kommt aus der reinen Architektur. Die mathematische Folgerichtigkeit in der Geometrie des ge­ nialen Grundrisses Balthasar Neumanns kenne ich eher von gotischen Kathedralen wie dem Kölner Dom. Auch dort geht es um die scheinbare Aufhebung der Schwerkraft der Wände durch zum Himmel strebende hohe Fensterbögen und außen liegende Strebepfeiler. Was aber in der Barockarchitektur von Neresheim dazu kommt, ist die in Bewegung geratende Wand. Dieser dynamische Schwung der Wände, der in eine gera­ dezu großartige Musikalität des gesamten Kirchenraumes mündet, ist der eigentliche Höhepunkt der Architektur der Abtei N ­ eresheim. Alles scheint auf diese beschwingte Wir­ kung zu zielen. Daher umfängt den Besucher sofort dieses große ­Gefühl transparenter Ordnung, welches man auch aus den Werken Johann Sebastian Bachs kennt. Eben diese Musi­ kalität und die klare mathematische Ordnung bewirken jenes Hochgefühl der Leichtigkeit des Steins. Bernhard Schütz, mein Lehrer und auf Architektur spezialisierter Kunsthistoriker , sagte gerne zu uns Studenten: „Schaut euch die Ecken an, da seht ihr, ob eine Architektur

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Klosterhof, Hauptfassade und Glockenturm

vorherige Seite links: Vierungskuppel mit Fresken vorherige Seite rechts: Vierung mit Doppelsäule und Langhaus

f­ olgerichtig funktioniert [...].“ In Neresheim sieht man ­t atsächlich, wie die geniale Konsequenz der Pläne Balthasar Neumanns nach seinem Tod hier und da durchbrochen wurde. Zum Beispiel nimmt das Gebälk auf den Pilastern und ­D oppelsäulen den Schw ung und die Rundungen der ­W ände mit auf. Aber nachfolgende Baumeister haben einen Teil des G ­ ebälks als gerade Linie gestaltet, wie über den ­e rsten Fenstern nach der Vierung zu sehen ist. Was bei ­g enauerem Hinsehen als Fremdkörper erscheint, schadet letztlich der G ­ esamtwirkung der kraftvollen Grundidee Balt­ hasar ­Neumanns nicht. Dazu ist sein Entwurf zu schlüssig. Bernhard Schütz schreibt in seinem wunderbaren Buch über Balthasar Neumann: „[...] Alles erreicht eine Leich­ tigkeit, die das Material und die Gesetze der Schwerkraft negiert [...].“ Die Analogie zur Mathematik und zur Musik ist nicht zufällig. Dazu noch einmal Bernhard Schütz: „Neumann komponierte mit Räumen unterschiedlichster Gestalt, die aber alle durch das Rotundenmotiv verwandt sind und sich im gemeinsamen Bewegungsf luss zusammenschließen.“ Diese rhythmisierte Bewegung der Wände ist nicht ­l inear, sondern sie findet über eine spannungsreiche Phra­ sierung ihren Höhepunkt in den freistehenden Doppelsäulen der Vierung. Weil aber der Raum aus Vierung, Langhaus, ­kurzem Querhaus und Chor als Einheit wirkt, bleibt der Span­ nungsbogen dieses Motivs der Bewegtheit aufrechterhalten und liegt sozusagen als Generalmotiv über dem gesamten Kirchenbau. Ursprünglich war auch die mittlere ovale Kuppel über der Vierung von Balthasar Neumann wesentlich höher und mit einer Tageslicht spendenden Laterne geplant. Aber die geistlichen Bauherren, die niemandem außer ihm diese küh­ ne statische Konstruktion zutrauten, entschieden sich schließlich für eine flache Kuppel mit einer Holzkonstruktion statt für eine hohe Steinkuppel, um die freistehenden tragen­ den Vierungssäulen nicht über die Maßen zu belasten. Gut 20 Jahre nach Neumanns Tod, zwischen 1770 bis 17 75, entstanden die Deckenfresken des österreichischen ­B arockmalers Martin Knoller. Zusammen mit den Gurt­ bögen, die als einzige Partien ornamental gestaltet wurden und so die Struktur der Architektur hervorheben, sind diese kon­genialen Fresken mit Motiven aus dem Leben Jesu ein ab­ schließendes und verbindendes Element im Zusammenklang mit der Architektur Balthasar Neumanns. Denn abgesehen von der gekonnten illusionistischen Malerei zeichnen sich diese Fresken durch eine überwältigende Klarheit und Frische der Farben aus. Mit dieser geradezu modern w ­ irkenden, hellen Farbigkeit schließt sich der Kreis in der G ­ esamtwirkung der Abtei Neresheim, die ja letztlich in ­benediktinischer Tradition die Schönheit der Schöpfung G ­ ottes preist.

Zitate (S.183) aus dem Buch von Bernhard Schütz „Balthasar Neumann“,

THOMAS WITZKE

Verlag Herder Freiburg 1986

B e n e d i k t i n e ra b t e i Fotos: Thomas Witzke

Kloste r Ne reshe im

w w w.kunstmedia.de

www. abte i-ne reshe im . de


Schloss Mochental, Foto: © Galerie Schrade

ARTMAPP Tipp: Schloss Mochental bei Ehingen Wie ein prachtvoller Solitär, eingebettet in die sanfte Hügel­ landschaft der Schwäbischen Alb, liegt das barocke Schloss Mochental, ehemaliger Sommersitz der Äbte von Kloster Zwiefalten, an der Oberschwäbischen Barockstraße. Nach ­einer wechselvollen ­G eschichte während der vergangenen 200 Jahre hat es heute mit Ewald Karl Schrade und der Idee von einer Galerie für M ­ oderne Kunst seine Bestimmung wie­ dergefunden. Denn erst im Dialog mit der Kunst und den Künstlern wird der prächtig und sensibel restaurierte Bau zu dem, was er ­u rsprünglich war: ein Ort der Verehrung des Göttlichen, ein Ort des Staunens und der Meditation. Hier kehrte Ewald Karl Schrade mit seiner Frau und ­s einen drei Söhnen in den frühen Januar­t agen 1985 ein. ­Sogleich erkannte er die Situation und entschloss sich zu han­ deln. Er sprach mit der Landesregierung, erhielt einen Vertrag. Wenig später begannen sie mit der Innenrestaurierung. Mit 30 Ar­beitern ging es daran, die ­Schäden der Vergangenheit zu be­ seitigen. Es galt Zwischenwände einzureißen, um den Blick in die herrlichen Flure zu ermög­lichen, elektrische Leitungen unter Putz zu legen, das vorherrschende Mausgrau zu tilgen und die Wände nach ­originalem Befund zu streichen, den Stuck farbig herauszu­heben, das Schrägstreifenfurnier von Türen und Oberlichtern freizukratzen, Vergoldungen zu ­setzen, die Böden zu reinigen, die Fenster zu putzen und vie­ les mehr. Im Mai 1985 erlebte das Schloss mit der prunkvollen ­E röffnung seine Auferstehung. Seither bietet Ewald Karl Schrade in den geschichtsträchtigen Räumen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts dar; heimische Künstler und solche

Hubertussaal in Schloss Mochental, Foto: © Galerie Schrade

von nationaler Bedeutung sowie i­ nter­nationaler Prominenz. Er zeigt sie in Einzel- und Gruppenausstellungen und stellt Themenpräsentationen zusammen. Daneben gedenkt er in besonderen Räumen jener Maler, Bildhauer und Grafiker, mit denen er persönlich sehr verbunden ist, Shmuel Shapiro etwa, Georg Meistermann, Ugge Bärtle, Erich Mansen und andere. Der Galerist blickt heute auf mehr als 400 Ausstellungen zu­ rück und hat – neben seinen anderen Verpflichtungen wie der „Art Karlsruhe“, seiner Karlsruher Galerie, dem Mitwirken im Galeristenverband und weiteren Institutionen – keineswegs die Absicht, mit der Kunst zu brechen. BARBARA LIPPS-KANT

bis 28. August 2016 Wa l t e r S t ö h r e r u n d H e l m u t S t u r m i m D i a l o g 1 7. J u l i b i s 2 5 . S e p t e m b e r 2 0 1 6 „ L o r e B e r t – A r b e i t e n a u s P a p i e r“ w w w . g a l e r i e - s c h ra d e . d e


vorne: Shimon Okshteyn, „Thimble”, 2007, Aluminium, lackiert, 270 x 180 x 150 cm, Unikat

hinten: Bernar Venet, „78,5 ARC x 8”, 2015, Cor-Ten Stahl, © VG Bild- Kunst, Bonn 2016


111 Skulpturenpark der Venet - Haus Galerie in Neu - Ulm

Zu neuen Horizonten

E I N S T R A H L E N DE S K U NS T PROF I L F Ü R N EU-U L M U N D DI E R EGION

Noch sind die Bauten in direkter Nachbarschaft im Rohzu­ stand, noch bestimmen der Lärm der Handwerker und Baustellenfahrzeuge das Umfeld. In Kürze aber wird sich der Skulpturenpark als stadtteilprägendes Element zwischen dem Neu-Ulmer Osten und dem Bahnhof verankert haben. Als Klammer wirken die unübersehbaren, markanten Instal­ lationen von Bernar Venet. Am Gebäude des nach ihm benannten Hauses, direkt an einem stark frequentierten Ver­ kehrsknotenpunkt, ist es ein 37 Meter hoher Stahlbogen, der von Weitem schon den Standort von Galerie und Skulpturen­ park anzeigt. Im südlichen Bereich weist seit Oktober 2015 an einem sechsstöckigen Neubau ein weiteres augenfälliges Bündel der typischen Venet-Bögen in ihrer erdig-rostigen An­ mutung auf das Kunstareal hin. Zwischen den Neubauten versteckt sich aber ebenso historisches Terrain – ein Teil der ehemaligen Bundesfestung Ulm/Neu-Ulm, der als stim­ mungsvoller Galerieraum seit Jahren genutzt wird und durch seine Halbrundform markant in das Freigelände hineinragt. Dort ist an skulpturalen Positionen alles versammelt, was

vorne: Herbert Volz, „Würfel“, 2015, Aluminium, Farbe, 290 x 290 x 290 cm

hinten: Bernar Venet, „218,5 ARC x 12“, 2011, Cor-Ten Stahl, © VG Bild- Kunst, Bonn 2016

Rang und Namen hat, darunter Werke von Tony Cragg, ­E rich Hausner, Bernar Venet, Stephan Balkenhol oder ­D ietrich Klinge. Die unterschiedlichen Ebenen rund um die Büroge­ bäude bieten sich ideal für die Aufstellung von Skulpturen und raumausgreifenden künstlerischen Installationen an. Fluktuation ist Programm – der laufende Ausstellungsbetrieb der Venet-Haus Galerie wird immer wieder für neue Positio­ nen im Ensemble sorgen. Messebesuche auf der Art Basel Miami Beach und Hong Kong sollen 2017 kommende Trends des Kunstmarktes ausloten. In Zusammenarbeit mit dem leidenschaftlichen Kunstsammler Werner Schneider will Verena Schneider ein „kulturelles und künstlerisches Zentrum für moderne und zeitgenössische Kunst“ in Neu-Ulm formen. „Ziel ist es, ­Neu-Ulm ein noch stärkeres und nach außen strahlendes Kunstprofil zu geben. So ist beispielsweise Bernar Venet nicht nur Namensgeber, sondern auch Maßstab für das Niveau der Künstler, welche in der Venet-Haus Galerie ausgestellt werden.“ Schon jetzt bietet die neu angelegte Parkanlage als spannungsvoller, atmosphärischer Ort eine neue Bühne für vielschichtige kulturelle Formate: Ausstellungen, Konzerte, Lesungen. Die Venet-Haus Galerie hat sich aufgemacht, der Stadt Neu-Ulm einen dauerhaften (Frei-)Raum für Kunst und Kultur zu erschließen. FLORIAN L. ARNOLD

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2008 formte die bayerische Landesgartenschau Teile der Stadt Neu-Ulm um, schuf auf einem ehemaligen US-ameri­ kanischen Kasernenareal und städtischen Brachen eine temporäre Freizeitlandschaft. Diese Idee eines Brücken­ schlages zwischen Stadt, Natur und Kunst verwurzelte sich zwar nicht dauerhaft im Stadtbild, findet nun aber in einem neuen, privaten Skulpturenpark im Stadtzentrum endlich eine überaus gelungene Neuauf lage. Durch den Bau eines neuen Bürogebäudes entstand ein freier Raum, den der Er­ bauer des Gebäudes und Kunstsammler Werner Schneider nutzte, um dort Teile seiner Skulpturensammlung zu plat­ zieren. Die Venet-Haus Galerie und die Neu-Ulmer Kunst GmbH sind in dem neuen Gebäude untergebracht und wer­ den von der Ga­leristin Verena Schneider geleitet. Inmitten eines gewerblichen und von einem eher nüchternen Erschei­ nungsbild geprägten Stadtbereichs entstand so durch Galerie und Skulpturenpark ein für Neu-Ulm außergewöhnliches künstlerisches Zentrum. „Kunst ist eine wesentliche Bereicherung im städti­ schen Leben“, ist sich Verena Schneider sicher und wünscht sich, dass der neue Skulpturenpark, der am 15. Juli 2016 eröff­ net wird, auch neue Impulse in der Stadtraumgestaltung setzt. „Es ist wichtig zu sehen, in welcher Beziehung die Kunst zur Stadt Neu-Ulm steht und wie die interessierten Bürger und Besucher damit umgehen, sagt Verena Schneider.


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Hans Michael Franke, „dismantling a colum”, 2005, Steinsäulen, 2 Stück,

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62 x 45 x 53 cm/ 72 x 45 x 56 cm


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Dietrich Klinge, „Ent wurf einer großen Figur III“, 2004, Bronze, 108 x 64 cm, Ex. 1/6

rechts: Miguel Berrocal, „Opus 506 MELILL A“, 2003, Carbonfaser, weiß, lackiert, 260 x 120 x 117 cm © VG Bild- Kunst, Bonn 2016

Alle Fotos: © Thomas Witzke, kunstmedia, 2016


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Barock und Minimalismus im Herzen Augsburgs

St. Moritz J o h n P a w s o n s „ P u r i f i z i e r u n g“ e i n e r e i n s t i g e n A u g s b u r g e r B a ro c k k i r c h e ist st ilbildend.

Weiß, Weiß, Weiß. Beinah unerträglich brandet an einem sonnigen Tag das Licht durch den dreischiffigen basilikalen Baukörper der Kirche St. Moritz in der Augsburger Innenstadt. Ein schöner Raum, ein stiller Raum, der ein wenig irreal wirkt. Dass der auf die Romanik zurückreichende Sakralbau zu ei­ nem Fest der Farbe Weiß und des Lichts werden konnte, ist dem britische Architekten John Pawson zu verdanken. Denn die Kirche – eine der ältesten Augsburgs – hat eine wechselvol­ le Geschichte. Jede Epoche, jeder Baustil formte sie neu. Man ahnt noch die schlichte Eleganz des romanischen Urraums. Man spürt noch die Lichtführung der Gotik durch die schma­ len, hohen Fenster des Chores und immer noch ist das Barock präsent, dessen geschwungene Formen sich in Deckengestal­ tung und Seitenwänden finden. Das Innere der dergestalt mehrfach überformten Kirche wurde im Bombardement der Stadt im Februar 1944 schließlich völlig zerstört. Gerade ein­ mal die Außenmauern standen noch und dienten in den Nachkriegsjahren dem Architekten Dominikus Böhm als Rahmen für seine eigene Architektursprache, in der St.

Moritz wiederaufgebaut wurde. Doch auch Böhms Ge­ staltung wurde in den Folgejahrzehnten immer wieder durchbrochen und aufgeweicht. Zu Beginn der 2000er-Jahre war endgültig eine Sanierung notwendig. Für eine Kunst­ installation wurde der Kirchenraum geleert, danach wurde vier Jahre lang saniert.

V E R Ä N D E R U N G U N D T R A N S F O R M AT I O N .

Der britische Architekt John Pawson entwickelte ab 2009 sein Konzept der „Klarheit und des Lichtes“ für diesen Sakralraum. Was zunächst als radikaler Eingriff in einen bestehenden Kir­ chenbau mit 1.000-jähriger Geschichte durchaus auf Kritik stieß, erweist sich nun als wirkungsvolle Raumdramaturgie. In subtiler Art und Weise wurden Einbauten entfernt und vorhandene Stilmittel durch Reduktion und Lichtquellen be­ tont, ohne dabei in die Falle von Historisierung oder falscher Verklärung zu tappen. So kann auch die Einbindung histori­ scher Skulpturen von G. Petel und E. B. Bendl gelingen: Als gestalterischer Anker bestimmt Georg Petels Figur „Christus Salvator“ den Raum der Apsis; die Apostelfiguren des Frühund Hochbarock reihen sich vor dem reinen Weiß der Seitenwände in Klarheit und Konsequenz. Der schmucklose, völlig erneuerte Pawson-Raum war für die Augsburger durchaus eine Herausforderung. Die ­K irche ist nicht anheimelnd, es fehlt die golden-bunte Üppig­ keit, die man von einem Sakralbau der Barockzeit erwartet. Stattdessen also dieses unerhörte Weiß, das durch wenige ­andere Farbtöne an der Grenze zur Farblosigkeit kommentiert wird – etwa durch den Boden mit seinem hellen Kalkstein, die fast schwarzen Holzfassungen des Chorgestühls oder die Orgel­e infassung. Die wirkliche Meisterschaft dieses Kir­ chen(neu)baus zeigt sich, wenn draußen das Licht zur Neige geht. Dann illuminieren verdeckte LED-Leuchten in der ­Chorapsis, zu Füßen der Pfeiler im Hauptschiff sowie in den Kalotten der zweischaligen, von Dominikus Böhm übernom­ menen ­Kuppeln den Kirchenraum mit einem warmen Licht. Die Ruhe, die dieser Kirchenraum im Betrachter verwurzelt, hält lange an. FLORIAN L. ARNOLD

www. mor it zk irche . de

Fotos: © Thomas Witzke, kunstmedia, 2016


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MUSEEN MUSEEN IN BERNAU

MUSEEN IN

between

Hans-Thoma-Kunstmuseum Hans-Thoma-Kunstmuseum Besuchen Sie die Werke eines der

DANNER KUHN RIEL

bekanntesten deutschen Maler der Besuchen Sie die Werke eines Mi – Fr 10.30 –deutschen 12.00 undMaler 14.00 – 17.00 bekanntesten Sa, Feiertag 17.00– Uhr Mi –So Fr und 10.30 – 12.0011.30 und –14.00 17.00 Sa, So und Feiertag 11.30 – 17.00 Uhr

Öffnungszeiten : Di - So 11 - 17 Uhr Montag (außer an Feiertagen) geschlossen

Museumsweg 1 : 78166 Donaueschingen : museum-art-plus.com

Sebastian Kuhn: Polyrhythmic Walkabout, 2008 / © VG Bild-Kunst, Bonn & Museum Art.Plus

28.02.2016 – 22.01.2017

Rathausstraße 18 · Bernau Innerlehen Telefon 0 76 7518/ 16 00 40 Innerlehen Rathausstraße · Bernau www.hans-thoma-museum.de Telefon 0 76 75 / 16 00 40 www.hans-thoma-museum.de

Emil die Welt, Welt,22.05 bis 7.8. EmilWachter Wachter -–Blicke Blicke auf auf die – 07.08.16 Emil Wachter – Blicke auf die Welt, 22.05 – 07.08.16 Bernd Schumacher - Eine Linse voll Licht, ab 14.8. Heimatmuseum „Resenhof“ Heimatmuseum „Resenhof“ Sehen Sie Leben und Arbeiten wie vor 200 Jahren im Schwarzwald Sehen Sie Leben und Arbeiten wie vor 200 Jahrenbis imSonntag Schwarzwald Mittwoch 14.00 – 17.00 Uhr Mittwoch bis Sonntag 14.00 – 17.00 Uhr

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SCHWARZ WALD K U N S T AU F S C H R I T T U N D T R I T T Ü p p i g e To r t e n , a u f f ä l l i g e H u t t ra c h t e n , laute Uhre n, b ­ e w a l d e t e H ü g e l u n d e x z e l l e n t e s B i e r. Es mag so seine R icht igkeit haben, was einem zum ­S c h w a r z w a l d s o a l l e s z u a l l e r e r s t e i n f ä l l t . J e n s e i t s d e s s e n g i b t e s h i e r, i n u n m i t t e l b a r e r N ä h e z u F ra n k r e i c h u n d d e r S c h w e i z , w o m ö g l i c h k e i n e a n d e r e R e g i o n m i t s o v i e l e n e­ n g a g i e r t e n S a m m l e r n , Galer isten und Kunst inst it ut ionen wie diese. Es mag f ür die B eteilig ten bisweilen eine ­G ra d w a n d e r u n g d a r s t e l l e n , s t e t s g l e i c h e r m a ß e n sowohl f ür e in reg ionales wie auch e in ­i n t e r n a t i o n a l e s P u b l i k u m ­a t t ra k t i v z u b l e i b e n . – Doch der Balanceak t gelingt! E i n G r u n d m e h r, immer wiederzukommen . DANIEL A GREGORI

Stefan Strumbel, „Verstehen ist das Gefühl von Heimat“, 2016, Cortenstahl, 15 m hoch, vor der Badischen Staatsbrauerei Rothaus, Grafenhausen, Foto: Nils Müller


120 20. Gebur tstag des Museums Jean Tinguely in Basel: Feiern mit Michael Landy

Knallbunt, laut und für alle. ARTMAPP: Welche Feierlichkeiten stehen in Basel an? B a s e l e i g n e t s i c h h e r v o r ra g e n d a l s A u s g a n g s p u n k t f ü r e ine k ult urelle Entdeck ungstour durch de n Schwar z wald . B e vor es losgeht, stat ten wir dem Mu seum Ting uely aus ak t uellem Anlass einen B esuch ab:

Im Basler Museum Tinguely wird in diesem Jahr das 20-jähri­ ge Jubiläum gefeiert. Die aktuelle Ausstellung des britischen Künstlers Michael Landy, „Out of Order“, leitet über zu die­ sem Fest und macht anschaulich, welche Relevanz der dem Haus den Namen gebende Schweizer Künstler mit seinen exorbitanten, knalligen und partizipativen Skulpturen noch immer für die Gegenwartskunst hat. Sebastian Baden sprach für ARTMAPP mit dem Kurator der Ausstellung, Andres ­Pardey, über Wiederentdeckungen, die Kunst der Zerstörung und das zu erwartende Herbstprogramm.

Andres Pardey: Das Museum Tinguely wurde am 20. Okto­ ber 1996 eröffnet. Deshalb feiern wir in diesem Jahr am 25. September unseren 20. Geburtstag. Zeitgleich mit dem letzten Tag der Ausstellung von Michael Landy gibt es einen „Out of order“-Day. Zu diesem Anlass stehen ganz verschie­ dene A ­ ktivitäten auf dem Programm, auch sogenannte „Masterführungen“ durchs Museum, das heißt Rundgänge zusammen mit dem Museumsdirektor. Die Besucher ­b e­kommen daneben ein Picknick geboten, dazu noch ein Filmprogramm speziell zu Jean Tinguely. An diesem Sonntag wird auch eine Performance von Michael Landy stattfinden. Der Künstler will sich zur Finissage seiner eigenen Aus­ stellung einen lang gehegten Traum erfüllen, ein Reenactment der „Homage to New York“ von Jean Tinguely. Dafür wird er zusammen mit dem Publikum die Funktion der Maschine nachstellen, das wird eine 27-minütige Performance geben.


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AP: In Fribourg wird das ganze Jahr über „Tinguely 16“ ge­ feiert, im Gedenken an den Todestag des Künstlers. Wir sind froh über das Engagement und beteiligen uns am „Grand Prix Tinguely“ mit der fahrbaren Skulptur „Safari“. So wie beim Karneval wird es einen großen Umzug geben unter Betei­ ligung von Schülern, Vereinen, Freiwilligen, mit ganz grotesken Elementen. Sogar echte Rennautos werden mitfah­ ren. Die „Safari“-Skulptur wird derzeit bei uns im Museum restauriert, man kann dabei sogar zusehen! Das Kunstwerk ist auf dem Chassis eines R5 aufgebaut, es kann also wie ein Auto fahren – wir werden das vorher natürlich bei uns im Muse­ umspark testen. Wir müssen einfach schauen, dass nichts kaputtgeht, aber das Werk ist für den harten Einsatz geschaf­ fen. Deshalb hoffen wir auf gutes Wetter, das ist die einzige Einschränkung, um die Arbeit nicht zu gefährden. ARTMAPP: Aktuell wird im Museum Tinguely eine Ausstellung von Michael Landy gezeigt. Was hat der britische Künstler mit Tinguely gemeinsam und wie kommt es, dass sein Werk erst jetzt wieder so prominent wird? AP: Wir haben Michael Landy entdeckt, indem er uns ent­ deckt hat, als er 2006 im Archiv des Museums Tinguely für seine Arbeit recherchierte. Es ging ihm um Dokumente zu Tinguelys Klangskulptur „Homage to New York“, die am 17. März 1960 einmalig im Museum of Modern Art aufgeführt wurde – allerdings hatte sich die autodestruktive Maschine damals doch nicht zerstört. Michael Landy hat basierend auf unseren Dokumenten viele Skizzen und Bilder angefertigt. Sein Wunsch war es, die ganze Maschine noch einmal neu aufzubauen und sich dann erneut selbst zerstören zu lassen. 2007 gab es dazu eine Ausstellung in New York und 2009 eine in der Tate Liverpool, die wir als Leihgeber sehr unterstützt haben. So haben wir Michael Landy kennengelernt. Sein eige­ ner Bezug zu Tinguely besteht aber schon seit 1982, als er mit 20 Jahren während seines Textilstudiums das Werk des Schweizers in der Londoner Tate Gallery entdeckte. Die Faszi­ nation hat Landy damals dazu bewegt, selbst auch Künstler zu werden. Und wir zeigen nun in Basel die erste Retrospektive von Michael Landy, in der ebenfalls „Homage to New York“ eine große Rolle spielt. Er hat mehrfach schon gesagt, es sei für ihn und seine Kunst wie ein „Heimkommen“ an den richtigen Ort. Beiden Künstlern geht es um Konsum, Konsumkritik und Zerstörungsprozesse in der Kunst. Deshalb passt diese Ausstellung auch ausgezeichnet zu uns.

ARTMAPP: Von Michael Landy ist eine riesige Rauminstallation, „Break Down“, im Museum zu sehen. Mit seinem Autodafé hat er für viel Furore gesorgt und einen künstlerischen Neuanfang nach der kompletten Zerstörung all seiner Besitztümer inszeniert. Wie wird das in der Ausstellung gezeigt? AP: Von der Aktion „Break Down“ ist naturgemäß wenig ­übrig, weil der Künstler dafür ja seinen ganzen Besitz wie auch seine Kunstwerke zerstört hat. Es entstand allerdings ein ­Inventar mit 7.227 Zeilen, die eine Beschreibung der numme­ rierten Gegenstände liefern. Wir haben diese Inventarliste auf eine 18 Meter breite und fünf Meter hohe Tapete drucken las­ sen. Es ist also nicht direkt ein Kunstwerk, sondern dessen Dokumentation. Dazu zeigen wir ein Video der Aktion, die 2001 ganze zwei Wochen dauerte und zwölf Helfer beschäf­ tigte. Der britische Kunstfond „Artangel“ für Kunst im öffentlichen Raum hat die Aktion gefördert und das Video produziert, man kann darin all die Sachen sehen, die schließ­ lich zerstört wurden. ARTMAPP: Im Herbst werden bei Ihnen im Haus Jean Tinguelys Musikmaschinen wieder zu sehen sein. Um welche besonderen Werke handelt es sich dabei, die sonst nicht im Museum präsent sind und welche weiteren Rahmenveranstaltungen haben wir zu erwarten? AP: Zum Jubiläum des Museums gibt es endlich wieder die Gelegenheit, ausführlich das Werk von Tinguely zu prä­ sentieren. Wir können erstmals die Reunion aller vier Musikmaschinen, der „Méta-Harmonien“, vorführen. Zwei der Werke sind sowieso im Museum Tinguely, eine Maschine ist im MUMOK in Wien, die andere in einer privaten japa­ nischen Sammlung. Es sind vier Skulpturen, je zwischen acht und zwölf Metern breit, die mit den typischen Tinguely-­ Schlagwerk-Konstruktionen und Kunst-Instrumenten Musik und Töne erzeugen. Es gibt zur Ausstellung außerdem ein reichhaltiges Begleitprogramm mit Konzerten, Performances und Interventionen von anderen Kunstschaffenden. Für ­Familien und Kinder wird das genauso ansprechend wie für die Kunstprofis, die sich mit Tinguely und seinem Kontext beschäftigen. ARTMAPP: Andres Pardey, vielen Dank für das Gespräch! bis 25 . September 2016 „ M i c h a e l L a n d y . O u t o f O rd e r“ 19 . Ok tober 2016 bis Januar 2017 „ Musik maschinen / Maschinenmusik “ www. t ing uely. ch

Michael Landy, „Shopping Trolley“, 1992–2016 (vorne) und „Spin the Saint Catherine Wheel and Win the Crown of Mart yrdom“, 2013 (hinten), Installationsansicht, Foto: Daniel Spehr, © 2016 Museum Tinguely, Basel

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — B A S E L

ARTMAPP: Zufällig ist in diesem Jahr auch dem 25. Todestag von Jean Tinguely zu gedenken. ­T inguelys Kunst ist zu einem großen Teil darauf ausgelegt, die Zuschauer zu involvieren – sogar in Form karnevalesker Umzüge. Wie funktioniert das im öffentlichen Raum?


123 Der Rehberger Weg z wischen Weil am Rhein und Riehen bei Basel

Grenzgang

Gibt es jemanden, der besser geeignet wäre für die Gestaltung dieses Weges als Tobias Rehberger? Der 1966 geborene ­Künstler stammt aus der Region, 2009 wurde ihm der HansThoma-Preis des Landes Baden-Württemberg zuerkannt und als 2014/15 die Familie Grässlin wieder einmal die Ortschaft St. Georgen mit ihren Räumen für Kunst gestaltete, war es Rehberger, der den Kunstraum, das Restaurant/Café ­„ Kippys“, Vorplatz und ein Schaufenster bespielte. Präsent ist der Professor und ehemalige Prorektor der Frankfurter ­S tä­delschule ebenso auf dem Parkett des internationalen Kunstbetriebes. Rehberger gibt sich in seinem Œuvre als Meister des Transfers zwischen Medien und Gattungen, zwischen ­Autorenschaft und Auftraggeber. Und nun leitet er dem inter­ essierten Kunstpilger den Weg von hier nach dort. Start wie Ziel der rund fünf Kilometer langen Strecke ist das Vitra De­ sign Museum in Weil am Rhein bzw. die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Auch den beiden Institutionen selbst ist der Rehberger durch seinen künstlerischen Ansatz, Ausstellun­ gen und Kooperationen verbunden. Entlang von 24 Stationen verbindet der Weg zwei Institutionen, zwei Länder, aber auch High & Low von Kunst und Alltag. Dabei ist es überhaupt ein heiteres Spiel mit Gewohn­ tem und Ungewohntem, Funktionellem und Dekorativem. Grundidee war es, anhand von Objekten, die nicht unbedingt als Wegmarke erkennbar sind, dennoch den Pfad zu leiten. Etwa steht man inmitten eines Wohngebietes und ist ge­ spannt, was einen als nächstes erwarten mag. Dann wieder wandert man durch Felder und Wiesen, während sich in die­ sem Umfeld bei Objekten, die in ihrer Funktion schon identifizierbar wären, das Artifizielle nachgerade absurd

verstärkt. Der Hochsitz, die Glocke, das Vogelhaus – alles ist erkennbar und sieht dennoch etwas anders aus. Außerdem sind all die Dinge unter funktionalen Gesichtspunkten auch immer noch benutzbar. Oder in den Worten des Künstlers ­gesprochen: „Das Projekt verbindet geografisch und auf ex­ emplarische Weise zwei neuralgische Punkte der Ästhetik: den Vitra Campus in Weil am Rhein und die Fondation Beye­ ler in Riehen. Und außerdem das Kunstwerk als funktionalen Gegenstand und das funktionale Objekt als Kunstwerk. Die wunderbare Landschaft und die Naturerfahrung komplettie­ ren das Erlebnis.“ Freilich gibt es in der Geschichte von derlei Wegen mit einzelnen Stationen eine lange Tradition. Man denke an Kreuz­wege, oder die sogenannten rundumlaufenden „belt walks“ in e­ nglischen Gärten. Was sie verbindet? – Ob nun in einem christlichen oder allegorischen Sinn, sie funktionieren alle nach dem metaphorischen Prinzip einer Steigerung. Bei ­R ehberger allerdings verläuft das ganz egalitär und ohne ­vorgegebene Direktion. Die beiden Institutionen beschreiben ganz gleichwertig die Grenzen eines zu begehenden ­Abschnittes. Das Ziel ist der Weg. DANIEL A GREGORI

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A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — S C H WA R Z WA L D

Tobias Rehberger, „Fernglas“, aus „24 Stops“, 2016, Foto: Mark Niedermann


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Freiburger Jubiläen allenthalben

Mit Weitblick

Vor zwei Jahren feierte das Freiburger Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft sein 30-jähriges Bestehen ­s owie den 70. Geburtstag seines Mitbegründers Franz A. ­M orat. Der Ausstellungstitel „Aussicht auf ein Gebirge“ meinte zu diesem Anlass denn auch den Blick auf die eher unterschied­lichen Sammlungsblöcke. Morat ist ein Sammler, der ausgewählt und doch „in die größtmögliche Breite“ ­sammelt. Nicht von vielen irgendetwas, sondern von einigen möglichst umfassend. Carl Schuch, dieser rastlos reisende ­Österreicher an der Schwelle zur Moderne, ist einer von ihnen, Giorgio Morandi oder Kurt Kocherscheidt sind weitere. Hinzu kommt eine Grafiksammlung, die bei Martin Schongauer und Albrecht Dürer beginnt über Francisco de Goya verläuft und bei Per Kirkeby noch längst nicht endet. Renaissancemedail­ len sowie Masken und Skulpturen aus Burkina Faso gehören ebenso zur Kollektion. Für diese Sammlung wurde noch nie nach dem Markt geschielt, auch dient sie nicht dem schnellen Überblick, sie dient einzig der Anschauung und Vertiefung. Entsprechend verfügt das Institut über eine Bibliothek mit rund 50.000 Bänden. Kennerschaft ist in unserer Zeit ein ­d efizitärer Begriff geworden. Den Kunsthistoriker und Sammler Franz A. Morat kann man hingegen getrost als ­Kenner bezeichnen. Auch im Kunstraum Alexander Bürkle gab es vor nicht allzu langer Zeit gleich zweimal Grund zu Festlichkeiten. Der Kunstraum der 2008 gegründeten Stiftung feierte sein zehn­ jähriges Bestehen, danach konnte ihr Gründer, der Sammler Paul Ege, mit der Ausstellung „blind date“ einen runden 80er begehen. Ausgehend von der abstrakten monochromen Male­ rei konzentriert sich die Sammlung auf die strenge Klarheit des Minimal und die Optionen des Bildes, nachdem es der

Forderung, abbildhaft zu sein, enthoben wurde. In diese ­R ichtung geht auch die aktuelle Ausstellung „Allerbeste ­Aussichten“. Vertreter einer jungen Generation von Absol­ venten deutscher Kunstakademien stellen sich hier in neun unterschiedlichsten Positionen der Frage eines Bildbegriffs und geben damit einen Einblick in individuelle Prozesse, die zum Entstehen eines Werkes führen. Albert Baumgarten indes feiert das 40-jährige Be­ stehen seiner Galerie mit zwei Ausstellungen. In seinen Räumlichkeiten wird Baumgarten, der nach eigenen Angaben schon vor vier Jahrzehnten ins kalte Wasser gesprungen ist und seitdem engagiert eine Informationsgalerie im besten Sinne des Wortes betreibt, sein Lager räumen und alles in ­Petersburger Hängung an die Wände applizieren. Die Zeugen der Longue durée einer Ausstellungstätigkeit verdichten sich zu einem vielteiligen Allover und werden so manchem treuen Galeriebesucher schöne Erinnerungen bescheren. Das eine oder andere Stück wird womöglich auch nicht mehr den Weg zurück ins Lager finden. Für die zweite Ausstellung hat sich Baumgarten, auf dessen Initiative auch das Netzwerk „KUNST in FREIBURG“ gegründet wurde, mit der Frage: „Wie wollte ich werden, als ich jung war?“, an eine Reihe von Künstlern gewandt, die nun für die Ausstellung „Vor/NachBild“ im Morat Institut und darüber hinaus in einer schön gestalteten Dokumentation Auskunft geben. Freilich kann man behaupten, Geburtstagsausstel­ lungen hätten vornehmlich etwas mit der unvermeidlich fortschreitenden Zeit zu tun. In diesen Fällen ist es eher der lange Atem und die Konsequenz eines unerschütterlichen Engagements. DANIEL A GREGORI

www. galer ie-baumgar ten. de w w w . k u n s t ra u m - a l e x a n d e r- b u e r k l e . d e w w w . m o ra t- i n s t i t u t . d e

Albert Baumgarten, Foto: Bernhard Strauss, Freiburg


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Museum Ar t.Plus in Donaueschingen

Balanceakte

„Diese Konstellation, die Kräfteverhältnisse darin und auch die Situationen des Überdehnens und Zusammenbrechens sind die Bedingungen unserer täglichen fragilen Situationen, auch im Zusammenhang mit dem Weltgeschehen.“ Der ­Bildhauer Michael Danner nimmt mit der Beschreibung ­ebenso auf politische Konstellationen Bezug, wie auf sein ­eigenes Werk. ­D anner, Jahrgang 1951, lässt in seinen mini­ malistischen A ­ rrangements Schwerkraft, Spannung und Gleichgewicht für sich arbeiten. Die Kräfte, die in seinen Skulpturen wirken, scheinen genau austariert, ein Griff

und der Loop e­ ines M ­ etallstreifens könnte in die Horizon­ tale schnellen oder das kunstvoll gebogene Lineament von Drähten in ­seine ursprüng­l iche Form. Alles befindet sich in einer Art Z ­ wischenstadium von einem Früher zum Später; der Ist-­Zustand erscheint einzig als fragile Konstellation. „between“ lautet der Titel der diesjährigen Ausstellung im Museum Art.Plus in Donaueschingen, die drei Positionen der Bildhauerei aus drei verschiedenen Künstlergenerationen vereint. Neben Danner sind dies der 1977 geborene Sebastian Kuhn sowie Gert Riel, Jahrgang 1941, die sich ebenfalls mit


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Michael Danner, „Laufender Kreis, bewegt“ 2015 & „Großer Kreis, bewegt“ 2015, aus der Ausstellung „bet ween“, bis 22. Januar 2017

Auch Gert Riels Werk steht seit Jahren unter den Zeichen der Veränderung und Spannung. Sein Material ist in den meisten Fällen Stahl, der unbehandelt für sich schon einer steten Ver­ änderung durch Korrosion ausgesetzt ist. Seit einigen Jahren kommt bei Riels minimalistischen Objekten nun farbiger Lack hinzu, was weitere Spielformen ermöglicht. Je nach Be­ schaffenheit des Lacks vermag dieser zu spiegeln, durch Licht und Schatten formale Qualitäten hervorzuheben und das im Wandel zum jeweiligen Standpunkt des Betrachters. Ergänzend zu den drei Künstlern von „between“ kommt im eigenen kleineren Ausstellungsformat 2-RAUM mit der 2006 gestorbenen Bildhauerin Gerlinde Beck noch eine Position hinzu, für die sich skulpturale Erfassung von Raum und Bewegung als zentrales Thema definieren lässt. Begeistert vom Tanz und – angeregt durch ihren Lehrer Willi Baumeister – beeinflusst durch die Beschäftigung mit Oskar Schlemmer prägte die Künstlerin für ihr Gesamtwerk den ­Begriff der „Raumchoreografien“. Auch hier gilt es fein aus­ tariert die Balance zu halten. Die Balance hält indes auch die Institution selbst. Aus dem seit 2009 bestehenden Museum Biedermann wurde im letzten Jahr das Museum Art.Plus – eine Korrektur, die viel über Programm und Programmatik des Hauses verrät. Neben den klar konzipierten Ausstellungen von langer Dauer setzt man als Plus auf ein breit gefächertes Vermittlungsangebot und Rahmenprogramm, die jeder Thematik gleichsam en passant weitere Aspekte hinzufügen. Ein Plus als Begeg­ nungszone, das hier, unweit der Donauquelle, gerne regional wie überregional wahrgenommen wird. DANIEL A GREGORI

i­ hren Œuvres auf dem Feld dieser Übergangsstadien und raumgreifenden Beziehungsgefügen bewegen. Kuhn nutzt für seine allansichtigen Skulpturen industriell gefertigte ­A lltagsgegenstände – Lampen, Betten, aber auch Klaviere und anderes –, die er zerlegt, verändert, umfunktioniert. B ­ is­weilen verliert das Ausgangsmaterial hierbei seine ursprüngliche Funktion und man darf ob dieser Verände­r ungen über Be­ griff lichkeiten wie Konstruktion und Dekonstruktion ins Grübeln geraten.

bis 2 2 . Januar 2017 „ b e t w e e n“ Michael Danner – Sebast ian Kuhn – Ger t R iel bis 11. September 2016 GER L I N DE BECK im 2-R AU M des Mu seum Ar t. Plu s w w w . m u s e u m - a r t- p l u s . c o m

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — S C H WA R Z WA L D

Foto: © Museum Art.Plus / VG Bild- Kunst, Bonn 2016


Short cuts. Schwarzwald VON DANIEL A GREGORI

G A L E R I E A N G E L A L E N Z , F E L D B E RG - FA L K AU bis 2 4 . Juli 2016 Klaus P r ior bis 11. September 2016 Bert Jäger 31. Juli bis 30. Ok tober 2016 Simone R ueß – Installat ionen ( g e m e i n s c h a f t l i c h e s P ro j e k t m i t d e m K ü n s t l e r b u n d ­B a d e n - W ü r t t e m b e r g ). H i e r z u e r s c h e i n t e i n e P u b l i k a t i o n , R e d a k t i o n K ü n s t l e r b u n d B A - W Ü , „ D i e K u n s t z u h a n d e l n“ , m i t e i n e m e i n f ü h r e n d e n Te x t v o n P ro f. Wo l f g a n g U l l r i c h , H e ra u s g e b e r m o d o Ve r l a g .

V I T R A DE SIGN M USEU M , W E I L A M R H E I N

Ein Häuschen im Südschwarzwald auf 1.000 Metern Höhe ist wohl nicht unbedingt der Ort, an dem man einen höchst rüh­ rigen Anlaufpunkt für zeitgenössische Kunst vermuten würde. Seit 2008 betreibt Angela Lenz hier ihre Galerie, deren Schwerpunkt auf dreidimensionaler Kunst mit Bezügen zu verwandten Gebieten liegt. Auch außerhalb der für eine op­ timale Präsentation adaptierten Räumlichkeiten ist die Galeristin höchst aktiv. Skulpturen im Außenraum, das ­Format „Kunstraum Privat“ im Heim eines Sammlerehepaars im schweizerischen Zumikon, die Kooperation mit dem ­Baden-Württembergischen Künstlerbund und ein geplanter Feldberg-Wanderweg zeugen von einer großen Bandbreite ­ihres Engagements.

N e u e s S c h a u d e p o t v o n H e r z o g & d e M e u ro n

www. galer ie-angela-len z . eu

Ausstellungsansicht der Haupthalle, Foto: © Vitra Design Museum, Mark Niedermann

Frank Gehry, Tadao Ando, Zaha Hadid, Jean Pouvé und einige andere – die Liste der am Campus von Vitra vertreten Bau­ künstler liest sich wie das „Who’s who“ der zeitgenössischen Architekturszene. Bereits 2010 hat das Baseler Büro Herzog & de Meuron das aus zwölf gestapelten Giebelbauten bestehen­ de „VitraHaus“ geschaffen, nun zeichneten sie auch für das neue Schaudepot verantwortlich. Künftig werden hier in Er­ gänzung zu den rund 400 Schlüsselobjekten des modernen Designs und weiteren Sammlungsschwerpunkten des Muse­ ums im Untergeschoss kleinere Wechselausstellungen stattfinden.

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — S C H WA R Z WA L D

www. desig n-museum. de

Galerie Angela Lenz, Innenraum, Objekte von Willi Siber, © VG Bild- Kunst, Bonn 2016

links: Außenbereich, Skulptur von Klaus Prior, Fotos: © Galerie Angela Lenz, Feldberg- Falkau


129 S A M M L U N G G R Ä S S L I N , S T. G E O RG E N K u n s t ra u m G rä s s l i n – H e i m o Z o b e r n i g / R äume f ür Kun st – Male re i au s de r Sammlung

Innenansicht Hans-Thoma- Museum, Foto: © Hans-Thoma- Museum, Bernau im Schwarz wald

H A N S -T H O M A- M U S E U M ,

Zu 10-jährigen Bestehen wird der Kunstraum Grässlin vom österreichischen Künstler Heimo Zobernig mit seinem „Café Trabant“ bespielt. Allerdings macht die Installation nur dem Namen nach dem benachbarten Restaurant „Kippys“ Kon­ kurrenz, handelt es sich doch um eine Intervention, die der Künstler bereits 1994 in einem gleichnamigen Wiener Lokal vorgenommen hatte. Hinzu kommen drei neue Gemälde, sie verreisen allerdings passend zum diesjährigen Thema der Räume für Kunst. „WE ♥ PAINTINGS“ ist das Motto unter dem, verteilt im ganzen Ort, verschiedenste Positionen aus der Sammlung präsentiert werden.

B E R N AU I M S C H WA R Z WA L D w w w . s a m m l u n g - g ra e s s l i n . e u „ E m i l Wa c h t e r – B l i c k e a u f d i e We l t “ 2 2 . M a i b i s 7. A u g u s t 2 0 1 6 M USEU M U N T E R L I N DE N, COL M A R

Es ist eine Bilderbuchkarriere: Der Junge aus dem Schwarz­ wald erhält aufgrund seines großen Talents ein Stipendium für seine Ausbildung und avanciert schließlich zum gefeier­ ten Lieblingsmaler der Deutschen. Sein Geburtsort Bernau ehrt Hans Thoma (1839–1924) mit einer umfassenden Dauer­ ausstellung und einem Preis, der seit 1950 an Künstler verliehen wird, die aus der Region stammen oder hier arbeiten. Mit Emil Wachter (1921–2012), der aufgrund seiner biblischen Themen – unter anderen auch in Form monumentaler Glas­ fenster – bisweilen als der „deutsche Chagall“ bezeichnet wird, widmet man sich nun dem Hans-Thoma-Preisträger von 1966. www. hans-thoma-museum. de

K U LT U R Z E N T R U M D E S L A N D K R E I S E S WA L D S H U T, SCHLOSS BON N DOR F 1 7. J u l i b i s 6 . N o v e m b e r 2 0 1 6 „ N i c o l a s P o i g n o n – D i e v e r l o r e n e We l t . Z e ichnunge n und Male re i “

Traumverhangen und nahezu poetisch wirken jene mit Kohle gezeichneten Landschaften von Nicolas Poignon. Aus dem Gedächtnis zeichnend und malend versucht der in 1963 im französischen Nancy geborene Künstler die unterschiedlichs­ ten Terrains einzufangen, um damit auch die verlorene Zeit in Erinnerung zu behalten. Das Hauptaugenmerk auf das Kul­ turgeschehen im südbadischen Raum legend, finden in dem 1592 erbauten Schloss neben Ausstellungen heute ebenso Konzerte, Lesungen und Vorträge statt. www. landk re i s-wald shut . de

Foto: © Musee Unter Linden, Colmar

E r w e i t e r u n g s b a u v o n H e r z o g & d e M e u ro n

Wer würde beim Unterlinden-Museum in Colmar nicht zual­ lererst an den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald denken? Doch hat das Museum noch einiges mehr zu bieten. Im Zuge eines Erweiterungsbaus der Basler Architekten Her­ zog & de Meuron entstand in dem elsässischen Städtchen ein neuer Platz samt Flüsschen. Das hiesige Dominikanerkloster und das ehemalige Stadtbad von 1906 wurden unterirdisch verbunden, einzig die dazwischenliegende „Petite Maison“ sorgt für Tageslicht in den unterirdischen Hallen. Außerdem dazu kam eine hinter dem Stadtbad liegende Ausstellungshal­ le. Endlich Platz genug, um die Schätze der umfangreichen Sammlungen angemessen zu präsentieren! www. musee-unterlinden. com


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Städtische Galerie Karlsruhe Lorenzstraße 27 76135 Karlsruhe www.staedtische-galerie.de

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Jürgen Knubben, Kurator und Künstler aus Rot t weil

Kunst für die Stadt A u f d e m We g v o m S c h w a r z w a l d - B a a r- K r e i s R i c h t u n g O s t e n t r i f f t d e r R e i s e n d e auf die älteste Stadt B aden-Wür t tembergs: R ot t weil. Dor t wirk t der Au sstellungsmacher und Bildhauer Jürgen Knubben, d e r j e t z t f ü r d a s F O R U M K U N S T (d e s s e n G e s c h ä f t s f ü h r e r e r s e i t 1 9 9 3 i s t) u n d f ü r d i e K r e i s s p a r k a s s e R o t t w e i l z w e i s p a n n e n d e A u s s t e l l u n g e n k u ra t i e r t e .

Jürgen Knubben, Kurator und Bildhauer, Foto: privat

rechts: Stefan Strumbel, „Ölschinken“, Öl auf Holz, 2016, Foto: Robert Hak

S K AT E B OA R D S – A M P U L S D E R Z E I T D I E VO RG A B E : E I N S K AT E B OA R D –

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — S C H WA R Z WA L D

DE R W U NSCH: E S W E R DE K U NS T !

Vor bald 50 Jahren wurde das Forum Kunst Rottweil ge­ gründet. Aber kein Hauch von biederer Behäbigkeit, von Rückwärtsgewandtheit in Baden-Württembergs ältester Stadt, sondern von Anfang an ein klares Bekenntnis zur ­A ktualität, gepaart mit dem unbedingten Willen, die Kunst barrierefrei und niedrigschwellig an die Frau oder den Mann zu bringen. Das geht am besten, indem sie in den öffentlichen Raum einzieht – und genau das machten die Macher damals. Es entstand die Skulpturenmeile „Aktion Kunst für die Stadt“, bei der bis heute Kunstwerke die bereits vorhandenen, ­beispielsweise von Peter Brüning, Thomas Lenk oder Werner Pokorny, ergänzen. Ob Fahnen, Schilder, ein Kochbuch oder jüngst eine Skate-Bahn – für Rottweil, die Kunst-Macher, ist dies alles am Puls der Zeit. Wenn Sub- und Jugendkultur auf ein etabliertes Format (den Kunstverein) trifft, bleibt ­ei­gentlich nur eines: sich öffnen. Wie jetzt. Urban und StreetArt sind aktuell in aller Munde; was noch fehlte, war die ­S kate-Art, auf die (und die Skater-Szene) sich die Aus­ stellungsmacher nun ganz einließen. Sie verschickten „Deck“-Rohlinge – mehrfach geleimten Bretter, unter die die Skateboard-Rollen montiert werden – weltweit an ausge­ wählte Künstler, die diese nach ihren Vorstellungen künstlerisch überarbeiteten. Mit dabei sind Ruediger Glatz, der sein eigenes, erstes, inzwischen ausrangiertes Board mit

den „Insignien“ der Verschönerung und Dokumentation zum Objekt nachbereitete, Tom Grimm, der die Form des „Decks“ frei assoziierte, und Harris Hoppek, der mit seinen Drahtum­ hüllungen der Einhegung des subkulturellen Phänomens gemahnt. – Sie alle arbeiten mit der Vorgabe „skulptural“. Da­ niel Man erinnert dagegen mit seinem plastischen Aufbau an die Anfänge der Skater: In den 1960er-Jahren sollte das Wel­ lenfeeling auf die Straße übertragen werden, aus diesem Gedanken der Surfszene heraus entstand das Skaten. Nach wie vor stammen rund 80 Prozent aller Skate­ board-Grafiken bis heute von den Skatern selbst. Sie erhalten mit der Ausstellung, der Präsentation im Museum, nun einen Platz in der „Hall of Fame“ der Kunst – passend zum Vor­ schlag, der dem IOC letztes Jahr unterbreitet wurde, Skateboarding 2020 als olympische Disziplin anzuerkennen. 10. Juli bis 28. August 2016 „ S k a t e b o a r t s – a n e x h i b i t i o n a b o u t a r t o n s k a t e b o a r t s“ FORU M K U NS T ROT T W EIL www. skateboar ts. com w w w . f o r u m k u n s t ro t t w e i l . d e


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Steinberg vertreten. Erstaunlich! Dabei hat das Motiv in der Kunst, wie auch die Ausstellung eindrücklich zeigt, einiges zu bieten. Vom romantisch dahinziehenden Schiff (Steinberg) über die Papierbötchen, die jeder wohl als Kind in unter­ schiedlicher Intensität und Größe gefaltet hat (Wagenblast), vom Plankengerüst (Knubben) über das Schiffsfragment in unterschiedlicher Ausprägung (Borstorff, Felten, Michel) bis hin zur aufblasbaren Badeinsel, die der Offenburger Künstler Stefan Strumbel – immer für einen Scherz, für eine Überra­ schung gut – in Bronze gegossen hat. Wer sie benutzt, geht garantiert baden! Von gänzlich lapidar bis ausdifferenziert, in verschiedensten Medien und Materialien wird das Thema in seinen Facetten aufgegriffen – leider exklusive Videoarbeiten und Installationen. Das ist aber vermutlich dem Ausstel­ lungsort geschuldet, denn ein K reditinstitut wird ja bekanntlich in der Regel aufgesucht, um Geld in den „siche­ ren Hafen“ zu bringen. CHRIS GERBING

bis 2 1. August 2016 „ S c h i f fA r t . M a l e r e i – S k u l p t u r – O b j e k t “ K r e i s s p a r k a s s e R o t t w e i l , K ö n i g s t ra ß e 4 4 , 7 8 6 2 8 R o t t w e i l w w w . k s k - ro t t w e i l . d e

S C H I F FA R T I N D I E R O T T W E I L E R K R E I S S PA R K A S S E Z I E H T E I N G E F Ü H L VO N F E R N W E H E I N

Der Blick gleitet über den Horizont, in die Ferne, ein Frei­ heits- und Weitegefühl stellt sich ein. Aber das positive Bild kann schnell ins Wanken kommen, die Kibbeligkeit des Boots zum Kentern und damit zum Scheitern führen. Das Schiff ist e­ ntsprechend sowohl positiv wie negativ belegt, kommt in zahlreichen Redewendungen vor und bietet ent­ sprechend Bilder für fast jede Lebenslage. Gut möglich, dass deshalb das Thema in der Luft liegt: Nicht nur die in der ­K reissparkasse Rottweil gezeigte Schau nimmt sich unter dem Motto „Schiff­A rt“ diesem Thema an, sondern auch im Münchner Museum Brandhorst heißt es gerade „Schiff Ahoy – Zeit­genössische Kunst aus der Sammlung Brandhorst“ (bis 23. April 2017). In Rottweil werden insgesamt 34 Kunstwerke von 20 Künstlern präsentiert, darunter so namhafte wie Rainer Braxmaier, Madeleine Dietz, Werner Pokorny und Daniel Wagenblast. Dabei bekommt man den Eindruck, es handele sich um eine (fast) reine „Männersache“, sich mit diesem Ob­ jekt und Thema auseinanderzusetzen, das beispielsweise 1492 mit der Entdeckung Amerikas die erste Globalisierungswelle einläutete, als Sinnbild für Kirche steht und aktuell tragisches Symbol für gescheiterte Staaten im Nahen Osten ist. Jeden­ falls geht die Geschlechterfrage klar zugunsten der Männer aus, denn neben Dietz sind nur noch Jenny Michel und Julia

Jenny Michel, „Paradise -Vehicle #2“, 2012/13, Nitrofrottage, Kopie, Cut- Out, Papier, Pappe und Kapa- Platten, Holz, 100 x 70 x 75 cm, Courtesy: FeldbuschWiesner Galerie, Berlin © VG Bild- Kunst, Bonn 2016


134 20 Jahre Kunststif tung Erich Hauser in Rot t weil

Dezidiert junge Kunst fördern ARTMAPP: Hat sich in den letzten zwei Jahrzehn­ ten etwas an dem Vergabemodus zur Auswahl geändert? HL: Für das Jubiläum arbeite ich gerade an einem Bestandska­ talog aller 2 4 bisherigen Preisträger. Dabei kann man gut verfolgen, was sich am Modus verändert hat. In den ersten vier Jahren haben die Mitglieder des Stiftungsrates Künstler vor­ geschlagen, die mit Stahl arbeiteten. Die Künstler wurden hier vor Ort in der Werkstatt von Erich Hauser begleitet, wodurch handwerklich perfekt gearbeitete Skulpturen entstanden. ­Damals handelte es sich noch um einen autonomen Skulptu­ renbegriff. Installative Arbeiten oder solche, welche die Grenzen der Gattung Bildhauerei überschreiten bzw. um Film, Tanz und Architektur erweitern, kamen erst später hin­ zu. Nach den ersten vier Jahren gab es dann eine Kooperation mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart sowie mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel. Seit 2007 vergeben wir den Werkstattpreis im Rahmen eines 2-stufigen Verfahrens. Museumsdirektoren und Kuratoren werden von uns um Vorschläge gebeten. Aus diesen 15 bis 18 nominierten Künstlern wählt dann eine externe Fachjury den Preisträger. Die Kunststiftung Erich Hauser feiert ihr 20-jähriges Jubilä­ um und fährt dank ihrer Preisträger ein junges Programm. ARTMAPP traf Heiderose Langer, Geschäftsführerin der Kunststiftung Erich Hauser, zum Gespräch. Das Interview führte Daniela Gregori. ARTMAPP: Neben der Förderung des Werkes des Stifters ist ebenso Zweck der Kunststiftung Erich Hauser, die Kunst und Kultur unter besonderer Berücksichtigung der Bildhauerei zu fördern. Wie wird dem heute Rechnung getragen? Heiderose Langer: Dazu hat Erich Hauser selbst bereits zu Lebzeiten die Grundlage geschaffen, indem er festgelegt hat, dass junge Künstler vor allem aus dem Bereich der Bildhauerei gefördert werden. Wir veranstalten außerdem Symposien, wissenschaftliche Vortragsreihen zu speziellen Fragestel­ lungen des aktuellen Kunstdiskurses, insbesondere mit Schwerpunkt auf der Bildhauerei. So versuchen wir, eine Brü­ cke zu schlagen von der Tradition des 20. Jahrhunderts, in der Erich Hauser verankert ist, hin zum zeitgenössischen Kunst­ geschehen. 1996 ist die Stiftung gegründet worden, ein Jahr später wurde in Kooperation mit dem Sponsor Aesculap, der uns auch heute noch unterstützt, erstmals der Werkstattpreis vergeben.


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Heiderose Langer, Geschäftsführerin der Kunststiftung Erich Hauser, Foto: Stefan Simon

HL: Erich Hauser wollte dezidiert junge Künstler fördern, deshalb gibt es eine Altersgrenze von 38 Jahren. Ansonsten ist der Begriff des Skulpturalen heute weitaus offener gefasst. Der Preis ist mit der Herstellung einer Arbeit und einer ­P räsentation in der 600 Quadratmeter großen Werkstatthalle verbunden. Mit dieser Größe muss man schon auch entspre­ chend umgehen können. Neben der Eigenständigkeit der künstlerischen Position und der Qualität ist weniger das ­Materialverständnis als der Begriff von Raum zentral.

ARTMAPP: Wie präsent ist das Werk von Erich Hauser heute? HL: Erich Hauser war zweifelsfrei einer der wichtigsten deut­ schen Bildhauer das 20. Jahrhunderts und das Interesse an ihn scheint nicht nachzulassen. Ganz im Gegenteil! Unsere offe­ nen Sonntage sind sehr gut besucht, unsere Führungen haben sich im letzten Jahr sogar verdoppelt. Es kommen viele Kunstund Fördervereine, aber auch Studentengruppen. Ohne ehrenamtliche Helfer wäre dieser Nachfrage gar nicht Folge zu leisten. Doch auch außerhalb der Kunststiftung ist Erich Hauser heute noch in Ausstellungen gut vertreten. ARTMAPP: Frau Langer, vielen Dank für das Gespräch! w w w . k u n s t s t i f t u n g - e r i c h h a u s e r. d e

links oben: Blick in den Skulpturenpark, Kunststiftung Erich Hauser, Foto: Robert Hak, © VG Bild- Kunst, Bonn, 2016

links unten: Wolfgang Weileder, „Gap“, 2015, Holz, Stahl, 360 x 290 x 1.000 cm, Ausstellung „Über alle Maßen – ehemalige Werkstattpreisträger stellen aus“, Werkstatthalle Kunststiftung Erich Hauser, 2016, Foto: Horst W. Kurschat

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — S C H WA R Z WA L D

ARTMAPP: Nach welchen Kriterien wird sonst vorgegangen? Schließlich muss ja auch der Dialog mit den Arbeiten von Erich Hauser funktionieren.


Kunst im Schwarzwald

K u n s t u n d N a t u r e r g ä n z e n s i c h h e r v o r ra g e n d , f i n d e t m a n b e i d e r S c h w a r z w a l d To u r i s m u s G m b H , d i e f ü r d i e Ve r m a r k t u n g u n d d a s I m a g e d e r r i e s i g e n F e r i e n r e g i o n z w i s c h e n R h e i n u n d N e c k a r, K a r l s r u h e – P f o r z h e i m u n d d e r S c h w e i z v e ra n t w o r t l i c h z e i c h n e t .

THESE EINS:

THESE ZW EI:

K U N S T I M S C H WA R Z WA L D

„ P U B L I C A R T I S E V E RY W H E R E ”

GIBT ES N U R IN MUSEEN.

I M S C H WA R Z WA L D.

Das stimmt nicht unbedingt, wie die zahlreichen Kunstpfade und Skulpturenwege im Schwarzwald beweisen. Sie machen die Symbiose zwischen abwechslungsreicher Natur und ­f iligraner Kunst erleb- und erwanderbar. Gar grenzüber­ schreitenden Kulturgenuss verspricht der „Rehberger-Weg“ zwischen Weil am Rhein und dem schweizerischen Riehen: Er verbindet auf rund fünf Kilometern die Kulturinstitutio­ nen Vitra und Fondation Beyeler. Geleitet von „24 Stops“ des Künstlers Tobias Rehberger lässt sich so die vielfältige Naturund Kulturlandschaft im Dreiländereck erkunden.

Das ist seit Juni 2016 mit Stefan Strumbels neuem Kunstwerk zweifelsfrei bewiesen: Zwei überdimensionale Tannenzapfen aus Cortenstahl ragen 15 Meter in die Höhe. Die Skulptur mit dem Titel „Verstehen ist das Gefühl von Heimat“ steht in Gra­ fenhausen vor der Badischen Staatsbrauerei Rothaus. Die Skulptur ist Strumbels erster Beitrag für einen Skulpturen­ weg im Schwarzwald. Die Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) unterstützt ihn bei der Umsetzung und Planung der weiteren Skulpturen.


T HESE SECHS:

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K U N S T I M S C H WA R Z WA L D I S T V I E L FÄ LT I G – U N D B E Q U E M Z U E R R E I C H E N . Tobias Rehberger, „Hochsitz“, aus „24 Stops“, 2016, Foto: Mark Niedermann © Tobias Rehberger

T HE SE DR E I : K U N S T I M S C H WA R Z WA L D S C H E U T K E I N E N V E RG L E I C H .

Mit Albrecht Dürer und William Kentridge treffen in der Kunsthalle Karlsruhe zwei Künstler aufeinander, zwischen denen zwar fünf Jahrhunderte liegen, die aber im Medium der Druckgrafik überraschende Beziehungen aufweisen. Den Meister der deutschen Renaissance und den südafri­ kanischen Gegenwartskünstler verbindet ihr Interesse an Schwarz-Weiß-Techniken – und nicht zuletzt das Motiv des Rhinozeros. Vom 10. September 2016 bis 8. Januar 2017 erlauben in der Karlsruher Ausstellung mehr als 100 Werke Vergleiche auf inhaltlicher, ästhetischer und medialer Ebene.

Wer will, kann kreuz und quer durch den Schwarzwald ­f ahren und jeden Tag in einem anderen Museum Werke re­ gionaler und internationaler Künstler bewundern. Um nur einige zu nennen, die anzufahren wären: • ZKM, Staatliche Kunsthalle, Badisches Landesmuseum und Städtische Galerie in Karlsruhe • Frieder-Burda-Museum und Kulturhaus L8 in Baden-Baden • Städtische Galerie in Offenburg • Museum für aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle in Durbach • Villa Haiss in Zell am Harmersbach • Haus Löwenberg in Gengenbach • Hans-Thoma-Museum in Bernau • Kunstraum Grässlin in St. Georgen • Kunsthalle Messmer in Riegel am Kaiserstuhl • Museum für Neue Kunst in Freiburg • Vitra Design Museum und Kulturzentrum Kesselhaus in Weil am Rhein Urlauber haben es dabei besonders gut: Sie können alle Orte mit dem ÖPNV kostenlos erreichen – zumindest wenn sie in einem der 146 KONUS-Orte im Schwarzwald Urlaub ma­ chen. Die KONUS-Gästekarte von rund 11.000 Gastgebern in der Ferienregion gilt nämlich als Freifahrtticket für Busse und Bahnen des ÖPNV in der gesamten Ferienregion. Mehr Infos zu Kunst und Schwarzwald unter

THESE VIER :

w w w . k u l t u r- s c h w a r z w a l d . i n f o

K U N S T I M S C H WA R Z WA L D S T E C K T VO L L E R P O E S I E .

„Der leidenschaftliche Malerpoet“ – unter dieses Motto hat die Kunsthalle Messmer in Riegel am Kaiserstuhl ihre Joan-MiróSchau gestellt. In zwölf Räume unterteilt, werden wichtige Werke seines Oeuvres gezeigt: Angefangen mit dem ver­ träumten Surrealismus der 1930er Jahre bis hin zu seinem düsteren Spätwerk – Miró war ein leidenschaftlicher Leser und fand in der Poesie einen bedeutenden Einfluss für seine einzigartige Bildsprache. Die Ausstellung ist bis 27. November 2016 geöffnet.

THESE F Ü NF: K U N S T I M S C H WA R Z WA L D

Hallo, Georg Baselitz! Unter dem Titel „Kulturgrün“ sind im Kurhaus Hinterzarten mehr als 50 grafische Arbeiten des ­renommierten Künstlers ausgestellt. Nationale und interna­ tionale Bekanntheit erlangte er nicht zuletzt durch seine auf dem Kopf stehenden Bilder – selbst Alt-Kanzler Gerhard Schröder schmückte sein Büro mit einem „Baselitz“. Die Aus­ stellung in Hinterzarten ist bis 7. August 2016 zu sehen.

Stefan Strumbel, „Verstehen ist das Gefühl von Heimat“, 2016, Cortenstahl, 15 m hoch, Foto: Nils Müller, Galerie ruttkowski68, Köln

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — S C H WA R Z WA L D

S T E L LT A L L E S AU F D E N KO P F.


Momente der Auflösung Andreas Gefeller, Fabian Marti, Taiyo Onorato & Nico Krebs 25.06.—09.10.16 Marta Herford

Marta Förderer

Marta Herford Museum für Kunst, Architektur, Design Fon 05221.99 44 30-0, marta-herford.de Motiv: Taiyo Onorato & Nico Krebs Turtle 2, 2012 © Onorato & Krebs Courtesy RaebervonStenglin, Sies+Höke und Peter Lav Gallery


Rober ts Schads „Parcours de sculptures“ in der Bretagne

Am rostroten Faden


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Robert Schad, Bretagne, 2016, Foto: Albrecht Storp © BEGE Galerien, Ulm

Skulpturen im Außenraum ebenso zu den Ausstellungsorten wie der Park des Châteaus de Kerjean oder die Außenanlagen sowie der Sakralraum des Zisterzienserklosters Le Relec, das Maison Penanault geradeso wie der Klostergarten der Abbaye de Daoulas oder die Domaine de Trévarez. Für die buchstäblich raumgreifenden wie stets aus der Linie entwickelten Stahlskulpturen, mit denen sich Schad in den vergangenen 30 Jahren einen Ruf erworben hat als Bild­ hauer von außerordentlichem Rang, ein nachgerade idealer Rahmen. Weshalb sich auch Schads Galerien und Sammler * für das Projekt begeistert haben. Immer schon spielt schließ­ lich der Kontext im Werk dieses Künstlers eine herausragende Rolle. Insbesondere dort, wo sich die Arbeiten im öffentlichen Raum und unter einem grenzenlosen Himmel entfalten, sei es in einem urbanen Umfeld, sei es in spannungsvollem ­D ialog mit Architektur oder in einem landschaftlich charak­ terisierten Kontext. Und hier, am Ende der Welt gleichsam, wie es der Name des Départements nahelegt, gilt das in viel­ leicht noch gesteigertem Maße. „Wenn man die Möglichkeit hat, im öffentlichen Raum zu arbeiten“, so Schad, „dann muss man das Maximum rausholen.“ Darum geht es. Ohne Kom­ promisse. ARTMAPP hat Robert Schad zu dem Projekt befragt. Das ­Gespräch führte Christoph Schütte.

* DIE GA L ER IE N A r t m a r k ,W i e n / B E G E U l m / L i n z P a r i s / S c h ra d e , K a r l s r u h e / We r k h a l l e n , R e m a g e n * DIE SA M M L ER Manf red Fuch s und He in z-Die te r Schunk

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — P O R T R ÄT

Bei fast jedem anderen Künstler müsste man ein solches ­ nterfangen blanke Hybris nennen. Zehn Orte bespielt U ­Robert Schad derzeit parallel mit seinen Großskulpturen, die, sagen wir, in den aktuellen Sommerferien mit dem Fahrrad zu entdecken, man sich schon mal eine Woche Frankreichurlaub gönnen sollte. Dabei, so zeigt der „Parcours de sculptures“, anhand dessen man quasi mit dem 1953 in Ravensburg geborenen, seit Jahren in der Franche-Comté lebenden Künstler noch bis weit in den Herbst quer durch die Bretagne reisen kann, ist diese gewaltige Ausstellung mit rund 50 Plastiken des Stahlbild­ hauers ein Kraftakt – für den Künstler geradeso wie für die Organisatoren des Chemins du patrimoine en Finistère, des Festivals Arts à la Pointe und der Compagnons de l’Abbaye de Bon-Repos, die die Route vom Cap Sizun über das Landes­ innere der westlichen Bretagne bis zur Bucht von Morlaix zusammen mit Schad entwickelt haben. Für den Betrachter aber ist diese Reise ein einziges ­Vergnügen. Nicht nur, weil man die Lust auf Wind und Strand und Meer, auf Austern, Wein und Urlaub mit seinem Hunger nach moderner Kunst verbinden mag. Oder weil man auf den Spuren der zeitgenössischen Kunst auch das herausragende Kulturerbe des Départements Finistère entdecken kann. ­I mmerhin gehört das im 12. Jahrhundert gegründete Zister­ zienserkloster L’Abbaye de Bon-Repos mit sechs gewaltigen


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ARTMAPP: Herr Schad, Sie stellen in Museen und Galerien in ganz Europa aus – und jetzt buchstäb­ lich „am Ende der Welt“, im Finistère. Nicht in der Gruppe, nicht mit einer Handvoll Skulpturen viel­ leicht, vielmehr gehört der „Parcours de sculptures“ fraglos zu den größten Herausforderungen in Ihrer an Großprojekten reichen Karriere. Wie ist es dazu gekommen?

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — P O R T R ÄT

Robert Schad: Vor etwa zehn Jahren habe ich einige Zeit bei „La Vie des Formes“ in Chalon-sur-Saône gearbeitet, dem Ate­ lier der Stiftung Mark di Suveros, das damals unter anderem vom Kurator meiner Ausstellung in Finistère, Yvain Bornibus, betreut wurde. Yvain und ich hielten danach zwar weiter Kon­ takt, zu einer Zusammenarbeit ist es aber erst einmal nicht gekommen. Nach seinem Umzug von der Drôme in die Bre­ tagne bat ihn das EPCC, eine Kulturorganisation des Finistère, die fünf historische Orte verwaltet und kulturell belebt, einen Bildhauer vorzuschlagen, der einen raumgreifenden Parcours gestalten könnte, mit dem Ziel, die Stationen miteinander in Verbindung zu bringen. So fiel die Wahl auf mich. Weitere Orte kamen hinzu, die ich mit meinen Stahllinien „bespielen“ konnte. Und jetzt ist es ein Parcours von über 50 Skulpturen und knapp 500 Kilometern Länge geworden.

ARTMAPP: Sind die Arbeiten alle eigens für diese Ausstellung und den jeweiligen Ort entstanden? Inwiefern spielte der jeweilige Kontext für die Auswahl eine Rolle? RS: Rund 20 Skulpturen habe ich ursprünglich für andere Ausstellungen gemacht, die in den vergangenen Jahren im öf­ fentlichen Raum etwa von Altshausen, Heidelberg, Linz, Landshut, Pergine und Frankfurt am Main stattgefunden ­haben. Alle anderen habe ich im Hinblick auf die Ausstellung in Finistère und deren sowohl historisch als auch landschaft­ lich sehr spannende Orte entwickelt. ARTMAPP: Das ist enorm … RS: … und war alles andere als einfach. Zunächst habe ich die Orte besucht und deren jeweilige spezifische Ausstrahlung auf mich wirken lassen. Manche Orte empfand ich szenisch-­ bühnenhaft, andere als meditativ oder bukolisch. An den Standorten direkt am Atlantik entwickelt eine Skulptur eine große Nähe zum unendlichen Horizont. So verlangte jeder der unterschiedlichen Standorte nach seiner ganz eigenen Lösung. ARTMAPP: Gibt es einen „roten Faden“, der alle Orte und Skulpturen miteinander verbindet? RS: Ja, der „rote Faden“ ist die rostrote Stahllinie all meiner Skulpturen, die mit ihrem konstanten Querschnitt von zehn Zentimetern die einzelnen Orte gleichsam miteinander „ver­ näht“ und untereinander verbindet.


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Robert Schad, Alle Skulpturenfotos: Dominique Vérité © VG Bild- Kunst, Bonn 2016


BEGE Galerien Esther Hagenmaier Licht und Linie shaped photographies, Raumzeichnung

Esther Hagenmaier Licht und Linie 24. Juni – 10. September 2016 Art Bodensee 8. – 10. Juli 2016 A - Dornbirn, Halle 13 / Stand 13 Junior Toscanelli MALEREI LEXIKON 17. September – 5. November 2016 Armin Göhringer Grenzgänge 11. November 2016 – 15. Januar 2017 BEGE Galerien Ulm 89073 Ulm Tel +49 (0) 179 . 483 41 88 www.bege-galerien.de

Galerie am Saumarkt Fischergasse 34 , 89073 Ulm Tel +49 (0) 731 . 934 074 11 und +49 (0) 731 . 6 33 49 Mo und Di nach Vereinbarung, Mi bis Fr 11 – 13 und 14 – 18 Uhr, Sa 11 – 15 Uhr


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RS: Die Herausforderungen waren eher technischer Art. Es stellte sich beispielsweise die Frage, wie ich es schaffe, die doch recht g roßfor mat igen und schweren A rbeiten „SNOPIOT“ und „CABUKKE“ durch die verhältnismäßig kleinen Zugänge in die Innenhöfe des Klosters Bon-Repos bzw. des Châteaus Kerjean zu schaffen und mit welchem Ge­ staltungskonzept ich der monumentalen, übermächtigen Präsenz des Châteaus de Trévarez begegnen sollte. Auch ha­ ben uns die Installationen der Skulpturen in unmittelbarer Meeresnähe logistisch alles abverlangt.

ARTMAPP: Wie haben Sie diese Probleme gelöst? RS: Im Team. Ich habe bisher noch nie ein Projekt realisiert, an dem so viele Leute mitgearbeitet haben. Das war ein großarti­ ges Erlebnis. ARTMAPP: Wie wird der Parcours bislang angenommen? RS: Den Reaktionen in meinen Führungen nach sehr gut. Die Veranstalter gehen davon aus, dass etwa 300.000 Menschen die Ausstellung sehen werden, von denen sich bereits viele in den sozialen Netzwerken geäußert haben. Ich habe den ­Eindruck, dass die Bezüge meiner ­Skulpturen zu ihrem jewei­ ligen Umfeld auch für den kunstunkundigen Betrachter erfahrbar werden, zum Denken anregen und meine Arbeiten so dazu beitragen, dass die jeweiligen Orte unter neuen, unge­ wohnten Blickwinkeln erlebt werden können. ARTMAPP: Wird die eine oder andere Skulptur hier bleiben nach dem Ende der Ausstellung? RS: Diese Frage sollten Sie dem Veranstalter stellen. ARTMAPP: Was steht als Nächstes an? RS: Im Sommer zeige ich meine Arbeiten in der Galerie Schoots + Van Duyse in Antwerpen. Zudem werde ich an ­öffentlichen Großskulpturen arbeiten, die in Tuttlingen, Heilbronn und Neumarkt in der Oberpfalz aufgestellt werden. Die Ausstellung in Finistère wandert dann im Frühjahr 2017 an die Küste Lissabons, nach Estoril und Cascais. In diesem Zusammenhang werden wohl auch noch zwei bis drei neue A rbeiten entstehen. Auf jeden Fall wird ’s mir nicht langweilig …

ARTMAPP: Robert Schad, vielen Dank für das Gespräch! bis 31. Ok tober 2016 „ SC H A D – Parcours de sc ulpt ures – B re tag ne 201 6“ Dé par te me nt Fini stè re, B re tag ne, ve rschiede ne Or te www. cdp29 .f r w w w . ro b e r t s c h a d . e u www. schad-bre tag ne. f r A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — P O R T R ÄT

ARTMAPP: Gab es spezielle, mit den jeweiligen Orten verbundene Herausforderungen?


Schiff Art Malerei – Skulptur – Objekt

Jürgen Brodwolf, Boot (Romeo und Julia), 2005, Objektplastik Holz, Pappe, Gaze, Kreideschlämme

Felix Droese, Anonymus, 1996, Holzdruck übermalt, Dachlack, Erde, Öl

Werner Pokorny, o. T., 2016, I, Ajus, schwarz gebrannt

Stefan Strumbel, Forest Island, 2015, Bronze

Hannsjörg Voth, Boot aus Stein, 1980, Zeichnung auf Transparenzfolie

Raymond E. Waydelich, Coop, 2013, Mischtechnik

Ausstellung mit Arbeiten von Jörg Bach, Karl Bohrmann, Thomas Borstorff, Rainer Braxmaier, Jürgen Brodwolf, Dirk Brömmel, Willi Bucher, Claus Bury, Madeleine Dietz, Felix Droese, Marc Felten, Ruprecht von Kaufmann, Jürgen Knubben, Jenny Michel, Werner Pokorny, Julia Steinberg, Stefan Strumbel, Hannsjörg Voth, Daniel Wagenblast, Raymond E. Waydelich vom 21. Juni – 21. August 2016 in der Kreissparkasse Rottweil, Königstraße 44, 78628 Rottweil, www.ksk-rottweil.de Bis 21. August 2016 täglich (außer montags) von 14.00 – 17.00 Uhr geöffnet. Auskunft: Tel. 0741 242-4040

 Kreissparkasse Rottweil


Sonderausstellung, 16. April 2016 – 9. Oktober 2016

Museum und Shop, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr Ristorante La Sosta, täglich von 10 bis 18 Uhr Steinenvorstadt 1, CH-4051 Basel | www.swmb.museum

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Sonderausstellung, 16. April 2016 – 9. Oktober 2016

Spielzeug Welten Museum Basel 24.02.16 14:25

Das neue Kulturportal.

Kunst zu finden, ist keine Kunst.


150 Staatliches Museum Schwerin

Der Neubau für die Moderne K u n s t i n M e c k l e n b u r g - Vo r p o m m e r n S p a n n e n d e P ro j e k t e a n a u ß e r g e w ö h n l i c h e n O r t e n

Mit Hochspannung haben Kunstfreunde in Mecklen­ burg-Vorpommern die Eröffnung des Anbaus zur Galerie Alte & Neue Meister Schwerin erwartet. Nun ist er da und wird die Kunst der Moderne beherbergen. Damit ist die Kunstszene im Land um eine weitere Attraktion reicher. Mehr als 25 Jahre nach der politischen Wende zeigt sich der Nord­ osten in Sachen zeitgenössischer Kunst immer stärker. In den Künstlerhäusern von Plüschow, Ahrenshoop und Bröllin sind internationale Künstlerinnen und Künstler zu Gast.

Die Kunsthalle Rostock wurde durch eine kluge Ausstel­ lungspolitik zum Publikumsliebling und das Kunstmuseum Ahrenshoop ist nicht nur architektonisch attraktiv. Aller­ orten entstehen neue Galerien und Kunstorte mit hohem A nspruch. Sie bereichern die seit vielen Jahren stabile ­Gemeinschaft spannender Kunstorte. Wie die Fotografische Sammlung Schloss Kummerow, befinden sich diese oft an ­außergewöhnlichen Orten und werden von Persönlichkeiten geleitet, die mit Enthusiasmus hochrangige Kunst in die ­vermeintliche Provinz bringen. SUSANNE BURMESTER

www. k unstor te-mv. de

Nach zwei Jahren Bauzeit wird am 1. Juli 2016 der Anbau der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin für die Kunst der ­Moderne eröffnet. ARTMAPP sprach mit Dr. Dirk Blübaum, dem Direktor des Staatlichen Museums Schwerin. ARTMAPP: Am 1. Juli dieses Jahres wird der Anbau der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin eröffnet. Was werden wir dort zu sehen bekommen? Dirk Blübaum: In der ersten Ausstellung im Neubau sind zum einen neue Werke aus der Serie der „Wustrower Tücher“ von Günther Uecker zu sehen sein, die er speziell dafür geschaffen hat. Zum anderen Kunstwerke aus dem Bestand des Staat­ lichen Museums Schwerin / Ludwigslust / Güstrow. Als erstes ist hier – mit Blick auf die zweite Gruppe – die groß­ formatige Installation von Jörg Herold „Mahnmal für einen Matrosen“ zu nennen. Des Weiteren Aernout Miks Video „Park“, die I­ nstallation „Uto-Pia“ von Nomeda und Gedimi­ nas Urbonas sowie das Video „Garten der Lüste“ von Andreas Sachsen­maier oder Ulrike Rosenbachs Werk „Herakles-Her­ kules und Frau“. Gerade in den neuen Arbeiten von Uecker und dem raumfüllenden Werk von Herold wird deutlich, ­welche übergreifende inhaltliche Klammer hinter der Präsen­ tation steht. Zentrales Thema bei Uecker und Herold sind die in der Ostsee ertrunkenen Flüchtlinge bzw., im Fall von ­Uecker, KZ-Häftlinge am Ende des Zweiten Weltkrieges. Zu­ dem wollen wir mit der ersten Ausstellung andeuten, dass wir Blick in den Neubau der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin, Foto: Setzpfandt © Staatliches Museum Schwerin


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Direktor Dirk Blübaum, Foto: Bröcker © Staatliches Museum Schwerin

auch zukünftig nationale und internationale Künstler zeigen werden, und dass es sich hierbei um Werke aus dem Bestand handeln wird. Insofern sind die ­eingangs schon erwähnten Werke von Uecker eher eine Ausnahme. Durch die Hinzuge­ winnung der Flächen im Neubau und die Umorganisation der Ausstellung im Altbau verfügen wir nun erstmals über eine permanente Ausstellungsfläche für die bisher nur punktuell gezeigte Moderne. ARTMAPP: Der Neubau wurde von den Berliner Architekten Scheidt Kasprusch Becker entworfen. Was ist das Besondere an dem Gebäude?

ARTMAPP: Die „gläserne Brücke“ ist ein schönes Symbol für die Verbindung von Alt und Neu. Hat sie auch inhaltlich Bedeutung für Ihre Arbeit? DB: Ja, mit der Brücke verbinden wir die beiden Teile der Aus­ stellung zur Moderne, wobei wir die Brücke nicht zeitlich definieren wollen, etwa dass der Altbau die Kunst bis 1950 und der Neubau die danach beherbergen soll. Wie auch im Be­ reich der Ausstellung der Alten Meister wird es immer wieder Bewegung in der Ausstellung geben. So werden sich auch die durch die Brücke verbundenen Teile immer wieder etwas

anders darstellen. Zudem installieren wir im Neubau ein ­ rafisches Kabinett für die Moderne – nach der Eröffnungs­ G ausstellung –, so dass wir dann auch endlich mehr Werke aus diesem Bereich zeigen können: Zeichnung, Grafik, Fotografie, Video. Übrigens hoffen wir, durch die schon angesprochene Umorganisation der restlichen Ausstellungsflächen zu einem späteren Zeitpunkt, im Bereich der Alten Meister ebenfalls ein solches Grafisches Kabinett einrichten zu können. ARTMAPP: Was erwartet die Besucher zukünftig, wenn sie das Museum besuchen? Nach welcher Konzeption wird sich ihnen Ihre Sammlung der Moderne erschließen? DB: Kurz gesagt, wird der Besucher hier Werke aus der Samm­ lung des 20. und 21. Jahrhunderts finden, so wie dies im Obergeschoss für die Werke des 17. bis 19. Jahrhunderts der Fall ist. Somit kommt es erstmals zu einer annähernden Gleichgewichtung aller Sammlungsteile. ARTMAPP: Herr Dr. Blübaum, vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte Susanne Burmester. www. museum-schwer in. de

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DB: Mit dem Neubau erhalten wir einen funktionalen ­ usstellungskörper, in dem wir unsere Sammlung adäquat A zeigen können. Besonders an dem Bau mag sicherlich sein, dass Platzierung und Definition der gesamten Kubatur nicht frei von Vorgaben erfolgen konnte, sondern hier neben dem deutschen Denkmalschutz auch der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) miteinbezogen werden musste, um den laufenden UNSECO-Weltkulturerbe-Antrag für das Residenzensemble nicht zu gefährden; schließlich liegt der Neubau in der Kernzone und war zum Zeitpunkt der ­A ntragseinreichung noch nicht geplant. Mit dem Denkmal­ schutz wurde zudem lange über die funktional sinnvolle Verbindung von Alt- und Neubau diskutiert, weil der ­Bestandsbau der Galerie als ein Einzeldenkmal klassifiziert ist und deshalb eine Verbindung beider Bauteile zuerst als ­bedenklich eingestuft wurde. Aber, wie jetzt zu sehen ist, konnte der Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) mit allen Seiten Einvernehmen herstellen.


St. Georgen in Wismar

Kunstraum mit Strahlkraft D i e w i e d e ra u f e r s t a n d e n e B a c k s t e i n b a s i l i k a S t . G e o r g e n i n W i s m a r g e h ö r t z u m U N E S C O - We l t e r b e u n d w i r k t a u c h a l s K u l t u r k i r c h e w e i t ü b e r d i e S t a d t h i n a u s .

Die Hansestadt Wismar beeindruckt schon aus der Ferne. Wer von Westen über die Autobahn kommt und plötzlich ­linker Hand ihre Silhouette vor dem Hintergrund der Ostsee sieht, möchte am liebsten kurz anhalten, um länger zu ­schauen. Im Weiterfahren erblickt der Reisende inmitten ­v ieler Giebel ein kolossales Gotteshaus mit hohem Glocken­ turm. Doch dieser Schein trügt. Es sind zwei monumentale Backsteinbauten, die – vom Auto aus gesehen – für einen ­Augenblick in Linie stehen und optisch verschmelzen, auch weil die eine jeweils hat, was der anderen fehlt. Der hoch ­aufragende Turm zeugt noch von der einstigen Größe der ­f rüheren Hauptpfarrkirche St. Marien, deren von Bomben

­ eschädigtes Langhaus 1960 leider dem Erdboden gleich­ b gemacht wurde. Die restaurierten Mauern und Dächer jedoch, die schon aus der Distanz so riesig wirken, gehören zur ­benachbarten Georgenkirche. Diese spätgotische Basilika ist mit ihrem ausladenden Querhaus und einer ­G ewölbehöhe von 35 Metern zwar die größte Kirche der Stadt, zu einem ent­ sprechenden Westturm hat das Geld der Wismaraner im ausgehenden Mittelalter dann aber nicht mehr gereicht. ­Äußerlich dominiert wird St. Georgen deshalb seit Mitte des 16. Jahrhunderts durch das große Querschiff mit ­s einen ­himmelhohen, auf Fernwirkung angelegten Giebeln.


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Dass das gewaltige Bauwerk heute noch bewundert und wie­ der genutzt werden kann, gehört zu den Glücksfällen der Neuzeit. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs war es von zwei britischen Luftminen getroffen und schwer beschädigt worden; die DDR-Zeit hatte es – vor sich hin bröckelnd und abgesperrt – gerade so überdauert, ohne Dächer und Gewölbe, Fenster und Türen. Auf den Mauerkronen wucherte Gras. Nachdem ein Orkan 1990 den Nordgiebel zum Einsturz brachte, war St. Georgen in Wismar schließlich die größte Kirchenruine Deutschlands. Dass sie schon wenig später zur größten Kirchenbaustelle des Landes wurde, ist vor allem der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und deren damaligem Vorstandsvorsitzenden Gottfried Kiesow zu verdanken. Der charismatische Backsteinfan ließ über viele J­ ahre keine Gelegenheit aus, für St. Georgen zu werben. Dass der lange für unmöglich gehaltene Wiederauf bau ­d ieser groß­ artigen Kirche durch die Stadt mithilfe vieler Initiativen und Privatleute aus dem ganzen Land g­ elang, war für ihn ein Sym­ bol für das wiedervereinigte Deutschland. Für die A ­ r­beiten, die im Jahr 2010 weitgehend abgeschlossen waren, wurden insgesamt 40 Millionen Euro aufgebracht. 15 Millionen davon kamen von der Deutschen Stiftung Denkmalsschutz, die St. Georgen zu ihrem ersten und größten Hilfsprojekt in den ­östlichen Bundesländern machte. Seit 2002 gehört die Kirche als Teil der Wismarer ­A ltstadt zum UNESCO-Weltkultur­ erbe. Eine Vereinbarung der Hansestadt mit der evangelischen Gemeinde regelt ihre kombinierte Nutzung als Gotteshaus und Kulturkirche. Musik, Theater und Kunst haben in ihrem erhabenen Innenraum längst eine Heimstadt gefunden. Obwohl der Hall unter dem hohen Gewölbe nicht leicht zu beherrschen ist, gibt es hochklassige Konzerte. Regelmäßig gastieren hier die ­Orchester des Norddeutschen Rundfunks, auch die renom­ mierten Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben St. Georgen als Eröffnungsspielstätte etabliert und laden in die­ sem Jahr zum Abschluss ihres Wismarer Musikfestes dorthin ein. In Kooperation mit der Stadt bringt der Wismarer Fest­ spielverein im Sommer Hofmannsthals „Jedermann“ und Goethes „Faust“ in St. Georgen auf die Bühne. Gut besucht ist die Kirche aber auch bei Backsteinkongressen, Schulab­ schlussfesten und beim großen Kunsthandwerker-Markt im Advent. Koordiniert wird das Programm im Welterbe- und Kulturamt der Stadt. ,,Wir haben immer mehr Anfragen von Agenturen und Veranstaltern, nehmen aber nicht jeden“, sagt Veranstaltungsmanagerin Theresa Eberlein. ,,Alles, was in St. Georgen stattfindet, muss der Würde des Raumes ange­ messen sein.“

JAN-PETER SCHRÖDER

w w w . w i s m a r. d e

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Fotos: © Hansestadt Wismar

Dieser Anspruch gilt auch für die Ausstellungen, die seit drei Jahren im Frühjahr und Herbst unter dem Label ,,Kunstraum St. Georgen“ veranstaltet werden. Was gezeigt wird, be­ stimmt ein eigens berufener Kunstbeirat der Hansestadt unter Vorsitz des Malers und Grafikers Udo Scheel. Der ehemalige Rektor und Professor der Kunstakademie Münster hat in Düs­ seldorf studiert, lebt und arbeitet in Berlin, ist gebürtiger Wismarer und in der Szene bestens vernetzt. Zur Eröffnung hat er vor drei Jahren Tony Cragg hierhergeholt, gefolgt von Karl Otto Götz, Katja Pfeiffer, Günther Wagner, Florian Japp, Knut Maron und Miro Zahra. Im Herbst kommt Christiane Möbus, für nächstes Jahr sind Timm Ulrichs und Katharina Fritsch avisiert. Scheel legt Wert auf einen anregenden Wechsel von ­i nternational bekannten Künstlern und starken Positionen aus der Region. ,,Bewerben kann man sich nicht, die Stadt lädt ein“, erklärt der 76-Jährige, der schon als Kind in St. Georgen gespielt hat – als auf dem Kirchenboden noch Brennnesseln wuchsen. ,,Der Raum als solcher ist schlagend und eindrucks­ voll“, sagt er. ,,Alles, was dort gemacht wird, muss zu ihm in Beziehung stehen.“ Udo Scheel will erreichen, dass Wismar in zehn Jahren als Kunstort an der Ostseeküste unübersehbar sein wird. Um Strukturen dafür zu schaffen, möchte er ­Kontakte nach Schweden und ins Baltikum knüpfen: ,,Der Kunstraum St. Georgen soll Strahlkraft haben – wie ein Leuchtturm am alten Hafen.“ Auf Besucher aus aller Welt wirkt die Welterbe-Kirche auch ohne Sonderschau schon jetzt geradezu magnetisch. ,,Die Hauptveranstaltung dort ist St. Georgen selbst“, weiß Theresa Eberlein. ,,Seit im Mai 2014 die Aussichtsplattform auf dem Turmstumpf eröffnet wurde, kommen noch viel mehr Touristen.“ Aus dem gläsernen Fahrstuhl im Inneren hat man einen wunderbaren Blick ins unbestuhlte Kirchen­ schiff. Und von oben eine herrliche ­Aussicht auf die Altstadt und den Hafen von Wismar.


154 10. Kunstpreis der M ecklenburgischen Versicherungsgruppe

Meck-Pomm wird durch Kunstpreise stark!

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F ü r d e n 1 0 . K u n s t p r e i s d e r M e c k l e n b u r g i s c h e n Ve r s i c h e r u n g s g r u p p e s i n d f ü n f P o s i t i o n e n n o m i n i e r t .

An den Kunstpreisen kann man erkennen, wie wichtig ein Bundesland die zeitgenössische Kunst nimmt. Und auch in Mecklenburg-Vorpommern gewinnt sie zunehmend an ­Bedeutung. Weil es hier keine Kunstakademie gibt, sind diese Preise ein wichtiges Instrument der Kunstförderung. Seit Kurzem werden sogar Nachwuchskünstler bis 35 Jahre mit ­einem eigenen Preis geehrt. Neben einer bedeutenden Aus­ zeichnung durch die Hansestadt Rostock ist der Kunstpreis der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe jedoch die wichtigste Anerkennung für zeitgenössische Kunst im Land. Gemeinsam machen die dotierten Ehrungen die Qualität des Kunstschaffens im Nordosten sichtbar und befeuern das En­ gagement von Galerien, Museen und Kunstvereinen. Weil die Mecklenburgische Versicherung mit Sitz in Hannover 1797 in Neubrandenburg gegründet worden war, wollte sich das Unternehmen wieder dort engagieren. ­Unterstützt durch die Leiterin der Kunstsammlung Neubran­ denburg, Dr. Merete Cobarg, wurde der Preis vor nunmehr zehn Jahren auf den Weg gebracht. Schirmherr ist der gebür­ tige Mecklenburger Künstler mit Weltruf, Günther Uecker. Eine Auswahljury schlägt Positionen vor, die Nominierten werden zu der Ausstellung „Fünf Positionen der Gegen­ wart“ in die Kunstsammlung Neubrandenburg eingeladen. Erst am Tag vor der Preisverleihung entscheidet die Preisjury anhand der gezeigten Werke, wer den Preis erhält. Er ist mit 10.000 Euro dotiert, neben einem Preisgeld von 5.000 Euro erfolgt ein ­A nkauf im Wert gleicher Höhe. In diesem Jahr sind fünf Künstlerinnen und Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern nominiert, darunter span­ nen­de junge Positionen – von denen selbst Insider bisher noch nichts gehört hatten. Vom 26. Juni bis zum 4. September 2016 werden sie in der Kunstsammlung Neubrandenburg vorge­ stellt (Di–So 10–17 Uhr).

JACQUELINE DUHR (* 1983) tritt in inszenierten Foto­ grafien stets selber auf und untersucht dabei Rollenmodelle, die uns medial vermittelt werden. In aufwendig produzierten ­Serien greift sie die Ästhetik der Konsum- und Warenwelt auf und formuliert bissige Kommentare zur Macht der Bilder. Im Mittelpunkt des Werks der Malerin und Grafikerin ­ NNELISE HOGE (* 1945) steht der Mensch und seine A fragile Beziehung zur Welt. Ihre poetischen Figurationen erzählen weniger Geschichten, als dass sie von den ­Verhältnissen und Zuständen berichten, die eine menschliche Existenz ausmachen. Der Maler MATTHIAS KANTER (* 1968) sucht ­e rfolgreich nach Wegen, die Bedingungen zeitgemäßer ­Malerei zu ref lektieren und neu zu denken. Gesehenes ist bei ihm oft nicht mehr als eine Erinnerung an Farbe. Konzeptuell gedacht, entstehen abstrakte Bilder, die das Reale als Spur bewahren. OLAF MATTHES (* 1977) fotografiert analog und ­be­vor­zugt das Panoramaformat, um einer tatsächlichen Wahrnehmung öffentlicher Ort nahezukommen. Seine ­Bildserien in Schwarz-Weiß porträtieren Menschen, die Müll sammeln, Industrielandschaften oder militärische Übungsplätze. ANNE SEWCZ (* 1958) ist als Bildhauerin tätig, ar­beitet jedoch auch als Malerin, bevorzugt auf ­handgeschöpftem ­Papier. In beiden Genres überführt sie naturalistische ­Erfahrungen in eine reduzierte ­Formensprache, in den P ­ apierarbeiten streng geometrisch, doch voll lichter Transparenz.

SUSANNE BURMESTER

A R T M A P P -T I P P : w w w . k u n s t s a m m l u n g - n e u b ra n d e n b u r g . d e

Jacqueline Duhr, „Haute Cuisine – Medizin“, aus der Serie „Haute Cuisine“, 2006 –2007, Farbfotografie, 100 x 70 cm

Vom 13. August bis zum 11. September 2016 findet in der RWN-ART-Galerie in Neubrandenburg die 26. Kunstschau des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern e. V. im BBK statt. Unter dem Titel „Art & Entertainment“ hat Kurator Peter Funken 39 künstlerische Positionen versammelt (Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr).


J.-M. Mathieux-Marie

Das Auge sieht... 2. Juli bis 16. Oktober 2016

Max Pechstein, Chogealls, 1917 (Ausschnitt), KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum © Pechstein – Hamburg/Tökendorf 2016

PANORAMA MUSEUM Am Schlachtberg 9 06567 Bad Frankenhausen Tel.: 034671 / 6190 www.panorama-museum.de Di bis So 10 - 18 Uhr

DER TRAUM VOM PARADIES

Kulturraum

Max und Lotte Pechsteins Reise in die Südsee

Vogtland-Zwickau

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www.evelyn-richter-archiv.de

Ursula Arnold, Husemannstraße, Berlin 1965. © Ostdeutsche Sparkassenstiftung

Tokamak Asdex Upgrade Interior 2, Max Planck IPP (Detail), Garching, 2009 Chromogenic print, 141,6 × 176,0 cm, Courtesy: Museum Folkwang, Essen © Thomas Struth, Gestaltung: Ta-Trung, Berlin

Berenice Abbott, Flatiron Building, 1938 © Berenice Abbott / Commerce Graphics, courtesy Howard Greenberg Gallery, NY., Gestaltung: Ta-Trung, Berlin

Martin-Gropius-Bau Berliner Festspiele

www.gropiusbau.de 23.06.16 17:28


DIE ZÜRCHER GALERIEN www.dzg.ch Ausstellungen Künstler Stadtplan

Saisoneröffnung Mittwoch/Donnerstag/Freitag, 24./25./26. August 2016

Galerien-Wochenende Samstag/Sonntag, 22./23. Oktober 2016, 11 bis 17 Uhr ZÜRICH AUSSERSIHL Saisoneröffnung: gemeinsame Vernissagen, Mittwoch, 24. August 2016, ab 18 Uhr Galerien-Wochenende: geöffnet Samstag/Sonntag, 22./23. Oktober 2016, 11 bis 17 Uhr Arthobler Gallery – Galerie Museum Baviera – Bildhalle – Marlene Frei – Havana, B. Liaskowski – Herrmann Germann Contemporary Bernard Jordan – Susanna Kulli – Rotwand – Brigitte Weiss – Stephan Witschi

INNENSTADT LINKS DER LIMMAT Saisoneröffnung: gemeinsame Vernissagen, Donnerstag, 25. August 2016, ab 17 Uhr Galerien-Wochenende: geöffnet Samstag/Sonntag, 22./23. Oktober 2016, 11 bis 17 Uhr Annamarie M. Andersen – Andres Thalmann – ArteF Kunstfotografie – Nadja Brykina – Dierking – Gmurzynska – Haas AG Edwynn Houk – Katz Contemporary – Le sud Galerie – Orlando – Proarta AG – Galerie Rosenberg – Scheublein + Bak – Alex Schlesinger

INNENSTADT RECHTS DER LIMMAT Saisoneröffnung: gemeinsame Vernissagen, Donnerstag, 25. August 2016, ab 17 Uhr Galerien-Wochenende: geöffnet Samstag/Sonntag, 22./23. Oktober 2016, 11 bis 17 Uhr Art Forum Ute Barth – art station isabella lanz – Barbarian Art Gallery – Barr & Ochsner GmbH – Bruno Bischofberger AG Werner Bommer – Andrea Caratsch – Sylva Denzler – Elten & Elten – Galerie Clemens Gunzer – Christophe Guye Häusler Contemporary – Jedlitschka Gallery – Mai 36 – Maurer – Plutschow Gallery – Römerapotheke, Ph. Rey sam scherrer contemporary – semina rerum - I. Preiswerk – Galerie Thalberg – Annemarie Verna Galerie – Fabian & Claude Walter Galerie Wenger – Galerie Ziegler SA

LÖWENBRÄUAREAL UND UMGEBUNG Saisoneröffnung: gemeinsam geöffnet am Freitag, 26. August 2016, ab 18 Uhr Galerien-Wochenende: geöffnet Samstag/Sonntag, 22./23. Oktober 2016, 11 bis 17 Uhr annex14 – BolteLang – Grieder Contemporary – Bob Gysin – Hauser & Wirth – Karma International – Lange + Pult – Lullin + Ferrari Mark Müller – Bob van Orsouw & Partner – Francesca Pia – Eva Presenhuber – Barbara Seiler – Nicola von Senger


159 Buchmann Galerie Berlin

Wohlkalkulierte Bandbreite

Andre Buchmann, Foto: Bettina Pousttchi

der sich auch in ihren Auftritten auf internationalen Kunst­ messen niederschlägt. So war man dieses Jahr zum Beispiel selbstverständlich wieder mit einem eigenen Stand auf der Art Basel vertreten, unter anderem wurden hier Arbeiten von Fiona Rae, William Tucker und Lawrence Carroll gezeigt. Und die Werke der Bildhauerin, Foto- und Videokünstlerin Bettina Pousttchi werden derzeit gleich zweimal in den USA ausgestellt, im renommierten Smithsonian Hirshhorn ­M useum and Sculpture Garden sowie in der Phillips ­C ol­lection, beides in Washington D. C. – auch das ist weit weg von Berlin. R A I M A R S TA N G E

www. buchmanngaler ie. com

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Mehr „typisch Berlin“ geht nun wirklich nicht: Die Galerie von Andre Buchmann residiert in der Charlottenstraße nur wenige Minuten vom legendären Checkpoint Charly entfernt, gleich gegenüber dem spektakulären GSW-Hochhaus mit seinem schon von Weitem sichtbaren Flugdach, dessen aus verschiedenen Rottönen zusammengesetzte konkaven Fassa­ de so aussieht, als hätte sie die junge Angela Bulloch gestaltet. Und der Galerist Andre Buchmann selbst wohnt privat selbst­ verständlich mitten in Berlin-Mitte, im selben Haus übrigens wie die international erfolgreiche Videokünstlerin Candice Breitz und die einst bei MTV „ausgebildete“ Schauspielerin Heike Makatsch. Doch der erste Schein trügt, denn so viel Berlin steckt dann doch nicht in der renommierten Galerie. Gegründet nämlich wurde sie 1975 von Elena und Felix Buch­ mann im schweizerischen St. Gallen. Von 1983 bis 1998 war die Buchmann Galerie dann in Basel zu Hause und noch heute hat sie in der Schweiz in Agra/Lugano sowie Lugano zwei lu­ krative Dependancen. 1995 dann gründete der Filius Andre Buchmann in Köln den ersten deutschen Standort und zehn Jahre später siedelte er schließlich, den damaligen Zeichen der Zeit folgend, nach Berlin über. Auch die Liste der vertretenen Positionen der Galerie ist nicht das, was man als „typisch Berlin“ bezeichnen ­w ürde. Nur wenige der Künstler, zum Beispiel Bettina Pousttchi, wohnen in Berlin; und keiner entstammt der glorreichen 1990er-Generation, die Berlin nach dem Mauer­f all schnell zu einem der wichtigsten Zentren für zeitgenössische Kunst nicht nur in Europa gemacht hat – man denke etwa an John Bock, Ólafur Elíasson oder Monica Bonvicini. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Die meisten der „Buchmann-Künstler“ arbeiteten schon mit der Galerie, als die Berliner Kunstszene noch in einer geteilten Stadt zu Hause und von eher zweitklassiger Qualität war. So besteht die Zusammenarbeit mit dem Briten Tony Cragg bereits seit 1983, die mit Wolfgang Laib seit 1987 und die mit dem Fran­ zosen Daniel Buren seit 1989. Weitere wichtige Künstler in dieser illustren Runde sind zum Beispiel Anna & Bernhard Blume, Martin Disler, dessen Nachlass die Galerie inzwischen vertritt, und Fiona Rae. Medial hat man sich in der Buchmann Galerie auch nach über 40 Jahren konzentrierter Arbeit immer noch nicht wirklich festgelegt. Das ist auch gut so, denn so kann man in der B ­ erliner Charlottenstraße spannende Ausstellungen mit Malerei und Fotografie ebenso sehen wie solche mit Video­ kunst und Skulptur. Diese wohlkalkulierte Bandbreite ist sicherlich ein Grund für den langjährigen Erfolg der Galerie,


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Parkomanie Fürst Pückler

Ein Fitzcarraldo der Gärten Muskau, Pleasureground am Bad (Ausschnitt), aus: Hermann Fürst von Pückler- Muskau, Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, 1834 © Stiftung „Fürst- Pückler- Park Bad Muskau“

„Wer mich ganz kennenlernen will, muss meinen Garten ken­ nen, denn mein Garten ist mein Herz“, so sagte einst der Weltenbummler und „gärtnernde Autodidakt“ Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Jetzt gibt es Gelegenheit, einige von ihm gestaltete Gärten und Landschaftsparks zu ent­ decken, sie in den Kontext ihrer Entstehung eingebettet zu erleben und als Gegenentwurf zur barocken Geometrie höfi­ scher Gartenkunst zu entziffern. Eine Ausstellung in Bonn, ein Dachgarten und eine Schlossanlage in Brühl laden ein zu erhellenden Spaziergängen. Mit großem medialem Aufgebot, mit Filmen von Drohnenbildern und animierten Grundrissplänen, mit in 3-D-Dias umgewandelten Lithografien und Aquarellen, ­h istorischen Panoramafotografien, mit Rückprojektionen und Nachbauten oder Zeit r a f fer auf na hmen – keine ­A nstrengung scheint zu groß, einen möglichst authen­ tischen Blick auf die Gartenkunst des Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871) zu werfen. Im Zentrum der ­A usstellung der B ­ undeskunsthalle in Bonn stehen die

Landschaftsparks in Bad Muskau/Ł ęknica, Babelsberg und Branitz, für die Pückler-Muskau sich von englischen Vor­ bildern hat inspirieren lassen. Auf dem Dach des Hauses geben zudem 40.000 frühblühende Blumen, Wasserbassins, Bäume, Rosenlauben und runde Beete einen Eindruck der ­g estalteten Gartenpracht des lebensfrohen Fürsten, Welt­ reisenden, Literaten und Lebemanns. Bevor sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der neue, englische Stil des Gartenbaus durchsetzte, war in ­Eu­ropa der französische Barockgarten dominantes Leitbild. Die kühl und geometrisch präzise, ornamentale Durch­ gestaltung des barocken Gartens sollte dann, ab etwa 1730, einer ­auf­gelockerten, naturnahen Landschaft weichen, in der ­verwunschene Winkel und unregelmäßiges, offenes Gelände abwechselten und ein malerisches Panorama ergaben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann Pückler-­ Muskau e­ benjene Landschaftsgärten, wie er sie in England gesehen hatte, auch in Deutschland anzulegen – und schuf ­z usammen mit seiner Frau Lucie einen der modernsten Landschafts­g ärten, der bald auch weit über die Grenzen des Landes hinaus berühmt werden sollte und heute zum UNESCO-­Welterbe gehört. Für die Realisierung seiner Vision hat Pückler keine Mühen gescheut, er hat Flüsse umgeleitet und künstliche Seen angelegt, hat Hügel aufgeschüttet, mit einer Pf lanz­ maschine Hunderte Bäume verpflanzt, er hat ganze Dörfer versetzt und Pyramiden erbaut – bis seine Sehnsucht nach ge­ stalterischer Harmonie und sein ausschweifendes Leben ihn in den finanziellen Ruin trieben.

Park von Schloss Augustusburg in Brühl © Ver waltung Schlösser Brühl


Da aber hatte er längst die Herzen der Bewohner von Muskau gewonnen, hat er in der Oberlausitz doch den größten und schönsten Landschaftspark Europas geschaffen. Einen Garten wie eine „begehbare Bildergalerie“: Ausgeklügelte Wege- und Wassersysteme, Aussichtspunkte und Blickachsen boten alle paar Schritte neue und überraschende Naturansichten. Pück­ ler hat große Architekten und Gärtner beschäftigt und selbst Licht und Schatten halfen ihm, den gewünschten Eindruck zu erzielen – eine neue, die romantische Sicht auf die Natur war geboren. Sie ist bis heute vorbildhaft. K ATJA BEH REN S

bis 18. September 2016

In unmittelbarer Nähe zu Bonn, in Brühl, befinden sich die Gartenanlagen und Parks der Brühl’schen Schlösser Augustusburg und Falkenlust. Die prunkvollen Rokokoanlagen des süddeutschen Barockbaumeisters Balthasar Neumann ­(entstanden 1740 bis 1760) mit ihren gestalteten Parks sind wunderbare Beispiele jener strengen barocken Gartenkunst, die die Schöpfer der englischen Landschaftsparks damals zu ihrem Gegenmodell inspiriert hatten. Auch Pücklers Konzept war so ein Gegenentwurf, in dem die Natur von nun an über die Geometrie triumphierte. Mit viel inszenatorischem ­Aufwand wurde der Natur nachgeholfen, so natürlich wie möglich zu sein. www. schlossbr uehl. de

„ PA R KO M A N I E . D i e G a r t e n l a n d s c h a f t e n d e s F ü r s t e n P ü c k l e r“ Ausstellung + Gar ten www. bundesk unsthalle. de

In Brühl übrigens, nicht weit entfernt, befindet sich auch das Max Ernst Museum des LVR. Ein ebenfalls sehr lohnens­ werter Besuch. w w w . m a x e r n s t m u s e u m . l v r. d e

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — A U S S T E L L U N G E N

SCH L OS S BRÜ H L


März Juli November

Covermotiv ARTM APP Magazin Winter 2015: Stefan Strumbel vor seiner Arbeit „Ready Made 9“, Foto: Tom Ziora

Deutschland Österreich Schweiz

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„TOUCHDOWN. Eine Ausstellung mit und über M enschen mit Down - Syndrom“

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Experten in eigener Sache ARTMAPP: Frau Pleiger, wie kam es zu einem solch außergewöhnlichen Projekt und was waren Ihre Intentionen? Henriette Pleiger: Ein Ausgangspunkt war unter anderem das Magazin „Ohrenkuss“. Ein Projekt neben weiteren, das Men­ schen mit Down-Syndrom eine Plattform geben möchte, das deren Sprache ernst nimmt, deren Geistesblitze und deren ganz besonderen Blick auf die Welt. Die Ausstellung sollte keine Wiederholung der Outsider-Schublade sein, in der mal wieder Gebasteltes aus Werkstätten vorgezeigt wird, sondern eine Verstandortung. Sie versucht, die Kunst von Menschen mit Down-Syndrom in deren eigene Geschichte einzubetten, die Kunst als ureigenes Statement zu verstehen, als Kommen­ tar. Wir wollten ihre Geschichte erzählen und sie selbst erzählen lassen. ARTMAPP: Also eine vor allem kulturhistorische Ausstellung? Wie sah die Zusammenarbeit aus? Sind die Künstlerinnen und Künstler zufrieden?

© Mathias Bothor

Anfangs klang es etwas seltsam, ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte. Schon wieder ein Kunstprojekt, ­welches eine unterprivilegierte Menschengruppe benutzt, ausnutzt, ausstellt? Nein, die in der Bundeskunsthalle angekündigte Aus­ stellung möchte viel mehr, so ist es auch auf der Internetseite des beteiligten Forschungsprojekts „Touchdown 21“ zu lesen. Sie möchte Spuren von Menschen mit Down-Syndrom zei­ gen, und zwar mit den Betroffenen gemeinsam: Spuren, die zu finden sind in der Kunst, der Wissenschaft, in Filmen und Theater, Mode und Gesellschaft. „In verschiedenen Zeiten. Und in verschiedenen Ländern. Sie erzählt, wie Menschen mit Down-Syndrom leben. Wie sie früher gelebt haben. Und wie sie in Zukunft leben möchten.“ Das heißt wohl, dass endlich einmal nicht nur „über“ diese Menschen gesprochen und geforscht wird, sondern dass sie auch selbst zu Wort kommen, dass sie gehört werden ­können, ihre Anliegen in ihrer eigenen Sprache vorbringen dürfen? Katja Behrens hat sich für ARTMAPP mit der Aus­ stellungskuratorin Henriette P ­ leiger unterhalten.

HP: Die Zusammenarbeit war sehr inspirierend. Unser ­i nterdisziplinäres Experiment ist gelungen, würde ich ­s agen. Alle sind sehr zufrieden mit dem Ansatz, die Men­ schen als mün­dige Leute ernst zu nehmen. Allein, wenn sie sich selbst vertreten können und man sie lässt, wachsen sie über sich hinaus. ARTMAPP: Und was haben Sie persönlich aus der Zusammenarbeit gelernt? HP: Ich bin im Laufe unseres kollaborativen Projekts viele Vorurteile losgeworden. Einfach Dinge, die ich nicht auf dem Zettel hatte über die Lebensrealitäten der Kollegen mit Down-Syndrom. Zum Beispiel, dass es auch hier, ganz selbst­ verständlich, homosexuelle Menschen gibt. Die Menschen mit Down-Syndrom sind auch coole Leute, wenn man sie lässt und sie nicht in die kindliche Ecke stellt. Erwachsene coole Leute, die man auch so behandeln sollte. ARTMAPP: Henriette Pleiger, vielen Dank für das Gespräch! 29 . Ok tober 2016 bis 1 2 . Febr uar 2017 „TOUC H DOW N. Eine Au sstellung mit und ü b e r M e n s c h e n m i t D o w n - S y n d ro m“ www. bundesk unsthalle. de

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — A U S S T E L L U N G E N

Patrick Görres, 2004, Ohrenkuss-Ausgabe „Mode“


Johann Peter Krafft Hanau 1780 – Wien 1856

/TMFSS5JYJW0WFKKY4WUMJZXFR,WFGIJW*ZW^INPJšQFZK1JNS\FSI&ZXXHMSNYY © Belvedere, Wien

Wiener Welten

10. Juli — 9. Oktober 2016 Historisches Museum Hanau 8HMQTXX5MNQNUUXWZMJ www.philippsruhe.hanau.de

Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain fördert die Ausstellung Wiener Welten – Johann Peter Krafft (Hanau 1780 – Wien 1856) im Historischen Museum Hanau Schloss Philippsruhe. Getragen wird der gemeinnützige Fonds vom Land Hessen, von Frankfurt am Main, dem Hochtaunuskreis und dem Main-Taunus-Kreis, Darmstadt, Wiesbaden, Hanau und Bad Vilbel. <JNYJWJMJWFZXWFLJSIJ0ZSXYZSI0ZQYZWUWTOJPYJƻSIJS8NJZSYJWwww.kulturfonds-frm.de / Facebook / Twitter / Newsletter


17.07. - 25.09.2016

SĂ&#x153;NDE UND ERKENNTNIS DIE FRUCHT IN DER KUNST

Gala (eaten apple), 2011 Š Gavin Turk

Das Museum Sinclair-Haus zeigt die einzigartige Sammlung Prof. Dr. Rainer Wild, in der das Motiv der â&#x20AC;&#x17E;Fruchtâ&#x20AC;&#x153; in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts im Fokus steht. Zu sehen sind u.a. Werke von Pablo Picasso, Giorgio GH&KLULFR(PLO1ROGH3DXO.OHH-RVHSK%HX\V$QG\:DUKRO.DULQ.QHĆ?HOXQG$L:HLZHL VERNISSAGE 17. Juli 2016, 11 Uhr Der Eintritt ist an diesem Tag fĂźr alle Besucher frei! LITERARISCHES PICKNICK IM SCHLOSSPARK 27. Juli 2016, 19 Uhr | 15 â&#x201A;Ź Abendliches Picknick mit Lesung rund um die Frucht.

BILDGESPRĂ&#x201E;CHE 7. August, 4. September 2016, 11.15 Uhr 4 â&#x201A;Ź zzgl. Eintritt Konzentrierte Gespräche zu einzelnen Werken. KONZERT IM HOF - Jazztrio â&#x20AC;&#x17E;HĂśrbarâ&#x20AC;&#x153; 10. August 2016, 19 Uhr | 12 â&#x201A;Ź PHILOSOPHISCHE STREIFZĂ&#x153;GE â&#x20AC;&#x17E;Der Mensch ist, was er isstâ&#x20AC;&#x153; 11. August 2016, 17.30â&#x20AC;&#x201D;18.30 Uhr | 5 â&#x201A;Ź zzgl. Eintritt

MUSEUM SINCLAIR-HAUS Bad Homburg v.d. HÜhe /¸ZHQJDVVH ZZZPXVHXPVLQFODLUKDXVGH


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Das Frankfur ter M MK Museum für M oderne Kunst wird 25 Jahre alt

Frischer Wind im „Tortenstück“

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Im Rückblick mag man es kaum glauben. Dass es nämlich, wie sich Susanne Gaensheimer erinnert, noch vor ein paar Jahren seltsam ruhig geworden war um das Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Und selbst in der eigenen Stadt viele gar nicht wussten, „was für eine tolle Sammlung das Museum hat“. Nunmehr scheint es, dass das von Hans Hollein entworfene, wegen seines Grundrisses von den Frankfurtern liebevoll „Tortenstück“ genannte Haus zu seinem 25. Geburtstag besser aufgestellt ist denn je. Mit mittlerweile drei, so schlicht und griffig wie im besten Sinne plakativ MMK 1, 2 und 3 genannten Standorten mitten in der Stadt. Mit wechselnden – hier bevorzugt der ­jungen Kunst, dort auf die rund 5.000 Exponate umfassende Sammlung konzentrierten – Präsentationen und, seit vor ­sieben Jahren Susanne Gaensheimer die Leitung des 1991 ­eröffneten Hauses für die Kunst der Gegenwart übernommen hat, mit einer Erweiterung in andere Sparten. Die Schau des Modedesigners Kostas Murkudis im MMK 2 ist dafür ebenso exemplarisch wie die Ausstellung des Choreografen William Forsythe im Stammhaus am Dom.

Susanne Gaensheimer, Foto: Niko Schmid- Burgk

Es ist vor allem die auch nach mehr als zwei Jahrzehnten noch immer frische Erinnerung an einen überall in der Stadt ­spürbaren Auf bruch, den das Museum seinerzeit markierte. Schon Anfang der 1980er-Jahre hatte die Stadt Frankfurt ­b edeutende Teile der Darmstädter Sammlung Ströher er­ worben. Und was für Darmstadt ein bis heute nachwirkendes Trauma darstellen sollte – die Sammlung, so hatte man stets gehofft, sollte ­eigentlich ins Hessische Landesmuseum ein­ ziehen –, wurde für Frankfurt gleichsam zum Schlussstein der unter dem l­ egendären Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann ver­w irklichten, heute in alle Welt ausstrahlenden hiesigen Museumslandschaft. Die damals rund 80 aus der Sammlung Ströher er­ worbenen Werke der Pop-Art, etwa von Andy Warhol, Claes Oldenburg und Roy Lichtenstein, von Vertretern des Mini­ malismus wie Donald Judd und Carl Andre, von Joseph Beuys, Blinky Palermo oder Franz Erhard Walther gehören bis heute zu den Glanzstücken des MMK. Ergänzt und beständig er­ weitert um ganze Werkgruppen – etwa von Fischli/Weiss und On Kawara, von Andreas Slominski oder Jeff Wall, der hier exemplarisch für die herausragende Kollektion aktueller ­Fotokunst im Haus stehen mag – gab der 1989 nach Frankfurt berufene, im vergangenen Jahr verstorbene Direktor Jean-Christophe Ammann der Sammlung in seiner Amtszeit nicht nur ein klares, von zahlreichen jungen, damals noch gänzlich unbekannten Positionen flankiertes Profil. Das Konzept der regelmäßigen, aus der Sammlung ­entwickelten „Szenenwechsel“ und nicht zuletzt Ammanns bis heute legendäre Führungen machten das MMK und die ­zeitgenössische Kunst zum Zentrum des Frankfurter Kunst­ diskurses jener Jahre. Bis mit dem Ende der Ära Ammann und dem Amtsantritt Udo Kittelmanns als Nachfolger des Schweizer Gründungsdirektors schließlich Max Hollein nach Frankfurt berufen wurde. Und in seinen 15 Jahren vor Ort – der Österreicher ist gerade mit reichlich Wehmut nach San Francisco verabschiedet worden –, zunächst als Leiter der Schirn Kunsthalle, dann darüber hinaus als Direktor von ­L iebieghaus Skulpturensammlung und Städel, antrat, die ­Museumslandschaft aufzumischen. Auch das, darf man vermuten, mag ein Grund dafür ge­ wesen sein, warum trotz bedeutender Erweiterungen, etwa mit dem (Teil-)Erwerb der Sammlung Rolf Ricke in der Ära Kittelmann, trotz manch’ epochemachender Ausstellung wie Sturtevants „The Brutal Truth“ oder Teresa Margolles’ ­„ Muerte sin fin“, das MMK nach dem Schwung der ersten ­Jahre „ein bisschen ein Schattendasein“ fristete, wie sich ­Susanne Gaensheimer an ihre Anfangszeit am Main erinnert. Dass 2009 ihre erste, dem Werk von Peter Roehr gewidmete Ausstellung in Frankfurt ausgerechnet auf Initiative Max Hol­ leins und in Kooperation mit dem Städel Museum zustande kam, trug derweil sicher zur Beruhigung der Szene bei.


Foto: A xel Schneider © MMK Frankfurt


Paul Morrison, Ridge, 2003, Wandgem채lde Foto: Wolfgang G체nzel

Kunst lebt von der F채higkeit, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Und neu zu entdecken.

Perspektiven f체r die Kunst. Das Sammlungskonzept der Helaba ist offen und vielseitig: Unser Interesse gilt besonders der jungen Kunst. Wir erwerben Arbeiten unterschiedlicher Medien und lernen so, die Welt aus neuen Blickwinkeln zu sehen. Ein Engagement, von dem auch unsere Region profitiert. www.helaba.de

Banking auf dem Boden der Tatsachen.


gearbeitet habe, ob im Lenbachhaus, in Münster oder hier im MMK, ob als Kuratorin des Deutschen Pavillons auf der Bien­ nale in Venedig oder der aktuellen Triennale Kleinplastik Fellbach – mein Ansatz“, sagt Gaensheimer, „ist seit jeher der gleiche: dass die Kunst nicht nur die Möglichkeit, sondern vielmehr die Aufgabe hat, sich mit den Fragen unserer Zeit zu beschäftigen.“ Mit der Globalisierung etwa und der Digitalisierung der ­Lebenswelten, mit der wachsenden sozialen Ungleichheit oder den weltweiten, in den kommenden Jahrzehnten ­voraussichtlich noch deutlich zunehmenden Migrations­ bewegungen. Und also mit all jenen Fragen, die sich nicht nur dem westlichen Kunstbetrachter im Alltag allenthalben ­stellen. Im Grunde, so Gaensheimer, gehe es um nicht weni­ ger als um die Gretchenfrage der Gegenwartskunst: die nach der gesellschaftlichen Relevanz der Positionen. Und mithin des Museums. Von einem Schattendasein kann zum 25. Ge­ burtstag des Frankfurter „Tortenstücks“ denn auch keine Rede sein.

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CHRISTOPH SCHÜT TE

MMK 1 bis Ende 2016 „ 25 Jahre M M K Mu se um f ür Mode r ne Kun st – N e u e S a m m l u n g s p rä s e n t a t i o n“ bis 1 4 . August 2016 „ K a d e r A t t i a . S a c r i f i c e a n d H a r m o n y“ 1 7. S e p t e m b e r 2 0 1 6 b i s 1 5 . J a n u a r 2 0 1 7 „ F i o n a Ta n . G e o g ra f i e d e r Z e i t “

MMK 2 bis 4 . September 2016 Abschlusswochenende 10. und 11. September 2016 „ Da s imag inäre Mu se um We r k e a u s d e m C e n t r e P o m p i d o u , d e r Ta t e u n d d e m M M K “

MMK 3 1 4 . Juli bis 1 4 . August 2016 „ C ro i s s a n t . A b s o l v e n t e n d e r S t ä d e l s c h u l e 2 0 1 6 “ 3. September bis 6. November 2016 „ L a u r e P ro u v o s t . a l l b e h i n d , w e ’ l l g o d e e p e r, d e e p d o w n a n d s h e w i l l s a y :“ w w w . m m k -f ra n k f u r t . d e

MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Foto: Norbert Miguletz

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Der frische Wind, der seither die Frankfurter Museumsszene belebt, ist denn sicher auch ein wenig ihr Verdienst. Das MMK, so Gaensheimer, sei längst wieder „the place to be“ im aktuel­ len Kunstgeschehen der Stadt. Und in der Tat, die Zahlen, der auf weit über 100.000 Besucher deutlich angewachsene Zu­ spruch des Publikums, geben der 49 Jahre alten Direktorin recht. Dabei kann die 2009 vom Münchner Lenbachhaus an den Main berufene Kunsthistorikern nicht einmal über einen eigenen Ankaufsetat verfügen. Und doch, die aus Drittmit­ teln, durch Schenkungen und mithilfe von Sponsoren ins Haus gelangten Neuerwerbungen der letzten Jahre, wie sie im Rahmen des Jubiläums nun im Zentrum der aktuellen Samm­ lungspräsentation im „Tortenstück“ des MMK 1 versammelt werden, sind von herausragender Qualität. Nicht nur insofern als sie, wie die Arbeiten Lothar Baumgartens, die Sammlung sinnvoll ergänzen. Oder ­exemplarisch für teils frische, teils schon arrivierte aus der Frankfurter Städelschule hervorgegangene Positionen – etwa Gerald Domenigs, Adrian Williams’ oder Michael Pfrommers – stehen. Es sind vielleicht mehr noch Werke wie jene von Hassan Khan und Subodh Gupta, die aktuelle Schau von Kader Attia oder die Positionen der Inderin ­D ayanita Singh oder Santu Mofokengs aus Südafrika, mit denen G ­ aensheimer neue, unsere globalisierte Gegenwart selbst r­ eflektierende Akzente setzt. Und sich damit vom Pro­ gramm einer Kunsthalle wie der Schirn ebenso abgrenzt wie etwa von der verstärkt auch die zeitgenössische Kunst in den Blick n ­ ehmenden Sammlung des Städels. „Wir wollen ein lebendiges Haus haben“, bringt die ­Direktorin ihre Philosophie auf den Punkt. „Und das in jeder Hinsicht bleiben.“ Was sich im enorm ausgeweiteten ­Bildungs- und Vermittlungsprogramm ebenso niederschla­ gen soll wie im inhaltlichen Profil. „Überall, wo ich bisher


Kunsthalle M ainz

Ein Leuchtturm für die Kunst Vo r a c h t J a h r e n h a t i m M a i n z e r Z o l l h a f e n d i e K u n s t h a l l e M a i n z e rö f f n e t . Ste fanie B öt tche r hat vor e ine m Jahr de re n L e it ung übe r nomme n und k nüpf t se ithe r so k u n s t v o l l w i e ü b e r z e u g e n d a n e i n e m p ro g ra m m a t i s c h e n ro t e n F a d e n .

Jetzt ist sie da, die Gegenwart. Endlich, ist man versucht zu sa­ gen, nach all den langen, ein wenig müden Mainzer Jahren, in denen fast wie in Rom in jedem Loch, das man aus welchen Gründen immer auszuheben sich entschloss, nichts zu finden war als bloß die Spuren der Vergangenheit. Sicher, dagegen ist im Grunde nichts zu sagen, und dass man stolz ist in Mainz auf das reiche römische Erbe, auf das Isis und Mater Mag­ na-Heiligtum oder die Jupitersäule etwa, auf Sankt Stephan, den Dom und die Zeit als kurfürstliche Residenz, all das ist wohl ganz selbstverständlich. Wo man in Mainz nicht ohnehin darüber fällt, hat man Geschichte und Traditionen derweil in den Museen auf berei­ tet, und auch hier ist das Angebot vom Landesmuseum über das Museum für antike Schifffahrt, vom Gutenberg- bis zum Fastnachtsmuseum einer Landeshauptstadt leidlich angemes­ sen. Doch wo, mochte man sich in den vergangenen Jahrzehnten schon mal fragen, wo bleibt da die Gegenwart? Die Kunst, die etwas zu sagen hätte über unsere Zeit? Über das, was uns, die Menschen des 21. Jahrhunderts, so bewegt? Immerhin hat Mainz doch eine – der Universität angegliederte – durchaus renommierte Kunstakademie, unterhält das Land Rheinland-Pfalz das Künstlerhaus Schloss Balmoral und gibt

es etwa rheinaufwärts mit dem Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen oder dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen im Norden durchaus Häuser für die moderne Kunst. Aber das war es dann auch schon beinahe. Und in der Landes­ hauptstadt selbst musste man vergleichbare Orte für die aktuelle Kunst bis vor ein paar Jahren ohnehin vergeblich su­ chen. Nicht einmal eine Galerienszene, die diesen Namen auch verdient hätte, gab es hier – und gibt es übrigens bis heute nicht –, von einer Kunsthalle oder gar einem Museum für ­moderne Kunst zu schweigen. Bis man auch in Mainz wie schon in Hamburg, Bremen oder dem nahen Frankfurt am Main das Wasser, die Flussufer und die alten Hafenareale neu entdeckte. Seit acht Jahren überragt nun die Mainzer Kunsthalle die lange vernachlässigte Neustadt und rundherum wächst, erst zögernd noch, inzwischen aber höchst rasant, ein neues Quartier im ehemaligen Zollhafen. Fast scheint es wie ein über den Rhein und mithin selbst dem großen, diesbezüglich ungleich besser aufgestellten Rivalen Wiesbaden (heim-) leuchtendes Versprechen. Nach Gründungsdirektorin Natalie de Ligt und Thomas D. Trummer hat 2015 nun Stefanie Bött­ cher die Leitung dieses Leuchtturms für die aktuelle Kunst


171 links: Kunsthalle Mainz, Turmebene

Fotos: Norbert Miguletz © Kunsthalle Mainz

Stefanie Böttcher

­ austelle am Zollhafen heißt – ab 4.000 Euro für den Qua­ B dratmeter. Wem also, mag sich da so mancher fragen, gehört jetzt und in Zukunft eigentlich die Stadt? Immerhin, so zeigt die Schau, setzt die Kunst hier in der Neustadt nicht nur architektonisch unübersehbare ­Z eichen. Sie holt sich den öffentlichen Raum – und sei es nur für einen Augenblick – zurück. Und so schließt sich in der Kunsthalle einmal mehr ein Kreis. Denn wie schon „Auf den Schultern von Giganten“ mag man auch „Detail ist alles“ p ­ rogrammatisch nennen insofern, als Ausstellungen wie d ­ iese exemplarisch jenen Ort markieren, an dem die Kunst die eigenen Zweifel, Fragen, Ängste, die Wut womög­ lich und die Hoffnung des Betrachters formuliert: „Der rote Faden“, so Böttcher im Hinblick auf das künftige Programm der K ­ unsthalle, der rote Faden sei es, zu zeigen, „dass die Ge­ genwartskunst unsere Fragen behandelt, unsere Zeit und unsere Probleme.“ – Und in der Tat, im Mainzer Zollhafen fühlt man sich dieser Tage ganz nah dran. CHRISTOPH SCHÜT TE

bis 16. Ok tober 2016 „ D e t a i l i s t a l l e s“ V i t o A c c o n c i / F ra n c i s A l ÿ s / S a m s o n K a m b a l u J i ří K o v a n d a / K l a ra L i d é n / A h m e t Ö ğü t / R o m a n O n d a k N e š a P a r i p o v i ć / P i l v i Ta k a l a www. k unsthalle-main z . de

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — A U S S T E L L U N G E N

übernommen. Und wenn man mit ihr durch die rund 850 Quadratmeter messenden Hallen und durch die aktuelle, mit „Detail ist alles“ überschriebene und mit performativen Set­ zungen etwa Vito Acconcis, Francis Alÿs’ oder Ahmet Öğ üts hübsch anarchisch den öffentlichen Raum in den Blick neh­ mende Ausstellung schlendert, dann fühlt man sich mit ihr zur richtigen Zeit am rechten Ort. „Die Menschen merken, dass in Mainz etwas ­passiert“, sagt die 1978 geborene Kunsthistorikerin. „Hier, wo die Stadt wächst und sich gerade entwickelt, ist die G ­ egenwartkunst genau richtig.“ Dabei musste sich Böttcher selbst an das neue Umfeld erst einmal gewöhnen. Schließlich kommt sie aus Niedersachsen, wo mit Braunschweig, Wolfsburg und ­H annover fast jede halbwegs größere Stadt zumindest ­einen Kunstverein, ein Museum für die Kunst der Gegen­ wart oder eine Kunsthalle hat; auch mit dem Künstlerhaus Bremen ­leitete sie sieben Jahre „ein Haus unter vielen“ in der ­H ansestadt, „wo ich machen konnte, was ich wollte“. – Und nun trägt sie die Verantwortung für einen Solitär in der r­ heinland-pfälzischen Kunstlandschaft, der über das Bundesland hinausweisende Strahlkraft langfristig erst noch entwickeln soll. Jetzt steigt sie morgens auf ihr Fahrrad, fährt von ihrer Wohnung in der Altstadt zehn Minuten am Rhein entlang und fühlt sich glücklich angekommen in dieser Stadt. Und voller Tatendrang. Denn noch stehe die Kunsthalle bei ­Weitem nicht da, wo sie stehen sollte. Und wird. Doch selbst, wenn der Ausstellungsetat nicht eben üppig scheint, ist Bött­ cher fest entschlossen: „Die Kunsthalle wird ankommen.“ Schon „Auf den Schultern von Giganten“, die erste gänzlich von ihr verantwortete Ausstellung Anfang des Jah­ res, mochte man insofern programmatisch nennen, als sie bei aller Unterschiedlichkeit der Positionen doch keinen Zweifel an der Überzeugung ihrer Kuratorin ließ: Die Kunst der Ge­ genwart geht uns am Ende alle an. Unmittelbar. Kunst und Leben, Liebe, Lust und Leidenschaft, die Themen, so mochte man sich vor den Werken etwa Egill Sæbjörnssons, Goshka Macugas oder Ragnar Kjartanssons ­sagen, sind die des eigenen Alltags. Und für eine Schau wie „Detail ist alles“, wo sich „Humor mit Ernsthaftigkeit, Rebel­ lion mit Friedfertigkeit, Anarchie mit Ordnung, Kontrolle mit Überraschung und Plan und Zufall verbinden“, so Böttcher, gilt das vielleicht in noch größerem Maße. Und so mag man es kaum einen Zufall nennen, dass ihr die Idee zu dieser The­ menausstellung gerade hier in Mainz gekommen ist, mithin in einer Stadt und einem Quartier, das sich rasant verändert. Gentrifizierung, als Schlagwort längst in aller Munde, ist schließlich auch in Mainz kein Fremdwort mehr. Denn ­n aturgemäß sind hier sozialer Wohnungsbau oder gar ­Studentenbuden für die rund 80.000, immerhin ein Drittel der Bevölkerung stellenden Studierenden eher nicht vorgese­ hen. Sondern „Wohnen und Arbeiten am Wasser“, wie es in einer prospekttauglichen Formulierung denn auch auf einer


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„Wiener Welten“ im Historisches Museum Hanau, Schloss Philippsruhe

Johann Peter Krafft Johann Peter Krafft, Die Türkin („Untreue“), 1825, Öl auf Holz

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© Belvedere, Wien

Das Talent war ihm ganz offenbar in die Wiege gelegt. Immer­ hin war schon der Vater Johann Peter Kraffts (1780–1856), der Emaillemaler Ignaz Peter Krafft, Mitglied der damals noch jungen Hanauer Zeichenakademie. Hier knüpfte dieser offen­ bar schon früh für seine Söhne – auch der jüngere Bruder Joseph hatte später einigen Erfolg als Maler – entsprechende Kontakte. Er verschaffte ihm Unterricht bei dem als „Hanauer Tischbein“ bekannten Anton Wilhelm Tischbein, und als er Johann schließlich selbst in der Zeichenschule anmeldete, war der künftige „Maler eines neuen Österreichs“, als den ihn ge­ rade erst das Wiener Belvedere in einer großen Ausstellung gefeiert hat, noch ein hessischer Dreikäsehoch und eben Gymnasiast. Talentiert und fleißig also war der junge Johann Peter Krafft, keine Frage. Dass er freilich bald schon eine wahrlich bemerkenswerte Karriere machen würde, die ihn in die höchsten Wiener Kreise und an die Wiener Hof burg führen sollte, verdankte er darüber hinaus wohl vor allem einer soli­ den Ausbildung auf der Höhe der Zeit, die ihn mit kaum 19 Jahren von Hanau aus in die weite Welt – zunächst nach Wien und an die dortige Akademie – und gleich nach der Jahrhun­ dertwende nach Paris führte. Zwei Jahre blieb er in der Metropole, besuchte fleißig den Louvre und lernte vor allem Jacques Louis David und François Gerard kennen. Wenn auch nicht gesichert ist, ob er etwa in Davids berühmtem Atelier verkehrte, dessen Einfluss auf seine eigene Malerei ist nicht zu übersehen.

Kaum zurück in Wien, machte Johann Peter Krafft sich denn auch rasch einen Namen als Porträtist – und startete dann als Historienmaler so richtig durch. Dass nun diese Seite seines Schaffens in der „Wiener Welten“ überschriebenen Übernah­ me der Belvedere-Ausstellung in Hanau nicht ganz so großzügig ausgebreitet wird, hat derweil einen schlichten Grund: Den mitunter wandfüllenden Leinwänden wie der „Heimkehr des Landwehrmanns“ aus dem Jahr 1820 oder gar den gewaltigen Schlachtenszenen sind die hiesigen Räume nicht in jedem Fall gewachsen. Und auch den Genius loci des Belvederes kann das einst als Barockschloss errichtete, im 19. Jahrhundert umge­ staltete Schloss Philippsruhe nicht so ganz ersetzen. Dafür freilich kann man hier mit den versammelten rund 56 Arbei­ ten auch auf die Anfänge seiner großen Karriere ver­weisen und neben den von der Wien an den Main gereisten Porträts und anekdotischen Szenen aus dem Leben Kaiser Franz I. auch Arbeiten Kraffts aus eigenen Beständen, der H ­ anauer Zeiche­ nakademie etwa oder des Hanauer Geschichts­vereins, sowie Aquarelle seiner Tochter zeigen. Denn auch bei der 1812 in Wien geborenen Marie, die der Vater um 1830 in einer bezaubernden Gouache porträtierte, zeigte sich schon im Kindesalter ihr Talent. Darüber hinaus präsen­ tiert die Schau eine Reihe von Kostümen aus dem Fundus der österreichischen Staatsbühnen und erlaubt damit Einblicke in den Wiener Alltag Kraffts, der bald außerordentlicher Profes­ sor an der Akademie und schließlich zum Schlosshauptmann des Belvederes sowie Direktor der Kaiserlichen Gemäldegale­ rie berufen wurde. Als Maler war er da längst eine Berühmtheit weit über Wien und die Hofburg hinaus. Wie berühmt, daran mag man sich nun dieser Tage nicht nur im Belvedere, sondern auch in Hanau und, nur ein paar Kilometer den Main flussabwärts, im nahen Frankfurt erinnern, wo er einst für den Kaisersaal des Römers das Bildnis Kaiser Ferdinands II. schuf. Dass man Krafft mit den „Wiener Welten“ nun in seiner Heimatstadt die erste monografische Schau seit der Gedächtnisausstellung zu seinem 100. Todestag 1956 eingerichtet hat, ist also nur recht und billig. Und nach 60 Jahren wahrlich an der Zeit. CHRISTOPH SCHÜT TE

10. Juli bis 9 . Ok tober 2016 J o h a n n P e t e r K ra f f t – „W i e n e r We l t e n“ www. philippsr uhe. hanau . de D i e A u s s t e l l u n g w i rd v o m K u l t u r f o n d s F ra n k f u r t R h e i n M a i n g e f ö rd e r t .


Lehrer, Schüler, Freund, Kollege Ludwig Meidner und Jörg von Kitta-Kittel Malerei, Zeichnung, Fotografie 14. August bis 24. September 2016

Galerie Netuschil

Kooperationspartner:

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Schleiermacherstraße 8, 64283 Darmstadt Tel. 06151 24939, www.galerie-netuschil.net


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Mikos Meininger, Foto: © Kunstsammlung Jena

Mikos M eininger wird mit einer Retrospektive in seiner Heimatstadt Jena geehr t.

Explosion und Zufall, so die ersten Assoziationen beim Blick auf das malerische Werk von Mikos Meininger. Expressive Pinselstriche füllen die Leinwände, auf denen aus Abstraktem auf den zweiten Blick und mithilfe der Titel Gegenständliches hervortritt: ein Paar, ein Mann mit Puppe, eine japanische Brücke. Tatsächlich bedient sich der 1963 geborene Meininger dem Mittel des Zufalls: So manche Leinwand, die bereits mit einem Bildmotiv versehen ist, wird 45 Sekunden mit einem Hochdruckreiniger behandelt – und das Wasser so zum künstlerischen Mittäter. Rund 100 Werke vereint die nach ihm benannte Aus­ stellung der Kunstsammlung Jena, neben Malereien sind auch Grafiken und Skulpturen ausgestellt. Letztere fanden erst vor fünf Jahren den Weg ins Werk von Meininger. Oft fehlen ih­ nen Arme und Beine, doch das vergisst man, „wenn man sich auf die Form einlässt, die sich dem Schweigen nähert“, so ­K atalogautor Christoph Tannert. Bewusst bräche Meininger klassische Gesten, Formen, die Ganzheitlichkeit und das Ideal der Unversehrtheit auf, kalkuliere mit den Werten von ­Rohheit und „Ungelenkheit“. In den sieben Räumen der Aus­ stellung stehen sie nun noch bis August im Dialog zu den Leinwänden des Künstlers. Meininger hat sie selbst zusammengestellt, seine Re­ trospektive in seiner Heimatstadt Jena. 1986, vor 30 Jahren, hat er sie verlassen, um in die Ostberliner Kunstszene einzu­ tauchen. Als gelernter Plakatmaler schuf er autodidaktisch Kunst, beginnt ein Grafikdesignstudium, bricht es wieder ab

und landet nach wilden Jahren im Prenzlauer Berg schließlich in Potsdam, am Wasser, wo er heute das Kunsthaus sans titre betreibt – ein Industriegebäude, in dem er im „größten und schönsten Atelier Potsdams“ arbeitet. Was ist das Ich? Was tut es? Werden und Vergehen sind seine Themen, die er viel­ fältig bearbeitet. Nicht selten sucht er Inspiration in der Literatur, neben Leinwand und Skulptur gehören auch Künst­ lerbücher zu seinen Ausdrucksmedien. Das Künstlerbuch – zu DDR-Zeiten bot es einen von Kunstschaffenden vielfach genutzten Freiraum: Gedruckt in kleinen Auflagen oder als Originale kursierten sie an der Zen­ sur vorbei in Künstlerkreisen, vereinten unveröffentlichte Texte, Fotos und Illustrationen, manchmal auch Noten und Musikkassetten. Mikos Meininger gehört seit 1989 zu den Mitherausgebern der „HERZATTACKE“, die seither in 96 Ausgaben von je 95 Exemplaren erschienen ist. Eigene Künst­ lerbücher, die angesichts ihres Umfangs Objektcharakter haben, vervollständigen nun den Überblick über das Gesamt­ werk des Allrounders in Jena. SARAH ALBERTI

bis 1 4 . August 2016 „ M I KO S M E I N I N G E R . G e m ä l d e · G ra f i k e n · S k u l p t u r e n“ Kunstsammlung Jena www. jena. de w w w . m i k o s m e i n i n g e r. c o m

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Ein Allrounder ohne Titel


Contemporar y Ar t Space

The View Martin Walde, „Hallucigenia OMEN“, 2013

Die Gegend um Salenstein am Schweizer Bodensee und die einmaligen Sonnenuntergänge sind unter Kennern der ­R e­g ion ein Geheimt ipp. E in solcher in Sachen zeit­ genössischer Kunst ist das Ausstellungskonzept THE VIEW – Contemporary Art Space: In drei unterirdisch ange­ legten Räumen – dem Salensteiner Zivilschutzbunker, dem historischen Berlinger Wasserreservoir und einem höhlen­ artigen, einst militärischen Unterstand – erwartet die Besucher eine ganz besondere Ausstellung. Ausgehend von der „Schreinerei 14“ an der Fruthwilerstrasse 14 in Salenstein, in der Fotografien von Dierk Maass gezeigt werden, geht man in Form einer geführten Tour auf Entdeckungsreise in die drei für Kunstpräsentationen unüblichen Offspaces. D ­ abei bietet sich mit diesen experimentellen Präsentationsformen für die Wahrnehmung der Werke ein extremes Spannungsmoment und eine unvergess­l iche Begegnung mit zeitgenössischer Kunst unter Tage. Raumbezogene Installationen und Skulp­ turen, die sich mit Klang, Licht, Technik, Kybernetik und

Wissenschaftsfragen befassen, ­werden in dieser Kulisse in ­i hrer Wirkung und Aussagekraft ins Maximum gesteigert. Einmalig in der ­Kunstlandschaft präsentiert sich hier durch die Auswahl international ­a nerkannter Künstler und die ­Besonderheit der Räume eine Qualität, die wir so nur aus den besten Museen dieser Welt kennen. Auch dieses Jahr öffnet T H E V IE W wieder für Kunst­i nteressierte die Türen. THE VIEW zeigt bis 30. Sep­ tember 2016 Arbeiten von Martin Walde, Björn Schülke, Boris ­Petrovsky und Martina Lauinger. In der aktuellen Aus­ stellung wird durch die Synergien zwischen Kunst und Wissenschaft der Gang durch die Räume wie ein Gang durch die Ent­w icklungsgeschichte des Menschen und des Lebens. Von den Chromosomen über K leinstlebewesen, den Errungen­schaften des Industriezeitalters bis hin zur Erobe­ rung und Entdeckung des Universums mittels neuester Technik – es entsteht ein Spannungsbogen, der den Menschen in seiner Entwicklungsgeschichte vom Mängel- zum


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Dierk Maass, aus der Serie ILLUMINATION, 2015

Möglichkeits­wesen zeigt. Die Ausstellung referiert gleichsam aber auch auf die Schattenseiten dieser Entwicklungen und die Spannungen zwischen A llmacht und Ohnmacht, ­Systemzwang und Oligarchiesteuerung, Schutz und Kon­ t roll­m echa nismen, Ver w ir r ungszust ä nden und der Sehnsucht nach Erlösung. Der Mensch wird zum „Mög­ lichkeitswesen“, zum Schöpfer und Konstruktivist seiner eigenen Wirklichkeit, versinn­b ildlicht in der Figur des postmodernen Künstlers, der die Entwicklungsgeschichte des Menschen vom Nachahmer von Realität zum Erfinder derselben spiegelt.

Diesen Sommer präsentiert Dierk Maass Lichträume. Mit Leuchtbildern und Papierarbeiten aus seinen aktuellen Serien nimmt der Künstler die Besucher mit auf seine Expeditionen und Reisen in die entlegensten Orte und Winkel unseres Pla­ neten. Er lässt uns Teil seiner erlebten Naturwunder und überwältigenden Naturschauspiele mittels grandioser Land­ schaftsaufnahmen werden. Die Natur selbst wird in seinen Arbeiten zum Künstler erhoben – zeigt jedoch auch, wie der einzigartige Blick des Fotografen Dierk Maass eine Bildspra­ che erzeugt, die uns beim Betrachten der Werke in einen Zustand der Raum- und Zeitlosigkeit versetzt. bis 30. September 2016

JASMIN HUMMEL

„ L I G H T ° A N D‘ S PAC E “ – D I E R K M A A S S bis 30. September 2016 M a r t i n Wa l d e , B j ö r n S c h ü l k e , B o r i s P e t ro v s k y , M a r t i n a L a u i n g e r T H E V I E W – C o n t e m p o ra r y A r t S p a c e www. the-view-ch. com

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A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — A U S S T E L L U N G E N

„ L I G H T° A N D ‘ S PAC E “ – D I E R K M A A S S


178 Stif tung Konzeptuelle Kunst im Museum Wilhelm M orgner in Soest

RAUM SCHROTH

Carl-Jürgen Schroth vor einer Arbeit von Günter Umberg, Foto: © Sebastian Kempa


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In der zweiten Ausstellung „Light Field. Anne ­Blanchet + James Howell“ wird es ab September um Raum, Licht und die Grenzen des Sichtbaren im Werk der beiden Künstler gehen. Die Ausstellung wird im Anschluss an vier weiteren Sta­t ionen in Europa gezeigt werden. Denn auch die Koope­ ration mit anderen Institutionen ist Teil des Konzepts von Carl-­J ürgen Schroth, der seine Sammlung schon in den ­vergangenen ­Jahren an unterschiedlichsten Orten wie dem Kloster Weding­hausen in Arnsberg oder dem Kunstmuseum Ahlen öffentlich präsentiert hat. Künftig werden in etwa alle drei Monate wechselnden Ausstellungen unterschiedliche Aspekte der Sammlung ­b eleuchtet. Darüber hinaus werden Künstler eingeladen, ­ortsspezifische Arbeiten im RAUM SCHROTH zu zeigen. KIM BEHM

R AU M S C H R O T H I M M U S E U M W I L H E L M M O RG N E R bis 18. September 2016 „ K o n s t r u k t i o n – C o n s t r u c t i o n“ 2 4 . September 2016 bis 4 . Januar 2017 „ Light Field – Anne Blanchet + James Howell“ 2 2 . und 23 . Ok tober 2016, B eg inn jeweils 18 Uhr i v e s e n s e m b l e , R o t t e rd a m , mit John Snijders, R ick Andr iessen et al. Musik von John Cage in Kommunikat ion mit den Arbeiten der Ausstellung Light Field Eint r it t 28 EU R je Auf f ühr ung i m Vo r v e r k a u f a b S e p t e m b e r 2 0 1 6 ü b e r h e l l w e g t i c k e t . d e We i t e r e I n f o s a b A u g u s t ü b e r www. skk-soest . de

M U S E U M W I L H E L M M O RG N E R b i s 7. A u g u s t 2 0 1 6 Wilhelm Morg ner „ Die Soester halten meine Bilder f ü r g a n z v e r r ü c k t e s Z e u g“ w w w . m u s e u m - w i l h e l m - m o r g n e r. d e

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — A U S S T E L L U N G E N

Mitten in die Idylle aus Grünsandstein und Fachwerk, ­d irekt neben den Dom St. Patrokli, wurde 1962 ein moder­ nes Ge­bäude aus Beton in die Altstadt von Soest gebaut: das im Volksmund kurz „Morgner-Haus“ genannte heutige Museum ­W ilhelm Morgner. Der als Mehrzweckhalle kon­ zipierte Bau des Wiesbadener Architekten Rainer Schell ist ein hervorragendes Beispiel für die Architektur der frühen 1960er-Jahre und steht als eines der jüngsten Gebäude der Stadt unter Denkmalschutz. Der Namensgeber Wilhelm Morgner, der bedeutendste Vertreter des westfälischen ­E xpressionismus, wird hier mit 60 Gemälden und fast 400 grafischen Arbeiten aus der städtischen Sammlung im ­Museum ­präsentiert. Insgesamt u ­ mfassen die Bestände des Soester Kunstbesitz über 3.500 Werke von Künstlern, die in Beziehung zu Soest standen, wie der ­g e­bürtige Soester Otto Modersohn oder die Konrad-von-Soest-Preisträger Emil Schumacher und Josef Albers. Auf Initiative und mit erheblichem – nicht nur finan­ ziellem – Engagement des in Soest ansässigen Sammlers Carl-Jürgen Schroth wurde das Gebäude in fast zweijähriger Umbauzeit behutsam barrierefrei saniert, klimatechnisch auf den neuesten Stand gebracht und durch die Verglasung des Lichthofes um den R AUM SCHROT H erweitert. Die ­S tiftung für Konzeptuelle Kunst mit der SAMMLUNG SCHROTH ist eine der wichtigsten Sammlungen für kon­ krete, konstruktive und konzeptuelle Kunst in Deutschland. Auf 280 lichtdurchfluteten Quadratmetern ist nun Platz für eine permanente Präsentation von Werken aus der Samm­ lung, die in wechselnden Ausstellungen vorgestellt wird. Carl-Jürgen Schroth hat sich hier einen Raum nach ­seinen Vorstellungen entworfen. Die Architektur ist flexibel, die Wände sind verschiebbar und können auch zusammen­ geklappt an die Seite gestellt werden. Von einem einzigen großen offenen Raum bis zu vielen kleinen Kabinetten sind dadurch alle Varianten an Ausstellungsarchitektur möglich, sodass für jede Schau die optimale Situation geschaffen ­w erden kann. Eine architektonische Besonderheit und ­Herausforderung für Künstler ist der 7,5 x 7,5 Meter große und 9,5 Meter hohe Bereich des ehemaligen Atriums, das mit ­einem Oberlicht geschlossen wurde. Augenzwinkernde A nspielung auf die Umbau­ m a ßn a h men ist der T itel der er sten Au sstel lu ng : „Konstruktion – Construction“. Gezeigt werden Arbeiten, de­ nen ein mathematisch-konstruktiver Ansatz zugrunde liegt, von internationalen Künstlern wie Douglas Allsop, Jill Baroff, Hartmut Böhm, Frank Gerritz, Vanessa Henn, François ­Morellet, Heiner Thiel, Jan van Munster oder Beat Zoderer.


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Wir wollen die Schweizer Kunst stärken! Evelyne Fenner, Initiatorin der Messe Kunst Zürich großformatig, jung bis arriviert, tief- bis hochpreisig. Wir wollen vor allem die junge Sammlergeneration ansprechen, all jene, die vielleicht bisher noch nicht den Weg zum Kunst­ kauf gefunden haben. Jeder, der heute geboren wird, weiß, dass Kunst zum Leben gehört. ARTMAPP: Wie viele Galerien sind auf der Kunst Zürich vertreten?

Evelyne Fenner, Foto: privat

Im Juni f liegt die Kunstwelt zur Art Basel – einige Monate ­später lockt die Messe Kunst Zürich in die Schweiz. Die Ini­ tiatorin Evelyne Fenner im Gespräch mit ARTMAPP über ihre Vision, Zeit zum Kunstkauf und die Konzentration auf Schweizer Werke. Das Interview führte Sarah Alberti. ARTMAPP: Im Oktober findet zum 22. Mal die Kunst Zürich statt – was hat Sie zur Gründung der Messe bewogen, vor allem angesichts der räum­ lichen Nähe zur Art Basel? Evelyne Fenner: Mit Basel hatte die Gründung überhaupt nichts zu tun, diesen Vergleich kann ich nicht mehr hören! Zürich ist eine gute Kunststadt, wir haben hier die besten ­Galerien, die vor allem auch die besten Schweizer Künstler vertreten. Ich habe bereits 1986 die Kunst Zürich begründet. 1994 folgte dann der Umzug in eine ehemalige Fabrikhalle in Zürich-Oerlikon, wo vor allem Gegenwartskunst aber natür­ lich auch klassische Werke gezeigt werden. ARTMAPP: An wen richtet sich die Messe? EF: Auf der Kunst Zürich – und das ist der Reiz dieser Messe – findet das Publikum eine Vielzahl von Positionen von Multimedia über Fotografie und Installationen bis zu den klassischen Ausdrucksformen von Malerei und Skulptur. ­Figurativ und abstrakt, konzeptionell und spontan, klein- bis

EF: Wir haben jedes Jahr bis zu 250 Bewerbungen von Galeri­ en, aber auf unseren 8.000 Quadratmetern nur Platz für rund 75. Das hat den Vorteil, dass die Galeristen, Sammler und ­Kuratoren von wichtigen Institutionen tatsächlich Zeit haben, miteinander ins Gespräch zu kommen. Im Vergleich zu gro­ ßen Messen, bei denen man von Event zu Event hetzt, steht bei uns tatsächlich die Kunst im Vordergrund, begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm in ganz Zürich. ARTMAPP: In den vergangenen Jahren wurde anlässlich der Messe ein Förderpreis vergeben, zuletzt 2015 an Anna-Sabina Zürrer, die Bücher, Bilder und Fotografien chemisch oder physikalisch bearbeitet. In diesem Jahr wurde der Preis erstmalig nicht ausgelobt – warum? EF: Der Preis hatte sich nach zehn Jahren einfach totgelaufen. Nun präsentieren wir in der Halle erstmals schwerpunkt­ mäßig Schweizer Kunst. Die kommt doch immer etwas zu kurz. Sowohl Galerien wie auch Sammler sind eingeladen, die Ausstellungshalle zu bespielen. ARTMAPP: Sammeln Sie auch privat Kunst? EF: Ja, aber nicht im großen Stil, sondern aus dem Bauch ­heraus. So, wie es meiner Meinung nach jeder Sammler ­machen sollte. ARTMAPP: Evelyne Fenner, vielen Dank für das Gespräch!

2 7. b i s 3 0 . O k t o b e r 2 0 1 6 Kunst 16 Zür ich 2 2 n d I n t e r n a t i o n a l C o n t e m p o ra r y A r t F a i r, www. k unst zuer ich. ch


Helen Hirsch verortet Z ­ eitgenössisches am Kunstmuseum Thun. Helen Hirsch, Foto: Patrik Spahni

„Sie werden mich erkennen: Ich bin 1,80 Meter groß, habe rote Haare und Sommersprossen!“ – so die Selbstbeschreibung von Helen Hirsch vor dem Interviewtermin. Mit wachen ­Augen und großer Begeisterung sprach sie mit Sarah Alberti für ARTMAPP am Rande der Art Basel über das Kunstmuse­ um in Thun, das sie seit 2007 leitet.

Helen Hirsch: Wie viele der mittelgroßen Schweizer Museen liegt unser Haus in der Peripherie, gut eineinhalb Zugstunden von Basel entfernt und zeigt neben der eigenen Sammlung schwerpunktmäßig Gegenwartskunst. Auf 1.000 Quadrat­ metern laufen jährlich vier bis fünf Sonderausstellungen, zuletzt zum spanischen Künstler Eduardo Arroyo, der viel in der Schweiz unterwegs war. ARTMAPP: Im vergangenen Jahr konnten Sie einen Besucherrekord erzielen, 27.000 kamen, 15.050 von ihnen, um das sanierte Panorama des Baseler Künstlers Marquard Wocher von 1814 zu sehen, das älteste Rundbild der Welt. HH: Vielen ist das Bild einen Sonntagsausflug wert. Die Be­ sucher schauen sich aber auch die zeitgenössische Kunst in unserem zweiten Gebäude an und zum Teil stellen wir zeit­ genössische Positionen auch direkt gemeinsam mit dem Panorama aus. 2015 hatten wir zudem eine große Ausstellung zu Schweizer Kunst. Das Lokale zieht. Mir ist extrem wichtig, dass man den Kontext von Thun in den Ausstellungen spürt. So gibt es historische Ausstellungen, etwa zu August Macke, der in der Nähe von Thun Werke geschaffen hat. Wir haben aber auch einen Gegenwartskünstler wie Hans Op de Beeck zum ersten Mal in der Schweiz ausgestellt, der in diesem Jahr mit einer großen Arbeit auf der Art Basel vertreten ist. Ihm geht es um Wahrnehmung und Illusion, durchaus eine ­P a­r allele zum Panorama. Ich suche immer wieder solche Verbindungen.

ARTMAPP: Nach Stationen an der Kunsthalle Basel, als freie Kuratorin und am Louvre in Paris pendeln Sie nun von Basel nach Thun und leiten ein Haus mit 23 Mitarbeitern – was sind die nervigsten und was die schönsten Seiten an Ihrem Job? HH: Heute ist es schwieriger eine Ausstellung zu machen. Vor allem historische Ausstellungen, für die man auf Leihgaben angewiesen ist. Da sind die Vorschriften gerade für kleine Mu­ seen zum Teil schwer zu erfüllen, etwa wenn Sammler eine spezielle Klimakiste verlangen. Motivation schöpfe ich immer aus der Zusammenarbeit mit Künstlern. Es ist faszinierend zu sehen, wie nach einem ersten Atelierbesuch eine Ausstellung wächst. Daneben ist die Vermittlung der schönste Teil: Wenn Leute bei einer Führung etwas mitnehmen und gern wieder kommen. Ich möchte Hemmungen abbauen, die vielfach noch bestehen, etwa indem wir mit dem Ruderclub aus Thun, mit Migranten oder Psychologen zusammenarbeiten. Aktuell kooperieren wir mit dem Scent Culture Institute aus Zürich. Kunsthistoriker, Theoretiker, Architekten und Parfümeure haben für die Ausstellung „Schnupperschau“ Düfte zu unse­ ren Kunstwerken entwickelt. ARTMAPP: Und die kann man dann im Museums­ shop kaufen, nach dem Motto: Duft „Panorama Thun“? HH: Noch nicht, aber das wäre durchaus mein Wunsch! ARTMAPP: Helen Hirsch, vielen Dank für das Gespräch! 2 7. A u g u s t b i s 2 0 . N o v e m b e r 2 0 1 6

ARTMAPP: Sie haben sich vor Ihrem Kunstge­ schichtsstudium zur Psychatriekrankenschwester ausbilden lassen und auch in diesem Beruf gearbei­ tet – wie kam es zu diesem Wechsel? HH: Viele unserer Patienten haben gezeichnet und gemalt, dass hat mich sehr fasziniert und schließlich zur Kunstge­ schichte gebracht. Außerdem hat schon mein Großvater Kunst gesammelt, das ist vielleicht auch eine Art Nährboden.

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A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — A U S S T E L L U N G E N

ARTMAPP: Frau Hirsch, wo verorten Sie das Kunstmuseum Thun in der Schweizer Museumslandschaft?


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A m r e i’s A r t b l o g f ü r E n t d e c k e r Amrei Heyne ist Galeristin (Stuttgart/Leipzig) und berichtet sehr persönlich vom Suchen und Finden der Kunst.

„Summertime ... and the livin’ is easy ...“ – Hören Sie Ella, Janis oder Nina genau zu! Gershwins „Porgy and Bess“, erzählt vom afroamerikanischen Leben um 1870 in Charleston. Die Melodie beruht auf einem ukrainischen Wiegenlied! Candice Breitz „Ponderosa“ im Kunstmuseum Stuttgart ist Lachen und Weinen. Nix für Fast-Art-Consumer! Alec Baldwin und Julianne Moore sprechen in „Love Story“ (2016) Interviews von Menschen auf der Flucht: José Maria João (Angola), Mamy Maloba Langa (Demokra­ tische Republik Kongo), Sarah Ezzat Mardini (Syrien), Farah Abdi Mohamed (Somalia), Luis Ernesto Nava Molero (Venezuela) and Shabeena Francis Saveri (Indien). Kapitalismuskritik in Baden-Baden? Die Ausstellung „Gutes böses Geld!“ in der Kunsthalle, im Spielcasino und Stadtmuseum zeigte unstrittig, dass Kunst die Kohle ist! Von Lucas Cranach d. Ä. bis Sylvie Fleury! Frühjahrsrundgang der Spinnerei in Leipzig: In Halle 18 ist zu Hause: residenz schauspiel leipzig. Oder die Art Basel? „The Fair Play“ heißt das Game. Regisseurkurator Philipp Preuss zeigt Kojen mit Weltstarkunst: Boressoa (Lissabon/Buenos Aires), Petrolio Inc. (Rom/Mailand), The Timon Gallery (London), Lavar (Paris), Cigmountain & Farmer (New York/Los Angeles), Winzinger (Berlin/ Wien) und Ribben und Weentjes (Berlin/Amsterdam). – Großartig! Harland Miller knallte bei Blain|Southern zum Gallery Weekend in Berlin – und wie! Mit Botschaften und Farbe! Beweise, die wir alle führen (sollten)! Haben Sie schon mal ein Readymade gesehen? Diese und andere Fragen wurden mit Herzblut von Dieter Daniels, Lars Blunck, Wolfgang Ullrich und Barbara Steiner (im Publikum) diskutiert, in der HGB Galerie, in der Ausstellung (Nr. 1) von Alexander Lorenz & Christian Holze, Chloé Bocquet, Kristina Jurotschkin und Silas Mücke. In Leipzigs Kunstraum „Ortloff“ erlebte ich eine tolle, surreale Eröffnung „Ordinary People“ von Philip Gaißer und Mikka Wellner mit German Brass, live auf der

Joseph Beuys, Kunsthalle Baden-Baden

Philipp Preuss, The Fair Play, residenz schauspiel leipzig

Alexander Lorenz & Christian Holze, HGB Galerie, Leipzig

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A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — A M R E I ’ S A R T B L O G

Fotos: Amrei Heyne

Straße neben der Angerbrücke: „Las Vegas, Lindenau ... – draußen passiert am meisten ...“ – Sag ich doch! Zu empfehlen ist ebenda „RASTER:BETON“ ein Festival für Kunst & Architektur in Grünau, im D21 Kunstraum und andernorts! Kunst ist politisch. Architektur erst! Die Architektur­ biennale „Reporting from the Front“ von Alejandro Aravena (Pritzker-Preis 2016) setzt Signale! Neues Entwerfen und Bauen durch Handeln von Gemein­ schaften, um lebbare Wohnräume für alle Menschen zu schaffen. Armut, Kriegen, Naturkatastrophen trotzen! Kalte Investorenarchitektur, bye-bye! „No man is an island“, „What is lost is lost forever“ – Wolfgang Tillmans Statements gegen den „Brexit“ sind fotografische Kunstwerke mit klarer Botschaft, vielfach publiziert, jedem zugänglich! A. L. Kennedy (die schottische Weltliteratin) benennt glasklar Ursachen des UK-Referendums: „Das alte Geld muss in letzter Zeit erleben, dass seine Dominanz bedroht ist.“ Aktionen des „Zentrums für Politische Schönheit“ rütteln auf und merke(l)n wach. Auf „Flüchtlinge fressen“ – Not und Spiele – reagiert das Bundesministerium. Unglücklich. Schlecht beraten. Ich denke „Christoph Schlingensief“! Wie gern wäre ich barfuß über Christos „Floating Piers“ auf dem Lago d’Iseo gewandelt! Die goldene Verbindung zwischen Festland und Monte Isola und San Paolo, den Inseln, ist ein neues Werk der Freiheit des bulgarischen New Yorkers! – Chapeau! Die Manifesta 11 in Zürich lässt sich am besten mit dem Rad erkunden. Halten Sie Ausschau nach den Parallel Events. Jankowski-Schüler Marco Schmitt, kooperierte ‚zürreal‘ glücklich mit der Kantonspolizei frei nach Luis Buñuel! Finden Sie Ihren Sommer am Meer, in der Stadt, auf dem Land und in Gedanken! Üben Sie Sommer und Freiheit! Essen Sie ein gutes Eis! Trinken Sie ein Glas Champagner! Und lieben Sie!


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Ahrenshoop

Appenzell

Balingen

„Hier Kete !“ Selbst und Exotik im Werk Kate Diehn-Bitts (1900–1978) 23.7. – 23.10.2016 Kunstmuseum Ahrenshoop

Robert Frank – Works bis 30. Oktober 2016 Kunsthalle Ziegelhütte

Ernst Ludwig Kirchner: Modelle, Akte & Kokotten bis 3.10.2016 Stadthalle Balingen

Die Ausstellung wird im Wesentlichen aus eigenen Beständen entwickelt, die zwei umfangreichen Zustiftungen aus dem Nachlass der Künstlerin entstammen. Einige Leihgaben aus Museen (Kunsthalle Rostock und Nationalgalerie Berlin) und aus privatem Besitz kommen hinzu. Im Zentrum steht das bisher unterbewertete Schaffen der 1950er bis 70er Jahre, insbesondere die späten Collagen mit ihrer expressiven Bildsprache, in denen Motive und Erinnerungen eines ganzen Lebens aufgehoben sind. Das Exotische der Themenwahl wie auch der Farbund Formenwelt kommt aus einer intensiven Beschäftigung mit der Bibel und den Romanen Thomas Manns her. Viele der in die Ausstellung aufgenommenen Arbeiten waren bisher nie öffentlich zu sehen. Neben dem, was diese Werke unmittelbar repräsentieren, reflektiert die Ausstellung auch die Problematik eines Künstlerinnenlebens, das in Zeiten anhaltender Restriktionen gegen die Kunst in zwei Diktaturen fast ohne öffentliche Resonanz auskommen musste. Es erscheint ein Katalog. Eröffnung am 22.07.2016 um 18 Uhr. ☞ Kunstmuseum Ahrenshoop Di–So 10–17 Uhr Weg zum Hohen Ufer 36, 18347 Ahrenshoop T +49 (0) 38220 667 90 www.kunstmuseum-ahrenshoop.de

Der Zürcher Robert Frank gehört zu den einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Seine Bilder und Filme schufen eine neue Ästhetik, welche von der Originalität des Blicks und der Unmittelbarkeit der Motive lebt. In einer möglichst einfachen Präsentationsform stellt die Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell Franks Arbeiten von 1947 bis 2014 aus. Auf langen Zeitungspapierbahnen werden jeweils 6 bis 15 Fotos aus einem Buch angeordnet. – in linearer Reihung. Dadurch wird der Musealisierung des Künstlers entgegen getreten. Daneben werden 27 seiner Filme im Loop gezeigt, welche zwischen 1959 und 2008 entstand sind. Der ungewöhnliche Katalog zur Ausstellung, die von Robert Frank und Gerhard Steidl konzipiert wurde, sieht aus wie eine Sonderausgabe der Süddeutschen Zeitung – in Originalformat und -drucktechnik. ☞ Kunsthalle Ziegelhütte April–Oktober: Di–Fr 10–12 Uhr und 14–17 Uhr, Sa/So 11–17 Uhr November–März: Di–Sa 14–17 Uhr, So 11–17 Uhr Ziegeleistrasse 14, CH-9050 Appenzell T +41 (0) 71 788 18 60 www.kunsthalleziegelhuette.ch

Erstmals konzentriert sich eine Ausstellung des bedeutendsten expressionistischen Malers auf das spannende Thema „Modelle, Akte und Kokotten“. Sie führt den Betrachter von der Welt der ­K ünstlerbohème in Dresden und Berlin bis zum Ausdruckstanz in die Davoser Bergwelt in den 1920er-Jahren. Kirchners expressive, stark farbige Ölgemälde, Aquarelle, Holzschnitte, Lithografien und Radierungen lenken den Blick auf die Welt der Frauen. Mehr als 100 Jahre ist es her, dass er als Initiator der Künstlergemeinschaft Brücke mit einer neuen, flächig-farbigen Malerei, Holzschnitten und dynamischen Zeichnungen die akademische Tradition aus den Angeln hob. Die Ausstellung mit Werken aus dem Berliner Brücke-Museum umfasst das gesamte Schaffen des Künstlers von 1905 in Dresden bis zu seinem Freitod in Davos 1938. Einerseits erlaubt sie intime Einblicke in sein Leben und Schaffen. Andererseits zeigt sie den einschneidenden gesellschaftlichen Umbruch in der bewegten Epoche zwischen zwei Weltkriegen. ☞ Stadthalle Balingen tägl. 10–18 Uhr, Di. bis 21 Uhr Hirschbergstr. 38, 72336 Balingen T +49 (0) 74 33 90 08 413 www.stadthalle.balingen.de

© appenzell.ch

Ernst Ludwig Kirchner, „Artistin Marcella“, 1910 © Brücke-Museum Berlin

Kate Diehn-Bitt, „Weinende mit weißer Kappe“, 1973, Collage, Sammlung Kunstmuseum Ahrenshoop


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Berlin

Darmstadt

Eberdingen

Berlin Art Week 2016 Messen, Ausstellungen, Kunstfilmfestival und das Finale der Berlin Biennale 13. – 18.9.2016

Lehrer, Schüler, Freund, Kollege Ludwig Meidner und Jörg von Kitta-Kittel Malerei, Zeichnung, Fotografie 14.8. – 24.9.2016 Galerie Netuschil

über die Linie hinaus bis 23.12.2016 KUNSTWERK – Sammlung Alison und Peter W. Klein

„Speculative Ambience“, 2016, Standbild, produziert von Iconoclast,

Nach der Flucht vor den Nationalsozialisten nach England, nach Internierung, einem entbehrungsreichen Leben und der für einen gläubigen Juden schweren Entscheidung, nach dem Krieg nach Deutschland zurückzukehren, erfuhr Ludwig Meidner in Marxheim noch einmal eine künstlerisch produktive und glückliche Lebenszeit. Die Ausstellung der Galerie Netuschil spannt einen Bogen vom Beginn des letzten Jahrhunderts bis in die unmittelbare Gegenwart. Zu sehen sind Arbeiten von Ludwig Meidner aus fast sechs Jahrzehnten von 1906 bis zu seinem Tod 1966 und Arbeiten seines Meisterschülers Jörg von Kitta-Kittel von 1958 bis heute. Das Zentrum der Ausstellung bildet die malerische und zeichnerische Arbeit im gemeinsamen Atelier in Marxheim und in Darmstadt. In einer produktiven Arbeitsgemeinschaft entstanden zahlreiche gegenseitige Porträts, aber auch Landschaften und Stillleben. Jörg von Kitta-Kittel begann als 18jähriger seine künstlerische Ausbildung bei dem über 70jährigen Ludwig Meidner. Heute lebt von Kitta-Kittel als freier Künstler in Frankfurt am Main. Die gemeinsame Zeit zeichnet eine Phase des Realismus aus, während beide, Ludwig Meidner in seiner Frühzeit und Jörg von Kitta-Kittel bis heute expressive Bildwelten gestalteten und gestalten. Szenische Atelierfotos, vor allem von Stefan Moses begleiten die Werke der beiden Künstler. ☞ Galerie Netuschil Di–Fr 14.30–19 Uhr, Sa 10–14 Uhr Schleiermacherstr. 8, 64283 Darmstadt T +49 (0) 61 51 249 39 www.galerie-netuschil.net

Im Sport wird das Spielfeld durch die Linie definiert. Im gesellschaftlichen Leben geben Konventionen als Richtlinien den Rahmen unseres Handelns vor. Über die Linie hinaus zu gehen bedeutet, Grenzen zu überschreiten und unerlaubtes, aber auch ungewohntes oder neues Terrain zu betreten. Unter dem Titel „über die Linie hinaus“ stellt die Hängung #15 im KUNSTWERK – Sammlung Alison und Peter W. Klein Gemälde, Papierschnitte, Bildobjekte, Wand- und Rauminstallationen vor, die sich im Einsatz von Linien und linearen Strukturen vom klassischen Verständnis bildnerischer Gattungen lösen und deren Grenzen überwinden. Zugleich hebt sich die Linie – eigentlich Inbegriff des Zeichnerischen – von der Gebundenheit an die Fläche ab und wird Teil von räumlichen und raumgreifenden Werkkonzepten. Präsentiert werden Werke von Markus Oehlen, Katharina Hinsberg, Christl Mudrak, Anna Ingerfurth, Enrico Bach, Jorinde Voigt, Manuel Knapp und Heidi Grandy. ☞ KUNSTWERK Sammlung Alison und Peter W. Klein Mi–Fr, So 11–17 Uhr Siemensstraße 40, 71735 Eberdingen-Nussdorf T +49 (0) 7042 3 76 95 66 www.sammlung-klein.de

Courtesy: Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst

Markus Oehlen, „Poor Boy“, 2012, Acryl auf Leinwand, 200 x 160 cm, Foto: Øystein Thorvaldsen, Oslo

Jörg von Kitta-Kittel, „Meidner im Thales“, Öl auf Leinwand, 1959

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Auch in diesem Jahr lädt die Berlin Art Week die Kunstwelt im September wieder an die Spree. Neben den Messen „abc art berlin contemporary“ und „Positions Berlin – Art Fair“ (15.–18.9.2016) gibt es zahlreiche Ausstellungen internationaler Künstler in folgenden Häusern: Akademie der Künste, Berlinische Galerie, C/O Berlin, Deutsche Bank KunstHalle, Hamburger Bahnhof, HAU Hebbel am Ufer, Haus am Waldsee, me Collectors Room, Schering Stiftung und Schinkel Pavillon. Beteiligt sind auch die beiden Kunstvereine n.b.k. und NGbK. Die Preisträgerausstellung des Preises der Nationalgalerie und der Preis der Projekträume, der in diesem Jahr an 20 Räume vergeben wurde, stehen auf dem Programm. Die Woche beginnt mit dem „Artist Film Festival Berlin“ von Berliner Galerien und der haubrok foundation, das sich an Freunde des Künstler- und Experimentalfilms richtet. Im Kino International hat das Publikum die Möglichkeit, filmische Arbeiten von renommierten Künstlern kennenzulernen. Die Berlin Biennale ist mit einem besonderen Finale in diesem Jahr im Programm der Berlin Art Week. Sechs Tage an verschiedenen Orten der Stadt Kunst erleben. ☞ Weitere Informationen unter www.berlinartweek.de


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Hanau

Hannover

Sonderausstellung „Fabergé – Geschenke der Zarenfamilie“ bis 16.10.2016 Schloss Fasanerie

Anziehend – Von der Fibel zur Brosche bis 30.10.2016 Deutsches Goldschmiedehaus Hanau

19. ZINNOBER-Kunstvolkslauf Hannover 3. + 4.9.2016 Kunst-Saisonauftakt in Hannover

Mit 170 Exponaten aus privaten Sammlungen, dem Schmuckmuseum Pforzheim, dem Museum für Vor- und Frühgeschichte Hanau-Steinheim und eigenen Stücken bietet die Ausstellung des Goldschmiedehauses einen Querschnitt von der Bronzezeit bis zur Gegenwart. Von der einfachen Nadel über die Fibel bis hin zur skulpturalen Brosche wird die ganze Bandbreite des Themas aufgegriffen. Die Fibel war die Weiterentwicklung der einfachen Gewandnadel. Mit dem Aufkommen der Knöpfe im Mittelalter, wandelte sich ihre Funktion hin zum reinen Schmuckobjekt. Die Broschen werden nicht chronologisch vorgestellt, sondern in Gruppen zusammengefasst, die sie thematisch bündeln und über alle Zeitstufen hinweg miteinander kombinieren. So finden sich u.a. Broschen zum Thema Trauer und Gedenken, Bildnis und Portrait, Blumen und Blüten, Tiere und Insekten oder technische Schwerpunkte wie Granulation und Email. ☞ Deutsches Goldschmiedehaus Hanau Di–So 11–17 Uhr Altstädter Markt 6, 63450 Hanau T +49 (0) 61 81 25 65 56 www.goldschmiedehaus.com

39 Ateliers, Galerien und Kunsthäuser öffnen Ihre Türen mit aktuellen Ausstellungen und Aktionen. Atelier 9/Lister Höfe, Atelier Tönniesberg, Atelier Bettfedernfabrik, Atelier Block 16, Atelier Grammophon, Atelier Helmkehof, Atelier Von-Alten-­ Allee, Ateliergemeinschaft Landwe[h]rk, Atelierhaus S15, Ateliers der Eisfabrik, Atelier Goebenstraße 4, Atelier Rühmkorffstraße, Atelier Theo 11, Ateliers Wörthstraße, BBK Hannover, Bildarium, EISFABRIK/ Kunst in der Weißen Halle, Galerie BOHAI, GAF–­ Galerie für Fotografie, Galerie»vom Zufall und vom Glück«, Galerie Holbein4, Galerie k9 aktuelle Kunst, GEDOK NiedersachsenHannover, Hannoverscher Künstlerverein, Kestner Gesellschaft, kik.kunst in kontakt, konnektor-Forum für Künste, KUBUS Städtische Galerie, KUNSTHAUS Hannover, kunstraum j3fm, Kunstverein Hannover, KV Kunsthalle FAUST, Lindener KunstWerke AG, LortzingART, 4h-art, Ricus Aschemann Galerie für Fotografie, Rode und Lanfer fine art projects, Safari Ateliers, Werkstatt Zur Gelben Tasche. ☞ Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover Öffnungszeiten der Kunstorte: Sa 12–19 Uhr, So 11–19 Uhr Landschaftstraße 7, 30159 Hannover T +49 (0) 511 168 45245 www.zinnober-kunstvolkslauf.de

In der Sonderausstellung 2016 widmet sich das in der Nähe von Fulda gelegene Museum Schloss Fasanerie den unvergleichlichen Arbeiten des weltberühmten Juweliers Peter Carl Fabergé aus den Jahrzehnten um 1900, die im Auftrag des russischen Zarenhofs entstanden sind. Fabergés Kunstwerke bestechen durch eine enorme handwerkliche Präzision, die Originalität des Designs und den Glanz der verarbeiteten Materialien. Es werden ausgewählte Objekte des russischen Goldschmieds gezeigt, die als Geschenke von zwei Darmstädter Prinzessinnen nach Europa kamen. Beispielhaft veranschaulicht die Ausstellung die internationalen Verbindungen des russischen Zarenhauses mit deutschen Fürstentümern. Der Fokus liegt dabei sowohl auf den persönlichen Geschenken aus Russland als auch auf dem Lebensweg der Schenkenden und Beschenkten. ☞ Museum Schloss Fasanerie Di–So, 11–17 Uhr 36124 Eichenzell (bei Fulda) T +49 (0) 661 94 86 0 www.schloss-fasanerie.de

Zigarettenetui in Gold von Fabergé (1900), Foto: David Hall © Hessische Hausstiftung

Schmuckmuseum Pforzheim. Jean Roncier, Brosche, ca. 1872, Gold, Türkise, Perlen, Opale, Koralle, Foto: Rüdiger Flöter


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Heilbronn

Leipzig

Linnich

Sam Shaw. Hollywood ungeschminkt bis 25.9.2016 Kunsthalle Vogelmann

URSULA ARNOLD / ARNO FISCHER / EVELYN RICHTER Gehaltene Zeit Eine Ausstellung des Evelyn Richter Archivs und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung bis 3.10.2016 Museum der bildenden Künste Leipzig

Markus Lüpertz wird 75. Ein Geschenk für das Rheinland. bis 18.12.2016 Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich

Erstmals werden in einer Museumsausstellung die drei Fotografen Ursula Arnold (1929–2012), Arno Fischer (1927–2011) und Evelyn Richter (*1930) gemeinsam präsentiert und ihre umfangreichen Œuvres in repräsentativer Auswahl miteinander in Beziehung gesetzt. Gemeinsamkeiten und auch Unterschiede sowie die jeweilige spezifische Sichtweise werden deutlich. In der Ausstellung sind drei Lebenswerke und Lebensläufe der wichtigsten Vertreter der sozial-künstlerisch engagierten Fotografie zu entdecken, die jeweils einen eigenen Weg wählten, um sich den herrschenden Bildvorstellungen der DDR zu entziehen. Alle drei Fotografen suchen und finden ihre Motive im Alltag. Subjektiv geprägte Bilder aus und von ihrer unmittelbar erlebten Umwelt entstehen. Die offizielle Bildsprache der DDR lehnen sie ab, ihre Fotografien widersprechen dem propagierten sozialistischen Weltbild. Vielmehr stellen ihre Werke Fragen und erzählen Geschichten, die hinter den Bildern liegen. Die erste große Museumsausstellung des 2009 gegründeten Evelyn Richter Archivs soll überregional den Blick auf die immer noch vernachlässigte Aufarbeitung der Fotografie in der DDR lenken und die Diskussion national weiter öffnen. ☞ Museum der bildenden Künste Leipzig Di/Do–So und feiertags 10–18 Uhr, Mi 12–20 Uhr Katharinenstraße 10, 04109 Leipzig T +49 (0) 341 216 99 0 www.mdbk.de

Markus Lüpertz (geb. 1941) wird zurzeit anlässlich seines 75. Geburtstags im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich mit einer Ausstellung zu seinem glasmalerischen Werk geehrt. Mit der Glasmalerei beschäftigt er sich seit 1990, Glasfenster von ihm sind z.B. in Kirchen in Lübeck, Köln, Koblenz und Gütz zu sehen. Zur Ausstellung stellte Lüpertz dem Museum zwei Werke zur Verfügung, die in großformatige Glasgemälde umgesetzt wurden. Diese Werke mit dem Titel „Herbstfenster“ bzw. „Kosovo“ ergänzen die moderne Glasmalerei des Museums und ziehen seit ihrer Einweihung zahlreiche Besucher an. Die Ausstellung ist bis zum 18.12.2016 zu sehen, der Katalog ist für 25 EUR erhältlich. Neben Führungen sind im Rahmen des Begleitprogramms im Sommer ein Vortrag zu Markus Lüpertz (25.08.) sowie eine Exkursion (24.09.) geplant. ☞ Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich Di–So 11–17 Uhr Rurstraße 9–11, 52441 Linnich T +49 (0) 24 62 991 70 www.glasmalerei-museum.de

Markus Lüpertz, „Herbst fenster“, Foto: Peter Hinschläger

Sam Shaw, „Marilyn Monroe“, New York Cit y, 1954, (Das verflixte 7. Jahr) © Sam Shaw Inc. / www.shawfamilyarchives.com

Ursula Arnold, „Husemannstraße, Berlin 1965“, © Ostdeutsche Sparkassenstiftung

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Wer kennt es nicht, das Foto von Marilyn Monroe, die mit wehendem Rock auf einem U-Bahn-Schacht steht. Es ist das bekannteste Foto, das je von der Schauspielerin gemacht wurde und gleichzeitig eine Ikone der Hollywoodfotografie der 1950er-Jahre. Der Fotograf war Sam Shaw (1912-1999), dessen Werk nun in einer 140 Fotografien umfassenden Ausstellung entdeckt werden kann. Shaw arbeitete mit Hollywoodgrößen wie Marlon Brando, Sophia Loren, Audrey Hepburn oder Alfred Hitchcock zusammen und viele der dabei entstandenen Fotos waren noch nie öffentlich zu sehen. Er begann seine Laufbahn mit Fotoreportagen und fuhr quer durch die Vereinigten Staaten um junge Soldaten zu befragen oder das Schicksal der Farmer in Bildergeschichten festzuhalten. Neben seiner Karriere als Hollywood-­ Fotograf, dessen Aufnahmen die Titelseiten der Hochglanzmagazine schmückten, nahm er auch am intellektuellen Leben New Yorks teil und porträtierte so bedeutende Künstler wie Marcel Duchamp und Marc Chagall. ☞ Städtische Museen Heilbronn Kunsthalle Vogelmann Di/Mi/Fr 11–17 Uhr, Do 11–19 Uhr, Sa/So und feiertags 11–17 Uhr Allee 28, 74072 Heilbronn T +49 (0) 7131 56 44 20 www.museen-heilbronn.de


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Oberhausen

Offenbach

Of fenburg

REGINA RELANG Inszenierte Eleganz Mode- und Reportagefotografie von 1930 bis 1980 bis 18.9.2016 LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

LEDER – BEGLEITER DURCHS LEBEN bis Ende 2016 Deutsches Ledermuseum

SCHNITTSTELLE 2 Armin Göhringer & Manfred Schlindwein bis 2.10.2016 Städtische Galerie Offenburg Holz, einer der ältesten und schönsten Werkstoffe, ist das Medium der Ortenauer Künstler Armin Göhringer und Manfred Schlindwein. Der Bildhauer formt kraftvolle, dynamische Bewegungen in der körperhaften Holzfigur, der Holzschneider druckt zarte, zeichenhafte Holzschnitte auf seidenglänzendem Papier. In dieser Ausstellung führen die beiden einen künstlerischen Dialog miteinander. Manfred Schlindweins mit der Hand gedruckte, mehrfarbige Holzdrucke sind überwiegend Unikate. In ihnen überlagert der Künstler mehrschichtig Formen und Farben, setzt Linien, Spuren und Zeichen und erzeugt einen Kosmos von Bildwelten. Er liebt lebendige Strukturen und feine Nuancen, verwendet neben glatten Hölzern auch inspirierende ­“ Fundstücke”. Das Holz wird geschnitten, gerissen, mit Stemmeisen und Raspeln bearbeitet. Armin Göhringer arbeitet mit Kettensäge und Brenner. Seine Holzskulpturen sind ein Zusammenspiel aus Lasten und Tragen und einem genau bemessenen Gleichgewicht der Massen. Sie reizen Hub- und Schubkräfte aus und scheinen die Schwerkraft außer Kraft zu setzen. Halt gibt dem Konstrukt das präzise ausgefeilte Spiel der gegenläufigen Spannungen. ☞ Städtische Galerie Offenburg Di–Fr 13–17 Uhr, Sa/So 11–17 Uhr Amand-Goegg-Straße 2, Kulturforum, 77652 Offenburg T +49 (0) 781 82 20 40 www.galerie-offenburg.de

Ausstellung Armin Göhringer & Manfred Schlindwein, Hochzeitstasche der japanischen Kronprinzessin im Jahr 1993, Comtesse, Deutschland © Deutsches Ledermuseum, Corinna Perl-­A ppl

Regina Relang, „Modell mit Hut vor Seine Brueckenboegen“, 1951 © Münchner Stadtmuseum Sammlung Fotografie Archiv Relang

Foto: Axel Bleyer

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Regina Relang beginnt ihre fotografische Karriere im Paris der 1930er-Jahre mit Reportageaufnahmen, die während ihrer Reisen durch Südeuropa entstehen. In der Nachkriegszeit avanciert sie zur führenden Modefotografin Deutschlands. Zu ihren Auftraggebern zählen Modeschöpfer wie Christian Dior oder Yves Saint Laurent. Die Ruinen des zerstörten Münchens dienen ihr gleichermaßen wie das bunte und rege städtische Treiben der Modemetropolen als Kulisse. In ihrem eigenen fotografischen Stil überwindet Relang die Grenzen zwischen Mode- und Reportagefotografie. Sie bettet die neuesten Kollektionen in den alltäglichen Kontext oder inszeniert glamouröse Settings. In den 1960er-Jahren arbeitet sie zunehmend im Studio oder mit studiohaften Situationen. Erstmals ist nun eine Auswahl des fotografischen Nachlasses von Regina Relang aus der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums außerhalb des süddeutschen Raums zu sehen. Vom 25. September 2016 bis 15. Januar 2017 zeigt die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen die Ausstellung Entenhausen >>>>Oberhausen – Donald, Micky and friends – gezeichnet in der Disney Factory von Carl Barks, Floyd Gottfredson und Al Taliaferro sowie Jan Gulbransson, Ulrich Schröder und Don Rosa. Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eins der 20 RuhrKunstMuseen. ☞ LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen Di–So 11–18 Uhr Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen T +49 (0) 208 41249 16 www.ludwiggalerie.de

Das Deutsche Ledermuseum in Offenbach am Main ist das weltweit einzige Museum, das die Herstellung, Verzierung und Verwendung des Materials Leder dokumentiert und präsentiert. Im Jahre 1917 in der Lederstadt Offenbach gegründet, verfügt es heute über umfangreiche Sammlungs­ bestände aus sechs Jahrtausenden und von allen fünf Kontinenten. Im Rahmen der innovativen Weiterentwicklung des Deutschen Ledermuseums präsentiert Dr. Inez Florschütz, Direktorin des DLM, ab 3. Juli 2016 die Ausstellung LEDER – BEGLEITER DURCHS LEBEN. Unter dem Leitgedanken „Leder begleitet den Menschen ein Leben lang“ werden Objekte aus allen Kulturen und allen Epochen ausgewählt und in einen neuen, spannenden Kontext gestellt und in einem zeitgemäßen Erscheinungsbild präsentiert. Der Bogen spannt sich von der Geburt und der Kindheit über die erste Liebe, die Hochzeit und den Beruf bis hin zum Ende des Lebens. ☞ DLM Deutsches Ledermuseum Di–So 10–17 Uhr Frankfurter Str. 86, 63067 Offenbach/Main T +49 (0) 69 829 79 80 www.ledermuseum.de


SCHEIDERBAUER

CURT

19372012

EINE AUSSTELLUNG DER LANDESHAUPTSTADT BREGENZ - KULTURAMT

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ERÖFFNUNG: Samstag, 16. Juli 2016, 20:00 Uhr - Palais Thurn & Taxis, Gallusstr. 10 ÖFFNUNGSZEITEN: Di - Sa von 14:00 bis 18:00 Uhr, So von 10:00 bis 18:00 Uhr INFO: T +43 5574 410 1511 | kultur@bregenz.at

o.T.,

17. JULI BIS 28. AUGUST IM PALAIS THURN & TAXIS, BREGENZ


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Oldenburg

Schwerin

Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely – Künstlerplakate bis 4.9.2016 Horst-Janssen-Museum Oldenburg

MODERNE in der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin Eröffnung des Neubaus ab 1.7.2016 Staatliches Museum Schwerin, Galerie Alte & Neue Meister Schwerin Mit der Eröffnung des Neubaus der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin bieten sich völlig neue Perspektiven für die Präsentation der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. In dem von den Berliner Architekten Scheidt Kasprusch Becker entworfenen Bau findet endlich dauerhaft die Kunst nach 1945 ihren Platz. Spektakulär ist vor allem die Sammlung des 1930 in Mecklenburg geborenen Künstlers Günther Uecker, ergänzt durch Installationen, Videos und Objekte von u.a. Ulrike Rosenbach, Aernout Mik und Jörg Herold. Eine gläserne Brücke verbindet den Neubau mit dem 1882 eröffneten Altbau sowohl architektonisch als auch inhaltlich: In den Sälen, die bisher für Wechselausstellungen genutzt wurden, führen nun Werke von Künstlern wie Lovis Corinth, Lyonel Feininger, Marcel Duchamp, Nam June Paik, Bernhard Heisig und Sigmar Polke zur Präsentation im Neubau. Damit ist erstmals ein steter Gang durch die Kunstgeschichte vom 17. bis zum 21. Jahrhundert im Schweriner Haus möglich. ☞ Staatliches Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow Galerie Alte & Neue Meister Schwerin Di–So 11–18 Uhr, ab 15.10. Di–So 11–17 Uhr Alter Garten 3, 19055 Schwerin T +49 (0) 385 5958-0 www.museum-schwerin.de

Ausstellungsplakat mit Les Nanas Au Pouvoir (1967) von Niki de Saint Phalle © 2016 Niki Charitable Art Foundation, Adagp, Paris

Neubau der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin, Staatliches Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow, Foto: Michael Setzpfandt

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Das Horst-Janssen-Museum Oldenburg zeigt vom 5. Juni bis 4. September 2016 die Ausstellung „Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely – Künstlerplakate“. Niki de Saint Phalle (1930–2002), die Schöpferin der Nanas, der fröhlich-bunten, voluminösen Frauenfiguren, und Jean Tinguely (1925–1991), der Konstrukteur kinetischer Maschinenplastiken aus Schrott, verband über drei Jahrzehnte eine außergewöhnliche Liebes- und Arbeitsbeziehung. Zur öffentlichen Bekanntmachung ihrer eigenen Kunstwerke und ihrer Gemeinschaftsprojekte entwarfen sie eine Fülle an Plakaten. Die hundert schönsten werden zurzeit auf zwei Ebenen des Museums präsentiert. Ergänzt wird die Schau durch zeitgenössische Fotos und Hintergrundinformationen zu einzelnen Projekten sowie durch zwei in die Ausstellung integrierte Kreativwerkstätten, so dass die Besucher während der gesamten Laufzeit selbst aktiv werden und mit den Exponaten oder anderen Museumsbesuchern in einen phantasievollen Austausch treten können. ☞ Horst-Janssen-Museum Oldenburg Di–So 10–18 Uhr Am Stadtmuseum 4-8, 26121 Oldenburg T +49 (0) 441 235 28 91 www.horst-janssen-museum.de


MIKOS MEININGER

Mondnah wie wr, 2015, Bronze, Foto Michael Lüder

Der Vogelfänger, 1993, Öl auf Leinwand, Foto Michael Lüder

GEMÄLDE · GRAFIKEN · SKULPTUREN

16. APRIL – 14. AUGUST 2016 KUNSTSAMMLUNG JENA www.kunstsammlung.jena.de

23. APRIL – 14. AUGUST 2016

La femme au miroir DRUCKGRAFIK AUS DER CONINX-STIFTUNG, ZÜRICH

Pablo Picasso, Figure composée, II, 8.3.1949, Lithografie © Foto: Coninx-Stiftung

Férnand Léger, Tête de jeune fille, 1952 © Foto: Ulrich Fischer

KUNSTSAMMLUNG. Städtische Museen Jena. JenaKultur


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Wal d enb u ch

Wien

Das Runde muss ins Eckige Kreis und Quadrat in der Sammlung Marli Hoppe-Ritter, Waldenbuch bis 3.10.2016 MUSEUM RITTER

Touch the Reality Eröffnung: Do, 20.10.2016, 19 Uhr 21.10. – 3.12.2016 Kunstraum Niederoesterreich Die Ausstellung setzt sich mit dem politischen Potenzial von Performancekunst auseinander. Gerade in Regionen, die in den vergangenen Jahren von tief greifenden Umbrüchen gekennzeichnet waren, spielen künstlerische Aktionen und Interventionen eine enorm wichtige Rolle in der öffentlichen Auseinandersetzung mit dringlichen gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Kunstschaffende aus Havanna sowie aus arabischen, lateinamerikanischen, asiatischen und ost-/europäischen Ländern entwickeln teils im Duo Projekte, die sich mit dieser Thematik einer politischen Kunstpraxis befassen. Die von Ursula Maria Probst kuratierte Ausstellung findet in Kooperation zwischen Kunstraum Niederoesterreich, Bundeskanzleramt und ­K ulturKontakt Austria statt. Do, 17.11.2016, 19 Uhr PERFORMANCES Masha Dabelka, Lecture-/ Soundperformance „Music On Ribs“, und Pêdra Costa, Performance „de_colon_isation part 2: The Southern Ass“ ☞ Kunstraum Niederoesterreich Di–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–15 Uhr Herrengasse 13, A-1014 Wien T +43 1 90 42 111 www.kunstraum.net

Foto: © Camila Lobos

Auguste Herbin, „Contraste“, 1954 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Nicht nur bei der Fußball-Europameisterschaft gilt das Motto „Das Runde muss ins Eckige“. Das bekannte Zitat von Sepp Herberger (Fußball-Nationaltrainer von 1936 bis 1964) lässt sich auf weite Teile der geometrisch-abstrakten Kunst im Museum Ritter übertragen und gibt der aktuellen Ausstellung ihren Titel. Bis zum 3. Oktober 2016 zeigt das Museum 50 Gemälde, Reliefs, Objektkästen und Plastiken der Sammlung Marli Hoppe-Ritter, in denen das Quadrat und der Kreis eine gleichermaßen zentrale Rolle spielen. Wegen ihrer besonderen Geometrie eignen sich sowohl das Quadrat als auch der Kreis hervorragend zur systematischen Gliederung von Bildflächen, weshalb sie bevorzugte Gestaltungselemente der konkreten und konstruktiven Kunst sind. Zu sehen sind Arbeiten von Alighiero Boetti, Erich Buchholz, Channa Horwitz, François Morellet, Paolo Scheggi, Timm Ulrichs und weiteren. Neben der neuen Sammlungspräsentation ist weiterhin die Ausstellung „Lunapark 2000“ mit herausragenden Werken der Lichtkunst zu sehen. Aufgrund des großen Interesses wird die Schau bis zum 3. Oktober 2016 verlängert. ☞ MUSEUM RITTER Sammlung Marli Hoppe-Ritter Di–So 11–18 Uhr, Do 11–20 Uhr Alfred-Ritter-Straße 27, 71111 Waldenbuch T +49 (0) 7157 535 11-0 www.museum-ritter.de


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Überall schießen Designmessen wie Pilze aus dem Boden. Leider ist nicht immer drin, was drauf steht: Oft wird

FRANKFURT BEI TAG BÜRO ALLEMAND BLICKFANG BASEL

Design schlicht als handgemacht übersetzt, Gestaltungsqualität ist Nebensache. Anders bei der blickfang: An fünf Standorten erwartet Sie ein kuratiertes Portfolio an internationalen Möbel-, Mode- und Schmuckdesignern. Eine Jury sorgt dafür, dass Hobby-Gestaltung gar nicht erst präsentiert werden darf.

SAVE THE DATE! „Ich finde es total wichtig, dass nicht nur die großen Stars der Designszene was zu sagen haben, sondern auch junge Talente.“ NILS HOLGER MOORMANN | KURATOR DER BLICKFANG

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erscheint im Verlag ARTMAPP GmbH

TEXTREVISION

DRUCK

Geschäftsführerin Silvia Brouwer

Katrin Günther, Berlin

NEEF + STUMME premium printing

Verlag in der Pfizerstraße 11, 70184 Stuttgart

KUNST – Buch, Text, Netz

Schillerstraße 2, 29378 Wittingen

Firmensitz Hamburg

katrin_guenther@gmx.net

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ARTMAPP MAGAZIN 12. Ausgabe – 5. Jahrgang

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Am 10. November erscheint die nächste Ausgabe

Sebastian Baden, Kim Behm, Katja Behrens,

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ARTMAPP Herbst/Winter 2016

Konrad Birnbaum, Susanne Burmester,

s.brouwer@artmapp.net

Nicole Büsing & Heiko Klaas, Barbara Fässler,

ISSN 2195-1594

Dr. Chris Gerbing, Bettina Götz, Daniela Gregori,

DESIGNKONZEPT

Alice Henkes, Amrei Heyne, Jasmin Hummel,

Design – Chris Steurer, www.csteurer.com

www.artmapp.net, m.artmapp.net www.facebook.com/ARTMAPP

Der ARTMAPP Gesamtauflage liegt auf Seite 65 die Broschüre „Barock – Nur schöner Schein?“ der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim bei.

A R T M A P P   S O M M E R 2 016 — I M P R E S S U M

USt.-IdNr. DE284814593


erdgeschichte, Materie, Prozess in der zeitgenössischen Kunst Jonathan Bragdon, nina Canell, Julian Charrière, olafur eliasson, ilana Halperin, roger Hiorns, Per Kirkeby, Katie Paterson, Giuseppe Penone, Jens risch und Gäste, Hans Schabus, George Steinmann

Kunstmuseum Thun, Hofstettenstrasse 14, 3602 Thun Di–So, 10–17 Uhr / Mi 10–19 Uhr, www.kunstmuseumthun.ch

Julian Charrière, The Blue Fossil Entropic Stories (1), 2013 Courtesy DITTRICH & SCHLECHTRIEM, Berlin © 2016 VG Bild-Kunst, Bonn; Bildrecht, Wien

Die KräfTe HinTer Den forMen 27.8.–20.11.2016


Im Rausch. Zwischen Höhenflug und Absturz 5. Juni bis 16. Dezember 2016

1. Mai bis 30. September: täglich 11 –18 Uhr 1. Oktober bis 30. April: Montag bis Freitag 14 –17 Uhr Samstag, Sonntag und allgemeine Feiertage: 11 –17 Uhr

www.kunstmuseum.ch

Annelies Štrba: Sukikawa 12, 2016, Detail, Pigmentdruck auf Leinwand, 100 x150 cm, Courtesy the artist and Galerie Anton Meier Genf, © Annelies Štrba / ProLitteris Zürich

ARTMAPP #12, Sommer 2016  

Das Kunstmagazin für Entdecker

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