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M Ä R Z – J U N I  2 0 15 E U R 6 , 9 0 D/A

S F R 9, 9 0

DAS KU NSTM AGA ZI N FÜ R ENTD ECK ER

LEIPZIG HALLE SAALE KARLSRUHE GLOBAL

IMEX IN BERLIN WEGE ZU CRANACH

HOPPE KRETSCHMANN LYBKE MOLNAR VOSS WEIBEL BASEL ERFURT GRAZ NAUMBURG WINTERTHUR ZÜRICH


Serge Poliakoff. Composition abstraite. Öl auf Holz. 1961. 89:116 cm. Alexis Poliakoff 61–17. © 2015, ProLitteris, Zurich

AUKTIONEN 18. UND 19. JUNI 2015 Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts Gegenwartskunst Graphik und Handzeichnungen alter Meister

Kataloge online und auf Bestellung erhältlich ab Mitte Mai

GALERIE KORNFELD BERN •

TRADITION UND KENNERSCHAFT SEIT 1864

Laupenstrasse 41 . CH-3008 Bern . Tel. + 41 (0)31 381 4673 . Fax + 41 (0)31 382 1891 . galerie@kornfeld.ch . www.kornfeld.ch


Titelmotiv: Isa Genzken, „Untitled“, 2014, im MMK Frankfurt, Courtesy Galerie ­B uchholz, Berlin/Köln, VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Editorial 08 2015

Foto Editorial: © Carmen Jäger

SOMMER KUNSTMESSE DORNBIRN /A

Moritz Götze in seinem Atelier, Foto: Christian Lohse

Hallenser Halloren Hallunken

Leipzig – inzwischen besser bekannt als „Hypezig“ – ist mit dem Kunst-Hotspot der Republik, der Spinnerei, in aller Munde. Nur 40 Kilometer von Sachsens Handelsmetropole entfernt lebt Moritz Götze in Halle an der Saale. Er hat maßgeblich zu Halles Wahrnehmung als Kunststadt beigetragen. In dem Maler, Universalgelehrten, Humanisten und bekennenden Hallenser hat man immer einen inspirierenden Gesprächspartner. Moritz, wo treffe ich dich an, welches Projekt hast du gerade in der Pipeline? Ich bin im Atelier und bereite meine Aus­s tellung in Jena und den Messeauftritt bei der Galerie Rothamel in Karlsruhe vor. Und jetzt erwischst du mich beim Löten an einer alten elektromechanischen Kiste mit vielen Relais, die das Herzstück für die Installation ­„ Romantic Machine“ in Jena sein soll. Du bist nächste Woche auf der art KARLSRUHE mit einer Einzelpräsentation. Warst du schon mal in Karlsruhe? Ich war schon ganz oft in Karlsruhe, ich erinnere mich auch ganz gut an das erste Mal im Dezember 1989 mit meinem Malerfreund Rüdiger Giebler auf unserer großen Deutschlandtour im Trabi. Und ich habe schon oft im Badischen Landesmuseum, in Karlsruhe und im Umland ausgestellt. Wusstest du, dass Karlsruhe die Partnerstadt von Halle an der Saale ist? Das weiß ich, seit es diese Städtepartnerschaft gibt, also seit 1987. Das war schon etwas Besonderes, dass es auf kommunaler Ebene zwischen Ost und West vor 1989 Kommunikation gab.

JULI 10 – 12 2015 FR / SA 13 – 19 UHR SO 11 – 18 UHR

Die deutsche Kulturgeschichte ist immer wieder Bestandteil deiner Werke. Dazu gehört auch die Badische Revolution? Es gibt einige Arbeiten zu Hecker und zur 1848er-Revolution! Eine Arbeit, der „Hecker-Bilderbogen“ von 2010, ist in der Sammlung des Badischen Landesmuseums. In der Jugend war ich übrigens ein begeisterter Leser der Memoiren des 1848er-Revolutionärs Carl Schurz. Moritz, ich freue mich auf unser Wiedersehen in Karlsruhe. Ja, und ich freue mich auch auf ein Wiedersehen mit Karlsruhe. Liebe Leser, ich wünsche Ihnen viel Spaß auf Ihren Entdeckungstouren mit ARTMAPP. Reiner Brouwer Herausgeber

Messe Dornbirn Messeplatz 1, A-6854 Dornbirn artbodensee.info, facebook.com/artbodensee


Albert Weisgerber (1878-1915) Retrospektive

21. M채rz bis 5. Juli 2015 Saarlandmuseum, Moderne Galerie www.saarlandmuseum.de


Albert Weisgerber, Selbstbildnis am Attersee (Detail), 1911, Albert-Weisgerber-Stiftung St. Ingbert


Don Eddy, Untitled, 1971 (Detail), Foto Š museum moderner kunst stiftung ludwig wien, Leihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung


Ausstellungen 2015 Landschaft in Bewegung Filmische Ausblicke auf ein unbestimmtes Morgen 13. 03. – 26. 10. 2015

In Kooperation mit Camera Austria, Diagonale 2015 und dem Österreichischen Filmmuseum

HyperAmerika

Landschaft – Bild – Wirklichkeit 10. 04. – 30. 08. 2015

Corporate

26. 09. 2015 – 10. 01. 2016 In Kooperation mit dem steirischen herbst

Das Paradies der Untergang Hartmut Skerbisch - Medienarbeiten 20. 11. 2015 – 07. 02. 2016

Lendkai 1, 8020 Graz, Di–So 10–17 Uhr www.kunsthausgraz.at


Inhalt

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(auszugsweise)

ARTM APP Frühjahr 2015

Leipzig Halle Saale

Gerd Harr y Lybke,­ Foto: Sascha Herrmann

zusammengestellt von Sarah Alberti

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GALERIE FÜ R ZEITGENÖSSISCHE KU NST LEIPZIG Sarah Alberti im Gespräch mit Barbara Steiner und Franciska Zólyom

19

DIE LEIPZIGER SCHU LE Karriere eines ungeliebten Etiketts – von Frank Zöllner

22

MUSEU M DER BILDENDEN KÜ NSTE LEIPZIG Paul Klees „Sonderklasse“ – von Wolfgang Kersten

28

IN TERVIEW MIT GERD HARRY LYBKE „Jeder Künstler ist ein Start-up-Unternehmer“ – von Sarah Alberti

34

DAS KU NST MUSEU M MORITZBU RG HALLE/SA ALE Die Burg der Moderne – von Thomas Bauer-Friedrich

60

100 JAHRE BU RG GIEBICHENSTEIN Interview mit Dieter Hofmann, Rektor der BURG – von Sarah Alberti

64

AUSFLUG NACH PFORTE BEI NAU MBU RG ins Saale-Unstrut-Gebiet – von Jan-Peter Schröder

76

Karlsruhe

88

zusammengestellt von Sebastian Baden & Simone Kraft

K ARLSRUHE LEUCHTET Das Karlsruher Schloss wird zum Herzstück der 300-Jahr-Feier Interview mit Direktor Eckart Köhne – von Chris Gerbing

92

RENAISSANCE 2.0 Im Gespräch mit Peter Weibel, Leiter des ZKM – von Sebastian Baden

94

OP TIMIERU NG ZU R WOHLFÜHLMESSE art KARLSRUHE-Kurator Ewald Karl Schrade von Daniela Gregori

102

KÜ NSTLEREXPORT Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe von Sebastian Baden

104

VON FÄCHER N U ND VISIONEN Architektur in Karlsruhe – von Simone Kraft

116

K ARLSRUHE U ND U MGEBU NG Zeitgenössische Kunst in der Region – Drei Empfehlungen von Chris Gerbing

124

Peter Weibel, Foto: Damian Domes

Por träts MARGRET HOPPE von Sarah Alberti

40

SEBASTIAN MESCHENMOSER von Andreas Wenz

139


präsentiert:

Vera Molnar, Foto: Galerie Linde Hollinger

Samstag

ZERO DER ZERO-KÜ NSTLER CHRISTIAN MEGERT & ZERO IM MARTIN-GROPIUS-BAU von Stephan Geiger

25. April 2015 128

Das Cranach -Jahr 2015 VIELE WEGE FÜHREN ZU CR ANACH von Katja Behrens

132

Frankfurt & Offenbach: 46 Museen mal anders

nacht-der-museen.de Hotline: (069) 97460-555

19–2 Uhr*, Ticket € 14,-

Live-Musik. Theater. Ausstellungen. Drinks. Food. DJs. Shuttle-Busse.

(VVK & Abendkasse); Vorverkauf in Museen und VVK-Stellen *Je nach Örtlichkeit unterschiedliche Schlusszeiten zwischen 24 und 3 Uhr.

Ausstellungen SOU ND AND VISION Haus der elektronischen Künste Basel neu eröffnet von Nicole Büsing & Heiko Klaas

176

NAKIS PANAYOTIDIS im Kunstmuseum Bern – von Regula Gerber

DIREKT AN DER FESTHALLE UND MESSE

178 CITYC RD

IM SCHAT TEN DER ANGST RAF-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin von Hansjörg Fröhlich

184

DER SAMMLER VICTOR CHOCQU ET Sammlung Oskar Reinhart „Am Römerholz“, Winterthur von Dietrich Roeschmann

186

WAHNSIN N MIT METHODE Drei aktuelle Ausstellungen zu Vera Molnar von Kim Behm

188

R AINFOREST ART FOU NDATION von Hansjörg Fröhlich

190

Marlene Tseng Yu, © Foto: Rainforest Art Foundation

Eine Veranstaltung des Kulturamts Frankfurt am Main zusammen mit k/c/e Marketing3 GmbH

Termine

160

Books

198

Impressum

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Paul Klee, Kamel in rhythmischer Baumlandschaft, 1920. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf Corporate Design: Studio Good | Gestaltung: www.arte-fakt.info

PAUL KLEE! Meisterwerke aus der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

21. März bis 12. Juli 2015 Kunsthalle Emden Audioguide für Kinder Führungen · Museumsshop Cafe Henri‘s · Malschule Raumvermietung

Info +49 (0) 49 21 97 50-50 kunsthalle@kunsthalle-emden.de www.kunsthalle-emden.de Hinter dem Rahmen 13, D-26721 Emden

Öffnungszeiten Di bis Fr 10 bis 17 Uhr, Sa, So/Feiertage 11 bis 17 Uhr Jeder erste Di/Monat 10 bis 21 Uhr (Langer Kunstabend) Mo geschlossen. Ostern und 1. Mai geöffnet

Die Kunsthalle wird gefördert durch

Die Ausstellung wird gefördert von

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22 Mai – 2 20 0 Sep 2015 Alte Nationalgalerie Alte Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin Museumsinsel Berlin, Bodestraße 1–3, 10178 Berlin www.imexinberlin.de, www.smb.museum


Herbert Bayer, Einsamer Großstädter, 1932/1969, Fotomontage, Silbergelatinepapier, Foto: Christian P. Schmieder / Sammlung Siegert, München, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015


die burg der moderne: brücke-künstler | franz marc

Foto: Ludwig Rauch (li.), Christoph Jann (re.) | migge-und-partner.de

lyonel feininger | paul klee

Sammlung Hermann Gerlinger: Du und ich. Bildnisse und Selbstporträts der Brücke-Maler 15.02.2015 – 03.05.2015

Stone Talking. Der Stein spricht Zeitgenössische Lithografie der Edition Kopenhagen 13.03. – 28.06.2015

Nickolas Muray. Double Exposure 01.03.2015 – 10.05.2015

Narrenrad + Rädernarr Karikaturen von Lyonel Feininger und seiner Gegenwart 13.07. – 04.10.2015

Logical Emotion. Zeitgenössische Kunst aus Japan 23.05.2015 – 26.07.2015

Wilhelm Steuerwaldt (1.9.1815 – 7.12.1871) 19.08. – 27.09.2015

Stiftung Moritzburg Halle (Saale) Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt Friedemann-Bach-Platz 5 | 06108 Halle (Saale) Telefon +49 (0) 345 212 59-0 www.kunstmuseum-moritzburg.de

Lyonel-Feininger-Galerie

Telefon: 03946-689593-0

Museum für grafische Künste

Fax: 03946-689593-824

Schlossberg 11

Mail: info@sds-feininger-galerie.de

06484 Quedlinburg

www.feininger-galerie.de


Paul Klee Paul Klee, polyphon gefasstes Weiss, 1930, Zentrum Paul Klee, Bern

SON DE R KL ASSE U NVE R K Ă„U FLICH

bis 25. Mai 2015

www.mdbk.de


LEIPZIG HALLE

SAALE-UNSTRUT

Panorama Leipzig, Foto: LTM-Bader


Figurative Malerei, besseres Berlin, Mekka der Kreativen – an Leipzig haften so einige Klischees. Von hier nahm die Neue Leipziger Schule ihren Erfolgskurs auf, das revitalisierte G ­ elände der Leipziger Baumwollspinnerei ist laut „The Guardian“ DER „holiday hotspot“ im Jahr 2015 in Deutschland, schon 2011 war es laut der Zeitung der „hottest place on earth“. Leipzig – inzwischen besser bekannt als „Hypezig“ – ist in a­ ller Munde. Neben Neo Rauch und dem Leipziger Spinnereigelände prägen viele Künstler und Institutionen die Kunstlandschaft der Region: das Museum der bildenden Künste, die Galerie für Zeitgenössische Kunst, die Museen im Grassi in Leipzig oder die Stiftung Moritzburg und die ­F ranckeschen Stiftung im nur 25 S-Bahn-Minuten entfernten Halle. Eigeninitiative und Engagement beleben die Kunst­ szenen beider Städte – die lange luxuriöse Situation von bespielbaren, sonst ungenützten Räumen beförderte dies. Viele ehrenamtlich organisierte und nichtkommerzielle ­Offspaces experimentieren nach wie vor mit Ausstellungs­ formaten und kämpfen gegen inzwischen ansteigende Mietpreise im Zuge der Gentrifizierung. Leipzig boomt! Die Stadt verzeichnet von 2013 zu 2014 einen Bevölkerungszuwachs von rund 12.000 Einwohnern. Neben einem Anstieg der Geburten ziehen viele hierher. Die Kunstszenen beider Städte sind geprägt von ihren Kunsthochschulen: Über 1.000 Studierende zählt die ­h allesche Burg Giebichenstein, die international für ihre ­D esignstudiengänge bekannt ist und deren Produktideen ­i mmer wieder mit Preisen ausgezeichnet werden. Die ­Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig zählt derzeit 601 Immatrikulierte. Sie bildet, wie medial oft verbreitet, nicht nur Maler aus – auch Medienkunst und Fotografie werden unterrichtet. Eine Klasse widmet sich ganz dem b ­ ewegten Bild und wird vom „documenta-13“-Teilnehmer Clemens von Wedemeyer geleitet. Zentral ist nach wie vor das Buch: Stu­ diengänge zu Typografie und Buchkunst oder eine Klasse für

Schriftdesign bringen innovative Publikationen hervor. Auch das Deutsche Buch- und Schriftmuseum, das Museum für Druckkunst oder kleine unabhängige Verlage wie Spector Books und Lubok stehen in der einst so ­bedeutenden Buch­ stadt für die Relevanz des gedruckten Mediums. Im vergangenen Jahr beging die Leipziger Hochschule ihren 250. Geburtstag; 2015 ist es die hallesche Burg, die in der Händelstadt auf 100 Jahre Kunsthochschulgeschichte blickt – und nach vorn schaut. Und auch in Leipzig wird gefeiert: 1.000 Jahre alt wird Goethes Klein-Paris, das sich gern auch Messe-, Musik- oder Stadt der friedlichen Revolution von 1989 auf die Fahnen schreibt. Seit zehn Jahren sind die ­w ichtigstigen ­L eipziger Galerien auf dem Gelände der ­B aumwollspinnerei präsent und ziehen mit dem nicht ­kommerziellen Kunst­z entrum HALLE 1 4 kontinuierlich ­Besucher an. Wie alle Sehenswürdigkeiten der Stadt ist sie bequem mit dem Fahrrad erreichbar. Selbst bis zum Cospu­dener See, ehemals Expo-Projekt und heute Meer der Leipziger, sind es von hier aus nicht einmal zehn K ­ ilometer. Wie das nahe Saale-Unstrut-Tal lädt das Leipziger Neuseenland zur aktiven Erholung nach dem Kunstgenuss – mit Surfschule und FKK-Strand. SARAH ALBERTI


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Sarah Alber ti

Leipziger Liebelei Eine Madonna mit Kind, eine junge Liebe, ein Festival im Jahr 1991 – wer über die Leipziger Karl-Liebknecht-Straße spaziert, trifft an Haus Nummer 7 auf ein Schablonengraffito und damit auf ein Stück Leipziger Kunstgeschichte: Im Jahr 2012 entdeckt die Leipzigerin Maxi Kretzschmar eine gesprühte Madonna unter Plakatresten wieder. Als Kind lief sie auf dem Weg zur Schule täglich an ihr vorbei und dank ihrer Kenntnisse der Graffiti- und Street-ArtSzene ahnt die 31-Jährige sofort, welch einen Schatz sie da vor sich haben könnte. Eine E-Mail an den Künstler Blek le Rat bestätigt ihre Vermutung: Die Madonna mit Kind ist das wohl älteste erhaltende Schablonengraffito des Franzosen und entstand 1991 während e­ ines Projektes an der Universität in Leipzig. Ihr Vorbild: Caravaggios in Rom hängende „Madonna von Loreto“ aus dem Jahr 1605. Auch die Geschichte hinter dem großen Schriftzug „Pour Sybille“ enthüllt sich dank der Offenheit des Künstlers: Er ist eine Widmung an Sybille aus Leipzig, in die sich Blek le Rat während des Festivals verliebte. Beide leben heute in Frankreich, sind inzwischen seit über 20 Jahren verheiratet und haben einen erwachsenen Sohn.

Mit dieser Geschichte im Rücken wandte sich Maxi Kretzschmar an die Stadt Leipzig,

denn es bestand dringender Handlungsbedarf: Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude war kurz nach ihrer Entdeckung zur Sanierung eingerüstet worden. Das Amt für Bauordnung und Denkmalpf lege nahm Kontakt zum Bauherrn auf und veranlasste, dass das Graffito bereits wenige Wochen später ebenfalls unter Denkmalschutz gestellt wurde. Eine Sensation, denn im gesamten deutschsprachigen Raum gibt es nur wenige vergleichbare ­F älle. Und Blek le Rat? Der freute sich so sehr über den Fund, dass er mit Frau und Sohn nach Leipzig reiste und seine Madonna eigenhändig mitrestaurierte. Der B ­ auträger und die Stadt teilten sich die Kosten für die Restaurierung sowie eine Schutzverglasung, auf der ein kurzer Text über das Graffito informiert – auf Deutsch und Französisch. Lebensgroß steht die ­M adonna nun dauerhaft gesichert am Straßenrand und ist seither selbst immer wieder

­Beschmierungen ausgesetzt.

Umso wichtiger, dass die Zeugnisse der Entstehungsgeschichte dieses Graffitos in

absehbarer Zeit der Öffentlichkeit zugänglich werden: Bis heute lagern in den Magazinen der Universität Leipzig große Platten, auf die 1991 neben Blek le Rat viele weitere Graffiti­ künstler aus Leipzig und Frankreich ihre Arbeiten sprühten. Bis zur Sanierung der Universität hingen sie auf den Fluren des Hauptgebäudes. „Es ist höchst wünschenswert, dass diese Werke in absehbarer Zeit wieder installiert werden“, meint Rudolf Hiller von Gaertringen, Leiter der Kustodie – Kunstsammlung der Universität. Das wäre nach der

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Sicherung von Blek le Rats „Madonna mit Kind“ nur konsequent.

b l e k l e ra t . f r e e . f r

Blek le Rat, „Madonna mit Kind“, 1991, Schablonengraffito in der Karl- Liebknecht-Straße 7 Foto: Sybille Prou


Multiples, Grafiken, Aktionen aus der Sammlung Staeck

Die Akademie der Künste wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

18.3.–7.6.2015

Akademie der Künste Hanseatenweg 10 10557 Berlin

Telefon 030 200 57-2000 Di –So 11–19 Uhr www.adk.de, akademiederkuenste S Bellevue, U Hansaplatz, Bus 106

Medienpartner

in Kooperation mit


„Hotel Volksboutique“, von Christine Hill gestaltetes Hotelzimmer in der GfZK, 2014, Foto: Sebastian Schröder

Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig

Z u n ä c h s t o h n e p e r m a n e n t e ­A u s s t e l l u n g s rä u m e b e z o g d i e G f Z K i m J a h r 1 9 9 8 e i n e z e n t r u m s n a h e V i l l a . B a r b a ra S t e i n e r, D i r e k t o r i n d e s H a u s e s v o n 2 0 0 1 b i s 2 0 1 1 , r e a l i s i e r t e w ä h r e n d ihre r A mt sz e it ge me in sam mit de n A rchitek te n a s-if be rlinwie n e ine n e rgän z e nde n Ne ubau : D a s e i n g e s c h o s s i g e G e b ä u d e m i t u n r e g e l m ä ß i g e m G r u n d r i s s i s t d u r c h g ro ß e F e n s t e r f l ä c h e n t ra n s p a r e n t g e s t a l t e t ; ü b e r 8 0 v e r s c h i e d e n e R a u m s i t u a t i o n e n k ö n n e n d u r c h m o b i l e , ­t e i l w e i s e v e r s e n k b a r e W ä n d e h e r g e s t e l l t w e rd e n . S e i t 2 0 1 2 l e i t e t F ra n c i s k a Z ó l y o m d a s H a u s , z u d e m a u c h e i n C a f é , e in Shop und zwe i Hotel zimme r gehöre n .

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Vo r 2 5 J a h r e n w u rd e i n L e i p z i g d i e G a l e r i e f ü r Z e i t g e n ö s s i s c h e K u n s t (G f Z K ) g e g r ü n d e t .

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„Was ist nicht möglich?“


Tarnschrift „Der letzte Appell“ von Gustav Regler, 1939, in Form einer Tomatensamentüte. Foto: Martin Jehnichen

Für ARTMAPP sprach Sarah Alberti mit der ehemaligen und der aktuellen Leiterin der GfZK über postkommunistische Zustände, die Spezifik der Institution und ihre Rolle in Leipzig. ARTMAPP: Der Gründungsdirektor Klaus Werner verfolgte das Ziel, mit der GfZK die Lücke zwischen dem ostdeutschen Kunstpublikum und den Entwicklungen in der westdeutschen und internationalen zeitgenössischen Kunst zu schließen. Wie haben Sie diesen Gründungsgedanken verstanden beziehungsweise modifiziert? Barbara Steiner: Diese Ausrichtung nach Westen erklärt sich mit einer gewissen Sehnsucht, hier um 1990 Kunst aus dem Westen zu zeigen, die man vorher nicht sehen konnte. Ich habe mich 2001, zu Beginn meiner Tätigkeit in Leipzig, gefragt: Wie hat sich die Situation der Kunst und der Kultur in den postkommunistischen Ländern inzwischen verändert? Und wie steht diese innerhalb von Entwicklungen an anderen Orten. Die geografische Ebene ist dabei aber nur eine. Denn es ist klar: Wir leben in viel komplexeren Räumen. Diese Überlagerungszonen interessieren Franciska und mich sehr stark. Franciska Zólyom: Zudem beschäftigt mich die Frage, ­i n­w ieweit dieser postkommunistische Zustand mit einem postkolonialen Diskurs umschrieben werden kann be­ ziehungsweise wie sich diese Diskurse miteinander in Beziehung setzen lassen. Dies gelingt zum einen über the­ matische Setzungen und zum anderen über die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler. Wobei ich eine geografische oder kulturelle Fokussierung, etwa auf „afrikanische Künstler“, schwierig finde. Vielmehr interessieren mich transkulturelle und postkoloniale Betrachtungen unserer ­Gesellschaft. Zum Beispiel hat kürzlich Bouchra Khalili in der GfZK ausgestellt, eine marokkanische Künstlerin, die lange in Frankreich gelebt hat und mit dort lebenden Migrantinnen und Migranten kulturelle Identität, Dominanz und die damit einhergehenden Machtverhältnisse untersucht. Das sind Themen, die unsere Gesellschaft betreffen und herausfordern.

ARTMAPP: Im Rahmenprogramm der letzten Ausstellung trafen unter dem Motto „Kennen. Lernen“ Asylbewerber auf Leipziger Bürger. Was war das Anliegen des Projektes? FZ: Oft entstehen ja stereotype Vorstellungen über Asyl­ suchende, ohne dass es überhaupt eigene Begegnungen mit denjenigen gibt, die in Deutschland Zuflucht suchen. Dabei sind die Geschichten und Weltansichten dieser Menschen genauso vielfältig wie unsere. In dem Projekt ging es darum, Vorstellungen und Bilder voneinander einmal genauer zu fassen und zu fragen, wie Verständigung überhaupt hergestellt werden kann oder ob es auch Dinge gibt, die sich ohne gemeinsame Sprache überhaupt nicht vermitteln lassen. ARTMAPP: Wo würden Sie die GfZK als Institution im internationalen Vergleich verorten? FZ: Ich denke, es gibt weltweit eine Reihe von Institutionen, die die Möglichkeiten eines Museums viel weiter fassen, als das Sammeln und das Zeigen von Kunst. Ich würde die GfZK auf der Weltkarte jener Institutionen ­sehen, die in einen aktiven Dialog mit ihrem Umfeld treten. Dabei entsteht ein Möglichkeitsraum, der für viele besonders interessant ist, weil es keine Begrenzung für das Format, für den Ort oder für die Dauer der Zusammenarbeit mit Künst­ler/innen, Gemeinschaften, Interessent/-innen gibt. Die gesellschaftskritische Ausrichtung ist wichtig: Über formal­ ästhetische Diskurse hinaus spielt die Anbindung an die Gegenwart eine zentrale Rolle. BS: Es war von Anfang an klar, dass die Gf ZK Kunst in ­ usammenhang mit anderen gesellschaftlichen Bereichen Z betrachtet. Wie verhalten sich künstlerische Arbeiten zueinander und zur Welt? Dieser relationale Ansatz distanziert sich von einer ausschließlichen Fokussierung auf das einzelne Werk. FZ: Ich sehe auch eine Qualität darin, immer wieder zu bestimmten Positionen zurückzugehen, um danach zu fragen, welche Formen der Zusammenarbeit möglich sind. Zum


Außenansicht GfZK, 2014 Foto: Sebastian Schröder

Beispiel hat Olaf Nicolai, der dieses Jahr auf der Biennale in Venedig vertreten sein wird, über viele Jahre mit der Gf ZK zusammengearbeitet. Sicherlich ist sein Weg sein eigener, aber ich denke, dass diese langjährige Verbindung beide Seiten stark geprägt hat. ARTMAPP: Frau Steiner, Sie haben in Ihrer ­A mtszeit unter dem Titel „Carte blanche“ Privatpersonen und Unternehmen eingeladen, Ausstellungen in den Räumen der GfZK zu realisieren, darunter die LBBW Sachsen Bank oder die Galerie EIGEN+ART. Die Gäste übernahmen dabei jeweils die entstehenden Kosten für ihre Ausstellung, aber auch für gemeinsame Formate, etwa für die ­Kunstvermittlung. Im Gegenzug stellte die GfZK ihre, auch durch öffentliche Gelder finanzierte, Infrastruktur und kuratorische Arbeitsleistung zur Verfügung. Die Reaktionen reichten seinerzeit von Lob bis Unverständnis. Wie beurteilen Sie das Projekt heute? BS: Ich würde das Projekt sehr gern noch einmal machen. 2008 und 2009 wurde „Carte Blanche“ ganz klar als Ausverkauf der Kunst und der Institution gesehen. Dabei ging es uns vielmehr um die öffentliche Verhandlung der Interessen zwischen den Eingeladenen, der Institution und allen anderen an diesem Prozess Beteiligten. Das P ublikum spielte dabei auch eine wichtige Rolle. Heute sieht man das Projekt so differenziert, wie ich mir das damals gewünscht hatte, und das freut mich.

BS: Das Thema finde ich ganz großartig, weil die Verän­ derung, die der Travestie zugrunde liegt, schon in die Konzeption dieses Gebäudes eingeschrieben ist, indem immer wieder neue Konstellationen und Zusammenhänge geschaffen werden.

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ARTMAPP: Wo würden Sie die GfZK in Leipzig verorten? BS: Die Akzeptanz ist gewachsen. Als ich hier ankam, hatte die Stadt ein Förderveto eingelegt, weil sie die Relevanz der GfZK für Leipzig nicht sah, der Freistaat wollte als Gesellschafter aussteigen. Heute ist das Rathaus der Institution wohlgesonnen und der Stellenwert der Gf ZK ist für die Stadt und den Freistaat unumstritten. Seit der Eröffnung der Vermittlungsabteilung 2007 gibt es auch viele Kinder und ­Jugendliche, die dieses Haus lieben und ihre Eltern mit hierher bringen. FZ: Es gibt eine steigende Nachfrage von Erwachsenen, auch von Rentnern. Wir gehen davon aus, dass Menschen an ­so­zialen und künstlerischen Prozessen teilnehmen wollen und sich einbringen können. Die GfZK kann hier in Leipzig ­T hemen, Diskurse und Arbeitsweisen vorantreiben, die nicht schnelllebig, eindeutig und einfach sind. Und sie ist als ­I n­stitution extrem erfolgreich darin, lokale Belange so ­k ünstlerisch zu fassen und zu verhandeln, dass sie auch international eine Relevanz und eine Deutbarkeit bekommen. ARTMAPP: Barbara Steiner und Franciska Zólyom, vielen Dank für das Gespräch! 1 2 . bis 15 . März 2015 „ M i l l i o n ä r s C l u b – M e s s e z u I l l u s t ra t i o n u n d C o m i c“ seit 13. Febr uar 2015 „ Tra v e s t i e f ü r F o r t g e s c h r i t t e n e“

BS: Mich interessiert immer auch das nicht Sichtbare: Was wird nicht gezeigt? Was ist aus einem bestimmten Diskurs ausgeblendet? Was ist nicht möglich? Der Neubau der GfZK bietet etwa viele Möglichkeiten der Veränderbarkeit, aber nicht an allen Stellen. Er erlaubt Einblicke, beschränkt aber auch den Blick. Das war Teil der architektonischen Konzeption.

10. Apr il 2015 „ G r e k o . G r e n z b i l d e r d e r E r i n n e r u n g“ 8. Mai 2015 „ Inter nat ional Village Show 2 /8: L e i p z i g e r U m l a n d t r i f f t A n d a l u s i e n“ www. g f zk. de

FZ: Wir fragen uns, wie Zuschreibungen und vermeintliche „Mehrheitsmeinungen“ entstehen, welche normative Kraft sie haben und wie insbesondere Subjekt, Geschlecht und Macht zusammenhängen. Es geht um die Vielfalt von mög­ lichen Perspektiven und darum, auch die eigene Position immer wieder zu befragen. Wir werden den Neubau wie eine Drehbühne bespielen. Einzelne Arbeiten werden über einen längeren Zeitraum gezeigt, aber der Zusammenhang wird sich mehrfach verändern.

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ARTMAPP: 2015 beginnt im Neubau der GfZK das Projekt „Travestie für Fortgeschrittene“ – worum geht es dabei?

Franciska Zólyom, Barbara Steiner, Foto: Sascha Herrmann, 2014

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FZ: Das ist ganz typisch für die GfZK: Sichtbar machen, in welchem Feld man arbeitet, wodurch es bedingt ist, wodurch es sich verändert und wer die Akteure sind.


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Die Leipziger Schule

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Karriere eines ungeliebten Etiketts

Es ist inzwischen ein Ding der Unmöglichkeit, in Leipzig ­keine Maler zu kennen. Das hängt vor allem mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) zusammen, deren Ausbildung prägend war für die heute unter dem Namen „Leipziger Schule“ oder „Neue Leipziger Schule“ international erfolg­r eichen Maler. Doch aller Anfang ist bekanntlich schwer, so auch hier: Schon wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges startete der Versuch, mit der HGB in Leipzig eine Ausbildungsstätte zu etablieren, die den ideo­ logischen A nsprüchen des in der DDR propagierten Sozialistischen Realismus gerecht werden sollte. Nicht passfähige Künstler, beispielsweise Ernst Hassebrauk (1905–1974) und Max Schwimmer (1895–1960), sowie die später als Pro­ tagonisten der „Leipziger Schule“ berühmt gewordenen Studenten Werner Tübke (1929–2004), Bernhard Heisig (1925–2011) und Wolfgang Mattheuer (1927–2004) verließen die HGB in den Jahren 1949 bis 1951 daher mehr oder weniger unfreiwillig. An ihre Stelle traten linientreue Maler. Auf der „3. Deutschen Kunstausstellung“ in Dresden im März 1953 sollten diese Künstler als Vertreter der neuen Kunstrichtung einen ersten Triumph feiern. Das jedoch ging gründlich schief. Die pa­t hetischen Bilder im heroischen Stil des So­ zialistischen Realismus fanden zwar das Wohlwollen der Funktionäre, doch nach den blutig niedergeschlagenen Aufständen vom 17. Juni 1953 erschien die ideologische ­S ättigung der ausgestellten Gemälde besonders hohl. Hinzu kamen qualitative Mängel. Im Kontext der folgenden Debatten fiel erstmals der später zum Markenzeichen avancierte Begriff „Leipziger Schule“. Das Dresdner Debakel hatte unmittelbare Konse­ quenzen. So holte die HGB in den Folgejahren die ehemaligen Studenten Mattheuer, Heisig und Tübke zurück, nun als

j­ unge Assistenten der auf Neuerung bedachten Ausbildungsstätte. Dieses Dreigestirn, die eigentliche Keimzelle der „Leipziger Schule“, legte die Basis für deren Erfolgsgeschichte. Dazu gehörte die Gründung einer „Malklasse“ im Jahr 1961, initiiert durch die HGB-Studenten Hartwig Ebersbach (*1940), Werner Petzold (*1940) sowie Heinz Zander (*1939) und durch den damaligen Rektor Heisig. Zum Erfolg der „Leipziger Schule“ trugen auch die „ Kunst ausstellungen der DDR“ in den 19 60er- und 1970er-Jahren bei, vor allem durch die Gemälde des Trios ­Heisig, Mattheuer und Tübke, deren Positionen auch auf der Kasseler „documenta 6“ im Jahr 1977 vertreten waren. Verantwortlich für den internationalen Erfolg der Leipziger Maler war nicht zuletzt Eduard Beaucamp, der damalige Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Bereits seit 1968 hatte er die Ateliers der Leipziger Maler besucht und euphorisch darüber berichtet. Das Medienecho im „kapitalistischen Ausland“ löste allerdings eine Kontroverse um die Zulässigkeit des Begriffs „Leipziger Schule“ aus. Die Leipziger Maler selbst lehnten den Schulbegriff in einem 1973 publizierten Statement kategorisch ab, aber als Markenname war er nun einmal in der Welt. Und ist es bis heute geblieben. Unvorhergesehene Wendungen prägten auch den Aufstieg der „Neuen Leipziger Schule“: Der Begriff bezeichnet zu Beginn der 1980er-Jahre die Maler der zweiten Generation der „Leipziger Schule“, beispielsweise Sighard Gille (*1941). ­Erneut taucht er im Mai 1989 im Zusammenhang des 225-jährigen Jubiläums der HGB auf, nun aber, um Künstler wie Neo Rauch (*1960) zu charakterisieren. Damit war eine dritte ­G eneration der „Leipziger Schule“ benannt. Doch es hätte nicht viel gefehlt und die „Neue Leipziger Schule“ wäre gleich wieder in der Versenkung verschwunden. Denn nach der


friedlichen Revolution vom Herbst 1989 stand auch im Bereich der Kunst alles auf dem Prüfstand, was nach DDR und Farbe roch. Maler galten plötzlich als hirnamputierte ­Fellwestenträger und die klassischen, auf Vermittlung handwerklicher Techniken gerichteten Ausbildungssparten der HGB als hoffnungslos veraltet. Man dachte sogar darüber nach, die Malklassen und damit die Malerei an der Schule abzuschaffen. Die Geschichte ist bekanntlich auch hier in eine andere Richtung gelaufen. Zwar lehnen die Maler erneut den Schulbegriff als unzulässige Etikettierung ab, gleichwohl gilt die „Neue Leipziger Schule“ seit 2004 in der deutschsprachigen Presse als Synonym für erfolgreiche Malerei, seit 2006 auch international. Zu dieser Erfolgsgeschichte haben vor allem das Wirken von Arno Rink (*1940) als Rektor der HGB und der rasante Aufstieg Neo Rauchs zum internationalen Malerstar beigetragen. Ebenso sind Klaus Werner als Gründungsdirektor der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst, die Galerie EIGEN+ART von Gerd Harry Lybke sowie die Leip­ ziger Baumwollspinnerei zu nennen. Schon vor der Jahrtausendwende hatten hier, in der stillgelegten und reichlich ruinösen Fabrikanlage, etliche Künstler eine Heimat gefunden. Heute sind sowohl die Spinnerei als auch die benachbarten Stadtquartiere lebendige Zentren der Leipziger Kunstszene. Erfolg hängt also nicht nur von Protagonisten und Antagonisten ab, sondern auch von Räumen, die zur Entfaltung von Talenten einladen.

Frank Zöllner ist seit 1996 Professor für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Universität Leipzig und Direktor des Instituts für Kunstgeschichte.

ab 4 . Juni 2015 „ A n s i c h t s a c h e n – D i e L e i p z i g e r S c h u l e i n L e i p z i g“ , Neues Augusteum A u s s t e l l u n g s ra u m d e r K u s t o d i e Kunstsammlung Universität Leipzig www. z v. uni-le ipz ig. de

AU S S T E L L U N G S O R T E Z U R L E I P Z I G E R S C H U L E Museum der bildenden Künste K a t h a r i n e n s t ra ß e 1 0 Kunsthalle der Sparkasse O t t o - S c h i l l - S t ra ß e 4 a Tübke St if t ung Leipzig S a m m l u n g F r i t z P. M a y e r – L e i p z i g e r S c h u l e S p r i n g e r s t ra ß e 5 U r s u l a M a t t h e u e r- N e u s t ä d t u n d Wo l f g a n g M a t t h e u e r S t i f t u n g H a u p t m a n n s t ra ß e 3 1

FR ANK ZÖLLNER

linke Seite: Hart wig Ebersbach, „Cantiere D’Arte/Montepulciano“, 1983, Dispersion auf Fahnentuch, dreiteilig, 280 x 390 cm, Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, Foto: Bertram Kober Werner Tübke, „Am Strand von Roma Ostia II“, 1974, Mischtechnik auf Holz, 90,5 x 65 cm, Tübke Stiftung Leipzig, Foto: Martin Weicker Wolfgang Mattheuer, „Große Straße II“, 1962, Öl auf Hartfaser, 118 x 95 cm, Kunsthalle der Sparkasse Leipzig Neo Rauch, „Das Fell“, 2000, Öl auf Mischgewebe, 190 x 132,2 cm, Museum der bildenden Künste Leipzig Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin und David Zwirner, New York/London, Foto: Uwe Walter, Berlin

VG Bild- Kunst, Bonn 2015

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Museen im Grassi

Das Bauhaus in Leipzig

Die Josef-Albers- Fenster bei einbrechender Dunkelheit, vom Mittelhof aus gesehen, Foto: Uli Kühnle, Halle/Saale linke Seite: Probefelder für Albers- Fenster, 2010 gefertigt in der Glasmalerei Peters, Paderborn, Foto: Helga Schulze - Brinkop, Leipzig

originalen Fensterentwürfe verfügt. Sie stammen aus dem Nachlass der 1926 mit der Umsetzung der Fenster beauftragten Berliner Firma. Am 4. Dezember 2011, 15 Jahre nach diesem Fund, 85  Jahre nach der Beauftragung von Josef Albers und 68 Jahre nach ihrer Zerstörung wurden die rekonstruierten Fenster im Treppenhaus des Museums der Öffentlichkeit übergeben. ­A lbers emigrierte 1933 in die USA und war zu Lebzeiten nicht wieder in Leipzig. Erhalten ist l­ ediglich ein kurzer Schriftwechsel mit dem Museum aus den 1960er-Jahren: Albers bat darin um Fotos seiner zerstörten Fenster.

bis 31. Mai 2015 „ D i e m o r g e n d l i c h e T i s c h k u l t u r“ 1. Apr il bis 28 . Juni 2015 „ 2 . 5 . 0 . – O B J E C T I S M E D I TA T I O N A N D P O E T R Y “ ab 18. Juni 2015 „ E XO T I K V E R F Ü H R U N G G L A M O U R “ D i e We l t m a r k e G o l d s c h e i d e r w w w . g ra s s i m u s e u m . d e

F R Ü H J A H R 2 015 — L E I P Z I G

SARAH ALBERTI

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Eine gute Autostunde trennt die Leipziger Innenstadt vom Bauhaus-Pilgerort Dessau. Doch auch mitten im Leipziger Zentrum hat das Bauhaus Spuren hinterlassen: Josef Albers (1888–1976) entwarf für das seinerzeit im Bau befindliche Grassi Museum für Angewandte Kunst im Jahr 1926 ein ­E nsemble aus insgesamt 18 Fenstern, bis heute die größte Flachglasarbeit eines Künstlers der Dessauer Bauhaus-Zeit. Albers hatte selbst am Bauhaus studiert, wo er dann von 1923 bis 1933 lehrte und als Leiter der Glaswerkstatt tätig war. Galt sein Interesse zunächst dem Entwerfen von Möbeln und ­G ebrauchsgegenständen, spezialisierte er sich ab 1925 auf Glasbilder mit geometrischen Ornamentbändern. Wie ein Wink des Schicksals muss für ihn der Leip­ ziger Auftrag nur ein Jahr später gewirkt haben: Die Scheiben der bis zu sieben Meter hohen Fenster im Haupttreppenhaus des Grassi Museums gestaltetet er aus klarem Trägerglas und sogenanntem Überfangglas mit einer weißen und einer ­g rünlich-gelben Farbschicht. Flächig aufgetragenes und gefärbtes Schwarzlot sowie horizontale und lineare Schliffe akzentuierten die Fenster. 1927 eingebaut wurden sie während eines Bombenangriffs auf Leipzig in der Nacht zum 4 . Dezember 1943 zerstört. Ein­f aches Fensterglas wurde später eingesetzt, verschiedene neue Entwürfe nicht rea­ lisiert. Erst 1996 ergaben museums­eigene Recherchen, dass die Berlinische Galerie über Vorlagen und Fotografien der


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Das Deutsche Buch - und Schrif tmuseum

Literatur in Tomatensamen

Tarnschrift „Der letzte Appell“ von Gustav Regler, 1939, versteckt in einer Tomatensamentüte, Foto: Martin Jehnichen

Eine überdimensionale Fensterfront, cleane, weiße Flächen und abgerundete Glasvitrinen – das Deutsche Buch- und Schriftmuseum (DBSM) in Leipzig erinnert an das Interieur eines Apple-Stores: Statt auf Bücherregale treffen Besucher hier bei freiem Eintritt auf eine luftig-futuristische Ausstellungsarchitektur. Vor drei Jahren eröffnete der Neubau des Museums in der Deutschen Nationalbibliothek. Leipzig kann sich seither ein neues Aushängeschild an die Tür zur „Buchstadt“ hängen, wo 1650 die allererste Tageszeitung erschien, Brockhaus und Reclam einst Verlagsgeschichte schrieben und heute die jährliche Buchmesse im März Tausende Lesefans nach Leipzig zieht. Wozu ein Buch- und Schriftmuseum im Jahr 2015? Eine berechtigte Frage in Zeiten von E-Book und iPad. Eine Antwort: Superlative. 1884 gegründet, ist das DBSM das älteste Buchmuseum der Welt. Seine Bestände reichen zurück bis in das zweite Jahrtausend vor Christus. Einmalige Archivalien zur Buchgeschichte stehen neben grafischen Blättern und Künstlerbüchern, der weltweit größten Wasserzeichensammlung, Nachlässen von Wissenschaftlern, Buch- und Schriftgestaltern, einem Bildarchiv und einer Fachbibliothek. „Gemessen an Qualität und Umfang gehört es zu den bedeutendsten Museen seiner Art“, sagt Stephanie Jacobs, die das Haus seit 2007 leitet. „Es ist die zentrale Forschungs- und Dokumentationsstätte für die Buch- und Schriftkultur in Deutschland.“ Bis heute sichert die Abgabe der gesamten aktuellen deutschsprachigen Buchproduktion durch die Verlage

an die Deutsche Nationalbibliothek die Aktualität des DBSM: Wo andere Museen über fehlende Ankaufsetats klagen, kann es die wertvollsten seit 1913 erschienenen Bücher direkt in seinen Bestand aufnehmen. Dem kuratorischen Problem, dass Bücher sich nur schwer ausstellen lassen, begegnet die Dauerausstellung mit der Konzentration auf Objekte, die den Medienwandel verdeutlichen: Neben zerbrochenen Tonscherben, die als frühe Notizzettel dienten, steht beispielsweise eine Graffitisprühdose. In den organisch geformten Vitrinen verstecken sich Geräusche der Mediengeschichte – zieht man eine der Schubladen heraus, symbolisiert etwa eine blökende Schafsherde das blutige Geschäft der Pergamentherstellung. „Wir können und wollen hier nicht die gesamte Buch- und Mediengeschichte systematisch wissenschaftlich abgrasen, dafür ist eine Ausstellung der falsche Ort“, erklärt Jacobs das Konzept. Vielmehr setzt die Dauerausstellung auf 1.000 Quadrat­ metern einzelne Schwerpunkte zu Schrift, Buchdruck, Industrialisierung, Buchgestaltung oder Massenmedien. Für das Thema Lesen steht als Exponat eine sogenannte Krätze, eine Rückentrage aus dem 18. Jahrhundert, mit der die frühen Buchhändler ihre Ware übers Land brachten – schon damals mit Geheimfächern für verbotene Literatur. Gezeigt werden weitere historische Zensurfälle: So diente 1939 eine Tüte mit Tomatensamen als Literaturversteck. Im handelsüblichen Format war sie mit einer Tomate bedruckt, sogar den Samen konnte man erfühlen. Im Inneren befand sich eine herausnehmbare Broschüre mit Gustav Reglers Text „Der letzte Appell“, in dem er die Verleumdungen der emigrierten Deutschen durch die Nazionalsozialiten anprangerte. In unmittelbarer Nähe dazu liegt die Ostberliner Untergrundzeitschrift „Entwerter/Oder“, eine der bedeutendsten illegalen Zeitschriften der DDR, die in Leipzig von Galerist Gerd Harry Lybke vertrieben wurde. Auch vor der Digitalisierung macht die Dauerausstellung des DBSM nicht halt – auf wenigen Quadratmetern schafft sie den Brückenschlag von Johannes Gutenberg zu Mark Zuckerberg: vom Phänomen des Bestsellers, etwa der „Harry Potter“-Reihe, über Telefonüberseekabel für das Internet bis zum weltumspannenden Onlinenetzwerk Facebook. Im Deutschen Buch- und Schriftmuseum kann man sich ­t reiben lassen durch 5.000 Jahre Mediengeschichte der Menschheit. Wer eine Pause braucht, nimmt auf einem der Sofas Platz und lässt den Blick durch die 100 Meter lange Fensterfront über Leipzig schweifen. Museen und Bibliotheken sind die Ruheoasen unserer Zeit. Zum Telefonieren müssen wir rausgehen – lesen dagegen ist möglich. SARAH ALBERTI


Blick in die Dauerausstellung, Foto: DBSM unten: Er weiterung Deutsche Nationalbibliothek, Foto: Luftbildpilot Harald Anders

Z U R A RC H I T E K T U R D a u e ra u s s t e l l u n g

DE S DEU T SCH E N BUCH- U N D SCH R I F T M USEU MS

b i s 7. J u n i 2 0 1 5 „ K i n d h e i t u n d J u g e n d i m E r s t e n We l t k r i e g“ w w w . d n b . d e /d b s m

Juliane Richter

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ab 11. März 2015 „ Kaf ka im Künstlerbuch“

Das Museum ist im mittlerweile vierten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig untergebracht. In einem organischen Schwung schließt er sich an das 1916 fertiggestellte, spätwilhelminische Gebäude von Oskar Pusch (1877–1970) an. Über einem gläsernen Erdgeschoss, das den Blick auf die Ausstellung im Inneren zulässt, erhebt sich eine vier Geschosse umfassende, mit Aluminium verkleidete ­B etonschale. Sie ist an ihren Schnittf lächen durch farbig akzentuierte Glaspaneele aufgelockert. Hinter der Betonhaut verbergen sich die Magazinf lächen, die ebenso in den 1982 errichteten und neu verkleideten, weißen „Büchertürmen“ hinter dem Anbau Platz finden. Die Assoziation an ein ­liegendes Buch kommt nicht von ungefähr: Die Architektin Gabriele Glöckler, die den Bau entwarf und zusammen mit dem Büro ZSP Architekten, Stuttgart, realisierte, nennt ihr Konzept „Umschlag – Hülle – Inhalt“. Den Leipzigern ist eine derart zeichenhafte Architektur nicht unbekannt – soll doch schon der von weither erkennbare Hochhausturm im ­L eipziger Zentrum von Hermann Henselmann (1905–1995) an ein aufgeschlagenes Buch erinnern.

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„ Zeichen – Bücher – Netze. Vo n d e r K e i l s c h r i f t z u m B i n ä r c o d e“


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Museum der bildenden Künste Leipzig

Paul Klees „Sonderklasse“

Paul Klee, „Der Niesen“, 1915.250, Aquarell und Bleistift auf Papier auf Karton, 17,7 x 26 cm, Kunstmuseum Bern, Hermann und Margrit Rupf-Stiftung

„Sonderklasse“ – mit dem Begriff verbinden wir heute vor ­allem die „S-Klasse“, die Mercedes-Benz 1972 unter dieser Bezeichnung für Luxuskarossen einführte. – Der Künstler Paul Klee (1879–1940), Protagonist der Klassischen Moderne, fasste bereits von 1928 bis 1933 unter solch einem Index besondere Blätter innerhalb seines Werks zusammen. Bis vor Kurzem war die Geschichte von Klees „Sonderklasse“-­Bildern noch weitgehend verborgen. Erst im vergangenen Jahr konnten Wolfgang Kersten, Osamu Okuda und Marie Kakinuma im Rahmen einer einzigartigen Forschungskollaboration zwischen dem Museum der bildenden Künste Leipzig, dem Zentrum Paul Klee, Bern, und der Universität Zürich die komplexe Bedeut ung der Wert- und Ordnungskategorie „Sonderklasse“ aufarbeiten. – Die Ausstellung „Paul Klee – Sonderklasse, unverkäuf lich“ wird ab dem 1. März 2015 in Leipzig gezeigt; dazu erscheint eine umfassende wissenschaftlichen Publikation mit einem kommentierten Katalog zu allen bekannten Werken der „Sonderklasse“. Die Blätter stammen allesamt aus den Jahren 1901 bis 1933 und tragen in der Regel auf dem Unterlagekarton ein Kürzel, etwa „S. Cl.“ oder „S. Kl“. So machte Klee die Zuordnung zur „Sonderklasse“ sichtbar und zum integralen Bestandteil des jeweiligen Werks. Insgesamt mindestens 297 Arbeiten, allesamt auf Karton aufgezogen, erfuhren diese spezielle Einstufung. Sie hatten in Klees Gesamtwerk, das rund 9.600 Bilder umfasst, eine herausgestellte Wertschätzung erlangt, die ebenso ästhetischer wie finanzieller, subjektiver wie

objektiver Natur sein konnte. Die Qualitätsstufe „Sonderklasse“ bedeutete jedoch nicht einfach nur subjektive Würdigung, sondern definierte sich, insbesondere im Kontext von Ausstellungen, über die Abgrenzung gegenüber seinen anderen Bildern. Die Bezeichnung „Sonderklasse“ brachte grundsätzlich Klees persönliche Bewertung eines Werks zum Ausdruck, sie ist als Auszeichnung, als Gütesiegel zu verstehen, eingedenk aller (Be-)Deutungsvarianten und deren Historizität. Bescheinigt wurde durch den Künstler in jedem Fall höchste künstlerische Qualität, wozu selbstverständlich auch die inhaltliche Bedeutung des jeweiligen Bildes gehört. Daneben konnte sich dieses Alleinstellungsmerkmal von der Hand des Meisters aber auch auf einen jeweils speziellen künstlerischen oder maltechnischen Aufwand und auf seine persönliche Vorliebe für bestimmte Arbeiten beziehen. Dahingehend hat jedenfalls am 24. Oktober 1928 einer der für Klee besonders wichtigen Kunsthändler, Rudolf Probst, der in Dresden von 1919 bis 1933 die Galerie „Neue Kunst Fides“ betrieb, eine Anfrage von Erich Wiese aus dem Schlesischen Museum für bildende Künste in Breslau beantwortet: „Maßgebend für das Höher- und Niederer der Fixierungen ist nach meinen Erfahrungen nicht durchweg das Qualitative gewesen, sondern oft das Mehr oder Weniger der künstlerischen Anstrengungen, bezw. Arbeit, die für Klee damit verbunden war, – oft aber auch der Grad der subjektiven Anhänglichkeit.“ Neben auf den ersten Blick objektivierbaren Kriterien haben wir es also auch mit subjektiv-rituellen Funktionen der „Sonder­k lasse“Kategorie zu tun, so als hätte sich Klee zu Lebzeiten sukzessive seine eigene Retrospektive zusammengestellt, mit Blick auf seine Stellung in der Gemeinschaft von Förderern, Kollegen, Freunden, in der Gesellschaft, der Kunstkritik, auf dem Kunstmarkt und nicht zuletzt mit Blick auf die Kunstgeschichte. Es ist, als hätte er erkannt, dass Ordnungskategorien zugleich beitragen zur Generierung und Etablierung von Wertordnungen und dass jede Ordnungsbildung eine Projektionsfläche für Wertigkeit anbietet.


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Paul Klee, „der Künftige“, 1933.265, Kleisterfarbe und Kohle auf Papier auf Karton, 61,8 x 46 cm, Zentrum Paul Klee, Bern

WOLFGANG KERSTEN

Wolfgang Kersten promovierte über Paul Klee und ist Professor für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Universität Zürich.

bis 25 . Mai 2015 „ Paul Klee – Sonde rkla sse, unve rkäuf lich“ www. mdbk. de

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Katastrophe – der Emi­g ration in die Schweiz – neu erfunden werden. Eine „Sonderklasse“ zu bespielen war jetzt nicht mehr Klees ­Be­streben. Fortan sollte er sich verstärkt dem politischen ­Z eitgeschehen und seiner eigenen, ungebrochenen Produktivität widmen. So unermüdlich, stark und entschlossen wie zuvor, aber vielleicht nicht mehr so spielerisch und auslotend, analysierend und faszinierend, wie es die „Sonderklasse“ z­ ugelassen hatte.

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Etwas als besonders für den Markt auszuf laggen, das ­f unk­t ioniert ebenso für luxuriöse Autos wie für großartige Kunstwerke – daran haben wir uns als Konsumenten ­gewöhnt. Doch Klee hat mit der analysierenden Distanz des Künstlers eine weitaus raffiniertere Spielart dieses Systems des Anpreisens und des Weckens von Begehrlichkeiten ­erdacht und praktiziert. Mit als „unverkäuflich“ ausgestellten Werken der „Sonderklasse“ lenkte er den Blick auf sein ­Gesamtwerk. Er machte gerade durch das, was nicht zu haben war, umso neugieriger auf das, was er zu verkaufen gedachte. So hat Klee nicht nur einen Pool von Werken zusammenwachsen lassen, die für ihn eine Quelle der Kreativität darstellen sollten – das wäre die unmittelbare Annahme, die unseren unerschütterlichen Glauben an die Schöpferkraft des Künstlersubjekts voraussetzt. Darüber hinaus – das können wir erst jetzt erkennen – hat Klee hoch bewusst, vielleicht ­s einen Einf luss als Künstler sogar überschätzend, das ­System der Künste und des Kunstmarkts zu dirigieren versucht. ­D ieser unerhörte Optimismus, dieses künstlerische Selbst­b ewusstsein, dies alles musste 1933 unter den historischen Vorzeichen einer politischen und persönlichen


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Christian Brandl, „Das Treffen“, 2014, Öl auf Leinwand, 170 x 160 cm, Sammlung Hildebrand, Leipzig Foto: Uwe Walter, Berlin © Courtesy of Galerie Kleindienst, Leipzig

rechte Seite: Hans Aichinger, „o. T. ( Junge auf Knien)“, 2005, Öl auf Leinwand, 190 x 170 cm, Sammlung Hildebrand, Leipzig © Courtesy maerzgalerie Leipzig/Berlin

Anka Ziefer und Steffen Hildebrand, Foto: Dotgain, 2015


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Eröf fnung der G2 Kunsthalle

Wohin mit der Kunst?

Ab wann ist man Kunstsammler? Wenn man fünf, zehn oder 50 Kunstwerke sein Eigen nennen kann? Der Leipziger Unternehmer Steffen Hildebrand bezeichnet sich seit Beginn der 2000er-Jahre als Sammler: „Ich begann damals, Kunst zu ­erwerben, ohne mir darüber Gedanken zu machen, wo die Werke hängen werden.“ Aus dem Bedürfnis heraus, die Bilder sichtbar zu machen, entstand schließlich die Idee einer Kunsthalle. „Kunst ist dazu da, gesehen zu werden“, so Hildebrands Einstellung. Was die Sammlung Falckenberg für Hamburg oder die Julia Stoschek Collection für Düsseldorf ist nun das G2 für Leipzig: Auf einer Fläche von 1.100 Quadratmetern werden hier ab März Teile der Kunstsammlung Hildebrand öffentlich zugänglich sein. „Es ging eigentlich nie darum, Wände zu füllen“, so Hildebrand. „Ich kaufe, was mich ästhetisch oder intuitiv anspricht und begeistert.“ Den Schwerpunkt bilden Leipziger Künstler, allein die Künstlerliste der Eröffnungsausstellung liest sich wie ein Who‘s who der hiesigen Malerszene: Rosa Loy, Neo Rauch, Hans Aichinger, Kristina Schuldt. Hildebrand selbst will sich und seine Sammelleidenschaft jedoch nicht auf den Begriff der Neuen Leipziger Schule einengen. Er sammle junge zeitgenössische Kunst vor allem aus Leipzig. Schon Ende der 1980er-Jahre wünschte sich der heute 47-Jährige ein Kunstwerk für seine erste eigene Wohnung – heute zählt seine Sammlung mehrere Hundert Arbeiten, auch von Nicht-Leipzigern wie Stephan Balkenhol, Daniel Richter und Ruprecht von Kaufmann. Neben Malerei umfasst die Sammlung auch Skulptur, Fotografie, Zeichnung und Druckgrafik. Die umgebauten Räume im White-Cube-Style und die Kunsthistorikerin Anka Ziefer, die das G2 in enger Absprache mit ihm inhaltlich verantwortet, lassen auf einen

Gewinn für die Leipziger Kunstlandschaft hoffen. Ziefers Anliegen: Die Sammlung über Ausstellungen zu erschließen und mit weiteren jungen Positionen zu kontextualisieren. Mehrmals wöchentlich ist das G2 ab Ende März nach Voranmeldung zu besuchen, moderate Eintrittspreise von 5 und 3 Euro sollen die Zugänglichkeit für jedermann ermöglichen. „Wir möchten den persönlichen Charakter der Sammlung mit dem Vermittlungskonzept verbinden“, so Anka Ziefer. Der Eintritt ist daher automatisch an eine Führung gebunden. Der Name G2 steht dabei weder für den kubanischen Geheimdienst noch für einen Rasierer der Marke Gilette: Die Abkürzung der Postadresse – Gottschedstraße 2 – spiegelt vielmehr Hildebrands Liebe zu Leipzig. Seit Mitte der 1990er-Jahre lebt und wirkt der Immobilienunternehmer hier. Die Sammlung ist jedoch keine Unternehmenssammlung und auch das Gebäude hat er privat erworben. Ab 1986 als ­e ines der letzten in der DDR als Datenverarbeitungs­ zentrum für die Stadt erbaut, fristete es in den vergangenen Jahrzehnten ein eher unscheinbares Dasein. Allein der Blick aus der verglasten Fensterfront der neuen Ausstellungsräume lohnt nun den Besuch: Vis-à-vis der Thomaskirche bietet sich künftig ein vollkommen neuer Blick auf das Leipziger Innenstadtensemble. SARAH ALBERTI

E rö f f n u n g s s o n n t a g : 2 2 . M ä r z 2 0 1 5 , 1 1 – 1 7 U h r, f r e i e r E i n t r i t t , o h n e Vo ra n m e l d u n g , B esuche re ingang : Dit t r ichr ing 13 www. g 2-le ipz ig. de


Sarah Alber ti

Die Spinnerei „Näher als hier können Sie Neo Rauch nicht kommen“, scherzt Michael Ludw ig , wen n er a ls P ressesprecher Gä ste über d ie ei nst ma ls g rößte Baumwollspinnerei Kontinentaleuropas führt. In einer der ehemaligen Produktionshallen, in der Halle 18, hat Neo Rauch seit 1994 sein Atelier. Doch wo genau der derzeit b ­ ekannteste Vertreter der zeitgenösischen Leipziger Malerei ­arbeitet, wissen nur wenige. Und das ist gut so. Denn die Leipziger Spinnerei ist kein Erlebnispark, in dem Besucher den Kreativen über die Schulter schauen können – über 100 Künstler arbeiten hier in konzentrierter Atmosphäre hinter geschlossenen Ateliertüren. Eine Gruppenausstellung in der sogenannten WERKSCHAU-Halle a­ nlässlich des zehnjährigen Galerienjubiläums auf dem Gelände zeugt im Mai von der hier verankerten künstlerischen Vielfalt. Im Jahr 2005 bezog ein Großteil der Leipziger Galerien Räumlichkeiten in der Spinnerei, darunter EIGEN+ART, Kleindienst, b2_, ASPN und Jochen Hempel. Dreimal im Jahr laden sie seitdem gemeinsam zum sogenannten Rundgang, einem Kunstwochenende, an dem alle Galerien und verschiedene Künstlerräume mit neuen Ausstellungen aufwarten und auch andere Mieter des Geländes ihre Türen für Besucher öffnen. Auch ein Call-Center, Designer, Schmuck- und Modemacher, ein Weinhandel, ein Tanzstudio und der Fachmarkt für Künstlerbedarf boesner haben ihren Sitz in den einstigen Industrieruinen. Es gibt ein Café, ein Programmkino und sogar eine Pension. Bis zu 400 Besucher kommen an einem normalen Wochenende. In der größten Halle, der Halle 14, wartet das gleichnamige nichtkommerzielle Kunstzentrum mit zeitgenössischen Ausstellungen auf und alle zwei Jahre findet hier das Fotografiefestival f/stop statt. Dass Besucher des Geländes nicht zwangsläufig Kunst kaufen, ist Gerd Harry Lybke, Galerist von EIGEN+ART, bewusst. Dennoch sollte man sie nicht unterschätzen: „Wir verkaufen regelmäßig Arbeiten an das Laufpublikum, und zwar mehr als in den letzten Jahren.“ Während des Booms um die Neue Leipziger Schule kamen die Spekulanten. Jetzt kommen die angehenden und die wahren Sammler. So etwa Thomas Rusche. Er besucht die Spinnerei bis zu fünf Mal im Jahr, schätzt das stressfreie Umherlaufen und die Möglichkeit, noch kurz in einem Atelier vorbeischauen zu können. Hinzu kommt für ihn die Verlässlichkeit der Leipziger: In Berlin wechselten die Galerien ihre Standorte in einer ihren Ausstellungen vergleichbaren Frequenz, sodass es Rusche „weder zeitlich noch physisch“ schaffe, hinterherzukommen. „Das Interesse an Leipzig wird stetig steigen“, ist Galerist Lybke optimistisch. Im Vergleich zur globalen Situation habe es hier keine Auf blähung und Überdimensionierung gegeben, die Künstler arbeiteten nicht mit einer riesigen Produktionskette. „Die Mietpreise im Verhältnis zu der Aufmerksamkeit, die wir auf dieser Insel haben – das gibt es kein zweites Mal.“ 1. und 2 . Mai 2015 , 11 – 20 Uhr „ J u b i l ä u m s r u n d g a n g“ d e r S p i n n e r e i G a l e r i e n 1. bis 30. Mai 2015 „W E R K S C H A U d e r S p i n n e r e i - K ü n s t l e r“ , W E R K S C H A U H a l l e 1 2 www. spinne re i . de

Leipziger Baumwollspinnerei, Foto: Uwe Walter, Berlin


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Gerd Harr y Lybke

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„Jeder Künstler ist ein Start-up-Unternehmer“ I m J a h r 1 9 8 3 b e g r ü n d e t e G e rd H a r r y L y b k e i n s e i n e r L e i p z i g e r Wo h n u n g d i e G a l e r i e ­E I G E N + A R T. Tro t z R e p r e s s i o n e n v o n S t a a t s s e i t e u n d d e r K o n t ro l l e d u r c h d i e S t a a t s ­s i c h e r h e i t g­ e l a n g e s i h m , b e r e i t s i n d e r D D R e i n e n k o n t i n u i e r l i c h e n A u s ­s t e l l u n g s b e t r i e b z u o r g a n i s i e r e n u n d d i e G a l e r i e n a c h d e r de ut sche n Wiede r ve re inig ung inte r nat ional zu e tablie re n . Lybke ver t r it t heute neben den Maler n Neo R auch und David Schnell unter ande re m auch Chr i st ine Hill, R é my Markowit sch und S ­ tella Hambe rg.

Gerd Harry Lybke: Die Leipziger Galerie und ihre Räumlichkeiten sind fantastisch und die Miete hat sich seit zehn Jahren nicht geändert. Die Ausstellungsf läche ist dreimal größer als in Berlin, wir haben mehr Lagerf läche, organisieren Trans­porte von hier, wir sind schnell in den Ateliers der Künstler. Und die Leipziger sind stolz auf dieses Gelände. Jede Tante, die zu Besuch kommt, wird hierher gebracht. Am Wochenende kommen bis zu 400 Leute. Das hat einen gewissen Charme. Die dezentrale Lage in Leipzig ist zudem nicht schlecht, weil die Leute sich bewusst auf den Weg hierher machen. In Berlin muss man einfach präsent sein und hat viel mehr Konkurrenz. ARTMAPP: Es heißt, Leipzig sei „the better Berlin“. Was unterscheidet beide Städte? GHL: In Leipzig kann man mit Kreativität noch mehr anfangen, als mit Geld. Für spontane Konzerte im Park braucht man keine Eintrittskarte. Leipzig ist immer noch preiswert. Man kann hier zehn Fahrradminuten vom Stadtzentrum entfernt wohnen. Und alles ist gut.

GHL: Die Absolventen der hiesigen Handelshochschule ­ erden in das kreative Umfeld der Ateliers in der HALLE 14 w gesetzt und treffen dort Künstler, von denen sie lernen können, dass nicht nur Gewinn entscheidet, sondern der Weg. Jeder Künstler ist ein Start-up-Unternehmer. Er geht jeden Tag ins Atelier und stellt eine Behauptung auf. Und die wird am nächsten Tag überprüft. Dieses tägliche Sich-infrage-­ Stellen und auch Scheitern lernt der Künstler von Anfang an. Unternehmern wird das oft nicht mit auf den Weg gegeben. Es geht auch darum, dass diejenigen, die in Start-ups investieren, mitbekommen, dass sie auch in Künstler investieren können. Und für ihr Geld sogar noch ein Kunstwerk bekommen. ARTMAPP: Sie wollen demzufolge mittels des „SpinLab“ auch neue Käuferschichten erschließen? GHL: Ja. Wir holen neue Käufer da ab, wo sie sind. Das Coaching zwischen Künstlern und Start-up-Unternehmen ist ein Nebeneffekt. Ich bin kein Überzeugungstäter für die, die eh schon Kunst gesammelt haben oder sich für Kunst interes­ sieren. Ich versuche alle, die noch nicht da gewesen sind – und das sind mehr, als schon einmal da waren – davon zu über­ zeugen, dass Kunst total super ist.

Gerd Harr y Lybke 2014 auf der Baustelle des SpinLab in der HALLE 14, Foto: Sascha Herrmann

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ARTMAPP: Schon seit den 1990er-Jahren sind Sie mit der Galerie EIGEN+ART auch in Berlin präsent. Was lässt Sie bis heute an Ihrer zweiten Galerie auf dem Gelände der Spinnerei in Leipzig festhalten?

ARTMAPP: Auf Ihre Initiative hin arbeiten seit Beginn des Jahres auf dem Spinnereigelände junge Start-up-Unternehmen Tür an Tür mit Künstlern. Welche Idee steht hinter dem sogenannten „SpinLab“?

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Für ARTMAPP sprach Sarah Alberti mit dem Galeristen über neue Kunstkäufer, bewusste Auszeiten und ein verpasstes Schauspielstudium.


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ARTMAPP: Das heißt, dem Kunstmarkt geht es nicht gut? GHL: Nein. Die Euphorie von vor 15 Jahren ist ein bisschen raus.

ARTMAPP: Sitzen Sie je alleine zu Hause? GHL: Ja. Einmal im Jahr. Für eine Woche. Und dann treffe ich niemanden. Rede nicht, telefoniere auch nicht. ARTMAPP: Auch nicht mit der Familie?

ARTMAPP: Olaf Nicolai, der von Ihnen vertreten wird, ist einer der Künstler, die Florian Ebner für den Deutschen Pavillon der diesjährigen Biennale in Venedig ausgewählt hat. Parallel dazu läuft im Juni die Art Basel. Was bedeutet das für Ihre Messepräsenz? GHL: Da hat jemand Vertrauen darin, dass Nicolai Deutschland vertritt. Das ist total fantastisch! Das kann man nicht erzwingen, das kann man auch nicht herbeireden. Auf der Art Basel zeigen wir – wie immer – auch Olaf Nicolai, nur dass der Scheinwerfer der öffentlichen Aufmerksamkeit vermehrt auf ihm liegen wird. Wir werden keine Einzelausstellung machen, das wäre ein Ausschluss gegenüber allen anderen Künstlern, die wir auch vertreten. Basel ist inzwischen wirklich die einzige Messe, wo alle Sammler kommen. ARTMAPP: Was zeichnet einen guten Galeristen aus? GHL: Ein guter Galerist ist wie ein guter Kellner. Da musst du sagen: Wir sind ein veganes Restaurant, damit keiner Fleisch bestellt. Du vermittelst das Werk, das dir in die Hand gegeben wurde. Du musst eine vermarktungsfähige Person sein, die die Leute achtet, die reinkommen. Du musst Menschen lieben. Ich weiß nicht, ob Künstler das müssen. Ich liebe es, mit Leuten zu quatschen und Ideen zu entwickeln, auf die ich aus mir selbst heraus zu Hause nicht gekommen wäre.

GHL: Nein, die lässt mich dann in Ruhe. ARTMAPP: Ein Kloster innerhalb der eigenen Wohnung. GHL: Ein Wohlfühlen innerhalb der eigenen vier Wände. Sich fragen: Wo bin ich jetzt? Da habe ich so viele Ideen und entwickle Strategien. Wenn man dann losläuft, geht es nur aus dem Bauch heraus. Nach Intuition. Und dann halte ich immer mal inne, für eine halbe Stunde im Flugzeug oder so. ARTMAPP: Bleibt Ihnen Zeit für Privatleben? GHL: Ich mache Sachen 100 Prozent. Wenn ich Urlaub habe, habe ich Urlaub. Wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme und auf einem Schaufenster „Galerie“ lese, frage ich mich: Wie verdienen die eigentlich ihr Geld? Und dann merke ich: Halt, du bist Galerist. Du musst es wissen. Ich kann komplett abschalten. ARTMAPP: Das ist eine große Gabe. GHL: Auch wenn ich segle, dann segle ich. ARTMAPP: Und denken nicht an Neo Rauch. GHL: Nein. Und wenn ich mit Ihnen ein Interview führe, dann denke ich nur an Sie und Ihre Fragen. Ich mache alles ganz direkt und 100 Prozent. Das gehört auch zum guten Ton.

Ricarda Roggan, Ausstellungsansicht in Leipzig, 2009, Courtesy EIGEN+ART, Foto: Uwe Walter, Berlin


Gerd Harr y Lybke in seiner Leipziger Galerie während des Inter views 2014, Fotos: Sascha Herrmann

ARTMAPP: EIGEN+ART wurde von Ihnen in der DDR gegründet und damals von der Stasi beobachtet. Spüren Sie heute Groll gegenüber der Vergangenheit? GHL: Meine Stasiakten sind so albern! Das Einzige, worauf ich sauer war, ist, dass man mich nicht hat studieren lassen. Ich hatte alle Aufnahmepüfungen an den Schauspielschulen der DDR bestanden – in Rostock, Berlin, Leipzig, Potsdam – und alle haben mich abgelehnt. Nach der Wende, 1992, habe ich dann einen Brief bekommen, eine Art Wiedergut­ machungsschreiben. Man hatte mir angeboten, Regie zu studieren, denn für Schauspiel war ich inzwischen zu alt. Das habe ich ernsthaft überlegt. Bis 1996 war die Galerie ein totales Verlustgeschäft und die totale Selbstausbeutung. ARTMAPP: Gibt es heute noch Verhaltensweisen, die Sie auf Ihre DDR-Sozialisation zurückführen?

ARTMAPP: Gerd Harry Lybke duzt jeden potenziellen Käufer und schafft somit innerhalb von Sekunden eine Vertrauensebene sowie eine Gesprächssituation auf Augenhöhe. GHL: Wahrscheinlich fühlen sich die Leute dadurch schneller aufgenommen. In Amerika ist das ganz normal. ARTMAPP: Gerd Harry Lybke liebt die Medien. Oder er weiß, sie in seinem Sinne zu nutzen. GHL: Ich wäre vielleicht sogar gern Journalist geworden. Da kommst du mit so vielen Dingen in Berührung. Auch als Galerist lebt man nicht nur sein eigenes Leben, sondern füllt sein Leben durch die Leben und die Erfahrungen der anderen mit auf. ARTMAPP: Herr Lybke, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch!

GHL: Ich fange jeden Tag neu an, als ob ich gerade eine Galerie aufmache. Das ist wirklich so. Jeder Tag beginnt bei null. Es geht darum, sich nicht vorzumachen, dass man irgendetwas erreicht hätte.

ARTMAPP: Sie arbeiten hart, sind extrem aufmerksam, merken sich alles und sind dank täglicher Berichte Ihrer überwiegend weiblichen Mitarbeiter stets auf dem Laufenden – egal wo auf der Welt Sie gerade sind. GHL: Ja. So ist es.

A kos Birka s „ D e r S c h a t t e n d e s A n d e r e n“ 13 . März bis 18 . Apr il 2015 Gr uppenausstellung 1. und 2 . Mai 2015 F r ühjahrsr undgang de r Spinne re iGale r ie n L e ipzig ab 1. Mai R i c a rd a R o g g a n G a l e r i e E I G E N + A R T, L e i p z i g www. eigen-ar t. com

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GHL: Wir trennen uns nicht von Künstlern. Wir legen uns nicht auf eine Form fest, die der Künstler dann für immer machen muss, sondern auf die Person. Die Gefahr ist, deswegen machen das die anderen nicht, dass du abhängig von ihm und seiner Loyalität bist.

b i s 7. M ä r z 2 0 1 5

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ARTMAPP: Sie gelten als einer der erfolgreichsten Galeristen Deutschlands. Lassen Sie uns Ihrem Erfolg auf den Grund gehen. Ich formuliere vier Thesen, Sie kommentieren? These eins: Sie stehen bedingungslos hinter den Künstlern, die Sie vertreten.


Ein Kooperationsprojekt der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und der Franckeschen Stiftungen 100.burg-halle.de

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle University of Art and Design

Assoziationsraum Wunderkammer

Jubiläumsprogramm unter: 100.burghalle.de

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Zeitgenössische Künste zur Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen Di – So, 10 bis 17 Uhr Historisches Waisenhaus Franckeplatz 1, Haus 1, 06110 Halle www.francke-halle.de

 

WAHN-SINN

Dubuffet & Art brut

aus der Sammlung Klewan (München) www.kunstverein-talstrasse.de

500 Jahre Druckund Verlagsstandort

28.3. — 4.10.2015 Museum für Druckkunst Leipzig www.druckkunst-museum.de

 „Antonin Artoud (1896–1948)“, 1946, Gouache, Kohle auf Papier

gefördert durch:

24. April – 16. August 2015

  Halle (Saale)


Die Leipziger Galeristin Arne Linde

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Den Handlungsspielraum offenhalten Matthias Hamann, „YOU WOULD“,

Zu den Künstlerinnen und Künstlern der Anfangsjahre ­kamen unter anderem der Japaner Katsutoshi Yuasa mit überdimensionalen Holzschnitten, die konzeptuell arbeitende Gruppe FAMED, der Düsseldorfer Jochen Mühlenbrink sowie die Leipziger Maler Robert Seidel und Jochen Plogsties hinzu. Letzterer machte gerade in der kestnergesellschaft Hannover mit seinen Capricen zu Gemäldereproduktionen alter Meister Furore. „Die meisten Künstlerinnen und Künstler der Galerie haben ähnliche Lebenserfahrungen wie ich, sind in den 1970er- und 1980er-Jahren geboren“, merkt die ASPN-Galeristin an. Sie hat ihren Handlungsspielraum durch die Teilnahme an internationalen Messen ausgeweitet und ­begleitet ihre Ausstellungen noch immer mit den intelligentesten Texten weit und breit. SIGRUN HELLMICH

13 . März bis 25 . Apr il 2015 M a t t h i a s H a m a n n : „ Y O U W O U L D“ 1. Mai bis 20. Juni 2015 Johannes Rochhausen www. aspngaler ie. de

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„Ich bin ins kalte Wasser gesprungen, ohne zu wissen, ob ich lange existiere.“ Das gibt die Leipziger Galeristin Arne Linde ohne Umschweife zu. Und sogar stolz. Ihre Entscheidung, eine Galerie zu eröffnen, war vielleicht einer jener Momente, von denen man dann sagt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Die Zeit war das Frühjahr 2005. Da war Leipzig gerade in aller Munde. Mit Malerei, figurativer noch dazu. Der stets nach Neuem süchtige Kunstbetrieb hatte unverhofft „Young Painters from Leipzig“ entdeckt. Der Ort: Die Baumwollspinnerei in Leipzig-Plagwitz. Gleich fünf der bekanntesten Galeristen der Stadt eröffneten hier neue Räume. In traumhaften Dimensionen. Zahlreiche Künstler hatten in den vom Verfall bedrohten gründerzeit­ lichen Backsteinbauten des abgewickelten Textilbetriebes bereits preiswert Quartier bezogen. Über holpriges Pflaster strömten nun Sammler, Journalisten und Kunsttouristen. Die Spinnereigalerien feiern in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Und Arne Linde auch. Ihre Galerie war damals die einzige neue auf dem Areal. Die gebürtige Wuppertalerin hatte in Leipzig Kulturwissenschaften studiert und sich als Kunstjournalistin und Barbetreiberin erprobt. Sie begann mit einer aufsehenerregenden, provozierenden Gruppenausstellung: Zu sehen waren erotische Selbstporträts von Grit Hachmeister, eine Installation von Arthur Zalewski – beide Absolventen der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst – und Malerei des Baselitz-Schülers Matthias Reinmuth. Das Programm signalisiert bis heute Eigenwilligkeit in der Leipziger Szene – ebenso wie der Galeriename ASPN. Hinter dem zwar viel zu vermuten ist, in den sich aber nichts hineindeuten lässt. „Er ist eine Metapher für das, was ich von der Kunst erwarte“, sagt Arne Linde. Sie will sich weder auf Hypes festlegen lassen, noch auf bestimmte Medien beschränken. Das zeigen auch die Ausstellungen in diesem Jahr: Zum einen die heftigen, Grenzen und Regeln überschreitenden Selbstvergewisserungen von Grit Hachmeister unter dem Titel „Gruppenbild mit Palme“. Zum anderen die reduzierten, konzentrierten Ölbilder von Johannes Rochhausen, der immer wieder seinen Atelierraum malen kann – mit geringfügig geänderter Perspektive.

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189 x 127 cm, C- Print, 2015. 3 + 1 AP


Hommage an die Beziehung von Architektur und Fotografie

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Margret Hoppe

Margret Hoppe: Viele meiner Arbeiten haben mit den Orten zu tun, an denen ich mich auf halte. Ich habe mich in den

ARTMAPP: Le Corbusier gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Heute bietet die Fondation Le Corbusier Führungen durch viele seiner Ge­ bäude an, die ihre ursprüngliche Funktion zumeist ver­loren haben. Du zeigst sie menschenleer, nur kleine ­Spuren wie Klebereste von Plakaten oder Über­wachungskameras zeugen von ihrer einstigen Nutzung. Was willst du zeigen? MH: Im Vordergrund stand die Frage, wie man diese Gebäude, die schon so oft fotografiert wurden, heute noch neu foto­ grafieren kann. Ich stand vor der Herausforderung, eine eigene Bildsprache für Le Corbusier zu finden. So gibt es einerseits eine formale Annäherung über die eher abstrakten Bilder, die die Architektur ausschnitthaft zeigen und vor allem auf

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ARTMAPP: Für deine Serie „Après une architecture“ hast du von 2011 bis 2014 Gebäude von Le Corbusier in Frankreich und Berlin fotografiert. Wie kamst du dazu?

­ ergangenen Jahren intensiv mit der Architektur in Ostv deutschland und Osteuropa beschäftigt. Der Sozialistische Realismus war wie die Moderne eine Art Weltsprache, die viele Länder zeitgleich geprägt hat, bis die Postmoderne alles durcheinanderwirbelte. Le Corbusier hat wiederum die DDR-Moderne beeinf lusst. 2010 war ich mit dem Säch­ sischen Landesstipendium an der Cité des Arts in Paris und inmitten der Architektur des 19. Jahrhunderts fielen mir Le  Corbusiers Bauten besonders auf.

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Bauwerke, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben, stehen im Fokus der Fotografien von Margret Hoppe. Durch die Wahl ihrer Perspektiven und die Betonung von Material-, Farb- und Formkontrasten eröffnet die Leipzigerin eine neue Lesart der Gebäude. Im Jahr 2014 wurde Hoppe für ihre jüngste Serie „Après une architecture“ mit dem Kunstpreis der Sachsen Bank ausgezeichnet und mit einer Ausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig geehrt. Margret ­Hoppe, Jahrgang 1981, studierte bei Timm Rautert und Christopher Muller an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in ­L eipzig. Sie arbeitet in einem Atelier auf dem ­G elände der Leipziger Spinnerei und promoviert bei Marc Ries an der Hochschule für Gestaltung Offenbach über die B ­ eziehung zwischen den Fotografien von Lucien Hervé und der Ar­ chitektur Le Corbusiers. ARTMAPP-Autorin Sarah ­A lberti sprach mit Margret Hoppe über Funktionalität und Formensprache, das Meiden direkter Sonneneinstrahlung und ihre Studienzeit bei Christian Boltanski.


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die Flächen und geometrischen Kompositionen eingehen. Und es gibt, wie du sagst, kleine Störelemente wie die Über­ wachungskameras, eine Zimmerpalme oder unter den Gebäuden geparkte Autos. Beides spiegelt für mich die Architektur Le Corbusiers wider: Neben der Idee des sozialen Wohnungsbaus und der Funktionalität steht eine starke Formensprache, die nicht funktional und dennoch wichtiger Bestandteil der Architektur ist. ARTMAPP: Lucien Hervé hat Le Corbusiers Gebäude über 20 Jahre lang fotografiert; wir kennen die Gebäude vor allem durch seine Fotografien und doch stand er stets im Schatten des Architekten. Ist deine Serie auch eine Hommage an diese spe­ zielle Arbeitsbeziehung der beiden zu verstehen? MH: Vielleicht eher als Hommage an die Beziehung von Architektur und Fotografie. Das zweidimensionale Bild ist immer auch eine Quelle für das Entwerfen von Architektur und diese entsteht als Entwurf zunächst auf Papier. Wenn ich

durch die Gebäude von Le Corbusier ging, hatte ich oft das Gefühl, dass er sie zum Fotografieren baute. Und die Kamera nimmt Räume wiederum anders wahr als das Auge. ARTMAPP: Du fotografierst bewusst in Farbe und nicht wie Hervé in Schwarz-Weiß. Le Corbusier selbst misstraute Farbfotos; er meinte, sie würden verschönern und seien nicht wirklich dazu geeignet, das Material zum Ausdruck zu bringen. MH: Ich habe schon immer in Farbe fotografiert und Farbe spielt wiederum bei Le Corbusiers Architektur eine wichtige Rolle. Hervé hat sie in seinen Bildern durch Licht und Schatten ersetzt. Der Schatten wurde durch die Darstellung als schwarze Fläche auf der Fotografie zum Beton, hat teilweise die ganze Bildfläche vereinnahmt und somit Teile der Architektur verdeckt. Mir ist hingegen wichtig, dass der Beton und die Strukturen in den Farben sichtbar sind. Deswegen fotografiere ich meistens bei weichem oder indirektem Licht und vermeide direkte Sonneneinstrahlung.


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Alle Abbildungen VG Bild- Kunst, Bonn 2015

ARTMAPP: Margret Hoppe, vielen Dank für das Gespräch!

Das vollständige Gespräch zwischen Sarah Alberti und ­ argret Hoppe ist nachzulesen in der Publikation: M Hans-Werner Schmidt (Hg.): Margret Hoppe. Das Versprechen der Moderne, Zürich 2014

1. Mai bis 19. Juni 2015 „ Marg re t Hoppe FO T OGR A F I E “ Spinne re i A rchiv Ma ssiv, L e ipz ig www. spinne re i . de www. marg re thoppe. com

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MH: Ich habe ihn während meiner Zeit in Paris wöchentlich gesehen und er war auf jeden Fall prägend für mich. Er fotografiert ja nicht, sondern arbeitet mit gefundenem Mate­r ial. Mich fasziniert dabei seine in gewissem Sinne minimalistische Arbeitsweise: Eine einfache Idee eröffnet bei ihm einen ganzen Kosmos, denn die Themen Erinnerung und Spurensuche und die Frage, wie man Geschichte greif bar ­m achen kann, spielen in jeder seiner Arbeiten eine Rolle. Auch ich ­f inde es spannend, Sachen auszugraben, die im Verborgenen liegen. Das „Finden“ von vergessenen Orten oder von unbearbeiteten Themen ist stets Teil meiner Arbeit.

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ARTMAPP: Deine bisherigen Arbeiten thema­ tisieren Prozesse des Verschwindens, der Entfunktionalisierung und Veränderung von Architektur durch Zeit. In Paris hast du unter anderem bei Christian Boltanski studiert, der sich Fragen der Erinnerung und der eigenen Position zur ­beziehungsweise in der Geschichte widmet. Inwieweit hat Boltanski deine künstlerische ­Haltung beeinflusst?


Porzellanatelier Claudia Biehne

„Ich wollte nie in eine Schublade“ Claudia Biehne, „Metamorphosis“, Foto: Stefan Passig


45 Auf dem Leipziger Spinnereigelände fand sie schließlich vor elf Jahren ihren Entfaltungsort: „Es ist motivierend in dieser spezifischen Nachbarschaft zu anderen Künstlern zu arbeiten, die alle einen professionellen Anspruch verfolgen.“ Beim Experimentieren mit Porzellan braucht es Zeit und Geduld. Das Material ist nur bedingt berechenbar und der tägliche Blick in den Ofen hält so manches Mal eine Überraschung bereit. „Es kann ein Glücksfall sein, wenn sich etwas anders entwickelt, als erwartet.“ Bei dem Versuch, eine lebensgroße Porzellansäule zu bauen, fielen einzelne Teile ab. Heute gehören die daraus resultierten Plastiken, die an Korallenstrukturen erinnern, fest zum Sortiment. Derzeit experimentiert Biehne mit farbigen Glasuren und arbeitet eigene Porzellanreste in schwere Kleinskulpturen ein, die an Vulkangestein erinnern. Gemeinsam mit ihrem Partner Stefan Passig betreibt Biehne das Atelier – er hält der Kreativität seiner Frau den Rücken frei, kümmert sich um Marketing, Ausschreibungen und ko­ ordiniert die Ausstellungen, die jedes Jahr anstehen. Ein Arbeitsmodell, das sich angesichts der zahlreichen Preise und Ausstellungen, zuletzt 2014 in Japan, den USA und Groß­ britannien, auszahlt. SARAH ALBERTI

8. bis 10. Mai 2015 EU NIQUE Messe f ür Angewandte Kunst & Desig n, Karlsr uhe www. eunique. eu

Claudia Biehne, „Vulkanoiden“, Foto: Stefan Passig

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www. biehne-porzellan. de

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Glühlampen oder Kerzen bringen filigrane Abdrücke von Blüten und Textilien auf weißen Leuchtschirmen hervor – ­sieben Jahre lang hat Claudia Biehne an ihrer Serie „Lumos“ getüftelt. Denn, was aussieht wie Papier, ist Porzellan. ­Bisquitporzellan, das unglasiert rauer wirkt als ein herkömmliches Kaffeeservice und beispielsweise für fragile Figuren verwendet wird. Dass Porzellan mehr sein kann als ein Material für Dekor und Gebrauchsgegenstände, beweist das Porzellanatelier von Claudia Biehne auf dem Leipziger Spinnereigelände. Problemlos lassen sich die hier vereinten Arbeiten dem Kunsthandwerk, dem Design, der angewandten wie der bildenden Kunst zuordnen: „Ich wollte nie in eine Schublade eingeordnet werden“, erklärt Biehne. So stehen in den Atelierräumen, die auch als Verkaufs- und Präsentationsfläche dienen, Kleinplastiken und Lichtobjekte der „Lumos“-Serie neben einer kleinen Auswahl an Vasen und Schmuck – alles aus Porzellan. Ihre Liebe für Keramik entdeckte Biehne Anfang der 1990er-Jahre in Luxemburg, wo sie während eines Au-pairAufenthalts über ihre Gastfamilie die dortige Ecole des Beaux-Art kennenlernte. Zurück in Deutschland ließ sie sich zur Keramikerin ausbilden und studierte anschließend Glas- und Keramikdesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Im Sinne des Bauhauses ging es hier oft um dienendes und dabei mehrfache Funktionen vereinendes Design, getreu dem Motto „form follows function“. Doch schon während des Studiums begann Biehne, sich gestellten Aufgaben experimenteller zu widmen, Funktionen zu hinterfragen oder sie ästhetisch aufzugreifen – etwa mit einer Schale, deren Form an eine Zitrone erinnert.


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Das Leipziger Kolonnadenvier tel

Kunst statt Milch

mzin bookstore, Foto: Philipp Neumann rechts: Dorotheenplatz, Foto: MDM/Katja Müller

„Milch, Bier, Eier, Wurst und noch viel mehr“ titelte die Leipziger Volkszeitung 1984, als sich die Kolonnadenstraße zu einem prestigeträchtigen Boulevard entwickelt hatte, dessen Warenangebot sich nicht durch Exklusivität, sondern durch Vielfalt auszeichnete. Bis heute erhaltene L ­ adenschilder wie „Blumen“ oder „Feinkost“ zeugen davon. Bereits um 1900 war die Kolonnadenstraße, die im 19. Jahrhundert ihren Namen von den hölzernen Wandelgängen an ihrer Begrenzung erhalten hatte, eine florierende Geschäftsstraße. Mittlerweile ist sie zum Hotspot der Leipziger Kunstszene avanciert: In Sichtweite zum Leipziger Rathaus hat hier der 2014 neu gegründete Leipziger Kunstverein KV sein Quartier bezogen. Er ist einer jener selbstverwalteten Kunsträume, welche die Vielfalt der Offszene Leipzigs ausmachen. Wie kann ein Kunstverein in die Gesellschaft hineinwirken und zeitgenössische Kunst sowie kulturelle Debatten vermitteln? Die im KV engagierten Designer, Architekten, Kuratoren und Künstler beantworten diese Fragen nicht nur mittels Aus­stellungen. Offene Formate wie Lesungen, Gespräche und Filmabende sollen Fachpublikum wie Interessierte gleichermaßen ansprechen. Durch

Gegenüberstellung von regionalen und internationalen Po­ sitionen und Diskursen vernetzt der Verein und strahlt über Leipzig hinaus. Oft geht es in den Ausstellungen um Arbeit und ihre Bedingungen, um (Selbst-)Optimierung und somit auch um die Lebensumstände der Mitglieder, die nicht ­zwischen „Arbeit“ und „Leben“ unterscheiden wollen – oder können. Die Öffnungszeiten des KV werden als „Arbeits­ zeiten“ betitelt und sind, wie Vereinsmitglied Daniel Niggemann beschreibt, „die Zeit, in der wir sonst im Atelier oder Büro sitzen würden“. „cu-contemporary urban“, „Atelier Storelli“ oder „Hopfe“ heißen weitere alternative Kunst-und Kulturräume in der Straße, die Kunsthalle der Sparkasse und das Schauspiel Leipzig sind in fußläufiger Entfernung. Der gut sortierte DVD-Verleih „memento“, das rustikale Restaurant „Apels Garten“, das Café „Tunichtgut“, ein russisches Spezia­ li­t ätengeschäft und die K neipe „ Stoned “ neben dem linksalternativen Zentrum „Libelle“ beschreiben ebenso Kundschaft wie heterogene Bewohnerstruktur. Der Charakter des Kolonnadenviertels ist dabei, obwohl direkt an die


Experimentalbauten, die zwischen 1983 und 1985 in der ­Kolonnadenstraße entstanden, sind daher individueller und vielfältiger als ihre randstädtischen Geschwister. Sie griffen die Proportionen der unmittelbaren Umgebung auf, sind in Trauf höhe, Materialien, Erker- und Giebelgestaltung an ihre gründerzeitlichen Nachbarn angepasst, ohne dabei jedoch ihre Konstruktion aus seriell produzierten Großtafeln zu verleugnen. Das Leipziger Kolonnadenviertel hatte damals Modellcharakter und inzwischen wird sogar seine Denkmalwürdigkeit diskutiert. „Das ist keine weltfremde Vorstellung, denn wir haben in Leipzig wenige Beispiele dieser Periode“, sagt der städtische Denkmalpf leger Peter ­L eonhardt. Und was in anderen Städten kaum möglich wäre: Hier ist Wohnraum in innenstadtnaher Lage noch günstig und bezahlbar. Denn auch in Leipzig, dem diese Debatte lange Zeit erspart blieb, ist mittlerweile das Thema Gentrifizierung in aller Munde. „Noch ist Verdrängung im Viertel kein Thema“, sagt Kunstvereins-Mitglied Daniel Niggemann. Und das muss so bleiben. Andernfalls geht Leipzig ein einzigartiges Stück Stadt verloren.

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JULIANE RICHTER

Juliane Richter schloss ihr Studium an der Universität Leipzig mit einer Magisterarbeit zu „Experimenten im Plattenbau. Die Innere Westvorstadt in Leipzig in den 1970er- und 1980er-Jahren“ ab und ist derzeit Volontärin bei der Fachzeitschrift des Bundes Deutscher Architekten „der architekt“.

D a s a k t u e l l e P ro g ra m m d e s L e i p z i g e r K u n s t v e r e i n s K V :

F R Ü H J A H R 2 015 — L E I P Z I G

www. k un st ve re in-le ipz ig. de

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Innenstadt angrenzend, ein fast kleinstädtischer. Die ­ achbarn kennen sich und die verkehrsberuhigte Kolon­ N nadenstraße wird im Sommer zur Flaniermeile, auf der man einander grüßt. Weiter die Straße herunter arbeiten Philipp Neumann und Karen Laube im „mzin“, einem Laden für biblio­phile Druckwaren. Sie schätzen etwas, was den großen Reiz, wenn nicht das Spezifikum des Viertels überhaupt ausmacht: Die eigenwillige Mischung aus Gründerzeitgebäuden und Plattenbauten. Denn das kriegszerstörte Stadtquartier wurde erst in den 1980er-Jahren mittels Lückenschließungen und Sanierungen wiederhergestellt, das Nebeneinander von Alt und Neu dabei bewusst nicht als Widerspruch verstanden. Hier wurde ein Grundriss nachvollzogen, in dem sich das Wegesystem zweier einst hier gelegener barocker Gärten erhalten hatte. Mitten auf dem heutigen Dorotheenplatz, dem einstigen Zentrum von „Apels Garten“, befinden sich die Kopien zweier Barockplastiken von Balthasar Permoser. Als Einzelobjekte stehen sie stellvertretend für die Gesamtheit des verschwundenen Geländes und somit als eine Art Denkmal für den eigentlichen Ursprung des Viertels. Die von hier radialförmig abgehenden Straßen sind ein typisches Gestaltungsmoment barocker Anlagen. Da im industrialisierten Bauwesen der DDR alle Ressour­cen auf den Plattenbau ausgerichtet waren, musste diese Technologie in der Praxis auch für den Einsatz in innerstädtischen Bereichen mit ihren oft beengten Verhältnissen befähigt werden. Im Fokus stand dabei nicht das Ziel, mittels historisierender Plattenelemente eine „alte“ Stadt zu simu­ lieren. Vielmehr ging es darum, den Charakter gewachsener urbaner Strukturen, aus dem sich das Stadterlebnis kon­ stituiert – die Kleinteiligkeit, abwechslungsreiche und wiedererkennbare Räume – mittels Plattenbauweise zu adaptieren und ins Moderne zu übersetzen. Die sogenannten


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D21 Kunstraum Leipzig: Experiment Offspace Im März laden wir eine junge Kuratorin und Künstler aus ­ ilbao ein, im Juni untersuchen wir mit Arbeiten interna­ B tionaler Künstler das Phänomen der Ich-Auf lösung durch digitale Medien – zwei Austellungen des D21 Kunstraums Leipzig im Frühjahr, die das Profil dieses Orts verdeutlichen. Von Anfang an wurde der D21 als Experimentierfeld für neue und außergewöhnliche Formate und Ideen gedacht, seine Projekte umfassen neben Ausstellungen auch Symposien, Vorträge und Vermittlungsprogramme. Mit viel Engagement, Enthusiasmus und finanzieller Unterstützung bauten wir nach unserer Gründung im April 2006 ein Ladengeschäft in der Demmeringstraße 21 im Leipziger Westen aus. Die Nähe zum Spinnereigelände haben wir bewusst gesucht. Die Idee, einen Kunstraum für zeitgenössische, internationale Kunst in Leipzig zu eröffnen, war die Initiative des norwegischen Kurators Leif Magne Tangen und des Foto­ grafen Michael Moser. Aus ihrer Beobachtung heraus, dass in Leipzig um 2006 ein Mangel an internationalen Positionen zeitgenössischer künstlerischer Medien bestand, fassten sie

den Entschluss, einen neuen Kunstverein mit dem Schwerpunkt auf Ausstellungen mit zeitkritischem Bezug zu gründen, die verstärkt Neue Medien, Fotografie, Performances und Installationen zeigen sollten. Dabei war es ein Anliegen, eine Plattform für zeitgenössische Künstler/-innen und Kurator/-innen zu etablieren, die im Zwischen einer (universitären) Ausbildung und einer breiten internationalen Bekanntheit stehen. Dieses Profil bestimmt die Arbeit des D21 Kunstraums Leipzig bis heute. Es wurde in den letzten neun Jahren von ­s einen künstlerischen Leitern Leif Magne Tangen (2006– 2008), Michael Arzt (2008–2012), Hannah Sieben und Lena Brüggemann (seit 2012) fortwährend weiterentwickelt und vertieft. Mit dem Fokus auf das kuratorische Konzept, eine kontinuierliche Ausstellungspraxis, darüber hinausgehende Ausstellungsformate und Filmprogramme, die von der künstlerischen Leitung und anderen Kuratoren konzipiert werden, unterscheidet sich der D21 von vielen ab 2006 vermehrt in Lindenau und Plagwitz entstandenen Kunsträumen der Stadt.


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CO N S TA N ZE M Ü L L ER

Constanze Müller ist Vorstandsvorsitzende und Geschäfts­ führerin des D21 Kunstraums Leipzig, der 2015 als einer von 19 Kunstvereinen für den „ADKV-ART-COLOGNE“-Preis für Kunstvereine nominiert ist.

2 7. M ä r z b i s 3 . M a i 2 0 1 5 „W O W I R S I N D ( D O N D E E S TA M O S)“ www. d 2 1-le ipz ig. de

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Dabei gibt uns die Vereinsstruktur und ein ehrenamtlich arbeitendes Kernteam mit festen Aufgabenverteilungen Stabilität und Kontinuität, was nicht heißt, dass wir nicht auch mit großen Herausforderungen konfrontiert waren, die mitunter das Bestehen des D21 Kunstraums auch gef ährdeten. Das ehrenamtliche P rinzip eröffnet viele Freiheiten, setzt aber auch Grenzen, die ohne Strukturverä nder u ngen nicht zu über w inden sind . Doch a llen Schwierigkeiten zum Trotz ­z ielte und zielt unser Ansatz stets darauf, Visionen und Vorhaben für die nahe und fernere Zukunft zu denken und umzusetzen. Diese beziehen sich auf die inhaltliche, programmatische und organisatorische Ausgestaltung wie auch auf unsere Zusammenarbeit als Team. Zudem spielt die Erweiterung internationaler und lokaler Netzwerke eine große Rolle. Somit treten wir 2016 an, unser zehnjähriges Jubiläum zu feiern!

F R Ü H J A H R 2 015 — L E I P Z I G

Fotos: Michael Moser


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F R Ü H J A H R 2 015 — L E I P Z I G

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Gobelin und Wundertütenkleid in der Ständigen Ausstellung Foto: Esther Hoyer und Yvonne Standke

Kunst von der Antike bis zur Gegenwart

Johannisplatz 5–11 · 04103 Leipzig · www.grassimuseum.de · Öffnungszeiten: Di–So, Feiertage 10–18 Uhr, Mo geschlossen

AUF ERLEBNISREISE IN DIE WELTGRÖSSTEN 360°-PANORAMEN IN LEIPZIG Seit 2003 führen die weltgrößten 360°Panoramen im Panometer Leipzig auf faszinierende Reisen an entlegene Orte oder in ferne Zeiten. Im Maßstab 1:1 entführen Sie die Riesenrundbilder des Künstlers Yadegar Asisi in einen einzigartigen Kunst- und Erlebnisraum. Als Pilotprojekt war das Panorama EVEREST anlässlich seiner Erstbesteigung zu sehen. Es folgte 2005 das Antikenpanorama ROM 312 und ab 2009 entführte AMAZONIEN in den brasilianischen Regenwald. Derzeit ist „LEIPZIG 1813 – In den Wirren der Völkerschlacht“ in Leipzig zu sehen. Noch bis 20. September 2015 ist diese historische Wende im Panorama LEIPZIG 1813 nachzuerleben – eine Zeitreise in das

PANOMETER LEIPZIG Richard-Lehmann-Str. 114 04275 Leipzig

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turbulente Geschehen vor über 200 Jahren aus Sicht der Leipziger Bürger. Wie vom Dach der Thomaskirche erleben Sie von der Besucherplattform im Zentrum des 3.500 qm großen Riesenrundbildes die dramatischen Ereignisse. Wechselnde Lichtverhältnisse, die Tag- und Nacht simulieren, ein darauf abgestimmter Klangteppich sowie eine Begleitausstellung vollenden das Erlebnis. Ab 3. Oktober 2015 führt Sie GREAT BARRIER REEF auf eine Unterwasserexpedition nach Australien. Das 360°-Panorama zeigt das einzigartige Korallenriff in all seiner fragilen Schönheit. Die Farbenpracht und der Detailreichtum des Riesenrundbildes verweist auf die Einmaligkeit der Schöpfung unter der Meeresoberfläche.

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KUNSTFORUM HALLE Bernburger Straße 8 06108 Halle (Saale) Telefon 0345 685766-0 www.kunstforum-halle.de

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Mit freundlicher Untertützung der Saalesparkasse


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Ihr Ansprechpartner für Übernachtungen, Stadtführungen, Kongresse und Tagungen

Marktplatz 13 • 06108 Halle (Saale) Tel.: + 49 (0) 345 122 79 12/26 Fax: + 49 (0) 345 122 79 22 tts@stadtmarketing-halle.de www.halle-tourismus.de

1 | Marialy Pacheco, women in jazz, Foto: Kühne 2 | Das Rheingold, Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, © Gert Kiermeyer 3 | Händel-Festspiele Halle, Foto: Thomas Ziegler 4 | Student beim Plakatmalen, 1949, Hochschularchiv. Henry Kocina, „Fass mich an, ich bin krank“, 2012, Foto: Matthias Ritzmann


K U LT U R H ÄU P T L I N G E 2 0 1 5 /1 6 AU S STE L LU N G E N

F E ST I VA LS & V E R A N STA LTU N G E N

01.03.–10.05.2015 Kunstmuseum Moritzburg Nickolas Muray. Double exposure Sonderausstellung

20.–26.10.2015 verschiedene Veranstaltungsorte akkordeon akut! Internationales Akkordeon-Festival

25.04.–03.05.2015 verschiedene Veranstaltungsorte women in jazz 10. Internationales Jazz-Festival

KOMPLETTAUFFÜHRUNG „DER RING DES NIBELUNGEN“ von Richard Wagner

23.05.–26.07.2015 Kunstmuseum Moritzburg Logical emotion. Zeitgenössische Kunst aus Japan Sonderausstellung 30.05.–14.06.2015 authentische Orte in Halle u. Umgebung Händel-Festspiele 2015 03.07.2015 Martin-Luther-Universität und Forschungseinrichtungen 14. Lange Nacht der Wissenschaften mit Leopoldina-Nacht 2015 13.09.2015–20.03.2016 Franckesche Stiftungen tief verwurzelt – hoch hinaus Welterbeausstellung mit Präsentation des UNESCO-Antrags

30.10.2015 Oper Halle Das Rheingold Vorabend zum Bühnenfestspiel 01.11.2015 Die Walküre 06.11.2015 Siegfried 08.11.2015 Götterdämmerung 06.11.2015–22.05.2016 Landesmuseum für Vorgeschichte Krieg – eine archäologische Spurensuche Sonderausstellung 20.–22.11.2015 Händel im Herbst Festkonzert mit Julia Lezhneva und Concerto Köln, Oper und Kammermusik

BÜHNEN

KO N Z E RT E

01.12.–24.01.2016 Kunstforum Halle Modeschmuckausstellung Christian Dior Privatsammlung Giesela Wiegert

1915–2015: D I E B U R G G I E B I C H E N ST E I N K U N ST H O C H S C H U L E H A L L E WIRD 100 26.–29.05.2015 BURG und andere Orte Die BURG feiert! BURG 100: Festwoche 18.–19.07.2015 BURG und andere Orte Jahresausstellung der BURG Die BURG zeigt, was sie macht


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SAALE


Moritz Götze, „Tafel Halle“, 2015, Picture -Vinyl, Courtesy Galerie Rothamel, VG Bild- Kunst, Bonn 2015

RÜDIGER GIEBLER

Rüdiger Giebler lebt und arbeitet in Halle an der Saale als Maler und Texter und Kurator kleinerer Ausstellungen. 1958 in Halle an der Saale geboren, 1974-76 Lehre als ­L andvermesser, 1980-86 Studium an der Burg ­Giebichenstein bei Inge Götze und Frank Ruddigkeit

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Eine blonde Frau spielt mit Buchstaben, Sternchen und ­einer bananenförmigen Mondsichel. Als wär’s ein Rätsel. Was soll dabei herauskommen: „alles alle“ oder „Halali“ oder „Halleluja“. Passt irgendwie zu Halle an der Saale. Der Ort selbst ist ein seltsames Puzzle. Einfache Dinge kommen nicht zueinander und das Schwierige wird plötzlich leicht. Wo der Ort präsentabel erscheinen will, verschreckt er manchen Gast und an abseitigen Stellen zeigt er sich in staunenswerter Schönheit. Das Schönste an Halle ist, dass man die Stadt nie so recht ernst nehmen kann – man liebt eben das, womit man groß geworden ist, da besteht keine Wahlfreiheit wie bei den „Halloren Kugeln “, deren Erfolg nur durch die verführerische, aus Gewohnheit und Sentimentalität zusammengemixte Konsistenz erklärbar ist. Dem ist nur mit Liebe und Hingabe beizukommen. Eine Stadt zum Durchschlendern, zum Entschleunigen, in der der Raum für die Fantasie um einiges ausgedehnter ist, als der tatsächlich von den kreativen Geistern okkupierte. Es gibt immer noch viel Luft nach oben. Womit soll man beginnen bei der Wohlpreisung? Mit Urwäldern auf den Flussinseln mitten in der Stadt und den Kormoranen im Tiefflug, mit dem zoologischen Garten auf ­einem Felsen über dem Saaletal, der für verschiedene Arten von Bergziegen angelegt wurde, damit sie die schöne Aussicht g­ enießen können, oder mit den alten wunderschönen Friedhöfen oder den Bootshäusern am Fluss. Es gibt einiges aufzuzählen: Da ist die Kunsthochschule Burg Giebi­chenstein, die im einhundertsten Jahr ihres Bestehens sympathische Züge von Hybris zeigt, wenn sie sich als Antipode des Dessauer Bauhauses versteht. Und in Halle hatte der Sparfuchs und bilderunfreundliche Pietist August Hermann Francke reichlich Waisenkinder als formbaren Rohstoff für ein pädagogisches Großprojekt gefunden. Seine Stiftungen kann man sich dank einer Hochstraße zehn Meter daneben immer noch von oben angucken. Und es gibt den stetig weiterwachsenden Silberschatz der Halloren zu sehen, einer jahrhundertealten Handwerkerzunft, die schon seit Generationen nicht mehr ihrem alten Gewerbe, der Salzgewinnung, nachgeht, sich aber immer noch im Gegenzug für ein Ständchen und ein paar am Neujahrstag überreichte Knackwürste von jedem Bürgermeister und Regierungschef einen möglichst teuren Silberbecher schenken lässt. Die Schätze der Stadt sind verschieden, manche auch für die richtige Ewigkeit. Würden die Sterne mittlerweile nicht schon nachgehen, könnte man mit einem

astronomischen Instrument aus der Bronzezeit noch i­ mmer den besten Moment für die Frühjahrsaussaat bestimmen. Die Himmelsscheibe von Nebra wird in einer Museumsfestung aus dem Jahr 1913 mit Klugheit und Ehrfurcht in Schönheit gezeigt. Die Architektur der Stadt offenbart auch einige un­ freiwillig heitere Züge. Da sind die Sprayer, die von der kommunalen Verwaltung gefördert werden, um andere Sprayer, die von der kommunalen Verwaltung nicht gefördert werden, von Immobilien mit unklarer Nutzungsoption fernzuhalten. Die ausgedehnten Kleingartensiedlungen begrünen überall, wo die städtischen Pläne nicht aufgingen, das Bild. Jede zweite hallesche Familie hat einen solchen Garten. Es gibt etliche verschlafene Renaissancehöfe und luftig verstreute Mischgewerbef lächen, die eine zündende Nutzungsidee sehnsüchtig erwarten, sich aber auch freudig jeglicher positiv engagierter Zwischennutzung öffnen. Überhaupt ist Halles bestes Potenzial die Zwischennutzung. Hier geht es mit ­süßem Optimismus und Schwung durch die Talsohle. Mit Halle-Neustadt wurde vor 50 Jahren ein ganzer Plattenbau­ stadtteil als Zwischennutzungsf läche für ein Drittel der Bewohner angelegt. Die Hallenser quält ein latentes Minderwertigkeitsgefühl gegenüber den Nachbarn Leipzig und Magdeburg. Da sucht man nach tröstenden Worten. Vielleicht mit dem Hinweis, dass Halle an der Saale die einzig dauerhaft bestehende, sich seit Generationen immer wieder selbst regenerierende und nach wie vor sehr produktive Künstlerkolonie im Herzen Europas ist. Das ist kein Mythos, keine Idee des Tourismusmarketings, keine sentimentale Beschönigung, sondern lebenspraktische Tatsache. Im Norden Halles, in Kröllwitz und Giebichenstein, wird die Stadt zum Dorf in dem man sich kennt und zur Not auch jederzeit aus dem Weg gehen kann. Man kann hier gut studieren und grillen auf der ­Peißnitzinsel und nette kleine Firmen gründen. Ein guter Ort für den Start. Und Halle war auch immer ein Ort des ­Auf bruchs. Weil sie hier keine künstlerische oder politische Zukunft für sich sahen, wollten einige spätere Berühmtheiten irgendwann nur noch weg von diesem Ort. Graf Ludwig von Schauenburg, genannt der Springer, schon vor über 900 Jahren mit einem kühnen Hechtsprung aus seinem versehentlich offen gelassenen Kerkerfenster in die Fluten der Saale unterhalb des Giebichensteins, Georg Friedrich Händel über ergiebigere Engagements in Norddeutschland und Italien in eine richtige Metropole, nach London nämlich, der Hallodri Felix Graf von Luckner mit seinem Schiff „Seeadler“ einmal um die ganze Welt und Hans-Dietrich Genscher mit dem ­I nterzonenzug nachts und heimlich nach Westberlin und dann in die Weltpolitik.

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M oritz Götze

Des Knaben Wunderhorn

Moritz Götze in seinem Atelier, Foto: Christian Lohse rechte Seite: Moritz Götze, „Novalis“, 2015, Courtesy Galerie Rothamel,

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VG Bild- Kunst, Bonn 2015

Als Sohn von Wasja und Inge Götze war Moritz Götze von Beginn an mit dem künstlerischen Leben in Halle an der Saale verbunden. Für Freigeister war das Überleben im Windschatten der Burg nicht immer einfach und Moritz Götze gehörte von Beginn an zu jenen, die, ausgestattet mit dem nötigen subversiven Potenzial, Umwege liebten. Nach einer Tischlerlehre sammelte er als Sänger und Gitarrist der Punkband „Größenwahn“ erste Lorbeeren und verstetigte seine Verortung in der bildenden Kunst dann zu Beginn der 1990er-Jahre mit Lehraufträgen in Halle und Paris. Als 1806 der erste Band der von Clemens Brentano und Achim von Arnim unter dem Titel „Des Knaben Wunderhorn“ veröffentlichten Sammlung deutscher Volksliedtexte erschienen war, lobte Johann Wolfgang von Goethe, der „Gott der Romantiker“, die Herausgeber. Das Buch beschreibt jene Suche nach Ursprünglichkeit, mit der sich die Romantiker vom Rationalismus der Auf klärung ab- und dem individuellen Erleben zuwendeten. Von der Welt der „Zahlen und Figuren“ (Novalis) grenzte man sich durch eine ins Unendliche gerichtete Sehnsucht und das Streben nach einem harmonischen Ganzen ab. Ausgelöst durch die Berufung von Johann Gottlieb Fichte an die Jenaer Universität traf nach 1784 ein Kreis von jungen Dichtern, Literaturkritikern, Philosophen und Naturw i s sen sc h a f t ler n au fei n a nder, der Jen a z u ei nem Knotenpunkt der Frühromantik werden ließ und die Stadt zumindest zeitweise in den Rang einer „Gelehrtenrepublik“

erhob. In engem Kontakt mit Novalis, Friedrich Hölderlin und anderen wurde die „Blaue Blume“ zum zentralen Symbol einer Bewegung, die mit dem Jenaer Romantikertreffen im Herbst 1799 einen Höhepunkt erlebte. Moritz Götze erblickte das Licht der Welt zwar deutlich später als die Romantiker, der universalistische Ansatz ist jedoch auch ihm gegeben. Er malt, radiert, brennt (vor allem große) Emaillen, gestaltet Bühnenbilder, fördert Musiker, ­engagiert sich in der Denkmalpflege, stattet derzeit die Bernburger Schlosskirche St. Ägidien mit wandfüllenden Emaille-Kompositionen aus und lebt noch immer in Halle an der Saale. Moritz Götze ist ein Künstler, der Geschichte und Geschichten liebt. Auf der Suche nach Ursprüngen und Quellen bereist er die fast vergessenen Städte im sachsen-anhaltinischen Bermudadreieck Eisleben–Mansfeld–Sangerhausen, sammelt und publiziert die fast vergessenen Reichtümer der Provinz, entdeckt Außenseiter, verlegt Schallplatten und gehört zu jenen, die sich auch im Künstlerischen thematisch binden und ein einmal gewecktes Interesse obsessiv verfolgen. Egal, ob es die Geschehnisse des Deutsch-Französischen Krieges, die Meilensteine der deutschen Kunstgeschichte oder der Untergang der deutschen Flotte bei Scapa Flow ist, Götze versenkt sich in die Ereignisse und destilliert ein scharf konturiertes Extrakt, das auf Wirkung zielt, Holzschnitt, Comic und Pop beleiht, vor allem jedoch Produkt leidenschaftlicher Begeisterung ist. Stilistisch verortet sich Moritz Götze im deutschen Pop, verschweigt jedoch dabei nicht seine Tradition suchende und auf bauende Art, wodurch auch die Jenaer Romantiker zu seinem Thema werden konnten. In gewohnt farbenfroher Art durchforscht Götze das Wirken der historischen großen Geister und lässt diese in einem Klassentreffen der besonderen Art aufmarschieren. Da begegnen sich nicht nur Goethe, Novalis und andere Heroen der Dichtkunst, sondern auch thematisch knüpft Götze mit „Naturpoesie“ und den „Melodien der Nacht“ an den Horizont zeitgenössischer Disputationen an. Im Zentrum der Schau, die nun in Jena präsentiert wird, verquicken sich Bild, Text und Musik zu einem Gesamtkunstwerk. Moritz Götze hat acht Bands von Schlager bis Punk mit der Vertonung verschiedener Texte aus „Des Knaben Wunderhorn“ beauftragt. Frisch gepresst auf Vinyl, liegt die Platte nicht nur in der Ausstellung auf, sondern kann auch erworben werden. ERIK STEPHAN

1 4 . März bis 2 . August 2015 „ M o r i t z G ö t z e – D e s K n a b e n W u n d e r h o r n“ B i l d e r, O b j e k t e u n d Z e i c h n u n g e n Kunstsammlung Jena www. museen. jena. de


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Im Vordergrund der Er weiterungsbau des spanischen Architekten Nieto Sobejano, 2008 Foto: Moritzburg, Ludwig Rauch


Das Kunstmuseum M oritzburg Halle (Saale)

Die Burg der Moderne

Porträt Thomas Bauer- Friedrich, Foto: Karsten Möbius

Die hallesche Moritzburg ist als Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt nicht nur ein herausragendes Museum, sondern auch ein faszinierendes Bauensemble, das in sich 500 Jahre Architekturgeschichte vereint. Ab 1637 verfiel die um 1500 errichtete Moritzburg infolge eines Brandes zur Ruine. Im 19. Jahrhundert gab es zwar Versuche, das Ensemble neu zu beleben, ihre Wiedererweckung erlebte die Moritzburg jedoch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bereits 1885 hatte die Stadt Halle das Museum für Kunst und Kunstgewerbe gegründet, welches ab 1904 im Südflügel der Moritzburg einzog. 1908 wurde Max Sauerlandt erster hauptamtlicher Direktor des Museums und entwickelte gezielt die Bestände und Räumlichkeiten. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden der Süd- und Ostflügel ausgebaut. In den Jahren der Weimarer Republik war es vor allem Alois Schardt, der die Gemäldesammlung weiterentwickelte und das Museum zu einem der fortschrittlichsten in Deutschland machte: Herausragende Werke der Expressionisten und Konstruktivisten sowie der Neuen Sachlichkeit fanden hier ihre Heimstatt. 1929 bis 1931 weilte Lyonel Feininger als „Artist in Residence“ in der Moritzburg und schuf seinen berühmten Zyklus von elf Gemälden mit Ansichten der Stadt Halle. Diese Entwicklung des Museums fand ihr jähes Ende mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Die Sammlung der Werke der Moderne fiel 1937 der Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ zum Opfer. Nach 1945 erlebte die Moritzburg verschiedene konzeptionelle Veränderungen. 1952 wurde das Landesmünzkabinett gegründet. Zwei der

Feininger-Gemälde kehrten Ende der 1940er-Jahre zurück; ein drittes konnte 2009 zurückerworben werden. Heute befindet sich mit diesen drei Gemälden und zahlreichen Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien ein bedeutendes Konvolut von Arbeiten des Künstlers im Museum, das seine dauerhafte Präsentation auf der Feininger-Empore des ab 2005 errichteten neuen Westflügels gefunden hat. Aus der eindrucksvollen Architektur des spanischen Architektenteams Nieto Sobejano hat man einen grandiosen Blick auf die Altstadt und die Motive Feiningers. Im 2008 eingeweihten Erweiterungsbau werden nicht nur Teile der Museumsbestände präsentiert, sondern auch die renommierte private Sammlung Hermann Gerlinger. Diese einzigartige Kollektion zur Kunst der Brücke verweist auf die historische Bedeutung des Museums. Die Moritzburg beherbergt heute circa 220.000 Objekte von der Antike bis in die Gegenwart, wobei die inhaltlichen Schwerpunkte auf der bildenden und angewandten Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts liegen. Das Museum kann stets nur einen verschwindend kleinen Teil seiner unschätzbaren Bestände präsentieren. Dazu zählen so besondere Werke wie Skulpturen von Au­ guste Rodin, George Minne und Wilhelm Lehmbruck, Gemälde von Max Klinger, Lovis Corinth, Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Franz Marc, Alexej von Jawlensky, El Lissitzky, Erich Buchholz, Walter Dexel, Georg Schrimpf und Oskar Nerlinger sowie die Arbeiten Gustav Weidanz’ oder herausragende ­Beispiele aus den Bereichen Kunsthandwerk und Design.

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Innenhof vom Kunstmuseum Moritzburg, Foto: Falk Wenzel

Für die Zukunft gilt es, die in den letzten Jahren begonnene Entwicklung fortzuführen und die Ausstellungsfläche fortlaufend zu erweitern, denn grundlegendes Merkmal eines Museums ist seine Sammlung. Sie bildet das unverwechselbare Profil des Hauses und muss präsent und wahrnehmbar sein. Daher wird es vor allem darum gehen, zum einen eine dauerhafte Lösung für die Unterbringung der Depots, Werkstätten, Archive und der Bibliothek zu finden und zum anderen die wertvollen Sammlungsobjekte stärker im Bewusstsein des Publikums zu verankern. Auch die internationale Vernetzung des Hauses gilt es weiter voranzutreiben. Kooperative Ausstellungsprojekte mit Partnern in Europa und den USA sind für die kommenden Jahre geplant, die dem Museum die Wahrnehmung und Anerkennung verschaffen sollen, die ihm gebührt. So wie sich in der Architektur der Moritzburg Tradition und Moderne vereinen, heißt es auch in der täglichen Museumsarbeit, mit Bezug auf das Vergangene die Zukunft zu entwickeln. TH OM AS BAU ER-FRIED RI CH

Thomas Bauer-Friedrich ist nach Stationen am Bauhaus Dessau, der Tom Blau Gallery in London und am Museum Gunzenhauser der Kunstsammlungen Chemnitz seit 2014 Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale).

bis 3. Mai 2015 „ D u u n d i c h . B i l d n i s s e u n d S e l b s t p o r t rä t s d e r B r ü c k e - M a l e r a u s d e r S a m m l u n g H e r m a n n G e r l i n g e r“ bis 10. Mai 2015 „ N i c k o l a s M u ra y . D o u b l e E x p o s u r e .“ ab 10. Mai 2015 „ A t e l i e r a l s L e b e n s ra u m . S a m m l u n g H e r m a n n G e r l i n g e r“ ab 2 2 . Mai 2015 „ L o g i c a l E m o t i o n . Z e i t g e n ö s s i s c h e K u n s t a u s J a p a n“ www. k un st mu se um-mor it zburg. de


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Dieter Hofmann, Foto: Matthias Ritzmann

10 0 Jahre Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

„Wir sind ein kreativer Tanker“ Die B e r uf ung von Paul Thie rsch am 1 . Juli 1915 al s Direk tor de r damalige n ­H a n d w e r k e r- u n d K u n s t g e w e r b e s c h u l e g i l t a l s d i e G e b u r t s s t u n d e d e r H a l l e s c h e n ­K u n s t h o c h s c h u l e . S e i t 1 9 2 2 h a t s i e i h r e n S i t z a u f d e m G e l ä n d e d e r r­ o m a n i s c h e n B u r g

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G i e b i c h e n s t e i n u n d t rä g t d i e s a u c h i n i h r e m N a m e n .

In den vergangenen 100 Jahren hat sie sich als Institution ­etabliert, die sich zwischen freien und angewandten Formen der Kunst und des Designs bewegt. Studierende können sich hier nicht nur in Buchkunst oder Bildhauerei ausbilden lassen, sondern auch in den Sparten Film, Performance und Mixed Media. Der größere Fachbereich Design deckt die Bandbreite vom Industriedesign über Mode- und Kommunikations­ design bis hin zur Innenarchitektur ab. Seit Oktober 2014 leitet Dieter Hofmann die Hochschule, an der er selbst seit über zehn Jahren als Professor tätig ist. Für ARTMAPP sprach ­Sarah Alberti mit ihm über politische Sparzwänge, Schmerzen beim Epilieren und nutzerorien­t ierte Produkte. ARTMAPP: Das Leitbild der Burg Giebichenstein steht unter der Überschrift „Visionäres Denken und Gestalten“. Welche Qualifikationen vermittelt die Burg ihren Studierenden? Dieter Hofmann: Sie sollen befähigt werden, die Probleme zu finden, die diese Welt hat. Sie sollen sich auf vielen Gebieten

Wissen aneignen, kritisch sein und dann diese Felder ­m it­einander verbinden, um daraus Schlüsse zu ziehen, die Spezialisten nicht ziehen würden. Ein Designer oder Künstler ist ein Querdenker. Der Designer versucht, die Kultur so zu verbessern, dass die Umgebung des Menschen zu seinem ­Vorteil gestaltet wird. Der Künstler stellt der Gesellschaft mit seiner Arbeit Fragen und verändert sie dadurch. ARTMAPP: Sie bieten in Halle insgesamt 18 Studiengänge in den Bereichen Kunst und Design an. Fehlt es der Burg an Profilschärfe? DH: Ich sehe das breite Spektrum unserer Schule als große Qualität: Wer im Industriedesign über Arbeitsbedingungen nachdenkt, will vielleicht auch Arbeitskleidung neu gestalten. Dabei hilft dann eine Schnittstelle zum Textil- oder Modedesign. Ich selbst habe es sehr genossen, in Stuttgart an einer Hochschule zu studieren, wo ich auch mit Künstlern zusammenarbeiten konnte. Der Bereich Kunst an der Burg bietet hochaktuelle Studiengänge von zeitbasierten, medialen


Ansätzen bis zu Buch und Schmuck auf Weltniveau. Wir sind ein kreativer Tanker mit einer Besatzung von mehr als 1.000 begabten Individuen, die auf engstem Raum zusammenleben. Da entstehen sehr außergewöhnliche Ideen. 2014 haben wir beispielsweise eine eigene Kita eröffnet, die dem Fachbereich Spiel- und Lerndesign nun auch als Forschungsfeld dient. ARTMAPP: Die Burg Giebichenstein bietet ihren Studierenden Lebensqualität: Neben dem Kindergarten gibt es für Absolventen die Möglichkeit, die Infrastruktur der Burg weiterhin zu nutzen, auf dem Campus ein günstiges Atelier zu mieten und auf Beratungsangebote zur Existenzgründung zurückzugreifen. DH: Wir wollen unseren Studierenden den Sprung in die Praxis erleichtern und Handwerkszeug mitgeben, das sie durchs ganze Leben tragen kann. Schutz und gute Studienbedingungen sind dafür wichtig. Wir bilden Menschen mit einem gestalterischen Profil aus, die nicht die merkantilen Interessen von Unternehmen bedienen, sondern fragen: Was ist für den Nutzer in seiner Welt wichtig? Apple denkt zum Beispiel sehr nutzerorientiert und ist deshalb so erfolgreich. ARTMAPP: Sie sind selbst Designer, haben, bevor Sie Professor an der Burg wurden, in Groß­ britan­nien, den USA, Korea und Japan gearbeitet. ­Inwieweit hilft Ihnen diese Berufserfahrung für das Amt des Rektors einer Kunsthochschule? DH: Als Designer ist man Anwalt des Nutzers. Unsere Nutzer sind die Studierenden. Deren Interessen möchte ich vertreten. Auch unsere Hochschule ist vom Spardiktat der Politik ­betroffen. Wenn man für Studierende Verantwortung hat, möchte man Hochschulentwicklung aktiv mitgestalten.

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ARTMAPP: Der Etat der Hochschule wird in den nächsten fünf Jahren durch das Land Sachsen-­ Anhalt um einen Betrag gekürzt, der einer Lehr­ leistung von fünf Professoren entspricht. DH: Ja, wir müssen mit diesem Opfer leben, obwohl uns der Wissenschaftsrat ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt hat. So wie es aussieht, werden wir diese Einsparungen aber ohne substanzielle Einschnitte in die Struktur der Lehre hinbekommen. Sachsen-Anhalt hat keine ausgeprägte Industrie, deshalb ist gute Bildung umso wichtiger für die Zukunft des Landes. Eine Kunsthochschule ist einer der wenigen Orte, an denen, losgelöst von wirtschaftlichen Interessen, erst einmal völlig frei und visionär experimentiert werden kann. ARTMAPP: Sie sind für vier Jahre ins Amt gewählt. Was sind Ihre weiteren Aufgaben und Ziele? DH: Ich möchte die Eigeninitiative der Studierenden für die Hochschule weiter fördern. Sie sollen schon während des ­Studiums lernen, ihre eigene Umgebung aktiv mitzugestalten. Wir haben bereits ein studentisch organisiertes Café, Vollversammlungen und ein Kino. Ich habe mir eine familienfreundliche Hochschule, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und ein Studium unabhängig vom Einkommen auf die Fahnen geschrieben. Mein Ziel ist außerdem, den Grundstein für ein schon lange geplantes neues Gebäude für den Fachbereich Kunst zu legen. Dafür ein Signal aus dem Ministerium zu bekommen, wäre toll. Noch ist die Sektion Kunst bei uns auf zwei Standorte verteilt. Dadurch geht Energie verloren.

Burg Giebichenstein, Anbau, Panorama, Foto: David Oelschlägel


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ARTMAPP: Sie selbst haben Produkte in den Bereichen Sport, Haushalt, Körperpflege und mit Ihrem Büro eDesign Investitionsgüter entworfen. Was können wir uns darunter vorstellen? DH: Ich habe Werkzeugmaschinen entworfen. Da geht es auch um die Gestaltung von Arbeitsbedingungen, denn die Handhabung einer Maschine, an der Menschen acht Stunden am Tag arbeiten, ist in der Konsequenz relevanter als die einer Teetasse, die vielleicht nur zehn Minuten am Tag benutzt wird. Am Produktdesign interessiert mich, ob ein Objekt das kommuniziert, was es beinhaltet. Für die Firma Braun haben wir zum Beispiel ein Epiliergerät entwickelt. ARTMAPP: Haben Sie dafür das Epilieren selbst auch ausprobiert? DH: Ja, natürlich, das war wichtig, um zu verstehen, wie sich das anfühlt, und um zu fragen: Wie kann man mit diesem Schmerzempfinden und der dadurch gereizten Haut umgehen? Wir haben dann Hölzer eingesetzt, die eine heilende Wirkung haben können, auch bei Hautirritationen. ARTMAPP: In diesem Jahr feiert die Burg ­Giebichenstein als Kunsthochschule ihr 100-­jähriges Bestehen. Welches Anliegen ­verfolgen die Jubiläumsaktivitäten? DH: In Zeiten von Sparmaßnahmen wäre es unangemessen, Geld nur zum Feiern auszugeben. Wir möchten das Jubiläum zur Selbstbestimmung nutzen, um unser Profil zu kommunizieren und künftige Bewerber auf uns aufmerksam zu machen, die den Ort ihrer Ausbildung oft nach der Stadt und nicht nach den Studienbedingungen entscheiden. Natürlich findet auch eine Auseinandersetzung mit Geschichte statt. Viele Menschen, die hier etwa vor 50 Jahren studierten oder lehrten, können uns noch erzählen, was sie mit der Burg erlebt haben. Ich selbst werde einen Dialog mit einem Urenkel von Paul Thiersch, dem Gründer der Hochschule, führen, der zufälligerweise mit mir zusammen studiert hat.

ARTMAPP: Nach der Auflösung des Bauhauses in Weimar im Jahr 1925 kamen zahlreiche ehemalige Bauhäusler als Lehrer an die Burg Giebichenstein, unter ihnen der Bildhauer Gerhard Marcks, der von 1928 bis 1933 sogar das Amt des Direktors bekleidete. Das ist wenig bekannt ... DH: Das Bauhaus in Dessau steht fast vor unserer Tür und hat international einen ganz anderen Ruf als die Burg Giebichenstein. Weltweit orientieren sich noch heute viele Schulen am Bauhaus. Ehemalige Bauhäusler wiederum haben hier an der Burg stets eine Stätte gefunden, an der sie ihre Ideen weiterverfolgen und leben konnten. Wir sehen uns deshalb auch ein wenig in der Nachfolge des Bauhauses. Wir sind jetzt an e­ inem ähnlichen Punkt, an dem es selbst vielleicht heute wäre, hätte es als Schule weiter existiert. Das soziale Denken, der moderne Versuch, Menschen Zugang zu Dingen zu verschaffen, die sie sich bisher nicht leisten konnten, diese Grundidee ist auch bei uns an der Burg verwurzelt. Das Bauhaus hat ­seinerzeit sehr innovativ Stahlrohre zu Möbeln gebogen. Auch wir verknüpfen ständig neue Erkenntnisse aus Kunst, Design, Wissenschaft und Technik in unseren unterschiedlichen Werkstätten des Denkens und Machens. Daraus entwickeln wir unsere Ideen. Bald gibt es dafür eine neue Mediathek mit Materialbibliothek. Diese Kongruenz von Geist und Hand ­bildet eine historische Kontinuität und ist uns nach wie vor sehr wichtig. ARTMAPP: Herr Hofmann, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!

www. burg-halle. de 100. burg-halle. de

Fahrzeugmodell, 1970

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Foto: Hochschularchiv, Burg Giebichenstein


Aus: „Da wackelt die Ruine“, Hasen Verlag, Halle/Saale, Faschingsfeiern an der Kunsthochschule, links: 1925, oben: 1960 Fotos: Hochschularchiv, Burg Giebichenstein


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Deutschland zog es in den Ersten Weltkrieg, Halle zum Gesamtkunstwerk

Inspiriert klingen die mit Partnern realisierten Pro­jekte: So wird die Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen zu Halle von 1698, Deutschlands ­ä ltester erhaltener Prototyp eines Museums, auf ihr aktuelles Potenzial hin befragt. Absolventen eröffnen dazu einen „­ Assoziationsraum Wunderkammer“ (2 4. April bis 16. August), Symposien beleuchten Vernetzungen und Erkenntnismodelle zu Franckes Zeiten und heute, wo die Stiftungen für die Einschreibung in die Welterbeliste der UNESCO nominiert sind. Den Jubiläumsabschluss bildet die Schau „Moderne in der Werkstatt“ (16. November 2015 bis 14. Februar 2016) im Kunstmuseum Moritzburg. Eingebettet ist die Tagung „1915! Eine Kunstgewerbeschule als Gegenwelt?“. Deutschland zog es in den Ersten Weltkrieg, Thiersch zum Gesamtkunstwerk. Wer Moderne mit Emanzipation verbindet, vermisst Programmpunkte, welche die Rolle der Frau untersuchen. Auffällig auch, dass der NS-Zeit kein besonderes Augenmerk gilt. Wie war es 1933 um die reformerische Kunstschule ­b estellt, als im nahen Museum eine „Schreckenskammer ­E ntartete Kunst“ zur Diffamierung moderner Werke in­ stalliert wurde? Glücklich fügt sich, dass der Kunstverein „Talstrasse“ Ergebnisse eines Forschungsseminars „Kunst in Halle 1933–1945“ des Instituts für Kunstgeschichte der ­M artin-Luther-Universität Halle-Wittenberg präsentieren wird – voraussichtlich im Herbst, die Finanzierung des ­Begleitbuches gestaltet sich überraschend schwierig. Die Burg selbst möchte 2015 nutzen, um Historie zu schreiben. Publikationen sollen derart entstehen, dass sie die Ergebnisse der Veranstaltungen enthalten statt vorwegnehmen. Womöglich kommt die Burg mit diesem offenen Charakter dem Geist ­ihrer Gründung dann doch unverhofft nahe. H E N D R I K P U PAT

Franckesche Stiftungen, Illuminierter Lindenhof, Foto: Franckesche Stiftungen, Falk Wenzel

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100. burg-halle. de

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Neuwerk. So heißt die Straße, an der sich zentrale Bereiche der Kunsthochschule Burg Giebichenstein befinden. Neuwerk! Der Name hat nur einen Schönheitsfehler: Er bezieht sich auf ein Kloster von 1116 und nicht auf die „ältere Schwester des Bauhauses“. Nahm in Weimar das Bauhaus 1919 die Arbeit auf, so begann an der Saale die Design-Renaissance bereits am 1. Juli 1915, dem Tag, an dem Architekt Paul Thiersch als Direktor mit der Überzeugung antrat, dass die kunsthandwerkliche Erziehung „vom ersten Augenblick an auch eine künstlerische sein“ müsse. Die symbiotische Nähe freier wie angewandter Bereiche prägt die Burg bis heute, obgleich Kunst und Design jeweils einen eigenen Campus haben. Dazwischen, noch am Neuwerk, findet sich eins der beliebtesten öffentlichen Kunstwerke der Stadt, es stammt, klar, von einem Absolventen der Hochschule: Marc Fromms „Diving Platform“ lässt zehn goldene Winkekatzen auf einem Fließband über der Mauer der Kunststiftung Sachsen-Anhalt rotieren, verhilft damit einem verramschten asiatischen Designklassiker zu unverhofften künstlerischen Weihen und hebt nebenbei die beiden Pole der Burg auf eine Ebene. Gegenwart, Vergangenheit. Zukunft? Die Kunst­ hochschule will ihr diesjähriges Jubiläum zur Verortung, Profilschärfung, Kursbestimmung und Imagepflege nutzen, vor Ort und international, etwa mit Präsentationen beim Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris oder auf den Biennalen von Havanna und Sinop. Los ging es im Januar in Halle mäßig originell mit „Die 100 besten Plakate der Burg“ aus 99 Jahren. Im März folgen „Entdeckungen. Die Bücher der Burg“. Parallel zur Buchmesse Leipzig klingt das nach Pflicht. Da war es klug, den Festakt vorzuziehen vom 1. Juli auf den 6. Februar. Dann beginnen die Semesterferien, traditionell mit Modenschau und Party. Vom 16. April bis 7. Juni präsentieren die Professoren ihre Arbeiten, „beobachten, bewegen, bilden, bürsten gegen den Strich …“ verspricht der Titel. Zum Jahresende zeigen sich Multimedia-, Schmuck- und Textildesign. Das Programm liest sich so ausgewogen wie mutlos. Die Zeit vom 26. bis 29. Mai wird zur Festwoche erklärt, an allen Orten der Hochschule von Studenten gestaltet, internationale Gäste erwartend. Am 18. und 19. Juli folgt die beliebte Jahresausstellung, die dieses Mal nicht nur das Schaffen der vergangenen beiden Semester reflektieren, sondern zugleich die Identitätsfrage stellen und auf die „nächsten 100 Jahre“ blicken soll.


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Dana M eyer, M eisterschülerin der Burg Giebichenstein

Freund oder Feind?

Dana Meyer, „Fuchsjagd“, 2014, Stahl – geschmiedet und geschweißt, 160 x 120 x 330 cm


Bevor Dana Meyer an die hallesche Burg kam studierte sie ­G eschichte, Literatur- und Kulturwissenschaften, nach dem Diplom an der Burg folgte bis 201 4 ein Meisterstudium bei Bruno Raetsch. Im selben Jahr ehrte sie die Stadt Limburg an der Lahn mit ihrem Kunstpreis, der unter dem Thema ­„tierisch“ stand. Tiere dienen Meyer oft als Metaphern für V ­ erknüpfungen von Natur und Kultur. Stumpfe, rauhe Häute kontrastieren mit dynamischen und weichen ­Silhouetten. Der Gegensatz von Organischem und Technoidem, von a­ ggressivem Leben und industriellen Materialien erweckt Furcht. Schweine, die aus Röhren kriechen und teils selbst aus Röhren bestehen, kommen wie Zwitter einer zukünftigen Welt daher – im Kontrast von Muskelmasse und Fett. In anderen Werken wimmeln Insekten; metallische Krabbeltiere ergießen sich wie kleine Gregor Samsas über ein Bett. Die oft mehrteiligen Szenen evozieren Kämpfe und rufen Angst hervor. Androide Wesen springen mit einem steinzeitlichen Marsch in eine apokalyptische Welt: Begleiten sie Hunde, die treuen Freunde des Menschen, oder verüben Wolfswesen ­einen Überfall? HEIDI STECKER

5 . bis 8. März 2015 art K A R LSRUHE w w w . ro t h a m e l . d e w w w . d a n a m e y e r. d e

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Die Bildhauerin Dana Meyer schmiedet. Dieses heute eher ungewöhnliche künstlerische Verfahren zu erlernen, war ihr an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle möglich. Die Burg feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag und Meyers Arbeiten verweisen einmal mehr auf die Qualität der dortigen Ausbildung mit einem Werkstattsystem samt Metallwerkstatt und Schmiede in einer gegenständlichen Tradition, wie man sie in Halle und Leipzig verorten kann. Meyer schmiedet flache Platten, die sie zu Skulpturen von Tieren und Menschen zusammensetzt. Stück für Stück wachsen metallene Körper, die sich mit Schwung in den Raum werfen oder stoisch behaupten. Meyer schmiedet die einzelnen Segmente selbst, aber kein Hammer glättet zu ­glänzenden Oberflächen. Wuchtige treffen auf zarte und zerbrechliche Partien. Ohne dass vorher Skizzen angefertigt werden, ergeben sich anatomisch stimmige, kraftvolle Leiber.

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Daniel Kruger, Professor f端r Plastik/Schmuck an der Burg Giebichenstein

Schmuck aus Erde und Geschichte

Halsschmuck, 2011, Silber, Pigment Foto: Udo W. Beier


Brosche, 1998, Türkis, Chr ysopras, Gold

München anschloss. Seit 2005 ist er als Professor an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle tätig und unterrichtet, wie „Ideen auf kleinstem Raum“ untergebracht werden können. „Ich bemühe mich, Teil eines Kontinuums zu sein und zu ehren, was uns frühere Generationen überliefert haben; auf dieses Erbe aufzubauen, um es weiterzugeben an diejenigen, die nach uns kommen.“ Offen reflektiert er über seine Inspirationsquellen, etwa über den Garten seiner Großeltern, die in Südafrika inmitten in einer urzeitlichen Landschaft einen künstlich gestalteten Garten anlegten, worauf er seine Faszination für das Natürliche und das Künstliche zurückführt. SARAH ALBERTI

bis 8. März 2015 „ Zwischen Nat ur und Künstlichkeit“ G ra s s i M u s e u m f ü r A n g e w a n d t e K u n s t , L e i p z i g a b 2 7. M ä r z 2 0 1 5 Schmuck museum P forzheim www. burg-halle. de

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Pommes-frites-Gabeln, mit Kräutern gefüllte Glasröhrchen, Kieselsteine in Seide – allein die Kettenanhänger des Schmuck- und Keramikkünstlers Daniel Kruger machen deutlich: Hier versteht jemand das Spiel mit dem Ungewöhnlichen . K ruger verwendet Fundstücke aus dem Alltagsleben, konfrontiert Metall mit Textilem. Auseinandergebrochene Cocktailgläser setzt er zu einer Kette zusammen, Polyesterfäden auf Silber bilden eine Brosche. Knapp 200 Exponate aus den Jahren 1974 bis 201 4 sind unter dem Titel „Zwischen Natur und K ­ ünstlichkeit“ in vier Museen zu sehen: Nach dem Grassi ­Museum für Angewandte Kunst Leipzig wandern sie ins Schmuckmuseum Pforzheim; anschließend ins Deutsche Goldschmiedehaus Hanau und ins Stedelijk Museum ’s-­Hertogenbosch. Die Ausstellung stellt Kuratoren wie Rezensenten vor eine Herausforderung: So geben die ­Vertreter der vier Museen im Vorwort des Begleitkataloges zu, dass der Versuch, Krugers Arbeiten zu charakterisieren, dem Bemühen gleiche, ein Chamäleon zu beschreiben. Kaum ein anderer Schmuckkünstler habe im Laufe seines Schaffens so frei und unbelastet zu immer neuen Bildwelten ganz per­sönlicher Art gefunden und vielleicht seien eben gerade die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten Hauptmerkmal seiner Arbeiten. Das angenehm reduzierte Ausstellungsdesign zeigt die Exponate in Vitrinen und hüfthohen Schaukästen auf weißem Grund. Die Mini-White-Cubes unterstreichen ­d abei besonders Krugers Enthierachisierung der verwendeten M ­ aterialien: Bernstein, Emaille, Federn, Gummi, Messing, K ­ orallen, Plexiglas, Smaragde oder Spiegelfragmente verarbeitet er mal hart, mal weich, mal strukturiert, mal chaotisch. Diese Kontraste, auch der Wechsel zwischen Geome­t rischem und Organischem, zeichnen sein Schaffen aus. Kruger schrecke dabei weder vor der Kombination ge­f undener Glasscherben mit Gold noch vor dem – wie Katalogautorin Jorunn Veiteberg betont – nach wie vor ­feminin konnotierten Häkeln zurück. Das lernte Kruger schon als Kind. 1951 in Kapstadt geboren, wuchs er auf einer Farm in Namibia auf; die Erde wurde für ihn zur Fundgrube für das, was die Natur hervorbrachte, sowie für das, was andere hinterlassen hatten. Es gehe ihm nicht darum, etwas Neues zu schaffen, so Kruger, der in Südafrika Goldschmiedekunst, Grafik und Malerei studierte und ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in

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Foto: Udo W. Beier


Spielmode von Anne Sommer, Absolventin der Burg G ­ iebichenstein

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Frosch im Ärmel

von Kindermode auf dem Stundenplan stand. Zurück in Deutschland entstanden anlässlich ihrer Master­a rbeit die ersten eigenen Kleidungsstücke. Einige Auszeichnungen gab es schon für die innovativen Produkte, etwa beim ­S cidea Ideenwettbewerb oder dem Hugo-Junkers-Preis. Nach ihrem Studienabschluss mietete Anne Sommer ein Atelier im Designhaus Halle. Diese Einrichtung der Burg Giebichenstein bietet Absolventen für drei Jahre einen ­geschützten Raum auf dem Campus für ihre Start-ups: mit günstigen Mieten, Workshops für Geschäftsgründer, Be­ ratung in juristischen Fragen, Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit und der Möglichkeit zum Netzwerken. Nun müssen Vertriebswege erschlossen und Kunden gefunden werden. „Mach Dein Kind noch glücklicher …“, so wirbt Anne Sommer auf ihren Flyern. Zielgruppe sind Eltern, die Wert auf Qualität und pädagogisch Anregendes legen. Preislich bewegen sich die kreativen Stücke zwischen 40 und 100 Euro – produziert wird in Handarbeit in Deutschland. Die Zukunft sieht Anne Sommer im Ladenverkauf, zunächst in Halle, Leipzig und Berlin, perspektivisch auch deutschlandweit. Mit einem Koffer voller Modelle zieht sie derzeit durch die Boutiquen Halles – denn noch lässt sich ihre „Spielmode“ nur über die Website des Labels bestellen. YVONNE FIEDLER

www. spielmode. de

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Er ist lindgrün, hat zwei Knopfaugen und eine große Klappe – sobald eine Kinderhand in ihn hineinschlüpft, erwacht „Froschi“ zum Leben. Die Handpuppe kann singen, plappern, knuffen oder einfach nur staunen. Vor allem aber ist sie immer dabei, wenn Langeweile droht, denn die Puppe ist gleichzeitig der Ärmel eines Pullovers. Trag- und zugleich spielbare ­K leidung für Kinder zwischen drei und sechs Jahren ent­ wickelt die studierte Spiel- und Lerndesignerin Anne Sommer. Anfang 2014 hat sich die 31-Jährige in Halle mit ­ihrem Label „Spielmode“ selbstständig gemacht. Langeweile im Wartezimmer oder auf Autofahrten soll mit ihren Kreationen passé sein: Da können Knöpfe auf Hosen oder Röcken durch ein Labyrinth gefädelt werden, der bemalbare Rucksack „Píntame!“ inklusive Stift bietet jederzeit Platz für kreative Einfälle und das Kleid „Carmencita“ mit Riesentaschen verstaut allerlei Krimskrams. „Die Sachen müssen so simpel wie möglich sein, damit die Kinder so viel wie möglich damit machen können“, erklärt Anne Sommer ihre Philosophie. Ideengeber war ein kleiner Junge, den sie in einem Wartezimmer beobachtete, während er sich mit dem einzigen dort verfügbaren Spielzeug beschäftigte. Eigentlich, überlegte Sommer in diesem Augenblick, müsse es für jedes Kind ein stets verfügbares, altersgerechtes Spielzeug geben. Verfeinert hat sie diese Idee im Rahmen ihres Studiums an der Burg G ­ iebichenstein Kunsthochschule Halle und während zweier Auslands­ semester im spanischen Valencia, wo auch die ­G estaltung

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Fotos: Andrea Kuhn


Kloster Schule Weinberge

Ausflug nach Pforte

Kloster Pforta, Kreuzgang rechte Seite: Naumburger Dom Fotos: Saale - Unstrut-Tourismus e. V.


trifft, wird nicht bemerken, dass sie eigentlich ein bisschen genervt sind vom Eindringen der Touristen. Vielmehr werden sie freundlich grüßen und, wenn sie gefragt werden, nicht ohne Stolz erzählen – von „Pforte“, wie sie den Ort nennen, wo sie vier Jahre lang leben und lernen dürfen: Dass Zisterziensermönche aus Walkenried an dieser Stelle im Jahr 1137 die Abtei Sankt Marien zur Pforte gründeten. Udo I. von Thüringen, Bischof zu Naumburg, hatte sie ins Saaletal gerufen, wohl unter dem Eindruck einer persönlichen Begegnung mit dem charismatischen Ordensvater Bernhard von Clairvaux. Sie könnten weiter berichten, dass 1543 Herzog Moritz von Sachsen das Kloster zu einer Schule machen ließ, an der begabte Knaben aller Stände unentgeltlich unterrichtet werden sollten. Eine für jedermann zugängliche Lehranstalt, an der bis heute durchaus nicht jeder angenommen wird. In den Matrikeln, die seit dem ersten Jahrgang lückenlos vorliegen, stehen denn auch so berühmte Namen wie Friedrich Gottlieb Klopstock und Friedrich Schlegel, ­Johann Gottlieb Fichte und sogar Friedrich Nietzsche. Als Pforta nach dem Wiener Kongress im frühen 19. Jahrhundert zu Preußen kam, sorgte Wilhelm von Humboldt für die ­E inführung des neuhumanistischen Prinzips an der Landesschule. Seit 1949 werden auch Mädchen zugelassen. Zu DDR-Zeiten war Pforta eine Erweiterte (Heim-)Oberschule. 1990 wurde daraus dann die Landesschule Pforta, seither in Trägerschaft Sachsen-Anhalts. Sie führt in drei Zweigen mit Zusatzangeboten in Sprachen, Musik oder Naturwissenschaften zum Abitur. 400 Schülerinnen und Schüler leben und lernen hier derzeit. Aufnahmeprüfungen sind Pf licht, die Kosten für die Eltern niedrig, das Klima ist Klasse und das Niveau beispielhaft. Die Schule steht Jugendlichen aus ganz Deutschland offen.

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,,An der Saale hellem Strande stehen Burgen stolz und kühn ...“ Was das Volkslied aus der Feder von Franz Kugler dem ro­ mantisch aufgelegten Wanderer schon im 19. Jahrhundert versprach, kann das gewundene Flusstal südlich der halleschen Burg Giebichenstein bis heute locker halten. Dennoch hat die mittlere Saale weit mehr zu bieten als Ritterromantik. Kunsthistorisch höchst interessante Stätten nämlich und gute Weine, die auf den Hängen an Saale und Unstrut wachsen. Die geschichtsträchtige Kulturlandschaft ist zugleich das nördlichste Qualitätsweinanbaugebiet Europas. Eine besonders sehenswerte Symbiose von Landschaft, Historie, Baukunst und Weinbau findet der reisende ­S chöngeist an einem Ort, der trotz seines stattlichen Alters von über 850 Jahren jünger und lebendiger kaum sein könnte. Er heißt Schulpforte und ist weitgehend identisch mit der Landes­schule Pforta, dem einzigen Internatsgymna­ sium Deutschlands mit angeschlossener Weinhandlung. Schulpforte war einst ein reiches Zisterzienserkloster mit ­K irche, Kreuzgang, Kelter und allem, was so dazugehört. Im Refektorium wird immer noch täglich gespeist, wenn auch heute eher munter als mönchisch. Wer von Naumburg aus die Bundesstraße 87 in Richtung Bad Kösen nimmt, erblickt nach wenigen Kilometern linkerhand, unterhalb eines Berges, eine Anzahl stattlicher Gebäude, in deren Mitte sich eine Spitze emporreckt. Der schlanke Dachreiter überragt die Klosterkirche, auf deren Höhe ein Wegweiser die Einfahrt zur Landesschule Pforta markiert. Vom Parkplatz gelangt der Besucher mit wenigen Schritten in das Zentrum der weitläufigen Anlage. Noch bevor er den Kreuzgang erreicht, wird er möglicherweise engelsgleichen Gesang vernehmen. Die Chöre des Gymnasiums proben regelmäßig oberhalb des Ganges, der sich durch das Erdgeschoss zieht. Wer hier auf Schülerinnen und Schüler

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cranach in th端ringen 2015

themenjahr

bild und

botschaft

eisenach, gotha und weimar www.cranach2015.de


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JAN-PETER SCHRÖDER

Weinberg des Winzerhofes Gussek, Kaatschener Dachsberg Foto: Peter Gussek

N Ü T Z L ICH E W E BL I N K S : w w w . s a a l e - u n s t r u t- t o u r i s m u s . d e www. weinbauverband-saale-unst r ut. de www. landesschule-pfor ta. de www. st if t ung-schulpfor ta. de www. welterbeansaaleundunst r ut. de w w w . k l o s t e r- p f o r t a . d e

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w w w . w e i n d o r f- ro s s b a c h . d e

Kloster Schulpforte Foto: Saale - Unstrut-Tourismus e. V.

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Das gilt ebenso für Besucher, die freilich auch ohne Eingangsexamen willkommen sind. Der eigentümlichen Aura dieser mittelalterlichen Klosteranlage haben die Um- und Neu­bauten späterer Jahrhunderte nichts von ihrer Kraft genommen: Wer offenen Sinnes hier wandelt, wird ohne Weiteres empfinden, dass Schulpforte ein „guter“ Ort ist – wie etwa Stonehenge, die Kathedrale von Reims oder die Abtei Fontenay. Wie im Burgund beeindruckt auch das karge Kirchenschiff von Pforte mit zisterziensischer Strenge. ­S ehenswert sind darüber hinaus das bereits komplett res­ taurierte Fürstenhaus, ein wuchtiger Renaissancebau auf spätromanischen Grundmauern (innen das modernste der acht Internate), die kleine Abtskapelle sowie der einstige Kloster- und spätere Schulfriedhof. Bei schönem Wetter empfiehlt sich ein Spaziergang durch den östlich angrenzenden Park. Den guten Pforte-Wein gibt es im neogotischen Torhaus auf der Westseite, das nach Plänen des Schinkel-Schülers Friedrich August Stüler erbaut wurde. Hier haben die Winzer des Landesweinguts Kloster Pforta ein Fachgeschäft eingerichtet, in dem ihr gesamtes Sortiment verkostet werden kann: feine Weiß- und Rotweine, teils aus alten Rebsorten der Gegend, die mit modernen Methoden in der Tradition der weißen Mönche vinifiziert werden. Besonders empfehlenswert: Der Grauburgunder vom Pfortenser Köppelberg, der auf der anderen Straßenseite, nur einen Katzensprung weit entfernt, gedeiht. Wer einen Korkenzieher dabei hat, kann sich selbst die Freude machen, in der Vinothek eine gekühlte Flasche und ein paar Probiergläser zu kaufen und sich nach einem kurzen Spaziergang oberhalb der Rebenreihen damit ins Gras zu setzen. Da blickt man dann ins Tal hinunter und sinnt schlückchenweise darüber nach, dass dieser Weinberg in bester Südlage schon 1152 erstmals urkundlich erwähnt wurde und dass es die Zisterzienser von Pforte waren, die den Weinbau an Saale und Unstrut über Jahrhunderte geprägt haben.


Weingut Pawis, Foto: Weingut

Weingüter an Saale und Unstrut

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Über 50 Privatweingüter, die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut und das Landesweingut Kloster Pforta – für Liebhaber guter Weine gibt es an Saale und Unstrut viel zu entdecken und zu verkosten. Besonders lohnend ist ein Besuch bei einer Reihe ehrgeiziger, meist junger Winzerinnen und Winzer, die im Bewusstsein einer tausendjährigen Weinbautradition in der Region auch neue Wege gehen, um ihr tolles Terroir bestmöglich in die Flasche zu kriegen. Als e­ xzellenter Kenner der Gegend und ihrer Qualitäten legt der Weinhändler Rainer Albert Huppenbauer jetzt ein Buch über die Weinregion Saale-Unstrut vor. Nachfolgend finden Sie ­einige seiner persönlichen Empfehlungen.

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Tradition trifft Terroir


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Weingüter an Saale und Unstrut

W EI NGU T HEY

Matthias Hey, Foto: Torsten Biel

Direkt an der Steillage „Naumburger Steinmeister“ gelegen, gehört dieser erst 2008 gegründete Betrieb wohl zu den idyllischsten und zugleich erfolgreichsten Weingütern an der Saale. Der junge Winzer Matthias Hey (32), der sein Abitur an der Landesschule Kloster Pforta gemacht hat, bewirtschaftet es gemeinsam mit seinen Eltern. Er hat in Geisenheim, der Internationalen Stadt der Rebe und des Weines, und im italienischen Udine Weinbau studiert und legt den Fokus ausschließlich auf Qualität. Heys Trauben stammen nur aus schwer zu bewirtschaftenden Steillagen, seine Weine erreichen absolut das Niveau deutscher Spitzenerzeuger. In der kleinen überzeugenden Kollektion faszinieren besonders die Rieslinge und Weißburgunder. Von Mai bis September hat eine Straußwirtschaft geöffnet. Zauberhafte Menüabende, Theatervorstellungen und kleine Konzerte finden ebenfalls statt. We i n b e r g e 1 a , 0 6 6 1 8 N a u m b u r g

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W E I N G U T B E R N A R D PAW I S

Bernhard Pawis keltert aufsehenerregende Weine aus einigen der besten Lagen der Region. Seine „Großen Gewächse“ werden von Weinfreunden und Kritikern gleichermaßen der deutschen Spitzenklasse zugeordnet. Aus dem kleinen Gut seiner Eltern hat der Winzer, der Mitglied im VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) ist, mit atemberaubender Geschwindigkeit einen Vorzeigebetrieb geschaffen, der mittlerweile über 15 Hektar erstklassige Rebfläche verfügt. Im Jahr 2007 ist das Weingut nach umfangreicher Sanierung in das ehemalige Klostergut Zscheiplitz bei Freyburg eingezogen. In diese schönen Kulisse wird regelmäßig auch zu kulturellen und kulinarischen Events eingeladen. Eine Straußwirtschaft, die in den Monaten Mai, August, September und Oktober an den Wochenenden geöffnet hat, erfreut sich immenser Beliebtheit. Der Weinverkauf, wo man auch kleine Proben verköstigen kann, hat täglich geöffnet. Auf de m Gut 2 , 0 663 2 F re yburg / Or t ste il Z sche iplit z w w w . w e i n g u t- p a w i s . d e

www. weing uthey. de

W I N Z E R HOF GUSSE K

Fährt man von Naumburg in Richtung Bad Kösen, erblickt man nach dem eindrucksvollen Ziegelbau der ehemaligen preußische Kadettenschule auf der linken Straßenseite eine unscheinbare Toreinfahrt, hinter der sich der schmale Winzerhof Gussek verbirgt. Rechts und links des Weges alte Reben, die jenseits von Verkaufsraum und Weinkeller in eine große Rebfläche übergehen. André Gussek ist gelernter Winzer und war, bevor er 1993 sein eigenes Gut gründete, lange Jahre verantwortlicher Kellermeister des Landesweingutes Kloster Pforta. Als Anhänger der Terroir-Philosophie hat für ihn die Ausweisung der einzelnen Lagen höchste Priorität. Daraus resultiert eine Vielfalt von Lagenweinen, die kein anderer Winzer der Region so handhabt. Sein größter Stolz ist der terrassierte „Kaatschener Dachsberg“. Gusseks Lagenweine aus Grauburgunder, Riesling und Weißburgunder sind Spitzengewächse. Überzeugend auch der Blaue Zweigelt und die Spätburgunder. K ö s e n e r S t ra ß e 6 6 , 0 6 6 1 8 N a u m b u r g w w w . w i n z e r h o f- g u s s e k . d e


W EI NGU T BÖH M E & TÖCH T ER

Als Seiteneinsteiger gehört Frank Böhme in Gleina, etwas abseits von Naumburg und Freyburg, schon länger zur Spitzengruppe der Saale-Unstrut-Winzer. Dennoch war es wie ein Paukenschlag, als aus dem Weingut Böhme vor zwei Jahren das Weingut Böhme & Töchter wurde. Seither entsprechen auch Internetauftritt und Etiketten der Qualität der Weine. Alles aus einem Guss. Tochter Marika hat in Geisenheim Önologie studiert und arbeitet nun mit ihrem Vater in den Weinbergen und im Keller. Ihre Schwester Toska, hauptberuf lich in Weimar beschäftigt , kümmert sich um Webauftritt und Marketing. Alle Weine des Sortiments prägen sehr deutlich und konstant das Spitzenniveau der Region. Weinhändler Rainer Huppenbauer mag besonders den Weißburgunder, den Traminer, den Chardonnay und den Riesling. Seine besondere Empfehlung: Der im Barrique ausgebaute Rotwein „T & M“ aus Cabernet Dorio und Cabernet Dorsa. Ölgasse 11, 0663 2 Gleina w w w . b o e h m e - t o e c h t e r. d e

Jochen Hinderer und Elisabeth Born, Foto: Weingut

W EI NGU T BOR N

Frank Böhme und Töchter, Foto: Ralf Hauenschild

Das Weingut Born in dem kleinen Winzerdorf Höhnstedt, unweit der Bundesstraße 80 zwischen Halle (Saale) und ­E isleben, ist ein mitteldeutscher Familienbetrieb mit schwäbischem Zuwachs. Während seines Studiums in ­Geisenheim lernte Jochen Hinderer, ein sympathischer junger Mann, die ebenfalls dort studierende Elisabeth Born kennen. Das Weingut in Höhnstedt führen beide heute ­g emeinsam. Beide können Wein, die Arbeitsteilung ist perfekt, die Herangehensweise denkbar einfach: Weine ohne Schnörkel, auf bestem Niveau. Und sie verkörpern klar die Saale-­Unstrut-Charakteristik: Trocken, feinfruchtig, sortenrein, mit spielerischer Säure. Kaum ein anderer Betrieb arbeitet diese Charakteristik so deutlich heraus. Aber Hinderer und Born beweisen auch ihr Gespür für komplexe, aromatische Weine wie Rieslinge und Weißburgunder. Spontanvergärung und Ausbau im Holz stützen dies und lassen großartige Weine entstehen. Probieren ist fast immer möglich; in den Sommermonaten gibt es zudem eine Straußwirtschaft. Wa n s l e b e n e r S t ra ß e 3 , 0 6 1 9 8 S a l z a t a l / O r t s t e i l H ö h n s t e d t w w w . w e i n g u t- b o r n . d e


[K端nstlerin: Annette Lechler | Fotograf: Tom Vack] Veranstalter

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KARLS RUHE

Am Anfang war ein Traum, so will es die Legende. Er­müdet von der Jagd soll Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach an einem Baum eingeschlafen sein und von einem Schloss geträumt haben, das sonnengleich im Zentrum einer Stadt liegt. Ganz absolutistischer Herrscher lässt er diesen Traum Realität werden. Am 17. Juni 1715 wird der Grundstein für das neue Schloss gelegt, aus Holz zunächst, denn die Mittel waren ­bescheiden. Im September dann wurde mit einem erstaunlich fortschrittlichen Privilegienbrief der freie Zuzug für Bürger von überallher ermöglicht. „Carols Ruhe“ war gegründet. 2015 wird die Stadt runde 300 Jahre jung. Heute ist

Karlsruhe e­ benso Kunst-, Musik- und Kulturzentrum wie Forschungshochburg, Wirtschaftszentrum und Stadt des Rechts. Gleich nach den juristischen Urteilen, so scheint es, stehen in ­K arlsruhe die ästhetischen auf dem Plan. Deutlich markiert diese Nachbarschaft von künstlerischem Auf bruch und rechtsstaatlicher Präsenz der Museumsbau gegenüber der Generalbundesanwaltschaft. Im Verhältnis zu anderen deutschen Städten ist ­n irgendwo sonst die Dichte an Kunsthochschulen, Mu­ seen und Räumen für zeitgenös­s ische Kunst so hoch. Für Entdecker lohnen sich die kurzen Wege zwischen dem


KUNST RÄUME Ryoji Ikeda, „data.path“, 2013, audiovisuelle Installation im ZKM Foto: Fernando Maguieira, © Ryoji Ikeda

von Heinrich K lot z gegründeten Z K M | Zentrum für Kunst und Medientechnologie, das seit 1997 im gleichen Gebäudekomplex untergebracht ist wie Städtische Galerie, Museum für Neue Kunst und die Staatliche Hochschule für Gestaltung. Nicht weit entfernt liegt die Staatliche ­A kademie der Bildenden Künste, von der aus es nur ein Sprung zur Staatlichen Kunsthalle, zum Landesmuseum im Schloss und zum Badischen Kunstverein ist. Unweit davon beherbergt das Prinz-Max-Palais das Stadtmuseum und das Museum für Literatur am Oberrhein. Im Ostteil der Stadt schließen die Fakultäten für Kunstgeschichte und

Architektur des KIT sowie die Hochschule für Musik den künstlerischen Reigen ab. Wem soviel Moderne, Postmoderne und Gegenwartskunst nicht genug ist, der hat die Möglichkeit, zehn Galerien für aktuelle Kunst einen Besuch abzustatten oder die jungen, von Studierenden initiierten Kunsträume ­aufzusuchen, die sich in den Hinterhöfen und leeren Schaulokalen der Stadt produktive Nischen ausgesucht haben. SEBASTIAN BADEN & SIMONE KRAFT


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30 0 Jahre Karlsruhe

So viel Stadtgeburtstag wie noch nie

© J. MAYER H. / KA300

Ü B E R 5 0 0 V E R A N S TA LT U N G E N I N 1 0 0 TAG E N !

Ihren 300. Geburtstag feiert die Stadt Karlsruhe mit einem 15-wöchigen Festivalsommer vom 17. Juni bis zum 27. September 2015 . ­A nfang- und Endpunkt markieren zwei bedeutende Daten der Karlsruher Stadtgeschichte: der Tag der Grundsteinlegung des Schlosses sowie der Tag der Veröffentlichung des Privilegienbriefes, mit dessen Freiheiten der Markgraf Karl Wilhelm um Bürger für seine neu erbaute Stadt geworben hat. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten strahlt der Geburtsort der Stadt – das Schloss. Jeden Abend wird es von Lichtkünstlern illuminiert und weist so den aus allen Richtungen herbeiströmenden Geburtstagsgästen den Weg.

Ebenfalls im Schlossgarten befindet sich das Herzstück des Festivalsommers: der Pavillon. In dem temporären, luftig ­offenen Gebäude erwartet die Besucherinnen und Besucher von morgens bis abends Programm, von Reparaturworkshops und Kabarett über Diskussionsrunden und Live-Experimenten bis hin zu Großevents. Gefeiert wird aber nicht nur rund ums Schloss, sondern auch in der gesamten Innenstadt, in allen 27 Stadtteilen sowie in den zahlreichen Kultur- und Wissenschaftsein­ richtungen. Mit gleich vier großen Ausstellungen laden die Karlsruher Museen dazu ein, 300 Jahre Karlsruhe in ihren vielschichtigen Facetten zu erleben, von der umfassenden Schau über den Stadtgründer im Schloss bis zum zukunftsweisenden, 300-tägigen Kunstereignis „GLOBALE“ im ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie.


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S P E K TA K U L Ä R E R S TA R T S C H U S S

Mit einer großen Eröffnungsshow am Schloss startet Karlsruhe in den Geburtstagssommer. Das Spektakel beginnt am späten Nachmittag des 20. Juni und endet nach Mitternacht. Dazwischen erwartet die Zuschauer eine multimediale Show für alle Sinne, mit eindrucksvollen Feuerwerks- und Lichteffekten, Hunderten Tänzern, Musikern und Akrobaten. Die ganze Schlossfassade wird dabei zur Leinwand und Bühne. Und immer geht es um eines, eine Hommage an Karlsruhe und die Menschen, die die Stadt geprägt haben. Den Abschluss und zugleich spektakulären Höhepunkt bildet eine Lichtshow mit riesigen Projektionen, P yro­ technik und packender Musik. 40.000 Menschen können dieses, in der Stadtgeschichte beispiellose Ereignis live vor dem Schloss mitverfolgen. Die Musik der Show stammt aus der Feder von Martin Lingnau, der als einer der erfolgreichsten Musiktheater­ autoren Deutschlands gilt und unter anderem das Musical „Das Wunder von Berlin“ komponiert hat. Für das Gesamtkonzept der Eröffnung sind Brendan Shelper und sein Team verantwortlich, die vielfältige Erfahrungen in der Insze­ nierung ausgefallener Großproduktionen mitbringen. Zuletzt inszenierte Shelper unter anderem die Eröffnungsshow der FIS Ski WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen, Highlight-Acts des ­Eurovision Song Contests 2014 sowie die aufsehenerregenden Fußballszenen des neuen Hit-Musicals „Das Wunder von Bern“.

zusammenkommen, zuhören und reden, feiern und diskutieren, faulenzen und mit anpacken. Er ist das Zuhause des Festivalsommers. Das 16 Meter hohe und dreistöckige Gebäude besteht zu rund 80 Prozent aus weiß gestrichenen Fichtenholzstäben. 102 an der Zahl mit einer Länge von bis zu 19 Metern und einem Gewicht von maximal 650 Kilogramm. Das Baumaterial soll zum einen an das ursprüngliche Holzschloss sowie an den Hardtwald erinnern, der dem Herrschaftssitz samt Gartenanlage weichen musste. Fenster und Türen sucht man beim Pavillon vergeblich – das Gebilde ist offen, luftig, ein unbeschriebenes Blatt, das sich im Laufe des Festivalsommers mit Geschichte und Geschichten füllen soll. Der Entwurf für den Pavillon stammt von dem ­A rchitekturbüro J. MAYER H. und Partner, das sich dafür intensiv mit der Geschichte und den Merkmalen Karls­ ruhes beschäftigt hat. Der einzigartige f ächerförmige St adtg r undr iss, das urspr üngliche Holzschloss, der ­H ardtwald und auch der Wandel des Schlossgartens vom absolutistischen hin zum bürgerlichen Erholungsort spiegeln sich in ihren Entwurf wider.

V E R A N S TA LT U N G S T I P P S : K A 3 0 0 E rö f f n u n g s s h o w Mult imedialer Star tschuss in den Fest ivalsommer 20. Juni, Schlossplat z Schlosslichtspiele Inte r nat ionale Lichtk ün stle r illuminie re n jeden A bend die Schlossfa ssade 2 0 . J u n i b i s 2 6 . S e p t e m b e r, S c h l o s s g a r t e n M u s e e n d e s Vo l k e s Karlsr uher stellen in Bauwagen ihre pe rsönliche n Sammlunge n au s 8 . A u g u s t b i s 1 6 . S e p t e m b e r, F r i e d r i c h s p l a t z Wissenschaf tsfest ival EFF EK T E Karlsr uhe ver wandelt sich in ein r iesiges E x per iment ier feld mit Sc ience Comedy, Mit mach-Ex per imenten und Wissenschaf tstheater 2 7. J u n i b i s 2 . J u l i , r u n d u m s S c h l o s s u n d i n d e n

DA S Z U H AU S E D E S F E S T I VA L S O M M E R S

Wissenschaf tseinr icht ungen

Er ist das Herzstück des Karlsruher Festivalsommers – der ­Pavillon im Schlossgarten. Hier trifft Geschichte auf Zukunft, das Barockschloss auf moderne Architektur. In dem tempo­ rären Leichtbau aus miteinander verbundenen Holzstäben erwartet die Besucher vom 21. Juni bis zum 27. September ­jeden Tag von morgens bis abends Programm. Ein Pavillon-Café sowie eine Aussichtsterrasse laden zum Verweilen ein. Kurzum: Der Pavillon ist ein Ort, an dem die Menschen

B e i L i c h t- u n d To n i n s t a l l a t i o n e n t s p a n n t

Ausklang den Fest ivalsommer ausklingen lassen 2 6 . S e p t e m b e r, r u n d u m s S c h l o s s A l l e Te r m i n e f i n d e n S i e i m Ve ra n s t a l t u n g s k a l e n d e r : www. ka300. de


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Das Karlsruher Schloss wird zum Herzstück der 30 0 -Jahr- Feier

Karlsruhe leuchtet

Während des Festivalsommers vom 20. Juni bis 26. September wird die Schlossfassade von Künstlern und Künstlerkollektiven in eine Projektionsfläche ver wandelt. Die Videomappings und Projektionen setzten sich mit der Stadt und ihrer 300 -jährigen wechselvollen Geschichte auseinander. © Eröffnungsshow: Dreinull / K A300

300 Jahre Karlsruhe, das sind auch 300 Jahre Karlsruher Schloss, dessen Turm als Ausweis absolutistischen Herrscherwillens Mittelpunkt der Fächerstadt ist. Die von ihm ausgehenden Schlossf lügel markieren nach Süden den ursprünglichen Bereich der Stadt. Seit 1919 ist an diesem für Karlsruhe so wichtigen Ort das Badische Landesmuseum beheimatet; nachdem das Schloss 194 4 ausgebrannt war, entschied man sich für einen modernen Wiederaufbau im Inneren unter Beibehaltung der barocken Fassade. Zum Stadtjubiläum macht das Schloss dem Stadtgründer Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach mit einer Großen Landesschau den Hof. Es wird damit laut Eckart Köhne, dem neuen Chef des Hauses und Leiter des Deutschen Museumsbundes, zum „Herzstück der Feierlichkeiten“. Überdies ist dies „die allererste Präsentation, die sich dieser faszinierenden Persönlichkeit widmet und seine historische Bedeutung angemessen würdigt. Wir freuen uns, dass wir in

der Ausstellung auch einzigartige und persönliche Objekte aus markgräflichem Besitz erstmalig präsentieren können.“ Erst im Sommer letzten Jahres trat Köhne an die Spitze des Badischen Landesmuseums und kam damit an den Ort seiner ganz persönlichen jugendlichen Begeisterung für Altertümer zurück. Aufgewachsen in Karlsruhe studierte er in Bonn und Heidelberg, danach verfolgte er über ein Volontariat in Hamburg und Stationen im Museumsbetrieb in Trier und Speyer konsequent sein Ziel, das Museum als außerschulischen Lernund Bildungsort für breite Bevölkerungsschichten zu öffnen. Es ginge schließlich nicht an, so meinte Köhne in seiner ­A ntrittsrede in Karlsruhe im September 2014, dass man gemeinhin nur zweima l im L eben ins Museum g inge, nämlich an der Hand der Großeltern und dann mit den eigenen Enkeln an der Hand. Diesen Anspruch setzt er auch in der Schau um, die zeitgleich zur Landesausstellung im Museum beim Markt laufen wird: Ab Mitte Juli fokussiert


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Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums © Badisches Landesmuseum Karlsruhe Foto: Th. Goldschmidt

Die gewandelte Bedeutung des Schlosses vom historisch-absolutistischen Dreh- und Angelpunkt zum partizipativen Begegnungsort setzt Rainer Kehres mit der Lichtskulptur „Leuchtturm“ in Szene. Die Karlsruher Bürgerschaft ist hierin mit rund 150 Lampen aus verschiedenen Privathaushalten repräsentiert, aus denen der Künstler im Schlossturm eine begehbare Leuchtinstallation entwickelte, die sich selbst und die sie betretenden Besucher durch die Reflexionen in den Boden- und Deckenspiegeln multipliziert. Wer eine der weltweit präsentierten Lampeninstallationen von Kehres einmal gesehen hat, weiß um deren magische Qualitäten. Und man pflichtet Eckart Köhne gern bei, der dazu meint: „Das Schloss strahlt seine Bedeutung in die Stadt hinaus!“

9 . Mai bis 18 . Ok tober 2015 „ Karl Wilhelm 1679 – 17 38“ G ro ß e L a n d e s a u s s t e l l u n g 2 0 1 5 www. landesmuseum. de

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CHRIS GERBING

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dort „Leben 20.15 – Erinnerungen an heute“ auf die Gegenwartskultur. Alltagsobjekte, Kunst und Design, alles, was aus heutiger Sicht das Jahr 2015 repräsentiert, wird in einer ­„ transparenten und partizipativen Ausstellung“ gezeigt. ­Partizipativ auch deshalb, da die (Neu-)Bürger im Vorfeld aufgefordert waren, Leihgaben und Fotografien einzu­bringen. Insbesondere „Reig’schmeckte“, die neu Zugezogenen, waren gefragt, mit ihrem Beitrag zu zeigen, was ihnen an ihrer neuen Heimat wichtig ist. Ende 2015 wird dann in der ­Ausstellung „Objekte mit Geschichte“ die ­Herkunft eines ­E xponats und, damit eng verknüpft, seine Geschichte ­t he­matisiert. Der Provenienzforschung wird sich das Landesmuseum zukünftig auch in seinen Zweigmuseen außerhalb Karlsruhes verstärkt annehmen und sich damit der Kritik der Bundeskulturbeauftragten Monika Grütters stellen, die Ende 2014 eine konsequente Aufarbeitung der Herkunftsgeschichte der in den Museen befindlichen Kunstwerke vor dem Hintergrund des Gurlitt-Falls angemahnt hatte. Das Karlsruher Schloss selbst wird zum Stadtgeburtstag leuchten: Als Ausgangspunkt der Fächerstadt wird es mit dem Schlossgarten ganz besonders in Szene gesetzt. Innerhalb des Festivalsommers (20. Juni bis 26. September) wird die Fassade jeden Abend zur außergewöhnlichen Kulisse, für die Künstler und Künstlergruppen ganz unterschied­l iche Projektionen mit Bezug zu Schloss und Stadt entwickelt ­h aben. „Die Projektionen und Videomappings schaffen ­v i­s uelle Formen und narrative Inhalte, die nur ortsspezifisch ent­stehen können“, so Köhne über diesen speziellen Beitrag zum Stadtjubiläum. Dieser steht in Verbindung mit dem ZKM und des dort als „Feuerwerk der Kultur“ verstandenen Kunst­marathons „GLOBALE“. Das Thema Partizipation wird außerdem mit dem temporären ­P avillon aufgegriffen, den J. MAY ER H. im Schlossgarten als „Herzstück des Festival­sommers“ errichtet und damit eine Begegnungsstätte der besonderen Art schafft. Denn die aus Holzstäben beste­ hende Konstruktion ist ein dreidimensionales, in sich verzogenes Gitter, das ganz bewusst keinen axialen Bezug zum symmetrischen barocken Schlossbau aufweist. Die verschiedenen Fluchtpunkte symbolisieren für den re­ nommierten Architekten das Wesen der Demokratie. Im Vorfeld als „Mikado-Spiel“ bezeichnet, geht es bei dem ­P avillon ­weniger um den bildhaften, sondern eher um den spie­lerischen Ansatz, der in der temporären Fest­a rchitektur mit skulpturalem Charakter steckt.


„GLOBALE“ in Karlsruhe

Renaissance 2.0 Die K arl s r uhe r Staatliche Hoch schule f ür G estalt ung (Hf G) und da s Zent r um f ür Kunst und Medientechnolog ie (Z K M) bef inden sich seit 1997 gemeinsam im Gebäudekomplex der ehemaligen Munit ionsfabr ik I W K A .


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Der ZKM - Kubus bei Nacht, © ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, Foto: Uli Deck


96 Es war die Idee des HfG- und ZKM-Gründungsdirektors Heinrich Klotz, dass in beiden Institutionen symbiotisch mit der Gegenwartskunst gearbeitet werden sollte. Vorbilder für dieses „elektronische Bauhaus“ existierten in Weimar und Ulm, wo bereits erfolgreich Lehre, Wissenschaft, Produktion und Ausstellungen unter einem Dach vereint worden waren. Die Mission des 1989 gegründeten ZKM sah vor, eine museale Institution zu schaffen, welche die klassischen Künste ins digitale Zeitalter fortschreibt. Hier werden seitdem alle zeit- und raumbasierten Künste präsentiert, beginnend bei Malerei, Skulptur und Videokunst – erweitert um Tanz, Theater und Performance – bis hin zu den digitalen – und inzwischen auch

sozialen – Medien sowie Computerspiele. Kunstschaffende und Gäste aus aller Welt pilgern nach Karlsruhe, um hier den informationstechnischen und künstlerischen Puls der Zeit zu fühlen, weshalb Peter Weibel, selbst Künstler und seit 1999 amtierender Direktor des ZKM, von einem „Mekka der Medien­k ünste“ spricht, wenn er nach der Bedeutung seiner Institution in der Welt gefragt wird. Im Nachbarhaus des ZKM, in der seit 1992 bestehenden HfG Karlsruhe, finden Studierende in fünf Fachbereichen sowohl praktische wie auch theoretische künstlerische Ausbildung. Ein aktuelles Seminar mit dem Titel „TransCurating – Art Agency and Exhibition Formats“ hat sich hier

G. J. Lischka und Peter Weibel, Podium im Fachbereich Kunst wissenschaft und Medientheorie der HfG Karlsruhe, 2015 Foto: Damian Domes


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Dorothee Richter, Sebastian Baden, G. J. Lischka, Peter Weibel und Beat Wyss, Podium im Fachbereich Kunst wissenschaft und Medientheorie der HfG Karlsruhe, 2015

Ausstellung „Inklusion / Exklusion“ in Graz kuratiert („Inklusion / Exklusion: Versuch einer neuen Kartografie der Kunst im Zeitalter von Postkolonialismus und globaler Migration“, steirischer herbst, 22. September bis 26. Oktober 1996). Da kommt das Wort global schon vor: Kunst im Zeitalter globaler Migration. Das war ein Jahr vor der „documenta X“ (1997) von Catherine David. Sie und Okwui Enwezor haben meine Ausstellung gesehen, denn ich hatte sie beide zum begleitenden Symposium eingeladen. Damit stand plötzlich die Idee vor aller Augen, dass man sich im globalen Maßstab mit Kunst beschäftigen müsse, besonders im deutschsprachigen Raum. Viele Jahre später habe ich mehrere Bücher zum Thema „Global Art“ zusammen mit Hans Belting und Andrea Buddensieg veröffentlicht. Zuletzt haben wir zu diesem Bereich 2011 im ZKM die Ausstellung „The Global Contemporary“ gezeigt, in der es darum ging, nicht nur thematische Impulse zur Globalisation zu setzen, sondern die Kartografie auszudehnen.

G. J. Lischka: Als ich das vorletzte Mal nach Karlsruhe kam, sah ich das Plakat: „GLOBALE“. Ich hatte einen Schock. Ich dachte, jetzt übertrumpft Peter Weibel die „documenta“ und die Biennalen. Du packst jetzt alles in eine Ausstellung. Was hast du vor?

Dorothee Richter: In Ihrem Katalogtext zu „Inklusion / Exklusion“ behaupten Sie über das imaginäre Globale, dass es immer mit Machtstrukturen arbeite. Dagegen sehen Sie in den neuen digitalen Medien eine Art Pseudolösung für dieses Problem. Diesen Ansatz müsste man auch kritischer sehen.

Peter Weibel: Zunächst muss ich auf die Vorläufer der ­„GLOBALE“ verweisen. Bereits im Jahr 1996 habe ich die

Peter Weibel: Der Punkt ist der, dass ich nicht sage, ich zeige jetzt Künstler aus Afrika oder Asien, also die Kartografie der

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fächerübergreifend und unter der Leitung von Beat Wyss, Kunsthistoriker und Professor an der HfG, in Kooperation mit Dorothee Richter, Leiterin des Postgraduate Program in Curating der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), mit dem 2015 im ZKM anstehenden Projekt „GLOBALE“ beschäftigt. Im Fokus steht die Hypothese, dass neue Ausstellungsformate dem Wandel der Zeit gerecht werden müssen. Kunst soll eine ökologische, technische und soziale Renaissance ermöglichen, weil sonst die menschliche Z iv ilisat ion im sogenannten „Anthropozän“ für ihre Umwelt und sich selbst zur Gefahr wird. In einer Podiumsdiskussion zur kommenden „GLOBALE“ diskutierten im Rahmen des Seminars am 14. Januar 2015 Peter Weibel (ZKM) und der Berner Kulturphilosoph G. J. Lischka (Hochschule der Künste Bern, HKB) über die Erneuerung der Auf klärung und die Kultur des Werkzeugs. ARTMAPP druckt einen exklusiven Auszug des Gesprächs im Karlsruher Think-Tank.

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Foto: Damian Domes


98 Kunst erweitere. Wir haben vielmehr Künstler ausgewählt, die selbst die Globalisation thematisieren. Global heißt für mich, dass wir die Möglichkeit haben, gleichzeitig alle Punkte der Erde durch die Vernetzung erreichen zu können und zu wissen, was da passiert. Es gibt also durch das Digitale weniger Exklusion als vorher. Darum war in der Vorbereitung auch die Ausstellung „global aCtIVISm“ (2013) sehr wichtig. Wir haben gesehen, dass uns durch die sozialen Medien überhaupt erst die Proteste erreichen, die anderswo stattfinden. G. J. Lischka: Welche Absicht hat die „GLOBALE“? Peter Weibel: Sie muss weiter gehen, als nur Grenzen zu verschieben oder das Globale zu überdenken. Der Versuch wird sein, zu demonstrieren, dass wir in einer neuen Werkzeugkultur leben. Software und Hardware kommen zusammen. Wir haben ja diese Ausstellung gemacht über die Malerei des 17. Jahrhunderts, „Mapping Spaces. Netzwerke des Wissens in der Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts“ (2014). Darin ließ sich zeigen, dass es auch in jener Zeit eine Werkzeugkultur gab, eine „engineering culture“: Die Maler selbst, zum Beispiel Jan Vermeer, waren damals halb Mathematiker und halb Geometer. Beat Wyss: Das war bereits in der Renaissance der Fall.

Peter Weibel: Ja, deswegen habe ich auch dein Buch „Renaissance als Kulturtechnik“ (2013) gelesen, darin kommen ähnliche Gedanken vor, die ich auch vertrete, wie zum Beispiel in der Art der Kritik der Moderne oder in der Art des Rückblicks auf die Renaissance. Wir haben es mit einer „Renaissance 2.0“ zu tun oder auch „Renaissance 4.0“. Damit beginnt unsere Arbeitshypothese. Seit Jahren lese ich viele Bücher über den Einfluss der arabischen Kultur auf die europäische und den arabischen Beitrag zur Neuzeit, zum Beispiel Hans Beltings Buch zur Perspektive in Florenz und Bagdad („Florenz und Bagdad. Eine westöstliche Geschichte des Blicks“, 2008). Wir müssen eigentlich von einer erweiterten Renaissance reden. G. J. Lischka: Welches sind die Schlüsselbegriffe? Peter Weibel: Thematisch ist die „GLOBA L E “ auf bestimmte Kernbegriffe konzentriert, etwa „Renaissance 2.0“, „Exo-Evolution“ oder „Info-Sphäre“. Beat Wyss: Die Ausstellung bringt also eine neue Form der Vulgata, der kuratorischen Völkerverständigung? Peter Weibel: In der Hauptsache geht es, wie auch Beat Wyss es am Prinzip der Renaissance festmacht, um die Idee der

Lene Vollhardt und Seraphine Meya, „REGISTRATURFRAGMENTE EINES VAGEN KRIEGES“, mit Christian Berkes, Bridy Breitkopf, Hannah Cooke, Damian Domes, Philipp Ernst, Volksliederarchiv Freiburg, Annika Gutsche, Heidi Herzig, Florentine Kraft, Sandra Untenberger, Eva Wetzler, Filmstill, 2014, Foto: HfG Karlsruhe


Teilnehmer an der „GLOBALE“: Michael Bielicky & Kamila B. Richter, „Why Don’t We“, 2014, Echtzeitdaten- gesteuerte Animation basierend auf Real-Time - Informationen von Twitter, Installationsansicht Nordic House (Alvar Aalto), Reykjavík , 2015, Foto: Michael Bielicky

SEBASTIAN BADEN

P R O G R A M M z u r E rö f f n u n g d e r „ G L O B A L E “ F r– So, 19 . bi s 2 1 . Juni 2015 A U F TA K T „ T R I B U N A L – E i n P ro z e s s g e g e n d a s 2 0 . J a h r h u n d e r t “ F r, 1 9 . J u n i 2 0 1 5 , b i s S o , 2 1 . J u n i 2 0 1 5

S c h l o s s i m R a h m e n d e r E rö f f n u n g s f e i e r a n l ä s s l i c h d e s J u b i l ä u m s „ 3 0 0 J a h r e K a r l s r u h e“ ÖF F N U NG SZ E I T E N: 2 1 . J u n i 2 0 1 5 b i s 1 8 . A p r i l 2 0 1 6 , t ä g l . 1 1 – 1 8 U h r. Am 2 1 . Juni 2015 i st de r Eint r it t f re i „GLOBA L E“ www. zk m. de

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E R Ö F F N U N G S V E R A N S TA L T U N G 2 0 . J u n i 2 0 1 4 , 2 2 U h r, a u f d e r B ü h n e v o r d e m K a r l s r u h e r

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Auf klärung. Aber nicht so abstrakt, wie es Theodor W. Adorno und Max Horkheimer und die ganze Frankfurter Schule der Kritischen Theorie geschildert haben. Es geht um eine Orientierung an den Bildern der frühen Aufklärer, der Enzyklopädisten. Deren 56 Bände sind wie Gebrauchs­ anweisungen für Werkzeuge. Man sieht deutlich, dass sie die Unterscheidung zwischen „episteme“ – also abstraktem ­W issen – und „techne“ – dem handwerklichen Wissen – ­aufgehoben haben. Denn diese Trennung spiegelte eine Klassenteilung in Herrschende und Sklaven wider. Wir können die Gesellschaft nicht modernisieren, wenn wir die Werkzeuge nicht modernisieren. Das heißt, wir brauchen die Aufwertung der mechanischen Künste, der Handwerkskünste. In diesem Sinne soll die „GLOBALE“ diese verlorenen Quellen der Aufklärung wieder aufdecken. Bruno Latour wird im ZKM eine Ausstellung unter dem Titel „Reset Modernity“ (2016) kuratieren. Es wird im Sinne einer erneuerten Moderne darum gehen, auf den Beginn der sogenannten Moderne ­z urückzuschauen und auf das, was schiefgelaufen ist. Wir werden mit einem „Tribunal“ beginnen, mit einem Prozess gegen das 20. Jahrhundert und seine Verbrechen gegen Mensch, Tier, Natur!


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Drei Institutionen inmit ten der Stadt

Tradition mit Zukunft

Kulturell muss es in den ersten Jahren Karlsruhes recht beschaulich zugegangen sein. Das sollte sich rasch ändern, nachdem Karl Friedrich von Baden-Durlach, Enkel und Nachfolger des Stadtgründers, die 1723 geborene Karoline Luise von Hessen-Darmstadt geehelicht hatte. Ihr ist als Beitrag zum diesjährigen 300. Stadtgeburtstag die Große Landesausstellung Baden-Württemberg in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe gewidmet. Karoline Luise, aufgrund ihrer umfassenden Bildung und dem großen Interesse an Kultur und Wissenschaft gerne als „hessische Minerva“ bezeichnet, sammelte, förderte und unterhielt europaweite Korrespondenzen. So vermochte sie es, die damals noch ganz junge Stadt zu einem Musensit z auf der intellektuellen Landkarte zu verwandeln und damit die Grundlage für eine bis heute andauernde kulturelle Prosperität zu schaffen. Aus Sicht der Kunsthalle darf man, so Holger Jacob-Friesen, Kurator der diesjährigen Ausstellung zur fürstlichen Mäzenin, das rund 200 Werke zählende „Mahlerey-Cabinet“ als zentrale Leistung als Sammlerin betrachten. Rund zwei Drittel des

damaligen Bestandes sind noch im Besitz des Hauses und von jenen Werken, die es nicht mehr sind, kehrt so manches Exponat für die Dauer der Ausstellung zurück. Die Markgräfin hegte ein Faible für holländische und flämische Meister des 17. Jahrhunderts sowie für französische des 18., zu deren Beschaffung eigens Agenten in die Kunsthandelszentren Paris, Rom sowie Amsterdam entsandt wurden. Generell geht der Grundstock der Bestände der in der Mitte des 19. Jahrhunderts eröffneten Kunsthalle auf die Markgrafen von Baden-Durlach zurück. Als frühester ­Beleg darf die um 1500 entstandene sogenannte Markgrafentafel von Hans Baldung Grien betrachtet werden. Seit dem Be­ stehen des Museums wird kontinuierlich weiter gesammelt, Gemälde und Plastik ebenso wie Arbeiten auf Papier. Das Karls­r uher Kupferstichkabinett mit seinen rund 90.000 Blättern zählt zu den ältesten in Europa. Neben dem als Gesamtkunstwerk konzipierten und im Laufe der Geschichte immer wieder erweiterten Hauptgebäude zählen die Orangerie und das ehemalige Wohnhaus des Hofgartendirektors, heute Junge Kunsthalle, zu den mit Ausstellungen bespielten Gebäuden. Für die Große Landesausstellung hingegen konnte das Generallandesarchiv als Kooperationspartner gewonnen werden. Hier kann man anhand von Korrespondenzen, ­Ve­duten, Landkarten und sonstigen Dokumenten die Reisetätigkeit der Markgräfin verfolgen. Die letzte Reise führte Karoline Luise nach Paris, wo sie 1783 verstarb. Noch für ein weiteres Projekt anderer Karlsruher In­ stitutionen hat das Generallandesarchiv bereitwillig seine Speicher geöffnet: „Archäologie des Badischen Kunstvereins“ nannte sich die mehrere Semester andauernde Lehrveran­ staltung des Fachbereiches für Kunstwissenschaft und Medientheorie der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG), in der sich die Studierenden anhand des Quellen­ materials mit der Geschichte des Badischen Kunstvereins auseinandersetzten und für diesen Sommer eine Ausstellung entwickeln. Die Präsentation des dokumentarischen Mate­ rials im Gewölbekeller des 1900 eigens errichteten Gebäudes wird von längerer Laufzeit sein, sodass man sich die Geschichte des mit seinem Gründungsjahr 1818 zweitältesten Kunstvereins Deutschlands peu à peu aneignen kann. Unter anderem für die gelungene Abfolge von Einzel- und Gruppenausstellungen von Positionen der Gegenwartskunst, oftmals auch Deutschlandpremieren, durfte Anja Casser, die Di­ rektorin des Hauses, 2012 den von der Art Cologne und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine gestifteten ADKV-Preis entgegennehmen. Ab Ende April dieses Jahres bereits widmet sich das Haus i­ nnerhalb einer ersten Kooperation mit dem benachbarten Kunstverein Heidelberg dem französischen Künstler ­A u­r élien Froment und seiner akribisch fotografischen


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linke Seite: Jean- Étienne Liotard, „Prinzessin Karoline Luise von Hessen- Darmstadt“, 1745, © Staatliche Kunsthalle Karlsruhe Innenansicht Badischer Kunst verein, Susanne M. Winterling, Installationsansicht 2010, Foto: Stephan Baumann, bild_raum

Staatliche Kunsthalle Karlsr uhe www. k unsthalle-karlsr uhe. de B adi sche r Kun st ve re in w w w . b a d i s c h e r- k u n s t v e r e i n . d e L i t e ra t u r h a u s i m P r i n z - M a x- P a l a i s w w w . l i t e ra t u r m u s e u m . d e

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DANIEL A GREGORI

30. Mai bis 6. September 2015 „ D i e M e i s t e r- S a m m l e r i n K a ro l i n e L u i s e v o n B a d e n“

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Dokumentation des baulichen Werkes des von den Surrealisten hoch geschätzten Briefträgers Ferdinand Cheval, der sich zeitlebens als dilettierender Architekt an seinem eigenen, an Figurenreichtum schier überbordenden Grabmal versuchte. Auch das Literaturhaus im Karlsruher Prinz-Max-­ Palais, unweit von Kunsthalle und Kunstverein gelegen, versteht, an die Historie anzuknüpfen und gleichzeitig den Blick nach vorne zu richten. Neben dem Stadtmuseum finden sich mit dem Museum für Literatur am Oberrhein samt ­Bibliothek, der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe und der Kinder- und Jugendbibliothek gleich mehrere der Literatur und deren Vermittlung und Förderung verpflichtete Institutionen unter einem Dach. Die Literarische Gesellschaft, 192 4 unter dem Namen „Scheffelbund“ gegründet, gilt mit ihren 7.000 Mitgliedern heute als größte literarische Vereinigung Europas. Neben Lesungen, Ausstellungen und anderen ­Veranstaltungen im Palais, der Herausgabe der Zeitschrift „allmende“ und der Reihe „Kleine Karlsruher Bibliothek“ wird ganz aktiv Nachwuchspf lege betrieben. Mit der „­ LESUNG SÜD“ hat man in einem Kulturraum am Werderplatz überdies eine Veranstaltungsreihe etabliert, bei der junge Autoren ein entsprechendes Forum erhalten. Auch sonst vermag es das Team um Direktor Hansgeorg Schmidt-Bergmann, das literarische Potenzial der Stadt zu sichten und zu fördern. Mit Poetry-Slam-Workshops macht man gute Erfahrungen in ­K ooperation mit Schulen und auch in der Schreibwerkstatt an der Uni ist bereits das eine oder andere Talent zutage getreten. Selbst beim Karlsruher Stadtgeburtstag wird man den litera­r ischen Musentempel verlassen und im Pavillon hinter dem Schloss mit speziellen Terminen das Programm mitgestalten. Über die Grenzen hinaus erlangt man durch den jährlich an knapp 800 Gymnasien in Deutschland und deutschen ­Auslandsschulen vergebenen Scheffel-Preis für die beste Abiturleistung im Fach Deutsch Aufmerksamkeit. Was Pia Müller-Tamm, Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe für ihr Haus zusammenfasst, kann ebenso für die anderen Institutionen der Stadt gelten: „Als Museum pflegt man ein besonderes Verhältnis zur Geschichte, doch ist alleine mit Memoria die Zukunft nicht zu gewinnen. Insofern sind Museen stets gefordert, mit Blick ­zurück, aber auch ganz klar nach vorne in unterschiedlichen Zeitregistern unterwegs zu sein.“ Folgerichtig muss der Wunsch zum Jubiläum lauten, dass die Geschichte Karlsruhes so bemerkenswert und bedeutend weitergeht wie bisher.


102 ar t K ARLSRUHE- Kurator Ewald Karl Schrade

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Optimierung zur Wohlfühlmesse

Eher würde er sich fragen, warum es in Baden-Württemberg bisher keine Messe gegeben hat, war die Antwort des Galeristen und Messekurators Ewald Karl Schrade, als man vor einem Jahrzehnt in einem Interview von ihm wissen wollte, warum eine Kunstmesse ausgerechnet in Karlsruhe ausgerichtet werden solle. Die art KARLSRUHE war damals eben ein Jahr alt und der Erfolg der Premiere hatte selbst die Organisatoren erstaunt. Über 20.000 Besucher hatten sich 2004 für die erste Ausgabe der Veranstaltung interessiert, mehr als für so manche der anderen Kunstmessen, die damals als etabliert galten. Im folgenden Jahr konnte man bei den teilnehmenden Gale­ rien bereits von 82 auf 120 aufstocken, mittlerweile ist man bei 210 angelangt. Man pf lege nach wie vor, was die Aussteller ­anbelangt, eine gewisse Willkommenskultur, ließ die Messeführung im letzten Jahr wissen. Die Auswahl aus den Reihen der Galeristenkollegen muss Schrade längst nicht mehr

alleine treffen, seit der 5. Ausgabe der art KARLSRUHE findet er Unterstützung durch einen Beirat. In der Tat, mit seiner ausgeprägten Dichte an Sammlern scheint das Bundesland nachgerade prädestiniert für eine Kunstmesse, gleichwohl Stuttgart als Standort hierbei von Anfang an keine Option gewesen war. Für Karlsruhe spricht schlicht die Lage mit einer guten Anbindung in alle Himmelsrichtungen, aber auch die räumlichen Verhältnisse der Messe selbst. Die Hallen sind von Tageslicht durchflutet, die Kojen sind geräumig, ebenso die Gänge. Überhaupt herrscht eine ­gewisse luftige Großzügigkeit, was sicher auch an den Skulpturenplätzen liegt, die ihren Raum einfordern und Orientierungspunkte anbieten. Ebenfalls Orientierung bietet dem geneigten Sammler oder solchen, die es werden wollen, ein umfangreiches Rahmenprogramm, zu dessen ­f ixem Bestandteil die Präsentation jeweils einer bedeutenden

Ewald Karl Schrade Fotos: KMK / Jürgen Rösner


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privaten Kollektion zählt. 2015 feiert das Sammlerehepaar ­ eter Schauf ler und Christiane Schauf ler-Münch das fünf­ P jährige Bestehen des eigenen Museums SCHAUWERK in Sindelfingen und zeigt nun zur Messe in Karlsruhe Werke aus seiner Sammlung. Und das Angebot an Kunst? Schon zu Beginn der ­Messe hatte Schrade immer wieder klargestellt, dass man sich keinesfalls mit Basel oder Köln direkt vergleichen wolle, jene Messen mitnichten als Konkurrenz betrachtet würden. Das sieht er heute noch ebenso entspannt. Die Offerte in der mittleren Preisklasse mit Werken zwischen Klassischer Moderne und dem Sektor „Contemporary Art“ richtet sich entsprechend an ein kauf kräftiges mittelständisches Publikum, dessen Einzugsgebiet sich über die Landesgrenzen nach Frankreich, Österreich und in die Schweiz erstreckt. Beständig wird das dialogische Konzept der Messe zwischen

etablierten und neuen Positionen verfeinert, erklärt Schrade, der mit der diesjährigen 12. art KARLSRUHE für den Bereich einer sogenannten Gegenwartskunst nach 1945 die Begrifflichkeit der „Modernen Klassik“ eingeführt hat. Erstmals markiert ein Wegleitsystem aus vier Farben die Schwer­ punkte der vier Messehallen und schafft auch eine bessere Übersichtlichkeit des Hallenplans. Dass außerdem von den letztjährigen Ausstellern in diesem Jahr 187 wiederkommen, zeigt in die richtige Richtung. DANIEL A GREGORI

5 . bis 8. März 2015 ar t K A R L SRUHE , Messe Karlsr uhe w w w . a r t- k a r l s r u h e . d e

Uwe Lindau, „Hedonist“ und „für Diogenes“, mixed Media, 2010; Dirk Meiner, „Sirenenheime“, 2009, Installation; beide Privatsammlung, Courtesy Galerie FGS/Karlsruhe, Skulpturenplatz Halle 4, dm-Arena, art K ARLSRUHE 2010, Foto: Dieter Schleicher


Schirin Kretschmann, „Elf Schlittenhunde“, 2008, Ausstellungsansicht Debütantenausstellung Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, fünf der zehn im Ausstellungsraum vorhandenen Wandelemente Foto: pe wolf, Courtesy Schirin Kretschmann

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© VG Bild- Kunst, Bonn 2015


Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe

„Künstlerexport“ So mancher Kunstliebhaber, der nach Berlin fährt, um sich über die „junge Szene“ zu informieren, verlässt die Hauptstadt mit einem „Geheimtipp“ oder sogar einem Kunstwerk im Gepäck. Nur die wenigsten wissen allerdings, wie groß die Zahl der „Karlsruher“ unter den „upcoming stars“ der Hauptstadt ist. Ob Anselm Reyle, Katja Strunz, Uwe Henneken, Nicole Bianchet, Peter Böhnisch, Johannes Wald, GA M A , Daniel Vormstein oder Sebastian Hammwöhner – die Liste der in Berlin erfolgreichen, ehemaligen Studierenden der Karlsruher Akademie ist lang. Und das ist keine neue Errungenschaft. Der „Künstlerexport“ aus dem Badischen hat ebenso Tradition wie die gezielte Anwerbung von Lehrenden aus dem In- und Ausland, und beidem zusammen verdankt die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe ihr hohes Ansehen – und das schon seit mehr als 160 Jahren. Gegründet wurde die „Großherzogliche Kunstschule“ 185 4 vom Prinzregenten Friedrich I. von Baden, der damit dem Vorbild der Düsseldorfer Akademie nacheifern wollte und dort auch gleich seinen ersten Direktor rekrutierte: den Landschaftsmaler Johann Wilhelm Schirmer. Schon hierdurch wurden die Weichen für eine Akademie gestellt, die der Malerei besondere Beachtung schenken würde. Einer von Schirmers Studenten, der aus dem Schwarzwald stammende Hans Thoma, sollte 1902 selbst Rektor werden und dank seiner charismatischen Persönlichkeit der noch jungen Akademie zu überregionaler Anerkennung verhelfen. Die ­Malerei, wenn auch nicht mehr ideal gedacht wie im 19. Jahrhundert, sondern nun offen gegenüber dem Realismus, blieb weiterhin die Hauptdisziplin, wenn auch zwischenzeitlich Bildhauerei- und Grafikklassen eingerichtet worden waren.


106 Die Neuorientierung nach dem Ersten Weltkrieg ­zeigte sich sowohl institutionell wie auch künstlerisch. Den Reformideen des Weimarer Bauhauses folgend, wollte man die Grenzen zwischen freier und angewandter Kunst ­auf­heben und integrierte die bis dahin unabhängige Kunst­gewerbeschule. Ab 1920 trug die Institution den Namen „Badische Landeskunstschule“. Mit den Berufungen von Karl Hubbuch, Georg Scholz und Wilhelm Schnarrenberger ­waren herausragende Vertreter der Neuen Sachlichkeit berufen worden, die Karlsruhe wiederum einen Platz unter den wichtigsten und „modernsten“ Kunstakademien Deutschlands sicherten. Bereits im Jahr der Machtübernahme der National­ sozialisten wurde die Landeskunstschule „gleichgeschaltet“ und alle Lehrer entlassen, die dem neuen System kritisch ­g egenüberst a nden und/oder deren Kunst nicht der NS-Kunstdoktrin entsprach. Der Zweite Weltkrieg, in dem Karlsruhe verheerenden Bombenangriffen ausgesetzt war, denen auch Gebäude der Akademie zum Opfer fielen, führte zur kompletten Schließung. Erst 1947 konnte der Lehrbetrieb wieder aufgenommen werden, und wie an vielen anderen Orten wollte man die Moderne und damit zugleich die von den

John Bock, „Pete (Pete Dohert y)“, 2005, Collage, Mischtechnik auf Luxomagic, 45 x 25 cm, Jahresgabe der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe 2005 Foto: Ingo Herrmann, ghr-visuell

Nazis verfolgten Künstler rehabilitieren, schreckte aber vor den Experimenten der jungen Generation zurück. Manche der Professoren, etwa Karl Hubbuch, kehrten zurück. Erich Heckel, einer der Hauptvertreter des deutschen Expressionismus, übernahm eine Malereiklasse. Der weitgehenden institutionellen Orientierungslosigkeit stand eine beeindruckende Nachfrage gegenüber: 800 Bewerber wollten an der wiedereröffneten „Badischen Akademie der Bildenden Künste“, wie der neue Name nun lautete, studieren; nur 96 wurden angenommen, darunter fast genauso viele Frauen wie Männer. Neuen Schwung, eine eigene Prägung und Offenheit gegenüber den internationalen Kunstentwicklungen brachten allerdings erst die späten 1950er-Jahre. HAP Grieshaber, einer der umtriebigsten Netzwerker seiner Zeit, leitete den Generationenwechsel ein. Ihm folgten Wilhelm Loth und Herbert Kitzel, und in den 1960er-Jahren dann Harry Kögler aus Berlin, Horst Egon Kalinowski und Rainer Küchenmeister aus Paris. An den Kerndisziplinen Malerei, Zeichnung und Bildhauerei hielt man noch immer fest, aber die strengen Abgrenzungen wurden aufgegeben. Ziel war es nicht mehr in erster Linie handwerkliche Fertigkeiten zu vermitteln, sondern die kreativen Möglichkeiten des Einzelnen freizulegen und zu fördern. 1956 kam Freiburg als Außenstelle hinzu und seit 1961 trägt die Akademie ihren heutigen Namen. Als zu Beginn der 1980er-Jahre der „Hunger nach ­Bildern“ international eine Renaissance der Malerei einleitete, ist die Karlsruher Akademie ganz vorne dabei: Schon in den 1970er-Jahren hatte man Markus Lüpertz, Georg Baselitz und den Dänen Per Kirkeby als Professoren gewonnen und damit die Weichen gestellt, um zu zeigen, welches zukunftsfähige Potenzial die „Königsdisziplin“ bot. Bei der „documenta 7“ (1982), die Rudi Fuchs als Fest der Malerei ausgerichtet hatte, war Karlsruhe mit Professoren und ehemaligen Studie­ renden – etwa Anselm Kiefer – gleichermaßen gut vertreten. Einer, der – noch als Student – in Kassel dabei war, ist Erwin Gross, der als Professor an die Akademie zurückkehrte und dieser von 2000 bis 2012 als Rektor vorstand. Unter seiner Ägide wurde die weitblickende, auf künstlerische Vielfalt und höchste Qualität ausgerichtete Besetzungspolitik fortgesetzt, die sein Vorgänger, der Kunsthistoriker Andreas Franzke, ­bereits verfolgt hatte. Die Berufungen von Stephan Balkenhol, Ernst Caramelle (seit 2012 Rektor), Helmut Dorner, Harald Klingelhöller, Gustav Kluge, Meuser und Silvia Bächli – die erste „ordentliche Professorin“ in Karlsruhe! – in den 1990er-Jahren erweiterten das Spektrum des Lehrangebots und verdeutlichten, dass man sich keinem Zeitgeist verpflichten wollte, sondern vielmehr auf unabhängige und starke Positionen setzte. Dieser Strategie ist man bis heute treu ­geblieben. Im 21. Jahrhundert wurde der Anteil der Professorinnen mit Tatjana Doll, Leni Hoffmann, Claudia Müller, Kalin Lindena, Marijke van Warmerdam und Corinne Wasmuth deutlich erhöht. Die meisten von ihnen, ebenso wie Franz Ackermann, John Bock, Marcel van Eeden, Axel Heil und Daniel Roth sind selbst nicht Repräsentanten einer der klassischen Gattungen, sondern gehen von einem installativ-räumlichen Kunstbegriff aus, der unterschiedlichste Techniken und Medien einbeziehen kann.


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Zeichen und Bild in digitaler und analoger Form als künstlerisches Vokabular zu nutzen. Außer den Hauptgebäuden in der Reinhold-Frank-Straße gehören auch das ehemalige Jagdschloss Scheibenhardt und der Bildhauergarten zur Akademie. Immer zum Ende des Studienjahres im Sommer öffnen sich die Türen aller Ateliers für die Öffentlichkeit, um zu zeigen, was vielleicht schon kurz darauf in Berlin oder New York gefeiert wird. Ein Besuch der Jahresausstellung könnte sich also lohnen – ganz abgesehen von der Abschlussparty im Park von Schloss Scheibenhardt, die es ebenso problemlos mit der Berliner Konkurrenz aufnehmen kann. SEBASTIAN BADEN

www. k unstakademie-karlsr uhe. de

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Diese Offenheit prägt das Profil der Karlsruher Akademie heute und wird von den Studierenden ebenso geschätzt wie der nachhaltig geförderte internationale Austausch. Stipen­ dienprogramme ermöglichen nicht nur Gastsemester an europäischen Partneruniversitäten und sogar in Mexiko, ­sondern die weltweite Vernetzung der Lehrenden mit wich­ tigen Institutionen und Kuratoren, die auch gerne als Gäste zu ­Vorträgen eingeladen werden, erlauben es den jungen ­Künstlerinnen und Künstlern ihre Arbeiten schon früh im „Betriebssystem Kunst“ zu positionieren. Mit aktuell rund 300 Studierenden gehört Karlsruhe zwar zu den kleineren Akademien Deutschlands, punktet aber nicht nur durch die hochkarätige Professorenriege, sondern auch durch großzügige Ateliers und gut ausgerüstete Werkstätten. Neben den dort vermittelten traditionellen Techniken, ergänzt durch Fotografie und Video, bietet der 2002 geschaffene Fachbereich für Experimentelle Transferverfahren zusätzlich die Möglichkeit, Schrift, Sprache,

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Karl Hubbuch, „Lissy im Café“, 1930/1932, Städtische Galerie Karlsruhe, © Karl Hubbuch Stiftung Freiburg, Foto: Heinz Pelz


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Schirin Kretschmann, Absolventin der Kunstakademie Karlsruhe

Wechsel der Wahrnehmung

Schirin Kretschmanns Arbeiten beeindrucken durch ihre ausgreifende sinnliche Präsenz, die sich zugleich jedoch scheinbar flüchtiger, temporärer, ortsbezogener Situationen bedient. Ihre Arbeiten wirken wie ästhetische Versuchsanordnungen – wie künstlerische Forschungsvorhaben mit scheinbar spontan inszenierten Ensembles und Verläufen. In der Selbstbeschreibung bezeichnet Kretschmann die „Ermöglichung einer Situationsbestimmung des Betrachters“ und die sich „daran anschließende Zirkulation“ verschiedener Imaginationen und Wahrnehmungszustände als ein Hauptmerkmal ihrer Arbeitsweise. Letztlich läuft Kretschmanns Strategie temporärer Formen und Aktionen darauf hinaus, die Wahrnehmung von Flüchtigem und Bleibendem, von körperlich-sinnlicher und geistig-persistenter Erfahrung miteinander zu verschränken. So widmet Kretschmann in Ausstellungs-, Lageroder sonst igen Nut zr äu men zu f ä llig vorgef u ndene Gegenstände und Einrichtungen temporär zu installativem Material um, bringt vorübergehend Anstriche auf Wände oder Decken auf, greift durch das Auf bringen von

Scheinflächen oder das ­Abtragen von Raumabgrenzungen in die Raumwahr­nehmung ein. In ihrer frühen Installation „Elf Schlittenhunde“ (2008) verzichtete sie auf einen originären Ausstellungs­ beitrag ­innerhalb der vorgefundenen Ausstellungsarchitektur. Stattdessen stapelte sie die mobilen Wände der Halle zu einer Installation, die nicht zufällig Assoziationen an ein berühmtes Bild der deutschen Romantik weckte, andererseits durch den Titel eine Verbindung zu einer bekannten Arbeit von ­Joseph Beuys zog. Durch Installationen mit gefärbtem Speise- und ­Nutzeis inszeniert Kretschmann wiederum den Wechsel von Aggregatzuständen gleichbedeutend mit Wechseln der Wahrnehmung; das Verf lüssigen zunächst fester Formen ­u nterwirft die Beziehung von Betrachter, Werk und ­U m­g ebung einer permanenten Wandlung, bis zur un­ vermeidlichen Beendigung dieser Beziehung durch das Verschwinden der Arbeit. Zufälliges, Improvisiertes, die Ästhetik scheinbarer Fehler und die Ver wendung temporärer, allt äglicher


109 linke Seite: „Kasimir“, 2009, Ausstellungsraum Klingental, Basel, Apfelkuchen (karbonisiert, gebacken von Solvey Kretschmann), Holz, Möbelrollen, rotes Stieleis (selbst hergestellt), Baumwolltasche Foto: Schirin Kretschmann

Schirin Kretschmann, „Another Perfect Day“, 2014, Inter vention Stadtraum Ludwigshafen/Rhein Foto: Sandra Köstler

bis 10. Mai 2015 „ F r i s c h z e l l e _ 2 1 : S c h i r i n K r e t s c h m a n n“ www. k unst museum-st ut tgar t. de E rö f f n u n g 1 . M a i 2 0 1 5 (G a l l e r y We e k e n d )

CARSTEN PROBST

Galer ie Jochen Hempel, B erlin www. jochenhempel. com

Schirin Kretschmann, geboren 1980 in Karlsruhe, lebt und arbeitet in Berlin.

www. schir ink re t schmann . de www. k unstgaler iebonn. de

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Materialien und Wegwerfprodukte überlagern sich mit Andeutungen autobiografischer Erinnerungsstücke, die mit dadaistischem Witz die vermeintliche Strenge der installativen Konzepte auf brechen – etwa durch einen kunstvoll verbrannten Apfelkuchen auf einem Rollbrett in der Installation „Kasimir“ (2009), die, ähnlich wie „Elf Schlittenhunde“ (siehe S. 104), eine Ikone der Kunstgeschichte ironisch zitiert. Im Stadtraum aufgenommene Videosequenzen wie­ derum zählen zu den frühesten Versuchsanordnungen im Werk Kretschmanns, um das Verhältnis von visuellen Fundstücken, Farbe und Raum zu bestimmen. Oftmals werden sie im ­Zusammenhang mit anderen installativen Arbeiten aus ­b estimmten Raumwinkeln an Wände, Decken oder auf ­E inrichtungsgegenstände projiziert, scheinen dabei in fast bauhäuslerischer Manier zur temporären Auf lösung von ­bestehenden Raumproportionen zu führen. Für die Installa­ tion „Insomnia But Salsa“ im Museum Goch inszenierte die gebürtige Karlsruherin 2012 miteinander verwobene Farb­ projektionen, die einen kompletten Ausstellungsraum als synästhetisches Gefüge überzogen, sich dann in einem zweiten Raum jedoch behutsam in die Architektur einfügten und das Raumerleben durch die Projektion farbiger Wasserspiegelungen gleichsam „verf lüssigten“ (siehe auch ARTMAPP, November 2012, S. 70 bis 73, von Christiane Morsbach). In ihrer jüngsten Einzelpräsentationen im Kunst­ museum Stuttgart (zu sehen bis zum 10. Mai 2015) arbeitet Kretschmann auf andere Weise mit Aggregatzuständen und temporärer Entwicklung des von ihr verwendeten Materials: Auf die W ände des Ausstellungsbereichs im Untergeschoss des Kunstmuseums hat sie in unterschied­ lichen Höhen ­einzelne viereckige Flächen aus Lederfett und Pigment auf­getragen, die allmählich in den Wandputz einzogen und nach Ablauf unterschiedlicher Zeiten wieder abgenommen ­ wurden. Die Spuren der Einwirkung des ­Materials als auch Unregelmäßigkeiten auf deren Oberfläche bleiben jedoch seitdem sichtbar und verändern sich im Verlauf der Ausstellungsdauer weiterhin. Gezielt setzt Kretschmann in ihren Installationen mithin die temporären Erscheinungsformen von Materialien ein, um sie wie Speichermedien für die veränderliche Wahrnehmung von Kunst wirken zu lassen und so jene eingeübten Abgrenzungen aufzuheben, durch die sich Kunst gegenüber ihrer „nicht-künstlerischen“ Umwelt traditionell als autonom definiert.

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© Schirin Kretschmann und VG Bild- Kunst, Bonn 2015


110 Künstlerpor trät Daniel Roth

Der Schwarzwälder „Krypto-Topologe“

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Daniel Roth in seinem Atelier in Karlsruhe, 2015, Foto: Daniel Roth

Im Bildhauergarten der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe befindet sich das Atelier von Daniel Roth. Der Künstler und ehemalige Absolvent ist nun selbst Professor und Prorektor der Schule. Entsprechend verteidigt er das Karlsruher Modell der Akademieklassen gegenüber der ­Bologna-Reform. Schließlich hat er einst selbst davon pro­ fitiert, an dieser „Kaderschmiede“, wie er die Kunstakademie nennt, zu studieren. Roths eigene Kunst ist konzeptuell angelegt und folgt dem Prinzip der rätselhaften Erzählung, die sich auf mehr­ teilige Rauminstallationen erstreckt. Ausgangspunkt seiner Werke ist die gemeinhin als Realität verstandene Umwelt, ­deren Dokumente der Künstler benutzt. Daraus konstruiert Roth den Rahmen für seine Bildräume, über die Betrachtende zu imaginären Expeditionen in unbekannte Welten verführt werden. Was sich wie romantische Fiktion und Weltflucht anhören mag, ist eher dem Freud’schen Prinzip des Unheimlichen verwandt. Folgt man den vom Künstler gelegten Spuren in sein fiktionales Narrativ, dann tun sich Pforten, ­L öcher, Stollen und Gänge auf, die zu erfundenen Orten führen – oder ins Nirgendwo. Mit diesem Imaginationsspielraum operiert Roth sehr erfolgreich und benutzt diverse Medien in raumspezifischen Anordnungen, um seine Geschichten verschachtelt zu illustrieren. Skizzen, Fotografien, Karten,

Holzstöckchen, Wasserbecken und Gesteinsimitate sind nur einige der Elemente, die von Roth immer schön akkurat arrangiert werden und in variablen Rauminstallationen zur Ansicht kommen. Reisenotizen und Archivmaterial dienen Roth als Inspirationsquellen für seine konzeptuelle Kunst, es seien „Ideen auf einer fiktiven Landkarte“, erklärt der Künstler, die im Prozess der Arbeit nach Bedarf verwendet würden. „Das sind Orte wie Knotenpunkte, die ein Netz bilden, wie zum Beispiel die Parkanlage von Gabriele d’Annunzio am Gardasee, das Hans-Josephsohn-Museum ‚La Congiunta‘ im Tessin, der Regenwald im ‚Olympic National Park‘ bei Seattle, das Sir John Soane’s Museum in London oder der Wäscheraum im Leo House in New York.“ Das Ergebnis solcher narrativen Sprünge ist dann in Installationen wie „Encounters at a Possible End of the Inner Chambers“ (2011) zu entdecken, wenn der Künstler im Galerieraum Werke zu einer Landschaft mit Lücken und Brücken zusammenstellt. Roth verwendet Zeichen und Chiffren, die nicht immer zu enträtseln sind. „Es sind teilweise wiederkehrende Orte der Vorstellung mit Verbindungen zur Realität. Dabei entstehen Überlagerungen, Distanzen schrumpfen, Größenverhältnisse verschieben sich. All das geschieht im Prozess der Entstehung. Die gedachte Landschaft und ihre unsichtbaren Protagonisten sind so etwas wie eine ‚Krypto-Topologie‘, ja, so könnte man das umschreiben.“ Seine Kunst gebe keine Lektüreanweisung, sagt Roth, aber gewisse „starting points“ gebe es schon. Speziell Fotografien in Kombination mit filigranen Bleistiftzeichnungen führen vor, wie sich gewohnte Raumperspektiven auflösen, gebrochen werden und zu Fragmenten zerfallen. Roth schraubt das platonische Höhlengleichnis zurück, Erkenntnis liegt für ihn nicht im Außenraum, sondern im Inneren, im Reich der Imagination. Erst kürzlich war er im brasilianischen Regenwald unterwegs, um Aufzeichnungen für sein nächstes Projekt zu machen. Nicht der Märchenwald, sondern der Dschungel mit seinen ganz natürlichen Überraschungen und Lichtungen scheint die griffige Metapher für Roths Erzählsystem. Seine Werkästhetik offenbart allerdings nichts von der tropischen Buntheit des Urwaldes, vielmehr serviert der Künstler ein sprödes Kondensat, dessen erzählerische Offenheit in die Untiefen der eigenen Vorstellungswelt lockt. Die Konzeption aus labyrinthischen Räumen und irritierenden Leerstellen fordert die Fantasie heraus. Das führt zurück auf eine ganz frühe


Arbeit, deren Heimatbezug den Künstler immer wieder in ein Klischee zwängt, aus dem er sich aber längst befreit sieht. Für die Installation „Talstadt“ (1998) hat Roth die Idee entworfen, die Tälerlandschaft seiner Heimatstadt Schramberg im Schwarzwald mit Beton zu fluten, um danach in der porigen Masse ein wurzelartiges Gangsystem zu installieren. „Das Denken in fiktionalen Landschaften hat sich bei mir ausgebreitet wie eine Pflanze, ein Rhizom, ausgehend von einer mir vertrauten Topologie, der Talstadt. Kurz nach meinem Kunststudium habe ich begonnen, mehr in narrativen Fragmenten zu denken und bin dabei von den mir bekannten Bergen ­ausgegangen, um Unbekanntes zu finden.“ So hat sich der Schwarzwald als Legende im Hintergrund von Roths Werk gehalten und ist auch ganz real Zufluchtsort geblieben. „Ich habe eine Hütte in den Bergen“, erzählt er, „dahin fahre ich mit meinen Kindern auch gerne mal für längere Zeit, um fernab der Welt hier zu sein.“ SEBASTIAN BADEN

w w w . m e y e r- r i e g g e r. d e

Daniel Roth, „Cloaks of Invisibilit y“, 2010, Ausstellungsansicht Mamco, Genf, 2010 Courtesy Galerie Meyer Riegger, Karlsruhe/Berlin


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M ade by Hf G Karlsruhe – jjoo design

Design im besten Licht In der von gründerzeitlichen Bauten geprägten Karlsruher Lessingstraße befindet sich das Büro der Designagentur jjoo design. Seit 2007 arbeiten Johannes Marmon und Johannes Müller unter diesem ungewöhnlichen Namen zusammen. Kennengelernt haben sich beide während ihres Studiums an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Dort entwickelten sie auch ihr erstes gemeinsames Erfolgsprojekt: Unter der Ü berschrift „Oh Tannenbaum! “ luden sie ­I nte­r essierte dazu ein, kreative Neuinterpretationen des Weihnachtsklassikers zu entwerfen. Hinter der ursprünglich fixen Idee stand der Wunsch, dem interdisziplinären Anspruch der Hochschule gerecht zu werden. Das Interesse an fachübergreifenden Projekten habe unter den Studierenden immer bestanden, berichten die zwei Designer. Meist habe es aber an Themen gefehlt, für die sich sowohl Designer als auch Medienkünstler wie auch Szenografen begeistern konnten. Mit dem Weihnachtsbaum fanden die damaligen Produkt­ designstudenten jedoch ein solches Objekt. Zehn Jahre lang organisierten sie die Präsentationen und begeisterten damit Besucher wie auch Presse. 2013 entschlossen sich Marmon und Müller dazu, das Format nicht mehr weiter zu betreiben.

„Tilt Globe“, 2015, Pendelleuchte für „Nyta“ rechte Seite: jjoo design, Johannes Marmon und Johannes Müller Fotos: Felix Grünschloss


M ARCO HOMPES

www. jjoo. cc www. nyta. eu www. ohtannenbaum . org www. hfg-karlsr uhe. de

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Die Weihnachtsbaumausstellung ist dennoch ein schönes Beispiel für die Vorgehensweise der Designer, Altbekanntes neu zu denken. So bewiesen die beiden Namensvettern etwa, dass ein Klebebandabroller auch ohne feste Achsen und klo­ biges Gehäuse funktioniert. Ihre schlichte Version besteht lediglich aus einem schlanken Streifen Edelstahl und nennt sich „strip“. Großer Beliebtheit erfreute sich auch ihre Kindertür „minjjoo“. Hierfür wurde eine kleine Wohnraumtür in eine normal große integriert, wodurch Kleinkinder einen auf ihre Körpergröße angepassten Durchgang erhielten. Dank eines Anstrichs mit Tafelfarbe kann diese Minitür zudem nach Lust und Laune vollgemalt werden. Derzeit fehlt den Designern für vergleichbare Ideen ­allerdings die Zeit. Der Grund hierfür ist die eigene Leuchtenmarke „Nyta“. Unter diesem Label erscheint etwa ihre Leuchte „Tilt“, deren Konstruktionsprinzip so einfach wie genial ist: Der schlichte Schirm aus Metall weist eine lange schnitt­ förmige Öffnung auf, durch die er sich einfach und präzise in alle Richtungen schwenken lässt. Die Idee überzeugte nicht nur die Jury des German Design Awards, sondern auch ­z ahlreiche andere Preiskomitees. Dass die beiden trotz der ­a ktuellen Erfolge Karlsruhe noch nicht den Rücken gekehrt haben, erklären sie recht pragmatisch. Zum einen seien es ­familiäre Bindungen, die sie hier hielten, zum anderen kämen sie durch ihre Präsentationen auf den wichtigsten Designmessen von Mailand bis London auch so ziemlich herum. Obwohl momentan keine neuen Produktdesigns für jjoo design entstehen, so bleiben Marmon und Müller doch kreativ. Kabelproben in unterschiedlichen Materialien und Farben sowie Modelle neuer Entwürfe auf den Schreibtischen in der Lessingstraße lassen erahnen, dass die zwei Designer noch viele Pläne für „Nyta“ haben.

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Foto/Objekt: Frank Frede

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116 Architektur in Karlsruhe

Von Fächern und Visionen Architektur ist grundlegend in Karlsruhe – buchstäblich, denn der barocken Planstadt liegt keine gewachsene Siedlung zugrunde, sondern die Vision einer durch und durch gestalteten Stadt. Diese besondere Bautradition prägt ihr Gesicht bis heute. Von Barock bis Klassizismus, von Jugendstil über die Klassische Moderne bis in hin zur zeitgenössischen Architektur führt ein baukultureller Streifzug durch die Stadt. Eins der Highlights einer solchen Tour ist etwa die Dammerstock-Siedlung, Ende der 1920er-Jahre von Walter Gropius entworfen und eine der bekanntesten Siedlungen des architektonischen Bauhauses. Anstelle der gewohnten Blockrandbebauung wurden die Wohnhäuser hier in innovativer Zeilenbauweise gereiht. Eine moderne Planungsidee, die unter Zeitgenossen sehr umstritten war, zugleich jedoch neue Maßstäbe im Siedlungsbau setzte. Auch einige erfolgreiche Konversionsprojekte lassen sich in der Stadt beobachten: In den 1990er-Jahren wurde – ebenfalls nicht unumstritten – eine ehemalige Waffen- und Munitionsfabrik umgebaut und beherbergt heute neben dem einzigartigen ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie auch das Museum für Neue Kunst, die Städtische Galerie und die Staatliche Hochschule für Gestaltung. Und erst in jüngster Zeit wurde das ehemalige Schlachthofareal zu einem Kreativpark umgewandelt. Außerdem befindet sich die Stadt gerade in einem umfassenden Prozess zur Entwicklung eines wegweisenden „Räumlichen Leitbildes“ für die Zukunft. Weiter geht es auf dem Streifzug durch die Karls­r uher Baugeschichte – auf den Spuren historischer Architekten ebenso wie auf denen der Zeitgenossen, etwa Heinrich Hübsch und Josef Durm, Egon Eiermann und ­Erich Schelling. Aktuell mit Spannung erwartet wird auch der Geburtstags­ pavillon, den J. MAY ER H. zum 300. Stadt­j ubiläum im Schlosspark errichtet. Und nicht zuletzt stößt man natürlich immer wieder auf Friedrich Weinbrenner, dessen klassizistische Monumentalbauten das Erscheinungsbild der Stadt – die Via Triumphalis! – bis heute prägen. Dem bekanntesten Baumeister und Sohn der Stadt wird im Jubiläumsjahr eine umfassende monografische Ausstellung in der Städtischen Galerie gewidmet. Neben Originalzeichnungen aus dem saai, dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau, werden historische und aktuelle Fotografien, neu angefertigte Modelle und Computervisualisierungen von lediglich Entwurf gebliebenen Projekten gezeigt.

Weinbrenner machte übrigens im wahrsten Sinne (nicht nur) in Karlsruhe Schule: Seine einstige private ­B auschule, die Studenten aus dem ganzen deutschsprachigen Raum anzog, wurde zu einer der Keimzellen für die Tech­n ische Hochschule, die im frühen 19. Jahrhundert als Polytechnikum gegründet wurde; heute firmiert sie als ­u niversitäres Karlsruher Institut für Technologie (KIT), an dem es eine der b ­ edeutenden Ausbildungsstätten für Architekten und Stadtplaner in Süddeutschland gibt. Überhaupt wird die Vermittlung von Architektur großgeschrieben in Karlsruhe. Neben den universitären ­Instituten hat man mit dem saai eine umfangreiche architekturhistorische Forschungsplattform in der Stadt. Alle zwei Jahre wird zudem mit dem Schelling Architekturpreis die wichtigste Branchenauszeichnung Deutschlands in der ­F ächerstadt vergeben – jüngst 2014 an Diébédo Francis Kéré,


„ I D E A L : S TA D T “ – Ve ra n s t a l t u n g s p ro g ra m m A r c h i t e k t u r s c h a u f e n s t e r e . V. w w w . a r c h i t e k t u r s c h a u f e n s t e r. d e

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R äumliches Leitbild Karlsr uhe 2015 2 7. J u n i b i s 4 . O k t o b e r 2 0 1 5

w w w . k a r l s r u h e . d e / b 3 / b a u e n / p ro j e k t e / l e i t b i l d h a u p t . d e

„ F r i e d r i c h We i n b r e n n e r 1 7 6 6 – 1 8 2 6 . A r c h i t e k t u r u n d S t ä d t e b a u d e s K l a s s i z i s m u s“

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Stadt mit Schloss, Luftbild, Foto: Bildstelle Stadt Karlsruhe

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dessen Werk nicht zuletzt durch seine Kooperation mit ­ hristoph Schlingensief für ein Operndorf in Afrika in aller C Munde ist. Zudem widmet sich das Architekturschaufenster mitten in der Karlsruher Innenstadt der Vermittlung von Baukultur an ein breites Publikum – mit einem vielfält igen P rog ramm von Ausstellungen, Vort rägen und Workshops. Dort ist in diesem Jahr auch die die Koordina­ tionsstelle für Baukultur, das Büro Baukultur KA300, zum Stadtgeburtstag angesiedelt.


Friedrich Dyckerhoff, Marktplatz-Perspektive von Südwesten, 1808, © Stadtarchiv Karlsruhe

FRIEDRICH

WEIN BRENNER 1 7 6 6 –1 8 2 6

Architektur und Städtebau des Klassizismus

27.6 .– 4. 10. 2015

Städtische Galerie Karlsruhe Lorenzstraße 27 76135 Karlsruhe www.weinbrenner-ausstellung.de Stadt Karlsruhe, Kulturamt


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Bundesanwaltschaft, Architekt: Oswald Mathias Ungers Foto: Bildstelle Stadt Karlsruhe

S A A I | S Ü DW E S T D E U T S C H E S A RC H I V F Ü R A RC H I T E K T U R U N D I N G E N I E U R B AU

Frei Otto, „Hoch-/Tiefpunktstudie“, um 1965 Foto: saai

SIMONE KRAFT

saai | Südwestde ut sches A rchiv f ür A rchitek t ur und Inge nie urbau K a r l s r u h e r I n s t i t u t f ü r Te c h n o l o g i e ( K I T ) www. saai. k it. edu

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Wer hat nicht als Kind davon geträumt, auf dem Dachboden auf Schatzsuche zu gehen? In alten Truhen Karten zu entdecken oder geheimnisvolle Pläne aus Schubfächern zu ziehen? Ein wenig fühlt es sich so an, wenn Architekturhistoriker im saai, dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau, eine der bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland, stöbern. Zwar finden sich dort keine alten Truhen und Schubladen, dafür aber, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, Briefe, Pläne und Modelle von namhaften und einflussreichen Vertretern der Architektur – von Friedrich Weinbrenner bis Egon Eiermann, von Carl Albiker über Frei Otto bis Günter Behnisch. Seit 1989 sammelt und konserviert das saai Materialien von über 220 bedeutenden Architekten und Büros, von Ingenieuren, Bauhistorikern und Architekturfotografen, die im deutschen Südwesten oder von hier aus in aller Welt tätig ­w aren. In Zahlen finden sich hier über 500.000 Pläne, 600.000 Fotos, Film- und Tondokumente, 1.100 Regalmeter Bauakten, 900 Architekturmodelle und 50 Möbelstücke ­sowie 400 Regalmeter Fachpublikationen, die Forschern zur Verfügung stehen. Die Sammlung, eine der umfangreichsten Deutschlands, baut auf einem wohl Lehrzwecken dienenden Bestand der Architekturabteilung der einstigen Polytechnischen Schule, dem heutigen Karlsruher Institut für Technologie (KIT), auf, der durch Schenkungen und Nachlässe seit den

1970er-Jahren beträchtlich erweitert werden konnte. Die ältesten Materialien stammen aus der Zeit der Stadtgründung Karlsruhes, der Schwerpunkt liegt jedoch auf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Einsehen kann man die Schätze des saai in einer der vielen externen Ausstellungen, in denen regelmäßig Mate­ rialien präsentiert werden – aktuell etwa in der Ausstellung „Friedrich Weinbrenner. Architektur und Städtebau des ­K lassizismus“ der Städtischen Galerie –, bei Tagungen oder in Publikationen, aber natürlich auch bei Recherchen vor Ort. Lange hatte man auch hier mit Kürzungen und den Wid­ rigkeiten der Verwaltung zu kämpfen, doch unter dem neuen Leiter Georg Vrachliotis, Professor für Architekturtheorie am KIT, stehen die Zeichen für Architekturschatzsucher gut: „Das saai ist eine Forschungsplattform und verkörpert ­z ugleich das baukulturelle Gedächtnis des Landes Baden-­ Württemberg. Durch seine wertvollen Sammlungen ist es ein Garant für öffentlichkeitswirksame Forschungs- und Ausstellungsprojekte und generiert sowohl dem KIT als auch der Stadt Karlsruhe eine hohe internationale Sichtbarkeit und ein entsprechendes Renommee zwischen Innovation und Tradition.“

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Auf Schatzsuche


Ein Inter view mit Riklef Rambow und Angelika Jäkel

Architektur ins Bild setzen

Riklef Rambow, Foto: a*komm, Karlsruher Institut für Technologie (Hannah Cooke) rechte Seite: Angelika Jäkel bei der Finissage des STADT:WAGEN - Projekts, Foto: Fakultät Architektur, Karlsruher Institut für Technologie

Gebäude umgeben uns tagein, tagaus. Nicht nur Häuser, auch Straßen und Brücken, ja sogar Verkehrsinseln sind ganz a­ lltägliches „Gebautes“ in unserer Umwelt. Trotzdem wird der omnipräsente gestaltete Lebensraum über Fachkreise ­h inaus selten bewusst thematisiert. Keine Frage, Baukultur muss vermittelt werden. Aber wie? In Karlsruhe geht man hier ­b esondere Wege. Darüber sprach Simone Kraft von ­A RTMAPP mit ­R iklef Rambow, Professor für Architekturkommunikation an der Architekturfakultät des Karlsruher Instituts für Tech­nologie (KIT) – die einzige deutsche Universität, die einen solchen Lehrstuhl bisher eingerichtet hat –, und Angelika Jäkel, freie Architektin und Leiterin des EKUT.lab, ein kooperatives Format für Lehre und Forschung an der Fakultät Architektur des KIT, die im Karlsruher Jubiläumsjahr das „Büro Baukultur KA300“ inne hat. ARTMAPP: Architektur umgibt uns ständig und wird doch nur selten thematisiert. Warum ist es wichtig, über das Bauen, über die Baukultur zu sprechen? Riklef Rambow: Architektur vermittelt sich nicht von selbst. Natürlich sind wir physisch ständig von Gebäuden umgeben, aber das bedeutet noch nicht, dass wir diese gebaute Umwelt auch wahrnehmen und über sie nachdenken. Jedes Gebäude kann unter verschiedenen Gesichtspunkten „gelesen“ werden, was teilweise ein hohes Ausmaß an Vorwissen erfordert. Bei der Architekturvermittlung geht es natürlich nicht darum, jeden Stadtbewohner zum Architekten zu machen. Wichtig ist, überhaupt ein Bewusstsein dafür zu schaffen,

dass Architektur mehr ist als bloßes Bauen und dass es sich lohnt, sich damit auseinanderzusetzen. Der Begriff Baukultur soll ja ausdrücken, dass das Bauen ein wichtiger Teil menschlicher Kultur ist, also nicht ausschließlich Ausdruck wirtschaftlicher Notwendigkeiten oder funktionaler Erfordernisse ist. Angelika Jäkel: Baukultur ist so vieles, dass wir nicht um­ hinkommen werden, hier künftig auch differenzierter Phänomene zu benennen, die wir derzeit alle in diesen einen Begriff hineinpacken. Gemeint wird damit in der Regel nicht nur die Architektur, sondern auch Stadtplanungskultur, eine Kultur der landschaftlichen Planung, Ingenieurbau und Denkmalschutz, aber auch ein Kümmern um regionale Bautypologien ebenso wie um neue Wohnkulturen, eine Kultur der Öffentlichkeit ... Der Begriff „Baukultur“ ist in diesem umfassenden Sinne in den vergangenen Jahren zu einem Leitbegriff auch in gesellschaftlichen Debatten um die Zukunft unserer Lebenswelt geworden. ARTMAPP: Wo setzt hier die „Architektur­ kommunikation“ als Disziplin an? RR: Ganz einfach: Wenn Architektur sich nicht von allein vermittelt, muss dies jemand anderes machen. Man muss Anlässe schaffen, dass sich möglichst viele Menschen mit Architektur beschäftigen wollen und können. Warum? Einerseits, weil es ein spannendes Thema ist, das viel Spaß machen und das Leben bereichern kann. Andererseits aber auch, weil Architektur als Teil unserer aller Kultur sich nur


dann auf hohem Niveau fortentwickeln kann, wenn möglichst viele Menschen aktiv daran teilhaben. Denn es braucht eine kontinuierliche öffentliche Auseinandersetzung über Qualität in der Architektur. Das Ziel der Architekturvermittlung ist, diesen Dialog zu initiieren und zu moderieren. Wir wollen Interesse und idealerweise auch Begeisterung erwecken, Aufmerksamkeit erzeugen, Meinungen bilden und natürlich auch Informationen und Wissen vermitteln. ARTMAPP: Zum 300. Stadtjubiläum wurde in Karlsruhe das „Büro Baukultur KA300“ eingerichtet, das die baukulturellen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr koordiniert ... AJ: Es geht darum, die unterschiedlichen Veranstaltungsformate zum Thema „Baukultur“ zusammenzuführen. Dafür haben wir uns ein eigenes Thema gegeben, „IDEAL:STADT“, das gleichermaßen auf die Planstadtgründung Karlsruhes wie auf die grundsätzliche Funktion von Visionen, Utopien und Zukunftsprojektionen für unser Leben in Städten verweisen will. „IDEAL:STADT“ bietet einen roten Faden an, der zwischen sehr unterschiedlichen Veranstaltungen Beziehungen herstellt und es erlaubt, für die Dauer des Festivalsommers so etwas wie eine gemeinsame Diskussionsgrundlage herzustellen – quer über alle planerischen Berufsgruppen hinweg, mitten hinein in die Bürgerschaft: Was waren, was sind Ideale von Stadt und Urbanität?

ein eigenes Büro. Was bedeutet das für die Zukunft der Baukultur in der Stadt?

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AJ: Sehr spannend ist die Frage nach der städtischen Identität Karlsruhes. Der Fächergrundriss mag Wiedererkennungswert haben, spielt aber heute doch eine eher untergeordnete Rolle im Alltag. Wohin wird uns das Jubiläum bringen? Eine Menge Vereine, Gruppen und Einzelpersonen sind in diesem Jahr aktiv, planen besondere Aktionen, viele davon im ­öffentlichen Raum. So ein Stadtgeburtstag ist darum eine wunderbare Gelegenheit, die verschiedenen „Akteure“ in Aktion zu erleben und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Wenn es uns gelingt, diesen „Schub“ mitzunehmen, hin zu einer künftig aktiv an baukulturellen Fragen mitwirkenden, mit uns als „Fachleuten“ vernetzten Bürgerschaft, dann hätten wir viel erreicht. RR: Die Planstadt Karlsruhe mit ihrem Fächergrundriss ist eine hervorragende Grundlage für die Vermittlung von ­B aukultur: Das identitätsstiftende Alleinstellungsmerkmal ist eine bauliche Struktur! Zugleich ist die Frage, wie man eine solche Planstadt „weiterbaut“ und welche Bedeutung die h ­ istorische Planung heute noch hat, überhaupt nicht trivial. Sie wird derzeit im Zusammenhang mit dem ­s ogenannten Räumlichen Leitbild breit erörtert. Dieser

ARTMAPP: Welche Schwierigkeiten eröffnen sich bei der Vermittlung von Baukultur?

Diskussions­prozess war von Anfang an öffentlich angelegt mit Workshops, Vortragsveranstaltungen, Ausstellungen. In Teilen ist dies ein positives Beispiel für Baukulturvermittlung, aber man stößt auch immer wieder an Grenzen, denn die Inhalte sind sehr komplex und abstrakt. Es kommt daher darauf an, das Thema herunterzubrechen. Das wird im Zuge der ­Feierlichkeiten zum 300. Stadtgeburtstag geschehen und der Architekturvermittlung in Karlsruhe hoffentlich weitere I­ mpulse geben. ARTMAPP: Angelika Jäkel und Riklef Rambow, vielen Dank für das Gespräch!

www. k it. edu

ARTMAPP: Karlsruhe feiert sein 300-jähriges Jubiläum und widmet der Baukultur in diesem Jahr

lab. ek ut. k it. edu www. stadt wagenka300. de

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AJ: Zudem haben wir immer noch die Aufgabe, Baukultur als anerkannte Kulturrichtung zu etablieren und zu erklären – viele, die nicht mit dem Wort vertraut sind, wissen gar nicht, was wir als Planende und Bauende damit meinen. Dass hier zum Beispiel Handlungsfelder „versteckt“ sind, die sehr ­direkt Einfluss auf die alltägliche Lebensqualität und auf das soziale Miteinander haben. Typische Vermittlungsformate sind Vorträge, Ausstellungen oder Podiumsdiskussionen. In Zukunft wird es aber auch darum gehen müssen, spannende, unterhaltsame und auch künstlerische Formate auszuprobieren, die in der Lage sind, andere Zielgruppen zu erreichen, als dies den etablierten Vermittlungsformen bisher gelingt.

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RR: Die Reichhaltigkeit der möglichen Betrachtungsebenen ist einerseits die Stärke der Architekturvermittlung, andererseits auch ihre größte Herausforderung. Man kann sich dem Thema zum Beispiel in eher technischer Weise nähern, durch Baustelleninszenierungen etwa. So wird allerdings eine einseitige Vorstellung von Architektur gestärkt, die die Distanz zur alltäglichen Lebenswelt eher noch erhöht. Aber auch eine kunstwissenschaftliche Betrachtung, wie sie oft in Museen oder Ausstellungen vorkommt – der Architekt als Künstler, das Gebäude als Kunstobjekt – ist schwierig: Diese Sichtweise kann durchaus faszinieren, sie nährt jedoch auch die Illusion, pragmatische Erfordernisse seien in der Architektur eher ein notwendiges Übel.


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Karlsruhe und Umgebung

Zeitgenössische Kunst in der Region De r Mit tle re Obe r rhe in hat im Hinblick auf ak t uelles Kun st schaf fe n viel zu bie te n . Dre i Empfehlunge n von Chr i s G e rbing

Das ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe hat sicherlich dazu beigetragen, Sehgewohnheiten zu verändern. Hinzu kommen die persönlichen Interessen, die zu einer großen Vielzahl aktueller Kunst in wechselnden Formaten im Karlsruher Umland und der erweiterten Region führten. Zwei Privatsammlungen – die Ursula Blickle ­Stiftung in Kraichtal-Unteröwisheim und das Museum für Aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle in Durbach – rücken dabei ins Blickfeld. Aber auch die Staatliche Kunsthalle Baden-­Baden tut sich mit spannenden Projekten ganz junger Künstler hervor.

U R SU L A BL ICK L E S T I F T U NG

Unteröwisheim – ein kleiner Ort am Rande des Kraichtals in Nachbarschaft zur Kleinstadt Bruchsal. Und doch nicht Provinz, sondern einer jener Orte, an dem die Kunstwelt mit ganz aktuellen, auch kontroversen Positionen zu Gast ist. Und von dem aus schon Künstlerkarrieren gestartet sind. Ursula Blickle, die Namensgeberin der Stiftung und gebürtige Wienerin, holt sich mit feinem Gespür für spannende Positionen unermüdlich junge Künstler in die spätbarocke Rapsmühle. Dabei ermöglicht sie Kunst auf ­hohem Niveau, wie beispielsweise mit Tobias Zielony, der 2014 bei Blickle zu sehen war und ­d ieses Jahr den deutschen Biennale-Pavillon mitbespielen wird. Oder wie mit Zin Taylor und Yorgos Sapountzis, die ­b eide mittlerweile den „Geheimtipp“-Status hinter sich ­gelassen haben. Die renommierten Gastkuratoren haben, so ihr das Konzept gefällt, freie Hand bei der Umsetzung der ­insgesamt vier Ausstellungen pro Jahr. Sie sehe sich, äußerte Ursula Blickle einmal in einem Interview, nicht als „Kon­ kurrenz zu anderen Ausstellungsorten, sondern eher als Ergänzung, die dort unterstützt, wo das Geld zunehmend knapper wird“. Sie präsentiert Einzel- und Gruppenausstellungen in spannenden Formaten, womit Blickle nicht zuletzt auch Nachwuchsförderung betreibt. ab 25 . Apr il 2015 U r s u l a B l i c k l e S t i f t u n g , K ra i c h t a l - U n t e rö w i s h e i m www. ursula-blickle -st if t ung. de

Karen Mirza und Brad Butler, „Hold Your Ground“, 2012, Videoinstallation, Installationsansicht Ursula Blickle Stiftung, 2014 Foto: Peter Loew y


K U NS T H A L L E BA DE N-BA DE N

Sammler Rüdiger Hurrle, Foto: Ulrich Marx

SA M MLU NG H U R R L E

Ebenfalls idyllisch gelegen ist Durbach in der Ortenau, ­einer dem Schwarzwald südlich von Baden-Baden vorgelagerten Hügelkette. Am Ortsrand findet sich in der obersten Etage e­ ines Hotels das Museum für Aktuelle Kunst, dessen Besitzer Rüdiger Hurrle hier seine Sammlung der Öffentlichkeit ­z ugänglich macht. Einer seiner Schwerpunkte ist die jüngere deutsche Vergangenheit. Die 1950er- und 1960er-Jahre dies- und jenseits des Rheins rücken damit ins Zentrum: das Informel, die Gruppen ZEN, Quadriga, Spur und Gef lecht. Ganz dezidiert und mit eigener Aus­ stellungsreihe fokussiert Hurrle zudem auf das Kunstschaffen am Oberrhein, zeigt ­Absolventen der Karlsruher Akademie ebenso wie Künstler, die ihre Wurzeln im Dreiländereck Deutschland–Frankreich–Schweiz haben oder in der Region leben. Derzeit ist der in der Nähe von Freiburg beheimatete deutsche Pop Art-Künstler Werner B ­ erges zu sehen. Bis zur ­Jahresmitte 2015 läuft noch die aus Anlass des 25. Jahrestags des Mauerfalls im vergangenen Jahr eröffnete Ausstellung „Getrennte Welten – Formen des Eigensinns“, die das ­Kunstschaffen im Osten und Westen Deutschlands in den Jahrzehnten der Teilung thematisiert. Im Sommer schließt sich die Einzelausstellung mit Norbert Tadeusz an.

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Auf dem Weg von Kraichtal-Unteröwisheim nach Durbach kommt man zwangsläufig am Kurort Baden-Baden vorbei, dessen „Museumsmeile“, die Lichtentaler Allee allein schon eine Reise wert ist. Gegenüber der mondänen Hotels, direkt am Fluss Oos gelegen, fühlt man sich (vor allem, wenn die Kutschen vorbeirattern) direkt ins 19. Jahrhundert versetzt. Und doch ist gerade die Staatliche Kunsthalle in dem im späten ­Jugendstil von Hermann Billing errichteten Bau immer wieder für ganz zeitgenössische Überraschungen gut. War über den Winter Eva Kot’átková mit „Experiment für sieben Körperteile“ und sich in ihren Installationen bewegenden „Living Sculptures“ zu sehen, thematisieren Direktor Johan Holten und Kurator Hendrik Bündge mit „Nach dem frühen Tod“ nun das künstlerische Weiterleben eines Werks, nachdem sein Schöpfer durch sein (vorzeitiges) Ableben am Weiter­arbeiten sowohl in künstlerischer Hinsicht, aber auch in eigener Sache gehindert wurde. 100 Jahre umspannt der betrachtete Zeitraum – von Vincent van Gogh über Gerhard von Graevenitz bis zu Michel Majerus und Bas Jan Ader – und zeigt dabei die Entstehung und Mechanismen von Geniekult, ­Öffentlichkeitswahrnehmung und postmortaler Stilisierung auf. Es geht um unvollendetes Schaffen und ebenso darum, dass auch eine Institution wie die Staatliche Kunsthalle ­Baden-Baden selbst in die „Wertschöpfungskette“ eingebunden ist. Parallel dazu wird im Projektraum „ 45 cbm“ Marc Breu gezeigt, der sich ausgehend von der Traumlogik Sigmund Freuds mit Materialität und Raum auseinandersetzt. Gerade mit diesem anhaltenden Engagement für ganz junge Künstler rückt die Kunsthalle Baden-Baden an die anderen beiden vorgestellten Institutionen heran. 2 1. März bis 2 1. Juni 2015 „ N a c h d e m f r ü h e n To d “ bis 5 . Apr il 2015 „ M a r c B r e u – Ve rd i c h t e n u n d Ve r s c h i e b e n“ ( P ro j e k t ra u m 4 5 c b m) Staatliche Kunsthalle Baden-Baden www. k unsthalle-baden-baden. de

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Johan Holten, Direktor der Kunsthalle Baden- Baden Foto: Kunsthalle

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Der ZERO - Künstler Christian M eger t

Spiegel-Räume

Vor Kurzem waren Werke von ihm in der großen ZERO-Ausstellung im New Yorker Solomon R. Guggenheim Museum zu sehen, demnächst kann man sie im Berliner Martin-Gropius-Bau bewundern und ab Sommer dann schließlich im Stedelijk Museum Amsterdam. Die Zahl der Interviewanfragen, die ihn erreichen, steigt stetig, Kuratoren und junge Wissenschaftler entdecken ihn als wichtigen Zeitzeugen, immer mehr Kritiker und Sammler begeistern sich für seine klassischen „Spiegel-Scherben-Bilder“. Und so verwundert es nicht, dass auch die Frequenz der Museums- und Galerieausstellungen deutlich zugenommen hat. Kurz gesagt: Christian Megert ist dabei, ein Liebling der internationalen Kunstszene zu werden. Trotz des zunehmenden Rummels um die ZEROKunst und seine eigene Person ist der 79-Jährige bescheiden geblieben, Starallüren sind ihm völlig fremd. Vielmehr zieht es den gebürtigen Schweizer nach wie vor täglich zur Arbeit ins Atelier, wo er aus großen Spiegelf lächen ganz sorgsam passende Einzelelemente zuschneidet, wo er die Anordnung und Fixierung dieser Elemente mit ruhiger Hand und gleichbleibender Präzision vornimmt. Das Herzstück dieses Ateliers ist ein großer heller Raum, der auf zwei Seiten durch Fensterbänder erleuchtet ist. Er strahlt eine klare und konzentrierte Arbeitsatmosphäre aus, was vielleicht auch daran liegen mag, dass es sich um die Räume eines ehemaligen Schulgebäudes handelt. Jedenfalls passt diese klare, strenge Stimmung ganz gut zu den exakten scharfkantigen Spiegelfragmenten und Farbelementen, die Megert zu seinen oft großformatigen „Scherben-Bildern“ zusammenfügt. Einige besonders imposante Exemplare stehen aufgereiht an der Wand und demonstrieren dem Besucher augenblicklich, wie ihre schräg gegeneinander versetzten

Spiegelflächen die Umgebung stets neu wiedergeben, wie sich bei jeder kleinsten Bewegung des Betrachters eine neue ­A nsicht, ja ein neuer Raum eröffnet. Diese Raumöffnung ­verblüfft, irritiert, fasziniert. In ihrer kleinteiligen Frag­ mentierung erinnert sie an die kubistische Zerlegung des Bildraums, nur dass Megert diese Zerlegung mit neuartigen Mitteln – echten Spiegeln – realisiert und so einen neuen, unmittelbareren Raumeindruck erschafft. Dass mit der Idee eines „neuen Raums“ ein zentrales Motiv seines Schaffens angesprochen ist, darauf verweist der Künstler dann auch direkt zu Beginn des Gesprächs. Christian Megert ist ein freundlicher, angenehmer ­G esprächspartner, der mit wachen Augen sein Gegenüber aufmerksam beobachtet und dabei sorgsam prüft, ob das, was er sagt, den Zuhörer auch wirklich erreicht. Spricht man ihn gezielt auf die frühen ZERO-Jahre und seine Rolle innerhalb dieser internationalen Kunstbewegung an, dann kann man erleben, wie der heute gefeierte Künstler von Minute zu Minute mehr in die ferne Vergangenheit hinabtaucht, um – erst recht verhalten und zögerlich, schließlich aber immer engagierter – von seinen entbehrungsreichen künstlerischen Anfängen und den heroischen Jahren der europäischen Nachkriegs-Avantgarde zu erzählen. Und er hat viel zu erzählen, hat viel erlebt in jener Zeit, als in Paris, Düsseldorf und Mailand aktuelle europäische Kunstgeschichte geschrieben wurde, als eine junge Künstlergeneration nach neuen, zeitgemäßen Materialen und Ausdrucksformen suchte, als avantgardistische Experimente noch eine unmittelbare gesellschaftliche Herausforderung darstellten. Er erzählt, wie er als ganz junger Mann in die Kreise der Pariser Kunstszene kam, wie sein Freund Jean Tinguely ihm eine erste Unterkunft vermittelte, wie der bereits etablierte Alberto Giacometti die jungen Schweizer Künstler so manchen Abend freihielt, wie er in der Galerie von Iris Clert mit Yves Klein, Heinz Mack und Piero Manzoni in Kontakt kam. Die Entdeckung von Gleichgesinnten inspirierte und motivierte. Das starke Gefühl des Aufbruchs, die beflügelnde Vorstellung, gemeinsam mit Künstlern in verschiedenen Ländern auf der Suche nach etwas Neuem zu sein, bildete die Grundlage jenes weitgespannten Netzwerkes, das als ZERO-Bewegung in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Ihren Ausgang nahm diese Bewegung in den sogenannten Abendausstellungen, die Heinz Mack und Otto Piene ab 1957 in ihrem Düsseldorfer Atelier organisierten. Doch schon bald wurde sie ein internationales Phänomen, verband Künstler in Deutschland, Frankreich, Italien, Dänemark, England, Belgien, der Schweiz und den Niederlanden. Nachdem Christian Megert Paris 1959 wieder ver­lassen hatte und in seine Heimatstadt Bern zurückgekehrt war, ­w urde er zum Schweizer Statthalter dieser euro­päischen ­Bewegung. Bereits 1960 organisierte er die ersten ZERO-Ausstellungen in der Schweiz – kleine, aber programmatisch


natürlichen Reflexen und Seherfahrungen unserer Alltagswelt entgegenläuft. Die erhellenden Irritationen, die kleinen visuellen Herausforderungen, die in Megerts Werken liegen, verleihen seinen künstlerischen Spiegelexperimenten bis heute ihre Aktualität. Dass dies besonders ganz junge Museumsgänger anspricht, also jene Generation, die Christian Megert und die ZERO-Kunst gerade neu entdeckt, war jüngst im Guggenheim Museum in New York zu beobachten. Ab 21. März kann man sich auch in Berlin ein Bild von dieser verblüffenden Wirkung machen. Dann werden die Werke von Christian Megert und seiner ZERO-Freunde im Martin-Gropius-Bau zu sehen sein.

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20. März bis 18 . Apr il 2015 Chr ist ian Meger t / Nanda Vigo „ Z ERO I N T H E MIR ROR“ G a l e r i e Vo l k e r D i e h l , B e r l i n www. meger t. de

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F R Ü H J A H R 2 015 — Z E R O

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selbstbewusste Präsentationen, in denen er Werke seiner Künstlerfreunde versammelte, darunter Lucio Fontana, Yves Klein, Heinz Mack, Piero Manzoni und Otto Piene. Fünf Jahre später lieferte Megert dann entscheidende Impulse für die beiden wegweisenden Ausstellungen „weiss auf weiss“ sowie „licht und bewegung“, die sein Freund Harald Szeemann schließlich in der Kunsthalle Bern realisierte. Das entscheidende Ereignis für den Künstler Megert war damals die Entdeckung des Spiegels als zentrales Material seines Schaffens. Nachdem er 1960 Spiegelscherben zum ­ersten Mal eingesetzt hatte, begann er schon bald, die spezifischen Möglichkeiten dieses Werkstoffes auszuloten. Schon 1961 entstehen seine ersten „Scherben-Bilder“, bald darauf raffiniert gestaffelte Spiegelwände, später auch ganze Spiegelräume – etwa der an Decke und Boden komplett verspiegelte Raum, den Christian Megert 1968 für die „documenta 4“ in Kassel realisierte. Das Betreten dieses Raumes, der in den letzten Jahren für Ausstellungen in Paris und Düsseldorf rekonstruiert wurde, kostet viele Ausstellungsbesucher noch heute große Überwindung, schließlich setzt man den Fuß auf eine unendlich in die Tiefe stürzende Raumkaskade, was allen


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ZERO -Ausstellung 2014, Solmon R Guggenheim Museum, New York Foto: Stephan Geiger

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F R Ü H J A H R 2 015 — Z E R O

AU S S T E L L U N G E N G E F E I E R T

Vom 21. März bis 8. Juni wird im Martin-Gropius-Bau in Berlin die größte je gezeigt ZERO-Ausstellung präsentiert. Auf 3.000 Quadratmetern werden über 200 Werke und Installationen von 41 Künstlern aus elf Ländern zu sehen sein, darunter selten gezeigte Arbeiten von Lucio Fontana, Yves Klein, Heinz Mack, Piero Manzoni, Christian Megert, Otto Piene, Jean Tinguely, Günther Uecker und herman de vries. Die Ausstellung ist die zweite Station einer internationalen Ausstellungstournee, die letzten Oktober im Solomon R. Guggenheim Museum in New York startete und ihren Abschluss diesen Sommer im Stedelijk Museum in Amsterdam finden wird. Die internationale ZERO-Bewegung der 1950er- und 1960er-Jahre gehört zu den letzten großen Avantgarde-­ Bewegungen in Europa. Die beteiligten Künstler einte das Bewusstsein, neue, zeitgemäße Materialien sowie neuartige Präsentationsformen einzusetzen. Durch die große ZERO-Retrospektive im Museum Kunstpalast in Düsseldorf 2006 und die dadurch initiierte Gründung der ZERO Foundation im Jahr 2008 wurde das Interesse an der Kunsts t r ö mu n g n e u g e w e c k t . D i e w i s s e n s c h a f t l i c h e n Grundlagen für die ZERO-Ausstellungen in New York, Berlin und Amsterdam lieferte dann ein mehrjähriges ­F orschungsprojekt, das von der ZERO Foundation in

Kooperation mit den beteiligten Museen vorangetrieben wurde. Zur Berliner Ausstellung erscheint deshalb nicht nur ein Katalog, sondern zusätzlich eine materialreiche Publika­ tion, die den wissenschaftlichen Ertrag der internationalen Forschergruppe präsentiert. Hinsichtlich Werkauswahl und Präsentation werden bei jeder der drei Ausstellungsstationen unterschiedliche ­A kzente gesetzt. Dass Frank Lloyd Wrights berühmtes ­Guggenheim Museum praktisch zeitgleich mit den frühen Werken der ZERO-Kunst vollendet wurde und dabei einen durchaus vergleichbaren utopischen Anspruch verkörpert, erwies sich für die New Yorker Ausstellung als eine überaus glückliche Konstellation. Im Martin-Gropius-Bau in Berlin setzen die Ausstellungsmacher nun auf markante The­ menkomplexe (zum Beispiel Raum, Bewegung, Zeit, Licht), die die Besucher in die Ideenwelt von ZERO einführen sollen. Zusammen mit den Installationen von Mack, Megert, Piene, Uecker und de vries verspricht die Berliner Ausstellung somit viele neue Entdeckungen, Einsichten und Erlebnisse. STEPHAN GEIGER

2 1. März bis 8. Juni 2015 „ Z ERO. Die inter nat ionale Kunstbeweg ung d e r 1 9 5 0 e r u n d 6 0 e r J a h r e“ w w w . g ro p i u s b a u . d e


Andy Warhol: Queen Elizabeth II of the United Kingdom


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Viele Wege führen zu Cranach

Cranach-Jahr 2015 2 0 1 5 j ä h r t s i c h d e r G e b u r t s t a g L u c a s C ra n a c h d e s J ü n g e r e n z u m 5 0 0 . M a l . G r u n d g e n u g , d e n R e n a i s s a n c e m a l e r u n d s e i n We r k u m f a s s e n d z u w ü rd i g e n . A RT M A PP hat die Schauplätze der vielen Ausstellungen, d i e i h m i n d i e s e m J a h r z u t e i l w e rd e n , i n d e n B l i c k g e n o m m e n .

Er ist einer der großen Maler auf der Schwelle zur Neuzeit – und doch steht er nach wie vor im Schatten seines noch berühmteren Vaters. Lucas Cranach der Jüngere, am 4. Oktober 1515 in Wittenberg geboren und am 25. Januar 1586 ebenda verstorben, war nördlich der Alpen einer der bedeutenden Maler der Renaissance und Reformationszeit. Sein Vater, Lucas Cranach der Ältere (um 1472–1553), hatte sich nach einem längeren Wienaufenthalt mit seiner Malerwerkstatt hier in der Lutherstadt niedergelassen. Er war 1505 von Kurfürst Friedrich dem Weisen als Hofmaler nach Wittenberg berufen worden, wo er sein Amt fast 50 Jahre lang ausführen sollte. Neben allegorischen Gemälden und zahlreichen Altarwerken waren es vor allem Porträts seiner Dienstherren und deren Entourage ebenso wie mythologisch verbrämte Aktdarstellungen, die ihn bekannt machten. Eines der erotischsten Bilder der nördlichen Renaissance ist vermutlich die Cranach-Venus aus Wittenberg, unübertroffen sinnlich und zu ihrer Entstehungszeit gut für einen veritablen Skandal. Als Söhne, Schüler und Mitarbeiter des Meisters sind Lucas der Jüngere und sein älterer Bruder Hans gewissermaßen mit dem Pinsel in der Hand groß geworden. Doch nach dem frühen Tod des Bruders 1537 war es Lucas der Jüngere, der die Wittenberger Cranach-Werkstatt übernahm und das fortführte, was sein Vater als moderner Malerunternehmer so erfolgreich begonnen und zur Meisterschaft gebracht hatte. Und so wurde auch Lucas Cranach der Jüngere Teil des „Epochenumbruchs auf dem Weg zur Moderne“. Offiziell übertrug der Vater dem Sohn die Werkstattleitung erst 1550, als er, der Ältere, seinem entmachteten Dienstherren nach Augsburg folgte. Lucas der Jüngere blieb in Wittenberg, musste aber die Werkstatt von nun an weiterführen, ohne die enge (räumliche) Bindung an den kurfürstlichen Hof, der jetzt mit der albertinischen Linie des Hauses Wettin in Dresden residierte. Das war letztendlich aber gar nicht so schlimm, denn die Cranach-Werkstatt erhielt auch aus Dresden wiederhin Aufträge vom kurfürstlichen Hof. Der Porträtist Lucas Cranach der Jüngere gelangte (anders als sein Vater) zwar tatsächlich nie in die privilegierte Stellung eines Hofmalers, errang aber eine ähnlich große Bedeutung innerhalb der Wittenberger Gesellschaft, war ein begüterter, einf lussreicher und geachteter Bürger der Stadt und bekleidete politische Ämter, war Ratsmitglied und sogar Bürgermeister. Er heiratete in zweiter Ehe eine Nichte des Philologen und Reformators

Philipp Melanchthon und schuf zahlreiche bedeutende ­ l­t arwerke, so etwa für die Weimarer Stadtkirche (1555) oder A St. Marien in Wittenberg (1560), wo er später auch beigesetzt werden sollte. Mit der Etablierung der Reformation in der zweiten Jahrhunderthälfte des 16. Jahrhunderts nahm die Vielfalt der Bildthemen indes erst einmal ab, die alttestamen­ t a r ischen ebenso w ie die my t holog ischen oder die höfisch-anzüg­l icheren Motive wurden zurückgedrängt, stattdessen entwickelte sich eine protestantische Bildtradition, an der die Cranach-Werkstatt entscheidend mitwirkte. In der Johanniskirche in Dessau, in der Stadtkirche Wittenberg ebenso wie in Meißen (Dom), Neustadt an der Orla (Stadtkirche) und in Schneeberg (St. Wolfgang) sind die ­A ltarwerke der Cranachs bis heute an ihren ursprünglichen Aufstellungsorten zu sehen. Lucas Cranach, dem Vater, war es vorbildlich gelungen, sich an die neue Zeit anzupassen, seine Werkstatt blühte und die Bildproduktion zog an. Bilder als solche wurde alsbald als einf lussreiches Massenmedium und Werbemittel erkannt, der Fortgang der Geschichte des Buch- und Bilderdrucks ist hinlänglich bekannt. Humanismus und Reformation, ebenso der zunehmende Kulturtransfer ließen dann auch neue Themen in den Bildkanon gelangen. Im Zuge der frühen Ausprägung einer „Globalisierung“ der Handelsbeziehungen und -routen (und selbstverständlich mithilfe des Plattendruckverfahrens) reisten inzwischen nicht nur Waren, sondern eben auch Ideen und Bilder um den Globus. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatten sich zudem die politischen wie die gesellschaftlichen Machtverhältnisse in Europa verschoben. Geltung und Einfluss von Kaiser und Kirche schwanden allmählich. Das sich etablierende Bürgertum wurde selbstbewusster und mischte nun auch in der Kultur mit, wurde Auftraggeber und Förderer, Sammler und Liebhaber. In jüngerer Zeit hat die moderne Cranach-Forschung mit dem Cranach Digital Archive das Werk des älteren Cranach wie auch dasjenige seines Sohnes näher untersuchen können. Viele neue Zuschreibungen lassen vor allem den jüngeren Maler nun in einem neuen Licht erscheinen. Erst jetzt konnte seine Vorliebe für aufwendige, figurenreiche Darstellungen, ihre reiche Farbigkeit und exquisite Schönheit endlich vollumfänglich erschlossen und wertgeschätzt werden.


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Lucas Cranach d. Ä., „Sibylle von Cleve“, 1526,

speziell die drei Thüringer Ausstellungen zu Lucas Cranach dem Jüngeren unter dem eigenen Titel „Bild und Botschaft“ zusammenbindet. Wer eine noch tiefer gehende Beschäftigung mit den Cranachs sucht, wird beim CDA, dem Cranach Digital ­A rchive, fündig: www.lucascranach.org. – Hier ist die aktuelle Forschungslage zu beiden Cranachs auf übersichtliche Weise gebündelt: Bilder, ihre Provenienzen, Datierungen, Zuschreibungen, neue Erkenntnisse aus den Restaurierungen, Quellenangaben, Interpretationen ... So nah und buchstäblich unter die Haut wird man einem CranachWerk weder in einer Kirche noch im Museum kommen können. Zoomfunktion, Pigmentanalysen und Infrarotreflektografie machen dies möglich. Noch nie war die Genese eines Bildes so gut nachvollziehbar: die Veränderungen und Wandlungen, die die Bilderzählungen erfuhren, Motive, Farben, Haltungen, Unterzeichnungen und noch vieles mehr. K ATJA BEH REN S

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Offenbar verstand auch Lucas Cranach der Jüngere, sich dem strengen protestantischen Bildergebot hin und wieder ein wenig zu widersetzen – und gleichzeitig die Bildpropaganda der Reformation malerisch überzeugend mitzutragen. Ein Maler, der auch zwischen den Stühlen einen bequemen Platz gefunden hatte. Zu seinem 500. Geburtstag wird in diesem Jahr in ­et­l ichen Museen sein Werk und Wirken erforscht und der ­Ö ffentlichkeit präsentiert. Entlang der originalen Wirkungsorte der beiden Cranachs in Sachsen, Sachsen-Anhalt, T hü r i ngen u nd Bayer n la ssen sich d ie „W E GE Z U CRANACH“ im ganz eigenen Tempo und auf individuellen Routen nachgehen. In Museen, Archiven, Kirchen und Schlössern ist alles zu finden, was es derzeit zur Malerfamilie Cranach zu sehen und zu erleben gibt. Der wichtigste Linktipp: www.wege-zu-cranach.de. – Hier sind die einzelnen Stationen mit ihren jeweiligen Ausstellungen und Projekten umfassend beschrieben. Ebenso gibt es einen Pfad unter www.klassik-stiftung.de oder auch www.luther-in-thueringen.com, der

F R Ü H J A H R 2 015 — C R A N A C H

Klassik Stiftung Weimar


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Wege zu Cranach B A S E L : C R A N AC H U N D KO L L E G E N

Eine Ausstellung, die im deutschen Cranach-2015-Kalender nicht auftaucht, aber dennoch eine gehaltvolle Ergänzung darstellt, ist wohl die Ausstellung des Kunstmuseums Basel. Das Museum besitzt einen der größten Bestände spätmittelalterlicher Malerei. Die grandiose altmeisterliche Sammlung, die jetzt mit der Ausstellung „Holbein. Cranach. Grünewald“ aufgeblättert wird, veranschaulicht den erweiterten Kontext, in dem die Gemälde Lucas Cranachs des Jüngeren zu verorten sind. Ein großer Bogen spannt sich von den Werken des Malers Konrad Wit z (um 1 40 0 – 1 4 4 6), den im f r ühen 15. Jahrhundert als Vertreter der Spätgotik beziehungs­weise der frühen Renaissance nördlich der Alpen Probleme der perspekti­v ischen Raumgestaltung bewegten und künstlerisch umtrieben. Der Maler, Zeichner und Kupferstecher Hans Baldung Grien (1484/85–1545) ebenso wie Hans Holbein der Ältere und der Jüngere, auch sie Vater und Sohn, nehmen mit ihren Porträts und Altarbildern eine Scharnierposition an der Schwelle zur Neuzeit ein. Ähnlich wie auch Matthias Grünewald und Lucas Cranach der Ältere schufen sie sakrale wie auch profane Bilder und brillierten in beiden Sujets, haben doch die verschiedenen Bildformen gleichermaßen zum Vordringen der Renaissance beigetragen. Und auch Lucas Cranach der Jüngere hatte seinen Platz gefunden in dieser ehrwürdigen Malerriege. So ist die Baseler Ausstellung gleichsam ein wunderbarer Prolog und die richtige Einstimmung zum Cranach-Jahr. 11. Apr il 2015 bis 28 . Febr uar 2016 „ H o l b e i n . C ra n a c h . G r ü n e w a l d . Meister werke aus dem Kunst museum Basel“ im Mu se um de r Kult ure n B a sel

Hans Holbein d. J. (um 1497/1498 –1543), „Laïs Corinthiaca“, 1526 Mischtechnik auf Lindenholz, 35,6 x 26,7 cm © Kunstmuseum Basel, Amerbach- Kabinett, 1662 Foto: Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler

D E S S AU - R O S S L AU : „ Z W I S C H E N R E N A I S S A N C E U N D R E F O R M AT I O N – H AU P T W E R K E VO N C R A N AC H D. Ä . U N D C R A N AC H D. J .“

Hier in Dessau sind einige der Hauptwerke beider Cranachs zu finden, Gemälde und Altarwerke des Vaters aus seiner frühen vorreformatorischen Phase ebenso wie Bildwerke des welt­ zugewandteren Sohnes, der die christliche Lehre in seinen Bildern eher ohne großes Pathos schilderte. Besonders schön aber ist wohl die gelungene Mischung, die sich in der Zusammenarbeit beider Künstler zeigt, sowie die Einbettung der Arbeit beider in den größeren Kontext der Renaissancemalerei ihrer berühmten Kollegen.

C O B U RG : J AG DAU S F L U G M I T F O L G E N

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F R Ü H J A H R 2 015 — C R A N A C H

E I S E N AC H : „ B I L D U N D B O T S C H A F T.

Er dauerte insgesamt wohl nur ein halbes Jahr, doch der Aufenthalt Lucas Cranachs des Älteren im Jagdlager auf der Veste Coburg, auf die er Kurfürst Friedrich den Weisen und dessen Bruder Johann den Beständigen im August 1506 begleitete, hatte weitreichende Folgen für den Künstler. Nicht nur konnte er seine malerischen Fertigkeiten bei Darstellungen der Jagd und damit verbundenen Motiven perfektionieren, auch seine Stellung als kursächsischer Hofmaler wurde durch den gemeinsamen Jagdausflug gefestigt. www. k un st sammlunge n- coburg. de

D I E L U T H E R P O R T R ÄT S D E R C R A N AC H -W E R K S TAT T “

Wer an Martin Luther denkt, hat mit ziemlicher Sicherheit ein Bild Lucas Cranachs des Älteren vor dem inneren Auge, hat doch der Maler unzählige Porträtbilder des Reformators geschaffen. Verbreitung und Tradierung des nach wie vor präsenten „Luther-Bildes“ gehen in erster Linie auf die Cranach-Werkstatt zurück, die fast wie eine PR-Agentur mit den ikonischen Bildnissen Luthers Konterfei im kollektiven Gedächnis verankern konnte. 2 . Apr il bis 19. Juli 2015 L u t h e r- B i l d n i s s e u n d a n d e r e We r k e v o n C ra n a c h , Va t e r u n d S o h n , a u f d e r Wa r t b u r g www. war tburg- eisenach . de


BEGE Galerien

PERSPEKTIVEN AUS STAHL · STEIN · HOLZ Hauser · Knubben · Röthel · Kernbach · Göhringer

2. Mai bis 3. Oktober 2015 · Landschaftspark Gut Hohen Luckow

Sati Zech · Armin Göhringer Körperklang 23. 1. – 14. 3. 2015 art KARLSRUHE Halle 3 · F 05/06 5. 3. – 8. 3. 2015 30 +1 Doppel-Jubiläumsausstellung 14. 10. 2014 – 20. 6. 2015 Till Augustin Nie genug ! Zeit ! 22. 3. – 9. 5. 2015 Hohen Luckow Künstler Kleinskulptur in Ulm 20. 5. – 4. 7. 2015 schwarzweiß – weißschwarz Unikate · Grafik · Skulptur 10. 7. – 5. 9. 2015 Heinz Mack Grafik · Objekte · Skulptur 12. 9. – 21. 11. 2015 Erich Hauser Stahlplastik · Zeichnung · Grafik 27. 11. 2015 – 16. 1. 2016 BEGE Galerien Postfach 2049 89010 Ulm www.bege-galerien.de

Galerie am Saumarkt Fischergasse 34 89073 Ulm Tel +49 (0) 179 . 4 83 41 88 Mo und Di nach Vereinbarung, Mi bis Sa 13 – 18 Uhr

Fischerplatz Galerie Fischergasse 21 89073 Ulm Tel +49 (0) 731 . 6 33 49 Mo und Di nach Vereinbarung, Mi bis Sa 13 – 18 Uhr


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ERFU RT

Auch hier, im Kunstmuseum in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt, wird den „Weggefährten der Reformation“, Cranach und Luther, nachgegangen. Bemerkenswert sind darüber hinaus die acht Pfeilerbilder im Erfurter Dom, sind sie in ihrer katholischen Ausrichtung doch „ein wichtiges künstlerisches Zeugnis für die theologische Auseinandersetzung in der Stadt Erfurts zur Zeit Luthers“. 2 7. J u n i b i s 2 0 . S e p t e m b e r 2 0 1 5 „ K o n t ro v e r s e u n d K o m p ro m i s s . Der Pfeilerbild zyklus des Mar iendoms und die Kult ur der B i k o n f e s s i o n a l i t ä t i m E r f u r t d e s 1 . J a h r h u n d e r t s“ Anger museum Erf ur t www. anger museum. de

K R O N AC H

Die Geburtsstadt von Lucas Cranach dem Älteren, nach der er sich sogar später nannte, darf beim Geburtstagsjubiläum des Sohnes freilich nicht fehlen, obschon es hier etwas weniger um die Werke Lucas Cranach des Jüngeren geht. Über die ­F amilienverhältnisse und verschiedene Etappen im Leben und Wirken des Vaters ist dennoch allerhand zu erfahren. ­Außerdem fungiert die Festung Rosenberg als Zweigstelle des Bayerischen Nationalmuseums München; sie beherbergt eine fulminante Sammlung spätgotischer fränkischer Kunst aus dem Dürer-Umkreis. März bis Ok tober 2015

M E I S S E N & N E U S TA D T A N D E R O R L A

Auch in Meißen und Neustadt an der Orla finden sich hauptsächlich Arbeiten und Werkspuren des älteren Cranach: grandios, unvergleichlich, sehenswert. Genauso wie die Kirchen und Klöster, in denen die Arbeiten zum Teil immer noch anzutreffen sind. Auf der Seite www.wege-zu-cranach.de kann man sich umfänglich informieren und herausfinden, welche Routen man einschlagen sollte, um am besten den eigenen Vorlieben und Interessen zu folgen. Lucas Cranach der Ältere, „Christus und Maria Magda“

S e h e n s w e r t : D e r D o m z u M e i ß e n (w w w . d o m - z u - m e i s s e n . d e)

Herzogliches Museum Gotha

und die Stadtk irche St . Johanni s in Ne u stadt an de r Orla (w w w . k i r c h g e m e i n d e - n e u s t a d t- o r l a . d e) – b e i d e m i t o r i g i n a l e n C ra n a c h s i n s i t u .

GOTHA: „ B I L D U N D B O T S C H A F T – C R A N AC H I M D I E N S T VO N H O F U N D R E F O R M AT I O N “

S C H N E E B E RG :

Aus Anlass des Thüringer Themenjahres „Bild und Botschaft“ hat man in Gotha eine Schau eingerichtet, die ihr besonderes Augenmerk auf die Funktion der Kunst in der Reformationszeit richtet. Bilder dienten seinerzeit eben nicht mehr nur der privaten Andacht oder kollektiven Erbauung, sie wurden auch ganz bewusst als Propagandainstrument für die neue christliche Bewegung genutzt.

Der Schneeberger Reformationsaltar, der 1945 wunderbarerweise einen ansonsten zerstörerischen Fliegerangriff überstanden hat, ist eines der größten Werke der Malerfamilie Cranach. 1532 in Auftrag gegeben und 1539 von Cranach dem Älteren und seiner Werkstatt fertiggestellt, folgt die Erzählung der Bildtafeln einem strengen theologischen Programm, das Christus als Erlöser in den Mittelpunkt stellt.

29. März bis 19. Juli 2015

K i r c h e S t . Wo l f g a n g , S c h n e e b e r g

C ra n a c h - G e m ä l d e d e r a l t e n ,

w w w . s t- w o l f g a n g - s c h n e e b e r g . d e

besonders g ut dok ument ier ten Sammlung Herzogliches Museum – St if t ung Fr iedensstein, Gotha www. st if t ung f r iedenstein. de/ herzogliches-museum


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T O RG AU :

Die ehemalige sächsische Residenzstadt Torgau mit ihrem prächtigen Renaissance-Stadtkern und Schloss Hartenfels gilt nicht nur als politisches Zentrum der Reformation, ­s ondern war auch eine wicht ige Wirkungsst ätte der Cranach-Werkstatt, geht doch die Ausgestaltung des Schlosses mitsamt Schlosskapelle, dem überhaupt ersten evangelischen Kirchenneubau, auf deren Entwürfe und Ausführungen zurück. 15 . Mai bis 31.Ok tober 2015 „ L u t h e r u n d d i e F ü r s t e n . S e l b s t d a r s t e l l u n g u n d S e l b s t­ v e r s t ä n d n i s d e s H e r r s c h e r s i m Z e i t a l t e r d e r R e f o r m a t i o n“ S c h l o s s H a r t e n f e l s , To r g a u www. schloss-har tenfels. de

WEIMAR

„ C ra n a c h i n We i m a r“ S c h i l l e r- M u s e u m , We i m a r w w w . k l a s s i k - s t i f t u n g . d e /c ra n a c h w w w . c ra n a c h 2 0 1 5 . d e

Fränkische Galerie Kronach, © CAB Artis, Foto: Tim Hufnagl

L U T H E R S TA D T W I T T E N B E RG

In Wittenberg hatte Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel verfasst und 1517 an die Tür der Schlosskirche genagelt. Der Reformator ist indes nicht die einzige Berühmtheit der Stadt, denn auch die Malerfamilie Cranach wirkte hier für viele Jahre. Im Cranach-Jahr 2015 wird nun also nicht allein der malende Vater, sondern ausdrücklich auch Lucas Cranach der Jüngere geehrt, die Cranach-Stiftung mit Cranach-Haus und Cranach-Höfen beleuchtet schließlich die Wirkungsstätte der gesamten Malerfamilie. Der 1547 geweihte Reformationsaltar, den Vater und Sohn gemeinsam für die Stadtkirche St. Marien geschaffen haben, wurde 1996 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Vom 26. Juni bis 1. November 2015 werden in der Landesausstellung Sachsen-Anhalts „Cranach der Jüngere – 2015“ in Wittenberg einige der hocherotischen Gemälde Lucas Cranachs „den Besuchern die Köpfe verdrehen“. w w w . c ra n a c h - s t i f t u n g . d e

WÖ R L I T Z

Lucas Cranach d. J., „Christus und die Ehebrecherin“, um 1535/40, Klassik Stiftung Weimar

Die weltweit älteste und umfangreichste Sammlung von Gemälden der beiden Cranachs findet sich im Gotischen Haus des Wörlitzer Parks. www. woerlit z-infor mat ion. de

F R Ü H J A H R 2 015 — C R A N A C H

3 . Apr il bis 1 4 . Juni 2015

Cranach-Werkstätte, Vater und Sohn Cranach, „Venus und Amor“,

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„In Weimar“, so heißt es auf der Ankündigungsseite, „dem letzten Wirkungsort des Älteren, sollen unter anderem die neuesten kunsthistorischen, theologischen und biografischen Erkenntnisse über die Cranachs präsentiert werden.“ Das Schiller-Museum Weimar hat seine eigenen reichen Bestände an Gemälden, Grafik und Buchkunst unter diesem thematischen Fokus erstmals so umfassend wissenschaftlich bearbeitet. Mit der Ausstellung „Cranach in Weimar“ zum Thüringer Themenjahr „Bild und Botschaft“ wurden also allerhand Schätze gehoben. Eines der wichtigen bildlichen Zeugnisse der Thüringer Reformationsgeschichte findet sich fernerhin in der Stadtkirche St. Peter und Paul: der Cranach-Altar, auf dem neben den Stiftern nicht nur Martin Luther, sondern auch Lucas Cranach der Ältere von seinem Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren verewigt wurde.


22. März – 19. Juli 2015

Die Ausstellung »Romantik im Rhein-Main-Gebiet« wird finanziert durch die STIFTUNG GIERSCH in Kooperation mit dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Getragen wird der gemeinnützige Fonds vom Land Hessen, von Frankfurt am Main, dem Hochtaunuskreis und dem Main-Taunus-Kreis, Darmstadt, Wiesbaden und Hanau. Weitere herausragende Kunst- und Kulturprojekte finden Sie unter www.kulturfonds-frm.de / FB / Twitter

Edward Jakob von Steinle: Bildnis der Tochter Karoline von Steinle, um 1840/45, Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski, Dresden

Romantik im Rhein-Main-Gebiet


Sebastian M eschenmoser

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Abgrund

„Beute“, 2014, Öl auf Leinwand, 160 x 180 cm

reine Malerei, die ganz unverhüllt ihren Duktus offenbart und dadurch schon Spaß am Schauen bereitet. Meschenmoser baut auf inhaltlicher Ebene in fast ­jedem Bild eine Art „Sollbruchstelle“ in die Szenerie ein; manchmal ganz offensichtlich wie im Titelbild, manchmal subtiler. Die Rollen von Mensch und Tier werden vertauscht; da schießen plötzlich Hasen auf Menschen. Im „Gebüsch“ machen sich die Langohren an einem liegenden Mann zu schaffen, in einer anderen Arbeit liegt ein Bär auf einem Schrank. Aber immer wieder sind es die Hasen in Meschenmosers Bildern, die zu Antipoden des Menschen werden. Es hat den Anschein, als seien sie durch ihre Kleider der tierischen Welt entfremdet und forderten nun von den Jägern und Trappern „Revanche“. So deutlich geschieht dies bei den ­a nderen Tieren in Meschenmosers Bildkosmos nicht. Zwar sind die Wölfe in „Pyramide“ oder „Monument“ wie Artisten zu einem akrobatischen Kunststück aufeinandergestellt oder Luchse werden zu mystischen Wesen, sie bleiben aber immer Tiere, wenngleich sie in eine Umwelt eindringen, die nicht ihre natürliche ist. Zuweilen driftet Meschenmoser ins Modellhafte ab wie bei den Bildern „Miniatur“ und „Kommode“. Absonderlich verschränken sich dann die Sichtweisen auf die Dinge. Letztendlich sind diese Verfremdungen und Verwirrungen

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Ein Mann mit Gewehr im Anschlag kniet nieder, bereit zum Schuss. Ein anderer reitet ihm stürmisch entgegen, das steigende Pferd kann er kaum zügeln. Einiges scheint hier außer Rand und Band zu sein. Männer in Stiefeln und schweren Mänteln befinden sich in einer wilden Schlacht gegen eine Horde Hasen und andere Tiere des Waldes. Das Ganze spielt sich ab an einer Schlucht, die am rechten Bildrand erscheint. „Abgrund“, so der Titel des zentralen Gemäldes von Sebastian Meschenmosers neuer Werkgruppe. Aber so gewalttätig die ganze Szenerie auch ist, so seltsam skurril, ja beinahe heiter scheint das Ganze zu sein. Wir sehen die Schilderung einer ­G eschichte aus einer anderen Welt, einer Welt, von der wir nicht wissen, ob sie einer anderen Zeit entstammt oder bloße Fiktion ist. Entscheidend bei Sebastian Meschenmosers Malerei ist, dass sie auf erfrischende Weise retrospektiv daherkommt. Der Bildraum ist wohlkomponiert, aus einem Guss auf die Leinwand gesetzt. Hier ist nichts zu spüren von dem künst­l ichen Verschachteln, Brechen und „Sampeln“, wie man es allzu oft und ermüdend in der aktuellen Malerei beobachten kann. Die Malweise einzelner Bilder erinnert an die spät­ impressionistische Leichtigkeit, die man nur dank einer virtuosen Beherrschung der Mittel erhält. Im Detail sieht man

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Courtesy Galerie Greulich, Frankfurt/Main


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„Abgrund“, 2013, Öl auf Leinwand, 170 x 270 cm Courtesy Galerie Greulich, Frankfurt/Main

wesentlich und wichtig in dieser Malerei, nicht zuletzt, um Fehldeutungen beim Betrachter zu verhindern. Denn Dank dieser Kontextverschiebungen wird aus den grandios ­ge­malten Landschaften und Interieurs ein Stück junger zeitgenössischer Malerei. In dem Opus magnum „Abgrund“ steigert Sebastian Meschenmoser seinen erzählerischen Drang ins Anekdotische. Die Hauptszene des Reiters und des Mannes mit dem Gewehr wird flankiert von vielen Randszenen, die den Kampf der Hasen gegen die Siedler, Jäger ... was auch immer ... schildern. Die Körper der einzelnen Protagonisten sind in solch unterschiedlichen und kühnen Posen zu sehen, als wolle uns Meschenmoser sein ganzes Repertoire an Darstellungsmöglichkeiten von Figuren zeigen. Er knüpft damit an die beinahe in Vergessenheit geratene große Maltradition der Historienmalerei an. Gemälde, die fern aller inhaltlichen Komponenten dem Maler einiges an Kompositionsgespür und malerischer Kompetenz abverlangen. Viele Figuren müssen in einer Landschaft Dynamik und Ausgewogenheit erreichen. Sebastian Meschenmoser ist ein Maler, der sich über seine Werkgruppen jeweils eine eigene kleine Schöpfung aufbaut. Dabei kann es durchaus sein, dass einzelne Bilder verschiedener Phasen inhaltlich miteinander verbunden sind. So schließen die aktuellen Arbeiten eng an die davor liegenden Zyklen an. Andere Themen waren bei Meschenmoser der „Selenit“, ein geheimnisvoller Mondbewohner, um den herum eine ganze Reihe von Gemälden entstanden ist. Es ist bezeichnend, dass sich diese Zyklen des in Berlin lebenden Malers seit einigen Jahren um einen Protagonisten ranken, dessen Vorlage der Künstler selbst ist. Dies ist im ersten Moment nicht mehr als eine kleine Anekdote aus dem Atelier, bekommt aber eine ganz spezielle Note, wenn dieser, etwa in „EasternLynchParty“, von seinen eigenen Geschöpfen aufgeknüpft wird. Sebastian Meschenmoser ist ein kenntnisreicher Maler, der ohne Berührungsängste in der Geschichte seines Metiers und der Literatur stöbert. Sein Fundus ist dabei nicht lediglich

die Popkultur oder das Kunstgeschehen der vergangenen Jahrzehnte. Bewusst überschreitet Meschenmoser diese engen Grenzen des Zeitgenössischen. So lassen die neuen Arbeiten Assoziationen an die nordamerikanische Malerei des 19. Jahrhunderts zu. In der Auffassung der Landschaft und des Waldes werden Parallelen offenbar. Das Souveräne an Sebastian Meschenmosers Arbeit liegt in seinem Selbstbewusstsein begründet, sich von Trends gelöst und eine Eigenständigkeit entwickelt zu haben, die sich wieder ganz auf die Möglichkeiten der Malerei stützt. Was zunächst vielleicht ein wenig konservativ klingen mag, ist in Wahrheit ihre Befreiung von dem allzu kritischen Überbau,


ANDREAS WENZ

w w w . s e b a s t i a n - m e s c h e n m o s e r. d e www. gale r ie -g re ulich . de

F R Ü H J A H R 2 015 — K Ü N S T L E R

Wie Meschenmoser formal zwischen bewundernswerter ­ ltmeisterlichkeit und Kühnheit pendelt, so changiert er A ­i nhaltlich zwischen Anekdotenhaftem und schwarzem ­Humor, der das Ganze ad absurdum führt. Der Maler stößt für uns die Tür auf zu einer anderen Welt und vielleicht müssen wir wie Alice im Wunderland nur dem weißen ­K aninchen folgen.

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mit dem die aktuelle Malerei wie die zeitgenössische Kunst überhaupt oft überfrachtet ist. In seinem Selbstverständnis ist Sebastian Meschenmoser kein Feuilletonist oder Gesellschaftswissenschaftler, dessen Kunst eine Versuchsanordnung für den Betrachter darstellt. Meschenmoser ist Maler, und als solcher besinnt er sich auf die Aufgabe, die sich die Malerei einmal selbst stellte. Meschenmoser ist ebenso kein politischer Künstler, ­g e­s ellschaftliche Zusammenhänge interessieren ihn zu­ mindest derzeit nicht. Und auch konzeptuelle Konstrukte sind seine Sache nicht. Sein Ziel ist es, mittels Farbe eine ­G egenwelt zu schaffen zu unserer alltäglichen Bilderwelt.


Internationaler ­M useumstag

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17. M ai 2015

Alte Pinakothek Foto: Vivi D´Angelo

MUSEUM. GESELLSCHAFT. ZUKUNFT. In ganz Deutschland laden die Museen an diesem Sonntag zu besonderen Aktionen, Museumsfesten oder einem Blick hinter die Kulissen ein. Sie zeigen, welche Schätze sich in ihren Sammlungen finden lassen, mit welchen innovativen Ideen sie ihre Besucher begeistern und wie sie unser kulturelles Erbe bewahren und vermitteln. Das diesjährige Motto „MUSEUM. GESELLSCHAFT. ZUKUNFT.“ richtet den Blick auf die Museen als Orte der Zukunft. Viele Menschen denken, Museen seien nur auf die Vergangenheit gerichtet, denn Bestandteile der Sammlungen sind oftmals historische, also „alte“ Objekte. Doch das, was heute historisch ist, war einmal up-to-date und auch heute finden viele Dinge der Gegenwart Eingang in Museumssammlungen. Museen bewahren heute, woran wir uns morgen erinnern wollen. Deshalb arbeiten Museen auch nicht rückwärtsgewandt – im Gegenteil! Viele Ausstellungen verknüpfen historische Rückschau mit gesellschaftlichen Themen der Gegenwart und stellen Fragen an die Zukunft. Themen wie Migration, Klimawandel, Stadtentwicklung ­sowie technischer Fortschritt werden dabei mit Hilfe aktu­ eller Ausstellungsformen und dem Einsatz von Social Media in den Fokus gerückt. Mit innovativen Ideen und kreativen ­A ngeboten begleiten Museen gesellschaftliche Entwicklungen, bieten Partizipation für alle und schaffen barrierefreie Zugänge. Museen übernehmen damit eine gesellschaftliche

Verantwortung und leisten einen entscheidenden Beitrag für unsere Zukunft. Wie erfolgreich sie dies umsetzten, erleben Sie bei einem Besuch. Überzeugen Sie sich und seien Sie beim Internationalen Museumstag 2015 dabei. Die Möglichkeit selber aktiv zu werden bietet der Inter­n ationale Museumstag in diesem Jahr erneut mit einer Social-Media-Aktion. Unter dem #MuseumSound wird das Motto 2015 akustisch erlebbar. Wie klingt Museum? Welche Geräusche machen die Exponate? Was haben Museen und Museums­b esucher zu sagen? Die Ergebnisse können vielfältig sein. Das beginnt mit dem Röhren der Zwölfzylinder in einem ­Automobilmuseum, geht weiter über das rhythmische ­Schlagen der Dreschflegel im Freilichtmuseum und hört bei historischen Musikinstrumenten längst nicht auf. Das Interview mit der Kuratorin, in dem sie sich über das „Museum der Zukunft“ äußert, die Aufnahme des freudigen Gemurmels kurz vor dem Beginn einer Führung, Gedankenfetzen zu einzelnen Objekten, ein Zusammenschnitt von Zitaten aus verschiedenen Führungen, eine wilde Eigenkomposition als Ode an das Lieblingsmuseum, der Klang eines Museums bei Nacht ... so vieles ist denkbar, so vieles wartet darauf, entdeckt und geteilt zu werden. We i t e r e I n f o r m a t i o n e n u n t e r w w w . m u s e u m s t a g . d e

Welche Geräusche machen Exponate? Was haben Museen und Museumsbesucher zu sagen? Die Ergebnisse können vielfältig sein. Die Aktion #MuseumSound läuft bis zum Internationalen Museumstag am 17. Mai 2015.


A r t e L u is e Ku ns t h o t e l

konse quent umgeset z t – inklusive

L u i s e n s t r a ß e 19

M öblierung und sonstiger Ausst at t ung –

10117 B e r l i n

und Ref ugien geschaf f en, die d em G ast

w w w.l u i s e - b e r l i n.c o m

als eine Einstimmung auf die M use en und

1995 als aut hentisches, B erliner Künst l er-

B erlin dienen können o d er ab er auch d er

projek t eröf f net, hat sich die „Luise” in

Inspiration o d er B esinnung.

G al erien d er Kunst - und Künst l ermet rop ol e

einmaliger La ge in B erlin Mit t e zu einem komf or t abl en H ot el ent wickelt. In einem sorgf ältig rest aurier t en, klassizistischen St adt p alais aus d em J ahre 1825 und einem archit ek tonisch int eressant en Er weit erungsneub au aus 20 03 st ehen Foto: © arcona LIVING BACH14

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a r co n a L I V I N G BAC H14

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lität die sich im charmanten Schlossberg ­ h o t e l – D a s Ku n s t h o t e l v e r e i n e n. I n 49  Zi m m e r n, 4 S u i t e n u n d 8 A p a r t m e n t s v e r b i n d e n s i c h O r i g i n a l - Ku n s t w e r ke u n d ko s t b a r e A n t i q u i t ä t e n u n d k r e i e r e n e i n e i n z i g a r t i g e s Wo h n g e f ü h l, d a s z u m

B E L L E V U E PA L AC E

hot el so einzigar tig. Es ist damals wie

W i e d e r ke h r e n e i n l ä d t.

Ko c h e r g a s s e 3 - 5

heut e Tref f punk t f ür Politiker und

Michael Schuster, Color Checker,

3000 Bern 7

Diplomat en, S chauplat z in J ohn l e Carrés

w w w.b e l l e v u e - p a l a c e.c h

Spiona genovell en, ab er auch unkompli zier t er B e ge gnungsor t f ür ganz B ern.“

Schloßberghotel, 2013, Foto: David Auner

„Das B ell ev ue Pala c e verkörp er t auch na ch 10 0 J ahren no ch d en G eist d er B ell e Ep o que und in d en prä chtigen S alons spür t man bis heut e «gel ebt e G eschicht e». Das B ell ev ue Pala c e ist einziges G rand H ot el d er H aupt st adt und zugl eich das pul sierend e G äst ehaus d er S chweizer Re gierung. Die grandiose «B ell e Vue» auf die B erner Alp en und die herzliche G ast f reundschaf t ma chen dieses Luxus ­ Foto: BELLEVUE PAL ACE

145


146

Appetizer Die K un s t , z u e nt d e cke n R edak t ion : Marc Peschke tour ist @ar t mapp. net

Ant werpen

Darmst ad t

Rubens in

Licht er f est

Fland ern

Basel B e r e i t s v o r 10 0 J a h r e n w u r d e

Ar t & Design Die kunst - und kulturhistori s c h e B e d e u t u n g d e r Re g i o n

die Mathildenhöhe zu s p ez i e l l e n L i c h t e r f e s t e n f a r b i g

S pe cial

i l l u m i n i e r t. D a s d i e s j ä h r i g e

Fl a n d e r n w i r d i n d e n

Illuminationsfest zu den

ko m m e n d e n M o n a t e n n o c h

Darmstädter Jugendstiltagen

e i n m a l d u r c h z w e i h o c h ka r ä t i -

D i e Ku n s t w e l t a m R h e i n k n i e

ge Ausstellungen unterstri-

ist voller faszinierender

g r e i f t v o m 22. b i s 24 . M a i Zentrum Paul Klee, Bern

diese sehr besondere

c h e n. A u f d e r n e u g e s t a l t e t e n

H ö h e p u n k t e. B a s e l To u r i s m u s

We b s e i t e ka n n m a n s i c h ü b e r

hat daher verschiedene

Ve r a n s t a l t u n g e n u n d T h e m e n

A r r a n g e m e n t s i m A n g e b o t,

u m 19 0 0. W i n d l i c h t e r,

i n f o r m i e r e n.

w e l c h e d i e Ku n s t - u n d

Lampions und die lichtinsze -

Ku l t u r h a u p t s t a d t d e r S c hw e i z Ei n H ö h e p u n k t i s t d i e

u n d i h r e S e h e n s w ü r d i g ke i t e n

A u s s t e l l u n g „ Ru b e n s p r i v a t “

v o r s t e l l e n. Vo r a l l e m d i e

Foto: Bern Tourismus

Tr a d i t i o n a u f u n d v e r s e t z t d i e Besucher zurück in die Zeit

Bern Museum Card

nier te Gebäude lassen die Kü n s t l e r ko l o n i e e r s t r a h l e n, w ä h r e n d f l a n i e r e n d e D a m e n,

i m Ru b e n s h a u s i n A n t w e r p e n,

Fo n d a t i o n B e y e l e r, d a s

Fü h r u n g e n, Fe u e r s h o w s u n d

d i e v o r a l l e m Po r t r ä t s z e i g t.

M u s e u m T i n g u e l y, d a s

Musik ein abwechslungsrei-

M a ß g e b l i c h j e n e d e r Fa m i l i e

Ku n s t m u s e u m B a s e l u n d d a s

Die Altstadt von Bern findet

c h e s P ro g r a m m v e r s p r e c h e n.

d e s M a l e r s, d i e a b d e m

Vitra Design Museum im

s i c h – s e i t 1983 s c h o n – a u f

Pa s s e n d d a z u z e i g t s i c h d i e

28.  M ä r z n u n z u m e r s t e n M a l

n a h e n We i l a m R h e i n l o h n e n

d e r L i s t e d e r We l t k u l t u r g ü t e r

Neupräsentation der

z u s a m m e n a n d e m O r t g ez e i g t

d e n B e s u c h. B a s e l To u r i s m u s

d e r U N ES CO. B i s h e u t e i s t d e r

Sammlung im Museum

w e r d e n, a n d e m Ru b e n s s i e

und die Ar t - & - Design - Museen

i m f r ü h e n 12. J a h r h u n d e r t

Kü n s t l e r ko l o n i e. Ei n e n t s p a n n -

einst geschaf fen hat – im

Basel bieten mit dem „ Ar t &

angelegte Stadtplan in seinen

t e s Wo c h e n e n d e v e r s p r i c h t

e h e m a l i g e n Wo h n h a u s d e s

D e s i g n S p e c i a l“ d i e Ü b e r-

G r u n d z ü g e n e r h a l t e n. D i e

a u c h d i e J u g e n d s t i l p a u s c h a l e.

mit telalterliche Altstadt bleibt

B a ro c k m a l e r s . S c h o n a m

n a c h t u n g m i t Ei n t r i t t i n d i e

13.  Fe b r u a r b e g i n n t d i e S c h a u

Sonderausstellungen und

erlebbar – auf spannende

„ I n s p i r a t i o n s“ ü b e r d e n

Sammlungen der vier Museen

We i s e, g a n z o h n e M u s e a l i s i e -

Ant werpener Designer Dries

w ä h r e n d 48 S t u n d e n.

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Va n N o t e n i m M o d e m u s e u m

Interessant ist auch das

M e n s c h e n.

M o M u. I n 21 Ka p i t e l n w i r d

Angebot zur Ausstellung

s e i n We r k v o r g e s t e l l t, d a s i n

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l i e g e n g e n a u h i e r, i n d e r

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Benutzung der öf fentlichen

Museen der Stadt Bern

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u n d ko s t e t 28 bz w. 35 Fr a n Hotels – oder buchbar über d i e We b s e i t e. Peter Paul Rubens, „Clara-Serena Rubens“ © Liechtenstein, The Princely Collections, Vaduz-Vienna Foto: Flandern Tourismus

Darmstädter Jugendstiltage Foto: Rüdiger Dunker, Darmstadt Tourismus

w w w.b e r n.c o m


Gr az Kul t urpass St eiermark

147 D e s h a l b s i n d d e r „ Ku l t u r p a s s“ und die Aktion „Hunger auf Ku n s t & Ku l t u r “ d e r S t e i e rm a r k e i n e g ro ß a r t i g e I d e e. Ei n g a n z e s N e t z w e r k v o n

Ku n s t u n d Ku l t u r ko s t e n G e l d.

Günther Uecker im K20, Düsseldorf Foto: Andreas Endermann, Kunstsammlung NRW © VG Bild- Kunst, Bonn 2015

Ku l t u r p a r t n e r n e r m ö g l i c h t

Es ist für viele Menschen mit

Ku l t u r p a s s - B e s i t z e r n d e n

ke i n e m o d e r g e r i n g e m

u n e n t g e l t l i c h e n Ei n t r i t t –

Ei n ko m m e n n i c h t e i n f a c h, a m

­f i n a n z i e r t v o n P r i v a t p e r­

kulturellen Leben teilzuneh -

s o n e n, I n s t i t u t i o n e n o d e r

m e n. A r b e i t s l o s e, M e n s c h e n,

S p o n s o r e n. D e r „ Ku l t u r p a s s“

d i e S oz i a l h i l f e b ez i e h e n,

w i r d v o n v i e l e n s oz i a l e n u n d

o d e r Fl ü c h t l i n g e kö n n e n s i c h

ka r i t a t i v e n Ei n r i c h t u n g e n

et wa Museumsbesuche of t

a u s g e s t e l l t.

n i c h t l e i s t e n. D o c h i s t d i e G r u n d v e r s o r g u n g m i t Ku l t u r

Düsseld or f

M e n s c h e n r e c h t.

Highlights 2015

w w w.h a k u k .m u r.a t

ein wichtiges Gut – ein

Fr ank fur t a. M . M onet

Düsseldor f ist schon seit vielen Jahren ein bedeuten Das ganze Jahr hindurch

s c h e Ku n s t. V i e l e n e u e

b i e t e t d i e M a i n m e t ro p o l e

Museen prägen die Stadt am

ihren Gästen kulturelle

R h e i n – d i e j u n g e Sz e n e

Ve r a n s t a l t u n g s h ö h e p u n k t e.

b e ko m m t s t e t s n e u e A n r e g u n -

D a s w o h l g rö ß t e Ku n s t e r e i g -

g e n d u r c h d i e w e l t b e ka n n t e

n i s d e s J a h r e s 2015 w i r d e i n e

D ü s s e l d o r f z u f a h r e n, u m d o r t

A u s s t e l l u n g i m S t ä d e l s e i n: „ Monet und die Geburt des I m p r e s s i o n i s m u s“ w i r d d i e

et wa die vielen renommier ten

frühen Ent wicklungen des

G a l e r i e n z u b e s u c h e n.

I m p r e s s i o n i s m u s b e l e u c h t e n.

D i e Ku n s t s a m m l u n g N o r d -

M i t d i e s e r g ro ß e n S c h a u

r h e i n -We s t f a l e n K 20 a m

e rö f f n e t d a s S t ä d e l M u s e u m

Grabbeplatz präsentier t bis

a m 11. M ä r z s e i n Fe s t j a h r

z u m 10. M a i d a s We r k

a n l ä s s l i c h s e i n e s 20 0 - j ä h r i -

G ü n t h e r U e c ke r s .

g e n J u b i l ä u m s . Fr a n k f u r t

M i t d e r A u s s t e l l u n g „ M i ró

To u r i s m u s h a t d a h e r

– M a l e r e i a l s Po e s i e“ w i d m e t

H alle /  S aale WAH N -SIN N

Moritz Götze „Georg Friedrich Händel“, Picture -Vinyl als Tusche / Vinyl, 2015 VG Bild- Kunst, Bonn 2015

verschiedene Arrangements

s i c h d i e Ku n s t s a m m l u n g N RW

i m P ro g r a m m, s p ez i e l l

Die Händelstadt Halle an der

Besonderer Höhepunkt in

v o m 13.0 6. b i s 2 7.0 9. J o a n

Fr a n k f u r t s Ku n s t s z e n e

S a a l e h a t s i e b e n „ Ku l t u r-

diesem Jahr ist eine Aus ­ s t e l l u n g i m Ku n s t m u s e u m

M i ró s l e b e n s l a n g e m I n t e r e s s e

ke n n e n z u l e r n e n. D a g i b t e s

h ä u p t l i n g e“: D a z u z ä h l e n d i e

f ü r d i e L i t e r a t u r.

e t w a d i e „ Fr a n k f u r t

Stif tung Händel - Haus

M o r i t z b u r g, d i e n o c h b i s z u m

D a s M u s e u m Ku n s t p a l a s t

­W e e ke n d s 2015“ – Wo c h e n -

(3 0. M a i b i s 14 . J u n i 2015

3. M a i z u s e h e n i s t : „ D u u n d

z e i g t v o m 10.10. 2015 b i s

endangebote für Individual -

H ä n d e l Fe s t s p i e l e ), d a s

i c h. B i l d n i s s e u n d S e l b s t ­

31.01.2016 e i n e u m f a s s e n d e

reisende – oder auch das

Ku n s t m u s e u m M o r i t z b u r g, d a s

p o r t r ä t s d e r B r ü c ke - M a l e r “.

L a n d e s m u s e u m f ü r Vo r g e -

B i s z u m 17. M a i z e i g t d e r

Sonderschau des spanischen M a l e r s Fr a n c i s c o d e Z u r b a r á n. H o t e l p a ke t e a b

A r r a n g e m e n t z u „ Ra y 2015 – Fo t o g r a f i e p ro j e k t e Fr a n k f u r t R h e i n/M a i n“.

EU R 79. f r a n k f u r t - t o u r i s m u s .d e d u e s s e l d o r f - t o u r i s m u s .d e

s c h i c h t e, d i e Fr a n c ke s c h e n

Ku n s t v e r e i n „Ta l s t r a s s e“

S t i f t u n g e n, d i e Ku n s t h o c h -

z u d e m d i e S c h a u „WA H N -

s c h u l e B u r g G i e b i c h e n s t e i n,

S I N N “, d i e J e a n D u b u f f e t u n d

d i e M a r t i n - L u t h e r- U n i v e r s i t ä t

Art brut aus der Münchner

H a l l e -W i t t e n b e r g s o w i e d i e

Sammlung Klewan präsen -

Ku l t u r G m b H H a l l e. S i e a l l e

t i e r t.

h a l t e n a u c h i m J a h r 2015 k u l t u r e l l e Ve r a n s t a l t u n g e n f ü r j e d e n G e s c h m a c k p a r a t.

w w w. s t a d t m a r ke t i n g - h a l l e.d e

F R Ü H J A H R 2 015 — A P P E T I Z E R

Ku n s t a ka d e m i e. I m m e r l o h n t e s, d e r Ku n s t w e g e n n a c h

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des Zentrum für zeitgenössi-


148

To u r i s m u s b i e t e t d i e Pa u s c h a l e „ E r l e b e d e i n Re v i e r “ a n, d i e a l l e „ Ru h r i s“ e i n l ä d t : A n z w e i Fr ü h l i n g s w o c h e n e n d e n s t e l l e n 18 H o t e l s G ä s t ez i m m e r z u m

Lübe ck

P r e i s v o n EU R 49 b e r e i t.

Jubiläumsjahr

w w w.r u h r- t o u r i s m u s .d e

St. Annen Ostse e bad Vo r 50 0 J a h r e n, i m J a h r 1515,

­A hr ensho o p

z o g e n Tö c h t e r r e i c h e r L ü b e c ke r Ka u f l e u t e i n d a s n e u

Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL)

e r b a u t e S t. - A n n e n - ­K l o s t e r e i n.

© Luzern Tourismus

Künstler­kolonie

In den folgenden 400 Jahren hat te das Haus dann

O berhausen

w e c h s e l n d e Fu n k t i o n e n – a l s A r m e n - u n d Wa i s e n h a u s, a l s We r k- u n d Z u c h t h a u s . S e i t g e n a u 10 0 J a h r e n w i r d das Gemäuer nunmehr a l s M u s e u m g e n u t z t.

Luzern Museums- Pass

Erle be d ein

g e l e g e n, i s t A h r e n s h o o p f ü r

Revier!

b e s o n d e r s r e i z v o l l. Wa s m i t den Landschaftsmalern des 19.  J a h r h u n d e r t s b e g a n n,

Ei n e h e r a u s r a g e n d e M u s e u m s -

50 0 J a h r e K l o s t e r, 10 0 J a h r e Jahr gefeier t: mit drei

z wischen Meer und Bodden N a t u r- u n d Ku n s t f r e u n d e

Dieses Doppeljubiläum – Museum – wird in diesem

Auf einer schmalen Landzunge

Ei n e s c h ö n e I d e e i s t d e r n e u e „ M u s e u m s - Pa s s“ i n L uz e r n. M i t

setzen heute verschiedene

d i c h t e u n d e i n e d e r i n t e r­

Kü n s t l e r h ä u s e r f o r t. I m

n a t i o n a l g rö ß t e n S a m m l u n g e n

vergangenen Jahr wurde hier

Ausstellungen und einem

d i e s e m ka n n m a n w ä h r e n d

moderner und zeitgenössi-

d a s Ku n s t ­m u s e u m n e u e rö f f n e t

v i e l f ä l t i g e n B e g l e i t p ro g r a m m

z weier aufeinanderfolgender

s c h e r Ku n s t : D a s b i e t e t d a s

– eine Ausstellungsstät te von

zur Jahrhundertschau

Ta g e b e l i e b i g v i e l e M u s e e n i n

Ru h r g e b i e t ! Zw a n z i g

ü b e r r e g i o n a l e r B e d e u t u n g.

„ L ü b e c k 150 0 “, a n d e m s i c h

d e r S t a d t b e s u c h e n. U n d d i e

Ku n s t m u s e e n i n f ü n f z e h n

Das ganze Jahr über lädt die

i n s b e s o n d e r e d i e g ro ß e n

A u s w a h l i s t w i r k l i c h v i e l f ä l t i g!

Städten haben sich anlässlich

Ku r v e r w a l t u n g A h r e n s h o o p z u

L ü b e c ke r K i r c h e n b e t e i l i g e n.

D a s Ve r ke h r s h a u s d e r S c hw e i z

d e r Ku l t u r h a u p t s t a d t

k u l t u r e l l e n Ve r a n s t a l t u n g e n

We i t e r e I n f o r m a t i o n e n u n d

ist das meistbesuchte Museum

R U H R .2010 u n t e r e i n e m

ein – et wa zum Ahrenshooper

Pa u s c h a l a n g e b o t e:

des ganzen Landes. Es zeigt

N a m e n z u s a m m e n g e s c h l o s s e n:

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die faszinierende Geschichte

Ru h r Ku n s t M u s e e n. A u s s t e l -

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s e l b s t g e l e b t. U n d d a s w a r n o c h n i c h t a l l e s: A l p i n e u m, H i s t o r i s c h e s M u s e u m, M i l i t ä r m u s e u m, N a t u r- M u s e u m und das Museum im Bellpark in Kriens sind weitere sehenswer te Aushängeschilder d e r f a c e t t e n r e i c h e n L uz e r n e r Kloster St. Annen

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Ausstellung „Ägypten – Göt-

tägliches Glanzlicht des

t e r. M e n s c h e n. P h a r a o n e n“

Fe s t i v a l s i s t d i e a l l a b e n d l i c h e

Tony Cragg, Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal

Wupper t al

Kü n s t l e r d e r M o d e r n e u n d

Tony Cr agg

v o n Ri c h a r d L o n g, J o h n

u n d a b 29. M ä r z d i e S c h a u

„ B i l d e r f l u t “ a u f e i n e r g ro ß e n

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G e g e nw a r t u m f a s s t, e t w a M c C r a c ke n, I a n M c Ke e v e r u n d A n d r e a s S c h m i t t e n,

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r h e i n -We s t f a l e n a n f a s t j e d e r

sowie in der Dauerausstel lung neue Arbeiten von Eva

B e s u c h e r z u G a s t. N o c h

S a a r : 2015 p r ä s e n t i e r e n s i e

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M ü n c h n e r P h i l h a r m o n i ke r n

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f o r Fu t u r e“.

mit Solistin Sol Gabet ta am

ten Ambiente des historischen

s t e l l u n g e n g ez e i g t.

Violoncello und den

Pa r k s, d e n d e r B i l d h a u e r

N RW To u r i s m u s b i e t e t f ü r d e n

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Foto: Christoph Markwalder

von den Quellen bis zur Mündung

Liechtensteinisches Landesmuseum

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160

A u s A m r e i ’s A r t b l o g Amrei Heyne (*1971) ist Galeristin in Stuttgart und berichtet sehr persönlich vom Suchen und Finden der Kunst.

Hardbrücke, Zürich

Paris Photo, Grand Palais

Kettenbrücke, Budapest

Café bau bau, Leipzig

Frei nach Kant: Sehen, was man muss, weil man will!, fand ich mich an Allerheiligen im Kunsthaus Zürich in der wagemutigen wie polarisierenden Bilderschau „Egon Schiele – Jenny Saville“. Die Schottin brilliert – der Österreicher parliert. Ein amerikanisches Künstlerpaar begleitete mich – bald schwiegen wir gemeinsam glücklich. Traumstadt Zürich! Nehmen Sie die Tram und sehen Sie sich das Löwenbräuareal mit Migros-Museum und Galerien an und auch in Zürich-West um, Linie 4 bietet eine herrliche Reise zum See und retour. Im Schaudepot des Museum für Gestaltung im Toni-Areal gibts ein Designstudium im Zeitraffer. Abends wirds unter der Hardbrücke wildromantisch. Meatpacking District, Dumbo like. Züri geht aus: in den Schiffbau zum Dinner, ins Schauspiel oder in den Jazzclub „Moods“. Spontan in die Stadt der Liebe und der Fotografie? Dank TGV ein Klacks. Paris Photo im Grand Palais dagegen ist Arbeit. Selber schuld, wer alles sehen muss. Filtern lautet die Devise und konzentrieren auf den Bilderspaß. Alte Meister treffen, neue besser links und rechts der Seine bei „Le Mois de la Photo“ suchen. Das lohnt und öffnet das Herz wie Garry Winogrand im Jeu de Paume. M űcsarnok Budapest zeigte „Képpraxisok“ mit Heged űs 2 László, Lévay Jen ő und Váli Dezs ő; die Ausstellung in der Új Budapest Galéria hingegen gibt einen echten Einblick in Privatsammlungen des Landes und zeigt auch politisch arbeitende junge Künstler. Aufgefallen ist mir neben der Biennale-­ Künstlerin Hajnal Németh der Maler Péter Hecker. Mein Leipzig lob ich mir! Zum Januar-Rundgangs­ sonnabend besonders die Ausstellungen bei ASPN: Grit Hachmeisters „Gruppenbild mit Palme“; der maerzgalerie: Torsten Reiter als Dekurator zeigt mit „5544 unmöglich“ 15 Jahre Galeriearbeit und Kai Klahre, Clemens Tremmel; im L ADEN FÜR NICHTS „Null Acht Fuffzehn“! Clemens Meyer („Als wir

Chilehaus, Hamburg

Fotos: Amrei Heyne

träumten“ verfilmt von Andreas Dresen) legte auf zur Nacht in der Installation ‚seines‘ Münchner Literaturfests (Motto: „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod“) und alle tanzten. Kennen Sie das „Winker Alphabet“? Klara Meinhardt erklärt es in einer Gruppenausstellung (mit Martin Böttger, Anna Leonhardt, Anna Schimkat) gleichen Namens in der Galerie „Drei Ringe“ bravourös! Sonntags in der Galerie für Zeitgenössische Kunst das „Sammlungsalphabet“ durchgespielt und im neu von der Londoner Künstlerin Céline Condorelli gestalteten Café „bau bau“ die Aussicht auf den Park genossen. „Gute Aussichten – Junge Deutsche Fotografie“ in den Deichtorhallen in Hamburg ist Pflicht, traditionell tourt die Show international. Beeindruckt fand ich mich von Vielfalt und Qualität der Galerien auf der Fleetinsel im Kontorhaus: in der Sfeir-Semler Gallery vor der Installation des libanesischen Künstlers Rayyane Tabet; Giti Nourbakhsch kuratierte Wunderbarstes bei Karin Guenther und Martin Assigs neueste Wachsbilder gabs bei Holger Priess. Zum Absacker oder Espresso in die nahe „Erste Liebe Bar“ dabei neueste Fotografien von Klaus Frahm, Serie „cheap thrills“ an der Wand genießen! Ein Tipp für den Hackeschen Markt in Berlin: „Umland“, der Maler Alvar Beyer stellt im März und April im Kunstraum der GASAG aus. Sonntagabend Tatort? Das muss nicht sein! Fahr mal hin! Auf, in die vielleicht kleinste Weltstadt Deutschlands: Ludwigshafen! Überblick verschafft man sich von der SkyBar. Reiseanlass sei die Fotoausstellung von Ricarda Roggan „Echo“ im Wilhelm-Hack-Museum. Sehenswert. Müssen es denn wirklich immer die großen Gefühle sein? Aber ja! Alle wollen mindestens zum Mond fliegen. Es kann befreiend sein, einmal nichts zu tun – Meditation total. Und gehen Sie aus! Wanda sind in der Stadt?! Hingehen! Amore! Amore! Machen Sie doch, was Sie wollen!


161

Ahrenshoop

Baden-Baden

Berlin & Düsseldorf

Mit Tübke am Strand. Leipziger Maler in Ahrenshoop 11.7. – 25.10.2015 Kunstmuseum Ahrenshoop

MUSIK! Die Berliner Philharmoniker im 19. Jahrhundert. Die Entstehung eines Weltorchesters 21.3. – 30.8.2015 MUSEUM L A8

30 Arbeiten ausgewählter ZERO-Künstler 19.3. – 11.4.2015 Ketterer Kunst Berlin 14.4. – 24.4.2015 Ketterer Kunst Düsseldorf

Es begann mit einem Krach. 1882 wollten sich die Orchestermusiker nicht mehr als Mietkapelle auf lange, schlecht bezahlte Reisen schicken lassen. Mithilfe des ebenso kenntnisreichen wie tatkräftigen Konzertveranstalters Hermann Wolff hoben sie das Berliner Philharmonische Orchester aus der Taufe – die Geburt eines Weltorchesters aus dem Geist musikalischer Selbstbestimmung. In der turbulenten Anfangsphase sorgte vor allem der Beethoven-Spezialist und Brahms-Freund Franz Wüllner als Dirigent für höchstes künstlerisches Niveau und kreative Struktur. Schnell etablierten sich die Berliner Philharmoniker als das führende Orchester mit eigener fester Spielstätte sowie Abonnementpublikum im Berliner Musikleben. Die Ausstellung widmet sich auch dem Musikinstrument überhaupt, einem altertümlichen Akustikwerkzeug mitten im industriellen Maschinenzeitalter – einem handbetriebenen Gerät, mit dem gleichwohl fortschrittlichste Musik erzeugt wurde. Solche Gegensätze der Epoche werden in der Ausstellung erlebbar in einer authentischen Instrumentenwerkstatt einerseits und historischen Ton- und Filmaufnahmen andererseits – damals Hightech. ☞ MUSEUM LA8 – Museum Für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts Di–So 11–18 Uhr Lichtentaler Allee 8, 76530 Baden-Baden T +49 (0) 7221 50 07 960 www.museum.la8.de

Renommierte Museen von Düsseldorf bis New York feiern die bekannte Künstlergruppe. Nun würdigt Ketterer Kunst neben dem Dreigestirn Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker rund ein Dutzend weiterer wichtiger Vertreter mit der Ausstellung „ZERO“. Wichtige Originale, u. a. auch von Bernard Aubertin, Oskar Holweck, Adolf Luther und Herbert Zangs, sind ab dem 19. März in Berlin-Charlottenburg zu sehen. Ab dem 14. April werden sie in Düsseldorf gezeigt. Einige dieser Arbeiten werden in der Münchner Juni-Auktion versteigert. Die puristische Ästhetik der ZERO-Kunst ist heute aktueller denn je, denn wer sehnt sich in einer hektischen Welt, in der nichts mehr sicher zu sein scheint, nicht nach einem neuen Anfang? Um Kraft zu schöpfen und frei für Neues zu werden, ist eine Phase der Stille unabdingbar. Nur aus dieser Ruhe heraus ist der Übergang von einem alten, nicht mehr gebrauchten Zustand in einen neuen möglich. ☞ Ketterer Kunst Berlin Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr Fasanenstraße 70, 10719 Berlin-Charlottenburg T +49 (0) 30 886 75 363 www.kettererkunst.de

Das Kunstmuseum Ahrenshoop richtet mit dieser Ausstellung erstmals den Fokus auf die Präsenz der legendären „Leipziger Schule“ in Ahrenshoop und an den Ostseestränden von Fischland/Darß bis Rügen. Im Zentrum stehen die Strandbilder Werner Tübkes, der bereits in seinen Studienjahren in Greifswald 1950-1952 die Ostsee als Rückzugsraum vor den harten Anfeindungen in seiner Heimatstadt Leipzig entdeckte. In den 1960er Jahren verbrachte er als Dozent der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst meistens in der Vorsaison jeweils einige Wochen mit Studentinnen und Studenten in Zingst, Prerow und Ahrenshoop. Sie bildeten hier quasi eine selbstbestimmt-angstfreie „Akademie am Meer“ – wie das ähnlich die jungen Hallenser Maler zu Beginn der 1950er Jahre getan hatten. Unter denen, die damals mit Tübke am Strand malten, haben etliche bald selbst eigenständige Positionen in der ostdeutschen Kunstgeschichte eingenommen und das Strandmotiv zu höchst bedeutungsvollen Bildmetaphern ausdifferenziert, darunter Künstler wie Ulrich Hachulla, Uwe Pfeifer, Arno Rink, Lutz Friedel und viele andere. ☞ Kunstmuseum Ahrenshoop Di–So 10–17 Uhr Weg zum Hohen Ufer 36, 18347 Ahrenshoop T +49 (0) 38220 66790 www.kunstmuseum-ahrenshoop.de

Otto Piene, „Lichtströmung“, 1959, Öl auf Leinwand, 72,3 x 53,1 cm

Mischtechnik auf Leinwand auf Holz, 30 x 45 cm, Privatbesitz, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Arthur Nikisch dirigiert die Berliner Philharmoniker, Standbilder aus zwei Kameraperspektiven, 1919, Archiv Berliner Philharmoniker

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F R Ü H J A H R 2 015 — T E R M I N E

Werner Tübke, „Am Strand I (mit weisender Figur links)“, 1968,


WERNER TÜBKE MICHAEL TRIEGEL Zwei Meister aus Leipzig

24.01. – 19.04.2015 www.museen-aschaffenburg.de

Bittersüße Zeiten

BAROCK UND GEGENWART WERKE AUS DER SØR RUSCHE SAMMLUNG OELDE/BERLIN

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163

Bern

Bern

Brühl

Nadin Maria Rüfenacht 11.4. – 8.5.2015 Galerie Béatrice Brunner

Mike Carremans & Marc Claes bis 30.5.2015 Galerie DuflonRacz

Nadin Maria Rüfenacht hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig analoge Fotografie studiert und 2008 das Meisterstudium bei Timm Rautert abgeschlossen. Die Künstlerin inszeniert ihre Szenen im Atelier. Bekannt geworden ist sie durch ihre großen surrealen Stillleben mit meisterhafter Lichtführung. In der Einzelausstellung zeigen wir neue Fotografien aus verschiedenen Werkgruppen. Unter anderem beeinflusst durch den Einakter „Les chaises“ von Eugène Ionesco, des bedeutenden französisch-­ rumänischen Dramatikers der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und führenden Vertreters des absurden Theaters, hat die Künstlerin alte Stühle aus verschiedenen Zeiten arrangiert. Die subtilen Anordnungen der Stühle, meist aus der Vogelperspektive fotografiert, und die Absenz des Menschen, lassen den Betrachter eintauchen in eine vielschichtige „Bild“-Welt. Durch die minimalistische Inszenierung wird das Bild zur Abstraktion, manchmal zum Ornament, gleichzeitig entsteht aber auch ein dichter narrativer Inhalt. Die Bühne füllt sich mit imaginären Personen, Kleidern, Gesprächen, Szenen in verschiedenen gesellschaftlichen Milieus … In den ästhetisch äußerst gekonnt arrangierten und in eigentümlichen Licht fotografierten Stillleben mit Hunden und mit gefundenen Gegenständen aus dem Alltag knüpft Rüfenacht gekonnt an frühere Inhalte an und spielt immer auch mit kunstgeschichtlichen Referenzen. ☞ Galerie Béatrice Brunner Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa 12–16 Uhr Nydeggstalden 26, 3011 Bern T +41 31 312 40 12 www.beatricebrunner.ch

Die dritte Ausstellung des belgischen Malers Mike Carremans in der Galerie DuflonRacz bestreitet der Künstler gemeinsam mit dem Antwerper Zeichner und Bildhauer Marc Claes, dessen Arbeiten zum ersten Mal in der Schweiz gezeigt werden. Carremans’ Malerei spielt mit fehlerhaften Reproduktionen, Brüchen und Abweichungen: Er visualisiert seine Wahrnehmung als farbenblinder Maler, hinterfragt aber gleichzeitig den Stellenwert des Visuellen, indem er die Rolle von Fehlern im Bild thematisiert. Marc Claes’ Holzskulpturen und Zeichnungen erinnern manchmal an sogenannte „tribal art“, manchmal an digital anmutende, abstrakte Kompositionen. Das verbindende Element ist das Interesse des Künstlers am Dekorativen, an alltäglichen Techniken wie dem Zeichnen mit Kugelschreiber, und den dadurch entstehenden Bedeutungszuschreibungen. Gemeinsam ist den beiden Künstlern der Stellenwert von Farbe und das Spiel mit den Erwartungen der Betrachter. ☞ Galerie DuflonRacz Di–Fr 13–18 Uhr, Sa 13–17 Uhr Gerechtigkeitsgasse 40, 3011 Bern T +41 31 311 42 62 www.duflon-racz.ch

REALSURREAL. MEISTERWERKE DER AVANTGARDE-FOTOGRAFIE DAS NEUE SEHEN 1920–1950 SAMMLUNG SIEGERT 19.4. – 19.7.2015 Max Ernst Museum Brühl Die Ausstellung widmet sich der Avantgarde-Fotografie zwischen 1920 und 1950 und präsentiert eine besondere Auswahl von rund 200 Meisterwerken aus der Münchner Sammlung von Dietmar Siegert zur Fotografie des „Neuen Sehens“ zwischen Neuer Sachlichkeit und surrealistischen Tendenzen in Deutschland, Frankreich und der Tschechoslowakei. Bedeutende Positionen von rund 100 Fotografen werden in einer umfassenden Spannweite der Erscheinungsformen zwischen Objektivität und Subjektivität, Beschreibung und Experiment, Realität und Surrealität vorgestellt. Darunter befinden sich so namhafte Fotografinnen und Fotografen wie Eugène Atget, Herbert Bayer, Hans Bellmer, Brassaï, František Drtikol, Lotte Jacobi, André Kertész, Germaine Krull, Herbert List, László Moholy-Nagy, Man Ray, Albert Renger-Patzsch, August Sander, Umbo und Wols. Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Kunstmuseum Wolfsburg. ☞ Max Ernst Museum Brühl des LVR Di–So 11–18 Uhr Max-Ernst-Allee 1, 50321 Brühl T +49 (0) 2232 57 93-0 www.maxernstmuseum.lvr.de

Mike Carremans, „Sans Souci“, 2013,

Fotomontage, Silbergelatinepapier, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Nadin Maria Rüfenacht

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Herbert Bayer, „Einsamer Großstädter“, 1932/1969,

F R Ü H J A H R 2 015 — T E R M I N E

Öl auf Aluminium


164

Durbach

Eberdingen

Eislingen

Getrennte Welten. Formen des Eigensinns – Kunst in Ost und West bis 21.6.2015 Museum für Aktuelle Kunst-Sammlung Hurrle Durbach

ein Moment – ewig bis 21.6.2015 KUNSTWERK – Sammlung Alison und Peter W. Klein

Travelling Beyond – Melanie Wiora 18.4. – 17.5.2015 Kunstverein Eislingen

Oft ist es nur ein kurzer Moment, der etwas Einzigartiges enthält: eine besondere Wahrnehmung, eine besondere Stimmung, die man am liebsten für immer festhalten möchte. Der Augenblick trägt dann etwas Großes in sich. Das Vergängliche, Flüchtige des erlebten Moments erlangt grundsätzliche und zeitübergreifende Bedeutung. „ein Moment – ewig“, das Thema der neuen Ausstellung im KUNSTWERK, ist inspiriert von Arbeiten des irisch-amerikanischen Künstlers Sean Scully, die im Laufe des vergangenen Jahres in die Sammlung Alison und Peter W. Klein gekommen sind. Seine Gemälde, die das Erleben von Landschaft in pure Malerei übersetzen und im Abstrakten alles Besondere und Augenblickliche einzufangen verstehen, geben die Spur für die weitere Auswahl der Exponate vor. Gezeigt werden bildnerische Transformationen von Landschaft sowie Werke, die den zeitlichen Aspekt von Flüchtigkeit und Dauer beinhalten, u. a. von Christiane Baumgartner, Erdmut Bramke, Andreas Gefeller, Paul Graham, Annette Kelm, Dieter Krieg, Sean Scully, Damian Stamer, Eva Wagner und Thomas Weinberger. ☞ KUNSTWERK Sammlung Alison und Peter W. Klein Mi–Fr, So 11–17 Uhr Siemensstraße 40, 71735 Eberdingen-Nussdorf T +49 (0) 7042 3 76 95 66 www.sammlung-klein.de

Naturphänomene sind das prägende Thema der Ausstellung „Travelling Beyond“ der Künstlerin Melanie Wiora im Kunstverein Eislingen. Die Natur als archaische, wilde und unbeherrschbare Kraft wird von ihr als Gegenentwurf zu unserer hoch technisierten Lebenswirklichkeit wieder ins Bewusstsein geholt. In Melanie Wioras Fotoarbeiten „Natura“ schweift der Blick über weite Landschaften, Makro- und Mikrokosmen, die zwischen den Aggregatzuständen festgehalten zu sein scheinen. Eisformationen, Gesteinsschichten, Wasserstrukturen und Rauchgebilde geben die Sicht frei in eine fremde Welt, die die Natur der Natur in ihrem Kern zu erfassen sucht. Eine ähnlich entrückte Anmutung vermitteln Melanie Wioras neue Videoarbeiten „Eruptions“ und „Rise and Fall“, die Wasserphänomene extrem verlangsamt wiedergeben und eine Choreografie ineinander fließender Strukturen und Formen erzeugen. Der Blick wird unweigerlich dazu animiert, sich dem Neuen und Unbekannten anzuvertrauen, immer auf der Suche nach dem Moment des Erkennens. ☞ Kunstverein Eislingen Di–Sa 16–18 Uhr, So 14–18 Uhr Bahnhofstraße 12, 73054 Eislingen T +49 (0) 7161 88881 www.kunstverein-eislingen.de

Die Ausstellung ist der Vielfalt der deutschen Kunst und dem Erfindungsreichtum künstlerischen Eigensinns beiderseits der Grenze während der Trennung gewidmet. Auf beiden Seiten war die Kunst einem Diktat unterworfen, im Westen dem Zwang des kapitalistischen Kunstmarkts, im Osten den Vorgaben des Regimes, und auf beiden Seiten versuchten Künstler, dennoch ihren Weg zu gehen. Schlaglicht­ artig werden, ausgehend von der letzten gesamt­ deutschen Kunstausstellung nach dem Krieg 1946 in Dresden, bestimmte Phänomene herausgegriffen, so beispielsweise die Neufindung der Akademien am Beispiel von Karlsruhe und Halle / Burg Giebichenstein, die informelle Abstraktion, die es nicht nur im Westen, sondern auch in Dresden gab, und die Erscheinung der Künstlergruppe, so Clara Mosch/ Karl-Marx-Stadt und Kollektiv Herzogstraße/ München. Der Besucher wird durch die Entwicklungen deutscher Kunstgeschichte während der politischen Trennung geführt, entdeckt Schritt für Schritt die vielen Facetten deutsch-deutscher Kunst vor 1989. ☞ Museum für Aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle, Durbach Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa/So/Feiertage 11–18 Uhr Almstraße 49, 77770 Durbach T +49 (0) 781 93201 403 www.museum-hurrle.de

Melanie Wiora, „Eruptions“, 2014, Videostill

Sean Scully, „Green Pale Light“, 2002, Öl auf Leinwand, 213,4 x 243,8 cm

Arno Rink, „Nacht der Gaukler“, 1988–1989, Öl auf Hart faser, 149 x 124 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014


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F r a n k f u r t/M a i n

F r a n k f u r t/M a i n

F r a n k f u r t/O d e r

Romantik im Rhein-Main-Gebiet 22.3. – 19.7.2015 MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT

Isa Genzken New Works 14.3. – 31.5.2015 MMK, Frankfurt

Christiane Wartenberg überkreuz – Gehäuse und Wortbilder 1.3. – 10.5.2015 Museum Junge Kunst

Die Bildhauerin Isa Genzken (*1948) zählt heute zu den einflussreichsten Künstlerinnen ihrer Generation. Das MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt zeigt zum ersten Mal in Deutschland ihre neueste Werkgruppe. Seit einigen Jahren beschäftigt sich Isa Genzken in ihren Werken mit Alltagsgegenständen als Insignien der Konsumwelt und kombiniert diese mit industriellen Materialien sowie mit persönlichen Fotografien und Bildfragmenten aus den Populärmedien. In ihrer neuesten Werkgruppe verbindet Genzken diese Versatzstücke unserer Gegenwart mit autobiografischen Elementen. Den Kern bilden die „Schauspieler“, wie Genzken die 20 Figuren nennt, die sie, mit ihren eigenen abgetragenen Kleidungsstücken versehen, mit Arbeits- und Schutzbekleidung ergänzt und in Dekomaterialien eingefasst hat. Geblendet durch spiegelnde Folien oder mit buntem Klebeband zum Schweigen gebracht werden die Figuren zu ergreifend nahen und unverstellten Selbstporträts der Künstlerin. ☞ MMK 1 Museum für Moderne Kunst Di–So 10 – 18 Uhr, Mi 10–20 Uhr Domstraße 10, 60311 Frankfurt am Main T +49 (0) 69 21230447 www.mmk-frankfurt.de

Aus unterschiedlichen Werkphasen und Zeiten werden Plastiken, Schriftbilder, Grafiken und Installationen vorgestellt. Dadurch erhält die Personalausstellung den Charakter einer Retrospektive – ohne eine wirkliche zu sein. Denn dafür ist ihr bisheriges Werk zu umfangreich. Die Bildhauerin konzentriert sich bei ihrer Auswahl auf ihr bildnerisches und ethisches Grundthema des Existenziellen: auf das Behaustsein. Das kann sich gleichnishaft in Form von tönernen Häusern, in Kopf- oder Kokongebilden, in Wort-Gefäßen und in ihren Schriftbildern, sie spricht von Wortbildern, materialisieren. Das Behaustsein schließt bei ihr sogleich ein Unbehaustsein, ein Drinnen und Draußen mit ein. Wie ein roter Faden ziehen sich diese Konstanten des existenziellen Menschseins durch das jahrzehntelang währende Schaffen. Mittels Formenreduktionen und einer archaisierenden Gestaltungsweise entstehen spröd-fragile Sinnbilder. Das schließt den Bezug zu konkreten, historischen Ereignissen nicht aus, zum Beispiel auf die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 und auf den kollektiven Freitod der Juden auf der Hochebene von Masada (73 n. Chr.). ☞ Museum Junge Kunst Di–So 11–17 Uhr Rathaushalle, Marktplatz 1, 15230 Frankfurt/Oder T +49 (0) 335 5 52 41 50 www.museum-junge-kunst.de

In der großen Sonderausstellung „Romantik im Rhein-Main-Gebiet“ präsentiert das MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT die Vielgestaltigkeit romantischer Kunst, wie sie im 19. Jahrhundert zwischen Frankfurt und Darmstadt, Mainz und Wiesbaden, vom Odenwald bis in die Schwalm zu finden war. Mit über 150 Werken von Künstlern wie Carl Philipp Fohr, Moritz von Schwind, Ludwig Emil Grimm oder Philipp Veit entwirft die Ausstellung das Panorama einer lebendigen Kunstlandschaft. Mit dieser Ausstellung, die vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain gefördert wird, endet im Sommer auch der vom Fonds initiierte Themenschwerpunkt „Impuls Romantik“ (2012 bis 2015). Daran schließt sich „Transit“ an: Bis 2017 werden dann Kunst- und Kulturprojekte präsentiert, die sich mit der Rhein-Main-Region als Transitraum beschäftigen. Mit seinen temporären Schwerpunkten greift der Kulturfonds Frankfurt RheinMain Themen auf, die für die Region prägend sind. Weitere Infos unter www.kulturfonds-frm.de. ☞ MUSEUM GIERSCH der GOETHE-UNIVERSITÄT Di–Do 12–19 Uhr, Fr–So 10–18 Uhr Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main T +49 (0) 69 1 38 21 01-0 www.museum-giersch.de

Christiane Wartenberg, „Die Hütte“, 2010,

Franz Pforr (1788–1812), „Selbstbildnis“, um 1810

Isa Genzken, „Untitled“, 2014, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln, VG Bild-Kunst, Bonn 2015

ARTM APP

3,40 x 10,00 x 3,70 m, Foto: Christiane Wartenberg

F R Ü H J A H R 2 015 — T E R M I N E

Eisen, Blech, Fundstücke verschweißt. Holzbretter,


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H a l l e/S a a l e

Heilbronn

Karlsruhe

Sven Marquardt – Wild verschlossen! 13.3. – 12.4.2015 Kunstforum Halle

Christiane Möbus rette sich wer kann 14.2.– 7.6.2015 Kunsthalle Vogelmann

Tschechische Malerei im 20. Jahrhundert Werke aus der Sammlung PRE in Prag 21.5. – 24.7.2015 EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Tische, Mäntel, Hüte, Fallschirme, Vogelnester, ausgestopfte Raben, Giraffen oder gar ein LKW – es hat den Anschein als ob es kaum etwas gäbe, was Christiane Möbus nicht in neuartige und zugleich fremd-vertraute Zusammenhänge führen könnte. Etwa 40 Werke aus vier Jahrzehnten dokumentieren die geradezu abenteuerliche Vielfalt ihres künstlerischen Schaffens. Ausgehend von den konzeptuell angelegten lyrischen Arbeiten der frühen 1970er-Jahre spannt sich ein illustrer Reigen wundersamster Schöpfungen bis in die Gegenwart. In ihren Fotoarbeiten, Objekten und raumgreifenden Installationen treten Worte, Fundstücke und Alltagsgegenstände gleichberechtigt in spannungs­ reiche Zwiesprache und eröffnen ein bedeutungs­ offenes Feld von Assoziationen. „rette sich wer kann“ übertitelte die Künstlerin lakonisch das wuchtige Arrangement aus zwei mit unzähligen Heuballen überladenen Booten. Ein möglicher Fingerzeig auf aktuell brisante Themen? Mit der als Parcours über drei Etagen angelegten exemplarischen Werkschau der Gabriele Münter Preisträgerin und langjährigen Professorin der Universität der Künste Berlin würdigt die Kunsthalle Vogelmann nicht nur eine bedeutende Künstlerin unserer Zeit, sondern setzt auch die Reihe der unkonventionellen Skulpturen-Ausstellungen fort. ☞ Kunsthalle Vogelmann Di/Mi/Fr– So/Feiertage 11–17 Uhr, Do 11–19 Uhr Allee 28, 74072 Heilbronn T +49 (0) 7131 56 44 20 www.museen-heilbronn.de

Der Energieversorger der tschechischen Hauptstadt Prag, die Pražská energetika, a.s., kurz PRE genannt, ist ein Tochterunternehmen der EnBW Energie Baden-Württemberg AG und besitzt eine umfang­ reiche Sammlung tschechischer Kunst. Aus dem umfangreichen Bestand zeigt die EnBW einen repräsentativen Querschnitt. Die 44 präsentierten Arbeiten geben einen interessanten Einblick in die tschechische Kunst des 20. Jahrhunderts. Ausgestellt werden Gemälde und Grafiken von namhaften sowie weniger bekannten Künstlerinnen und Künstlern. Außerdem sind Arbeiten von Adolf Jelínek Alex (1890–1957), Miloš Alexander Bazovský (1899–1968), Emil Filla (1882–1953), Pravoslav Kotík (1889–1970), Rudolf Kremli čka (1886–1932), Emanuel Ranný (* 1943) oder Milada Šindlerová (1875–1941) zu sehen. Die Auswahl illustriert die reiche und vielgestaltige Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer Entwicklung von der gegenständlichen Malerei zur Abstraktion und stellt auch besondere Strömungen und Wege der tschechischen Kunst vor. Die Ausstellung ist ein Beitrag zu „300 Jahre Stadt Karlsruhe“. ☞ EnBW AG Mo–Fr 10–18 Uhr Durlacher Allee 93, 76131 Karlsruhe T +49 (0) 721 63-12013 www.enbw.com

Allein schon seine Piercings und Tätowierungen sowie die Tatsache, dass er seit Jahren als Türsteher im Szeneklub „Berghain“ in Berlin arbeitet, machen Sven Marquardt unverwechselbar. Doch dies ist nur eine Seite eines inzwischen auch international anerkannten Fotografen. Seit mehr als 30 Jahren fotografiert Sven Marquardt Mode sowie Menschen, die ihn täglich umgeben. Hierbei offenbart er seine Vorliebe für das Subkulturelle. Seine arrangierten Porträts und inszenierten Halbakte spüren förmlich dem Mystischen und Romantischen nach. Mitunter ist es ein symbiotisches Spiel aus Symbolik, Posen und Accessoires, in dem unabhängig von der gesellschaftlichen Veränderung das Gestern, das Heute und das Morgen zu zeitlosen Kompositionen verschmelzen. Arbeiten, die Marquardt in seinem bisherigen künstlerischen Verständnis zeigen, sind nun vom 14. März bis zum 12. April 2015 im Kunstforum Halle in der Ausstellung „Wild verschlossen!“ zu sehen. ☞ Kunstforum Halle Di/Mi/Fr 14–17 Uhr, Do 14–19 Uhr, Sa/ So und Feiertage von 11–17 Uhr Bernburger Straße 8, 06108 Halle/Saale T +49 (0) 345-6857660 www.kunstforum-halle.de

Christiane Möbus, „rette sich wer kann“, 2001, Sven Marquardt, 1987

Foto: Achim Kukulies, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 Pravoslav Kotík, „Společnost / Gesellschaft“, o.J.


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Karlsruhe

EUNIQUE Messe für Angewandte Kunst & Design 8.5. – 10.5.2015 Messe Karlsruhe

22. Karlsruher Künstlermesse 23. – 26.4.2015 Regierungspräsidium Karlsruhe Die jährlich stattfindende Karlsruher Künstlermesse stößt regelmäßig auf ein überregionales Echo. 35 professionelle Kunstschaffende aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Elsass, die von einer Fachjury ausgewählt wurden, präsentieren ein breites Spektrum aus Mixed Media, Aktionskunst, Installation, Zeichnung, Malerei, Grafik, Collage, Textilarbeit, Skulptur, Fotografie und Video. Das Einzigartige und Reizvolle an dieser Verkaufsmesse ist der direkte Kontakt zwischen Künstlerinnen und Künstlern und dem Publikum – ohne vermittelnde Galerien. Die Gelegenheit zum Austausch mit den Kunstschaffenden wird von den Besucherinnen und Besuchern der Messe geschätzt und gerne genutzt. Der mit 4.000 Euro dotierte „Preis der Karlsruher Künstlermesse“ wird durch die Stadt Karlsruhe vergeben. Die Verleihung findet im Rahmen der Eröffnung der Künstlermesse statt. ☞ Regierungspräsidium Karlsruhe am Rondellplatz Eröffnung: Do, 23.4., 19 Uhr Fr–So 11–20 Uhr Karl-Friedrich-Straße 17, 76133 Karlsruhe www.karlsruhe.de/kuenstlermesse

UND FOTOGRAFIE

HAMBURG WWW.DEICHTORHALLEN.DE

GEORGE CONDO, MULTI COLORED PORTRAIT, 1990. BISCHOFBERGER COLLECTION, SWITZERLAND, © VG BILD-KUNST, BONN

PICASSO IN DER KUNST DER GEGENWART 1. APRIL – 12. JULI 2015 HALLE FÜR AKTUELLE KUNST

DETAIL

Portugal ist Gastland der EUNIQUE 2015, Internationale Messe für Angewandte Kunst & Design. Vertreten wird das Gastland durch das Netzwerk der portugiesischen Schieferdörfer (Aldeias do Xisto), ein Entwicklungsprojekt für nachhaltigen Tourismus in Zentralportugal. Zudem unterstützen die portugiesische Botschaft und das Generalkonsulat Stuttgart den Auftritt des Gastlandes. Die Ziele des Schieferdörfer-Netzwerks „Aldeias do Xisto“: Sanierung der für die Region typischen Schieferhäuser sowie Erhalt kultureller und handwerklicher Traditionen. Rui Simao, Projektmanager der Agentur ADXTUR (Verein zur touristischen Entwicklung der Schieferdörfer): „Im Gegensatz zu den kosmopolitischen Küstenstädten stehen die meist ländlichen Gebiete mit geringer demografischer, wirtschaftlicher und infrastruktureller Dichte. In dieser Gegend ist das Netzwerk der Schieferdörfer ein paradigmatisches Beispiel für die Suche nach neuen Wegen der Entwicklung. Handwerk und Design stehen hier vor der Herausforderung, die Entwicklung einer Kreativwirtschaft zu stimulieren, die auf regionalen Ressourcen basiert.“ ☞ Messe Karlsruhe 11–19 Uhr Messeallee 1, 76287 Rheinstetten T +49 (0) 721 3720-5000 www.eunique.eu

DEICHTOR HALLEN INTERNATIONALE KUNST

DETAIL

Karlsruhe

LINDA BOURNANE ENGELBERTH, AUS DER SERIE THINGS COME APART

THE NEW SOCIAL epea 02

1. APRIL – 12. MAI 2015 HAUS DER PHOTOGRAPHIE

Foto/Objekt: Frank Frede MARTIN KIPPENBERGER, SELBST-JUSTIZ DURCH FEHLEINKÄUFE, 1984 © MARTIN KIPPENBERGER ESTATE, FOTO: ADAM REICH

SELBSTJUSTIZ DURCH FEHLEINKÄUFE 1. MÄRZ – 25. MAI 2015 SAMMLUNG FALCKENBERG PARTNER DER DEICHTORHALLEN KULTURPARTNER

ARTM APP

DETAIL

Foto: Messe Karlsruhe

F R Ü H J A H R 2 015 — T E R M I N E

Tisch aus Esskastanie von Kerstin Thomas und Vasco Baltazar,


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Ludwigsburg

Lu d wig sh a fe n/Rh ein

Oberhausen

Kurt Laurenz Theinert – Licht Tiefe zwischen Raum Ausstellungsreihe: Intervention – Flüchtige Raumgrenzen 10.5. – 28.6.2015 Kunstverein Ludwigsburg im MIK

ICH HABE MEINEN AUGEN NICHT GETRAUT, AUCH MEINEN OHREN NICHT Benedikt Hipp 14.5. – 16.8.2015 Wilhelm-Hack-Museum

GREEN CITY Geformte Landschaft – Vernetzte Natur Das Ruhrgebiet in der Kunst 10.5. – 13.9.2015 LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Benedikt Hipp (*1977) zählt zu den eigenwilligsten Gegenwartskünstlern. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und entwickelte seitdem eine technisch versierte Malerei, die den Betrachter in geheimnisvolle Welten mit verschachtelten dunklen Raumsituationen und fremdartigen Figuren führt. Die mystischen Bildwelten seiner Malerei inszeniert Hipp zunehmend in bühnenartige Raumkompositionen. Die speziell für das Wilhelm-Hack-Museum konzipierte Ausstellung mit fast ausschließlich neuen Werken verwandelt die Ausstellungsebene in einen begehbaren Bildraum, der Malerei, Installation und Skulptur in einer ungewöhnlichen Ausstellungsarchitektur zusammenfasst. Sie präsentiert Hipps Auseinandersetzung mit Kulträumen und -Gegenständen und führt den Betrachter auf eine Reise zu verschiedenen Raumsituationen, Bildern und Objekten, die eine kultisch magische Bedeutung nahelegen. ☞ Wilhelm-Hack-Museum Di–Fr 11–18 Uhr, Do 11–20 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr Berliner Str. 23, 67059 Ludwigshafen/Rhein T +49 (0) 621 5043045 www.wilhelmhack.museum

Straßen, Wasserwege, Bahntrassen, Luftlinien und Freilandleitungen gliedern und verbinden und sind die zentralen Gestaltungsmerkmale des Ruhrgebiets. Diese Ausstellung unter dem vieldeutigen Titel „GREEN CITY“ visualisiert die ungewöhnliche und komplex vernetzte Landschaft der Ruhr-Region durch den künstlerischen Blick. Die Themen Ökologie, Klima, Umweltschutz und Energie sind nicht nur gesellschaftspolitisch von Bedeutung, sondern spielen seit Langem auch im Schaffen zahlreicher Künstler eine zentrale Rolle. Diesem Ansatz spürt die Ausstellung sowohl in Werken regionaler Künstler als auch in international renommierten Positionen nach. Geocaching und Erkundungs-Radtouren öffnen den Museumsraum darüber hinaus in die Umgebung. Ein höchst abwechslungsreicher und erfrischender Blick auf das Ruhrgebiet wird gewagt! Noch bis zum 3. Mai zeigt die LUDWIGGARLERIE Schloss Oberhausen die Werkschau „HERLINDE KOELBL – Das deutsche Wohnzimmer, Spuren der Macht, Haare und andere menschliche Dinge – Fotografien von 1980 bis heute“. Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eins der 20 RuhrKunstMuseen. ☞ LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen Di–So 11–18 Uhr Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen T +49 (0) 208 41249 16 www.ludwiggalerie.de

In der Ausstellungsreihe „Intervention – Flüchtige Raumgrenzen“ werden Installationskünstler präsentiert, die den spannendsten Moment im Ausstellungswesen – den Moment der Intervention, wenn das Innere nach außen gekehrt wird, wenn Raumgrenzen verändert oder neue Räume suggeriert werden – beleuchten. Im Kunstverein Ludwigsburg wird der Fotograf und Lichtkünstler Kurt Laurenz Theinert (*1963) durch Licht-Raum-Choreografien sowohl neue Innen- und Außenräume als auch instabile Räume voller Überraschungen entstehen lassen. Lichtprojektionen brechen die Strukturen des Raums auf und kreieren in einem Raum ohne Grenzen neue Harmonien und Dissonanzen. Dem Besucher entfaltet sich der Raum in einer endlosen Kette vorübergehender Zustände. Theinerts abstrakte raumfüllende Lichtprojektionen stehen in der Tradition der Avantgarde der 1920er-Jahre. Sowohl die Ideen des „Licht-Raum-Modulators“ (1920 bis 1930) von László Moholy-Nagy als auch die Ideen der abstrakten Musikfilme von Oskar Fischinger hat er weiterentwickelt und zeitgemäß in Tanzstücken und in Live-Performances „Visual Piano“ umgesetzt. ☞ Kunstverein Ludwigsburg Im MIK Di–So/Feiertage 11–18 Uhr, Do 11–21 Uhr Eberhardstraße 1, 71634 Ludwigsburg T +49 (0) 7141 92 91 96 www.kunstverein-ludwigsburg.de

Kurt Laurenz Theinert, „Visual Piano“, 2011 Camp Festival HfG/ZKM

„Flightbike“, 2009 © Klaus Geigle / VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Benedikt Hipp, „App for replacement characters“, 2014, Öl auf Holz, 215 x 149 cm, Courtesy Kadel Willborn, Düsseldorf


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Saarbrücken

St. G allen

Schwäbisch Gmünd

Albert Weisgerber (1878-1915). Retrospektive 21.3. – 5.7.2015 Saarlandmuseum, Moderne Galerie

GERARD BYRNE 6.6. – 13.9.2015 Kunstmsuseum St. Gallen

Klaus Simon. Sichten 20.2. – 25.5.2015 Galerie im Prediger

„A Man and a Woman Make Love“, die spektakuläre Videoinstallation des Künstlers Gerard Byrne war einer der Höhepunkte der „documenta (13)“. Im Saal eines mondänen Kasseler Hotels wähnte man sich ins Jahr 1928 zurückversetzt, inmitten einer Gesprächsrunde von Surrealisten um den Dichter André Breton. Die räumliche Inszenierung der mehrteiligen Projektion vergegenwärtigten das Gespräch zum Thema Erotik – mit dem Betrachter als Teilnehmer des illustren Zirkels. Wiederholt hat sich der 1969 in Dublin geborene Künstler mit historischen Ereignissen beschäftigt, die er in aufwendigen Inszenierungen in die Gegenwart übersetzt und zugleich grundlegende kulturelle und gesellschaftliche Bedingungen offenlegt, wie im Gespräch zwischen dem Sänger Frank Sinatra und dem General Motors-Chef Lee Iacoccia: Why It’s Time for Imperial, again (2002), in dem beide vor trostlosen Industrieruinen die Vorzüge des neuen Chrysler Imperial diskutieren. Nach zahlreichen Einzelausstellungen, u. a. 2011 im Irish Museum of Modern Art, Dublin sowie Beteiligungen an der Biennale von Venedig (2007/2011) oder der „documenta (13)“, bietet das Kunstmuseum St. Gallen die Möglichkeit einer vertieften Begegnung mit dem Werk eines der herausragenden Vertreter der Gegenwartskunst. ☞ Kunstmuseum St. Gallen Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr Museumstrasse 32, 9000 St. Gallen T +41 (0) 71 242 06 71 www.kunstmuseumsg.ch

Klaus Simon, geboren 1949 in Bad Godesberg und heute in Krefeld lebend, sieht sich als „Grenzgänger zwischen Stadt und Wald“. Seit Mitte der 1970er-Jahre ist der Baum zentrales Thema und Basis seiner künstlerischen Arbeit. Das Weiterleben des Baumes im Kunstwerk ist sein Anliegen. Durch die Bearbeitung mit der Kettensäge, durch Einschnitte, Aushöhlung und Schälung legt er den Kern des Baumes frei. Dabei spürt er der dem Baum innewohnenden Struktur nach, lotet dessen Form und Potenziale aus, um dem Baum, um der Natur, um einem gelebten Leben eine neue Kunst-Gestalt zu geben im Einklang mit sich selbst und oftmals bezogen auf einen konkreten Ort. Mit seinem über Jahrzehnte gewachsenen skulpturalen Schaffen hat Klaus Simon die Holzbildhauerei in Deutschland maßgeblich neu formuliert und geprägt. Die Ausstellung „sichtet“ Simons vielschichtiges Werk: Skulpturen, Drucke und Fotografien – auch von Gmünder Naturdenkmalen, die eigens zur Ausstellung entstehen – geben einen Einblick in die profilierte Position des Künstlers. ☞ Museum und Galerie im Prediger Di/Mi/Fr 14–17 Uhr, Do 14–19 Uhr, Sa/So/Feiertage 11–17 Uhr Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch Gmünd T +49 (0) 7171 603 4130 www.museum-galerie-fabrik.de

Am 10. Mai 2015 jährt sich zum 100. Mal der Todestag von Albert Weisgerber (1878–1915). Aus diesem Anlass wird das Saarlandmuseum diesem wichtigen Künstler, der in St. Ingbert geboren wurde und in München und Paris arbeitete, eine Retro­ spektive widmen. Die Ausstellung, die mit ca. 100 Gemälden einen großen Teil des erhaltenen Gesamtwerkes umfasst, wird in enger Kooperation mit der Albert Weis­g erberStiftung St. Ingbert realisiert. Anhand von insgesamt 140 ausgewählten Gemälden, Studien und Zeichnungen wird die Ausstellung des Saarland­ museums einen neuen Blick auf die Kunst Albert Weisgerbers ermöglichen und einen Eindruck von der Vielgestaltigkeit der Motive und der künstlerischen Entwicklung Weisgerbers vermitteln. Es ist die umfangreichste Werkschau Weisgerbers seit Jahrzehnten. Sie wird von einem Katalog und einem umfangreichen Rahmenprogramm in Saarbrücken und St. Ingerbert begleitet. ☞ Saarlandmuseum, Moderne Galerie Di–So 10–18 Uhr, Mi 10–22 Uhr Bismarckstraße 11–15, 66111 Saarbrücken T +49 (0) 681 99 64-0 www.kulturbesitz.de

Klaus Simon, „Ararat“, 1989, Buche, zweiteilig,

Gerard Byrne, „A man and a woman make love“, 2012 © the artist, Courtesy Lisson Gallery, London

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Albert Weisgerber, „Strand auf Norderney“, 1910, Saarlandmuseum Saarbrücken, Stiftung Saarländischer Kulturbesitz

F R Ü H J A H R 2 015 — T E R M I N E

90 x 200 x 80 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015


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Schwerin

Singen

Ulm

Reise nach Indien bis 14.6.2015 Galerie Alte & Neue Meister Schwerin

de – reconstructions Hala Elkoussy – Barbara Armbruster 18.4. – 14.6.2015 Galerie Vayhinger

125 Jahre Münsterturm Aus Sehnsucht wird Weitblick ganzjährig Stadt Ulm

Die erste Ausstellung in 2015 „de – reconstructions” der ägyptischen Künstlerin Hala Elkoussy und der Deutschen Barbara Armbruster wurde im Laufe eines längeren Arbeitsprozesses im Rahmen des Buchprojektes „MYCAIRO“ entwickelt. Die Arbeit von Barbara Armbruster ist mitgeprägt durch ihr Leben in Cairo und Stuttgart und durch den Vergleich beider Kulturräume über mehr als zehn Jahre hinweg. Ihre Malereien greifen zurück auf Aquarelle und Farbproben, die während ihrer Abschiedsphase von Ägypten 2013 entstanden sind, und werden zusammen mit Fotografien gezeigt. Hala Elkoussy gehört zu den wichtigsten Vertreter/-innen der ägyptischen Gegenwartskunst. Die Arbeiten der Künstlerin, Filmemacherin und Fotografin werden weltweit gezeigt, ihre experimentellen Filme liefen auf internationalen Festivals. Nach der Revolution konzentrierte sie sich auf ihre Arbeit in Ägypten und engagiert sich für gesellschaftliche Veränderungen. Die Auswahl der gezeigten Arbeiten wird von beiden Künstlerinnen „de – reconstructions“ unterzogen. Neue Sichtachsen und Bezüge aus dem Rückblick werden erarbeitet. Zeichnungen, Malerei, Textele­m ente, Film und Fotografie konstruieren die gemeinsame inhaltliche Zusammenfassung der Ausstellung und akzentuieren unterschiedliche Kulturen. ☞ Galerie Vayhinger Mi–Sa 15–18 Uhr, Do 15–21 Uhr, jeden ersten So im Monat 15–18 Uhr Schaffhauser Straße 22, 78224 Singen T +49 (0) 77 31 976 16 40 www.vayhinger.de

Geburtsstadt Albert Einsteins, Heimat von Hans und Sophie Scholl, Standort des höchsten Kirchturms der Welt. Im Jahr 2015 jährt sich dessen Fertigstellung zum 125. Mal. Anlass für die Stadt Ulm, das gewaltige Bauwerk mit einer großen Kunstaktion unter dem Motto „Ulmer Weitblick“ zu feiern: von „Münsterscanning“, einer Lichtchoreografie von Joachim Fleischer, über die faszinierende Sonnen­ simulation „Solar Equation“ im Münster von Rafael Lozano-Hemmer, der spannenden Crossover-Performance „Poetry and Party“ von Susanne Heinrich über das partizipatorische Projekt „Ich Ulm“ von Doris Graf bis zum „Ulmer Oratorium“ von Marios Joannou Elia. 400 Musikerinnen und Musiker, sieben Chöre, drei Bühnen und zwei Orchester werden am 29. und 30. Mai für ein Klassik-Open-Air-Erlebnis der besonderen Art sorgen. Ein weiterer Höhepunkt ist die Jubiläumsausstellung im Stadthaus. Sie lotet multimedial die Fülle an künstlerischen Ideen und Ereignissen aus, die dem Jubiläum seine jetzige Gestalt verleihen. Der Schauplatz der Ausstellung ist selbst ein architektonisches Kunstobjekt. Die clean-weiße Bauskulptur, die der amerikanische Stararchitekt Richard Meier mit seinen aus der Klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts entwickelten Entwurfsprinzipien erschaffen hat, bietet einen mehr als passenden Rahmen. ☞ Stadt Ulm www.ulm125.de

„Ich möchte das wahre Indien sehen”, heißt es im Roman Edward Morgan Forsters „Auf der Suche nach Indien“. Doch was ist das ‚wahre‘ Indien? Jeder hat eine andere Vorstellung, entstanden durch Erfahrungen mit der indischen Kultur im heimischen Umfeld oder durch Reisen auf den Subkontinent. Unterschiedliche Blickwinkel der Künstler Sakshi Gupta, Alf Löhr, Renate Graf, Sudarshan Shetty und Thomas Florschuetz auf Indien lassen den Betrachter ihrer Arbeiten das Land neu entdecken und schicken ihn auf eine visuelle Reise, die ihn Unerwartetes und Altbekanntes in einem zeitgenössischen Kontext entdecken lassen. Die Ausstellung zeigt rund 50 Werke – darunter Gemälde, Fotografien und Installationen, von denen zahlreiche erstmals in Deutschland zu sehen sind. ☞ Staatliches Museum Schwerin / Ludwigslust / Güstrow Galerie Alte & Neue Meister Schwerin bis 14.4. Di–So 10–17 Uhr, ab 15.4. Di–So 10–18 Uhr Alter Garten 3, 19055 Schwerin T +49 (0) 385 5958 100 www.museum-schwerin.de

Sudarshan Shett y, „From here to there and back again“ (Detail), 2009, geschnitztes Holz, Kof fer, © Courtesy Galerie Krinzinger, Wien

BAHE (Barbara Armbruster und Hala Elkoussy)

„Münsterscanning von Joachim Fleischer“


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Wal d enb u ch

Weikersh eim

Wien

Ein Quadrat ist ein Quadrat ist ein Quadrat ... 10.5. – 20.9.2015 MUSEUM RITTER

Skulpturen.SCHAU! Gunther Stilling 17.5. – 27.9.2015 Stadt Weikersheim

Performancereihe #3: as can be seen from 2.4. – 30.5.2015 Kunstraum Niederoesterreich

Das Museum Ritter feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag und lädt zu einer großen ­J ubiläumsausstellung mit den schönsten Werken aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter ein. Vom 10. Mai bis zum 20. September 2015 wird eine abwechslungsreiche Auswahl an Gemälden, Zeichnungen, Objekten und Installationen aus dem Sammlungsbestand präsentiert. Mit dabei sind unter anderem Werke von Kasimir Malewitsch, Kurt Schwitters, Josef Albers, Max Bill, Vera Molnar, François Morellet, Günther Uecker, Timm Ulrichs, Imi Knoebel, Jim Lambie und Esther Stocker. Gleichzeitig sind Fotografien des renommierten Fotografen Horst Hamann zu sehen: Eine Hommage an das Museum und seine Künstler. Über ein Jahr lang war Horst Hamann regelmäßig vor Ort in Waldenbuch, um die Architektur und die Atmosphäre im Museum mit seiner Kamera einzufangen. Aus diesen Momentaufnahmen sind eine Ausstellung sowie ein umfangreicher Bildband entstanden. Entdecken Sie bekannte und neue Blickwinkel auf die Sammlung Marli Hoppe-Ritter und das Museum und feiern Sie mit uns! Veranstaltungsprogramm zum Jubiläum: www.museum-ritter.de ☞ MUSEUM RITTER Sammlung Marli Hoppe-Ritter Marli Hoppe-Ritter-Stiftung zur Förderung der Kunst Di–So 11–18 Uhr So/Feiertage 15.30 Uhr kostenfreie Führung Alfred-Ritter-Straße 27, 71111 Waldenbuch T +49 (0) 7157 535 11 30 www.museum-ritter.de

Der Mensch steht im Mittelpunkt des plastischen Werks von Gunther Stilling. Seine Werke machen den Betrachter betroffen und verweisen auf die Gefährdungen der menschlichen Existenz durch Krieg, Terror und Machtmissbrauch. Insofern widmet sich Gunter Stilling, ganz der humanistischen Tradition verpflichtet, auch Fragen von zeitloser Gültigkeit und Bedeutung und ruft unsere ethische und kulturelle Verantwortung in Erinnerung. Gunter Stilling wurde 1943 in Srpski Miletic im damaligen Jugoslawien geboren. Von 1964 bis 1969 studierte er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Von 1979 bis 2004 unterrichtete er an der University of Applied Sciences Kaiserslautern. Er ist Ehrenmitglied und Professor h. c. der Accademia delle Arte del Disegno, Sezione Scultura, Florenz, Italien. Professor Gunther Stilling lebt und arbeitet in Güglingen und Pietresanta, Italien. Die Vernissage ist am Sonntag, 17. Mai 2015 um 17 Uhr im Sitzungssaal. Anschließend Rundgang durch die Ausstellung mit dem Künstler. ☞ Stadt Weikersheim Marktplatz 7, 97990 Weikersheim T +49 (0) 7934 102 25 www.weikersheim.de

Die beiden ersten Abende der diesjährigen Performancereihe im Kunstraum Niederoesterreich widmen sich der Sichtbarmachung, formalen Umsetzung und visuellen Wahrnehmung zeitbasierter Arbeiten. Sowohl der Umgang mit dem Ort und der Architektur als auch die optische und akustische Einbindung des Publikums stehen als zentrale Fragen im Raum und werden von den Performer/-innen unterschiedlich interpretiert. Für den dritten Abend wird die Züricher Performancekünstlerin und -theoretikerin Romy Rüegger eingeladen, performative Arbeiten aus der Schweiz vorzustellen. Sie thematisiert die Präsenz und Abwesenheit der Perfomer/-innen selbst, arbeitet mit Leerstellen, Zitaten, visuellen Verweisen und der Darstellung von Ein- und Ausschlüssen. 2.4.2015, 19 Uhr On and beyond a Stage Konzept: Anat Stainberg 16.4.2015, 19 Uhr SPOT ON ME Konzept: Peter Kozek Ausstellung bis 26.4.2015

Jim Lambie, „Metal Box 2013“, 2013, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 Gunther Stilling

© Laia Fabre, Collage, 2015

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F R Ü H J A H R 2 015 — T E R M I N E

21.5.2015, 19 Uhr Alice Toklas reading her famous hashish fudge recipe Konzept: Romy Rüegger Ausstellung bis 30.5.2015 ☞ Kunstraum Niederoesterreich Di–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–15 Uhr Herrengasse 13, 1010 Wien T +43 (1) 90 42 111 199 www.kunstraum.net


Karin Kieltsch NICHT ZU FASSEN! – Einsichten in ein künstlerisches Werk 16. April bis 31. Juli 2015


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HIGHLIGHTS 2015

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Interventionen im Christian Daniel Rauch-Museum

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Spiele der Modifikation Eine Ausstellung des Saarländischen Künstlerbunds mit Gästen aus Luxemburg

Museum St. Wendel, 12. April - 30 Mai 2015 Mia Münster-Haus, Wilhelmstraße 11, 6606 St. Wendel, www.museum-wnd.de Saarländische Galerie – Europäisches Kunstforum, Juli - August 2015 Am Festungsgraben 1, 10117 Berlin, www.saarlaendische-galerie.eu Künstlerinnen und Künstler: Francis Berrar (D), Simone Decker (L), Tina Gillen (L), Mane Hellenthal (D), Ursel Kessler (D), Gabriele Langendorf (D), Cathérine Lorent (L), Max Mertens (L), Letizia Romanini (L), Stoll&Wachall (D)

Freie Kunst, Kunsterziehung, Media Art & Design, Kommunikationsdesign, Produktdesign, Public Art & Public Design, Museumspädagogik, Kuratieren/Ausstellungswesen, Netzkultur/Designtheorie

Hochschule der Bildenden Künste Saar

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Haus der elektronischen Künste in Basel neu eröf fnet

Sound and Vision

Auf k napp 180. 000 Einwohner kommen in B a sel fa st 40 Mu seen . D a s i s t s e l b s t f ü r d i e S c h w e i z , d e m L a n d m i t d e r w e l t w e i t g rö ß t e n M u s e u m s d i c h t e , r e k o rd v e rd ä c h t i g . J e t z t t u t s i c h a u c h w a s a u f d e m e i n s t ra u e n D r e i s p i t z a r e a l i m B a s l e r S ü d e n . E i n g ro ß e r Te i l d e s z u r z e i t n o c h v o n L a g e r h a l l e n u n d I n d u s t r i e b e t r i e b e n g e p rä g t e n G e l ä n d e s w i rd n a c h u n d n a c h e i n e r k u l t u r e l l e n U m n u t z u n g z u g e f ü h r t .


N I C O L E B Ü S I N G & H E I K O K L A A S

3 DLP- Projektoren, Computer, Lautsprecher © HeK (Haus der elektronischen Künste Basel) Foto: Franz Wamhof

bis 29. März 2015 R yoji Ikeda www. hek. ch

F R Ü H J A H R 2 015 — B A S E L

Ryoji Ikeda, „data.tron [3K version]“, 2014,

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Im letzten Sommer erst hat die Hochschule für Gestaltung und Kunst ihren silbrig glänzenden, achtstöckigen Neubau bezogen. Ebenso hat das international renommierte Ar­ chitekturbüro Herzog & de Meuron für sein umfangreiches A rchiv und die f irmeneigene Kunstsammlung einen ­mar­kanten Neubau errichtet, der zudem noch luxuriöse Loft­ apartments beherbergt. Und Ende November 2014 ist noch ein spannender Ausstellungsort hinzugekommen: Das Haus der elektronischen Künste Basel (HeK) auf dem Dreispitzareal unweit des Schaulagers versteht sich als ein Ort für Ausstellungen, Performances, Konzerte, Workshops, Symposien und vieles mehr. Eines will es aber ganz dezidiert nicht sein: ein weiteres „Museum“. HeK-Direktorin Sabine Himmelsbach begreift ihr Haus vielmehr als dynamisch agierende, interdisziplinäre P räsentations- und Diskussionsplattform für Sound-, Netz- und Computerkünstler, elektronische Musikkultur, multimediale Performer und Vertreter aller möglichen anderen künstlerischen Disziplinen, die statt mit Pinsel und Leinwand mit Tastatur und Bildschirm operieren. Die frühere Direktorin des Oldenburger Edith-Russ-Hauses für Medienkunst leitet das HeK seit seiner Gründung 2011. ­B islang war es allerdings in wesentlich bescheideneren ­R äumen untergebracht. Mit der vom Basler Architektenduo Alban R ­ üdisühli und Christoph Ibach sensibel umgebauten ehe­m aligen Speditionslagerhalle stehen jetzt bei einer Gesamtfläche von 1.300 Quadratmetern rund 550 Quadratmeter für Ausstellungen zur Verfügung. Hinzu kommt ein 200 Quadratmeter großer Veranstaltungsraum im alten Betonkeller. Bauherren und Architekten haben darauf Wert gelegt, das Lagerhausflair der Räume zu erhalten. So wurden etwa die Garderobenschränke und Loungemöbel aus alten Holzkisten der Schweizer Bundesbahn gebaut. Ermöglicht wurde das Projekt mit der finanziellen Unterstützung der Christoph ­M erian Stiftung, die auch das Basler Museum für Gegenwartskunst unterhält. Gleich mit der ersten Ausstellung zeigt das HeK, was es anderen Häusern voraus hat: Die Technik ist auf dem neuesten Stand, Hunderte Kilometer Stromkabel und Datenleitungen durchziehen für den Besucher unsichtbar das Gebäude, Beamer und Lautsprecher sind von einem zentralen Serverraum aus einzeln ansteuerbar. Ideale Voraussetzungen also für den japanischen Komponisten und Medienkünstler Ryoji Ikeda (48), der die beachtenswerte Eröffnungsausstellung bestreitet. Ikeda entführt den Betrachter darin in einen hyperästhetischen Hightechkosmos voller fremdartiger Hochfrequenztöne. Endlose Zahlenkolonnen f ließen mit atemberaubendem Tempo über Wände und Monitore. 3-D-Animationen geben Einblick ins menschliche Genom oder die astronomischen Daten der NASA. Ikedas Rohmaterial sind die Datenströme, die uns alle tagtäglich umgeben. Selten hat ein Künstler die Omnipräsenz von Big Data derart ästhetisch verdichtet und physisch erfahrbar gemacht.


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Im Atelier von Nakis Panayotidis

„Every day is one dreaming day“

Seit November 2014 widmet sich das Kunstmuseum Bern in einer Retrospektive dem Werk von Nakis Panayotidis, der zu den wichtigsten Vertretern der Arte Povera gehört. Regula Berger, die die Ausstellung „Nakis Panayotidis. Das Unsichtbare sehen“ zusammen mit dem Direktor Matthias Frehner kuratierte, berichtet über einen ihrer Besuche im Atelier des Künstlers in Bern: „Der Weg vom Museum zum Atelier führt mich den Bun­desrain hinunter, geradewegs am Wohnhaus von Nakis Panayotidis vorbei, bis zur Talstation der Marzilibahn und durch schmale Strassen, geflankt von nostalgischen Arbeiterhäuschen, entlang des Marzili-Bads bis zur Dampfzentrale. Dort, in diesem Fachsteinwerkbau ganz hinten hat der Künstler sein ‚Kunstlaboratorium‘. Nakis kommt zeitgleich mit mir an. Auf seinem Velo, wie meistens, wenn er unterwegs ist. In der Mitte des Ateliers steht ein grosser Tisch, ­überhäuft mit Allerlei, stapelweise Papier, darauf Geschriebenes oder Skizzen, darunter ein Laptop, ein Fotoapparat, Tink­t uren, Bücher, Klebeband, Leim, ein Messband, Schreib­ utensilien, ein Handy, ein Schweizer Sackmesser, Umberto Eco‘s ‚Il cimitero di Praga‘, eine Badehose, Zeitungsausschnitte, eine bronzene Faust, die als Brief beschwerer dient und vielleicht einmal Teil eines Kunstwerkes war oder es noch werden wird und ein CD Player, damit der Künstler, wie er mir später erzählen wird, ‚La Diva‘ Maria Callas in ‚Tosca‘ hören kann. In den Ecken stehen aufgerollte Leinwände, überall ­stapeln sich Objekte, manche eingepackt andere nicht. Das Licht, das durch die milchigen Fenster dringt, beschert eine besondere Atmosphäre. Die Berührungsängste sind mir plötzlich fern, im Gegenteil, diese wundersame Welt lädt mich dazu ein, Gegenstände anzufassen, zu untersuchen und zu finden, mit diesem Museumsgut nicht unsorgfältig, aber doch irgendwie ungehemmter umzugehen, als es mir berufsbedingt anzuhaften scheint. Eine grosse Leinwand – 200 x 200 cm – steht an eine Wand gelehnt. Ein langes Kabel führt davon weg, quer durch den Raum zu einer Steckdose am anderen Ende des Ateliers. Die Leinwand ist überdeckt mit einer Glasplatte, welche an

den sechs Stellen, wo sich die mit Neon umwobenen Glasscherben gewaltsam hineinbohren, gerissen ist. In der linken oberen Hälfte ein weisses Hemd über ein Eisengitter gehängt, hinterlegt mit Neon. Ein Werk, bestehend aus alltäglichen, ­gewöhnlichen Materialien, wie typischerweise in der Arte Povera verwendet, jener Bewegung, mit welcher Nakis Panayotidis während seiner Studienjahre in Turin 1966 in ­Berührung kam, sie aufnahm und weiterführte. Wie oft in seinem Schaffen ist auch hier das Licht ein wichtiges Element, das Verborgenes eröffnet und Wahrnehmungen verschiebt. Es akzentuiert die Schmutzränder des Kleidungsstücks, das plötzlich Alltäglich wird und wie beiläufig, vielleicht im Zuge der Verrichtung einer Arbeit, über das Eisengitter gehängt scheint. Gleichzeitig lässt es dem Werk etwas Entrücktes, Traumhaftes anhaften. Diese Empfindung ist umso eindrücklicher, wenn man das Vorbild, nämlich Piero della Francescas ‚Il Battesimo di Cristo‘ (Die Taufe Christi; ca. 1448–1450), das Nakis Panayotidis 1982 in der National Gallery in London gesehen hat, kennt. Im Hintergrund ein gebeugter Jüngling, der sich gerade ein eben solches weisses Hemd überzieht. Eine ganz alltägliche Handlung, inmitten dieser mystischen Szene, wo Johannes der Täufer Jesus Christus tauft, über dessen Haupt eine weisse Taube – der Heilige Geist – , zu Füssen der Fluss, der in seinem Laufe innezuhalten scheint. Nakis Panayotidis nennt sein 2014 entstandenes Werk ‚Every day is one dreaming day‘. Für mich jedenfalls sind ­diese Zeilen nicht nur Werktitel, sondern drücken sie die Stimmung aus, die mich im Atelier von Nakis Panayotidis empfing.“ (Auszug aus: KunstEINSICHTBern, Nr. 5, 2014) REGULA BERGER

bis 15 . März 2015 „ N a k i s P a n a y o t i d i s . D a s U n s i c h t b a r e s e h e n“ www. k unst museumber n. ch


Neon, A xt, Mull auf Leinwand, 120 x 100 cm © der Künstler, Fotos: Franz Schwendimann, Kunstmuseum Bern

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Nakis Panayotidis, „La rivincita degli zingari“, 2011,

F R Ü H J A H R 2 015 — B E R N

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180 M odedesignerin M arianne Milani im Inter view

Die goldene Nadel der Milani Ü ber dem L aubeng a ng der G erecht ig keit sg a sse a m ­u nteren E nde der Ber ner A lt st adt bef indet sich das ­M odedesign-Studio von ­M arianne Milani. Neben der Haute-Couture-Kollektion aus wertvollen Stoffen finden ihre Kunden hier individuelle Beratung und intellektuelle Verwöhnung. Zum vereinbarten Termin treffen wir die charmante Dame zwischen den Spiegelwänden in ihrem Studio in der Beletage: Wir sprechen über Perfektionismus und Minimalismus in der Haute Couture zwischen Bern und London und das Leben unter Künstlern. Im Anschluss betrachten wir noch Milanis private Kunstsammlung mit Werken befreundeter Künstler wie Jürgen Klauke, Vollrad Kutscher, Heinz Brand, James Lee Byars, Peter Weibel, Tom Marioni, Ulay, Thomas Feuerstein, M ­ alcolm Morley, ­F ranti ček Klossner, Meret Oppenheim, Margrit Jäggli und vielen mehr. ARTMAPP: Sie kommen ursprünglich aus Basel. Wie führen von dort die Wege in die Welt der Mode und zu einer so angesagten Adresse wie „marianne mi1ani“ hier in Bern? Marianne Milani: Ich wurde in Basel in eine Schneiderdynastie hineingeboren. Deshalb wollte ich alles machen – nur nicht Mode. Aber nach einem Aufenthalt in der Westschweiz, um dort Französisch zu lernen, bin ich dann doch in einem Top-Haute-Couture-Geschäft in Basel in die Lehre gegangen. Nach dreieinhalb Jahren Ausbildung zur Damenschneiderin habe ich gleich noch ein halbes Jahr Herrenschneider dran­ gehängt. Während der Lehre hatte ich schon internationale Schnitttechnik und Modedesign in der Gewerbeschule Basel gelernt. Dann habe ich mich in Bern selbstständig gemacht. Mein Atelier hieß von da an „Marianne Milani Couture“ und bis heute bin allein die Besitzerin der AG, Alleinaktionärin. Aber ich arbeite mit verschiedenen Ateliers zusammen. ­P roduziert wird von mir ausschließlich in der Schweiz. Und ich bin stolz darauf, dass meine Produktion absolut „Swiss made“ ist. Das ist schwierig, denn die Schweiz ist kein Produzentenland.

Das “kleine Schwarze” Foto: Hans Amrein

ARTMAPP: Kann man sagen, dass Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Milani-Stil ­gefunden haben? Und wer waren die ­O rientierungspunkte dafür?


MM: Für mich war immer das Weglassen ganz wichtig. Ich habe und mag in keinem Bereich Schnörkel. Weder im Design noch in der Mode. Weglassen! Dann kommt die perfekte Linie zum Vorschein. Meine Liebe zur Technik und Perfektion habe ich von meinem ostpreußischen Großvater. Aber Yves Saint Laurent war später mein ganz großer Favorit. Ihn empfand ich wirklich als Vorbild. Von Jakob Schlaepfer sind die Stoffe mit Steinen, Pailletten, Seidenbändern und mit herrlichen Stickereien, auch sehr spezielle Seidendrucke sind dabei. Herrenstoffe beziehe ich aus Italien. Und aus Schottland habe ich meinen Lieblingstartan, den „Black Watch“, den trägt das 42nd Royal Highland Regiment.

MM: Bei schlechtem Wetter ist mein Vater früher immer mit mir ins Kunstmuseum oder in die Kunsthalle gegangen, ­e igentlich in alle Museen in Basel. Zwar gefällt mir das ­Voluminöse und Barocke in der Kunst der alten Meister heute noch, aber die Minimal Art, die entspricht mir wegen ihrer Reduktion. Nur muss ich sagen: Ich bin keine Künstlerin. Von der Kunst erwarte ich etwas ganz anderes. Da erwarte ich viel mehr. Kunst muss mich beeindrucken, muss mich be­g lücken, muss mich traurig machen oder mir die Luft nehmen. Also, Mode ist nicht Kunst! Und bei Mode­s chöpfern, die behaupten, Künstler zu sein, da habe ich Vorbehalte. Ich bin Modedesignerin.

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ARTMAPP: Sind Sie mit Ihrer Mode auch auf ­Messen wie der Berlin Fashion Week aufgetreten oder spielen andere Modeereignisse wie dieses eine wichtigere Rolle? MM: Natürlich besuche ich Messen oder die Fashion Weeks in Paris, Berlin oder Düsseldorf, nur präsentiert habe ich dort noch nie. Ich mache das ganz anders: Meine Modenschauen finden zum Beispiel im Berner Kunstmuseum oder in ­meinem Fashion-Studio statt. Das ist ein viel aufregenderes Ambiente. ARTMAPP: Sie pflegen auch enge Beziehungen zu internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Was waren da die wichtigsten Begegnungen?

ARTMAPP: Sie fertigen nur maßgenaue Einzel­ stücke, individuell auf Wunsch des Kunden? MM: Jeder Kunde bekommt ein auf sich persönlich abgestimmtes und abgemessenes Outfit, mit Anprobe. Jedoch ausschließlich Modelle aus meiner Kollektion. Ich kenne alle Personen, die meine Sachen tragen. Meine Haute Couture fängt bei der Idee an, ich mache die Zeichnungen, den Schnitt  – und dann kommt die ganze Verarbeitung. Ich lege Wert auf perfekte Handarbeit. Alle meine Kleider haben handgenähte Knopflöcher. Ich bin extrem detailversessen. ARTMAPP: Eine solche Maßarbeit erscheint viel spezifischer als beispielsweise bei einem Maler, der seine Bilder anfertigt. Wäre die Schneiderarbeit denn mit der eines Künstlers gleichzusetzen? Und welche Rolle spielt für Sie die zeitgenössische Kunst, etwa die Minimal Art oder Conceptual Art?

ARTMAPP: Marianne Milani, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview für ARTMAPP führte Sebastian Baden.

www. mar iannemilani. ch

F R Ü H J A H R 2 015 — B E R N

Foto: Uwe Goebel

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Porträt Marianne Milani

MM: Besonders intensiv war meine Freundschaft mit James Lee Byars. Während seines Aufenthalts in Bern 1975 kam er ein Jahr lang jede Woche zum Abendessen. Bei einer privaten Performance erhielt ich als Geschenk „The Golden Needle“. Eine weitere enge Freundschaft verbindet mich mit dem Künstler und Kurator Peter Weibel. Er besaß einmal einen Mantel von mir, der ihm leider bald gestohlen wurde. Darüber hat er einen Beitrag für meine P ublikation „Marianne ­M ilani Mode“, geschrieben: „Milanis Mantel. The essence of dress-sense“. Er beschreibt darin, wie auch ihn die Mode verführt habe und er Opfer des eigenen Begehrens geworden sei. Übrigens bin ich eigentlich immer mit Künstlern befreundet gewesen. Mit Marina Abramović und Ulay habe ich einmal ­einen langen schwarzen Mantel gegen ein Werk ­getauscht. Und Tom Marioni habe ich in einem kalten Winter einen ­blauen Mantel geschenkt, woraufhin ich von ihm ein großes Werk erhielt. So kam meine Sammlung zusammen.


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Helmut Newton, Sigourney Weaver, Los Angeles 1983 © Helmut Newton Estate

HELMUT NEWTON FOUNDATION PRESENTS

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PERMANENT LOAN SELECTION BIS 17.05.15 • HELMUT NEWTON FOUNDATION • MUSEUM FÜR FOTOGRAFIE JEBENSSTRASSE 2, 10623 BERLIN • DI, MI, FR 10-18, DO 10-20, SA, SO 11-18 UHR


184 Galerientage. st yriar te. steirischer herbst

Graz für Entdecker

© Graz Tourismus / Werner Krug

Zeitgenössische Fotografie und klassische Malerei, Medienkunst und Performance: Die Spannweite könnte größer nicht sein, wenn im Frühling in Graz die Galerien und Kunsthäuser ihre Türen öffnen. Zum 15. Mal locken in diesem Jahr vom 15. bis 17. Mai rund 25 Kunstinstitutionen und Museen Kunstfreunde zu den Grazer Galerientagen in den Süden Österreichs. Dabei präsentieren sich die Galerien, Kunstinitiativen und Institutionen in all ihrer Unterschiedlichkeit. In der Camera Austria etwa setzt sich die Schau „Uncovering History“ kritisch mit der bildlichen Darstellung von Geschichte auseinander. Soziologische Aspekte urbaner Kunst stehen beim Kunstverein <rotor> im Vordergrund. Die Galerie Leonhard legt ihren Schwerpunkt auf Österreichisches, das ESC Medien Kunst Labor führt sein Programm im Namen.

Die Vielfalt ist Programm bei den Grazer Galerien­t agen, erklärt Tanja Gassler von der ARGE aktuelle kunst in graz, Organisatorin der Galerientage. Kunstfreunde, Sammler und Neugierige sollen beim Kunst-Parcours die Stadt an der Mur als Standort für zeitgenössische Kunst erleben. Das Programm dazu, das vor allem auf Vermittlung setzt, ist dicht und beginnt am Freitag mit zeitlich gestaffelten Vernissagen als Auftakt einer langen Nacht. Am Samstag folgen Künstlergespräche und Rundgänge mit Kritikern oder Kuratoren, dazu sind Performances und Buchpräsentationen zu erleben. Am Abend bringt das Forum Stadtpark die Künstler und ihr Publikum bei einer Party mit Live-Musik zusammen. Das Frühlingsfest im Skulpturenpark im Süden der Stadt am Sonntag führt nach dem strammen Kunst-Marathon aus der Stadt in die freie Natur.

rechte Seite: steirischer herbst, Dennis Feser, „Rauhnacht“, 2014, Performer: Jelili Atiku, Foto: Dennis Feser


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st yriarte in Schloss Eggenberg, © st yriarte, Werner Kmetitsch

Damit erweitern die Galerientage das reiche kulturelle ­L eben der steirischen Hauptstadt. Als junge, lebendige ­U niversitätsstadt mit fast mediterranem Flair geschätzt, hat sich Graz auch in der Kulturszene mit starken Akzenten internationales Renommee geschaffen. Klassik-Liebhaber kommen hier beim Musikfest styriarte im Sommer auf ihre Kosten: Das Festival um den Dirigenten Nikolaus Harnoncourt bringt Erlesenes vom Barock bis heute an ausgewählten Spielorten, etwa Stiften, Klöstern oder Schlössern in Stadt und Land. Dem gegenüber steht der steirische herbst als Festival für Zeitgenössisches, das die Kunstformen verbindet. Gegründet 1968 als Kristallisationspunkt der österreichischen Avantgarde, ist der steirische herbst unter Leitung von Veronica Kaup-Hasler heute stark auf Eigenproduktionen mit internationalen Künstlern ausgerichtet und lockt im September und Oktober viel junges Publikum nach Graz.

1 5 . b i s 1 7. M a i 2 0 1 5 G a l e r i e n t a g e G ra z w w w . a k t u e l l e k u n s t- g ra z . a t 26. Juni bis 26. Juli 2015 Festival st yr iar te www. st yr iar te. com 25 . September bis 18 . Ok tober 2015 Fest ival steir ischer herbst www. steir ischerherbst. at We i t e r e I n f o r m a t i o n e n u n d P a u s c h a l a n g e b o t e : w w w . g ra z t o u r i s m u s . a t

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F R Ü H J A H R 2 015 — G R A Z

IRMGARD RIEGER


186 Theater festival und Ausstellung zum Thema Terrorismus

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F R Ü H J A H R 2 015 — S T U T T G A R T

Im Schatten der Angst

„5 morgen“, von Fritz Kater, Schauspiel Stuttgart, Uraufführung am 26. Oktober 2013 Foto: Bettina Stöß


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Wohl kein anderes Phänomen prägt unsere Zeit so eindringlich wie der Terrorismus. Sei es die Gewaltherrschaft einer stark ideologisierten Miliz wie dem „Islamischen Staat“ (IS) im Irak und in Syrien oder die unberechenbaren Attentate von Einzeltätern wie im Januar in Paris; seien es die aus dem Rückhalt eines Unterstützermilieus heraus begangenen Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) oder die Gewalttaten separatistischer Gruppen, welche den Zusammenbruch ganzer Staaten herbeiführen, wie derzeit die prorussischen Rebellen in der Ukraine oder die islamistische Gruppierung „Boko Haram“ im Norden Nigerias. Egal, welche weltanschauliche oder politische Agenda Terroristen verfolgen, ihr Ziel ist es immer, bestehende Gesellschaftsordnungen zu destabilisieren und letztlich zu zerstören. Terror wirkt, auch da, wo Anschläge noch nicht zum Alltag gehören. Denn auch die ­begründete oder vage Angst vor Terror ist Terror: Die Furcht vor Anschlägen säht Misstrauen, zerstört also den ungezwungenen Umgang der Bürger miteinander und provoziert undemokratische Maßnahmen seitens der Staatsorgane. ­Keine Frage, wir müssen uns damit beschäftigen, müssen ergründen und verstehen, wie Terrorismus Gesellschaft und Individuen prägt. Schon allein, um Wege zu finden, dem Terror zu begegnen, ohne unsere demokratische, pluralistische Gesellschaftsordnung aufzugeben. Neben dem Bildungswesen scheint hierfür kaum eine andere Komponente unserer Zivilgesellschaft geeigneter als die Kunst. Künstler, Kuratoren und ein interessiertes Pub­l ikum bilden zusammen eine starke Macht gegen die ­verheerenden Auswirkungen des Terrors. An der Dokumentation und wohlkuratierten Aufarbeitung vergangener Terrorjahre können wir unser Verhalten schulen und uns so gegen die zersetzende Wirkung des aktuellen Terrors wappnen. Die Sonderausstellung „RAF – Terror im Südwesten“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart zeigte vor gut einem Jahr, wie die Auseinandersetzung mit Terrorismus einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden kann. Eine Mischung aus Erfahrungsberichten von Zeit­ zeugen und Objekten sowie Medienmaterialen der Epoche ermöglichte den über 70.000 Besuchern, die Lebensläufe von Opfern wie Tätern sowie die Reaktionen der damaligen ­Regierung und der Bevölkerung nachzuvollziehen und dazu einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Eine erweiterte Version dieser Ausstellung ist derzeit im Deutschen Histo­r ischen Museum in Berlin unter dem Titel „RAF – Terroristische Gewalt“ zu sehen. Eine andere Perspektive auf den Terror bietet die Fotoserie „Stammheim“ (2009/10) von Andreas Magdanz. Die betont nüchtern-sachlichen Aufnahmen der RAF-Zellen und des Gefängnisgebäudes stehen in Opposition zu den kollektiv imaginierten Bildern aus

Fernseh- und Kinofilmen. Sie bewirken eine Entmytho­ logisierung der R AF-Erinnerungskultur. Vor Magdanz Fotografien konnten Besucher der Ausstellung im Kunst­ museum Stuttgart 2012/13 studieren, was passiert, wenn Staatsorgane statt mit demokratischem Selbstbewusstsein mit einem totalitären Verständnis von Strafe und Kontrolle auf Terrorismus reagieren und damit dessen Protagonisten zu Märtyrern machen. Ein klassischer Ort für die lebendige Auseinander­ setzung mit gesellschaftlichen Themen ist ebenso die Theaterbühne. Das Schauspiel Stuttgart wird in Kooperation mit sechs Häusern aus mehreren Ländern im Juni 2015 beim Theaterfestival „TERRORisms“ Stücke zeigen, die Erfahrungen mit politisch motivierter Gewalt thematisieren: In einer Produktion aus Tel Aviv werden die Schauspieler das Leben ­einer Selbstmordattentäterin rekonstruieren, aus Belgrad kommt eine ironische Befragung der blutigen Geschichte ­Serbiens und das Nationaltheater Oslo wird in seiner Gesamtschau terroristischer Phänomene sicherlich auch den Horror der Anschläge des Rechtsextremisten Anders Behring Breivik von 2011 aufnehmen. Ein Besuch dieser und ähnlicher Kunstveranstaltungen hilft uns, unsere diffusen Terrorängste zu rationalisieren und, solchermaßen gestärkt, unseren unendlich kostbaren, weil zwanglosen und toleranten Lebensstil zu verteidigen. „Wer den Raum der Kunst benutzen kann“, sagte Christoph Schlingensief einmal, „wird so leicht kein Ter­ rorist“ – und er wird sich vom Terror auch nicht in die Knie zwingen lassen, möchte man hinzufügen. HANSJÖRG FRÖHLICH

25 . bis 28. Juni 2015 „ T E R R O R i s m s“ Inter nat ionales Theater fest ival im Schauspiel St ut tgar t www. schauspiel-st ut tgar t. de w w w . u n i o n - t h e a t r e s - e u ro p e . e u bis 26. Apr il 2015 „ R A F – Te r ro r i s t i s c h e G e w a l t “ Deutsches Histor isches Museum, B erlin

Armin Petras, Intendant des Staatstheaters Stuttgart, Regisseur von „5 morgen“, Foto: Arthur Zalewski


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Paul Cézanne, „Portrait de Victor Chocquet“, 1876 –1877, Öl auf Leinwand, 46 x 36 cm, Privatsammlung, New York

rechts: Eugène Delacroix, „Le Naufrage“, 1862, Öl auf Leinwand, 38,8 x 45,7 cm, The Museum of Fine Arts, Houston, Museumsankauf ermöglicht durch den Agnes Cullen Arnold Endowment Fund


Sammlung Oskar Reinhar t „ Am Römerholz“, Winter thur

189

Heute gehört dieses eigenwillige Porträt, das schon den Ka­ talog der Auktion von 1899 schmückte, zu den Highlights der Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz in Winterthur. Anlässlich des 50. Todestages des Schweizer Sammlers, der wie Chocquet bei der Wahl seiner Erwerbungen weniger ­einem systematischen Ansatz als seiner Leidenschaft für das Malerische folgte, steht es hier nun im Mittelpunkt einer ebenso konzentrierten wie packenden Ausstellung. Als ex­ emplarische Rekonstruktion, in der erstmals nach ihrer Auflösung wieder ausgewählte Werke der einstigen Kollek­ tion Chocquet zusammenführt werden, erlaubt sie einen neuen, differenzierten Blick auf den besonderen Charakter und die enorme Tragweite des Wirkens von Chocquet. Neben mehreren Porträts, die Cézanne seinem Fan und Förderer ­gewidmet hatte, konnte Römerholz-Konservatorin Mariantonia Reinhard-Felice dafür weitere herausragende Gemälde Cézannes – unter anderem „Le Pont de Maincy“ (1879/80) – sowie Werke von Delacroix, Renoir, Monet, Manet und Courbet als Leihgaben gewinnen. Als Einzelwerke, mehr aber noch in der Zusammenschau, erzählen sie vom intuitiven Gespür Chocquets für den bevorstehenden Auf bruch in eine neue Zeit, der sich in der gerade beginnenden Moderne ankündigte. Damit zeichnen sie zugleich ein intimes Porträt dieses mutigen, weitblickenden Einzelgängers, den Auguste Renoir nach der legendären Versteigerung seines Nachlasses in der Galerie Petit als „den grössten französischen Sammler seit dem König“ bezeichnet hatte. DIETRICH ROESCHMANN

b i s 7. J u n i 2 0 1 5 „V i c t o r C h o c q u e t : F r e u n d u n d S a m m l e r d e r I m p r e s s i o n i s t e n R e n o i r, C é z a n n e , M o n e t , M a n e t “ w w w . ro e m e r h o l z . c h

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Als am 4. Juli 1899 in der mondänen Pariser Galerie Georges Petit der letzte Hammer fiel, war eine der wichtigsten frühen Sammlungen des französischen Impressionismus Geschichte. Vier Tage lang hatten sich Dutzende von Bietern um die 188 Gemälde gerangelt, die der Auktionskatalog auflistete – von kleinformatigen Papierarbeiten Eugène Delacroix’ bis zu Édouard Manets berühmtem „Claude Monet peignant dans son atelier“ (1874). Die Auktion war das Highlight der Saison. Und alle waren sie gekommen: Die Maler – unter ihnen R ­ enoir, Pissarro, Monet, Degas –, die Malermacher wie ­K unsthändlerlegende Paul Durand-Ruel oder Jung­ galerist Ambroise Vollard. Und natürlich die gesamte Pariser Sammlerszene. Am Ende vermeldete die Presse ein Rekordergebnis: Knapp eine halbe Million Francs erzielte die Versteigerung der Gemälde aus dem Nachlass der kinderlos verstorbenen Marie Chocquet. Zusammengetragen hatte diese bemerkenswerte Sammlung ihr Ehemann Victor Chocquet (1821–1891), ein kleiner Beamter der französischen Zollbehörden, der mit ­A nfang 30 seine Liebe zu Delacroix entdeckt hatte. Mit bescheidenen Mitteln, aber sicherem Gespür für die Zukunft der Malerei, die er in dessen Umgang mit Farbe und der Wahl der Sujets erkannte, erwarb Chocquet im Lauf der Jahre zahl­ reiche Arbeiten dieses Wegbereiters des Impressionismus. 1875 lernte er dann auf einer Auktion den 20 Jahre jüngeren Auguste Renoir kennen, der ihn kurz darauf mit Paul Cézanne bekannt machte. Zwischen den Malern und dem Zollbeamten entwickelte sich eine enge Freundschaft. Chocquet begann auch ihre Bilder zu kaufen und brachte Cézanne als erster Sammler seiner Gemälde mit Nachdruck in der Pariser Kunstszene ins Gespräch. Beide Künstler porträtierten ihren Freund und Unterstützer gleich mehrfach. Das wohl berühmteste dieser Bilder malte Renoir 1876. Es zeigt einen jungenhaften Endfünfziger mit silbern wucherndem Haar über der hohen Stirn. In den wachen Augen liegt eine Spur Melancholie.

F R Ü H J A H R 2 015 — W I N T E R T H U R

Der Sammler Victor Chocquet


MORITZ GÖTZE · HALLE

14. MÄRZ – 2. AUGUST 2015

MARKT 7 · DI, MI, FR 10–17 UHR · DO 15–22 UHR · SA, SO 11–18 UHR www.kunstsammlung.jena.de

TRY AGAIN. FAIL AGAIN. FAIL BETTER

Claire Morgan: Gone to Seed j hutchings, 2014

INSTALLATIONEN, OBJEKTE UND ZEICHNUNGEN 7. MÄRZ – 31. MAI 2015

KUNSTSAMMLUNG JENA

DES KNABEN WUNDERHORN

Moritz Götze: Melodie der Nacht, 2015, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

BILDER, OBJEKTE UND ZEICHNUNGEN

CLAIRE MORGAN · LONDON


Photo-souvenir: Daniel Buren, Projected Colours, work in situ and mobile, 2013 © Daniel Buren & VG Bild-Kunst, Bonn 2015, Foto: F. Wamhof

Jahre MuseuM ritter

Ausstellungen bis 19. April 2015 Dóra Maurer. Snapshots Konstruktive Tendenzen im Südwesten Ausstellungen vom 10. Mai bis 20. September 2015 Ein Quadrat ist ein Quadrat ist ein Quadrat … Highlights aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter Museum Ritter. Fotografien von Horst Hamann www.museum-ritter.de Alfred-Ritter-Str. 27, 71111 Waldenbuch

MW_Hausner_Ad_4c_181x125_Artmapp 12.02.15 09:44 Seite 1

RUDOLF HAUSNER

ICH bin ES

Sammlung Würth und Leihgaben

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MUSEUM Reinhold-Würth-Str. 15 74653 Künzelsau www.kunst.wuerth.com Rudolf Hausner Adam Equlilibrist, 1993 Sammlung Würth, Inv. 3032 Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Swiridoff Verlag Alle Aktivitäten des Museum Würth sind Projekte der Adolf Würth GmbH & Co. KG.

Museum Würth, Künzelsau 21. November 2014 – 7. Juni 2015, täglich 11 – 18 Uhr, Eintritt frei

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Vera M olnar – drei aktuelle Ausstellungen

Wahnsinn mit Methode

Vera Molnar vor ihrem Werk „Pink et Rouge“, 1996 Foto: Galerie Linde Hollinger rechts: Vera Molnar, „1% Unordnung“, 1974, Serigrafie, 65 x 50 cm, Foto: © Roman Bohn

2 .675 .004 .047.2 29.796.708.138.352 .640.000 mögliche ­Bildfolgen ließen sich aus den 20 Bildern in Vera Molnars Künstlerbuch „1% de désordre“ (1980) bilden. Jede Abbildung zeigt fünf mal fünf Quadrate, die jeweils aus zehn konzentrischen Quadraten bestehen. Gestört wird dieses modulare System durch das zufällige Fehlen von zwei oder drei der konzentrischen Quadrate. Das entspricht einer etwa 1%igen Abweichung, und damit entpuppe sich ein zunächst unerträglich zwanghaft erscheinendes System als Antrieb für nahezu unendliche visuelle Untersuchungen, so Vera Molnar. Minimale Verschiebungen einer Anordnung von Linien, Quadraten oder Rechtecken sind die Grundlage ihrer stets seriellen Arbeiten. Seit 1968 benutzt die Künstlerin Computer, um diese Abfolgen zu berechnen. Viel zu aufwendig wäre es, alle Variationen einer Grundform per Hand zu zeichnen. ­D afür hätte sie fünf Leben gebraucht, meint Vera Molnar. Schon 1959 beginnt sie, mittels selbst erdachter Algorithmen und einer „machine imaginaire“ zu arbeiten. Es entstehen in sich abgeschlossene Serien, die jede mögliche Formkombination in minimalen Variationen aufzeigen. Aus der Fülle der vom Computer errechneten Möglichkeiten wählt sie schließlich eine Abfolge aus, die als Serie bestehen bleibt. Der Computer dient dabei lediglich als Werkzeug. Es geht um das Konzept, die Ausführung ist eher zweitrangig. Dabei ist die

Handzeichnung an sich immer noch der Ausgangspunkt. In ihren „Journeaux intimes“ zeichnet und sammelt Molnar ­Ideen, auf die sie oft noch Jahrzehnte später zurückgreift. Und immer wieder verortet sie ihr Werk in der Kunstgeschichte: „Hommage à Dürer“, „80 lettres M“ – „M“ wie Malewitsch, Mondrian, Molnar – lauten Titel ihrer Bildserien. Paul Klee ist ein weiterer Ankerpunkt, und mit dem Künstlerbuch „Un milliard de Sainte-Victoires dans une boîte“ (2007) positioniert sie sich gedanklich in die Nähe Paul Cézannes. Im vergangenen Jahr ist Vera Molnar 90 Jahre alt ­geworden. 1924 in Budapest geboren, studierte sie zunächst Malerei, Kunstgeschichte und Ästhetik an der dortigen ­A kademie der bildenden Künste. 1947 ging sie nach Paris, wo sie bis heute lebt. In Bleistiftzeichnungen der Fassade von Notre-Dame de Paris aus demselben Jahr reduzierte sie die Fassade auf ihre geometrischen Grundformen: parallele ­L inien, Kreise, Rechtecke. Molnar ordnete die Elemente auf dem Blatt an, analysierte und rhythmisierte die Fassade. Die Richtung des Werkes war damit klar eingeschlagen: Elementare geometrische Grundformen bestimmen es noch fast 70 Jahre später. Das ist durchaus nicht streng oder gar konkret. Bisweilen scheint es, als würden die Quadrate über das Blatt tanzen. „(UN)ORDNUNG. (DÉS)ORDRE“, so der Untertitel ihrer aktuellen Zürcher Ausstellung, bringt auf den Punkt,


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Installation „On se promène?“ von Vera Molnar. Der Ursprung ist aus der Serie „Lettre de ma mère“ mit der Achse a und b. Museum Haus Konstruktiv, Zürich, 2015

KIM BEHM

bis 10. Mai 2015 „Ve ra M o l n a r. ( U n) O rd n u n g . ( D é s) O rd r e .“ www. hau skonst r uk t iv. ch bis 25 . Apr il 2015 „Ve ra M o l n a r. „ c o n c e n t r i q u e 1 9 5 8 – 2 0 1 2‘ “ märz galer ie mannheim www. maerz-galer ie-mannheim. de 18 . Apr il bis 2 2 . Mai 2015 „Ve ra M o l n a r. „ r e c h e r c h e d e l ‘ a r t v i s u e l “ galer ie linde hollinger ladenburg w w w . g a l e r i e l i n d e h o l l i n g e r. d e

F R Ü H J A H R 2 015 — V E R A M O L N A R

Mu se um Hau s Kon st r uk t iv, Zür ich

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was Molnars Werke ausmacht: Stets geht es um das Verhältnis von Ordnung und Unordnung und die Freude an den minimalistischen Sensationen der unendlichen Variationen. In diesem Frühjahr würdigen drei retrospektiv angelegte Ausstellungen in Zürich, Mannheim und Ladenburg die Grande Dame der Computerkunst. In Kooperation mit den Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt, wo die Ausstellung bereits im vergangenen Jahr gezeigt wurde, spannt das Museum Haus Konstruktiv in ­Zürich einen weiten Bogen von den frühen Bleistift- und Tuschezeichnungen Vera Molnars über ihre Plotterzeichnungen aus den späten 1960er-Jahren bis hin zu aktuellen Arbeiten. Bis zum 10. Mai sind die etwa 80 Werke aus Museumssammlungen und Privatbesitz zu sehen. Zu konzentrierten Blicken auf das Werk laden die märz galerie mannheim und die galerie linde hollinger in Ladenburg ein, die Molnars Werk seit über 20 Jahren be­g leiten. Während Linde Hollinger ihre Ausstellung programmatisch „recherche de l‘art visuel“ betitelt, setzt Blanka Heinecke, märz galerie mannheim, mit „concentrique“ den Fokus auf konzentrisch angelegte Werke Molnars aus den Jahren 1958 bis 2012.


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Künstler engagieren sich für den Erhalt der Regenwälder

Rainforest Art Foundation

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F R Ü H J A H R 2 015 — Z Ü R I C H

Marlene Tseng Yu, © Foto: Rainforest Art Foundation

Die Gletscher schmelzen, die Meeresspiegel steigen, ­Unwetter und Naturkatastrophen häufen sich – der Klimawandel ist längst eine beängstigende Tatsache. Doch was unternimmt die Weltgemeinschaft, um ihm entgegenzuwirken? Auf ­regelmäßig einberufenen Klimagipfeln beschließen Regierungsvertreter Minimalziele, die reine Kosmetik sind, weil sie der dramatischen Entwicklung des „global warming“ in ­g roßem Abstand hinterherlaufen. Doch auch wir selbst, die Konsumenten, verharren in einer bedenklichen Gleichgültigkeit: Fahrgemeinschaften bilden? – Zu unbequem! Vegetarier werden? – Zu langweilig! Auf Kurzstreckenflüge verzichten?  – Zu zeitraubend! Doch um den brisanten Kurs des Welt­klimas zu ändern, sollte jeder etwas tun. Es reicht aus, das eigene Phlegma zu überwinden und mit einem Projekt einfach loszulegen. So wie Marlene Tseng Yu. Die in Taiwan gebürtige und in den USA lebende Künstlerin, Hochschullehrerin und ­Kuratorin gründete im Jahr 2001 in SoHo/New York die Rainforest Art Foundation (RAF). Als Non-Profit-Organi­ sation setzt diese sich ein für den Erhalt der tropischen Regenwälder und das Überleben seiner Ureinwohner mit ­i hren vielfältigen Kulturen. Neben Marlene Yu engagieren sich in der RAF derzeit weltweit 450 Künstlerinnen und Künstler. Ihr pädagogisch einleuchtendes Konzept besteht darin, durch Kunst die Wertschätzung der Natur zu steigern.

Auf den Werken der 1937 geborenen Yu finden sich etwa die Farben, Formen und der Gestaltreichtum der Schöpfung ­w ieder. Ihre abstrakt-expressionistischen Bildsujets übersetzen Rhythmen und Bewegungsabläufe der Naturgewalten auf die Leinwand. Auf Formaten von bis zu sechs mal zwölf Metern breitet sie topografische Muster aus, die als Kontinente, Meere, Wolkenfelder, oder aber auch als Traumbilder gelesen werden können. Das Zusammenspiel der vier Elemente und daraus resultierende Naturereignisse sind der Kern von Yus Malerei. So auch in ihrer „Melting Glacier“-Serie (ab 1965), die e­ ntstand, bevor diesem Phänomen eine größere klima­ politische Bedeutung zugeschrieben wurde. Auch die Fotografien, ­G emälde, Skulpturen oder Videoarbeiten der anderen Künstler-Aktivist/-innen von R AF fokussieren, bei aller Diversität, auf die Natur als Garant von balanciertem Entstehen und ­Vergehen, also auf Konstanz durch ewige Erneuerung. Ziel der Rainforest Art Foundation ist es, mittels der künstlerischen Ästhetisierung der Natur, ein großes Publikum für die Schönheit und Einzigartigkeit der Erde zu begeistern und zu eigenem Engagement zu bewegen. ­Neben dem RAF-­H auptsitz in Shreveport/Louisiana, der auch ein Marlene-Yu-Museum, Räume für Workshops und Wechsel­ausstellungen beherbergt, sind es die in vielen verschiedenen Ländern initiierten Kunstschauen, die dem Projekt zu einer hohen Popularität verhelfen.


201 4 hat die Galerist in Eva Wild die Vert ret ung der ­g emeinnützigen Rainforest Art Foundation für Europa übernommen. Ihre 1980 gegründete Galerie Wild in Zürich vertritt vornehmlich Kunst aus den USA, Pop-Art und zeit­g enössische europäische Positionen. Sie berät Privatsammler und ent wickelt P rojekte f ür internat ionale Unternehmen. Seit 30 Jahren kennt sie Marlene Yu, gemeinsam haben sie schon einige Ausstellungen realisiert. Für RAF dient die Galerie Wild nun als Plattform für die Suche nach Multiplikatoren aus Wirtschaft und Kultur in Europa, die ebenfalls Interesse an e­ inem Engagement für die Regenwälder haben und dieses Ansinnen über ihre eigenen Netzwerke verbreiten. Um das Budget der Regenwaldstiftung zu sichern, finden Benefiz­veranstaltungen statt. Dort werden Werke von RAF-Künstlern, Arbeiten aus dem Fundus der Stiftung und aus Privatsammlungen versteigert. Die Erlöse f ließen direkt zu Umweltschutzorganisationen in den von Abholzung und Kulturzerstörung geprägten Regionen. ­O bwohl erst seit D ­ ezember letzten Jahres aktiv, hat die ­E uropa-Dependance der R AF schon jetzt regen Zulauf. 130 Künstlerinnen und Künstler haben Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet, 36 wurden bisher aufgenommen. Mit der Rainforest Art Foundation schließt sich ein Kreis: Am Anfang unserer Kulturgeschichte bildete die Kunst die Schöpfung nach, später schuf die Kunst ihre eigenen ­Geschöpfe – und nun sorgt die Kunst für den Fortbestand der Schöpfung.

195 w w w . ra i n f o r e s t a r t f o u n d a t i o n . o r g R e p rä s e n t a n z f ü r E u ro p a Galer ie Wild GmbH, Zür ich www. galer ie-wild. ch

Außenansicht Marlene Yu Museum and Foundation

HANSJÖRG FRÖHLICH

ein Moment – ewig 25. Januar - 21. Juni 2015

Sean Scully, Pale Green Light, 2002

KUNSTWERK I SAMMLUNG ALISON UND PETER W. KLEIN I SIEMENSSTRASSE 40 I 71735 EBERDINGEN-NUSSDORF ÖFFNUNGSZEITEN MITTWOCH BIS FREITAG UND SONNTAG VON 11 - 17 UHR I SAMSTAG NACH VEREINBARUNG K U N S T W E R K @ S A M M L U N G - K L E I N . D E I T E L E F O N 0 7 0 4 2 - 3 7 6 9 5 6 6 I W W W. S A M M L U N G - K L E I N . D E


www.aktuellekunst-graz.at

Galerientage 15.-17. Mai 2015

,AKADEMIE GRAZ ,ARTELIER CONTEMPORARY ,ATELIER JUNGWIRTH ,CAMERA AUSTRIA ,ESC MEDIEN KUNST LABOR ,FORUM STADTPARK ,GALERIE CENTRUM ,GALERIE EUGEN LENDL ,GALERIE KUNST & HANDEL ,GALERIE LEONHARD ,GALERIE REMIXX ,GALERIE SCHAFSCHETZY ,GALERIE ZIMMERMANN KRATOCHWILL ,GRAZER KUNSTVEREIN ,KULTURZENTRUM BEI DEN MINORITEN ,KUNSTGARTEN ,KUNSTHAUS GRAZ UNIVERSALMUSEUM JOANNEUM ,KÜNSTLERHAUS KM–, HALLE FÜR KUNST & MEDIEN ,MUSEUM DER WAHRNEHMUNG ,NEUE GALERIE GRAZ UNIVERSALMUSEUM JOANNEUM ,QL-GALERIE ,REINISCH CONTEMPORARY ,RHIZOM ,< ROTOR > ,WERKSTADT GRAZ/GRAZ KUNST/GALERIE GRAZY ,ÖSTERREICHISCHER SKULPTURENPARK


Roger et Jacotte Capron

Skulpturen-Ausstellungen 2015

Gemeindetag Baden-Württemberg / Stuttgart

SÜDFRANKREICH

Vallauris, Valbonne, Cannes, Biot DEUTSCHLAND

Stuttgart, Remshalden, Rechberghausen, Ebersbach Kanalstraße 50 73061 Ebersbach/Fils

www.harsch-kunst.de www.rogercapron.com


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Books KUNST

FOTOGR AFIE

DESIGN

MODE

ARCHITEKTUR

„Ich arbeite wie ein Bildhauer“

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F R Ü H J A H R 2 015 — B O O K S

VERL AG M MKOEH N

„Tausche Ölbild für gebrauchtes Auto (nicht älter als 5 Jahre).“ – Das Leben als freischaffender Künstler war schon immer ein meist prekäres. Der Fotograf Moritz Frei vereint in seinem Künstlerbuch Kleinanzeigen ab 1985, die davon zeugen: vom Ölbild-Auto-Deal über Ateliergesuche und Leinwände im Sonderangebot. Das orangefarbene Hardcover im Pocket­ format ringt uns Anzeige für Anzeige ein Grinsen ab und spiegelt dabei die bittere Realität der Kreativbranche. Erschienen ist es im Verlag MMKoehn. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die M ­ acherin: Maria Magdalena Meyer, geborene Koehn. Seit ­anderthalb Jahren verlegt die Grafikdesignerin Publikationen in Eigenregie – mit Sitz in Berlin und Privatleben in Leipzig. Geboren 1979 in Dresden hat sie sich zunächst im Großraum Halle/Leipzig einen Namen gemacht. Sie begann ihr Studium an der halleschen Kunsthochschule Burg Giebichenstein und wechselte nach zwei Jahren an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Schon ihr Vater hatte einst hier studiert und war freier Künstler: „Ich habe den Umgang mit Buchstaben eingeatmet“, erzählt sie. „Als Kind hatte ich einen kleinen Arbeitstisch neben seinem stehen und wusste immer, dass ich beruflich in diese Richtung wollte.“ Zum Diplom servierte sie „Echtes Leipziger Allerelei“, ein Kochbuch für Studenten, das Food-Fotografien mit ­R ezepten von Sterneköchen kombiniert . Für ihre ­G estaltung mit verschiedenen Papieren, variierenden ­Seitenformaten und einem Gummi, der es ermöglicht, ­eigene Rezepte hin­z uzufügen, erhielt sie 2005 den Sächsischen Staatspreis für Design. Es folgte die Mitarbeit beim Leip­ziger Spector Bureau, der Meisterschülerabschluss, eine Dozentenstelle für Typo­g rafie an der Grafik-Design-­S chule in Greifswald. Und immer wieder monografische Bücher zu Künstlern: Neo Rauch, Martin Eder, Beate ­Gütschow, Rosa Loy, Matthias Weischer.

Bücher zu gestalten bedeutet für Meyer, sich zu einer gewissen Zeit auf einen Künstler und ein Thema zu konzentrieren und beides haptisch zu verkörpern – wie in einem Museum. Dabei bleibt sie ihrem eigenen Stil stets treu: „Ich arbeite wie ein Bildhauer, will zum Kern vordringen, indem ich viel ­weg­nehme“, so Meyer. „Dadurch sind meine Sachen recht ­t rocken, zeugen aber von Lust am Material.“ Der eigene Verlag ­er­möglicht ihr nun, auch stärker inhaltlich in die B ­ ücher einzusteigen, mit den Künstlern gemeinsam über die Bildauswahl oder auch die Texte zu entscheiden. Zum zweiten Mal ist sie in diesem Jahr auf der Leipziger Buchmesse ­vertreten. Pünktlich im März erscheint dazu ein Werkkatalog von Julius Hofmann, der in Leipzig bei Neo Rauch und ­Heribert C. Ottersbach studierte. Seine zum Teil sehr düsteren Malereien entstehen vor allem nachts und ­referieren auf von ihm selbst am Computer produzierte Kurzfilme. Im Buch sind die Bilder auf schwarzen Seiten ­a ngeordnet,


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Doppelseite aus Julius Hofmanns Werkkatalog „RE-import“, 2015, Foto: MMKoehn Verlag

Filmstills und Malereien stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander und evozieren so auch im Buchraum eine filmische Narration. SARAH ALBERTI

A K T U EL L E N EU ER SCHEI N U NGE N: 1 4 . März 2015 , 19 Uhr

Moritz Frei, „Tausche Ölbild für gebrauchtes Auto“, 128 S., 8 x 10,5 cm, Hardcover (500 Exemplare mit nummerierter Fotografie), EUR 8, ISBN 978-3-944903-12-5, Dt.

B u c h p rä s e n t a t i o n i m M u s e u m d e r b i l d e n d e n K ü n s t e L e i p z i g 1 2 . bis 15 . März 2015 M M K o e h n Ve r l a g a u f d e r L e i p z i g e r B u c h m e s s e :

Julius Hofmann, „RE-import“, 148 S., 260 Farbabb., 22 x 27 cm, Hardcover (600 Exemplare), EUR 36, ISBN 978-3-944903-03-3, Dt., Eng.

Stand F4 10 / Halle 3 www. mmkoehnve rlag. de


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Prestel Verlag 296 S. 224 Farb- und 42 S/W-Abb. 23 x 28 cm Pappband EUR 49,95 ISBN 978-3-7913-5414-9

Monet und die Geburt des Impressionismus Hrsg.: Felix Krämer — Großzügig bebildert, präsentiert dieser Band einige der bekanntesten Werke der impressionistischen Malerei und liefert zugleich neue, faszinierende Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Impressionismus. Worin lag die anfängliche Radikalität dieser Kunst? Und warum ist sie bis heute so beliebt? Der Leser erfährt, welchen Einfluss Umbrüche innerhalb der französischen Gesellschaft, technischer Fortschritt und wachsende Mobilität, der Wandel im Verhältnis von Arbeit und Freizeit, aber auch das veränderte Verhältnis von Mensch und Natur auf die Entstehung des Impressionismus hatten. Anschaulich wird die innere Entwicklung der impressionistischen Kunst dargestellt: das Aufkommen der Freilichtmalerei und die Hinwendung zum Alltäglichen und zu Licht und Farbe, die schließlich wichtiger werden als das Sujet. Werke von Malern wie Frédéric Bazille, Armand Guillaumin oder Stanislas Lépine stehen bekannten Namen wie Auguste Renoir, Edgar Degas und Édouard Manet gegenüber.

Ausstellung Monet und die Geburt des Impressionismus 11. März – 21. Juni 2015 im Städel Museum in Frankfurt

Sigmar Polke Alibis 1963-2010 — „Malerei, Fotografie, Film, Skulptur, Zeichnungen, Drucke, ­Performance und Glasmalerei: Alibis: Sigmar Polke 1963 – 2010 vereint erstmals die gesamte mediale Vielfalt des ­d eutschen Multitalents. Polke brachte seine Skepsis gegenüber allen gesellschaftlichen, politischen und künstlerischen“ ­G epflogenheiten der deutschen Geschichte und des Wandels in der Nachriegszeit in seinen Werken zum Ausdruck. Und gilt heute als einer der einflussreichsten Künstler der deutschen Nachkriegszeit. Er besaß einen ehrfurchtlosen Witz, der ihn frei mit den Konventionen der Kunst und der Kunstgeschichte spielen ließ. Durch sein ständiges Ausprobieren gibt es nicht den einen Polke-Stil und auch kein bevorzugte Medium in ­s einem Schaffen. Dadurch ist alles im Fluss, fungiert gar als ­A libi, und macht den Künstler un(be)greifbar.

Ausstellung Nach dem Museum of Modern Art in New York und der Tate Modern in London: Museum Ludwig Köln 14. März bis 5. Juli 2015

Prestel Verlag 328 S. 520 Farbabb. 24 x 28,5 cm Pappband EUR 49,95 ISBN 978-3-7913-5420-0


Margret Hoppe Das Versprechen der Moderne Hrsg.: Hans-Werner Schmidt In Zusammenarbeit mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig — Die Leipziger Fotografin Margret Hoppe, geboren 1981, zählt zu den vielversprechenden neuen Stimmen der europäischen Fotokunst. Sie zeigt Le Corbusiers Architektur in einer zeitgenössischen Bestandsaufnahme und geht dabei der Frage nach, was von den Visionen des modernen Bauens heute, wo dessen Zeugnisse mehr als Monument denn als funktionale Bauten genutzt und bewertet werden, übrig bleibt.

Jean Tinguely Motor der Kunst Dominik Müller — Jean Tinguely hatte sich zum Ziel gesetzt, den erhabenen ­S tatus der bildenden Kunst zu sprengen und mit neuen ­Techniken und Materialien die Realität des Alltags in die Kunst zu integrieren. Dahinter steckt ein Künstlerleben, das in dieser Biografie erstmals umfassend beschrieben wird. Die reich b ­ ebilderte Publikation zeigt den Menschen hinter der radikalen Kunstauffassung.

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Verlag Scheidegger & Spiess 96 S. 51 Farb-und 34 S/W-Abb. 24 x 30 cmw gebunden EUR 29 ISBN 978-3-85881-461-6 Dt., Engl.

Verlag Scheidegger & Spiess 264 S. 162 Farbabb. 22 x 27 cm gebunden EUR 48 ISBN 978-3-85881-452-4 Dt., Engl.

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Meinrad Schade Krieg ohne Krieg Fotografien aus der ehemaligen Sowjetunion Hrsg.: Nadine Olonetzky — Wann beginnt ein Krieg und wann hört er wirklich auf? Spuren in der Landschaft bleiben, seelische Wunden werden an die Nachkommen weitergegeben. Der Schweizer Dokumentarfotograf Meinrad Schade dokumentiert ein fragil zwischen Krieg und Frieden schwebendes Alltagsleben in den Ländern, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden.

F R Ü H J A H R 2 015 — B O O K S

Christoph Merian Verlag 200 S. ca. 130 Abb. 16 x 22,5 cm gebunden EUR 26 ISBN 978-3-85616-650-2


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HASENVERLAG 112 S. Broschur 14,8 x 20 cm EUR 12,80 ISBN 978-3-939468-17-2 da wack elt die ruine

Müde Museen Oder: Wie Ausstellungen unser Denken ­v erändern könnten Daniel Tyradellis — Furcht, Ideenlosigkeit und Selbstreferenzialität verhindern, dass Museen die Erfahrungsräume sind, die sie sein könnten. Der Philosoph und Kurator Daniel Tyradellis denkt über Aus­ stellungen und Museen nach, die jeden Besucher ernst nehmen und ihre einzigartigen Möglichkeiten nutzen, das Denken zu inspirieren.

Fe s te der kuns thochschule Burg Giebichens tein a n gel a d o lgn er u n d r en at e l u ck n er - B i en

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Da wackelt die Ruine Angela Dolgner und Renate Luckner-Bien Feste der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Hrsg.: Peter Gerlach & Moritz Götze — Gemeinsam arbeiten und gemeinsam feiern – das gehört, ­z umal an Kunsthochschulen, zwingend zusammen. Nicht nur in der Erinnerung der Beteiligten sind die Feste der halleschen Kunstschule auf Burg Giebichenstein mit ihren aufwändig ­g estalteten Dekorationen und fantasievollen Kostümen legendär. Ihnen haftet der gute Ruf großmöglicher Freizügigkeit und unbotmäßigen Handelns nachhaltig an. Sie sind Manifeste ­e iner ebenso vergnügungssüchtigen wie systemkritischen ­L achkultur. Mit ihren Festen feiern die Künstler die Freiheit, das Leben, die Kunst und vor allem sich selbst – spottsüchtig, selbstironisch und zuzeiten unmissverständlich politisch. Von der Gründung der Schule 1915 bis in die Gegenwart: gefeiert wurde immer! Das Buch stellt die Akteure vor und beleuchtet Formen, Themen und Motive einer besonderen Feierkultur.

Kunth Verlag 272 S. 240 Abb. 11,5 x 16,6 cm geb. EUR 14,95 ISBN 978-3-89944-926-6

edition Körber-Stiftung 294 S. 19 S/W-Abb. 13 x 20 cm Klappenbroschur EUR 16 ISBN 978-3-89684-153-7 Auch als E-Book erhältlich.

INGUIDE DRESDEN – TWO IN ONE — Zwinger und Semperoper, Frauenkirche und Residenzschloss, Blaues Wunder, Grünes Gewölbe und Gemäldegalerie: Das 800 Jahre alte Dresden ist reich an einzigartigen Baudenk­ mälern verschiedener Stilepochen, an Kultur und Kunstschätzen unterschiedlichster Art und seine Attraktivität liegt in der Fülle der Gegensätze. Der stylische Reiseführer aus der Reihe INGUIDES ist ein ­s chicker Begleiter. Hinter dem zarten Softtouch-Einband ­v erbergen sich alle nötigen Informationen zu Sehenswürdig­ keiten und bekannten Plätzen, aktuelle Citypläne und Insidertipps. Die kostenlose App für IOS & Android bietet zusätzlich unterwegs schnellen Zugriff auf die Inhalte.


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The Colours of ... Frank O. Gehry, Jean Nouvel, Wang Shu and other architects Hrsg. v. Erik Mattie — Farbe ist unlösbar mit der Architektur verbunden – als Medium der Gestaltung, aber auch als eigene Qualität prägt sie Form und Textur des Gebauten. Das Buch präsentiert Farbgestal­ tungen avancierter Architektur, die in technologischer wie in ästhetischer Hinsicht außerordentlich sind, für ein breites ­S pektrum von Bauaufgaben: vom Apartment zur Konzerthalle, vom Flagship Store zum Stadtpark. Im Vordergrund stehen Werke der drei Architekten Frank O. Gehry, Jean Nouvel und Wang Shu.

Birkhäuser Verlag 376 S. 250 Abb. 16,5 x 24 cm gebunden EUR 44,95 · ISBN 978-3-03821-586-8 Ebenfalls erhältlich als eBook und Kombiausgabe (Print + eBook)

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Blick auf die Architektur Österreichs nach 1945 Friedrich Achleitner Hrsg. v. Kunstuniversität Linz — Durch seine Lehrtätigkeit sowie durch seine Publikationen über die Architektur Österreichs, insbesondere durch seinen mehrbändigen Architekturführer, erlangte Friedrich Achleitner einen einzigartigen Ruf als Autorität. Vor einigen Jahren wiederholte er seine legendäre Vorlesung an der Kunstuniversität in Linz. Sie wird nun in kompakter Form als Buch vorgelegt. Rund 1.000 Fotografien zeigen Objekte und erklären gleichzeitig, wie der Kritiker Achleitner sich der Architektur in ihrem jeweiligen Kontext nähert.

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Birkhäuser Verlag 580 S. 1.000 Abb. 16 x 24 cm Gebunden EUR 48,50 · ISBN 978-3-0356-0280-7 Ebenfalls erhältlich als eBook und Kombiausgabe (Print + eBook)


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Sammelliebe Leidenschaft und Inszenierung Fritz Karch, Rebecca Robertson — Dieses Buch zeigt in wunderbaren Fotografien, was Sammler auf der ganzen Welt zusammengetragen und liebevoll und ideenreich dekoriert haben – vom Einfachen und Erschwing­ lichen bis zum Extremen. Jedem Sammlertyp ist ein eigenes ­Kapitel gewidmet: Dem Minimalisten, der besonders kleine Dinge sammelt, dem Coloristen, der alles farblich sortiert, dem Monochromisten, der nur Dinge in derselben Farbe liebt, oder dem Puristen. Ob Muscheln, Würfel, Stofftiere, Schachteln oder Weihnachtsbaumschmuck – in diesem Buch findet jedes Teil seinen Platz und wird wunderschön in Szene gesetzt. Knesebeck Verlag 352 S. ca. 350 Farbabb. 22,9 x 27,6 cm gebunden mit Schutzumschlag EUR 34,95 ISBN 978-3-86873-817-9

Reclam Verlag 224 S. 27 Farbabb. 9,6 x 14,8 cm Paperback 9 Grundrisse und Stadtteilpläne EUR 11,80 ISBN 978-3-15-019259-7

Saale Unstrut vina mediterranea Weingärten mitten im Land Rainer Albert Huppenbauer — Das Standardwerk vermittelt auf knapp 100 Seiten einen ­Einblick in das Innenleben der Saale-Unstrut-Weinregion. Der Kern des Buches beinhaltet eine Orientierung über die besten Erzeuger in Form einer Klassifizierung der Saale-­U nstrut-Weingüter. Es ist gleichermaßen ein Buch für V ­ erbraucher und Winzer, da auch weinpolitische Themen b ­ erührt werden. Sehr aus­ führliche Beschreibung aller Erzeuger und der wichtigsten ­L agen, aus denen die Trauben gewonnen werden.

Reclams Städteführer Leipzig. Architektur und Kunst Von Annette Menting Originalausgabe — Der Städteführer enthält Informationen zu den wichtigsten ­P rofan- und Sakralbauten und den bedeutendsten Museen, ein Stadtporträt, die Stadtgeschichte in Daten, einen Jahres­ kalender zu den kulturellen Veranstaltungen und Besichtigungsvorschläge für ein- und mehrtägige Aufenthalte. Mit farbigen Innenstadtplänen in den Umschlagklappen, ­z ahlreichen Abbildungen, Stadtteilplänen, Grundrissen, einem Register sowie weiterführenden Literatur- und Internethinweisen. Ein praktisches Farbleitsystem im Innenteil ermöglicht eine schnelle Übersicht.

Druck-Zuck GmbH 96 S. ca.25 Farbabb. 12 x 19,5 cm Paperback EUR 10,90 ISBN 978-3-940744-62-3


205 Kuratieren! Von Hans-Ulrich Obrist. Mit Asada Raza. Aus dem Englischen von Annabel Zettel und Andreas Wirthensohn — „Kuratieren“ ist zu einer coolen Parole geworden – der Begriff expandiert vom Metier der Museumsleute in alle Lebens­ bereiche und erfasst ein Lebensgefühl, in dem nahezu alles zur Kunstform wird. Mit unwiderstehlichem Elan schildert Hans Ulrich Obrist, Guru der Kunstszene und einer der einfluss­ reichsten Kuratoren der Welt, worum es bei seiner Arbeit geht. „Das Buch wird dem Nachwuchs eine Bibel sein.“ Ulrike Knöfel, Der Spiegel

C.H. Beck Verlag 206 S. gebunden EUR 19,95 ISBN 978-3-406-67364-1 Auch als eBook lieferbar.

„Hans Ulrich Obrist ist nicht bloß ein Kurator, er ist ein ­m enschgewordener Wirbelwind.“ The Guardian

KITTY KINO VIENNA — So hat man Wien noch nicht gesehen! Kitty Kino porträtiert ihr Wien auf nächtlichen Streifzügen in völlig ungewöhnlicher Weise mit einem Mobiltelefon als Kamera und schafft damit ganz spezielle Akzente im Grenzbereich zwischen Fotografie und Malerei. „In fulminanter Art und Weise überraschend. Grandios!“, derStandard. Limitierte, handsignierte Edition von 1000 Exemplaren.

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Edition Lammerhuber 176 S. 112 großformatige Fotos 25 x 35,5 cm Hardcover EUR 75 ISBN 978-3-901753-77-0 Dt., Engl.

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Ausgezeichnet mit: Deutscher Fotobuchpreis NOMINIERT 2015


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Ab April erhältlich in allen boesnerHäusern und auf www.boesner.com

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AUTOREN DIESER AUSGABE Sarah Alberti, Sebastian Baden, Thomas Bauer-Fried-

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rich, Kim Behm, Katja Behrens, Regula Berger, Nicole

MITARBEITER DIESER AUSGABE

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Büsing & Heiko Klaas, Yvonne Fiedler, Hansjörg

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Fröhlich, Dr. phil. Stephan Geiger M.A., Dr. Chris

Sascha Herrmann, Rainer Huppenbauer,

Gerbing, Rüdiger Giebler, Daniela Gregori, Sigrun

Carmen Jäger, Ute Lauterjung

Hellmich, Amrei Heyne, Marco Hompes, Nicole Hotzy,

ARTMAPP Sommer 2015

Prof. Dr. Wolfgang F. Kersten, Dr. des. Simone Kraft,

TEXTREVISION

Constanze Müller, Marc Peschke, Carsten Probst,

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Hendrik Pupat, Juliane Richter, Irmgard Rieger M.A.,

KUNST – Buch Text Netz, Berlin

Dietrich Roeschmann, Jan-Peter Schröder, Heidi Stecker,

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Erik Stephan, Andreas Wenz, Prof. Dr. Frank Zöllner

Am 7. Juli erscheint die nächste Ausgabe

ISSN 2195-1594

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DAS ÄLTESTE RUNDBILD DER WELT 28.3.–29.11.2015

Marquard Wocher, Panorama von Thun und dessen Umgegend, 1809–1814, Depositum Gottfried Keller-Stiftung, Kunstmuseum Thun © Gottfried Keller-Stiftung, Foto: Christian Helmle / Aussenansicht Thun-Panorama, Foto: Christian Helmle


Paul Cézanne, Cinq baigneuses, 1885/1887 (Detail), Kunstmuseum Basel

Meisterwerke aus dem Kunstmuseum Basel 14.02.2015 – 21.02.2016

11.04.2015 – 28.02.2016

Cézanne bis Richter

Holbein. Cranach. Grünewald

ARTMAPP #08, Frühjahr 2015  

Das Kunstmagazin für Entdecker

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