IRO Jahresbericht 2020

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JAHRESBERICHT

2020


Inhalt 03

Vorwort

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Unser Versprechen

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Wer wir sind

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Wissenswertes

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Rückblick 2020

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Einblicke in die Ausbildung

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Helden im Einsatz

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Die Supernasen

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Fundraising

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Finanzen

IRO Internationale Rettungshunde Organisation

T.: +43 662 82 65 26 10 F.: +43 662 82 65 26 20

Moosstraße 32 5020 Salzburg, Österreich

office@iro-dogs.org www.iro-dogs.org


Vorwort

Liebe Freunde und Unterstützer,

wir mögen im Moment in unsicheren Zeiten leben, aber unser Fokus, einsatzfähige Teams aus Hund und Hundeführer optimal auszubilden, um im Ernstfall Leben retten zu können, bleibt bestehen. Auch wenn die globale Gesundheitskrise rasch Auswirkungen auf unseren Ausbildungsbetrieb zeigte, trainierten unsere Rettungshundeteams im Rahmen ihrer Möglichkeiten unermüdlich weiter. Egal ob allein zu Hause, im eigenen Garten oder in kleinen Gruppen unter Einhaltung strenger Richtlinien. Eine ungewohnte Situation für jeden Einzelnen, doch wurde der starke Zusammenhalt unseres globalen Netzwerks in diesen stürmischen Zeiten ganz besonders spürbar. Die Internationale Rettungshunde Organisation hat Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Unterstützer, deren Begeisterung für die Rettungshundearbeit unermesslich ist. Für diese Hingabe bedanke ich mich sehr herzlich. Unsere Mitgliedsorganisationen standen 2020 bei zahlreichen nationalen und internationalen Katastrophen im Einsatz, wie beispielsweise nach der folgenschweren Explosion im Hafen von Beirut, Libanon, oder dem verheerenden Erdbeben in Petrinja, Kroatien, zu Jahresende. Mehr als einmal haben unsere Rettungshunde bewiesen, dass sie schneller und effizienter als jedes technische Gerät und in der Vermisstensuche unersetzlich sind. Sie sind aber nicht nur Lebensretter, sondern wir erleben immer wieder, dass sie es schaffen, den Menschen in erschütternden Situationen ein Lächeln zu schenken – einen kurzen Moment der Freude. Als gemeinnützige Organisation sind wir in der Ausbildung von Rettungshunden auf Spenden von Privatpersonen und Unternehmen angewiesen. Daher setzten wir im vergangenen Jahr einen verstärkten Fokus auf den Ausbau unserer Fundraising- und Marketingaktivitäten. Schon Ende 2019 hatten wir den Entschluss gefasst, unsere Initiativen zur Betreuung bestehender und Gewinnung neuer Förderer auszuweiten. Es freut uns, dass der von uns eingeschlagene Weg in der Spenderkommunikation der richtige zu sein scheint und wir die Beziehung zu unseren Förderern maßgeblich intensivieren konnten. Ich möchte mich bei jedem einzelnen unserer treuen und großzügigen Spender bedanken. Ihr Vertrauen schenkt uns die Kraft, unsere Arbeit fortzuführen. Wir werden weiterhin dafür sorgen, dass Rettungshundeteams weltweit nach einheitlichen globalen Qualitätsstandards ausgebildet werden. Und auch in diesen beispiellosen Zeiten, die wir derzeit erleben, werden wir immer für Menschen in Notsituationen da sein – 365 Tage im Jahr rund um die Uhr. Bleiben Sie gesund und unterstützen Sie uns weiterhin dabei, Menschenleben zu retten.

Mit besten Grüßen,

Alois Balog Präsident der Internationalen Rettungshunde Organisation

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Unser Versprechen

Unsere Vision Leben retten mit der Hilfe von Hunden.

Unsere Mission Die Sicherstellung einheitlicher, globaler Qualitätsstandards in der Ausbildung von Rettungshunden.

Unser Fokus Standards setzen. Leben retten.


Unsere Werte Integrity

Leistung durch Begeisterung. Wir zeigen Engagement, Ausdauer und begegnen einander mit Respekt.

Responsibility

Leistung durch Fokus. Wir setzen auf kontinuierliche Verbesserung, streben nach Höchstleistungen und handeln dabei verantwortungsbewusst.

One team

Leistung durch Zusammenarbeit. Wir helfen uns gegenseitig, als Partner für unsere Hunde und als Teil eines weltweiten Netzwerks.


Wer wir sind

Der Vorstand Als Führungsorgan erfüllt der Vorstand der Internationalen Rettungshunde Organisation die Aufgaben im Rahmen sowie im Sinne der Satzung, der Ordnungen und der Beschlüsse der Delegiertenversammlung. Der Präsident vertritt die IRO nach innen und außen und bildet mit den beiden Vizepräsidenten das Präsidium. Die Referatsleiter sind verantwortlich für Agenden rund um Einsatzfragen, Ausbildungsthemen, die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Finanzen. Einberufene Stellvertreter ergänzen und unterstützen die Vorstandsmitglieder in ihrer Arbeit.

1. Vizepräsident

2. Vizepräsidentin

Einsatzreferent

Claudio Bötschi – CH

Ida Bårris – DK

Markus Bock – AT

Claudio ist einsatzzertifizierter Hundeführer und begann 2006 mit der Suchhundearbeit. Davor hatte er mehr als 25 Jahre Einsatzerfahrung bei der Feuerwehr gesammelt. Als Unternehmer weiß er um die Besonderheit eines internationalen Arbeitsumfeldes. Besonders wichtig ist ihm, das globale IRO Netzwerk weiter zu stärken.

Ida ist eine einsatzerfahrene Hundeführerin und gibt ihr Wissen in der Ausbildung von Rettungshunden als IRO Trainerin weiter. Ihre Kompetenz in der Wissensvermittlung kommt auch in der Ausrichtung von IRO Veranstaltungen zu tragen. Aktuell liegt der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit auf der Betreuung der Mitgliedsorganisationen.

Markus absolvierte mit der Katastrophenhilfseinheit „Austrian Forces Disaster Relief Unit“ (AFDRU) einige internationale Einsätze. Er ist das Bindeglied zu unserem Partner, der UN-Organisation „International Search and Rescue Advisory Group“ (INSARAG). Kontinuierlicher Austausch ist ihm wichtig, um zukunftsorientierte Lösungen zu finden.

Repräsentant für Asien Hidehiro Murase – JP Repräsentant für Amerika Julio Velazquez Rodriguez – MX

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Stellvertretender Einsatzreferent Alexander Hönel – AT

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Präsident Alois Balog – AT Alois ist Hundeführer mit mehr als 40 Jahren Erfahrung und gibt sein Wissen als IRO Beurteiler und Leadtrainer weiter. Seit Anbeginn der IRO war es ihm stets ein Anliegen, die weltweite Bekanntheit und Anerkennung der Organisation zu fördern. Mit dem Amt des Präsidenten, welches er im September 2020 übernommen hat, ist es ihm nun sogar noch stärker möglich, sein umfassendes Know-how in der Leitung großer Organisationen einzubringen und aktiv an der Weiterentwicklung der Internationalen Rettungshunde Organisation mitzuwirken.

Ausbildungsreferentin

Marketingreferent

Finanzreferentin

Jerneja Ternovec – SI

Vedran Vukomanović – HR

Charlotte Kranz – AT

Vedran führt seit vielen Jahren aktiv Rettungshunde. Er ist Medienexperte mit ausgewiesenen Kompetenzen in den Bereichen Marketing, Eventmanagement und Öffentlichkeitsarbeit. Für die Internationale Rettungshunde Organisation hat er bereits zahlreiche Projekte erfolgreich umgesetzt, darunter die Überarbeitung des Erscheinungsbildes der IRO.

Charlotte ist erfahrene IRO Richterin und verantwortet seit einigen Jahren die finanziellen Angelegenheiten der Internationalen Rettungshunde Organisation. Auch im Fundraising und der Spenderbetreuung bringt sie sich mit viel Engagement ein. Die IRO auf gesunde finanzielle Beine zu stellen und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern, ist ihr Fokus.

Jerneja ist seit über 25 Jahren aktive Hundeführerin. Sie ist als IRO Richterin und Beurteilerin tätig und setzt Maßstäbe in der Ausbildung von Richtern und Trainern. Ihr ist daran gelegen, mit innovativen Trainingsformaten sowie einem umfangreichen Prüfungsangebot das Niveau in der Ausbildung von Rettungshunden hochzuhalten. Stellvertretende Ausbildungsreferentin Katja Skulj – SI

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Stellvertretende Finanzreferentin Monja Raich – AT

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Generalsekretärin Andrea Thuma Neben der administrativen und operativen Leitung der Geschäftsstelle fungiert Andrea als Bindeglied zum Vorstand sowie zu den nationalen Rettungshunde Organisationen. Bei Fragen rund um IRO Veranstaltungen ist sie ebenfalls eine kompetente Ansprechpartnerin.

Office Management

Einsatzreferat

Ausbildungsreferat

Kathrin Schiestl

Claudia Kammerer

Verena Herbst

Organisationstalent und Medientechnikerin Kathrin kümmert sich um die Spendenverwaltung und sorgt dafür, dass in der Buchhaltung alles seine Richtigkeit hat. Weiters leitet sie die Prozesse rund um Einstufung und Fördergeldvergabe. Auch bei IRO Veranstaltungen ist auf ihre tatkräftige Unterstützung zu zählen.

Event- und Projektmanagement sowie Fundraising und Sponsoring sind das Metier der vielseitigen Betriebswirtin Claudia. Sie organisiert Großveranstaltungen wie den Einsatztest, verwaltet Mitgliedschaftsanträge und trägt maßgeblich zur konstanten Weiterentwicklung des Einsatzreferats bei.

Die passionierte Hundeführerin Verena verantwortet im Ausbildungsreferat die Organisation von Prüfungen, Kursen und der IRO Weltmeisterschaft. Sie kümmert sich zudem um die Einteilung sowie den Einsatz der IRO Richter als auch Trainer und steht bei Ausbildungsfragen mit Rat & Tat zur Seite.

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Das Team Die IRO Geschäftsstelle in Salzburg, Österreich, wurde zur organisatorischen und inhaltlichen Unterstützung des Vorstandes und der Delegierten eingerichtet. Das Team setzt sich aus Wirtschafts-, Politik-, Medien- und Kommunikationsexperten zusammen und organisiert Ausbildungsprogramme, Prüfungen und Zertifizierungen. Die Mitarbeiterinnen sichern die konstante Weiterentwicklung der Internationalen Rettungshunde Organisation, sorgen für eine professionelle Betreuung von Mitgliedsorganisationen sowie Spendern und repräsentieren die IRO nach innen und außen.

Marketingreferat

Fördererbetreuung

Assistenz

Daniela Rupp

Belinda Simon

Luise Badergruber

Mehr als zehn Jahre Erfahrung im internationalen Marketing und strategischen Projektmanagement machen Daniela zu einem absoluten Marketing Allrounder. Ihre Leidenschaft für das Texten spiegelt sich in allen Postings, Pressetexten und Aussendungen für die Internationale Rettungshunde Organisation wider.

Belinda kümmert sich mit Herz, Hingabe und auch einer guten Portion Humor um die Fördererbetreuung. Darüber hinaus verantwortet sie die Reisebuchungen des erweiterten IRO Teams zu offiziellen Terminen weltweit. Als Archäologin kennt sie außerdem viele spannende Fakten zur Historie des Hundes.

Seit über drei Jahren verstärkt die engagierte Studentin der Kommunikationswissenschaften das IRO Team. Sie ist ein absolutes Multitalent und unterstützt die Referate Ausbildung, Einsatz sowie Marketing & PR. Nebenbei bespaßt sie noch unsere Bürohunde, wofür sie von den Fellnasen innig geliebt wird.

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IRO Mitglieder weltweit

126 nationale Mitgliedsorganisationen aus

43 Ländern

AMERIKA Seit ihrer Gründung ist die Internationale Rettungshunde Organisation stetig gewachsen und zählt aktuell 126 nationale Rettungshunde Organisationen aus 43 Nationen weltweit. Die Vielfalt der unterschiedlichen Organisationen erstreckt sich von kleinen Vereinen bis hin zu professionellen, staatlich geführten und eingebundenen Fachorganisationen.

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Argentinien Brasilien Chile Kanada Kolumbien Mexiko USA Venezuela

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EUROPA

ASIEN

Belgien Dänemark Deutschland Estland Finnland Frankreich Italien Kroatien Niederlande Norwegen Österreich Polen Rumänien Schweden Schweiz Slowakei Slowenien Spanien Tschechien Türkei Ukraine Ungarn Vereinigtes Königreich

China Japan Malaysien Russland Saudi Arabien Singapur Südkorea Taiwan Thailand Vereinigte Arabische Emirate

AFRIKA Südafrika

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AUSTRALIEN

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Wissenswertes

Die Entwicklung der IRO von 1993 bis heute Der erste IRO Präsident Dr. Wolfgang Zörner und der amtierende Präsident Alois Balog geben spannende Einblicke. Der frühere Regisseur und Züchter der Hunderasse Berner Sennenhunde Dr. Wolfgang Zörner engagiert sich seit 1986 im Rettungshundewesen und stand der Internationalen Rettungshunde Organisation 20 Jahre lang als Präsident vor. Heute lenkt Alois Balog, ebenfalls ein sehr erfahrener Rettungshundeführer und früherer selbstständiger Unternehmer, die Geschicke der IRO. Wie kam es zur Gründung der IRO? W. Zörner: Den Anstoß gab das Erdbeben in Armenien 1988. Ich nahm als Rettungshundeführer der Österreichischen Rettungshundebrigade (ÖRHB) an diesem Einsatz teil. Wir waren mit einer sehr großen Mannschaft mit etwa 45 Hunden vertreten, ebenso weitere Rettungshunde Organisationen aus aller Welt. Bei dieser Zusammenkunft internationaler Rettungskräfte wurde deutlich, dass weder ein Bewusstsein für die Arbeit von Rettungshunden noch ein ausreichender Austausch untereinander bestand. Diese Erfahrungen förderten in mehreren Ländern und Einrichtungen den Gedanken, Rettungshunde Organisationen weltweit zusammenzuschließen. Der endgültige Beschluss zur Gründung einer internationalen Dachorganisation wurde im Rahmen des Internationalen Rettungshunde Symposiums 1991 in Berlin gefasst. Es galt daraufhin bis zum nächsten Zusammentreffen in zwei Jahren Statuten, eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung sowie weitere wesentliche Grundlagen auszuarbeiten.

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Im Zuge vieler Sitzungen gelang es ein gutes Fundament zu schaffen, welches bei dem Symposium 1993 in Stockholm präsentiert wurde und eine mehrheitliche Zustimmung fand. Den Gründungsgedanken in die Tat umzusetzen, gestaltete sich ungleich schwieriger, mit Diskussionen hinsichtlich des Sitzes sowie des Führungsteams der internationalen Einrichtung. Zu meiner Überraschung wurde ich als Präsident vorgeschlagen. Um die Bestrebungen zur Gründung nicht ins Leere laufen zu lassen, erklärte ich mich bereit die Aufgabe zu übernehmen. Damit galt die Gründung der IRO 1993 in Stockholm als besiegelt. Wofür stand die IRO in ihren Anfangsjahren und wofür steht sie heute? W. Zörner: Wir sind zu Gründungszeiten noch selbst mit einem eigenen IRO Kontingent in den Einsatz gegangen. Mit der Zeit hat sich allerdings herausgestellt, dass der Ansatz nicht der richtige ist, sondern unsere Aufgabe vielmehr darin bestehen sollte, sicherzustellen, dass allerorts gut ausgebil-

dete Rettungshunde vorhanden sind. Der allererste Schritt auf diesem Weg war, in Abstimmung und Zusammenarbeit mit der FCI (Fédération Cynologique Internationale) eine internationale Prüfungsordnung zu etablieren. Das war kein einfaches Unterfangen und erforderte viel diplomatisches Geschick. Die Prüfungsordnung musste einerseits länderspezifische Anforderungen berücksichtigen und andererseits weltweit uneingeschränkt anwendbar sein. Wir legten auch bereits früh den Fokus auf eine weltweit einheitliche Richterausbildung. A. Balog: Das Setzen von hohen Standards in der Ausbildung, aber auch im Einsatzbereich ist nach wie vor unser oberstes Ziel. Mittels verschiedener Trainings, Einsatzübungen und Prüfungen bereiten wir weltweit Rettungshundeteams auf den Ernstfall vor. Erkenntnisse aus dem Einsatzgeschehen bilden dabei eine wesentliche Grundlage. Welche besonderen Herausforderungen galt es in den ersten Jahren des Bestehens zu bewältigen?

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W. Zörner: Das Aufstellen der finanziellen Mittel für den Aufbau und die Führung der Internationalen Rettungshunde Organisation. Wir mussten Strategien zur Gewinnung von Förderern entwickeln, um kontinuierliche Spendeneinnahmen sicherzustellen. Worin liegen die wesentlichen Aufgaben heute? A. Balog: Fundraising ist nach wie vor ein bedeutendes Thema für uns. Wir sind in der glücklichen Lage treue Spender zu haben, die uns bereits seit vielen Jahren regelmäßig unterstützen. Die Betreuung unserer Spender laufend zu verbessern und einen guten Kontakt zu pflegen, darauf legen wir großen Wert. Darüber hinaus gilt es neue Spendenkanäle zu erschließen, um eine sichere Spendenbasis zu gewährleisten. Besonderes Augenmerk richten wir natürlich auch darauf, die Anwendung unserer Ausbildungsstandards weltweit auszuweiten und ihre Einhaltung sicherzustellen. Hierfür bilden wir regelmäßig IRO Leistungsrichter und Trainer aus, welche zu internationalen Prüfungen und Trainings entsendet werden. Welchen Beitrag hat die IRO in ihrem über 25-jährigen Bestehen zur Weiterentwicklung des weltweiten Rettungshundewesens geleistet? W. Zörner: Das Rettungshundewesen generell in einheitliche Bahnen zu bringen und eine weltweit anerkannte Prüfungsordnung auf die Beine zu stellen. Auch die „International Search and Rescue Advisory Group“ (INSARAG) begrüßte es, mit der IRO einen kompetenten Partner im Bereich des Rettungshundewesens zu haben, der als zentrale Anlaufstelle fungiert. A. Balog: Die internationale Prüfungsordnung ist tatsächlich eine wesentliche Errungenschaft der IRO. Aber auch die Förderung der Vernetzung von Rettungshundeführern weltweit sowie die Möglichkeit zum Wissensaustauch

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und Dialog mit Experten sind wertvolle Entwicklungen, welche die IRO im Rettungshundewesen geschaffen hat. Mit der IRO Meisterschaft wurde bereits 1995 eine erste sportliche Großveranstaltung organisiert. Wozu dienen Hundesportveranstaltungen wie Weltmeisterschaften für Rettungshunde? W. Zörner: Großsportveranstaltungen bieten die Möglichkeit zum Vergleich und bringen darüber hinaus Menschen zusammen. Der Rettungshundesport schafft eine solide Basis und ist eine gute Vorbereitung für den Einsatz. Eine Weltmeisterschaft ist jedoch in keiner Weise mit einem Einsatztest zu vergleichen. Bei letzterem sind die Anforderungen an die Rettungshundeteams wesentlich höher und der Test findet unter reellen Einsatzbedingungen statt. A. Balog: Viele Hundeführer finden über den Sport den Weg in den Einsatz. Veranstaltungen wie eine Weltmeisterschaft helfen dabei, das Bewusstsein für die Rettungshundearbeit zu schärfen, aktive Rettungshundesportler für die Einsatzarbeit zu gewinnen und generell die Bekanntheit der IRO zu steigern. Die Arbeit mit Rettungshunden wird in den meisten Fällen als Ehrenamt ausgeübt. Was muss man dafür mitbringen? W. Zörner: Das gleiche Engagement als wäre es ein bezahltes Amt. Rettungshundearbeit ist eine verantwortungsvolle Aufgabe und von den Teams wird professionelle Arbeit erwartet. A. Balog: Viel Herzblut, Begeisterung, fachliche und soziale Kompetenz sind Voraussetzungen für Rettungshundeführer. Um als Team erfolgreich zu sein, sind ein hoher Ausbildungsstand und viel Durchhaltevermögen erforderlich.

Wie hat sich die Coronapandemie auf die Arbeit mit Rettungshunden ausgewirkt? A. Balog: Einsatzorganisationen hatten das Glück weiter trainieren zu dürfen, wenn auch eingeschränkt. Die Auswirkungen waren vor allem in der Ausbildung von Junghunden zu spüren. Dadurch dass Trainingsanlagen nicht betreten werden und Trainer keine Kurse durchführen durften, sowie in manchen Nationen teilweise starke Reisebeschränkungen innerhalb des eigenen Landes vorlagen, war die für junge Hunde so wichtige Kontinuität im Training plötzlich abgerissen. Das Rettungshundewesen lebt sehr stark von der Arbeit in der Gruppe und dem gegenseitigen Austausch. Veranstaltungen zur Aus- und Weiterbildung digital anzubieten, ist in unserem Bereich nur bedingt möglich. Dort wo es sinnvoll war, haben wir es gemacht. Was schätzt ihr an der IRO und was würdet ihr euch für ihre zukünftige Entwicklung wünschen? W. Zörner: Dass die IRO für das Rettungshundewesen weltweit die Fahne hochhält und anerkannt wird, ist eine bedeutende Leistung. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass weiterhin kontinuierlich gute Arbeit geleistet wird. A. Balog: Der IRO gelingt es Organisationen verschiedener Länder und Kulturen mit unterschiedlichen Werten sowie Ansprüchen zusammenzubringen und eine Gemeinschaft zu schaffen. Die IRO Familie künftig weiter zu stärken, ist uns ein besonderes Anliegen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Rettungshunde Organisationen, nationalen Regierungen und anderen Hilfsorganisationen zu intensivieren und ein Bewusstsein für die Notwendigkeit und Bedeutung des professionellen Rettungshundewesens zu schaffen, ist eine wichtige Aufgabe, der wir uns stellen wollen.

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Rückblick 2020

Das Jahr 2020 in 60 Sekunden Jänner – März Mit einem vollen Veranstaltungskalender starteten wir das Jahr. Zahlreiche Einsatzübungen, Kurse und Prüfungen waren geplant. Im Februar ging es direkt los mit einer Internationalen IRO Prüfung in Chastre, Belgien. 33 Rettungshundeteams aus acht Nationen nahmen daran teil.

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Foto: VPR / Gabordogphoto

Nur zwei Wochen später stellten vom 6. bis 8. März, 16 weitere Teams bei der Internationalen IRO Prüfung in Izmir, Türkei, ihr Können unter Beweis. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch nicht geahnt, dass sich unser Ausbildungs- und Prüfungsbetrieb gehörig auf den Kopf stellen wird und diese beiden Events ganz besondere Meilensteine in einem verrückten Jahr darstellen werden.

Foto: AKUT

April – Juni

Am Sonntag, 26. April wurde der Internationale Tag des Rettungshundes begangen. Erstmalig in der zwölfjährigen Geschichte seines Bestehens mussten die Feierlichkeiten virtuell stattfinden. Wir riefen spontan eine Onlinekampagne ins Leben, welche großen Anklang fand. Das Engagement und Feedback unserer weltumspannenden Rettungshunde-Community war einfach überwältigend. Zahlreiche Fotos, Videos und Geschichten aus aller Welt wurden geteilt und machten diesen Tag zu etwas Besonderem.

16 Sek. Durch das Coronavirus waren die Trainingsmöglichkeiten unserer Rettungshundeteams stark eingeschränkt. Der Wunsch endlich wieder auf anspruchsvollem Gelände trainieren zu können, wurde in der ersten Jahreshälfte daher immer lauter. Ende Mai war es endlich so weit: Die Wiedereröffnung der IRO Trainingsanlage in Schöneben, Österreich. Selbstverständlich unter Beachtung der erforderlichen COVID-19 Reglementierungen.

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Juli – September 22 Sek.

Der Sommer brachte Erleichterungen und die Möglichkeit vom 28. bis 30. August die Internationale IRO Prüfung in Harju County, Estland, abzuhalten. Das Interesse war groß – es gingen 29 Teams in den Sparten Fährten-, Flächen- und Trümmersuche an den Start. Foto: ESDC

Neueste Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften, und wie diese in die Rettungshundearbeit eingebunden werden können, präsentierte Engels Germán Cortés Trujillo im Rahmen eines Webinars. Das Onlineformat des Rettungshundeführers unserer kolumbianischen IRO Mitgliedsorganisation RESCATE K-SAR fand großen Anklang. Es wurde in Englisch und Spanisch abgehalten, um die Informationen einem möglichst breiten Zielpublikum zugänglich zu machen. Die IRO Delegiertenversammlung mit der Wahl eines neuen IRO Vorstandes stellte das wohl spannendste Ereignis 2020 dar. Die Veranstaltung fand am 28. September statt und die Teilnehmer konnten erstmals nicht nur vor Ort, sondern auch virtuell aktiv teilhaben. Sämtliche Abstimmungen wurden per Onlinevoting durchgeführt. So auch die Wahl des IRO Vorstandes. Zur Wahl standen zwei Listen, die der nationalen Rettungshunde Organisation EVRPL und jene des amtierenden Vorstands. Am Ende konnte die Liste des Vorstands die Wahl knapp für sich entscheiden.

Oktober – Dezember 10 Sek.

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Im letzten Quartal des Jahres konnte unter Einhaltung strenger Corona-Maßnahmen erfreulicherweise die Internationale IRO Prüfung in Fujimi, Japan durchgeführt werden. 50 Starter traten in den Disziplinen Fährten-, Flächen- und Trümmersuche an. Foto: RDTA

Ende November erreichte die IRO Facebook Seite mit 8.000 Followern einen Rekordwert. Wir sind begeistert von der Unterstützung unserer globalen Online-Community und der aktiven Mitgestaltung der Kommunikation in unseren Social Media Kanälen.

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Einblicke in die Ausbildung

IRO Trainer Ausbildung Modul II Es waren spannende und lehrreiche Tage der Fortbildung unter der Leitung der IRO Leadtrainer Rolf Häusermann, Magdalena Koczera und Alois Balog.

Vom 11. bis 16. September 2020 fand das Modul II der nationalen IRO Trainerausbildung in Gmunden/Regau, Österreich, statt. Von Freitag bis Sonntag wurden die Traineranwärter theoretisch und praktisch in der Flächensuche geschult. Neben der Verbellanzeige wurden auch die Themen Bringseln und Freiverweisen unterrichtet. Ein weiterer Themenschwerpunkt wurde bei der Unterordnung und Gewandtheit gesetzt. Von 15 Teilnehmern bestanden zehn die Prüfung zum nationalen IRO Trainer: Claudio Bötschi (CH) Silvia Pixner (AT) Annette Köhler (DE) Alarico Sberlati (IT) Denis Laus (FR) Marco Schmitt (AT) Matthias Leinich (AT) Julia Welz (DE) Borut Modic (SI) Simon Willfort (AT) Wir gratulieren allen neuen nationalen IRO Trainern sehr herzlich und bedanken uns beim SVÖ Gmunden-Regau (OG 009) für die wunderbare Unterstützung in der Organisation und Durchführung der Veranstaltung.

HIGH FIVE an alle Beteiligten!

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IRO Wasserkurs Training & Spaß am See Vom 4. bis 6. September 2020 veranstaltete die Internationale Rettungshunde Organisation einen Wasserkurs am Traunsee. Fünf Teilnehmer aus vier Nationen waren nach Österreich gereist, um mit ihren Hunden vor der traumhaften Kulisse des Schloss Ort in Gmunden zu trainieren. Unter der Leitung der erfahrenen IRO Trainerin Digna Schoonenboom aus den Niederlanden arbeiteten die Teams, bestehend aus Hundeführern und Hunden verschiedener Rassen und Leistungsstufen, drei Tage unter wechselnden Wetterbedingungen. Die Wasserarbeit bringt jede Menge Spaß, verlangt den Hunden aber auch einiges ab. Das Schwimmen über eine längere Strecke ist anstrengend, und dazu muss der Hund noch den Anweisungen seines Hundeführers folgen und Gegenstände apportieren, vom Boot ins Wasser springen oder ertrinkende Personen retten und an Land ziehen. Die Kursteilnehmer erhielten wertvolle Inputs und ein individuell auf die Bedürfnisse des Hundes abgestimmtes Coaching. Jedes Team konnte mit den angebotenen Übungen gute Fortschritte im Training verbuchen. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für das schöne Kurswochenende. Ein besonderer Dank gilt dem SVÖ Gmunden-Regau für die tolle Zusammenarbeit, der Österreichischen Wasserrettung – Ortsstelle Gmunden für die Bereitstellung des Bootshauses samt Booten und Trainingsutensilien sowie WakeandSki Traunsee für die tatkräftige Unterstützung.

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Die Kompetenz Rettungshund IRO Ausbildungsreferentin Jerneja Ternovec über die Anforderungen an Rettungshundeteams und die Bedeutung von einheitlichen Qualitätsstandards im Training. Jerneja Ternovec ist seit 1995 aktive Rettungshundeführerin und hat in ihrer Heimatregion Sloweniens ein Rettungshundeteam aufgebaut. Sie ist Trainerin, FCI Richterin und seit 2008 auch internationale IRO Richterin. Die Ausbildung von qualifizierten Rettungshundeteams ist eine der wichtigsten Aufgaben der IRO. Welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang Internationale IRO Prüfungen? Die bei Internationalen IRO Prüfungen eingesetzten Richter verfügen über ein fundiertes Fachwissen in der Rettungshundearbeit. Die meisten von ihnen sind auch selbst aktive Rettungshundeführer und Trainer. Unser Pool an ausgebildeten Richtern ist begrenzt, da die Kandidaten ein umfangreiches Prüfungsverfahren durchlaufen müssen, um das IRO Zertifikat zu erhalten. Durch dieses strenge Auswahlverfahren können wir ein hohes Maß an Qualität bei unseren internationalen Prüfungen gewährleisten. Aufgrund der hohen Anforderungen bei den Internationalen IRO Prüfungen sind die Teilnehmer auch besser vorbereitet als etwa bei nationalen Prüfungen. Sie beschäftigen sich im Vorfeld intensiv mit der Internationalen Prüfungsordnung für Rettungshunde (IPO-R) und schätzen die Möglichkeit, ihre Leistungen von einem unabhängigen, international

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besetzten Richterteam bewerten zu lassen. Darüber hinaus müssen auch die Organisatoren der Prüfungen strenge Auflagen bezüglich der Prüfungsgelände einhalten. Die IRO Richter überprüfen die Erfüllung der Anforderungen und im Falle von Mängeln müssen die Veranstalter entsprechende Anpassungen vornehmen. Was macht das IRO Ausbildungssystem so besonders und warum gehören IRO zertifizierte Rettungshunde zu den besten der Welt? Das IRO Ausbildungssystem hat sich über die Jahre hinweg ständig weiterentwickelt und verbessert. Mittlerweile wissen wir, dass es nicht nur einen bestimmten Weg gibt, einen Rettungshund auszubilden, sondern viele verschiedene Ansätze. Unsere Trainer verfügen über ein umfangreiches Wissen in diesem Bereich und können ihre Arbeit auf die individuellen Bedürfnisse der Hunde abstimmen. So können wir eine gezielte Ausbildung der Hunde gewährleisten und ihnen die Möglichkeit geben, Höchstleistungen zu erbringen. Darüber hinaus sind die IRO Leadtrai-

ner bestrebt, das Ausbildungsniveau konstant hochzuhalten und auf länderspezifische Besonderheiten im Training einzugehen. Ein wesentlicher Aspekt ist auch, dass vor allem die IRO Beurteiler, aber auch unsere Trainer über viel Einsatzerfahrung verfügen und dieses Wissen in unsere Trainings und Kurse einfließen lassen. Es ist uns wichtig, dass die Rettungshundeteams die für einen Einsatz notwendigen Strategien, Suchtaktiken und Kommunikationsfähigkeiten erlernen. Unser Ausbildungssystem ist daher nicht starr, sondern wird durch das Feedback unserer Rettungshundeführer und IRO Experten ständig angepasst und verbessert. Der IRO ist es schon früh gelungen, in Zusammenarbeit mit der FCI (Fédération Cynologique Internationale) global anerkannte Prüfungsstandards zu etablieren. Warum ist dies für die Ausbildung von Rettungshunden so wichtig? Wir arbeiten seit vielen Jahren mit der FCI zusammen. Gemeinsam haben wir es geschafft, ein einheitliches Regelwerk für den Ret-

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tungshundesport zu entwickeln. Eine fundierte und qualitativ hochwertige Ausbildung im sportlichen Bereich ist für uns deshalb so wichtig, weil viele Menschen durch den Sport ein Interesse an der Rettungshundearbeit entwickeln und sich dann entschließen, einer Einsatzorganisation wie beispielsweise der Feuerwehr beizutreten. Was ist das Besondere an der Arbeit mit Rettungshunden und was braucht es, um Rettungshundeführer zu werden? Die Arbeit im Team, der Zusammenhalt und der Austausch mit Gleichgesinnten ist inspirierend. In den vielen Stunden, die man gemeinsam mit anderen Hundeführern auf dem Übungsplatz verbringt, ist Spaß garantiert. Das Wichtigste für Hund und Hundeführer ist, dass sie Freude an der Arbeit haben. Nur dann wird man als Team erfolgreich sein und Menschen in Not helfen können.

Rettungshundeführer müssen viele Fähigkeiten und Eigenschaften mitbringen. Sie müssen körperlich fit sein, ihre Hunde gut lesen können und über gute Kommunikationsfähigkeiten verfügen. Sie sind in der Lage, eine Führungsrolle zu übernehmen, sich aber auch in die Gruppe einzugliedern. Die Fähigkeit, mit seinem Hund, aber auch mit anderen Hundeführern als Team zu arbeiten, ist besonders wichtig.

Als mein Hund gleich bei unserem ersten Einsatz die vermisste Person fand, wusste ich sofort, dass wir diese wertvolle Arbeit auch in Zukunft fortsetzen würden.

Warum bist du Rettungshundeführerin geworden? Alles begann als ich meinen ersten Labrador Retriever von meinen Freunden aus Schulzeiten zum Geburtstag geschenkt bekam. Ich wollte etwas Sinnvolles mit dem Hund machen und mit ihm arbeiten. Durch den Bruder eines Freundes kam ich zur Rettungshundearbeit. Ich war sofort fasziniert von der guten Atmosphäre und den Menschen.

Standards setzen. Leben retten.


Helden im Einsatz

Nationale Einsätze China, März 2020 – Hoteleinsturz mit mehreren Vermissten

Am 7. März 2020 stürzte in Quanzhou im Osten Chinas ein als Quarantäneunterkunft genutztes Hotel ein und begrub mehr als 70 Personen unter sich. Hunderte Einsatzkräfte waren tagelang vor Ort, um nach Verschütteten zu suchen. Darunter auch sieben Rettungshundeteams der Fujian Feuerwehr, die regelmäßig von der IRO Mitgliedsorganisation China Rescue Dog Mobile Detachment (CRDMD) geschult werden. 29 Personen sind bei dem tragischen Unglück ums Leben gekommen. Insgesamt konnten 42 Personen gerettet werden.

Fotos: Fujian Feuerwehr

Türkei, Oktober 2020 – Schweres Erdbeben in der Ägais

Am 30. Oktober 2020 erschütterte ein starkes Beben den Westen der Türkei und die griechische Insel Samos. Mehrere Häuser wurden zerstört und Menschen verschüttet. Unsere türkische Mitgliedsorganisation Arama Kurtarma Derneği (AKUT) stand sechs Tage mit 268 Freiwilligen und drei Rettungshunden durchgehend im Einsatz. Neun Menschen konnte dank des unermüdlichen Einsatzes der Teams das Leben gerettet werden. Insgesamt waren über 5.100 Rettungskräfte und mehr als 20 Rettungshunde vor Ort.

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Fotos: AKUT

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Kroatien, Dezember 2020 – Naturkatastrophe zerstört Kleinstadt

Ein Beben der Stärke 6,4 richtete am 29. Dezember 2020 schwere Schäden in Kroatien unweit der Stadt Petrinja an. Die IRO Mitgliedsorganisation Croatian Mountain Rescue Service (CMRS) unterstützte den Sucheinsatz erfolgreich mit insgesamt 14 Hunden. Sechs Personen konnten von den Vierbeinern unter den Trümmern lokalisiert und gerettet werden. Weitere zehn Hunde der beiden IRO Mitgliedsorganisationen Croatian Rescue Dog Association (CRDA) und Club for Sports and Working Dogs Zagreb (KOSSP) waren als Backup vor Ort. Bereits zehn Minuten nach Eintreffen der mobilisierten kroatischen Rettungshundeteams konnte das erste Opfer aus den Trümmern geborgen werden. Trotzdem der Boden unaufhörlich bebte und Gebäude weiter einzustürzen drohten, setzten die Rettungshunde ihre Suche unbeirrt fort und retteten damit weiteren fünf Personen das Leben. Neben der Suche nach Vermissten kümmerten sich die CMRS-Mitglieder auch um die Menschen, die traumatisiert vor den Trümmern ihrer Existenz standen, und spendeten Trost. Viele Leute, vor allem ältere, wollten die Ruinen ihrer Häuser gar nicht verlassen.

Fotos: CMRS

Naturkatastrophen und extreme Ereignisse nehmen weltweit drastisch zu, auch im Hinblick auf Häufigkeit und Schadensausmaß.​Einige wesentliche Gründe dafür sind​ » steigende Bevölkerungszahlen » wachsende Ballungsräume » klimatische Veränderungen. Hilfe zur Selbsthilfe​ Das Bestreben der Internationalen Rettungshunde Organisation ist, in jeder Mitgliedsorganisation eine ausreichende Zahl an einsatzfähigen Rettungshundeteams für nationale als auch internationale Einsätze verfügbar zu haben. Im Ernstfall zählt jede Minute.

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Internationaler Katastropheneinsatz Beirut, August 2020 – Folgenschwere Explosionskatastrophe Erfahrungsbericht von Petr Svoboda Der 5. August 2020 wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Ich hatte Dienst auf der Feuerwehrwache als ich die Information zum Einsatz erhielt. Ich zögerte nicht lange, packte meine Ausrüstung und reiste mit meinem Hund Diego von Hlučín nach Prag. Am Flughafen angekommen, wartete ein Tierarzt auf uns Hundeführer und überprüfte vor der Abreise den Zustand der Hunde. Sie waren sichtlich unruhig und verspürten ein erhöhtes Maß an Adrenalin, Nervosität und Aufregung angesichts der bevorstehenden Herausforderung. Der zeremonielle Akt mit der Vorlage eines Berichts an den tschechischen Innenminister Jan Hamáček sowie einer Pressekonferenz mit geladenen Journalisten vor dem wartenden Flugzeug bestätigte allen die Bedeutung unserer Mission. Bei Ankunft in Beirut wurden wir von Mitarbeitern der tschechischen Botschaft sowie Vertretern der libanesischen Armee, welche die Rettungsarbeiten am Ort der Explosion und in unmittelbarer Umgebung leitete, empfangen. Obwohl wir spät in der Nacht in Beirut ankamen, war die Hitzebelastung aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit enorm. Es herrschte eine regelrechte „Gewächshaus-Atmosphäre“. Am nächsten Morgen gab es ein Treffen aller frisch eingetroffenen Teams und die Suchareale wurden nach Nationen aufgeteilt. Das uns zugewiesene Gebiet wurde zunächst von einem Statiker untersucht, welcher Stellen identifizierte, die von unserem Team aufgrund erhöhter Einsturzgefahr gemieden werden mussten. Aufgrund der vorherrschenden Umstände, mit Temperaturen um die 50 °C, Trümmerteilen und Scherben überall, war eine sorgfältige Planung essenziell, um die Sicherheit aller Einsatzkräfte und die der Hunde zu jeder Zeit zu gewährleisten. Nach entsprechender Vorbereitung begannen wir mit dem Einsatz unserer Hunde, um unter den Trümmern nach Überlebenden zu suchen. Ich bin stolz, dass ich gemeinsam mit Diego diese außergewöhnliche Mission unterstützen durfte. Die laufenden intensiven Vorbereitungen auf derartige Einsätze haben sich bezahlt gemacht. Unsere Hunde haben maximalen Einsatz gezeigt, und selbst leichte Blessuren an den Pfoten taten ihrem Arbeitswillen keinen Abbruch. Mit ihren Leistungen bestätigten sie, dass sie ein unersetzlicher Teil des Teams sind.

Petr Svoboda mit Hund Diego Rettungshundeführer der IRO Mitgliedsorganisation SIRIUS und Feuerwehrmann bei Hasičský záchranný sbor ČR (HZS ČR) Foto: HZS ČR

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Interview mit Denis Laus Wo warst du, als du die Mitteilung erhieltst, dass du in den Einsatz nach Libanon reisen wirst? Ich war zu dem Zeitpunkt in Paris und musste von dort schnellstmöglich nach Frankfurt kommen. Normalerweise ist das kein Problem, aber aufgrund von COVID-19 gab es nur einen Flug täglich von Paris nach Frankfurt. Ich entschied mich daher, das Auto zu nehmen. Abgesehen davon, welchen Einfluss hatte COVID-19 auf den Einsatz allgemein? Das gesamte Team musste sich vor dem Abflug und bei der Ankunft einem Coronavirus-Test unterziehen. Bis wir die Ergebnisse erhielten, blieben wir in unserem Basislager in Quarantäne. Was geschah nachdem ihr grünes Licht erhalten hattet? Jedem Land wurde ein bestimmter Sektor zugewiesen. Gemeinsam mit den Einsatzkräften des deutschen THW (Technisches Hilfswerk) suchten wir mit technischer Ausrüstung und Rettungshunden im Hafengebiet, einem am stärksten betroffenen Bereich nahe dem Explosionszentrum, nach Überlebenden. Jeden Morgen vor Beginn der Suche trafen wir uns mit unseren THW-Kollegen zu einem gemeinsamen Briefing, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Außerdem gab es tägliche Treffen mit den Teamleitern aller anderen internationalen Organisationen. Was war deiner Meinung nach, die größte Herausforderung für die Rettungshundeteams? Die Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit haben die Arbeit der Hunde ungemein erschwert. Bereits um 8 Uhr morgens war die Hitze aufgrund der starken Luftfeuchtigkeit drückend. Zwischen 11.00 und 14.00 Uhr war

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die Hitzebelastung besonders hoch, sodass wir die Suche den Bedingungen entsprechend anpassen mussten. Aus Sicherheitsgründen war es uns nicht erlaubt, nachts zu arbeiten. Eine weitere Schwierigkeit war das zerbrochene Glas, das überall verstreut lag. Eine Suche in einem Lagerhaus, in dem Alkoholflaschen gelagert wurden, war für unsere Hunde besonders gefährlich. Die Verletzungsgefahr für den Hund durch die Splitter von Glasflaschen ist viel höher als beispielsweise durch Scherben von zerbrochenen Fensterscheiben. Selbst das Tragen von Schuhen würde die Hunde nicht ausreichend vor Verletzungen durch die feinen, spitzen Glassplitter schützen. Da nach gründlicher Untersuchung eine Suche durch menschliche Rettungskräfte in dem Gebäude ohne Gefahr möglich war, beschloss ich, meinen Hund Sheeva nicht hineinzuschicken, sondern das Trümmerfeld selbst zu durchsuchen. Ich brauchte sicherlich ein paar Minuten länger als er benötigt hätte, aber am Ende war es die einzig richtige Entscheidung.

keine Überlebenden mehr befinden, wird das Gebiet für die Aufräumarbeiten freigegeben. Diese Vorgehensweise ist besonders effizient. Wie lange dauerte die Suche? Die Durchsuchungen dauerten nur zwei Tage. Am Samstag, vier Tage nach der Explosion, war klar, dass es in keinem der Suchgebiete mehr Überlebende unter den Trümmern gab. Sheeva und du seid ein IRO zertifiziertes Team, hat dir der IRO Einsatztest geholfen, auf den Ernstfall vorbereitet zu sein? Mit Sicherheit ja. Das Absolvieren realistischer Trainingsszenarien vermittelt die nötige Erfahrung und Routine, um in einem Notfall gezielt handeln zu können. Vor allem die Bestätigung der Einsatzbereitschaft des Hundes durch unabhängige Beurteiler gibt einem Sicherheit. Wir haben 2017 unseren ersten Einsatztest absolviert und zwei Jahre später die Reklassifizierung erfolgreich bestanden.

Warum ist der Einsatz von Rettungshunden nach solchen Katastrophen so ungemein wichtig? Um schneller und tiefer in die Suche gehen zu können. Es ist auch sicherer für die Verschütteten. Es macht einen Unterschied, ob eine Person mit rund 70 Kilo das Trümmerfeld absucht oder ein Hund mit 25 Kilo. Wir arbeiten immer in Paaren von zwei Rettungshundeteams. Mein Kollege Lars Prößler und der IRO geprüfte Hund Apple bildeten mit uns zusammen eine Sucheinheit. Zunächst sucht einer unserer Hunde das Gebiet nach Überlebenden ab. Dann wird das gleiche Gebiet vom zweiten Hund abgesucht, um das Ergebnis zu bestätigen. Wenn sicher ist, dass sich unter den Trümmern

Denis Laus mit Hund Sheeva Rettungshundeführer der IRO Mitgliedsorganisation @fire und IRO Beurteiler

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Die Supernasen

Lebensretter Rettungshunde haben den richtigen Riecher

Ob bei der Skitour in den Bergen, der Bootsfahrt am See oder beim Pilze sammeln im Wald – jeder Mensch kann unvorhergesehen in eine Notsituation geraten. Ist einmal ein Unglück passiert, zählt jede Minute. In solch bangen Momenten sind Rettungshunde unverzichtbar. Sie spüren vermisste, verunglückte oder verschüttete Personen auf und springen in Fluten, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Und dabei sind sie schneller und effizienter als jedes technische Gerät.

Rettungshundearbeit ist eine herausfordernde und verantwortungsvolle Tätigkeit für Mensch und Hund. Viele der weltweiten Rettungshundeteams engagieren sich ehrenamtlich und stehen 365 Tage im Jahr rund um die Uhr in Bereitschaft. Bei einem Einsatz gilt es die vermisste oder verschüttete Person so rasch wie möglich aufzufinden. Und niemand könnte das besser als die Superschnüffler. Ihr ausgeprägter Geruchssinn, aber auch ihre Schnelligkeit und Gewandtheit sind wertvolle Attribute, über die weder der Mensch noch die moderne Technik verfügen. Hunde besitzen etwa die 40-fache Anzahl an Riechzellen im Vergleich zu uns Menschen. Dieses Riechvermögen ermöglicht Lawinen- oder Trümmersuchhunden Personen in mehreren Metern Tiefe zu orten und anzuzeigen. Ausgebildete Flächensuchhunde können menschliche Witterung in bis zu 500 Meter Entfernung ausmachen.

Foto: FW-RH

Früh übt sich: Vom Welpen zum Lebensretter Um zum Lebensretter zu werden, müssen die Hunde eine mindestens zweijährige intensive Ausbildung durchlaufen. Diese beginnt oft schon ab einem Alter von acht Wochen. Spielerisch werden die Fellnasen an verschiedene Bodenbeläge und zum Teil wackelige Untergründe herangeführt. Die wichtigste Lernerfahrung ist jedoch, dass sich das Auffinden eines Menschen lohnt. Denn wenn die Hunde im Training eine Person gefunden haben, werden so von dieser für ihre Leistung belohnt, entweder mit ihrem Lieblingsspielzeug oder einem leckeren Snack. Die Aufgaben, die sie bewältigen müssen, werden im Verlauf der Ausbildung immer weiter gesteigert. Neben dem Aufspüren und Verfolgen einer Spur müssen sich die Vierbeiner in enge Spalten, Röhren oder dunkle Räume wagen, auf Schneefahrzeugen mitfahren oder sich vom Helikopter abseilen lassen. Darüber hinaus müssen die Hunde laute Geräusche oder sonstige Reize ausblenden können und einen guten Gehorsam aufbringen. Schlüssel zum Erfolg sind allerdings die Suchfreude und der Finderwille. Die Fellnasen müssen ihre Arbeit mit Begeisterung und selbstständig meistern, denn nur dann kann das Mensch-Hund-Team auch im realen Einsatz erfolgreich sein.

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Foto: LVHS

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Alles nur ein Spiel? Das alles klingt nach einer lustigen und abenteuerlichen Beschäftigung für die Vierbeiner. Ist es das aber auch tatsächlich? In der Tat ist es das. Den Hunden ist das Schicksal der in Not befindlichen Menschen nicht bewusst, sondern sie haben im Training gelernt, dass sie bei Auffinden einer Person ihre begehrte Belohnung erhalten. Damit dieses Spiel für die Hunde aufregend bleibt, ist es wichtig die Motivation hochzuhalten. Dass es im realen Einsatz keine Belohnung von der gefundenen Person gibt, verschmerzen die Rettungshunde ohne Probleme, denn in den nächsten Trainingseinheiten hält die Versteckperson bereits wieder Leckerli oder Spielzeug bereit.

Helden auf vier Pfoten Die Explosion im Hafen von Beirut oder das schwere Erdbeben in Kroatien Ende 2020 sind aktuelle Beispiele für schwerwiegende Katastrophen, welche den Einsatz professionell ausgebildeter Rettungshunde erfordern.

Rettungshunde sind oft nicht nur Lebensretter, sondern sie schaffen es den Menschen in erschütternden Situationen ein Lächeln zu schenken, einen kurzen Moment der Freude.

Welche Hunderassen eignen sich als Rettungshund? Beinahe jede Hunderasse verfügt über Eigenschaften, die sie für bestimmte Formen der Rettungshundearbeit qualifizieren. Das gilt auch für Mischlingshunde. Wichtiger als die Rasse und der Stammbaum sind die individuelle Ausprägung bestimmter körperlicher und charakterlicher Merkmale. Grundsätzlich sind alle leistungsstarken, bewegungsfreudigen Hunde geeignet, wenn sie Gewandtheit, Nervenstärke, einen ausgeprägten Spieltrieb, Lernfreude sowie ein gutes Sozialverhalten gegenüber Menschen und Artgenossen mitbringen.

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Vom Welpen zum Helden Ausbildung eines Rettungshundes Labrador Retriever Ares wurde am 24. August 2017 geboren. Für seinen Besitzer Dušan Weber, ein erfahrener Hundeführer unserer Mitgliedsorganisation Društvo vodnikov reševalnih psov Slovenije (DVRPS) in Slowenien, ist es bereits der fünfte Hund, den er zum Rettungshund ausbildet. Im Jahr 2017 hatte Dušan einen Wurf in seiner Zucht, was ihm die Möglichkeit gab, die Welpen von ihrer Geburt an bis zu dem Zeitpunkt zu beobachten, an dem sie alt genug waren, den Wurf zu verlassen. Insgesamt fünf Welpen zeigten Potential für die Ausbildung zum Rettungshund. Besonders ins Auge gestochen ist Dušan der kleine Ares. Er war der lebhafteste von allen. „Ich war auf der Suche nach einem temperamentvollen und neugierigen Welpen, und den habe ich in Ares definitiv gefunden“, beschreibt Dušan den Auswahlprozess seines neuen lebensrettenden Gefährten. Das Training begann im Grunde sofort in der Wurfgruppe. Sehr früh wurden die Welpen an verschiedene Materialien, Geräusche und Hindernisse herangeführt. Die täglichen Trainingseinheiten wurden für Ares bald zur Routine. Für erwünschtes Verhalten, das auch im Einsatz als Rettungshund benötigt wird, wurde er von seinem Hundeführer entsprechend belohnt. „Es ist mir sehr wichtig, dass die Hunde sich wohl fühlen und zu keiner Zeit Zwang verspüren“, sagt Dušan über seine Trainingspraxis. Zusätzlich zu den täglichen Trainingseinheiten mit Dušan begann Ares bald auch mit anderen Rettungshundeanwärtern und ihren Hundeführern zu trainieren. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Ausbildung der Nasenarbeit, wobei auch eine gute körperliche Konstitution aufgebaut werden muss. Für einen aktiven Hund wie Ares ist Ausdauer selbstverständlich kein Thema. Die Ausbildung ist spielerisch aufgebaut und der Schwierigkeitsgrad der Suchaufgaben wird schrittweise erhöht. So wird der natürliche Spieltrieb der Hunde genutzt, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen und nachhaltig zu lernen.

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Fotos: Dušan Weber / DVRPS

Ares wird das Vermächtnis seiner Vorgänger fortsetzen und dabei helfen, Leben zu retten.

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Seit seinem zweiten Lebensjahr ist Ares ein qualifizierter Rettungshund in den Disziplinen Flächen-, Lawinen- und Trümmersuche. In seiner noch jungen Karriere als Rettungshund hat er bereits einige Einsätze absolviert. Er hat große Pfotenabdrücke zu füllen, denn seine Vorgänger waren an über 200 nationalen Einsätzen und mehreren Erdbebeneinsätzen im Ausland beteiligt. In 35 Jahren als Rettungshundeführer erinnert sich Dušan an einen Einsatz ganz besonders: Die Suche nach einem vermissten dreijährigen Mädchen im Sommer 2001. „Sie war 22 Stunden lang durch den Wald gelaufen, und wir haben die ganze Zeit nach ihr gesucht. Als wir sie völlig erschöpft, aber glücklicherweise unverletzt fanden, war sie bereits 18 Kilometer gelaufen“, beschreibt Dušan die schwierige Suchaktion.

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Vom Problemhund zum Rettungshund Draco galt in seinen ersten Lebensmonaten als schwierig. Heute schreibt er als Teil der Rettungshundestaffel der kroatischen Organisation Croatian Mountain Rescue Service (CMRS) Heldengeschichten.

Der belgische Schäferhund Draco bildet gemeinsam mit seinem Hundeführer Kruno Stipetić ein erfolgreiches Rettungshundeteam. Bei ihren ehrenamtlichen Einsätzen haben sie zusammen mit den CMRS-Kollegen bereits zahlreiche Menschenleben gerettet. Dass sich Draco zu einem derart begeisterten und talentierten Rettungshund entwickelt, hätte in den ersten Lebensjahren wohl niemand für möglich gehalten. Er kam mit knapp einem Jahr zu Kruno. Anfangs war er aggressiv, auch gegenüber Kruno. Experten rieten ihm, den Hund einschläfern zu lassen. Doch Kruno glaubte fest an Draco und wollte ihn nicht aufgeben. Krunos Beharrlichkeit, Geduld und Einfühlungsvermögen im Training mit Draco hat sich bezahlt gemacht. Im Alter von zweieinhalb Jahren bestand Draco den Wesenstest mit Bravour und legte damit den Grundstein seiner Ausbildung zum Rettungshund. Wegbegleiter der beiden konnten nicht glauben, dass es sich um ein und denselben Hund handelt. Die anfängliche Skepsis wich der Bewunderung. Mittlerweile sind Draco und Kruno unverzichtbarer Bestandteil der IRO Mitgliedsorganisation Croatian Mountain Rescue Service. Ihre intensive Beziehung und das gegenseitige Vertrauen machen sie zu einem eingespielten Team, das im Ernstfall bei der Suche nach Vermissten souverän agiert – egal ob nach Gebäudeeinstürzen oder Lawinenabgängen. Zu wissen, jemandem das Leben zu retten, ist für die beiden die größte Belohnung ihres intensiven Trainings.

Foto: CMRS

Wesenstest Diese Prüfung wird am Beginn der Ausbildung zum Rettungshund abgelegt und soll Aufschluss darüber geben, ob der Hund beziehungsweise das Team für die Ausbildung geeignet ist. Ein zuverlässig entwickeltes Sozialverhalten gegenüber Artgenossen sowie Menschen ist erforderlich. Der Hund wird mit verschiedenen Situationen konfrontiert und darf kein ängstliches oder gar aggressives Verhalten zeigen.

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„ Es ist großartig, dass durch die besondere Fähigkeit der Hunde, Menschenleben gerettet werden können.


Fundraising

Danke für Ihre Hilfe! Vertrauen ist Mut, und Treue ist Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Ein herzliches Dankeschön an alle unsere engagierten und großzügigen Förderer, die uns 2020 unterstützt haben, selbst in schwierigen Zeiten. Ganz gleich, ob Sie einmalig oder regelmäßig gespendet haben, ob Sie uns im Rahmen einer Unternehmenspartnerschaft unterstützt haben oder ob Sie uns Ihre Fähigkeiten oder Ihre Zeit zur Verfügung gestellt haben – wir danken Ihnen. Ihre Spende hilft, Leben zu retten: Jeder Beitrag unterstützt die Realisierung unserer Mission und ermöglicht es uns, Rettungshunde nach höchsten Standards auszubilden. Rettungshundearbeit ist ein erfüllendes Ehrenamt, aber auch zeitund kostenintensiv. Hunde werden nicht als Helden geboren. Sie zu Lebensrettern auszubilden, erfordert Disziplin und Engagement. Durch verschiedene Trainings, Einsatztests und internationale Prüfungsveranstaltungen bereiten wir Rettungshundeteams weltweit auf den Ernstfall vor. Wir bedanken uns, dass Sie uns mit Ihrem Vertrauen, die Kraft schenken, unsere Arbeit fortzuführen.

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Neue Wege im Fundraising Auf der Suche nach einem geeigneten Instrument, um unsere Unterstützer stärker zu involvieren, haben wir den Spendenbrief für uns entdeckt. Er ermöglicht uns eine wertschätzende und persönliche Kommunikation mit unseren Förderern und sorgt für eine gesteigerte Identifikation. Das Medium Brief ist für uns bestens geeignet, um unser Tun in Geschichten zu fassen und die gesellschaftlich bedeutende Arbeit der Protagonisten, unserer zahlreichen Rettungshundeteams, greifbar zu machen. Wir informieren regelmäßig über Neuigkeiten, Einsätze und Leistungen unserer Teams und liefern damit authentische Einblicke in die Welt der Rettungshunde. Unser Ziel besteht darin, ein klares Bild von unserer Arbeit zu vermitteln und warum wir dabei auf die Unterstützung von Privatpersonen und Unternehmen angewiesen sind. Einige interessante Daten & Fakten: » ~ 90 % der Spenden stammen von Privatpersonen* » > 65 % der Spender unterstützen uns seit zehn Jahren oder sogar länger *Sonstige Einkünfte: Teilnahmegebühren aus Ausbildungsveranstaltungen, Sponsoring, Förderungen und Mitgliedsbeiträgen.

Generell freut es uns, dass wir mit unserer Arbeit eine breite Zielgruppe ansprechen, vom jüngsten Förderer mit 18 Jahren bis zum ältesten mit über 100 Jahren. Jeder Beitrag zählt! Die Spenden kommen unseren Mitgliedern und Rettungshundeteams weltweit zu Gute und helfen bei der Deckung von Ausbildungs- und Einsatzkosten sowie der Beschaffung notwendiger Ausrüstung.

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Unsere Top 10 Fundraising Ideen Sie möchten Spenden zur Unterstützung der Internationalen Rettungshunde Organisation sammeln, brauchen aber noch ein bisschen Inspiration? Kein Problem: Wir haben eine Liste mit zehn einfachen und kreativen Fundraising-Ideen zusammengestellt. 1. AmazonSmile: Einkaufen und dabei Gutes tun Mit AmazonSmile können Sie uns bequem ohne zusätzliche Kosten bei jedem Ihrer Einkäufe unterstützen. Wie funktioniert AmazonSmile? Das lässt sich in drei einfachen Schritten erklären: Per App: » AmazonApp öffnen und „Einstellungen“ im Hauptmenü wählen. » Auf „AmazonSmile“ tippen. » „Internationale Rettungshunde Organisation IRO“ auswählen. Per Computer: » Die Webadresse https://smile.amazon.de aufrufen. » Den Link in den Favoriten abspeichern. » „Internationale Rettungshunde Organisation IRO“ auswählen. Amazon gibt mit jedem Einkauf 0,5 % des Wertes direkt an uns weiter – ganz ohne Extrakosten für Sie. 2. Handwerkliches Talent nutzen Der Verkauf von handgefertigten Produkten ist eine brillante Möglichkeit, Spenden für die Ausbildung von Rettungshunden zu sammeln. Von der selbstgemachten Marmelade nach Großmutters Rezept, der liebevoll gestalteten Grußkarte bis hin zum individuell hergestellten Hundespielzeug oder selbstgestrickten Winterschal, die Möglichkeiten zur Unterstützung sind endlos. 3. Bei einem Flohmarkt mitmachen Jeder von uns hat Zuhause unnütze Dinge rumliegen, die anderen womöglich noch eine Freude bereiten können. Bücher, Spielsachen, Kleidung oder Geschirr – sortieren Sie einfach alles aus, was Sie nicht mehr brauchen und spenden Sie den Reinerlös Ihrer Verkaufsaktion an die Internationale Rettungshunde Organisation.

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4. Kuchenverkauf starten Schürze überziehen und Backutensilien rausholen! Egal ob in der Arbeit, der Schule oder im Verein – Sie werden mit Ihren süßen oder salzigen Backwaren ganz bestimmt auf viel Begeisterung stoßen. Und die Spenden sind Ihnen sicher. Vielleicht haben Sie ja sogar ein Rezept für gesunde Hundekekse für den ernährungsbewussten Vierbeiner von heute. 5. Sportlich aktiv sein Egal ob Laufen, Radfahren oder Bergsteigen – holen Sie sich die Extraportion Motivation und sammeln Sie Spenden für Ihr Herzensprojekt. Und so geht’s: Bitten Sie Familie, Freunde und Arbeitskollegen um eine Spende für jeden geschafften Kilo- oder Höhenmeter. 6. Tombola planen Ein Oldie aber Goldie – eine Tombola, bei der als Gewinn ein Wellness-Wochenende oder ein Jahresvorrat Hundefutter lockt, zieht garantiert viele Interessierte an. Spaß beiseite, selbst kleine Preise begeistern. Einfach Sachspenden bei örtlichen Unternehmen anfragen, Lose organisieren und schon kann’s losgehen. 7. Mit einer lästigen Gewohnheit brechen Wir alle haben diese eine Gewohnheit, die uns selbst oder unser Umfeld nervt. Es sind meist Dinge wie unkontrollierter Süßigkeiten-Konsum, die Abhängigkeit von Smartphone & Co. oder der Klassiker, das Rauchen. Wenn Sie eine schlechte Angewohnheit haben, der Sie gerne entfliehen möchten, warum tun Sie es nicht, während Sie Spenden für unsere Lebensretter auf vier Pfoten sammeln? Bitten Sie Familie und Freunde, Ihnen in dieser Zeit nicht nur emotional, sondern auch finanziell beizustehen oder spenden Sie ganz einfach das Geld, das Sie durch Ihren Verzicht sparen. 8. Hundekalender gestalten Wir Menschen lieben unsere Fellnasen. Daher ist es auch wenig verwunderlich, wie beliebt Tierkalender sind. Wand- oder Tischkalender lassen sich relativ einfach erstellen. Als Motive können Sie Hunde aus Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis wählen oder einen Wettbewerb starten, bei dem Hundebesitzer ihre beliebtesten Fotos einreichen können. Mit ein paar lustigen Sprüchen oder Zitaten können Sie Ihrem Kunstwerk das gewisse Etwas verleihen. Kleiner Tipp: Mit dem Verkauf des Kalenders sollten Sie nicht später als Dezember starten. 9. Geführte Wanderung organisieren Sie haben eine oder mehrere Lieblingswanderrouten, die es Ihrer Meinung nach verdienen, erkundet zu werden? Und hundefreundlich sind sie noch dazu? Großartig! Dann stellen Sie ein kurzes Programm zusammen und laden Freunde und Bekannte ein, Sie zu begleiten. So ein Ausflug tut Körper & Seele gut, denn was gibt es Schöneres in luftigen Höhen zu sitzen und die unberührte Natur zu bewundern. 10. Facebook Fundraising Haben Sie ein Facebook Konto? Und haben Sie bald Geburtstag oder feiern einen anderen besonderen Anlass? Dann haben Sie auf Facebook die Möglichkeit, in nur wenigen Schritten eine Fundraisingaktion ins Leben zu rufen und gemeinsam mit Ihren Freunden und Bekannten Spenden für die IRO zu sammeln. Besuchen Sie uns auf Facebook (facebook.com/irodogs) oder scannen Sie nachstehenden QR Code und starten Sie gleich jetzt Ihre Spendenaktion!

Sie möchten uns unterstützen? Einfach QR Code scannen und Facebook-Spendenaktion starten.

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Finanzen

IRO Finanzbericht Trotz der Coronapandemie war 2020 für die Internationale Rettungshunde Organisation ein erfolgreiches Jahr. COVID-19 hat auch bei der IRO viele Pläne und Vorhaben über den Haufen geworfen. Fast alle IRO Veranstaltungen konnten wegen Kontaktverbot und eingeschränkter Reisefreiheit nicht stattfinden. Somit entfielen zahlreiche Teilnahme- und Veranstaltungsgebühren als Einnahmequelle für die IRO im Jahr 2020. Viele Reservierungen auf unserer Trainingsanlage in Schöneben mussten wegen der Coronamaßnahmen kurzfristig storniert werden.

Wegen sinkender Zinsen fallen zudem Finanzerträge nicht mehr so hoch aus, wie in den vergangenen Jahren. Dennoch wächst die IRO weiter stetig und benötigt aufgrund dessen mehr finanzielle Mittel. Um das hohe Niveau bei der Ausbildung von Rettungshunden beizubehalten, war es für uns wichtig 2020 weiter in die Spenderneugewinnung und -betreuung zu investieren. Die Spendeneinnahmen konnten dadurch gesteigert werden.

Charlotte Kranz Finanzreferentin

Einnahmen im Vergleich 2019/2020

2019

73.679

2020 Angaben in Euro

43.923

NRO Beitragsgebühren Finanzerträge Sonstige Einnahmen Teilnahme- & Veranstaltungsgebühren

13.200 12.300

NRO Beitragsgebühren

17.056

20.400

16.997

12.914

Finanzerträge

Sonstige Einnahmen

Teilnahme- & Veranstaltungsgebühren 838.162 960.627

Spenden Einnahmen gesamt

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986.020 1.023.238

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Die IRO steht seit 2018 auf der Liste der spendenbegünstigten Einrichtungen in Österreich. Das bedeutet, dass eine Spende an die IRO beim Steuerausgleich vom österreichischen Finanzamt als Sonderausgabe anerkannt wird. Dies soll weiter dabei helfen, Spender und Spenderinnen von der IRO zu überzeugen und langfristig zu binden. Die aktuelle Spendenentwicklung der IRO lässt uns in den kommenden Jahren weiter auf einen positiven Trend hoffen.

Das globale Engagement unserer Mitgliedsorganisationen in der Rettungshundearbeit und somit die Zukunft der IRO kann nur durch langfristige finanzielle Stabilität gesichert werden. Wir behalten deshalb unseren vorgesehenen Plan zur Mittelgenerierung bei: Privatspenden, Sponsoring und Teilnahmegebühren werden unter anderem durch Kooperationen, Einkunftsmöglichkeiten in den Ländern unserer Mitgliedsorganisationen, Weiterentwicklung des Webshops

und neue Formate der Aus- und Weiterbildung ergänzt.

Mittelverwendung im Vergleich 2019/2020 1.000.000 €

954.132,60 €

909.942,96 €

2019

2020

800.000 €

600.000 €

400.000 €

200.000 €

0€

Leistungen für statutorisch festgelegte Zwecke » Fördergelder und Unterstützung Mitgliedsorganisationen » Trainings- und Prüfungsveranstaltungen

Sonstige Ausgaben

Verwaltungsaufwand » Personal » Betriebskosten Trainingsanlage & Geschäftsstelle

Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising

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Steuer- und Rechtsberatung, Übersetzungen

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Vielen Dank!

Ihr Engagement hilft, Menschenleben zu retten. Jeder Beitrag ist wertvoll und ermöglicht uns, Rettungshunde rund um den Globus auszubilden.

Reg. Nr. SO-13724

Internationale Rettungshunde Organisation Raiffeisenbank Peuerbach IBAN: AT45 3444 2002 0000 1354 BIC: RZOOAT2L442


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