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Karriere und Praxis

Reform der Juristenausbildung – den Schwerpunkt erhalten von Marc Castendiek

Am 17. November 2016 kamen Die von den Justizministerinnen und -ministern angestrebte Redie Justizministerinnen und Justizform der Juristenausbildung wird von Studierendenseite kritisch geseminister in Berlin zu ihrer Herbsthen. Der BRF (Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften) konferenz zusammen. Auf der engagiert sich für die Beibehaltung der Schwerpunktbereiche. Agenda unter anderem ein Punkt, den Bedeutung sollte zudem eine Abwertung des Prüder im folgenden Jahr nicht nur an den juristischen fungsanteils von 30 Prozent auf nunmehr 20 Prozent Fakultäten eine große Sprengkraft entfalten sollte: Der „Bericht des Ausschusses zur Koordinierung folgen. Diese Forderung, die die Studienreform von der Juristenausbildung zu Harmonisie2003 zumindest teilweise zurücknimmt, wurde nicht rungsmöglichkeiten für die juristischen nur von den Studierendenschaften überwiegend kritisch aufgenommen. Auf die Reaktionen soll im weitePrüfungen“ konkretisierte die Pläne zu ren Verlauf dieses Artikels eingegangen werden. einer bundesweiten Vereinheitlichung der Studienbedingungen und Prüfungs3.   Im dritten Teil wurden schließlich weitere Änderuninhalte und sollte so die erste große Reform des juristischen Studiums seit Einführung der Schwerpunkt­ gen an einzelnen Prüfungsmodalitäten empfohlen. Beispiele hierfür sind die erst 2003 geschaffene Möglichbereiche im Jahr 2003 markieren. keit der Abschichtung, die Regelungen zum Freiversuch DIE IDEEN DES KOORDINIERUNGSAUSSCHUS­ oder die Bestimmungen hinsichtlich Zulassung und SES   Seinen Bericht gliederte der KoordinierungsausWertigkeit der mündlichen Prüfung. Obgleich es sich schuss in drei Teile: nur um relativ kleine Stellschrauben handelt, werden diese die Studierenden in den einzelnen Bundesländern 1.  Im ersten Teil fand eine Analyse des gesamten ob der bestehenden unterschiedlichen Regelungen in Pflichtfachstoffs statt und man sprach sich am Ende höchst unterschiedlich gravierender Weise treffen. für einen einheitlichen Prüfungskatalog aus. Eine DIE KRITIK AM SCHWERPUNKT  Als Hauptkribesondere Resonanz in der Fachpresse erzeugten tikpunkte am Schwerpunkt werden häufig die manhier die beabsichtigte Kürzung des Internationalen Privatrechts und des AGG, die unter dem Eindruck der gelnde Vergleichbarkeit der erreichten Noten und Stellungnahmen auf der Justizministerkonferenz vom die „Noteninflation“ genannt. Bei der tieferen Suche 9. November 2017 wieder in den Katalog aufgenomnach den Ursachen stößt man bereits im Umfang auf men wurden. Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und Universitäten. Während die überwiegende Zahl der 2.   Mit Abstand die größte Aufmerksamkeit erfuhr der Landesgesetze eine Zahl von mindestens 16 Semesterwochenstunden vorschreibt, können einzelne Schwerzweite Teil: In diesem ging es um die Schwerpunktbereichsprüfung. Nach Betrachtung der höchst unterpunkte je nach Zusammenstellung der Stundenpläne schiedlichen Prüfungspraxis, die in den einzelnen Landurch den Studierenden bis zu 24 Semesterwochendesgesetzen, mitunter aber auch an den einzelnen stunden erreichen. An anderen Universitäten wurde Universitäten geregelt und gelebt wird, gelangte man der klausurrelevante Teil hingegen auf zehn Semesterwochenstunden gesenkt. Die so entstehenden zeitzu der Erkenntnis, dass die Noten im Schwerpunkt lichen Nachteile in der Examensvorbereitung für diejenicht mehr vergleichbar seien. Als Lösung vorgeschlagen wurde eine Begrenzung des Schwerpunktes auf nigen, die mehr Stunden im Schwerpunkt zu absolvieren haben, lässt sich nicht wegdiskutieren. 10 bis 14 Semesterwochenstunden, aus der so sinken-

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JURAcon Jahrbuch 2018 · 2. Halbjahr · JURAcon Legal Career Services GmbH

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