Issuu on Google+


Editorial

Inhalt

90 Jahre Burgenland bei Österreich

Vorwort Konrad Luckenberger............................ 03

Gendarmerie und Polizei - eine Säule der Sicherheit für die Bevölkerung

„Hart an der Grenze“ .......................................... 03 Das Burgenland .................................................... 05 Die Landnahme .................................................... 07

Als das Burgenland im Jahre 1919 durch den Friedensvertrag von St.Germain Österreich zugesprochen wurde, wollte Ungarn diese „Demütigung“ keinesfalls zur Kenntnis nehmen. Es gab schwere Kämpfe zwischen den ungarischen Freischärlern und der Gendarmerie, wobei auf beiden Seiten viele Todesopfer zu beklagen waren. Nachdem Ödenburg, das Zentrum dieser Region, durch eine zweifelhafte Volksabstimmung bei Ungarn verblieb, konnte sich niemand vorstellen, wie dieses Land eigenständig bestehen sollte. Da es nur wenig Industrie gab und die Landwirtschaft für die Bevölkerung nicht genügend Lebensmittel produzieren konnte, sahen viele junge Menschen keine Perspektive und haben ihre Heimat verlassen. Sie sind während der Wirtschaftskrise in den 20er oder 30er Jahren nach Amerika oder später in die Ballungszentren wie etwa Wien oder Graz ausgewandert. Viele sind auch heute noch Pendler. Zur Zeit des Nationalsozialismus verschwand unser Burgenland von der Landkarte, wurde aber bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder errichtet. Durch den Eisernen Vorhang an der Ostgrenze wirtschaftlich isoliert, haben unsere Vorfahren trotz vieler Repressalien durch die sowjetischen Besatzer dieses Land aus den Trümmern des Krieges wieder aufgebaut und einen bescheidenen Lebensstandard erreicht. Die Exekutive hat dabei eine wesentliche Rolle gespielt. Man denke hier nur an die Landnahme (1921), den Ungarnaufstand (1956), die Tschechenkrise (1968) oder die Flüchtlingswelle von DDR-Bürgern mit dem Fall des Eisernen Vorhanges (1989). Bei all diesen Krisen haben wir von den Medien in aller Welt für unsere Hilfsbereitschaft viel Lob erhalten. Auch nach dem Wegfall der Schlagbäume gelingt es der Exekutive trotz des steigenden „Kriminaltourismus“ den Sicherheitsstandard ständig zu verbessern, wobei das Burgenland nach wie vor zu den sichersten Bundesländern der Republik Österreich gehört und im 1. Quartal 2011 die beträchtliche Aufklärungsquote von 56,7 % erreicht hat. In dieser Broschüre möchte ich über einzelne Aufsehen erregende Fälle berichten, aber auch aufzeigen, welche Repressalien die Bevölkerung in diesem Land seit seiner 90-jährigen Zugehörigkeit zu Österreich ertragen musste. Ich wünsche ihnen viel Spaß beim Lesen dieser Sonderausgabe und hoffe, dass ich Ihnen Ereignisse, die bis dato noch nicht publik waren, zur Kenntnis bringen kann. Wolfgang Bachkönig Autor dieser Sonderausgabe

Ödenburg bleibt ungarisch .................................. 09 Die Zwischenkriegszeit setzt den Burgenländern schwer zu ............................. 11 Aus für das Burgenland ........................................ 16 Der Krieg ist vorbei . ............................................ 17 Hoffnungslosigkeit und Übergriffe . ..................... 19 Ungarnaufstand 1956............................................ 24 Der Eiserne Vorhang . .......................................... 25 Der Eiserne Vorhang trennt.................................. 27 Der Stacheldraht bekommt Löcher .................... 30 19. August 1989 ................................................... 31 Der Umbruch in Europa ...................................... 35 Vom EU-Beitritt bis zur Schengenerweiterung ... 39 Polizeidienststellen im Burgenland ....................... 46

Herausgeber International Police Association (IPA), Österreichische Sektion A-1010 Wien, Schottenring 16, Mobil: 0676/68 67 761 E-Mail: austria@ipa.at www.ipa.at Pressereferat: IPA Landesgruppe Burgenland. Für den Inhalt verantwortlich: Wolfgang Bachkönig. Chefredakteur: Klaus Herbert. Fotos: Namentlich gezeichnet - Archiv LPK Burgenland. Titelbild: Klaus Herbert.

Medieninhaber (Verleger) IPA Verlagsgesellschaft mbH A-8073 ­Feld­kirchen bei Graz, Gmeinergasse 1-3 Tel.: 0316/29 51 05, Fax: 0316/29 51 05-43 E-Mail: office@ipa-verlag.at www.ipa-verlag.at Geschäftsführung: Mario Schulz. Ass. der Geschäftsführung: Prokuristin Roswitha Schwab. Produktionsleitung: Klaus Scheer. Grafik: Nadja Schönwetter. Leitung der Anzeigenabteilung: Monika Reicher.

Hersteller (Druck) Dorrong - Graz Erscheinungsweise Sonderausgabe Burgenland 2011 (Für Mitglieder kostenlos!) Nachdruck - auch auszugsweise - nur mit schriftlicher Genehmigung des Heraus­ gebers und des Medieninhabers!


www.burgenland.ipa.at

VORWORT

Blick in die Vergangenheit

90 Jahre Burgenland Das Burgenland als jüngstes „Kind“ von Öster­reich ist in die Jahre gekommen. Mit Stolz und Selbstbewusstsein können wir Burgenländer den 90. Geburtstag unseres Heimatlandes feiern, das um die Jahreswende 1921/22 als „selbstständiges, gleichberechtigtes Bundesland“ zur Republik Österreich kam. Mit der Ausstellung „Burgenland: 90 Jahre - 90 Geschichten“ wird in 90 einzelnen Mosaiksteinen die burgenländische Geschichte gezeigt. 90 Exponate erzählen 90 Geschichten aus dem oder über das Burgenland. Wir von der IPA Burgenland haben dies zum Anlass genommen und eine Sonderausgabe aufgelegt. Es sind zwar keine 90 Geschichten jedoch ein Streifzug von

1921 bis in die Gegenwart aus dem Leben von Gendarmerie und Polizei. Mit interessanten Berichten soll ihnen einen Rückblick auf 90 Jahre sicherheitspolizeilicher Einsätze, polizeilichen Aufgaben und interessanten Kriminalfällen geben werden. Wenn heute das Burgenland zu einer lebenswerten Region geworden ist, so ist es nicht nur der wachsenden Wirtschaft und dem Fleiß der Bevölkerung zu verdanken, sondern auch dem unermüdlichen Einsatz der Exekutive die wesentlich dazu beigetragen hat, dass das Burgenland zu einem der sichersten Bundesländer zählt. Konrad Luckenberger Landesgruppenobmann servo per amikeco

Hart an der Grenze

Das Buch mit Tatsachenberichten von 1921 bis zur Gegenwart In dieser Broschüre habe ich nur einzelne Begebenheiten, die sich in der 90-jährigen Geschichte des Burgenlandes zugetragen haben, beschrieben. Die ca. 414 km lange Ostgrenze des Burgenlandes trennte über Jahrzehnte die Diktatur des Ostens von der Demokratie des Westens. Von der Landnahme im Jahre 1921 bis zum endgültigen Fall der Schlagbäume im Dezember 2007 hat es in diesem nur 270.000 Einwohner zählenden und 4.000 km² großen Land zahlreiche Ereignisse gegeben, die die Schlagzeilen der Medien in aller Welt geprägt haben. In meinem Buch „Hart an der Grenze“ habe ich auf 272 Seiten (hinterlegt mit ca. 300 Bildern) von der Entstehung des Burgenlandes mit der Landnahme über Tragödien an dieser Menschen verachtenden Grenze des Eisernen Vorhanges, bis zur Gegenwart berichtet.

Das Buch kostet 20.-€ zuzüglich Versandkosten und kann über das Druck- und Verlagshaus Aumayer, Tel. 07744 20080, e-mail: ­­office@aumayer.co.at oder beim

Autor Wolfgang Bachkönig, 0664 472 49 17,­­ e-mail: ­­­bachkoenigw@gmx.at bezogen werden.­

3


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Das Burgenland

Jüngstes „Kind“ von Österreich Die jüngste geschichtliche Entwicklung des Burgenlandes ist mit der Österreichisch-Ungarischen-Monarchie untrennbar verbunden. In der ungarischen Reichshälfte wollte man nach dem Ausgleich von 1867 durch die Magyarisierung der nationalen Minderheiten ein einheitliches Staatsvolk schaffen. Den Höhepunkt dieser Magyarisierung bildete ein Schulgesetz aus dem Jahre 1907. Dieses Gesetz bestimmte, dass in allen Grundschulen die ungarische Sprache so zu unterrichten sei, dass sich die Kinder nach Abschluss der vierten Schulstufe auf Ungarisch in Wort und Schrift verständigen könnten.

Formeller Anschluss bereits 1919

Foto: LPK Burgenland

Bereits in der Zeit um 1907 gab es Entwürfe und Pläne bezüglich der Abtrennung westungarischer Gebiete von Ungarn. Mit dem Zusammenbruch der Monarchie nach dem ersten Weltkrieg begannen sich selbstständige Nationalstaaten zu bilden. Die verschiedensten Nationalitäten beriefen sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker, welches der amerikanische Präsident Woodrow Wilson Anfang des Jahres 1918

Franz Joseph - Kaiser von Österreich, König von Ungarn zur Zeit der ersten Abtrennungsbestrebungen

Verhandlungen wurde der Friedensvertrag am 30. September 1919 unterzeichnet und das Burgenland, mit der Stadt Ödenburg samt acht umliegenden Gemeinden, Österreich zugesprochen.

Verlust des Burgenlandes besonders entwürdigend für Ungarn

Grenzstein mit dem Hinweis auf St.Germain Foto: Josef Altenburger

verkündet hatte. Zur damaligen Zeit verwendete man für die Komitate Pressburg, Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg am häufigsten die Bezeichnung DeutschWestungarn. In diesem Grenzgebiet lebten damals 75% Deutsche, 15% Kroaten und nur 10% Ungarn. In diesem Deutsch-Westungarn, dem heutigen Burgenland, kam es noch in den Novembertagen des Jahres 1918 zu den ersten Selbstständigkeitsbestrebungen. Am 10. November 1918 wurde in Mattersdorf, dem heutigen Mattersburg, der Deutsche Volksrat für Westungarn gegründet. Binnen weniger Tage hatten sich diesem Volksrat 209 Gemeinden, darunter auch einige kroatische, angeschlossen. Der Anschluss an Österreich erfolgte nicht wie vielfach kolportiert erst im Jahre 1921, sondern bereits im Jahre 1919. Es muss hier eine strenge Trennung zwischen dem Anschluss und der Landnahme erfolgen. Österreich wurde bei den Friedensverhandlungen in St.Germain, einem Vorort von Paris, von Staatskanzler Dr. Karl Renner vertreten. Ungarn war zu diesen Unterredungen überhaupt nicht eingeladen. Da man den ersten Weltkrieg verloren hatte, war die Ausgangsposition denkbar schlecht. Nach langwierigen

Während man in Österreich die Angliederung des Burgenlandes mit größter Genugtuung begrüßte, war für Ungarn die Entscheidung der alliierten Mächte niederschmetternd. Von all den riesigen Verlusten, die das stolze Reich der Sankt-Stephanskrone zu erleiden drohte, empfand man den Anschluss Westungarns an Österreich besonders demütigend, ja sogar entwürdigend. Dass sich auch Österreich, mit dem man über Jahrhunderte einen gemeinsamen Weg gegangen war, an der „Beraubung“ Ungarns beteiligte, empfanden die Magyaren als höchste Infamie. Verzweiflung und ein von Chauvinismus aufgestachelter Protest, der in dem fanatischen Ausruf „Nem, nem soha“! (Nein, nein, niemals) kuluminierte, beherrschten im Herbst 1919 die ungarische Szene. Selbst die Gemäßigten und Besonnenen in der ungarischen Regierung waren nicht geneigt, die Entscheidung der Pariser Friedenskonferenz ohne weiteres zur Kenntnis zu nehmen. Alle möglichen Hebel wurden in Bewegung gesetzt, geheime diplomatische Fäden nach Frankreich, Italien, Deutschland und Polen geknüpft, um den durch den in Saint-Germain präjudizierten Verlust der westungarischen Grenzgebiete rückgängig zu machen. Ungarn erreichte dann im Jahre 1920 auch tatsächlich eine Wiederaufnahme der Verhandlungen und wollte das gesamte Burgenland erst nach einer Volksabstimmung abtreten. Dazu kam es aber vorerst nicht. Quelle: Geschichte des Burgenlandes - Lehrbuch der Oberstufe Dr. Gerald Schlag - Die Kämpfe um das Burgenland

5


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Die Landnahme Am 26. Juli 1921 trat der mit Ungarn geschlossene Friedensvertrag in Kraft. Die interalliierte Sonderkommission in Ödenburg sollte die Übergabe des Burgenlandes an Österreich überwachen. Am 27. August 1921 erteilte diese Kommission der österreichischen Regierung die Erlaubnis zur zonenweisen Inbesitznahme des Burgenlandes. Diese Erlaubnis enthielt jedoch die Auflage, dass der Einsatz des Bundesheeres zu unterbleiben habe. Zur Landnahme durfte nur ein ziviler Wachkörper eingesetzt werden. Am 28.08.1921 begann die Exekutive mit dem Einmarsch in die vertraglich zugesprochenen Gebiete. Die österreichischen Sicherheitskräfte wurden von der Bevölkerung fast überall mit Sympathiekundgebungen begrüßt. Zur Landnahme waren insgesamt elf Kolonnen der Gendarmeriegrenzschutzabteilung mit 1.950 Gendarmen eingesetzt. Aufmarschstationen waren: Berg, Bruck/L, Ebenfurth, Wr.Neustadt, Hochwolkersdorf, Kirschschlag, Friedberg, Hartberg, Burgau, Fürstenfeld und Fehring. Die Stärke der einzelnen Kolonnen schwankte von 18 bis mehreren hundert Gendarmen. Die stärkste Gruppe bestand aus den Kolonnen 4a und 4b, zusammen 367 Gendarmen und 27 Zollwachebeamte. Die Ungarn waren aber keinesfalls bereit, das Burgenland kampflos an Österreich abzutreten. Ungarische Freikorps (Freischärler), die aber in Wirklichkeit reguläre Truppen waren, verhinderten eine friedliche Landnahme.

Gefangene österreichische Gendarmen beim Abtransport nach Zalaegerszeg an der Spitze des Transportes Graf Esterházy

frühen Morgenstunden des 28. August 1921 von RevInsp Wacht mit neun Gendarmen bezogen worden. Gegen 19:00 Uhr kamen aus der ca. acht Kilometer entfernten Stadt Ödenburg mit 35 Gewehren und Handgranaten bewaffnete Freischärler in die Gemeinde und drangen in die Postenunterkunft ein. Vier auf der Dienststelle anwesende Beamte ergriffen unbemerkt die Flucht und setzten sich nach Eisenstadt ab. RevInsp Michael Trattner und Patrouillenleiter Karl Stadler befanden sich in Oggau und wussten von dem Überfall nichts. Gegen 22:00 Uhr wollten sie einrücken, wurden aber bereits am Ortsrand von den Freischärlern

beschossen, wobei Trattner tödlich getroffen und Stadler leicht verletzt wurde. Aber nicht nur im Norden, sondern auch im Süden des Burgenlandes wurden Posten überfallen, Gendarmen verletzt oder getötet. Als die Kolonne sieben unter dem Kommando von Gendarmerieoberinspektor Vycichl mit 202 Gendarmen und 22 Zollwachebeamten in Pinkafeld einmarschieren wollte, geriet die Einheit unter starkes Maschinengewehrfeuer der Freischärler, wobei OberInsp Meyszner des Landesgendarmeriekommandos für Steiermark durch einen Oberschenkeldurchschuss schwer verletzt wurde.

Als eine der ersten Dienststellen wurde der Gendarmerieposten St. Margarethen eingerichtet. Die Dienststelle war in den

Foto: Industrieviertelmuseum Wr.Neustadt

Unsere Gendarmen mussten mit Unterstützung einiger Zöllner fast jeden Meter des Burgenlandes erobern, wobei insgesamt 15 Gendarmeriebeamte ihr Leben verloren. Es konnte kaum eine Ortschaft in Besitz genommen oder ein Gendarmerieposten errichtet werden, wo man nicht einen Toten oder Schwerverletzten zu beklagen hatte. Österreichisches Militär beim Einmarsch vor der Zuckerfabrik in Siegendorf am 13.11.1921

7


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Da Österreich diesem Vorschlag zustimmte, garantierten die Ungarn den Abzug der Freischärler, die sich auch tatsächlich bis zum 13. November 1921zurückgezogen hatten. Nun konnte das Militär einmarschieren und am 30. November 1921 war die Landnahme formell abgeschlossen. Foto: LPK Burgenland

Um weiteres Blutvergießen zu unterbinden, erteilten die Entente-Mächte die Weisung, die Landnahme bzw. den Vormarsch der österreichischen Sicherheitskräfte einzustellen. Die Enttäuschung bei der österreichischen Bundesregierung war groß. Aber die Furcht vor einem neuerlichen Krieg überwog und man musste zur Kenntnis nehmen, dass eine friedliche Landnahme unmöglich geworden war. Aus diesem Grunde gab man den Befehl, dass sich alle auf westungarischem Gebiet befindlichen Kräfte zurückzuziehen hätten. Es kam neuerlich zu Verhandlungen, wobei schon die Zustimmung bedeutete, dass Österreich zu Kompromissen bereit war. Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, wurde vereinbart, über den Verbleib von Ödenburg und den acht umliegenden Gemeinden eine Volksabstimmung abzuhalten.

Gendarm Johann Jüttner, das letzte Todesopfer bei der Landnahme

25. März 1922 - Gendarm Johann Jüttner das letzte Opfer der Landnahme Der letzte gefallene Gendarm bei der Landnahme war Patrouillenleiter Johann Jüttner des Landesgendarmeriekommandos Wien. Er versah in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1922 zusammen mit dem provisorischen Gendarmen Fedrizzi des Landesgendarmeriekommandos Burgenland Sicherheitsdienst in Illmitz. Bei einem Anhalteversuch eröffneten vermutlich ungarische Freischärler das Feuer, wobei Johann Jüttner einen Bauchschuss erlitt und wenige Stunden später verstarb.

Quelle: Archiv des LPK Burgenland Geschichte des Burgenlandes - Lehrbuch für die Oberstufe Dr. Gerald Schlag - Kämpfe um das Burgenland

Eine zweifelhafte Volksabstimmung

Ödenburg bleibt ungarisch

Dass an keinen echten und objektiven Volksentscheid gedacht war, war den Aussagen des den Verhandlungen beiwohnenden italienischen Generals Ferrario zu entnehmen. Bundeskanzler Schober hatte es verabsäumt, entsprechende Garantien für eine korrekte Durchführung der Volksabstimmung zu erreichen. Wie Augenzeugen noch heute berichten, haben damals selbst Tote für einen Verbleib Ödenburgs (Sopron) bei Ungarn gestimmt. Man ging angeblich in die Friedhöfe, schrieb Namen von den Grabsteinen ab und trug diese in die Wählerlisten ein.

Kontrolle nicht möglich Protest abgelehnt

Foto: Archiv LPK Burgenland

Durch die Zustimmung Österreichs zur Volksabstimmung hatte man bereits indirekt zur Kenntnis genommen, dass Ödenburg (Sopron) mit den acht umliegenden Gemeinden für Österreich verloren sein wird.

Die Volksabstimmung wurde für den 14. Dezember 1921 in Ödenburg (Sopron) und für den 16. Dezember 1921 in den acht umliegenden Ortschaften angesetzt. Zur Überwachung waren 150 französische, 120 italienische und 40 englische Soldaten eingesetzt. Den Oberbefehl hatte der Italiener Oberst Marini. Die Namenslisten der Stimmberechtigten erhielten die Österreicher erst zwischen dem 5. und 7. Dezember, weshalb eine Überprüfung unmöglich schien. Österreich protestierte zwar dagegen und ersuchte um Verlegung auf den 18. Dezember, was aber die Interalliierten abgelehnt haben. Der Protest wurde dann zurückgezogen und die Volksabstimmung fand zum festgelegten Zeitpunkt statt. Die Auszählung der Stimmen brachte dann auch das erwartete Ergebnis.

Aufruf an die Gendarmen

9


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Das Resultat wurde am 18. Dezember 1921 kundgemacht und lautete: 65,2 % stimmten für den Verbleib bei Ungarn, 34,8% waren für Österreich. Den Ausschlag gab die Stadt Ödenburg (Sopron), wo 72,8% für die bisherige Regelung stimmten. Die Bürger der umliegenden Gemeinden entschieden sich mit 52,8 % für einen Anschluss an Österreich.

jetzt auch den offiziellen Verlust zur Kenntnis. Dass aber die Bevölkerung auch noch nach dem zweiten Weltkrieg darunter leiden würde, konnte man zu diesem Zeitpunkt nicht wissen.

Es gibt größere Sorgen Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass Ende 1921 und Anfang 1922 das Burgenlandproblem keineswegs die größte Sorge unserer Regierung war. Vielmehr hatte man mit der katastrophalen Wirtschaftslage zu kämpfen und man musste auch versuchen, aus der wirtschaftlichen Isolierung herauszukommen.

Ergebnis trotzdem weit hinter den Erwartungen Dieses Ergebnis, das selbst ungarische Pressestimmen als beschämend bezeichneten, hatten die Ungarn nur durch massivste Propaganda und unverhüllten Terror erreicht. In Ödenburg, wo auch der Grundstein für den Ausgang der Abstimmung gelegt wurde, wurden unter anderem viele Deutschsprachige von der Wahl abgehalten, während Studenten und Militär zur Vermehrung der Stimmen für Ungarn herangezogen wurden. Die Österreichische Regierung protestierte abermals und wollte eine Wiederholung der Volksabstimmung erreichen. Es war aber von vornherein klar, dass man nichts erreichen werde. Der Antrag wurde dann auch erwartungsgemäß von der Pariser

Eindringlicher Appell an die Wähler in Wort und Bild Foto: Archiv der Burgenländischen Landesregierung

Botschafterkonferenz abgelehnt und Ödenburg mit den Gemeinden Brennberg, Agendorf, Wolfs, Holling, Kroisbach, Kohlhof, Großzinkendorf und Wanndorf waren verloren. Den Schein hatte man gewahrt, und so nahm man

Für die Regierung war es das kleinere Übel, den Verlust von 371 km² Boden und 56.416 Personen zu akzeptieren. Interessant, dass 29.239 Personen die deutsche, 5.912 die kroatische und 20.601 (648 waren anderssprechend) die ungarische Muttersprache hatten. Die Volksabstimmung ging dennoch - siehe oben für Ungarn aus!! Quelle: Archiv des LPK Burgenland Geschichte des Burgenlandes - Lehrbuch für die Oberstufe Dr. Gerald Schlag - Kämpfe um das Burgenland Augenzeugenbericht meines Großvaters Paul Geissler

Die Zwischenkriegszeit setzt den Burgenländern schwer zu

Am 20. Feber 1922 erfolgte die offizielle Anerkennung der Volksabstimmung von Ödenburg durch die Österreichische Bundesregierung.

Eisenstadt gewinnt den „Kampf “ um die Landeshauptstadt

Die Menschen in dem Landschaftsstreifen, aus dem das Burgenland „ausgegrenzt“ wurde, blieben sich lange Zeit fremd, weil sie wirtschaftlich, verkehrsmäßig und kommunikationstechnisch nicht miteinander verbunden waren. Das Zusammenwachsen der verschiedenen Landesteile zu einer Einheit und das Herausbilden einer burgenländischen Identität gestalteten sich äußerst schwierig.

Das Burgenland war nun bereits vier Jahre bei Österreich und hatte sich als 9. Bundesland einen „festen Platz“ gesichert. Aber eine offizielle Landeshauptstadt gab es noch immer nicht. Sauerbrunn, das heutige Bad Sauerbrunn, war zwar der Sitz der Landesregierung, jedoch nur provisorische Landeshauptstadt. Dies deshalb, weil ja im Bundesverfassungsgesetz vom 25. Jänner 1921 Öden­­­burg als

Foto: LPK Burgenland

Resignation macht sich breit, Eisenstadt wird Landeshauptstadt, Wirtschaftskrise, Auswanderungswelle nach Amerika, die Schüsse von Schattendorf

1924: Bürgermeister Koller organisiert eine De­­monstration für Eisenstadt als Landeshauptstadt

Hauptstadt bestimmt war. Erst im Jahre 1925 hatte man das Ergebnis der Volksabstimmung auch inoffiziell zur Kenntnis genommen und sich damit abgefunden, dass 11


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Ödenburg nun endgültig verloren war. Da jedes Provisorium einmal ein Ende haben muss, befasste man sich nun ernsthaft mit der Suche nach einer Landeshauptstadt, wobei neben Eisenstadt selbstverständlich noch Bad Sauerbrunn, aber auch Mattersburg und Pinkafeld dieses „Privileg“ für sich beanspruchten. Doch der Landtag bestimmte in seiner Sitzung am 25. April 1925 Eisenstadt zum Sitz der Landesregierung.

Grenzgemeinde Schattendorf im Bezirk Mattersburg. Die Schüsse von Schattendorf leiteten indirekt jene Radikalisierung in der österreichischen Innenpolitik ein, an deren Ende die Abschaffung der Demokratie und die Auflösung der Parteien stand. Sozialdemokraten und Christlichsoziale hatten schon 1923 vereinbart, im Burgenland keine privaten Wehrverbände aufzustellen.

Die Bezeichnung Landeshauptstadt vermied man abermals, weil man insgeheim noch immer auf den Anschluss Ödenburgs hoffte. Obwohl Eisenstadt im Volksmund immer als Landeshauptstadt bezeichnet wurde, sollte es noch bis zum 1.12.1965 dauern, ehe der Stadt dieses „Privileg” mit Landesgesetzblatt Nr. 38/65 auch von offizieller Seite verliehen wurde.

Beschimpfungen - Tätlichkeiten - Schüsse mit Todesfolgen

Quelle: Geschichte des Burgenlandes - Lehrbuch für die Oberstufe Archiv LGK Bgld

Die Schüsse von Schattendorf führen zum Brand des Justizpalastes in Wien Über die Schüsse von Schattendorf und dem damit verbundenen Brand des Justizpalastes wurde schon vielfach berichtet, weshalb ich dieses Thema nur in einer verkürzten Version behandeln will. Das Jahr 1927 ist in Österreich untrennbar mit dem Brand des Justizpalastes verbunden. Dieser Brand aber hat seine Wurzeln in den Ereignissen der

Der örtliche Gendarmerieposten war damals mit nur drei Beamten besetzt. Da die Gendarmen laut Aufzeichnungen der Postenchronik von einer Versammlung der Sozialdemokraten erst im letzten Augenblick Kenntnis erlangten, waren sie nicht mehr in der Lage, Verstärkung anzufordern und mit einem entsprechenden Aufgebot die Auseinandersetzungen zwischen Frontkämpfern und Schutzbündlern zu verhindern. In den Nachmittagsstunden des 30. Jänner 1927 sollte in einem Gasthaus eine Versammlung der Frontkämpfervereinigung, zu der auch Mitglieder aus der näheren Umgebung, aber vor allem aus Wien, zu erwarten waren, stattfinden. Zu diesem Zeitpunkt wurde aber auch eine unangemeldete Versammlung der Sozialdemokraten, die von insgesamt 110 Republikanischen Schutzbündlern aus Schattendorf, Klingenbach, Baumgarten und Draßburg geschützt wurde, abgehalten. Am Versammlungsort der Frontkämpfer kam es vorerst nur zu Beschimpfungen und unbedeutenden Tätlichkeiten mit den Schutzbündlern. Diese marschierten dann anschließend zum Bahnhof, um den Zugang weiterer Frontkämpfer zu verhindern. Dort aber kam es zu den ersten tätlichen Auseinandersetzungen, wobei auch Verletzte zu beklagen waren. Den ankommenden Frontkämpfern war es auch tatsächlich nicht möglich, in die Ortschaft zu gelangen. Sie mussten wieder abziehen.

Alles scheint ruhig - doch plötzlich gibt es Tote Die Stelle im Dorf, an der die verhängnisvollen Schüsse fielen

Als die Schutzbündler wieder zu ihrem ursprünglichen Treffpunkt zurückgingen, mussten sie bei jenem Gasthaus, in dem

Ehrenwache beim Begräbnis des tödlich getroffenen Kindes

die Frontkämpfer ihre Veranstaltung abhielten, vorbei. Es kam wieder zu wörtlichen und tätlichen Auseinandersetzungen. Nach kurzer Zeit schien sich aber die Lage beruhigt zu haben, und die Schutzbündler zogen ab. Plötzlich wurden aus der Wohnung des besagten Gasthauses aus einem Jagdgewehr mehrere Schüsse in den Rücken der sich entfernenden Menschen abgegeben. Matthias C. - ein Schutzbündler - aus Klingenbach, erlitt einen Kopfschuss und der 6-jährige Josef G. aus Schattendorf, der zufällig auf der Straße gestanden war, wurde ebenfalls getroffen. Beide waren sofort tot.

Täter sind schnell ausgeforscht Die Beerdigung fand am 2.2.1927 statt. An den Begräbnissen in Klingenbach und Schattendorf nahmen ca. 20.000 Menschen teil. Ein Aufgebot von 80 Gendarmeriebeamten konnte Ausschreitungen zwischen den beiden verfeindeten Parteien verhindern. Die Täter, acht Männer, konnten noch am selben Tag ausgeforscht und verhaftet werden. Bei einer Hausdurchsuchung wurden auch die Tatwaffen, vier Jagdgewehre und ein Militärkarabiner, sichergestellt. Die Verhandlung fand vom 5. bis 14. Juli 1927 im Schwurgerichtssaal des Landesgerichtes II in Wien statt. Wie allgemein bekannt, endete der Prozess mit einem Freispruch und der sofortigen Enthaftung der Angeklagten. 13


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Quelle: Archiv LGK Bgld, Chronik GP Schattendorf Ortschronik verfasst von Josef Grafl Geschichte des Burgenlandes - Lehrbuch für die Oberstufe

Eine Wirtschaftskrise erschüttert das Land -Tausende zieht es nach Amerika - Der Neubau des Landhauses wird verwirklicht Es ist für die heutige Zeit unvorstellbar, dass die Menschen damals nicht einmal über das Notwendigste zum Leben verfügten. Die Armut der überwiegend bäuerlichen Bevölkerung zwang vor allem junge Menschen, die Heimat für immer zu verlassen. Das neue Bundesland diente besonders für Wien und Niederösterreich als „Lieferant von Arbeitskräften“. Aber viele Burgenländer zog es über den Atlantik. Sie wagten das Abenteuer Amerika. Von drei Personen, die damals Österreich den Rücken gekehrt haben, war eine aus dem Burgenland.

Prominente Besucher bei der Gleichenfeier des Landhauses in Eisenstadt

Wanderten im Jahre 1920 noch 600 Burgenländer in die USA aus, so waren es 1923 bereits 6700. Nach einer kurzen Beruhigung um das Jahr 1925, zählte man im Jahre 1928 wieder 1.500 Ausreisewillige, ehe der Trend gestoppt werden konnte - es gibt aber aus dieser Zeit auch Positives zu berichten.

zur Verfügung standen. Ein Fahrrad besaßen in den ländlichen Gemeinden damals nur Persönlichkeiten wie Bürgermeister, Lehrer oder Kaufleute. Aber auch hier konnte ein Fortschritt erzielt werden, denn im Oktober 1928 ist es dann doch gelungen, einigen Posten dienstliche Fahrräder zu übergeben.

Das Landhaus wird gebaut

Foto: LPK Burgenland

In Schattendorf und Umgebung befürchtete man nach der Entlassung der Häftlinge ebenfalls schwere Unruhen, weshalb der Posten auf 17 Beamte aufgestockt wurde. Da die Täter auch mit dem Tode bedroht wurden, mussten fünf von ihnen in Schutzhaft genommen werden. Die restlichen drei entzogen sich dieser vorbeugenden Maßnahme durch die Flucht über die Grenze nach Ungarn. Der Ortspfarrer, der mit einem der Haupttäter verwandt war, wurde ebenfalls bedroht und musste in Sicherheit gebracht werden.

Foto: LPK Burgenland

Urteil mit Folgen - der Justizpalast brennt. Dieses Urteil löste besonders in der Arbeiterschaft große Empörung aus. Es folgten vor allem in Wien, aber auch in den Bundesländern, Versammlungen und Demonstrationen, die zu großen Unruhen führten und mit dem Brand des Justizpalastes endeten. Bei diesen bürgerkriegsähnlichen Zuständen wurden insgesamt 85 Personen getötet. Ein Generalstreik, der nahezu lückenlos eingehalten wurde, legte das Land für mehrere Tage lahm.

Nachdem nun Eisenstadt zum Sitz der Landesregierung (aber vorerst nicht zur Landeshauptstadt) bestimmt wurde, begann man noch im Jahre 1925 mit der Planung eines neuen Regierungsgebäudes. Bereits zu Jahresanfang 1926 war die Bauplatzfrage geklärt. Am 7. Juli 1926 erfolgte der erste Spatenstich, und schon am 31.03.1930 konnten die Politiker das neue Landhaus beziehen.

Auch die Gendarmerie erhält „neues technisches Gerät“ Bis zum Jahre 1928 gab es im Burgenland auf den Dienststellen kaum Schreibmaschinen. Einzelne Posten verfügten zwar über solche Schreibgeräte, jedoch waren diese Eigentum der dort eingeteilten Beamten. Doch mit 17. Feber 1928 erfuhr dieses Provisorium eine Änderung, denn man begann, besonders frequentierte Gendarmerieposten mit dienstlichen Schreibmaschinen auszustatten. Auch die Mobilität der Gendarmen war damals stark eingeschränkt, da ihnen keine technischen Fortbewegungsmittel

Gendarmen mit Fahrrädern - Fahrräder dieser Bauart wurden auch nach dem 2. Weltkrieg verwendet

Da viele Gendarmerieposten noch immer über kein elektrisches Licht verfügten, mussten sie Petroleumlicht verwenden. Der Anschluss an das Stromnetz war daher eine dringende Notwendigkeit. Der Startschuss dazu erfolgte am 15. Oktober 1928, der Strom kam vom steirischen Verbundnetz. Quelle: Chronik LPK Burgenland

15


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

15. Oktober 1938 - das Burgenland verschwindet von der Landkarte

Aus für das Burgenland

Der erste Vorschlag für eine Aufteilung des Burgenlandes kam vermutlich vom steirischen Gauführer Major i.R. Kajetan Flecker, der am 20. März 1938 in der Denkschrift „Volksraum- und Grenzschutz im südlichen Burgenland“ vor allem die militärischen Vorteile einer Angliederung an die Steiermark darzulegen versuchte. Gauleiter Dr. Tobias Portschy wurde vermutlich am 6. April 1938 mit der Frage der Aufteilung konfrontiert, als Reichsinnenminister Frick mit Gauleiter Bürckel das Burgenland besuchte. Dr. Tobias Portschy verfasste als Reaktion auf diesen Besuch eine Denkschrift zur „Mission des Burgenlandes“, in der er die Einheit des Landes verteidigte und sogar den Vorschlag unterbreitete, das Burgenland durch Einverleibung eines entsprechenden Hinterlandes zu stärken, damit er seine Mission besser erfüllen könne.

Umstrukturierung noch vor Auflösung

1938: Nationalsozialistische Kundgebung auf der Osterwiese in Eisenstadt Foto: LPK Burgenland

Vorschläge gemacht wurden. Obwohl man bestrebt war, möglichst große Verwaltungseinheiten zu errichten, blieben die Gaugrößen doch weit hinter jenen des Altreiches zurück. Wie die Geschichte gezeigt hat, war dieses Land zwar von der Landkarte verschwunden, im Herzen seiner Bewohner hat es aber tatsächlich nie aufgehört zu existieren. Quelle: Diplomarbeit Mag. Andrea Deltl-Gaszczyk Deutsch-Brodersdorf

Ein Volk, ein Reich, ein Führer

Verfolgung und Unterdrückung der Minderheiten Es war eine schwere Zeit für politisch Andersdenkende, aber auch das kirchliche Leben wurde großteils eingeschränkt. Besonders Roma und Juden wurden verfolgt und bald nach dem Anschluss kam es zu den ersten Einlieferungen in Konzentrationslager. Es waren auch viele Burgenländer darunter. Der prominenteste unter ihnen war wohl Landeshauptmann Ing. Hans Sylvester. Er starb im Konzentrationslager Dachau.

Auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges möchte ich nicht näher eingehen, da es in der Exekutive nur wenige Unterlagen gib, weil Chroniken aus dieser Zeit kaum vorhanden sind oder die Eintragungen nach Kriegsende größtenteils entfernt wurden.

Zu Ehren des Führers

Aber noch vor Auflösung des Burgenlandes kam es praktisch in allen Verwaltungsbreichen zu Umstrukturierungen, welche die für Oktober geplante Liquidation des Burgenlandes vorwegnahmen.

Ein bevorstehender Besuch Adolf Hitlers im Burgenland wurde in einer Kundmachung durch den damaligen Gauleiter und Landeshauptmann, Dr. Tobias Portschy, wie folgt angekündigt:

Geplante Gaueinteilungen sowie die damit verbundenen Personalfragen haben in Österreich allgemein zu heftigen Interventionen auf allen Ebenen des NS‑Regimes geführt, da sehr kontroversielle

„Das Burgenland, östlichstes Bollwerk des geschlossenen deutschen Lebensraumes, seit Karl dem Großen deutscher Volksboden, grüßt in diesen weltgeschichtlichen Stunden, die den heißesten Wunsch

16

der Burgenländer in Erfüllung gehen ließen, den Retter aus tiefster Not, unseren Führer. Das ganze Burgenland hofft, den Begründer des großdeutschen Reiches, das vom Rhein bis zum NeusiedlerSee reicht, in den kommenden Tagen auf diesem Boden, wo Theoderichs Wiege stand und Josef Haydn die Weise des Liedes der Deutschen schuf, seine Dankbarkeit und Treue erweisen zu können“. Entgegen der Ankündigung war Adolf Hitler jedoch niemals im Burgenland.

Foto: LPK Burgenland

Seit dem Einmarsch der Nationalsozialisten war kaum mehr als ein halbes Jahr vergangen, als unser Burgenland am 15. Oktober 1938 wieder aufgelöst wurde. Im Reichsgesetzblatt Nr. 1333 heißt es wörtlich: „Das ehemals österreichische Land Burgenland wird aufgelöst. Von ihm fallen die Verwaltungsbezirke Eisenstadt, Mattersburg, Neusiedl/See und Oberwart sowie die landesunmittelbaren Städte Eisenstadt und Rust an das ehemals österreichische Land Niederösterreich, die Verwaltungsbezirke Güssing, Oberwart und Jennersdorf an das ehemals österreichische Land Steiermark.“

So sah es in Eisenstadt nach dem Bombenangriff am 10.03.1944 aus


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Romalager in Lackenbach Im November 1940 wurde in Lackenbach ein Romalager errichtet. Zweck der Anhaltung war laut nationalsozialistischer Propaganda die Trennung von der übrigen Bevölkerung aufgrund ihrer asozialen Haltung. Sie wurden vor allem zu Zwangsarbeiten sowohl innerhalb, als auch außerhalb des Lagers gezwungen. Besonders begehrte Arbeitskräfte waren sie in der Land und- Forstwirtschaft, in der Tonwarenfabrik in Stoob, bei Bachregulierungen in Kobersdorf, Oberpullendorf, Trausdorf und Klostermarienberg.

Das Schicksal wird bei Klostermarienberg besiegelt Wurde die Rote Armee am 28. März 1945 bei Schachendorf noch zurückgeschlagen, so rollten die russischen Panzer am 29. März, um 11.05 Uhr, es war der Gründonnerstag, bei Klostermarienberg, Bezirk Oberpullendorf, unaufhaltsam über die Grenze. Der im Burgenland errichtete Ostwall und die Panzersperren erwiesen sich als nutzlos. Bereits am 1. April 1945, dem Ostersonntag, rückten

zwei russische Bataillone und 40 Panzer in Eisenstadt ein. Abziehende SS-Verbände erkannten schon bald die Aussichtslosigkeit der Lage, steckten mehrere Depots in Brand und flüchteten. Gegen 14.00 Uhr ließen die Männer des Volkssturms einfach die Gewehre und Panzerfäuste in den Stellungen zurück und ergaben sich kampflos. Um 15.10 Uhr setzen sich auch die Kreis‑ und Ortsgruppenleitung, Parteigenossen und Exekutivbeamte über das Leithagebirge nach Westen ab. Vor dem Abzug gab es aber noch einen grausamen Mord durch die GESTAPO. Der Abteilungskommandant (Hauptmannschaftsführer) hatte die Aussichtslosigkeit der Lage offen angesprochen, wurde als Monarchist bezeichnet, von der GESTAPO verhaftet und brutal ermordet. Seine Leiche wurde erst am 8. 12.1945 gefunden. Zwei Gendarmen des Gendarmeriepostens Eisenstadt hatten befehlsgemäß den Rückzug der Truppen und die Flucht der Zivilbevölkerung zu decken. Einer wurde von russischen Soldaten erschossen. Der zweite Beamte wurde mit einer Schusswunde und einer

Schlinge um den Hals im Hartlwald von Eisenstadt tot aufgefunden.

Eisenstadt ist menschenleer Eisenstadt zählte nach dem Frontübergang nur noch ca. 250 bis 300 Einwohner. Die Bevölkerung hatte zuvor von den zuständigen Behörden die Anweisung erhalten, die Heimstätten zu verlassen und sich den abziehenden Truppen anzuschließen. Die leerstehenden Häuser und die verlassenen Amtsgebäude wurden von den sowjetischen Truppen besetzt, bzw. zum Teil total ausgeplündert. Auch das Franziskanerkloster und das Schloss Esterhazy wiesen Panzergranattreffer auf. Das Landhaus wurde ebenfalls mehrmals getroffen und beim Eindringen der Russen zum Teil noch angezündet. Auch mehrere umliegende Häuser gingen in Flammen auf. Während in den westlichen Bundesländern sämtliche Verwaltungsgebäude und Exekutivdienststellen erhalten blieben, konnte im Burgenland vorerst keine geordnete Verwaltung aufgebaut werden. Quelle: Archiv LGK Bgld

Entbehrung und Mängel prägen den Alltag

Der Krieg ist vorbei Die Gendarmerie wird aufgebaut Obwohl es das Burgenland offiziell noch gar nicht gab, trafen sich in Eisenstadt schon am 14. Mai 1945 Gendarmen, die bereits vor 1945 gedient hatten und begannen mit dem Wiederaufbau der Gendarmerie des Burgenlandes. Dabei wurde für jeden vormaligen Gendarmerieposten ein Postenkommandant bestimmt. Der im Jahre 1938 nach Mörbisch/See verlegte Gendarmerieposten kam wieder in die Freistadt Rust und wurde in der Feldgasse untergebracht. Doch bereits am 1. Juli übersiedelte man unter der Führung des damaligen Postenkommandanten Michael Lehner in zwei von der deutschen Heeresverwaltung (Luftwaffe) verlassene, leer stehende Gebäude in die

Mörbischer-Straße (die damals noch Hermann Göring‑Straße hieß). Quelle: Archiv LGK Bgld

Österreich wird aufgeteilt - das Burgenland wieder ein selbstständiges Bundesland Am 9. August 1945 verfügten die vier Großmächte in einer Deklaration die Aufteilung Österreichs. Es hieß wörtlich: „Die Kontrolle Österreichs wird von einem Alli­ierten Rat und einem Exekutivkomitee durchgeführt; beide Organe

zusammen bilden die Alliierte Kommission für Österreich, deren Hauptaufgaben in der Durchführung der Trennung Österreichs von Deutschland, im Aufbau einer zentralen österreichischen Verwaltung und in der Freimachung des Weges für eine frei zu bildende österreichische Regierung bestehen werden“.

Grenzen von 1937 gelten für die vier Zonen „Österreich wird innerhalb der Grenzen von 1937 in vier Zonen eingeteilt. Das Burgenland wird in seiner kurzen Geschichte wieder einmal schwer getroffen es wird nämlich sowjetische Zone. Durch zahlreiche Übergriffe wird die Bevölkerung schwer in Mitleidenschaft gezogen. 17


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

„Uniform“ eines Gendarmen nach dem 2. Weltkrieg. Im Jahre 1945 gab es für die Sicherheitskräfte keine Uniformen. Da die Ordnungshüter aber für die Zivilisten erkennbar sein mussten, hatten sie eine Armbinde zu tragen. Im Burgenland hatte die Besatzungsmacht verfügt, dass die Aufschrift Gendarm auch in kyrillischer Schrift zu erfolgen hatte. Die Armbinde hatte ihre Gültigkeit selbstverständlich nur mit der Rundstampiglie.

Wenn man dieses Bild sieht, erübrigt sich jeder Kommentar

Mit 1. Oktober 1945 wieder ein selbstständiges Bundesland

Streitfragen entscheidet die Staatsregierung

In einem Verfassungsgesetz vom 29. August 1945 wurde die „neuerliche Entstehung“ unseres Burgenlandes beschlossen. Die Kundmachung erfolgte im Staatsgesetzblatt Nr. 143 vom 8.9.1945. Darin heißt es, dass das Burgenland wieder als selbständiges Land der Republik Österreich errichtet wird. Die Grenzen zwischen dem Land Niederösterreich und dem Burgenland werden nach dem Stand vom 1. März 1938 wieder hergestellt; doch ist durch ein von der provisorischen Staatsregierung zu bestätigendes Einvernehmen der beiden Länder eine Grenzberichtigung im einzelnen bis 1. Jänner 1946 vorzunehmen.

Grundstücke, die ehemals im Eigentum des Burgenlandes gestanden und mit 15. Oktober 1938 in den Besitz des Landes Niederösterreich oder der Steiermark übergegangen waren, werden wieder dem Burgenland zugesprochen. Über finanzielle Auseinandersetzungen, die anlässlich der Wiedererrichtung des Burgenlandes als ein selbständiges Land erforderlich werden, und über die damit zusammenhängenden Maßnahmen entscheidet die provisorische Staatsregierung nach Anhörung der provisorischen Landesausschüsse der beteiligten Länder. Quelle: Archiv LGK Bgld

Hoffnungslosigkeit und Übergriffe Der Krieg war bereits seit mehr als einem halben Jahr vorbei, aber die Bevölkerung hatte nicht einmal das Notwendigste zum Leben. Die Geschäfte waren bis auf ganz wenige Ausnahmen entweder zerstört oder wegen Warenmangels geschlossen. Salz, Zucker, Fett, Teigwaren, ja sogar Zündhölzer waren nicht zu bekommen. Alle Gewerbetreibenden durften vorerst nur für die Besatzungsmacht arbeiten. Sie hatten mit strengen Strafen zu rechnen, wenn sie ohne Zustimmung der Sowjets an die Zivilbevölkerung Lebensmittel oder andere Güter des täglichen Gebrauchs abgaben.

Gesetze gelten nicht Wenn wir heute Berichte über Lybien, dem Iran oder Ägypten lesen, so sollte uns bewusst sein, dass es in unserem Land

nach dem Krieg ähnliche Zustände gab. Die Rechtsordnung war zu dieser Zeit eigentlich nicht vorhanden. Man kann sagen, dass das Faustrecht regierte. Die Gendarmerie war gerade im Aufbau begriffen und litt außerdem noch unter akutem Personalmangel, da Gendarmen nur mit Zustimmung der Besatzungsmacht aufgenommen werden durften. Und hier gab es insbesondere in Bezug auf die politische Gesinnung (NSDAP) vor dem Krieg, aber auch auf die Zugehörigkeit zur Deutschen Wehrmacht (SS !!) äußerst strenge Kriterien. Viele Gendarmen mussten wenige Tage nach der Einstellung über Drängen der Sowjets wieder entlassen werden. Außerdem entschieden die Besatzer über Uniformierung und Ausrüstung (Tragen von Waffen etc.), die aber ohnehin kaum

Foto: Fritz Hörmann

der Roten Armee prägen den Alltag

Die medizinische Versorgung war im ganzen Land nur auf das Notwendigste beschräkt. Es fehlte einfach an allem. Ein Gendarm erhält am Krankenbett Besuch von seinen Kollegen

vorhanden waren. Einschreiten durften die Gendarmen vorerst nur gegen Zivilpersonen. Amtshandlungen gegen Soldaten der Roten Armee waren an die Zustimmung ihrer Vorgesetzten gebunden. Weiters musste der Kommandantur 19


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Gendarmen werden eingesperrt, misshandelt und verschleppt Im November des Jahres 1945 ereigneten sich im Burgenland sechs Raubmorde, ein Mord, ein Totschlag, sechs Notzuchtsfälle, ein Notzuchtsversuch, 25 Raubüberfälle und 43 größere Einbruchsdiebstähle. Durch die Übergriffe der Roten Armee war die Selbstmordrate ‑ besonders unter den Frauen ‑ enorm hoch.

diese Reiter in Kukmirn einen Zivilisten erschossen, einen weiteren lebensgefährlich verletzt, einen dritten misshandelt und ein 18-jähriges Mädchen vergewaltigt hatten. Während sich die Gendarmen noch in Zahling aufhielten, kamen die Verdächtigen ebenfalls in diese Gemeinde und forderten vom Bürgermeister ein Pferd. Der Ortschef aber weigerte sich, worauf es zu einem heftigen Streit kam. Dies hörten die Beamten und begaben sich sofort zum Haus des Bürgermeisters. Als die vermeintlichen Täter die Gendarmen sahen, eröffneten sie auf diese sofort das Feuer. Es entwickelte sich ein heftiger

Die im Aufbau begriffene Gendarmerie des Burgenlandes hatte damals eine besonders schwere Last zu tragen. Einerseits erwartete die Bevölkerung, dass sie von den Gendarmen vor Übergriffen der „Befreier“ geschützt würde, andererseits hatten unsere Ordnungshüter (in Wirklichkeit waren sie befohlene Handlanger der Sowjets) nicht einmal Uniformen. Waffen durften die Beamten anfangs überhaupt nur mit Zustimmung der Besatzungsmacht tragen. Es kam nicht selten vor, dass man Gendarmen einsperrte, misshandelte oder gar verschleppte.

Das Schicksal des Johann Z. Am 23. Juni 1945 wurde den Beamten des Gendarmeriepostens Eltendorf die Anzeige erstattet, dass drei berittene und mit Maschinenpistolen bewaffnete, besonders brutale Männer in russischer Uniform schon seit etwa drei Wochen durch die Gegend ziehen. Die Bevölkerung sei total verängstigt, weil diese Banditen überall Plünderungen, Freiheitsbeschränkungen, Morde und Vergewaltigungen begehen würden. Die Hilfsgendarmen Johann Z., Johann L. und Josef D. wurden mit den Erhebungen beauftragt und begaben sich in die Gemeinde Zahling. Dort erfuhren sie, dass

Bezirkskommandantur, vermutlich wegen eines Racheaktes gegen die Gendarmen, von dem Ereignis in Kenntnis gesetzt. Die Leichen wurden auf Befehl der Besatzungsmacht exhumiert und die Gendarmen des Postens Eltendorf sollten verhaftet werden. Sie waren jedoch bereits in die Steiermark geflüchtet. Nur der Hilfsgendarm Johann Z., der in der Zwischenzeit zum Gendarmerieposten St. Michael versetzt worden war, war sofort greifbar. Er wurde zusammen mit dem Bürgermeister von der Militärpolizei in Verwahrung genommen. Johann L. und eine zweite verdächtige Person wurden später ausgeforscht und ebenfalls verhaftet. Foto: Archiv LPK Burgenland

über Vorfälle täglich Bericht erstattet werden. Doch unsere Gendarmen der ersten Stunde bewiesen wie schon bei der Landnahme im Jahre 1921 heldenhaften Mut. Dadurch gelang es dann mit den Jahren, den gesetzmäßigen Zustand wieder herzustellen.

Dienstausweise der Gendarmen mussten in deutscher und kyrillischer Schrift lesbar sein

Schusswechsel, wobei einer der Verbrecher tot zusammenbrach. Der zweite wurde schwer verletzt und zog sich in gebrochenem Deutsch laut um Hilfe rufend in den nahegelegenen Wald zurück. Dort fand er ebenfalls den Tod. Der dritte konnte unverletzt flüchten. Beide Leichen wurden beerdigt, Effekten und Waffen den Gendarmen übergeben.

Zum Tode verurteilt - begnadigt zur Zwangsarbeit

Verrat führt zur Verhaftung

Im Juni 1946 wurde Hilfsgendarm Johann Z., der damals für seine Frau und zwei minderjährige Kinder zu sorgen hatte, von einem Militärgericht zum Tode verurteilt. Später wurde er zu zehn Jahren Zwangsarbeit begnadigt und nach Sibirien deportiert. Johann L. wurde freigesprochen. Das Schicksal der anderen Personen ist nicht bekannt.

Der Vorfall konnte etwa ein halbes Jahr vor den Russen geheim gehalten werden. Aber am 9. Jänner 1946 wurde dann die

Die Erhebungen bezüglich der drei Männer in russischer Uniform wurden von der Exekutive jedoch weitergeführt, und 21


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

es stellte sich heraus, dass die Verbrecher keine Soldaten der Roten Armee, sondern zwei ukrainische Deserteure und ein jugoslawischer Bandit waren. Das Landesgendarmeriekommando für das Burgenland hat am 6. Dezember 1946 an den Obersten Rat der UdSSR einen ausführlichen Bericht über die Erhebungen erstattet und um Überprüfung des Falles Z. gebeten. Dieses Gnadengesuch, das in russischer und deutscher Sprache verfasst war, blieb jedoch unbeantwortet.

Das Schicksal meint es „gut“ Als niemand mehr mit einer Rückkehr des Beamten rechnete, geschah ein Wunder. Johann Z. kam am 26. Juni 1955 als Spätheimkehrer ins Burgenland zurück. Den Großteil seiner Strafhaft hatte er in Sibirien und den Rest in einem Gefangenenlager in Rostow verbüßt. Am 16. April 1950 wurde er wie andere in Rostow internierte Österreicher in ein Sammellager in der Nähe von Moskau gebracht und am 21. Juni 1955 freigelassen. Nach seiner Heimkehr wurde er wieder in den Personalstand der Bundesgendarmerie aufgenommen. Neun Jahre Zwangsarbeit hatten ihn aber völlig gebrochen. Er war eigentlich nie mehr voll einsatzfähig und musste im Jahre 1964 nach längerer Krankheit vorzeitig in Pension gehen.

der um die „Befreiung Österreichs“ so hoch verdienten Roten Armee zu unterlassen haben. Meist wurde von einem guten Einvernehmen berichtet, was jedoch aufgrund von Aufzeichnungen nachweislich nicht den Tatsachen entsprach.

Die altehrwürdige Gendarmerieschule in Rust Foto: Archiv LPK Burgenland

1946 - Jahr 1 nach dem Krieg - wohin gehört das Burgenland ? Das Verhältnis zwischen der Besatzungsmacht und der Bevölkerung hatte sich teilweise dramatisch zugespitzt. Die Exekutive konnte die Sicherheit im Land kaum gewährleisten. Daher erließ der damalige Landesgendarmeriekommandant am 9. Jänner 1946 an alle Dienststellen des Burgenlandes einen Aufruf, in dem er die Gendarmen anwies, den Behörden und Dienststellen der Sowjets vertrauensvoll zu begegnen, denn nur so könne eine entsprechende Grundlage für die Sicherheit im Lande geschaffen werden. Auf die Bürger sei dahingehend einzuwirken, dass sie Übergriffe gegen die legalen Vertreter

Aus desolaten Hausruinen in Rust entsteht die Gendarmerieschule Schon am 10. Jänner 1946 begann man im Burgenland wieder Gendarmen auszubilden. Die Beamten wurden nach Rust/See einberufen. Als Unterkunft dienten zwei völlig desolate „Ruinen“ in der Mörbischer Straße. In beiden Gebäuden fehlten die Fenster und die Heizung war ebenfalls nicht betriebsbereit. Die Häuser waren erst im Jahre 1939 errichtet worden, während des Krieges von Soldaten des Flakschießplatzes Oggau als Wohnung benützt und gegen Kriegsende schwer beschädigt worden. Quelle: Chronik LGK Bgld Chronik Gendarmerieposten Eltendorf Augenzeugenbericht meines Großvaters Paul Geissler

23


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Ungarnaufstand 1956 Fähnchen zeigen den Grenzverlauf Doch wie sollte man eine Grenze, deren Verlauf der Nachbarstaat über sieben Jahre hindurch einseitig mit Stacheldraht abgegrenzt hatte, und dieser plötzlich an vielen Stellen nicht mehr vorhanden war, kennzeichnen? Rot-weiß-rote Fahnen wurden zu Hunderten Fähnchen „verarbeitet“ und dort, wo der Stacheldraht beiseite geräumt oder niedergetreten worden war, entlang der Grenze in den Erdboden gesteckt. Ein einfaches Mittel, das sich bestens bewährt hatte. Alle sich im Grenzbereich befindlichen Personen - seien es Ungarn oder Österreicher - wussten nun genau, auf welchem Hoheitsgebiet sie waren. Eine spürbare Erleichterung, da an eine Passkontrolle im unmittelbaren Grenzgebiet ja nicht zu denken war.

Viele Schikanen - strenge Kontrollen über Jahre

Ein Dorf in Ungarn - „gesichert“ durch Stacheldraht und Minen Foto: LPK Burgenland

„Vorhang“ bekommt Löcher Obwohl der im Jahre 1949 fertig gestellte Eiserne Vorhang als unüberwindbares Hindernis galt, haben Tausende Flüchtlinge die „Erfinder“ dieses Todesstreifens eines Besseren belehrt. Nun gab es auch für die österreichischen Sicherheitsorgane Alarm. Alle verfügbaren Beamten wurden an die Grenze abkommandiert. Ihre Aufgabe bestand vor allem darin, einen illegalen Übertritt durch Spione zu unterbinden, oder das Einsickern ausländischer Sicherheitskräfte zu verhindern. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass in nur vier Monaten ca.160.000 Menschen die ungarische Grenze nach Österreich überschritten haben. 24

Der Aufstand in Ungarn war niedergeschlagen. Mit Jahresbeginn 1957 wurde die Grenze im Osten nach und nach wieder zu einem schier unüberwindbaren Bollwerk ausgebaut. Am 2. März 1957 wurde von der ungarischen Regierung erneut die Abriegelung des Landes mit technischen Hilfsmitteln angeordnet. Stacheldraht und Minengürtel wurden in der Zeit von April bis Juni 1957 wieder angelegt. Die ungarische Regierung verständigte das Bundeskanzleramt im September 1958 von der Verlegung von Minen im

Foto: Archiv LPK Burgenland

Ungarn hatte immer eine pro-westlich orientierte Politik und versuchte den Weg in die Freiheit im Jahre 1956. Man hatte Österreich als Vorbild genommen und auf weltweite Unterstützung - vor allem auf die USA - gehofft. Doch diese hatten mit der Suez-Krise andere Probleme. Das neutrale Österreich hatte seine erste Probe zu bestehen. Obwohl es einen Eisernen Vorhang gab und Ungarn seine Bürger keinesfalls ausreisen lassen wollte, musste die Grenze entsprechend gesichert werden. Die Angst vor einer Invasion der sowjetischen Armee war nicht unbegründet. Das Bundesheer war damals gerade ein Jahr alt und hatte sogleich seine erste Bewährungsprobe zu bestehen.

Beamte der Gendarmerie, Zollwache und des Bundesheeres erkunden die Lage auf ungarischer Seite.

Schilfgürtel und auf der offenen Wasserfläche des Neusiedler Sees.Damit wurde die letzte Fluchtöffnung zwischen Ost und West dicht gemacht. In der zweiten Jahreshälfte 1957 gelang nur mehr 67 Ungarn die Flucht, im Jahr 1958 waren es insgesamt 88. Gleichzeitig setzte eine Rückwanderungsbewegung ein. 1957 wanderten offiziell 4.295 und 1958 immerhin noch 117 Ungarn in ihre alte Heimat zurück.

Ausnahme für wenige Wochen In all diesen Jahren des Kalten Krieges (auch nach dem Ungarnaufstand) gab es nur eine nennenswerte Ausnahme zur Erleichterung des Grenzübertrittes. Es waren dies die „Soproner Festwochen“ im Jahre 1963. Für wenige Wochen konnte man mit einem gültigen Reisepass nach Bezahlung von S 20.- für einen Tag unbürokratisch die Grenze nach Ungarn passieren. Danach war der Übertritt wieder nur mit einem durch die Botschaft ausgestellten Visum möglich. Die Bürokratie war bei der Einreise in unsere östlichen Nachbarstaaten aber trotz alldem kaum zu bewältigen. Als Erleichterung betrachtete man schon die Ausstellung des Tagesvisums an der Grenze. Quelle: Chronik LPK Burgenland und Persönliche Erlebnisse

Wo der Stacheldraht Löcher hatte, wurde die Grenze mit Fähnchen markiert. Foto: LPK Burgenland


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Eine Menschen verachtende Grenze

Nach dem gescheiterten Ungarnaufstand (1956) und der Niederschlagung des Prager Frühlings wurde die Ostgrenze mit Stacheldraht, Minen und Wachtürmen wieder „dicht“ gemacht. Das Burgenland war nach Osten isoliert und jegliche Handelsbeziehungen waren über Jahrzehnte unterbunden. Ein Grenzübertritt war nur an den Grenzdienststellen nach Überwindung zahlreicher bürokratischer Hindernisse möglich, der Kontakt der Menschen zueinander fast unmöglich. Trotz der als unüberwindbar geltenden Sperren gelang Ausreisewilligen in Einzelfällen trotzdem die Flucht in den Westen. Doch viele Versuche schlugen fehl, zahlreiche Flüchtlinge wurden schwer verletzt oder sie fanden den Tod. Die ungarische Grenzwache galt als besonders rücksichtslos und ging mit aller Härte gegen Flüchtlinge vor. Ich habe bereits in meinem Buch „Hart an der Grenze“ sowie in verschiedenen Broschüren über zahlreiche tragische Ereignisse berichtet. Würde man dieses Thema erschöpfend behandeln, so könnte man ein Buch darüber schreiben. Um sie aber dennoch über die Brutalität, die an diesem Eisernen Vorhang herrschte, etwas genauer zu informieren, möchte ich zwei tragische Geschichten aufzeigen.

Grenzwächter nach abenteuerlicher Flucht unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen Der Grenzübergang Nickelsdorf galt schon zur Zeit des Eisernen Vorhanges als „Tor zum Osten“. Der überwiegende Teil des Güterverkehrs von West nach Ost rollte über Nickelsdorf. Aber auch der Personenverkehr nahm ständig zu. Vor dem Bau der Ostautobahn wälzten sich kilometerlange Blechlawinen durch die Ortschaften. Die von Wien nach

Fotos: Chronik PI Nickelsdorf

Der Eiserne Vorhang

Mit diesem Bus durchbrach der ungarische Soldat den Grenzbalken

So sah es nach der Flucht mit dem Bus aus

Budapest führende Bundesstraße 10 war die am meisten befahrene Straße Österreichs. Durch das starke Verkehrsaufkommen sahen viele Menschen des gesamten Ostblocks gute Chancen über Nickelsdorf in den „Goldenen Westen“ zu gelangen.

Volk“ zu spüren. Für Angehörige der Polizei oder der Armee blieben die Beschränkungen jedoch nach wie vor aufrecht.

AVO-Offizier nach Österreich geflüchtet Der 24-jährige Bela L., Unterleutnant der ungarisch-politischen Geheimpolizei, flüchtete am 9.5.1962 um 23:50 Uhr, nach Überspringen eines Zollschrankens beim ungarischen Straßenübergang, nach Österreich und hat am Gendarmerieposten Nickelsdorf um politisches Asyl angesucht. L. hatte bei seinem Eintreffen an der Grenze die ungarischen Wachposten durch Vorweisung seines Dienstausweises eingeschüchtert und unmittelbar danach mit Waffengewalt gezwungen ihre Waffen wegzuwerfen, worauf er dann die eigentliche Flucht ausführte. Nach kurzer Vernehmung wurde er nach Wien überstellt und der Staatspolizei übergeben. L. ist einige Wochen nach seiner geglückten Flucht in Wien unter nicht geklärten Umständen plötzlich verstorben.

Mit Bus durch den Grenzbalken Man schrieb bereits das Jahr 1980. Auf internationaler Ebene zeichneten sich schon leichte Entspannungen zwischen Ost und West ab. Reiseerleichterungen waren auch unter dem „gewöhnlichen

Am 26.3.1980, gegen 06:10 Uhr hat der ungarische Soldat Szabas P. mit einem Militärbus beim Grenzstein A 29 sowohl den ungarischen als auch den österreichischen Zollschranken durchbrochen. Der Bus konnte erst in Schwechat gestoppt und nach Nickelsdorf zurückgebracht werden. Der Soldat wurde nicht in Haft genommen, jedoch dem Gericht angezeigt. Danach wurde er in das Flüchtlingslager nach Traiskirchen gebracht, wo er einen Antrag um politisches Asyl stellte. Bei der Hauptverhandlung im Landesgericht Eisenstadt wurde er „nur“ zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

Stacheldraht untergraben - Flucht gescheitert Pamhagen - eine Gemeinde mit ca. 1.700 Einwohnern liegt im untersten Zipfel des Seewinkels, direkt an der Österreichisch - Ungarischen Grenze. In diesem Gebiet galt der Grenzstreifen durch seine besonders aufwändigen technischen, manuellen und personalintensiven Sperren als unüberwindbar. In der Chronik der Polizeiinspektion Pamhagen finden sich deshalb auch kaum Eintragungen über Personen, denen die Flucht gelungen ist. Ein Jahr vor dem Zusammenbruch der Regime in Osteuropa (1989) und dem damit verbunden Abbau sämtlicher Hindernisse 25


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

hat ein Zahnarzt aus der DDR den Grenzzaun untergraben. Ihm gelang die Flucht, die Familie musste zurückbleiben.

Soldaten auf, die eilig Sperren errichten. Schüsse fallen, Leuchtkugeln steigen auf und ein bedrohliches Stimmengewirr lassen St. erahnen: „Ich kann nicht zu meiner Familie.“ Er robbt ca. einen Kilometer nach Pamhagen zurück.

Fluchthelfer wartete in Pamhagen Wie zahlreiche andere Bürger aus der DDR kam auch der Zahnarzt Dr. Helmut St. mit seiner Gattin und den beiden Kindern, 10 und 12 Jahre alt, nach Ungarn. Auf einem Campingplatz in Fertöd, unweit von Pamhagen, wollten sie zum Schein ihren Urlaub verbringen. Auf österreichischer Seite wartete aber bereits ein Fluchthelfer, der sie weiter in die BRD bringen sollte. Um in die Freiheit zu gelangen, sollte die Familie eine fünf Kilometer breite Trennlinie mit drei elektronisch gesicherten Drahtzäunen überwinden und anschließend den „Einser-Kanal“ (dient der Regulierung des Wasserstandes auf dem Neusiedler See) durchschwimmen. Helmut St. machte sich in der Nacht zum 4. Juli 1988 auf den Weg und „unterwühlte“ den Stacheldraht. Seine Familie, die er nach einigen Tagen abholen wollte, blieb vorerst auf dem Campingplatz zurück. Nach sechsstündiger Flucht kam er zum alten Zollamtsgebäude in Pamhagen, wo

Unter Tränen in die Heimat Ein Relikt der Geschichte - das alte Zollhaus beim Grenzübergang Pamhagen Foto: GPI Pamhagen - 2007

bereits sein Freund aus der Bundesrepublik wartete. Ohne sich beim örtlichen Gendarmerieposten zu melden, bezogen sie in einer Pension in Pamhagen Quartier. Dort schmiedeten sie einen Plan, um Frau und Kinder nach Österreich zu holen.

Schüsse fielen, Leuchtkugeln erhellten den Himmel Am 9. Juli 1988, sollte das gewagte Unternehmen starten. Der Akademiker schwimmt gegen 22:00 Uhr durch das Wasser des „Einser-Kanals“ bis zum freigelegten Loch beim ersten Drahtzaun. Ehe er sich noch durchzwängen kann, tauchen bei der dritten Grenzsicherungsanlage

Frau und Kinder waren nun gezwungen, vom Campingplatz alleine in die DDR zu­­­rückzukehren. Elke St. musste bei den zahlreichen Einvernahmen den Behörden über die Flucht ihres Gatten berichten. Dass er sich bei seinem Fluchthelfer in Augsburg aufhält, teilte sie ihnen nach „sanftem Druck“ ebenfalls mit. In einem Interview sagte Helmut St. der Tageszeitung „Kurier“ damals: „Es war der erste Schritt. Über eine Familienzusammenführung von bundesdeutscher Seite sehe ich eine Chance meine Familie in einigen Jahren wieder zu sehen.“ Wie die Geschichte gezeigt hat, wird es wahrscheinlich kaum ein Jahr gedauert haben, bis Helmut St. seine Angehörigen wieder in die Arme schließen konnte. Quelle: Chronik PI Nickelsdorf PI Pamhagen Artikel Kurier vom 20. Juli 1988

Der Eiserne Vorhang

trennt die Demokratie im Westen von der Diktatur im Osten Stalin, Roosevelt und Churchill hatten noch während des Zweiten Weltkrieges Europa neu geordnet und Interessensgebiete abgesteckt, an die man sich im Wesentlichen bis 1989 hielt. Deutschland wurde geteilt, Polen und die Sowjetunion nach Westen verschoben. Gleichzeitig waren in Europa 20 Millionen Menschen, vorwiegend Deutsche, vom Kleinkind bis zum Greis auf der Flucht; überwiegend von Ost nach West: Millionen wurden enteignet, staatenlos gemacht und schließlich vertrieben. Die Grundlage dafür bildeten Gesetze,

die jedem Menschenrecht Hohn spotten, wie der AVNOJ- und die Benes-Dekrete. Zehntausende überlebten diese sogenannten Todesmärsche nicht. Ein Korridor des Schreckens wurde durch den Kontinent gezogen. Fast 70 Jahre versuchte man nun mit allen möglichen Hindernissen Völker zu trennen. Es gab verschiedene Zeitepochen, in denen diese Grenze unterschiedlich bewacht und der Übertritt mehr oder weniger genau kontrolliert wurde. Der mit Ende des Zweiten Weltkrieges beginnende Kalte Krieg zwischen Ost und West wirkte sich auf das Burgenland besonders negativ aus. Sowohl die wirtschaftlichen-,

Foto: LPK Burgenland

„Todesstreifen“ - 414 km

Gendarmen patrouillieren am Eisernen Vorhang

als auch die menschlichen Beziehungen wurden, wenn nicht anders möglich, auch mit Gewalt unterbunden. An der Ostgrenze begannen unsere Nachbarn im Jahre 1948 mit dem Bau einer 27


www.burgenland.ipa.at

fast unüberwindbaren Barriere. Dieser etwas mehr als 400 km lange Grenzzaun mit Stacheldraht, Minen und Wachtürmen erhielt einen neuen, abschreckenden Namen - „Der Eiserne Vorhang“. Die einst tote Grenze erstreckt sich von Kittsee (Tschechoslowakei, heute Slowakei) bis Kalch (Jugoslawien, heute Slowenien). Dazwischen liegt Ungarn mit dem sich über 396 km ziehenden, bei weitem längsten Grenzabschnitt. Vom Heideboden mit dem Neusiedler See im Norden, durch den Wald des Günser Gebirges bis zur Raab in den Bezirk Jennersdorf, jeder Kilometer zwischen den Grenzsteinen könnte seine Geschichte schreiben.

Kalter Krieg - schreckliche Grenze Die katastrophale Ernährungslage der Bevölkerung änderte sich auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges nicht. Die Lebensmittel waren nach wie vor rationiert. Die zu Kriegsende ausgegebenen Lebensmittelkarten behielten auch weiterhin ihre Gültigkeit. Der Grenzverkehr mit Ungarn wurde durch den im Jahre 1949 fertig gestellten Eisernen Vorhang zur Gänze unterbunden. Der Osten wurde vom Westen für 40 Jahre durch diesen kaum zu überwindenden Grenzstreifen abgeschnitten. Eine derart schreckliche Grenze in Mitteleuropa, die nur durch den Todesstreifen an der innerdeutschen Grenze übertroffen werden sollte, hat es bis dato noch nicht gegeben.

Gemischte Kommissionen traten zusammen, Protokolle wurden seitenweise verfasst und Schuldzuweisungen waren bei den Sitzungen an der Tagesordnung. Doch die Menschen ließen sich weder durch Waffen noch durch andere Schikanen beeinflussen. Sie versuchten dennoch mit Freunden jenseits des Stacheldrahtes zu kommunizieren oder sich gegenseitig zu besuchen.

Union wurden die Kompetenzen der Zollwache an die Österreichische Bundesgendarmerie übertragen, der Wachkörper aufgelöst und die Beamt/innen in die heutige Bundespolizei eingegliedert.

Staatsvertrag unterzeichnet - Exekutive wird neu strukturiert Mit der Unterzeichnung des Staatsvertrages am 15. Mai 1955 durfte Österreich über seine eigene Sicherheitspolitik bestimmen. Die Auflösung der am 1. April 1946 aufgestellten Grenzgendarmerie erfolgte bereits am 16.8.1955. Die Beamten wurden in die reguläre Gendarmerie Foto: LPK Burgenland

Der Eiserne Vorhang mit all seinen Schikanen - ungarische Grenzsoldaten löschen offenbar einen Brand. Ein weiterer Soldat überwacht seine Kameraden und achtet auch darauf, dass keine Zivilisten diesen schrecklichen Grenzzaun überwinden können

Minengürtel, Wachtürme und Stacheldraht über eine Länge von über 400 km prägten über Jahrzehnte das Bild an Burgenlands Ostgrenze. Schwer bewaffnete Soldaten, die von der Regierung Schießbefehl hatten, patrouillierten zwischen Kittsee und Kalch. An den Straßenübergängen versuchte man mit allen sich nur bietenden Möglichkeiten die Bürger beider Länder von einem Grenzübertritt abzuhalten. Jeder geringste Zwischenfall wurde penibel erhoben.

Zollwache, Gendarmerie und Polizei Jahrzehntelang stand die Österreichische Zollwache als uniformierter Wachkörper an vorderster Front an unseren Grenzen. Sowohl an den Straßenübertrittsstellen, als auch an der Grünen Grenze im Flachland oder in den Wäldern, aber auch an der Blauen Grenze zu Wasser in den Schluchten des Neusiedler Sees haben diese Beamten zum Wohle unserer Bevölkerung ihren Dienst verrichtet. Mit dem am 1. Mai 2004 erfolgten Beitritt unserer Nachbarstaaten zur Europäischen

Ungarische Grenzsoldaten auf Patrouille

übernommen. Man gab ihnen aber auch die Möglichkeit zur Überstellung in das von der B-Gendarmerie neu aufgestellte Bundesheer. Quelle: Archiv LPK Burgenland

Foto: LPK Burgenland

Foto: LPK Burgenland

sonderausgabe

Der Eiserne Vorhang nach Vollendung

29


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Grenzsicherung muss von Österreich übernommen werden

Foto: Österr. Bundesheer

Der Stacheldraht bekommt Löcher

Mit dem Fernglas kann man auch auf größere Entfernungen das Umfeld genau beobachten.

Soldaten patrouillierten bis Ende 2007 an der Grenze - seit Anfang 2008 unterstützen sie die Polizei im Hinterland bei der Kriminalitätsbekämpfung.

Man muss ganz ehrlich gestehen, dass über viele Jahrzehnte die Ostgrenze des Burgenlandes von unseren Nachbarländern bewacht wurde. Die Zollwache war zwar auch im Gelände präsent, doch der Schwerpunkt lag auf den Straßengrenzübergängen. In nur wenigen Wochen kam aber alles ganz anders. Mit der Machtübernahme Michail Gorbatschows in der Sowjetunion (1985 1991) wurde in allen Ostblockstaaten ein pro westlicher Kurs eingeschlagen, wobei Ungarn als das fortschrittlichste Land bezeichnet werden kann. Nach dem Zusammenbruch der DDR kamen nicht nur viele Flüchtlinge aus dem Ostblock zu uns. Die Mafia hatte bald erkannt, dass mit der „Ware Mensch“ viel Geld zu verdienen war. Brachten Schlepper Ausreisewillige aus allen Kontinenten vorerst bis an die Grenze und überließen sie ihrem Schicksal, so ging das „Service“ (je nach Höhe des hinterlegten Bargeldbetrages) bald so weit, dass die Menschenhändler legal nach Österreich einreisten, die Flüchtlinge, die inzwischen illegal aus dem Nachbarstaat eingesickert waren, wieder aufnahmen und an ihr Ziel brachten. Österreich war nun gezwungen die Sicherheit seines Hoheitsgebietes neu zu strukturieren. Schon 30

im Hinblick auf den zu erwartenden Beitritt zur Europäischen Union (erfolgte dann tatsächlich im Jahre 1994) mussten wir eine neue Grenztruppe aufstellen, die sich aus der wieder eingeführten Grenzgendarmerie unter Einbindung der Zollwache rekrutierte. Mit an „Bord“ war auch das Österreichische Bundesheer, das auch nach Auflösung von Zollwache und Grenzgendarmerie (mit dem Schengenbeitritt - Verlegung der EU-Außengrenze nach Ostungarn, Rumänien usw. am 1.1.2008) gegenwärtig (August 2011) im Assistenzeinsatz für die Exekutive steht.

Vom Heideboden bis zur Raab Aufgrund der geografischen Beschaffenheit des Burgenlandes mit seinen vielfältigen Geländeformen war die Grenzsicherung sehr aufwändig, da nur Menschen und technische Hilfsmittel ohne Gefährdung von Menschenleben zur Aufgreifung illegaler Grenzgänger eingesetzt werden durften. Es waren sowohl die bewaldeten Gebiete des Südens sowie der Neusiedler See mit dem Seewinkel im Norden, die eine Grenzkontrolle sehr personalintensiv gestalteten und den Einsatz von Motorbooten, Hubschraubern,

Nachtsicht- bzw. Röntgengeräten notwendig und daher teuer machten. Unsere Nachbarn hatten es da schon einfacher, zumal sie auf Menschenleben keine Rücksicht nehmen mussten und sowohl Minen, Stacheldraht, Hunde usw. einsetzen konnten. Weiters waren noch die zahlreichen Straßengrenzübergänge wie Nickelsdorf (mit 33 Millionen Reisenden pro Jahr); Klingenbach, Deutschkreutz, Rattersdorf, Schachendorf und Heiligenkreuz, die zusätzliches Personal und technische Hilfsmittel wie Sonden (zur Kontrolle von LKW-Ladungen auf der rollenden Landstraße) oder Röntgengeräte (ebenfalls für LKW in Nickelsdorf ) erforderten. Auch wir vom Landespolizeikommando wurden für den Grenzdienst zur Unterstützung herangezogen, wobei mir ein einschneidendes Erlebnis immer in Erinnerung bleiben wird. Es war kurz vor Weihnachten im Jahre 2006. In einer kaltnassen nebeligen Winternacht fuhr ich mit einem Kollegen der Grenzpolizeiinspektion Deutsch Jahrndorf auf dem Grenzweg zwischen Kittsee und Bratislava. Etwa gegen 23.00 Uhr bemerkten wir einige Personen, die gerade illegal die Grenze nach Österreich überschreiten wollten. Wir hinderten sie daran, hielten sie noch auf slowakischem Gebiet an und riefen unsere Kollegen aus der Slowakei zur Übernahme der Flüchtlinge. Es waren


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

sechs somalische Staatsbürger, die nur mit Turnschuhen, T-Shirt und zwei von ihnen mit einer leichten Jacke bekleidet waren - und das bei knapp unter null Grad und eisigem Wind. Es dauerte ca. 15 Minuten bis die slowakischen Grenzpolizisten kamen und diese Menschen wie Tiere in einen Jeep, der für vier Personen zugelassen war, auf die Rücksitze pferchten und den „Rest“ im Kofferraum „verluden“. Eine menschenunwürdige Situation die mich noch nach Wochen an diesem Vorfall denken ließ.

Sattelschlepper der in Nickelsdorf von einem Röntgengerät durchleuchtet wird

Mit Wärmebildfahrzeugen kann man auch bei äußerster Dunkelheit kilometerweit die Gegend beobachten.

Das Tor bei St. Margarethen schreibt Geschichte

19. August 1989 Árpád Bella - der Grenzwächter am Eisernen Vorhang

Technik ausgestattet. Die Soldaten hatten plötzlich ihren wichtigsten „Partner“ (Stacheldraht und Minen) verloren. Der Respekt vor Waffen und Uniform war zwar vorhanden, schwand aber zusehends. Außerdem war kaum ein „Grenzwächter“ bereit, seine Waffe für ein dem Ende entgegengehendes Regime einzusetzen.

Oberstleutnant Árpád Bella war an jenem denkwürdigen 19. August 1989 diensthabender Offizier der ungarischen Grenzwache, als etwa 680 DDR-Bürger durch das berüchtigte „Tor von St. Margarethen“ von der Diktatur des Ostens in die Freiheit des Westens flohen.

Durch ein rostiges Gittertor in die Freiheit - wie alles begann Über die Ereignisse des Jahres 1989 erzählt Oberstleutnant Árpád Bella: „Die ungarische Regierung hatte mit schweren budgetären Problemen zu kämpfen. Es wurden drastische Einsparungen beschlossen, die vor allem Militär und Grenzwache betrafen. Durch einen noch intensiveren „Pro-Westlichen-Kurs“ versuchte man den „Gulaschkommunismus“ weiter aufzuweichen um zusätzliche Touristen, die Devisen bringen sollten, ins Land zu bekommen. Dazu mussten jedoch vor allem die noch zum Teil vorhandenen Schikanen bei den Grenzkontrollen verringert bzw. ganz abgebaut werden. Der Grenzwache, zur Zeit des „Kalten Krieges“ verlässlichster Partner der kommunistischen Regierung, wurde eine radikale Reform

Oberstleutnant Árpád Bella - Menschen sind mir wichtiger als Gesetze Foto: privat

verpasst, die auch den Wegfall des Eisernen Vorhanges zur Folge hatte. Wie wir alle wissen, hatte damals die Welt nach Ungarn geblickt, da es das erste Land des Ostblocks war, das diese Menschen verachtende Grenze einfach wegräumte. Als man am 2. Mai 1989 bei Hegyeshalom mit dem Abbau des Stacheldrahtes begann, konnte niemand ahnen, wohin dieser Weg führen würde. Am 14. Mai 1989 kam Károly Grosz, er war damals Generalsekretär der regierenden Sozialistischen Arbeiterpartei (MSZAP), persönlich nach Sopron um das Ende von Stacheldraht und technischen Sperren zu verkünden. „Wir müssen auch ohne diese brutalen Barrieren in der Lage sein, unsere Grenze zuverlässig zu sichern“, sagte der Politiker damals. Doch die Grenzwache war dazu weder ausgebildet, noch mit der notwendigen

Gesetze unterschiedlich interpretiert Als in den folgenden Wochen und Monaten immer mehr DDR-Bürger ins Land kamen und versuchten, die Grenze nach Österreich illegal zu überschreiten, musste man zur Kenntnis nehmen, dass die Grenzwache mit der neuen Situation nicht umgehen konnte und ganz einfach überfordert war. Es gab keine eindeutigen Befehle - wir waren uns im wahrsten Sinne des Wortes selbst überlassen. Eine Dienstanweisung jagte die andere, Gesetze wurden unterschiedlich ausgelegt, Foto: privat

Auszug aus einem Interview

Àrpád Bella (3. von rechts in Zivilkleidung) als junger Offizier mit Kollegen der Grenzwache

31


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Foto: Altenburger

jeder musste beim Einschreiten Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl beweisen.

Es war ein denkwürdiger Tag Ende Juli hatte ich erfahren, dass für den 19. August 1989 in Sopronpuszta (ein Landstrich zwischen St.Margarethen und Steinabrückl - ungarisch Sopronköhida) ein Paneuropäisches-Picknick geplant war. Es sollte ein Fest des Friedens werden, zu dem die Bevölkerung beider Staaten eingeladen wurde. Bei Gulasch, Würstel, Speck und Bier wollte man über die Zukunft Europas diskutieren und von Freiheit träumen. Um einen reibungslosen Grenzübertritt zu ermöglichen, wurde in der Zeit zwischen 15:00 Uhr und 18:00 Uhr die Öffnung eines alten verrosteten Gittertores an der Preßburger Landesstraße zwischen St.Margarethen und Sopron angeordnet. Den Ehrenschutz für dieses Fest hatte der EU-Abgeordnete Otto Habsburg gemeinsam mit Imre Pozsgay, der damals Mitglied des Politbüros der USAP (Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei) war, übernommen. Nachdem sämtliche Genehmigungen für die Veranstaltung erteilt waren, wurde von uns ein Plan zur Grenzsicherung ausgearbeitet. Mit der Leitung des Einsatzes wurde ich jedoch erst am 16. August betraut.

Etwas Dümmeres hätte mir nicht passieren können!! Nun kam dieser 19. August 1989. Am frühen Morgen verabschiedete ich mich von meiner Familie und versprach meiner Frau am Abend bei gutem Essen und einem Glas Wein mit ihr sowie den Kindern unseren Hochzeitstag zu feiern. Bereits um die Mittagszeit war ein starker Zustrom zum Festgelände zu verzeichnen. Die Menschen waren entspannt und genossen den warmen Sommertag. Kurz vor 15:00 Uhr begab ich mich mit meinen Mitarbeitern zum Grenzübergang, um mit dem Zollwachebeamten Chefinspektor Johann Göltl, den ich schon damals persönlich kannte, letzte Details zu besprechen. Doch plötzlich bemerkte ich auf der Anhöhe eines Weges eine Menschenmenge. Von ungarischer Seite ging

Das „Tor von St.Margarethen“ wie es einst war - geschlossen von 1946 bis 1989

sie geradewegs auf das Tor zu. Etwa 200 Personen und ein Schweigen, das vollkommene Stille verbreitete. Ich dachte zuerst, dass es die angekündigte Delegation sei, doch das war ein Irrtum. Es waren Bürger der DDR. Mir blieb keine Zeit zum Nachdenken. Durch meinen Kopf gingen Tausende Gedanken, die ich nicht ordnen konnte. Ich hatte nämlich auch die Verantwortung für meine Kollegen zu tragen, denn schon bei einem einzigen Flüchtling mussten wir mit disziplinären Maßnahmen rechnen. Was soll ich nun tun? Welche Maßnahmen soll ich anordnen? Oh Himmel hilf mir! Was bin ich für ein Pechvogel dachte ich mir und bin für Sekundenbruchteile in Selbstmitleid verfallen. Doch all das nützte nichts. Die Menschenmenge setzte ihren Weg unbeirrt fort. Wie ein Schleusentor, das den Wassermassen nicht standhalten kann, öffnete sich durch den Druck der Menschenmenge das brüchige Gittertor. Im Gedränge brach Hektik aus. Alle hatten Angst und wollten so schnell es nur ging rüber. Männer, Frauen und Kinder sahen nur ein Ziel - Freiheit ! Sie hatten

„Es ist geschafft mein Junge - wir sind endlich frei“ Foto: Lobenwein

zum Teil Freudentränen in den Augen, auf den Schultern Rucksäcke, die ihr gesamtes Hab und Gut beinhalteten. Auch in mir herrschte Panik, denn ich war wie gelähmt und handlungsunfähig. Doch äußerlich habe ich auch dann nicht die Fassung verloren, als ich von den Deutschen einfach bei Seite geschoben worden bin. Ich habe in keiner Sekunde daran gedacht, Gewalt anzuwenden bzw. dies zu befehlen. Meine Mitarbeiter wies ich an, einfach zur Seite zu schauen bzw. wenn notwendig zur Seite zu treten. Mit jeder Minute wurde mir jedoch bewusster, dass ich durch diese Gesetzesverletzung für Jahre in einem Gefängnis landen könnte.

Wer soll für die Familie sorgen? Meine Familie hatte die Ereignisse im österreichischen Fernsehen verfolgt. Chaos an der Grenze! Hunderte DDR-Bürger flohen in den Westen! Es waren Schlagzeilen die sie in Furcht und Unruhe versetzten. Und mittendrin der Mann, der Vater als Entscheidungsträger. Als ich am Abend müden Schrittes in meine Wohnung kam, waren die ersten Worte meiner Frau: „Wer soll für die Familie sorgen, wenn du im Gefängnis sitzt?“ Eine Antwort auf diese Frage habe ich ihr nie gegeben. Zum Feiern unseres Hochzeitstages war mir übrigens auch nicht mehr zumute. Das gesamte Interview finden Sie in meinem Buch „Hart an der Grenze“ auf Seite 147.

33


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Die Grenzen fallen - Interview mit dem DDR-Flüchtlig Sven L.

Der Umbruch in Europa

Sven L. galt als „Staatsfeindliches Element“ in der DDR

Unterdrückung Flucht - Heimkehr Kurze Einleitung Swen L. Jahrgang 1966 wuchs in Sörnewitz an der Elbe - ca. 20 km von Dresden entfernt - auf. Schon als Jugendlicher lehnte er diesen Staat ab und hatte eine äußerst negative Einstellung zu seinen „Volksvertretern“, was natürlich auch dem Ministerium für Staatssicherheit „STASI“ nicht verborgen blieb.

Foto: Privat

Obwohl man mit Berichten von 1956 bis 1989 Seiten füllen könnte, muss ich aus Platzgründen mit dem Fall des Eisernen Vorhanges fortsetzen. Ich kann auch nicht darauf eingehen wie es zu dieser Umwälzung in Europa kam. Jedenfalls hatte das Burgenland nach 33 Jahren wieder einen Flüchtlingsstrom zu bewältigen. Ca. 100.000 DDR-Bürger (genaue Zahlen gibt es nicht) fuhren zum Schein nach Ungarn auf Urlaub und kamen durch den bereits löchrigen Stacheldraht illegal über die Grenze. Die Hilfsbereitschaft der Burgenländer war wieder enorm und wurde von den Medien in aller Welt sehr positiv dargestellt. Die Haftanstalt von Steinabrückl - bei deren Anblick überkam ihn die Angst vor einer neuerlichen Internierung

eine Nacht interniert. Der zweite „Anlauf“ war von Erfolg gekrönt. Bei Siegendorf gelang ihm der illegale Grenzübertritt auf österreichisches Hoheitsgebiet. L. fuhr weiter nach Heilbronn und arbeitete bereits wenige Tage nachdem er der DDR „den Rücken gekehrt“ hatte, wieder in seinem erlernten Beruf als Werkzeugmacher. Bereits zwei Jahre danach übersiedelte er wieder in seine Heimat, wo er heute noch mit seiner Familie lebt.

Sven L. erzählt Mit dem Zug nach Bulgarien und zurück nach Ungarn Seinen ersten Ausreiseantrag in die BRD - der abgelehnt wurde - stellte er im Alter von 21 Jahren (Juli 1987). In den Jahren 1987 und 1988 wurde ihm eine Urlaubsreise nach Ungarn gewährt. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es erste Gedanken für eine Flucht in den Westen. 1989 fasste er dann den endgültigen Entschluss die DDR zu verlassen. Da man ja nie wusste, von wem man durch die allgegenwärtige „STASI“ bespitzelt wird, beantragte er ein Touristenvisum für Bulgarien. Über diesen Staat kam er nach Ungarn, wurde bei seinem ersten Fluchtversuch in der Nähe von Szentgotthárd von ungarischen Grenzsoldaten verhaftet und für

Für die Reise hatte ich mir eine Bahnkarte gekauft. Sie galt von Dresden bis Varna und zurück. Ein genaues Reisedatum war nicht vorgeschrieben, was für mich von großem Vorteil war. Die Fahrt dauerte fast zwei Tage. Es ging über die Tschechoslowakei, Ungarn und Rumänien, bis an die bulgarische Schwarzmeerküste. Nach zwei Tagen brach ich in Varna wieder auf, um nach Ungarn zurück zu kehren. Alles was ich nicht mehr benötigte, schickte ich per Post nach Hause. Darunter auch meinen Wecker, der noch heute bei uns in der Küche steht (DDR-Spott: Die RuhlaUhr geht nach wie vor).

Als ich in der ungarischen Hauptstadt ankam, besaß ich nur noch Sachen, die ich bei mir trug - an Bargeld 2.560.- Forint. Von Budapest wollte ich per Autostopp zur Grenze fahren, musste mir jedoch vorerst eine Bleibe für die Nacht suchen.

Erster Fluchtversuch gescheitert - verhaftet Bei Tagesanbruch begann meine Reise in Richtung Westen. Nach wenigen Stunden war ich in verschiedenen (weil per Autostopp) Autos im Grenzgebiet zu Österreich angekommen. Bei Szentgotthárd versteckte ich mich hinter einem Gebüsch, um mich auf meinen mit­­gebrachten Taschenfaltplan zu orientieren. Noch war es hell und die Grenze ca. zwei Kilometer entfernt. Bis zum Einbruch der Dunkelheit versuchte ich mich von den Strapazen des Tages zu erholen. Die Angst ließ mich jedoch keine Ruhe finden. Ich versuchte mir immer wieder einzureden, dass ich es schaffen werde. Es fehlten ja nur mehr wenige Meter. Ich kam in bewaldetes Gebiet und ging mit mulmigem Gefühl und schlotternden Beinen - in der Finsternis eine Straße entlang. Weit bin ich aber nicht gekommen. Schon nach einigen hundert Meter war 35


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Ich war bleich vor Entsetzen und fürchtete eine Kurzschlusshandlung eines Soldaten. Er brauchte ja nur seinen Finger unüberlegt zu bewegen und eine Salve würde meinen Körper durchsieben. Als sie merkten, dass ich keine Anstalten zur Flucht mache, gaben sie mir gestikulierend zu verstehen, dass ich verhaftet sei. Danach brachten sie mich zur Dienststelle. Dort wurden mir Stofftasche, Gürtel und Schnürsenkel abgenommen und ich in eine Zelle gesperrt. Nach einigen Stunden begann das Verhör, wobei bereits ein Dolmetsch anwesend war. Als man mich fragte, weshalb ich mich in Grenznähe aufgehalten habe, gab ich ihnen zur Antwort, dass ich mich verlaufen habe. Dem schenkten sie jedoch keinen Glauben und hielten mir entgegen, dass sämtliche DDR-Bürger, die dieses Gebiet aufsuchen, nach Österreich flüchten würden. „Es gibt ein Abkommen mit der DDR, welches besagt, dass sie mit einem Gefängnistransport zur Grenze gebracht und den Behörden ihres Staates übergeben werden. Wir können sie aber auch laufen lassen, teilen ihren Organen nichts mit, sie kommen jedoch nie wieder in die Nähe unserer Staatsgrenze und reisen alleine aus. Sie müssen aber zugeben, dass sie flüchten wollten“, übersetzte mir der Dolmetsch die Anordnungen des Vernehmungsleiters. Ich hatte keine Wahl und gab alles zu. Nun bekam ich meine Sachen wieder zurück. Die noch vorhandenen 2.500.- Forint teilte ein Beamter - jedoch in zwei ungleichmäßige Teile. 500.- Forint bekam ich, 2.000.- wurden einbehalten. „Mit diesem Geld werden wir ihr Taxi bezahlen“, wurde mir als Begründung mitgeteilt.

Eine Reise ohne Ziel Es dauerte tatsächlich nicht lange und ein Taxi fuhr vor. Ich musste einsteigen und wurde weggebracht. Wohin wusste ich nicht. Der Fahrer fuhr mit mir einfach durch die finstere Nacht. Vergeblich

versuchte ich mich an den Ortstafeln zu orientieren. Werden die Beamten ihr Versprechen halten? Wird mich der Fahrer den DDR-Behörden übergeben? Gedanken die mich andauernd quälten und mir die Gänsehaut über den Rücken laufen ließen. Doch plötzlich hielt der Lenker an und befahl mir aus dem Wagen zu steigen. Es war finstere Nacht und ich mitten in Ungarn. Kaum Geld, Hunger und kein Dach über dem Kopf. Wie soll das weitergehen? Ich bin dann die Straße entlang gegangen und sehr bald zum Plattensee gekommen. In einem Gebäude, es dürfte eine Molkerei gewesen sein, sah ich, dass beim Eingang Licht brannte. Als ich den Portier um etwas zu essen und trinken

der „STASI“ wie ich kurz befürchtet hatte. Ich durfte bei ihnen bleiben, bekam zu essen und zu trinken. Im Laufe der nächsten Tage kamen noch weitere DDR-Bürger zur Gruppe. Wir waren jetzt zwei Frauen und sieben Männer die nur ein Ziel hatten - über die Grenze nach Österreich zu kommen.

Zur Botschaft der BRD nach Budapest In Stuhlweißenburg kannte ich ein Internat, das wir vorerst aufsuchten, um uns einmal zu waschen. Erst am nächsten Tag fuhren wir nach Budapest. Als wir zur Botschaft kamen, hatte sich bereits eine Schlange gebildet und man musste sich Foto: Privat

die Nacht durch Scheinwerfer taghell erleuchtet. Vor und dann auch hinter mir standen Soldaten mit Maschinenpistolen im Anschlag. Wahrscheinlich hatten sie mich schon länger observiert und warteten nur auf einen günstigen Augenblick für den Zugriff.

Es war ein unbeschreibliches Gefühl der Freiheit als Sven Lehmann den Kirchturm von Siegendorf sah

bat, wurde ich von diesem Mann, den ich offensichtlich in seiner Nachtruhe gestört hatte, einfach davongejagt. Den Tränen nahe dachte ich plötzlich an meine Rückfahrkarte, die ich ja noch bei mir hatte. Ich hielt aber an meinem Entschluss fest, keinesfalls „den Rückzug“ anzutreten.

Ein Silberstreif am Horizont Mit hängendem Kopf zog ich weiter und kam in ein Dorf, in dem sich mein Schicksal zum Guten zu wenden begann. Auf der Motorhaube eines Trabis mit einem Kennzeichen aus dem Bezirk Erfuhrt lag eine Landkarte, mehrere Männer standen im Kreis und berieten sich, während sie mit einer Taschenlampe auf den „Plan“ leuchteten. Sie waren ebenso überrascht wie ich, als ich zu ihnen kam. Es waren „Leidensgenossen“ und keine Agenten

erst einmal anstellen, um einen Termin zu erhalten. Während wir warteten, kamen uns schon Leute entgegen und zeigten uns ihren „Schatz“. Sie hatten einen Reisepass bekommen. Jetzt war für uns klar, dass wir nicht mehr zurück konnten. Die verhasste „STASI“ hatte mit Sicherheit Agenten eingeschleust, die jeden, der sich dort aufhielt, registrierte. Tatsächlich wurde nach der Wende bekannt, dass das Gelände observiert und die Warteschlage fotografiert wurde. Wir standen abwechselnd den ganzen Tag und mussten nach Büroschluss unverrichteter Dinge wieder abziehen. Am zweiten Tag drohte uns das gleiche Schicksal. Kurz vor Dienstende befand ich mich in der Reihe, wollte aber keinesfalls ohne Erfolg wieder zurück zur Gruppe. Volles Risiko dachte ich, band unsere Dokumente mit einem Gummiband zusammen und warf 37


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Foto: Lobenwein Sopron

schloss ich mich der Gruppe, die nach wie vor aus neun Personen bestand, an. Wir waren nun eine verschworene Gemeinschaft geworden und fuhren mit zwei Fahrzeugen nach Ödenburg.

Diesmal schaffen wir es

„Geplünderte Trabis“ prägten damals das Straßenbild um Ödenburg

das Bündel über die Köpfe der vor mir stehenden Menschen direkt vor die Füße des anmarschierenden Botschaftsangehörigen. Ich hatte Glück. Der Mann nahm unsere Ausweise an sich, verschwand und kam kurze Zeit später zurück. Wir bekamen einen Termin für den kommenden Donnerstag (heute war Dienstag). Danach fuhren wir wieder in unser Quartier nach Stuhlweißenburg. Über eine Woche mussten wir noch ausharren. Peinlich für mich, denn ich hatte kaum noch Geld und musste mich von meinen Bekannten - die selbst nur wenig hatten versorgen lassen.

Warten oder flüchten In der Nacht hockten wir beisammen und diskutierten was weiter zu tun sei. Ich hätte gerne diese Woche gewartet, mir den Reisepass ausstellen lassen und die Lage beobachtet. „Vielleicht kommen wir gar nicht mehr vor die Botschaft weil die Ungarn die Umgebung absperren. Dann geht es mit einem wenig komfortablen Transport in die DDR und gleich ins Gefängnis“, warf einer ein. „Wir könnten es in der Gegend von Ödenburg versuchen, dort soll die Grenze nicht mehr so scharf bewacht werden und Minen lägen ebenfalls keine mehr. Ich kenne einen Zeltplatz bei Wolfs (Wolfs/Balf - liegt ca. 10 km von Ödenburg entfernt). Von dort könnten wir die Lage sondieren“, sagte ein anderer. Auf der Landkarte schauten wir uns alles gemeinsam an und durchsuchten unsere Fahrzeuge nach Zangen, Lampen und Handschuhen, da wir ja damit rechnen mussten, den Stacheldraht zu überwinden. Obwohl ich Bedenken hatte, ging mir immer durch Kopf: Jetzt oder nie! Daher 38

Es war eine regnerische Nacht, das Verkehrsaufkommen war äußerst gering. Als wir von Ödenburg über Wolfs in Richtung Grenze fuhren, sahen wir das Gefangenenhaus von Steinabrückl. Durch die intensive Beleuchtung, den Mauern mit den Stacheldrahtkränzen und einem Wachposten vor dem Einfahrtstor, hielt ich es für eine Kaserne. Es wirkte auf mich wie ein „Fingerzeig“, der zu noch größerer Vorsicht mahnte, denn es darf nicht sein, dass ich in einem solchen Verlies ende, waren meine Gedanken. Hinter jedem Gebüsch könnte ein Armeefahrzeug stehen, uns anhalten und die Papiere verlangen. Angstgefühle durchdrangen meinen Körper. Ich wurde sichtlich nervös. Auf einer Anhöhe sahen wir in größerer Entfernung ein weiteres hell erleuchtetes Gebäude. Das musste der Grenzübergang Klingenbach sein, wie wir auf unserer Karte feststellten. Nun konnten wir uns orientieren und wussten genau, wo wir uns befanden.

Getrennte Wege Da meine Kollegen auf einer Straße, die etwa parallel zur Verbindung vom Grenzübergang Klingenbach nach Sopron liegt, in Richtung Österreich gehen wollten, trennte ich mich von ihnen. Dies deshalb, weil neben dieser Straße für mich die Entdeckungsgefahr zu groß gewesen und außerdem in der Nähe das bereits beschriebene Gefängnis gelegen wäre. Weiters schien mir das Tarnverhalten einiger Mitglieder unserer Gruppe zu gefährlich. Außerdem hatte ich schon einen gescheiterten Fluchtversuch hinter mir. Nun setzte ich meinen Weg allein fort, die anderen blieben beisammen.

Auch Stacheldraht und Grenzsoldaten waren für mich kein Hinderniss

In der Dunkelheit konnte ich eine Reifenspur in Richtung Stacheldraht erkennen, die ich sofort nützte, da sich dort mit Sicherheit keine Minen befinden konnten. Ich schleppte mich Meter für Meter kriechend etwa 30 Minuten zum Zaun. Je näher ich zu den Sperren kam, desto größer wurde meine Angst. Ich fürchtete, dass mich der Grenzer vom Wachturm aus sehen konnte und mich wie an der innerdeutschen Grenze oft geschehen, einfach abknallen würde. Eine weitere Gefahr bestand für mich darin, dass ich noch kurz vor dem Stacheldraht Signaldrähte, Minen oder sonstige elektronische Sperren befürchtete. Ohne bemerkt zu werden erreichte ich den ersten Zaun und sah, dass die Maschen im unteren Teil kleiner waren als im oberen. Ich wickelte einen der senkrechten Drähte nach oben, drückte die Maschen auseinander und versuchte durchzukriechen. Der erste Versuch misslang - ich blieb stecken. Jetzt zog ich meine Jacke aus, schob diese zuerst und anschließend meinen Körper durch das Loch. Den zweiten Zaun konnte ich ebenso überwinden.

Erleichterung - ein Grenzstein mit „Ö“ Langsam fing es an zu dämmern und ich verlor den Schutz der Dunkelheit. Positiv war, dass ich nun schon einige Umrisse von Gebäuden sehen und mich besser orientieren konnte. Ich erkannte einen Gutshof, vor dem ein Auto, das ich als russisches Fabrikat definieren konnte, abgestellt war. Das musste noch Ungarn sein. Um Gottes Willen, jetzt nur keinen Fehler machen. Vielleicht warten meine Häscher noch auf mich? Hatte mich der Posten auf dem Wachturm doch bemerkt und eine Fahndung ausgelöst? Das Ziel bereits vor Augen, bekam ich noch einmal einen Schweißausbruch. Nun musste ich meine Fluchtrichtung leicht korrigieren und rannte über eine Wiese, an deren Ende ich einen Grenzstein mit einem „Ö“ erkannte. Als nächstes sah ich ein Schild, das sich an einem Baum befand und die Aufschrift: „Privatweg, Befahren verboten“, trug.


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

DAS WAR ES - ICH HATTE ES GESCHAFFT! Erleichtert lief ich einen Weg in Richtung Norden entlang und hörte Kirchenglocken läuten - da musste bald eine Ortschaft kommen! Eine Horde Wildschweine, die im Unterholz schnüffelte, konnte mich auch nicht mehr aufhalten. Der Wald war nun zu Ende, vor mir lag Siegendorf, dahinter eine Gebirgskette.

Meine ersten Stunden in Freiheit Was mache in nun? Wie soll es weitergehen? Melde ich mich bei der Polizei? Neue Probleme für mich, die aber zu bewältigen waren. Während ich durch die Ortschaft ging, bemerkte ich in einem Haus Licht. Es war eine Pension. Kurz entschlossen läutete ich. Eine Frau öffnete mir, sah mich in meinen durchnässten Kleidern etwas verstört an und lud mich auf ein Frühstück ein. Danach steckte sie meine verdreckten Sachen in die Waschmaschine und verständigte die

Gendarmerie. Welch eine Überraschung, dass ich Hemd, Hose und Pullover bereits nach etwa einer Stunde, und auch noch getrocknet, bekam. Dass es einen Wäschetrockner gibt, hatte ich bis dato noch nicht gewusst. Nachdem ich mich gestärkt hatte, brachte mich die Frau zum Gendarmerieposten nach Eisenstadt. Bevor sie sich verabschiedete, steckte sie mir noch Geld zu. Während auf dieser Dienststelle meine Personalien aufgenommen wurden, kam die Meldung, dass bei St.Margarethen eine Gruppe von acht DDR-Flüchtlingen über die Grenze gekommen ist. Das war meine Gruppe! Beide Seiten konnten beruhigt sein: Alle hatten es unversehrt geschafft.

der DDR. Es war nun Mittwoch am Nachmittag und noch einen ganzen Tag Zeit, bis unser Zug abfahren würde. Wir „schlenderten“ gemütlich durch die österreichische Hauptstadt und genossen den Tag. Da ich nun über etwas Bargeld verfügte, wollte ich mich bei meiner Gruppe revanchieren. Ich kaufte eine „Staude Bananen“ und eine Packung Wegwerfrasierer. Gelitten hatte nicht nur unser Äußeres, sondern auch mein Magen. Obwohl ich tagelang nur wenig zu mir genommen und auch Hunger hatte, bekam ich den Teller nicht leer.

Treffpunkt Botschaft der BRD in Wien

Schon eine Woche nach meiner gelungenen Flucht begann ich in Heilbronn zu arbeiten. Nach zwei Jahren übersiedelte ich wieder in meine alte Heimat, gründete eine Familie und arbeite noch heute in meinem Beruf als Werkzeugmacher.

Gemeinsam fuhren wir zur Botschaft der BRD nach Wien. Wir erhielten Gutscheine für eine Nächtigung in einem Hotel sowie Bahnkarten nach Gießen. Dort war ein Auffanglager für Übersiedler aus

Das vollständige Interview finden Sie ebenfalls in meinem Buch „Hart an der Grenze“ auf Seite 137.

Schlagbäume fallen - Grenzkontrollen sind Vergangenheit

Vom EU-Beitritt bis zur Schengenerweiterung Nach jahrelangen Verhandlungen war es endlich soweit. Österreich hatte es geschafft. Mit 1. Jänner 1995 wurden wir Vollmitglied der EU. Vorerst fielen aber gegenüber den an Österreich grenzenden EU-Ländern nur die Zollschranken. An den Grenzen zu unseren östlichen Nachbarn Slowakei, Ungarn und Slowenien hatte sich bis zu deren Beitritt am 1. Mai 2004 nichts geändert. Ab diesem Zeitpunkt gab es den freien Warenverkehr, die Kontrolle des Personenverkehrs blieb noch bis zum Schengenbeitritt am 21.12.2007 aufrecht. Kurze Erklärung: Vertrag von Schengen -Gemeinde in Luxemburg mit 1.600 Einwohnern, wo dieser Vertrag unterzeichnet wurde - (Österreich ist bereits am 1.12.1997 beigetreten) regelt den gegenseitigen Verzicht der Nachbarstaaten

auf Personenkontrolle. EU-Beitritt bedeutet nicht gleichzeitig Schengenbeitritt, da der EU-Beitritt unter anderem den freien Warenverkehr aber nicht den Personenverkehr regelt.

Oktober 2007 Das Tagesgeschehen der Politik wurde bereits von der bevorstehenden Grenzöffnung beherrscht. In den Medien gab es fast täglich Berichte über die verschiedensten Strategien für die „Zeit nach Schengen“. „Kann die Sicherheit auch weiterhin auf diesem derzeit hohen Standard gewährleistet werden? Wie, wo und wann werden die Kontrollen erfolgen? Welche Aufgabe wird dem Bundesheer übertragen, wird es an der Grenze bleiben, im Hinterland agieren oder ganz abgezogen? Wo wird die Polizei nach dem

Wegfall der Grenzkontrollen eingesetzt? Dies waren häufig gestellte Fragen die Politiker in den Wochen vor dem endgültigen Fall der Grenzbalken den Journalisten beantworten mussten. Aber auch an den Grenzübertrittstellen spürte man völlig, dass in naher Zukunft eine tiefgreifende Veränderung eines über Jahrzehnte bestehenden Systems eintreten wird. Obwohl die BeamtInnen wussten, dass sie in drei Monaten ihren Dienst nicht mehr in gewohnter Form und an anderer Stelle verrichten werden, waren sie dennoch mit viel persönlichem Engagement bei der Sache. Gezielt führten sie ihre Kontrollen durch und blieben auch dann ruhig, höflich und sachlich, wenn ihnen die Reisenden ungehalten zu verstehen gaben, dass „ihre Macht“ nur noch von kurzer Dauer sein würde. 39


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Verträge werden unterzeichnet - Optimismus auf beiden Seiten

Innenminister Günther Platter und sein ungarischer Amtskollege Albert Takács trafen sich am 11. Oktober 2007 im Polizeikooperationszentrum Nickelsdorf, um ein Übereinkommen, das vor allem für die Sicherheit der Bevölkerung im grenznahen Raum richtungsweisend sein wird, „zu besiegeln“. Dieses „Memorandum of Understanding“ regelt die Zusammenarbeit der Exekutive beider Länder sowohl vor, aber insbesondere nach dem Fall der gemeinsamen Schengengrenze. „Ein Sicherheitsdefizit soll es aber dennoch nicht geben, da alle Staaten bereits im Vorfeld entsprechende Maßnahmen getroffen haben. Die Grundlagen dafür wurden in dem bereits angeführten Vertragswerk geschaffen. Unter anderem sollen die bilateralen Streifen verstärkt, gemeinsame Schwerpunktaktionen gesetzt und auf beiden Seiten die Ausgleichsmaßnahmen (Schleierfahndung) intensiviert werden. Kontrollen an der Grenze wird es jedoch nicht mehr geben“, so Innenminister Platter damals.

Öffentlichkeit würdigte die Arbeit der Exekutive Die Zeit zum Abbau der Grenzbalken näherte sich mit riesigen Schritten. Medien berichteten weiterhin von Wohnungseinbrüchen oder andern Eigentumsdelikten bei denen der Täterkreis im Ausland vermutet wurde. Doch die Sicherheitskräfte konnten auch viele Erfolge im Kampf gegen die Kriminellen aufweisen. Durch eine medial durchwegs positive Berichterstattung wurde die Bevölkerung wahrheitsgetreu informiert und die Arbeit der Exekutive entsprechend gewürdigt.

Günther Platter und Albert Takács mit Streifenpolizisten beider Länder - Polizeifahrzeuge, besetzt mit PolizistInnen beider Staaten gehören längst zum „Alltag“ im Grenzverkehr Foto: BM.I Alexander Tuma

Freie Fahrt von Lissabon bis Litauen 20. Dezember 2007 Endlich kam der Tag auf den (fast) alle so sehnsüchtig gewartet haben. An zahleichen bedeutenden Übertrittstellen zu Ungarn wurden Feiern abgehalten. Nach Nickelsdorf, dem wohl meist frequentierten Grenzübergang Westeuropas, kam Bundeskanzler Dr. Alfred Gusenbauer persönlich und traf sich dort mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány. Ich durfte die Organisatoren dieses Besuches unterstützen und selbst miterleben, wie beide Politiker sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausreise die Beamten beider Staaten anwiesen, die Schranken zu öffnen und eigenhändig Autofahrer durchwinkten. Bis zu diesem Zeitpunkt kam es zum letzten (bedingt auch durch den Weihnachtsverkehr) kilometerlangen Stau, der sich rasch auflöste und in einem Europa der Zukunft Geschichte sein sollte. Das lang angestrebte Ziel, „Freie Fahrt von Lissabon bis Litauen“, war „mit einer Handbewegung“ Wirklichkeit geworden.

Wie erfolgreich unsere Polizei arbeitet, sollen einige nachstehende in jüngster Vergangenheit geklärte Kriminalfälle zeigen. Reifendiebe in Nickelsdorf festgenommen Der 5. Dezember 2010 ist ein herrlicher Wintertag bei klirrender Kälte. Das Thermometer an der Außenmauer der ShellTankstelle am Grenzübergang Nickelsdorf zeigt um 11:00 Uhr noch minus 9 Grad. Mittagszeit und Kälte - für Kriminelle ein günstiger Zeitpunkt um Diebsgut außer Landes zu bringen. Doch weit gefehlt - die Beamten der Grenzkontrollstelle Nickelsdorf führen trotzdem penibel genaue Kontrollen durch.

Versteckt unter alten Reifen Ein Fiat Ducato mit ungarischem Kennzeichen nähert sich der Tankstelle und wird angehalten. Im Fahrzeug befinden Foto: LPK Burgenland

Im Oktober und November 2007 wurden die Verträge mit Ungarn, der Slowakei und Tschechien zur verstärkten Zusammenarbeit bei offenen Grenzen unterzeichnet. In Nickelsdorf hatte ich die Möglichkeit, einem derartigen Festakt beizuwohnen.

Wie die ersten Jahre nach der Grenzöffnung gezeigt haben, kann die Polizei auch nach der Schengenerweiterung die Sicherheit in diesem Land gewährleisten. Gemischte Streifen im grenznahen Raum gehören bereits zum Alltag. Das Burgenland lag mit einer Aufklärungsquote von 53,8 im Jahre 2010 hinter Vorarlberg an zweiter Stelle, aber um 12% über dem österreichischen Durchschnitt.

Gyurcsány und Gusenbauer geben eine letzte Pressekonferenz „vor dem Fall der Grenzbalken“. Foto: LPK Burgenland

Ein Zeichen, worauf man Jahrzehnte wartete. Gyurcsány (re.) Gusenbauer (li); daneben mit rotem Schal der ungarische Justiz- und Innenminister Albert Takàcs winken Autofahrer „einfach durch“.

41


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Diese gestohlenen LKW-Reifen wurden sichergestellt

Zwei Nationen ein Ziel - Verbrechensbekämpfung

Hydraulikschläuche und Hydraulikanschlüsse, die ebenfalls gestohlen waren Fotos: GPI Nickelsdorf

sich zwei Brüder (35 und 38 Jahre alt), die sich mit gültigen ungarischen Personalausweisen legitimieren. Um den Transport von Sperrmüll vorzutäuschen, liegen im Fond des Wagens gebrauchte Autoreifen. Durch langjährige Diensterfahrung wissen die Beamten, dass es sich dabei oft um eine Täuschung handelt. Schnell sind die Reifen bei Seite geräumt und die Polizisten werden fündig. Unter den alten Reifen finden sie insgesamt acht Stück neue LKW-Pneus, 32 Hydraulikschläuche und 33 Packungen mit diversen Hydraulikanschlüssen, die in den LKW-Reifen versteckt sind.

Genaue Aufzeichnungen liegen vor - weiterer Einbruch geklärt Da die beiden Ungarn keine Rechnungen vorweisen können, werden sie vorläufig festgenommen und zur Dienststelle eskortiert. Nach umfangreichen Erhebungen können als Tatorte Firmen in Tamsweg (Salzburg), Lienz (Osttirol) und Wolfsberg (Kärnten) ermittelt werden. Die beiden Täter legen daraufhin ein umfassendes Geständnis ab. Doch die

Beamten forschen noch weiter und können eruieren, dass die beiden Delinquenten bereits am 29.4.2010 mit 10 Stück neuen LKW-Reifen der gleichen Dimension betreten wurden. Den Tätern muss damals jedoch die Weiterfahrt gestattet werden, weil noch keine Anzeige vorliegt und auch kein Tatort ermittelt werden kann. Da jedoch von ihren Dokumenten Kopien angefertigt werden, liegen jetzt exakte Aufzeichnungen vor. Auf Vorhalt gaben die beiden Ungarn damals an, gegenständliche Reifen nicht selbst gestohlen, sondern von zwei Türken gekauft und in Ungarn gewinnbringend weiter veräußert zu haben. Tatsache ist jedoch, dass diese Reifen aus einem Einbruch einer gleichnamigen Reifenfirma in Lienz stammten. Haftbefehl wird erteilt, die beiden Täter werden in die Justizanstalt Eisenstadt eingeliefert.

Kooperation Österreich-Ungarn erfolgreich Durch Grenzüberschreitende Nacheile Schlepper verhaftet Gemischte Streifen mit BeamtInnen unserer Nachbarländer Slowakei, Ungarn und Slowenien prägen längst das Bild an unserer Ostgrenze. Durch schnelle und unbürokratische Informationen über

polizeiliche Kooperationszentren sowie durch Zwischenstaatliche Übereinkommen mit der Erlaubnis zur Nacheile auf das Gebiet des jeweils anderen Staates gibt es auch entsprechend viele Erfolge im Kampf gegen die internationale Kriminalität. Am 6.12.2010 verfolgten ungarische Polizeibeamte einen serbischen Schlepper, in dessen Fahrzeug sich drei illegale Grenzgänger befanden, über die Grenze nach Österreich. Der Täter konnte bei Parndorf festgenommen werden, unmittelbar danach klickten für seine „Klienten“ die Handschellen.

Nacheile von Erfolg gekrönt Ein 32-jähriger Serbe fuhr gegen 21:40 Uhr auf der Autobahn M 3 bei Mosonmagyarovar in Richtung Österreich. Kurz vor dem Grenzübergang Nickelsdorf versuchte ihn eine Streife der ungarischen Polizei anzuhalten. Der Lenker beachtete das Haltezeichen jedoch nicht, setzte seine Fahrt fort, flüchtete nach Österreich und fuhr auf der A 4 in Richtung Wien weiter. Die Beamten nahmen sofort die Verfolgung auf, setzten das Polizeikooperationszentrum Nickelsdorf in Kenntnis und ersuchten um Unterstützung durch die österreichische Polizei. Nun ging es „Schlag auf Schlag“. Die ungarischen Kollegen verständigten die im gleichen Raum untergebrachten „Cops“ aus Österreich, die sofort eine Alarmfahndung auslösten. Während die ungarischen Kollegen 43


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Fotos: PKZ Nickelsdorf

Antibabypillen auf Autobahnrastplatz gefunden „Zwischenlager Müllcontai­­ner“ 176.220 Stück in 16 Kartons sichergestellt Sprachbarrieren sind kein Hindernis Beamte aus Österreich und Ungarn kontrollieren gemeinsam

aufgrund der überhöhten Geschwindigkeit das Fluchtfahrzeug verloren, hatten PolizistInnen aus Österreich bereits alle neuralgischen Punkte besetzt.

Entscheidende Hinweise durch ungarische Polizisten Die hervorragende Zusammenarbeit zwischen den Polizisten beider Länder war bald von Erfolg gekrönt. Aufgrund einer genauen Beschreibung, die auch das Kennzeichen umfasste, konnte das Fluchtfahrzeug bereits um 22:08 Uhr bei Parndorf angehalten werden. Der Schlepper hatte seine Insassen jedoch schon unmittelbar vor der Anhaltung aus dem PKW steigen lassen. Wie in solchen Fällen üblich, leugnete er, überhaupt jemanden transportiert zu haben. Durch die Aussagen der ungarischen Polizisten stand aber eindeutig fest, dass sich im Fahrzeug noch weitere drei Personen befunden hatten. Daher wurde auch eine Diensthundestreife der Fahndung beigezogen. Der Aufwand lohnte sich. Um 23:20 Uhr konnten die vier illegalen Grenzgänger - drei Kosovaren und ein Palästinenser - im Ortsgebiet von Parndorf aufgegriffen werden.

Wurden die Antibabypillen im Müllcontainer entsorgt oder zur Abholung für eine andere Person dort hinterlegt? Diese Frage konnte trotz intensiver Nachforschungen durch die Polizisten der Autobahnpolizeiinspektion Potzneusiedl nicht geklärt werden. Tatsache ist, dass die Beamten am 7.12.2010 auf einem Parkplatz an der A4 nahe der Autobahnraststation Potzneusiedl in einem Müllcontainer 1.958 Schachteln (176.220 Stück !!!) Antibabypillen im Wert von 58.740.-€ fanden.

Ein nicht alltäglicher Fund An diesen Tag werden sich BezInsp Csukker und GrInsp Kilisch noch lange erinnern. Es war eine ganz normale Patrouille an diesem Dienstag vor Maria Empfängnis. Die Beamten kontrollierten wie so oft in ihrer langjährigen Dienstzeit den Parkplatz an der Autobahn vor der Raststätte im Gemeindegebiet von Potzneusiedl. Da nur geringes Verkehrsaufkommen herrschte, war auch dieser bei vielen Autofahrern äußerst beliebte Rastplatz nur wenig frequentiert. Doch das geschulte Auge des Gesetzes machte eine Entdeckung, die beide Polizisten erstaunen ließ. Sie hatten keinen Dieb gefangen, sie hatten kein Diebgut im herkömmlichen Sinn sichergestellt und auch keine zur Verhaftung ausgeschriebene Person festgenommen.

Der Schlepper gab nach anfänglichem Leugnen zu, dass er die vier Flüchtlinge für ein Entgelt von 400.-€ von Moroholm (Ungarn) nach Schwechat bringen sollte. Die illegalen Grenzgänger wurden nach Ungarn zurückgeschoben, der Schlepper verhaftet und in die Justizanstalt Eisenstadt eingeliefert.

In diesem Container wurden die Schachteln mit den Antibabypillen gefunden

Zwischenlager oder Entsorgung? Einer der Beamten öffnete routinemäßig einen Müllcontainer und sah darin fein säuberlich geschlichtet 16 unbeschädigte Kartons. Etwas neugierig öffneten sie einen Karton und trauten ihren Augen nicht. Antibabypillen in einer Menge, die sie noch nie zuvor gesehen hatten. In dem Container lagen insgesamt 1.958 Schachteln im Wert von 58.740.-€.

Für den Vertrieb ordnungsgemäß abgepackt Fotos: API Potzneusiedl

Aufgrund der Produktionsbezeichnung konnte festgestellt werden, dass die Ware in Prag erzeugt und von einer Firma in Pressburg vertrieben wurde. Ob die Medikamente an der Raststätte weggeworfen oder für einen anderen Täter zwischengelagert werden sollten, konnte nicht eruiert werden. Tatsache ist, dass die Antibabypillen beschlagnahmt und fachgerecht entsorgt wurden. Mit derartigen Fahndungserfolgen könnte man Seiten füllen. Die Aufklärungsquote spricht für die hervorragende Arbeit der Polizei im Burgenland. Wir Burgenländer sind stolz darauf und ich freue mich, dass ich diesem Wachkörper angehören darf.

Mit Hoppalas des Polizeialltages möchte ich nun die Broschüre schließen Prinzipiell gibt es bei der Exekutive nicht viel zu lachen. Nur selten wird die Polizei zu erheiternden Einsätzen gerufen. Immer wieder gibt es Geschichten, die man kaum für möglich hält und doch sind sie passiert. Ich habe im Laufe der Jahre einige „Schmankerl“ gefunden, die auf Tatsachen beruhen. 45


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Bei der Festnahme erlitt ein Beamter Prellungen und musste in der Unfallambulanz Frauenkirchen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Der mit Patrick C. durchgeführte Alkotest ergab einen Wert von 1,5 Promille. Eine Untersuchung auf Konsumation von Suchtgift wurde ebenfalls veranlasst.

Ein „echter Wiener“ geht nicht unter Rakete flog zu Silvester ins Nachbarhaus Nach den Vorgaben des Drehbuches der Fernsehsendung „Ein echter Wiener geht nicht unter“ hat ein Eisenstädter das Jahr 2010 begrüßt. Exakt um 00:00 Uhr feuerte er eine Feuerwerksrakete ab, die im Badezimmer der Nachbarwohnung landete und erheblichen Sachschaden anrichtete. Zigtausende TV-Zuschauer sahen in der Neujahrsnacht den echten Wiener, der niemals untergeht. „Mia san ja gar net daham“ - legendäre Worte von Karl Merkatz alias Edmund Sackbauer am Silvesterabend, als er eine Rakete aus dem Küchenfenster in die Wohnung seiner Nachbarn feuerte.

Foto: SPK Eisenstadt

Eine Szene, die in diesem Film die Zuschauer zum Lachen brachte, wurde für den Besitzer eines China-Restaurants

So sah es nach dem „Raketenangriff “ im Badezimmer aus

nahe der Kalvarienbergkirche in Eisenstadt Wirklichkeit. Der Gastwirt wollte mit Freunden das neue Jahr begrüßen, als eine Silvesterrakete vom vorgegebenen Ziel abkam und direkt in eine Wohnung im gegenüberliegenden Pfarrhof flog. „Der Feuerwerkskörper hat eine doppelte Glasscheibe durchschlagen und ist im Badezimmer gelandet“ berichteten die erhebenden Beamten. Anders als seinem „Fernsehvorbild Mundl“ war dem Wirt die Sache peinlich. Er verständigte sofort die Feuerwehr, die mit 19 Mann und drei Tanklöschfahrzeugen ausrückte. Die Florianijünger retteten einem Yorkshire-Terrier das Leben. Das Tier war alleine zu Hause, während die Familie auswärts feierte. Der Brand war rasch gelöscht, der Sachschaden gering.

Einbrecher musste von Besitzer aus PKW befreit werden Autoknacker hat sich selbst im Fahrzeug eingesperrt Ein tollpatschiger Autoknacker wollte am 26. Mai 2010 auf einem Parkplatz in Sopron aus einem PKW verschiedene Wertgegenstände entwenden. Dem Täter gelang es, die Zentralverriegelung zu „überlisten“, die Fahrzeugtür zu öffnen und in den Innenraum des Autos zu klettern. Als er Handschuhfach und Taschen durchwühlte, versperrten sich die Türen und der Dieb hatte sich selbst gefangen. Zu seinem Unglück wurde er von einem Zeugen beobachtet, der sofort die Polizei alarmierte. Binnen kürzester Zeit kamen die Beamten zum Tatort und bewachten den in „seinem eigenen Gefängnis“ eingeschlossenen Täter, der bis zum Eintreffen der Besitzerin ausharren musste. Diese öffnete das Kfz, der Delinquent wurde von den Polizisten befreit und festgenommen. Täter halfen bei der Parkplatzsuche Sopron - für viele Österreicher ein beliebtes Einkaufs- und Ausflugsziel. Eine an und für sich sichere Stadt in der es aber auch Kriminelle gibt, die manchmal sehr tollpatschig sind und Unbeteiligte zum Lachen

Karikatur: Gerald Geronimo Koller

Suchtgift und Alkohol

Der im Auto eingesperrte Dieb wartet unter Bewachung zweier Polizisten auf die Befreiung durch die Besitzerin

bringen können. Vier Frauen aus Niederösterreich waren mit zwei PKW unterwegs und legten nach einem Thermalbadbesuch noch einen Stopp für einen Einkaufsbummel in Sopron ein. Auf der Suche nach einem Parkplatz wurden sie höflich zu einer etwas abseits gelegenen Stellfläche gewiesen. Zwei Euro verlangten die Männer - Beleg gab es keinen. War den Besitzerinnen auch gleichgültig, wähnten sie doch ihren fahrbaren Untersatz in Sicherheit.

Zuerst klickten Türschlösser, dann Handschellen Gemütlich bummelten die Damen durch die Stadt. Als sie von der Shoppingtour wieder in Richtung Parkplatz gingen, sahen sie zwei Polizisten neben ihren Fahrzeugen. Dass man schon auf sie wartete, daran verschwendeten die vier Freundinnen vorerst keinen Gedanken. Erst als sie sich in unmittelbarer Nähe ihrer PKW befanden, war ihnen klar, dass die Polizisten wegen ihrer Autos vor Ort sein mussten. Nun trauten sie ihren Augen nicht. Jener Mann, der ihnen den Parkplatz zugewiesen hatte, befand sich in einem der Kfz. Er hatte das Schloss geknackt, war in das Fahrzeug geklettert und hatte dieses nach Beute durchsucht. Plötzlich machte es „Klick“ und die Zentralverriegelung versperrte selbstständig die Türen. Diese ließen sich nicht mehr öffnen. Der Täter saß in der Falle!! Ein Zeuge, der von einem nahen Geschäft alles beobachtete, rief die Polizei. Der amtsbekannte Einbrecher (42 Jahre) wurde verhaftet. Bei der Einvernahme erklärte der Kriminelle, dass die Tür des Autos offen gestanden sei. Als er versucht habe, diese zu schließen, sei er in das Fahrzeug gestoßen und danach darin eingeschlossen worden. 47


www.burgenland.ipa.at

sonderausgabe

Wir sorgen f端r Ihre Sicherheit Polizeiinspektionen im Burgenland

48


90 Jahre Sicherheit im Burgenland