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50 Jahre

IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark 21. – 24. MAI 2009 GRAZ Herausgeber:

International Police Association, Österreichische Sektion, Landesgruppe Steiermark, Paulustorgasse 8, 8010 Graz Chefredakteure: Klaus Herbert, Maximilian Ulrich Landesredakteure: Wolfgang Bachkönig (B), Erwin Thomas Weger (K), Verena Fuchs (NÖ), Otto Steindl (OÖ), Dietmar Weissmann (S), Peter Magg (V), Franz Führing (W) Redaktionelle Mitarbeiter sind aus den einzelnen Artikeln ersichtlich. Fotos - soweit nicht anders vermerkt - aus den Archiven der IPA. Titelbild: Dietmar Weissman, IPA Salzburg. www.ipa.at

Verlag und Werbung:

IPA-Verlagsgesellschaft m.b.H., A-8073 Feldkirchen bei Graz, Gmeinergasse 1-3, Telefon: 0316/29 51 05-0, Fax: 0316/29 51 05-43, e-mail: office@ipa-verlag.at www.ipa-verlag.at Geschäftsführung: Mario Schulz Assistentin der Geschäftsführung: Prokuristin Roswitha Schwab Produktionsleitung: Klaus Scheer Leitung der Anzeigenabteilung: M. Reicher

Druck:

Gutenberg Druck GmbH, Wr. Neustadt

Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Einmalige Informationsschrift anlässlich des 50jährigen Bestehens der IPA Österreichische Sektion und der IPA Landesgruppe Steiermark Nachdruck - auch auszugsweise - nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers und des Verlegers!


Vorwort Geschichte

Herzliche Gratulation zum 50-jährigen Bestehen

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Status beim Europarat und den Vereinten Nationen und das ist ebenfalls ein Grund, stolz auf diese Organisation zu sein.

Vor fünf Jahrzehnten in der steirischen Hauptstadt Graz gegründet, widmet sich die Vereinigung mit großem Erfolg der Kontaktpflege zwischen Polizeiangehörigen in vielen Ländern der Welt, die der Demokratie und der Achtung der Menschenrechte verpflichtet sind. Aufgrund ihrer internationalen Tätigkeit im humanitären und sicherheitspolitischen Bereich hat die IPA als NGO bereits beratenden

Mit Freude und Interesse habe ich auch das bemerkenswerte soziale Engagement der österreichischen Sektion beobachtet. Die Spendenaktion nach der Hochwasser-Katastrophe des Jahres 2005 in Österreich für geschädigte Mitglieder war beispielgebend. Im Rahmen der internationalen Hilfe für die Opfer des verheerenden Tsunami 2004 in Sri Lanka erfolgte durch die IPA Österreich die Finanzierung eines Einfamilienhauses in Katugoda-Galle, das nun den stolzen Namen „Haus IPA Österreich“ trägt.

ch freue mich, der österreichischen Sektion der Internationalen Police Association (IPA), der internationalen Vereinigung von Exekutiv- und Polizeibediensteten, zum 50-jährigen Jubiläum sehr herzlich gratulieren zu können.

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Diese Hilfsbereitschaft auf nationaler und internationaler Ebene verdient unseren Dank und unsere Anerkennung. Darüber hinaus ist auch der kulturverbindende Gedanke eines sozial-humanitären Engagements nicht zu unterschätzen. So gratuliere ich den österreichischen Mitgliedern der „International Police Association“ zum schönen Jubiläum und wünsche weiterhin viel Erfolg bei ihrer Arbeit, die unter dem anspruchsvollen Wahlspruch „servo per amikeco – Dienen in Freundschaft“ steht!

Heinz Fischer Bundespräsident


Vorwort Geschichte

Österreich zählt zu den sichersten Ländern der Welt

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sterreich zählt zu den sichersten Ländern der Welt. Unsere Polizistinnen und Polizisten genießen, aufgrund ihrer Leistungen und ihres Know-hows hohes Ansehen im In- und Ausland. Und das weist auch die Kriminalstatistik 2008 aus: Die Kriminalität ist im Jahr 2008 österreichweit um 3,6 Prozent zurückgegangen und entgegen mancher Befürchtung und Behauptung speziell in den Grenzregionen. Das umfangreiche Sicherheitskonzept anlässlich der Erweiterung des Schengen-Raumes hat sich bewährt und wird anhand der aktuellen Ergebnisse und Entwicklungen angepasst und weiterentwikkelt: In Ballungszentren und entlang der Hauptverkehrsrouten wird der Schwerpunkt in der Kriminalitätsbekämpfung liegen. In den vergangenen Jahren wurde die Polizei in einer Modernisierungsoffensive auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Eine ständige Weiterentwicklung ist notwendig und wird vorangetrieben, sowohl im Bereich moderner Fahndungsmethoden als auch im Bereich technischer Systeme und Applikationen. In Kooperation mit den Bundesländern wird das digitale Funksystem für alle Ein-

satzorganisationen weiter ausgebaut, in Wien funktioniert es bereits zur vollsten Zufriedenheit. Kriminalität kennt keine Grenzen, auch die Bekämpfung von Kriminalität muss daher grenzüberschreitend sein. Deshalb wollen wir die internationale polizeiliche Zusammenarbeit verstärken sowie den Ausbau von Polizeikooperationszentren, den Austausch von Verbindungsbeamten und den Austausch von DNA, Fingerabdrücken und Kfz-Daten nutzen. Ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Kooperation mit Polizeiorganisationen anderer Länder ist gegenseitiges Vertrauen. Kolleginnen und Kollegen, die einander kennen und vertrauen, arbeiten effizienter zusammen und erzielen so bessere und raschere Erfolge bei der Bekämpfung des grenzüberschreitenden Verbrechens. Die IPA ist die größte private Vereinigung von Exekutivbediensteten weltweit und Vorbild für die grenzüberschreitende polizeiliche Kontaktpflege. Das weltumspannende Netz mit Sektionen in 60 Ländern bildet eine wichtige Basis für Polizeibedienstete, Kontakte zu pflegen und Informationen auszutauschen.

In Österreich gibt es 34.000 Mitglieder. Seit dem Gründungsjahr 1950 ist es Ziel der IPA, Kontakt zwischen den Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt zu knüpfen und zu erhalten. Nicht nur die Kontaktpflege ist es, was die IPA verbindet, auch die Unterstützung von im Dienst Verunglückten oder die Fürsorge für Hinterbliebene. Seit 1959 gibt es die IPA auch in Österreich. Sie unterstützt in Not geratene Kollegen und deren Familien aus einem Sozialfonds. 2004 half die Österreichische Sektion durch eine Spendenaktion hochwassergeschädigten Exekutivbediensteten der Tsunami-Katastrophe in Sri Lanka. Diese Hilfe und dieser Zusammenhalt sind vorbildlich. Ich gratuliere der Österreichischen Sektion der „International Police Association“ herzlich zum 50-jährigen Jubiläum und wünsche den Funktionären und Mitgliedern weiterhin alles Gute bei ihrer wichtigen Tätigkeit im Dienst der Menschen – getreu dem IPA-Leitspruch „Dienen in Freundschaft“. Dr. Maria Fekter Bundesministerin für Inneres

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Vorwort Geschichte

Alles Gute zu diesem erfreulichen Jubiläum

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ch gratuliere der österreichischen Sektion der International Police Association zu ihrem 50. Bestehen und wünsche sowohl den rund 400.000 IPA-Mitgliedern in über 60 Staaten als auch den rund 34.000 Mitgliedern allein in Österreich zu diesem erfreulichem Jubiläum alles Gute. Da der IPA neben Angehörigen der ehemaligen Bundesgendarmerie, der Bundespolizei, der ehemaligen Zollwache und der Sicherheitswache auch Justizwache-Bedienstete angehören, besteht für das Justizministerium ein direkter Bezug zu dieser Organisation, die sich nicht nur den Kontakt und Erfahrungsaustausch zwischen Exekutivbediensteten der einzelnen Länder, sondern auch die Fortbildung und humanitäre Hilfe auf ihre Fahnen geheftet hat.

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Auf Grund ihres Zweckes und ihrer Ziele ist die IPA ja bereits seit 1977 beim Europarat mit beratendem Status in die Liste der nichtstaatlichen internationalen Organisationen aufgenommen worden. Erwähnenswert erscheinen mir in diesem Zusammenhang die Leistungen der IPA anlässlich der Hochwasserkatastrophe 2005 oder der Tsunami-Katastrophe in Sri Lanka ein Jahr später. 58.000 Euro an Soforthilfe für hochwassergeschädigte Exekutivbedienstete und die volle Finanzierung eines Reihenhauses in Sri Lanka legen davon beredtes Zeugnis ab. Die IPA als einzige internationale Berufsorganisation von Exekutivbediensteten ohne Unterschied des Ranges, der Funktion, der Sprache,

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der Rasse, der Religion oder der Weltanschauung bietet aber auch ein breit angelegtes Bildungsprogramm für die Mitglieder, das mit dazu beiträgt, das Verständnis für die Probleme und Herausforderungen anderer Länder zu wecken. Gerade in Zeiten der Globalisierung ist die Pflege freundschaftlicher Beziehungen und gegenseitige Hilfe zwischen Exekutivbediensteten des In- und Auslandes unabdingbar. Weil Kriminalität an keiner Grenze Halt macht, ist auch die internationale Zusammenarbeit bei deren Bekämpfung ein Gebot der Stunde. Ich danke der IPA für ihre diesbezüglichen Leistungen und wünsche ihr zu ihrem Jubiläumsfest in meiner Geburtsstadt Graz gutes Gelingen. Mag. Claudia Bandion­Ortner Bundesministerin für Justiz


Vorwort Geschichte

„Die Polizei – dein Freund und Helfer“ ein wichtiger Wahlspruch

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ie Polizei – dein Freund und Helfer“ ist ein wichtiger und richtiger Wahlspruch für das Verhältnis zwischen Wach- und Sicherheitskörpern sowie Bevölkerung. Diesem Leitgedanken entspricht auch die Maxime der International Police Association „Dienen in Freundschaft“. Vor 50 Jahren wurde nun die Sektion Österreich und beinahe zeitgleich die Landesgruppe Steiermark dieser überparteilichen und gemeinnützigen Berufsvereinigung von Polizeibeamten hier in unserer Landeshauptstadt Graz gegründet. Es handelt sich hierbei um die größte internationale Vereinigung von Polizeibediensteten mit etwa 400.000 Mitgliedern in 61 Staaten, die, ohne Ansehen des Ranges,

des Geschlechtes, der Rasse, der Sprache, religiöser oder politischer Ausrichtung auf nationaler und internationaler Ebene das Ziel verfolgen, freundschaftliche Beziehungen und Erfahrungsaustausch und somit zudem die polizeiliche Zusammenarbeit zu fördern. Durch internationale Begegnungen wächst das Verständnis füreinander, durch die jährlichen an unterschiedlichen Orten stattfindenden Jugendtreffen werden auch dem Nachwuchs die Ideale der International Police Association nahe gebracht und in eine breite Öffentlichkeit getragen. Völkerverständigung, berufliche Weiterbildung in einem internationalen Informations- und Bildungszentrum sowie Sozialhilfen für unver-

schuldet in Not geratene Menschen bilden weitere Schwerpunkte in ihremP rogramm. Der österreichischen Sektion der International Police Association und der Landesgruppe Steiermark unter ihrem Obmann Oberrat Mag. Alois Kalcher, ihrem Landessekretär Chefinspektor Ernst Kraus sowie den mehr als 5000 Mitgliedern in unserem Bundesland gratuliere ich zum Jubiläum des 50. Gründungsjahres und wünsche eine erfolgreiche und sichere Zukunft. Zugleich begrüße ich die zahlreichen Gäste aus dem In- und Ausland mit einem herzlichen und kameradschaftlichen steirischen „Glück auf!“ Mag. Franz Voves Landeshauptmann der Steiermark

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Vorwort Geschichte

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ie Sektion Österreich und die Landesgruppe Steiermark der Police Association wurden in Graz gegründet. Zum 50jährigen Jubiläum übermittle ich meine herzlichen Glückwünsche zu diesem Ereignis.

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In Hinblick auf die ständig wachsenden Aufgaben der Sicherheitsbehörden in aller Welt ist es ein großer Verdienst der IPA, über noch bestehende Grenzen hinweg die materielle und ideelle Unterstützung Hilfsbedürftiger zu fördern.

Eine ursprünglich großartige Idee ist in der Tat grenzenlos geworden. Im Geiste der Dezentralisierung gibt es allein in der Steiermark zwölf Verbindungsstellen, deren Funktionäre sich unermüdlich national und international vernetzen.

Neben den vielfältigen Tätigkeiten zur Förderung der Kameradschaft unter den Berufskollegen in Österreich und über die Grenzen unseres Landes hinaus, beeindrukken besonders die humanitären und sozialen Leistungen der IPA Österreich.

Eine funktionierende Zusammenarbeit der Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden hängt nicht nur von rechtlichen Rahmenbedingungen ab, sondern muss auch vom guten Willen und der Einsatzfreude der beteiligten Beamten getragen werden. Die persönlichen Kontakte, der Gedanken- und Erfahrungsaustausch über die Formalitäten hinweg, leisten einen unschätzbaren und unverzichtbaren Beitrag zur Verbesserung des gemeinsamen Arbeitens im beruflichen Umfeld und bei der Strafverfolgung.

Die gegenseitige Hilfe und die weltweiten Kontakte ließen Freundschaften entstehen, deren Bestand von nun 50jähriger Dauer ist. Ich durfte diese Verbindung in den vergangenen 30 Jahren als Mitglied unterstützen.

Wertvoll sind auch die zahlreichen Aktivitäten, wie die Durchführung von berufsspezifischen Aktivitäten und die Herausgabe von Publikationen bis zur Organisation internationaler Tagungen.

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Zum bevorstehenden Fest wünsche ich der Sektion Österreich und vor allem der IPA Landesgruppe Steiermark alles Gute und freue mich auf weitere erfolgreiche gemeinsame Jahre. Hofrat Mag. Josef Klamminger Sicherheitsdirektor der Steiermark


Vorwort Geschichte

Internationale Zusammenarbeit ist heute wichtiger denn je Sehr geehrte Damen und Herren!

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ch gratuliere der IPA Österreich und der Landesgruppe Steiermark sehr herzlich zum 50jährigen Bestandsjubiläum und heiße alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jubiläumsfeier aus dem In- und Ausland in Graz herzlich willkommen. Wir brauchen heute mehr denn je internationale Zusammenarbeit, Datenaustausch und gemeinsame Schwerpunktsetzungen, wenn wir als Polizei heute und in Zukunft erfolgreich sein und Wirkungen erzielen wollen. Die International Police Association stellt ein weltweit verzweigtes Netzwerk dar und setzt mit der Pflege von freundschaftlichen Beziehungen und gegenseitigem Helfen

zwischen Polizeibediensteten des Inund Auslandes Impulse zur Verbesserung der internationalen polizeilichen Zusammenarbeit. Es ist außerordentlich wichtig, strategische Partner in den Nachbarländern zu finden, um die bestehenden Probleme bereits an den Wurzeln bekämpfen zu können. Gerade in dieser europaweiten aktuellen Situation ist die Funktion der IPA besonders wichtig und unabdingbar. Auf diesem Wege wünsche ich den Veranstaltern, dass die Festveranstaltung in unserer Landeshauptstadt Graz die Gemeinschaft der Exekutivbediensteten festigt und Gelegenheit bietet, Erfahrungen auszutauschen, Freundschaften zu knüpfen und den Stellenwert der weltweiten Organisation hervorzuheben. Meine Gratulation verbinde

ich mit dem Dank an alle Funktionäre und Verantwortlichen für die in fünf Jahrzehnten geleistete Arbeit und richte gleichzeitig die Bitte, ihre Tätigkeit im Dienste der IPA weiterhin aktiv und zielgerichtet fortzusetzen. Abschließend wünsche ich im Namen der steirischen Polizei und auch persönlich allen Gästen einen angenehmen Aufenthalt in unserem Land, einen feierlichen Verlauf der Festveranstaltung, die besten Glückwünsche und viel Erfolg für die Zukunft. Servo per amikeco

Generalmajor Peter Klöbl Landespolizeikommandant der Steiermark

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Vorwort Geschichte

Engagierte Symbole für Schutz, Recht und Ordnung

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ubiläen sind wahrlich etwas ganz Besonderes und gerade ein 50-jähriges Bestandsjubiläum gehört gebührlich gefeiert. Ganz besonders freut es mich, an dieser Stelle der International Police Association, Landesgruppe Steiermark, die zugleich mit der Sektion Österreich gegründet wurde, zum runden Fünfziger zu gratulieren – schließlich stand die Wiege der IPA Sektion Österreich hier in Graz. Im Laufe des vergangenen halben Jahrhunderts sind die Ideen Ihrer Berufskameradschaft auf fruchtbaren Boden gefallen. Mittlerweile dürfen Sie sich zu Recht als größte politisch

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und gewerkschaftlich unabhängige Exekutivvereinigung Österreichs bezeichnen. Einer der Eckpfeiler Ihres Statuts ist die Einhaltung der Grundsätze der Menschenrechte. Ein herzliches Dankeschön dafür, dass Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten die gegenseitige Toleranz fördern und sich für ein besseres Verständnis und friedliches Miteinander der Völker einsetzen.

rem Engagement und Ihrer Präsenz Symbole für Schutz, Recht und Ordnung sind, tragen wesentlich dazu bei, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner in unserer Stadt sicher fühlen.

„Ohne Sicherheit ist keine Freiheit“, wusste schon der deutsche Philosoph Wilhelm von Humboldt. Sich in einer Stadt rundum sicher zu fühlen, ist ein wesentlicher Teil der Lebensqualität. Sie, die Sie mit Ih-

Mit herzlichen Grüßen!

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Als Bürgermeister unserer schönen Landeshauptstadt Graz bedanke ich mich dafür und wünsche Ihnen ein unvergessliches 50. Jubiläumsfest!

Mag. Siegfried Nagl Bürgermeister der Landeshauptstadt Graz


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Herausforderungen der Polizei im Wandel der Zeit

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nsere moderne Gesellschaft verändert sich tagtäglich, und dieser Umstand zwingt den Menschen, kreativ zu sein, und er zwingt ihn, sein Umfeld immer wieder aufs neue zu ordnen und zu gestalten. Selbstverständlich ist diese Entwicklung auch im Bereich der polizeilichen Aufgabenerfüllung zu beobachten. So veranlasste uns beispielsweise die sogenannte „Ostöffnung“ und die damit verbundene Freizügigkeit des grenzüberschreitenden Personen- und Warenverkehrs, die Zweckmäßigkeit der organisatorischen Rahmenbedingungen und die Arbeitsweise der Österreichischen Exekutive zu überdenken. Auf diese Herausforderung reagierte die österreichische Politik sowohl im Bereich der internationalen, grenzüberschreitenden kriminalpolizeilichen Kooperation, als auch im Bereich der innerstaatlichen Erneuerung der Struktur der Österreichischen Exekutive. Im Jahr 2005 wurden insbesondere die Wachkörper Bundesgendarmerie,

Bundessicherheitswache und Bundeskriminalbeamtenkorps aufgelöst und an deren Stelle ein zentral geführter, leistungsstarker „Wachkörper Bundespolizei“ geschaffen. Diese vom Rechnungshof geforderte, vom Volk gewollte und von der Politik umgesetzte „große Exekutivreform“ hat sich grundsätzlich bewährt. Drei Jahre nach dieser Reform ist jedoch vielen Führungskräften der Exekutive bewusst, dass die Polizei einen weiteren Reformschritt braucht. Kritisch betrachtet stellt sich insbesondere in den großen Ballungszentren die Frage, ob die Sicherheitsbehörden und der nunmehr von ihnen organisatorisch losgelöste Wachkörper so aufgestellt sind, und sie so in ihrem Zusammenwirken verzahnt arbeiten, sodass die Exekutive in ihrer Gesamtheit der ausufernden Kriminalität bestmöglich Paroli bieten könne. Insofern werden viele jenen Mahnern recht geben, die sich eine Weiterentwicklung der Österreichischen Exekutive zu mehr Qualität wünschen und zwar deswegen, weil ihnen klar ist, dass allein mit der Um-

setzung der „Wachkörperreform 2005“ das Haus der Exekutive noch nicht fertig gebaut sein kann. Die IPA als polizeinaher Verein tritt regelmäßig als Veranstalter diverser Tagungen und Seminare auf und dient auf diese Weise nicht nur als eine Plattform für kompetente Information und Fortbildung, sondern ermöglicht im besonderen den Kollegen der Exekutive, auf vereinsrechtlicher Basis kameradschaftliche Kontakte zu pflegen. Diese positiven Impulse übertragen sich auch in die dienstlichen Bereiche der verschiedenen polizeilichen Dienstzweige und erleichtern somit die kameradschaftliche Zusammenarbeit der Kollegen im Polizeialltag. Als Vertreter der Dienstgeberseite der Bundespolizeidirektion Graz begrüße ich daher die positiven Aktivitäten der IPA und ich bin überzeugt, dass der Gedanke „servo per amikeco“ hilft, das Haus der Exekutive weiter zu bauen. Hofrat Dr. Helmut Westermayer Polizeidirektor

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Ein großer Meilenstein in der Geschichte unserer Vereinigung

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m Namen der Mitglieder des Permanent Executive Bureau (PEB) und in meinem Namen gratuliere ich dem Präsidenten der Österreichischen Sektion und den Mitgliedern des Bundesvorstandes der österreichischen Sektion sehr herzlich zum 50-jährigen Bestandsjubiläum. Ich darf Sie meiner Wertschätzung versichern und Ihnen auch meinen Dank für die Einladung zu Ihrer Festveranstaltung aussprechen. Für mich ist es eine Ehre, an dieser Feier der IPA Sektion Österreich teilzunehmen, deren Aktivitäten sich in sozialen und kulturellen Belangen pro-

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fessionell und gedeihlich entwickelt haben. Österreich ist mit mehr als 33.500 Mitgliedern weltweit die drittgrößte IPA Sektion. Diese Sektion hat seit ihrem Bestehen die Umsetzung der IPA–Ziele konsequent betrieben und sowohl die substantielle Zusammenarbeit als auch die Förderung der Kontakte mit Österreichs Nachbarländern gepflegt. Bezugnehmend auf ihre Festaktivitäten möchte ich herzliche Grüße an alle ihre IPA Mitglieder, aber auch an alle Österreicherinnen und Österreicher richten. Ebenso ein herzliches Willkommen an alle Gäste ihrer Festveranstaltung. Alle Teilnehmer

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werden die Möglichkeit haben mehr über Österreich, seine Geschichte und seine Kultur zu erfahren, und die Gastfreundschaft der österreichischen Bevölkerung kennen zu lernen. Im Geist der IPA und unter dem Motto „Servo per Amikeco“ wünsche ich viel Erfolg für den Verlauf Ihrer Feierlichkeiten und gratuliere der Österreichischen Sektion einmal mehr zu ihrem 50-jährigen Bestehen. Servo per amikeco Michael Odysseus Internationaler Präsident


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Glückwünsche zu diesem runden Geburtstag Sehr geehrte Freunde der IPA, liebe IPA-Freunde!

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ie Österreichische Sektion der International Police Association (IPA) und die Landesgruppe Steiermark feiern ihren 50. Geburtstag. Abgesehen von der schönen runden Zahl: Was ist denn an der IPA so erwähnenswert, was ist an dieser Organisation so interessant? Alles begann mit der Vision eines englischen Polizeibeamten vor inzwischen fast 55 Jahren. Arthur Troop hatte die Idee, über die in den frühen 50ern des letzten Jahrhunderts noch weitgehend dichten Grenzen hinweg eine Berufskameradschaft von Polizisten, ungeachtet ihrer Staatszugehörigkeit, ihres Geschlechtes, ihrer Rasse, ihrer Religion und ihrer Weltanschauung zu gründen. Mit wenigen Freunden und gegen den Widerstand Vieler gelang dies. Nur wenige Jahre später griffen die Gründerväter der

Österreichischen Sektion diese Idee auf und die Sektion Österreich der Internationalen Police Association entstand in der Steiermark! Auch hier gab es einige Geburtswehen. Etablierte Einrichtungen sahen in dieser neuen Organisation, mit der anfangs niemand so recht etwas anzufangen wusste, als Einmischung in ihre eigenen Aufgabengebiete. Aber gute Ideen setzen sich bekanntlich durch und heute ist die IPA stolz darauf, was aus diesen wahrlich kleinen Anfängen in den vergangenen 50 Jahren geworden ist. Die IPA hat inzwischen rund 400.000 Mitglieder in allen freien Staaten der Welt. Allein in Österreich gehören derzeit fast 33.000 Exekutivbedienstete der IPA an, davon rund 5.000 der Landesgruppe Steiermark. Die Aktivitäten der IPA haben sich gerade in den letzten Jahren sehr stark hin zu sozialem Engagement, sowohl

innerhalb der Exekutive als auch außerhalb, verlagert. Nach dem Motto „Wer rasch hilft, hilft doppelt!“ versucht die IPA in akuten Notlagen im Rahmen ihrer Möglichkeiten gänzlich unbürokratisch zu helfen. Diese sozialen Aktivitäten wären aber ohne die Unterstützung vieler Helfer und den selbstlosen Einsatz von Mitgliedern und Funktionären nicht möglich. Daher soll diese Geburtstagsfeier in der Gründungsstadt der IPA auch eine Gelegenheit sein, allen diesen engagierten Personen herzlich zu danken! Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren, wünsche ich viele angenehme Begegnungen und Gespräche mit Berufskollegen und Besuchern im Rahmen der Festlichkeiten! Servo per amikeco! Werner Pail Präsident der International Police Association – Sektion Österreich

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Vorwort Geschichte

Ein großer Meilenstein in der Geschichte unserer Vereinigung

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nicht hoch genug einzuschätzen ist, zumal die Umsetzung der Polizeireform die Arbeitswelt der Mitglieder nachhaltig veränderte.

Nach der bundesweiten Ausdehnung zwischen 1959 und 1968 wurde in den Folgejahren der Mitgliederstand auf über 30.000 Personen aufgebaut. Dieser Stand konnte auch im letzten Dezennium erfolgreich gehalten werden. Ein Faktum, dass

Zum Zweiten möchte ich auf die sich kontinuierlich verändernden Anforderungen an die Funktionsträger verweisen. Neue Kommunikationstechnologien und das Vereinsgesetz 2002 haben neue Vorgaben gesetzt und die Funktionärsarbeit entscheidend verändert. Mit der Gründung der IPA-Akademie wurde auf diese Entwicklung effektvoll reagiert. Für die rund 700 Funktionäre der IPA Österreich und für interessierte Mitglieder besteht nun die kostenlose Möglichkeit, sich das notwendige Fachwissen anzueignen.

0 Jahre IPA Österreich – ein großer Meilenstein in der erfolgreichen Geschichte unserer Vereinigung. Zeit für Feiern, aber auch eine gute Zeit für eine kurze Standortbestimmung. Als Generalsekretär möchte ich Sie daher auf zwei mir wichtig erscheinenden Fakten in unserem momentanen Vereinsleben aufmerksam machen: den kontinuierlichen Mitgliederstand und den engagierten Funktionärskader.

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Viele Leistungen dieser Funktionäre erscheinen heute und jetzt als selbstverständlich, z.B. die vereinsinterne E-Mailadresse, eine modern gestaltete Mitgliederzeitschrift oder die umfangreiche und ständig aktualisierte Homepage. Hinter diesem Leistungsvolumen stehen Funktionsträger mit hoher Motivation, solidem Fachwissen und einem enormen persönlichen Zeiteinsatz. Für mich, als 5. Generalsekretär unserer Sektion, ist es eine Ehre und besondere Herausforderung, in dieser homogenen leistungsbereiten Gemeinschaft mitarbeiten zu können. Die nächsten 50 Jahre können kommen – wir sind bereit! Otto König Generalsekretär


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Stolzer Rückblick auf 50 Jahre Aufwärtsentwicklung

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ls Obmann der IPA-Landesgruppe Steiermark erfüllt es mich mit besonderem Stolz, auf 50 Jahre erfolgreiche Aufwärtsentwicklung blicken zu können. Die Gründungsväter haben damals die Zeichen der Zeit in der internationalen Annäherung erkannt und haben mit der Gründung der Sektion Österreich und in weiterer Folge der Landesgruppe Steiermark eine Vereinigung geschaffen, in der sich über die Grenzen hinweg Berufskollegen in aller Welt die Hände reichen. Zahlreiche gegenseitige Besuche

führten zu einem Netzwerk freundschaftlicher Beziehungen. Von der Landesgruppe Steiermark wurden beispielsweise 16 Schiffsreisen, 27 Opernfahrten nach Verona und mehrere internationale Schiwochen mit Teilnehmern aus fast ganz Europa organisiert. Auch heute verfolgt die IPA noch immer diese Ziele: Pflege der freundschaftlichen Verbindungen zu Berufskollegen im In- und Ausland, die berufliche Weiterbildung ihrer Mitglieder, die Teilnahme an kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen. Die IPA möchte aber dabei nicht jene Mitmenschen aus

den Augen verlieren, die das Schicksal hart getroffen hat und die in eine schwierige wirtschaftliche Lage geraten sind. Ich freue mich über alle Freunde und Gäste, die mit uns gemeinsam das runde Jubiläum „50 Jahre IPA in Österreich“ feiern und wünsche Ihnen allen einen angenehmen Aufenthalt in der Steiermark! Servo per amikeco Mag. Alois Kalcher IPA­Landesgruppenobmann der Steiermark

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Es ist schön, eine zweite Familie zu haben Liebe IPA-Freunde und Freunde der IPA!

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ls ich vor 30 Jahren Funktionär wurde, war die IPA in Österreich gerade mal 20 Jahre alt. Die Vereinsstruktur war flächendeckend. Die Pioniere hatten offenbar gute Arbeit geleistet. In meinen 30 Jahren Vereinsarbeit habe ich viele Höhen der Organisation miterlebt. Tiefen gab es keine. Und das soll etwas heißen. Kein Mitgliederschwund, kein Funktionärsschwund, kein finanzielles Desaster! Ich fühlte mich von Anfang an der schreibenden Zunft hingezogen. Es begann mit dem Mitteilungsblatt in Vorarlberg. Später gestaltete ich die Vorarlberg-Seite in der noch namenlosen „Bundeszeitung“. Dann übernahm ich auch die Seite der Landesgruppe Tirol. 1996 wurde ich Pressereferent im Bundesvorstand und 2008 Chefredakteur der Bundeszeitung, der ich vor Jahren den Namen IPA Panorama schenkte. Österreich ist weltweit die einzige Sektion, die durchgehend über alle

Jahre ein Vereinsmagazin für die Mitglieder publiziert. An mehr als der Hälfte aller Ausgaben habe ich mitgearbeitet. Doch erst 1981 begann die sorgenfreie Zeit, als wir mit dem heutigen IPA-Verlag einen seriösen Partner für unsere IPA Publikationen fanden.

die Verbreitung des Internets hat das noch eine ganz andere Dimension angenommen. Österreich zählte zu den fünf ersten Sektionen in der IPA-Welt, die den Schritt ins world wide web wagten. Heute besuchen über 300.000 Menschen im Jahr www.ipa.at.

Druckwerke sind teuer. Unser Partnerverlag erwirtschaftet für den Verein sogar Gewinne aus den Zeitschriften, zu denen auch Broschüren und der Taschenkalender gehören. Dahinter stehen Wirtschaftsbetriebe, die von der IPA-Arbeit überzeugt sind. Das sollte auch Ihre Überzeugung stärken, bei diesen Betrieben, deren Inserate Sie sehen, bevorzugt einzukaufen.

50 Jahre ist für die IPA Österreich ein schönes, aber keineswegs ein bedenkliches Alter. Der Zenit der Ideen ist noch lange nicht überschritten!

Die IPA Österreichische Sektion steht auf finanziell gesunden Füßen. Dadurch können wir Unterstützungen leisten, wie kein anderer Exekutivverein. Nicht nur im eigenen Kreis, sondern auch bei Notlagen in der Bevölkerung. „Tu Gutes und sprich darüber“ ist die Devise in der Pressearbeit. Durch

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Unsere Arbeitgeber sorgen für unsere finanzielle Sicherheit, aber die IPA ist das soziale Rückgrat in der Exekutive. Ich wünsche Ihnen, liebe Leser, dass Sie unsere Geburtstagsfeier noch lange in guter Erinnerung behalten. Dabei sollten Sie nie vergessen „es ist schön, eine zweite Familie zu haben“. Servo per amikeco Klaus Herbert Pressereferent


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Visionen und Dialog – Traum einer weltweiten Freundschaft

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b Martin Luther King, Mahatma Gandhi oder Arthur Troop, ein Traum beflügelte ihr Tun. Trotz heftiger Widerstände verwirklichte der einfache Polizeibeamte Troop seinen Traum. Den Traum einer weltweiten Freundschaft unter Polizeibeamten. Nach unterschiedlichen Berufserfahrungen trat der 22-jährige Troop in Lincolnshire der Exekutive bei. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg begann er über eine internationale Freundschaftsvereinigung für Polizisten nachzudenken. Er glaubte, damit etwas zur Völkerverständigung und zum beruflichen Selbstbewusstsein von Polizeibeamten beitragen zu können. Die Vision stieß nicht überall auf Begeisterung. Er musste sich besonders mit Behinderungen aus der Vorgesetztenebene seiner eigenen Behörde auseinandersetzen. Unbeirrt diskutierte er seine Überlegungen mit Freunden und Kollegen im In- und Ausland. Schließlich veröffentlichte er unter einem Pseudonym einen kleinen Artikel in der „British Police Review“, der zu unerwartet positiven Reaktionen führte.

Am 1. Januar 1950 wurde die IPA unter dem Motto „Servo Per Amikeco“ oder „Dienen durch Freundschaft“ gegründet und Arthur Troop wurde der erste Generalsekretär der britischen Sektion. Gibt es nach 50 Jahren IPA Österreich noch Träume und Visionen? Die Jubiläumsausgabe präsentiert eine Vielzahl von herausragenden Persönlichkeiten innerhalb der Sektion Österreich. Die Interviewten verwirklichten Träume mit ihren besonderen Fähigkeiten. Einige sind bekannt, andere wiederum agieren im Verborgenen. Alle haben gerne von ihren Träumen erzählt und waren mitunter auch überrascht über das Interesse einer breiten Öffentlichkeit. Ein Dialog kann neue Welten und Perspektiven schaffen. Deshalb sollten Verantwortungsträger in einen kontinuierlichen Dialog mit jenen eintreten, die sie repräsentieren. Sie sollten nicht nur erwarten, dass man ihnen zuhört, sondern auch die Bereitschaft zeigen, selbst zuzuhören. Nutzen wir endlich all die technischen Möglichkeiten, die uns heute für den Dialog zur Verfügung stehen, damit Kommunikati-

on nicht zur Einbahn wird. Es lohnt sich nicht nur zu träumen, es lohnt sich auch für diese Träume zu arbeiten. Dann können wir selbst über unsere Zukunft entscheiden und die großen Herausforderungen bewältigen, vor denen wir stehen. Wir sollten gemeinsam diese Wege für eine Gesellschaft beschreiten, die kinderfreundlich ist, die Ältere schätzt, die tolerant ist, die sich sozial engagiert, ihre Wertmaßstäbe bewahrt und die natürliche Umwelt schützt, indem wir den Dialog suchen. Auf diese Weise werden wir auch auf Dauer die Freiheit und das friedliche Miteinander genießen können, für die so viele Persönlichkeiten und der Gründer der weltweiten Polizeifreundschaft, Arthur Troop, gekämpft haben. Ich bedanke mich bei allen Mitgliedern, die mich mit ihren Beiträgen unterstützt und die sich die Zeit für ein Interview genommen und bereitwillig erzählt haben.

Maximilian Ulrich Redakteur der Landesgruppe Steiermark

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Was Sie erwartet ... Programm

Das Jubiläumsprogramm Donnerstag, 21. Mai 2009 13.00 – 17.00 Uhr Anreise der Gäste zum Landespolizeikommando Steiermark und Beziehen der Hotels 18.00 Uhr

Abfahrt mit dem Autobus zum Brauhaus Puntigam

19.00 Uhr

Abendessen im Brauhaus Puntigam und Steirischer Volkstanz

23.30 Uhr

Rückfahrt zu den Hotels

Freitag, 22. Mai 2009 09.00 Uhr

Abfahrt mit dem Autobus zur Alten Universität Graz

09.30 – 09.50 Uhr Konzert der Polizeimusik Steiermark 10.00 – 11.30 Uhr Festakt in der Aula der Alten Universität (Uniform oder festliche Kleidung erbeten) unter dem Ehrenschutz von LH Mag. Franz Voves

u Der Panthersaal im Brauhaus Punti­ gam.

11.30 – 13.00 Uhr Festbuffet in der Alten Universität mit Vizekochweltmeister Wolfgang Edler 14.00 – 16.00 Uhr Stadtführung durch die Altstadt (geeignete Schuhe mitnehmen) 16.00 Uhr

Rückfahrt zu den Hotels

19.00 Uhr

Abfahrt mit dem Autobus zum Abendessen im Restaurant „Airest“ im Flughafen Graz Thalerhof

23.00 Uhr

Rückfahrt zu den Hotels

u Der Eingang zum Airest Restaurant am Flughafen Graz Thaler­ hof. 16 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

u Der Veranstaltungsraum der Alten Uni­ versität.


Programm u Das Mausoleum.

u Der Grazer Dom und die Landesregierung.

u Das Bundesgestüt Piber.

Samstag, 23. Mai 2009 08.00 Uhr

Abfahrt mit dem Autobus von den Hotels nach Bärnbach, Weststeiermark

09.00 – 11.15 Uhr Besuch der Hundertwasserkirche St Barbara, der Glasfabrik und des Glasmuseums in Bärnbach 11.30 – 12.45 Uhr Abfahrt nach Voitsberg und Genießen von „Steirischen Schmankerln“ 13.00 Uhr

Abfahrt zum Bundesgestüt Piber. Sondervorführung der Lipizzaner, Marathonbewerb und Kutschenvorführung

16.00 Uhr

Rückfahrt zu den Hotels

19.00 Uhr

Gala-Abend im Panthersaal des Brauhauses Puntigam (Uniform oder festliche Kleidung erbeten)

23.00 Uhr

Showeinlage „Orientalischer Tanz“

u Die Barbarakirche in Bärnbach.

Sonntag, 24. Mai 2009

u Das Gebäude des Landespolizeikom­ mandos.

09.00 Uhr

Abfahrt mit dem Autobus zum Grazer Dom

10.00 Uhr

Ökumenische Messe im Grazer Dom/Mausoleum und Fahnenweihe

12.00 Uhr

Frühschoppen im Brauhaus Puntigam Verabschiedung und Abreise der Gäste

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What you can expect ... Programm

Celebrate the jubilee Thursday, 21 May 2009 13:00 – 17:00

Arrival of the guests at the Styrian police head quarters and check in at the hotels

18:00

Departure by coach to the restaurant „Brauhaus Puntigam“, brewery

19:00

Dinner and folklore evening with Styrian dances

Friday, 22 May 2009 09:00

Departure by coach to the Old University of Graz

09:30 – 09:50

Concert of the Styrian police brass band

10:00 – 11:30

Ceremony in the hall of the Old University (uniform or festive clothing required) reception of the Styrian governor Mag. Franz Voves

11:00 - 13:00

Lunch at the Old University, created by Wolfgang Edler (second of the World Championship in Singapore in 1998 and in 2000)

14:00 - 16:00

Guided tour through the old city of Graz (bring suitable shoes, please)

16:00

Return to the hotels

19:00

Departure to the restaurant „Airest“ at the airport of Graz Thalerhof

23:00

Return to the hotels

u The clock­ tower at night.

18 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

u The Church of Hundertwasser.

u The Tower at the airport Graz Thaler­ hof.


Programm u The island in the river Mur at night.

Saturday, 23 May 2009 08:00

Departure by coach to Bärnbach, western Styria

09:00 – 11:30

Visit of the church of Hundertwasser Sankt Barbara, glass factory and museum

11:45 – 12:45

Departure to Voitsberg and typical Styrian lunch

13:00

Departure to the stud farm of Piber, special guided tour, riding show with the well-known Lipizzaner horses

16:00

Return to the hotels

19:00

Gala evening at the „Brauhaus Puntigam“, brewery (uniform or festive clothing required)

23:00

Oriental dance show

u The House of arts at Südtirolerplatz, Graz.

Sunday, 24 May 2009 09:00

Departure to the Cathedral of Graz

10:00

Ecumenical mass and at the mausoleum of Graz and blessing of the IPA-flag

12:00

„Frühschoppen“ (small lunch) at restaurant „Brauhaus Puntigam“, brewery, farewell and departure of the guests

u Folklore music in Herrengasse, Graz.

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

19


Wie alles begann ... Geschichte

50 Jahre IPA in Österreich Neun Jahre nach der Gründung der IPA in England wurde der IPA­Gedanke auch in Österreich aufgegriffen. 1959 entschlossen sich Grazer Exekutivbeamte unter Leitung des Kriminalbeamten Franz Tewagner, die IPA nach Österreich zu holen.

I

m Jahr 1952 wagte man den Sprung auf das Festland und versuchte zuerst die Niederlande für das Konzept der grenzenlosen Freundschaft zu gewinnen. Ein Jahr später, im Jänner 1953, wurde die niederländische Sektion gegründet. Rasch verbreitete sich die Idee. Belgien gründete die nationale Sektion im Februar 1953 und Frankreich im September 1953. 1954 konstituierten sich die Sektionen Norwegen und Schweiz. Die Gründung der deutschen Sektion erfolgte am 3. März 1955 in Hiltrup. Der damalige Leiter des Polizeiinstitutes Hiltrup Herbert Kalicinsky wurde der erste Präsident. Schon von Anbeginn wurden alle Angehörigen des exekutiven Diens-

tes, also Polizei, Gendarmerie, Zollwache und Justizwache in die Vereinigung aufgenommen. Die IPA sollte nicht ein Exklusivverein nur für Polizeibeamte werden.

Österreichs erste Schritte Nach Gründung der deutschen Sektion traten auch einige Österreicher der deutschen Sektion bei. Darunter befand sich auch ein Kriminalbeamter namens Erich Mikl vom Kriminalinspektorat der Kriminalpolizei Graz. Über ihn wurde sein Dienstkollege Franz Tewagner auf die IPA aufmerksam. Tewagner war von den Grundsätzen des Vereins sofort begeistert. Er kontaktierte am 18. Juni 1959 den Präsidenten der deutschen Sektion Herbert Kalicinsky, um die Voraus-

u Die Grün­ dungsurkunde der IPA Öster­ reich, ausge­ stellt im April 1960 in Lon­ don. 20 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

u Der Kriminalbeamte Franz Tewagner wurde zum ersten Präsidenten der IPA Österreich gewählt.

setzungen für die Gründung einer österreichischen Sektion voranzutreiben. Diesem Wunsch wurde schon am 1. Juli 1959 entsprochen. Die Sektion Österreich wurde bereits als gegründet und konstituiert betrachtet. Sofort suchte Tewagner gemeinsam mit dem Grazer Kriminalisten Alfred Haider weitere Gleichgesinnte für eine Proponentenversammlung. Nach intensiven Gesprächen konnte er Dr.h.c. Josef Hasiba, Rudolf Sparl, Dr. Richard Ulbing, Franz Vilhar, Karl Polak von der Bundespolizeidirektion Graz, Franz Wilfing vom Landesgendarmeriekommando Graz und Rudolf Brunner und Johann Ebert von der Finanzlandesdirektion Steiermark dafür gewinnen. Auf Grundlage der deutschen Statuten wurden entspre-


Internationale Anerkennung Nach der internationalen Anerkennung der Sektion musste auch das Bundesministerium für Inneres eine Nichtuntersagungserklärung abgeben, die am 30. Juli 1959 erfolgte. Dass die Sektion Österreich und später auch die Landesgruppe Steiermark gegründet werden konnten, verdanken die Gründer vor allem dem Grazer Polizeidirektor Dr. Karl Springer und dem steirischen Landesgendarmeriekommandanten General Franz Zenz. Die erste konstituierende Sitzung der Sektion Österreich fand am 01. August 1959 in Graz statt. Bei dieser

u Internationaler Weltkongress 1979 in Perugia (Itali­ en). Von links: Werle, Dr. Holler, Dr. Homma, Troop, Hausböck.

Vollversammlung wurden die Proponenten mit folgenden Funktionen betraut: Präsident Franz Tewagner Generalsekretär Dr. h.c. Josef Hasiba Generalsekretär Franz Wilfling Hauptkassier Rudolf Sparl Schriftführer Alfred Haider Dr. Richard Ulbing, Beiräte Franz Vilhar, Rudolf Brunner, Johann Ebert, Karl Polak

Geschichte

chend der österreichischen Rechtslage eigene Statuten ausgearbeitet. Anfang Juli 1959 wurden die Vertreter der Exekutive zu einer ersten Versammlung eingeladen. In einem Hinterzimmer des Wachzimmers Karlauerstraße in Graz konnte nach harten Diskussionen, über Wahlvorschläge sowie über Sinn und Zweck der IPA am Ende doch eine Einigung erzielt werden. Schriftführer Alfred Haider war für die Abschrift der Statuten verantwortlich, die er auf einer Kofferschreibmaschine niederschrieb.

lich, da alles schriftlich durchgeführt werden musste. Bis Ende 1961 gelang es schließlich, dass in fast allen Bundesländern Landesgruppen eingerichtet wurden.

Der erste Bundesvorstand Am 09. März 1962 konnte der erste Generalsekretär der österreichischen Sektion Dr.h.c. Josef Hasiba die Delegierten zum ersten nationalen Kongress in Graz begrüßen. Von den Delegierten wurde nun der erste Bundesvorstand gewählt. Präsident

Die Funktionäre hatten nun einen mühsamen Weg der Mitgliederwerbung vor sich. Nicht immer tolerierten die Vorgesetzten ihre Tätigkeiten und oft fanden sie auch bei den Kollegen keine Zustimmung. Die Gewerkschaften beobachteten die Funktionäre ebenso, wie die obersten Dienstbehörden. Bald wurde von Graz aus mit den anderen Bundesländern Kontakt aufgenommen. Die Funktionäre versuchten, die ersten Landesgruppen zu errichten. Der Weg war sehr beschwer-

u Der Gründungsbe­ scheid der IPA­Sektion Österreich.

Dr.h.c. Josef Hasiba Vizepräsident Dr. Karl Homma Generalsekretär Hans Hausböck Schatzmeister Rudolf Sparl Reisesekretär Josef Rauch Beim ersten Kongress wurden die Weichen für die künftigen Tätigkeiten mit eigenständigen Landesgruppen gelegt. Weitere Gesprächspunkte waren die Herausgabe einer einheitlichen Zeitschrift, Kontakte auf internationaler Ebene und die Einführung kontinuierlicher nationaler und internationaler Seminare. Die Österreichische Sektion wollte nicht nur im eigenen Land bestehen, sondern auch international mitwirken. Der langjährige Vizepräsident und IEC-Delegierte Dr. Karl Homma wurde 1972 in Catania zum dritten Vizepräsidenten der Weltvereinigung und 1979 in Perugia zum internationalen Präsidenten der IPA gewählt.

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Die Zeit bis zum 50-Jahr-Jubiläum

Geschichte 22

Die nächsten 16 Jahre der Sektion Österreich waren vom Wirken Hasibas geprägt. Er wurde 1978 von Dr. Hubert Holler abgelöst, der zuvor neun Jahre Obmann der Landesgruppe Steiermark war. Holler engagierte sich nicht nur auf nationaler, sondern vor allem auf internationaler Ebene. Seine Veranstaltungen in Österreich waren immer von zahlreichen ausländischen Gästen und Delegationen geprägt. Zudem war er maßgeblich an der Gründung der Sektion Slowenien und Ungarn beteiligt. Für seine Verdienste wurde er zum Ehrenmitglied der beiden Sektionen ernannt. Holler war neun Jahre lang Präsident der Sektion Österreich und zwei Perioden internationaler Rechnungsprüfer. Unter dem nachfolgenden Präsidenten Richard Menhart und seinem Generalsekretär schlitterte die Sektion in eine Krise. In dieser Zeit erwies sich der spätere Präsident Otto Wünsch als Retter in der Not. Um weiteren Schaden für die Sektion zu verhindern, wurde er von den Mitgliedern ersucht, die interremistische Leitung der Sektion bis zum nächsten Kongress 1993 in Innsbruck zu übernehmen. Wünsch setzte sofort alle Hebel in Bewegung, den Ruf der Sek-

u Franz Tewagner (1. v. l.) führt eine englische Delegation durch Graz.

tion Österreichs wieder herzustellen. Beim Kongress wurde er einstimmig zum Präsidenten gewählt. Unter seiner Führung ist es der Sektion Österreich wieder gelungen, Vertrauen unter ihren Mitgliedern zu schaffen und sich auf internationaler Ebene zu behaupten.

Viele Neuerungen Nach sieben Funktionsperioden trat Wünsch 2002 als Präsident ab und wurde zum Ehrenpräsidenten der Sektion Österreich ernannt. Beim nationalen Kongress 2002 in Bregenz wurde Werner Pail zum neuen Präsidenten gewählt. Seine Neuerungen, sein Engagement und sein Weitblick für zukünftige Entwicklungen bewirkten, dass er auch bei den folgenden Kongressen in Wien und im burgenländischen Stegersbach wiedergewählt wurde. Unter seiner Führung konnte neben der „normalen Vereinsarbeit“ auch die interne

Fotos: Tewagner

Verwaltung auf eine sehr effiziente Art reorganisiert werden. Weiters wurde der Bildungsscheck, die IPAAkademie und eine kostenlose IPAInternetadresse für die Mitglieder eingeführt, um nur einige Errungenschaften zu nennen. Auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit konnten immer wieder Akzente gesetzt werden. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Sektion Österreich weltweit die einzige Sektion ist, die bereits seit mehr als 36 Jahren ohne Unterbrechung eine periodische Vereinszeitung gestaltet. Trotz der tiefgreifenden Reformen in der Exekutive gehören nach wie vor mehr als 33.000 Mitglieder in Österreich der IPA an. Sie fühlen sich in den Zielen dieser weltweit über 300.000 Mitgliedern in nahezu 60 Sektionen umfassenden Organisation verbunden. Eine Verbundenheit ist aber nur dann gegeben, wenn sie vom gegenseitigen Respekt und dem Einsatz getreu dem Motto „Servo per Amikeco“ getragen wird.


Geschichte Erste Reihe (v. l.): Klaus Herbert, Christof Egle, Otto Wünsch, Werner Pail, Herbert Stammer, Otto König, Mag. Alois Kalcher; zweite Reihe (v.l.): Reinhard Paulitsch, Wolfgang Gabrutsch, Ursula Pail, Willibald Elian; 3. Reihe (v.l.): Peter Matt, Konrad Luckenberger, Dieter Rauchenzauner, 4. Reihe (v.l.): Reinhard Moser, Friedrich Herzog, Peter Knoll. Foto: Klaus Herbert

IPA – Österreichische Sektion

Der Bundesvorstand D

er Bundesvorstand ist die oberste Vereinsebene in der österreichischen Sektion. Alle drei Jahre wird er von der Delegiertenversammlung gewählt. Er ist aufgebaut nach den gültigen Statuten und erweitert nach Grundlagen der Geschäftsordnung. Dem geschäftsführenden Bundesvorstand gehören an: Der Präsident, Generalsekretär, Schatzmeister, Schriftführer, IECDelegierter, Verantwortlicher für Mitgliederverwaltung und EDV, Verantwortlicher für Presseangelegenheiten. Dem erweiterten Bundesvorstand gehören an: der zuletzt von der Delegiertenversammlung gewählte Ehrenpräsident, die Obmänner der neun Landesgruppen. Schließlich gibt es noch weitere Referenten laut Geschäftsordnung, die aber nur bei Bedarf an den Sitzungen teilnehmen. Zwecks Optimierung der Vorstandsmitglieder belegen manche Funktionäre auch mehrere Funktionen. Eine Übersicht dazu gibt es auf www.ipa.at unter dem Link „Die Sektion“. Der Bundesvorstand trifft sich etwa dreimal im Jahr an wechselnden Orten zu Sitzungen, in denen Themen rund ums Vereinsleben behandelt werden.

Präsident: Werner PAIL Ehrenpräsidenten: Dr. Hubert HOLLER, Otto WÜNSCH Generalsekretär: Otto KÖNIG Schatzmeister: Christof EGLE IEC-Delegierter: Mag. Alois KALCHER Schriftführer: Peter KNOLL EDV-Delegierte: Ursula PAIL Vizepräsidenten: Herbert STAMMER (Beruf), Ewald GROLLITSCH (Soziales), Willibald ELIAN (Kultur) Presse & Internet: Klaus HERBERT Generalsekretär-Stv.: Konrad LUCKENBERGER EDV-Stellvertreter: Friedrich HERZOG Schriftführer-Stellvertreter: Peter MATT Schatzmeister-Stellvertreter: Klaus HERBERT Referenten beim Bundesvorstand: IBZ Gimborn: Mag. Alois KALCHER, Reinhard MOSER, Kalender: Edmund JÖRG

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

23


Die erste Landesgruppe in Österreich Geschichte

50 Jahre LG Steiermark Nur einen Monat nach Gründung der Sektion Österreich trafen sich IPA­Mitglieder zur ersten Proponentenversammlung der Landesgruppe Steiermark.

F

ür das Zustandekommen der ersten Landesgruppe in Österreich waren wiederum der Grazer Polizeidirektor Dr. Karl Springer und der Landesgendarmeriekommandant General Franz Zenz verantwortlich. Die vier Proponenten kamen von Polizei, Gendarmerie, Zollwache und Verwaltung. Am 9. September 1959 wurde schließlich die Landesgruppe Steiermark gegründet. Bei der Wahl für den geschäftsführenden Vorstand wurden folgende Personen gewählt: Johann Manninger Obmann Alois Pelzmann Stv. Johann Ebert Schriftführer Gruber Johann Kassier

Zu Beginn beschränkte sich die Tätigkeit der Landesgruppe auf den Großraum Graz. Die Mitgliederzahl wuchs ständig, sodass bald Verbindungsstellen in den Verwaltungsbezirken eingerichtet wurden. Dieser Trend wurde vor allem durch die Wahl von Dr. Karl Homma, der beim ersten Nationalkongress 1962 zum Vizepräsidenten der IPA Österreich gewählt wurde, beschleunigt. Liezen gründete die erste Verbindungsstelle. Noch im selben Jahr folgten Leoben-Knittelfeld und Bruck a.d. Mur-Mürzzuschlag. Bei der Wahl des geschäftsführenden Vorstandes 1962 wurde Major Hugo Stiegler von der Polizei Graz neuer Landesgruppenobmann und Major Dr. Karl Homma vom Landesgendarmeriekommando Steiermark sein Stellvertreter. Zum Vorstand gehörten nun auch ein Reisesekretär und Beiräte aus der Sicherheitswache, Kripo, Justizwache, Gendarmerie, Zollwache und der Polizeiverwaltung an.

Weiterentwicklung

u General Dr. Karl Homma, Vizepräsident der Sektion Österreich 1962.

Für die Weiterentwicklung der Landesgruppe Steiermark war vor allem der Beitritt des neuen Mitgliedes Dr. Hubert Holler 1962 entscheidend. Bei der Neuwahl des neuen Vorstandes im folgenden Jahr wurde Holler

24 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

bereits zum Sekretär und Stellvertreter der Landesgruppe gewählt. Diese Funktion übte er sechs Jahre neben dem neuen Obmann Oberstleutnant Erwin Fallada vom Landesgendarmeriekommando Steiermark aus, ehe er selbst zum Landesgruppenobmann gewählt wurde. Als erster Obmann in Österreich schuf er die Möglichkeit, dass die Verbindungsstellen ihre eigene Rechtspersönlichkeit erlangten. Dadurch konnten die Funktionäre der Verbindungsstellen ihre Mitglieder selbständig betreuen. Bis zum Jahr 1990 wurden in der Steiermark 13


Geschichte

u Neuwahl des geschäftsführenden Vorstandes der Landesgruppe Steiermark im Jahr 2001.

Verbindungsstellen eingerichtet. Innerhalb derselben Zeit stieg die Mitgliederzahl auf 5000. Bekannt wurde Holler vor allem durch seine insgesamt neun IPAKreuzfahrten, an denen Mitglieder aus acht europäischen Sektionen teilnahmen. Auch die acht internationalen Schneewochen in Bad Mitterndorf, bei denen jedes Mal bis zu 500 Gäste aus dem In- und Ausland begrüßt werden konnten, sind noch nicht in Vergessenheit geraten. Holler setzte seine internationalen Schwerpunkte aber nicht nur im Reisebereich, sondern veranstaltete auch Seminare mit internationaler Beteiligung. 1992 trat Holler als Landesgruppenobmann „in den Unruhestand“. Er wurde zum Ehrenpräsidenten und Ehrenmitglied der Sektion Österreich und zum Ehrenobmann der Landesgruppe Steiermark ernannt. Mehr als ein Jahrzehnt war er danach noch als Reisesekretär für die Verbindungsstelle Graz tätig. Der damals 50-jährige Obmann der Verbindungsstelle Graz Umge-

bung, Josef Steiner, wurde zum neuen Landesgruppenobmann gewählt. Neun Jahre lang leitete Steiner die steirische Landesgruppe. 1995 gründete er in Zusammenarbeit mit der Landesamtsdirektion Steiermark das „Alpen-Adria-Sicherheitsforum“. In den folgenden Jahren wurden Seminare zu Themen wie „Drogen im Straßenverkehr“, „Organisierte Kriminalität“ oder „Illegale Migration“ unter Beteiligung von fünf Anrainerstaaten durchgeführt. 2001 übernahm Mag. Alois Kalcher den Vorsitz in der Landesgruppe Steiermark und ist seither zwei Mal wiedergewählt worden. Auf Antrag des neuen Obmannes wurde Josef Steiner zum Ehrenobmann der Landesgruppe gewählt.

Soziales Engagement als besondere Verpflichtung Bereits drei Jahre nach Gründung der Landesgruppe Steiermark war Unterstützung nach einer Naturkatastrophe notwendig. Eine Springflut hatte Hamburg und Umgebung verwüstet. Über 2000 Tote und mehr als

u Von links: Josef Steiner, Arthur Troop und Dr. Hubert Holler.

100.000 Obdachlose waren die Folge. Die Landesgruppe Steiermark ermöglichte Kindern aus dem Notstandsgebiet gemeinsam mit der Sektion Österreich einen längeren Aufenthalt in der Steiermark. Die Landesgruppe hilft nicht nur bei Katastrophen, oder Unglücksfällen, sondern gewährt Unterstützung auch im Einzelfall. In den vergangen 50 Jahren konnten zahlreichen Kollegen und deren Angehörigen aus dem In- und Ausland geholfen werden. Den Funktionären aus der Steiermark ist in den vergangen fünf Jahrzehnten seit dem Bestehen der IPA in Österreich immer wieder gelungen, neue Akzente und Perspektiven unter dem Motto „Dienen in Freundschaft“ zu setzen.

u Links: Bekannt wurde Hubert Holler vor allem durch seine neun IPA­Kreuzfahrten, an denen Mitglie­ der aus acht euro­ päischen Sektio­ nen teilnahmen. u Rechts: 1. v. l.: Dr. h.c. Franz Hasiba. Fotos: Archiv LG Steiermark 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Landesgruppe Steiermark Geschichte Mag. Alois Kalcher Obmann Landesgruppe Steiermark

Dr. Hubert Holler Ehrenobmann der IPA Steiermark

Josef Steiner Ehrenobmann der IPA Steiermark

Viktor Ebner Obmann der VB Graz

Manfred Huber Obmann der VB Leoben/Knittelfeld

Gerald Buchleitner Obmann der VB Weiz

Erich Ritt Obmann der VB Liezen

Herbert Mader Obmann der VB Bruck/Mürzzuschlag

Wolfgang Lechner Obmann der VB Fürstenfeld

Heinz Rindler Obmann der VB Feldbach

Helmut Kremser Obmann der VB Leibnitz

Harald Kocher Beirat Justiz

Ernst Kraus Sekretär

Reinhard Paulitsch Schatzmeister

Maximilian Ulrich Schriftführer und Landesredakteur

Robert Neumann Schatzmeister-Stv.

26 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

Ernst Rammel Obmann der VB Graz-Umgebung

Walter Götzl Obmann der VB Voitsberg

Michael Puster Obmann der VB Judenburg

Gerald Reinprecht Obmann der VB Deutschlandsberg

Harald Frank EDV-Beauftragter

Karl Leitner Beirat Pensionisten

Josef Michelic Rechnungsprüfer

Bernhard Gartler Rechnungsprüfer


Musik liegt in der Luft Die Polizeimusik Graz und die Musikkapelle des Landesgendarmeriekommandos für Steiermark vereinigten sich zur Polizeimusik Steiermark.

Geschichte

Gelungene Symbiose

I

m Zuge der größten Reform in der Geschichte der Exekutive entstand aus den beiden erfolgreichen Musikkapellen der Polizeimusik Graz und des Landesgendarmeriekommandos für Steiermark eine Musikkapelle, die Polizeimusik Steiermark.

Polizeimusik Graz Die Einführung des Vereinsrechtes 1867 in Österreich trug wesentlich zum Aufkommen der zivilen Blasmusik in Österreich bei. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Bedürfnis nach Unterhaltung sehr groß, daher entstanden zahlreiche Kapellen. So gründete auch Josef Hexmann im Jahr 1920 mit 25 Musikern von der Grazer Polizei die erste Polizeikapelle in der Steiermark. Aus seiner Feder stammt auch der Marsch „Gruß aus Graz.“ Mehr als drei Jahrzehnte

u Die erste Grazer Polizeimusikkapelle.

lang stand die Kapelle unter seiner Leitung, ehe er von Alfred Kreuzmann abgelöst wurde. Kreuzmann hat aus dem reinen Blasorchester eine Tanzformation geschaffen, die jahrzehntelang die musikalische Umrandung im Ballgeschehen und zu

anderen Feierlichkeiten in der Landeshauptstadt bildete. Im Jahre 1984 wurde die Musikkapelle von Josef Malli übernommen. Vierzehn Jahre lang waren seine Musiker unverzichtbarer Teil bei allen Veranstaltungen. Zahlreiche Auslandsauftritte, die Aufnahme einer Langspielplatte und einer CD zeugen von dieser erfolgreichen Ära. Bis zur Reform der beiden Musikkapellen übernahmen Gerhard Stefanzl und Johann Ploder die musikalische Leitung.

Gendarmeriemusik Steiermark

u Die erste Gendarmeriemusikkapelle.

Die Gründung der Musikkapelle des Landesgendarmeriekommandos Steiermark erfolgte im Jahre 1935 unter dem ersten Stellvertreter des Landesgendarmeriekommandanten 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

27


Geschichte

u Die Polizeimu­ sik Steiermark ist gefragt – der Spielkalender ist voll. Fotos: Maximi­ lian Ulrich

Oberst Adolf Nadler, der Georg Petz zum Kapellmeister ernannte. Die Musikkapelle wurde aber bereits vier Jahre später wegen der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wieder aufgelöst. Drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Gründungskapellmeister neuerlich mit der Leitung der Musikkapelle betraut. Nach 16 Jahren wurde er von Friedrich Liebscher abgelöst. Zwölf Jahre später übernahm die Leitung Eduard Csecsinovits, der nach 20 Jahren von Kapellmeister Franz Kicker beerbt wurde.

Gemeinsam in die Zukunft Der Erfolg der Gendarmeriemusik führte die Musiker bis nach Kanada und in sämtliche Nachbarländer. Zahlreiche LP-Produktionen, Rundfunk- und Fernsehauftritte trugen wesentlich zum Ansehen der Genu Kapell­ meister Josef Ploder (r.) mit seinem Stv. Chri­ stoph Grill.

darmerie in der Öffentlichkeit bei. Die beiden erfolgreichen Blasmusikkapellen wurden am 1. Juli 2005 mit Erlass des Bundesministeriums für Inneres zu einer einheitlichen Kapelle unter dem Namen „Polizeimusik Steiermark“ zusammengeführt. Die Leitung wurde von den Kapellmeistern Franz Kicker und Johann Ploder übernommen. Der 49-jährige Johann Ploder begann im Alter von zehn Jahren mit Flügelhorn in der Erzherzog Johann Trachtenkapelle St. Veit am Vogau und war bereits nach einem Jahr Vereinsmitglied. Zwei Jahre nach seinem Beitritt zur Grazer Polizei spielte er neben seinem Beruf als erster Flügelhornist bei der Polizeimusik Graz mit. Trotz der vielen Auftritte und beruflichen Verpflichtungen besuchte er noch die Grazer Hochschule für Musik und darstellende Kunst, um sich zum Blasorchesterleiter ausbilden zu lassen. Ergänzend nahm er Trompetenunterricht am Musikkonservatorium in Graz. 2001 übernahm er als Kapellmeister die Polizeimusik Graz. Nach der Polizeireform war er vorerst stellver-

28 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

tretender Kapellmeister und seit der Pensionierung von Kapellmeister Franz Kicker im August 2008 dirigiert er die 45 Mann starke Polizeimusik Steiermark. Zu seinem Stellvertreter wurde der 31-jährige Christoph Grill von der Grenzpolizeiinspektion Spielfeld ernannt. Seinen ersten Trompetenunterricht erhielt Grill als Zehnjähriger von seinem Onkel. Nach der Grundschule besuchte er zuerst das BORG für Studierende der Musik Dreihackengasse in Graz. Mit der Übernahme der musikalischen Leitung der Musikkapelle Leutschach besuchte er den Universitätslehrgang für Blasorchesterdirigenten an der Grazer Musikuniversität. 1999 wechselte er von der Privatwirtschaft zur Gendarmerie und wurde fünf Jahre später Mitglied der Gendarmeriemusik Steiermark.

Musikalische Vielseitigkeit Egal wo die Polizeimusik Steiermark auftritt und was immer sie ihrem breiten Publikum vorspielen, sie beweisen, dass sie nicht nur die Sicherheit fest im Griff haben. Durch ihre musikalische Vielseitigkeit sorgen die Polizeibeamten als Musiker für Unterhaltung und für kulturellen Hörgenuss beim Publikum. Der Spielkalender der musizierenden Polizeibeamten ist voll. Einer der Höhepunkte 2009 wird der Auftritt in Wien anlässlich „100 Jahre Polizeimusik Wien“ sein.


Österreichs heimliche Liebe Sie ist überschaubar, aber doch exotisch, malerisch mit einer der best erhaltenen Altstädte Mitteleuropas – die Landeshauptstadt Graz muss man einfach gesehen haben.

G

raz ist die Landeshauptstadt der Steiermark und zweitgrößte Stadt Österreichs. Sie ist überschaubar, aber exotisch genug, um noch Entdeckerfreuden zu gewähren und malerisch genug, um sich dauerhaft auf der touristischen Landkarte zu behaupten. Sie besitzt eine der besterhaltenen Altstädte Mitteleuropas. Rund 1000 Altbauten mit Baustilen aus Gotik, Renaissance, Barock, Jugendstil und Klassizismus umgeben den Schlossberg.

gleich auf drei Arten erklommen werden. Seit 1894 führt eine Standseilbahn hinauf. Im Ersten Weltkrieg schlugen russische Kriegsgefangene und österreichische Pioniere einen 260 Stufen umfassenden Fußsteig, den „Kriegssteig“, ins Gestein. Und Eilige können seit der Jahrtausendwende mit einem modernen Lift hochfahren. Am Berg selbst befinden sich die Wahrzeichen von Graz, der Uhr- und der Glockenturm. Die Wahrzeichen wurden im Zuge der Napoleonischen Kriege beinahe zerstört. Bürger der Stadt haben sie aber zum Preis von 2.987 Gulden und zwei Kreuzer, nach heutigem Wert 87.000 Euro, freigekauft.

Der Schlossberg Der Grazer Schlossberg ist ein wuchtiger Fels aus Dolomitgestein und bildet den Kern der historischen Altstadt. Er liegt direkt am Ufer der Mur und ragt 123 Meter über den Grazer Hauptplatz. Trotz der überschaubaren Höhe kann der Schlossberg

u Die Murinsel des New Yorker Künstlers Vico Acconci, eine 47 Meter lange Stahlkonstruktion.

Geschichte

Veranstaltungsort Graz

Die Murinsel u Der Schlossberg – das Wahrzeichen von Graz.

Die Mur ist der größte Fluss der Steiermark und teilt Graz in zwei Stadthälften, die aber durch zahlreiche Brücken verbunden sind. Vor dem Kulturhauptstadtjahr 2003 inspirierte der Grazer Robert Punkenhofer den New Yorker Künstler Vito Acconci zu einem begehbaren Inselprojekt, die heute bekannte Murinsel. Aus der Idee entstand eine 47 m lange netzartige Stahlkonstruktion. Unter dem gewölbten, mit Wasser gekühlten Glasdach bietet ein in blau und weiß gehaltenes Café die Möglichkeit, das Gefühl dem Fluss aus nächster Nähe zu genießen. Zwischen Café und Arena verspricht ein dreidimensionales Labyrinth aus

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

29


Geschichte u Luftansicht des Grazer Hauptplatzes.

Tauen und einer Rutsche ein Inselabenteuer für Kinder. Was sich Insel oder auch Nussschale nennt, ist korrekterweise ein Schiff. Es hängt an einem Anker und wird durch die Stege zu den beiden Ufern zusätzlich stabilisiert.

Das Kunsthaus Am Westufer der Mur, unweit der Murinsel steht das neue Kunsthaus oder „Friendly Alien“ genannt, zwischen den Altbauten. Eine Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Über ein Stahlkorsett wölbt

sich eine bläuliche Haut aus Polyacryl, deren Form wahlweise an ein Ufo oder an ein Spenderherz erinnert. Mit einer Spannweite von bis zu 60 Metern umspielt die biomorphe Konstruktion stützenfrei zwei großflächige Ausstellungsebenen. An der Oberfläche der „Skin“ ragen die „Nozzles“, markante Tageslichtöffnungen, in Richtung Norden. In den Obergeschossen verbinden Brücken den knapp 23 Meter hohen Neubau mit dem „Eisernen Haus“, die denkmalgeschützte und älteste Gusseisenkonstruktion Mitteleuropas.

u Das be­ rühmte „Friendly Alien“ – das Kunsthaus am Westufer der Mur, unweit der Murinsel. 30 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

Schmale Gässchen, die entscheidend zum Charme der Stadt beitragen, führen zu den historischen Plätzen. Dort finden sich etwa eine alte Hofbäckerei mit prächtigem Holzportal. In der Herrengasse führt der Weg zum Grazer Zeughaus mit seinen 32.000 Waffen und anderem Kriegsgerät.

Schloss Eggenberg Zeit sollten sich Besucher auch für einen Ausflug zu zwei etwas außerhalb der Stadt gelegenen Besichtigungspunkten nehmen. Im Westen der Stadt das frühbarocke Schloss Eggenberg und im Osten die barocke Kirche Mariatrost. Vor der Besichtigung der Kirche müssen allerdings einige hundert Treppenstufen erklommen werden, ohne Lift oder Seilbahn. Schließlich handelt es sich um eine Wallfahrtskirche. Acht Nobelpreisträger und zahlreiche internationale anerkannte Forscher verhalfen der Universitätsstadt zum Standort der Wissenschaft und Technik. Fast 40.000 Studierende aus aller Welt sind jährlich an den vier Universitäten inskribiert.


„Graz erzählt“ Den Bogen des Dialoges, den Graz gespannt hat, ist ein weiter. Das jährliche Erzählkunstfestival „Graz erzählt“, der Jazzsommer, das Straßenfestival „La strada“, das Avantgardefestival „Steirischer Herbst“, „Styriarte“ sind nicht nur einige Beispiele lebendiger Kulturszene, sondern auch ein Ausdruck von Verbundenheit der Künstler mit der Stadt und ihren Bewohnern. Graz und die Steiermark sind auch für ihre ausgezeichnete Küche be-

Geschichte

Seit Jahrhunderten war die Landeshauptstadt auch Schnittpunkt europäischer Kulturen. Romanische, slawische, ungarische und germanische Einflüsse konnten sich hier zu einem spezifischen Charakter verbinden. Die Altstadt, die das größte geschlossene Ensemble des deutschen Sprachraumes ist, ist lebendige Zeugin vergangener Epochen. Die multikulturelle Tradition, die den Charakter der Stadt immer wieder neu prägte, wird in Graz heute als Fundament der kulturellen und und humanitären Identität verstanden. Daher ist es auch verständlich, dass sich Graz zu einem Ort der internationalen Begegnung und des Dialoges entwickelte.

u Im Osten der Stadt liegt die barocke Wallfahrtskir­ che Mariatrost. Für die Be­ sichtigung heißt es sport­ lich sein: Es müssen einige hundert Stufen erklommen werden.

kannt. Es wird aufgetischt, was der steirische Boden ringsherum hergibt: nach Region des Landes, das sich vom Gletscher im Norden bis zum mediterranen Weinland im Süden zieht.

Kulinarische Genüsse Im späten Frühling werden Spargel oder der knoblauchwürzige Bärlauch serviert. Nicht zu vergessen Vogerlsalat mit Kernöl, steirisches Qualitätsrind oder -schweinefleisch oder Fisch, wie Forelle, Saibling oder Karpfen, aus heimischen Gewässern. Im Sommer steuern die Wälder Eierschwammerln und Pilze für legendäre Gerichte sowie Beeren für

delikate Nachtische bei. Im Herbst tragen Wirtsleute Wildragout mit Knödeln, Preiselbeeren und Kastanien oder Martinigansl auf. Im Winter, wenn es deftiger zugeht, stehen Schlachtwochen auf der Speisekarte, da kommen frische Blut-, Leber-, Brat- und Breinwürste mit herzhaftem Sauerkraut auf den Tisch. Vorher eine Klachlsuppe oder Steirerkasnocken und später gefüllte Sulmtaler Hendln. Stets im Brotkorb befinden sich saftiges Roggenmischbrot, Vollkornweckerl oder die knusprigen Steirischen Langsemmel. Dazu werden die exzellenten steirischen Weine kredenzt.

u Links: Im Westen der Stadt liegt das frühbarocke Schloss Eg­ genberg.

u Rechts: Die Weinhänge rund um Graz und in der Südsteier­ mark sorgen für mediter­ ranes Flair.

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

31


Alois Knapp

Persönlichkeiten 32

„Was sind das für Beine am Hocker?“ Von Frauenbeinen bis zu „strammen Wadln“ – die Barhocker des 47­jährigen Polizeibeamten Alois Knapp von der Polizeiinspektion Eferding sind weltweit bekannt.

O

b stramme „Wadln“ oder Frauenbeine mit Netzstrümpfen, sie hauen den Betrachter nicht vom Hocker, denn sie sind am Hocker. Die Barhocker des 47-jährigen Polizeibeamten Alois Knapp von der Polizeiinspektion Eferding sind weltweit bekannt. „Vor elf Jahren hat alles angefangen. Mit meiner Frau Reinelde betreibe ich in Linz-Urfahr das Lokal „Bürgerstube“ und wollte es damals umgestalten. Ein Blickfang im Lokal sollte es sein, etwas Besonderes. Die Idee dazu kam mir, als ich ein paar Damen an der Theke beobachtete“, erzählt der findige Lembacher. Die Idee „Barhocker mit besonderen Beinen“ war geboren. Bald kontaktierte er einen Bekannten, einen Figurenschnitzer aus der Gegend und teilte ihm seine Idee mit. Kopfschüttelnd übernahm dieser den Auftrag und realisierte nach einiger Zeit Knapps Vorstellungen. Das erste Modell wurde mit der Motorsäge aus dem Bloch eines Birnbaumes herausgeschnitten. Mit Schnitzwerkzeugen w u r d e n menschliche Beine geformt, bekleidet und zu einem Barhokker umgestaltet. Als er vor zehn Jahren Hocker mit

ginale befinden sich im Keller seines Hauses. Ob es nun Cowboybeine

sind, der Hocker Lederhosen trägt oder ob es die durchtrainierten Golferbeine sind, Firmenchef Alois Knapp gehen die Ideen nicht aus. Das, was er entwirft, wird sofort unter Musterschutz gestellt, damit keiner seine Kreation kopieren kann. u Alois Knapp mit Fußballerbeinen.

u Mit Schnitzwerkzeugen werden mensch­ liche Beine geformt. Fotos: Knapp

Männerbeinen an seine Bar stellte, wurde die Gastronomie aufmerksam. Das Echo unter den Wirten wurde immer lauter und im Jahr 2002 fand sich Knapp mit zehn Modellen auf der Gastro-Messe in Klagenfurt wieder. „Die Gastro-Branche braucht Innovationen“, war sich der Hockerhersteller und Polizeibeamte sicher. Das Publikum war so begeistert, dass Knapp seine Idee gleich patentieren ließ. In der Zwischenzeit besitzt er einen Musterschutz für 25 Modelle. Diese Ori-

Inspiration Inspiriert wird Knapp immer und überall. „Das kann man nicht steuern. Plötzlich ist die Idee da und ich setze sie um.“ Den Verkauf seiner Barhokker der anderen Art wickelt Knapp am liebsten übers weltweite Netz ab. „90 Prozent des Verkaufes erfolgen über das Internet“, erklärt er. Ein Barhocker kommt je nach Art der Kleidung auf 500 bis 600 Euro. Das Rohmaterial wird entweder in Nürnberg oder Südtirol geschnitzt. Danach kommen die Beine nach Lembach, wo sie vom Chef selbst bearbeitet und fertig gestellt werden. Die Barhocker der besonderen Art finden nicht nur in Österreich und Europa reißenden Absatz, sondern auch in den USA und Russland.


Iditarod - „The Last Great Race“ Eine ganz besondere Herausforderung hat Anton Hier­ schläger angenommen: Er lief die Strecke des längsten Schlittenhunderennens der Welt – das Iditarod durch Alaska.

A

ls der 54-jährige Polizeibeamte, Extremlangläufer, ehemaliger österreichischer Langlauftrainer und Langläufer Anton Hierschläger von der Polizeiinspektion Bad Leonfelden in Oberösterreich im Internet auf dieses Rennen aufmerksam wurde, überlegte er keine Sekun-

de mehr. Sofort begann er mit den Vorbereitungen und ging im Februar 2008 an den Start. Das Iditarod ist das längste Schlittenhunderennen der Welt. Bei minus 45 Grad führt die Route durch Alaskas Wildnis, die nur im Winter besteht. Während im Winter Schnee und Eis die Strecke zu einer Fläche verbindet, ist das Gebiet im Sommer unpassierbar. Die Eiswüste verwandelt sich in reißende Flüsse, Feuchtgebiete und Seenlandschaften. Das Rennen ist ein Andenken an die Diphtherieepidemie, die im Jahre 1925 in Nome ausbrach. Das rettende Serum wurde mit Hundeschlittenteams vom 1760 Kilometer entfernten Anchorage in nur fünfeinhalb Tagen nach Nome verbracht. Die normale Fahrzeit betrug damals drei Wochen. 1973

u Das Abenteu­ er Alaska kann beginnen. Fotos: Hier­ schläger

u Start zum Schlittenhunderennen in Alaska.

Persönlichkeiten Persönlichkeiten

Anton Hierschläger

wurde das erste Schlittenhunderennen auf dieser Route veranstaltet. Seit den 80er Jahren starten Ausnahmesportler auf der gleichen Strecke mit Langlaufschiern, mit dem Mountainbike oder mit Schneeschuhen eine Woche vor dem Schlittenhunderennen.

Acht Helden auf vier Pfoten International bekannt wurde das Rennen vor allem durch den Autor Gary Paulsen, der 1983 und 1985 daran teilnahm und seine Erfahrungen 1994 in einem Buch verarbeitete. Später dienten sie als Vorlage für den DisneySpielfilm „Snowdogs – Acht Helden auf vier Pfoten“. Bisher haben 20 verschiedene Nationen am Rennen teilgenommen, aber nur 30 Athleten haben die Gesamtstrecke geschafft. Der Amerikaner Mike Curiak, hat die Strecke mit einem Mountainbike bewältigt und den bestehenden Zeitrekord von 15 Tagen aufgestellt. Bei einem Teilabschnitt sah er vier Tage lang keinen Menschen. Als aktiver Sportler bestritt Hierschläger, ehemaliger ÖSV-Schilangläufer und Biathlet, mehr als 600 nationale und internationalen Wettkämpfen und legte mehr als 100.000 Kilometer zurück. Schon während seiner Sportkarriere nahm er an allen bekannten Extremläufen teil. Bei der 700 Ki-

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Persönlichkeiten

lometer langen Extremtour von Inuvik nach Tuktoyaktuk im Norden Kanadas lernte er die Eiswüsten und Kälte bis minus 45 Grad kennen. Den härtesten Langlaufbewerb der Welt, das Arctic Circle Race bei Sisimiut an der Westküste Grönlands, bewältigte er als 45-jähriger in seiner Altersklasse als Zweiter.

Körperliche Grenzen ausloten Als Hierschläger sich am Iditarod Trail anmeldete, war er als ehemaliger Wettkämpfer nicht am sportlichen Wettkampf interessiert. „Nein. Ich wollte nur wieder einmal meine körperlichen Grenzen ausloten und besonders das ursprüngliche Alaska kennenlernen.“ Sechs Monate vor den Start begann er mit den Vorbereitungen. Alleine absolvierte er Tagestouren, um sich mental auf Strecken bis 300 Kilometer ohne menschliches Leben einzustellen. Auch die Marschverpflegung und die richtige Materialwahl gehörten zur Vorbereitung, da die Teilnehmer während des Rennens nicht betreut werden. Nach dem Flug von Europa nach Anchorage im Süden Alaskas fand um zwei Uhr morgens endlich die Läuferbesprechung statt. Außerdem musste er seine Versorgungspakete zu den Poststellen der Athabakan- und Inuitdörfern, das sind die Ureinwohner und ein Eskimovolksstamm, verschicken. Planmäßig startete das Rennen am folgenden Tag. Die ersten 45 Kilometer, ein ständiges bergauf und bergab. Zudem waren sie nach einem Skidoo-

rennen total vereist. Bergauf musste Hierschläger die Schier daher abschnallen, da er am blanken Eis keinen Halt fand. Nach dem kräfteraubenden Abschnitt, die nächste Hürde in Flathorn Lake. Nach 50 Kilometern knöcheltiefes Wasser auf dem Eis. Nach einem zehn Kilometer langen Umweg konnte er die Route wieder einhalten.

Große Schmerzen durch den Rucksack Plötzliche massive Schmerzen in den Schultern, verursacht vom ständig schwingenden 25 Kilogramm schweren Rucksack. Der Oberösterreicher änderte die Einstellung der Tragegurte. Es klappt. Die Schmerzen ließen nach. Als er nach einigen Kilometern trinken möchte, ein Schock. Der Trinkrucksack war eingefroren. Ohne Flüssigkeit lief er noch zwölf Stunden weiter. Am frühen Morgen und nach 80 Kilometern erreichte er endlich ein Gästehaus.

Es war aber unbewohnt. Völlig entkräftet musste er den Rest der Nacht bei minus 40 Grad vor dem Haus verbringen. Mit enormer Anstrengung gelang es ihm mit dem Feuerzeug noch Schnee zu schmelzen, um seinen Durst zu stillen. Nach sechs Stunden wachte er mit massiven Schmerzen auf. „Ich hatte die Hoffnung, dass die Schmerzen wieder vergehen, wenn ich weiter laufe“, erzählt er. Leider ein großer Irrtum. Für die nächste kurze Distanz benötigte Hierschläger fast zwei Stunden. Endlich erreichte er die Yentna Station. Beim Ablegen des Rucksackes bemerkte er eine riesige Schwellung an den Schultern, zur nächsten Stadt Skwentna waren es aber noch 55 Kilometer. „Es war unmöglich unter diesen Umständen weiter zu laufen. Ich musste das Rennen abbrechen. Mein Kardinalfehler war, dass ich mit dem Rucksack unterwegs war. Für diese Strecken eignet sich nur ein Pulk, ein Handschlitten, den alle Langläufer oder Wanderer verwenden.“ Enttäuscht und mit Schmerzen verließ Hierschläger Alaska. In der Zwischenzeit hat er sich wieder erholt und plant schon die nächsten Touren. „Iditarod muss noch warten, aber ich werde es noch einmal versuchen. Vielleicht 2010.“ Maximilian Ulrich

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Auf den Brettern der Bregenzer Festspielbühne Die Bregenzer Festspiele begleiteten ihn nicht nur während seiner beruflichen Laufbahn, sondern auch im privaten Bereich – als Statist auf der Seebühne sowie als Organisator von Karten für Aufführungen.

Ü

ber Jahrzehnte war Edi Jörg, der ehemalige Kommandant der Stadtpolizei Bregenz und spätere Leiter der Dienststelle für örtliche Sicherheit, den Bregenzer Festspielen dienstlich verbunden. Doch die Nähe zu diesem großen, internationalen Kulturunternehmen mit der einzigartigen Seebühne reicht weit zurück, fast könnte man sagen, bis in seine Kindheit. In den ersten Nachkriegsjahren war für ihn, als achtjährigem Knirps, der Verkauf von Schwarzweiß-Ansichtskarten vom Bühnenbild eine willkommene Gelegenheit, sein Leben und das seiner Familie, die im Krieg Vater und Wohnung

verloren hatten, finanziell etwas aufzubessem. Die Geschichte der Bregenzer Festspiele, die zu einem fixen Bestandteil des österreichischen Kulturlebens wurden, wurde für Edi Jörg zu einem wichtigen Bestandteil seiner Sommeraktivitäten. So war er mehrere Jahre als Statist auf der Seebühne tätig. Bei „Zar und Zimmermann“ sprang er als Double für den großen Sänger Oskar Czerwenka in die kühlen Fluten des Bodensees. Ein Trost für diese nasse Angelegenheit war, dass eine Statistin aus dem Ballett wohl etwas Mitleid mit ihm hatte und so die Festspiele Ausgangspunkt für eine nun schon

u Das berühmte Bühnenbild von „Tosca“, das auch Schauplatz einer Szene im neuen Bond­Film „Quantum of Solace“ ist. Foto: Bregenzer Festspiele

Persönlichkeiten

Edmund Jörg

u Eduard Jörg – die Bregenzer Fest­ spiele waren immer sein Anliegen.

bald 50-jährige glückliche Ehe mit Margit wurden.

Künstlerpersönlichkeiten Einige Künstlerpersönlichkeiten blieben ihm besonders in Erinnerung – nicht nur wegen ihrer großartigen Schauspielkunst. So wurde er etwa von den Burgschauspielern Attila Hörbiger und Albin Skoda einmal „über die Gasse“ geschickt, um einen ordentlichen Schoppen Wein zu besorgen. Ein Alko-Test wäre bei beiden dennoch mit großer Sicherheit negativ verlaufen, weil bei diesen schauspielerischen Glanzleistungen das meiste wohl verdampft ist. Seine ersten Festspieldienste als junger Polizist Mitte der 60er Jahre waren Verkehrs- und Ordnungsdien-

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Persönlichkeiten

u Das Bühnenbild von „La Boheme“ auf der Bregenzer Seebühne aus dem Jahr 2001. Foto: Karl Forster

ste, seine „Bühne“ war nun der Festspielparkplatz. Die Freude über diese Dienste hielt sich jedoch bei der gesamten Polizei in Grenzen, wurde doch während der ganzen Festspielzeit eine Urlaubssperre verhängt. Als Kommandant leitete er dann die Organisation für die Festspieleinsätze.

Als Leiter der Dienststelle für örtliche Sicherheit wuchs auch der Verantwortungsbereich für die Festspiele. Die Aufgaben waren komplex und vielfältig. Er war Mitglied der Bühnenkommission, mit der SID wurden die sicherheitspolizeilichen Kontrollen im Haus in Kooperation mit den Bregenzer Feuerwehren und der Haustechnik durchgeführt. Es war ein schönes Arbeiten mit den Festspielen, da diese immer Verständnis für die sicherheitspolizeilichen Anforderungen entgegenbrachten.

Sonderwünsche hochrangiger Besucher

u Das Bühnenbild von „Maskenball“ aus den Jahren 1999 bis 2000. Foto: Benno Hagleitner

Manchmal war im Umgang mit Sonderwünschen hochrangiger Besucher – wie etwa das Ermöglichen von geeigneten Plätzen für Hubschrauberlandungen – viel Fingerspitzengefühl erforderlich. Und auch Improvisationsbereitschaft war für Edi Jörg gefragt. Zum Beispiel wurde einmal innerhalb weniger Minuten mit Hilfe der Bühnenmannschaft ein provisorischer Holz-

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steg für die Ehrengäste bei der Festspieleröffnung gebaut, da bei der Landestelle im Seebühnenbereich von der Bodenseeschifffahrt einfach auf die Landungsbrücke vergessen worden war. Als über 30 Jahre tätiger Funktionär der Intemationalen Polizei Assoziation in Vorarlberg und Österreich war es Edi Jörg immer ein besonderes Anliegen, Gäste aus 62 Mitgliedsstaaten für die Bregenzer Festspiele zu begeistern. Er organisierte über viele Jahre für tausende Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt Karten für die Seebühnen-Aufführungen und die entsprechenden Quartiere, was in der Zeit vor Internet dankbar angenommen wurde. Oft begleitet er diese Gruppen in seiner Freizeit und dabei ergaben sich viele persönliche Freundschaften. Und so konnten sich zwei in seinem Leben wichtige Interessensfelder treffen: die Verbundenheit zu den Bregenzer Festspielen und zur IPA. Servo per amikeco. Peter Magg


Seine Leidenschaft sind Technik, Elektronik & Fahrzeuge Nicht nur Technik und Elektronik, auch die Fotografie gehört zu den Hobbys von Dietmar Weissmann, der als Landesredakteur auch Medienarbeit für die IPA­LG Salzburg leistet.

I

n unserem Exekutivkörper gibt es sehr viele Beamte, die außerhalb ihrer beruflichen Fähigkeiten und Befähigungen über besonderes Wissen, Kenntnisse oder Fertigkeiten verfügen. Nicht alle wollen genannt sein oder von sich reden machen, weil sie Neid, Missgunst und Schadenfreude innerhalb des Kollegenkreises fürchten. Es seien daher einige Wenige vorgestellt, die diesmal zum Teil dazu überredet werden mussten. Ich spreche im Namen der IPA, wenn ich sage: Wir verwehren uns gegen Neid, Missgunst, Schadenfreude und sonstiger Ressentiments. u Dietmar Weissmann.

Als ich von Maximilian Ulrich ersucht wurde, für die von ihm aufgelegte Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der IPA LG Steiermark, über einige meiner Kollegen zu schreiben und auch über meine Person zu berichten, war mir noch nicht klar, welchen Auftrag er mir dabei erteilt hatte. Jedenfalls war es so, dass ich immer wieder überrascht war, was es da so alles zu erzählen gab. Ich lernte Kollegen kennen, die in unmittelbarer Nähe zu meiner Dienststelle, oder irgendwo im Salzburgerland ihren Dienst versehen. Solche, die ich schon oft gesehen und solche, die ich bislang kaum zu Gesicht bekommen hatte. Und es wurde mir bewusst, dass ich bis jetzt sehr wenig über je-

ne erfahren habe, die ihren Ausgleich im Hobby gefunden, ihre Lieblingsbeschäftigung zum Beruf gemacht, oder durch ihre intensive Freizeitbeschäftigung sogar eine Krankheit besiegt haben. Als Schreiber der folgenden Berichte über Exekutivbeamte in Salzburg erlaube ich mir, zu Beginn über meine Person zu berichten.

Lebendiger Unterricht Technik, Elektronik und Fahrzeuge haben mich schon immer interessiert. Schon als Schüler war ich an elektrischen Schaltungen und elektronischen Zusammenhängen interessiert. Der lebendige Unterricht meines da-

maligen Klassenlehrers in Physik und Chemie an der technischen Hauptschule in Pöls ob Judenburg, in der Steiermark, förderte meine Interessen ungemein. Die Energiekrise in den 70er Jahren veranlasste mich, über ein Fahrzeug mit „Kombinationsmotor für rohstoffarme Zeiten und Energierückgewinnungskonzept“ (dem heutigen Hybridfahrzeug) nachzudenken. Bei dem seinerzeit durchgeführten Europawettbewerb der Firma Philips „Forscher für die Welt von morgen“ erhielt ich dafür im Jahr 1975 den 18. Rang zuerkannt. Der Bargeldpreis in der Höhe von eintausend (guten alten österreichischen) Schilling wurde mir im Rahmen einer Feierstunde in Wien im Philips-Haus an der Triesterstraße übergeben. Damals waren die technischen Möglichkeiten allerdings – gerade für mich, dem Jungen vom Land – entsprechend eingeschränkt. Zumindest gelang es mir aber, einen selbstgebauten, aus verzinktem Stahlblech einer ehemaligen Dachrinne gebogenen, und mit einfachen Mitteln wie Stricknadel, Kork und Messingplättchen auf einer Grundplatte arrangierten, mit Kupferdraht gewickelten Elektromotor, unter Anlegung einer geringen elektrischen Spannung, zum Laufen zu bringen. Sicher nichts besonderes, aber für meine weitere technische Entwicklung fundamental.

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

Persönlichkeiten

Dietmar Weissmann

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Persönlichkeiten

Mein Vater Malermeister, die Mutter in der eigenen Farbenhandlung tätig, da waren die Grundlagen, die Werkstoffe und die Werkzeuge gerade für bildnerisches Gestalten in ausreichendem Maße vorhanden. Mit dem beginnenden Erwachsenwerden kamen andere Interessen hinzu, ließen mir aber ausreichend Zeit, meine technisch-handwerklichen Aktivitäten auszuleben. Herumgebastelt habe ich an allem, was mir in die Finger geriet. Experimentiert habe ich mit den unterschiedlichsten Materialen und ich versuchte mich in verschiedenen Möglichkeiten der elektrischen Spannungswandlung und der Schalt-, Mess-, und Regeltechnik. Meine Experimente umfassten auch chemisch/elektrische Versuche, bis hin zum Galvanisierungsbecken für den Hausgebrauch. Ich erinnere mich noch wie damals ein befreundeter Elektriker, dem ich einen meiner Experimental-Schaltkästen vorführte, sagte: „Dich wird es einmal so richtig fetzen!“ Und kurz danach, als er die in diesem „Schaltkastl“ erzeugte elektrische Spannung mit seinem „Normatest 2000“ Messgerät messen wollte, hat es ihn „gefetzt“. Weil er beim Messvorgang die nicht isolierten Metallteile berührt hatte.

u Selbstpor­ trait in Acryl / D. Weissmann.

shows zu kombinieren, war meine Welt. Hergestellt wurde in diesem Zusammenhang fast alles selbst. Von der Lautsprecherbox über die Lichtorgel, vom a-stabilen Multivibrator, dessen relativ einfache elektronische Schaltung Lichter blinken und als Tongeber Sirenen erschallen, oder auch ganze Musikinstrumente ertönen ließ, über die Haussprechanlage bis hin zur Elektro-Bassgitarre. Parapsychologische Phänomene auf der Suche nach dem Übersinnlichen, haben ebenfalls einmal eine Rolle gespielt, bzw. mein Interesse auf sich gezogen, so, wie das Universum und der Makrokosmos. Schon sehr früh zog mich die Fotografie in ihren Bann. Allerdings waren meine finanziellen Voraussetzungen als Schüler einer intensiven Widmung eher abträglich.

Mediale Vielfältigkeit Licht-, Bild- und Toneffekte zu medialen Komponenten zusammenzufügen und Diavorführungen zu medialer Vielfältigkeit auszuufern und in Richtung heutiger Multimedia-

Als Absolvent der Handelsschule Judenburg leistete ich als 17-Jähriger den Grundwehrdienst in Graz. Und in meinem Heimatort bot sich mir danach die Gelegenheit als Bankan-

u Bleistift­ zeichnung, gewidmet meiner Part­ nerin Ulrike. 38

gestellter einen Einblick in das Geldund Finanzwesen zu gewinnen und nach zweijähriger Tätigkeit als Bankkaufmann die Befähigung zur Führung eines Gewerbebetriebes zu erhalten. Ich übernahm die Farbenhandlung meiner Eltern und bildete mich durch Kurse und Seminare in diesem Bereich weiter, um schließlich im Jahr 1979 den Beruf des Exekutivbeamten in Salzburg zu ergreifen.

Homepage Meine außerberuflichen Liebhabereien konnte ich im Laufe der Zeit erweitern und musste sie dennoch aus Zeitgründen einer Selektion unterwerfen. Sie beschränken sich daher auf die Bereiche Computer, Motorrad, Fotografie, manuelle und digitale Bildinstallation und jetzt auch Medienarbeit als Landesredakteur der IPA LG-Salzburg. – Eine Aufgabe, die mir ein breites Spektrum für die Verwirklichung meiner Bildideen bietet und mich dem Leitspruch der IPA noch viel näher gebracht hat. Seit etwa einem Jahr betreibe ich eine Homepage, deren Konglomerat an Inhalten einen Abriss meiner Wirkungskreise offenbart. Ich freue mich, wenn Sie meine Homepage www.canospeed.com besuchen und sich im Gästebuch eintragen. Offene und sachliche Kritik ist ausdrücklich erwünscht! Servo per Amikeco. Dietmar Weissmann


Holzschnitzen und Wandern sind seine Hobbys Der inzwischen pensionierte Gendarmeriebeamte Eduard Ortner ist leidenschaftlicher Holzschnitzer, Wanderführer und Trainer.

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er inzwischen pensionierte Gendarmeriebeamte Eduard Ortner ist leidenschaftlicher Holzschnitzer, Wanderführer und Trainer. Als gelernter Tischler kam „Edi“ Ortner nach Vorarlberg. Im „Ländle“ wechselte er bald seinen Beruf und besuchte die Gendarmerieschule in Gisingen. Während seiner Exekutivzeit war er dienstführender Beamter und fast 20 Jahre als Postenkommandant in Hörbranz und Hard tätig.

Persönlichkeiten

Eduard Ortner

Holzschnitzkunst Des Geruch von Holz und dessen Bearbeitung konnte er in seinem neuen Beruf nicht ganz vergessen. So erlernte er in seiner Freizeit die Holzschnitztechnik. Kein Wunder, dass seine Arbeiten im Lauf der Zeit sehr begehrt waren. Er fertigte für Geburtstage, Jubiläen oder andere Anlässe für Einzelpersonen oder Vereine Holzschnitzarbeiten an. Darüber hinaus organisierte er auch Ausstellungen. Zum Ausgleich und zur Entspannung legte er sich ein zweites Hobby zu – Wanderführer. Um das Hobby nicht allein zu genießen, legte er die Wanderführerprüfung ab. Seither organisierte und führte er begeisterte Wanderer durch die Region. Seine ausgefallenen Wanderrouten, die

u Eine Leiden­ schaft von Eduard Ortner ist das Schnitzen (links). Unten: Gemütli­ che Hüttengaudi im Jahr 2008

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Persönlichkeiten

auch mehrere Tage dauern können, sind sehr beliebt und bekannt. Seine Wanderungen finden nicht nur am Tag statt. Für Liebhaber von Dunkelheit, von Schnee, Sternen und Mond veranstaltet er die sogenannten Mondschein- und Schneeschuhwanderungen. Um Interessierten auch Ausdauer und Kraft beizubringen, hat er sich zum Trainer für „Nordic-Walking“ ausbilden lassen. Eduard Ortner ist seit 37 Jahren Mitglied der IPA Landesgruppe Vorarlberg, kann auch in seiner Pension nicht über mangelnde Arbeit klagen. Außerdem hat er unheimlich viel Spaß daran, aktiv zu sein. Wer jetzt Lust bekommen hat, kann sich gerne bei ihm melden. Peter Magg

u Eine Ausstellung von Eduard Ortner im vergangenen Jahr.

u Die ausgefallenen Wanderungen von Eduard Ortner, die auch mehrere Tage dauern können, sind sehr beliebt.

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Fotos: Ortner


Der Nomade mit dem Rad – Randonneur Er ist ein Individualist, der seine persönliche Freiheit im Radrennsattel findet: Ferdinand Jung, begeisterter Radwanderer.

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andonneure oder Radwanderer sind Individualisten, die ihre persönliche Freiheit im Rennsattel finden. Je länger die Strecke, desto größer die Herausforderung und der Wunsch daran teilzunehmen. 1.200 Kilometer ist die Nonstop-Strecke über vier Tage und Nächte. Ferdinand Jung, 52, Leiter der Raubermittlungsgruppe beim Landeskriminalamt Oberösterreich ist seit 1999 süchtiger Randonneur. Sport war schon immer fester Bestandteil im Leben von Jung. Zuerst war es Fußball, später Tennis, und nach einer schweren Knieverletzung Radfahren. Immer wieder suchte er Herausforderungen und den Wettkampf. Bereits im ersten Jahr seiner Radfahrerkarriere startete er bei den schwierigsten und längsten Radrennen. Die Ergebnisse waren aber nicht berauschend. Ständig fand er sich im letzten Drittel der Ergebnislisten.

Ziel aller Randonneure ist die Teilnahme an diesem Langstreckenmarathon, der als Qualifikation die Absolvierung aller vier Brevets, 200, 300, 400 und 600 Kilometer im Veranstaltungsjahr voraussetzt. Der Begriff Brevet von franz. „brèvet“ oder Prüfung wird seit 1921 im Zusammenhang mit dem Langstreckenfahrten nach dem Reglement des Audax Club Parisien verwendet.

u Randonneur Ferdinand Jung.

Es ist eine „Kilometerprüfung“, auf der ein Radfahrer zeigt, dass er eine vorgegebene Strecke aus eigenen Kräften innerhalb eines festgelegten Zeitraums zurücklegen kann. Am Start erhält jeder Teilnehmer eine Brevetkarte, in der die vorgeschriebenen Kontrollstellen eingetragen sind und auf der Strecke abgestempelt werden müssen. Der vom Randonneurfieber Gepackte, der die erworbenen Medaillen zu Hause hängen hat, wartet schon sehnsüchtig auf das nächste Frühjahr, um wiederum Brevets zu fahren.

1200-km-Strecke Nach zwei Jahren wurde er auf die Langstreckentour Paris-Brest-Paris aufmerksam. 10.000 Höhenmeter sind auf der 1200 Kilometer langen Strecke in vier Tagen fast ohne Schlaf zu bewältigen. Zum Bedauern der Randonneure findet diese Tour, die 1891 erstmals ausgetragen wurde, nur alle vier Jahre statt. Das größte

Persönlichkeiten

Ferdinand Jung

Qualifikation mit Bravour

u Qualifikation zur Teilnahme am Lang­ streckenrennen ist die Absolvierung aller vier Brevets nach dem Reglement des Au­ dax Club Parisien.

In Österreich war die Randonneurszene zu diesem Zeitpunkt nur sehr wenigen Radfahrern bekannt. Jung schaffte die Qualifikationen mit Bravour und konnte noch im selben Jahr in Paris mit 3700 weiteren Randon-

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Persönlichkeiten

neuren an den Start gehen. Nach einem Reifendefekt, einem Wespenstich und einer kurzen „Irrfahrt“ rollte er als 247. mit einer reinen Fahrzeit von 53 Stunden in Paris ein. „Seit diesem Rennen bin ich ein Randonneur mit Leib und Seele“, erzählt Jung. Seit einem Jahr organisiert er in ganz Österreich Brevets und hat seit seinem ersten Start an jeder „Olympiade“ teilgenommen. Bei der letzten waren über 5000 Teilnehmer am Start und wieder konnte er sich unter den Top 200 qualifizieren.

Warum fährt man non-stop 1200 Kilometer? Um seinen Fahrhunger in der Zwischenzeit zu stillen, nahm er an einem 1200 Kilometer Brevet in Bulgarien, Sliven – Sofia – Vrana – Sliven (2005) und in Russland, Volodga – Onega – Ladoga (2008) teil. Hinzu kamen noch unzählige 24-Stundenrennen in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Sein 24-Stundenrekord steht bei 695 km. Auf die häufig gestellte Frage „wa-

u Ferdinand Jung im Jahr 2003 vor dem Start der Tour Paris – Brest – Paris. Fotos: Jung

rum fährt man non-stop 1200 Kilometer?“ gibt es folgende Antwort: „Jeder fährt für sich und ist auf sich gestellt. Es ist keine Rennveranstal-

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tung mit Konkurrenzdenken, sondern eine Tour für Gleichgesinnte, die sich unterstützen und das gleiche Ziel haben.“ Maximilian Ulrich


„Fritz the cat“: ein KärntnerBua und Wahl-Salzburger Auch nach seiner erfolgreichen Karriere als Schirenn­ läufer ist Fritz Strobl äußerst sportlich unterwegs. Rad­ fahren und wandern, aber auch die Digitalfotografie haben es „Fritz the cat“ angetan.

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ls ich Fritz Strobl anrief, um mich zu unserem vereinbarten Treffen einzufinden, war er ein wenig außer Atem und sagte mir: „Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs, aber ich bin gleich bei dir.“ Und da ich Fritz immer wieder mit seinem Rennrad, zu den unterschiedlichsten Anlässen – auch bei der Rad-WM – in Salzburg antraf, konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, ob er denn jetzt, nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn als Schirennläufer, vielleicht eine Radsportkarriere anstreben würde. Fritz erzählt frei von der Leber weg und erinnert mich dabei an unsere erste Zusammenkunft mit Rädern (ich verwendete damals aller-

dings ein Dienstmotorrad, er sein Rennrad) am 15. Mai 2006, als zu Beginn eines Ausdauertrainings eine Radtour des österreichischen Schiteams von Salzburg nach Mittersill und weiter über Pörtschach und Leibnitz nach Waltersdorf zu einem mehrtägigen Trainingslager geführt wurde.

Mit dem Rad in Form bleiben Das Ausdauertraining unserer Schisportler wird vorwiegend auf dem Fahrrad, aber auch auf Sportplätzen und in der Kraftkammer absolviert. Und da er jetzt, als Rennpensionist, nicht außer Form geraten will, genießt er weiterhin seine Trainingseinheiten auf dem Fahrrad, ließ er mich wissen.

u Am Nachmittag wird Fritz das leichte Sportgerät gegen ein schwe­ reres ersetzen. Foto: D. Weiss­ mann

Persönlichkeiten

Fritz Strobl

u Gold und Silber liebt Fritz Strobl sehr. Foto: Salomon

Seine Freizeitgestaltung in der Kindheit hat er zum Beruf gemacht. Schon damals war sein Ziel „immer wieder das nächste Rennen“. So arbeitete er sich hoch bis in das ÖSVSchiteam und vergisst dabei nicht, seine Dankbarkeit den Eltern gegenüber auszusprechen, die seinen Werdegang unterstützten. Mehrmals erwähnt er auch einen Wegbegleiter aus der Kinder- und Schülerzeit. „Mit Werner Franz habe ich schon in Kindheitstagen um Stockerlplätze gerittert.“ „Alleine ist keiner was Wert; es geht nicht ohne Team. Dazu zähle ich in erster Linie mein Elternhaus, meine Familie, die Kollegen bei der Polizei und natürlich auch meine Mitstreiter im Schiteam.“ „Fritz the cat“ – Armin Assinger

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Persönlichkeiten

und Robert Seeger haben ihm seinerzeit diesen Spitznamen wegen seines ihm eigenen gefühlvollen, katzenartig schleichenden Stils gegeben – ist ein weltoffener Mensch, der auf andere zu geht und den Kontakt zu all jenen sucht, an die er sich zu erinnern glaubt oder an die er sich erinnert. Und sein Erinnerungsvermögen ist sehr groß, wie auch der Kreis derer, die ihn umgeben und umschwärmen.

u Super­G in Schweden: Konzentriert, aber nicht verbissen, denn mit Ver­ bissenheit geht gar nichts. Foto: Salo­ mon

Ohne Verbissenheit „Mit Verbissenheit geht gar nichts!“ Das war die Lehre, die er aus seinen anfänglichen Misserfolgen und seiner schweren Knieverletzung zog. „Bis 1996 habe ich um den Anschluss gekämpft. Ich habe mich dann entschlossen, nicht im Weltcup, sondern zu meiner eigenen Festigung im Europacup zu fahren. Da hatte ich den Fixplatz vor Hermann Maier.“ Armin Assingers Kommentar während eines Schirennens, bei dem er den Gesichtsausdruck mehrerer Schirennläufer (u. a. auch jenen Hermann Maiers) verglich, lautete: „Schaut’s euch den Friedl an, dem fehlen nur noch die Billa-Sackln und man glaubt, er geht zum Einkaufen.“ – So locker und entspannt und mit einem Lächeln auf dem Gesicht ging er an den Start der Rennen, denn „ . . . mit Verbissenheit geht gar nichts!“ Fritz zitiert Erinnerungen und Er-

eignisse, die tief in ihm verankert sind und für mich ein Bild seiner Laufbahn zeichnen. „1997 in Sestriere Vierter und zehn Jahre später die Chance auf Schweden“, erzählt er weiter und vergisst dabei ganz, seine dazwischen liegenden Erfolge zu erwähnen. Aber so bescheiden ist er nun einmal.

Der Beginn der Karriere Strobls Karriere begann am 12. Dezember 1992 in Gröden. Die Liste seiner Erfolge ist lang. Er belegte insgesamt 31 Podiumsplätze im Weltcup. 9 Mal stand er auf der Siegertreppe ganz oben und erreichte je 11 zweite und dritte Plätze. Höhepunkt seiner Karriere war der Olympiasieg 2002 in Salt Lake City. Am 10.12.2005 im Abfahrtsweltcuprennen in Val d‘ Isere belegte Fritz Strobl hinter Michael Walch-

hofer, seinem besten Freund im Weltcup-Zirkus den zweiten Platz vor Hans Grugger. Der ORF berichtete damals: Olympiasieger Strobl legte in der dritten Saisonabfahrt das dritte Topresultat hin (zuvor Erster in Lake Louise und Vierter in Beaver Creek) und behält damit das „Rote Trikot“ für Platz eins im Abfahrtsweltcup. „In optimaler Form, drei Wochen vor der Olympia-Abfahrt in Turin 2006, habe ich mir auf der Streif den dritten Mittelhandknochen der linken Hand gebrochen. Bereits vier Tage nach der Operation habe ich wieder trainiert und sieben Tage später die Abfahrt bestritten. – Gedanklich lenkte mich die Verletzung aber zu sehr ab und ich bin nur Sechster geworden.“ „2007 holte ich zwei Silbermedaillen in Schweden im Super-G. Weil

u Sport ist sein Leben. Foto: D. Weissmann

u Der Letzte wird der Erste sein – sein längstes Rennen. Foto: Salomon

u Olympiasieg in Salt Lake City.

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Foto: Salomon


u Der Präsident der Kinderpolizei. Foto: BMI

Präventionsbereiches auf den Leib geschrieben. Und seitens des Bundesministeriums für Inneres bemüht man sich ebenso, mit ihm Termine zu vereinbaren, wie seitens seiner Ausstatterfirmen, die ihn nach wie vor als Partner für die Zukunft sehen. Noch am selben Tag, in knapp zwei Stunden, steht also ein Termin an.

Debüt auf dem Rennmotorrad Kollege Strobl, der Olympiasieger und Weltmeister, Vize-Weltmeister, immer noch Streckenrekordhalter auf „der Streif“, und „Chart-Stürmer“ mit der „Downhill-Gang“ als „Mozart der Mausefalle“, den man sehr wohl als Multitalent der Schiszene bezeichnen darf, wird zu einem Event seines Helmausstatters zum Salzburgring gebeten. Freiherzig wie er ist, sagt er:

„Kommst mit? Drehen wir ein paar Runden!“ So kommt es, dass wir uns unter der Anleitung des Renninstruktors Lutz auf den Ring begeben und mit den neuesten UVEX-Helmproduktionen per Bike die Rennstrecke umrunden. Dabei folgen wir mit angepasst hoher Geschwindigkeit der Ideallinie. Auch hier scheint es, als würde er seinem Spitznamen alle Ehre machen. Gefühlvoll, rund, ja wieder nahezu katzenartig legt und bewegt er die Honda CBR auf der Rennstrecke. „Fritz the cat“ eben! „Das ist beinahe so, wie beim Schifahren, so als würdest du die Tore anfahren“ schwärmt Fritz nach seinem Debüt auf einem Rennmotorrad und das Blitzen in seinen Augen verrät seine Schwäche für Geschwindigkeit, die er allerdings niemals auf Österreichs Straßen auslebt. Denn in seinem Herzen ist er Polizist und natürlich Schirennläufer.

Persönlichkeiten

ich die Abfahrt verhaut hatte, bin ich damals nach Hause geflogen. Ich erhielt telefonisch die Information, dass gute Chancen für den Teambewerb bestünden. So bin ich nochmals nach Schweden geflogen, und wir machten die Goldene im Teambewerb. Das war zu jener Zeit, als meine Mutter schwer erkrankte.“ „Schon 2002, als Olympiasieger und 30-jährig wurde ich gefragt, wann ich ans Aufhören denke. Nach insgesamt 16 Jahren Weltcupzirkus habe ich mir gesagt, lieber ein Jahr früher, als ein Jahr zu spät aufgehört.“ Fritz Strobl beendete seine Karriere als Schirennläufer im März 2007 in der Schweiz und ist dankbar dafür, dass er seinen gefährlichen Sport ausüben und relativ unbeschadet überstehen durfte. Er lebt mit seiner charmanten Frau Bettina und seinen beiden Söhnen Mario und Simon (7 und 10 Jahre alt) in Adnet im Tennengau. Und nach dem Tod seiner Mutter im Juni 2007 hilft er nun seinem Vater in Kärnten, so gut es geht. Friedl will später, nach dem Schulabschluss seiner Kinder als Nebenerwerbsbauer den Hof seines Vaters übernehmen. Während Fritz von seinem Leben als Schirennläufer erzählt, läutet immer wieder das Telefon. Dem Präsidenten der Kinderpolizei ist die Tätigkeit im Rahmen des Jugend- und

Danke Fritz Strobl für Deine Menschlichkeit, Deine Frohnatur und für alles, was Du für Österreich geleistet hast und vor allem dafür, dass Du als Freund und Kollege in unseren Reihen bist. Vieles, worüber Fritz Strobl am Tag unseres Zusammentreffens nicht gesprochen hat, erzählt er auf seiner Homepage: www.fritzstrobl.com Dietmar Weissmann

u Links: Auf geht’s – zum Helmtest. Rechts: Salzburgring – Boxenstraße – Einweisung durch den Instruktor „Lutz“. Fotos: D. Weissmann

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Eckart Neururer

Persönlichkeiten

Karateka und Visionär Eckart Neururer erlernte Karate im Rahmen seiner Ausbildung in der Sondereinheit Cobra. Seither ist er ein begeisterter Karateka und Verfechter der asiatischen Lebensweise.

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hotokan Karate-Do ist eine Körper- und Kampfkunst und eine Methode der Selbstverteidigung. Sie ist auch ein Weg zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit und zur Festigung des Charakters, der schließlich zu einem inneren Wachstum führt. Diese Kampftechnik ist somit nicht nur eine Disziplin der Körperbeherrschung, sondern auch eine Schule der Geistesbildung, die einen das ganze Leben lang begleiten sollte. Neururer wurde nach seiner Zeit bei der Cobra Mitglied im Shotokan Karate Club Lustenau und erlangte den schwarzen Gurt. Seit

1997 führt er den Verein und führte die Voraussetzung ein, dass auch die Vorstandsmitglieder am Training und am Wettkampf teilnehmen müssen. Durch seine Überzeugung und Ausstrahlung gelang es ihm, vor allem die Jugend für diese Sportart zu begeistern. Am Beginn seines Weges lernt der Karateka viele seiner körperlichen Grenzen kennen. Allerdings sind dies nicht die einzigen Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Hier setzt Neururer an. Jugendliche sollen lernen, sich für ihre Ziele einzusetzen und Ängste abzubauen. Sein Engagement ist ungebrochen, so verwundert es nicht, dass er bereits 23 Mitglieder bis zur Meisterklasse geführt hat.

Seiner Lebensart entsprechend startet er daher jedes Jahr ein Sozialprojekt. Ob Stundenlauf für den Verein Lebenshilfe, ein Schulprojekt in Albanien oder Waisenkinder in Guatemala, um nur einige Beispiele zu nennen. Damit die Sportart einer breiten Öffentlichkeit gezeigt wird, hat er Karate als Theaterstück inszeniert, in dem Jugendliche als Darsteller auftreten.

Budo-Zentrum in Lustenau Seit Jahren wirbt Neururer bei Politik und Wirtschaft für den Bau des „BudoZentrums“ in Lustenau. Durch ein gutes Nutzungskonzept wurde es inzwischen in den zukünftigen Sportparks in der größten Marktgemeinde der Alpenrepublik bereits eingeplant. Budo heißt wörtlich übersetzt: „Der Weg, den Kampf zu vermeiden.“ Budo wird als ganzheitlicher Übungsweg betrieben, in dem durch die Schulung von Körper- und Selbstbeherrschung eine psychische und physische Persönlichkeitsentwicklung gefördert wird. Mehr auf der Homepage www. karateclublustenau.at! Peter Magg u Eduard Neururer mit Landes­ rat Sterner. Fotos: Neururer

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Persönlichkeiten

u In Russland ist al­ les eine Nummer größer: Das Präsi­ dium tagt. 2. v. l.: Präsident Reinhard Moser.

Reinhard Moser

Der Präsident der IPMC Reinhard Moser ist nicht nur – bereits in der zweiten Funktionsperiode – Obmann der IPA Landesgruppe Tirol, sondern auch Präsident der IPMC.

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ls Angehöriger der Verkehrspolizei und mittlerweile Leiter des Verkehrsreferats im SPK Innsbruck hat Reinhard Moser schon immer ein Faible für den Motorsport. So war es kein Wunder, dass ihn vor Jahren schon die internationalen Sternfahrten und

Treffen der IPMC interessierten. Hier lernt man interessante Kollegen in interessanten Regionen kennen. Die Veranstaltungen sind auch immer Herausforderungen im Kampf um die begehrten Punkte. Heute ist Reinhard Moser nicht nur Obmann der IPA Landesgruppe Tirol

u IPMC und IPA sind eine gute Ge­ meinschaft. Bei der Parade wird der IPA­Stern gerne prä­ sentiert. Fast alle IPMC­Mitglieder sind auch bei der IPA.

– und das in der zweiten Funktionsperiode. Viel länger schon ist er Präsident der IPMC. Wenn man ihn darauf anspricht, erzählt er gerne: „Die International Police Motor Corporation (IPMC) veranstaltet jährlich eine internationale Polizeisternfahrt. Wir sind bemüht, diese Treffen, wo immer ca. 800 TeilnehmerInnen aus meist 12 bis 15 Nationen zusammenkommen, wechselweise in einem anderen europäischen Land bzw. Stadt zu organisieren. In den vergangenen Jahren kam uns da die Ostöffnung sehr entgegen, sodass nun vermehrt Sternfahrten in Polen, der Ukraine und in Russland stattfinden. Teilnehmen kann jeder Angehörige einer offiziellen Polizeieinheit (wie immer die auch heißen mag) und Mitglieder aus deren Sportvereinen. Die erste Sternfahrt wurde von

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Persönlichkeiten

u Eine Parade und Gedenkveranstaltung in Russland ist immer spektakulär.

Oberst Richard Weber vom PSV Hamburg 1930 in seiner Heimatstadt organisiert. Die 62. Polizeisternfahrt wurde 2008 in Graz durchgeführt. Danzig beherbergt uns 2009. Unsere Zielsetzung ist ein Zusammentreffen aller motorsportbegeisterten Polizeibeamten, Erfahrungsaustausch über berufliche Tätigkeiten und Probleme sowie die Kameradschaftspflege über alle Grenzen hinweg. Ein Höhepunkt sind die jährlich durchgeführten IPMC-Europameisterschaftsläufe im Geschicklichkeitsfahren mit dem Auto und Motorrad. Hier kann jeder seine fahrerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Wer mehr über die IPMC und die Sternfahrten erfahren will, der klickt auf unsere

Homepage www.ipmc.org Die IPMC ist politisch völlig neutral und wird als privater Verein geführt. Wir sind auch kein Konkurrenzverein zu anderen Polizeivereinen. Im Gegenteil, viele der Sternfahrten werden gemeinsam mit der IPA oder den örtlichen Polizei-Sportvereinen organisiert.

Bis 2012 alles vergeben Ich nehme seit 1994 an den Sternfahrten teil und wurde am Delegiertenkongress 2000 in Leiden/Holland zum Präsidenten der IPMC gewählt. Eine Funktionsperiode dauert jeweils drei Jahre. Das Präsidium prüft die eingegangen Einträge auf Durchführung einer Sternfahrt und führt das

u Eröffnung des IPMC­Meetings vor dem Goldenen Dachl in Innsbruck. Foto: bestpic.at

Tagesgeschäft eines Vereines. Die endgültige Entscheidung über die Vergabe einer Sternfahrt liegt beim Delegiertenkongress, der jährlich durchgeführt wird. Bis 2012 sind die Veranstaltungen bereits vergeben, und für 2013 liegen vier Bewerbungen vor. Wir sind also zuversichtlich, dass es noch viele Internationale Polizeisternfahrten geben wird. So lade ich Euch ein, mal bei einer IPMCSternfahrt mitzumachen. Es geht ganz einfach – auf der Homepage ist die jeweils nächste Ausschreibung vermerkt. Eine Mitgliedschaft mit Mitgliedsbeitrag ist nicht erforderlich. Unser Motto lautet auch: „Mitmachen und sich in einer großen Gemeinschaft wohlfühlen.“ Klaus Herbert

u Reinhard Moser (M.) wird von einem russischen Kollegen geehrt. Foto: bestpic.at

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Erich Krenn

Er bleibt immer im richtigen Takt – ob als Kommandant der Polizeiinspektion Liezen, als ehemaliger Musikkapellmeister, als Triathlet oder Mountainbiker.

E

rich Krenn, 54, ist als gebürtiger Obersteirer seit seiner Kindheit dem Sport verbunden. Begonnen hat er mit Schifahren. Aber bereits als 22-jähriger dominierten die Ausdauersportarten Laufen, Radfahren und vor allem das Mountainbiken. „Mir hat das Bergfahren von Anfang an Spass gemacht. In den siebziger Jahren war das „Mountainbiken“ in Österreich noch kein Breitensport. Wenn ich damals mit dem Rad unterwegs

u Erich Krenn bleibt immer im Takt.

war, haben mich die Jäger und Förster gleich aus dem Wald gejagt.“

Persönlichkeiten

Immer im richtigen Takt

Mountainbiker Krenn hat als Moutainbiker an zahlreichen nationalen und internationalen Bewerben erfolgreich teilgenommen. Ein besonderer internationaler Bewerb war die „Bike-Transalptour 1999“ von Deutschland nach Italien. Der Klassiker von Oberstdorf bis zum Gardasee. Kein Alpencrosser, der nicht schon von dieser Route geträumt hätte. Nach dem Start im Allgäu führt die Route über den bekannten Schrofenpass nach Österreich, durch die Schweiz und das Val d’Uina nach Italien direkt zum Hauptziel, dem Gardasee. Auf diesem Alpencross erlebt man alle Höhepunkte und Qualen einer schweren transalpinen Tour. Jeden Tag steile Anstiege, Schneefelder, Schluchten, Panoramablicke und rasante kilometerlange Abfahrten. Es lockt der einmalige Augenblick, aus eigener Muskelkraft Riva del Garda zu erreichen. Auf der acht Tage langen Tour legen die Teilnehmer rund 800 Kilometer und 21.000 Höhenmeter zurück. Krenn und sein Partner hatten zudem noch das Glück an der Seite von Gary Fisher, dem amerikanischen Erfinder des Mountainbikes und der Tour, mitzuradeln. „Der

u Erich Krenn: Sport und Musik passen wunderbar zueinander.

Bewerb wird aus Sicherheitsgründen als Partnerbewerb durchgeführt. Es war ein tolles Erlebnis.“ Krenn belegte mit seinem Partner unter 1500 Teilnehmern aus aller Welt den ausgezeichneten fünften Platz. „Da die Bewerbe immer schwieriger und vor allem gefährlicher wurden, habe ich danach keine Rennen mehr bestritten.“

Triathlon Vor etwa zehn Jahren konzentrierte sich der Obersteirer auf den Sommer- und Wintertriathlon. Der Wintertriathlon ist ein Ausdauermehrkampf ohne Pausen, bestehend aus

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Persönlichkeiten

den Disziplinen zehn Kilometer Crosslauf, 30 Kilometer Mountainbiken und 15 Kilometer Skilanglauf. Der gesamte Kurs führt zumeist über Schnee im Gelände, Güterwege und Schipisten. Im Gegensatz zum Triathlon wird beim Wintertriathlon zuerst gelaufen. Der abschließende Skilanglauf erfolgt in freier Technik. In der Anfangszeit wurden die Disziplinen auch in anderer Reihenfolge durchgeführt.

Blasmusikkapelle Neben dem Sport widmete sich der 54-jährige auch der Musik. Im Alter

von acht Jahren erlernte er das Trompetenspiel. Drei Jahre später spielte er schon bei der Blasmusikkapelle Weißenbach bei Liezen auf. Nach 15 Jahren wurde Krenn schließlich Kapellmeister. Ehrenamtlicher, wie er betont. Unter seiner Führung erlebte die vorerst nur 20 Musiker umfassende Kapelle einen enormen Zulauf. Nach einigen öffentlichen Auftritten konnte der junge Kapellmeister immer mehr Weißenbacher begeistern, mitzuspielen. Als er das Amt nach 20 Jahren Spielzeit zur Jahrtausendwende einem Jüngeren übergab, war die Musikkapelle auf 60 Musikerinnen und Musiker angewachsen. Der Jüngste war gerade zehn und der älteste 70 Jahre alt. Rückblickend meint Krenn: „Trotz unserer personellen Stärke konnten wir mit den Kapellen in Liezen und Trieben nicht ganz mithalten. Wir waren echte Amateure. Aber ich denke, dass wir das Publikum begeistern konnten.“

Vom Pop bis zur Klassik

u Mit dem Mountainbike über Stock ...

Stolz erzählt Krenn, dass seine Kapelle neben den zahlreichen traditionellen Auftritten, wie Weihnachten und ähnlichen Anlässen, auch in Deutschland und Slowenien konzertierte. Das Repertoire reichte mit Ausnahme von sinfonischen Stücken von Pop, Rock bis hin zu den klassischen Stücken. Dafür wurde mindestens zwei Mal pro Woche geübt und regelmäßig am Wochenende aufgespielt. Natürlich alles ohne Gage. Als

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u ... und Stein.

Fotos: Krenn

er schließlich zum Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Liezen ernannt wurde, konnte er den Zeitaufwand nicht mehr leisten und trat mit etwas Wehmut von seiner Funktion zurück. Seither hat er das Musikerleben aufgegeben. „Die zwei Jahrzehnte als Kapellmeister möchte ich nicht missen. Ich konnte sehr viele Erfahrungen in meinen neuen Aufgabenbereich einfließen lassen. Es ist nicht immer einfach, 60 Personen, die vor allem freiwillig bei einem Verein sind, bei Laune zu halten und zu motivieren. Doch mit dem richtigen Takt ist vieles möglich.“ Maximilian Ulrich


Franz Seebacher

Persönlichkeiten

Gelebtes Dienen durch Freundschaft Ein „Vereinsmeier“ im positivsten Sinn ist Franz Seebacher: Er hilft unermüdlich, wo Not am Mann ist und lebt den IPA­Grundsatz „Servo per Amiceko“.

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eit 31 Jahren ist Franz Seebacher, Jahrgang 1948, in Villach geboren, Mitglied der IPA-Familie. Er ist sicherlich das, was man einen „Vereinsmeier“ nennt, aber im positiven Sinne. Er drängt sich nämlich nicht vor und ist dort tätig, wo es nicht immer wahrgenommen wird, als Arbeitsbiene im Hintergrund. Nach einer Kaufsmannslehre und einigen Jahren des Wirkens in der freien Wirtschaft wurde er 1976 bei der Bundespolizeidirektion Klagenfurt aufgenommen und versah nach der Absolvierung der Polizeischule in Wien, ab August 1977, seinen Dienst in Klagenfurt. Seine Kindheit und seine Jugend hat er in Villach verbracht, weshalb es ihn natürlich auch dorthin zog und er die Versetzung anstrebte, welche 1981 vollzogen wurde. Während sich andere Menschen den schönen Künsten widmeten und ihre Karriere gestalteten, stand für Franz Seebacher immer sein Engagement für den Nächsten und die Kolleginnen und Kollegen im Vordergrund. Er half, wo immer er

u Frisch, saftig und knusprig – Grillmeister „Franz“.

helfen konnte, war vielfach zur Stelle und musste nicht gebeten werden – er wusste, wenn Not am Mann war.

Sportbegeistert Franz der Sportbegeisterte, war nicht nur 10 Jahre Obmannstellvertreter beim ASKÖ Finkenstein, sondern auch während dieser Zeit aktiver und eifriger Sektionsleiter für die Sektion Tischtennis in diesem Verein. Trotz seiner Verantwortung bemühte er sich beim Polizeisportverein Villach um den Schifahrernachwuchs und steht bis heute als Schilehrer und Mitorganisator des PSV-Kinderschikurses unermüdlich zur Verfügung. Unter seiner Regie wurden sicher ganze Kompanien an Schiläuferinnen und Schiläufern von ihm und seinen Kollegen/innen ausgebildet.

Vielen seiner ehemaligen Kursteilnehmer/innen begegnet er heute noch. Sie kennen den „Franzi“ und zollen ihm Respekt, wenn sie ihn in der Stadt oder beim „Eishockey“ in der Stadthalle treffen, wo er für seinen Dienstgeber als Kontaktmann zu den jugendlichen Fans eingesetzt wird.

Gemeinnützige Aktivitäten Durch sein Organisationstalent und die Fähigkeit, auch andere für die Gemeinnützigkeit zu begeistern, gelang es ihm, mit dem Klub der Exekutive in Villach, dem er seit 1985 angehört und bei dem er mittlerweile als Kassier tätig ist, 15 Eisstockturniere auf die Beine zu stellen und wohltätige und gemeinnützige Aktivitäten zu organisieren. Die Klubzeitung wurde unter seiner Mithilfe jah-

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Persönlichkeiten u Franz Seebacher (zweiter von rechts) mit den Turniersiegern beim Eisstockturnier 2007.

relang gestaltet und wird noch heute als „Villacher Kappl“ aufgelegt. Ob beim Polizeisportverein, oder hinter der Theke beim Familienfest der IPA Verbindungsstelle Villach – und dort ganz speziell beim „Grillen“, Franz steht immer seinen Mann und die Kolleginnen und Kollegen können sich auf ihn verlassen. Seine Ruhe findet Franz in seinem Eigenheim im Stadtteil Neufellach

in Villach, wo er auch selbst kräftig Hand anlegte. Dort lebt er heute und hoffentlich noch lange mit seiner Mutter, der er auch liebevoll zur Hand geht, seiner Lebensgefährtin Elisabeth und der Tochter Sabine, seinem ganzen Stolz. Den viel verwendeten Grundsatz der Internationalen Police Assocation „servo per amikeco“, was übersetzt dienen durch Freundschaft

u Skilehrer „Franz“ mit den Skinachwuchs beim PSV – Schikurs.

Fotos: Seebacher

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heißt, der sehr oft niedergeschrieben und als Leitsatz der IPA verwendet wird, habe ich kaum aus seinem Munde gehört, weil Franz Seebacher diesen Grundsatz in seinem Herzen trägt und ihn lebt, ohne viel zu fragen und etwas dafür einzufordern. Helfen, einfach so, das ist und war immer sein Motto. Erwin Weger


Persönlichkeiten

u Mag. Werner Senn vor dem nagel­ neuen Polizei­Eu­ rocopter.

Werner Senn

Ein Pionier moderner alpiner Sicherheit Trauriger Anlass für eine Erfolgsgeschichte: Mit dem ASI (Alpines Sicherheits­ und Infor­ mationszentrum) schuf Werner Senn nach der Lawinenkatastrophe in Galtür eine schlagkräf­ tige Institution, die sich nicht nur im Katastrophenmanagement einen Namen gemacht hat.

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egonnen hat die Erfolgsgeschichte des ASI (Alpines Sicherheits- und Informationszentrum) um Mag. Werner Senn mit einem traurigen Anlass. Im Februar 1999 wurde die Skiregion Galtür von einer schrecklichen Lawinenkatastrophe heimgesucht. Senn war Einsatzleiter und koordinierte u.a. den Ausflug von 12.500 Menschen mit 52 Helikoptern. Wenngleich der gesamte Einsatz der Rettungsorganisationen vorbildlich abgelaufen war, stellte er im Nachhinein fest, dass wahre Krisenmanager gefehlt hatten, einfach mangels Infrastruktur. Das Bündeln von Kommunikation zwischen Gendarmerie, Rettung, Bergrettung, Mili-

tär, Bürgermeistern, Behördenleitern etc. war schwierig. Es gab noch keinen Digitalfunk. Internet war schon vorhanden, aber nur sehr begrenzt (die Gemeinde Kappl hatte gerade einmal 50 Internetanschlüsse).

Informationsplattform Nach Gesprächen mit den Verantwortlichen der Tiroler Landesregierung entwickelte sich eine Idee des Einsatzleiters zur Reife. Er gründete den Verein ASI (www.alpinesicherheit.com). Im Schnitt 1,75 Mann waren ab jetzt mit der Entwicklung einer Informationsplattform beschäftigt, die einmal im alpinen Krisenmanagement alle Stückerln spielen sollte. Einge-

bunden war der hochalpine Bezirk Landeck, geplant war eine Ausweitung über ganz Tirol. Es entstanden Datenbanken, wie das ESIS (Elektronisches Sicherheits- Informations System), das heute noch vom Land Tirol bei Sonderlagen zum Einsatz kommt. Bald schon erntete der Verein Lorbeeren: Im Jahr 2002 gewann das ASI den Arge Alp Zukunftspreis für „ein herausragendes Beispiel neuer Technologie im Alpenraum“, verbunden mit einer Ehrung bei der Landeshauptleutekonferenz. Mag. Senn dachte währenddessen über neue Strategien nach: Stärkung der Region Oberland durch den Sitz einer Alpinen Hochschule: „Da hat

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Persönlichkeiten

man das Klassenzimmer vor der Türe“, wandernde Berge, Gletscherschmelze usw. Aber zunächst koordinierte er die Lawinenkommissionen, die bislang weitgehend ohne Absprache untereinander agierten. Er schuf eine Parallele zum ESIS (dies ermöglicht nur behördeninternen Datenzugang) durch eine Datenbank mit öffentlichem Inhalt z.B. für Angehörige, Touristiker und andere interessierte Personen. Senn legte Wert auf einen Informationsaustausch für Personen, die mit alpiner Sicherheit beschäftigt sind. Zur Generalprobe für das ASI wurde die Alpine Ski WM in St. Anton 2001. Während im ESIS interne Informationen eingespielt wurden, publizierte die ASI Homepage die öffentlichen. Bei der Hochwasserkatastrophe 2005 stellte das ASI wiederum öffent-

liche Information zur Verfügung. Im Hintergrund stand ein Callcenter, das mit direktem Bezug zur Internetinformation ausgestattet war. Das Interesse der Menschen war groß. Die ASI Homepage hatte bis zu 400.000 Zugriffe täglich.

Sicherheitskonzepte Außer dem Katastrophenmanagement betrieb das ASI viele Projekte: Gefahrenkatalog für Tiroler Schluchten (Canyoning); Raftinglehrplan für Outdooranbieter. Hervorzuheben ist ein Auftrag, der für das führende Lawineninstitut Davos umgesetzt wurde: IFKISMIS Davos – Klosters (interkantonales Frühwarn- Krisen – Informations-System – Maßnahmen Informations-System), ähnlich dem Tiroler ESIS. Mag. Senn entwickelte mit dem ASI Sicherheitskonzepte für alpine

Großereignisse, wie etwa „Hannibal“ in Sölden oder Weltcuprennen in St. Anton a.A. Als Gutachter für Lawinen- und Skiunfälle hat er auch einen Skirechtratgeber geschrieben. Und die ASI Skisimulation zur Rekonstruktion von Wintersportunfällen wird von der Alpinpolizei heute noch verwendet. Seit 2005 ist Mag. Senn Leiter der Flugpolizei im BM.I. Die Zeit ist zu knapp, um auf zwei Hochzeiten zu tanzen. Das Land Tirol hat sich aus dem Projekt zurückgezogen und sich kostenintensiveren Alternativen gewidmet. Den Verein gibt es noch. Und wenn der alpine Sicherheitspionier heute zurückblickt, dann freut er sich „vieles was wir entwickelt haben, kommt immer noch zum Einsatz – weil es nichts Besseres gibt“. Klaus Herbert

u Im Februar 1999 veränderte eine Staublawine das Leben und Aussehen von Galtür in Sekunden. Mag. Werner Senn war als Einsatzleiter vor Ort. Dieses Bild zeigt die zerstörte „Neue Siedlung“ in Galtür, wo in den Gebäuden vier Bewohner nur noch tot geborgen werden konnten. Foto: KA Tirol

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Berthold Weiß

Persönlichkeiten

Das „IPA-Urgestein“ Er gründete die IPA Landesgruppe Niederösterreich: das 86 Jahre alte IPA­Urgestein „Bertl“ Weiß.

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ie ehrenvolle Bezeichnung „IPA-Urgestein“ erhielt der 86-jährige Berthold Weiß anlässlich einer Überreichung einer Auszeichnung in St. Pölten vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Der gebürtige Wiener, von allen „Bertl“ genannt, kehrte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1946 als 24-Jähriger aus der englischen Gefangenschaft nach Gablitz in Niederösterreich zurück. Während seiner Dienstzeit gründete der ehemalige Gendarmeriepostenkommandant von Gablitz die Landesgruppe Niederösterreich. Darüber hinaus war er auch Mitbegründer der Landesgruppe Wien und Burgenland. Dieses Engagement ergab sich aus persönlichen und dienstlichen Gründen. Nach seiner Pensionierung konzipierte und errichtete er in Gablitz ein Heimatmuseum mit alten Exponaten. Die Marktgemeinde im Bezirk WienUmgebung im Wienerwald befindet

u „IPA­Urge­ stein“ Bertl Weiß. Fotos: Weiß

sich fünf Kilometer westlich von Wien. Dokumentiert wird die Geschichte des Ortes von der Urzeit bis heute. Im Lauf der Jahre dominierten die Schaustücke der Feuerwehr. Daher entschloss er sich auch, ein eigenes Feuerwehrmuseum einzurichten und verfasste eine Chronik der seit 1879 bestehenden Gemeindefeuerwehr. In zwei Räumen sind mehr als 200 Exponate ausgestellt. Gerne führt er immer wieder Volksschüler und Lehrer durch „seine“ Museen, wo er über Heimatkunde referiert. Darüber hinaus organisiert Weiß jedes Jahr eine eigene Sonderschau und führt die Besucher selbst durch diese Ausstellung. Seine Liebe zur Geschich-

u Berthold Weiß beim Vortrag im Gablitzer Feuerwehrmuseum.

te, aber auch als Zeitzeuge veranlasste ihn, mehrere Bücher über die Marktgemeinde Gablitz zu verfassen. Berthold Weiß ist so sehr in das Gemeindeleben eingebunden, dass es beinahe keine Veranstaltung gibt, wo er nicht mit allen seinen ehrenamtlichen Funktionen vertreten ist. Auf Grund seiner zahlreichen Funktionen wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet und ist beinahe in allen Vereinen der Gemeinde Gablitz Ehrenmitglied. Zur täglichen Arbeit gehört auch der Gang ins Büro der Landesgruppe Niederösterreich, wo er anfallende Arbeiten erledigt. Für das Urgestein gilt der Ausspruch: „Keiner von uns ist nur für sich auf der Welt.“ Maximilian Ulrich

u Weiß erklärt die Herkunft der Exponate im Gemeindemuseum

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Gerhard Braunschmid

Persönlichkeiten

Mister Patcher u Foto: Braunschmid

Ein begeisterter Sammler von Polizeiabzeichen ist Gerhard Braunschmid. Gerne präsentiert er auch seine Raritäten, wie z.B. das Abzeichen der Schweizer Garde.

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eltweit sammeln Exekutivbeamte und Private Polizeiabzeichen aus Stoff oder „patch“ und Metall oder „badge“. Ein begeisterter Sammler mit einer umfangreichen Sammlung ist der 43-jährige Polizeibeamte Gerhard Braunschmid vom Landespolizeikommando Oberösterreich. Polizeizeichen lassen sich in der Geschichte bis zur Antike zurückverfolgen. Es gibt kaum ein Land, das seine Exekutivbeamten nicht mit Abzeichen ausstattet. Manchmal handelt es sich um einen simplen Schriftzug, eine Anstecknadel oder ein schlichtes Symbol. Es dient primär der Wiedererkennung. Die USA nutzen derartige Abzeichen auch verstärkt zur Förderung des Korpsgeistes und einer möglichst dekorativen Erscheinung. In den vergangenen Jahrzehnten griff das Sammeln von Polizeiabzeichen, ausgehend von den USA, auf alle Kontinente über. Die IPA erleichterte die Kontakte und Tauschmöglichkeiten unter den Sammlern. Über das Internet hat der Abzeichenhandel ungeahnte Formen angenommen. Fo56

ren, Newsgroups und Mailing-Lists ermöglichen die Weitergabe von Informationen und erleichtern den schnellen Austausch oder Kauf von Patches und Badges. Darüber hinaus organisieren sich Gleichgesinnte immer öfter in Vereinen, die internationale Treffen ausrichten. Viele dieser Vereinigungen sind unter der Bezeichnung Police Insignia Collectors Association (PICA) bekannt und bilden ein lockeres Netzwerk.

Tauschbörse Neben den USA, Großbritannien, Belgien oder Australien gibt es seit 1995 auch in Österreich eine Tauschbörse die 1. Austrian Police Insignia Collectors Association, APICA. Das größte Sammlertreffen fand im Juni 1999 anlässlich des 150. Geburtstages der Bundesgendarmerie in Wien statt, das auch ein Amerikaner besuchte. Seit über zehn Jahren ist Gerhard Braunschmid begeisterter Sammler von Exekutiv-Abzeichen aus aller Welt. Die stolze Sammlung von mehr als 2500 Stück sind in mehreren Glasschauwänden und in zehn dik-

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

ken Ordnern verwahrt. 450 Stück stammen allein aus Österreich. Er besitzt die Polizeiabzeichen aller 50 amerikanischen Hauptstädte und insgesamt mehr als 1000 amerikanische Polizeiabzeichen.

Raritäten Besonders gerne zeigt „Mister Patcher“ Interessierten das Abzeichen der Schweizer Garde aus dem Vatikan. Diese Rarität verdankt er einem Kollegen einer Sondereinheit. Oder ein Polizeiabzeichen von den Bermudas und ein von Prinzessin Caroline von Monaco signiertes Abzeichen. Zudem besitzt er als einer der wenigen weltweiten Sammler eine Kollektion aller 26 Schweizer Kantone. In Österreich existierten bis in die 80er Jahre vorrangig Metallabzeichen und nur wenige Stoffabzeichen der verschiedenen Wachkörper. Die neuen Uniformvorschriften und die Liberalisierung des Tragens von Emblemen haben zu einem stetigen Anstieg der Abzeichen geführt. „Patches“ können auch aus Gummi, Hartplastik oder Filz bestehen. Maximilian Ulrich


Malkunst auf allen Oberflächen Die Malerei ist ihre Leidenschaft: Fridolin Hikade und seine Gattin lassen sich von allen Oberflächenarten inspirieren.

u Die Malerei bestimmte immer schon das Leben von Fridolin Hikade. Fotos: Hikade

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s ist wirkliche eine vielseitige, aber auch außergewöhnliche Leidenschaft, die der pensionierte Polizeibeamte Fridolin Hikade und seine Ehefrau haben. Ihre Malkunst tragen sie beinahe auf alle Arten von Oberflächen auf. Die Malerei hat schon immer das Leben des pensionierten 65-jährigen Polizeibeamten aus Steyr bestimmt. Bevor er zur Polizei kam, hat er den Beruf eines Maler- und Anstreichers erlernt. Damals waren es die großen Flächen, die er mit breiten Pinseln oder Walzen bearbeitete. Später kam noch die Schnitzerei hinzu. Mehr als 20 Jahre hat er die Deckenbalken im regionalen Umfeld bearbeitet und mit Reliefs verziert. Seine Gattin Irene, die sich der Malerei verschrieben hatte, inspirierte ihn zu den feinen Pinselstrichen. Die feinen Pinselstriche sind auch eine

wichtige Voraussetzung für die Flächen, Formen oder Größen, die Hikade nun als Künstler bemalt. Ein Beispiel dafür sind bemalte Eier. Das Bemalen und Schmücken von Eiern ist ein alte Kunst, die besonders in den osteuropäischen Ländern zur Blüte fand. Allerdings widerlegen Eier das geflügelte Wort: „Ein Ei gleicht dem anderen.“ Die vom Federvieh produzierten Kunstobjekte unterscheiden sich in Oberflächenstruktur, Farbgestaltung und Form. Ob kleine Vogel-, Hühner- oder Straußeneier, Hikades Pinselstriche verwandeln sie zu wahren Kunstobjekten. Auch die seit dem 16. Jahrhundert bekannten Spanschachteln oder Spandosen werden bearbeitet. Es sind kleine, meist ovale, bemalte Behälter aus Weichholz, die zum Aufbewahren von Wertgegenständen, Gegenständen der Volksfrömmigkeit, kleineren Alltagsgegenständen

Persönlichkeiten

Fridolin Hikade

oder die früher in Apotheken zur Aufbewahrung von Pillen verwendet wurden. Weiters zählen auch ziervoll bemalte Glaskugeln und Bilder zum Repertoire des Künstlerehepaares.

Motive aus der Tier- und Pflanzenwelt Als Motive für ihre Malkunst dienen vor allem Darstellungen aus der Tierund Pflanzenwelt, oder aus dem Bereich der Religion. Auch Weihnachtsoder Ostermotive dienen als Malvorlagen. Zu den Lieblingsmotiven des Ehepaares zählen vor allem die Malereien von Lisi Martin, Hummel oder Marjolein Bastin. Die künstlerischen Unikate können jedes Jahr bei der Osterausstellung im Schloss Traun in Oberösterreich, wo das Ehepaar auch selbst anwesend ist, bewundert werden. Zudem veranstalten die beiden Künstler jährlich einen Malkurs an der Volksschule in Steyr.

Maximilian Ulrich

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Ulrike Hübner

Persönlichkeiten

Ich will Hubschrauberpilotin werden – Ziel erreicht! Ihr großer Traum ist in Erfüllung gegangen: Die Grazerin Ulrike Hübner ist seit 2002 Hubschrauberpilotin. Derzeit ist sie bei der Flugpolizei, Einsatzstelle Salzburg, tätig.

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m Jahr 1994 besuchte Ulrike Hübner die Polizeischule in Wien. Zwischen 1996 und 2002 versah sie Wachzimmerdienst in Wien Floridsdorf. Ihr angestrebtes Ziel, Pilot zu werden, erreichte sie im Jahr 2002. Seither ist Ulrike Hübner direkt dem BMI unterstellt und bei der Flugpolizei tätig. Die charmante Grazerin ist zwar kein Zugvogel, musste sich aber bereit erklären, in ganz Österreich, je nach Bedarf, Dienst zu versehen. Ihre Schwingen breitete sie bisher über allen Landeshauptstädten bzw.

u Zurück vom Flugeinsatz mit Männern der Cobra. Foto: D. Weissmann 58

Bundesländern Österreichs aus. Sehr gerne wäre sie allerdings in ihrer Heimatstadt Graz stationiert, wo ihr der Dienst, nicht zuletzt wegen der Nähe zu ihrer Familie, besondere Freude bereiten würde. Seit geraumer Zeit ist sie über Salzburgs Dächern, Straßen und Bergmassiven aktiv. „Schön wäre es, wenn ich nicht mehr ständig zwischen Graz und Salzburg pendeln müsste“, sagt sie mit schwerem Steirerherz. Nicht schwermütig, aber Heimat verbunden, (… „wie wir Steirer eben sind“). Dietmar Weissmann

u Ulrike Hübner.

Foto: Weissmann


Persönlichkeiten

u Oben: Günther Lutz im Einsatz (im Vordergrund); Links: Lutz bei der Spendenübergabe.

Günther Lutz

Ein „Schutzengel“ der Kinder und Jugendlichen Günther Lutz, ehemaliger Gendarmeriebeamter, ist ein wahrer Schutzengel. Seit Jahrzehnten unterrichtet und unterstützt er Kinder und Jugendliche.

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ast 40 Jahre ist es her, dass er am Gendarmeriepostenkommando Dornbirn seinen Dienst antrat. Unzählige Male musste er zu Verkehrsunfällen ausrücken. Die Unfallopfer waren sehr oft Schulkinder. Die Folgen für die Betroffenen und deren Familien waren ausschlaggebend, dass er beschloss, Präventionsmaßnahmen zu setzen, um die jungen Verkehrsteilnehmer vor den Gefahren des Straßenverkehrs zu schützen. Sein Einsatz war

vorbildlich. Nicht nur während seiner Dienstzeit, sondern auch in seiner Freizeit unterrichtete er seine Schützlinge über richtiges Verhalten im Straßenverkehr.

Verkehrserziehung In der Zwischenzeit ging Lutz in Pension und ist er noch immer in der Verkehrserziehung tätig. Österreichweit dürfte er diese Funktion am längsten ausüben. Sein polizeiliches Einschreiten war immer so ausge-

richtet, dass Kinder und Jugendliche einen positiven Zugang zur Polizei fanden. Für ihn war der Ausspruch „Polizist dein Freund und Helfer“ nicht nur eine hohle Phrase. Daneben hat er ein zweites Verkehrsprojekt „Sicheres Radfahren für Migrantinnen“ geschaffen. Seit seiner Pensionierung vor sieben Jahren übt er die Verkehrserziehung ehrenamtlich aus, wobei er aber von der Vorarlberger Landesregierung und der Bezirkshauptmann-

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Persönlichkeiten u Oben links: Rodeln ist ein Spaß für Alt und Jung. Oben rechts: Günther Lutz ist auch nach seiner Pensionierung mit Begeisterung in der Verkehrserziehung tätig. Rechts: Beim Weihnachtsonzert zugunsten der Kinderkrebshilfe fungiert Günther Lutz als Moderator. Fotos: Lutz

schaft Dornbirn stets unterstützt wird. Doch damit nicht genug. Seit Jahren organisiert er Weihnachtskonzerte zu Gunsten der „Kinderkrebshilfe für Vorarlberg.“ Um einen hohen Reinerlös zu erzielen, organisiert und moderiert er die Veranstaltung und den Verkauf der Eintrittskarten selbst. Selbst als Musiker tritt er auf. Die Veranstaltung im „Kulturhaus“ ist immer ein großer Erfolg und bis zum letzten Platz ausverkauft. Durch diesen persönli-

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chen Einsatz ist es immer wieder möglich, größere Geldbeträge an verschiedene soziale Einrichtungen zu übergeben. Als Obmann des Sportrodelklubs „Dornbirn-Gütle“ können Kinder auf vereinseigenen Rodelbahnen Rodelkurse besuchen und richtiges Umgehen mit dem Sportgerät und richtiges Verhalten auf der Piste erlernen. Auch kranke Kinder stehen auf seiner Betreuungsliste. Als bekannter und beliebter Mundharmonikerspieler besucht er sie in den Krankenhäu-

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

sern und musiziert für sie. Günther Lutz möchte mit seinem zeitaufwendigen Einsatz Kindern und Jugendlichen nicht nur eine sinnvolle Freizeitgestaltung anbieten und sie vor Gefahren schützen, sondern zu einer positiven Einstellung zu Erwachsenen und ihrer Umwelt anhalten. Den Rest der Freizeit verbringt er als Sänger bei regionalen Gesangsvereinen oder unterstützt die IPA als langjähriges Mitglied bei sozialen Peter Magg Projekten.


Literatur aus der Feder eines Polizeichefs Kommissar Peter Zoff ist unbestechlich und die Klärung eines Falles ist ihm wichtiger als seine Karriere.

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inter dem unbeirrbaren Kommissar Peter Zoff steht Kirchdorfs oberster Polizeichef, Bezirkspolizeikommandant Hans-Peter Vertacnik. Der 52-jährige, der Thomas Bernhard, Ernest Hemingway, Haruki Murakami und Christoph Ransmayr zu seinen Lieblingsautoren zählt, begann vor mehr als einem Jahrzehnt selbst mit dem Schreiben. Obwohl ihn sein Beruf durchaus ausfüllt, griff Vertacnik vor 15 Jahren zur literarischen Feder, um dem Leser einen Einblick in die tägliche Tatortund Fahndungsarbeit der Kriminalpolizei zu gewähren. Zunächst waren es aber Kurzgeschichten und Gedichte, die er veröffentlichte. Dafür erhielt er 1994 den Luitpold Sternpreis für Lyrik. Da sich die Bücher schwer verkaufen ließen, wurde ihm geraten, es als Krimiautor zu versuchen. Vorerst war der gebürtige Steirer nicht begeistert, später hat ihn die Aussage „Krimiautoren seien die Rock´n Roller der Literatur“, aber überzeugt.

Kommissar Zoff Vertacnik schuf bei seinem Krimidebüt den sturen Kommissar Zoff, der ohne Rücksicht auf seine Karriere im parteipolitischen Milieu ermittelt. Der Autor hat dazu authentisches und auch autobiografisches Material verwendet. „Es hat nahezu alle Morde gegeben. Die Schauplätze kenne ich, die Figuren sind meist Mischungen aus drei, vier Leu-

u Vertracniks Werke: „Abfangjäger“ und „Ultimo“.

u Buchautor und Bezirkspolizeikommandant: Hans-Peter Vertacnik. F: Vertacnik

ten.“ Mit dem Roman wollte er auch den Polizeialltag widerspiegeln, der die Akteure psychisch und physisch belastet. Zudem spart er auch nicht mit politischen Seitenhieben. „Sie sind gerecht verteilt. Es ist interessant, wie rasch Politiker Ideologien über Bord werfen.“ Für Spannung und auch Beklemmung sorgt sein erster Roman, der Politthriller „Abfangjäger“. Als Hauptfigur agiert Peter Zoff, Leiter des Morddezernats in Graz. Die Ermittler führen einen Kampf gegen schier übermächtige Gegner. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Verschwörungen, Schmiergeldzahlungen und Morde. Als Zoff die Zusammenhänge erkennt, ste-

Persönlichkeiten

Hans Peter Vertacnik

hen er und seine Familie selbst im Fadenkreuz der Kriminellen. Der zweite Roman „Ultimo“ kommt weitgehend ohne große Verschwörung aus. Dafür muss Zoff dieses Mal mitten im heiklen Feld der österreichischen Innenpolitik ermitteln. Die Story ist frei erfunden, wie die handelnden Personen. Im Umfeld des jungen, erfolgreichen Salzburger Bürgermeisters, der auch Chef der Liberalen ist und in der Bundespolitik mit den Konservativen in einer Koalition sitzt, passieren einige Brandanschläge auf Häuser und schließlich auch Morde.

Für den Täter ist die Tat logisch Hegt der Krimiautor auch Sympathien für seine Täter? „Man darf nie vergessen, dass einem immer ein Mensch gegenübersteht. Für den Täter ist seine Tat immer logisch, meist sogar zwingend. Ein Kriminalist hat immer die Verpflichtung, auch die entlastenden Gesichtspunkte zu berücksichtigen.“ Hans-Peter Vertacnik ist Mitglied der österreichischen „IG Autorinnen Autoren“, des „Syndikats“ und der österreichischen Krimiautoren. Seine Bücher sind 2007 und 2008 im deutschen Gmeiner Verlag erschienen. M.U.

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u Hermann Föger mit seiner Tochter Irene in Libyen.

Persönlichkeiten u Unten: Bei den Mursi in Äthiopien. Fotos: H. Föger

Hermann Föger

Begeisterter Weltenbummler Abseits von jedem Massentourismus bereiste Hermann Föger vor allem die Exoten auf unserem Globus. Seit 1976 ist er begeistert, das nicht Alltägliche kennen zu lernen.

V

ierzig Staaten außerhalb Europas haben andere Menschen auch schon besucht. Doch wenn man Hermann Föger zuhört, dann merkt man schnell: hier ist ein Reiseexperte am Werk. Föger wählte vor allem die Exoten auf unserem Globus aus. Und dazu zählen nicht nur Äthiopien oder der Jemen, sondern auch Peru, Tibet und Bhutan. Begonnen hat die Reiselust 1976 62

mit einer IPA Reise nach Ägypten. Föger war begeistert das nicht Alltägliche kennen zu lernen. Er wollte vor allem weg vom Massentourismus. Seine Planungen bewältigte er mit Fachliteratur, heute auch mit dem Internet.

Gefährliche Gegenden meiden Doch zurück zum Jemen. Da gibt es doch noch Räuberbanden und Kidnapper? „Ja, aber nicht überall. Und

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

die gefährlichen Gegenden muss man meiden. Von meinen Mitreisenden ist nie einer bestohlen worden und zum Glück nie einer erkrankt“, erzählt er stolz. Seine dienstliche Erfahrung kam ihm oft zu Gute. Ein Höhepunkt sollte die Reise nach Bhutan werden. Nur 5000 Touristen erhalten pro Jahr ein Visum. Die Gruppe reiste aus Tibet an. Doch in China gab es SARS-Alarm. Am Flughafen in Bhutan wurden die


enz bei einem Ashanti-König. Das war wirklich aufregend. Die Reisegruppe wurde gefeiert wie ein Staatsbesuch.

u Nonnen in Myanmar.

Gäste mit SARS-Masken empfangen. Zehn Tage Quarantäne im Krankenhaus! Da zückte Föger seinen IPA-Ausweis. Und es half. Am nächsten Tag durfte er mit seinen Begleitern unter Polizeischutz das Königreich auf dem Landweg nach Indien verlassen. Schade nur, beim größten Tempelfest des Landes konnten sie nicht dabei sein.

u Mandara-See in Libyen.

Über das IPA Panorama begann Hermann Föger vor Jahren eine Brieffreundschaft mit einem Ghanaesischen Kollegen. Und eines Tages besuchte er ihn. Es war ein aufregender Besuch. Föger zeigte ihm seine afrikanische Heimat, denn der Ghanaese hatte nicht die finanziellen Mittel zur Erkundung seines Landes. Er revanchierte sich mit einer Audi-

Hermann Föger, mittlerweile Bürgermeister von Silz, organisiert gerade den Gegenbesuch in Pozuzzo/Peru bei den Tiroler Auswanderern. Die Peruaner stellten damals zwei Bedingungen an ihre Einwanderer: vom Ackerbau mussten sie was verstehen, und katholisch mussten sie sein. Beides traf zu. Sie verließen 1857 Tirol und kamen nach zwei Jahren in ihrer neuen Heimat an. Zum 150jährigen Jubiläum der Ankunft wird es ein großes Fest geben. Aber warum ist Hermann Föger immer so problemlos durch die Welt gekommen? „Ganz einfach. Ich habe mich sehr gut vorbereitet und immer strikt an die Sitten und Gebräuche meiner Urlaubsländer gehalten. Das hat mir Gastfreundschaft und unvergessliche Erlebnisse eingebracht“, sagt er und lächelt zufrieden.

Persönlichkeiten

Bürgermeister von Silz

Klaus Herbert

Fotos: H. Föger

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Franz Berger

Persönlichkeiten

Die UNO und die IPA – zwei internationale Organisationen Franz Berger ist nicht nur Vorstandsmitglied der LG Wien, sondern auch Mitglied der internationalen Kommission für Außenbeziehungen und in dieser Eigenschaft als Repräsentant der IPA bei den Vereinten Nationen akkreditiert.

W

er nimmt eigentlich die Interessen der IPA bei der

UNO war? Franz 1., wird Franz Berger in der IPA Wiener Landesgruppe gerufen, der seit geraumer Zeit von seiner lieben Gattin Inge die dafür notwendige Zeit zugestanden bekommt, um dieses Amt erfüllen zu können. Diese Tätigkeit entwickelte sich von kurzen Teilnahmen an einzelnen Treffen bis hin zur wochenlangen täglichen Arbeitssitzungen.

u Franz Berger ist u.a. Mitglied der internationalen Kommission für Außenbeziehungen der IPA und bei den Vereinten Nationen akkreditiert. Fotos: Berger

Franz 1. hat eine doch nicht ganz einfache Kindheit und Jugendzeit erlebt, und vermutlich entstand bereits dort das Fundament für diese kom-

u Franz Berger mit seiner Gattin Inge. 64

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

plexe Tätigkeit. Kurz zu seiner Person, er wurde am 10. März 1932, als Sohn der Aloisia Berger in Wien Favoriten geboren und kam, (weil unehelich geboren) in die Kinderübernahmestelle der Stadt Wien-Lustkandlgasse. Im Alter von sechs Monaten wurde er als Pflegekind seinen Pflegeeltern der Familie Krischanitz, Kleinbaumgarten/Laa an der Thaya, denen bereits 5 Pflegekinder anvertraut waren, zur Pflege/ Erziehung übergeben. Franz besuchte vier Jahre die Volksschule in Gaubitsch und anschließend vier Jahre die Hauptschule in Laa an der Thaya. Nach Abschluss der Hauptschule (1945) erlernte er das Schuhmacherhandwerk.


Persönlichkeiten u Oben: Franz Berger mit seiner Gattin bei einem IPA-Ausflug. Rechts: Die Betreuung der Gäste ist Franz Berger ein Anliegen.

Nach Ablegung der Gesellenprüfung (mit Auszeichnung) wurde er, weil der nächste Lehrling nachrückte und weniger Kosten verursachte, arbeitslos. Nach einigen Monaten der Arbeitslosigkeit verdiente er als Hilfsarbeiter bei verschiedenen Baufirmen in Laa an der Thaya, Vorarlberg und Wien.

Sicherheitswache Am 15. Dezember 1952 wurde er nach einjähriger Wartezeit und positiver Aufnahmeprüfung in den Dienst der Wiener Sicherheitswache aufgenommen. Er absolvierte die zweijährige Grundschule der Polizei und kurz darauf als Pilotprojekt für sechs Monate den Definitivkurs für Sicherheitswachebeamte. In den Jahren 1964-1965 absolvierte er den Fachkurs für „Dienstführende Sicherheitswachebeamte“ und wurde nach Beendigung des Fachkurses der Sicherheitswacheabteilung Schmelz dienstzugeteilt. Bis zu seiner Ruhestandsversetzung (Jänner 1994) war er mit einer Unterbrechung von drei-

Jahren (Dienstversehung beim Österreichischen Polizeikontingent der Vereinten Nationen – UNCIVPOLUN-CIVILIAN POLICE in CYPRUS – als Wachkommandant für fallweise 35 Exekutivbeamte im österreichischen Hauptquartier in Nicosia und als „Liason-Officer“ (Verbindungsoffizier zwischen österreichischem Militärkontingent, dem griechischzypriotischen und dem türkisch-zypriotischen Bevölkerungsteil) als Wachkommandant im Schulungswachzimmer Oelweingasse tätig. In dieser Zeit waren ihm Hunderte von Polizeischülern zur Ausbildung zugewiesen. Weiters wurden zahlreiche (zukünftige) dienstführende Sicherheitswachebeamte für die Verwendung als Wachkommandant geschult.

Englisch-Prüfer Er war viele Jahre als „JUDO-Instruktor“ des Bundesministerium für Inneres bei verschiedenen Ausbildungslehrgängen eingesetzt. Ab 1970 war er als Übersetzer, Dolmetsch

und Prüfer der „Englischen Sprache“ für die Bundespolizeidirektion Wien und das Bundesministerium für Inneres tätig.

Vorstandsmitglied der IPA Seit 1970 betreut er als Mitglied des Vorstandes der IPA LG Wien Hunderte Mitglieder, die aus aller Welt als Besucher nach Wien kommen und deren Muttersprache Englisch ist. Das bringt mit sich, dass er dabei seine Heimatstadt präsentiert und – wie man es von ihm ja fast erwartet – in einer solchen Form, dass er als besondere Auszeichnung von der Stadt Wien unter Bürgermeister Zilk, den goldenen Rathausmann überreicht bekam. Seit Mai 2002 ist er Mitglied der „Internationalen Kommission für Außenbeziehungen“ der IPA und in dieser Eigenschaft als Repräsentant der IPA bei den Vereinten Nationen akkreditiert. Er hat einen UN-Pass, der ihm ungehinderten Zutritt zum Vienna International Centre ermöglicht. Er nimmt an fast allen Kom-

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Persönlichkeiten

missionen, Kongressen und Tagungen teil, bei denen polizeibezogene Themen, wie: „Organisierte Kriminalität, Korruption, Drogen, Sexuelle Ausbeutung von Kindern (Kindesmissbrauch), Menschenhandel, etc. auf der Tagesordnung stehen. Auf die Frage „Was machst du dort genau?“, teilt Franz mit, „ich habe, (weil die International Police Association Consultative/Special Berater-Status bei den UN hat) Rede- und Schreibrecht, das heißt, ich darf mich bei den angeführten Veranstaltungen zu Wort melden und Berichte vorlegen. Wortmeldungen sind bei den Delegierten, bei manchen Kongressen bis zu 600 Teilnehmer, meist Diplomaten aus bis zu 120 Staaten nicht allzu beliebt, weil sie selbst gerne „gescheit“ reden wollen. Meine Statements werden jedoch gerne angenommen, weil sie Theorie mit Praxis verbinden. Sie

u Als besondere Auszeichnung bekam Berger von der Stadt Wien den goldenen Rathausmann überreicht.

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u Franz Berger in geselliger Runde.

werden als ,Offizielle UN-Dokumente‘ behandelt. Ich schreibe als Einzelperson, während alle Delegationen mit einem Mitarbeiterstab von bis zu 20 Personen anreisen. Meine Hilfe ist meine Gattin Inge, die alle meine Berichte streng kontrolliert. Mehrmals wurden meine Berichte über „Organisierte Kriminalität, Drogen und Kindesmissbrauch“ auf die „Agenda“ der jeweiligen Kongresse gesetzt oder für die Delegierten publiziert. Dies hat es bei den UN in Wien (meines Wissens) für eine „EINZELNE“ NGO noch nie gegeben. Ein bedeutsamer Erfolg ist mir, gemeinsam mit dem „Vienna NGO Committee on Narcotic Drugs“, im Juli 2008 gelungen. Drei drogenbezogene Resolutionen, die nach New York in das Hauptquartier der UN übermittelt worden waren, von der Generalversammlung der UN, in den Drogen-Jahresbericht übernommen wurden. Bei der „United Nations Confernce of the Parties to the United Nations Convention Against Transnational

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Organized Crime“ 8-18 Jul 2008, durfte ich mit Bewilligung des Präsidenten der Konferenz, ein mündliches Statement (2 Seiten) mit Thema „Menschenhandel, insbesondere Frauen und Kinder“ präsentieren.

Ein Rad im UN-Räderwerk Ich versuche seit meiner Entsendung zu den Vereinten Nationen, unsere Organisation durch meine sicher nicht ganz einfache Tätigkeit bei den UN so zu präsentieren, dass wir ein wenig stolz darauf sein können, ein wenn auch nur „kleines Rad“ im großen Räderwerk der Vereinten Nationen zu sein.“ Franz Berger Repräsentant der International Police Association bei den Vereinten Nationen Danke Franz 1. für die Beantwortung und ich wünsche dir ihm Namen der IPA Mitglieder weiterhin viel Kraft und Zeit, damit du die Interessen der IPA weiterhin im vollem Ausmaß wahrnehmen kannst. Franz Führing


Ausdrucksstarke Bilder als Ausgleich zum Polizeidienst Er empfindet sich nicht als Künstler, sondern als Hobbymaler – ganz im Gegensatz zu jenen, die seine Werke kennen. Franz Eberharters Bilder sind es wert, gesehen zu werden.

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ranz war Land-, und Forstarbeiter am elterlichen Hof. Er war vom Oktober 1963 bis Juni 1964 beim Bundesheer und trat am 01.08.1964 in den Dienst der Bundesgendarmerie, besuchte die Schule auf der Festung Hohenwerfen bis 1966. Ab 17.05.1966 war er Gendarm am Gendarmerieposten in Saalbach bis zu seiner Pensionierung am 01.09.2003. Als ich an seiner Wohnungstür stand, empfing er mich mit den Worten: „Künstler bin ich keiner!“ Dann bat er mich in seine Wohnung. Zu Beginn unseres Gespräches wiederholte er: „Ich bin kein Künstler! – auch kein Auftragsmaler! – Seit 1970 bin ich Hobbymaler. Insbesondere als Ausgleich zum Dienst habe ich mit dem Malen begonnen. Man braucht dann weniger Psychiater.“ „Bis zum Pensionsantritt habe ich immer gemalt und im Ruhestand noch viel mehr“, erzählt er und „meine Werke verschenke ich zumeist! Mein Bild „Trauer im Talschluss“, das ich anläs-

u Franz Eberharter. Foto: D. Weissmann

slich der Unglücke im Talschluss in Hinterglemm gemalt habe, es ist ein Landschaftsbild und zeigt eben diesen Unglücksort in Ölfarbe auf Hartfaserplatte in der Größe von 30x40 cm, befindet sich im Heimathaus in Saalbach. Damals kamen bei einem Eiskletterunfall der Bergführer und GendarmerieBezirksinspektor Wenger, er war Einsatzleiter der Alpinen Einsatzgruppe Zell am See und dessen Partner Ger-

u Gemalte Gedanken von Franz Eberharter. Foto: D. Weissmann

hard Aberger ums Leben. Ein Jahr später verunglückten zwei Freunde anlässlich einer Gedächtnistour bei einem Lawinenabgang tödlich.“ Während Franz Eberharter seine Werke präsentiert und mir die Gelegenheit gibt, sie zu fotografieren, erzählt er weiter: „Meine Maltechniken verändere ich ständig. Von Ölfarbe über Acryl und Ölkreiden bis hin zu feinen Faserstiften auf Leinen, Papier oder sonstigem Trägermaterial, verwende ich alle möglichen Materialien und Werkzeuge. Früher malte ich eher Landschaften, jetzt im Alter widme ich mich der offenen und auch der versteckten Erotik. Wenn mir in der Nacht ein Bild gegenwärtig wird, stehe ich auf und beginne zu malen. Fernsehsendungen, insbesondere über Entwicklungsländer inspirieren mich sehr. Meine Urlaubserinnerungen geben Stoff für viele ausdrucksstarke Bilder. Mein Wohnzimmer ist meine Wirkensstätte. Meine Bilder will ich aber weder ausstellen, noch verkaufen. Meistens verschenke ich sie an meine Kinder.“ Mit seiner Gattin Traude ist Franz seit 1970 verheiratet. Lieber Franz, gib nicht nur deiner Frau, sondern auch uns die Gelegenheit, deine Werke in Augenschein zu nehmen. Deine Bilder sind es wert, gesehen zu werden!

Persönlichkeiten

Franz Eberharter

Dietmar Weissmann 67


u Kreatives Arbeiten – ein Bild entsteht. Unten: „Mann ohne Gesicht“

Persönlichkeiten

Hans Schwärzler

Süchtig nach Farbe So beschreibt sich der Vorarlberger Polizist und Künstler Hans Schwärzler, der die Malerei als Nahrung für seine Seele braucht.

H

ans Schwärzler wechselte 1979 von der Privatwirtschaft als Zollwachebeamter zum Finanzministerium. Seit Februar 2005 ist er im Landespolizeikommando Vorarlberg, in der Organisations- und Einsatzabteilung tätig. Seit 15 Jahren greift der 53-Jährige, mit Künstlernamen „LEX“, in seiner Freizeit zu Pinsel und Farbe. Der Pinsel ist für ihn das geeignete Instrument, um Erlebnisse und unbewusste Wahrnehmungen bildnerisch darzu-

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stellen. So entführt er den Betrachter in eine Welt abseits der Realität. Seine Malerei orientiert sich nicht nach einer Stilrichtung, sondern der Künstler versucht seine Energie, seine Gedanken und Erlebnisse auf vorhandene Unterlagen zu bringen. „Ereignisse in meinem sozialen Umfeld, Weltpolitik und Themen der Zeit verlangen eine freie und verändernde Stilrichtung“, sagt der Freizeitmaler. Malerei bedeutet für ihn, auf Gedanken zu reagieren und diese gele-

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gentlich auch als Thema in einer Bilderserie aufzuarbeiten. Er beschreibt sich selbst als süchtigen Künstler, der die Malerei als Nahrung für seine innere Zufriedenheit konsumiert. Der Wunsch, für den Betrachter schöne Bilder anzufertigen, ist nur selten vorhanden. Hans Schwärzler möchte, dass der Betrachter vorhandene Stimmungen erkennt und diese mit den eigenen Vorstellungen auslebt. LEX malt seine Bilder überwiegend


Persönlichkeiten

mit Acrylfarben auf Leinen kaschierte Malplatten. Er hat seine Werke in zahlreichen Ausstellungen präsentiert. Die Maltechnik hat sich der Autodidakt in diversen Malkursen und durch ständiges Experimentieren angeeignet.

u Oben: „Der Denker“. Rechts: „Frau in Blau“. Fotos: Schwärzler

„KunstLeib“ Der Polizist ist Mitglied im Malerverein „KunstLeib“ in Hörbranz/Vorarlberg. Jeden zweiten Montag trifft sich eine kleine Gruppe von Malern und Malerinnen zum gemeinsamen Kunstabend. Zusammen besuchen sie Ausstellungen in der Umgebung, aber auch in München oder Zürich. In letzter Zeit werden auch Atelierbesuche bei bekannten Künstlern in der Bodenseeregion unternommen. In den vergangenen zehn Jahren hat Hans Schwärzler mehrere Einzel- und Gruppenausstellungen organisiert und an einigen Kunstprojekten mitgear-

beitet. Zudem betreut er die „Kleine LPK-Galerie“ im Landespolizeikommando Vorarlberg. Sein nächstes Ziel ist die Verwirklichung eines Kunstbuches mit dem Titel „Malerei im Visier der Jugend“. Für die Umsetzung sucht er derzeit nach Sponsoren. Im Winter/Frühling 2008 malte LEX eine Bilderserie mit dem Titel „Portrait in der Verwandlung“, und stellte diese im Rahmen einer Ausstellung gemeinsam mit seiner Frau Christine Schwärzler-Knill in der Bundeshandelsakademie Bregenz

aus. Anlässlich der EURO 2008, zeigte LEX in der Aula im Landespolizeikommando Vorarlberg ein Plastik mit dem Titel „König Fußball“. Grundgedanke war die Auseinandersetzung mit dem Kunstobjekt, das viele analytische Diskussionen auslöste. Fazit: Identität und Entäußerung. Derzeit arbeitet LEX am neuen Bilderzyklus „Die sinnliche Landschaft“, der ab Oktober 2008 in Veszprém/ Ungarn der Öffentlichkeit präsentiert wird. Peter Magg

u Links: „Beziehung“. Rechts: Die Plastik „König Fußball“ anlässlich der EURO 2008. 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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u Löscheinsatz bei einem simulierten Jetabsturz am TÜPL Allentsteig; Theresa Hübner 3. von rechts. Foto: privat, T. Hübner

Persönlichkeiten

Theresa Hübner

Ich werde Polizistin und IPA-Mitglied Zuerst einzige Frau bei der Flughafenfeuerwehr auf dem Flughafen Graz-Thalerhof, befindet sich Theresa Hübner nun in Ausbildung zum Polizeibeamten.

A

ls einzige Frau bei der Flughafenfeuerwehr des Bundesheeres auf dem Flughafen Graz-Thalerhof diente die Schwester von Ulrike, Theresa Hübner, als Zeitsoldatin beim österreichischen Bundesheer. Sie will künftig in Freundschaft, als IPA-Mitglied, dienen. Derzeit befindet sie sich in Ausbildung in der Bundeszentralschule des BMI in Graz. Auch sie will als Polizeibeamtin der Republik Österreich die Treue halten. Ob sie im Rahmen ihres künftigen Exekutiv-

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dienstes auch einen außergewöhnlichen Weg einschlagen wird, ist noch ungewiss. Möglichkeiten bietet ihr der abwechslungs- und spartenreiche Beruf jedenfalls viele. Bisher haben die Schwestern bereits gezeigt, dass sie in doch etwas unüblicher Art von der Norm abweichen. Zwei ganz besondere Frauen eben, auf die deren Vater Hans Hübner – Kriminalbeamter der Sicherheitsdirektion Steiermark – ganz besonders stolz sein darf. Dietmar Weissmann

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

u Theresa Hübner. Foto: privat, T. Hübner


Das Leben neu entdeckt

I

m Alter von 39 Jahren wurde der Gendarmeriebeamte Friedrich Hönigsperger bei einer Fahrzeugkontrolle von einem Lastkraftwagen angefahren und schwer verletzt. Trotz einer schweren Behinderung fand er wieder ins Leben zurück. Heute ist er Buchautor und in zahlreichen Funktionen in seiner Gemeinde tätig. Als Zeitsoldat in der Martinekkaserne in Baden leitete Hönigsperger, der in seinem Zivilberuf Koch war, die Panzerartillerieküche. Seine Kochkünste wurden nicht nur von den Soldaten geschätzt. Auch die Gendarmeriebeamten aus dem gesamten Umfeld kamen gerne zum Mittagstisch. Der ständige Kontakt mit den Beamten weckte auch in ihm den Wunsch selbst Gendarmeriebeamter zu werden. 1979 war es schließlich soweit. Endlich konnte er vom Bundesheer zur Gendarmerie wechseln.

Beamter mit Leib und Seele Hönigsperger war Beamter mit Herz und Seele bis zu jenen Abend im April 1991. Unmittelbar vor seinen Urlaub musste er wegen einer Fahrzeugfahndung ausrücken. Als er gegen 18:00 Uhr einen Lastkraftwagen kontrollierte, wurde er von einem zweiten rückwärts fahrenden Lastwagenzug angefahren und schwer verletzt. Dabei erlitt er mehrere Wirbelbrüche. Mehr als ein Jahr

war er deshalb im Krankenstand. Wieder im Dienst konnte er aus gesundheitlichen Gründen keinen Außendienst verrichten. Durch einige krankheitsbedingte Stürze verschlechterte sich sein körperlicher Zustand. Im Alter von 39 Jahren wurde Hönigsperger schließlich gegen seinen Willen pensioniert.

Schock Frühpensionierung Ein Schock für den erst kurz verheirateten jungen Mann, mit einem Neugeborenen und drei weiteren Kindern. Mit der jungen Familie als Rückhalt lernte Hönigsperger mit seiner körperlichen Behinderung zu leben. Weiters beschäftigte er sich intensiv mit seinen Hobbys der Archäologie und des Denkmalschutzes. Diese konnte er auch in praktischer Weise in seiner Gemeinde Wöllersdorf ausüben. Das ursprüngliche „Welanstorf“ wurde erstmals im Jahr 1165 urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vermutlich vom slawischen Ortsgründer „Welan“ ab. Die ersten Siedlungsspuren in Wöllersdorf stammen vom Beginn der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Außerdem wurden Überreste eines Friedhofes aus der Eisenzeit aufgefunden. Besonders überraschend kann die Auffindung einer Kultgrube aus der jüngeren Eisenzeit, aus dem 4. Jahrhundert vor Christus angesehen werden, die vor den Grabhügeln angelegt wurde.

Persönlichkeiten

Friedrich Hönigsperger

Diese Funde wurden nun in einem neu eröffneten Museum unter maßgeblicher Beteiligung von Hönigsperger aufgelegt. Ein weiteres Hobby ist die Mineralogie, wo er als Vizepräsident im Verein der niederösterreichischen Mineralsammler tätig ist. Auch am Sport wollte Hönigsperger teilnehmen. „Wenn ich schon körperlich nicht mittun kann, dann will ich mich zumindest meine Ideen einbringen.“ Gesagt - getan. 2001 legte er die Diplomprüfung zum Sportmanager der österreichischen Bundessportorganisation ab.

Buchautor Seine Leidenschaft für Geschichte, Ansichtskarten und alte Dokumente ließ er in sein erstes Buch mit dem Titel „Das alte Wöllersdorf“ einfließen. Dabei wird die Gemeinde über eine Zeitspanne von 100 Jahren dokumentiert. Zwei weitere Bücher „Unser Bezirk Wiener Neustadt“ und „Das alte Steinabrückl“ folgten. Im Moment schreibt der Autor und Verleger noch Kurzgedichte, an einem Sagen- und Märchenbuch und an einem Buch über die Gemeinde Pottenstein an der Triesting. Hönigsperger, der nur wenige Jahre seinen geliebten Beruf ausüben konnte und danach viele Tiefschläge einstekken musste, hat den Weg zurück ins Leben geschafft. Maximilian Ulrich

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Herbert Wolf

Persönlichkeiten

Auf den höchsten Gipfeln aller Kontinente Herbert Wolf ist Bergführer, Hochalpinist, Berg- und Flugretter, Extrembergsteiger und Mitglied der Alpinen Einsatzgruppe Gmunden.

M

ein Ziel als Bergsteiger ist es, einmal auf den höchsten Gipfeln aller sieben Kontinente zu stehen“, gesteht der Polizeibeamte Herbert Wolf von der Polizeiinspektion Bad Ischl. Dem Kanadier Patrick Morrow gelang dieses Ziel 1986. Reinhold Messner war im gleichen Jahr, allerdings vier Monate später, der Zweite. Der 41-jährige Polizeibergführer, Hochalpinist, Berg- und Flugretter, Extrembergsteiger und Mitglied der Alpinen Einsatzgruppe Gmunden startete diese außergewöhnliche hochalpine Herausforderung 1993 mit der Besteigung des Kiliman-

dscharos, dem höchsten Berg Afrikas. Danach folgten der 8.201 m hohen Cho Oyu in Tibet und fünf weitere Achttausender im Himalaya und in den Anden.

Mount Everest Im Mai 2007 wagte Wolf mit dem 40-jährigen Deutschen Ralph Ziegelmeier und dem 42-jährigen Sherpa Chuldim die Besteigung des höchsten Berges der Erde, dem 8.848 Meter hohen Mount Everest. Den Gipfelsturm starteten die drei zwei Stunden vor Mitternacht mit Stirnlampen und Sauerstoff. Nach mehr als fünf Stunden bezwang das Trio

u Der Ausblick vom Pumori.

u Herbert Wolf: „Endlich am Mount Everest!“ 72

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den ersten steilen Anstieg zum Balcony in 8500 Metern Höhe. Hierauf Wechsel der Sauerstoffflaschen, die für zehn Stunden reichen sollten. Ein Kontrollblick auf die Uhr und bald stapfte das Trio weiter. Im kombinierten Schnee- und Felsgelände bewegten sie sich zum Südostgrat. Unterhalb des Südgipfels rät Chuldim plötzlich zur Umkehr. Nach Protest von Wolf wird der Südgipfel bestiegen. Danach folgte ein kurzer


Abstieg zur Schlüsselstelle Hillary Step und endlich Sicht zum Hauptgipfel. Zum ersten Mal war das Ziel zum Greifen nahe.

Trotz Sauerstoff schien die Schinderei kein Ende zu nehmen. Vor Mittag erreichten die drei nach fast 14 Stunden endlich den Gipfel. Eine Viertelstunde verweilten sie am höchsten Punkt der Erde. Ein fantastischer Blick auf die Erdkrümmung und der Wunsch alles einzufangen. Schließlich der Abstieg. Nach vier Stunden erreichte Wolf mit seinen Begleitern ausgepumpt, aber glücklich das vierte Hochlager. Die nicht geplante Nacht verbrachten sie mit dem Rest des Sauerstoffs am Südsattel. Mit ihren sonnenverbrannten Gesichtern

u Herbert Wolf am Trango. Fotos: Wolf

und aufgerissen Lippen, aber dem unbeschreiblichen Gefühl, am höchsten Berg gestanden zu haben, schla-

u Herbert Wolf in Peru.

Persönlichkeiten

Gipfelsieg

fen die drei schließlich ein. Der erste österreichische Polizeibeamte auf dem höchsten Berg der Erde hatte damit sein Ziel, alle sieben Gipfeln oder „summits“ der Welt, mit Ausnahme der Carstensz Pyramide, dem höchsten Berg Ozeaniens und Australiens, beinahe erreicht.

Manchmal siegt auch der Berg Nicht immer lässt der Berg es zu, ihn zu bezwingen. Diese Erfahrung machte Herbert Wolf im Frühjahr 2008. Nur 800 Höhenmeter trennten ihn vom Gipfel des Pumo Ri im Nepal. Nach Regenfällen prasselten zeltgroße Felsblöcke vom Berg. Nach zwei Tagen traf die Bergsteigergruppe die gemeinsame Entscheidung zur Umkehr. Viel zu gerne steigen sie auf die Berge und das wollen sie auch in Zukunft fortsetzen. Maximilian Ulrich

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Alois Reichl

Persönlichkeiten

König über mehr als 120 Völker Die Bienen haben es ihm angetan: Alois Reichl hegt und pflegt mehr als 120 Bienenvölker. „Solange sie leben, lebt unsere Umwelt“, so der Mitarbeiter des Landespolizeilichen Beratungsdienstes, LPK Salzburg.

D

er Schlagzeuger und Bienenzüchter Alois Reichl ist seit 34 Jahren Exekutivbeamter. Im Zivilberuf war er Mechaniker. Ein Freund, der Trommler bei der Militärmusik war, weckte sein Interesse an Schlaginstrumenten. „Ich habe ihm damals ein Auto lakkiert, dafür hat er mir das Schlagzeug beigebracht“, sagt er. Einige Jahre musizierte er als Schlagzeuger mit den „Birds“, einer in den „70ern“ sehr beliebten Musikgruppe. Schlagzeuger und Bienenzüchter, wie lässt sich das vereinbaren? „Gar nicht!“ Mit der Musik hat Alois aufgehört,

u Alois Reichl an der Arbeit. 74

u Alois Reichl.

weil es damals, vor ca. 30 Jahren, offenbar nicht möglich war, als Gendarmeriebeamter im Außendienst bei einer Band mitzuwirken. Und die Bienen hatten es ihm ohnehin angetan. Darum wandte sich der Vater zweier Töchter und eines Sohnes von seinem geräuschträchtigen Hobby ab und dem Summen der Bienen zu. Mit etwa 10 bis 15 Völkern begann seine Freizeitbeschäftigung, die zum zeitaufwändigen Nebenberuf für ihn und seine Familie wurde. Seine Frau und seine Kinder helfen gerne mit. Als Hüter, Pfleger und Betreuer seiner arbeitsamen Insekten verbringt

der Bienenkönig viel Zeit in der freien Natur. „Man darf sich vor den Bienen nicht fürchten, man muss sie lieben“, sagt er. „Sonst ist man nicht geeignet Imker zu sein.“ Und er fügt hinzu: „Solange die Biene lebt, lebt unsere Umwelt.“ Vieles hat er über die emsigen Insekten, die ihn beschäftigen, gelernt. Manches hat er von ihnen gelernt. Alles weiß er über die Erzeugnisse und deren Inhaltsstoffe. Sein ruhiges aber aktives Wesen, Beständigkeit, Kernigkeit und Sachverstand sowie seine Liebe zur Natur, zeichnen ihn aus. Natürlich vermarktet er die reinen Naturprodukte höchster Güte. Und es ist gut so! Wie sonst kämen wir in den Genuss feinen Bienenhonigs verschiedener Art und in den Besitz von edlen Nebenprodukten, wie Blütenpollen, Propolis, Gelee Royale, Bienenelixier, Ambrosilikör, Bärenfang und Met? Auch Bienenwachsprodukte zur Leder-, und Möbelpflege und Kerzen finden sich im Sortiment der Imkerfamilie. Mehr Information über Alois Reichl’s Imkerei finden Sie auf der Homepage: www.imkerei-reichl.at

Fotos: D. Weissmann

Dietmar Weissmann

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Persönlichkeiten

u Das Ampelsignal steht auf Grün (unten), der Fahrspaß auf 50 Quadratmetern kann losgehen! Fotos: Zehenter

Heinz Zehenter

Eisenbahn im Dachgeschoß Am Dachboden von Heinz Zehenter blinkt, leuchtet, rattert und dampft es. Vor einem Vierteljahrhundert begann er eine Welt aufzubauen, die auf Knopfdruck funktioniert.

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chon als Kleinkind wollte er immer eine Eisenbahn haben. Diesen Traum begann er vor 25 Jahren zu realisieren. Als Zehenter noch aktiver Gendarmeriebeamter war, werkte er regelmäßig im Dachgeschoß seiner Wohnung und errichtete bis heute eine 50 Quadratmeter große Eisenbahnanlage im Kleinformat. Da ein Raum für die ständig wachsende Anlage nicht mehr ausreichte, musste er Zwischenwände zu den Nebenräumen durchbrechen.

200 Meter Bahngleis und mehr als doppelt so lange Stromleitungen hat er seither verlegt. Signalanlagen, Bahnübergänge mit automatischen Schrankenanlagen und unzählige Weichen errichtet. Um die Anlage real erscheinen zu lassen, baute er Tunnels, Brücken, ganze Ortschaften und Landschaften. Neben sichtbaren Bahnhöfen verfügt die Anlage auch über einen Schattenbahnhof, aus dem dann die nicht sichtbaren Minizüge bei Bedarf herausfahren.

Dampf-, Elektro- oder Diesellokomotiven rollen als Güter- oder Personenzug dahin. Plötzlich braust ein ICE auf der langen Geraden durch die Landschaft. Ein umfangreicher Fuhrpark von etwa 200 Waggons verschiedenster Kategorie und 30 Lokomotiven, wovon eine aus der Zeit der „Deutschen Reichsbahn“ stammt. Eine Versuchsdampflok der Baureihe 05, mit der eine Geschwindigkeit von 200 km/h erreicht wurde. Auch das bekannte Modell der

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

u Oben: Eine Detailansicht der Gleisanlage. Links: Die Züge brausen durch die selbst gebaute Landschaft, die durch liebevoll gestaltete Details beeindruckt.

ÖBB „Krokodil“ Baureihe 1189 oder das neueste Modell der ÖBB „Taurus“ Baureihe 1016 besitzt Zehenter, der die Anlage mit der Hand steuert. Bewusst hat er auf eine computergesteuerte Anlage verzichtet. Trotzdem funktioniert der Fahrbetrieb reibungslos. Seit seiner Pensionierung hat der Hobbyeisenbahner mehr Zeit. Diese

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u Ein Klassiker: das bekannte Modell der ÖBB „Krokodil“ Baureihe 1189.

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nutzt er, dass er Örtlichkeiten aktueller Ereignisse mit einem Eisenbahnbezug in seine Miniwelt einbaut. Ein Beispiel dafür ist die „Operation Wüstensturm“ aus dem Irakkrieg. Penibel errichtete er Öllager, Hubschrauberlandeplätze und Gleisanlagen für Militärtransporte. Eine kleine Welt die auf Knopfdruck funktioniert, ohne Folgeschäden. Peter Magg


Persönlichkeiten

u Franz Königsecker mit den kleinsten Kikkern.

Franz Königsecker

Nicht nur der Ball ist rund In seiner Jugend war er selbst ein begeisterter Fußballer. Nun betreut Franz Königsecker seit Jahren den Nachwuchs des Fußballclubs Flaurling/Polling.

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amit das Leben eine runde Sache wird, muss man sich schon um die Kleinen kümmern. Franz Königsecker war die Betreuung von sportlichen Kindern immer schon ein Anliegen. Und so kümmert er sich seit Jahren um den Nachwuchs im Fußballclub Flaurling/Polling im Tiroler Oberland. Franz Königsecker war schon in seiner Jugend ein begeisterter Fußballer. Später machte er sich den Sport mit dem runden Leder zum Hobby. Als sein Sohn Stefan sieben Jahre alt war, lag wohl nichts näher, als ihn zum Fußball zu bringen. Damit verbunden war die Begleitung zum Training und zu Spielen. Die Trainer wurden auf den interessierten Vater aufmerksam und ersuchten ihm um kleine Hilfsbereitschaften.

Eingebunden in das Vereinsleben wurde er Trainer für Schüler- und Jugendmannschaften. Aber es steckte mehr dahinter: Fußball ist nicht nur eine ausgezeichnete sportliche Betätigung. Der Mannschaftssport fördert auch das positive Verhalten in der Gruppe – wichtig für Einzelkinder – und das Erlernen von Ordnung und Disziplin. Denn wenn nicht jeder für jeden da ist, kann Fußball nicht funktionieren.

Motivation Warum aber kommen Kinder zum Fußball? Nun, die Motivation ist recht unterschiedlich. Das ist schon dadurch zu erkennen, dass manche Eltern ihre Sprösslinge stets begleiten, andere nicht. Bei den einen ist der Sport ein Teil des Familien-

lebens, andere sehen ihre Kinder im Club gut aufgehoben. Für die Betreuung des Nachwuchses braucht es auf jeden Fall gute Leute. Trotzdem ist die Rekrutierung nicht ganz einfach. Und mangels ausreichend Spielern hat sich Flaurling mit der Nachbargemeinde Polling zu einer Spielgemeinschaft zusammengetan.

Jugendleitung Heute widmet sich Franz Königsekker der Jugendleitung. Das heißt eine Menge Organisation in der Mannschaft und beim Training, aber auch Organisation des Ablaufs in der Tiroler Meisterschaft. Da gibt es ständig was zu tun. Langeweile kennt er nicht. Das Leben besteht nicht nur aus Fußball. So verbringen die kleinen

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u Fußball verbindet. Auch die stolzen Mütter kommen auf den Platz. Fotos: Privat

Persönlichkeiten Kicker im Winter einen Skitag mit ihren Betreuern und Trainern. Im Sommer gibt es dann eine Fußballwoche in der Gemeinde; eine gute Gelegenheit für Nachwuchs zu werben. Nicht immer ganz einfach, sagt Königsecker, denn je mehr Interessen eine Familie hat, desto weniger will sie sich an regelmäßige Verpflichtungen binden.

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Jugendfußball geht aber über das Karree des grünen Rasens hinaus. Wer Fußball spielt, hat weniger Zeit auf dumme Gedanken zu kommen. Im Verein gibt es weder Alkohol noch Nikotin. Und wer vor den Gesellschaftsdrogen verschont bleibt, der läuft weit weniger Gefahr, in den illegalen Drogensumpf zu geraten. Trotzdem ist gerade die Pubertät eine

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schwierige Phase. Sie entscheidet nicht selten über Abbruch oder Weitermachen. „In Flaurling/Polling haben wir bei den U18 immerhin acht Burschen in der Kampfmannschaft. Jeder Aufsteiger ist ein Erfolgserlebnis für Trainer und Betreuer“, sagt Franz Königsecker, und man hört heraus, dass er darauf zu Recht ein bisschen stolz ist. Klaus Herbert


Ein Bewahrer der Volkskunst

u Horst Stöbinger mit einerge schnitzten Waldszene.

Persönlichkeiten

Horst Stöbinger

Wahre Kunstobjekte aus Holz schnitzt Horst Stöbinger. Er stellt im In- und Ausland aus und hält regelmäßig Schnitzkurse ab.

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olz ist Leben mit allen Sinnen. Es duftet, es atmet, es fühlt sich gut an, es lebt, wirkt warm, weckt unsere Sinne, kein Stück gleicht dem anderen, jedes ist wie es die Natur geschaffen hat, so spannend und unvollkommen wie wir Menschen. Horst Stöbinger produziert aus diesem Werkstoff wahre Kunstobjekte. Schon als Kind schnitzte der ehemalige Gendarmeriebeamte und heute 66-jährige Stöbinger seine eigenen Tierfiguren. Sein handwerkliches Geschick konnte er in seinem ersten Beruf als Tischler nutzen. In seiner Lehrzeit eignete er sich die Grundlagen der Holzverarbeitung an und stellte vorerst „Bauernstubn“ her. 1967 wechselte er zur Bundesgendarmerie. In seiner Freizeit widmete er sich bald wieder der Schnitzkunst. Er verfeinerte als Autodidakt seine Schnitztechniken und machte sich bald als Figurenschnitzer und als Krippenbauer einen Namen.

gegen ist bei den Krippenbauern wegen der offenporigen Struktur sehr beliebt. Das weiche Lindenholz hingegen wird für Figuren ab 40 Zentimeter verwendet. Vorerst werden Rohlinge aus einem Holz herausgehauen, ehe die Schnitzarbeit beginnt.

Tausend Figuren In seiner mehr als 32-jährigen Schaffensperiode hat der Oberösterreicher weit über tausend Figuren und mehr als 500 Krippen angefertigt. Regelmäßig finden Ausstellungen des Künstlers für Volkskunde und Brauchtumspflege im In- und Ausland statt. Dabei können ihm die Besucher auch beim Schnitzen zusehen,

Welches Holz eignet sich Zum Schnitzen eignen sich Linden-, Ahorn- oder Eschenholz. Ahorn, ein hartes Holz, franst nicht aus und wird deshalb sehr gerne für kleine Figuren verwendet. Eschenholz hin-

u Tierische Kunst aus Holz. F: Stöbinger

wie etwa bei einer Ausstellung in der UNO-City. „Vor etwa zehn Jahren besuchte ein Amerikaner eine meiner Ausstellungen. Er war von meinen Arbeiten so begeistert, dass er die Darstellung der Herbergssuche bestellte. Das Werk steht seither im Bundesstaat Ohio.“ Sein größter Auftrag war die Herstellung einer 80 Quadratmeter großen Krippe mit 62 Figuren.

Von der kleinen Werkstätte zum Atelier „Zu Beginn meines Schaffens hatte ich eine kleine Werkstätte, die sich in der Zwischenzeit in ein richtiges Atelier verwandelt hat. Dort habe ich meinen beiden Enkeln, vier und acht Jahre alt, das Schnitzen beigebracht. Sie sind echte Talente,“ fügt er stolz hinzu. Der Oberösterreicher ist aber nicht nur als Künstler, sonder auch als Lehrender gefragt. Regelmäßig hält er Schnitzkurse in Altmünster ab. Für diese langjährige Tätigkeit wurde ihm 1991 von der oberösterreichischen Landesregierung der Titel Konsulent für Volkskunst und Brauchtumspflege verliehen. Vor einem Jahr wurde Stöbinger auch das Verdienstzeichen des Landes überreicht. Maximilian Ulrich

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Johann Hager

Persönlichkeiten

Ein mittelalterlicher Wettkampf - Stocksport Seit über 30 Jahren ist Johann Hager begeisterter Stocksportler und seit 2008 Inhaber des Vize-Staatsmeistertitels.

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er 47-jährige Polizeibeamte Johann Hager, Fachbereichsleiter im Landespolizeikommando Oberösterreich, ist ein erfolgreicher Stockschütze und seit 2008 Vizestaatsmeister. Woher kommt der Stocksport eigentlich? Im Mittelalter war die Jagd den einfachen Leuten verboten. Bauern und Handwerker hatten aber im Winter sehr viel Freizeit. Daher ent-

wickelte sich schon im frühen Mittelalter aus verschiedenen Schubund Gleitspielen ein ganz besonderes „Jagdspiel“, das Eisstockschießen. Für das Eisstockschießen brauchte es nicht viel. Einen zugefrorenen See oder Weiher, Eisstöcke, zunächst nur einfache Holzscheiben mit Griff, einen hölzernen Zielwürfel oder Daube, freie Zeit und nicht zuletzt ein paar Gleichgesinnte. Die Beute bei dieser fiktiven Jagd war seit jeher ein Holzklotz, der als Daube bezeichnet wurde. Mit den Eisstöcken wurde nun auf diese Daube „geschossen“ und nicht gespielt. Ziel war es, wie bei der echten Jagd, in den Besitz der Beute zu gelangen. Die Beute wurde eingekreist, aus dem Besitz des Gegners verdrängt oder es wurde einfach die Beute „gestohlen“.

Ziel: Beute erobern

u Freude über den Vize-Staatsmeistertitel. 80

War es nun einer der beiden „Jagdgemeinschaft“ gelungen, die Beute zu erobern, war die gegnerische Partei, an der Reihe es genauso zu versuchen. Sobald das „Pulver verschossen“ war, also alle Stöcke gespielt waren, war die Jagd beendet und es wurde abgerechnet. Diejenige Mannschaft, die am Ende im Besitz der Beute war, hatte gewonnen. Die unterlegene Mannschaft musste den

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u Johann Hager.

Fotos: Hager

vereinbarten Obolus entrichten und den Spott der Sieger ertragen. Der „Moar“ war der Spielführer einer Mannschaft. Im Mittelalter wurde der Verwalter eines Gutshofes als „Meier“ oder „major domus“ bezeichnet. Dieser „Major“ war auch der Anführer einer Jagdgesellschaft. In manchen Gegenden Niederbayerns wird der Spielführer auch heute noch Moar-Bauer genannt. Mit dem „Eisstockschießen“ konnten der Spiel- und der Jagdtrieb der Menschen gleichermaßen befriedigt werden. Und das alles auf ehrenwerte Art und Weise.

Erfolge Vor mehr als 30 Jahren begann Hager mit dem Eisstockschießen auf Natureis. Sechs Jahren später kam auch das Asphaltschießen dazu. In den folgenden Jahren schaffte er mit seinem Klub Union Freistadt den Aufstieg bis in die Oberliga. 1986 wurde er Juniorenlandesmeister im Zielschießen und im folgenden Jahr erreichte er den vierten Rang. Nach mehreren nationalen und internationalen Erfolgen erreichte er im Sommer bei der Staatsmeisterschaft den zweiten Platz. Maximilian Ulrich


u Foto: bestpic.at

Mit viel Tatkraft und Energie

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erbert Löderle war bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1990 sehr erfolgreich als Leiter der Suchtgiftgruppe und Straf- und Schulungsreferent der Zollfahndung Innsbruck tätig. Er hat überdies durch mehrere Jahre hindurch unzählige Aufklärungsvorträge bei pädagogischen Konferenzen aller höheren Schulen Tirols, vor Elternvereinen, Justizwache usw. gehalten. Seit März 2000 leitet Herbert Löderle mit großem persönlichen Einsatz, Energie und Tatkraft sowie großer Freude die Haller Stubengesellschaft als Stubenmeister und Obmann. Die Haller Stubengesellschaft ist der älteste und traditionsreichste Kulturverein der Stadt Hall und des Landes Tirol. Sie wurde 1508 von Ritter Florian von Waldauf zu Waldenstein, Berater, Protonotar, Kampfgefährte und engster Vertrauter von Kaiser Maximilian I., gegründet. Sie war ursprünglich Trinkstube u Die Gedenkmünze zum Jubiläum. Foto: bestpic.at

u Der Haller Bürgermeister Leo Vonmetz und Herbert Löderle bei der Schlüsselübergabe vor dem Bildnis von Ritter Florian von Waldauf. Foto: privat

und Treffpunkt geistig aufgeschlossener Adeliger, Bürger, Ratsherrn, Burg- und Salinenbeamter sowie Beamter der Haller Münze. Im Laufe der Jahrhunderte waren fast alle maßgeblichen Persönlichkeiten des Adels, aus dem höheren Bürgertum, Ratsherrn, leitende Beamte von Saline und Münze, aber auch einflussreiche Regierungsbeamte von Nord-, Süd- und Osttirol Mitglieder der Haller Stubengesellschaft. Heute ist die Haller Stubengesellschaft ein kultureller Erwachsenenbildungsverein. Die Mitglieder, Freunde und andere kulturell interessierte Personen treffen sich regelmäßig zweimal im Monat zu Vorträgen von Gastreferenten aus allen Wis-

Persönlichkeiten

Herbert Löderle

sensgebieten. Geboten werden DiaVorträge über nahe und ferne Länder, Geschichte, Kunstgeschichte, Diskussionen zu Rechtsproblemen, Naturwissenschaften usw. Ergänzt wird das Angebot durch Kulturreisen. Die Haller Stubengesellschaft zählt derzeit ca. 300 Mitglieder. Vom 12. bis 14. September 2008 feierte sie ihr 500-jähriges Gründungsjubiläum. Für die langjährige erfolgreiche Tätigkeit auf dem Kultursektor wurden unserem treuen IPA Freund Herbert Löderle im Jahre 2003 das Ehrenzeichen der Stadt Hall und im Jahre 2006 vom Land Tirol die Tiroler Vereinsehrennadel in Gold verliehen. Klaus Herbert

u Herbert Löderle, Stubenmeister. Foto: privat

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Margit Steurer

Aug’ in Aug’ mit der Gefahr Persönlichkeiten

Es mag das Fingerspitzengefühl einer Frau sein, das Margit Steurer dazu veranlasste, als erste Polizeibeamtin Österreichs eine Ausbildung zur Sprengstoffexpertin zu absolvieren.

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egonnen hat alles ganz anders: Margit ist gelernte Chemielaborantin. Auf der Suche nach ein bisschen Abenteuer verließ sie das Labor eines großen Tiroler Konzerns und ließ sich zur Polizistin ausbilden. Dies war auch der Startschuss zu einem großen Hobby, dem Dynamischen Pistolenschießen. Dieser Sport verlangt ein hohes Reaktionsvermögen, Konzentration, innere Ruhe und natürlich Zielsicherheit. Denn geschossen wird auf bewegliche Ziele in einem Parcours. Margit wurde im Damen-Team-Bewerb schon vier Mal Europameisterin und ist zurzeit regierende Weltmeisterin. Wenn das keine Voraussetzungen für das Hantieren mit sprengstoffverdächtigen Gegenständen sind! Sie nützte die Gelegenheit, ließ einen Psychotest über sich ergehen und machte im Bundeskriminalamt Wien die Ausbildung zum „sachkundigen Organ im Erken-

nen und in der Behandlung sprengstoffverdächtiger Gegenstände“ (SKO). Bundesweit gibt es 76 derartige Spezialisten; Margit ist die erste und noch einzige Frau in der Riege. Ein gefährlicher Job? „Ja“ sagt Margit, „wenn man leichtsinnig ist, kann es gefährlich werden. Ich muss erkennen, ob es sich bei einem verdächtigen Gegenstand um etwas Explosives handelt. Und wenn es dann wirklich eine Bombe ist, kommen Experten vom Entschärfungs- oder Entminungsdienst zum Einsatz“. Doch hauptsächlich kommt Margit bei Großveranstaltungen zum Einsatz. Menschenansammlungen bedeuten in der heutigen Zeit immer ein gewisses Risiko. Sei es bei der EURO 2008 oder beim Hahnenkammrennen, Margit durchsucht mit ihren Kollegen Public Viewings und Fanzonen. Auch Einsätze am Flughafen sind Tagesgeschäft. „Am Gefährlichsten wäre Schlam-

u Oben: Volle Konzentration beim Schießen. Rechts: Ein sprengstoffverdächtiges Objekt wird geborgen. Fotos: privat

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u Innenminister Günter Platter überreicht Margit Steurer das Dekret. Foto: BMI

perei durch Routine. Jeder Einsatz ist eine neue Herausforderung, die man gewissenhaft angehen muss“, meint sie und lächelt. Sie hängt an ihrem Leben und nimmt die Aufgabe ernst. Klaus Herbert


Josef Stadlbauer

Persönlichkeiten

Als Radprofi und Trainer erfolgreich Wohl niemand kennt das Radwegenetz in Oberösterreich besser als der 42-jährige Radprofi Josef Stadlbauer.

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osef Stadlbauer ist nicht nur selbst erfolgreich. Er konnte als neuer Radtrainer des österreichischen Polizeinationalteams gleich bei der ersten Europameisterschaft in

u Radprofi Josef Stadlbauer.

den Niederlanden 2008 drei Titel einfahren. Zuerst war der Radprofi begeisterter Fußballer in der Bezirksliga und beim Polizeisportverein in Linz. Zum Ausgleich setzte er sich 1995 aufs Rad und konnte seine Distanzen ohne große Kraftanstrengung bewältigen. Um seine Leistung mit anderen zu vergleichen, nahm er noch im selben Jahr an der Radmeisterschaft des PSV Linz teil. „Als völliger Radamateur hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung von Taktik und vom Zeitfahren,“ sagt der Radprofi noch heute. Völlig überraschend konnte er nicht nur die Spitzenfahrer schlagen, sondern auch das Rennen gewinnen. Dieser Sieg war schließlich der Beginn einer unglaublichen Karriere. Ein Jahr später profitierte er von einigen krankheitsbedingten Ausfällen einiger Konkurrenten, rückte so in

das österreichische Polizeiradteam und nahm an der Europameisterschaft in St. Johann in Tirol teil. Dort konnte er mit einer starken Mannschaft im Mannschaftszeitfahren die Bronzemedaille erringen. Dieser Erfolg war zugleich auch die Bestätigung als außergewöhnlicher Radfahrer.

Meistertitel In den folgenden Jahren wurde er mehrfacher österreichischer Polizeimeister, auf der Straße und im Einzelzeitfahren, Vizemeister im Bergrennen und mehrfacher Landesmeister in Oberösterreich. Mehrere Podestplätze und Siege im Radmarathon und 24 Stunden Rennen folgten. Zuletzt gewann er die österreichischen Straßenmeisterschaft der Masters über 90 km. Mit einer grandiosen Leistung konnte er seinen Titel in der Kategorie Master I erfolgreich verteidigen.

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Persönlichkeiten

u Die Mannschaft des Polizei-Nationalteams bei der Siegerehrung der 6. PolizeiEuropameisterschaft. Fotos: Stadlbauer

Seit 2008 ist Stadlbauer zudem Trainer des österreichischen Polizeinationalteams. Trotz seiner jungen Trainerkarriere konnte er sein Team für die 6. Polizeieuropa-

meisterschaft im niederländischem Kornhorn im Juni meisterlich vorbereiten. 130 RadsportlerInnen aus 20 Nationen kämpften um die Medaillen.

Gleich zu Beginn konnte Peter Pichler im Rundstreckenrennen das Feld von hinten aufrollen. In der letzten Runde und auf den allerletzten Metern überholte er die bis dahin führenden zwei Franzosen und wurde Europameister.

Konsequente Taktik

u Josef Stadlbauer während der Staatsmeisterschaft 2007 in der Wachau.

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Der Steirer Wolfgang Murer von der Poizeiinspektion Schöder konnte im abschließenden Straßenrennen den zweiten Platz und den Vizeeuropameistertitel erringen. Dank konsequenter Taktik und einer außergewöhnlichen Gesamtleistung gelang der Mannschaft mit Peter Pichler, Wolfgang Murer, Thomas Mair und Mathias Buxhofer hinter Frankreich und noch vor den Gastgebern der zweite Platz. Maximilian Ulrich


Peter Steidl

Persönlichkeiten

Mit dem Seekajak von Cres nach Zadar

Peter Steidl erkundete die Insellandschaft an der kroatischen Küste. Gemeinsam mit seiner Partnerin legte er dabei mit eigener Körperkraft mehr als 600 Kilometer zurück.

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n drei Wochen erkundete das Tiroler IPA Mitglied Peter Steidl mit seiner Partnerin die Insellandschaft an der Kroatischen Küste. Sie legten mit Körperkraft über 600 km zurück. Die Anreise erfolgte mit dem Campingbus bis Istrien. Dort ging es von Prestova aus mit der Fähre auf die Insel Cres. Auf dem Campingplatz

wurde ein Basislager errichtet. Das Bepacken der Boote verlangte exakte Planung, denn der Platz war begrenzt. Lebensmittel, je Boot ca. 30 Liter Wasser – Biwakausrüstung – Zelt – Gas – Paddelausrüstung – GPSSeekarten – Rettungsmaterial – Schwimmwesten – Handfunk – Rettungsleinen – Sturmbekleidung – Spritzdecken – Schlafsack – Reserve-

paddel – Ersatznavigationsgerät (CASIO – Seapathfinder, eine Uhr mit digitalem Kompass, Barometer, Tidenund Mondphasenanzeige). Das Startgewicht des vollen Bootes betrug nun fast 80 Kilo. Doch bevor es losgehen konnte, waren die Einholung des Wochenwetterberichtes und Gespräche mit Einheimischen betreffend Wetterlage erforderlich.

Akribische Planung

u Gitti und Peter genießen die Ruhe.

Fotos: P. Steidl

So wie akribisch geplant wurde auch die Tour durchgeführt. Es ging von Insel zu Insel. Manchmal traf man auf kleine Fischerhäfen, doch die waren von Touristen überlaufen. Erwähnenswert ist die Insel Sv. Petar. Das einzige Gebäude ist ein kleines Kloster. Die Tagesetappen dauerten zwischen fünf und acht Stunden, was einer zurückgelegten Strecke von 30 bis 45 km entspricht. Bei der Über-

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querung des offenen Meeres waren nur 15 bis 20 km zu schaffen. Teilweise starker Wind ließ die extreme Hitze nicht spüren, doch die Luft hatte bis zu 40 Grad, und der Körper verlangte nach mindestens fünf Litern Wasser.

Persönlichkeiten

Probleme meistern Auf der Überfahrt von Ilovik nach Premuda (Paddelzeit ca. 3 Std offenes Meer) zeigte „Bora“, was ein richtiger Sturm ist. Die Wellen gingen drei Meter hoch, eine Verständigung war unmöglich – alles in allem ein Kampf, den jeder für sich selbst ausfechten musste – eine gegenseitige Hilfe wäre unmöglich gewesen. Jetzt bewährte sich das gute Boots-, Bekleidungsund „Menschenmaterial“. Als sie die Insel Premuda erreichten, wurden Peter und Gitti wie Außerirdische bestaunt. „Die haben da wohl noch nie so etwas gesehen.“ Die Übernachtung gestaltete sich nicht immer romantisch. Schwierig war schon oft das Anlanden eines Biwakplatzes wegen der Steilküsten.

Land und Leute Die Bevölkerung ist ausgesprochen hilfsbereit und zuvorkommend. Was-

u Nächstes Ziel: eine unbewohnte Insel.

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u Kontrolle der Ausrüstung vor der Abfahrt.

ser und Inseln sind sehr sauber. Einmal bekamen die Abenteurer sogar Delphine zu Gesicht. Es gibt in dieser Gegend noch etwa 150 Stück. Sie stehen unter Naturschutz. Fazit: Hauptsächlich aufgrund der starken Winde, speziell die Bora, war es teilweise mental, aber auch konditionell eine anspruchsvolle Paddeltour. Ab und zu rasteten die beiden Kanuten ein oder zwei Tage auf einem unbewohnten Inselchen, genossen die totale Ruhe, gingen schwimmen und schnorcheln und dachten keine Sekunde an den berühmt-berüchtigten Alltagsstress zu Hause. Einfach wunderschön!

Fotos: P. Steidl

Ein Jahr zuvor machten Peter und Gitti als Vorbereitung von der Insel Murter aus eine Durchquerung der Kornaten (Kroatien) – ein Naturschutzgebiet mit ca. 140 Inseln (bis auf ein paar wenige sind alle unbewohnt).

Nächstes Ziel: Finnland, Aland Inseln Verwendete Boote: HTP (Kunststoff) Boote – Einsitzer – dem Eskimokajak nachgebaut – Fa. Prijon – Länge der Boote ca. 5,40 m, Leergewicht ca. 28 kg; mit Pedalsteuerung; Zuladmöglichkeit 150 kg; zwei abgeschottete Stauräume. Sponsoren: Dark Dog, Prijon.

u Freundliche Einheimische bringen die Ausrüstung auf dem Balkon in Sicherheit, damit die beiden Abenteurer eine unbeschwerte Stadtbesichtigung machen können.

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Der „Harry Potter von Gerasdorf“

Persönlichkeiten

Harald Greiner

Gerne erinnert sich der Musiker, Zauberer und Sportler Harald Greiner an seine Zeit als Justizwachebeamter in der Justizanstalt in Gerasdorf am Steinfeld. Diese Justizanstalt ist die einzige Strafvollzugsanstalt für männliche Jugendliche in Österreich.

A

ls Spätberufener kam der heute 77-Jährige am 16. Mai 1974 zur Justiz. „Vor meinem Einstieg in das Beamtentum war ich selbstständiger Maler- und Autolackierermeister. Nach meiner zweiten Meisterprüfung wurde ich von den Verantwortlichen der Landesinnung Niederösterreichs gefragt, ob ich nicht die Berufsausbildung der Jugendlichen in der Jugendstrafanstalt übernehmen wolle“, erzählt der rüstige Pensionist. Diese besondere Herausforderung reizte den Niederösterreicher und er sagte zu. Er absolvierte in der Landesberufsschule ein Kurzseminar, um die Befähigung zur Lehrtätigkeit zu erlangen. Der Winzendorfer ist noch heute stolz über diese Entscheidung: „Alle Schüler, die ich umfassend in Theorie und Praxis ausbilden konnte, haben die Gesellenprüfung mit gutem Erfolg bestanden“. Insgesamt 55

Lehrlinge konnte der Meister zu Gesellen ausbilden und ihnen somit eine neue Zukunftsperspektive bieten. „Um sich von den Methoden meiner Ausbildung zu überzeugen, besuchten mich in unregelmäßigen Abständen Delegationen des Justizministeriums und die Lehrer der umliegenden Schulen. Dabei besichtigten die Besucher die Werkstätte und nahmen am Unterricht teil. Regelmäßig war auch der Schulinspektor bei uns zu Gast“, schildert Harald Greiner.

Musik und Zauberei In seiner Freizeit widmete er sich dem Sport, der Zauberei und vor allem der Musik. Sportlich wie Greiner sein ganzes Leben war, probierte er mehrere Sportarten aus. Darunter vor allem Bergsteigen, Drachen- und Segelfliegen und Rettungsschwimmen. Als Rettungsschwimmer war er für die Badeaufsicht im Hallenbad

u In der Sammlung Harald Greiners befinden sich auch rund 60 Geigen.

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habe ich nichts verraten“, so Greiner.

Leidenschaftlicher Musiker

Persönlichkeiten u Gerne zeigt Harald Greiner dem Besucher Bilder aus seinem aktiven Leben.

Harald Greiner ist seit seiner Jugendzeit leidenschaftlicher Musiker. Zuerst übte er am Klavier mit seiner Tante und gründete mit 23 sein erstes kleines Orchester. Zahlreiche Auftritte folgten. Seine Musikkenntnisse gab er auch an die musikinteressierten Jugendlichen an seinem Arbeitsplatz weiter. Die Liebe zur Musik ist ihm bis heute erhalten geblieben. Im Laufe der Jahre entwickelte sich zudem eine Sammlerleidenschaft für alte Musikinstrumente. Heute besitzt er 24 Orgeln, sieben restaurierte Ziehharmonikas, Mandolinen,

der Gemeinde zuständig. Um eine Illusion zu erreichen, gelangen in der professionellen Zauberei eine Vielzahl unterschiedlicher Techniken zur Anwendung: Psychologie, Ausnutzung von Wahrnehmungslücken, Kunstgriffe, optische Täuschungen, trickreiche Apparaturen, Ausnutzung gemeinhin unbekannter physikalischer Zusammenhänge und mathematischer Gesetze. Greiner verzauberte als Mitglied der magischen Vereinigung der Wiener Zauberer regelmäßig sein Publikum. „Nicht nur die Jugendlichen in der Strafanstalt, auch die Beamten wollten die Tricks kennenlernen. Natürlich

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u Harald Greiner verzauberte regelmäßig sein Publikum. Fotos: Greiner

Schlagzeug, Trompeten und an die 60 Geigen. Krankheitsbedingt und viel zu früh musste der geborene Wiener Neustädter mit 57 Jahren in Pension gehen. Das persönliche Verhältnis zu seinen Vorgesetzten, Berufskollegen und Jugendlichen hielt ungebrochen an. Obwohl seit seiner Pensionierung 20 Jahre verstrichen sind, melden sich immer wieder ehemalige Weggefährten, die sich gerne an sein Engagement und seine Kollegialität erinnern und sich mit ihm zu einem kurzen Plausch treffen. Maximilian Ulrich


Musiker, Helfer und Präsident Wolfgang Efferl ist vielbeschäftigt: Seit seiner Kindheit war er immer wieder in verschiedenen Vereinen mit kulturellem und sozialem Engagement tätig.

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er Terminkalender des Polizeibeamten Wolfgang Efferl ist immer voll. Seit seiner Kindheit war er als Mitglied immer wieder in verschiedenen Vereinen mit kulturellem und sozialem Engagement tätig. In einem Verein wurde er sogar zum Präsidenten gewählt. Als achtjähriger Knirps war er von den Pfadfindern so angetan, dass er selbst einer wurde. Musikalisch wie er war, erlernte er Trompete und Waldhorn, um Musikant zu werden. Nach dreijähriger erfolgreicher Ausbildung spielte er jahrelang bei der Stadtmusik Feldkirch, beim Domorchester und beim Vorarlberger „Homeensemble.“ Als die Verantwortlichen der Militärgardemusik von seinem Können hörten und überzeugt hatten, wurde er engagiert.

u Wolfgang Efferl hat bei der Bergrettung so manche gefährliche Situation zu meistern – und rettet dabei Leben.

hinaus wurde er Mitglied bei der Österreichischen Bergrettung, wo er jahrelang Ausbildner der Bergrettung und technischer Leiter war. Während der Schisaison stand er als Pistenretter auf den Schipisten des Sonnenkopfs im Klostertal im Einsatz. Im Laufe der weiteren Jahre übernahm er beim „Österreichischen Roten Kreuz“ in der Ortsstelle Feldkirch die Stelle des Rettungsfahrers. Doch nicht genug. Vor fast zwanzig Jahren war Efferl und seine Familie noch beim Tennisklub Frastanz. Eines Tages fragte ihn sein Sohn Ma-

Bergretter Während einer seiner Auftritte als Musiker beschloss er, dass er die Bevölkerung in Zukunft nicht nur unterhalten wolle. So wurde er Mitglied im Österreichischen Alpenverein und Jugendführer der Hochgebirgsgruppe. Gleichzeitig übernahm er die Betreuung der Wanderwege. Darüber

u Hat großes soziales Engagement: Wolfgang Efferl. Fotos: Efferl

Persönlichkeiten

Wolfgang Efferl

rio: „ Wieso müssen wir immer nach Frastanz fahren, um Tennis zu spielen, gibt es in Nofels keinen Tennisplatz?“

Neue Tennisanlage Trotz seiner vielen Tätigkeiten wollte er eine Tennisanlage in einem ehemaligen Steinbruch der Gemeinde zu errichten. Danach vier Jahre Arbeit. Unermüdlich werkte Efferl an seinem Projekt bis er den Tennisklub Nofels-Tosters realisieren konnte. Nach drei weiteren Jahren wurde die Tennisanlage offiziell eröffnet und den Mitgliedern übergeben. Bei der Gründerversammlung wurde er zum Präsidenten gewählt. Dieses Amt hat er noch immer. Weil ihm die Arbeit als Präsident zu wenig forderte, übernahm er auch die Agenden des Platzwartes. Zwischendurch war er mehr als zehn Jahre als Tennisschiedsrichter tätig. Als langjähriges Mitglied der IPA wollte er natürlich auch aktiv am Vereinsgeschehen mitarbeiten. Seit der letzten Jahreshauptversammlung des Vorstandes übernahm er die Funktion des Schriftführers in der Landesgruppe Vorarlberg. P. Magg

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Alois Seethaler

Persönlichkeiten

Vom Buch des Lebens und von Steinen und Kathedralen Sein berufliches Interesse liegt beim Erkennungsdienst, sein privates bei der Kunst. Seine Bilder und Skulpturen fertigt Alois Seethaler aus Eisen und Aluminium.

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er gelernte Kunstschmied besuchte 1995 die Polizeischule in Salzburg. Bis 2003 leistete er Exekutivdienst in den Wachzimmern Nonntal und Gnigl. Beim Erkennungsdienst, seit 2005 KPU, fand er sein berufliches Interessensgebiet. An Kunst schon immer interessiert, war ihm als Kunstschmied die Formensprache zu steif. Nach dem Kennenlernen anderer Künstler wurde er selbst künstlerisch tätig. Erste Ausstellungen gab es in den Jahren 1995 und 1996, weitere

u Alois Seethaler am Vergleichsmikroskop. Foto: D. Weissmann

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folgten. Derzeit stellt er seine Werke in der Rotunde der Salzburg AG aus. Das Thema: Lichtseiten und Schattenseiten. Es geht darum, helle und dunkle Bilder gegenüberzusetzen und im Halbkreis zu arrangieren. „Mich ziehen Schönheit und das Menschliche an. Das Positive! Ich verweigere mich der Ästhetik des Horrors und des Wahnsinns“. Diese Worte waren es, die Alois Seethaler, während der Zusammenstellung einer seiner Ausstellungen, geleitet haben.

„Tag- und Nachtgedanken“ Seine Bilder und Skulpturen aus Eisen und Aluminium sind zum Teil durch seine „Tag- und Nachtgedanken“ geprägt, die sich in kritischen Gesellschaftsbetrachtungen widerspiegeln. Er beschäftigt sich derzeit mit Portraits, Ikonen, grafisch dargestellt, die wegen millionenfacher Abbildung eher langweilig sind. Als Beispiel das Bild: „Die vielen Seiten“, oder wie er es auch nennt: „Die Eierkartonmarilyn“. Das Bild aus Eierkartons ändert sich je nach Betrachtungswinkel bis zur Unkenntlichkeit. Kunst ist für Alois Seethaler so wichtig, wie Luft zum Atmen. Seine Kunstwerke sind Spiegelbilder seiner Seele, in denen sich der Betrachter auf eine bestimmte Weise selbst fin-

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u Buch des Lebens, Mischtechnik auf Holz, 105 x 47 cm, 2007.

det. Mit seinen Werken, in deren Mittelpunkt der Mensch steht, will er seelische Zustände ausdrücken, für die die Sprache keine Worte hat. Mehr über den mit Metallen, Farben, Formen und Worten kunsttreibenden Kriminalbeamten des LPK-Salzburg finden Sie im Internet unter www.seethalerart.at D. Weissmann


Zum Bild „Buch des Lebens“:

Zum Bild „Von Steinen und Kathedralen“: (Bild oben)

Zum Bild „Die Eierkartonmarilyn“: (Bild rechts unten)

(siehe Bild vorhergehende Seite) Ein Stück Baumrinde, welches einerseits als Teil eines Schutzmantels um einen Baum gehüllt war und andererseits diesen mit Lebenssaft versorgt hatte, sodass dieser sich entfalten und dem Licht entgegenstrecken konnte. Das Rindenstück wirkt wie Seiten aus einem Lebensbuch, in dem ein Kapitel Lebensgeschichte adrig in einer geheimnisvollen Schrift niedergeschrieben wurde. Ein einfaches Stück Rinde, welches im Kleinen die faszinierende Aura des Lebens in sich trägt. Das Aststück unterhalb der Baumrinde soll die Menschen darstellen, welche das Buch des Lebens in ihren Händen tragen. Es ist wichtig, damit sorgsam umzugehen und es nicht wegen kurzzeitiger persönlicher Vorteile zu missbrauchen oder fallen zu lassen. Oberhalb des Rindenstückes befindet sich ein heller Bildbereich, der strahlenförmig zum Rindenstück hin ausläuft. Dieser Bereich ist das Sinnbild für ein geistiges Licht, welches demjenigen leuchtet, der mit Leben sorgsam und liebevoll umgeht. Bild und Text von Alois Seethaler

Im Vordergrund des rechten Bildes sind einfache Steine zu sehen, die kaum beachtet werden, es sind eben nur Steine. Im linken Bild ist die Konstruktion einer Kathedrale abgebildet, die sich erhaben dem Licht entgegenstreckt. Eine Kathedrale ist etwas Großartiges und Überwältigendes. Bei näherer Betrachtung wird jedoch klar, dass auch eine Kathedrale nur aus einfachen und unscheinbaren Steinen erbaut ist. Das Bild ist ein Symbol für das Zulassen von eigenen, wenn auch einfachen Gedanken und Empfindungen, die ehrlich gelebt werden und die man sich von einer verlogenen Glitzerwelt nicht verschütten lassen soll. Diese Gedanken und Empfindungen werden sich in einem Menschen vermehren und sich weiterentwickeln, wenn er es zulässt. So besteht die Möglichkeit, im Geist selbst etwas so Erhabenes wie eine Kathedrale zu werden. Bild und Text von Alois Seethaler

Neben der Muttergottes ist Marilyn Monroe die am öftesten abgebildete Frauengestalt. Spätestens seit den Monroe-Bildern von Andy Warhol ist sie zur absoluten Ikone aufgestiegen. Eine unglückliche Frau, die stets ein laszives Lachen aufgesetzt hat und der die Welt vermeintlich zu Füßen gelegen ist. Dieses Portrait soll sich beim ersten Blick auch nicht von den millionenfachen Abbildungen unterscheiden. Die Malunterlage besteht aus banalen Eierkartons. Doch durch ihre Erhabenheit ändert sich das Antlitz von Marilyn je nach Blickwinkel bis zur Unkenntlichkeit. Mein Portrait stellt anhand der Marilyn die Doppelbödigkeit der Gesellschaft dar. In den rechten Bildwinkel gerückt, stellt sich vieles als gut und richtig dar. Verändert man aber den geistigen Blickwinkel, so erkennt man, dass sich vieles erschrekkend bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Bild und Text von Alois Seethaler

Persönlichkeiten

u Von Steinen und Kathedralen, Mischtechnik auf Leinwand, je 60 x 60 cm, 2008.

u Eierkartonmarilyn, Mischtechnik auf Eierkartons, 95 x 95 cm, 2008.

u Im Lebensstrom, Mischtechnik auf Holz, Gesamtgröße 105 x 110 cm, 2006. 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & LG Steiermark

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Franz Georg Gruber

Persönlichkeiten

Malerei als mentaler Ausgleich Dem Kriminalbeamten Franz Georg Gruber ist der mentale Ausgleich sehr wichtig. Den findet er in der Malerei

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ranz G. Gruber ist von Beruf Kriminalbeamter, ein abwechslungsreicher und spannender Beruf. Umso wichtiger ist für ihn der mentale Ausgleich. Vor 28 Jahren entdeckte er die Liebe zur Malerei. Nichts Aufregendes, Bauernmöbel und Schützenscheiben. Doch die Werke gelangen gut. Es war also an der Zeit, sich eingehender mit der Materie auseinanderzusetzen, und zwar mit Aquarellund Acryltechnik. Franz entdeckte bald seine Vorliebe für Landschaft, Blumen und Architektur. Später wurde er „copart“- Mitglied. Auf den Geschmack gekommen, fing Franz an bei den Profis zu schnuppern. 1991 besuchte er die Sommerakademie „art didacta“ in Innsbruck bei Frau Prof. Mag. Orlik-Melicher. Dann folgten Malwochen in Italien, Griechenland und Niederösterreich. Zwischendurch gab es immer wieder Ausstellungen, denn es macht wenig Sinn, die schönen

Werke im Keller verstauben zu lassen. Franz zeigte seine Bilder beim „Tiroler Kunstmarkt“ in Innsbruck, im Griechischen Kulturinstitut, beim Kunstkreis Völs und in Kematen in Tirol, um nur einige zu nennen. Als IPA Mitglied nützte Franz G. Gruber nützte der das Angebot und stellte auch bei der InterPoliceArte in Tirol, Südtirol, dem Trentino und in Bayern aus. Mit einer Benefizausstellung „für Stefans Familie“ half er in Kramsach den Hinterbliebenen eines in jungen Jahren verstorbenen IPA Mitglieds über die Runden. 2004 nahm Gruber am Wettbewerb „schöne Heimat“ in St. Johann i.T. teil und ging als Sieger in der Sparte Aquarell hervor. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Doch läuft in der Malerei immer alles rund? „Es war in den 80er Jahren“, erzählt Franz. „Da malte ich eine Schützenscheibe auf Termin. Schon u Links: Franz Gruber in seinem Atelier und voll im Element. uRe chts: Die freie Natur bietet unendlich viele Motive. Fotos: privat

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u Ein neues Bild entsteht in den Händen von Franz Gruber.

weit nach Mitternacht und fast fertig, kippte mir die schwarze Farbe um und floss über die Scheibe. Da kam bei mir etwas Hektik auf. Doch zum Schluss wurde alles gut.“ Bei der Übergabe am nächsten Tag konnten sich die Schützen über ein gelungenes Werk freuen und sahen natürlich keine Spuren des nächtlichen Zwischenfalls. Was kann man einem so talentierten Autodidakten wünschen? Vielleicht eine allzeit ruhige Hand und ein scharfes Auge für die schönen Seiten unserer Welt.


Manfred Allmayer

Seit fünf Jahrzehnten ist Manfred Allmayer Blasmusiker und schwingt seit Jahren den Taktstock in Vorarlberg. Ein Leben ohne Musik ist für ihn unvorstellbar.

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ie Blasmusik dürfte ihren Ursprung in der Schwäbischen Alb haben. Dort wurde das älteste Musikinstrument Europas, eine Flöte aus einem Singschwanknochen aus der Steinzeit gefunden. Der Polizeibeamte Manfred Allmayer ist seit fünf Jahrzehnten Blasmusiker und schwingt seit Jahren den Taktstock in Vorarlberg. Bereits im Alter von zwölf Jahren war für den gebürtigen Kärntner Allmayer ein Leben ohne Musik unvorstellbar. Kurzentschlossen trat er als Trompeter einer Musikkapelle bei. Sein Vater, der die musikalischen Leistungen seines Sohnes bestens kannte, unterstützte ihn. Danach besuchte er das Landeskonservatorium in Klagenfurt. Seine musikalischen

Qualitäten waren auch bei der Militärmusik gefragt.

Persönlichkeiten

Kein Tag ohne Musik

„Vorarlberger Zollwachemusik“ Aus beruflichen Gründen kam er als Zollwachebeamter nach Vorarlberg, wo er seine musikalische Karriere bei der „Vorarlberger Zollwachemusik“ und der „Bürgermusik Hohenems“ fortsetzte. Da ihm das Musizieren allein nicht genügte, ließ er sich zum Dirigenten und Kapellmeister ausbilden. Als angehender Dirigent besuchte er Dirigentenkurse am Landeskonservatorium in Vorarlberg, in Kerkrade/Holland und an der Musikschule in Dornbirn.

u Manfred Allmayer ist seit 50 Jahren mit vollem Einsatz Blasmusiker.

Seit 1983 war Manfred Allmayer in den Musikvereinen Bürgermusik Hohenems, Musikverein Lustenau, die Bürgermusik Rankweil und die Zollwachemusik Vorarlberg als Kapellmeister tätig. 2004 übernahm er die „Musik der Exekutive Vorarlberg“ aus der 2007 die „Polizeimusik Vorarlberg“ entstand. Bei der Bürgermusik Rankweil und der Polizeimusik Vorarlberg schwingt er noch immer den Taktstock.

Musikalisches Privatleben u Bürgermusik Rankweil – „Weißer Sonntag 2007“.

Fotos: Markus Schieder

Aber auch privat dreht sich beinahe alles um Musik. Notenschreiben,

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u Manfred Allmayer mit der Zollwachemusik Vorarlberg, der er als Kapellmeister vorstand.

Persönlichkeiten u Tag der Polizei 2007 – Aufmarsch in Bregenz.

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Fotos: Horst Spitzhofer

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Jugendausbildung, wöchentliche Proben, Weiterbildung und ständige Auftritte zu verschiedenen Anlässen. Durch sein Engagement wurde er zum Bezirkstabführer und für „Musik in Bewegung.“ Musik in Bewegung beihnaltet Marschmusik, diverse Showelemente und die Handhabung des Tambourstabes. Für „50 Jahre im Dienste der Blasmusik“ wurde er vom Vorarlberger Blasmusikverband geehrt. Trotz aller Funktionen ist Allmayer noch immer ein begeisterter Musiker, der sogar seine eigene Kapelle leitet. Seine Passion zur Musik hat er auch seinen Töchtern vererbt. Beide sind Musikerinnen und studieren Musik. Peter Magg


Theodor Wedenig

Persönlichkeiten

Ein Vorbild für die Jugend Selbst seit seiner Jugend begeisterter Sportschütze, ist Theodor Wedenig seit neun Jahren auch für den Nachwuchs im Kärntner Landesschützenverband verantwortlich.

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er Oberschützenmeister Theodor Wedenig ist 51 Jahre alt, verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt in Völkermarkt. Seine Hobbys sind das Sportschießen und das Malen. Nach der Absolvierung der Pflichtschule nahm er den Lehrberuf als Büchsenmacher in Angriff. Bis zur Aufnahme in die Bundesgendarmerie im November 1980 arbeitete er nach erfolgreichem Lehrabschluss als Büchsenmacher. Nachdem Theodor Wedenig mehrere Jahre als Gendarm Erfahrung gesammelt hat-

te, wurde er im Jahre 1991 in Mödling als Dienstführender ausgebildet. Bezirksinspektor Theodor Wedenig ist derzeit Sachbearbeiter für Verkehr auf der Polizeidienststelle in Völkermarkt.

Liebe zum Schießsport Bereits als Jugendlicher entdeckte er die Liebe zum Schießsport und begann mit 14 Jahren seine sportliche Karriere mit dem Luftgewehrschießen im Schützenverein Völkermarkt.

u Sportschütze Theodor Wedenig mit Sportgerät.

u Theodor Wedenig hat seine Liebe zum Schießsport bereits als Jugendlicher entdeckt.

Schon in jungen Jahren errang Wedenig schöne Erfolge als Sportschütze in der Jugend- und Juniorenklasse. Nach Bezirks- und Landesmeistertiteln erfolgten Entsendungen zu Österreichischen Staatsmeisterschaften, wo Theodor Wedenig seine nationalen Erfolge bestätigte. Nach der Aufnahme zur Bundesgendarmerie folgte – durch stetige Erfolge und Beständigkeit – 1982 die Einberufung in den Österreichischen Gendarmeriekader für das Sportschießen. Es folgte die Teilnahme an Wettkämpfen im Rahmen der Gendarmerie- und Polizeimeisterschaften und bei Internationalen Bewerben im Ausland. Einer der Höhepunkte im Sportlerleben war sicher die Teilnahme an den Polizei-Europameisterschaften in München, wo Theodor

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u Siegerehrung in Pilsen, Silbermedaillengewinner Theodor Wedenig (links).

Persönlichkeiten

Wedenig mit der Mannschaft die Silbermedaille errang.

Weitere Erfolge - zweimaliger Silbermedaillengewinner beim Internationalen Seniorenwettkampf in Pilsen/Tschechien, in der Einzelwertung, KK (Kleinkaliber) 50 Meter liegend. - mehrmaliger Österreichischer Staatsmeister im Armbrustschießen 30 m-Mannschaftswertung - Landesmeistertitel, Einzel und Mannschaft, im Kleinkaliber 50 m Liegendbewerb und mit dem Luftgewehr.

reiche Medaillen errangen. Das Sportschießen (Schießsport) ist international der sportliche Umgang mit Schusswaffen oder Bogenwaffen (Armbrust und Bogen). Sportliches Schießen bedeutet Schießen nach bestimmten Regeln, die Waffe wird dabei – entgegen ihrem militärischen oder jagdlichen Ursprung – als Sportgerät verwendet, ähnlich wie der Speer beim Speerwerfen oder der Degen beim Fechten. Es wird auf die Schießscheibe, die in verschiedenen Distanzen von 10 bis 50 Meter entfernt vom/der Schützen/in errichtet ist, geschossen,

Im Jahre 2000 legte Theodor Wedenig die Lehrwarteprüfung für das Sportschießen ab und ist seither im Kärntner Landesschützenverband für den Nachwuchs (8 bis 14-Jährige), als Jugend-Sportleiter erfolgreich tätig und verantwortlich. Als Trainer setzte er seinen erfolgreichen Weg fort und feierte mit seinen jungen Schützen schon etliche Erfolge bei den Österreichischen Jugendmeisterschaften, wo diese zahl-

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deren Mittelpunkt (10) einen Durchmesser von 5,5 Millimeter hat. Die folgenden Ringe haben einen Abstand von jeweils 2,5 Millimeter. Ziel ist es, die Scheibe möglichst im Mittelpunkt zu treffen. Es wird stehend freihändig geschossen, wobei der/die Schütze/in völlig frei (ohne Anlehnung und künstliche Stützen) stehen muss. Es werden Luftdruckgewehre, CO2-Gewehre Kaliber 4,5 mm und einem Höchstgewicht von 5,5 kg und maximal 7,5 Joule Mündungsenergie und Kleinkalibergewehre verwendet. Ständiges Training und Beständigkeit sowie die Fähigkeit sich zu konzentrieren, sind Grundlagen, um diesen Sport ausüben zu können. Das langjährige IPA-Mitglied Theodor Wedenig ist nicht nur selbst über Jahre erfolgreicher Sportler, sondern hat auch die Fähigkeit, seine Erfahrungen jungen Menschen weiter zugeben und diesen den Sinn dieses Sportes, der schon seit 1896 bei den Olympischen Spielen als Disziplin ausgetragen wird, zu vermitteln. Erwin Weger

u Der „Nachwuchs“ mit Theodor Wedenig. Fotos: Wedenig


Michael Hendrich

Den Alltag der Polizei hält Michael Hendrich gerne in Wort und Bild fest – als Karikatur. Mit seinem Exekutivkalender wurde er auch über die Grenzen hinaus bekannt.

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ichael Hendrich, der sich als „MICHI“ auf seinen Werken verewigt, erblickte am 07. 08. 1969 in Wien das Licht der Welt. Er wuchs gemeinsam mit seiner Schwester Sabine, im 14. Wiener Gemeindebezirk, Penzing, auf und wollte eigentlich nach der Pflichtschule „Karikaturist“ werden. Schon als Kind hatte er immer gerne gezeichnet. Deshalb wollte er seine Berufslaufbahn dahingehend ausrichten und auf der „Grafischen“ seinen Berufswunsch verwirklichen, wurde dort aber wegen „Unbegabtheit“ wieder nach Hause geschickt, weil er schon als Kind mit dem Aktzeichnen hätte beginnen müssen. Jetzt musste er sich neu orientieren. Zur Auswahl standen, eine viel versprechende Schildermaler-Lehre oder sogar die Hotelfachschule zu

u Michael Hendrich hält seine Erlebnisse bei Einsätzen zeichnerisch fest. Fotos/Karikaturen: Hendrich

absolvieren. Nach einer Schnupperveranstaltung im WIFI entschloss er sich, als Polizist arbeiten zu wollen und begann die Ausbildung als Polizeipraktikant. Seine Eltern konnten es nicht fassen, nachdem er

Persönlichkeiten

Polizeialltag in Karikaturen

ihnen seinen Wunsch vorgetragen hatte. Die Ausbildung dauerte drei Jahre und er wurde nach bestandener Dienstprüfung als Sicherheitswachebeamter des Generalinspektorates der Wiener Sicherheitswache nach Hietzing eingeteilt. Seine Dienststelle ist im Schlossgelände des Schlosses Schönbrunn (Außenmauer – PI Am Platz) eingerichtet.

Erlebnisse festgehalten u Ein Ausmalbild von Michael Hendrich aus dem Buch „133 – Hier kommt die Polizei“ für Kinder.

Während seiner Polizeiausbildung und in weiterer Folge während seines Streifendienstes begann er seine Erlebnisse bzw. die außergewöhnlichen und lustigen Einsätze zeichnerisch festzuhalten. Davon gibt es in der Bundeshauptstadt eine ganze Menge, besonders als Zugskommandant bei der Einsatzeinheit braucht er

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Erlebnisse nicht zu suchen. Dies erweckte im Kollegenkreis großes Erstaunen (er meint dazu, dass geraunt wurde „wenn er sonst nix kann, zeichnen kann er !“) und machte ihn so in Wien schnell bekannt.

Persönlichkeiten

Öffentliche Aufträge Auch die Behörde wurde auf MICHI aufmerksam und er bekam bald auch öffentliche Aufträge. Die Zeichnungen wurden mittlerweile immer mehr und mehr. Die „Best Of“ erschienen bereits in einem Buch namens „Die Polizei im Einsatz“ (1998). Seit 1993 ist Michael Mitglied beim Verein „Copart“, dem Verein für kreative Exekutivbeamte (ein Vorbeischauen beim Link empfiehlt sich). 2003 brachte er einen Exekutivkalender auf den Markt, da gab es noch die beiden Wachkörper, Sicherheitswache und Gendarmerie. So wurde einer für die „Polizei“ und einer für die „Gendarmerie“ gezeichnet. Diese Kalender machten ihn weit über die Bundeshauptstadt hinaus bei den Kollegen bekannt und haben bereits einen hohen Wert, da es weder die Gendarmerie noch die Sicherheitswache mehr gibt. Zwischenzeitlich ist er stolzer Papa

u Aus dem Alltag der Polizei, festgehalten von Michaela Hendrich.

zweier Kinder, Tamara und Marc. Diese haben von seiner Großmutter ein Bilderbuch über die Polizei geschenkt erhalten. Wie könnte es anders sein, war es ein deutsches Produkt mit deutschen Polizisten, deutschen Uniformen usw. Seine Kinder konnten da keine Ähnlichkeiten feststellen und sagten zu ihm „Papa, du schaust ja ganz anders aus“. So kam ihm die Idee, ein Kinderbilderbuch über die österreichische Polizei zu zeichnen. Dies erfreute sich so großer Beliebtheit, dass nach eineinhalb Jahren die erste Auflage bereits vergriffen ist und er nunmehr an der

zweiten Auflage arbeitet (133 – Hier kommt die Polizei, aktualisierte Zeichnungen, verbessertes Layout). Eine Serie von Bildern wurden von ihm unter der Überschrift A.C.A.B. (all cops are beautiful) gezeichnet und war während der EM 2008 beinahe tagesaktuell. Für das Jahr 2009 wurde ein Kalender für das 100-jährige Jubiläum der Wr. Polizeimusik gezeichnet, der die einzelnen Musiker im Vergleich zu typischen Polizeitätigkeiten einbindet. Weitere Fotos und Zeichnungen von Michael Hendrich gibt’s auf http://www.policecartoon.at Franz Führing

u Oben: Für heuer zeichnete Hendrich einen Kalender für das 100-jährige Jubiläum der Wiener Polizeimusik. Links: Michael Hendrich bei einer Präsentation.

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Herbert Braunschmid

Persönlichkeiten

Zurück zu den Wurzeln Nach seiner aktiven Zeit bei der deutschen Polizei kehrte der gebürtige Österreicher Herbert Braunschmid nach Österreich zurück. Heute fährt er als weltmeisterlicher Bartträger mit einer Pferdekutsche durch die Kaiserstadt Bad Ischl.

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erbert Braunschmid, von seinen Freunden auch „Brauni“ genannt, wurde im Grenzgebiet zu Böhmen in Oberösterreich geboren. In den Kriegswirren des Zweiten Weltkrieges wurde er mit seiner Familie nach Deutschland verschlagen. Nach seiner polizeilichen Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Göppingen wurde er 1974 in das Innenstadtrevier nach Stuttgart versetzt. Dort entdeckte er bald die Liebe zu den Pferden und wechselte zur Polizeireiterstaffel. Mit seinem Wallach „Kurfürst“ war er unter anderem zur Sicherung des BaderMeinhof Prozesses in Stuttgart Stammheim, der Atomkraftwerke in Baden Württemberg oder von besonders gefährdeten amerikanischen militärischen Einrichtungen im Einsatz. Nach fast zwanzig Jahren im Sattel

musste er wegen eines Bandscheibenleidens die Reiterstaffel verlassen. Als leidenschaftlicher Tierliebhaber wechselte er nun zu den kleinen „Tieren“ der Polizei, zu den Diensthunden. Als Diensthundeführer patrouillierte er nach seiner Ausbildung am Flughafen Stuttgart. Zufällig traf er dort eines Tages den derzeitigen Pensionistenbeirat Ulli Donner von der Verbindungsstelle Krems-Wachau-Zwettl-Horn. Aus dieser Begegnung entwickelte sich bald eine bis heute andauernde Freundschaft.

Kutscherprüfung Nach seiner Pensionierung 2003 kehrte „Brauni“ endgültig nach Österreich zurück und ließ sich in Bad Ischl nieder. Nie hatte er seine alte Heimat vergessen. Deshalb verbrachte er seinen Ur-

u Herbert Braunschmid als weltmeisterlicher Bartträger in Bad Ischl.

laub seit 30 Jahren in Bad Ischl und heiratete seine Katharina in der Wallfahrtskirche am Pöstlingberg in Linz. Die Arbeit mit Pferden und Hunden ließ ihn ebenfalls nicht los. Vor zwei Jahren legte er die Kutscherprüfung ab. Nun fährt er als Fiaker durch die Kaiserstadt Bad Ischl. Als richtiger Kutscher und Bewohner der Kaiserstadt trägt Braunschmid auch einen standesgemäßen Schnauzbart.

WM der Bartträger

u Herbert Braunschmid in der Pferdestaffel. Fotos: Marina Krems

Natürlich ist er als Bartträger auch Mitglied eines Bartklubs. Um seinen wohlgeformten Schnauzer mit anderen Schnauzern zu messen, nahm Brauni an einer Weltmeisterschaft der Bartträger teil. Bei den Meisterschaften werden die

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Persönlichkeiten

u Herbert Braunschmid in der Hundestaffel.

Bärte in drei Oberklassen eingeteilt: Schnauzbart, Vollbart oder Kinn- und Backenbart. In diesen Bereichen gibt es dann jeweils fünf bis sechs Unterkategorien wie „naturale“, „kaiserlich“, „englisch“, „Chinese“ oder „Dali“. Die Bärte, für die es kein historisches Vorbild gibt, werden als „Freistil“ bewertet. Neben nationalen Bewerben werden im Herbst jährlich im Wechsel Europa- und Weltmeisterschaften abgehalten. 2003 in Carson City/USA präsentier-

ten 152 Bartträger aus sieben Ländern ihre Haarpracht. In der Kategorie Schnauzbart konnte Brauni den dritten Platz erreichen. Die Hobbys und besonderen Talente von Braunschmid würden noch Seiten füllen, doch eine Mitgliedschaft muss noch erwähnt werden. Durch seine enge persönliche Beziehung zu Langenlois und seinem Freund Donner ist er seit zwei Jahren Mitglied bei der Verbindungsstelle Krems-Wachau-HornZwettl. Maximilian Ulrich

u Braunschmid mit seinem Diensthund Axel.

u Mit dem Wohnmobil quer durch Europa, die USA, Kanada und Australien.

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Wolfgang Werderits

Persönlichkeiten

Der Beruf ist sein Hobby Seine Arbeit ist durchaus für Schlagzeilen gut: Von nicht mehr verkehrstüchtigen Fahrzeugen bis zu illegalen Tiertransporten – Wolfgang Werderits hat alle Hände voll zu tun.

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enn man in den Medien von verstärkten Verkehrskontrollen an der Bundesstraße 65 im Raume Rudersdorf – Grenzübergang Heiligenkreuz hört oder liest, so wissen Insider, dass Beamte der Autobahnpolizeiinspektion Oberwart vor Ort sind. Gibt es spektakuläre Aufgriffe wie etwa verbotene Tiertransporte, werden LKW oder Omnibusse wegen mangelnder Verkehrstauglichkeit abgestellt, so

ist meist auch der Dienststellenleiter, Abteilungsinspektor Wolfgang Werderits persönlich anwesend. Sollte er nicht im Dienst sein, kommt er binnen kürzester Zeit zum „Tatort“. Ist dies nicht möglich – was nur in Ausnahmefällen passiert – kann er jederzeit telefonisch erreicht werden, denn sein Beruf ist zugleich sein Hobby.

Arbeit sorgt für Schlagzeilen in den Medien

u Motorradfahren ist bei Wolfgang nicht nur Begeisterung, sondern Begabung.

„Defekte Busse aus dem Verkehr gezogen“, „Reisebusse aus dem Osten: Die rollenden Bomben auf der Autobahn“, „LKW war eine gefährliche rollende Bombe“, Schweinetransporte vor dem Ziel gestoppt“, „Drama, was sich hier abspielt“ oder „Polizei stoppt Kastenwagen mit 137 Hundewelpen“, um nur einige Schlagzeilen diverser Tageszeitungen der letzten Jahre zu zitieren. Mit dem Fall des Eisernen Vorhanges sowie dem Beitritt Ungarns zur EU und dem anschließenden Wegfall der Schengengrenze hat das Verkehrsaufkommen auf der Bundesstraße 65 – der „Spange Verona-Bukarest“

u Durch beispiellosen Einsatz und besondere Tierliebe hat er vielen Welpenbabys weitere Qualen erspart und einige vor dem sicheren Tod gerettet.

besonders drastisch zugenommen. Um den damit verbundenen illegalen Menschen-, Tier- und Gütertransport mit schrottreifen Fahrzeugen Einhalt zu gebieten, mussten besondere Maßnahmen, die untrennbar mit dem Namen Wolfgang Werderits verbunden sind, getroffen werden.

Kontrollplatz Rudersdorf an der Bundesstraße 65 Meldungen wie sie oben zitiert sind, hören oder lesen wir fast wöchentlich. Doch welcher logistische Aufwand zur Bewältigung derartiger Amtshandlungen notwendig ist, wissen nur wenige. Wolfgang Werderits wirkt hier wie ein „Fels in der Brandung“. Gab es anfangs an der B 65 kaum eine Stelle, wo die „schweren Brummer“ angehalten werden konn-

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Persönlichkeiten

ten, so hat er mit Unterstützung seiner Vorgesetzten die notwendige Infrastruktur geschaffen. Nach einer verstärkten Verkehrskontrolle im März 2007 schrieb die Südoststeirische Tageszeitung (auszugsweise): „In Rudersdorf war am Sonntag Endstation für einen Gefahrguttransporter, zwei Tiertransporter und einen Reisebus. Bei dem Reisebus wurde man schnell fündig: keine Bremswirkung! Die 30 Buspassagiere, Senioren auf der Fahrt nach Slowenien, mussten auf einen Ersatzbus warten und konnten dann ihre Reise fortsetzten. Durchgerostet waren die Bremsleitungen bei einem italienischen Tiertransporter, der 793 Lämmer geladen hatte. Er kam aus Rumänien und war Richtung Venedig unterwegs. Die Reparatur dauerte drei Stunden. Nach Bezahlung einer Strafe von 3.900.- Euro konnte er die Fahrt fortsetzen. Der zweite aus Ungarn kommende Tiertransporter hatte 677 Schäfchen geladen. Nach einer Notreparatur wurde er nach Kärnten eskortiert, wo die Tiere versorgt und eine 24-stündige Ruhepause angeordnet wurde.“

Moderne Prüfhalle Werderits, der selbst die Anmietung einer Prüfhalle betrieben hatte, sagte damals in einem Interview: „Zum Glück haben wir auf dem Gelände der Firma Luisser in Rudersdorf eine der modernsten Prüfhallen Österreichs. Es gibt sämtliche Anlagen und Wasser, die Firma hat Ersatzteile lagernd, und Reparaturen können von den Mechanikern meist gleich durchgeführt werden.“ Mit derartigen Amtshandlungen, bei denen im Falle einer Anhaltung nicht nur Fahrzeuge repariert – was aber weit schwieriger ist – Menschen oder Tiere versorgt werden müssen, ist Wolfgang fast wöchentlich konfrontiert. Einen besonders spektakulären

u Eine besondere Zuneigung empfindet Wolfgang für Omnibusse. Fotos: zur Verfügung gestellt von Wolfgang Werderits.

Aufgriff gab es im September 2008 – und Wolfgang Werderits war wieder Leiter der Amtshandlung. Zwei Slowaken wollten 137 Hundebabys von der Slowakei nach Spanien bringen. Die Fahrt endete auf der A 2 bei Markt Allhau. „Die Augen verklebt, nicht größer als die Hand des Polizisten, der ihn hält. Ein Jack Russel Welpe wird von einem Amtstierarzt untersucht. Er ist einer von 137 Hundebabys, die Montagabend in einem Kastenwagen entdeckt wurden. Manche Welpen sind noch so klein, dass sie noch keine Zähne haben“, schrieb der Kurier am 30.9.2008. „Die Fahrer werden angezeigt, weil sie gegen das Tiertransportgesetz verstoßen haben. Auch ihr Fahrzeug wies erhebliche Mängel auf“, so Werderits in einem Interview. Die Tiere wurden übrigens beschlagnahmt und dann einige Tage später versteigert. Mit derartigen von Wolfgang Werderits geführten Amtshandlungen könnte man, ohne ins Detail zu gehen, einen Ordner füllen.

Schwierige Amtshandlungen sind sein Spezialgebiet Wolfgang Werderits, Jahrgang 1967, nennt als Hobby seinen Beruf – „er ist Polizist und lebt den Polizeiberuf“. Wenden sich Kollegen mit einem Anliegen an ihn, so gibt es so gut wie nie

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eine Ablehnung – „weama schon machen“ ist die kurze, aber immer hilfsbereite Antwort. Seine besondere Liebe gehört schwierigen Amtshandlungen, bei denen nicht nur detaillierte Gesetzeskenntnis gefragt, sondern auch präzise logistische Vorgangsweise unbedingt notwendig ist. Dabei ist Wolfgang – wie sollte es anders sein, immer an „vorderster Front zu finden“. Er ist mit allem vertraut, was durch Motorkraft betrieben wird und sich auf Rädern bewegt.

Von der Picke auf Im Alter von 15 Jahren trat er als Praktikant in die Gendarmerie ein – erlernte sein Handwerk also „von der Picke auf“. Nach siebenjähriger Dienstzeit auf dem Gendarmerieposten Rechnitz zog es ihn (1992) zur Verkehrsabeilung, wo er bis dato seinen Dienst verrichtet. Wolfgang ist leidenschaftlicher Autofahrer, der besonders gerne mit dem Bus unterwegs ist. Viele Kolleg/innen schätzen seine Perfektion bei zahlreichen Ausflügen. Der IPA gehört er seit dem Eintritt in die Exekutive an, seit Jänner 2007 ist er Stellvertreter des Kontaktstellenleiters in Oberwart und seit Mai 2008 als Kontrollorgan im Bundesvorstand tätig. Wolfgang Bachkönig


Josef Seidl

Seit 30 Jahren produziert der Krippenbaumeister und Keramiker Josef Seidl Großkrippen und Keramikfiguren. Sie sind jedes Jahr zur Adventzeit in Garsten und Steyr zu sehen.

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er 72-jährige ehemalige Gendarmeriebeamte begann vor drei Jahrzehnten zuerst mit der Herstellung von Keramikkrippen. Dazu fertigte er Nachbildungen von den im 19. Jahrhundert in der Region Steyr bekannten gebrannten „Loahmmandln“ oder Lehmmännchen an. Danach brannte er wertvolle Ofenkacheln mit biblischen, weltlichen und trendigen Motiven. Hinzu kamen Ornamentfassaden, Fenstereinfassungen und Wanddekorationen, die er im Stile des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser gestaltete. Die außergewöhnlichste Arbeit war die Wanddekoration für einen großen 130 Quadratmeter Wellnessbereich. Die Techniken und das Be-

arbeiten der unterschiedlichen Tonarten erlernte er in mehreren Fachseminaren in der Keramikfachschule Stoob in Burgenland. Der Bogen seiner Arbeiten reicht von biblischen Figuren bis hin zu modernen Skulpturen.

Persönlichkeiten

Botschafter der Volkskultur

Krippenbaumeister Dazwischen ließ sich Seidl zum Krippenbaumeister ausbilden. Er erlernte alte Fertigungstechniken und stellte mehrere Groß-, Kirchen- und Hauskrippen her. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt die Renovierung der Pöttmesser Krippe und die

u Krippenbaumeister Josef Seidl.

Erstellung der Waggonkrippe. Die Pöttmesser Krippe, das Werk des Osttirolers Ferdinand Pöttmesser in den 30er Jahren, kam nach Jahrzehnten in die Kirche von Christkindl. u Eine keramische Krippe, glasiert.

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Persönlichkeiten

Dort wurde sie vor 20 Jahren in Kisten verpackt wiederentdeckt. Allerdings fehlte ein Großteil des Krippenberges. Seidl plante und baute einen neuen 58 Quadratmeter großen und bemalten Krippenberg. Darüber hinaus gestaltete er auch die Geburtsstätte Jesu Christi. Mit ihren 778 geschnitzten und bis 30 cm großen bekleideten Figuren zählt sie zu den größten Krippen der Welt. Die Krippe hat nun in der Kirche Christkindl einen endgültigen Aufstellungsplatz gefunden. u Heiliges Grab in der Lorettokapelle zu Christkindl, OÖ. Fotos: Seidl

u Ein aus Ton modellierter brennender Dornbusch als Fastenkrippe, 70 cm hoch.

lung der „Steyrer-Krippenfreunde“ im Wehrturm der Stadtpfarre in Steyr besichtigt werden.

Garstner Adventmarkt Figurenliebhaber können die handgefertigten Keramikunikate und die Loahmmandln des Künstlers beim Garstner Adventmarkt bewundern. Dabei kann der Besucher Josef Seidl auch selbst antreffen, mit ihm fachsimpeln, seine Arbeiten besichtigen und bei Gefallen auch kaufen. Maximilian Ulrich

„Krippe am Bahnhof“ Weiters konzipierte, finanzierte und errichtete er die Waggonkrippe oder die „Krippe am Bahnhof.“ Die Krippe eingebaut in einen Eisenbahnwaggon umfasst einen 17 Quadratmeter großen Krippenberg. Darauf befinden sich 1.100 vom Künstler modellierte Loahmmandln. Die Krippe besteht aus einem heimatlichem und einem orientalischem Teil. Bekannte Ortsteile der Stadt Steyr des 19. und 20. Jahrhunderts und das Geburtshaus des Künstlers sind im heimatlichen Teil aufgebaut. Im orientalischen Teil sind die Wirkungsstätten Jesus dargestellt. Fünf Jahre war die Krippe auf der Schiene durch Österreich, Italien, Liechtenstein und Deutschland unterwegs. Danach wurde sie auf zehn Quadratmeter verkleinert und kann jährlich während der Adventzeit im Rahmen einer Ausstel-

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u 2,2 Meter hohes Keramikmarterl, Sonne mit Kreuz und Kuppe feuervergoldet.


Raimund Fanninger

Persönlichkeiten

Japanisch in Wort und Schrift Genauso wie die Arbeit bei der Wirtschaftspolizei hat es Raimund Fanninger die japanische Sprache angetan.

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m Jahr 1986 rückte er als Polizeikadett nach St. Pölten ein. Zwischen 1989 und 1995 versah er Dienst auf dem Gendarmerieposten in Anif. Seit 1996 ist er Kriminalbeamter und seit 2003 durchforstet er Akten bei der Wirtschaftspolizei. Warum gerade Wirtschaftspolizei fragte ich. „Mich interessieren Dinge, die andere nicht machen wollen! Dazu gehören auch die Bereiche Krida und Betrug.“

Leidenschaft für Japan Du hast eine ganz besondere Leidenschaft! – Wie bist du zu diesem außergewöhnlichen Hobby gekommen? „In einer Tageszeitung habe ich vor etwa sechs Jahren im Werbeteil eine Einschaltung gesehen. Es wurde ein Anfängerkurs für die japanische Sprache angeboten. Ich habe angerufen und ging hin. Mich interessieren das Land, die Leute, deren Mentalität und ihre Lebensweise. Zwanzig Teilnehmer belegten zu Beginn den Kurs. Es wurden ein Fortsetzungsund ein Fortgeschrittenenkurs angeboten. Doch die Zahl der Teilnehmer

u Raimund Fanninger. Foto: D. Weissmann

verringerte sich stets. Nach zwei Jahren waren es nur noch drei Personen, die weitergemacht haben. Natürlich gab es für uns keinen Kurs mehr. Aber unsere Lehrerin, die aus Tokio stammt und seit vierzehn Jahren in Salzburg lebt, unterrichtete uns weiter. Soweit mir bekannt ist, gibt es 40.000 bis 50.000 Schriftzeichen, von denen ein durchschnittlich gebildeter Japaner etwa 3.000 beherrscht. Ich kann von mir sagen, dass ich 500 Zeichen beherrsche. Meinen sprachlichen Höhepunkt durfte ich im Mai 2007 erleben. Bei der Hochzeit meiner Lehrerin, die in Salzburg stattfand und zu der etwa 100 Personen geladen waren, hielt ich die Hochzeitsrede in japanischer Sprache. Et-

wa 40 Japaner waren anwesend und die Rede war nach deren Angaben durchwegs verständlich. Man zeichnete die Ansprache auf Video auf und hat sie seither mehrmals vorgeführt. Bisher gab es keine negativen Kritiken. Daher glaube ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“ Raimund versuchte gar nicht, mir zu erklären, dass die Schriftzeichen unterscheidbar sind. Ich hätte es ihm ohnehin nicht geglaubt! Lieber Raimund, ich wünsche Dir weiterhin sehr viel Freude und Erfolg mit deinem zeitintensiven Hobby. Dietmar Weissmann

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Persönlichkeiten

u Robert Schmid mit einigen seiner Werke.

Robert Schmid

Vermitteln von Reizen und Stimmungen ohne Regeln Das Gestalten stellt für Robert Schmid ein positives, freies Dasein dar und gibt ihm die Möglichkeit, Stimmungen und Reize ohne Regeln und Gesetze auszudrücken.

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obert Schmid wurde im April 1961 in Schwarzach im Pongau geboren. Nach der Schulzeit und der Absolvierung des Präsenzdienstes hat er sich dazu entschlossen, den Beruf des Exekutivbeamten zu ergreifen. Nach der Grundausbildung 1980/81 versah er Dienst am Gendarmerieposten Hallein. 1990 wechselte er zur Kriminalabteilung der Gendarmerie (Gruppe Leib, Leben, Sitte). Von 1995 bis 2005 war er im Ermittlungsbereich Sexualdelikte und seit der Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie im Jahr 2005 schließlich dem LKA und der Gruppe Raub zugeteilt. Robert Schmid setzt sich mit seinen Werken über Gesetze hinweg. Nicht, dass er die Gesetze brechen wollte. Vielmehr stellt das Gestalten für ihn ein positives, freies Dasein in der heutigen Gesellschaft dar und gibt ihm die Mög-

lichkeit, Stimmungen und Reize ohne Regeln und Gesetze auszudrücken. Seine Technik: Spachtelungen auf großflächigen Leinwänden, Farbgebung in Acryl und effektvolle Endlakkierung. Seine Motive: Abstrakte Sonnenstimmungen, teilweise abstrakte und doch leicht erkennbare Landschafts- und Stadtmotive in dekorativer Darstellung.

Kunstmalerei & Fotografie Bereits sein Vater, wie auch der Großvater waren im Berufsleben Maler und Anstreicher und jeder für sich war in der Ausübung seines Berufes auch immer wieder mit künstlerischen Arbeiten insbesondere mit Restaurierungen von Kirchen, Gewölben, Altbauten und dergleichen beschäftigt. Auch Kunstmalerei und Fotografie waren fester Bestandteil ihres Wirkens.

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Robert sieht sich nicht als Künstler, vielmehr als Gestalter von dekorativen Werken im Zusammenspiel mit Wohnräumen und Einrichtungsgegenständen. Die Dekoration von Wänden in Wohnräumen oder auch Geschäftsräumen, das ist die Leidenschaft, die dann die Bilder entstehen lässt. Das Verändern von oft steril gestalteten Räumen, das Einhauchen von Atmosphäre in diese Räume, das ist die Herausforderung für „RoSch“. 2004 veranstaltete „RoSch“ eine erste große Vernissage in den Räumlichkeiten der Salzburg AG. Darauf folgten mehrere Ausstellungen in Stadt und Land Salzburg. Seine letzte Ausstellung war im Lokal „Kastro” in Hallein zu besichtigen. In Planung ist eine weitere Schau in Salzburg, er möchte aber noch keine Details bekanntgeben. Dietmar Weissmann


Adolf Kalchbrenner

Persönlichkeiten

Ein Helfer und Organisator Seit mehr als 20 Jahren hilft Adolf Kalchbrenner als Obmann des Vereins „Fair Help“ unermüdlich Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.

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bteilungsinspektor Adolf Kalchbrenner,­ Kontaktstellenleiter des Bezirkes Oberwart, ist ein „Urgestein“ der IPA im Burgenland. An „gewöhnlichen Tagen“ versieht er seinen Dienst als Kommandant­ der­ Polizeiinspektion­ Großpetersdorf im Bezirk Oberwart. In seiner Freizeit widmet er sich ganz dem Verein „Fair Help“, der seit nunmehr­20­Jahren­unermüdlich­versucht,­ Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, schnell und unbürokratisch zu helfen. Als Obmann von „Fair Help“ verfügt Adi, wie er von seinen Freunden genannt wird, über ein Budget­von­jährlich­7.000.-­Euro,­das­aus­ Mitgliedsbeiträgen,­Spenden,­Einnahmen aus Benefizveranstaltungen und Zuwendungen der IPA Landesgruppe Burgenland lukriert wird.

Helfen, wenn die Not am größten ist. Bezeichnend für „Fair Help“ ist, dass an die Hilfsbedürftigen keine Geld-, sondern „nur“ Sachspenden übergeben werden, wodurch jeder Missbrauch bereits im Vorfeld unterbunden wird. „Fair Help“ ist im Burgenland bereits ein Begriff und hat unter anderem im letzten Jahr •­ die­Eltern­eines­13-jährigen­ Mädchens,­ das­ nach­ einer­ Operation in seiner Bewegung­ stark­ eingeschränkt­ ist,­ bei­ der­ behindertengerechten­ Einrichtung der Wohnung unterstützt, •­ für­die­Kinderstation­des­Krankenhauses Oberwart einen Lerncomputer angekauft, •­ einer­ 52-jährigen­ unheilbar­ kran-

u Kontaktstelle Oberwart – bekannt weit über die Grenzen des Burgenlandes.

u Die neue Uniform steht Adolf Kalchbrenner gut.

ken­ Frau­ aus­ dem­ Bezirk­ Eisenstadt Lebensmittelgutscheine übergeben­ sowie­ durch­ eine­ Einmalzahlung­ an­ die­ BEWAG­ die­ Abschaltung des Stromes verhindert und •­ einer­ im­ Sozialhaus­ Oberwart­ untergebrachten Familie durch Sachspenden­den­Einstieg­in­den­„normalen Alltag“ ermöglicht, um nur einige Beispiele aus der vielfältigen­ Palette­ der­ Hilfeleistungen­ des Vereines zu nennen.

„Adi, der reisende Kontaktstellenleiter“ Adolf­Kalchbrenner­ist­seit­zwei­Jahren­Kontaktstellenleiter­der­Kontaktstelle Oberwart und organisiert mit seinem Stellvertreter Wolfgang Österr. Sektion & LG Steiermark

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Persönlichkeiten

­ erderits­Reisen­quer­durch­Europa,­ W die für viele Mitglieder eine bleibende­Erinnerung­sind.­Wenn­„Adi“­eine­ Reise organisiert, so ist diese in nur wenigen Tagen bis auf den letzten Platz­ausgebucht.­Es­ist­bereits­weit­ über die Bezirksgrenzen bekannt, dass jeder Ausflug ein einzigartiges Erlebnis­ ist­ und­ er­ höchste­ Qualität­ zum niedrigsten Preis bietet. Auch bei der Ausrichtung des nationalen­ Kongresses,­ der­ im­ Mai­ 2008­ in Stegersbach (Bezirk Güssing) abgehalten wurde, hat Adolf wesentlich zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen. Kurze Biographie: Adolf­Kalchbrenner,­Jahrgang­1954,­ ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen­Kindern.­Geboren­wurde er in Stadtschlaining, Ortsteil Goberling, im Bezirk Oberwart, wo er­auch­seine­Kinder-­und­Jugendzeit­ verbrachte. Nach seiner Schulzeit erlernte­ er­ den­ Beruf­ des­ Einzelhandelskaufmannes.

Schwerer Schicksalsschlag Dass das Leben auch viele Schattenseiten hat, erfuhr Adolf im Alter von 26­ Jahren.­ Innerhalb­ von­ nur­ acht­ Monaten verlor er auf tragische Weise­ seine­ Eltern,­ die­ nur­ 52­ und­ 45­ Jahre­alt­wurden.­Er­war­gezwungen,­ „die Ärmel“ im wahrsten Sinne des Wortes hochzukrempeln, da er nun für seine drei jüngeren Geschwister

u Adi (Uniform) ist stolz, wieder einmal einem Menschen eine Freude gemacht zu haben.

die Rolle des Familienoberhauptes übernehmen und auch noch für seine betagten Großeltern sorgen musste. Seine­„Karriere“­in­der­Exekutive­ begann­Adolf­Kalchbrenner­im­Jahre­ 1977­in­der­Gendarmerieschule­Rust.­ Danach kam er zum Gendarmerieposten Rechnitz. Nach dem Grundausbildungslehrgang für dienstführende Wachebeamte wurde er als Stellvertreter des Postenkommandanten zum Gendarmerieposten Stadtschlaining ausgemustert.­ Dort­ wurde­ er­ 1999­ zum Dienststellenleiter bestellt, nach der­ Schließung­ (2002)­ über­ eigene­ Bitte zur Polizeiinspektion Großpetersdorf versetzt und als Inspektionskommandant eingeteilt.

„Seitensprung in den Norden“ Adolf „zog“ es im Laufe der Jahre auch mehrmals ins nördliche Burgenland.­1996/97­war­er­dem­Grenz-

u Ein Mann mit Handschlagqualität – Adolf Kalchbrenner, links. Fotos: Zur Verfügung gestellt von Adolf Kalchbrenner 108

überwachungsposten Nickelsdorf, 2002/03­ der­ Zugsgrenzkontrollstelle­ Bruckneudorf zugeteilt, wo er als dienstführender Beamter am Aufbau der größten Dienststelle Österreichs (Nickelsdorf) bzw. an einem geordneten Dienstbetrieb (Bruckneudorf) wesentlichen Anteil hatte. Seit­ 1985­ ist­ Adolf­ Kalchbrenner­ Zugskommandant­in­der­Einsatzeinheit Burgenland, wodurch er bei allen wichtigen ordnungspolizeilichen Einsätzen­ in­ Ostösterreich­ immer­ „an vorderster Front“ (Hainburger Au, Ostautobahn, Bauerndemo usw.) stand. Privat ist „Adi“ ein sehr vielseitiger Mensch, dem Organisationstalent bereits in die Wiege gelegt wurde. Das zeigt seine erfolgreiche Arbeit sowohl­in­der­Exekutive­als­auch­in­ der­ IPA.­ Er­ kann­ auf­ Menschen­ zugehen und verliert besonders in schwierigen Situationen niemals den Humor. Dass die Familie bei ihm an erster Stelle steht und ihm den nötigen Rückhalt gibt, zeigt die Anwesenheit seiner Gattin bei all seinen zahlreichen gesellschaftlichen Verpflichtungen. Wir von der IPA-Burgenland hoffen, dass Du noch viele Reisen organisierst und würden uns freuen, Deine­Gäste­sein­zu­dürfen.­ Wolfgang Bachkönig


Ein Leben mit der Donau und ihren Schiffen Kapitän, Lokführer oder Pilot sind die Traumberufe vieler Buben. Otto Steindl, pensionierter Kapitän und Leiter der Schifffahrtspolizei Linz, erlernte die Schifffahrt von Kindesbeinen an.

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er­ heute­ 63-jährige­ pensionierte­ Kapitän­ und­ Leiter­ der Schifffahrtspolizei Linz, Konsulent­und­Autor­von­drei­Fachbüchern­ und­ unzähligen­ Fachbeiträgen, Otto Steindl, erlernte die Schifffahrt von klein auf. Sein viel zitierter Ausspruch lautet: „Ich bin nur am Land geboren und anschließend sofort auf einen Schleppkahn gekommen.“­ Tatsächlich­ war­ es­ so.­ Kaum­ konnte er sich auf den Beinen halten, war er mit seinem Vater, einem Schleppkahnsteuermann, auf der Donau unterwegs. Nach der Schule begann er eine Lehre in der Linzer Werft. Von der Arbeitshalle wechselte er sofort auf ein Schiff und war vorerst­für­die­Motoren­und­die­Elektrik­zuständig.­

u Otto Steindl ist seit seiner Kindheit mit der Schifffahrt verbunden.

„Russlandfahrt“ Später­ wurde­ er­ Steuermann­ auf­ Schiffen der DDSG, Donaudampfschifffahrtsgesellschaft.­ „Während­ dieser Zeit habe ich beinahe alles miterlebt. Zusammenstöße mit anderen Schiffen, Wassereinbrüche oder Brände.­Als­ besonderes­ Erlebnis­ ist­ mir auch die „Russlandfahrt“ im ­November­ 1965­ in­ Erinnerung.­ Die­ „Kammegg,“­ ein­ Schaufelradzugschiff­ mit­ zehn­ Güterkähnen­ im­ Schlepptau, sollte von Izmail, Ukraine,­Kohle­nach­Wien­transportieren.­

Persönlichkeiten

Otto Steindl

Auf der Rückfahrt musste das Schiffsgespann­ 156­ Kilometer­ vor­ Budapest in Baja vor Anker gehen. Eine­Weiterfahrt­war­wegen­der­tiefen­Temperaturen­bis­minus­20­Grad,­ die­zu­gefährlichen­Eisbildungen­auf­ der Donau führten, nicht mehr möglich. Bis auf Steindl und einen Matrosen fuhr die gesamte Schiffsbesatzung mit der Bahn nach Wien. Die

beiden­sehr­jungen­Männer­mussten­ fast vier Monate beim Schiff bleiben. Sie feierten Weihnachten und Silvester in Ungarn und kehrten erst Mitte März­ des­ folgenden­ Jahres­ nach­ Wien zurück.

Schifffahrtspolizei Linz Als­ Steuermann­ wechselte­ er­ 1971­ zur Schifffahrtspolizei nach Linz,

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Persönlichkeiten

wo­ er­ 32­ Jahre­ als­ Beamter­ und­ ­Kapitän­des­Bundesministeriums­für­ Verkehr, Innovation und Technologie­ tätig­ war.­ Nach­ 18­ Jahren­ als­ Leiter­der­Dienststelle­ging­er­2003­ in Pension. Wobei Pension für Steindl absolut nicht zutreffend ist. Warum? Als er noch mit Schiffen der DDSG zwischen Regensburg und dem Schwarzen Meer unterwegs war,­ hat­ er­ sämtliche­ Schiffe­ fotografiert und katalogisiert. Zudem fertigte er von diesen Schiffen einen Lebenslauf­an.­Darin­sind­sämtliche­ Eigentümer­ und­ Schiffsdaten,­ bis­ zur­Einschmelzung­des­Schiffes­im­

Hochofen penibel aufgezeichnet. Heute verfügt Steindl über das umfangreichste und bekannteste Binnenschiffearchiv von der Donau mit 26.000­ Schiffsdaten.­ Dieses­Archiv­ ergänzt­er­ständig,­somit­verfügt­er­ nicht nur über historische Daten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich selbst Reedereien, Medien, Autoren oder Fachinteressierte mit ihren Fragen an den fachkundigen Archivar wenden.

Drei Fachbücher Durch zahlreiche Anfragen und eigene­Erlebnisse­angeregt,­hat­er­bisher­ drei Fachbücher und zahlreiche

u Ein kleiner Teil von Otto Steindls Archiv.

Fachartikel­ verfasst.­ Zudem­ hält­ er­ als­ Konsulent­ der­ oberösterreichischen Landesregierung, Referat Umweltschutz, Donau und Schifffahrt, regelmäßig­Vorträge.­

25 Jahre Landesredakteur

u Nostalgische Bilder aus der Schifffahrts-Vergangenheit.

Fotos: Steindl

Steindl ist darüber hinaus als Bildjournalist und Auslandskorrespondent in drei Fachzeitungen in Schifffahrtsfragen und als Mitarbeiter in Lokalmedien­tätig.­ Regelmäßig­ verfasst­ er­ für­ die­ Landesgruppe Oberösterreich Beiträge­ im­ IPA­ Panorama­ und­ feiert­ 2009­ sein­ 25-jähriges­ Jubiläum­ als­ Landesredakteur. Maximilian Ulrich

u Die „Kammegg“ – 1943 in der Werft Korneuberg erbaut. 1974 wurde das 58 Meter lange Schleppschiff verschrottet.

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Andreas Ringhofer

Der Ausdauersportler Andreas Ringhofer ist seit 26 Jahren in den Sportarten Skibergsteigen, Skilanglauf, Tourengehen, Berg- und Marathonlauf in der Weltspitze vertreten.

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ur wenige Spitzensportler schaffen es, in mehreren Sportarten international erfolgreich zu sein. Der Ausdauersportler und Polizeibeamte Andreas Ringhofer­ ist­ seit­ 26­ Jahren­ in­ den­ Sportarten Skibergsteigen, Skilanglauf, Tourengehen, Berg- und Marathonlauf in der Weltspitze vertreten. Der­ heute­ 37-Jährige­ wurde­ im­ weltbekannten Schiort Schladming geboren. Damit war sein Lebensweg vorprogrammiert. Bereits im Alter von elf Jahren betrieb Ringhofer Leistungssport. Aber nicht die alpinen, sondern die nordischen Sportarten interessierten ihn. „Das Leben hier ist ausschließlich vom alpinen Schisport­geprägt.­Wenn­du­eine­andere Sportart ausübst, dann bist ein Außenseiter,“ meint er noch immer verständnislos.­

Langlauf-Nationalteam Trotz dieser Bürde entschied er sich für die Nordischen und den Schilanglauf.­ Fünf­ Jahre­ später­ wechselte­ er­ vom Landeskader schon ins Nationalteam­ der­ Schilangläufer.­ Bereits­ als­20-jähriger­errang­er­den­Europacup und war erfolgreicher Teilnehmer an mehreren internationalen Bewerben. Bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft­1991­in­Val­di­Fiemme­ belegte­ er­ in­ der­ 4­ x­ 10­ km­ Staffel­ mit Schwarz, Stadlober und Marent den­sechsten­Platz.­Ein­Jahr­später­in­ Albertville bei den Olympischen

u Andreas Ringhofer ist ein Allrounder.

Spielen­erreichte­er­18.­Platz­im­Verfolgungsrennen. Ringhofer war aber nicht nur ein erfolgreicher­ Schilangläufer.­ Im­ Sommer trainierte er für Laufbewerbe und spezialisierte sich vorerst für den Berglauf­ und­ wurde­ als­ 17-jähriger­ steirischer Meister im Berglauf. In den folgenden Jahren beteiligte er sich weiter an international besetzten Bergläufen­ und­ errang­ mehrere­ Podestplätze. Nach­den­Olympischen­Spielen­1992­ in Albertville dachte Ringhofer natürlich über eine Profikarriere nach. Als einziger Amateur musste er ne-

ben seiner Sportkarriere auch Dienst am Gendarmerieposten Schladming versehen, um seine Familie zu versorgen.­Eine­Karenzierung­zu­Gunsten einer Profikarriere ohne finanzielle Unterstützung war daher ausgeschlossen. „Beruf und Profikarriere waren nicht mehr vereinbar.“ In dieser für ihn alles entscheidenden Phase wandte sich der Ausnahmesportler an den damaligen nordischen ÖSV-Sportdirektor. Seine Antwort und das Angebot waren aber derart niederschmetternd, dass Ringhofer seine erfolgsversprechende Karriere­ abbrach.­ Nach­ dieser­ Niederlage schied Ringhofer nach zwölf Jahren freiwillig aus dem ÖSV-Team aus. Sein Teamkollege und Freund Alois­Stadlober­errang­1999­bei­den­ Nordischen Skiweltmeisterschaften in der Ramsau am Dachstein gemeinsam mit Markus Gandler, Christian Hoffmann und Mikhail Botwinov den­ Weltmeistertitel­ im­ 4­ x­ 10­ km­ Staffel-Bewerb.

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Jenseits der Schmerzgrenze

Neuorientierung „Ringo,“ wie Ringhofer von seinen Konkurrenten­und­Freunden­genannt­ wird, musste sich neu orientieren und hatte bald wieder sportliche Ziele im Auge. Schibergsteigen, Berg- und Marathonlauf lauteten die neuen Herausforderungen. Weiterhin musste er aber Beruf und Sport vereinen, da er keine Unterstützung hatte.

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Was ist eigentlich Schibergsteigen?

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Schibergsteigen, angelehnt an das Tourengehen,­ist­vermutlich­die­älteste­ Schisportart.­ Ab­ dem­ 12.­ Jahrhundert waren Schi speziell in den nordischen­ Ländern­ ein­ Hilfsmittel­ zur Fortbewegung für Jagd und Alltag. Als eines der ersten Dokumente des Gebrauchs von Schiern gilt der „Birkebeinerritt“,­ bei­ dem­ 1206­ der­ norwegische­Königssohn­Hakon­Hakonsson über die Berge mit Schiern ins­sichere­Exil­gebracht­wurde. In­ den­ 20er­ Jahren­ des­ vergangenen Jahrhunderts war das Schibergsteigen bereits ein Volkssport geworden. Dazu beigetragen hat auch der 1.­Weltkrieg,­bei­dem­die­Bedeutung­ der­ Mobilität­ im­ winterlichen­ Gebirgskampf erkannt wurde. Wie bei jedem Sport gab es auch eine große Bewegung­ für­ Rennläufe,­ die­ sich­ aus­den­militärischen­Patrouillenläufen entwickelte. u La Pizolada.

6 Millionen Sportler Rennen im Schibergsteigen gibt es schon­seit­über­100­Jahren,­aber­erst­ 1992­folgte­der­der­erste­Europacup,­ 2002­die­erste­Weltmeisterschaft­und­ 2004­der­erste­Weltcup. Weltweit wird der Wettkampfsport derzeit­ von­ 34­ Ländern­ und­ fast­ sechs­ Millionen­ Sportlern­ bei­ 500­ Wettkämpfen­jährlich­betrieben.­Der­ Österreichische Wettkampfsport ist seit­2006­im­ASKIMO,­Austrian­Skimountaineering Organization for Competitions, organisiert. Schibergsteigen als Wettkampfsport, setzt sich aus mehreren Anstiegen und Abfahrten im alpinen Gelände­zusammen.­Mit­einem­Massenstart wird der Wettkampf eröffnet. Die­Athleten­bewältigen­an­die­2000­ Höhenmeter­über­schmale­Bergkämme­ und­ Klettersteige­ in­ kompletter­ Schitourenausrüstung. Dabei ist perfektes Bergsteigerkönnen erforder-

lich.­Im­freien­Gelände­geht­es­über­ vereiste­ Passagen­ und­ unpräparierte­ Pisten im Renntempo wieder talwärts. Voller­ Ehrgeiz­ jenseits­ der­ Schmerzgrenze trainierte Ringhofer weiter. „Nach meinem Polizeidienst bin­ich­täglich­die­Planai­bis­Mitternacht hinauf und wieder hinunter gelaufen.“

Erfolge im Schibergsteigen Zehn Jahre nach seinem Ausstieg aus dem ÖSV-Langlauf-Team errang er seine­ersten­Erfolge­im­Schibergsteigen.­ Seit­ 2002­ hat­ er­ bei­ internationalen­ Konkurenzen­ fast­ nur­ Podestplätze­ errungen.­ Die­ schlechtesten­ Platzierungen waren drei sechste Plätze.­Außerdem­ ist­ er­ Streckenrekordhalter beim Hochwurzen-Berglauf­seit­2004­und­seit­2006­und­beim­

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„Champ­or­Cramp,“der­längsten­Abfahrt in den Alpen am Goldeck in Kärnten. Einer­ der­ besonderen­ Bewerbe­ ist­ der „Mountain Attack“ in SaalbachHinterglemm. An dieser Veranstaltung­ nehmen­ mehr­ als­ 700­ Teilnehmer aus elf Nationen teil. Die Besonderheiten dieses Wettkampfes sind, dass­sechs­Gipfel,­40­Kilometer­und­ 3000­ Höhenmeter­ bezwungen­ werden müssen. Ringhofer konnte diesen­ Bewerb­ bereits­ drei­ Mal,­ 2004,­ 2005­und­2008­für­sich­entscheiden. Seit­2004­kämpfte­Ringhofer­aber­ mit­vielen­Verletzungen­und­Erkrankungen.­ Es­ begann­ mit­ ständigen­ Muskelentzündungen in beiden Beinen bis hin zu einem Sturz beim Training, wo er sich drei Rippen brach, eine Gehirnerschütterung, ein angesprengtes Schulterblatt und


Persönlichkeiten

einen Bluterguss an der Leber zuzog. Trotz dieser Verletzungen trainierte er mit Schmerzmitteln weiter. Wichtige­Wettkämpfe,­wie­die­Titelverteidigung­ des­ Mountain­ Attack­ 2004­ standen auf dem Programm. Trotz drei gebrochener Rippen und enormer gesundheitlicher Probleme gelang ihm die Titelverteidigung. „In der­ nächsten­ Saison­ musste­ ich­ zurückstecken, ich konnte keine Leistung mehr erbringen. Zudem hatte ich auch mit psychischen Problemen zu­ kämpfen.­ Keine­ körperliche­ Höchstleitungen mehr bringen zu können, machte mir zu schaffen. Die Ärzte gaben mir aufgrund meiner bestehenden Probleme keine Garantie für eine rasche Genesung. Der Faktor Zeit spielte dabei eine große Rolle.“­Während­dieser­Zeit­gab­ihm­die­ Familie großen Rückhalt.

u Der Marathon 2005 in Wien verlangt Andreas Ringhofer alles ab. Fotos: Ringhofer

Sponsoring Die Leistungen von Ringhofer sind außerdem umso höher zu bewerten, da er vorerst keine finanzielle und zeitliche Unterstützung hatte. Mit dem eigenen Pkw reiste er zum Training­und­zu­den­Wettkämpfen­an­und­ ließ­ die­ Konkurrenz­ dann­ hinter­ sich. Erst­ ab­ 2005­ konnte­ Ringhofer­ wirklich­aufatmen.­Endlich­wurde­er­ finanziell von einem Sponsoring und einem eigenen Trainingszentrum unter­ärztlicher­Leitung­bestens­betreut.­ Zudem wurde er im Sommer Mitglied im Österreichischen Polizeikader des Laufsports, dadurch erlangte er­ eine­ zusätzliche­ dienstliche­ Frei-

stellung, die er sich aber immer mit den­ Kollegen­ abspricht,­ wie­ er­ betont. 2008­ erreichte­ der­ regierende­ österreichische Meister Ringhofer bei der Weltmeisterschaft im Schibergsteigen in der Schweiz den sensationellen vierten Platz. Für Andreas „Ringo“ Ringhofer ist dies das beste Ergebnis­aller­Zeiten­im­Österreichischen­ Schibergsteigen.­ Dabei­ hätte­ es durchaus noch besser ausschauen können. Durch ein verrutschtes Fell konnte er im letzten Anstieg nicht

mehr voll attackieren, und musste den in Griffweite liegenden dritten Platz sausen lassen.

Wie geht es weiter? „In Zukunft werde ich mich nur mehr auf den Laufbewerb und im speziellen auf den Marathon konzentrieren. Nach­ meinen­ zahlreichen­ Erfolgen­ seit­2005­sehe­ich­eine­Chance,­mich­ in dieser Sportart noch einmal international zu profilieren. Mein Fernziel sind die Olympischen Spiele 2012­in­London.“­ Maximilian Ulrich

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Franz Mittermaier

Persönlichkeiten

Die Suche nach versunkenen Schätzen Naturgewordene gesunkene Schiffe sind begehrte Ziele von Wracktauchern. Einer davon ist Franz Mittermaier – Einsatztrainer, Schießausbildner und Sachbearbeiter – von der Polizeiinspektion Bad Gleichenberg.

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bgestürzte Flugzeuge und versunkene Schiffe liegen als stumme Zeugen auf dem­Meeresboden.­Sie­repräsentieren ein Stück Zeitgeschichte. Je nach Region wurden sie zur neuen Heimat­ von­ Fischen­ und­ Korallen.­ Die naturgewordenen Wracks sind begehrte Ziele von Wracktauchern. Einer­davon­ist­der­46-jährige­Franz­ Mittermaier,­Einsatztrainer,­Schießausbildner und Sachbearbeiter von der Polizeiinspektion Bad Gleichenberg. Der gebürtige Niederösterreicher Franz Mittermaier wohnt in einem schmucken, aber typischen steirischen­ Einfamilienhaus­ in­ der­ Oststeiermark. Zahlreiche Bilder, unzählige­ Bücher,­ Zeitschriften­ und­ Gegenstände­ von­ alten­ versunkenen­ Schiffen versetzen den Besucher in die Welt des Meeres. Wie kam es dazu? „Ich bin seit 1981­leidenschaftlicher­Sporttaucher­ und­stieß­bei­meinen­Tauchgängen­in­ der Adria immer wieder auf Schiffs-

genheit­ von­ außen­ nicht­ zu.­ Erst­ ab­ 1994­ wurden­ solche­ Tauchgänge­ durchgeführt.

„Verein historischer Schiffe“

u Franz Mittermaier ist Wracktaucher.

wracks. Informationen über einige Schiffe waren entweder unbekannt, falsch oder nur fragmentarisch vorhanden. Das Wracktauchen in der Adria ist noch jung. Die politischen Verhältnisse,­vor­allem­während­des­ Jugoslawienkrieges,­ ließen­ die­ Erforschung des Meeres in der Vergan-

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Als Mitglied im Verein „historischer Schiffe“ in Wien, dem Marinehistoriker, Sammler und Modellbauer angehören, wollte ich die Segmente Geschichte und Tauchen zusammenführen. Mit Hilfe alter Aufzeichnungen, Fachliteratur und in Zusammenarbeit mit Historikern versuche ich, Örtlichkeiten gesunkener oder versenkter Schiffe, vor allem österreichischer, aufzuspüren. Die Wracks werden von mir betaucht und fotografiert. Anhand der vorgefundenen und­ fotografierten­ Gegenständen,­ Serien- oder Typennummern oder Einrichtungen­überprüfe­ich­die­Daten und Fakten mit schriftlichen Aufzeichnungen.­ Erst­ dann­ ist­ eine­ genaue Zuordnung möglich. Aufzeichnungen über gesunkene oder­ versenkte­ Kriegs-­ oder­ Passagierschiffe­ während­ des­ Ersten­ und­


Gefahren beim Tauchen Du sagst, dass du lieber alleine tauchst. Bist du dadurch nicht einem höheren Risiko ausgesetzt? „Nein. So eigenartig es klingt. Wenn ich allein unterwegs bin, kann ich mich voll auf meine Arbeit konzentrieren.

Außerdem ist das Tauchen zu zweit oder in einer Gruppe nicht weniger gefährlich.“ Ein­ Schiffs-­ oder­ Flugzeugwrack­ ist­ der­ Korrosion,­ der­ Fäulnis­ und­ ständiger­ Wasserbewegung­ ausgesetzt und kein statisches Gebilde. Türen eines Wracks können zufallen oder verrostete Verstrebungen zusammenbrechen. Munition und Granaten­aus­Kriegszeiten­können­auch­ noch­ nach­ Jahrzehnten­ durch­ Erschütterungen­ im­ Wasser­ explodieren. Die Flossen berühren leichter den Grund, sodass Sand und Schlick aufgewirbelt werden. Durch die schlechten­ Sichtverhältnisse­ kann­ der Taucher die Orientierung verlieren. Gefahren für Taucher und Ausrüstung verstecken sich auch unter Muscheln, Algen oder Seepocken,

Persönlichkeiten

Zweiten Weltkrieges sind eigentlich sehr gut dokumentiert. Wie oft machst du solche Tauchgänge?­ „Vor­ Jahren­ haben­ ich­ jede­ freie Minute genützt und bin nach Dienstschluss sofort Richtung Adria unterwegs gewesen. Oft war ich nur für einen Tag oder wenige Stunden am Meer. In der Zwischenzeit haben sich­ die­ Fixkosten­ enorm­ erhöht.­ Außerdem tauche ich lieber alleine. Daher musste ich meine Ausflüge einschränken.“

u In voller Ausrüstung.

denn diese verdecken oft spitze oder scharfkantige­Metallgegenstände.­ „Die Unterwassersicht im nördlichen Teil der Adria, aber auch in Nordalbanien bis Durres ist die durch die­ Einmündung­ von­ Flüssen­ oder­ durch­ Sandstrände­ sehr­ schlecht.­ Die­ Dalmatinische­Küste­und­der­südliche­ Teil Albaniens bis zum Ionischen Meer bietet hingegen eine sehr gute Sicht.“

Adria bevorzugt

Passagierschiff Baron Gautsch

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as Passagierschiff Baron Gautsch mit Flüchtlingen, Frauen­ und­ Kindern­ und­ einigen­ Touristen­war­am­11.­August­1914,­gegen­ 11:00­Uhr­auf­der­Rückfahrt­von­Veli­ Losinj nach Triest. Zur gleichen Zeit legte­die­K.K.-Kriegsmarine­Minenfelder im Bereich der Brionischen Inseln aus. Weil der kommandierende­ Offizier­ den­ Kurs­ trotz­ Warnungen ignorierte, geriet das Passagierschiff­nur­knapp­drei­Stunden­später­ in­ein­Minenfeld.­Nach­zwei­Explo-

sionen sank das Schiff innerhalb von sechs­ Minuten.­ 177­ Passagiere­ ertranken­ oder­ verbrannten.­ Nur­ 159­ Menschen konnten durch herbeigeeilte Zerstörer gerettet werden. Das­ Wrack­ liegt­ auf­ ebenem­ Kiel­ in­ 40­ m­ Tiefe­ auf­ dem­ Sand-­ und­ Schottergrund.­Es­ist­nach­80­Jahren­ völlig­ ­ mit­ Schwämmen,­ Muscheln,­ Algen und anderen Meereslebewesen überwachsen und wird von unzähligen­ Fischen­ als­ Versteck­ benutzt.

Die­Adria­ist­auf­Grund­der­Nähe­für­ Franz Mittermaier natürlich bevorzugtes Tauchgebiet. Als begeisterter Wracktaucher hat er aber auch die Gewässer­von­Scarpa­Flow­und­Truk­ Laggon betaucht. Scarpa Flow vor Schottland ist ein wahres „Dorado“ für Taucher, denn

u Die Bassena auf der Baron Gautsch (Unterdeck, Küche).

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u Po, Schuh im Achterdeck.

Persönlichkeiten

auf dem Meeresgrund liegt nahezu die komplette­ deutsche­ Kriegsflotte­ aus­ dem­Ersten­Weltkrieg.­Die­kaiserliche­ Flotte war nach dem Waffenstillstand in­den­Gewässern­von­Scapa­Flow­interniert. Sieben Tage vor der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags geschah dann das Unglaubliche. Die­ deutsche­ Kriegsflotte­ versenkte­ sich selbst. Heute befinden sich nur mehr­ sieben­ Kriegsschiffe­ auf­ dem­ Meeresboden, der Rest wurde wegen des Materials geborgen. Truk­Laggon­wurde­1990­in­­Chuuk­ umbenannt. Chuuk gehört zu Mikronesien­und­liegt­im­Pazifik,­590­Meilen­ südöstlich­ von­ Guam­ und­ 3.372­ Meilen südwestlich von Hawaii und besteht­aus­287­Inseln.­Truk­Lagoon­

u Goritia, Heckbereich Bullaugenöffnung.

und die umliegenden Inseln mit Palau, waren im Zweiten Weltkrieg Marine-Festung/Stützpunkt­ der­ Japaner­im­Pazifik.­Bei­einem­zweitägigen amerikanischen Angriff wurden­ mehr­ als­ 400­ japanische­ Flugzeuge­ zerstört­ und­ ca.­ 50­ bis­ 60­ Schiffe versenkt. So entstand die „Geisterflotte von Truk Lagoon“, wie­sie­heute­auch­genannt­wird.­Es­ ist allgemein unbestritten, dass es sich um den weltweit besten Tauchplatz für Schiffswracks handelt. Die Wracks­ liegen­ in­ einer­ Tiefe­ bis­ 70­ Metern. Betaucht werden in der Regel­die­Schiffe­bis­zu­einer­Kieltiefe­ von­ 45­ Metern.­ Die­Aufbauten­ und­ Ladebäume­ reichen­ teilweise­ bis­ zu­ fünf­Meter­unter­die­Oberfläche,­was­

Ein deutsches Mini-U-Boot

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in deutsches Mini-U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg vom Typ Mol. Von dieser Bauart wurden nur zwei Mini-U-Boote in diesem Raum eingesetzt.­Eines­dürfte­von­den­Deutschen selbst zerstört worden sein. Das

zweite wurde von einem britischen Jagdflugzeug­versenkt.­Ein­Wrack­befindet sich in der Bucht von Triest nördlich von Sistiana in neun Meter Tiefe. Mittermaier entdeckte das Boot während­eines­Wintertauchganges.­

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Fotos: Mittermaier

ein Auftauchen doch sehr erleichtert. Leider hat Franz Mittermaier von diesen­Wracktauchgängen­kein­Bildmaterial.­ Nach­ einigen­ Vorträgen­ war die Nachfrage aber so groß, dass er sich auch die Unterwasserfotografie zum Hobby machte.

Jäger der versunkenen Schätze Abschließend meint der begeisterte Wracktaucher aber, dass er gegen die Jäger­der­versunkenen­Schätze­keine­ Chance hat. Diese können mit modernster Technik und mit dem Geld der Investoren natürlich schneller und auch effizienter vorgehen. Über die Tihany (großes Bild auf der Aufschlagseite für Franz Mittermaier): Sie­wurde­1908­in­Triest­gebaut,­hatte­ eine­Verdrängung­von­204­Bruttoregistertonnen und eine Maschinenleistung von­400­PS.­­Das­Schiff­ist­45,4­Meter­ lang­und­5,8­Meter­breit.­Der­Dampfer­ gehörte der Reederei Ungaro-Croata und­wurde­im­Ersten­Weltkrieg­von­der­ Österr.-Ungar.­Kriegsmarine­angemietet.­Das­Schiff­lief­am­12.­02.­1917­auf­ ein­Riff­in­der­Nähe­der­Insel­Unije­auf­ und­sank.­Das­Schiff­war­mit­129­Tonnen­Kohle­und­einem­Waggon­Öl­beladen. Alle Matrosen konnten gerettet werden. Das Schiff liegt heute auf der Steuerbordseite­in­30­Metern­Tiefe­direkt am Fuss einer Steilwand und ist einfach zu betauchen. Aufbauten und Innenkonstruktionen sind soweit erhalten, dass man in das Wrack hineintauchen kann. Der Rumpf ist in noch recht gutem Zustand, doch das Deck, das aus Holz bestand, ist teilweise eingebrochen. M. Ulrich


Geschichte ist sein Hobby, Schreiben eine „Sucht“ Wolfgang Bachkönig ist ein „gestandener Gendarm“ mit mehr als 32 Dienstjahren, der nahezu zum „Inventar“ des Landespolizeikommandos Burgenland gehört.

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ein Werdegang – sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich – zeigt, dass man im Leben jede Herausforderung annehmen muss und versuchen soll, stets nach vorne zu blicken. Der­ gelernte­ Kfz-Mechaniker­ schaffte es in nur acht Jahren vom provisorischen Gendarmen zum Postenkommandanten. Zur Matura bereits angemeldet, musste er dieses Vorhaben wegen gesundheitlicher

Probleme, noch ehe es begonnen hatte, wieder beenden. Seine angeschlagene Gesundheit zwang den Beamten, der mit Leib uns Seele Außendienstgendarm war, zum freiwilligen Übertritt in den Innendienst. Wolfgang konnte sich mit dem neuen Lebensabschnitt vorerst überhaupt nicht anfreunden. Da die Genesung

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Wolfgang Bachkönig

u Die Festschrift für den IPA-Kongress 2008 gehört zu den Arbeiten, auf die er besonders stolz ist.

nicht den erhofften Fortschritt brachte­ und­ entgegen­ aller­ Erwartungen­ Jahre dauern sollte, suchte er nach einer neuen Herausforderung, die körperlich auch zu schaffen war. „Wolferl“, der sich schon in seiner Kindheit­ für­ Zeitgeschichte­ interessierte, begann mit der Aufarbeitung von gendarmerieinternen Chroniken und verfasste in einzelnen Zeitschriften kurze Artikel. Mit den Jahren ist daraus mehr als nur ein Hobby geworden.­ Zwischen­ 1995­ und­ 2005­ gab es nur wenige gendarmeriespezifische Zeitschriften, in denen nicht zumindest ein Artikel von Wolfgang Bachkönig zu lesen war. u Durch Radfahren holt er sich die Fitness für den Alltag.

„Hart an der Grenze“ Als die Österreichische Bundesgendarmerie­ ihr­ 150-jähriges­ Bestehen­ 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

(1999)­feierte­und­zu­diesem­Jubiläum­ die­ Präsentation­ eines­ Buches­ plante, bot sich für Wolfgang eine einmalige Chance. Das Werk wurde ein­voller­Erfolg.­Viele­Artikel­unseres Pressereferenten sind dort abgedruckt. Doch das sollte erst der Anfang sein.­Bereits­drei­Jahre­später­präsentierte­er­sein­erstes­eigenes­Buch.­80­ Jahre Burgenland bei Österreich nahm der Hobbyautor zum Anlass, um­ Ereignisse­ (von­ 1921­ bis­ 2001)­ aus­Sicht­der­Exekutive­zu­beleuchten.­„Hart­an­der­Grenze­–­Kämpfe,­ Tragödien, Schikanen – Gendarmen im­Einsatz­für­das­Burgenland“­war­ in nur wenigen Monaten vergriffen. Wolfgang Bachkönig ist Gastautor bei­ den­ Bezirksblättern­ und­ hat­ bereits mehrere kommunale Broschüren (in seinem Heimatort Rust) erstellt.­ Für­ den­ 16.­ Nationalen­ Kongress­der­IPA,­der­im­Jahre­2008­im­ Burgenland stattfand, verfasste er die Festschrift­und­wählte­dabei­als­Thema­ Zwischenfälle­ am­ Eisernen­Vor hang.­Diese­Materie­drängte­sich­nahezu­ auf,­ da­ sich­ 2009­ der­ Abbau­ dieses Menschen verachtenden Hindernisses­zum­20.­Mal­jährt.­ In der IPA-Landesgruppe Burgenland übt Wolfgang die Funktion des Landesredakteurs aus. Die Burgenlandseite­ im­ IPA-Panorama­ trägt­ „seine Handschrift“. Zahlreiche Fachartikel stammen ebenfalls aus seiner Feder. Für seine Arbeiten wur-

u „Zwischen Gefahr und Berufung“ wurde zur 150-Jahrfeier der Gendarmerie veröffentlicht – Wolfgang war Mitarbeiter an diesem Projekt und hat in dem Buch selbst zahlreiche Artikel geschrieben. Fotos: Wolfgang Bachkönig

de er schon mehrmals ausgezeichnet –­im­August­2008­bekam­er­das­Verdienstkreuz des Landes Burgenland.

Organisieren, Kommunizieren, privater Bereich Beruflich ist unser Pressereferent im Landespolizeikommando Burgenland als Fachbereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit in der Stabsabteilung­ tätig.­ Sein­ Fachbereich­ gilt­ als­ Anlaufstelle für Auskünfte, sowohl im­internen­als­auch­im­externen­Bereich. Wir freuen uns, dass Wolfgang immer­ein­offenes­Ohr­für­seine­Kollegen hat und ihnen, wo es nur möglich ist, mit Rat und Tat zur Seite steht.

118 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

Wolfgang Bachkönig, geboren am 25.­ Dezember­ 1955,­ ist­ sein­ äußerst­ familiärer­ Mensch,­ der­ mit­ Gattin­ Berta­seit­30­Jahren­verheiratet­ist.­Er­ hat­zwei­Kinder­–­Tochter­Andrea­und­ Sohn Christian (ebenfalls Polizist in der Polizeiinspektion Mödling). Beide haben ihren Vater bereits zum stolzen­ Großvater­ (Andrea­ Zwillinge­ 2­ Jahre­alt,­Christian­Tochter­1­½­Jahre­ alt) gemacht. Bleibt neben Arbeit, Familie und dem Schreiben von Artikeln noch Zeit, sitzt er auf seinem Fahrrad, genießt die Landschaft um den Neusiedler-See­oder­hält­sich­in­den­Thermen des südlichen Burgenlandes auf. Adolf Kalchbrenner


Persönlichkeiten

u Orientalische Kastenkrippe.

Karl Hennerbichler

Der Krippenbauer aus Steyr Ein vielseitiger Krippenbauer ist der pensionierte Polizeibeamte Karl Hennerbichler, Krippenbaumeister und Obmann der „Steyrer Krippenfreunde“.

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ie­bekannteste­Krippe­ist­die­ Weihnachtskrippe. Sie ist eine Darstellung der Geburt Christi aus der Weihnachtsgesichte. Die erste bekannte Weihnachtskrippe wurde­1562­von­Jesuiten­in­Prag­aufgestellt.­ Kurze­ Zeit­ später­ bereits­ wurde­ das­ Aufstellen­ von­ Krippen­ zur Weihnachtszeit zur Prestigesache. Der pensionierte Polizeibeamte Karl­Hennerbichler,­68,­aus­Steyr­ist­ seit mehr als einen Jahrzehnt ein vielseitiger­Krippenbauer.

Inspiration Inspiriert­ wurde­ Hennerbichler,­ Gästebetreuer der Verbindungsstelle Steyr,­ bei­ einer­ Krippenausstellung­ im Salzkammergut. Zuerst besorgte er sich Unterlagen über die verschiedenen­ Krippenarten­ aus­ der­ Region­ Steyr. Nach diesen Vorlagen baute er die­ bekannten­ Kasten-­ oder­ Nagelschmiedkrippen.

u Krippenbaumeister Karl Hennerbichler.

Die­ wirtschaftliche­ Not­ im­ 18.­ Jahrhundert­brachte­findige­Krippenbauer in der Gegend um Steyr und Garsten auf die Idee, HalbreliefFiguren für das einfache Volk herzustellen.­Anfänglich­ waren­ es­ Nagel-

schmiede, die Modeln aus Gips und Lehm formten und damit viele gleiche­Figuren­und­Häuser­in­Öfen­oder­ in Schmiedebecken, die sogenannten „Essen“,­brannten.­So­entstanden­die­ berühmten „Loahmmandln“ oder Lehmmännchen­ und­ „Loahmhäuserln“­ oder­ Lehmhäuser.­ Die­ Krippen für die Armen mit ihren eigenen Krippenfiguren,­ Städte­ und­ Landschaften. Die Miniaturlandschaft wurde­ in­ Holzkästen­ mit­ Glimmer,­ Naturmaterialien, Holz, Wurzeln und Papiermaché eingebaut. Die teuren barocken ausschließlich handgeschnitzten Figuren konnte sich das einfache Volk damals nicht leisten. Hennerbichler fertigte neue Modeln­ an,­ um­ die­ mehr­ als­ 200­ Jahre­ alten Loahmmandln wieder gießen zu können. Die Originalmodeln sind in Museen ausgestellt und stehen für eine Verwendung mit den heutigen Werkstoffen nicht mehr zur Verfü-

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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gung.­Mit­Sekundärabgüssen­aus­kopierten­Modeln­können­die­Krippenbauer­des­21.­Jahrhunderts­ihre­Krippenfiguren nun selbst herstellen und bemalen.

Dreiteilige Flößerkrippe

Persönlichkeiten

Vom Verein der Christkindlstadt Steyr­ wurden­ auch­ Krippenbäume,­ Flößer- und eine Bretterkrippe hergestellt. Die dreiteilige Flößerkrippe mit bemalten Bretterfiguren wurde an­der­Mündung­von­Steyr­und­Enns­ im Wasser verankert. Die Bretterkrippe mit drei lebensgroßen Figurengruppen­ wurde­ 2002­ speziell­ für­ die­ Wände­ des­ Rathaushofes­ von­ Steyr gestaltet und gefertigt. Der „Steyrer­ Krippenbaum“­ wurde­ vom­ Krippenbauer­Josef­Seidl­unter­Mitarbeit­von­Krippenfreunden­aus­Vor arlberg­1993/94­erbaut. Krippenbäume­und­Bretterkrippen­ wurden bereits vor dem Mittelalter in­einfacher­Form­an­den­Außenwänden­ von­ Kirchen­ angebracht.­ Dadurch konnten auch jene, die keinen Zutritt­ in­ den­ Kirchenraum­ hatten,­ das Weihnachtsfest und die Geburt Christi­vor­der­Kirche­mitfeiern. Nach zahlreichen Restaurierungen alter­ Krippen­ und­ einer­Ausbildung­ an der oberösterreichischen Landesschule­für­Krippenbaumeister­konnte­ Hennerbichler seine Arbeitstechnik so­perfektionieren,­dass­er­nun­sämtliche heimatlichen und orientalischen Krippen­ anfertigen­ kann.­ Gleichzei-

u Heimatliche Krippe, Grundplatte 65 x 35 cm.

u Eine von Hennerbichler restaurierte Grulichkrippe aus dem Jahre 1840. Der Krippenberg besteht aus Papiermaché und die Gebäude wurden aus Karton gefertigt.

Bei allen Leimstellen musste wieder ein Warm- oder Perlleim verwendet werden. Die Figuren sind original geschnitzte Grulicher Darstellungen. Fotos: Hennerbichler

tig­ließ­er­sich­zum­Krippenbaumeister ausbilden. Vor acht Jahren wurde beim­Festakt­der­Städtepartnerschaft­ Steyr­ und­ Bethlehem­ die­ Krippenbauorganisation­ „Steyrer­ Krippenfreunde“ gegründet und Hennerbichler zum Obmann bestellt.

Bethlehemkrippe

u Schwammkrippe mit Loahmmandln und den Motiven der Wallfahrtskirche „Heiligenstein“ in Gaflenz OÖ.

Die Stadt Steyr erhielt dabei die Bethlehemkrippe.­ Diese­ Krippe­ zählt­ zu­ den größten in Bethlehem geschnitzten Darstellungen aus Olivenholz. Der Krippenstall­ selbst­ hat­ ein­ Gewicht­ von­ca.­170­Kilogramm­und­die­Figuren wiegen zwischen fünf und zehn Kilogramm.­ An­ der­ Krippe­ befindet­ sich eine Nachbildung des Sterns von Bethlehem, dessen Original in der GeMaximilian Ulrich burtsstadt ist.

u Eckkastenkrippe mit Geburtshaus des Besitzers.

120 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark


Persönlichkeiten

Nach mehr als zwei Jahrzehnten sportlicher Abwesenheit wagte Ferdinand Hörmann wieder einen KarateWettkampf – und gewann auf Anhieb.

Ferdinand Hörmann

Karate ist wie heißes Wasser

S

eit­fast­40­Jahren­lebt­Ferdinand Hörmann den Leitsatz „Karate­ist­wie­heißes­Wasser­ –­es­kühlt­ab,­wenn­du­es­nicht­ständig­ wärmst“.­ Nach­ nationalen­ und­ internationalen­ Erfolgen­ musste­ der­ heute­ 54-jährige­ Kommandant­ der­ Polizeiinspektion­Edelschrott­aus­beruflichen Gründen seine sportliche Karriere­ beenden.­ Trotz­ mehr­ als­ zwei Jahrzehnte sportlicher Abwesenheit wagte er wieder einen Wettkampf und siegte auf Anhieb. Was­ ist­ Karate­ eigentlich?­ ­Karate­ setzt­ sich­ aus­ „Kara“­ oder­ leer­ und­ „Te“­ oder­ Hand­ zusammen.­ Es­ ist­ also­eine­Kampfkunst­mit­der­­leeren­ oder waffenlosen Hand. Wichtig ist die­körperliche­Kondition,­insbesondere die Beweglichkeit, die Schnell-

kraft­ und­ Belastbarkeit.­ Im­ Karate­ werden­ sämtliche­ Gliedmaßen­ zur­ Abwehr­ und­ zum­Angriff,­ wie­ Fäuste,­Handkanten,­Finger,­Ellenbogen,­ Knie­und­Füße­eingesetzt.­

Harmonische Energie „Kiai,“­der­Kampfschrei­der­Karatekas setzt sich aus zwei Silben zusammen.­„Ki“­bedeutet­Energie­und­„Ai“­ steht­ für­ Harmonie.­ „Kiai“­ ist­ also­ eine harmonische Bündelung von körperlicher­und­geistiger­Energie­in­ einem­kurzen­Moment.­Der­Kampfschrei schafft ideale Voraussetzungen für eine starke Verteidigung und eine­starke­Technik.­Die­ganze­Körperkraft­ konzentriert­ und­ fixiert­ die­ freizusetzende­ Energie­ auf­ einen­ Punkt.­ Der­ Kampfschrei­ stabilisiert­

den Brustkorb und schützt somit die inneren Organe gegen mögliche Verletzungen­und­bewirkt­zusätzlich­eine Irritation des Gegners. Genau­ diese­ Kombination­ aus­ Geist­und­Körper­suchte­der­16-jährige­ und­ sportliche­ Hörmann­ 1970.­ Als er noch einige Filme über die damals noch nicht so bekannte Kampfkunst­sah,­wollte­er­auch­Karateka­ werden.­ Erst­ ein­ Jahr­ zuvor­ war von Michael Schubert, WMVierter in Tokio und mehrfacher Meister,­ der­ erste­ Karateklub­ in­ ­Köflach­gegründet­worden.­„Obwohl­ der­ Anfängerkurs­ schon­ längst­ begonnen hatte, wollte ich sofort dabei sein.­Meine­Hartnäckigkeit­und­Ausdauer lohnte sich. Bereits nach einem Jahr Training hatte ich meine ersten

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

Erfolge,“­erinnert­sich­Hörmann. Er­ trainierte­ täglich­ bis­ zu­ drei­ Stunden und schaffte nach einem Jahr­den­Sprung­in­die­Kampfmannschaft seines Vereines. Zur ersten Kampfmannschaft­ des­ Vereins­ gehörten neben Ferdinand Hörmann, vor allem die Ausnahmeerscheinung Michael Schubert, Alfred Höller, Christian Zier und Peter Ulle. Die­ Mitglieder­ der­ Kampfmannschaft­ wechselten­ ständig,­ nur­ Hörmann war ohne Unterbrechung bis zum­Ende­seiner­Laufbahn­im­Team.­ Innerhalb­von­15­Jahren­errang­Hörmann­ Europameister-,­ Staatsmeister-, Bundesmeister- und Landesmeistertitel. Mit dem österreichischen Nationalteam nahm er an drei Weltmeisterschaften,­Europameisterschaften­ und­ unzähligen­ internationalen Turnieren teil.

„­ Karate­war­damals­keine­anerkannte Sportart bei der Gendarmerie, deshalb hatte ich keine Unterstützung.“ Die­Vereinstätigkeit­und­die­Förderung der Jugend als Trainer führte der­ Träger­ des­ fünften­ Dans­ aber­ weiter, wo er heute noch immer mit Begeisterung­tätig­ist.­Auch­als­Trainer war Hörmann sehr erfolgreich. Mehrere seiner Schützlinge schafften Staats- und Landesmeistertitel. Für seine­ erfolgreiche­ Trainertätigkeit­ wurde er mehrfach ausgezeichnet.

Sohn trat in die Fußstapfen des Vaters Der­Kampfgeist­in­Hörmann­erwachte erst wieder, als sich sein nun neunjähriger­ Sohn­ Niklas­ ­ für­ Karate­ zu­ interessieren begann. Sofort unter-

Karriere gegen Beruf Das Talent Hörmann musste seine sportliche­ Karriere­ aber­ bald­ zu­ Gunsten seines Berufes opfern. Sieben Jahre nach seinem kometenhaften Aufstieg wurde der Gendarmeriebeamte Hörmann zum Gendarmerieposten Wald am Schoberpass versetzt. Die neue Dienststelle war zu weit von Köflach­ entfernt,­ um­ jeden­ Tag­ mit­ der­ Kampfmannschaft zu trainieren. „Ich konnte­ mich­ durch­ tägliches Training wohl selbst fit­ halten.­ Es­ fehlte­ aber­ der­ Kampf­ mit­ dem­ Gegner. Um international mitzuhalten und erfolgreich zu sein,­ist­das­tägliche­Training­ mit der Mannschaft oder mit einem Gegner Voraussetzung.“ Als Hörmann keine Möglichkeit sah, dass er zu einer Dienststelle in­der­Nähe­seines­Vereines­versetzt werden konnte, beendete er 1985­ seine­ sportliche­ Karriere.­

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stützte er die Ambitionen seines möglichen Nachfolgers mit reichem Erfahrungsschatz,­ ohne­ den­ Buben­ aber­zu­drängen.­Im­Dezember­2007­ fand­ im­ italienischen­ Noale­ der­ 18.­ Karate­Venice­Cup­und­die­4.­European Shotokan Championship statt. An dieser Veranstaltung durfte auch sein Sohn Niklas, der im Vorfeld hervorragende Leistungen erbracht hatte, teilnehmen. Ferdinand Hörmann begleitete­ihn­als­Coach.­1200­Karatekas­ aus­ 20­ Nationen­ standen­ sich­ bei­ dieser­ europäischen­ Großveranstaltung gegenüber. Niklas­startete­im­Kumite,­Kampf,­ in­der­Klasse­U­8.­In­diesem­Bewerb­ waren­ 58­ Burschen­ und­ Mädchen­ aus­ 13­ Nationen­ am­ Start.­ Nach­ spannenden Runden konnte er seinen ­ersten­Europatitel­erkämpfen.

Comeback Diese Leistung spornte Ferdinand Hörmann derart an, dass er sein Comeback­ plante.­ Nach­ 23-jähriger­ Abwesenheit­ vom­ Kampfsport­ bestritt er wieder einen Wettkampf, dem gleich mehrere folgten. Auf Anhieb holte Ferdinand, der noch immer fünf Mal in der Woche trainiert, Gold, Silber und Bronze bei den Turnieren. Nun fahren Vater und Sohn nicht nur gemeinsam zu den Trainings lagern, sondern auch zu den Wettkämpfen.­ Beim­ letzten­ Kampf­ ­erreichte­ der­ Sohn­ den­ersten­Platz,­während­sich­ der Vater mit dem zweiten Platz begnügen musste. „Das stört mich aber keineswegs. Wenn man das­Tor­der­Jugend­verlässt,­hat­man­ viele Gegner. Heute macht es mir einfach­ nur­ mehr­ Spaß­ und­ ­Karate­ hält­mich­jung.“­­Maximilian Ulrich

u Karate hält ihn jung: Ferdinand Hörmann. Fotos: Hörmann


Von der Farbenspielerei zur experimentellen Malerei Farbspielereien mit diversen Materialen und Mischtechniken, Abstraktes, Akte und Natur sind seine Themen und alle tragen erkennbar seine Handschrift.

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m­ Jahr­ 2005­ versuchte­ er­ sich­ erstmals an Wasserfarben. Da bisher­von­der­Kollegenschaft­keine­ Einwände­ vorgebracht­ wurden,­ sind­ nun­ die­ meisten­ Kanzleien­ der­ Polizeiinspektion Mittersill mit den Bildern von Manfred Bachmaier geschmückt. Der gelernte Schriftsetzer absolvierte seine Setzerausbildung zwischen­ 1967­ und­ 1971­ in­ der­ Firma­ Sochor-Druck in Zell am See. Seine dort­ erworbenen­ grafischen­ Kenntnisse­ waren­ prägend.­ Manfred­ erwähnt­dabei­die­Farben-­und­Gestaltungslehre, Harmonie im Raum, diverse grafische Grundlagen, wie den Goldenen Schnitt, Grundlagen der Typografie, Layout oder Visualisierung der redaktionellen Struktur. Sein Interesse­ für­ Kunst­ beschränkte­ sich­ damals allerdings nur auf die Mitarbeit­ bei­ der­ Herstellung­ von­ Kunstdruckbüchern, wie zum Beispiel solche­von­Schiele,­Klimt­und­Waldmüller. „Schriftsetzer“, sagt er, „waren

Persönlichkeiten

Manfred Bachmaier

u Manfred Bachmaier mit seiner „Mutation“.

beruflich meistens auch für grafische Entwürfe­der­Drucksorten­zuständig.­ Aus­Zeit-­und­Kostengründen­wurden­ später­ solche­ Aufträge­ von­ neu­ entstandenen Grafikstudios übernommen.­ Wegen­ ständiger­ technischer­

Änderungen, der Schriftsatz wurde teilweise durch elektronischen Print abgelöst, waren laufend absolvierte Fortbildungen oft schon nach Monaten überholt. Der Beruf wurde zusehends unattraktiver. Zum Nachsetzen

u Rechts: „Morgensonne“.

u Links: „Antikes Milchbad.

50 Jahre IPA Österr. Sektion & Landesgruppe Steiermark

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u Mitte: „Golde­ nes Zeitalter“. u Rechts:„Finger­ spuren im Focus“.

Persönlichkeiten

von fertigen Layouts war dann eine fundierte Ausbildung nicht mehr nötig. Nach zufälligen Gesprächen mit Kollegen, die bereits in den Gendarmeriedienst gewechselt hatten, entstand 1977 der Entschluss zum Berufswechsel.

Inspiration: leere Wände Im Zuge der Übersiedlung der Polizeiinspektion Mittersill in einen Neubau im Jahr 2003 wurden die Büros von einer heimischen Künstlerin mit interessanten Acryl- und Aquarellbildern ausgestaltet. Nach zwei Jahren entfernte sie aber die Bilder wieder, da die erwarteten Bilderverkäufe ausgeblieben waren. Wegen der nun kahlen Wände wurde Manfred Bachmaier zu einem Malversuch inspiriert. Mit Wasserfarben versuchte er sich an einem Landschaftsbildbild mit Schwänen und das gefällige Ergebnis weckte sein Interesse. Ein weiterer

u Oben: „Formen in Rotlicht“; u Rechts: „Seitenblicke.

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u „Unbekannte“.

Versuch ergab sich durch die Zusammenlegung der Exekutivkörper Polizei und Gendarmerie, weil er Vereinigungsbedenken von Kollegen irgendwie humorvoll umsetzen wollte. Dabei arbeitete er mit Acrylfarben in Spachteltechnik. Der Vater eines 24-jährigen Sohnes

und einer 23-jährigen Tochter (der Sohn Grafiker und Webdesigner, die Tochter Romanistik- und Spanischstudentin) erzählt: „Meine Frau steht fertigen malerischen Ergebnissen durchwegs positiv gegenüber, allerdings gab es während Entstehungsphasen von Bildern manchmal leise Kritik, weil mangels eines Ateliers die Küche artfremd verwendet wurde und gewisse Farbspuren auf falschen Untergründen nicht immer vermeidbar waren“. Malen und Anstreichen begründen seine Kreativität. „Grundsätzlich faszinieren mich die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt er. Farbspielereien mit diversen Materialen und Mischtechniken, Umsetzungen von Motiven zum Beispiel optische Täuschungen, Abstraktes, Akte, Natur und Landschaften sind seine Themen und alle tragen erkennbar seine Handschrift. Dietmar Weissmann

u Oben: „Blaulicht anders“.


Anton Barbi´c

Der Journalismus lässt ihn einfach nicht los. Seit fast 30 Jahren karikiert, fotografiert und schreibt Anton Barbi´c – und er denkt noch lange nicht ans Aufhören.

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bwohl­ er­ nicht­ dem­ täglichen Druck eines Chefredakteurs ausgesetzt ist, kommt Anton Barbi´c nicht vom Journalismus­los.­Seit­fast­30­Jahren­ karikiert, fotografiert und schreibt der­ 66-jährige­ pensionierte­ Gendarmeriebeamte. Noch heute übt er seinen zweiten Beruf als freier Journalist aus und denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Autodidakt Er­hat,­wie­er­betont,­ nie­ eine­ Journalistenschule, eine Fotografie- oder Zeichenausbildung absolviert, sondern ist als Autodidakt in den Journalismus­ eingestiegen.­ Schon­ während seiner aktiven Zeit als Gendarmeriebeamter liebte er das Schreiben und Fotografieren. Als in den siebziger Jahren Journalisten für den Regionalbereich in der Südsteiermark gesucht wurden, sah der ehemalige

u „Auf Brautschau“

u Anton Barbi´c denkt noch lange nicht ans Aufhören. Fotos: M. Ulrich

Beamte vom Posten Strass seine Chance als Journalist. In der Folge hat er über Land und Leute aus den Bezirken Leibnitz, Deutschlandsberg

und Radkersburg geschrieben. „Berichte über Pressekonferenzen waren am angenehmsten. Nur über Fußballspiele habe ich nie berichtet,“ resümiert Barbi´c. Karikaturen­ in­ einer­ Zeitung­ sind­ wie eine Nase im Gesicht eines Menschen. Ohne die typische Spitze würde etwas Signifikantes fehlen. Diese visuelle Form der Satire ist zur ­Komik­ verpflichtet,­ mit­ dem­ Ziel,­ wesentliche­ Fehler­ und­ Mängel­ des­ Dargestellten aufzudecken. Die Liebe­ zur­ Karikatur­ entdeckte­ der­ 66-Jährige­auf­der­Suche­nach­einer­ neuen­ Freizeitbeschäftigung.­ Er­ erinnerte sich, dass er bereits als Schüler gern gezeichnet hatte. Sofort kaufte er sich einige Bücher über die Technik­ des­ Karikaturenzeichnens­ und eignete sich bald seinen eigenen Stil an. Sein Schwerpunkt war und ist die österreichische Innenpolitik. „Erst­ wenn­ ich­ die­ vollendete­

Persönlichkeiten

Journalist aus Leidenschaft

u „Der Fußball hält die Koalitionsregierung zusammen“ 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

­ arikatur­ im­ Kopf­ habe,­ setze­ ich­ K mich hin und bringe sie zu Papier. Von Probezeichnungen halte ich nichts. Ursprünglich habe ich die Karikaturen­ mit­ Tusche­ und­ Feder­ gezeichnet. Dafür ist eine entsprechende Technik notwendig. Heute zeichne ich nur mehr mit dem Filzstift.“

Drei Bücher Barbi´c­ konnte­ seine­ Karikaturen­ in­ den achtziger Jahren an in- und ausländische­ Zeitungen­ verkaufen.­ Einen Teil seiner Arbeiten hat er in drei Büchern zusammengefasst und im Eigenverlag­ herausgegeben.­ Nach­ einer künstlerischen Pause setzte er sich wieder an den Zeichentisch, um sein Publikum zum Nachdenken und Schmunzeln zu bringen. „Gerne würde ich wieder ein Buch darüber herausgeben.“­ Ein­ absolutes­ Tabu­ sind­

für ihn Religion und intime Darstellungen. Der­ 66-Jährige­ widmete sich aber nicht nur der Verfremdung von Objekten. Auch die reale Darstellung von Personen­oder­Ereignissen­hält­ er fest. Stets hat er eine Kamera­dabei,­um­seine­Beiträge­zu­ illustrieren.­„Anfänglich­war­das­Fotografieren sehr mühsam und kostspielig.­ Man­ konnte­ das­ Ergebnis,­ nicht so wie heute, sogleich überprüfen. Die Digitaltechnik hat einiges vereinfacht, trotzdem achte ich immer auf die Bildkomposition.“

Leibnitzer Monatszeitung 17­ Jahre­ war­ er­ für­ eine­ Leibnitzer­ Monatszeitung auch redaktionell

u „Die Minister Buchinger und Kdolsky: Rauchen oder Nichtrauchen beim Wirten – das ist die Frage“.

verantwortlich. Die Beiträge­ mussten­ damals­ noch mit der Schreibmaschine verfasst werden. Das Layout wurde mit dem Bleistift und Lineal vorgezeichnet, die Fotos aufgeklebt und schlussendlich zur Druckerei gebracht. „Diese­ zeitaufwändige­ Arbeit­ fällt­ heute Gott sei Dank weg.“ Barbi´c ist auch weiterhin als freier Journalist­tätig.­„Der­Reiz­der­Arbeit­ ist noch immer nicht verblasst und ich freue mich, wie früher, über jeden Auftrag.“

u „Strahlemann Faymann und rückversetzter Gusi in den Sandkasten“. Karikaturen: Barbic

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Peter Magg

Dieser Leitspruch der IPA war der Grund für Peter Magg, vor fast 40 Jahren dem internationalen Polizeiverein beizutreten.

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ie­ Grundsätze­ des­ Vereins­ und­ der­ weltweite­ Kontakt­ zu Berufskollegen waren immer wichtig für Peter Magg. Schon bald nach seinem Beitritt zur IPA Landesgruppe Vorarlberg wollte der ehemalige Gendarmeriebeamte aktiv­ an­ den­ Vereinstätigkeiten­ mitarbeiten. Daher gehörte er nach einem Jahrzehnt dem Vorstand der Landesgruppe Vorarlberg an. Im Verlaufe der Jahre übte er verschiedene Funktionen aus. Seine obersten­ Prämissen­ waren­ nicht­ nur­ die Organisation von Veranstaltungen,­die­Betreuung­in-­und­ausländischer­ Gäste,­ sondern­ vor­ allem­ die­ Unterstützung­von­Kollegen,­die­un-

Persönlichkeiten

„Servo per amikeco“

u 2008 besuchte Peter Magg mit Begeisterung einen Malkurs für Krippenbauer. Fotos: Magg

u Links: IPAVertreter (links: Peter Magg) mit der Apfelkönigin.

u Oben: Eine Krippe mit Hintergrundbild, entstanden im vergangenen Jahr.

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

u Beim XIV. Kongress der IPA in Bregenz hielt Peter Magg eine Ansprache.

verschuldet­ durch­ Krankheit­ oder­ Unfall in Not geraten waren. Neben­seinem­Einsatz­in­der­IPA,­ seinem Beruf und der Familie reifte bei ihm der Wunsch, einmal eine Weihnachtskrippe nach Vorgaben der­Krippenbaumeister­anzufertigen.­ Der Zufall wollte es, dass in seiner Wohngemeinde in Hard am Bodensee­ ein­ Krippenverein­ gegründet­ wurde. Sofort wurde er Mitglied und erlernte dort das Handwerk. In mehreren­Kursen­eignete­er­sich­die­unterschiedlichen Bauweisen, die Herstellung­ der­ Figuren,­ Elektrik­ und­ Landschaftsgestaltung an. Nach ei-

u Eine orientalische Krippe entsteht in liebevoller Detailarbeit.

nem­ Malkurs­ für­ Krippenbauer­ beendete er seine Ausbildung mit der Meisterprüfung. Durch­ sein­ Engagement­ wurde­ er­ auch­ im­ Krippenverein­ in­ den­ Vor stand­gewählt. Die­ Herstellung­ von­ Krippen­ ist­ ein­ganzjähriges­Hobby­und­ist­nicht­ nur auf die Advent- und Weihnachtszeit­beschränkt.­Krippen­werden­vor­ allem­ für­ Kirchen­ und­ Seniorenheime gebaut. Wegen der Brauchtumspflege werden­Kurse­auch­für­Schüler­angeboten. Maximilian Ulrich

u Eine Krippe mit heimatlichem Flair, gebaut 2004.

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Leidenschaftlicher Sammler Eine nahezu einmalige Sammlung nennt Georg Gruber sein Eigen: Er hat bis jetzt rund 1200 Polizeiabzeichen aus allen Staaten und Religionen der Welt zusammengetragen.

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m­Oktober­2008­ging­in­Innsbruck­ die größte Sammlerbörse im Alpenraum von Polizeisachen aus aller Welt über die Bühne. Sie stand unter der Patronanz der Austrian Police Insignia Collectors Association (APICA) und wurde von Georg Gruber veranstaltet. Hier gab es alles um Uniformstücke­ wie­ Kappen,­ Rangabzeichen,­ Ärmelabzeichen und Bücher. Zu den besonderen­ Gustostückerln­ zählten­ einige Insignien der Stammespolizei amerikanischer Indianerreservate, Abzeichen der Inuits und aus afrikanischen Staaten sowie von Polizeieinheiten der Südsee oder aus AboriginesGebieten der Ureinwohner von Australien. Dementsprechend groß war das Interesse von IPA Mitgliedern aus zehn Nationen.

u Georg Gruber begeisterter Sammler von Polizeiabzeichen. Fotos: Gruber

Persönlichkeiten

Georg Gruber

Dem­ früheren­ Reisesekretär­ der­ IPA Verbindungsstelle Innsbruck, Georg Gruber, ist es gelungen, innerhalb kürzester Zeit eine Sammlung von Polizeiabzeichen aus allen Staaten und Regionen der Welt zusammenzutragen. Durch den persönlichen­ und­ schriftlichen­ Kontakt­ mit­ IPA-Kollegen­ aus­ aller­ Welt­ –­ was­ ihm wesentlich zugute kam – war es für ihn möglich, diese fast einmalige Sammlung zu schaffen. Insgesamt kamen­dabei­an­die­1200­Abzeichen­ zusammen. Durch die Zusammenlegung und Auflösung­ von­ Exekutivwachkörpern in Österreich hatte er nicht mehr benötigte Ärmelabzeichen, Distinktionen­ und­ Kappen­ als­Tauschmaterial zur Verfügung. Klaus Herbert

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Franz Reithmeier

Persönlichkeiten

Außergewöhnliche Fotos sind Arbeit und Zufall Franz Reithmeier benutzt die Fotografie als wichtigstes Ausdrucksmittel seiner Wahrnehmung. 2008 überzeugte er auch die Fachjury und wurde steirischer Landesmeister.

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ie richtige Wahl des Objektives, der Belichtungszeit, der Blende, des Standortes und den Finger in der entscheidenden Sekunde am Auslöser sind Grundvorraussetzung für ein außergewöhnliches Foto. Mit diesen Voraussetzungen und unermüdlichem Eifer­ wurde­ der­ Polizeibeamte­ und­ Fotograf­Franz­Reithmeier­2008­steirischer Landesmeister. Der­ 57-Jährige­ benutzt­ die­ Fotografie als wichtigstes Ausdrucksmittel­seiner­Wahrnehmung.­Ständig­ hat­ er­ seine­ Kamera­ dabei,­ um­ ein­ erzählendes­Gesicht,­einen­Vogel­bei­ der Jagd oder eine sonnendurchflutete eisige Landschaft festzuhalten. Seit­30­Jahren­drückt­er­auf­den­Auslöser. Schon oft hat er in den letzten zehn Jahren Preise und Auszeichnungen im harten Wettbewerb der Fotografen eingeheimst. Was fehlte,

u Franz Reithmeier, steirischer Landesmeister 2008.

war­ein­Meistertitel.­2008­konnte­er­ die kritische vierköpfige Fachjury überzeugen. u Links: Die Lienzer Dolomiten aus der Sicht von Franz Reithmeier.

u Rechts: Oberragitsch.

130 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

An­der­36.­Steirischen­Landesmeisterschaft für künstlerische Fotografie in­ der­ Koralmhalle­ beteiligten­ sich­ mehr­ als­ 100­ Fotografen­ mit­ mehr­ als eintausend Bildern. Gewertet wurde­in­drei­Kategorien­–­Farbbild,­ Schwarzweiß und Digitalfotografie. Die Teilnehmer mussten vier differenzierende Schnappschüsse pro Themenbereich vorlegen. In­ der­ Kategorie­ Schwarzweißfotografie wurde er mit der kontrastreichen­ Komposition­ der­ „Ähren“­ zum Landesmeister gekürt. Auch in der Farbfotografie erreichte er mit seinem „Spatz auf dem Dach“ und 29­ von­ 30­ möglichen­ Punkten­ den­ absoluten Spitzenplatz. „Der Meistertitel ist einerseits die Bestätigung­einer­guten­Arbeit,­aber­ auch Verpflichtung das Wissen an andere weiter zu geben.“ Seit mehr als­20­Jahren­ist­er­nicht­nur­Fotograf­


sondern auch Obmann des Fotoclubs Feldbach-Gnas, deren Mitglieder zahlreiche Landesmeister- und Staatsmeistertitel erringen konnten.

Wie alles begann Begonnen hat der neue Landesmeister mit der analogen Fotografie und einer­ für­ heutige­ Verhältnisse­ unkomplizierten­ Spiegelreflexkamera.­ In­Kursen­und­Seminaren­erlernte­er­ die Grundlagen des Fotografierens. Um den Verschleiß von unbrauchbaren Fotos gering zu halten, war die Beherrschung­ der­ Kamera­ Voraussetzung.­„Erst­in­der­Dunkelkammer­ präsentierten­ sich­ die­ Ergebnisse.­ Unter- oder überbelichtete Fotos mussten manuell nachbearbeitet werden. Die Fotos und vor allem die Dias waren „ehrliche Fotos.“ Sie

u Wassergras.

spiegelten­ das­ Können­ eines­ Fotografen wider und waren zugleich ein Teil von ihm. Mit dem Aufkommen der Digitalkameras hat sich die Fotografie­ grundlegend­ geändert­ und­ ist­ zur Massenware geworden.“ Das­allgemeine­Knipsen­unterscheidet sich aber doch deutlich von der künstlerischen Fotografie. Sie ist mehr als nur ein Bild. Sie dient als Beweisstück, als etwas Dokumentarisches

u Roland Portrait.

u –30 Grad Celsius.

u In der Kategorie SW-Fotografie wurde Reithmaier mit der Komposition der „Ähren“ zum Landesmeister gekürt.

und wird als als objektive Fotografie bezeichnet.­Es­gibt­auch­die­abstrakte­ oder konzeptionelle Fotografie, deren Nutzen nicht weit von einem Bild Picassos oder Dalís entfernt ist und ebenso­Teil­der­Kultur­ist.­„Das­Engagement in meinem Fotoclub hindert mich aber sehr oft daran, selbst auf „Fotopirsch“ zu gehen.“ Fotointeressierte können beim neuen Landesmeister­ oder­ seinen­ Klubkollegen­ in­fünf­Einheiten­die­Grund­lagen­einer­ guten Fotografie erlernen. „Natürlich ist eine solide Ausbildung wichtig für gute oder außergewöhnliche Fotos. Doch sehr oft entscheiden darüber Ausdauer und der Auslöser im richtigen Augenblick. Die besten Fotos schießt nur das menschliche Auge und nicht immer ist­die­Kamera­dabei.“­­ M. Ulrich

Persönlichkeiten

u Auch in der Farbfotografie erreichte der Künstler mit seinem „Spatz auf dem Dach“ und 29 von 30 möglichen Punkten den absoluten Spitzenplatz.

Fotos: Reithmeier

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Franz Strauss

Persönlichkeiten

Der Meister des Pinsels Sein liebstes Instrument ist der Pinsel. Franz Strauss ist ein Beispiel dafür, wie sich durch Inspiration, Talent und eröffnete Möglichkeiten ein Künstler entwickelt hat.

P

insel und Bleistift waren schon in der Schule seine liebsten Werkzeuge. Sein Wunsch nach der Grundschule eine Kunstgewerbeschule­ Graz­ zu­ besuchen und sein Talente zu entwickeln und ausleben zu können, blieb ihm vorerst­ versagt.­Auf­ Drängen­ seiner­ Eltern­ sollte­ er­ einen­ „ordentlichen­ Beruf“ erlernen. Franz Strauss blieb aber Bleistift und Papier treu, indem er sich zum technischen Zeichner ausbilden ließ. Nach der Ausbildung gab es vorerst nur wenig Zeit für die Welt der Farben. Die neue Herausforderung hieß Gesetz und Ordnung, Franz Strauß wurde Gendarmeriebeamter. Die Umgebung seiner ersten Dienststelle, inmitten des Farbenspiels der Natur im Raum Radkersburg inspirierten­den­damals­23-Jährigen­neuerlich. Nun konnte er sich endlich wieder auf Spurensuche begeben. Schließlich hatte Strauss bei seiner Suche das Glück auf Prof. Franz Rogler, Prof. Lalo Srkalovic und Prof.Robert Colnag zu treffen. Sie erkannten sein künstlerisches Potential.­ Ihre­ Erfahrung­ und­ Inspiration­ öffnete das Ventil des Suchenden und

ließ Farben und Dynamik auf der Leinwand entstehen. Heute ist der anerkannte­ Künstler­ Franz­ Strauss­ Mitglied­ des­ Steiermärkischen­ Kunstvereines­ Werkbund,­ der­ EuroArt Brüssel, der ADOGI Barcelona

und­der­Gruppe­8Hände. Franz Strauss, freundlich, beinahe emotionslos und auf den ersten Augenblick eher zurückhaltend, sagt von sich selbst, dass er sich in der Masse­nicht­wohl­fühlt.­Er­ist­Einzelgänger­und­Individualist.­­Bei­einem­ Spaziergang durch seine Ausstellung in der Therme Radkersburg vollzieht sich­plötzlich­eine­Wandlung.­Er­reflektiert seine Bilder und umgekehrt. Mit­ dynamischer­ Sprache­ erklärt­ er­ seine­ expressionistischen­ Bilder.­ „Meine Bilder entstehen zuerst im Kopf.­ Beinahe­ überall.­ Sie­ tauchen­ wie Blitze auf, bei einem Spaziergang, an meiner Dienststelle, ja selbst bei einer Autofahrt. Schließlich tauche ich sie in Öl, Acryl, Aquarell und Pastell.

Zwei Wochen im Atelier

u „Wunderbaar“, PVC-Plastik 2007.

132 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

Jedes Jahr ziehe ich mich für zwei Wochen in mein Atelier zurück, um wirklich frei zu sein. Bei Hardrock über der Schmerzgrenze kann ich abschalten, Belastendes ablegen und mich austoben.“ In seinen Bildkompositionen kommen neben Pinsel, auch Spachtel und seine­ Hände­ zum­ Einsatz.­ CDs­ und­


andere­Gegenstände­des­alltäglichen­ Gebrauchs werden in die Collagentechnik eingefügt, um das Motiv zu verstärken. Auch Baummaterialien werden von Franz Strauss zu ausdrucksstarken Plastiken verarbeitet. PVC-Rohre­als­Kunstgegenstand?­„Nach­dem­ Hausbau blieben mir einige Rohre übrig. Ich wollte sie nicht nutzlos herumliegen lassen. Was nützlich ist, kann auch künstlerisch verarbeitet werden.“ Die Rohre wurden zu Paaren oder Einzelgängern­ verarbeitet­ und­ präsentieren sich als „Wellnesstanz“, „Rieslingpolka“, „im Gleichschritt“, „Wuunderbaar“ oder „Spagat“ im Thermenpark Bad Radkersburg. Wie Außerirdische und doch verblüffend menschlich begegnen sie dem Parkbesucher. ­ Seine­ Kunst­ fordert­ Zeit.­ Zumin-

dest gilt es für die Menschen, die durch die Ausstellung von Franz Strauss wandern, seine Werke bewundern und – lieben. Man kann einfach nicht genug kriegen, besonders­ in­ Begleitung­ des­ Künstlers.­ Gern lauscht man seinen Worten, obwohl­er­seine­Werke­gar­nicht­erklären­ möchte.­ Er­ gewährt­ dem­ Betrachter die Freiheit, die ihm selbst inne ist. „Ich­habe­Ideen,­die­für­unzählige­ Leute­ und­ andere­ Künstler­ reichen­ würde.“­Ein­unersättlicher­Forscher,­ überzeugt, seiner Arbeit immer wieder neues Leben einzuhauchen.

minalamtes Steiermark ist er für die Erstellung­der­Phantombilder­zuständig. Früher benötigte er bis zu vier Stunden, bis die von Hand erstellten Bilder­fertig­waren.­Später­wurde­die­ Arbeit­ von­ „Identi-Kit“­ übernommen.­Ein­Verfahren,­bei­dem­Folien­ mit Gesichtselementen übereinandergelegt werden, bis das gesuchte Gesicht entsteht. Heute verwendet er das Computerprogramm „Facette“, das­ tausende­ Möglichkeiten­ zulässt.­ Zwanzig bis dreißig Bilder erstellt Strauss pro Jahr. Das hat aber nichts mehr­mit­Kunst­zu­tun,­betont­er.

Phantom Kunst

„8Hände Künstlerpfad“

Dass­ der­ Künstler­ Strauss­ seine­ Fähigkeiten auch in seinem Beruf ausübt,­ wenn­ auch­ nur­ eingeschränkt,­ überrascht niemanden. Als Chef der Fahndungsabteilung des Landeskri-

Franz Strauss, die Brüder Franz und Josef­ Donner,­ und­ Christine­ Kober­ haben vieles gemeinsam. Sie wohnen am und unweit des Raudenberges,­ sind­ Künstler­ und­ wollen­ ihre­

Persönlichkeiten

u „Die Frau mit dem Schuh“ am 8Hände Künstlerpfad.

u „In Griechenland“.

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

Werke dem Betrachter so nahe wie möglich bringen. Seit Jahren erschaffen sie mit ihren „8Händen“­ Bilder,­ Plastiken,­ Schmuckstücke­und­Kunstwerke­aus­ Glas­und­Metall.­Diese­8Hände,­daher auch der Name, gestalten seit 2003­den­Künstlerpfad­auf­den­Raudenberg. Jedes Jahr mit einem neuen Thema.

Künstlerischer Spaziergang Der­„8Hände­Künstlerpfad“­befindet­ sich­in­Rauden­in­der­Gemeinde­Empersdorf,­etwa­elf­Kilometer­südlich­ von Graz im südoststeirischen Hügelland.­ Der­ vier­ Kilometer­ lange­ Weg­ schlängelt­ sich­ durch­ grüne­ Wiesen,­ Wälder,­ leicht­ bergauf­ und­ bergab. Am Fuße des Raudenberges kann der interessierte Besucher den ersten­Künstler­Franz­Strauss­in­sei-

nem Atelier antreffen und Bilder und Plastiken entdecken. Nach­ einem­ Kilometer­ leichten­ Fußmarsches quer durch den Wald, in der Mitte des Raudenberges, steht das Anwesen von Christine Kober.­Im­Untergeschoss­des­Hauses werkt die Juwelier- und Goldschmiedemeisterin. Sie verarbeitet edle und unedle Steine, mit Gold und­Silber,­Kunststoff­und­Email­in­ unterschiedlichen Techniken und Ausformungen zu einzigartigen

u Glänzendes von Juwelier- und Goldschmiedemeisterin Christine Kober.

u Kunst aus Glas, Metall, Stein und Holz von Franz Donner. Fotos: M. Ulrich

Schmuckstücken.­ Geduldig­ erklärt­ die­ Künstlerin­ die­ Verarbeitungstechniken, die, wie sie sagt, zu erschwinglichen Preisen auch gekauft werden können. Weiter führt der Weg leicht bergauf. Auf einer Anhöhe, mit einem Rundumblick auf die Gemeinde Empersdorf,­ befinden­ sich­ die­ Künstlerwerkstätten­ der­ Brüder­ Donner. Auf dem Weg trifft der Wanderer auf Holzskulpturen Franz Donners. Die Frau mit dem „Schuh“ oder Politiker wollen „Nach oben“ Im Schatten und Licht tummeln sich Schmetterlinge aus Glas und

134 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

u Glaskunst in Tiffanytechnik von Josef Donner.

Metall seines Bruders Josef, umgeben von Steinköpfen und Holzskulpturen. Nachdem der höchste Punkt der Wanderung erreicht ist, geht es wieder­ flott­ bergab.­ Eine­ Wanderung,­ die alle Sinne beansprucht und eine Freiheit widerspiegelt, die beinahe schon verloren scheint.

u „Beweglichkeit innerhalb der Materie“ von Franz Donner.


Feuerwehrmann, Schatzmeister und Justizwachebeamter Will man Adolf Binder beschreiben, so ist dies nur möglich, wenn man die drei Komponenten – Feuerwehr, IPA und Justizwache – unter „einen Hut“ bringt.

D

er Silberhelm wurde „Adi“, wie er von seinen Freunden genannt wird, bereits in die Wiege gelegt. Durch seinen Vater „erblich belastet“ nahm er schon als Kind­an­Übungen­teil­und­konnte­es­ kaum erwarten, in die Feuerwehr aufgenommen zu werden. Schon als „junger Spund“ lernte er das Hantieren­ mit­ Schläuchen­ und­ Pumpen.­ „Für­ein­Paar­Würstl­und­ein­Getränk­ habe ich jede Art von Hilfsdienst verrichtet. Ich war glücklich und

fühlte mich unentbehrlich“, denkt Binder noch freudestrahlend an diese Zeit­zurück.­Im­Alter­von­17­Jahren­ schaffte es Adi dann endlich auch offiziell, in den Dienst der Feuerwehr­ seines­ Heimatortes­ Kalkgruben, Bezirk Oberpullendorf, aufgenommen zu werden. Adolf war und ist auf seine Fortbildung­ besonders­ bedacht.­ Es­ gibt­ kaum­ einen­ Kurs­ in­ der­ Feuerwehr,­ den er noch nicht besucht oder als Vortragender (fachspezifisch be-

u Dieses Fahrzeug ist kein Relikt aus dem Feuerwehrmuseum – Adolf zu Besuch bei der Feuerwehr Cerová in Tschechien. Foto: Feuerwehr

Persönlichkeiten

Adolf Binder

u Ein strenger Blick – Adi wacht über die Finanzen unserer Landesgruppe. Foto: Robert Brünner

zogen)­ selbst­ gehalten­ hat.­ Er­ pflegt­ besondere­ Kontakte­ zu­ Deutschland, wo er mit einem Team regelmäßig­ an­ Wettkämpfen­ und­ Veranstaltungen teilnimmt. Im­ Jahre­ 1990­ verlegte­ er­ seinen­ Wohnsitz nach Mattersburg, trat in die dortige Feuerwehr ein, wurde im Juli 2003­zum­Bezirksfeuerwehrkommandanten des gleichnamigen Bezirkes bestellt und in den Stab des Landesfeuerwehrkommandos­ nach­ Eisenstadt­berufen.­Er­bezeichnet­die­Feuerwehr­als­„Mädchen­für­Alles“,­wobei ihm besonders wichtig erscheint, dass­ auch­ die­ Bevölkerung­ erfährt,­ welch­ ausgezeichnete,­ aber­ gefährliche Arbeit die Silberhelme verrichten.

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u Umgeben von seinen Feuerwehrkameraden fühlt er sich sichtlich wohl – Adi ganz links. Foto: Feuerwehr

Persönlichkeiten Durch­ seine­ langjährige­ Tätigkeit­ war­Adi­ schon­ bei­ vielen­ Einsätzen­ zugegen bzw. hat diese geleitet. Dabei erinnert er sich nur ungern an zahlreiche­ Verkehrsunfälle,­ die­ für­ jeden­ Feuerwehrmann/frau­ eine­ schwere physische und psychische Belastung darstellen. Seine „zweite Heimat“ ist die IPA Burgenland. Adolf Binder ist seit dem Jahre­ 1991­ Mit-

glied und übt die Funktion des Schatzmeisters­ seit­ 10­ Jahren­ aus.­ Wie wir alle wissen, ist eine gesunde finanzielle Basis der Grundstock jedes Vereines. Und da freuen wir uns, dass das Geld unserer Landesgruppe bei­Adolf­ in­ den­ besten­ Händen­ ist.­ Er­ hütet­ die­ Finanzen­ „wie­ seinen­ eigenen Augapfel“, worüber wir Vorstandsmitglieder nicht immer „sehr erfreut“ sind. Adi ist ein besonders gesellschaftsfreudiger Mensch, dessen Freundschaft vom Neusiedler- bis zum Bodensee ges c h ä t z t­ wird. Der Justizwache gehört Adolf Binder, Jahrgang u Fachgespräch mit einem Kollegen; re. Adolf Binder. Foto: Feuerwehr 1961,­seit­18­Jah-

136 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

ren an. Seine Laufbahn begann er in der Justizanstalt Wien-Josefstadt, übersiedelte aber bald in das Gefangenenhaus­nach­Eisenstadt.­Unserem­ Schatzmeister ist es gelungen, Beruf und Hobby (als Feuerwehrmann) teilweise zu vereinen, da er als Brandschutzbeauftragter für alle Justizanstalten (samt deren Außenstellen)­ Österreichs­ tätig­ ist.­ Unter­ anderem ist er auch noch als Lehrer an der Justizwachschule Wien beschäftigt.­ Adolf­ Binder­ ist­ ein­ sehr­ vielseitiger Mensch, der es versteht, auch in Stresssituationen, die sich zwangsläufig­ bei­ Feuerwehreinsätzen­ oder­ im­ Alltag­ als­ Justizwachebeamter ergeben, „kühlen Kopf“­ zu­ bewahren.­ Durch­ eine­ ­exakte­ Planung­ von­ Dienstzeit­ und­ ehrenamtlicher­ Tätigkeit­ findet­ er­ auch genügend Freizeit, die er mit seiner Familie – Gattin und zwei Söhne – verbringt. Wolfgang Bachkönig


Persönlichkeiten u Trotz Verletzung (rotes Leibchen mit Kopfverband) gibt sich Thomas nicht geschlagen. Foto: Luggi Knobel

u Man sieht, welche Freude ihm diese Medaille bereitet – nach dem Gewinn des Staatsmeistertitels. Foto: Sabine Sommer

Thomas Dravits

Der Ringer zwischen Neusiedler- und Bodensee Neunfacher österreichischer Meister, über zwölf Jahre im Nationalkader, Teilnahme an drei Europa- und zwei Weltmeisterschaften, Medaillengewinner bei mehreren hochkarätig besetzten Turnieren im In- und Ausland, Polizeileistungssportler usw. – das ist die Visitenkarte von Thomas Dravits.

B

ereits­ seit­ 28­ Jahren­ ist­ die­ „Matte“ Grundlage seines Sports, für die Thomas viele Strapazen­in­Kauf­nimmt.­Wohn-­und­ Dienstort ist die Seefestspielgemeinde­ Mörbisch,­ um­ Punkte­ kämpft­ er­ für den AC Hörbanz in Vorarlberg. Mörbisch gilt als „Talenteschmiede“ der Ringer im Burgenland. In

keiner Gemeinde Ostösterreichs hat dieser Sport einen derart hohen Stellenwert­ wie­ in­ diesem­ etwa­ 2.500­ Seelen­zählenden­Ort­an­der­ungarischen Grenze. 10­ Jahre­ war­ Thomas­ alt,­ als­ er­ seinen­ersten­Kampf­bestritt.­Von ­einer­ großen­ Karriere­ hat­ er­ schon­ in­ seiner­ Kindheit­ geträumt.­ Doch­ Er-

folge stellen sich bekanntlich nur dann ein, wenn man hart an sich selbst arbeitet. Und Thomas hat es tatsächlich­ geschafft,­ sich­ im­ Spitzenfeld der österreichischen Ringer zu etablieren. Dazu waren aber viele Entbehrungen­ in­ der­ Jugendzeit­ sowie eiserne Disziplin sowohl im privaten, als auch im sportlichen

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Persönlichkeiten

Bereich notwendig. Durch sein stetes Streben­nach­Erfolg­konnte­ihm­der­ Ringerclub Mörbisch nicht immer die dazu notwendigen Perspektiven bieten. Was für Rapid, Austria oder Salzburg im Fußball gilt, das gilt im Ringen für den AC Hörbanz, der die absolute Top-Adresse dieser Sportart in Österreich ist. Seit drei Jahren kämpft­ Thomas­ nun­ bereits­ für­ den­ „Club­ aus­ dem­ Ländle“.­Wenn­ man­ nur­ die­ Entfernung­ betrachtet,­ so­ sieht man, welche „Lasten er zu tragen­hat“.­Als­Amateur­muss­er­nämlich auch noch seine berufliche Pflicht erfüllen. Dass für private Dinge nur wenig Zeit bleibt, ist leicht nachvollziehbar. Doch Thomas hat eine­ verständnisvolle­ Familie,­ die­ ihn dabei nicht nur unterstützt, sondern selbst aktiv ist. Seine beiden Kinder­ sind­ nämlich­ ebenfalls­ begeis­terte­ und­ bereits­ äußerst­ erfolgreiche Ringer.

Begeisterung auch nach 28 Jahren 28­Jahre­sind­nun­seit­seinem­ersten­ Kampf­ vergangen­ und­ Thomas­ „ringt“ noch immer verbissen um jeden­ Punkt.­ Er­ hat­ noch­ nichts­ von­ seiner Begeisterung verloren. Für diese Saison hat er sich mit seinem Verein den Gewinn der österreichischen Meisterschaft als Ziel gesetzt. Ein­ zehnter­ Staatsmeistertitel­ wäre­ die­ absolute­ Krönung­ seiner­ Lauf-

u Vorbild und stolzer Vater – Thomas mit seinen Kindern Alisa und Niklas. Foto: Sabine Sommer

bahn.­ Die­ Ergebnisse­ der­ Vorbereitung geben dazu berechtigte Hoffnung.

Werdegang Thomas­ Dravits,­ Jahrgang­ 1970,­ erlernte­ den­ Beruf­ eines­ Einzelhandelskaufmannes bei Intersport, wodurch er auch als Lehrling dem Sport verbunden­ blieb.­ Er­ absolvierte­ seinen­ Präsenzdienst­ und­ kam­ danach­ zur HSNS (Heeres-Sport- und Nahkampfschule). Anschließend wechselte er zur österreichischen Zollwache, optierte zur Gendarmerie und versieht derzeit an der Grenzpolizeiinspektion als Polizist in seiner Heimatgemeinde Mörbisch Dienst. Gattin­Irmi­steht­seit­16­Jahren­an­seiner­ Seite,­ Niklas­ 14­ und­Alisa­ 11­ Jahre­

alt, sind der ganze Stolz der Familie. Thomas­ ist­ seit­ 1997­ Polizeileistungssportler und hat bei den PolizeiEuropameisterschaften­ bereits­ eine­ Gold-­(1996­in­Prag)und­Bronzemedaille­ (2000­ in­ Ohrid/Mazedonien) sowie­einen­5.­Platz­(2004­in­Athen)­ gewonnen. Derzeit ist er regierender Österreichischer Staatsmeister in der Gewichtsklasse­ bis­ 74­ kg.­ Gegenwärtig­ trainiert­ er­ den­ Nachwuchs­ des Union-Ringerclubs Mörbisch, wobei­ er­ versucht,­ all­ seine­ Erfahrung weiter zu geben, um diese jungen Menschen an den Spitzensport heran zu führen. Thomas Dravits über seinen Sport: „Der Ringersport ist ein wesentlicher Faktor in meinem Leben. Ich konnte viel­ daraus­ lernen­ und­ eine­ äußerst­ positive Lebenseinstellung gewinnen. Da der Polizeidienst höchste körperliche Fitness erfordert, sollte Sport für PolizistInnen einen überaus hohen Stellenwert haben. Meine Sportart kommt mir in meinem Berufsleben besonders entgegen, da ich es gewohnt bin, schnell zu reagieren, was­ in­ prekären­ Situationen­ lebensrettend sein kann“. W. Bachkönig u Thomas (rotes Leibchen) unmittelbar vor dem entscheidenden Wurf. Foto: Luggi Knobel

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Franz Trettnak

Seit mehr als 40 Jahren verziert und bearbeitet Franz Trettnak Fichten, um sie in einen kunstvollen Maibaum zu verwandeln.

D

ie­ Maibäume­ von­ Franz­ Trettnak sind selbst beim Europarat­ in­ Straßburg­ bekannt. Der traditionelle “Gamlitzer Maibaum“ lockt Jahr für Jahr Touristen nach Gamlitz. Die­ ersten­ Maibäume­ wurden­ bereits­ im­ 16.­ Jahrhundert­ in­ Städten­ aufgestellt,­ jedoch­ als­ Ehren-­ oder­

Kirchweihbäume.­Erst­Mitte­des­18.­ Jahrhunderts ist er als Ortsmaibaum im­ heutigen­ Sinne­ nachweisbar.­ Ein­ Maibaum ist ein geschmückter Baum oder Baumstamm, der am Vorabend des­ 1.­ Mai­ aufgerichtet­ wird.­ Im­ ­europäischen­Raum­ist­das­feierliche­ Aufstellen eines Baumstammes auf dem Dorfplatz üblich. Das Brauchtum wird als Dorf- oder Stadtfest am letzten Tag im April gefeiert. Ursprünglich wurde der Maibaum nur von der Rinde befreit, um zu verhindern, dass die in der Mitte des Baumes­ aufgehängte­ Weinflasche­ gestohlen­wird.­Später­wurden­Schnitzereien­ angebracht.­ Die­ Maibäume­ von Franz Trettnak haben bereits Kultstatus­ und­ sind­ ein­ Bestandteil­ der­ alljährlichen­ Maifeier­ im­ weststeirischen Weinland.

Erster Maibaum mit 16

u Der Gamlitzer „Europabaum“, den der Künstler 1986 anlässlich der 40-jährigen Zughörigkeit Österreichs zum Europarat geschaffen hat.

Der­60-jährige­Polizeibeamte­von­der­ Polizeiinspektion Gamlitz erlernte zuerst das Tischlerhandwerk. Aus Altersgründen­wollte­ein­im­Ort­ansässiger Zimmermann das traditionelle Maibaumschnitzen nicht mehr weiter fortführen und übergab diese Tradition­ dem­ 16-jährigen­ Franz.­ Gemeinsam­ mit­ seinem­Vorgänger­ schnitzte­ er seinen ersten Maibaum für die Gemeinde Strass. „Die Schnitzereien zu Beginn waren ganz einfach.“ Im Verlauf der Jahre verfeinerte Trettnak seine Schnitztechnik derart, dass sie sogar europaweit bekannt sind.

Persönlichkeiten

Der Gamlitzer Maibaum

u Franz Trettnak ist stolz auf seine berühmten Maibäume. Foto: M. Ulrich

Bereits­im­Herbst­fixiert­der­Künstler das Thema für den zukünftigen Maibaum.­Anhand­von­Kopien­oder­ eigenen Motiven werden Zeichnungen angefertigt. Wenn die Proportionen stimmen, werden sie auf Schablonen übertragen und mit einem scharfen Messer zugeschnitten. In einem weiteren Arbeitsgang werden die fertigen Schablonen über die Rinde­ gestülpt­ und­ befestigt.­ Erst­ jetzt können die Ornamente in die Rinde geschnitzt werden. Bis heute hat­ der­ 60-jährige­ 800­ Schablonen­ angefertigt. Ohne Vorarbeit benötigt der Meister­etwa­60­bis­70­Stunden­Schnitzarbeit für einen Baum. „Ich habe bis

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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heute­ 65­ Maibäume­ hergestellt.­ Pro­ Jahr­ mache­ ich­ grundsätzlich­ nur­ einen. Ich könnte aber auch drei Maibäume­ anfertigen.­ Habe­ ich­ schon­ gemacht, mehr ist aber aus Zeitgründen nicht möglich.“

Persönlichkeiten

Sorgfältige Wahl des Baumes Auch den Baum sucht Trettnak selber aus. Nicht jeder Baum eignet sich zum Maibaum. Das zukünftige Kunstwerk­ sollte­ aus­ der­ Mitte­ des­ Waldes­stammen,­etwa­30­bis­35­Meter hoch, gerade, schlank und der untere­Teil­in­einer­Länge­von­15­bis­ 20­ Meter­ völlig­ astfrei­ sein.­ Eine­ fehlerfreie Rinde, ein gut gewachsener Wipfel und einen Baumumfang von­maximal­einem­Meter­sind­weitere Vorausetzungen. Der Baum darf erst im April, wo er bereits im „Saft“ steht,­geschlägert­werden.­Die­Rinde­ ist zu diesem Zeitpunkt weich und splittert nicht. Seit­ 1982­ schnitzt­ Franz­ den­ Maibaum für seine Gemeinde Gamlitz und seit sieben Jahren auch für die Bezirkshauptstadt Leibnitz. Hauptmotive des Maibaumschnitzers sind Wappen, Fahnen, Früchte aus dem Weinland, aber auch ausgefallene, wie Tierkreis- oder Zunftszeichen. Der Gamlitzer Maibaum ist zugleich auch

u Maibaum am Hauptplatz in Leibnitz 2008.

Standbaum. Daher muss er nicht traditionell­ Ende­ Mai­ umgeschnitten­ werden, sondern darf bis zum Herbst stehen­ bleiben.­ Erst­ beim­ Weinlese-­ und Herbstfest wird der Gamlitzer Maibaum umgeschnitten. Das bekannte Fest findet am zweiten Wochenende­im­Oktober­statt.­Der­gefällte Baum wird dann meterweise versteigert.­ Der­ Erlös­ der­ Versteigerung­ kommt der Feuerwehrjugend zugute.

u Ehrenvolle Auszeichnung für den Gamlitzer „Europabaum“ 1986. 140 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

Trettnaks­ Maibäume­ sind­ so­ bekannt, dass jedes Jahr bis zu tausend Touristen aus Österreich und dem benachbarten Ausland allein wegen des­Kultbaumes­nach­Gamlitz­kommen. Der Maibaum in Gamlitz wird erst­ am­ 1.­ Mai­ im­ Rahmen­ eines­ Volksfestes aufgestellt.

Raritäten Die­Gamlitzer­Bäume­sind­natürlich­ alle­ Raritäten,­ wobei­ aber­ drei­ besonders­ erwähnenswert­ sind.­ Zum­ einen­ der­ „Europabaum“,­ den­ der­ Künstler­1986­anlässlich­der­40-jährigen Zughörigkeit Österreichs zum Europarat­geschaffen­hat.­Der­Baum­ war­mit­44­europäischen­Länderwappen verziert. Dafür wurde Trettnak vom­ Europarat­ mit­ einem­ Diplom­ ausgezeichnet. Ein­weiterer­besonderer­Baum­war­ der­ „Weinlandwappenbaum“­ 1990.­ Für diesen Baum fertigte er in einjähriger­ Arbeit­ zusätzlich­ 22­ Holzwappen an, die dann in den Stamm eingearbeitet wurden.


Zum­Jubiläum­„150­Jahre­Gendarmerie in Österreich“ hat Trettnak ­einen­ „Exekutivbaum“­ geschnitzt.­ Für diese besondere Leistung wurde er­als­Ehrengast­zu­dieser­Feier­nach­ Wien eingeladen.

Persönlichkeiten

Maibaumdiebstahl Zum Brauchtum gehört auch der Maibaumdiebstahl. In der Nacht vor dem Aufstellen wird der Maibaum meistens­ von­ jungen­ Männern­ bewacht, die den Diebstahl des Maibaums­verhindern­sollen.­Spätestens­ bei­Annäherung­ von­ Fremden­ muss­ Alarm geschlagen werden. In den meisten Teilen Österreichs gilt ein Maibaum erst dann als gestohlen,

u Der Gamlitzer Maibaum aus dem Jahr 2008.

wenn­er­von­den­Dieben­vollständig­ umgelegt oder vom ursprünglichen Standort abtransportiert wurde. Maibäume­stehlen­darf­nur­der,­der­auch­ selber einen aufgestellt hat.

u Ein besonderer Baum war auch der „Weinlandwappenbaum“ 1990. Dafür fertigte er in einjähriger Arbeit zusätzlich 22 Holzwappen an, die in den Stamm eingearbeitet wurden. Fotos: M. Ulrich

Gestohlene­ Bäume­ müssen­ später­ wieder ausgelöst werden. Dazu begibt sich eine Abordnung der Bestohlenen zu den Dieben. Nach Aushandeln­eines­Preises,­meist­Getränke­ oder­ ein­ Essen,­ muss­ der­ Maibaum zurück gegeben werden. Scheitern die Verhandlungen, wird der Baum in der Nachbargemeinde aufgestellt. In Teilen Österreichs ist es auch üblich, dass sich die Diebe des Maibaums in einem öffentlichem Schauprozess verantworten müssen.

Ist in Gamlitz auch schon einmal ein Maibaum gestohlen worden? „Ja, insgesamt vier Mal. Drei Mal wurde der Baumwipfel gestohlen und in einem Fall wurde Baum in der Mitte auseinander geschnitten,“ meint Trettnak abschließend.

Eine Auswahl der schönsten Maibäume: •­ Ornamentebaum­ •­ Erntedankbaum­•­Bundesländerwappenbau­ •­ Steiermarkwappenbaum­ •­ Wein­landwappenbaum­ •­ Zunftszeichenbaum­ •­ Bezirkswappenbaum­ •­ Erntewappenbaum

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Simone Mayr

Persönlichkeiten

Sicher auf glattem Parkett

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imone begann bereits mit fünf Jahren zu tanzen, aber nicht so wie Gleichaltrige. Sie wollte System in ihre Schrittfolgen bringen. Schon­ zwei­ Jahre­ später­ legte­ sie­ in­ einer Tanzschule alle Tanzprüfungen erfolgreich ab. Das war der Startschuss zum Turniertanz. In ihrer Tanzsportkarriere konnte sie­über­100­(!)­1.­bis­3.­Plätze­erreichen – national und international. Sie wurde deshalb vom österreichischen Tanzsportverband mit dem „Leistungssportabzeichen mit DIAMANT“ ausgezeichnet.

Erfolgsliste Die­ Liste­ ihrer­ Erfolge­ ist­ dementsprechend lang. Besonders stolz ist sie auf folgende Titel: österreichische Meisterin­ in­ der­ Klasse­ A­ LATEIN,­ österreichische­Meisterin­in­der­Klas-

se A STANDARD. Natürlich ist Simone Mayr Mitglied der österreichischen Nationalmannschaft gewesen. Begonnen haben ihre ganz großen Erfolge­ in­ ihrer­ Heimat­ Oberösterreich. Dort heimste sie zwei Titel ein, auf die sie heute noch stolz ist: Oberösterreichische Jugendmeisterin in STANDARD­ und­ LATEIN­ sowie­ österreichische Jugendmeisterin in Klasse­A­STANDARD­und­LATEIN.­ Simone Mayr vertrat Österreich bei sieben Weltmeisterschaften, bei vielen internationalen Turnieren und wurde­ 2001­ zu­ den­ „WORLD­ GAMES“­ nach­ Japan­ entsandt,­ wo­ sie­ den­ hervorragenden­ 17.­ Platz­ für­ Österreich­erreichen­konnte.­Einer­ihrer­ größten­ Erfolge­ waren­ auch­ bei­ den­Weltmeisterschaften­10­Tänze­Jugend­2000­der­8.­Platz­und­2001­der­ 18.­Platz. Im Polizeidienst bleibt Simone nicht mehr so viel Zeit das Tanzbein zu schwingen, aber ihre Freude an diesem konditionsintensiven Sport hat sie behalten. Gerne geht die Funktionärin­ der­ Verbindungsstelle­ Innsbruck-Land mit IPA Mitgliedern aus, um ihnen bei dem einen oder anderen Tanzabend­ die­ elegante­ Kunst­ am­ Parkett­näher­zu­bringen.­Und­es­freut­ sie, wenn die Tanzpaare dazulernen, sich weiter entwickeln oder ganz einfach mit Spaß am Tanz einen netten Abend verbringen. Klaus Herbert

142 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

u Ganz oben: IPA-Funktionärin Simone Mayr. u Oben: So tanzt Simone eine Rumba, den Tanz der Liebe. u Unten: Österr. Meister 2000, Klasse A Standard mit Artjom Grigorian.


Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum Gerald Walzl ist Marathonläufer, Crossläufer, Triathlet, Ironman, Sportwart und -lehrer und seit Juni 2006 Vizeweltmeister im Triple-Ironman.

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as ist das Lebensmotto des 47-jährigen­ Gerald­ Walzl­ von der Polizeiinspektion Obdach­ und­ härtesten­ Mannes­ der­ IPA­ Österreich:­ „Träume­ nicht­ dein­ Leben, sondern lebe deinen Traum“. Walzl­ ist­ Marathonläufer,­ Crossläufer, Triathlet, Ironman, Sportwart und­-lehrer­und­seit­Juni­2006­Vizeweltmeister im Triple-Ironman. Walzl sagt von sich selbst, dass er ein unruhiger Geist ist und immer nach Herausforderungen sucht. Ruhe und­ Entspanung­ findet­ er­ nur­ dann,­ wenn­er­seinen­Körper­fordern­kann.­ Mehr­als­zwei­Tage­ohne­Sport­hält­ er nicht aus.

Ausdauersportarten Schon als Jugendlicher versuchte er sich in allen Winter- und Sommersportarten. Seine wahre Passion waren schon immer Ausdauersportarten. Zuerst stand Laufen am Programm. Mit eigener Lauftechnik verbesserte er seine Zeiten. Nach den klassischen Kurzlaufaufstrecken­steigerte­er­sich­ bald­zum­Marathonläufer.­­ 1990­ nahm­ Walzl­ erstmals­ an­ einem Marathonlauf in Wien teil. „Diese Strecke war aber nicht die wirkliche Herausforderung. Untriebig wie ich bin, suchte ich bald nach einer neuen Challange. Triathlon, ein Exotensport­ in­ den­ 80er­ Jahren­ schien mir die richtige Herausforde-

Wien teil, bis er schließlich eine dreijährige­Sportpause­einlegte.­­

Persönlichkeiten

Gerald Walzl

Der Spitzensportvirus

u Gerald Walzl ist ein Allrounder.

rung­ zu­ sein.­ Später­ kam­ als­ Krönung­der­Ironman­hinzu.­„Ein­Sport­ für „Außerirdische,“ wie Walzl betont, aber ein Maßstab für Ausdauersportler. Noch im gleichen Jahr kaufte ich mir ein Rennrad und begann zusätzlich­ mit­ Rad-­ und­ Schwimmtraining.­Bis­zu­25­Stunden­pro­Woche trainierte ich in meiner Freizeit.“ Private­ Veränderungen­ ließen­ ein­ weiteres Intensivtraining für den Ironman nicht mehr zu, deshalb konzentrierte sich Walzl in den folgenden­ Jahren­ nur­ auf­ Marathonläufe.­ Er­ nahm­ an­ zwanzig­ Läufen­ in­ Padua, Florenz, Farara, Monaco und

2001­wurde­er­wieder­vom­Spitzensportvirus infiziert. Um sich heranzutasten, nahm er vorerst nur an ­Marathonläufen­teil.­Bereits­ein­Jahr­ später­wagte­er­den­Ironman­in­Klagenfurt. Walzl war überzeugt, dass ein Jahr intensives Training, seine sportliche­Erfahrung­und­Einstellung­ ausreichend seien, um am Bewerb teilzunehmen.­Einen­Infekt­kurz­vor­ dem­ Wettkampf­ ignorierte­ er.­ Ein­ fataler Fehler. Der Bewerb wurde für ihn zur Tour der „tausend Leiden.“ Bereits beim Schwimmen hatte er massive­Kreislaufprobleme­und­konnte sich nur mit Mühe aus dem Wasser retten. Das Radfahren war nur eine scheinbare­Erholung.­Nur­sein­unbezwingbarer Wille hielt den obersteirischen­„Eisenkopf“­auf­der­42,2­Kilometer langen Laufstrecke auf den Beinen. Nach der Ziellinie brach er zusammen.­Völlig­übersäuert­und­von­ Krämpfen­geschüttelt,­lag­er­drei­­Tage­ im Bett. Sein Vater schwor, dass er ihn nie wieder zu einem Wettkampf begleiten werde. Zu sehr hatte er mit seinem Sohn mitgelitten. Danach stellte sich Walzl die berechtigte Frage „Aufgeben oder Weitermachen?“ Wer ihn kennt, weiß, dass­ er­ nicht­ als­ Erfolgloser­ abtreten­

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Persönlichkeiten

wollte.­Er­änderte­Training­und­mentale­Einstellung,­um­sich­für­den­nächsten Bewerb vorzubereiten. Nicht mehr­ unbändiger­ Erfolgzwang,­ sondern Freude am Sport hieß das neue Dopingmittel. Auf diese Weise erreichte Walzl bereits nach einigen Wettkämpfen­Spitzenwerte.­Auch­sein­ Körper­reagierte­positiv,­indem­er­nur­ kurze Regenerationphasen benötigte. Bis­2005­konnte­er­sich­kontinuierlich­ verbessern. „Plötzlich habe ich mich gefragt, wofür ich mich so schinde. Ich suchte nach einer Herausforderung,­nach­einem­Ziel,“­erklärt­Walzl.­

zwei Stunden und vierzig Minuten als­Erster­aus­dem­Wasser,­Walzl­radelte als Führender los. Nach zwei Stunden hatte er plötzlich massive Nierenprobleme. „Nierenkolik war mein erster Gedanke. So knapp war ich noch nie an einer Aufgabe gescheitert. Ich dachte an meine Teamkollegen und biss durch. Zum Glück besserte sich mein Zustand von Stunde­zu­Stunde.­Nach­18­Stunden­und­ 12­Minuten­und­540­Kilometern­und­ einer­einzigen­Pause­von­12­Minuten­ stieg ich vom Rad.“

Ausfall der Zeitmessung

Triple-Ironman WM Das­ nächste­ Ziel­ hieß­ Triple-Ironman-Weltmeisterschaft­ 2006­ in­ Moosburg­ in­ Kärnten,­ ein­ Teambewerb. In nackten Zahlen heißt das mindestens zwei Stunden schwimmen, achtzehn Stunden Rad fahren und zwölf Stunden laufen. Im­ Herbst­ 2005­ beschlossen­ drei­ steirische Athleten, Schwimmer Fritz Gossar, Radfahrer Gerald Walzl und Läufer­ Heribert­ Holzer­ aus­ dem­ Raum Judenburg, sich auf das Ziel vorzubereiten. Neuerlich plagten Walzl Ängste, beim Bewerb zu versagen. Doch das war nicht das einzige­Problem.­2006­war­ein­sehr­kühles Jahr und es gab kaum ideale Trainingsbedingungen. Im Frühjahr radelte­ Walzl­ täglich­ 250­ Kilometer­ bei teilweise acht Grad Außentemperatur rund um Obdach. Der Schwimmer Gossar erkrankte drei Wochen vor der Weltmeisterschaft. Zum Glück konnte er rasch durch einen Spitzenschwimmer, Mag. Jochen Guggenberger, ersetzt werden. Optimale Trainingsbedingungen verschaffte sich das Trio erst bei einem Trainingslager in der Sierra Nevada in Spanien. Zehn Tage fuhren sie mit ihren Rennrädern­ samt­ Gepäck­ von­ Malaga aus über die spanische Hochebene der Sierra Nevada.

u Gerald Walzl ist ein Allrounder. Fotos: Walzl

Dabei erklommen die Sportler auch den höchsten Punkt, der mit einem Rennrad erreicht werden kann, den Pico­Valetta­in­3400­Meter­­Höhe.­ Am­15.­Juni­war­der­Tag­der­Entscheidung.­ Vierzehn­ Teams­ und­ 30­ Einzelteilnehmer­ aus­ aller­ Welt­ waren am Start. Die Anspannung im Team war groß. Die Temperatur war alles­andere­als­angenehm.­35­Grad!­ Besonders für Walzl, der tropische Temperaturen­schlecht­verträgt.

In Führung Das Schwimmen verlief weltmeisterlich. Jochen Guggenberger stieg nach

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Während­dieser­Zeit­hatte­Walzl­auf­ dem­ sechs­ Kilometer­ langen­ Parcours­ 90­ Runden­ und­ 3500­ Höhenmeter überwunden. Wegen Ausfall der offiziellen elektronischen Zeitmessung­­musste­er­eine­zusätzliche­ Runde fahren. Darüber kann er sich heute noch maßlos aufregen. Mit einem Zeitverlust von zwölf Minuten übergab Walzl als Zweiter an den Läufer­Heribert­Holzer.­ Hat euch diese Benachteiligung den Weltmeistertitel gekostet? „Nein. Der­Läufer­der­Siegermannschaft­war­ letztendlich um eine Stunde schneller als­ unser­ Läufer.“­ Nach­ zwölf­ Stunden­ und­ 25­ Minuten­ beendete­ Heribert Holzer als Zweiter den Wettkampf. Das Team hatte den Vizeweltmeister im Triple-Ironman errungen. „Wir waren glücklich und stolz, es geschafft zu haben, aber einen Tag lang­völlig­am­Ende.­Erst­nach­Wochen kannst du dich von so einem Wahnsinnswettkampf wirklich erholen,“ resümiert Walzl. Hast du noch Ziele? „Beweisen muss ich mich nicht mehr. Ich werde­ aber­ weiter­ an­ Marathonläufen­ teilnehmen. Momentan bereite ich die Schi- und Biathlonlandesmeisterschaft der Polizei in Obdach vor. Vielleicht ergibt sich wieder einmal eine verrückte Sache, dann bin ich dabei.“ M. Ulrich


Erfolgreiche Sportschützen: Weltmeister und Vizeweltmeister Wären Werner Fasching und Robert Szuppin Fußballer oder Schifahrer, so würden sie zu den bekanntesten Sportlern Österreichs zählen und begehrte Interviewpartner sein.

I

n ihrer Sportart sind die Namen Fasching und Szuppin sowohl auf nationaler als auch auf internationaler­Bühne­längst­ein­Begriff.­ Werner­Fasching­–­Jahrgang­1962,­ist­ „gelernter Gendarm“ und Stellvertreter des Landespolizeikommandanten im Landespolizeikommando Burgenland.­Bereits­im­Jahre­1982­erkannte­ man das Talent des gebürtigen Rohrbachers.­ Vier­ Jahre­ später­ errang­ er­ seinen ersten Landesmeistertitel mit der­Luftpistole­–­Stockerlplätze­sind­ in der Zwischenzeit fast „zur Pflicht“ geworden. Werner suchte aber immer wieder eine neue Herausforderung und wechselte mehrmals die „Sportgeräte“.­ Erfolge­ stellten­ sich­ –­ wie­ erwartet – bald ein.

Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften Im­ Jahre­ 1997­ begann­ er­ eine­ neue­ Karriere­mit­der­Vorderlader-Perkussionspistole. Bereits nach einem Jahr errang er den Staatsmeistertitel. Bald folge seine Berufung in das Nationalteam.­ Siege­ und­ Spitzenplätze­ waren­ die­ logische­ Folge­ –­ 2001­

­ uropameister­ mit­ der­ NationalE mannschaft,­ dritter­ Platz­ im­ Einzel,­ 2002­Vizeweltmeister­mit­der­Nationalmannschaft,­ 2003­ Vizeeuropameister­im­Einzel-­und­Mannschaftsbewerb,­ 2004­ Vizeweltmeister­ im­ Einzel­bewerb,­2006­Weltmeister­mit­ der Nationalmannschaft, dritter im Einzelbewerb,­ 2007­ Vize-Europameister mit der Nationalmannschaft und­2008­Doppelweltmeister­in­Adelaide. In der Zwischenzeit gewann er bei­Welt-­und­Europameisterschaften­ insgesamt­ 18­ Medaillen.­ Die­ Aufzählung­ weiterer­ Erfolge,­ vor­ allem­ auf­ nationaler­ Ebene,­ würde­ den­ Rahmen sprengen.

Beide in einer Mannschaft Robert­ Szuppin,­ Jahrgang­ 1968,­ ist­ ebenfalls gelernter Gendarm und der Sondereinsatzeinheit „Cobra“ zugeteilt. Der Umgang mit Waffen gehört durch besondere Ausbildung und stete Einsatzbereitschaft­ zu­ seinem­ „täglichen­Brot“.­Kein­Zufall,­dass­er­auch­ im privaten Bereich die Herausforderung als Sportschütze sucht. Ausgleich­ und­ Entspannung­ findet­ er­ –­

Persönlichkeiten

Werner Fasching und Robert Szuppin

u Werner Fasching – volle Konzentration in „Richtung“ Goldmedaille.

wie könnte es anders sein – auf der Schießstätte,­jedoch­mit­Sportwaffen.­ Die vergangenen Jahre waren für beide besonders erfolgreich. Bei ­einem­ hochkarätig­ besetzten­ Turnier­ in­ Bordeaux­ (2006),­ das­ zugleich­ als­ Vorbereitung für die Weltmeisterschaft diente, standen sie wieder ganz oben auf der Siegerliste. Fasching wurde als amtierender Vizeweltmeister seiner Favoritenrolle gerecht und gewann mit­ zwei­ (97)­ Ringen­ Vorsprung­ auf­ den Zweitplatzierten. Robert Szuppin belegte­in­der­Einzelwertung­den­undankbaren vierten Platz. Mit der Mannschaft, der auch Werner Fasching angehörte, stand er aber auf der obersten Stufe des Podestes.

Weltmeister, Vizeweltmeister in Bordeaux und Adelaide Nach dieser gelungenen Generalprobe­fuhren­beide­zwei­Monate­später­

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Persönlichkeiten

mit viel Selbstvertrauen wieder nach Bordeaux­und­konnten­als­Weltmeister die Heimreise antreten. Sowohl im­Einzel-­als­auch­im­Mannschaftsbewerb­knüpften­sie­an­ihre­Erfolge­ nahtlos an. In fast jedem Wettkampf waren sie im Spitzenfeld zu finden. Robert Szuppin gewann zwei Goldmedaillen, Werner Fasching eine. Szuppin gehörte zur siegreichen Mannschaft mit dem Perkussionsrevolver-Original, im Mannschaftsbewerb mit dem Perkussionsrevolver-Replika gehörten beide – mit neuem Weltrekord – zu den Titelträgern.­ Bei­ einem­ hochkarätig­ besetzten­ internationalen Wettkampf im polnischen­Krakau­bereiteten­sich­beide­ auf­die­Weltmeisterschaften­2008­in­ Adelaide vor. Werner Fasching gewann den Bewerb mit der Luntenschlosspistole, Robert Szuppin holte mit der Steinschlosspistole die Bronzemedaille. Unter anderem gewannen sie im Teambewerb insgesamt drei Mal Gold, ein Mal Silber und zwei Mal Bronze. Bei der Weltmeisterschaft, die in Adelaide (Australien) ausgetragen

u Stolze Weltmeister – Werner Fasching links, Robert Szuppin rechts. Fotos: Zur Verfügung gestellt von Werner Fasching

wurde, setzten sie ihre Siegesserie fort. Werner errang zwei Weltmeistertitel­ (in­ der­ Einzelwertung­ mit­ dem Replika Perkussionsrevolver, im Mannschaftsbewerb mit der Steinschlosspistole), zwei Silberund eine Bronzemedaille. Robert wurde in der Mannschaftswertung

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(Original Perkussionspistole) Vizeweltmeister, mit dem Original Revolver gewann er die Bronzemedaille. Wir­freuen­uns­über­ihre­Erfolge­und­ hoffen, dass sie noch viele Titel erringen werden. Wolfgang Bachkönig


Hias Föger

Persönlichkeiten

Ein Pensionist ohne Langeweile Hias Fögers Herz gehört nicht nur der Musik – er spielt gerne den „Ziacher“ und singt im Imster IPA-Chor. Seine heimliche Liebe ist die Malerei. Mit viel Blick fürs Detail malt er u.a. kunstvolle Schützenscheiben.

P

olizist wollte er immer schon werden, der Hias, wie man ihn bei der IPA Imst nennt. Nach einer Lehre erfüllte er sich den Traum und machte Dienst bei der Bundespolizei in Innsbruck. Zuletzt war er Leiter des Verkehrsunfallkommandos. Aber­jeden­Tag­mit­Verkehrsunfällen,­ mit­ Personen-­ und­ Sachschäden­ konfrontiert ist, der braucht einen Ausgleich für Herz und Seele. Schon als Jugendlicher spielte er gerne den „Ziacher“, seine Ziehharmonika. Und wenn es bei der IPA Imst was zu feiern gab, dann stand er parat und sorgte für Unterhaltung. Als die Imster

den weltweit ersten IPA-Chor gründeten, überlegte er nicht lange und wurde Mitglied. Denn Hias singt natürlich auch­ gerne.­Wenn­ er­ die­Texte­ nicht­ auswendig kann (was eher selten vorkommt), dann hat er stets sein Büchlein parat. Ja, so kennen die IPA-Freunde den Hias Föger seit vielen Jahren. Aber Hias hat auch ein verborgenes Talent. Er­malt­fürs­Leben­gern.­Diese­Kunst­ hat er sich im Laufe der Zeit selbst beigebracht. Seine hervorragende Wahrnehmungsgabe und der Blick fürs­Detail­halfen­ihm,­schöne­Kunstwerke zu schaffen. Für besondere Anlässe­ malt­ er­ Schützenscheiben.­ Und­

wer sie bekommt, der ist stolz drauf. Ein­ Höhepunkt­ war­ die­ Schützenscheibe­zum­60.­Geburtstag­des­Verbindungsstellenleiters Reinhard Wieser. Sie ziert das Portrait des Jubilars. „Es­war­schon­eine­Herausforderung,­ denn mit Portraits habe ich mich bisher noch nicht befasst“, meint Hias. Und man sieht, dass er stolz ist auf sein Werk. Hias Föger ist Tag für Tag aktiv. Er­ hat­ ein­ Herz­ für­ die­ IPA­ und­ eines­für­die­Kunst,­sei­es­nun­musikalisch oder bildnerisch. So kann man ihm nur wünschen, dass ihm nie die Luft ausgeht und die Farbe eintrocknet.

u Oben:Die Kunst des Malens entfaltete Hias Föger voll, als er seinen Verbindungsstellenleiter Reinhard Wieser zum 60er mit einem Portrait überraschte. u Links: Hias Föger in seinem Element.

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u Einsatz in Wien bei der EURO 2008 – man sieht es – Beruf ist Berufung.

Persönlichkeiten

Thomas Gallos

Im Einsatz mit der EE Burgenland Sein Hobby ist gleichzeitig sein Beruf: Im Fachbereich „Spezielle Einsatzangelegenheiten“ findet Thomas Gallos nahezu täglich seine persönliche Erfüllung.

T

om verrichtet seinen Dienst bei der Organisations- und Einsatzabteilung­des­Landespolizeikommandos­ Burgenland.­ Er­ ist ein eher „ruhiger Charakter“, der keine­ Konfrontation­ scheut­ und­ bei­ gefährlichen­ Einsätzen­ immer­ an­ vorderster Front steht. Sein Aufgabengebiet umfasst die Mitwirkung bei der Planung und Durchführung von­Großeinsätzen,­sämtliche­Belange (Aus- und Fortbildung, Organisa-

tion­usw.)­der­Einsatzeinheit­Burgenland, bei der er die Funktion des Kommandanten­ der­ Sonderkräfte­ (etwa Greiftrupp) ausübt.

Ruhig und konsequent – aber mit Augenmaß Durch die Sonderverwendung im Fachbereich­ „Spezielle­ Einsatzangelegenheiten“­findet­er­nahezu­täglich­seine­persönliche­Erfüllung,­wodurch sein Hobby gleichzeitig Beruf

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ist. Im Burgenland gibt es kaum ein Event,­ das­ Maßnahmen­ des­ großen­ Sicherheits- und Ordnungsdienstes erforderlich macht, bei dem Thomas nicht­ zu­ den­ Verantwortungsträgern­ zählt.­ Zahlreiche­ Einsätze­ bei­ der­ EURO­ 2008­ geben­ Zeugnis,­ dass­ seine­Erfahrung­und­fachliche­Kompetenz österreichweit gefragt und anerkannt ist. Unter anderem war Tom bei der Auslieferung­der­Euro-Banknoten,­beim­


u Thomas während der EURO mit Maskottchen „Trix und Fix“. Fotos: LPK Burgenland

Persönlichkeiten

Wirtschaftsgipfel­ 2002­ in­ Salzburg,­ bei den Demonstrationen gegen die Bundesregierung­ 2003­ und­ 2004,­ beim­ GTI-Treffen­ in­ Kärnten­ 2004­ und­während­der­Zeit­des­EU-Vorsitzes­ Österreichs­ 2006­ in­ Einsatz.­ Beim­ Konzert­ Nova-Rock­ in­ ­Nickelsdorf­(ca.150.000­Besucher­in­ drei­ Tagen)­ findet­ er­ jährlich­ eine­ neue­ Herausforderung.­ Einsätze­ bei­ Fußballspielen in Graz, Wien und Mattersburg gehören für Thomas bereits zur Routine. Durch seine oftmalige Anwesenheit vor allem bei den Spielen zwischen Rapid und Austria sowie­ seine­ ständige­ Präsenz­ im­ Mattersburger Pappelstadion, kennt er­ viele­ Rädelsführer­ der­ Problemfans.­ Als­ Kommandant­ des­ Greiftrupps obliegt es ihm mit seinem Team, diese nach Möglichkeit noch vor Beginn einer Auseinandersetzung

u Die kleine Lea besucht ihren Papa bei der Einsatzübung.

„aus dem Verkehr“ zu ziehen. Dadurch gelingt es – natürlich nicht immer – den ein- oder anderen Zwischenfall bereits im Vorfeld zu unterbinden. Trotz seiner bereits beschriebenen ruhigen Art scheut Thomas keine­ Konfrontation,­ was­ auch­ „in­ der Szene“ allgemein bekannt ist. Für ihn ist keine Arbeit zu schwer und kein Hindernis zu hoch, denn er lebt nach dem Motto: „Stillstand bedeutet Rückschritt – man kann alles immer wieder verbessern. Niemals mit dem Minimum zufrieden geben –­es­geht­immer­noch­was!“ Das ist Thomas Gallos: IPA-Mitglied­ seit­ 1991,­ Jahrgang­ 1971,­ begann­ 1991­ seine­ Exekutivlaufbahn bei der Zollwache in Mörbisch/See,­ übersiedelte­ 1995­ zur­

Gendarmerie, wo er vorerst im Grenzdienst Verwendung fand. In den­ Jahren­ 2000/01­ absolvierte­ er­ den­ E2a-Kurs­ in­ Mödling,­ kam­ anschließend zum Gendarmerieposten Hornstein­und­wurde­danach­(2003)­ zum Landespolizeikommando Burgenland,­Fachbereich­„Spezielle­Einsatzangelegenheiten,“ versetzt. Mitglied­ der­ Einsatzeinheit­ Burgenland­ (EE)­ist­er­seit­dem­Jahre­1996. Privat ist Thomas ein sehr vielseitiger Mensch, bei dem immer an erster Stelle die Familie steht. Gattin Rosemarie­ und­ seine­ beiden­ Mädchen,­ Lea­1­1/2­und­Emilie­6­Jahre,­bereiten ihm viele Freude und geben ihm auch den nötigen Rückhalt nach manch­nervenaufreibendem­Einsatz. Wolfgang Bachkönig

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Gerhard Bengesser

Bei der größten TransozeanRegatta der Welt Gerhard Bengesser überquerte gemeinsam mit Peter Atzenhofer bei der Transatlantic Regatta „Atlantic Rally for Cruisers“ als Erster die Ziellinie bei Horta auf den Azoren.

Z

ehn Jahre nach seiner ersten Segelerfahrung überquerte Gerhard­ Bengesser,­ 51,­ Kriminalbeamter beim Landeskriminalamt­Steiermark­mit­dem­59-jährigen­ Peter Atzenhofer bei der Transatlantic Regatta „Atlantic Rally for Cruisers“­als­Erster­die­Ziellinie­bei­ Horta auf den Azoren. Aus reiner Neugierde erwarb Bengesser vor zehn Jahren den Segelführerschein. Danach strebte er sofort das Hochseesegeln an und kaufte sich nach drei Jahren sein eigenes Segelschiff. Unentwegt war er mit seiner „Marydream“ unterwegs, um alle Facetten der Schifffahrt kennenzulernen. Dazu gehörten Nacht- und Nebelfahrten und Fahrten bei schwie-

u Das siegreiche Duo.

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rigen Wetterbedingungen. Wichtig war­ auch­ Wetterkunde,­ Kartenlesen­ und das Navigieren mit und ohne GPS. „Ich wollte kein Tagessegler bleiben, sondern tendierte sofort zu den Langstrecken- und Blauwasserseglern,­ die­ rund­ um­ den­ Erdball­ unterwegs sind.“ Als Bengesser sich im November 2006­zufällig­in­der­Werft­der­österreichischen Bootsbauer Schöchl in Mattsee aufhielt, fragte ihn sein 59-jähriger­ späterer­ Bootspartner­ Peter Atzenhofer, ob er nicht an einer Regatta teilnehmen wolle. Ohne Überlegung sagte er sofort zu. Atzenhofer, ein pensionierter österreichischer Zahnarzt, ist seit seinem sechsten Lebensjahr ein begeisterter


Segler­und­zählt­zu­den­erfolgreichsten internationalen Regattaseglern. Nach einigen Problemen bei der Anreise landete Bengesser Anfang Mai­2007­in­Antigua,­wo­er­im­Hafen Jolly Harbour seinen Partner Atzenhofer auf der knapp zwölf Tonnen­schweren­und­13­Meter­langen­Yacht­„Onyx“­traf.­In­den­nächsten Tagen liefen bei allen Teilnehmern die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Schiffe wurden geputzt, Flaggen gehisst, Proviant verstaut. Überall in der Marina wurde fleißig gewerkelt, um endlich zu den Bermudas,­ das­ erste­ Etappenziel,­ zu­ segeln.

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und ab gedrückt. „In der Nacht war es­ besonders­ schlimm.­ Keine­ Sicht­ und plötzlich krachen die Wellen gegen das Boot und du glaubst es verliert­ den­ Boden,“­ erklärt­ Gerhard­ eindrucksvoll­ seine­ Erlebnisse.­ Am­ nächsten­ Tag­ plötzlich­ Flaute,­ also­ Motor an. Plötzlich verringerte sich die Motorleistung. Bei einem Tauchgang stellte Atzenhofer fest, dass sich ein Fischernetz am Propeller des Innenbootmotors verfangen hatte. Beim­Entfernen­mit­dem­Tauchmesser schnitt er sich beinahe den Finger ab. Gegen Mittag waren die Bermudas endlich in Sichtweite und nach sechs Tagen passierten die Österreicher als drittes Boot die Ziellinie von St. Georges.

Vom Start weg an der Spitze

u Gerhard Bengesser liebt die See.

Bevor­ die­ zweite­ Etappe­ von­ Bermuda zu den Azoren losging, wurden noch einige Reparaturen durchgeführt, neuer Proviant und Trinkwasser an Bord geschafft. Nach einer Woche Aufenthalt und dem Briefing der Skipper hieß es endlich „Leinen los“. Bei starkem Wind setzte sich das österreichische Boot vom Start weg an die Spitze, verfolgt­von­33­Booten.­Mindestens­ 1700­Seemeilen­oder­mehr­als­3000­ Kilometer­waren­nun­zu­bewältigen.­ Die­Onyx­tauchte­vom­Wind­ange-

Optimaler Wind Endlich.­ Bei­ optimalem­ Wind­ lief­ das österreichische Team aus dem Hafen aus und begab sich auf die 900­ Seemeilen­ lange­ Etappe.­ Nach­ sternklarer Nacht brannte die Sonne am­nächsten­Tag­auf­das­Duo.­Nach­ drei Tagen der erste Regenschauer, danach ein schweres Gewitter und orkanartige Winde. Die Yacht tauchte in haushohe Wellen ein und wurde wie auf einer Hochschaubahn auf 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

trieben, immer wieder in den Atlantik ein und schnitt sich durch die steilen Wogen. Wie aus Rohren rauschte das Wasser des Atlantiks über Bord. Die Wellen klatschten gegen die Österreicher. Auf den rauen Lippen der Skipper brannte das Salz des aufgepeitschten Meeres. Während­der­Nacht­ließen­die­Winde­ nach. In den folgenden Tagen wechselten­Sturm­und­Flaute­ständig.­Das­ hieß für die Crew, Segel rauf und runter, Motor an und aus. Zudem sank­ die­ Außentemperatur­ auf­ 16­ Grad.

Hurrikan Eine­Woche­nach­dem­Auslaufen­aus­ dem Hafen türmten sich tagsüber plötzlich wieder haushohe Wellen vor­dem­Schiff­auf.­Kreuzende­Wellen erschwerten das Steuern des Schiffes und es regnete wie aus ­Kübeln.­Windgeschwindigkeiten­mit­ 52­ Knoten­ peitschten­ gegen­ das­ Schiff.­ Ein­ Hurrikan.­ „Es­ war­ ein­ ständiger­ Kampf­ ums­ Überleben.­ Wir mussten uns am Steuer in immer kürzeren­Abständen­ abwechseln.­ Es­ war Schwerarbeit bis zum Umfallen,“ berichtet ein nachdenklicher Bengesser. Mit gerafften Segeln glitt das Boot über die Riesenwellen dahin. Plötzlich Windstille. Zum Glück kam nach einer Stunde wieder Wind auf und so konnten die Österreicher­wieder­auf­Kurs­segeln.­

Schlafen­war­während­der­folgenden­ Nacht unmöglich. Zum Glück hielt das Boot allen Naturgewalten stand. Per Funk erfuhr die österreichische Crew am Morgen, dass der Hurrikan eines­ der­ Boote­ schwer­ beschädigt­ hatte. Mastbruch. Erster­ Juni.­ Ein­ Blick­ auf­ die­ Logge.­ 1429­ Seemeilen­ geschafft.­ Trotz Windgeschwindigkeiten um sechs­ bis­ zehn­ Knoten­ reichte­ der­ Crew die Geschwindigkeit, um auf Kurs­in­Richtung­Azoren­und­Horta­ zu­bleiben.­Endlich­hörte­es­zu­regnen auf und die Sonne blitzte zeitweise durch die Wolken. Die letzten Tage hatte den Österreichern beinahe­ die­ ganze­ Kraft­ geraubt.­ Zwei­ Tage vor dem Ziel kaum Wind. Auf den­ letzten­ 50­ Seemeilen­ tauchten­ immer wieder Öltanker und Containerschiffe auf. Das hieß „höllisch“ aufpassen.

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Am Vormittag des letzten Tages gegen zehn Uhr erreichten Atzenhofer und Bengesser die nebelverhangene­ Stadt­ Horta­ und­ verständigten­ die­ ARC­ Europa­ Control.­ Der Hafen überfüllt mit Schiffen. Das österreichische Team war enttäuscht.­ Als­ sie­ dann­ im­ Hafen­ anlegten und sich beim Immigration Office meldeten, erfuhren sie erst, dass sie mit Abstand gewonnen hatten.

Meisterprüfung „Diese Regatta war meine Meisterprüfung. Ich habe alles gegeben. Dass wir gesiegt haben, ist Atzenhofer­ zu­ verdanken.­ Nach­ genau­ 1865­ Seemeilen und knapp zwei Wochen auf stürmischer See sind wir gesund und­ reich­ an­ Erlebnissen­ angekommen. Dafür danke ich allen.“ Maximilian Ulrich

u Peter Atzenhofer verletzte sich bei einem Tauchgang am Finger. Fotos: Bengesser


Ein Bergsteiger aus dem Flachland erobert die Berge Werner Gamauf erobert die Berge der weiten Welt: So wehte die IPA-Fahne sogar schon auf dem 5.897 Meter hohen Berg Cotopaxi in Ecuador.

W

erner Gamauf ist begeisterter Tourenführer und kennt bereits zahlreiche Berge­ in­ aller­ Welt.­ Im­ Jahre­ 2004­ führte­ihn­die­Reise­mit­vier­Kameraden­ in­ eines­ der­ ärmsten­ Länder­ der­ Erde­ –­ zu­ den­ Vulkanen­ Ecuadors. Nach der Landung auf dem Flughafen stiegen sie in den Zug, wobei bereits das erste Abenteuer begann. „Der Zustand der Gleisanlagen war derart schlecht, dass einige Waggons zweimal aus den Schienen sprangen – zum Glück gab es keinen nennenswerten Sachschaden, verletzt wurde ebenfalls niemand“, so Werner Gamauf. Mit einiger­ Verspätung­ angekommen,­ ging­ es sofort in die Berge, denn die erste

Expedition­führte­die­Bergsteiger­auf­ den­5.897­m­hohen­Cotopaxi,­wobei­ der­Aufstieg­ohne­Zwischenfälle­verlief.­ Es­ war­ ein­ tolles­ Erlebnis,­ bei­ dem ihnen anfangs vor allem die Höhenluft zu schaffen machte. Nur durch die Zuführung von viel Flüssigkeit – es waren bis zu fünf Liter Wasser pro Tag – konnten sie ihre Körper­fit­halten.­

Persönlichkeiten

Werner Gamauf

Schlechtwetter verhinderte weiteren Aufstieg Den krönenden Abschluss dieser ­Expedition­sollte­aber­die­Besteigung­ des­6.310­m­hohen­Chimborazo­bilden. Doch der Wettergott spielte nicht mit. Durch einen Warmwettereinbruch war die Gefahr von Steinu Schade, dass es diesen strahlenden blauen Himmel nicht während der gesamten Expedition gab.

u Steil und gefährlich – Werner Gamauf liebt die Herausforderung.

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u Es ist geschafft – Johannisberg Westwand – 3.455 m Glockner-Gruppe.

Persönlichkeiten schlägen­ dermaßen­ hoch,­ dass­ das­ damit verbundene Risiko in keinem Verhältnis­zu­diesem­Vorhaben­stand.­ Nun­ weht­ eben­ unsere­ burgenländische­ IPA-Fahne­ vom­ Cotopaxi,­ worauf wir ebenfalls sehr stolz sind. Das ist Werner Gamauf: Jahrgang­ 1961­ und­ ein­ „Kind­ des­ Südens“.­ Er­ wuchs­ in­ Schmiedreit,­

Bezirk Oberwart, auf und erlernte den Beruf eines Drehers. Im Jahre 1985­trat­er­in­die­Bundesgendarmerie ein und wurde nach dem Grundausbildungslehrgang zum Gendarmerieposten Oberwart versetzt. Da sein­Interesse­immer­dem­Kriminaldienst galt, übersiedelte er bald zur Kriminalabteilung­ nach­ Eisenstadt.­ Obwohl er bereits seit mehr als zehn

u Werner ist gut gerüstet. Fotos: zur Verfügung gestellt von Werner Gamauf 154

Jahren Angehöriger des Landekriminalamtes ist, hat er seinen Wohnsitz in Schmiedreit nicht aufgegeben und die Last „des Pendelns“ auf sich genommen. Werner, der auf seine Fortbildung sehr bedacht ist, gilt weit über die Grenzen des Burgenlandes als­ anerkannter­ Fachmann­ der­ Kriminalprävention.­ Er­ leitet­ auch­ diesen Fachbereich im Landeskriminalamt Burgenland. Privat bereist der Vater zweier erwachsener Töchter gerne die Welt. Für sein Hobby – das Bergsteigen – nimmt­er­viele­Mühen­in­Kauf.­Sein­ zweites „Zuhause“ sind die Berge, wo er vielfach seine Urlaube - wenn möglich­ auf­ verschiedenen­ Kontinenten – verbringt. Werner Gamauf ist­ ein­ äußerst­ erfahrener­ Tourengeher,­der­an­vielen­Expeditionen­teilgenommen und zahlreiche auch selbst geführt hat. Wir wünschen ihm noch viel Freude in „seinen Bergen“. Wolfgang Bachkönig


Karl Raggl

Die spitze Feder des Zeichners und Schriftstellers Prof. Paul Flora hat es Karl Raggl angetan. Mit dem berühmten Tiroler verbindet Raggl eine respektvolle Freundschaft.

B

ereits­ in­ den­ 60er­ Jahren­ des­ vorigen Jahrhunderts veröffentlichte die Tiroler Tageszeitung in ihrer Beilage zur Wochenendausgabe­regelmäßig­eine­Karikatur­des­ berühmten Tiroler Zeichners und Schriftstellers Prof. Paul Flora. Diese Karikaturen­mit­der­spitzen­Feder­hatten­ es­ Karl­ Raggl­ angetan,­ und­ er­ begann sie zu sammeln. Inhalt der Zeichnungen war meist ein zeitpolitischer. Doch würden das die Menschen in einigen Jahrzehnten noch verstehen? So begann Raggl auch die dazugehörigen Hintergründe zu sammeln oder selbst zu verfassen. Die Leidenschaft wuchs zusehends.­ Es­ war­ nur­ eine­ Frage­ der­ Zeit, bis er alle Bücher von Flora besaß.

u „Der ertappte Bösewicht“ wurde exklusiv für das Schießen der Gendarmerie-Kriminalabteilung Tirol gezeichnet. Offsetlithografie, limitierte Auflage 120 Stück, handsigniert und durchnummeriert von Prof. Paul Flora 1990.

u Karl Raggl feiert heuer seinen 90. Geburtstag. Foto: bestpic.at

Es­ vergingen­ gut­ 20­ Jahre.­ Da­ lud­ Prof. Wolfgang Pfaundler (Verfasser des Tiroler Jungbürgerbuches) seinen Freund Raggl zu einer Feier ein. Welch eine Überraschung – Paul Flora war auch­zu­Gast.­Es­kam­zur­Vorstellung. Raggl nutzte die Gunst der Stunde­ und­ erzählte,­ neben­ dem­ sitzenden Professor stehend, von seiner Sammelleidenschaft. Flora blickte zu dem 1-Meter-90-Hünen­ hinauf­ und­ meinte: „Sie müssen aber viel Zeit haben.“ So lernte man sich kennen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine respektvolle Freundschaft. Prof. Flora­lud­Karl­Raggl­zu­sich­nach­Hause ein und zeigte ihm seine Werke. Doch da wurde Raggl stutzig. „Was passiert denn mit den Bildern, die Sie der Zeitung schicken?“ „Ach“ meinte

Persönlichkeiten

Glückstag für einen Sammler

Flora, „die Originale gehen an die TT, und nach dem Druck erhalte ich sie wieder zugeschickt. Dann verbrenne ich sie meistens.“

Jährliche Besuche Seit dieser Begegnung besucht Raggl seinen­ Lieblingskünstler­ jährlich­ zum­ Geburtstag und bringt ihm Preiselbeeren und eine Tiroler Jause. Zum­80er­überraschte­ihn­Paul­Flora­ mit einer Originalzeichnung. Das war schon­ ein­ besonderes­ Erlebnis.­ Aber­ Karl­ Raggl­ drängt­ sich­ seinem­ Lieblingskünstler nicht auf. Und der scheint es­zu­schätzen. Dieses­ Jahr­ feiert­ Raggl­ seinen­ 90.­ Geburtstag. Seine Leidenschaft für die Zeichnungen mit der spitzen Feder ist ungebrochen. Klaus Herbert

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Markus Hametner

Persönlichkeiten

Marathon ist seine Disziplin Die Langstrecke hat es ihm angetan: Markus Hametner startete vor 20 Jahren seine erfolgreiche Karriere als Marathonläufer.

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er heute als olympische Disziplin ausgetragene Marathonlauf­ über­ 42,195­ Kilometer erinnert an die sagenhafte Leistung­eines­griechischen­Boten.­Er­lief­ die Strecke bis Athen, um den Sieg der Athener gegen die Perser zu verkünden.­ Gemäß­ dem­ Mythos­ schrie­ Phidippides bei seiner Ankunft: „Wir haben gesiegt“ und starb auf der Stelle.­ Marathonläufer­ von­ heute­ laufen­ auch bis zum Umfallen, aber um zu siegen und nicht zu sterben. Markus Hametner von der Polizeiispektion Pregarten ist einer von ihnen. Hametner­ startete­ seine­ Läuferkarriere­ vor­ knapp­ 20­ Jahren.­ Der­ Polizeibeamte­und­ehemalige­Elektrotechniker trat erst vor acht Jahren in den Exekutivdienst­ein.­Er­absolvierte­die­ Grundausbildung bei der Bundesgendarmerie und kam nach seiner Ausbildung zuerst zur Grenzkontrollstelle nach­Wullowitz.­Nach­einer­dreijährigen Zwischenstation in Freistadt ist er seit­Beginn­2008­in­der­Polizeiinspektion Pregarten und seit fünf Jahren als Bezirksbrandermittler­tätig. Neben seinem Beruf hat ihn der Laufsport nie losgelassen. Seine Disziplinen sind der Cross-, Langstrekken- und Marathonlauf. Verletzungsbedingt musste er allerdings zwei

sperrungen waren umgeworfen worden – verschoben werden. Trotz der Windböen und einer Außentemperatur von 27­Grad­wurde­gestartet.­Die­Strecke,­ die­drei­Mal­bewältigt­werden­musste,­ führte über die Strandpromenade entlang des Plattensees und durch die Straßen von Siofok. Hametner konnte trotz­dieser­extremen­Verhältnisse­den­ ausgezeichneten­5.­Rang­erlaufen­und­ war damit der schnellste österreichische Polizist. Die Platzierung ist umso höher zu bewerten, als ein Drittel der Teilnehmer aus elf Nationen wegen dieser Wetterbedingungen aufgab.

Sportliche Höhepunkte u Markus Hametner bei der Polizeiweltmeisterschaft 2008 in Ungarn. F: Hametn.

Jahre­ pausieren.­Ab­ 2004­ konnte­ er­ wieder voll trainieren und ist seit 2005­Mitglied­im­Leistungskader­des­ BMI. Sein Trainingspensum plant er selbst und legt durchschnittlich pro Saison­5.500­Laufkilometer­zurück. Seinen letzten sportlichen Höhepunkt erlebte er bei der Polizei-WM im Marathonlauf in Siofok in Ungarn. Die Wetterbedingungen waren alles andere als ideal. Zuerst musste der Start wegen Sturmböen – Startbogen und Ab-

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Bisher konnte der Ausdauersportler im­Einzelbewerb­zwei­Mal­im­3000­ und­10.000­Meter­Lauf­den­Bundesmeistertitel erringen. Im Mannschaftsbewerb errang er im Marathonlauf, zwei Mal den österreichischen Meister- und vier Mal den Vizemeistertitel im Cross- und Marathonlauf. Zudem ist er noch siebenfacher oberösterreichischer Landesmeister im Mannschaftsbewerb. Seine­ sportliche­ Zukunft?­ Er­ will­ seine persönlichen Bestzeiten über 10.000­Meter­und­vor­allem­im­Marathonlauf verbessern. Maximilian Ulrich


Willibald Kuntner

Wenn die Tage kürzer und die Abende länger werden, stimmt er sich mit seinem Hobby auf die Weihnachtszeit ein: Willibald Kuntner ist leidenschaftlicher Krippenbauer.

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in­ nicht­ alltägliches­ Hobby­ hat­ Willibald­ Kuntner­ aus­ Oberdrosen, Bezirk Jennersdorf.­ Er­ hat­ darin­ nicht­ nur­ selbst­ große Freude oder findet seine persönliche­ Bestätigung,­ er­ bringt­ für­ viele Menschen „das Weihnachtsfest direkt in ihre Wohnungen“. Das Material­dazu­findet­er­in­den­Wäldern­ der Umgebung seines Heimatortes.

u Willibald Kuntner ist mit Freude bei der Arbeit.

Persönlichkeiten

Krippenbauer aus Passion

Mühevolle Handarbeit Weihnachten – das Fest des Friedens und­der­Freude.­Was­aber­wäre­Weihnachten ohne Christbaum, Ochs und Esel,­die­in­der­Krippe­im­Stall­beim­ Kindlein­ stehen?­ –­ Für­ jeden­ Christen nahezu unvorstellbar. Willi, wie ihn­ seine­ Freunde­ nennen,­ beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Nachbau der „Bleibe“ für die Heilige Familie. Als Materialien dienen ihm ausschließlich Hölzer, besondere Steine,­ Moos­ und­ Gräser,­ die­ er­ in­

der freien Natur findet und über die Sommer- und Herbstmonate sammelt. Seine Arbeit beginnt er dann, wenn die Tage kürzer und die Abende­ länger­ werden,­ wodurch­ er­ sich­ besonders auf das Weihnachtsfest

u Die Krippe ist fertig.

einstimmen kann. Jede von ihm hergestellte­ Krippe­ wird­ in­ mühevoller­ Handarbeit gefertigt. Bisher hat er etwa­ 40­ Exemplare­ hergestellt.­ Seit­ zwei Jahren kann man seine Werke während­der­Adventzeit­bei­Ausstellungen in Oberdrosen bewundern und­selbstverständlich­auch­käuflich­ erwerben. 2007­ wurde­ aus­ dem­ Erlös­ einer­ Krippenausstellung­ der­ Betrag­ von­ 400­ Euro­ an­ die­ Kinderkrebshilfe­ überwiesen. Im gleichen Jahr ­„weihte“­ Willibald­ die­ Kinder­ des­ Kindergartens­ in­ St.­ Martin­ an­ der­ Raab­ in­ die­ Kunst­ des­ Krippenbauens ein. Das gemeinsam hergestellte „Kunstwerk“­ blieb­ als­ Weihnachtsgeschenk­im­Kindergarten.­Zu­Weih-

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Persönlichkeiten u Ein Geschenk an den Kindergarten.

nachten­ 2008­ gab­ es­ wieder­ einen­ Basar,­wo­einige­Krippen­ausgestellt­ und zum Verkauf angeboten wurden. Der­Erlös­eines­Exemplares­ging­an­ das Altersheim in Jennersdorf. Kurze Biografie Willibald­ Kuntner,­ Jahrgang­ 1951,­ ist­langjähriges­Mitglied­der­IPA­und­ verrichtet auf der Polizeiinspektion Minihof-Liebau, Bezirk Jennersdorf,

Fotos: Zur Verfügung gestellt von Willibald Kuntner

seinen Dienst. Bekannt ist diese Gegend vor allem durch die Obstkulturen des Neuhauser Hügellandes oder­die­Dreiländerecke­Ungarn-Slowenien-Österreich. Kuntner­ erlernte­ den­ Beruf­ eines­ Kfz-Mechanikers­ und­ trat­ am­ 1.4.1974­seinen­Dienst­bei­der­Polizeidirektion Wien an. Nach dem Grundausbildungslehrgang wurde er zur Sicherheitswachabteilung des

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Bezirkspolizeikommissariates Meidling­versetzt.­Mit­1.3.1982­wechselte­ er zur Gendarmerie, kam wieder ins Burgenland zurück und wurde auf dem Gendarmerieposten Mogersdorf eingeteilt.­Im­Dezember­1984­„übersiedelte“ er nach Minihof-Liebau, wo­ Willibald­ Kuntner­ mittlerweile­ zum „Inventar“ dieser Dienststelle zählt. Wolfgang Bachkönig


Daniel Goi

Persönlichkeiten

Der Ironman als sportliche Krönung Mit den Besten der Welt maß sich der begeisterte Kärntner Triathlet Daniel Goi beim Ironman in Florida – ein ganz besonderes Erlebnis, das er so schnell nicht vergessen wird.

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aniel­ Goi,­ Jahrgang­ 1971,­ wurde in Gurk geboren und ist auch im schönen Gurktal in­Kärnten­aufgewachsen.­Er­ist­seit­ Kindesbeinen­an­mit­dem­Laufsport­ verbunden und im Winter mit Langlaufschiern in der Natur unterwegs. Nach Abschluss einer Lehre als Elektroinstallateur­trat­er­1991­in­die­ Polizei Wien ein und versieht seinen Dienst­seit­1999­in­Kärnten. Er­ entdeckte­ seine­ Liebe­ zum­

u Übergabe eines IPA-Wimpels bei der örtlichen Polizeidienststelle in Clearwater.

Triathlon über den Laufsport und schaffte bei den Gendarmerie-Bundesmeisterschaften den Sprung in den Leistungskader des österreichischen Polizeisportverbandes.

Qualifikation für den Ironman in Florida Für die Teilnahme am Ironman World­ Championchip­ 70.3­ am­ 8.­ November­2008­in­Clearwater,­Florida, hat sich Daniel Goi beim Halbironman,­ der­ über­ 1,2­ Meilen­ Schwimmen,­ 56­ Meilen­ Radfahren­ und­ 13,1­ Meilen­ Laufen­ stattfindet,­ in­Monaca­2008­qualifiziert. Am­4.­November­2008­ging­es­in­ Begleitung der Familie mit der United Airlines von München aus nach Washington und nach kurzem Aufenthalt weiter nach Tampa. Vom Flughafen Tampa wurden sie dann vom Reiseveranstalter in die Unterkunft nach Clearwater verbracht. Diese lag direkt an der Strandpromenade und dem traumhaften Sandstrand unmittelbar am TriathlonStart/Ziel. In der Jahreszeit um November herrscht in Clearwater wenig Trubel, doch das Wetter war schön und es herrschten optimale Bedingungen

u Daniel Goi – Zieleinlauf beim Halbmarathon in Monaca. Das bedeutete die Qualifikation für den Ironman in Florida.

für Sport und Urlaub. Die Außentemperatur betrug in der Vorbereitungszeit­ bis­ zum­ 7.­ November­ ungefähr­25­Grad­und­die­Wassertemperatur­rund­20­Grad.­­ Das Rennen begann am Samstag, den­ 8.­ November,­ in­ der­ Früh­ mit­ einem guten Gefühl. Dies, obwohl das Training im Oktober in Österreich nicht mehr optimal verlaufen war. Durch das schlechte Wetter waren die Radausfahrten durch Schnee und­Kälte­schon­sehr­gefährlich­geworden. Aber das alles war jetzt Nebensache.­Es­stand­der­Start­zur­WM­ in Halfironman und nicht irgendein Triathlonwettkampf in einer Provinz bevor. Es­ ging­ bei­ künstlicher­ Beleuchtung zwischen Palmen zum Triathlon-Start-/Zielbereich.­ Nach­ der­ Startnummernmarkierung an den Oberarmen ging es noch einmal in die Wechselzone, um das Rad und

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Persönlichkeiten

Ausrüstung zu überprüfen. Dann wurde­ es­ allmählich­ lauter­ in­ der­ Wechselzone und es war nicht mehr lange Zeit bis zum Start der Profis. Bei­ der­ Weltmeisterschaft­ 70.3­ erfolgte der Start in Wellen. Die einzelnen Altersklassen wurden aufgerufen und man musste in den­ vorgesehenen­ Boxen­ auf­ den­ Schwimmstart, welcher sich direkt neben dem Wahrzeichen von Clearwater­ Beach,­ dem­ Pier­ 60­ befand,­ warten.

Startschuss für Daniel Goi Um­exakt­06:45­Uhr­begann­die­WM­ mit dem Startschuss für die Profis. Danach folgten die einzelnen Altersklassen. Endlich­ war­ es­ auch­ für­ Daniel­ Goi­ soweit,­ um­ 07:25­ Uhr­ ging­ es­ mit­Musikpower­von­der­Box­an­den­ Schwimmstart. Mit einem Landstart ging­es­­ab­in­den­Golf­von­Mexico.­ Geschwommen wurde ein langgezogener­ Rechteck-Kurs.­ Durch­ den­ Wellenstart sollte das Teilnehmerfeld schon bei der ersten Disziplin auseinandergezogen werden. Bis zur Wende im offenen Meer ging es ausgezeichnet. Doch nach der Wende zeigte sich dann die Ungleichheit eines Wellenstarts, wir hatten die aufgehende Sonne genau vor uns und konnten dadurch die Bojen sowie andere zuvor startende Schwim-

u Daniel Goi bei der Flughafenpolizei in Tampa Bay.

mer ganz schlecht erkennen. Mit einer­Zeit­­von­28,12­min­über­1,9­km­ (persönliche Bestleistung) stieg Daniel­ Goi­ als­ 33.­ seiner­ Klasse­ aus­ dem Wasser und begab sich zur Wechselzone, um von dort auf den Radkurs zu gehen. Mit dem Fahrrad ging es dann auf die­relativ­flache­90­km­lange­Strekke.­Der­Kurs­verlief­über­die­Vororte­ von Tampa Bay auf breiten Straßen über einige lang gezogene Brücken.

u Glasfassade des Policezentrums in Clearwater. Fotos: Goi

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Den Radkurs beendete Daniel Goi mit­einer­Zeit­von­2­Stunden­25­Minuten. Der abschließende Halbmarathon führte über eine steile Verbindungsbrücke nach Clearwater. Nach einer Schleife ging es wieder über die Brücke­ zum­ Pier­ 60­ (Start-/Zielbereich)­ zurück.­ Es­ waren­ zwei­ Laufrunden, also vier Mal die Brücke hoch und vier Mal hinunter zu absolvieren.

Tatkräftige Unterstüzung der Familie Auf der Laufstrecke wurde „der ­eiserne­Mann“­aus­Kärnten­von­seiner mitgereisten Familie bei jetzt schon­29­Grad­tatkräftig­unterstützt.­ Die­letzten­Meter­kamen­näher­und­ das­Ziel­wurde­mit­einer­Zeit­von­4­ Stunden­ 34­ Minuten­ erreicht.­ Die­ Zeit­bedeutete­den­63.­Platz­von­169­ im Ziel ankommenden Athleten in der­Klasse­M-35.­­ Für Daniel war es ein besonderes Gefühl, sich mit den Besten der Welt messen zu dürfen. Dem Wettkampf folgten einige schöne Tage Aufenthalt mit der Familie in Florida. Für die Unterstützung dankt Daniel Goi auf diesem Wege recht herzlich der­ IPA­ Kärnten­ sowie­ der­ Verbindungsstelle Villach.


Gerald Koller

Persönlichkeiten

Geronimo: Polizist und Künstler „Geronimo“, mit bürgerlichem Namen Gerald Koller, war zwar bereits während seiner Schulzeit ein begnadeter Zeichner, seine künstlerische Laufbahn als Karikaturist begann aber eher durch Zufall.

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bwohl die künstlerische Laufbahn von „Geronimo“ Gerald­ Koller­ eher­ durch­ Zufall begann, hat er heute nicht nur in seiner Branche einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht: Die eigene Website – www.gerikatur.at – legt beredtes Zeugnis ab. Es­war­im­Jahre­1998,­als­er­zum­ 50.­Geburtstag­eines­guten­Freundes­

eingeladen war. Lange suchte er nach einem passenden Geschenk, bis er sich plötzlich seiner zeichnerischen Fähigkeiten­erinnerte.­An­­Ideen,­Einfallsreichtum­ und­ Einfühlungsvermögen in andere Menschen hat es ihm­ja­noch­nie­gemangelt.­Kurz­entschlossen, nahm er einfach Bleistift und Radiergummi aus dem „Schulu Bild oben: Ein typischer burgenländischer Polizist, wie ihn „Geronimo“ sieht.

u Links: Geronimo – immer gut gelaunt – bei der Arbeit. Fotos: zur Verfügung gestellt von Geronimo

ranzen“ seines Sohnes und begann zu zeichnen. Als er dem Geburtstagskind sein Geschenk überreichte, freute sich nicht nur der Jubilar. Bei einer­ ­Vielzahl­ der­ geladenen­ Gäste­ rief­ die­ Karikatur­ schlicht­ und­ einfach­ Begeisterung­ hervor.­ Einige­ hatten sofort sein Talent erkannt und ihm­seine­ersten­Aufträge­erteilt.­Seit­ diesem Geburtstagsfest haben nun auch­ wir­ Burgenländer­ „unseren­ Deix“.­

Politiker und Kollegen – dankbare Motive Fertigte­ er­ vorerst­ nur­ Karikaturen­ im­ Freundeskreis,­ für­ Kollegen­ der­ Exekutive,­Bälle­oder­Kränzchen­an,­ so­ kamen­ bald­ die­ ersten­ Aufträge­ von regionalen Zeitungen. So manche­ Kommunalpolitiker­ oder­ auch­ andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben mittlerweile zur „Belustigung“ der Leser nach einer

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Persönlichkeiten

u Eine Karikatur für Bundesministerin Dr. Maria Fekter anlässlich der Grundsteinlegung für die Polizeiinspektion Ruster-Straße in Eisenstadt am 2. September 2008 Foto: BMI, Abteilung I/5, Egon Weissheimer.

Zeichnung­ des­ Künstlers­ aus­ den­ Printmedien gelacht.

Internationaler Workshop Der Höhepunkt seiner bisherigen künstlerischen­Karriere­war­im­Jahre­ 2006­die­Teilnahme­am­2.­Internationalen­Krüger­Workshop­–­www.sebkrueger.de - in Garmisch-Partenkirchen.­20­Karikaturisten­aus­Amerika,­ Australien, Belgien, Deutschland, Norwegen,­England­und­Kanada­fanden sich in diesem weltweit bekannten­bayerischen­Kurort­zu­einem­Erfahrungsaustausch ein. Unser­„burgenländischer­Deix“­ist­

seit­ dem­ Jahre­ 1987­ verheiratet­ und­ stolzer Vater von zwei wunderbaren Söhnen, die ebenso talentiert sind und im Gegensatz zu ihrem „Vorbild“ schon in jungen Jahren zu zeichnen begonnen haben. Seine Gattin hat sich seit kurzer Zeit der Malerei verschrieben und bevorzugt Landschaften – vorwiegend aus der Toskana.

Polizist war sein Jugendtraum Geronimo,­ Jahrgang­ 1969,­ „damals­ noch­ Gerald­ Koller“­ ist­ gebürtiger­ Eisenstädter­ und­ entschloss­ sich­ schon­mit­15­Jahren,­Polizist­zu­wer-

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den.­ Im­ Jahre­ 1984­ begann­ er­ seine­ Laufbahn als Praktikant bei der Bundespolizeidirektion Wien. Seit dieser Zeit ist er auch schon Mitglied der IPA und pflegt – wie könnte es bei einem­ Künstler­ anders­ sein­ –­ Kontakte­ zu­ Kollegen­ aus­ Deutschland­ und Amerika. Seine „ersten Sporen“ verdiente er sich beim Verkehrsunfallskommando.­ Nach­ 14­ Dienstjahren­ in­ Wien­wurde­er­im­Jahre­1999­nach­ Eisenstadt­versetzt­und­arbeitet­derzeit in der Polizeiinspektion Ruster Straße. Wolfgang Bachkönig


Michael Wolfschlucker

Siege machen süchtig

Persönlichkeiten

u Michael Wolfschlucker erkämpft bei der EM 2005 in Berlin Gold in der Staffel.

Der 42-jährige Michael Wolfschlucker ist einer der erfolgreichsten Polizeischwimmer Österreichs, er bereitet sich derzeit auf die nächste Welt- und Europameisterschaft vor.

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eit­1997­gehört­der­aus­Zwettl­ an der Rodl in Oberösterreich stammende Polizeibeamte Wolfschlucker vom Stadtpolizeikommando Linz dem Leistungskader der­ Exekutive­ im­ Schwimmen­ an.­ Bereits im ersten Jahr nahm er an der Polizeieuropameisterschaft in Mont-

pellier in Frankreich teil. Danach bestritt­ er­ beinahe­ sämtliche­ Europa-­ und­Weltmeisterschaften­ in­ Kanada,­ in den USA, Australien, Spanien und Deutschland. Dabei erreichte der Ausnahmekönner­ 14­ Weltmeisterschaftmedaillen, davon neun Mal Gold, drei Mal Silber und zwei Mal

u Energietanken beim 24-StundenSchwimmen in Bad Radkersburg.

Bronze­ und­ neun­ Europameisterschaftsmedaillen, davon fünf Mal Gold, und jeweils zwei Mal Silber und Bronze.

Gold in der Staffel Besonders stolz ist er auf die Goldmedaille, die er mit der Staffel, gemeinsam­mit­Eduard­Popp­und­Helmut Weinberger in Lübeck-Travermünde­ in­ Deutschland­ 2005­ bei­ der­ ersten Rettungseuropameisterschaft errang.­Es­war­sein­erstes­Antreten­in­ dieser Schwimmsparte. Auch bei den nationalen­ Wettkämpfen­ konnte­ er­ zahlreiche Landes- und Bundesmeisterschaften gewinnen. Wie es seinem Naturell entspricht, nimmt­ der­ 42-Jährige­ gerne­ an­ ­Extrembewerben­ teil.­ 2007­ startete­ er­ bei­ einem­ 24-Stunden-Schwimmen im steirischen Radkersburg. Bei Außentemperaturen unter Null ging­ der­ Oberösterreicher­ mit­ 509­ weiteren Schwimmern aus Österreich, Slowenien, Slowakei, Ungarn, Italien und aus Japan bei diesem außergewöhnlichen Wettkampf

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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u Die Staffel holte Gold beim Surf-Race: v.l. Eduard Popp und Michael Wolfschlucker. Fotos: Wolfschlucker

Persönlichkeiten an den Start. Innerhalb dieser Zeit sollten die Teilnehmer eine möglichst lange Schwimmstrecke zurücklegen. Punkt­ 16.00­ Uhr­ wurde­ gestartet.­ Der Oberösterreicher konnte gleich seinen Schwimmrhythmus finden und sich an die Spitze absetzen. Bald aber kam es zu einem Dreikampf zwischen dem Italiener Mauro Gianconia und dem Steirer Gerhard Brettenhofer. Die Führung wechselte im Stundentakt. Zur Halbzeit hatte

Wolfschlucker­ bereits­ 36­ Kilometer­ zurückgelegt.

Spannender Dreikampf Nach einer kurzen Pause, mit Massage und einem ausgiebigen Nudelgericht, wurde die zweite Halbzeit geschwommen. Dabei wurde der Dreikampf­fortgesetzt.­Nach­19­Stunden­ konnte der Italiener das hohe Tempo der beiden Österreicher nicht mehr mithalten und fiel zurück. Den erbitterten Zweikampf konnte der Ober-

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österreicher fünf Minuten vor dem Ende­ für­ sich­ entscheiden.­ Er­ gewann mit einem Vorsprung von einhundert Metern. Der Oberösterreicher­hatte­insgesamt­71,4­Kilometer­ und­ 1424­ Längen­ zurückgelegt.­ Glücklich, aber nur mit Hilfe der Betreuer konnte er aus dem Becken steigen. Derzeit­bereitet­sich­der­42-Jährige­ auf­die­Weltmeisterschaft­in­Kanada­ und­die­Europameisterschaft­in­Kroatien vor. Maximilian Ulrich


Im Einsatz bei der Euro 08 Während der Euro 2008 erhielt Rudolf Gold eine besondere Aufgabe: Da er die kroatische Sprache beherrscht, war er rund um das kroatische Nationalteam im Einsatz.

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ontrollinspektor Rudolf Gold versieht seinen Dienst „im Alltag“ als Sachbearbeiter an der Grenzpolizeiinspektion Schattendorf (Bezirk Mattersburg). Für die Zeit der Euro­ 2008­ hatte­ er­ jedoch­ eine­ besondere Aufgabe erhalten. Da er neben Deutsch­Kroatisch­in­Wort­und­Schrift­ beherrscht, war er als Ordnungsdienstpolizist vor allem im Bereich Bad Tatzmannsdorf, wo das kroatische Nationalteam­untergebracht­war,­im­Einsatz.­ Das ist Rudolf Gold: Rudolf­ Gold,­ Jg.­ 1958,­ ist­ verheiratet­ und­Vater­von­zwei­erwachsenen­Kindern, die ebenfalls kroatisch sprechen. Er­wuchs­in­der­kroatischen­Gemeinde­ Baumgarten, Bezirk Mattersburg, auf. Im­Elternhaus,­im­Kindergarten­und­in­ der­Volksschule­ des­ 800­ Seelendorfes­ wurde nur kroatisch gesprochen. Bis zu­seinem­10.­Lebensjahr­war­Deutsch­ für­ihn­eine­Fremdsprache.­Erst­als­er­ die Hauptschule in Schattendorf besuchte, musste er sich „sprachlich

­verändern“­und­Deutsch­lernen.­

Von der Zollwache zur Polizei Seine­Karriere­in­der­Exekutive­begann­ 1983­ bei­ der­ Zollwache.­ Sowohl­ als­ Zollwachebeamter als auch als Polizist verrichtete er seinen Dienst ausschließlich­ am­ Eisernern­ Vorhang.­ Sein­ Zuständigkeitsbereich­umfasste­die­Blaue­ Grenze des Neusiedler Sees sowie den damals durch einen Stacheldraht abgetrennten Wald zwischen Mörbisch und Fertörakòs.­ 1989­ verrichtete­ er­ an­ der­ Grenzkontrollstelle­ Klingenbach­ seinen­Dienst,­wo­er­den­Fall­des­Eisernen­ Vorhanges und die Flüchtlingswelle der DDR-Bürger erlebte. Zur Polizei wechselte er mit Auflösung der Zollwache­am­1.7.2005. Gold erinnert sich noch genau an die Nacht­von­12.­auf­13.­September­1989.­ Er­stand­damals­als­Zollwachebeamter­ am­Straßengrenzübergang­in­Klingenbach. Schon tagsüber bewegte sich eine­schier­unendlich­scheinende­Kolon-

u Umgangssprache Kroatisch – Baumgarten im Bezirk Mattersburg. Foto: zur Verfügung gestellt von Robert Gold

u Robert Gold als stolzer Polizist. Foto: Wolfgang Bachkönig

Persönlichkeiten

Rudolf Gold

ne von Fahrzeugen und Menschen aus Sopron kommend zur Grenze. Hunderte Flüchtlinge warteten in ihren Fahrzeugen­oder­als­Fußgänger,­bis­sie­legal nach Österreich einreisen durften. „Nur eine Sekunde nach Mitternacht überschritten sie unter unbeschreiblichem Jubel den Grenzbalken in die Freiheit und wir Zöllner freuten uns mit ihnen,“ so Rudolf Gold.

Sport und Reisen Privat ist Rudolf Gold ein sehr vielseitiger Mensch, bei dem aber immer an erster Stelle die Familie steht. Mit seiner Gattin hat er, ausgenommen Amerika, bereits­jeden­Kontinent­bereist.­Amerika­ist­nämlich­sein­nächstes­Ziel,­da­er­ dort zum Besuch von Verwandten (deren­Eltern­sind­zur­Zeit­der­Wirtschaftskrise­ in­ den­ 1930er­ Jahren­ ausgewandert)­einen­längeren­Aufenthalt­plant.­ Gold ist ein begeisterter Segler, der sich viel auf dem Wasser des Neusiedler­ Sees­ aufhält.­ Wandern­ zählt­ ebenfalls zu seinen Hobbys, wobei er mit Stolz von mehreren Fußwallfahrten zur­Basilika­nach­Mariazell­erzählt.­ Da er den Umgang mit Menschen liebt und eine persönliche Genugtuung dabei empfindet, anderen zu helfen, war­sein­Einsatz­bei­der­Euro­2008­ein­ unvergesslicher Abschnitt seiner dienstlichen Laufbahn. Wolfgang Bachkönig

IPA Österr. Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

u Rupert Huttegger mit der Kinderbuchfigur Inspektor Lux. Foto: D.Weissmann

Rupert Huttegger

Kinder- & Sachbuchautor Für das Projekt „Inspektor Lux“ – ein Programm gegen Kindesmissbrauch und Gewalt – erhielt Rupert Huttegger den ersten Salzburger Kinderrechtspreis.

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m­Jahr­1973­besuchte­er­die­Gendarmerieschule auf der Burg Hohenwerfen,­ versah­ bis­ 1981­ Dienst am Gendarmerieposten Puch und­wurde­1982­Kriminalbeamter­der­ Kriminalabteilung­ Salzburg,­ Suchtgiftgruppe. Der kriminalpolizeiliche Beratungsdienst bot ihm schließlich die Plattform, um im Rahmen der allgemeinen Sicherheit, die Bürger unseres Landes im Hinblick auf ihr Gefahrenbewusstsein­ zu­ stärken.­ Ganz­ besonders hat er sich dabei um die schwächsten­ Mitglieder­ unserer­ Gesellschaft,­die­Kinder,­gekümmert.­ Ein­ Puppentheaterstück­ wurde­ im­

Zusammenwirken mit der Psychologin Mag. Monika Bernberger auf die lebende­Figur,­Inspektor­Lux,­umgeschrieben. Das gesamte Programm gegen­Kindesmissbrauch­und­Gewalt­ umfasst­ein­Theaterstück­für­Kinder,­ das dazugehörige Buch und eine CDRom mit Liedern von Reinhard Gabriel, die in der Musikhauptschule Hallein­mit­Garry­Lux­aufgenommen­ wurden. Huttegger und dessen Team, bestehend aus Robert Meikl, Gerald Hartl und Philipp Reiter sind nach wie­vor­unermüdlich­im­Einsatz.­Immer und immer wieder führen sie landesweit in Schulen das Theater-

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stück­ für­ Kinder­ auf.­ Als­ Lohn­ für­ ihren­ engagierten­ Einsatz­ erhielten­ sie­ im­ Jahr­ 2005­ als­ einzige­ nichtakademische Gruppe aufgrund des Projektes „Inspektor LUX“ den ersten­Salzburger­Kinderrechtspreis. Das Buch „Die besten Tipps für Ihre Sicherheit – so schützen Sie sich und­ Ihr­ Eigentum­ vor­ kriminellen­ Taten“, aufgelegt im A&M-Verlag stammt ebenfalls von Rupert Huttegger­und­Mag.­Monika­Bernberger.­Es­ soll uns vor vielen möglichen Gefahren warnen und uns zur Aufmerksamkeit und Zivilcourage mahnen. Dietmar Weissmann


Edle Tropfen aus dem Hause Jagersberger Wein oder nicht Wein, das ist nicht die Frage. Vom Wein bis zum rebsortenreinen, weinbergsauthentischen und jahrgangstypischen Traubensaft.

Persönlichkeiten

Gerhard Jagersberger

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eit­1990­ist­Gerhard­Jagersberger­ (Jahrgang­ 1963)­ Gendarm,­ war­ vorerst am Gendarmerieposten in Wald am Schoberpass, dann in Irdning­ und­ ist­ seit­ 2001­ in­Trieben­ beim­ LPK­ Steiermark,­ Autobahnpolizeiinspektion,­tätig.­ Er­ist­zwar­kein­IPA-Freund­aus­Salzburg, jedoch ein umso bemerkenswerterer Steirer aus einer steirischen Industrieregion. Weinreben sind hier nicht heimisch.­ Zu­ kalt,­ zu­ rau­ das­ Klima.­ Nicht geeignet wahrscheinlich auch der Boden in der Wald-, Berg- oder Obersteiermark, die das „wilde Bergvolk in den Alpen“ beherbergt. Und trotzdem hat­sie­es­ihm­angetan!­–­Die Pflanze.­–­ Die Rebe. – Die Traube. – Die Beere. – Das­Produkt!­Der­edle­Saft,­der­später­zu­ Wein vergoren nicht nur beim Winzer selbst,­sondern­im­Geschäft­um­die­Ecke­ oder im Supermarkt gekauft und selbstredend auch im Internet bestellt werden kann. Wein ist klassenlos und der Weingenuss ist nicht mehr das Vorrecht einer Elite.­ Gerhard Jagersberger spricht über Wein, arbeitet mit Wein, assoziiert sich mit­dem­Rebensaft.­–­Er­entwickelt­sich.­ Er­schult­sich.­Er­begründet­seine­eigene Marke, steht mit seinem Namen, mit

u Gerhard Jagersberger steht mit seinem Namen hinter seinem eigenen Wein-Gütesiegel. Fotos: Jagersberger

seiner Person hinter seinem eigenen Gütesiegel.­ Er­ präsentiert­ sich­ selbst­ und­seine­Ideen.­Er­ist­kein­Winzer,­aber­ Weinakademiker und stammt aus einer Gegend,­in­der­kein­Wein­wächst.­Hier­ einige Zahlen, Daten und Fakten, die zu seiner Marke, zur „Jagersberger-NatürlICHfürDich“ Marke geführt haben. Seit­17­Jahren­ist­Gerhard­Jagersberger­ mit­ dem­ Thema­ Wein­ konfrontiert.­ Es­ begann, als er als Mitarbeiter bei „Vino

per­ Amici“­ in­ Gröbming­ Wein-Events­ organisierte und Verkaufs- und Beratungstätigkeit­durchführte.­Im­Jahr­2003­ eröffnete er das Studium an der Weinakademie in Rust und steht derzeit vor dem Abschluss des „Diploma in Wine and Spirits“ der britischen „Wine and Spirit­Education­Trust“­in­London.­Voraussichtlich­im­Jahr­2009­wird­er­dieses­ mit der Verleihung des Titels „Weinakademiker“, der höchsten Auszeichnung

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Persönlichkeiten

bzw.­ Qualifikation­ im­ Weinhandel­ abschließen. Im Zuge des Studiums an der Weinakademie­und­aufgrund­seiner­Einstellung zur biologischen und ökologischen Landwirtschaft hat er ausgezeichnete­Arbeiten­über­den­Klimawandel­im­ Weinbau geschrieben und dadurch Aufmerksamkeit in der Fachwelt erregt. Und er lernte die Pioniere des österreichischen Bioweinbaues, Sepp Muster aus Leutschach und Fritz Salomon vom Gut­ Oberstockstall­ in­ Kirchberg­ am­ Wagram, kennen. Durch sie hat er gute Kontakte­ zur­ Bioweinszene­ gewonnen­ und mit ihnen den Weg gemeinsam bis zum heutigen Tage beschritten. Im Rah-

sehr erfolgreich. Zur Lebensmittelschiene gesellte sich die Schiene Wein und Spirituosen. Anfangs noch mit hauptsächlich­konventionellen­Produkten.­Im­ Jahr­2006­gründete­er­die­„JagersbergerBioWeinWelt“, und eröffnete damit auch den größten österreichischen Online-Shop für Bioweine. Diesen finden Sie im Internet unter dem Link: www. bioweinwelt.at

Bio-Austria-Partner Als Bio-Austria Partner gelang die internationale Vermarktung von österreichischem Biowein auf der Plattform „Jagersberger-Bioweinwelt“. Mit sehr

DICH“­ will­ er­ mit­ seiner­ Eigenmarke­ samt Gütesiegel neue und dynamische Impulse in der Beziehung zwischen Konsumenten­ und­ Produzenten­ schaffen.­ Kreativität,­ Engagement­ und­ der­ Wert menschlicher Arbeit stehen bei der Auswahl seiner Produkte an erster Stelle. Freude und Zufriedenheit an der Arbeit, vom ökologischen Anbau bis zum Endprodukt,­ sichern­ nachhaltige­ Lieferanten-­ und­ Kundenbeziehungen,­ bringen­ höchste­ Qualität­ und­ schaffen­ ein­ Gleichgewicht für ein stimmiges Miteinander von Mensch und Natur. Wie bereits­erwähnt,­zählt­neben­der­Qualität­auch­der­Wert­der­menschlichen­Ar-

u Die Produktlinie des Weinliebhabers Jagersberger. Foto: Jagersberger

men der Vermarktung arbeitet er seit 2007­ eng­ mit­ dem­Weingut­ Fritz­ Salomon zusammen.

Regionale Lebensmittel Nicht nur der Weinbau und die Weine an sich waren bisher ein Thema, sondern auch Lebensmittel. Vor allem biologisch und handwerklich hergestellte regionale Produkte sind der Weg und das Ziel seiner Linie. So hat er im Oktober­2004­gemeinsam­mit­seiner­Frau­einen Laden für regionale, handwerkliche und biologische Produkte in Wörschach eröffnet. Mit neuen Formen der Vermarktung­ und­ Kundeneinbindung­ läuft­ dieses Projekt nun schon im vierten Jahr

erfolgreichen internationalen Messeauftritten­ wie­ der­ ANUGA­ in­ Köln,­ der­ IGEHO­ in­ Basel,­ der­ Prowein­ Düsseldorf, der Vievinum in Wien, der FOODEX­in­Tokio­oder­der­SIAL­in­Montreal machte er sich relativ rasch einen Namen.­2008­gab­es­erste­Exporte­von­ österreichischen Bioweinen nach Japan. Seit­2007­ist­er­aufgrund­seiner­sensorischen­Fähigkeiten­als­Juror­beim­„Internationalen-Biofach-Weinpreis“, beim Internationalen „Bioweincup“, bei „Best of­ Bio“­ und­ beim­ europäischen­ „BIOAward“­tätig.­ Mit­der­Einführung­der­neuen­Qualitätsschiene­im­Herbst­2008­­mit­dazugehörigem Gütesiegel „NatürlICH für

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beit. Dazu gehört auch die gerechte und nachvollziehbare­ Entlohnung­ der­ Erntehelfer für ihre geleistete Arbeit. Die Erweiterung­der­Marke­mit­hochwertigsten Produkten steht bevor. Das bedeutet­eine­eigene­Weinlinie,­eigenen­Kaffee,­Fruchtsäfte­und­Spirituosen.­

„NatürlICH für DICH“ Erstes­ Produkt­ der­ „NatürlICH­ für­ DICH“ Linie sind rebsortenreine, weinbergsauthentische und jahrgangstypische­Traubensäfte.­Das­erste­Projekt­ dieser­Art­ weltweit.­ Nach­ anfänglicher­ Skepsis gelang es ihm aufgrund seiner freundschaftlichen­Verhältnisse­zu­einigen Winzern, diese zum Start des Pro-


Die größte Weintraube der Welt am Eory-Kogel in der Gemeinde Glanz an der Weinstraße zwischen Gamlitz und Leutschach, kreiert vom ortsansässigen Künstler Willi Trojan, aus Edelstahl und kunstvollen, farbigen Füllungen aus verschmolzenem Glas, die die Traubenperlen darstellen. Die Weintraube versinnbildlicht die Existenzgrundlage der Gemeinde und deren Betriebe, aber auch die zukünftige Entwicklung, die auf historischen Wurzeln aufbaut. Sie steht aber ebenso für ein gutes, fruchtbares Land und lebensfrohe Menschen. (Foto: Dietmar Weissmann)

Traubensaftlinie 100­ %­ (reb-)sortenrein,­ naturbelassen,­ ohne­ Zucker­ und­ in­ Bio-Qualität­ präsentiert er jetzt die neue „NatürlICH für DICH“ – Traubensaftlinie. Die erlesenen­Säfte­der­vier­Biowinzer,­Sepp­Muster,­ Ewald­ Tscheppe,­ Birgit­ PferschySeper und Fritz Salomon vom Gut Oberstockstall weisen eine verblüffende Sorten-Typizität­ auf.­ Die­ Säfte­ sind­ frisch, unterlegt mit leichter Fruchtsüße und unterstreichen mit ihrer frischen Säure,­dass­sie­zum­richtigen­Zeitpunkt­ mit Liebe aus den besten Lagen geerntet und danach mit Respekt gefüllt wurden. Mit­der­Gestaltung­der­Etiketten­auf­den­ edlen­ und­ praktischen­ 0,5­ Liter­ Flaschen, welche die Original-Lagen der einzelnen­Weingärten­zeigen,­will­er­die­ hohe­Qualität­und­Wertigkeit­der­weinbergsauthentischen und jahrgangstypischen­ Lagentraubensäfte­ 2008­ unterstreichen. In der Herstellung ging man nach einigen Versuchen einen völlig neuen Weg. Den Weg sogenannter lebendiger Traubensäfte.­Ganz­wichtig­ist­es,­dass­ nur sauberes und schönes Traubengut für­die­Säfte­geerntet­wird.­Die­Trauben­ dürfen nicht zu reif werden, damit das Zucker-Säureverhältnis­stimmig­ist.­Sie­ werden als Ganzes lange gepresst, um von vornherein weniger Trübstoffe von sich zu geben. Der Saft lagert bis zur Flaschenfüllung einige Tage gekühlt im

Tank. Der relativ klare Saft wird dann ohne­ Eiweißkorrektur­ bei­ 72­ bis­ 74­ Grad abgefüllt. Jeder der vier „Traubensaft-Winzer“ hat seinen eigenen Zugang zu diesem Thema.­ Es­ ist­ eine­ genussreiche­ und­ spannende Angelegenheit mit den zusätzlichen­ Aspekten­ von­ Gesundheit­ und Genuss und spiegelt auch die österreichischen Weinbaugebiete mit ihren eigenständigen­klimatischen­Bedingungen wider. Für denjenigen, der aus welchen Gründen immer keinen Wein trinken­will,­kann­oder­darf­und­für­Kinder,­ sollen­ diese­ Traubensäfte­ Zugang­ zum­ Thema charaktervolle, typische und individuelle Lebensmittel bieten, den Respekt der Natur gegenüber fördern, und Geschmacksbilder eröffnen. Der Start der Traubensaft-Linie erfolgte­ am­ ersten­ Dezember­ 2008­ mit­ fünf­ Sorten, aus den in Österreich bedeutendsten Rebsorten Zweigelt, Grüner Veltliner, Weißburgunder und Chardonnay (Morillon)­mit­einer­Menge­von­14.800­ Flaschen­ zu­ je­ 0,5­ Liter,­ welche­ zum­ Start bereits großteils vergriffen waren. Die erste Pressekonferenz fand am

Persönlichkeiten

jektes zu gewinnen. Im Zuge von Messeteilnahmen wurde die Idee für dieses Traubensaft-Projekt geboren. Traubensaft aus biologischem Anbau, also nicht Wein, ist für Gerhard Jagersberger das Urprodukt­aus­Trauben.­Einfach,­unverfälscht­ und­ echt.­ Traubensäfte,­ welche­ sich­in­Supermärkten­und­Großmärkten­ als Literware tummeln, sind meist nur „Abfallprodukte“ aus dem konventionellen Weinbau, Produkte aus der Vorlese oder der Ausdünnung. Ohne viel Liebe und Respekt gemacht, mit Zucker angereichert, eiweißkorrigiert und von sämtlichen­gesundheitsfördernden­Stoffen befreit.

vierten­ Dezember­ 2008­ in­ Dortmund­ statt.­ Einer­ der­ Hauptabnehmer­ ist­ der­ renommierte und dort etablierte Biomarkt­ „Fruchtbare­ Erde“.­ Jagerbergers­ Säfte­ sollen­ in­ den­ folgenden­ Jahren­ kein­ sogenanntes­ „Kommerzprodukt“­ werden, lediglich das beste und wenig vorhandene Traubenmaterial aus den besten biologischen Lagen des Landes ist dafür gut genug.

Größere Sortenvielfalt Eine­Erweiterung­wird­sich­lediglich­in­ der Sortenvielfalt ergeben. Hier stehen ein Riesling aus der Wachau, ein Gelber Muskateller aus der Südsteiermark und ein Sauvignon blanc aus der Südoststeiermark in den Startlöchern. Schön, dass es­im­Bereich­der­Exekutive­Menschen­ – IPA-Freunde – gibt, denen das Wohlergehen der Natur und damit das Wohlergehen von uns allen, am Herzen liegt. Ein­Hoch­auf­den­Naturfreund.­Ein­Prosit­dem­Sommelier.­Viel­Erfolg­in­seiner­ Geradlinigkeit und Zielstrebigkeit, sei dem­ ideenreichen­ und­ bodenständigen­ Vermarkter beschieden. Dietmar Weissmann

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Hans Ladstätter

Kreative Arbeit Ton in Ton Persönlichkeiten

Seine Liebe gehört dem Ton: Seit 13 Jahren beschäftigt sich Hans Ladstätter mit Keramik. Bei seinen – manchmal auch provokativen Arbeiten – lässt er seinen Ideen freien Lauf.

H

ans­ Ladstätter­ aus­ Ehrwald­ ist nicht nur Verbindungsstellenleiter der IPA Reutte in Tirol.­ Er­ hat­ auch­ eine­ künstlerische­ Ader. Und wenn man ihn darauf anspricht,­erzählt­er­mit­Begeisterung: „Seit­13­Jahren­beschäftige­ich­mich­ mit­Keramik-Handarbeiten.­Durch­Zufall kam ich auf dieses Hobby. Ich hatte das Glück, einen Bildhauer bei der Arbeit zu beobachten, und da hat mich die Neugier gepackt. So habe ich selbst angefangen mit Ton zu modellieren. Ich stelle seit Jahren auch schon bei diversen Ausstellungen aus. Alle zwei­Jahre­beim­Hobby-Künstlermarkt­ in Reutte. Bei der InterPoliceArte im Congress Innsbruck war ich gerne dabei. Die Reihe weiterer Ausstellungen lässt­sich­beliebig­fortsetzen.“ Aber­ wie­ geht­ Hans­ Ladstätter­ ans­ Werk? „Ich arbeite bewusst mit primitivsten Mitteln. Ich besitze keine elektrische­ Töpferscheibe.­ Einen­ eigenen­ Brennofen habe ich erst seit einem

u Hans Ladstätter mit einigen seiner Werke.

u Links unten: Das Aquarium. Fotos: privat

Jahr. Handarbeit im Detail ist mir sehr wichtig. Meinen Ideen freien Lauf lassen und versuchen, diese Ideen auch umzusetzen. Die Formgebung und eine gelungene­ Glasurkombination­ ergänzen­ dann­ meine­Werke­zu­Kunst­oder­Kitsch­–­ vielleicht auch zu beidem. Provokation ist bei meinen Arbeiten oft Absicht.

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Primär­geht­es­mir­um­eine­sinnvolle­ Beschäftigung,­Entspannung,­Ruhefindung vom Alltags-Stress und nicht zuletzt­um­eine­Selbstbestätigung,­wenn­ meine Arbeiten Gefallen finden.“ Wenn Sie der Weg ins Außerfern führt,­sollten­Sie­Hans­Ladstätters­Atelier­in­Ehrwald­unbedingt­besuchen. Klaus Herbert


Captain, Western und Countrymusic „Flint“, wie Albert Feuerstein von seinen Klubkameraden genannt wird, ist nicht nur begeisterter Segler, sondern auch Liebhaber von „Countrymusic“.

Z

uerst war der gelernte Installateur und Gendarmeriebeamte Albert Feuerstein, in Bregenz geboren und aufgewachsen, als leidenschaftlicher Segler, mit einer Jolle oder Schwertboot am Bodensee unterwegs. Nach einigen Jahren war er stolzer Besitzer und „Captain“ einer „Esprit 32“, einem Zehnmeter-Segelschiff. Damit startete er bei Segelregatten und der Polizeiregatta. Eine besondere Herausforderung war die „Regatta der Eisernen,“ die alljährlich Ende November Anfang Dezember

am Bodensee stattfindet. Bei eisigen Temperaturen und kalten Winden werden die Segler besonders gefordert. Bisher hat Feuerstein drei Mal erfolgreich an dieser Regatta teilgenommen.

Lebensgefühl „Flint,“ wie ihn seine Klubkameraden nennen, ist nicht nur begeisterter Segler, sondern auch Liebhaber von „Countrymusic“. 1990 beschloss er deshalb dem 1. Vorarlberger Countryclub in Bregenz dem „HighLand-Cattle-

Persönlichkeiten

Albert Feuerstein

Country-Club“ beizutreten. Die Klubmitglieder lieben aber nicht nur Countrymusic und die Weiten und die Freiheit der Prärie. In ihrer Freizeit lassen sie die Kultur der nordamerikanischen Indianer und das Leben der Cowboys vergangener Tage in ihrem „Camp“ wieder aufleben. 1994 wurde Feuerstein zum Obmann gewählt. Unter seiner Führung wurden Kontakte zu Gleichgesinnten in Deutschland, Schweiz und Liechtenstein gesucht und Freundschaften geschlossen. Außerdem verstärkte er als neuer Obmann die sozialen Aktivitäten des Klubs.

Soziale Aktivitäten u Albert Feuerstein ist Mitglied des 1. Vorarlberger Countryclubs.

Jedes Jahr zur Adventzeit wird an den Bürgermeister der Gemeinde Kennelbach eine großzügige Geldspende für bedürftige Gemeindebürger übergeben. Oder eine Aktion für Kinder organisiert. Für eine Woche wurde zugunsten der Stadt Begrenz ein „Westerncamp“ aufgebaut. 50 Kinder durften dann ins Camp einziehen und wurden in dieser Woche rund um Uhr von den Klubmitgliedern betreut. Um die bösen Geister zu vertreiben, vollzog ein Medizinmann unter 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

den staunenden Kinderaugen seine Rituale. Behinderte Kinder haben die Möglichkeit direkt am Vereinsleben teilzunehmen. Vor fünf Jahren entschloss sich die Vereinsführung zudem für ein Kind der Lebenshilfe die Patenschaft zu übernehmen. Dieses Patenkind, Mario, wird seither zu allen Aktivitäten des Vereins eingeladen und betreut. Regelmäßig kann er so ein paar unbeschwerte Stunden inmitten der Westernhelden genießen.

Countryfest Der Klub hat auch Attraktionen und einen alten Brauch eingeführt. Als touristische Attraktion wird alljähr-

lich beim „Pavillon“ an den Seeanlagen der Stadt Bregenz ein Countryfest abgehalten. Auch der vorerst unbekannte steirische Brauch der „Osterfleischweihe“ wurde mit Zu-

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stimmung des zuständigen Pfarrers von Vereinsmitgliedern in der Gemeinde Kennelbach eingeführt. In der Zwischenzeit pilgert zur Freude des Pfarrers bereits ein Großteil der Gemeindebürger zur Fleischweihe in die Kirche. Seit 2006 ist Albert Ehrenobmann und Schriftführer des Westernclubs. Vor allem ist Flint stets der gute Geist, wenn Hilfe gebraucht wird. Neben all diesen Tätigkeiten nimmt das langjährig IPA- Mitglied seit 1972, wann immer es möglich ist, an zahlreichen IPA-Veranstaltungen teil. Peter Magg


Bettina Kainz und Holger Hanbauer

Der Sport bescherte ihnen schon einiges an Edelmetall: Die Judokas Bettina Kainz und Holger Hanbauer konnten bei Welt- und Europameisterschaften bereits Gold, Silber und Bronze einheimsen.

B

ettina Kainz, Jahrgang 1973, ist in Pamhagen, Bezirk Neusiedl/See aufgewachsen. Sie war nach ihrer Schulzeit als Sekretärin in der Postgeneraldirektion in Wien tätig. Im Jahre 1995 kam sie zur Gendarmerie und arbeitete unter anderem auch einige Jahre am meist frequentierten Grenzübergang Europas – in Nickelsdorf. Ihren Sport übt sie bereits seit 1994 aus und hat in all den Jahren an vielen nationalen und internationalen Bewerben teilgenommen. Großartige Erfolge bei Welt- bzw. Europameisterschaften errang sie im Duo-Sy-

u Die Freude des Erfolges – Bettina nach dem Gewinn der Goldmedaille.

stem mit zwei fünften und einem siebenten Platz. Bei den österreichischen Meisterschaften gewann sie in den Jahren 2002 und 2003 bis 63 kg bzw. bis 70 kg die Goldmedaille. Die internationalen Ungarischen Meisterschaften beendete sie bereits zweimal – 2006 und 2007 – als Siegerin.

Persönlichkeiten

Judokas auf höchstem Niveau

Judoeuropameisterin, Bronzemedaille bei EM und WM Den bisher größten Erfolg landete sie bei der Europameisterschaft 2005 in London mit dem Gewinn der Goldmedaille. Die Weltmeisterschaft 2006, ausgetragen in Frankreich verlief ebenfalls sehr erfolgreich. Obwohl sie zum ersten Mal an einem derartigen Bewerb teilgenommen hatte, belegte sie den dritten Platz. Den ersten Kampf konnte sie mit hauchdünnem Vorsprung nach Punkten für sich entscheiden. Dies war jedoch nur ein Ansporn auf dem Weg ins Finale, wobei sie den Einzug nur knapp verpasste. Eine weitere Bronzemedaille gewann sie im gleichen Jahr bei der Masters EM in Prag. Das Jahr 2007 verlief für Bettina sehr erfolgreich. In Sindelfingen (BRD) belegte sie bei der Weltmeisterschaft ebenfalls den dritten Platz. Bei der Landesmeisterschaft in JiuJitsu errang sie im Fighting-Bewerb die Goldmedaille.

u Holger – erfolgsverwöhntes Lächeln.

Holger Hanbauer, Jahrgang 1975, ist in Mattersburg aufgewachsen und begann seine Karriere im Jahre 1999 bei der Grenzgendarmerie. Seinen Dienst verrichtet er derzeit bei der Landesverkehrsabteilung Burgenland – Außenstelle Mattersburg. Als aktiver Sportler ist er für den Judoclub Wimpassing in der Bundesliga tätig.

Silber bei EM, achter Platz bei WM Der Name Hanbauer ist sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene ein Begriff. Viele Pokale

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Persönlichkeiten

zieren seine Sammlung. Der Gewinn der Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2005 war bis dato der Höhepunkt seiner Karriere. Beim ersten Kampf geriet er bereits zu Beginn in Rückstand, konnte aber kurz vor dem Ende mit einem Konterwurf den Kampf für sich entscheiden. Im Finale traf er dann auf den amtierenden Weltmeister aus Deutschland. Obwohl sein Gegner zu Beginn des Kampfes deutlich überlegen war, konnte er sich immer besser auf ihn einstellen und die Begegnung offen halten. In letzter Minute gab es einen Konter des Deutschen, der ihm den Sieg brachte. Bei der Weltmeisterschaft in Frankreich (2006) lief es für Holger nicht so gut. Als Neuling fehlte es ihm auch sichtlich an Routine. Nach einer Niederlage gegen einen Franzosen blieb ihm der Einzug ins Finale verwehrt. Dennoch belegte er den ausgezeichneten neunten Platz. Einen Erfolg gab es 2006 trotzdem. Bei der Masters-Europameisterschaft gewann er die Bronzemedaille. Im Jahre 2007 blieb Holger von Verletzungen verschont. Und prompt stellten sich weitere Erfolge ein. Er wurde in den Polizeileistungs-

u Garanten für Erfolge – Bettina Kainz und Holger Hanbauer. Foto: Zur Verfügung gestellt von Bettina Kainz und Holger Hanbauer

kader aufgenommen, wodurch er das Training intensivieren konnte. Bei 16 nationalen- und internationalen Meisterschaften ging er an den Start

und gewann 14 (!!) Medaillen. 2008 gab es weniger Wettkämpfe, dafür aber mehr erste Plätze. Bei den Turnieren in Udine, Tarcento (I) und Gossau (CH) stand er an oberster Stelle des Podestes, bei einem international hochkarätig besetzten Turnier in Zeltweg belegte er Platz zwei. Wir – die große Familie der IPA – gratulieren zu diesen ausgezeichneten Ergebnissen und hoffen, auch in Zukunft über Erfolge berichten zu können. Wolfgang Bachkönig

u Bettina bei einem erfolgreichen Wurf.

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50 Jahre IPA Österreichische

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Persönlichkeiten

Siegfried Hofstätter

Mit 50 ist Schluss Siegfried Hoffstätter vom LPK Oberösterreich macht nach seiner langjährigen erfolgreichen Sportlerkarriere mit 50 Jahren Schluss – sagt er.

S

eit Beginn der Olympischen Winterspiele 1924 gehört Langlaufen zum festen Bestandteil des olympischen Programms. Seit 1952 gibt es dort auch Wettbewerbe für Frauen. Als Weiterentwicklung des Halbschlittschuhschrittes setzte sich in den 80er Jahren das so genannte Skating durch. Im Wettkampf werden seitdem Wettbewerbe entweder im klassischen Stil, der parallelen Skiführung in einer gespurten Loipe oder im freien Stil, üblicherweise Skating, durchgeführt.

Zwölf Langlaufbewerbe Die FIS Weltcups, FIS Nordischen Skiweltmeisterschaften und Olympischen Winterspiele umfassen zwölf verschiedene Langlaufbewerbe. Die Damen laufen im Sprint, Mannschaftssprint, über 10 km Einzelstart, 15 km Verfolgungsrennen, 30 km Massenstart und in der 4x5 km Staffel. Die Herren laufen im Sprint, Mannschaftssprint, über 15 km Einzelstart, 30 km, 50 km Massenstart und in der 4x10 km Staffel. Im Kontinentalcup, bei FIS-Rennen, JuniorenWettkämpfen und auf nationaler

Ebene wird zudem in einer Vielfalt von anderen Distanzen gestartet.

In der Nationalmannschaft Der heute 47-jährige Hofstätter war bis 1987 in der ÖSV-Langlauf-Nationalmannschaft. Während dieser Zeit wurde er österreichischer Meister und mehrfacher Landesmeister über alle Distanzen. 1982 absolvierte er den Grundausbildungslehrgang für Leistungssportler in der Bundesgendarmerie in Mödling. Heute ist der Polizeibeamte im Fachbereich für Dienstsport und Sportangelegenheiten im Landespolizeikommando Oberösterreich zuständig. Der Oberösterreicher setzte seine Sportkarriere bei der Exekutive weiter fort und wurde österreichischer Exekutivmeister im Langlauf, Pistolenbiathlon und Halbmarathon. Auch bei internationalen Bewerben ließ der 47-Jährige die Konkurrenz stets hinter sich. Bei den „Police Wintergames“ 1998 in Kanada am Whistler Mountain und 2002 in Innsbruck konnte er jeweils den ersten Platz erlaufen. 2003 wurde er in Seefeld/Tirol im freien Stil über 45 km Senioren-

u Siegfried Hofstätter heimste bei der EM 2007 so manches Edelmetall ein. Fotos: Hofstätter

weltmeister und über 10 km konnte er die Bronzemedaille erlaufen.

Gold bei der EM Bei den Polizeieuropameisterschaften 2007 auf dem Großen Arber bei Deggendorf (D) konnte sich Hofstätter wieder gegen die Konkurrenz durchsetzen und gewann im 10 km Pistolenbiathlon Gold. Das war außerdem bei Polizeieuropameisterschaften der erste Titelgewinn für Österreich im nordischen Bereich. Zusätzlich gewann er noch zwei Silbermedaillen über 12,5 km und im Staffelbewerb. Wie geht es sportlich weiter? „Sport im besonderen der Langlaufsport hat mir immer Spaß gemacht. Ich werde noch bis zu meinem 50er weiterlaufen, dann ist aber endgültig Schluss mit der aktiven Sportkarriere.“ M.U.

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Josef Schmuck Persönlichkeiten

Von 3000 auf 0 Meter Mit der gleichen Leidenschaft, mit der er früher Höhlen erforschte, steuert Josef Schmuck heute Jachten über die Meere.

B

art, graue Haare, Pfeife, Steppweste, viel zu weite Jeans und die Ruhe selbst. So sieht der typische Segler aus. Einige dieser Attribute treffen auch auf Josef Schmuck zu. Der 54-jährige Polizeibeamte aus Schladming und Stellvertreter der Verbindungsstelle Liezen war vor wenigen Jahren noch ein begeisterter Höhlenforscher. Heute steuert er mit der gleichen Leidenschaft Jachten über die Meere.

schung und -erhaltung mehr Beruf als Hobby.“ Österreich ist reich an Höhlen. Jährlich werden in Österreich zur Freude der Wissenschaftler 300 bis 400 neue Höhlen entdeckt. Karstund Höhlenkunde sind eine Leidenschaft. Einerseits gibt es die Höhlenforscher, die sozusagen „touristisch“ tätig sind und die die Dokumentation von Höhlen, wie zum Beispiel das Vermessen und Fotografieren, zu ih-

Höhlenforschung und -erhaltung Sein Erstberuf als Elektriker verschlug den gebürtigen Deutschlandsberger Josef Schmuck in die Obersteiermark. Schließlich wurde er in Schladming ansässig und wollte sich als 29-Jähriger noch einmal beruflich verändern. „Eigentlich mit der allerletzten Chance wurde ich Gendarmeriebeamter. Nach meiner Ausbildung kam ich gleich nach Schladming. So lernte ich auch die Bergwelt kennen. Das Unbekannte hat mich schon immer interessiert. Bald entdeckte ich die Höhlen in meinem Umfeld. So wurde die Höhlenfor-

rem Hobby gemacht haben. Die kleinsten Höhlen sind oft nur ein paar Meter groß und verdienen wohl eher den Namen Hohlraum als „Höhle“. Männern wie Schmuck ist es zu verdanken, dass es gesicherte und begehbare Höhlen gibt. In Österreich existieren 27 öffentlich zugängliche Höhlen, sogenannte Schauhöhlen. Sie stellen nicht nur eine Attraktion und beliebte Ausflugsziele für interessierte Besucher dar, sondern sind gegebenermaßen ideale unterirdische Forschungslabors. Solche Höhlen gibt es natürlich auch in den Schladminger Tauern. Der einstige Abbau in diesem Gebiet von Silber-, Kupfer- und Bleierzen hat auch hier unterirdische Gänge hinterlassen.

Auf 3000 Metern

u Josef Schmuck: Vom Höhlenforscher zum Segler. Foto: Ulrich

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Bis zu seinem 45. Lebensjahr war Schmuck als staatlich geprüfter Höhlenführer und Höhlenretter immer auf 3000 Metern unterwegs. Massive Rückenprobleme zwangen ihn nach einer anderen unbekannten und körperschonenden Freizeitbeschäftigung Ausschau zu halten. Fast wie ge-


wünscht wurde in Schladming ein Bootsführerkurs angeboten. „Ich wusste gleich, das ist etwas für mich. Auf Anhieb meldeten sich 30 Interessierte, wovon letztendlich 13 übrig blieben, die nicht nur die Seeluft genießen wollten.“ Die theoretischen Grundbegriffe erlernten die neuen Kapitäne oder Skipper in der Schladminger Feuerwehrhalle. „Nun standen Sicherheit und Umgang mit dem Boot, allgemeine seemännische Aufgaben, einschließlich Pflege, Wartung und Verantwortung des Skippers, Navigation, Wetterkunde und Englisch auf dem Programm. Eigentlich nichts Unbekanntes für mich, weil mich die Schifffahrt schon von Kindesbeinen

an interessiert hat.“ Der erste Gang der Landratten war in den meisten Fällen mit Unsicherheit verbunden. Beinahe ängstlich stiegen die Neuen mit dem Gepäck über die Reling. Doch schon bald fühlten sie sich wohl wie ein Fisch im Wasser. Ganz nach Lust und Talent übernahmen sie die verschiedenen Aufgaben beim An- und Ablegen und auf See. Schnell waren die Kommandos für Segelsetzen, Wenden und Halsen selbstverständlich. Das größte Erlebnis ist für die meisten das Steuern. Einmal selbst hinter dem eineinhhalb Meter hohen Steuerrad zu stehen und den Weg durch Wasser und Wind in der eigenen Hand zu halten. Das ist eine Erfahrung für das Leben. 2002

u Traumhafte Sonnenuntergänge am Meer. Fotos: Schmuck

hatte Schmuck nach Theorie und Praxis den internationalen Bootsführerschein, der ihn berechtigte, über die Meere zu segeln. Hattest du schon eine stürmische See erlebt? „Ja, in der Adria, was ich fast für unmöglich gehalten habe. Mit 180 km/h pfiff der Wind gegen das Boot. In einer solchen Situation ist es wichtig, dass die Segel sofort eingeholt werden und die Angriffsfläche für den Wind so gering wie möglich ist. Weiters Ruhe bewahren und aufpassen, dass keiner über Bord gespült wird.“

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u Seit Schmuck und seine Frau den Bootsführerschein haben, veranstalten sie immer wieder einoder zweiwöchige Törns in der Adria und im Mittelmeer.

Selbsterfahrung, Sport und Spaß Seit Schmuck und seine Frau den Bootsführerschein haben, veranstalten sie immer wieder ein- oder zweiwöchige Törns in der Adria und im Mittelmeer. Wenn die Mannschaft dann am Ende einer Schiffsreise wieder zurück in den Hafen schippert, hat sich an Bord meist eine verschworene Gemeinschaft gebildet. Selbsterfahrung, Sport, Spaß und das Erlebnis mit den Naturgewalten zu leben prägen das Gruppenleben. Spätestens am letzten Abend wird bereits die nächste Ausfahrt geplant. Und dann werden die neuen Seeleute ganz bestimmt wie Piraten das nächste Schiff mit Josef Schmuck entern. Maximilian Ulrich

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u Ludwig Gottsbacher, Baujahr 1959, auf einem Fiat FL4, Baujahr 1960. Foto: Ludwig Gottsbacher

Persönlichkeiten

Ludwig Gottsbacher

Der Hüter der Unterwelt Wer Bergbaugeschichte erleben möchte, muss Ludwig Gottsbacher aus der Radmer treffen. Er ist Hüter der Unterwelt im Kupferschaubergwerk Radmer.

L

udwig Gottsbacher aus der Radmer hat nie Bergbau, Geologie oder Biologie studiert, trotzdem ist das Fachwissen des 49-Jährigen fast unerschöpflich und seine Ausführungen authentisch wie die eines Bergknappen. In seiner Freizeit tauscht er Uniform, Pistole und Handschellen gegen Bergmannskluft, Grubenlampe, Helm und Schlegel: Regelmäßig dringt er mit seinen Helfern vom Paradies in die Tiefen des „Paradeisstollens“ ein. Der Name Paradeisstollen kommt von Paradies und ist nach einem Schreibfehler im Mittelalter beibehalten worden. Bereits seit der Bronzezeit wurde in der Radmer Kupfer abgebaut, das

bestätigen Funde aus dieser Epoche. Die Blütezeit des Abbaues fand aber erst im 16.Jahrhundert statt. 1855 waren die Erzvorräte erschöpft, sodass der Abbau „heimgesagt“ und der Stollen zugeschüttet wurde. Der schlafende Stollen, beinahe

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zugewachsen, bewacht von einer Baumgruppe, weckte die Neugier des 20-jährigen Ludwig Gottsbacher. Der begeisterte Fotograf war mit seiner neuen Spiegelreflexkamera nach ungewöhnlichen Motiven unterwegs. Dabei stieß er auf das unscheinbare

u Ludwig Gottsbacher taucht regelmäßig in die Tiefen des Paradeisstollens ein. Foto: Maximilian Ulrich


Projekt Kupferschaubergwerk Radmer Erst 1994 interessierten sich auch der montanistische Verein und der Gemeinderat Radmer für den Stollen. Mit dem Besuch eines Hofrates vom österreichischen Bundesdenkmalamt und Überweisung einer finanziellen Unterstützung war das Projekt „Kupferschaubergwerk Radmer“ geboren. Nach der anfänglichen Euphorie stand harte Arbeit auf dem Programm. Insgesamt 14 berufstätige Männer der Gemeinde Radmer wagten sich an das Projekt und opferten ihre Freizeit. Zum Glück waren auch zwei Profis unter ihnen, ein pensionierter Bergmann und ein Sprengmeister. War das Voraussetzung genug, um das Projekt zu starten? „Naja, wir sind hier aufgewachsen und jeder hat einen Beruf erlernt. Jeder hat seine Erfahrung einfließen lassen, man

u Der Streckenvortrieb kurz vor der Sprengung.

u Ludwig Gottsbacher tauscht in seiner Freizeit Uniform, Pistole und Handschellen gegen Bergmannskluft, Grubenlampe, Helm und Schlegel. Foto: M. Ulrich

Geleise über den 300 Meter langen Zugang. Für die Besucher wurde diese Bahn später durch eine Personenzugsgarnitur ersetzt. Diese weltweit einzigartige Zugsgarnitur ist heute die kleinste Bahn Österreichs. Zuerst wurde dieser Zugang oder Erbstollen händisch mit Haspel, Kratze und Rutsche vom Material befreit. Der Erbstollen wurde ursprünglich zentimeterweise mit Hammer und Meißel in den Berg geschremmt. Das bedeutet, dass der Stollen in Handarbeit und ohne Sprengmittel in den Berg getrieben wurde.

Persönlichkeiten

Loch. Kopfüber kletterte er in den hüfttiefe Stollen und landete nach einer 180-Grad-Drehung im Wasser. Meter für Meter kroch er in den Stollen hinein. Dia für Dia entstand. Bald verfügte er über ein großes Archiv, das er auch seinen Mitbürgern zeigte.

Zugsgarnitur steigert sich mit den Anforderungen. Und „diplomierte Heimwerker“ waren wir alle. Nur Angst vor einem kaputten Kreuz oder ramponierten Knien darf´st nicht haben,“ erklärt Gottsbacher. Weil nur äußerst beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung standen, ließen die Männer Bergmannsarbeit wie vor 400 Jahren wieder aufleben. Um das insgesamt 2000 Tonnen umfassende Gesteinsmaterial nicht selbst aus dem Stollen tragen zu müssen, konstruierten die Männer eine Materialbahn und ein

F: Gottsb.

Danach konnte erst der Gleiskörper verlegt werden. Ein Plastiktrog aufgesetzt auf einem Eisenrahmen, darunter Rollen, diente als Waggon. Insgesamt bauten die Bergmänner 13 Waggons und eine Elektrokleinlok. Mit dieser Zugsgarnitur wurde das Gestein ins Freie transportiert. Meter für Meter arbeiteten sich die neuzeitlichen Bergknappen in den Berg. Obwohl sich das Bergwerk noch im guten Zustand befand, gab es immer wieder Gesteinseinbrüche. Neue Holzstützen, Türstöcke und Abdeckungen mussten errichtet und

u Der Sprengstoff wird mit Zündern versehen.

Foto: L. Gottsbacher

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Persönlichkeiten

Wasser abgepumpt werden. Bereits vier Jahre später konnten die Besucher das Bergwerk und die außergewöhnliche Leistung von Ludwig Gottsbacher und seinen Kumpeln bewundern. Zwei Jahre später musste jedoch das Schaubergwerk geschlossen werden. Nach dem Grubenunglück von Lassing im Jahr 2000 wurden die Vorschriften extrem verschärft. Weil das Schaubergwerk über keinen zweiten Zugang verfügte, konnte keine weitere Betreibsgenehmigung erteilt werden. Sollte die jahrelange Arbeit umsonst gewesen sein?

u Eine Führung in der acht Grad warmen Unterwelt mit Gottsbacher gleicht einer Zeitreise von den Anfängen bis zum Ende des steirischen Bergbaus. Foto: M. Ulrich

Neueröffnung Ans Aufgeben dachte keiner. Hartnäckig versuchte das Team einen Stollen zu finden, der nach oben führt. Meter für Meter wurde freigelegt, beinahe ohne Erfolg. Einen Erfolg konnten die Männer verbuchen. Durch diese Arbeiten wurden einige historisch bedeutende Gänge, die heute besichtigt werden können, frei-

gelegt. Ein Ausgang aus der Tiefe war nicht möglich, deshalb versuchten sie es von außen. Nachdem der Grundbesitzer Fürst Franz Hohenburg einer Grabung auf

u Insgesamt bauten die Bergmänner 13 Waggons und eine Elektrokleinlok. Foto: M. Ulrich 180

seinem Grundstück zugestimmt hatte, kauften sie eine kleine ausrangierte Schubraupe für 1000 Euro. In nur acht Monaten trieben Ludwig Gottsbacher und fünf Kollegen einen 115 Meter langen zweiten Zugangsstollen in den Berg. 2005 waren endlich alle Auflagen erfüllt und das Schaubergwerk wurde mit 500 Gästen und „Blechschaden“, einer der besten Bigbands Deutschlands, feierlich eröffnet. Eine Führung in der acht Grad warmen Unterwelt mit Gottsbacher gleicht einer Zeitreise von den Anfängen bis zum Ende des steirischen Bergbaus. Noch viel anderes könnte der Hüter der Unterwelt allen Interessierten über das Bergwerk und der einzigartigen Bergwelt rund um Radmer erzählen. Maximilian Ulrich


Karl Ertl

Persönlichkeiten

Polizeibeamter mit doppeltem Einsatz Sein Beruf und seine Berufung können unterschiedlicher nicht sein: Karl Ertl ist stellvertretender Kommandant des Polizeibezirkskommandos Hartberg und arbeitet auch als Diakon.

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s ist eine spannende Konstellation. Karl Ertl ist stellvertretender Kommandant des Polizeibezirkskommandos Hartberg. Er ist Waffenträger und muss, wenn es erforderlich ist, Gewalt anwenden, das ist sein Beruf. Der 59-jährige ist aber auch Diakon und das ist seine Berufung. Verträgt sich das? Schon als Kind war ihm die Kirche nicht fremd und so ministrierte er jeden Sonntag in der Hartberger Kirche. „Die Verbundenheit zur Kirche entstammt schon sehr früh meiner tiefen Überzeugung,“ erklärt Ertl. Später arbeitete er im Pfarrgemeinderat mit. Eines Tages fragte ihn Pfarrer August Janisch, ob er nicht das Amt eines Diakons übernehmen wolle. „Die Frage war zugleich auch meine Berufung.“ Nach einer theologischen Ausbildung und einer dreijährigen Begleitung wurde Karl Ertl am 07. November 1999 vom steirischen Bischof Johann Weber zum Diakon geweiht. In dieser Funktion übernahm er für mehrere Jahre den geistlichen Beistand der Beamten in der Steiermark. Die Konstellation Beruf und Berufung ist zwar nicht gewöhnlich, doch müssen sie sich nicht unbedingt aus-

schließen. Natürlich ist Ertl mit seinen Funktionen irgendwo ein Grenzgänger und es gibt durchaus Situationen, wo es gegensätzliche Antworten gibt. Diese Gegensätze ergeben sich vor allem bei Amtshandlungen mit Jugendlichen. Während er als Seelsorger mehrere Möglichkeiten hätte, muss er als Polizist eindeutig han-

u Karl Ertl ist stellvertretender Kommandant des Polizeibezirkskommandos Hartberg.

deln. Eine Entscheidung muss natürlich für Ertl rechtlich in Ordnung sein, aber sie soll noch immer menschlich bleiben. Es gibt aber auch Bereiche, in denen seine Überzeugungen nicht kollidieren. Dort wo Hilflosigkeit und Ratlosigkeit gegeben sind. Diese Situation findet er als Polizist des öfteren vor und hier kann er auch als Diakon einschreiten. „Viele Probleme, die früher von der Familie gelöst wurden, werden heute auf die Polizei übertragen. Manche Krisensituationen sind nur mit dem Halt im Glauben zu meistern.“

Krisenmanager

u Seit einem Jahr übt Karl Ertl die Polizeiseelsorge an der Seite des Dechants Mag. Peter Weberhofer (Bild) von der Pfarre Kroisach in Graz aus.

Aber auch Kollegen fragen ihn bewusst als Seelsorger, weil sie wissen, dass er ihre Lebenswirklichkeit kennt. Darin sieht er aber keine Mission, wohl aber ein Vorleben nach bestimmten Grundsätzen. Ertl ist nicht nur Krisenmanager sondern übt seine kirchliche Funktion vor allem

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bei der Taufe, bei Hochzeiten und Begräbnissen aus. „Zuerst habe ich die Kinder meiner Angehörigen getauft, später wurde der Kreis immer größer. Mindestens einhundert Kindern dürfte ich das Sakrament der Taufe gespendet haben. Manchmal wollen Brautpaare von mir getraut werden, was ich natürlich gerne mache. Oder die Verabschiedung eines Fußballtrainers auf seinem geliebten Sportplatz.“

Kraft aus der Familie Die Kraft für die Doppelbelastung, die für ihn keine ist, wie er sagt, schöpft er aus der Familie und dem Verständnis seiner Ehefrau, die ihm immer beisteht. Die schönen Momente in der Pfarrgemeinde und der Polizeiarbeit bestärken ihn, seine Funktionen auszuüben. Menschen menschlich zu helfen, als Polizeibe-

u Trauung des Ehepaares Franz und Martina Just in der Stadtpfarrkirche in Hartberg. Foto: Ertl

amter und Diakon, das ist zu seiner Berufung geworden. Seit einem Jahr übt Karl Ertl die Polizeiseelsorge an der Seite des De-

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chants Mag. Peter Weberhofer von Pfarre Kroisach in Graz, aus. Dieser wurde 2007 zum Polizeiseelsorger in der Steiermark ernannt. M. Ulrich


Willkommen im Club der Weinakademiker Leidenschaftlicher Hobbywinzer mit Diplom: Manfred Fiedler hat die Prüfung zum „Diploma in Wines and Spirits“ an der Weinakademie Rust erfolgreich abgelegt. Sein Diplom bestätigt, dass er den Titel „Weinakademiker“ führen darf.

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inen Akademiker eines nicht alltäglichen Berufszweiges hat die Landesgruppe Burgenland in ihren Reihen. Manfred Fiedler hat sämtliche Lehrgänge an der Weinakademie der Freistadt Rust besucht und die Prüfung zum „Diploma in Wines and Spirits“ erfolgreich abgelegt. Sein Diplom bestätigt, dass er den Titel „Weinakademiker“ führen darf.

Weinkultur auf höchstem Niveau Guten Wein haben bereits die Römer

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Manfred Fiedler

geschätzt, und daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. Österreich, aber vor allem das Burgenland ist durch sein pannonisches Klima für beste Qualität dieses edlen Rebensaftes weltweit bekannt. Manfred Fiedler hat als Überzeugung zwar den Beruf als Polizist gewählt, doch sein Herz gehört der Natur – er ist Hobbywinzer. Seine Weingärten liegen in den besten Rieden nahe der Freistadt Rust, eingebettet zwischen dem Westufer des Neusiedler Sees und dem Ausläufer des Ruster Hügellandes. Doch

u Stolz präsentiert Manfred Fiedler die reifen Trauben.

die Bearbeitung der Kulturen ist nur ein Teilbereich der Produktion. Die Kellerwirtschaft ist ebenso wichtig. Manfred versteht es, beides zu vereinen und qualitativ hochwertige „Tropfen“ zu erzeugen.

Praxis und Theorie vereinen u Man sieht, welche Freude ihm diese Auszeichnung bereitet.

Manfred Fiedler arbeitete schon als Kind in den Weinbergen und verfügt

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dadurch über eine jahrzehntelange praktische Erfahrung bei der Bearbeitung der Kulturen. Es kennt auch sämtliche „Geheimnisse“, die zur Erzeugung edelster Tropfen notwendig sind. Was fehlte, war ein fundiertes Detailwissen im theoretischen Bereich, weshalb er sich den Besuch der Weinakademie zur Pflicht machte. Manfred begann mit dem Basisseminar, setzte die Schulung mit dem Aufbauseminar 1 – Weinland Österreich – fort und schloss das Aufbauseminar 2 – Wines and Spirits International – mit der erfolgreichen Prüfung zum Weinakademiker ab.

Schloss Esterházy Zur feierlichen Überreichung des Ernennungsdekretes hat man ein ganz besonderes Ambiente gewählt. Die

„frisch gebackenen“ Akademiker wurden für den 16. November 2007 in das wohl berühmteste Gebäude des Burgenlandes, in das Schloss Esterházy nach Eisenstadt, geladen. Im Rahmen einer würdigen Feier erhielten sie im Haydnsaal die mit viel Fleiß erarbeitete, lang ersehnte Urkunde. Dabei mussten sie aber einen Eid ablegen, der sie verpflichtet, das hohe Niveau der Weinkultur in die Welt hinaus zu tragen und ein Leben lang für den Wein tätig zu sein. Kurze Biografie: Manfred Fiedler, Jahrgang 1963, wuchs in der Festspielgemeinde Mörbisch „zwischen dem Neusiedler See und den Weinbergen des Ruster Hügellandes auf.“ Seine Exekutivlaufbahn begann er als Praktikant im Jahre 1978 bei der

u Verkostung des Jungweines – ein guter Jahrgang, der Gesichtsausdruck zeigt´s. Wolfgang Bachkönig

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Fotos:

u Fiedlers Spezialitäten.

Bundespolizeidirektion Wien. Nur acht Jahre später wurde er über eigene Bitte nach Eisenstadt versetzt. Derzeit übt er die Funktion des Fachbereichsleiters Fachbereich PA 2 (Personalabteilung) beim Landespolizeikommando Burgenland aus. Manfred ist Vater von vier Kindern und mit seiner Familie in der Freistadt Rust wohnhaft. Welche Bedeutung für ihn die Natur hat, zeigt seine zweite „Leidenschaft“. Er ist nämlich noch passionierter Jäger. Für jedermann verständlich, dass kaum ein Tag vergeht, an dem er sich nicht in den Rieden rund um die Stadt Rust aufhält. Zur Freude seiner Angehörigen ist Manfred auch noch ein ausgezeichneter Koch, der zum kulinarischen Schmankerl eines Wildgerichtes den passenden Wein serviert – aus Eigenproduktion versteht sich. Der Weinakademiker – so darf sich Manfred Fiedler nun nennen – ist unter manfred-fiedler@aon.at erreichbar. Wolfgang Bachkönig


Richard Hollnthoner

Von seiner Leidenschaft, dem Filmen, profitieren auch die IPA-Mitglieder: Richard Hollnthoner produzierte nicht nur Filme von IPA-Reisen, sondern – als Highlight – auch vom Nationalen Kongress in Wien.

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ls Richard Hollthoner zu Traude, seiner Frau, im Jahre 1981 – damals noch im Polizei-Kommissariat Liesing tätig – sagte: „Du, bei der IPA Wien kommt ein Zauberer, komm und schau dir das an,“ war Traude sofort Feuer und Flamme und wurde im Anschluss bei der IPA Mitglied. Der erste Abend verlief zwar sehr lustig, aber sehr einsam und ohne Kontakte. Richard wollte nun auch einen Ausgleich. Nur Sitzen am Abend und Fernsehen war nicht das Richtige für ihn. Durch einen Bekannten, welcher eine Filmkamera hatte, wurde er mit dem „Virus“ Filmen angesteckt. Da er natürlich noch keine Ahnung vom Filmen hatte, besuchte er in der Urania einen Anfängerkurs, und danach konnte er nicht mehr von der Filmerei loslassen. Damals noch mit Super8. Der damalige Kursleiter war

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Ein Virus namens Filmen

u Richard Hollnthoner und seine Gattin Traude bei der IPA-Rumänienreise 2004. Unten: Hollnthoner mit der Kamera in Aktion.

Obmann eines Filmklubs, ein Ergebnis daraus war, dass er natürlich sofort bereit dem Filmklub beitrat. Nach mehrmaligen Übersiedlungen und Umbenennungen heißt der Filmklub jetzt „Filmklub Erdberg“. Richard meint, lustige Filmer werden gerne aufgenommen. Sein Wunsch ist und war es natürlich schöne Urlaubsfilme zu machen, die sich jeder gerne ansieht.

Filmen für die IPA Richards und Traudes nächster Kontakt mit der IPA LG war dann zirka im Jahr 2001 bei einer Fahrt nach

Tirol unter der Leitung Franz Skant. Der nach dieser Reise produzierte Film wurde von den Mitreisenden begeistert angenommen, und er freute sich so sehr, dass er sich weiterhin bemühte, interessante und schöne Filme zu gestalten. Dazu kamen Toskana 2002, Rumänien 2004, Ehrungen 2004, Schiffsreise 2004, Rumänien 2005, IPA Kongress 2005, Thailand-Kambodscha 2006, IndienDubai 2007, IPA Rad 2007, Oberösterreich 2008, und natürlich auch seine privaten Filme. Ein ganz großes Highlight in seiner filmerischen Tätigkeit war der

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Nationale Kongress in Wien. An allen drei Tagen vollster Einsatz mit bis zu drei Kameras (alle vom Filmklub). Wie es bei den Filmern üblich ist, folgt erst nach der Filmerei die meiste Arbeit. Bei dieser Veranstaltung wurden mit drei Kameras etwa neun Stunden Film aufgezeichnet. Die schwierige Arbeit war nun, daraus einen Film zu gestalten, den man sich auch ansehen kann. So entstanden ein Film von etwa 35 Minuten und ein langer mit etwa 60 Minuten Dauer. Ganz sicher ist, dass die IPA Wien noch länger für einen Filmer in ihren Reihen eine Verwendung hat. Weil Richard dieses Filmen besonders großen Spaß bereitet hat, hoffen wir, dass es ihm noch lange Zeit weiterhin dermaßen fasziniert und dass die IPA Landesgruppe Wien noch lange davon profitiert. Franz Führing

u Richard Hollnthoner mit D. Karreth.

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Fotos: Hollnthoner


Polizist, Musiker und Jäger Rudolf „Rudi“ Raimann ist ein Multitalent in allen Lebensbereichen. Er ist nicht nur „musikalisch in Bewegung“, sondern durchstreift auch als Jagdaufseher das Revier.

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udolf „Rudi“ Raimann kam im Jahre 1995 als Vertragsbediensteter des Grenzdienstes zur Polizei (Gendarmerie). Er ist 1969 geboren, in Siegendorf, Bezirk Eisenstadt, wohnhaft und gelernter Kellner. Nach dem Grundausbildungslehrgang verrichtete

u Rudi, ein „Urgestein“ der Musikkapelle des Landespolizeikommandos Burgenland.

Rudi seinen Dienst zunächst an der Grenzkontrollstelle Nickelsdorf, kam dann nach Klingenbach und wurde über eigene Bitte zur Logistikabteilung des Landespolizeikommandos Burgenland versetzt. Sein Aufgabengebiet umfasst u. a. allgemeine Angelegenheiten des Telefonwesens,

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Rudolf Raimann

Dokumentation, Systembetreuung und Rechnungsprüfung. Privat liegen seine Interessen im musikalischen Bereich, er ist sehr tierliebend und durchstreift mit seiner Münsterländerhündin als Jagdaufseher das Jagdrevier um seine Heimatgemeinde Siegendorf.

„Musik in Bewegung“

u Luna, die treue Münsterländerhündin, mit ihrem Herren in den Bergen.

Diesen Slogan hat Rudolf Raimann, der nie um eine Ausrede verlegen ist und als Stimmungskanone gilt, selbst geprägt. Dabei hat er den „berühmten Nagel“ im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf getroffen. Rudi, wie ihn seine Freunde nennen, ist ein begnadeter Musiker, der als Stabführer die Kapelle des Landespolizeikommandos durch die Straßen und Gassen der Städte und Dörfer des Burgenlandes geleitet. Als Musikmeister gilt er als „Mutter der Kompanie“ und ist mit nahezu allen organisatorischen Aufgaben des Orchesters wie Terminkoordinierung, Einberufung der Musiker/innen zu Proben und Auftritten, Beschaffung und

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Verwaltung der Instrumente sowie Verfassen der Chronik, um nur einige zu nennen, betraut. Privat ist er bereits seit mehr als 30 Jahren aktives Mitglied des Musikvereines Siegendorf und gilt im wahrsten Sinne des Wortes als „Urgestein“, das aufgrund seines außergewöhnlichen Organisationstalentes bereits seit Jahren in führender Position tätig ist. Rudi ist begeisterter Schlagwerker, der neben verschiedenen anderen Schlaginstrumenten meist die Pauken – sein Lieblingsinstrument – spielt. Seine musikalische Karriere begann 1989 bei der Militärmusik Burgenland, der er bis 1995 angehörte. Unter Professor Oberst Rudolf Schrumpf spielte er im großen Blasorchester, bei verschiedenen Ensembles, beim Tanzorchester bzw. der Big Band. Während dieser Zeit legte er am Joseph-Haydn Konservatorium in Eisenstadt die Prüfung zum Kapellmeister ab.

„Wild hegen und pflegen“ Das gilt als oberstes Gebot des Jägers Rudolf Raimann. Das Jagd-

u Polizeiwallfahrt in Mariazell – Rudi führt die Musikkapelle in die Basilika.

revier unmittelbar an der ungarischen Grenze könnte man als zweite Heimat jenes Mannes, der es wie kein anderer versteht, Dienst, Musik, Jagdausübung und Privatleben unter „einen Hut“ zu bringen, bezeichnen. Es ist eher Regel als Ausnahme, wenn sich Rudi bei Tagesanbruch bereits im Wald aufhält, als beeidetes Jagdaufsichtsorgan nach dem Rechten sieht, oder selbst im Hochsitz auf einen „Abschuss“ wartet. „Waidmanns Dank“ sind Worte,

u Umgeben von prominenten Musikern – Rudi mit den Stoakoglern. Fotos: zur Verfügung gestellt von Rudi Raimann

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die er von seinen Kollegen für seine Hilfsbereitschaft nur allzu oft hört. Sein besonderes Geschick erfasst nicht nur das Hegen, Pflegen, Erlegen oder Aufbrechen von Wild. Rudi wird nämlich bei Polizei, Musikkollegen und Jägerschaft als ausgezeichneter Koch geschätzt, der für die Zubereitung vieler kulinarischer Köstlichkeiten bekannt ist. „Schmankerl“ nach Rudis Art, wie er selbst zu sagen pflegt, haben seinen Freunden so manche Gaumenfreude bereitet. Besonders zu schätzen wissen dies die Besucher des jährlich stattfindenden Musikfestes in Siegendorf, wo Wildgulasch nach Rudis Art zu den begehrtesten Speisen zählt. Freizeit gibt es im Leben des Rudi Raimann – sollte man kaum für möglich halten – auch noch. Und diese widmet er seiner Gattin Elke, die für seine Hobbys nicht nur vollstes Verständnis hat, sondern diese auch mit ihm teilt. Wolfgang Bachkönig


Heribert Heger

Das Treffen mit Heribert Karl Heger findet nicht zufällig am Flughafen Graz Thalerhof statt. Wenn der 46-jährige Polizeibeamte nicht gerade einen Unfall aufnimmt oder vor seiner Staffelei sitzt, dann pilotiert er einen Learjet.

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eit mehr als 20 Jahren ist Heribert Heger bei der Autobahnpolizeiinspektion Bruck an der Mur. Er stammt aus einer künstlerischen Familie. Daher ist es nicht Zufall, dass er schon in jungen Jahren Bleifstift-, Kohle- und Farbstiftzeichnungen anfertigte. Schließlich wandte er sich der Aquarell- und Ölbildmalerei zu. Seine ersten Motive waren Landschaftsbilder und Stilleben. Er studierte vor allem Werke von Van Gogh. Ohne den Expressionisten zu kopieren, versuchte er sich in dessen Technik, des schnellen, spontanen und dicken Farbauftrags. Diese Technik verleiht dem Gemälde eine starke Lebendigkeit und Intensität. So wie jeder Maler war auch Heger auf der Suche nach seinem eigenen „Strich“. Der Strich, der ihn auszeichnet und ihn als Künstler erkennbar macht. Seine Bilder, sagt er, sind auch ein Stimmungsbarometer. Er muss seine Ein-

derheit seiner Arbeiten ist es, dass sie namenlos sind. „Ich will den Betrachter provozieren, emotionalisieren und ihm bewusst ein Fragezeichen vorsetzen. Er soll sich mit dem Bild auseinandersetzen und seinen eigenen Zugang finden.“

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Nicht auf der Stelle treten

Studienreisen

u Heribert Karl Heger arbeitet bei der Autobahnpolizeiinspektion Bruck/Mur.

drücke, die sich in seinem Kopf ansammeln, aufarbeiten. Seinem Leitspruch folgend, nicht auf der Stelle zu treten, wandte er sich von der Landschaftsmalerei ab und konzentrierte sich auf Porträts. Bereits als 25-Jähriger hatte Heger in Bruck an der Mur seine erste öffentliche Ausstellung. Seine Arbeiten erregten spontan öffentliches Interesse, sodass er von Beginn an als Künstler anerkannt war. Eine Beson-

Heger ist immer auf der Suche nach Neuem, so unternahm er Studienreisen nach Kanada, Thailand und Indonesien und verwendete in seinen Werken Holz, Metall und andere feste Werkstoffe. In Verbindung mit Acrylpaste und Lacken stellte er dreidimensionale Collagearbeiten her. Die Arbeiten der letzten Jahre sind sehr stark von der zeitgenössischen Moderne geprägt, abstrakt und in der gleichen Linienführung gefertigt.

Fliegen als Leidenschaft Seine zweite Leidenschaft ist das Fliegen. Schon als 20-Jähriger wollte Heger Pilot werden, was aber vorerst an den enormen Ausbildungskosten scheiterte. Zwanzig Jahre später erfüllte er sich den Traum vom Arbeitsplatz im Cockpit. Heute ist er neben seinem Hauptberuf als Polizeibeamter Pilot auf Abruf und gleichzeitig auch Fluglehrer am Flughafen Graz Thalerhof. Maximilian Ulrich

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Johann Dick

Ein Leben für die Uniform – k.u.k. Kriegsmarine Seine maritime Leidenschaft füllt ganze Räume: Johann Dick sammelt alles, was mit der k.u.k. Kriegsmarine zusammenhängt.

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er Obmann des Salzburger Kaiserschützenbundes ist nicht nur Exekutivbeamter (Dienststelle: LPK Salzburg, LVA, Radar), sondern auch Mitglied der Marinekameradschaft Salzburg. Er sammelt alles, was er im Zusammenhang mit der k.u.k. Kriegsmarine findet. Seine Sammelleidenschaft und seine Zugehörigkeit zu diesen Bünden entsprangen in der Zeit, als er als junger Probegendarm im Jahr 1972, dem Schulposten Strobl am Wolfgangsee zugeteilt wurde. Hier war es immer wieder erforderlich, mit Motorbooten auszufahren und schließlich Dienst als Motorbootführer zu versehen. Auch seine

u Johann Dick

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Zugehörigkeit zur freiwilligen Feuerwehr, bei der er ebenfalls Ausbildungen zu Wasser genoss, förderte seine maritime Leidenschaft. So kam es, dass er seine Liebe zur k. u. k. Kriegsmarine entdeckte und in diesem Zusammenhang alles zusammentrug und sammelte. Vom kleinsten Kleinod über Postkarten, Poststempel, Briefe, Marinebefehle, Dienstzettel, Urkunden, Fahndungen nach desertierten Matrosen oder Urlaubsscheine, Ausrüstungsgegenstände, Mützenbänder, Säbel, Degen, Orden und Uniformen, bis zum schweren Schiffsanker mit Ankerkette findet sich alles in seinem Gewahrsam. Seine Sammlung ist derart umfang-


Persönlichkeiten

u Feldpostbrief eines k. u. k. Bootsmaats der S.M.S. „Erzherzog Friedrich“ vom k. u. k. Marinefeldpostamt in Pola nach Aigen-Salzburg.

reich, dass er sie wegen Platzmangels von zu Hause auslagern und in angemieteten Räumen unterbringen musste. Viel Zeit verbringt Hans Dick auch damit, sich mit seinen Vereinskameraden zu treffen, Brauchtum und Kultur hochzuhalten und insbesondere den Helden der k.u.k. Kriegsmarine ein ehrendes Gedenken zu bereiten. Dietmar Weissmann

u L. und r.: Marine-Seeoffiziers-Uniformen mit k.u.k. Offiziers-Orden und Feldbinde. Mitte: Uniform eines Marine-Beamten der Technik mit Offiziers-Orden u. Zweispitz-Hut

u Weiße Marine-Offiziers-Uniform mit Marine-Säbel samt Gehänge (Portepee) Das Portepee (frz. porte-épée = Degentrage, Degengehenk) war ursprünglich eine um Griff und Bügel einer Hiebwaffe und das Handgelenk des Kämpfers geschlungene Schlaufe, die das Herabfallen der Waffe im Kampf verhindern sollte. Später entwickelte sich daraus ein Standesabzeichen für Offiziere und Feldwebel. Der Griff des Säbels stellt den Kopf des Meeresgottes Neptun dar. u Offener Befehl (Reiseauftrag) eines 18jährigen k. u. k. Seeaspiranten S.M.S „Tegetthoff“ von Pola nach Zelenika zwecks Einschiffung vom 18. März 1917.

u Große silberne Tapferkeitsmedaillen (Kaiser Karl I. und Kaiser Franz Josef), SMS-Mützenbänder (Die Abkürzung S.M.S. bzw. SMS stand für „Seiner Majestät Schiff“ und wurde in der deutschen Kaiserlichen Marine bzw. in der k. u. k. Marine Österreich-Ungarns dem Schiffsnamen vorangestellt.) Im Bild rechts: Matrosenuniform der k. u. k. Kriegsmarine.

u Von oben beginnend: Marine-Zweispitz-Hut für höhere Marine Beamte Entersäbel, Matrosenmütze, Degen eines Marine Beamten, rechts die Eupalette eines Fähnrichs. Die Sammlerstücke sind auf einer k.u.k. Marine-Kriegsflagge abgelegt.

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u Bild oben: Man sieht, dass Mario das Fahrzeug in jeder Situation beherrscht.

u Links: Wieder ein Rennen gewonnen. Fotos: zur Verfügung gestellt von Mario Kremener

Mario Kremener

Leidenschaft Autorennen

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on Berufs wegen hat er darauf zu achten, dass sich Autofahrer an die vorgegebenen Geschwindigkeiten halten und keine Verkehrsunfälle verursachen. Privat liebt er schnelle Autos, bewegt sich auf der Rennstrecke stets am Limit und „räumt“ bei Bedarf auch Konkurrenten auf der Fahrt zum Sieg aus dem Weg. Mario wollte in jungen Jahren eigentlich Fußballer werden. Aufgrund einer Verletzung musste er die Schuhe an den „berühmten Nagel“ hängen. Da er sich schon als Kind für Motorsport interessierte, fiel ihm diese Entscheidung nicht besonders schwer. Seit 1990 bestreitet er Rennen in der Crash-Staatsmeisterschaft, wo er bereits zwei Staats- und zehn Vizestaatsmeistertitel errungen hat. Im Mai 2007 ging er erstmalig bei einer Berg-Rallye an den Start. Auch dort hat er bereits seine Klasse unter Beweis gestellt und die

Konkurrenz klar hinter sich gelassen.

Quer durch die Kurve zum Sieg Im steirischen Kitzeck gewann er als krasser Außenseiter ein mit einigen internationalen Stars besetztes Rennen – auch ein schwerer Fehler im dritten Wertungslauf hatte ihn daran nicht hindern können. Bereits im ersten Durchgang war er die schnellste Zeit gefahren, nahm für den zweiten eine weitere Verbesserung an seinem Fahrzeug vor, sodass er wieder „die Nase vorne“ hatte. Im dritten Lauf konnte er sich jetzt nur mehr selbst besiegen – und fast wäre es passiert. Durch die hohen Asphalttemperaturen von plus 40 Grad verloren seine Reifen an Grip, wodurch er in der letzten Kurve fast „abgeflogen“ wäre. Das Heck kam nach vorne und „ab ging die Post“. Mit 110 km/h und quer stehendem Wagen in die „Keh-

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re“. Gerade noch gut gegangen – denn der Vorsprung aus beiden Durchgängen reichte aus, um seine Konkurrenten mit sechs Sekunden doch recht deutlich hinter sich zu lassen. Mario hat sein Talent wieder einmal unter Beweis gestellt. Sollte er das nötige Material zur Verfügung haben, so wird dies nicht der letzte bedeutende Sieg gewesen sein. Wir – die große Familie der IPA – würden uns freuen, an seinen Erfolgen auch in Zukunft teilhaben zu dürfen. Kurze Biographie: Mario Kremener, Jahrgang 1970, Polizeibeamter seit 1991, fährt seit 1990 Autorennen, begann seine Karriere im Auto-Crash, fuhr bereits mehrere Rennen im Rally-Cross; seit 2007 hat er sich auf den Bergrallycup spezialisiert; Lebensgefährtin Verena begleitet ihn mit den beiden Kindern Nina und Pia zu jedem Rennen. Wolfgang Bachkönig


Johannes Gosch

Mag. Johannes Gosch ist Vizeweltmeister im Rückwärtslaufen oder Retrorunning, Buchautor und Sportwissenschaftler.

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as Leben ist nicht linear und ein ausschließlich nach vorne orientierter Prozess. Vorwärts und rückwärts ist wie einatmen und ausatmen,“ erklärt Mag. Johannes Gosch, bei dem vieles rückwärts läuft. Bereits als 12-Jähriger war Johannes Gosch begeisterter Läufer. Zuerst lief er allen Konkurrenten hinterher. Vom Ehrgeiz beflügelt lief er bald allen davon. Beim Kraftsport, den er zwischenzeitlich betrieb, erwachte sein alter Kindheitstraum Naturforscher zu werden.

sen Christian Grolle, der bereits vor 26 Jahren die Idee hatte. Rückwärtslaufen oder -gehen schont vor allem die Knie, stärkt die Wirbelsäule, regt die rechte Gehirnhälfte an, fördert die Konzentration, den Gleichgewichtssinn und erhöht den Kalorienverbrauch. Das ist nur ein Teil der positiven Auswirkungen. In Deutschland, Amerika oder Italien ist der Rückwärtslauf schon länger bekannt,

rückwärts. Als er schließlich auch an Laufbewerben mitmachen wollte, wurde er als Rückwärtsläufer kopfschüttelnd als Spinner abgelehnt.

Persönlichkeiten

Ein Leben im Rückwärtslauf

u Johannes Gosch errang 2006 in der Schweizde n Vizeweltmeister­ titel. Foto: Gosch

Bewegungsabläufe Aber nicht die Erforschung der Natur, sondern die Bewegungsabläufe des menschlichen Körpers hatten es ihm angetan. Nach dem Abschluss seines Studiums der Sportwissenschaften beschäftige er sich mit allen Arten von menschlicher Bewegung. „Erst jetzt wurde mir bewusst, welche negative Auswirkungen die zunehmende Vorwärtsbeschleunigung für uns alle hat. Nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch beim Sport. Ich begann mit Bewegung zu experimentieren, um meinen Körper positiv zu beeinflussen.“ Johann Gosch, bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls Vorwärtsläufer, zog die Notbremse und wurde zum Rückwärtsläufer. War ein neuer Trendlauf geboren? Nein. Bei seinen Recherchen stieß er auf den Franzo-

nicht aber in Österreich. Gosch hatte alle seine Erfahrung zum Thema Laufen gesammelt und aufgezeichnet. 2002 hatte er sein Wissen in einem Buch „KreativLAUFen“ zusammengefasst und in einer ersten nichtlimitierten Auflage im Eigenverlag herausgegeben. Nach ersten Versuchen über 100 Meter lief Gosch bald die zehnfache Distanz ohne Probleme 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Seinen ersten Lauf und Durchbruch schaffte er beim Silvesterlauf 2002 in Graz über eine Strecke von fünf Kilometern. Wegen des bevorstehenden Ereignisses „Graz als Kulturhauptstadt Europas 2003“ war das Medieninteresse bei diesem Lauf sehr groß. Gosch sah seine Chance und nahm mit der Aufschrift „Erster Verkehrtläufer Österreichs,“ am Lauf teil. Tatsächlich schrieben die Printmedien und berichteten Fernsehsender über ihn. Der Rückwärtslauf in Österreich war geboren. Nach diesem Erfolg wollte Gosch als Erster eine Marathonstrecke rückwärts laufen und meldete sich zum „Welschmarathonlauf“, ein Bergmarathon in der Südsteiermark mit 1440 Metern Höhenunterschied, an. Sofort begann er mit dem Training, nur knapp fünf Monate hatte er Zeit. Nach erfolgreichen Fünf- und Zehnkilometer-Läufen kam beim ersten Halbmarathon in Graz ganz plötzlich der Einbruch. Nach 17 Kilometern verlor Gosch plötzlich die Koordination und konnte weder laufen noch gehen. Nach einer kurzen Schock- und Erholungsphase beendete er den Lauf nach zweieinhalb Stunden. Der Schock saß tief. Der

Gesicht schauen kannst.“ Plötzlich passierte es. Gosch stürzte über einen weggeworfenen Becher und konnte sich nur mit Mühe wieder erheben. Sein Rhythmus war unterbrochen. Daher überwand er die Schlüsselstelle des Laufes, eine 800 Meter lange Strecke mit zwanzig Prozent Steigung, nur rückwärts gehend. Trotz schwerer Beine erreichte er mit seinem Freund das Ziel in St. Ulrich in Greith nach fünf Stunden und 54 Minuten. Für diese Leistung gab es zusätzlich eine Eintragung ins Guiness Buch der Rekorde. Eine Sensation und die Zuschauer seiner Heimatstadt jubelten. u Johannes Gosch machte den Rück­ wärtslauf bekannt. Fotos: Ulrich, Gosch

Körper hatte beinahe auf einer geraden Halbmarathonstrecke versagt. Nur mehr vier Wochen Zeit bis zum Bergmarathonlauf. Ein Start schien fast unmöglich.

„Mit meinem Kopf ist alles möglich“ Auch sein Freund, ein Leistungsdiagnostiker, riet ihm ab. Goschs Antwort: „Mit meinem Kopf ist alles möglich.“ Mit Unterstützung seines Freundes trainierte er weiter. Gosch rückwärts und sein Freund vorwärts. Dieser war noch nie einen Marathon gelaufen. Beim Marathonlauf selbst gab es für Gosch nur eine Ausnahme. Er durfte eine Stunde früher starten, weil er mit den Vorwärtsläufern gemeinsam über die Ziellinie laufen wollte. Der Marathonlauf verlief bis Kilometer 30 ohne Probleme. Gosch erlebte den Start der Halbmarathonläufer. „Ein unglaubliches Gefühl wenn du 2000 Läufern beim Laufen ins

50 Jahre IPA Österreichische Sektion &

1. Meisterschaft in Weiz Im Jahr 2004 initiierte Gosch in Weiz die erste Rückwärtslaufmeisterschaft Österreichs. An dieser Meisterschaft nahmen der beste deutsche Rückwärtsläufer und weltbeste Treppenläufer, Thomas Dold, und der bekannte Franzose Christian Grolle teil. Nach Treppenlauf, Kanallauf, Crosslauf und 24-Stunden-Lauf, alles rückwärts, fehlte nun ein Weltmeisterschaftslauf. Die erste Weltmeisterschaft im Rückwärtslaufen fand 2006 in Rotkreuz in der Zentralschweiz statt. 60 Athleten aus aller Welt gingen beim 400 Meter Lauf an den Start. Trotz starker Konkurrenz konnte Johannes Gosch hinter Thomas Dold den Vizeweltmeistertitel erringen.

Herausforderungen Gibt es noch Herausforderungen? „Ja. Ich habe noch ein paar außergewöhnliche Läufe im Kopf, diese möchte ich jetzt aber noch nicht verraten.“ Übrigens, wenn Sie ein amtliches Schreiben vom Finanzamt der Stadt Graz bekommen, auf dem die Unterschrift verkehrt ist, dahinter steckt die Person Johannes Gosch. Maximilian Ulrich

Landesgruppe Steiermark


Alfred Sach

Das Organisationstalent Alfred Sach bringt viele Bereiche unter einen Hut: Der Polizist ist nicht nur begeisterter Weinbauer, sondern auch Hobbykoch und Sportler.

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er „Wahlburgenländer“ aus der Steiermark gilt unter seinen Freunden als wahres Organisationstalent. Durch seine minutiöse Zeiteinteilung schafft Alfred Sach es, Polizeidienst, Weinbauer, Sport und Hobbykoch unter „einen Hut“ zu bringen und dennoch Zeit für

Persönlichkeiten

Steirische Wurzeln in der Uhudlerregion u Sein Gesichtsausdruck zeigt, dass wieder ein guter Tropfen gereift ist.

seine Familie zu finden. Ein besonderes Anliegen ist ihm auch sein „zweites Zuhause“, nämlich die IPA. Einfaches Mitglied seit mehr als 30 Jahren, mehrere Jahre Stellvertreter des Landesgruppenobmannes Burgenland, sechs Jahre Rechnungsprüfer der Sektion Österreich und seit

u Viel Grün und blühende Blumen – Gattin Edith im Garten vor dem Hau­ se Sach.

1993 Kontaktstellenleiter der überaus aktiven Kontaktstelle Jennersdorf.

Uhudler – Fredis Spezialität Fredi erlernte den Beruf Koch-Kellner und hatte schon während seiner Lehrzeit einen äußerst ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Als er die Ausbeutung der Lehrlinge nicht nur auf-, sondern auch anzeigte, zog er sich den Unmut seines Arbeitgebers zu. Die logische Folge war ein Lehrstellenwechsel. Doch Sach ging seinen Weg unbeirrt weiter, machte seine Lehrabschlussprüfung und arbeitete über mehrere Jahre in Spitzenrestaurants. Dass gutes Essen erst durch den dazu passenden Wein die nötige Gaumenfreude bereitet, war und ist für den gelernten Koch eine Selbstverständlichkeit. „Kommissar Zufall“ half ihm, dieses „Menü“ zu vervollständigen, denn sein Schwieger-

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u Damit hat sich Alfred Sach einen Kindheitstraum erfüllt. Fotos: zur Ver­ fügung gestellt von Alfred Sach

Persönlichkeiten

vater war Landwirt, der hervorragenden Uhudler kelterte. Fredi lernte die Vorzüge dieses edlen Tropfens zu schätzen und eignete sich Grundkenntnisse des Weinbaues an. „Ich war vom Weinbau so sehr fasziniert, dass mein Schwiegervater manchmal den Verdacht hegte, dass ich ihn wegen des Weines und nicht wegen seiner Tochter besuchen würde“, so Fredi Sach mit lakonischer Miene. Doch es blieb beim Verdacht, denn er ist mit Edith seit 30 Jahren glücklich verheiratet.

Vom „Heckenklescher zum edlen Tropfen Mit den Jahren stieg das Interesse am Weinbau, Alfred bildete sich besonders in Stockpflege und Kellertechnik weiter und machte aus dem einst verbotenen „Heckenklescher“ eine wahre Rarität, die heute meist noch vor der nächsten Ernte ausverkauft ist. Im ungarischen Magyarlak (sieben Kilometer von der Grenze entfernt) besitzt er einen Weingarten mit einem „IPAWeinkeller“, wo es jährlich eine Weinverkostung mit Prämierung gibt.

Fredis Uhudler hat dort bereits zwei Goldmedaillen gewonnen.

Uhudler ist U-ring H-errlich U-nvergleichlich D-uftend L-ebensfroh E-hrlich R-esch Die Lehre als Koch-Kellner hat bei Fredi Spuren hinterlassen. Er kocht noch immer leidenschaftlich gerne und mit viel Experimentierfreude. Kochbücher sind für ihn nur eine Leitlinie. „Richtig gut macht das Gericht nur die individuelle Note – manchmal zum Leidwesen meiner Familie und Gäste“, verriet mir der „Koch Sach“. Bei IPA-Festen sowie vielen anderen Veranstaltungen ist er meist für die Gulaschkanone verantwortlich. Glühwein und Erdbeerbowle sind ebenfalls eine begehrte Spezialität. Rezept à la Sach: „Uhudlerglühwein und gebratene Kastanien, oder – vor allem in der warmen Jahreszeit gerne getrunken – Erdbeerbowle, angesetzt mit – natürlich – Uhudler.“

Verbunden mit der Natur u Fredis Speziali­ tät.

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Aufgewachsen in den Bergen der Oststeiermark, fuhr er als Kind mit der Rodel oder mit „Eschenbretteln“

zur Schule. Dadurch wurde der Weg von 45 auf 15 Minuten verkürzt. Der Heimweg dauerte aber manchmal drei Stunden, da es oft Slalomtraining gab – zum Leidwesen der wartenden Mutter. Fredi blieb dem Schisport treu, trat nach seiner Übersiedlung in Burgenland dem Schi- und Snowboardclub Rudersdorf bei und führte diesen 15 Jahre als Obmann. Derzeit übt er die Funktion des Wander- und Langlaufreferenten aus. Ein von ihm jährlich um den 8. Dezember veranstaltetes Schi- und Snowboard-Opening erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit. Alfred Sach, Jahrgang 1953, verheiratet mit Edith und stolzer Vater zweier erwachsener Kinder. Da auch seine Gattin die Natur liebt, sind beide gerne im Hügelland des Südburgenlandes unterwegs. Doch nicht zu Fuß, denn Fredi erfüllte sich vor einem Jahr einen Jugendtraum. Er erwarb einen englischen Roadster der Marke Morgan und fährt mit Edith durch die Gegend. Zur Polizei kam Alfred Sach im Jahre 1973. Nach sechs Jahren bei der Bundespolizeidirektion Wien wurde er zum Gendarmerieposten Mogersdorf, Bezirk Jennersdorf, versetzt. Er war von 1990 bis 2003 (Schließung) Kommandant des Postens in Rudersdorf. Derzeit übt er die Funktion des Dienstsstellenkommandanten in Königsdorf aus. Wolfgang Bachkönig


Margarete Reith

Persönlichkeiten

Ein Leichtgewicht läuft von Erfolg zu Erfolg Margarete Reith ist ein Beispiel dafür, dass Laufen Spaß machen kann und Siege auch ohne Schinderei möglich sind. u Margarete Reith.

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nzählige Läufer und Läuferinnen quälen sich wochenlang bis zum Startschuss. Unter dem Beifall der Zuschauer laufen sie los. Marathon, Halbmarathon, Cross- und Berglauf oder wie die Läufe alle heißen. Sie laufen, gleichgültig wann und in welchem Zustand sie das Ziel erreichen. Sie brauchen den Kick und die ständig quälenden Fragen: Werde ich meine Zeit verbessern? Habe ich genug trainiert? Wie wird das Wetter? Margarete Reith ist ein Beispiel dafür, dass Laufen Spaß machen kann und Siege auch ohne Schinderei möglich sind. Sport war für die 45-jährige Margarete Reith nie ein Fremdwort. Der Ehrgeiz, eine sportliche Karriere zu starten, war trotz ihrer genetischen Anlagen nie vorhanden. Auch als sie zur Bundespolizeidirektion Leoben kam, war es vorerst nicht anders. Ihre erste sportliche Leistung war, dass sie bei den Laufbewerben des Polizeisportverein Leoben die Zeitnehmung und die Erstellung der Ergebnislisten übernahm.

u Eine tolle Erfahrung: der 24­Stunden­ Lauf am Klopeinersee. Foto: Reith

Nach fünf Jahren hatte Reith aber genug und wollte selber mitlaufen. Mit einem „bisserl“ vorbereiten meinte sie ein vierzehntägiges lockeres Lauftraining vor einem Wettkampf. Das war für die fröhliche und herzliche Obersteirerin genug Trai-

Foto: Ulrich

ning, um am Wettkampf teilzunehmen. Erfolge? Zweimal absolut Letzte und keine Aussicht auf einen Spitzenplatz. „Eigentlich hatte ich damit kein Problem. Es war aber unbefriedigend.“ Nach drei Jahren Mittelmäßigkeit beschloss Reith, regelmäßig und mehr als zwei Wochen zu trainieren. Obwohl sie nur unwesentlich mehr trainierte, war sie bald erfolgreich. Nun packte sie doch der Ehrgeiz. Sie durchforstete zielstrebig die Teilnehmerlisten. Gewissenhaft bereitete sie sich auf die Wettkämpfe vor und versuchte, ihre Zeiten zu verbessern. Reith verhehlt nicht, dass Erfolge durchaus süchtig machen können. Es sind jene Glückgefühle, die auch die Laufpäpste propagieren.

Spaßfaktor Laufen Hast du zusätzlich auf die richtige Ernährung geachtet und dein Leben nach den Wettkämpfen ausgerichtet? „Nein, absolut nicht. Laufen war für mich immer ein absoluter Spaßfaktor. Ein weiterer Grund waren die

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Persönlichkeiten

Laufgemeinschaften, die sich bald bildeten und genau so viel Spaß am Laufsport hatten. Natürlich hätte ich wesentlich mehr erreichen können. Ich wollte aber nie so weit gehen.“ Für ihren Bruder und langjährigen Laufpartner Franz ist es mehr als Spaß. Angeregt durch seine Schwester entwickelte er sich bald zum Profisportler und ist heute ein äußerst erfolgreicher Bergläufer. Den Erfolg verdankt Reith, wie sie selber sagt, vor allem ihrer körperlichen Statur. „Mit wenig Gewicht läufst einfach leichter.“ Bei einem Gewicht von weit unter 50 Kilogramm musste sie nicht überflüssiges Gewicht abbauen, sondern konnte sich ausschließlich auf Technik und Ausdauer konzentrieren.

Steirischer Cup Einige Jahre ließ sie sich aber doch dazu hinreißen, am steirischen Cup teilzunehmen und war mehr als nur Hobbyläuferin. Sie bestritt Sommerund Winterläufe. Während dieser intensiven Zeit ließ sie das Training völlig aus und begnügte sich zwischendurch mit Auflockerungsläufen. Regelmäßige und intensive Wettkämpfe sind genug, um in Form zu bleiben, protestiert sie und bezeichnet sich gleichzeitig als äußerst „schlampige Trainiererin“. Ein Lauftraining pro Woche und drei Einheiten vor einem Wettkampf sind für sie ausreichend, um erfolgreich zu sein. Bald waren ihr die ständigen Wettkämpfe doch zu „stressig“ und so beschränkte sie sich auf ausgewählte Läufe. Obwohl Reith drei Mal steirische Meisterin im 5000 Meter Lauf und ein Mal im 10.000 Meter Lauf wurde, sowie zahlreiche Podestplätze im Berg-, Cross- und Straßenlauf errang und vier Mal zur besten Sportlerin des Jahres gewählt wurde, möchte sie nicht als Profi, sondern als Hobbyläuferin bezeichnet werden. Warum? „Ich laufe aus Spaß und Freude und

u Stolze Bilanz: Stei­ rische Meisterin im 5000­ und 10.000­Me­ ter­Lauf sowie zahlrei­ che Stockerlplätze. Foto: Reith

so möchte ich es auch beibehalten. Profis trainieren bis zu 100 Kilometer pro Woche, ich gerade ein Zehntel.“

24-Stunden-Lauf Reith hat auch an außergewöhnlichen Laufbewerben teilgenommen, z. B. mit einem gemischten Team an einem 24-Stunden-Lauf am Klopeiner See. Sie lief im Zweistundenrhythmus jeweils vier Kilometer. Ohne Schlaf und nur mit kleinen Mahlzeiten. „Es war für mich eine wichtige und tolle Erfahrung. Ich habe mich nicht einmal hingesetzt.“ Mit einer Damenmannschaft nahm sie am Adventure-Race in den Rottenmanner Tauern teil. Ein Bewerb mit fünf Spezialistinnen. „Zuerst radelte eine Mountainbikerin bis zur Bergstation. Anschließend lief ich die 4,5 Kilometer steilen Anstieg zum Gipfel und übergab an eine Paragleiterin. Diese flog ins Tal zur einer Straßenradfahrerin. Den Abschluss bildete eine Straßenläuferin, die nach fünf Stunden ins Ziel kam.“ Wie könnte es anders sein, Reiths

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Team belegte den dritten Platz. 2008 musste die erfolgsverwöhnte Läuferin eine völlig ungewohnte Erfahrung machen. Nach einem zweiten Platz bei der Steirischen Crosslaufmeisterschaft, wollte sie zwei weitere wichtige Bewerbe bestreiten. Die Steirische Berglaufmeisterschaft und die Steirische Meisterschaft im 10.000 Meter Lauf. Sie wusste, dass sie sich „reinhängen“ musste, um erfolgreich zu sein. Einen Monat vor dem Bewerb erkrankte Reith. Zum ersten Mal in ihrem Läuferleben konnte sie zwei Monate lang keinen einzigen Meter laufen. Als sie ihre Laufschuhe wieder anzog, musste sie auf gerader Strecke nach zwei Kilometer aufgeben. Bei einem Berglauf rang sie nach kurzer Zeit nach Luft. „Ich musste wieder bei Null starten.“ Nur langsam erreichte sie wieder die alten Laufzeiten. Zur Zeit baut sie ihre Kondition auf. Voll durchstarten wird sie aber erst 2009 können. Ans Aufgeben denkt die erfolgreiche Läuferin der Meisterklasse noch lange nicht. M. Ulrich


u Der Glanz dieser Goldmedaille strahlt von den Schultern seiner Ringer­ kollegen auf die ganze Gemeinde. Foto: Rosenator, Bezirksblätter Bgld.

Der Polizeiweltmeister: Gold in Adelaide

M

arco Schindler, Jahrgang 1978, begann seine Exekutivkarriere bei der Grenzgendarmerie, übersiedelte aber bald zur Eliteeinheit der Polizei – zur Cobra – nach Wr. Neustadt. Da er in Mörbisch aufgewachsen ist und die Festspielgemeinde außerdem als „Mekka der Ringer“ gilt, hat er sich schon als Kind diesem Sport „verschrieben“. Durch hartes Training stellten sich bereits in seiner frühesten Jugend zahlreiche Erfolge ein. Für viele ist er in seinem Sport ein „gefürchteter“ Gegner. „Dabei sein ist alles“ – mit diesem Gefühl fuhr Marco Anfang März 2007

u Alle sind stolz auf den berühmten Sohn. Foto: Homepage Ringerclub Mörbisch

zu der „World Police and Firegames“ nach Adelaide (Australien) – nach den Olympischen Spielen mit 700 Teilnehmern die weltweit größte Sportveranstaltung. Mit einer Goldmedaille kam er am 1. April nach Hause – wie kam es dazu? Durch Trainingslager in Inzing (Tirol), Wals und Altenmarkt (Salzburg) und natürlich zu Hause in Mörbisch, legte das Aushängschild des österreichischen Exekutivringersports dazu den Grundstein. Beim Eintreffen in Adelaide wurden die Hoffnungen aber sogleich getrübt. „Nach anstrengender Reise musste ich auch noch vier Kilogramm abtrainieren (Marco kämpft in der Klasse bis 69 kg), außerdem kamen meine Gegner aus traditionell starken Ringerverbänden wie Iran und Indien“, so der Mörbischer. Den ersten Sieg errang er gegen die Waage, den ersten Kampf verlor er gleich nach Punkten gegen einen Iraner. Doch dann konnte ihn niemand auf den Weg zur obersten Stufe des Podestes aufhalten. Er besiegte einen Inder und einen Amerikaner – das war der Weltmeistertitel. Wie war das möglich? Marco benötigte dazu na-

Persönlichkeiten

Marco Schindler

türlich auch das Glück des Tüchtigen. „Der Iraner verlor seine beiden weiteren Kämpfe, auch der Amerikaner unterlag noch ein zweites Mal. Da ich den Inder im direkten Duell besiegen konnte, war ich vor ihm“ – und damit Gewinner der Goldmedaille.

Weitere hochgesteckte Ziele Eigentlich sollte man am Höhepunkt seiner Karriere aufhören. Nicht aber er. „Durch den Weltmeistertitel habe ich Lust auf weitere, vor allem internationale Siege bekommen, daher werde ich meinem Sport noch länger erhalten bleiben. Eine Goldmedaille bei der Olympiade, ein Traum, den ich mir gerne erfüllen würde“, sagt der frischgebackene Weltmeister. „Außerdem möchte ich der Jugend ein Vorbild sein. Mein größter Wunsch wäre eine Ringerhalle in meiner Heimatgemeinde Mörbisch“. Bei der Heimkehr bereiteten die Mörbischer ihrem bis dato einzigen Weltmeister einen würdigen Empfang und freuten sich bei einem Volksfest mit dem berühmtesten Sohn ihrer Gemeinde. Wolfgang Bachkönig

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Oskar Bernhart

„Ich stehe mitten im Leben“ Persönlichkeiten

„Was ich anpacke, möchte ich mit Herz und Hirn machen. Und ich fühle mich den Herausforderungen gewachsen.“ Oskar Bernhart ist Gendarmeriebeamter, Bezirks­ kommandant, Referatsleiter, IPA­Verbindungsstellenleiter und Musiker.

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skar Bernhart feierte am 06. Jänner Geburtstag. Seinen 66. Alterstrübheit verspürt er ganz und gar nicht. Seine Augen lachen durch die runde Brillenfassung. Aktiv will er bleiben, so lange er neue Akzente setzen kann. Bernhart, Gendarmeriebeamter, Bezirkskommandant, Referatsleiter, IPA-Verbindungsstellenleiter und Musiker. Das sind die wichtigsten Funktionen, die er inne hatte. Seit Juni 2007 ist er Präsident des Blasmusikverbandes Österreichs. „Was ich anpacke, möchte ich mit Herz und Hirn machen. Und ich fühle mich den Herausforderungen gewachsen.“ Wie kommt es, dass ein Polizeibeamter Präsident des Blasmusikverbandes Österreichs wird? „Ich bin in Moos im Bezirk Deutschlandsberg

aufgewachsen. Als 14-Jähriger hat mich der Kapellmeister der Blasmusikkapelle St. Peter im Sulmtal, Karl Löscher sen., angesprochen. Er war auf der Suche nach Jungmusikern. Nach einem kurzen Gespräch bestimmte er, dass ich ab sofort mit dem Klarinettenspiel zu beginnen hatte. Ein Einwand war gar nicht mehr möglich und ich sagte zu. Mit Gelegenheitsarbeiten, Taschengeld und Unterstützung der Eltern kaufte ich mir eine für damalige Verhältnisse „sauteure“ Klarinette. Neun Monate lang pilgerte ich jedes Wochenende zu Fuß knapp eine Stunde von Moos nach St. Peter im Sulmtal und die gleiche Zeit wieder zurück, um das 250 Seiten umfassende Standardwerk „Kliment Schule“ für Klarinettisten zu erlernen. Mit 13

u Superior Pater Karl Schauer be­ grüßt den Orga­ nisator Oskar Bernhart in Ma­ riazell. Fotos: Bernhart 200 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

u Oskar Bernhart fühlt sich allen Her­ ausforderungen gewachsen.

weiteren Nachwuchsmusikern durfte ich dann bei der Auferstehungsfeier zu Ostern mit den Arrivierten mitspielen. Das war gleichzeitig auch die Generalprobe. Wer bestand, war aktives Mitglied der Blasmusikkapelle. Ich bestand. Zugleich musizierte ich auch in der Bergkapelle Pölfing Brunn. Bis zum Ende meiner aktiven Zeit als Musiker war ich bei der Blasmusikkapelle in Groß St. Florian. Meinem Leitspruch folgend: „Wenn du etwas machst, dann mach es ordentlich,“ beendete ich 1989 meine aktive Zeit als Musiker. Zu viele Funktionen hatte ich im Lauf der Zeit übernommen. Als Familienmensch wollte ich auch noch für meine Lie-


Persönlichkeiten

u Die Blasmu­ sikkapelle St. Pe­ ter im Sulmtal, Oskar Bernhart in der vorderen Reihe, 2. von rechts. Foto: Bernhart

ben da sein. Das war neben den zahlreichen Musikauftritten und anderen Funktionen nicht mehr möglich.“

Auftritt in Mariazell Der große Auftritt mit Pauken und Trompeten in Mariazell: Anlässlich des 850-Jahr-Jubiläums der Basilika Mariazell ersuchte im Jahr 2005 Superior Pater Karl Schauer den Steirischen Blasmusikverband um Teilnahme einer Abordnung der Steirischen Blasmusik. Plötzlich hatte Oskar Bernhart die glorreiche Idee, dass es noch nie eine Blasmusikwallfahrt in Europa gegeben habe. Seine Idee wurde von allen Beteiligten sofort angenommen. Mit zahlreichen Helfern organisierte er die erste Mittel-

europäische Blasmusikwallfahrt nach Mariazell. Die Wallfahrt war als Busund Fußwallfahrt organisiert. Mehr als 2000 Musiker des Österreichischen Blasmusikverbandes, der Partnerverbände aus Südtirol, Liechtenstein, Slowenien und Ungarn nahmen an dieser Wallfahrt teil. „Es war ein Meilenstein in meinem Leben.“ Der Steirische Blasmusikverband wurde 1950 gegründet und betreut heute 394 Blasmusikkapellen in 21 Musikbezirken. Seine berufliche Karriere startete Bernhart nach der Gendarmerieschule in Eisenerz, die sich später in Leutschach, Stainz und Eibiswald fortsetzte. Schließlich wurde er zum Bezirkskommandanten für Deutschlandsberg

u Oskar Bern­ hart begrüßt die Wallfahrer. Foto: Bernhart

bestellt. Im Zuge von Umstrukturierungen avancierte er zum Referenten für Einsatz-, Verkehr- und Grenzangelegenheiten und leitete das Referat bis zu seiner Pensionierung 2003.

Verbindungsstellenleiter Oskar Bernhart ist seit 1978 IPA-Mitglied und wurde 1989 zum Verbindungsstellenleiter der Verbindungsstelle Deutschlandsberg gewählt. Diese Funktion übte er zehn Jahre lang aus. „Die Arbeit als Funktionär hat mit sehr viel Freude und Spaß gemacht. Neben den zahlreichen Veranstaltungen und Reisen ist mir eine lustige Begebenheiten noch sehr gut in Erinnerung. Bei einer Parisreise „verlor“ ich ein 70-jähriges Ehepaar. Ich weiß nicht, warum. Es ist weder mir, noch den Reiseteilnehmern aufgefallen. Als wir nach einer dreistündigen Besichtigungstour die Abgängigen in einem Cafe trafen, erwiderte der Ehemann: „Mach dir keine Vorwürfe. Ich war im Krieg hier und kenne mich aus. Außerdem hatte ich sehr viel Spaß mit meiner Frau.“ Seit diesem Vorfall habe ich die Reiseteilnehmer immer doppelt gezählt.“ Abschied von der Aktivlaufbahn? Noch lange nicht. Das Telefon läutet, der nächste Termin muss fixiert werden.

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Oswald Krammer

Persönlichkeiten

Fantastischer Realismus, gepaart mit Holzkunst Seit seiner Kindheit hat Oskar Krammer die Liebe zur Malerei gepackt, später gesellte sich die Begeisterung zur Schnitzkunst hinzu.

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ch habe mein Talent und die Liebe zur Malerei schon in meiner Kindheit entdeckt. Aber als Sohn einer kinderreichen Familie war für künstlerische Fantastereien kein Platz. Um finanziell unabängig zu sein, habe ich zwei Berufe erlernt. Dieses Sicherheitsdenken habe ich immer beibehalten.“ Trotzdem hat der heute 57-jährige Oswald Krammer, stellvertretender Kommandant der Polizeiinspektion Liezen, schon als 16-Jähriger mit der Malkunst begonnen. „Hätte ich aber einen Mäzen gehabt, wäre ich sicherlich Künstler geworden.“ So kaufte der Autodidakt Farben, Pinsel und Papier und malte seine ersten Bilder. Diese Bilder, die in Technik und Farbgestaltung aus seiner Sicht ansprechend waren, besitzt er heute noch.

„Konservativer Kunsthandwerker“ Krammer experimentierte mit Farben und Technik und konnte bald seinen typischen Stil entwickeln. Er bezeichnet sich selbst als konservativen Kunsthandwerker und nicht als Künstler oder Aktionskünstler. Für ihn kommt Kunst vom Können. Das in ihm innewohnende Sicher-

heitsdenken und das berufliche Korsett kann er in der Malerei auflösen. Hier durchbricht er die Begrenztheit und taucht in freie Welten ein, ohne den Betrachter zu schockieren. In seinen Bildern dominieren leuchtende Farben, Fantasiegestalten und unberührte Natur. Die Naturbilder fängt der begeisterte Bergsteiger, Schitourengeher, Bergführer und ehemalige Leiter der Flugeinsatzstelle Aigen auf seinen Touren in der obersteirischen Bergwelt ein. „Ein kleinen Zeichenblock und einen Bleistift habe ich immer mit. Mit einigen Strichen halte ich eine Stimmung, ein besonderes Licht oder eine Landschaft fest.“ Seine ersten Bilder hat er für Kollegen in seinem Erstberuf als Lohnverrechner gemalt. Gelegentlich nahm er Aufträge für bestimmte Anlässe an. „Die Bilder haben derart Gefallen gefunden, dass sich bald ein größerer Kreis für meine Kunst interessierte.“ u Wanderpokal der Selzthaler Höllenteufel. Foto: Ulrich

202 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark


u „Abgehobene Heile Welt“.

in Erscheinung trat. In den 50er Jahren bildete sich innerhalb der österreichischen Sektion des Art-Club die Gruppe Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Charakteristisch sind phantastische Motive aus der Mythologie oder Traumwelten mit einer Orientierung am Manierismus. Neben seinen zahlreichen Bildern ist das Bild des „Heiligen Florian,“ ein zwei mal drei Meter großes Wandbild mit einer Holzschnitzeinfassung, zu erwähnen. Das Bild hat er anlässlich des 75. Geburtstages von Altbischof Johann Weber angefertigt. u Oskar Krammer liebt die Malerei und die Schnitzkunst.

Fuchs, Hausner oder Lehmden, aber auch Dali.“ Krammer wollte eine dieser Werke jedoch nicht nachahmen, sondern auch hier seinen eigenen Stil finden.

Phantastischer Realismus Der Phantastische Realismus bezeichnet eine vom Surrealismus beeinflusste Richtung der Malerei, die nach dem Zweiten Weltkrieg besonders in Österreich und Deutschland

Persönlichkeiten

Kannst du dich noch an das erste Bild erinnern, das du verkauft oder verschenkt hast? „Ja. Als 16-Jähriger habe ich einen Leuchtturm gemalt. Dieses Bild habe ich meiner Freundin geschenkt.“ In seiner ersten Phase malte Krammer vor allem Ölbilder. Bald aber wandte er sich der Aquarell- und Acrylmalerei zu. Er wollte einfach die Arbeit mit anderen Materialien und Techniken kennenlernen. Acryl interessierte ihn vor allem deshalb, weil es sich leicht verarbeiten lässt und umweltfreundlicher als Öl ist. Die Aquarelltechnik erlernte Krammer 1977 bei einem bekannten Maler und Bildhauer, Siegfried Schwab, aus Liezen. Er meldete sich zu einem Malkurs an und schon nach den ersten Pinselstrichen lobte ihn der Meister als großes Talent. Innerhalb kurzer Zeit gelang es Krammer, Maltechniken zu entwickeln, die schon bald seine erste Ausstellung ermöglichten. Die Bilder fanden so großen Zuspruch, dass weitere Ausstellungen folgten. Bald genügte ihm diese Maltechnik nicht mehr und er beschäftigte sich mit dem Phantastischen Realismus der Wiener Schule. „Ich sah meine Zukunft in den Werken von

Passion fürs Holzschnitzen Bald aber waren dem Experimenteur auch Farben und Malerei zu wenig. Sehr früh hatte er seine Passion für die Holzschnitzerei erkannt. Als junger und verantwortungsbewusster Familienvater konnte er sich aber den Kauf der sehr teuren Schnitzeisen vorerst nicht leisten. Zum Glück verkauften sich die Ölbilder sehr gut, so konnte Krammer bereits als 25-Jähriger endlich seine Schnitzeisen kaufen. Nach einigen Versuchen wollte er seine Arbeit perfektionieren und begab sich zum Bildhauer Professor Wiegele nach Graz.

u „Bezirkshauptstadt Liezen“.

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Persönlichkeiten

Als der Bildhauer seine Arbeitstechnik sah, war er beeindruckt. Unzufrieden antwortete ihm Krammer, dass er keine Bestätigung suche, sondern die „Seele“ der Bildhauerei kennen lernen wolle. In einem längeren Gespräch lenkte Wiegele den Fokus des Suchenden auf die Anatomie des menschlichen Körpers und veranschaulichte ihm die körperlichen Proportionen. Krammer fertigte nun Zeichnungen und Schnitte an, um sich an die Schnitztechnik seiner Objekte heranzutasten. Diese Grundarbeit war notwendig, um zu wissen welche Holzmengen benötigt werden. Er lernte, wie wichtig der Grobschnitt für eine Skulptur ist, damit Gliedmaßen, Kopf und Rumpf harmonieren.

Lange Lagerung der Hölzer Krammer verwendet für seine Skulpturen nur Zirben- oder Lindenholz, wobei Lindenholz leichter zu bearbeiten ist. Damit das Holz nicht splittert, wird das Rundholz zuerst in vier Teile gespalten, der Kern entfernt und getrocknet. Erst nach einer Lagerung von zehn Jahren können die Hölzer bearbeitet werden. Sie werden zu einem Block verleimt und

u „Frühlingsankündigung“.

u Krammers einzige große Skulptur, ein Holzkreuz mit dem Korpus Christi, steht auf dem Friedhof von Traboch. F: Ulrich

anschließend weiterverarbeitet. Nach Größe der Skulptur werden ein oder mehrere solcher Blöcke angefertigt. Der 57-Jährige stellt vorwiegend kleine oder mittlere Skulpturen, Holzscheiben, Bildumrandungen und Kreuze her. Die einzige große Skulptur, ein Holzkreuz mit dem Korpus Christi, steht auf dem Friedhof in Traboch.

Elefantenpapier Bekannt ist Krammer auch für die Herstellung von „Elefanten- oder Urkundenpapier“. Ein hochwertiger, zweifach verleimter, lichtechter Kar-

Fotos: Krammer

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ton wird von ihm je nach Thema malerisch bearbeitet. Dabei werden verschiedene Acryfarben mit unterschiedlichen Konsistenzen aufgetragen. Dadurch entsteht dann eine „Elefantenhaut“. Die Schrift fügt dann ein Kalligraf ein. Die künstlerischen Ambitionen seiner Kinder hat er immer unterstützt. Er trachtete aber stets darauf, dass sie ihre Bodenständigkeit bewahrten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sein ältester Sohn Architekt und sein zweiter Sohn Lehrer für Musik und darstellende Kunst wurden.

Ausstellungen nur in der Steiermark Oskar Krammer hat trotz aller Erfolge seine Ausstellungen auf die Steiermark beschränkt und möchte auch keine Werbung für seine künstlerischen Arbeiten machen. Der Familienmensch und Bergsteiger sagt überzeugt, dass er weiterhin seine Freiheit genießen und sich nicht der Geisel des Materialismus unterwerfen wolle. „Es macht mir Spaß, für mich und für ein ausgesuchten Klientel zu arbeiten. Mehr will ich nicht,“ fügt er abschließend hinzu. M. Ulrich

u „Himmelsblüten“.


Rangero legt seine Gegner fair aufs Kreuz

u Schaubmayr im Finale der Staatsmeis­ terschaft 2003. Fotos: Schaubm.

Seit mehr als 20 Jahren ist „Rangero“, wie ihn seine Freunde nennen, erfolgreicher Judoka.

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oka“ oder „Yuko“ sind keine koffeinhaltigen Getränke oder neue Käsesorten, sondern eine kleine oder mittlere Wertung in Judo-Wettkämpfen. Wazaari und Ippon sind die beiden höheren Wertungen und lassen sich mit „Halber Punkt“ und „Punkt“ übersetzen. Und genau darum geht es in Judoturnieren. Für den 26-jährigen Rene David Schaubmayr sind diese Begriffe seit fast 20 Jahren fester Bestandteil seines Lebens. Er ist erfolgreicher Judoka. Weil er sich als Achtjähriger gegen seine Schulkameraden nicht verteidigen konnte, trat er einem Judoklub bei. Schnell hatte er Erfolg. Daneben spielte er noch Fußball. Bald musste er sich aber zwischen den beiden Sportarten entscheiden. Die Entscheidung fiel ihm nicht schwer und

so wurde er Judoka. Mit 14 wechselte er ins BRG für Leistungssportler Honauerstraße in Linz, wo er mit dem Leistungssport anfing.

Persönlichkeiten

Rene David Schaubmayr

Jeden Tag Training „Das hieß jeden Tag Training am Nachmittag und drei Mal auch am Vormittag. Doch es machte mir Spaß. Allein in Japan war ich vier Mal auf Trainingslager. Für einen jungen Menschen ist es natürlich beeindruckend, diese Länder und fremden Kulturen kennenzulernen.“ Nach der Matura 2002 wechselte er zum Heeresleistungssportzentrum 4 und verpflichtete sich bis Ende 2006. Nach einem Sportunfall 2007 musste der erfolgreiche Judoka für ein halbes Jahr pausieren. Dank der ärztlichen Kunst ist er heute aber wieder topfit. Gleichzeitig wollte er sich beruflich

u Rene David Schaubmayr (rechts) bei der Siegerehrung 2008 in Budweis.

verändern. Eigentlich hatte ihn der Polizeiberuf schon immer interessiert. „Polizei und Judo passt doch ziemlich gut zusammen oder?“ So kam es, dass sich „Rangero“ wie ihn die Freunde nennen, bei der Polizei bewarb. Derzeit absolviert er seine Ausbildung im Bildungszentrum Oberösterreich.

Gold in Budweis Schon bei seinem ersten internationalen Polizeiturnier im Oktober 2008 in Budweis machte er es so richtig spannend. Im ersten Kampf gewann er mit Ippon. Den nächsten Kampf verlor er wieder. Doch dann konnte er alle Gegner schlagen und errang Gold. Schaubmayr ist mehrfacher Landesmeister, österreichischer Meister und Staatsmeister. Bei der Militärweltmeisterschaft in Baku/Russland errang er den dritten Platz. Bei weiteren internationalen Wettkämpfen erreichte er immer wieder Spitzenplätze mit seiner Lieblingstechnik O-Soto-Gari und Uchi-Mata. M.U. 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Max Berger

Persönlichkeiten

Wenn der Vater mit dem Sohne ... Einen Urlaub der besonderen Art verlebte Max Berger mit seinem Sohn Stefan: Die beiden fuhren mit einem selbst zum Campingwagen umgebauten Geländewagen in den Iran.

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inen nicht ganz gewöhnlichen Urlaub verlebte Max Berger (LPK Salzburg, LVA, Dienstplanung) mit seinem Sohn Stefan. Mit dem selbst zum Campingfahrzeug ausgestatteten Geländewagen fuhren sie von Elsbethen in den Iran und zurück. Mehr als einen Monat waren sie unterwegs. Die Routenbeschreibung liest sich wie ein Telefonbuch. Um die Route einigermaßen allgemein verständlich zu machen, habe ich sie (vorbehaltlich etwaiger Fehlinterpre-

tation) grafisch dargestellt. Wenn Max erzählt, spricht er wie von einem ganz normalen Campingurlaub und von der Begegnung mit vielen freundlichen Iranern. Dass dabei eine ganz ordentliche Wegstrecke zurückgelegt worden ist, scheint eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Das Gefahrenpotential wird von ihm als eher gering eingestuft, wenn auch die iranischen Straßen zu den gefährlichsten der Welt zählen. In den vergangenen fünf Jahren gab es im Iran

u Das Auto ist in Eigenregie generalüberholt, das neue Dachzelt montiert, eine Camping­ einrichtung eingebaut, Werkzeug, Sandschienen, Handseilwinde und Lebensmittel sind ver­ staut. Es kann losgehen.

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u Und wenn man glaubt, man hat die höchste Düne er­ reicht, sieht man unzählige weitere.

über 100.000 Verkehrstote. In der Islamischen Republik Iran leben 75 Millionen Menschen. Die flächenmäßige Ausdehnung des Landes erstreckt sich auf 1.648.195 Quadratkilometer. Mit Begeisterung berichtet Max von den vielen Eindrücken, die sein Sohn und er selbst auf dieser Reise gewinnen konnten. Klöster, Wüsten, Oasen, Paläste, durch bunte Sedimente geprägte Landschaften waren Teile ihrer Eindrücke.

u Ein für uns ungewöhnliches Gefahren­ zeichen. Es warnt vor den Schluchten des Elburs.


Bei der Verkehrspolizei in Khvoy erhielten sie für ihr Fahrzeug iranische Kennzeichen und hatten Gelegenheit, sich den Fuhrpark anzusehen. Man fährt Mercedes S-Klasse. Nur Dorfpolizisten fahren C-Klasse. Die Straßen im Iran befinden sich zum überwiegenden Teil in ausgezeichnetem Zustand. Aber mit einem Geländefahrzeug die Wüste meiden? Das geht nicht! Und so finden sich im Streckenplan die Wüste Kavir und die Wüste Lut. Denn wer sein Fahrzeug niemals so richtig in Sand ein- und dann wieder ausgegraben hat, ist kein Wüstenfahrer. Bei mehr als 40 Grad im Schatten hält sich die Begeisterung für derartige Unternehmen allerdings in Grenzen. Die nächste Reise befindet sich in Planung. Es soll eine Mittelmeerumrundung auf dem Landweg sein. Dietmar Weissmann

u Paris­Dakar­Feeling: mit 100 km/h über den Sandstrand. An einigen Stellen brach jedoch der Sanddeckel, was über zwei Stunden harte Arbeit bedeutete.

Persönlichkeiten

u Das Sumela­Kloster (türkisch: Sümela Manastırı, deutsch: Marienkloster) ist ein ehemals griechisch­ orthodoxes Kloster aus byzantinischer Zeit in der Osttürkei bei Trabzon. Der Na­ me stammt vom grie­ chischen Melas (Schwarz), was sich vermutlich auf die Farbe der Marieniko­ ne bezieht.

u Kartenansicht der Strecke. u Die Ver­ kehrspolizei in Khvoy. Dort wurden irani­ sche Kenn­ zeichen für den Land­ cruiser ausgege­ ben

u Fotos am Diastreifen: 1. Max Berger mit einem iranischen Polizisten an dessen Dienstfahrzeug, ein Mercedes der S­Klasse. – Nur Dorfpolizisten fahren die C­Klasse. 2. Max Berger an seinem Fahrzeug; im Hinter­ grund die Hochebenen Anatoliens. 3. Der Ishak­Pasa­Palast (türkisch Ishak Pasa Sarayı) des kurdischen Emirs von Dogubeyazıt Colak Abdi Pasa und seines Sohnes Ishak Pasa II, im äußersten Osten der Türkei. 4. Die Dascht­e Lut ist mit 166.000 km² die größte Wüste Irans, die im Iranischen Hoch­ land liegt. Mit Temperaturen bis zu 70,7 °C im Sommer ist sie der heißeste Ort der Erde. 5. Vorbereitung für die Nacht.

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Michael Schlapschy

Der Holzbildhauer Persönlichkeiten

Ein außergewöhnliches Hobby hat der Kommandant der Grenzpolizeiinspektion Rattersdorf, Michael Schlapschy: Er fertigt Skulpturen aus Edelholz.

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ichael Schlapschy, Jahrgang 1952, zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels Kommandant der Grenzpolizeiinspektion Rattersdorf, Bezirk Oberpullendorf, geht seit 15 Jahren einem etwas außergewöhnlichen Hobby nach. Mittlerweile sind seine Werke weit über die Grenzen des Burgenlandes bekannt und der Name Schlapschy eine anerkannte Persönlichkeit als Holzbildhauer. Bei Aus-

stellungen renommierter Künstler hat er längst einen festen Platz. Als besonderes Geschenk zu Geburtstagen oder anderen feierlichen Anlässen fertigt er aus zwei bis drei Meter hohen Edelholzstämmen Skulpturen. Bei seinen Werken verfolgt er zwar keine bestimmte Linie, sein besonderes Augenmerk gilt aber der modernen Kunst. Ziel seiner Arbeiten soll es sein, nur andeutungsweise auf ein bestimmtes Objekt bzw. eine Berufsgruppe zu verweisen, der Betrachter möge sich jedoch seine eigene Vorstellung machen.

Geschenk an die Gendarmerie: „Hochgehalten“

u Das „Abschiedsgeschenk“ an die Gen­ darmerie“.

Als „gelernter Gendarm“ hatte er zum 155. Geburtstag der Österreichischen Bundesgendarmerie ein besonderes Geschenk parat. Am 8. Juni 2004 übergab er im Rahmen der Feiern zum Gendarmeriegedenktag (dass es ein Abschiedsgeschenk sein würde, konnte man bereits erahnen – Zusammenlegung mit der Polizei am 1. Juli 2005) eine von ihm gefertigte Skulptur, der er den Namen „Hochgehalten“ gab. Das Werk ist insgesamt drei Meter hoch, aus einem einzigen Stück Nussholz herausgeschlagen und hält in ihren hochgestreckten Armen die „Flammende Granate“. Diese „Flammende Granate“ steht

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u Michael Schlapschy mit einem seiner Kunstwerke.

vor dem Gebäude der Grenzpolizeiinspektion in Rattersdorf (Bezirk Oberpullendorf) wie ein Fels in der Brandung. Sie soll ein immerwährender Zeuge der Österreichischen Bundesgendarmerie sein und jedermann an dieses traditionsreiche Korps erinnern (siehe Bild links). Die Einweihungsfeier (8. Juni 2004) stand ganz im Zeichen eines


Zahlreiche Symposien Das Jahr 2008 war für den Künstler

u Michael bei der Anlieferung des Rohmateriales.

besonders erfolgreich, aber auch sehr stressig. Im März eine Woche Gast der Wiener-Messe, von 15. bis 19. Mai Symposium in Domica, Slowakei, wobei als Thema Märchen, Balladen und Legenden vorgegeben war. 12 Bildhauer aus ganz Europa waren vertreten. Michael fertigte die „Kraniche des Ibykus“, eine Ballade von Friedrich Schiller, an. 7. bis 13. Juli: Symposium in Marija Bistrica (das kroatische Maria-Zell) mit 16 Teilnehmern. Dort hat er eine vier Meter hohe Monstranz geschaffen. Von 7. bis 20. Juli gab es auch noch eine Ausstellung in den Weinbergen von Winten, Bezirk Güssing. Im September nahm er an einem weiteren Symposium in Lockenhaus, Bezirk Oberpullendorf, teil. Die dort geschaffene Skulptur (siehe Bild rechts) ist vor der Burg Lockenhaus ausgestellt und soll Höhen und Tiefen des Gebirges rund um den Geschriebenstein darstellen. Zum Jahresausklang wird er im Museum für angewandte Kunst

in Wien bei einer Auktion vertreten sein. Es gibt eine Versteigerung zahlreicher Kunstgegenstände für Bedürftige des Neuner Hauses. Für 2009 ist der Terminkalender ebenfalls bereits voll. Werfen Sie einen Blick auf seine Homepage: www.kunst-mich.com Wolfgang Bachkönig

Persönlichkeiten

vereinten Europa, denn neben dem Bürgermeister der Gemeinde Rattersdorf haben auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Ungarn daran teilgenommen. Bei seiner Ansprache fand der Künstler treffende Worte als er sagte: „Für mich soll diese Skulptur ein Sinnbild aller Berufe sein. Jeder möge seinen Berufsstand als ehrenhaft und wichtig sehen. Die Berufsethik soll stets hochgehalten werden. Da ich mich meiner Berufsgruppe besonders verbunden fühle, habe ich für diese Skulptur das Korpsabzeichen der Bundesgendarmerie gewählt“, so Michael Schlapschy. Mittlerweile hat er die „graue gegen die blaue“ Uniform getauscht. Der „alten Gendarmerie“ fühlt er sich dennoch immer verbunden, obwohl er sich in die „Polizei Neu“ gut integriert hat.

u Skulptur vor Burg Lockenhaus. Fotos: zur Verfügung gestellt von Michael Schlapschy

50 Jahre IPA Österr. Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Die Musik am Didgeridoo half Rudolf Holzer, seine schwere Krankheit zu über­ winden.

Persönlichkeiten

u Collage aus Bildern des Konzertes am 30. August 2008 in Seeham am Schies­ sentobel – leider ohne Ton.

Rudolf Holzer

Die Krankheit führte ihn zur Musik: Didgeridoo als Therapie

E

ine Erkrankung zwang Rudolf Holzer (LPK Salzburg, PI Oberndorf) in die Knie. Mühsam war es, wieder aufzustehen. Aber es gelang ihm im Kreise seiner Freunde und im Einklang mit seiner Partnerin, mit der Musik und seinem Didgeridoo.

Was ist Didgeridoo? Das Didgeridoo ist ein obertonreiches Blasinstrument aus der Familie der Aerophone auf dem Tonerzeugungsprinzip der Polsterpfeife und gilt als traditionelles Musikinstrument der nordaustralischen Aborigines. Im traditionellen Zusammenhang wird es meistens aus einem von Termiten ausgehöhlten Stamm lokaler Eukalyptusarten gefertigt und dient als überwiegend rhythmisch eingesetztes Begleitinstrument für Gesänge und Tänze. Die klangliche und rhythmische Vielfalt entsteht durch Kombinationen aus Mundbewegungen, Atemtechnik und Stimmeffekten, basierend auf einem in der Tonhöhe nur leicht variierten Grundton und überblasenen Tönen. 210

Aufgrund der einfachen Bauweise und des touristischen Wertes werden viele Didgeridoos inzwischen in rationalisierter Massenbauweise im außeraustralischen Ausland gefertigt. Bereits eine einfache zylindrische Röhre reicht für die grundsätzliche, didgeridootypische Klangbildung aus. Daher kann der Klangeffekt des Didgeridoos genauso aus Röhren erzeugt werden, die aus einem anderen Material gefertigt sind, wie Pappe, Glas, Kunststoffe. Und so kommt es, dass Rudolf nicht nur selbst musiziert, sondern auch solche Instrumente herstellt und Unterricht gibt. Wie soll dieses Instrument zur Gesundung eines Menschen beitragen? – Möglicherweise hat hier auch die Gemeinsamkeit in der Musikgruppe das Ihre beigetragen. Vielleicht auch die künstlerische Betätigung als solche. Roodi jedenfalls sagt, dass ihn das Didgeridoo auf dem Weg der Genesung begleitet hat. Es hat ihm einfach gut getan. Und es geht ihm wieder gut. Mit der Musikgruppe „in´vocata“ tritt er zum Teil auch in freier Natur auf.

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„Stilvoller Akustik-Gitarrensound sowie dynamische Bassklänge mischen sich unter flotte Thin-Whistle und erdige Didgeridooklänge! Eine Besonderheit ist unsere Percussion, die mit einer Vielzahl an Schlagwerken wie Cajon, Djembe, Bongos, etc. auftrumpft und sich mit teils seltenen Musikinstrumenten, wie z.B. eine Fujara, verbindet!“ So beschreibt die Band auf ihrer Homepage www.invocata.at ihre Musik.

Konzerte für soziale Zwecke Die Einnahmen bei Konzerten werden zum Teil auch zu sozialen Zwecken verwendet. Insbesondere kümmert man sich um Menschen, deren Weg durch eine Krankheit gekreuzt wurde. So trägt Roodi mit seinem Instrument auch im weiteren Sinn dazu bei, dass erkrankten Menschen geholfen wird. Roodi steht heute wieder mit beiden Beinen fest im Leben. Alles Gute auf deinem weiteren Weg und beglücke noch viele im Rahmen deiner Musikgruppe mit einzigartigen Hörerlebnissen. Dietmar Weissmann


„Ich werde aufrecht erhalten und standhaft bleiben“ Der Leitspruch des Hauses Croÿ lautet „Ich werde aufrecht erhalten und standhaft bleiben“. Danach hat der 74­jährige Prinz Clemens von Croÿ stets gelebt.

A

uch ohne Thron ist Prinz Clemens von Croÿ ein Vorbild königlicher Tugenden und seit 1959 Bewohner und Arbeitgeber in St. Oswald ob Eibiswald. Der Ursprung der Familie findet sich im 12. Jahrhundert im ungarischen Königshaus der Arpaden. Seit dem 14. Jahrhundert ist die Familie im deutschen Dülmen ansässig. Carl Rudolph von Croÿ, der Vater von Prinz Clemens von Croÿ, erwarb 1957 das Forstgut in St. Oswald ob Eibiswald. Der studierte Prinz ist in Deutschland und der Schweiz aufgewachsen und verfolgte zuerst eine militärische Karriere. 1959 betraute ihn sein Vater aber mit der Verwaltung des erworbenen Forstgutes und so zog der junge Prinz in die Steiermark. Seit

Persönlichkeiten

Prinz Clemens von Croy

u Innerhalb von 20 Jahren gelang es Prinz Clemens von Croÿ, das Forstgut in einen ge­ winnbringenden Betrieb zu verwandeln und Arbeitsplätze für die Region zu schaffen.

dem Tod seines Vater 1974 ist er auch Eigentümer des Gutes.

Vom Urwald zum Forstbetrieb „Bei meiner Ankunft fand ich einen Urwald vor. Innerhalb von 20 Jahren gelang es mir, das Forstgut in einen gewinnbringenden Betrieb zu verwandeln und Arbeitsplätze für die Region zu schaffen.“ Zum Forstbetrieb gehörte auch ein aus dem 18. Jahrhundert stammender Gutsgasthof, den der Prinz zwei Jahre

lang selbst führte. Anschließend übergab er die Geschäftsführung in bürgerliche Hände und kann seither gelegentlich als Gast angetroffen werden. Der volksnahe Prinz und Arbeitgeber unterstützte die 641 Personen zählende Gemeinde unter anderem bei der Errichtung von Wohnhäusern, einer Schule und Tankstelle. Großzügig förderte er traditionelle Veranstaltungen und engagierte sich besonders für den Fremdenverkehr. Der Prinz lehnte öffentliche Ämter

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

Oswald veranstaltet. Nach Ablauf der vorgeschriebenen Zeit wurden die gesammelten Schwammerl gewogen und der Sieger gekürt. Leider konnten einige am großen „Schwammerlgulasch“ nicht rechtzeitig teilnehmen, da sie sich in den Wäldern verirrt hatten. Schmunzelnd meinte der Prinz, dass er wegen der vielen „Experten“ nicht am Essen teilgenommen hatte: „Es haben aber alle überlebt.“ u 250 Sheriffsterne aus den unterschiedlichsten Einheiten gibt es in 21 Kasetten zu be­ wundern. Fotos: Croÿ

stets ab, war aber bei zahlreichen Vereinen aktiv tätig.

Verbindung zur Gendarmerie Eine besondere Verbindung hatte Prinz Clemens von Croÿ von Beginn an zur Gendarmerie. Sehr oft

Botschafter der Exekutive

Trotz seines beruflichen Verpflichtungen im In- und Ausland nimmt der 74-Jährige immer wieder gerne an den Veranstaltungen der Verbindungsunterstützte er Beamte, die unverstelle Deutschlandsberg teil. Durch schuldet in Not geraten waren. seine enge Verbindung zur Polizei Auf Grund seiner besonderen Verund zur IPA ist er auch im Ausland bundenheit und des sozialen Enein Botschafter der österreichischen gagements für die IPA wurde Prinz Exekutive. Anlässlich des Clemens von Croÿ im Jänner 30-Jahr-Jubiläums der 1982 von der VerbinVe r b i n d u n g s s t e l l e dungsstelle DeutschDeutschlandsberg überlandsberg als IPA-Mitgab er dem Vorstand glied aufgenommen. eine private Sammlung Eine Episode ist dem aller Sheriffsterne der Prinz noch in besondeamerikanischen Bunrer Erinnerung. Die desstaaten. meisten Steirer sind „Mit den Jahbegeisterte ren fühlte ich Schwammerlmich mit diesem sucher. Auf Land immer v i e l f a c h e n u Das Wappen des Hauses Croÿ. mehr verbunWunsch der den. Jetzt freut es mich besonders, dass „Pilzexperten“ unter den Gendarmeich vor einigen Wochen österreichiriebeamten wurde eine dreistündige scher Staatsbürger geworden bin.“ Suche in den Wäldern rund um St.

212 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark


Reinhard Paulitsch

Persönlichkeiten

Glaskörper mit kunstvollen Spuren Glas und Glaskunst sind die Leidenschaft von Reinhard Paulitsch, dem Schatzmeister der Landesgruppe Steiermark.

E

her zufällig beschäftige sich Reinhard Paulitsch, Schatzmeister der Landesgruppe Steiermark, mit dem Gravieren von Glaskörpern. Mit rasender Geschwindigkeit rotieren die Minischleifsteine über das zerbrechliche Material, das am Ende der Bearbeitung als einzigartiges Kunstwerk erstrahlt. Glas und Glaskunst sind einige Jahrtausende Jahre alt. Wo Glas erstmals hergestellt wurde, ist nicht eindeutig bekannt. Sicher ist jedoch, dass die Ägypter bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. die alte Glasglasur kannten, die sie auf Gegenständen und Gefäßen aus Ton und Stein anbrachten. Die ältesten

u Mit Minischleif­ steinen fertigt Rein­ hard Paulitsch Kunstwerke aus Glas.

Glasfunde sind Schmuckstücke, Perlen und Amulette aus undurchsichtiger farbiger Paste. Später tauchten in Syrien und Rom erste Formen aus Glas

u Das wunderschö­ ne Ergebnis der Glaskunst von Rein­ hard Paulitsch. Alle Fotos: M. Ulrich

auf. Die Römer brachten mit der Kolonisierung die Glasmacherkunst ins nördliche Europa. In der Renaissance wurde Venedig Zentrum der Glaskunst. Gläser wurden mit Schmelzfarben bemalt oder durch Ritzen mit Diamanten verziert. Diese Graviertechnik war erst durch eine bessere Glasqualität möglich und fand in Tirol, Deutschland, der England und den Niederlanden Nachahmung. Der heute 56-jährige Reinhard Paulitsch entdeckte die Graviertechnik vor 25 Jahren. „Handwerkliches Geschick ist natürlich Vorraussetzung. Ich habe mir die Verzierung der Gläser aber selbst beigebracht. Natürlich sind am Anfang zahlreiche Glasgegenstände zu Bruch gegangen, denn ich hatte keine

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

Ahnung von den unterschiedlichen Glaseigenschaften.“ Anregungen und die Techniken verschaffte sich Paulitsch in der Tiroler Glasstadt Rattenberg, in der seit 1820 Gläser hergestellt und veredelt werden. Glasbläser, Schleifer, Graveure und Maler können hier bei ihrer kreativen Arbeit beobachtet werden.

Klangprobe Bevor Paulitsch einen Glasgegenstand bearbeitet, stellt er mit der Klangprobe fest, ob es sich um hoch- oder minderwertiges Material handelt. Nur hochwertige Gläser können graviert oder geritzt werden. Hierauf werden im Handel erhältliche oder selbst angefertigten Motive auf die Innenwand des Glaskörpers geklebt. Mit speziellen Stahlstiften werden erste Konturen, entweder manuell oder elektrisch auf das Glas auf die Außenseite aufgetragen. Danach beginnt die Feinarbeit. Jeder Schliff muss richtig und gefühlvoll geführt werden, damit Spannungen vermieden werden. Spannungen führen zu Sprüngen oder lassen das Glas überhaupt zersplittern. Bei Glaskörpern mit kleinen Öffnungen, wie etwa Flaschen oder Vasen, werden die Motive an der Außenseite vorgezeichnet. Glaskörper mit Rundungen oder Vertiefungen werden ge-

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schickt für das Motiv genutzt, um besondere Wirkungen zu erzielen. Was war die außergewöhnlichste Arbeit? „Die Anfertigen eines Gläsersets mit Elefantenköpfen. Da es keine geeigneten Motive im Handel gab, haben ich mir zuerst ein Elefantenbuch gekauft. Hierauf habe ich sechs verschiedene Elefantenköpfe kopiert und Schablonen angefertigt. Mit Hilfe dieser Schablonen gelang es mir, Kopf und Hautstrukturen auf das Glas zu übertragen. Auch die Gravur des Lieblingshundes der Tochter war eine schwierige und anspruchsvolle Arbeit.“

500 verzierte Glaskörper Paulitsch hat bisher etwa 500 Glaskörper verziert. „Die Dauer der Arbeit hängt vom Motiv, Größe, Form des Glases, aber auch von der Einstellung des Graveurs ab. Obwohl die Arbeit für mich ein Ventil zur Entspannung ist, gibt es Tage, an denen nichts gelingt. Falsche oder schlechte Gravuren können aber nicht rückgängig gemacht werden. In so einem Fall höre ich auf zu arbeiten und gönne mir ein Glas.“ Leider können die Unikate von Paulitsch nicht bestaunt werden, da sie von ihren Eigentümern gut gesichert verwahrt und kaum als Gebrauchsgegenstände verwendet werden. Maximilian Ulrich


„Der Tag hat viel zu wenig Stunden“

Persönlichkeiten

Verena Fuchs

Als Verwaltungsbedienstete und selbständige Journalistin zu arbeiten, in der Freizeit zu malen und sich um die Hausarbeiten zu kümmern, das sind ihre Hauptaufgaben.

D

ie stets gut gelaunte 34-jährige Vertragsbedienstete Verena Fuchs ist seit 14 Jahren hauptberuflich in der Justizanstalt Wiener Neustadt beschäftigt. Durch ihren Beruf wurde sie auch auf die

IPA aufmerksam und wurde Mitglied. Ihre neunjährige Erfahrung als Journalistin war für die Landesgruppe Niederösterreich natürlich ein Glücksfall. Endlich ein Profi für das Amt des Landesredakteurs. Im Au-

u Verena Fuchs begeistert mit ihren außerge­ wöhnlichen Bil­ dern.

gust 2005 übernahm Fuchs die Agenden und ist nun eine von neun Landesredakteuren für das IPA-Panorama. „Ein Journalist muss Zivilcourage haben und ein Idealist sein. Er ist Kämpfer und Sprachrohr für die, die sich nicht selbst helfen können oder denen Unrecht widerfahren ist. Er darf niemals locker lassen und alle Möglichkeiten der Recherche ausschöpfen“, bekräftigt Fuchs. Die Beiträge eines Journalisten leben und werden durch Bilder verstärkt. Dafür benötigt der Fotograf ein gutes Auge, das Gespür für den richtigen Moment und manchmal auch das Glück des Augenblicks. Fuchs ist für ihre außergewöhnlichen Bilder bekannt und wird deshalb von

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

Privaten und Redakteuren immer wieder kontaktiert. Abseits ihrer beruflichen Tätigkeiten sucht Fuchs den Ausgleich in handwerklichen und künstlerischen Arbeiten. Bereits im Alter von acht Jahren entdeckte sie das Malen, das sie bis heute nicht losgelassen hat. Anfänglich waren es die Hinterglasmalerei und kontrastreiche Bleistiftzeichnungen. Später widmete sie sich der Seidenmalerei.

Malen aus Leidenschaft Vor zwei Jahren nahm sie wieder den Pinsel zur Hand und versuchte es mit der Acryltechnik. Auf Anhieb war sie begeistert. Ihre Bilder fanden auch rasch Gefallen bei Interessierten, deshalb veranstaltete Verena unter dem Titel „Malen aus Leidenschaft,“ mit 25 Bildern gleich ihre erste Ausstellung. „Mit Freude haben ich mit den verschiedenen Techniken experimentiert. Die Acryltechnik liegt mir besonders. Dabei kann ich simple Motive ausdrucksstark und kontrastreich zum Ausdruck bringen“, erklärt die junge Künstlerin. In der Zwischenzeit fin-

u Im Schwimmteich leben die japanischen Zierfische von Verena Fuchs.

den sich mehr als 40 Werke in ihrer Galerie. Auch Tiere gehören zum Leben von Verena Fuchs. Neben Schildkröten, Fischen, Vögeln und einem Hund jagen auch zwei Hasen durch ein eigenes Zimmer. Von einem Nachbarn erhielt sie japanische

Zierfische oder Kois. Spontan errichtete sie dafür einen eigenen riesigen Schwimmteich. Ausgesprochener Liebling der Viecherei ist ein 60 Kilogramm schwerer Labrador namens „Billi“. „Zuerst hatte ich immer kleine Hunde. Als ich meinen Yorkshire-Terrier einschläfern musste, schaute ich mich sofort nach einem neuen Hund um. Zwei Stunden später kam ich mit einem Welpen nach Hause. Mittlerweile ist aus dem Winzling ein kleines „Kalb“ geworden“, schildert die Tierliebhaberin.

Energie und Freude

u Tiere sind nicht nur auf ih­ ren Bildern eine große Leiden­ schaft von Vere­ na Fuchs. Fotos: Fuchs

216 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

Woher nimmst du die Energie für alle Aufgaben? „Mit 14 erlitt ich eine schwere Krankheit. Nachdem ich alles überstanden hatte, war ich dankbar und änderte meine Einstellung. Außerdem helfe ich jedem, der Hilfe benötig. Die Freude darüber gibt mir die Kraft zurück“, meint Fuchs abschließend.


Natur erleben mit einer Pferdestärke Als Wanderreiter genießt es Adolf Lepka die Natur zu erleben. Der vielseitige Reiter besitzt auch drei Pferde, mit denen er an Meisterschaften teilnimmt.

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eit der Mensch das Pferd domestiziert hat, dient es als Transport- und Fortbewegungsmittel. Es gibt mehr als 100 Möglichkeiten mit dem Pferd unterwegs zu sein. Am schönsten ist jedoch ein Ausritt in die unberührte Natur. Dazu zählt vor allem das Wanderreiten. Der Wanderreiter muss nicht nur ein exzellenter Kenner der Land-

schaft sein. Er benötigt auch Kenntnisse aus dem Bereich Reisemanagement, Kartenkunde, Orientierung, Notfall- und Veterinärmedizin, Naturschutz, über Ausrüstung und Tierund Menschenpsychologie. Ein gehöriges Maß an Unternehmergeist und vor allem Motivation. Einer, der alle diese Eigenschaften vereint, ist der 46-jährige Adolf „Adi“ Lepka, Polizeibeamter bei der

u Der Pferdeliebhaber Adolf Lepka.

Persönlichkeiten

Adolf Lepka

Bundespolizeidirektion Linz, Naturschutzwachorgan im Bezirk Urfahr und Umgebung und Leiter des Polizeisportvereines Linz. Seit seiner Kindheit liebt Lepka den Umgang mit Pferden und konnte sich bald zu einem vielseitigen Reiter entwickeln. Er beherrscht die englisch-deutscheReitweise, Westernreiten, iberische Reit- und die Gangpferdeausbildung. Sein Können ermutigte ihn schon bald an Turnieren teilzunehmen und so wurde das Reiten zu seinem Zweitberuf.

EM im Gangpferdreiten Der Pferdekenner und -liebhaber besitzt drei vielseitige Pferde. Einen Paso-Fino-Wallach namens „Carbonero de Austria“, mit dem er an Europameisterschaften im Gangpferdreiten teilnimmt. Hinzu kamen „Fabian“ und „Mozarts Tamino“, beide sind eine Lipizzanermischung. Besonders liebt Adi das Wanderreiten. 2007 beteiligte er sich an einem 14-tägigen Ritt von Bad Leonfelden über die Weinstadt Retz rund um Wien bis nach Podersdorf am Neusiedler See. Für diesen rund 680 km langen Ritt bekam er das „Golde50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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ne Wanderreitabzeichen mit Diamant“ vom oberösterreichischen Landesfachverband verliehen. Über das Wanderreiten gelangte er zum Orientierungsreiten, das wettkampfmäßige Wanderreiten. Regelmäßig nimmt Adi an gut organisierten Turnieren mit Erfolg teil.

u Der geprüfte Wanderreitfüh­ rer organisiert auch Touren. Fotos: Lepka

Persönlichkeiten

Geprüfter Wanderreitführer Als geprüfter Wanderreitführer organisiert er für Reitergruppen ein- und mehrtägige Touren auf ausgesuchten Reitwegen in Nieder- und Oberösterreich, Steiermark und Burgenland. Die Wanderritte führen in unbekanntes Gelände in dem sich die Gruppe nur mit Hilfe von Karte und Kompass orientiert. Naturliebhaber und Abenteuerlustige könnten dabei wie richtige „Cowboys“ in der freien Natur neben ihrem Pferd oder im Zelt übernachten. Lepka hat seinen Wunsch Reiter einer Polizeistaffel, als Leiter der Sektion „Reiten und Fahren“ der Polizeisportvereinigung Linz, nur be-

dingt erfüllen können, da er sein Hobby im Dienst nicht ausüben kann. Er versäumt aber keine Gelegenheit, bei diversen Veranstaltungen als reitender Sicherheitsmann aufzutreten. Und ein Polizeifest ohne Adi und seine Pferde ist in Oberösterreich undenkbar. Maximilian Ulrich

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Meisterhafte Fotos aus Amateurhand Mit profihaften Aufnahmen hat sich Wilfried Schneider als Amateurfotograf einen Namen gemacht.

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in gutes Foto ist ein gutes Foto. Ob es ein Supermodel zeigt, einen Mülleimer, einen dicken Dackel, den Penner an der Ecke oder den Pfosten vom Parkplatz nebenan. Es zählt nur eins: das Resultat. Die Resultate des Voralberger Polizeibeamten Wilfried Schneider sind meisterhaft. Schneider fotografiert seit 27 Jahren. Begonnen hat er mit einer analogen Kamera. Vor zwei Jahren legte er sich aber eine Digitalkamera zu. Mit ihr ist er meist in der Natur oder auf Sportplätzen unterwegs. Landschaften und Sport sind seine Hauptmoti-

ve. Obwohl seine Aufnahmen profihaft sind, zählt er zu den Amateurfotografen. Mit seinen Bildern konnte er schon mehrere nationale und inter-

u Für seine meisterhaften Fotos erhielt Wilfried Schneider schon so manche Auszeichnung.

Persönlichkeiten

Wilfried Schneider

nationale Preise erringen. Bereits 1980 errang er den zweiten Platz bei den Staatsmeisterschaften. Bei den Landesmeisterschaften in der Sparte „Farbbild“ belegte er 2003 und 2005 jeweils den zweiten und 1995 in der Sparte „Dia“ den dritten Platz.

Größter Erfolg

u Beim weltgrößten Fotokunstwettbewerb, der „Trierenberg Super Circuit“, errang Schneider 2007 eine Goldmedaille.

Der größte Erfolg gelang ihm aber 2007 beim weltgrößten Fotokunstwettbewerb der „Trierenberg Super Circuit.“ Mit mehr als tausend Einreichungen aus 105 Ländern hat dieser Wettbewerb beinahe „fotoolympische“ Dimensionen erreicht. 2007

u Bild oben: „Einsatz total“. Links: „Red Rose“ Fotos: Schneider

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

gab es einen besonderen kreativen und ideenreichen Mix aus analogen und digitalen Bildschöpfungen. In dieser „Champions League“ der Fotokunst zählten auch Fotografen in rot-weiß-rot zu den Preisträgern. Wilfried Schneider war einer und gewann mit dem Schwarzweißfoto „Kirchlein im Norden’“ eine VÖAVGoldmedaille. Um seine Bilder einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, gründete Wilfried vor ein paar Jahren das „Travelvision-Team.“ In Multivisionsshows präsentieren Schneider und seine drei Kollegen, alle Amateurfotografen, Reisevorträge der Extraklasse. Neben der Fotografie macht er mit dem Duo „Silberstern“ am Akkordeon oder Keyboard Tanzmusik. Als langjähriges IPA-Mitglied erstellt er auch das „IPA-Blättle“ für die Landesgruppe Vorarlberg. Peter Magg

u Mit diesem Schwarzweißfoto „Kirchlein im Norden“ gewann Wilfried Schneider eine VÖAV­Goldmedaille.

u „Gewitter­ stimmung“. Fotos: Schneider

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u Neben der Foto­ grafie macht Wilfried Schneider mit dem Duo „Silberstern“ am Akkordeon oder Keyboard Tanz­ musik.


Meine Bilder sollen Freude machen Der 54­jährige Rudolf Stieglbauer ist als Fahrzeugsattler beim Landespolizeikommando Linz beschäftigt. Seit fast einem Vierteljahrhundert widmet er sich der Malerei.

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or knapp 25 Jahren begann Rudolf Stieglbauer mit der Hinterglasmalerei. Diese Bilder zeichnen sich durch besondere Brillianz der Farben aus. Dies hat seinen Grund in der Technik dieser Malweise. Bemalt wird die hintere Glasscheibe vom Betrachter aus gesehen. Das bedingt, dass das Bild spiegelverkehrt gemalt wird. Auch der Aufbau ist im Gegensatz zum Bild auf der Leinwand umgekehrt. Zuerst werden Konturen und Vordergrund gemalt, zuletzt erst der Hintergrund. Im Laufe der Jahre reizte den 53-Jährigen jedoch die Aquarelltechnik. Techniken und Farbgestaltungen erlernte er

u Rudolf Stieglbauer wechselt seine Tech­ nik je nach Stimmung.

in diversen Seminaren bei anerkannten österreichischen Künstlern wie Maximilian Gebhartl, Erwin Kastner, Arthur Redhead, Gerhard Almbauer, und Mag. art. Herwig Berger. Durch diese Künstler wagte er bald einen weiteren Schritt und fertigte Bilder in Acryltechnik an.

Farben drücken Gefühle aus

u Die Wienerstraße in Enns.

Farben lösen Gemütsbewegungen aus und greifen in unser Befinden ein. Dadurch können Farben auch Gefühle ausdrücken. Sie dienen nicht nur zur Kennzeichnung und Unterscheidung von Gegenständen oder als Orientierungshilfen in komplexen Gebäuden sondern werden zur Raumgestaltung eingesetzt, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Räume wirken freundlich oder bedrückend, hell oder dunkel, weit oder eng.

u Die Toskana aus der malerischen Sicht von Rudolf Stieglbauer. Fotos: Stieglbauer

Persönlichkeiten

Rudolf Stieglbauer

Stiegelbauer setzt bewusst auf diese Stilmittel. Er wechselt dabei je nach eigener Stimmung und Gefühl zwischen Aquarell- und Acryltechnik. Bei den Motiven bevorzugt er architektonisch anmutende Bauwerke, aber auch Blumen und Landschaften. Mit bewusster kräftiger und harmonischer Farbgestaltung in seinen Bildern versucht er beim Betrachter Freude auszulösen. Genauso wichtig ist es ihm, dass seine Bilder positive Energien verströmen. Um diesen Anspruch gerecht zu werden, unternimmt er Malreisen quer durch Österreich, Tschechien, Slowenien und Italien. Dabei findet er immer wieder neue Motive und Farbenspiele vor. Mit neuen Techniken und Farbgestaltungen versucht er seine Beobachtungen auszudrücken und sie in seinen Bildern wiederzugeben. Beim Aquarell fasziniert ihn vor allem das Zusammenspiel von Wasser und Farbe am Papier. Bei der Nass-inNass-Technik beispielsweise wird auf dem feuchten Malgrund oder in eine noch feuchte Farbe hineingemalt, wodurch die Farben ver- oder ineinanderlaufen. Ganz anders verhält sich die Acryltechnik. Mit einer intensiven Farbmischung wird ein plastisches Gestalten möglich. Acrylfarben sind klar und transparent und haben eine reine Farbwirkung von starker Intensität und Leuchtkraft. Maximilian Ulrich

50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Johann Mandl

Persönlichkeiten 222

„Familie und Kameradschaft sind für mich das Wichtigste“ Johann Mandl – ältestes Mitglied und Mitbegründer der Verbindungsstelle Deutschlandsberg.

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ls Johann Mandl 1918 in Mürzzuschlag geboren wird, endet der Erste Weltkrieg. Die österreichische Monarchie existiert nicht mehr und die Republik wird ausgerufen. Drei bedeutende Künstler der Moderne, Klimt, Moser Schiele und der berühmte steirische Heimatdichter Peter Rosegger sterben in diesem Jahr. Nach seiner Schulzeit und der schweren Arbeit in der Landwirtschaft muss er als 20-Jähriger zum Militär. Es wird eine lange Zeit werden, der Zweite Weltkrieg steht unmittelbar bevor. Während des Krieges war Mandl in Frankreich, Jugoslawien und Russland. „Ich wurde drei Mal verletzt, zum Glück waren sie ohne Folgen geblieben.“ Gegen Ende des Krieges geriet er in amerikanische Gefangenschaft. „In meiner einjährigen Gefangenschaft war ich für diverse Zustelldienste verantwortlich. Ende 1946 konnte ich endlich wieder nach Hause.“ 1947 stellte sich Mandl in den Dienst der Gendarmerie. Nach seiner Ausbildung kam er zur Verkehrsabteilung nach Graz. Sein letzter Ortswechsel erfolgte 1951 zum Gendarmerieposten Lannach, wo er bis zur Pensionierung 1978 blieb. Dabei verweist der heute 90-jährige auf zwei beson-

Entscheidung Karriere oder Familie war für mich nicht schwierig. Für mich war die Familie immer wichtiger als Titel oder ein paar Schilling mehr auf dem Konto. Und ich habe es nie bereut.“ Neben seiner Familie war Johann Mandl auch immer für die IPA tätig. Er ist nicht nur das älteste Mitglied der Verbindungsstelle Deutschlandsberg, sondern auch einer der Gründerväter. Zuerst Schriftführer und später begeisterter Reisesekretär.

Reiselust u Johann Mandl, Mitbegründer der LG Deutschlandsberg. Unten: Ehrenurkunden für langjährige Verdienste. Fotos: Ulrich

dere Erlebnisse seines Berufslebens. Bereits in seinem ersten Jahr in Lannach gelang es ihm und einem Kollegen einen lang gesuchten mutmaßlichen Mörder festzunehmen. Eine lustige Episode ergab sich später. Er lehrte den späteren Landesgendarmeriekommandanten Horst Scheifinger die Handhabung mit der Laubsäge. Lannach war nicht nur Dienststelle, sondern auch Wohnort. Hier errichtete er ein schmuckes Einfamilienhaus. Johann Mandl ist mit einer inzwischen ebenfalls pensionierten Volksschullehrerin verheiratet und stolzer Vater zweier Töchter. „Die

Beim Thema Reisen gerät Johann Miedl so richtig ins Schwärmen. Erst heuer hat er das aktive Reisen mit seinem geliebten Wohnwagen, ein zwölf Quadratmeter großes fahrendes Wohnzimmer verkauft. „Ich wollte den ewigen Anspielungen, dass ich für Expeditionen solcher Art bereits zu alt bin, ein Ende setzen.“ Mandl war mit seiner Familie und dem geliebten Wohnwagen quer durch Europa unterwegs gewesen. Bei seinen zahlreichen Reisen und Veranstaltungen der IPA lernte er viele Kollegen kennen. Zu einem deutschen Kollegen aus Bad Reichenhall, Manfred Dallinger, entwickelte sich in der Zwischenzeit eine tiefe Freundschaft. Familie, Kameradschaft, Entschlossenheit, Freude am Leben und die Liebe zu seiner Frau haben Johann Mandl nie alt werden lassen. M. Ulrich


Werner Malek

Lustiges und Ernstes aus seinem beruflichen Alltag als Polizeibeamter in Leoben hat Werner Malek in einem Buch niedergeschrieben.

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icht immer, wenn die Polizei zu einem Einsatz gerufen wird, ist die Lage auch wirklich ernst. Im Gegenteil, manchmal erscheinen Polizeieinsätze wie aus einem Kuriositätenkabinett. Werner Malek war 40 Jahre Polizeibeamter in Leoben. Lustiges und Ernstes aus seinem beruflichen Alltag hat er in einem Buch niedergeschrieben. Der als Vollwaise und bei Zieheltern aufgewachsene Werner Malek erlernte nach der Grundschule den Beruf eines Bauspenglers. Als 20-Jähriger entdeckte er die Polizei und wurde Polizeibeamter. Obwohl der 73-Jährige schon mehr als ein Jahrzehnt in Pension ist, ist seine berufliche Vergangenheit noch immer präsent. Nicht nur wegen der Polizeikappe, die für jeden Besucher sichtbar an der Garderobe hängt. Er schlägt sein erstes Buch auf und zitiert aus dem Polizeialltag. Präzise wie ein Uhrwerk und von unglaublicher Lebendigkeit sind seine Formulierungen. „Ich besuchte den letzten Lehrgang der Polizeischule in Leoben. Damals waren die Polizeischüler noch kaserniert. Das hat aber keinem geschadet. Im

Gegenteil. Dadurch wurden Kameradschaft und Teamgeist gefördert. Höflichkeit, Disziplin und militärisches Auftreten waren Grundprinzipien und die Visitenkarte eines jeden Polizeibeamten. Die Polizei muss sich jeden Tag verkaufen, ist aber weder Sozialamt noch Standgericht.“

Chefinspektor Maleks erste Dienststelle war das Wachzimmer Hauptplatz. Nach dem Fachkurs wechselte er als zweiter Wachkommandant zur Funkstreife, wo er am Ende seiner Karriere Chefinspektor wurde. Sein Vorbild war Abteilungskommandant Maximilian Dufour. Der Offizier

stellte sich 1950 beim großen „Oktoberstreik“ in Donawitz nach einem körperlichen Angriff allein vor die Streikenden hin und konnte sie zur Aufgabe ihres Vorhabens bewegen. Auch Malek scheute keine Konfrontationen. Er unterstützte seine Mitarbeiter gegen alle Widerstände, duldete aber keine Nachsicht bei polizeischädigendem Verhalten. „Meine Kollegen befürchteten immer einen Schlaganfall, den habe ich erst in meiner Pension erlitten.“ Seither leidet er an ständigen Kopfschmerzen, die er mit dem Schreiben, mit klassischer Musik und Spielen mit seinem Enkel lindern kann. Nicht nur Kämpferherz und soziales Engagement,

Persönlichkeiten

Lebendige Vergangenheit

u In seinen Büchern erzählt Werner Malek in lebendigen Worten aus dem Polizeialltag. 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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Persönlichkeiten

auch Weitsicht und Achtung seiner Mitmenschen finden sich in Maleks Leben. Durch seine zahlreichen außerberuflichen Funktionen in der Gewerkschaft, Feuerwehr oder in der Gemeinde, war er immer für die Zusammenarbeit mit anderen Einheiten. So forcierte Malek und Bewunderer der englischen Polizei schon lange vor der Reform die Zusammenarbeit mit der Gendarmerie. Kritisch sieht er einige der heute geltenden Vorschriften, die die polizeiliche Arbeit durch den Formalismus sehr behindern und meint sarkastisch: „Ein Polizist der im Ernstfall alle Vorschriften penibel einhält, ist tot bevor er den Einsatz beendet hat.“ Neben persönlichen Erlebnissen, illustrieren Bilder, Karikaturen, und Schreiben von Persönlichkeiten das spannende Berufsleben des ehemaligen Polizeibeamten. Leider ist das Buch vergriffen.

Drei Bücher über Göss Der geborene Donawitzer kommt, wie er selber sagt, aus einem „Glasscherbenviertel“ und zog vor 45 Jahren nach Leoben. Seither wohnt er in seiner zweiten Heimat im Stadtteil Göss. Aus Liebe zu diesem Stadtteil und seinen Bewohnern hat er drei Bücher darüber verfasst. In „Göss und seine Menschen“ beschreibt er Persönlichkeiten, die die Stadt geprägt haben. Etwa Maximilian Kober. Nach der Säkularisation im Jahr 1782 gründete Kober, gelernter Bierbrauer, in den Stiftsgebäuden trotz heftiger Widerstände eine neue Brauerei. Bereits 1892 war die Brauerei Göss

u Insgesamt vier Bücher hat Werner Malek bereits verfasst. Aus Liebe zu Göss und sei­ nen Bewoh­ nern hat er drei Bücher über diesen Stadtteil ge­ schrieben. Fotos: Malek

die drittgrößte des Landes Steiermark. Oder Bürgermeister Longin, der auch Gründungsmitglied des SK Sturm war. Während seiner Funktionsperiode pendelte er mit dem Fahrrad zwischen Graz und Leoben. Dessen Sohn gründete in Leoben ein weltbekanntes Technologiezentrum für feuerfeste Produkte.

Erste Führerscheinbesitzerin Aber auch die erste Führerscheinbesitzerin, Personen mit besonderen Schicksalen oder Eigenheiten von Leoben sind in den Büchern zu finden. Wer kennt den „silbernen und goldene Sonntag“? Darunter versteht man den dritten und vierten

224 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

Sonntag vor Weihnachten, der aus der Kaufmannschaft entstand. Malek gibt die Bücher in einer Auflage von 500 bis 700 Stück im Eigenverlag heraus. Zusammen mit Peter Angerer, einem ehemaligen Lehrer, arbeitet er bereits am nächsten Buch. Seine Erlebnisse, aber auch sein historisches Material – er besitzt zahlreiche Fotografien und Handschriften – reichen noch für einige Bücher. Sein reichhaltiges Leben, von dem er noch Stunden erzählen könnte, zitiert er mit einem Spruch von Willy Brandt: „Wenn wir am Ende unseres Lebens sagen können, wir haben uns bemüht, dann haben wir es richtig gemacht.“ Maximilian Ulrich


Persönlichkeiten

u Kraft und Technik führen zum Erfolg.

Ein tragischer Unfall ver­ änderte sein Leben. Doch durch den Leistungssport fand Georg Tischler wieder neuen Mut – und holte sich einen Olympiasieg sowie einen Weltmeistertitel.

Georg Tischler

Lebensmut durch Sport: Goldmedaille und WM-Titel

G

eorg Tischler – ein tragischer Unfall veränderte sein Leben. Durch Leistungssport fand er wieder neuen Mut. Sein unerbittlicher Kampf gegen diesen schweren Schlag des Schicksals brachte ihm einen Olympiasieg und einen Weltmeistertitel.

Der Kampf um eine neue Zukunft Oktober 1977 – Georg war gerade 16 Jahre alt und besuchte die Handelsschule in Neusiedl/See. Ein junger Mensch in der Blüte seines Lebens. Wie viele seiner Freunde besaß auch er ein Moped. Doch dieser fahrbare Untersatz veränderte sein Leben. Er

kam schwer zu Sturz und hatte bei diesem tragischen Unfall noch Glück im Unglück. Die Ärzte konnten zwar sein Leben retten, doch eine gänzliche Heilung war nicht möglich. Für den Rest seines Lebens sollte er an den Rollstuhl gefesselt bleiben. Eiserne Disziplin und der Glaube an sich selbst gaben ihm die Kraft für eine Karriere, die auch für viele gesunde Menschen beispielhaft sein sollte. Georg Tischler kämpfte sich zurück ins Leben. Seit 1. November 1999 ist er Mitarbeiter bei der ZugsGrenzpolizeiinspektion in Bruckneudorf. In seinem Rollstuhl „kurvt“ er durch die behindertengerecht ausge-

bauten Büroräume der Dienststelle und unterstützt die etwa 70 Mitarbeiter/innen bei allen anfallenden Kanzleiarbeiten.

Internationaler Durchbruch in Neuseeland Tischler spezialisierte sich auf Kugelstoßen, Speer- und Diskuswerfen. Im österreichischen Versehrtensport war der Name Tischler durch zahlreiche Staatsmeistertitel längst ein Begriff. International wollte ihm der Durchbruch vorerst aber nicht gelingen. Doch dann kamen die World-Games in Neuseeland. Es war im Oktober 2003, als Georg an diesem mit 800

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u Olympische Spiele 2008 in Peking – vor dem „Vogelneststadi­ on“. Fotos: zur Verfügung stellt von Georg Tischler

Persönlichkeiten Sportlern aus 60 Nationen besetzten bis dahin weltgrößten Sportereignis für Rollstuhlfahrer teilgenommen hat. Im letzen Versuch schleuderte er die Kugel auf 8,35 m, was den Vizeweltmeistertitel bedeutete. Der Durchbruch war nun auch auf der internationalen Bühne gelungen.

Olympiasieg mit Weltrekord „Der Hunger nach Erfolgen“ war aber bei weitem nicht gestillt. Er träumte von einem Sieg bei der Olympiade in Athen. Verbissen trainierte der sympathische Golser für diese Spiele, die den schönsten Tag in seinem Leben bringen sollten. September 2004 – „Seit den Wett-

kämpfen in Sydney habe ich auf diesen Augenblick gewartet. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, jetzt bin ich am Ziel“, jubelte Georg Tischler nach seinem Triumph im Riesenoval des Athener Olympiastadions. Schon im ersten Versuch schaffte er mit 9,57 m einen neuen Weltrekord. Was danach folgte, war eine einzigartige Demonstration seines Könnens. Im zweiten Versuch verbesserte er seine eben erst aufgestellte Weltbestleistung um 10 cm auf unglaubliche 9,67 m. Kein anderer Athlet kam nur annähernd auf diese Weite. Auch nach dem Olympiasieg hat er sich auf den Lorbeeren nicht aus-

u Strahlende Ge­ sichter „spiegeln“ die Erfolge. 226 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

geruht und zahlreiche internationale Erfolge errungen, deren Aufzählung den Rahmen sprengen würde. Herausragend war der Gewinn der Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft in Taiwan im September 2007. Nach einer durchaus erfolgreichen Vorbereitung fuhr er in Erwartung einer erfolgreichen Verteidigung seines Olympiasieges von Athen im September 2008 nach Peking. Doch ein Virus sorgte für eine gesundheitliche Beeinträchtigung. Geschwächt durch eine Grippe musste er an den Start und belegte den – aber nur für ihn – etwas enttäuschenden sechsten Platz.

Neue Ziele Die Enttäuschung ist aber mittlerweile Geschichte, und Georg hat bereits neue Ziele vor Augen. Als erster Versehrtensportler will er die Kugel über zehn Meter stoßen, weitere nationale und internationale Wettkämpfe bestreiten und 2011 an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Auf einen Start bei der Olympiade 2012 legte er sich noch nicht fest. Wir wünschen ihm jedenfalls viel Erfolg und würden uns über einen neuerlichen Medaillengewinn freuen. Wolfgang Bachkönig


Ein Tag ohne Bewegung ist ein verlorener Tag Für den 30­jährigen Polizeibeamten Thomas Wallner ist das tägliche Training in verschiedensten Disziplinen keine Qual.

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eit 14 Jahren fährt Johann Wallner täglich mit seinem Moutainbike über Stock und Stein und trimmt seinen Körper für Höchstleistungen. Er scheut keine Strecke und ist dabei auch sehr erfolgreich. Die Natur und vor allem die Berge sind Herausforderung und Liebe zugleich. Bereits mit 16 Jahren startete er zum ersten Mal bei regionalen Mountainbikerennen. Nach der Matura begann er mit dem Sportstudium und einem gezielten Leistungstraining am Olympiastützpunkt Obertauern, im Leistungszentrum „Rif“ in Salzburg und an der europäischen Bike Akademie am Chiemsee. „Die heutige Wettkampfstruktur im Leistungssport macht eine individuelle Betreuung des Athleten, in Einzel- wie auch Mannschaftsdiszipli-

u Oben: Siegesfahrt beim Rad­Europacup 2008 in Bad Goisern. Unten: Europacup im Skibergsteigen am Dachstein. Fotos: Wallner

nen unerlässlich. Die hohen körperlichen Anforderungen in Spiel- und Individualsportarten erfordern einen gezielten Fokus auf die konditionellen und koordinativen Fähigkeiten,“ erklärt der Leistungssportler. Danach wechselte er von den Moutainbikern für zwei Jahre zu Straßenradrennfahrern. 2005 kehrte Wallner wieder zu den Mountainbikern zurück und wurde Halbprofi. Das hieß wöchentlich mindestens 25 Stunden Training und 25 Stunden Polizeiarbeit. Der Einsatz lohnte sich. Er konnte mehrere Siege und Podestplätze erringen. Die größten Erfolge waren Europameister 2005 in Gosau am Dachstein und Teamwelt-

u Johann Wallner.

meister in Ruhpolding in Deutschland jeweils im 24-Stunden Rennen. 2008 besiegte Thomas Wallner in Bad Goisern das Bike Team Bratislava über die 53 Kilometer praktisch im Alleingang. Über die 100 Kilometer Distanz hatte er bereits gewonnen. Selbst von einem Massensturz kurz nach dem Start ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und so überquerte er als Sieger die Ziellinie. „Es war zwar nur halb so lang wie der 100er, aber trotzdem brutal schwer, weil man von Anfang an volles Tempo geht“, so Wallner, der sich sicher ist, dass er das Rennen vor allem in den Abfahrten gewonnen hat. „Bad Goisern ist immer ein ganz besonderer Sieg.“

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Johann Wallner

Skibergsteigen Neben den Sommerrennen fand der in Bischofshofen wohnhafte Wallner bald zu den Skibergsteigern. „Ein wunderbarer Ausgleich zum Radsport,“ ergänzt er. Vor einem Jahr musste er sein Sommertraining auf 15 Stunden reduzieren, um beide Sportarten ausüben zu können. Im Schibergsteigen konnte er 2008 beim „Moutain Attack“ in Saalbach den dritten Platz erringen. Außerdem hält er im Viererteam den 24-Stunden Höhenweltrekord. Abschließend meint der Spitzensportler: „Ein Tag ohne Bewegung ist für mich ein verlorener Tag. Ich weiß, dass das Leben nicht nur aus Sport besteht, aber Sport ist mein Leben.“ M. Ulrich

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Norbert Dürnberger

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Folgen eines Abschiedsgeschenks Als Norbert Dürnberger von seinen Kollegen das Abschieds­ geschenk anlässlich seiner Pensionierung in Händen hielt, wusste er noch nicht, welche Folgen es haben würde.

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egen eines massiven Hüftleidens musste der heute 66-jährige und ehemalige Justizwachebeamte Norbert Dürnberger vor zwölf Jahren vorzeitig in Pension gehen. Trotz seiner Einschränkung wollte er nicht untätig bleiben. Als seine Kollegen erfuhren, dass ihn die Malerei interessieren könnte, schenkten sie dem Frühpensionisten zum Abschied einen Malkurs auf der Volkshochschule. Interessiert, aber mit Freunde besuchte der damals 54-jährige die Kurse. In der breiten Palette der Malerei fand sich Dürnberger sofort in der Aquarelltechnik wieder. Als leidenschaftlicher Beobachter der Natur hatte er schon immer am Farbenspiel der Natur oder an den Gebäudekompositionen unsagbare Freude empfunden. Nun konnte er seine Beobachtungen zu Papier brin-

gen und sich auf diese Weise dem Publikum mitteilen. „Bereits mein erstes Bild hat mich selbst und ich glaube auch andere begeistert,“ erzählt er rückblickend voller Freunde. Bei seinen Ausflügen fand er in seiner Umgebung schon bald seine Lieblingsmotive. So skizzierte er Almen, Gehöfte und den Nationalpark in den Kalkalpen während der vier Jahreszeiten oder landwirtschaftliche Gegenstände auf Papier. Auch markante Örtlichkeiten in der Altstadt von Steyr zählen zu seinen bevorzugten Malobjekten. Seine Bilder sind von hellen Farben und Details geprägt.

Intensive Farben Wegen der Intensität der Acrylfarben versuchte sich der Oberösterreicher auch in der Acrylmalerei. Um mit dieser neuen Technik vertraut zu werden,

u Norbert Dürnberger erhielt zur Pen­ sionierung einen Malkurs geschenkt.

besuchte er mehrere Seminare. In der Zwischenzeit gründete er mit 14 Gleichgesinnten einen Malklub, der in unregelmäßigen Abständen Vernissagen veranstaltet. Die Ausstellungen wurden von den regionalen und nationalen Medienvertretern sehr positiv bewertet. Mit ein wenig Stolz verweist der junge Künstler auf seine Werke, die auf einer Seite im Kulturbuch der Gemeinde Garsten unter dem Titel: „Lebenswerte Gemeinde zwischen Tradition und Aufbruch,“ abgedruckt wurden. Ergänzend meint der 66-Jährige: „Mit meinen Bildern möchte ich meine innere Lebensfreude und die Verbundenheit zur Natur zum Ausdruck bringen. Sie sollen den Stressgeplagten oder Unglücklichen beim Betrachten das Gefühl der Freiheit, der Ungezwungenheit und natürlich sehr viel M. Ulrich Freude vermitteln.“

u Links: Garten, ennsseitig. Oben: Stausee, Garsten. Fotos: Dürnb.

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Stefan Hafner

2003 trat Stefan Hafner in den Ruhestand – und hatte damit endlich Zeit, sich seinem Traum zu widmen: der Steinbildhauerei.

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tefan Hafner trat 2003 zwar in den Ruhestand, in „Pension“ ist er aber nicht gegangen. Mit dem nun beginnenden neuen Lebensabschnitt konnte er sich endlich seinen Traum erfüllen. Seit nunmehr vier Jahren widmet er sich mit ganzer Kraft der „Steinbildhauerei“, wobei der Name Hafner nicht nur in Kreisen der Bildhauer längst ein Begriff geworden ist. Gendarm war nicht nur sein Beruf – es war einfach Berufung, wie seine dienstliche Laufbahn zeigt. Er trat 1964 in die Bundesgendarmerie ein, wurde nach dem Grundausbildungslehrgang zum Gendarmerieposten Neudörfl/Leitha versetzt, wo er sich seine ersten Sporen verdiente. Bereits nach drei Jahren übersiedelte er zur Kriminalabteilung nach Eisenstadt. Er war Experte für Brand-, Explosions- und Sprengstoffdelikte sowie für die Erhebung von Flugunfällen zuständig. In seine Ära fiel die Bearbei-

tung des Flugzeugabsturzes im Leithagebirge bei Purbach (Dez. 2000; zwei Todesopfer) oder die Ermittlung der Brandursache des Großbrandes in der Druckerei Tusch in Neudörfl/Leitha (Nov. 1997; Schaden: 1.000.000.000.S), um nur einige zu nennen.

Der Weg zum Bildhauer In all diesen Jahren ließ ihm sein Beruf nur wenig Zeit für die „Steinbildhauerei“. Er beschränkte sich deshalb auf das Sammeln von Steinmineralien. In Erwartung seiner bevorstehenden Pensionierung absolvierte er im Jahre 2001 einen dreitägigen Steinbildhauerkurs im Römersteinbruch in St. Margarethen. Stefan war derart begeistert, dass er es kaum erwarten konnte, aus einfachen Steinen Skulpturen zu meißeln. In Vorbereitung auf den Ruhestand schuf er im Garten seines Wohnhauses in Müllendorf die Infrastruktur

u Bild oben: die Metamorphose – Gendarmerie und Polizei vereint. u Links: Mit Hammer und Meißel im Dienst der Kunst. Fotos: Zur Verfügung gestellt vom Künstler

u Stefan Hafner präsentiert stolz seine Werke.

und besorgte sich die erforderlichen Rohmaterialien. Sein Hobby wurde nun zu seinem zweiten Beruf. Grundkenntnisse hatte er durch das dreitägige Seminar erworben, Arbeitstechniken und Vorlagen seiner Werke musste er sich selbst erarbeiten. Stefan Hafner verwendet für seine Skulpturen Sand-, Kalkstein und Marmor. Bis dato hat er insgesamt 120 Exemplare in verschiedener Größe geschaffen, die er entweder selbst in seinem Anwesen aufstellt oder als Geschenke an Freunde und Bekannte weitergibt.

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Der Steinbildhauer

Metamorphose für den historischen Tag Dass er sich trotz seiner Pensionierung mit der Exekutive noch immer verbunden fühlt, zeigt ein besonderes Geschenk für den „neuen Wachkörper“. Stefan schuf eine Metamorphose (Umgestaltung oder Verwandlung) und datierte diese mit 1. Juli 2005. Das Kunstwerk soll an die Zusammenführung von Gendarmerie und Polizei zur „Polizei Neu“ erinnern. Nach der feierlichen Übergabe fand diese Metamorphose einen würdigen Platz in der Aula des Landeskriminalamtes Burgenland. Leitspruch von Stefan Hafner: „Steine leben, können sprechen und heilen, haben eine Seele und eine Geschichte und sind Freunde der Menschen…!“ Wolfgang Bachkönig

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Harald Winkler

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Mit einer halben Tonne durch den Eiskanal u Freude vor dem olympischen Feuer in Albertville 1992. Foto: flower c2

Die olympischen Spiele 1992 in Albertville wird Harald Winkler sicher nie vergessen: Als 29-Jähriger krönte er hier seine sportliche Karriere mit einem Sieg im Viererbob.

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m französischem Albertville krönte 1992 Harald Winkler als 29-jähriger seine sportliche Karriere mit einem besondern Sieg. Mit Ingo Appelt, Gerhard Haidacher und Thomas Schroll errang er den Olympiasieg und Weltmeistertitel im Viererbob. Der Olympiasieger war ein Spätstarter im Spitzensport. Seine sportliche Karriere begann Winkler erst als 20-Jähriger in der Leichtathletik. Das Talent des jungen und ehrgeizigen Gendarmeriebeamten fiel auch dem damaligen Schul- und späteren Landesgendarmeriekommandanten der Steiermark Horst Scheifinger auf. „Ihm kann ich es auch verdan-

ken, dass ich jede nur erdenkliche Unterstützung bekam.“ Der erfolgreiche Polizeifünfkämpfer trat bald dem Leichtathletikverein USSV Graz bei. Direktor Horst Mandl versetzte dem Rohdiamanten den Feinschliff und zündete in ihm die Liebe zum Sprintbewerb. Bereits 1984 errang er im 200 Meter Lauf den ersten steirischen Meistertitel. Die damals gelaufenen Rekorde über 100 und 200 Meter wurden bis heute nicht unterboten. Auch eine schwere Knieverletzung konnten seinen Erfolgslauf nicht stoppen. Seine Sprintqualitäten fielen 1986 auch bei einem Fünfkampf in Spanien auf. Als Winkler von einem Sport-

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funktionär auf einen Wechsel ins Boblager angesprochen wurde, war er gleich begeistert. „Schon als Kind habe ich den Bobsport im Fernsehen mit glühendem Interesse verfolgt. Sofort wurde ich zu den Schubtests nach Innsbruck eingeladen. Die Leistungen waren so gut, dass ich gleich einen Stammplatz bekam.“

WM 1987 in St. Moritz Schon in der ersten Saison konnte sich Winkler für die Weltmeisterschaft 1987 in St. Moritz qualifizieren. Die Zusammenarbeit mit dem Piloten Ingo Appelt war auch der Grundstein für seine erfolgreiche Sportlerlaufbahn. Nur ein Jahr später


Sieg oder Niederlage Ein Sportbob ist den Insassen angepasst und aerodynamisch verkleidet. Die lenkbaren vorderen Kufen werden mit Seilzügen gelenkt. Laut Reglement der Internationalen Bobföderation müssen Viererbobs ein Gewicht von 210 Kilogramm haben. Das Maximalgewicht beträgt 630 Kilogramm. Die maximale Breite ist auf 67 Zentimeter festgesetzt. Bobs erreichen im Eiskanal Geschwindigkeiten über 100 km/h. Kleine Fehler am Schlitten können oft über Sieg oder Niederlage entscheiden. Der Pilot muss über ein extrem gutes Reaktionsvermögen, ein hervorragendes „Bahngefühl“ und eine ausgeprägte Feinmotorik verfügen. Kleinste Lenkbewegungen an der falschen Stelle können im schlimmsten Falle schon einen Überschlag verursachen. Die Zeitunterschiede zwischen den Spitzenmannschaften betragen auch nach vier Läufen oft nur wenige Hundertsteloder Tausendstelsekunden. Die Platzierung entscheidet sich bereits in der Anschub- oder Start-

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qualifizierte sich Winkler mit Appelt für die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary. Mit einem respektablen fünften Platz im Zweier- und einem siebten Platz im Viererbob, waren die ersten Olympischen Spiele aus der Sicht des erfolgsorientierten Winkler recht gut verlaufen. In den folgenden Jahren errang er Europaund Weltmeistertitel. Im Olympiajahr 1992 funktionierte wirklich gar nichts. Nur mit einem Spitzenplatz konnte sich das Team rund um Winkler für die Spiele qualifizieren. Wechsel von Teammitgliedern und kein passender Bob, mit dem Spitzenzeiten zu erzielen waren, das zerrte an den Nerven der erfolgsverwöhnten Stammbesatzung, Appelt und Winkler.

u Start in Albertville 1992.

phase auf den ersten 50 Metern. Die Anlaufzone ist ungefähr 15 Meter lang. „Die Zeit, die am Start verloren wird, verdoppelt sich in der Endzeit. Deshalb müssen Bobfahrer sehr athletisch gebaute gute Sprinter und eine explosive Schnellkraft haben,“ führt Winkler aus. Daher eignen sich ehemalige Leichtathleten, meist Sprinter,

u Harald Winkler mit dem Edelmetall aus Albertville 1992. Foto: Winkler

Foto: GEPA

Weitspringer oder Zehnkämpfer als Hinterleute oder Anschieber am besten. Fast alle Spitzenmannschaften können mit 100-Meter-Bestzeiten unter elf Sekunden aufwarten.

Tag der Entscheidung „Endlich war der Tag der Entscheidung da, obwohl die Aussicht auf einen Spitzenplatz eher gering war. Als Spitzensportler musst du den Sieg immer im Fokus haben, sonst kannst du nicht gewinnen. Trotz aller Pannen in der Vorbereitung haben wir alle an den Sieg geglaubt.“ Nachdem das Team vier ausländische Bobs verbraucht hatte, konnte durch Zufall endlich ein österreichischer Bob gefunden werden, der das Quartett auf die Siegerstraße führte. Bereits in den Trainingsläufen schien eine Spitzenplatzierung sicher zu sein. Tatsächlich! Nach dem ersten Lauf führte sie mit drei Zehntel Vorsprung. Dann der zweite Lauf. Nach dem Start rutschte Steuermann Appelt mit einem Schuh gegen den Schlitten und beschädigte mit einem Spike die Kufe. Trotz guter Start-

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leistung bremste die beschädigte Kufe die Fahrt ins Ziel. Die Endzeit reichte gerade noch für den zehnten Gesamtrang. „Trotz dieses Malheurs waren wir so gut drauf, dass keiner resignierte,“ erinnert sich Winkler. Zum Glück konnte die Kufe in der Nacht wieder repariert werden. Im dritten Wertungslauf knallten die Österreicher eine Bestzeit hin und übernahmen mit zwei Hundertstel Vorsprung die Gesamtführung. Diesen Vorsprung verteidigten sie auch im vierten Lauf und wurden Olympiasieger. „Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ein Olympiasieg ist ein besonderer Sieg. Schon allein deshalb weil die Spiele nur alle vier Jahre stattfinden.“

u Auf der Fahrt zum Sieg, im Eiskanal von Albertville 1992. Foto: GEPA

4. Platz in Lillehammer Aus organisatorischen Gründen fanden die nächsten Olympischen Winterspiele bereits 1994 in Lillehammer statt. Trotz Favoritenrolle erreichte Winklers Team mit 39 Hundertstel Rückstand nur den undankbaren vierten Platz. Enttäuscht? „Als Spitzensportler muss man enttäuscht sein, wenn es nicht für einen Medaillenrang gereicht hat. Aber wir waren eben nicht besser.“ Winkler beendete zwei Jahre später seine erfolgreiche aktive Sportlerlaufbahn und kehrte zum Gendarmerieposten nach Gratkorn zurück. Heute arbeitet der unvergessene Olympiasieger als Kriminalbeamter im Landeskriminalamt Steiermark im Fachbereich für Gewaltdelikte. Bist du noch sportlich tätig? „Ich bin Berater der steirischen Olympiaförderung des Landes Steiermark.“

Eine Einrichtung, die im Jahr 2003 initiiert wurde und besonders talentierte Sportlerinnen und Sportler in Sommer-Einzelsportarten optimal unterstützt. Kurz gesagt, ein Einrichtung für zukünftige Olympiasieger. „Zudem betreue ich den Fußballverein Gratkorn im Marketingbereich.“

Bob seit 1924 olympisch Obwohl der Bobsport erst im Jahre 1889 im schweizerischen St. Moritz von einem Engländer erfunden wur-

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de, ist er schon seit Beginn der Olympischen Winterspiele 1924 fester Bestandteil der Olympischen Wintersportdisziplinen. Der Begriff „Bob“ kommt vom englischen Verb „to bob“ oder ruckartig bewegen. Zu Beginn des Bobsports versuchten die Mannschaften nach dem Start durch Zurücklehnen und durch anschließendes gemeinsames Vorschnellen des Oberkörpers dem Bob mehr Schwung und Geschwindigkeit zu geben. Maximilian Ulrich


Das älteste IPA-Mitglied ist 100 Jahre alt Wer Herbert Greineggers ausdrucksstarke Stimme hört und seine Redegewandtheit miterlebt, kann es kaum glauben, dass er heuer seinen 100. Geburtstag feiert.

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er im April 1909 geborene Obersteirer Herbert Greinegger kam mit 26 Jahren nach Graz, um Polizist zu werden. Nach dem Kriegsdienst kehrte er 1946 wieder nach Graz zurück. In der Polizeisiedlung, im Bezirk Wetzelsdorf, erhielt er eine Wohnung, wo er anschließend mit seiner Familie lebte. Der kommunikative junge Bursch und Offizier eignete sich bei seinen Kriegseinätzen sofort einen Grundwortschatz des jeweiligen Landes an. „Als junger Bursche wollte ich nicht nur in der Zeichensprache kommunizieren, sondern auch Land und Leute näher kennen lernen. Was blieb mir anderes übrig, als auch

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Herbert Greinegger

u Herbert Greinegger feiert im April seinen 100. Geburtstag.

die Sprache zu erlernen?“ Die so erworbenen Sprachkenntnisse waren für seine weitere Berufslaufbahn äußerst nützlich. Nach seiner Rückkehr in die Heimat zog er die Polizeiuniform aus und wechselte als Verwaltungsbeamter zur Fremdenpolizei. Dort wurde er bald zum Referatsleiter bestellt, wo er bis zu

u Herbert Greineggers Grazer Seniorenwandergruppe.

seiner Pensionierung im Jahr 1970 blieb.

Obersteirischer Naturbursch Als obersteirischer Naturbursche war er immer ein begeisterter Bergsteiger, Schisportler und Leichtathlet gewesen. Eine ehemalige Wehrmachtsbaracke auf dem Präbichl wurde nach dem Krieg auf seine Initiative hin zum Polizeisportheim für die Polizei Graz umgebaut. Als Sektionsleiter des Polizeisportvereins überredete er so manchen Polizisten, Sport zu betreiben. Sein Motto: „Wer in Bewegung bleibt, bleibt auch gesund.“ „Während meiner aktiven Zeit verging kein einziges Wochenende ohne Sportausübung. Schon damals war Fitness für mich wichtig.“ 1963 wurde bei der Polizei Graz die Sektion Seniorensport gegründet. Wie-

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der war Greinegger einer der Pioniere. Während seiner aktiven Zeit organisierte er jeden Samstag eine Wanderung auf einen Berg in der Steiermark. Als Pensionist verlegte er den Wandertag auf den Mittwoch. „Die Wanderungen dauerten etwa fünf Stunden. Anschließend gab es eine zünftige Bretteljause und einen ordentlichen „Bauernschnapser.“ Pro Jahr unternahm die etwa zehnköpfige Gruppe etwa 40 Wanderungen und legte 700 Kilometer zurück. „Wenn die Route einmal festgelegt war, dann habe ich keine Abweichungen mehr geduldet. Auf meinen Pfiff haben alle gehört, auch meine Vorgesetzten“ (lacht).

Kranksein war Fremdwort Kranksein war für Greinegger beinahe ein Fremdwort. „Mich hat es nur einmal erwischt. Das ausgerechnet bei einer sportlichen Veranstaltung. Zusammen mit einem Kollegen nahm ich mit einer Zille an einer Floßfahrt in Slowenien teil. Als wir auf dem etwa 400 km langen Wasserweg der Mur von Murska Sobota Richtung Drau unterwegs waren, krachte die Zille plötzlich gegen einen Brücken-

pfeiler. Die Zille zerbarst und wir wurden mit unserer gesamten Ausrüstung ins Wasser katapultiert. Nur mit der nassen Badehose bekleidet, konnten wir zum Glück unverletzt zum Ufer schwimmen. Weil wir Stunden auf das Begleitfahrzeug warten mussten, habe ich mir eine Lungenentzündung zugezogen.“ Greinegger ist das älteste IPA-Mitglied der Landesgruppe Steiermark und der Sektion Österreich. „Ich war zwar nie ein Funktionär, habe aber

regelmäßig an den Reisen teilgenommnen. Eine dreiwöchige Parisreise im Jahr 1962 ist mir noch in bester Erinnerung. Nach vier Tagen erreichten wir mit unserem alten Polizeibus Paris. Als wir von einem französischem IPA-Kollegen empfangen wurden und er unseren Vehikel sah, schüttelte er nur mehr den Kopf. Aus Angst, es könnte die Fahrt durch Paris nicht mehr überstehen, mussten wir unseren Bus abstellen. Sofort organisierte er einen Ersatzfahrzeug, der uns sicher zu allen Sehenswürdigkeiten fuhr. Die Furcht des französischen Kollegen war völlig unbegründet. Unser Bus hat die Fahrt ohne einzige technische Panne überstanden.“

13 Enkel, 25 Urenkel, 3 Ururenkel

u Besichtigungstour während der IPA-Parisreise im Jahr 1962. Fotos: Greinegger, Ulrich 234 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

Bei einem schweren Sturz vor vier Jahren erlitt Greinegger einen Oberschenkelhalsbruch. Seither kann er sich nur mit Krücken oder mit dem Rollstuhl fortbewegen. Der bis dahin rüstige Pensionist wird seither von seinen Angehörigen liebevoll unterstützt. Der Vater von fünf Kindern, 13 Enkelkindern, 25 Urenkeln und drei Ururenkeln möchte seinen Lebensabend nun in einem Seniorenheim verbringen. Maximilian Ulrich


Ewald Keglovits

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Leben ist Musik, Familie Erfüllung & Polizist Berufung Kein anderer versteht es, Musik zu leben, für die Familie da zu sein und seine Arbeit als Polizist so zu verrichten, dass er geschätzt und respektiert wird.

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usik, Familie, Polizei – diese Komponenten zeichnen und prägen den Menschen Ewald Keglovits. Kein anderer versteht es wie er, Musik zu leben, immer für die Familie da zu sein und seine Arbeit als Polizist so zu verrichten, dass er in der Bevölkerung als „Freund und Helfer“ respek-

tiert und von seinen Vorgesetzten geschätzt wird. Musik wird im Herzen der Menschen geboren. Sie drücken das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist, zu schweigen. Diese Worte treffen auf Ewald mit jeder Silbe zu, denn er liebt nicht nur die Musik, er lebt sie jeden Tag

u Ein stolzes „Familienoberhaupt“ – Ewald mit Gattin und beiden Töchtern.

u Ewald Keglovits – ein Leben für Polizei und Musik. Foto: Wolfgang Bachkönig

auf’s Neue. „Multitalent Ewald“ spielt Trompete, diatonische (steirische) Harmonika sowie Bariton- und Tenorhorn. Seine Auftritte gehen weit über Österreich hinaus. Als Angehöriger der Stadtkapelle Güssing spielte er bereits in Ungarn, der Schweiz, in Griechenland, Frankreich, Belgien und Schweden. Unvergesslich sind für ihn die Konzerte in Amerika und China. „Kegerl“, Jahrgang 1954, ist in Deutsch Tschantschendorf (Bezirk Güssing) wohnhaft, verheiratet mit Edith und stolzer Vater zweier erwachsener Töchter. Ihnen hat er die Musik bereits in die Wiege gelegt, da bei der Familie Keglovits schon im Kindesalter gesungen und gespielt wurde. Die Familienmusik Keglovits – Zach ist weit über die Grenzen des Burgenlandes bekannt. Auch da gab es viele Auftritte im In- und Ausland.

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Beide Kinder sind ebenfalls Mitglie­ der der Stadtkapelle Güssing – Elisa­ beth in leitender Position. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht, denn sie ist als Musiklehrerin in Pinkafeld und Gratkorn tätig. Die Polizeimusik des Landespo­ lizeikommandos Burgenland ist „Teil seiner dienstlichen und privaten Laufbahn“, zählt er doch durch seine 29­jährige Zugehörigkeit zum Inven­ tar dieser Kapelle. Den Zapfenstreich „à la Keglovits“ haben nicht nur Angehörige des Korps im Ohr.

u „Musikanten spielt´s auf“ . Fotos zur Verfügung gestellt von Ewald Keglovits

Faschingdienstag 1981 Beim Herbstfest der IPA­Leibnitz (September 2008) unterhielten wir uns über Erlebnisse aus unserer langjährigen Dienstzeit, wobei ihm eine besondere Anekdote einfiel: „In Rohr bei Stegersbach hatte ich zu­ sammen mit dem Kommandanten einen Faschingsumzug zu über­ wachen. Ich ging am Ende neben einem Wagen, auf dem ein älterer Mann saß. Dieser spielte auf seiner „Steirischen“. Obwohl ich dieses Instrument auch damals bereits aus­ gezeichnet beherrschte, fragte ich den Mann, ob er mir denn erklären könne, wie man die „Steirische“ spielt. In voller „Montur“ stieg ich auf den Wagen und hängte mir die Harmonika um. Der Mann blieb hinter mir stehen, nahm meine Hände und führte diese auf der Tastatur. Es dauerte aber nur kurze Zeit, bis ich nicht mehr anders konnte, das „Heft“ selbst in die Hand nahm, allein zu spielen be­ gann und im „Sinne des Bürger­ dienstes“ für Unterhaltung sorgte. Der Mann freute sich so sehr dar­

über, dass er mit mir über dieses Erlebnis noch Jahre später sprach“, so Ewald mit einem Lächeln im Gesicht.

Vom Landgendarm zum Polizisten Ewald ist seit dem Jahre 1974 Exe­ kutivbeamter und ebenso lange Mit­ glied der IPA. Der gelernte Zimme­ rer begann seine Laufbahn bei der Wiener Polizei. Obwohl er in der Bundeshauptstadt bald viele Freunde gefunden hatte, blieben seine Wur­ zeln stets im südlichen Burgenland. Schon sechs Jahre später kam er wie­ der in seine Heimat zurück. Nach einigen Monaten in Mattersburg wurde er zum Gendarmerieposten Stegersbach versetzt, wo er seit nun­ mehr 28 Jahren seinen Dienst ver­ richtet. Wenn man in unserer moder­

236 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

nen Zeit einen Polizisten noch als Freund und Helfer bezeichnen kann, so würde dies auf Ewald Keglovits zutreffen. Durch seine besonders nette und umgängliche Art versteht er es, den guten alten Landgendar­ men mit dem modernen Polizisten zu vereinen. Dazu kommt noch die Jahrzehnte lange Diensterfahrung, gepaart mit einer außerordentlich gu­ ten Personal­ und Lokalkenntnis. Im Bezirk Güssing gibt es von der Ju­ gend bis zum Greis nur wenige Men­ schen, die Ewald Keglovits nicht kennen. Ist Ewald nicht als Polizist präsent, so tritt er als Musiker in Er­ scheinung. Bleibt ihm dann noch Zeit, so finden wir ihn bei der Feuer­ wehr oder hinter der Theke im Gast­ haus seiner Schwägerin. Wolfgang Bachkönig


Wolfgang Kröll

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Organisationstalent erster Klasse Wolfgang Kröll ist auf allen Brettern, die die Welt bedeuten, zu Hause: Als Bandleader des Tiroler Hoadl Trios ebenso wie als Erfolgskabarett-Manager.

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ekannt wurde IPA Freund Wolfgang Kröll als Bandleader des bekannten Tiroler Hoadl Trios. Ein fester Fuß in der Musikbranche schaffte für den gebürtigen Zillertaler jene Voraussetzungen, von denen viele nur träumen können: Know how auf dem Unterhaltungssektor. Wolfgang managte das Erfolgskabarett „Lachgas“ und kürzlich noch die Spaßmacher „Der Flotte Dreier“. Doch sein

Feingefühl für eine unglaubliche Erfolgsgeschichte brachte eine Nummer Eins im deutschen Sprachraum hervor: Semino Rossi. Auch Semino Rossi fing einmal klein an. Wolfgang, sein guter Freund, stand ihm von Anfang an als „Coach und Gaucho“ zur Seite. Und er war seit der ersten Stunde davon überzeugt: „Semino wird einmal ein Superstar“. Wie

u Wolfgang Kröll, das Organisationstalent.

Recht er doch hatte. So gab es 2003 ein paar Auftritte in Tirol und auch mal in Deutschland. Semino überraschte „Lobo“, wie er seinen Freund Wolfgang nennt, mit einem Auftritt zu dessen Vierziger.

Der „Mann für alle Fälle“

u Wolfgang Kröll mit Semino Rossi – Musik verbindet Menschen. Fotos: privat

Wolfgang war nicht sein Manager und ist es auch heute nicht. Aber er war für Semino da, als es notwendig war, und das ist noch heute so. Er ist sozusagen der „Mann für alle Fälle“. Er fungiert als Chauffeur, kümmert sich um die Garderobe, reserviert Hotelzimmer und sorgt für die persönliche Sicherheit des Schlagerstars. Für den guten Ton während der Auftritte hat Wolfgang ein feines Ohr. Wenn es dann nötig ist, greift er auch mal in die Tontechnik ein. Musik verbindet Menschen. Semino Rossi und Wolfgang Kröll sind ein Paradebeispiel dafür. Klaus Herbert

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Harald Winter

Persönlichkeiten

Der Spurensucher und eine feuchte Schnauze „Mein Hobby ist die Arbeit mit meinen Hunden“: Harald Winter ist seit 20 Jahren Rettungshundeführer. Steiermarkweit hat er bereits rund 100 Einsätze hinter sich.

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icht Golf oder Tennis sind meine Hobbys, sondern die Arbeit mit meinen Hunden.“ Der 48-jährige Polizeibeamte Harald Winter von der Polizeiinspektion Krottendorf, ein waschechter Weststeirer, ist Rettungshundeführer. Er sagt was er sich denkt. Hart, aber herzlich zu Mensch und Tier. Winter ist seit 20 Jahren Rettungshundeführer beim Österreichischen Roten Kreuz und ehrenamtliches Mitglied in der Landegruppe Steiermark. „Eigentlich wollte ich schon immer einen Hund haben. Aber nicht nur einen Haushund für mich allein, sondern einen Rettungshund. Damit die Ausbildung des Hundes auch Sinn macht. Nachdem ich mir ein Einfamilienhaus gebaut hatte, konnte ich mir endlich meinen Wunsch erfüllen.

Hauptaufgaben Meine Hauptaufgabengebiete sind die Flächen- und Trümmersuche. Bei der Trümmersuche sollen Verschüttete nach einer Explosion oder einem Erdbeben aufgespürt werden. Flächensuche ist die Suche nach Vermissten oder Abgängigen. Beinahe alle meine Einsätze erfolgten bisher im Inland. Bislang habe ich es in der Steiermark auf 100

u Harald Winter mit seiner Golden Retriever-Hündin Gina.

Einsätze gebracht. Mein erster und einziger Auslandseinsatz nach einem Erdbeben im Iran endete am Flughafen Schwechat, weil die iranischen Behörden die Einreise der Hunde verweigerten. Meine Einsätze beschränken sich vorwiegend auf die Flächensuche nach abgängigen oder vermissten Personen. Die Suche nach Lawinenopfern ist den Alpinrettern vorbehalten. Die Suche nach vermissten oder abgängigen Personen ist immer erfolgreich, aber nicht immer erfreulich. Die Gesuchten werden in den meisten Fällen nur mehr tot aufgefunden. Bisher hatte ich nur zwei positive

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Erlebnisse. Einmal konnte bei einer Suche in Stallhofen ein Abgängiger, zwar schwer verletzt aber noch lebend aufgefunden werden. Weil der Mann rechtzeitig aufgefunden wurde, hat er überlebt.

Glückliches Ende Auch die Suche nach einem abgängigen Jugendlichen hatte ein glückliches Ende. Der Vater des Jugendlichen, der sich an der stundenlangen Suche beteiligte, konnte seinen Sohn durch Zufall selbst auffinden.“ Eine erfolgreiche Suche nach abhängigen oder vermissten Personen hängt vor allem von den Aussagen des Anzeigers ab. Falsche Angaben


Persönlichkeiten

u Harald und Renate Winter mit ihren Hunden Gina, Kampe und Saskia.

beanspruchen Mensch und Tier. Dabei wird vermeidbare Arbeit geleistet und wertvolle Zeit geht verloren. Selbst ein sehr gut ausgebildeter Suchhund ist nach sieben Stunden erschöpft.

Voraussetzungen für Hundeführer und Tier Der Rettungshundeführer muss vor allem viel Freizeit und Engagement einbringen. Allein die Ausbildung und das regelmäßige Training beanspruchen bis zu zwölf Stunden pro Woche. Hinzu kommen noch die Zeiten für mögliche Einsätze. Die Tätigkeit ist ein ehrenamtliche Hilfsund Rettungstätigkeit und kein Hundesport, um das Tier zu beschäftigen. Voraussetzung für die Teilnahme an Einsätzen eines Rettungshundezuges ist grundsätzlich das 18. Lebensjahr. Unter Berücksichtigung der typischen Ausbildungsdauer eines Rettungshundeteams von zwei Jahren werden aktive Mitglieder in der Regel ab dem vollendeten 16. Lebensjahr aufgenommen.

Aber auch der Hund muss bestimmte Vorraussetzungen mitbringen. Er sollte bei Ausbildungsbeginn maximal drei Jahre alt und wesensfest sein. Das Tier darf keine Aggression oder extreme Ängstlichkeit gegenüber Menschen oder anderen Tiere zeigen. Der Hund sollte eine mittlere Größe und ein nicht zu hohes Körpergewicht ausweisen. Den typischen Rettungshund gibt es nicht. Geeignet sind grundsätzlich alle leistungswilligen und leistungsstarken, aufgeschlossenen und nicht zu schweren Hunde.

Lernfreude und körperliche Gesundheit, Gewandtheit, Nervenstärke, Lernfreude, Freundlichkeit gegenüber Menschen und Artgenossen sind ideale Voraussetzungen. Am häufigsten werden Gebrauchshunderassen eingesetzt, ist aber keine zwingende Voraussetzung. Sehr kleine wie beispielsweise der Yorkshire Terrier oder sehr große Rassen, wie die Deutsche Dogge, sind keine typischen Rettungshunde.

Rasse oder Körpergröße ist jedoch bei den meisten Hundestaffeln kein explizites Ausschlusskriterium. Auch die als schwer erziehbar geltende nordische Hunderasse der Samoyeden kann unter einem konsequenten Rettungshundeführer erfolgreich als Rettungshund eingesetzt werden.

Wie viele Hunde besitzt du? „Meine Frau und ich besitzen im Moment drei Hunde. Hündin „Gina“ ist mein Hund, ein zehnjähriger Golden Retriever. Weiters haben wir zwei belgische Schäfer. „Kampe“ ist fünf Jahre alt und eine dreijährige Hündin mit dem Rufnamen „Saskia“. Warum hast du eigentlich drei Hunde? „Hunde kann man nicht austauschen wie Autos. Falls ein Hund frühzeitig verstirbt, oder aus Altersgründen nicht mehr zur Suche eingesetzt werden kann, würde ich plötzlich ohne Hund dastehen. Für diese Fälle muss ich vorbereitet sein. Deswegen habe ich immer einen Reservehund.

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Persönlichkeiten

Auch einen alten Hund gebe ich nicht einfach weg, sondern gewähre ihm das Ableben bei mir. Einen alten Freund gibt man nicht ab wie eine Schuhschachtel. In diesem Fall kann es auch passieren, dass ich plötzlich sogar vier Hunde habe. Einen jungen Hund kaufe ich im Alter von etwa acht Wochen. Wichtigste Voraussetzungen sind ausgeprägter Spiel- und Beutetrieb. Mit dem dritten Lebensjahr sollte die Ausbildung abgeschlossen sein. Das Training muss aber fortgesetzt werden. Ich trainiere mindestens drei Mal pro Woche zwei bis drei Stunden, bei jedem Wetter.

Training in Wr. Neustadt Sechs Mal pro Jahr muss der Hund zum Training nach Wiener Neustadt fahren. Auf dem Bundesheergelände am Theresienfeld befindet sich ein ideales Trainingsgelände zur Trümmersuche. Die Kosten für Tier, Ausbildung, Fahrzeug und einer jährlichen Kilometerleistung von 15.000 Kilometer finanzieren wir uns selbst. Ich trauere aber keinem Cent nach. Uns macht die Arbeit Freude und wir können im Notfall helfen.“ Hast du noch andere Hobbys? „Wenn mir noch Zeit bleibt dann stelle ich „Teufelsgeigen“ her oder baue Weihnachtskrippen aus Holz in allen Größen. Was ist eine Teufelsgeige? Die Teufelsgeige, auch Deiwelsgeije oder Bumbass genannt, ist ein Rhythmusinstrument, das in der Volksmusik eingesetzt wird. Ein Holzstab,

u Golden Retriever Gina bei der Höhensuche.

der die Körpergröße des Spielers hat, trägt diverse Schlaginstrumente wie Becken, Schellenring, Klangholz, Tamburin und ist meist mit ein bis drei Saiten bespannt. Oft wird die Teufelsgeige durch einen Teufelsoder Kasperlkopf an der Spitze des Stabes geschmückt. Die Instrumente

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Fotos: Winter

werden mit einem Schlegel geschlagen. Kleine Einritzungen ermöglichen das gleichzeitige Zupfen der Saiten. Durch Aufstampfen des Holzstabes auf den Boden ertönen die Handbecken und Rasseln und der typische Klang der Teufelsgeige. Maximilian Ulrich


Edelbrände sind seine Spezialität Was hilft dem Magen bei der Verdauung nach einem ausgezeichneten Essen und schmeckt außerdem auch noch bekömmlich? – Ein Stamperl aus Kurt Löfflers reichhaltigem Angebot an edelsten Schnäpsen.

S

o mancher heikle Gaumen hat nach dem Genuss dieses veredelten Obstes ein wahres Glücksgefühl erlebt. Durch mehr als 25 Jahre Erfahrung und Qualitätsgarantie hat sich der „Hobbydestillator“ nicht nur in der Region des südlichen Burgenlandes einen Namen gemacht. Edelbrände von Kurt aus Königsdorf sind bei bewerteten Verkostungen wenn nicht an oberster Stelle, dann zumindest im Spitzenfeld zu finden.

Unberührte Natur Das Königsdorfer Hügelland, ein kleiner Gebirgszug im Bezirk Jen-

nersdorf, bietet durch sein mildes Klima, das mit jenem in Südtirol zu vergleichen ist, für Obst und Gemüse eine besonders gute Vegetation. Äpfel, Birnen, Zwetschken, Johannisbeeren, Pfirsiche, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Holunder erreichen eine Qualität, die sich sowohl für den Genuss als Rohobst, in vergorener Form als Most, aber insbesondere nach der Destillation als Schnaps bestens eignen. Kurt Löffler wurden Äpfel und Birnen wahrlich „in die Wiege“ gelegt. Aufgewachsen in der zum Teil noch unberührten Natur des Südburgenlandes, inmitten von Obstbäu-

u Golden Delicious – goldgelb – bestens geeignet zum Genuss in fester und flüssiger Form.

u Kurt Löfflers Hobby ist das Destillieren von Edelbränden.

Persönlichkeiten

Kurt Löffler

men, übernahm er nach dem frühen Tod seines Vaters eine bescheidene Obstplantage, die er in der Zwischenzeit auf mehr als einen Hektar ausgeweitet hat. Als Apfelsorten sind Golden Delicious, Idared, Braeburn und Jonagold, als Birnen Williams und Packerhams ausgepflanzt. Vorerst beschränkte sich Kurt nur auf den Verkauf von Tafeläpfeln, entdeckte aber mit den Jahren seine Liebe zur Erzeugung von Schnäpsen.

Harte Arbeit bis zum Medaillenreigen Es dauerte etwa zehn Jahre, bis er mit der Verarbeitung des Obstes zu flüssiger, „geistiger“ Form begann. Zwei Jahre danach stellten sich auch schon die ersten Erfolge ein. 1994 gab es bei der burgenländischen Landesverkostung für einen „Goldenbrand fass gelagert“ die erste Medaille. Ermutigt aufgrund dieses Erfolges erweiterte er durch Fachbücher, Gespräche mit Kollegen aus der Branche, aber vor allem durch eigene Versuche sein Wissen. Löffler kann dadurch Qualität „in höchster Vollendung“ produzieren und leicht auf die Wünsche seiner Kunden,

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u Erzeugnisse aus dem Hause Löffler.

Persönlichkeiten deren Zahl jährlich wächst, individuell reagieren. Selbstverständlich gibt es sowohl sortenreine Schnäpse, als auch einen Verschnitt (Cuvée), der auf den jeweiligen Gaumen seiner „Klienten“ abgestimmt ist. Durch die ständig wachsende Nachfrage nach „festem und flüssigem“ Obst ist aus dem einstigen Hobby weit mehr geworden, in das vor allem zur Zeit der Ernte die ganze Familie involviert ist. „Nur wenn Du Gutes pflanzt, kannst Du Qualität ernten“, heißt das Motto von Kurt Löffler. Und danach führt er auch seinen kleinen Betrieb. Zwischenzeitlich wurde etwa mit der Veredelung eines Teiles von Tafeläpfeln für die Produktion von sortenreinen Apfelsäften begonnen, dafür und zur Destillation wird nur gepflücktes Obst verwendet usw. Der Erfolg hat sich bereits eingestellt, denn mittlerweile zieren etwa 50

Medaillen – davon vier in Gold – die Vitrinen der Familie Löffler. Sämtliche Produkte kann man bei den Löfflers auch ab Hof erwerben. Biografie Kurt Löffler, Jahrgang 1958, gehört bereits zur „älteren Generation“ der Polizisten, die als Gendarmen – Eintritt 1978 – begonnen haben. Derzeit verrichtet er auf der Polizeiinspektion Köngisdorf seinen Dienst. Seit 23 Jahren verheiratet mit Elisabeth, ist er stolzer Vater zweier Töchter. Privat ist er auch im öffentlichen Leben seiner Heimatgemeinde Königsdorf aktiv und war dort unter anderem von 1998 bis 2007 als Vizebürgermeister tätig. E-mail: kurt.leoffler@aon.at, Tel.: 0664/1545658. Wolfgang Bachkönig

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u Jonagold – besondere Qualität durch beste Reife.


Kurt Lechner

Die Aufgaben von Kurt Lechner sind vielfältig: Er ist Mitgliederbetreuer, Kontaktbeamter in Schulen, Präventionsbeamter für Senioren und festigte den IPA-Wandertag in Wien, der zum „Familienfest am Bisamberg“ heranwuchs.

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as Multitalent Kurt „arbeitet“ in der Landesgruppe als Stellvertreter des Schatzmeisters. Zu dieser Tätigkeit gehört unter anderem auch die Mitgliederbetreuung in Hinsicht auf die Adressenänderungen. Oft schon standen ihm die wenigen Haare zu Berge, wenn die Post unzustellbare Mitgliederinformationen mit dem Hinweis „unbekannt verzogen“ zurücksendete, oder er vom Obmann Stöße von unerledigten Mitgliedsbeiträgen zur Aufarbeitung erhielt.

u Richard Benda überreicht Kurt Lechner (links) eine IPA-Auszeichnung. Fotos: Lechner

Persönlichkeiten

Unermüdliches Multitalent

Kontaktbeamter in Schulen Vielleicht gerade, weil er in seinem dienstlichen Bereich, als Polizeiinspektionskommandant, noch mehr gefordert wird, erledigt er solche Anforderungen in der Freizeit souverän. Als Generalist, Exekutivbediensteter auf einer Polizeiinspektion mit einem umfangreichen Aufgabengebiet und Anfall von allen erdenklichen Straftaten im Inspektionsrayon, schafft er es neben Festnahmen von „bösen Buben“ auch noch, als Kontaktbeamter in Schulen Buben und Mädchen Verkehrsrecht zu vermitteln. Nicht genug steht er auch als Präventionsbeamter für Senioren (früher Kontaktbeamter) diesen in Seniorenzentren und bei Seniorenveranstaltungen für ihre Anliegen zur Verfügung. Seine

Grundeinstellung brachte ihn nicht nur zur IPA, sondern auch gleich zu einer besonderen Vertrauensstellung.

IPA-Wandertag Damit noch nicht genug, hat Kurt den „IPA Wandertag in Wien“ gefestigt. Gemeinsam mit Freunden hat er schon einige Touren erprobt, die dann im Vorstand vorgeschlagen und gemeinsam gegangen wurden. Aus einer dieser Touren, „Rauf auf den Bisamberg durch Stammersdorf“ hat sich eine weitere IPA-Veranstaltung – das Familienfest am Bisamberg –

ergeben. So nebenbei arbeitet Kurt auch an den oftmaligen Informationsständen der IPA Landesgruppe schon bei den Vorbereitungen dazu mit. Durch seine besondere Kommunikationsfähigkeit wird er auf diesen Informationsständen geradezu mit Fragen, die bei weitem nicht nur die IPA, sondern reines Polizeiwissen aus dem Alltagsleben betreffen, geradezu „gelöchert“. Zu der Landesgruppe stieß Kurt eigentlich recht spät. Bei der Aufnahme in den Polizeidienst, Kameradschaft 10/77 und erste Dienstver-

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Persönlichkeiten

richtungen in der Inneren Stadt und in der Donaustadt war die IPA noch kein Begriff. Erst nach weiteren Jahren, in denen er sich durch den Dienstführendenkurs, Dienstverrichtung in der Inneren Stadt und wieder in der Donaustadt Erfahrungen und Wissen aneignen konnte, suchte er den Kontakt zur IPA. Der Kontaktstellenbetreuer, der im Bezirk tätig war, freute sich, dass er diese Geschäfte an einen Jüngeren übertragen konnte und führte Kurt der Landesgruppe zu.

u Kurt Lechner mit seinen Kindern.

Der nächste Schritt Jetzt setzt Kurt gerade den nächsten wichtigen Schritt, er schult bereits einen neuen Kollegen als Kontaktstellenbetreuer ein. Zum IPA-Gedanken zählt auch das Kennenlernen von ausländischen Kollegen. Bei seinen Reisen ins europäische Umland Österreichs konnte Kurt auch den IPA-Gedanken, neue Kollegen kennen zu lernen, erleben. Besonders in Erinnerung blieben ihm die Bremenreise und die Reise durch Rumänien. Seine vier Kinder sind bereits in einem Alter, in dem sie ihn nicht mehr täglich benötigen. Und seine Enkerl erlauben ihm auch ein paar Tage der Abwesenheit. Franz Führing

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u Unten: Einschulung eines neuen Kollegen als Kontaktstellenbetreuer.


Vom Leistungssportler zum Feistritzer Faschingsrat Mit seinem kongenialen Partner Udo Ebner brachte „Pepe“ Pairitsch nicht nur viel Schwung in die Feistritzer Faschingssitzungen. Mit ihren „narrisch guaten Kabaretts“ starten sie ganzjährig Angriffe auf die Lachmuskeln.

J

osef „Pepe“ Pairitsch, Jahrgang 1957, aufgewachsen in Feistritz an der Drau, ist seit frühester Kindheit immer sportlich unterwegs. Das brachte ihn in der Jugend zum Leistungssport, wobei er zuerst den Kampfsport Karate ausübte und später in Wien mit dem Kickboxen begann. Er war eine Säule des Paternioner Karateclubs und hat die Sektion Kickboxen der WSG-Radenthein sowie die Sektion Kickboxen des Polizeisportvereines Villach gegründet. Mit seinen Sportlern war er auf vielen internationalen Turnieren und Weltmeisterschaften (Atlantic-City/USA, London, Irland, Helsinki, Varna/Bulgarien u.v.m) sehr erfolgreich vertreten.

Große Portion Humor Heute ausgewachsen, 184 cm groß, ist er ein ruhiger, sachlicher und oft auch phlegmatischer Typ, den nichts aus der Ruhe bringen kann. Wobei die Betonung auf „fast nichts“ ausgeweitet werden muss. Sobald nämlich auf irgendeiner Bühne Platz ist oder sonst eine Blödlerei startet und Humor gefragt ist, ist „Pepe“, wie er von seinen Freunden und Fans genannt wird, in seinem Element.

Persönlichkeiten

Josef Pairitsch

mern und Reime vorgetragen. Mit der Karate-Sportgruppe Feistritz wurden in der Folge Turn- und Action-Nummern auf der Bühne dargeboten.

Kongenialer Partner

u Josef „Pepe“ Pairitsch, ruhig und nachdenklich….

In seiner Wohngemeinde in Feistritz an der Drau in Kärnten, wurde er als Mitglied der Karategruppe 1975 von Rudolf Kristler, der zu dieser Zeit dem legendären „11er-Rat“ in Feistritz angehörte, angesprochen, ob er nicht beim Feistritzer Fasching mitmachen wolle. Die Faschingssitzungen fanden zu dieser Zeit ohne „Actionnummern“ statt – es wurden bei den Auftritten ausschließlich Sprachnum-

Als Udo Ebner (Wenders) zum Faschingsrat stieß, fand „Pepe“ seinen kongenialen Partner. Gemeinsam schrieben, reimten und dachten sie sich so manche Nummer aus, die das Publikum in Ekstase versetzte und wahrlich die Zuschauer/innen von den Sitzen riss. Bereits legendär der „Zahnarzt Dr. Schnaller“, die „Baustelle“ oder „Jagd auf Bruno“. Als Vorreiter für viele Faschingsgilden begannen sie Gesangsnummern zu proben und aufzuführen. Vor etwa 15 Jahren adaptierten sie auch das Feistritzer Faschingslied, welches umgetextet und neu arrangiert wurde und bis heute bei jeder Sitzung gesungen wird.

„Lei gleich!“ Dem Motto und „Ruf“ des Feistritzer Faschingsrates „Lei gleich!“ sind „Udo & Pepe“ bis heute treu geblieben, wobei „Lei gleich“, für „es ist egal“ steht. Hauptsache es kommt

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Persönlichkeiten

u Dem „Quintett“ des Feistritzer Faschingsrates gehören Hans Werner Stuppnik, Gerhard Löscher, Albert Mayer, Josef „Pepe“ Pairitsch und der als Chorleiter fungierende Udo Ebner (Wenders) an. Fotos: Pairitsch

gut drüber und man fühlt sich wohl. Die ausgeprägte Liebe zur Musik führte auch zur Gründung des berühmten „Quintett“. Dem „Quintett“ des Feistritzer Faschingsrates gehören Hans Werner Stuppnik, Gerhard Löscher, Albert Mayer, Josef „Pepe“ Pairitsch und der als Chorleiter fungierende Udo Ebner (Wenders) an. Das „Quintett“ schlug vom ersten Auftritt an voll ein und ist heute vom Feistritzer Faschingsrat nicht mehr wegzudenken. Doch nicht nur im Fasching treten „Udo & Pepe“, das „Quintett“ und weitere Akteure des Feistritzer Faschingsrates auf. Es werden mittler-

weile das „Narrisch-guate-Sommerkabarett“ in der Fetz-Halle in Feistritz/Drau und das „Narrischguate-Herbstkabarett“ im Burgenland veranstaltet und es treffen viele Anfragen beim Faschingsrat und den Akteuren ein.

Best of „Udo & Pepe“ „Udo & Pepe“ traten auch im „Casineum“ in Velden (Best of Udo & Pepe) sehr erfolgreich auf. Diese Veranstaltung wurde auch aufgezeichnet und davon gibt es eine DVD. Den Faschingsrat und die Akteure erreichen viele Anfragen aus den Nachbarländern und natürlich aus u Links: So hat alles begonnen… Josef „Pepe“ Pairitsch und Udo Ebner (Wenders)

u Rechts: Dr. Schnaller – legendäre Aufführung beim Feistritzer Fasching (auch im Internet auf YouTube) 246 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

ganz Österreich, welche das Quintett und die Profi-Blödler Udo & Pepe für Hochzeiten, Familienfeste und sonstige Feiern engagieren wollen. Da die Akteure natürlich nach wie vor ihren zivilen Berufen nachgehen müssen und auch die Familie und der Sport eine wichtige Rolle spielen, können leider nur wenige Aufträge übernommen werden. Sie finden auch im Internet viele Informationen zum Faschingsrat und „Udo & Pepe“: www.udo-pepe.at oder www.feistritzer-fasching.at/seiten/home.htm Erwin Thomas Weger


Werner Eberl

Die Musik lag ihm von Kindheit an im Blut. Heute ist Werner Eberl Kapellmeister der Tiroler Polizeimusik. Einer der Höhepunkte seiner musikalischen Laufbahn: der Papstbesuch in Rom.

A

us einer der berühmten Zillertaler Musikantenfamilien stammt Werner Eberl nicht. Doch als 1970 die Musikkapelle Finkenberg um neue Mitglieder warb, interessierte sich die ganze Schulklasse. Fast alle versuchten sich bei der Blasmusik, Werner mit Flügelhorn und Trompete. Schon eineinhalb Jahre später war er als einziger von 30 Schülern übrig geblieben. Die Musik begeisterte ihn. Durch Selbststudium trieb er seine Leistungen voran. Bald wechselte er zur Musikkapelle Mayrhofen. Ende der Siebziger Jahre leistete Eberl seinen Grundwehrdienst und trat danach der Militärmusik Tirol bei. Flügelhorn und Trompete blieb er treu. In den kommenden Jahren lernte er bei einer der besten Militärbands in Österreich viel dazu – und er strebte nach Höherem. Von 1984

u Werner Eberl ist Kapellmeister der Tiroler Polizeimusik.

bis 1985 absolvierte er in vier Semestern die Kapellmeisterausbildung am Konservatorium in Innsbruck und schloss sie – welch Frage – mit großem Erfolg ab. Mittlerweile gehörte er der original

u Werner Eberl mit Mag. Roland Staudinger vom ORF Tirol beim Imster Advent. Fotos: Klaus Herbert

Persönlichkeiten

Mit Musik geht alles leichter

Tiroler Kaiserjäger Musik als Stabführer und Kapellmeisterstellvertreter an, und das blieb bis heute so. Ab 1986 übernahm Werner Eberl für 13 Jahre das Kapellmeisteramt in Finkenberg. Doch zurück zum Jahr 1980: Werner tritt in die Österreichische Bundesgendarmerie ein. Mit seinen musikalischen Fähigkeiten findet er schnell den Weg zur Tiroler Gendarmeriemusik und wird bald Kapellmeisterstellvertreter. Das Kapellmeisteramt übernimmt er 2003. Und dieses geht bei der Fusion 2005 nahtlos ins Kapellmeisteramt der Tiroler Polizeimusik über. Heute dirigiert Werner etwa 50 musikbegeisterte Frauen und Männer der Tiroler Polizei. „Früher“, sagt er, „war das anders. Denn die Gen-

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Und auf dem Petersplatz standen wir zwangsläufig nur da wie Statisten“, erinnert sich Werner, als ob es eben erst gewesen wäre. Schöne Auftritte ohne Zwischenfälle gab es auch in Deutschland und der Schweiz, bei der Ski-WM in St. Moritz.

Persönlichkeiten

u Nach seinem Taktstock spielen heute etwa 50 musikbegeisterte Frauen und Männer der Tiroler Polizei.

darmeriemusik war auch für die angrenzenden Bundesländer Salzburg und Vorarlberg zuständig. So spielten auch Vorarlberger und Salzburger nach meinem Taktstock.“ Nach über drei Jahrzehnten blickt Werner auf einige Highlights in seiner Karriere zurück: Die Reise nach Thailand und China mit den Kaiserjägern. Die für die Asiaten etwas ungewohnten Klänge kamen erstaunlich gut an.

Papstbesuch in Rom Ein wirklicher Höhepunkt war der Papstbesuch in Rom. Die Original Tiroler Kaiserjägermusik gestaltete die Abendmesse und sollte auch am

Zwölf Konzerte jährlich nächsten Vormittag aufspielen. Doch über Nacht brachen unbekannte Täter den Bus auf und stahlen alle Musikinstrumente. Die Freude über den Polizeieinsatz hielt sich bei den Geschädigten in Grenzen. Die erste Streife erklärte sich als unzuständig. Die zweite stellte fest, dass so etwas fast alle Tage passiert. Wenn die Bestohlenen eine Liste vorlegen, könne diese für die Versicherung bestätigt werden. Spurensicherung? Fehlanzeige. „Meine Trompete würde ich heute noch unter Hunderten heraus kennen. Leider ist kein einziges Instrument jemals aufgetaucht. Ohne Sponsoren hätten wir alt ausgesehen.

u Applaus für die gesamte Kapelle nach einem gelungenen Konzert. Fotos: Klaus Herbert 248 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

Heute absolviert die Tiroler Polizeimusik unter Leitung von Werner Eberl jährlich etwa zwölf Repräsentationskonzerte in Tiroler Tourismusorten. Kleinere Abordnungen spielen bei Festveranstaltungen, aber auch bei Trauerfällen. 2009 feiert die Wiener Polizeimusik ihr 100jähriges Bestehen. Die Tiroler Polizeimusik freut sich schon drauf. Eberl übt seinen Kapellmeisterjob neben seinem regulären Polizeidienst im Zillertal aus. Die Stimmung in der Gruppe ist hervorragend, wenngleich es nicht immer ganz einfach ist, vor allem finanziell. Denn die Polizeimusik ist Selbsterhalter und muss die Ausgaben in Form von Konzerteinnahmen abdecken. Klaus Herbert


Helmut Resch

Persönlichkeiten

Tauchen ist nicht nur Sport Wenn Schiffe kentern oder es gilt, Gegenstände zu bergen, dann sind sie gefragt: die „Froschmänner“ der Feuerwehr. Helmut Resch ist einer von ihnen.

S

ie kommen zum Einsatz wenn Fahrzeuge versinken, Schiffe kentern oder Gegenstände zu bergen sind. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen sind Taucheinsätze nicht immer ungefährlich, vor allem dann, wenn der Einsatz in starken Strömungen, Höhlen oder auch unterhalb der Eisdecke erforderlich ist. Während manche große Seen für die Taucher oft hervorragende Sichtverhältnisse bieten, müssen sie sich in den Flüssen und anderen Gewässern oft Zentimeter um Zentimeter vortasten. Dann sind sie gefragt, die „Froschmänner“ von der Feuerwehr. Auch der 46-jährige Polizeibeamte Helmut Resch von der Polizeiinspektion Rottenmann kam über die Feuerwehr Rottenmann zum Tauchsport. Heute ist er Tauchlehrer und leitet ein Tauchmuseum. 1982 beobachtete der damals 20-jährige Resch am Grundlsee im steirischen Salzkammergut Feuer-

serwelt trat er sofort mit zwei Schulkollegen der Freiwilligen Feuerwehr bei und ließ sich zum Feuerwehrtaucher ausbilden. „Neben der Bergung von Unfallopfern aus Flüssen und Seen waren die Feuerwehrtaucher auch für die Instandhaltungsarbeiten an den Stauseen im Gesäuse zuständig. Im Abflussbereich mussten sehr oft angeschwemmte Baustämme entfernt oder die Wände auf Dichtheit überprüft werden.“

Einsatztaucher und Tauchlehrer u „Froschmann“ Helmut Resch.

wehrtaucher aus Rottenmann beim Tauchgang. Neugierig wie er war, erkundigte er sich, ob er mitmachen könne. Nach einer Einschulung durfte er bei drei Tauchgängen mitmachen. Fasziniert von der Unterwas-

Nach der Ausbildung zum Feuerwehrtaucher absolvierte Resch beim Jagdkommando des Österreichischen Bundesheeres in Wiener Neustadt eine achtwöchige Tauchausbildung und war danach Einsatztaucher und Tauchlehrer bei der Antiterroreinheit Cobra. „Die Einsätze konzentrierten sich vor allem auf die Suche nach Leichen, Diebsgut oder Tatwaffen.“

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Jahre später ließ er sich noch zum nationalen und internationalen Tauchlehrer ausbilden und unterrichtet seit 1992 Tauchwillige in der eigenen Tauchschule. Darüber hinaus organisiert er heute noch immer Tauchfahrten zu den heimischen Seen oder ans Meer.

Historische Funde Bei seinen Tauchgängen fand Resch im „Generationsmüll“ nicht nur Abfall sondern auch historisch wertvolle Gegenstände. „Oft wurde ich als Müllsammler belächelt. Wirkliche Schätze findet man natürlich nur selten, doch ich konnte im Verlauf der Jahre Orden, Waffen, Werbetafeln, Flaschen, Bücher, Navigationsgeräte und eine antike Taucherausrüstung, um nur einige Gegenstände zu nen-

u Resch organisiert auch heute noch Tauchfahrten zu den heimischen Seen oder ans Meer. Fotos: Resch

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nen, in den Tauchgebieten entdecken. Nachdem sich immer mehr Gegenstände ansammelten, zum Teil habe ich sie auch geschenkt bekommen oder auf Flohmärkten erstanden, entschloss ich mich, ein Museum einzurichten.“ Weitere Prunkstücke sind römische Amphoren, ein antiker Taucherhelm aus einem gesunkenen Schiff von Kaiser Franz Josef und Ansichtskarten aus der Zeit der österreichischen Schifffahrt. Ist Tauchen ein altersbegrenztes Sport? „Nein. Die bekannte Regisseurin Lene Riefenstahl begann erst mit dem 85. Lebensjahr damit. Wichtig ist, dass der Interessierte organisch gesund ist. Nur Tiefen von 60 Metern und mehr sind für ältere Personen aus gesundheitlichen Gründen nicht zu empfehlen.“ M. Ulrich


Regina Neunteufel

Eine nicht alltägliche Art der Stressbewältigung hat Regina „Gina“ Neunteufel gewählt. Farbe ist für sie Lebensfreude und Entspannung.

B

enötigte Regina Neunteufel nach einem besonders anstrengenden Tag Entspannung, so suchte sie ihr selbst eingerichtetes Atelier im Keller ihres Wohnhauses auf, nahm den Pinsel zur Hand und begann zu malen. Was anfangs nur der Erholung von Körper und Geist dienen sollte, ist längst weit mehr als ein Hobby geworden, in das Gina mittlerweile einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit „investiert“. Ihre Bilder sind in Büros und

Persönlichkeiten

Die Malerin mit dem Mut zur Farbe u Lebenslustig und immer gut gelaunt – man sieht es an ihren Bildern.

Wohnungen von Freunden, Kollegen und prominenten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu finden.

Farbe ist Lebensfreude und Entspannung Dass frohe Farben auf den menschlichen Organismus besonders beruhigend wirken und unser Wohlbefinden positiv beeinflussen, ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Der Mensch erfreut sich nicht nur an Bildern, die Arbeit mit Pinsel und Farbe

wirkt sich auch auf das Nervensystem äußerst positiv aus. Man kann sich dabei nicht nur entspannen, sondern vor allem Kraft zur Bewältigung der Probleme des Alltags „tanken“. Und genau das trifft auf Regina zu. Gina muss nämlich mehrere „Komponenten“ unter einen Hut bringen. Sie ist berufstätig, Ehefrau, Mutter sowie für den Haushalt und außerdem noch für das leibliche Wohl ihrer Familie verantwortlich. Für jedermann leicht vorstellbar, dass auch sie Zeit zur Erholung braucht, um „die Batterien“ neu zu laden.

Drang zur Weiterbildung

u Ausstellung „Farbenfroh in Rust“.

Auf der Suche nach Entspannung erinnerte sich Gina daran, dass sie schon in ihrer frühesten Jugend gerne zeichnete und sich außerdem für „das gemalte Bild“ interessierte. Sie nahm Pinsel, Papier und Farben zur Hand, zog sich zurück und begann zu malen. Doch daraus wurde ein Hobby, welches in ihr immer mehr das Verlangen zum Erlernen neuer Techniken hervorrief. Im Jahre 2005 entschloss sie sich dann, einen Kurs 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark

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bei der allseits bekannten „Energiemalerin“ Elfie Besuden zu besuchen. Dort hat sie sich nicht nur weiter perfektioniert, sonder vor allem „Mut zur Farbe“, aber vor allem die „Courage“ zur Ausstellung ihrer Werke bekommen.

Persönlichkeiten

Vertiefen in das Motiv Regina malt mit besonderer Vorliebe Leinwände in Acryl und Spachteltechnik. Unter anderem verwendet sie gerne Naturmaterialien wie Sand und Muscheln. Ihre Bilder sind vor allem in Restaurants oder in Wohnungen und Büros von Familienangehörigen, Freunden und Arbeitskollegen zu finden. Eines ihrer Werke – und darauf ist sie besonders stolz – ziert das Arbeitszimmer des burgenländischen Landeshauptmannes Hans Niessl. Bei der Veranstaltung „Farbenfroh“ die von HobbymalerInnen der Polizei organisiert und deren Reinerlös krebskranken Kindern zugute kommt, ist sie ebenfalls immer vertreten. Wer Bilder von Gina sieht, weiß schon aufgrund der Farbintensität sowie der besonders positiven Ausstrahlung, dass sie ein

u Tolle Bilder – stolze Künstlerin.

äußerst lebenslustiger, hilfsbereiter und kreativer Mensch ist. „Ich vertiefe mich in das Motiv und stelle mir vor, an Ort und Stelle zu sein. Danach überlege ich mir, welche Ausdruckskraft, aber vor allem welch positive Energie und Farbenpracht ich dem Bild geben kann, um Geist und Körper des Betrachters Freude zu bereiten“, so Gina über ihr Hobby.

Zweite Heimat Donnerskirchen Regina – Gina Neunteufel, Jahrgang 1968, ist gebürtige Wienerin, die in Donnerskirchen, Bezirk Eisenstadt, wohnhaft ist. Sie ist zwar mittlerwei-

le eine echte Burgenländerin geworden, doch ihr Dialekt verrät noch immer ihre tatsächlichen Wurzeln. Die gelernte Großhandelskauffrau, die durch ihren Vater, einem Sicherheitswachebeamten, schon seit Kindheit „Kontakte“ zur Polizei hatte, trat bereits 1987 in den Bundesdienst. Sie fand vorerst in Büro für Erkennungsdienst und Fahndung bei der Bundespolizeidirektion Wien Verwendung, übersiedelte 1998 zur Fremdenpolizei nach Eisenstadt und ist seit 2005 in der Stabsabteilung des Landespolizeikommandos Burgenland tätig. Wolfgang Bachkönig

u Ausstellung „Farbenfroh in Rust“. Fotos: Wolfgang Bachkönig 252 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark


Gegen die Hypothek des Krieges Der Kommandant der Grenzpolizei Spielfeld, Josef Knapp, unterstützt seit 9 Jahren das Dorf Donje Kolibe in Bosnien Herzegowina beim Wiederaufbau nach dem Jugoslawienkrieg.

N

ach dem Ende des leidvollen Jugoslawienkrieges lebten nur mehr fünf ältere Personen in den Ruinen des Dorfes Donje Kolibe im Norden Bosnien Herzegowina. Die übrigen Dorfbewohner der ursprünglich knapp 2000 Seelengemeinde waren geflohen oder getötet worden. Seit 2001 unterstützt Josef Knapp, Kommandant der Grenzpolizeiinspektion Spielfeld mit Geld- und Sachspenden, aber auch Arbeiten vor Ort, dass Donje Kolibe bald wieder im ursprünglichen Glanz erstrahlt.

„Als mich der inzwischen verstorbene Vizeleutnant Werner Eigel nach einer Maiandacht im Jahr 2001 fragte, ob ich einen Hilfstransport nach Bosnien Herzegowina organisieren könnte, sagte ich ohne zu überlegen zu. Damals ahnte ich noch nicht, welche Auswirkungen diese Aussage für mein Leben zukünftiges Leben haben würde,“ antwortet Knapp zu Beginn des Interviews. Schon bald musste er sein Versprechen einlösen und einen Transport von 72 Tonnen Ziegeln ins Dorf Don-

u Josef Knapp unterstützt ein Dorf in Bosnien Herzegowina.

Persönlichkeiten

Josef Knapp

je Kolibe organisieren, der nach vielen Schwierigkeiten erfolgreich durchgeführt werden konnte. Er lernte Pfarrer Zeljko Cuturic kennen, der in einem Container neben der völlig zerstörten Kirche lebte. Schon Ende November wurde das Pfarrhaus errichtet. Als Soforthilfe wurden Möbel, Holzöfen und Weihnachtspakete für den Pfarrer und die Dorfbewohner gesammelt. Bei Kerzenschein, es gab noch keinen Strom, feierte die kleine Dorfgemeinschaft zum ersten Mal wieder Weihnachten.

Sachspenden

u Sogar einen gebrauchten Traktor konnte Josef Knapp auftreiben.

Fotos: Knapp

Bis zum nächsten Transport im Jahr darauf sammelte Knapp Elektroleitungen, Fenster und Türen. Um die Selbstversorgung der Dorfbewohner wieder anzukurbeln, spendeten Firmen aus Leibnitz und Radkersburg landwirtschaftliche Geräte und einen gebrauchten Traktor. „Alle Sachspenden habe ich bei mir zu Hause gelagert. Als der Platz nicht mehr ausreichte, konnte ich die restlichen Güter auf dem Grundstück meiner Schwester zwischenlagern,“ erzählt Knapp. Als alle notwendig gebrauchten Güter gesammelt waren, ging wieder ein Transporter auf

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die 400 Kilometer lange Reise nach Donje Kolibe. Erst im Jahr 2003 wurde mit dem Wiederaufbau der total zerstörten Kirche begonnen. Zuerst wurde der gesamte Schutt beseitigt und mit den Spenden die Bauplanung und die notwendigen Baumaterialen angekauft. Immer wieder brachten Hilfstransporte die dringend gebrauchten Güter ins Dorf. Auch Schweine zur Selbstversorgung und Aufzucht konnten besorgt werden. In den nächsten vier Jahren wurde der Strom installiert, eine Friedhofskapelle errichtet und der Rohbau der Dorfkirche fertiggestellt.

Kirchenglocken Trotz der ersten Erfolge wurde Knapp nicht müde und sammelte weiter. Mit seinem Privatfahrzeug und einem Anhänger tourte er durch die Steiermark und sammelte Stück für Stück. Zum Glück konnte noch ein zweiter Traktor angekauft werden. Als die 40-Jahr-Feier der Pfarre Kolibe 2007 bevorstand, fehlten die Kirchenglocken. Durch Zufall erfuhr Knapp, dass die Wiener Herz Jesu Kirche vier alte Glocken gegen neue ausgetauscht hatte. Rasch wurden ein Lastkraftwagen und ein Fahrer organisiert, der die Glocken abholte. Die Ausfuhr der Glocken wurde wegen einiger Formalerfordernisse fast

u Pfarrer Zeljko Cuturic (rechts) freute sich über die Soforthilfe aus der Steiermark. Fotos: Knapp

neun Monate lang gestoppt. Knapp setzte aber alle Hebel in Bewegung, schließlich konnte der Transport in den Bestimmungsort erfolgen. „Zum Pfarrfest kamen 1000 ehemalige Bewohner aus ganz Europa nach Kolibe. Ein in der Schweiz wohnhaftes Pärchen ließ sich sogar in der noch nicht fertigen Kirche trauen,“ erzählt Knapp. Letztes Jahr wurden schließlich die Kirchenfenster und das Kirchenkreuz nach einer Spendenaktion in Auftrag gegeben und eingebaut. Außerdem spendete eine steirische Firma für die musikalische Begleitung der Messfeiern eine kleine Handorgel. Die Kirche und ihre Nebengebäude dienen aber nicht nur kirchlichen Veranstaltungen. Die Pfarre ist hauptsächlich ein Ort der Kommunikation, Fußballplatz und Gemeindeamt. Eine Infrastruktur muss erst aufgebaut werden. Die Amtsgeschäfte werden derzeit von dem seit zwei Jahren neu

bestellten Pfarrer Ilija Marionovic ausgeübt. Für die Ausstellung von Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden wurde dem Pfarrer ein Computer überreicht. Er ist jedoch nicht nur für amtlichen Geschäfte zuständig, sondern besucht und versorgt auch Kranke. Damit er die langen Wege zu den Ortsbewohner schneller bewältigen kann, erhielt er ein Fahrrad.

Mitarbeit an Ort und Stelle Der 57-jährige Knapp hat aber nicht nur Hilfstransporte organisiert, Geldund Sachspenden gesammelt. Fast 40 Mal fuhr er mit Bekannten selbst über die Grenzen, um an Ort und Stelle mitzuarbeiten. Dankbarkeit und die Gastfreundschaft, die ihm trotz der Armut der Bewohner immer wieder gewährt wurde, bereiten ihm derart viel Freunde, dass er das Projekt gemeinsam mit seiner Frau Maria so lang wie möglich fortsetzen möchte.

u Oben: Der Wiederaufbau schreitet voran. u Links: Hilfspakete für die bedürftigen Familien. Fotos: Knapp

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u Am Ziel der Träume.

Gerhard Marakovits

Ein IPA-Mitglied auf dem höchsten Berg Afrikas Im zweiten Anlauf hat er es geschafft: Gerhard Marakovits bezwang den mit 5.895 Metern höchsten Berg Afrikas – den Kilimanjaro.

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erhard Marakovits, Jahrgang 1955, verrichtet auf der Polizeiinspektion Minihof-Liebau Dienst und ist langjähriges IPA-Mitglied. Nun hat er es geschafft. Im zweiten Anlauf erreichte er den Gipfel des Kilimanjaro – mit 5.895 Metern der höchste Berg Afrikas. Den ersten Versuch musste er im Jahre 1999, das Ziel bereits vor Augen, wegen Höhenkrankheit abbrechen. Dieses Missgeschick sollte beim zweiten Versuch nicht noch einmal passieren. Das „Unternehmen Kilimanjaro“ wurde deshalb bereits in der Heimat minutiös geplant und in fünf Etappen eingeteilt.

Als das Flugzeug Ende September 2006 auf der Rollbahn des Flugfeldes aufsetzte, wurde er bereits von seinem Team erwartet. Da er sich aber erst an die Zeitumstellung gewöhnen und von den Strapazen der langen Reise erholen musste, war eine Regenerationsphase unbedingt notwendig. In Erwartung eines tollen Abenteuers war die Müdigkeit jedoch schnell vorbei – der Weg in die Bergregionen konnte beginnen. Gerhard fuhr in einem Geländewagen mit seinen Begleitern zur ersten Station, verstaute das Gepäck und begann mit dem Aufstieg. Nach einem fünfstündigen Marsch durch Regenwald und Heideland errichtete man

auf 3.100 Meter Höhe das erste Camp. Am Morgen des nächsten Tages marschierte die Gruppe durch ein Tal und stieg über einen schmalen, gefährlichen Pfad zum Shira Cathedral auf. Begünstigt durch das herrliche Wetter entschloss man sich, den Marsch weiter fortzusetzen und erreichte nach mehreren hundert Metern das Lager auf dem 3.840 m hohen Shira Plateau.

Gewöhnung an die Höhenluft Da Marakovits nicht noch einmal eine Höhenerkrankung riskieren wollte, bestieg man zur Akklimatisierung

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den 4.565 Meter hohen Mt Meru, der außerdem wegen seiner einmaligen Tier- und Pflanzenwelt ein besonders Erlebnis ist. Etwa sechs Stunden bewegten sich die Bergsteiger in nahezu gleich bleibender Höhe. Danach ging es weiter zum Lava Tower auf 4.650 Meter. Ein Blick auf die weit hinunterreichenden Gletscher des Kibo entschädigte jeden der Teilnehmer für viele Strapazen, die er während dieser Reise bisher auf sich genommen hatte. Beeindruckt von dem herrlichen Panorama dieser einzigartigen Natur stieg die gesamte Mannschaft zu dem unterhalb des Lava Tower liegenden Barranco Camp ab und verbrachte die Nacht in Zelten. Nach dem Früh-

stück begann ein Kräfte zehrender Weg, der über Täler und kleine Gebirgsrücken, vorbei an mehreren Bächen, zum nächsten Etappenziel führte. Das „Barfu-Camp“ liegt, eingebettet zwischen riesigen Lavafelsen, in einer Höhe von 4.600 Metern.

Es ist geschafft Nun brach der fünfte und letzte Tag an. Der lang ersehnte Wunsch sollte jetzt endlich in Erfüllung gehen und der „Sieg über den Berg“ wenn nötig, auch erzwungen werden. Man wollte kein Risiko eingehen und brach bereits um Mitternacht zum „Gipfelsturm“ auf. Ohne nennenswerte Zwischenfälle schaffte die nun

bereits müde Gruppe den steilen Anstieg über den Stella Point (5.745 Meter) zum Gipfel auf den Kilimanjaro. Der Weg an die Spitze dieses einzigartigen Berges war im wahrsten Sinne des Wortes „mit Steinen und Geröll gepflastert“ und außerdem wegen der enormen Höhe durch die sauerstoffarme Luft sehr mühsam. Doch alle Strapazen waren schnell vergessen, als man den Uhuru Peak (Friedensgipfel) erreichte und die Berge der Umgebung samt dem umliegenden Regenwald in dieser einzigartigen Landschaft genießen konnte. Wolfgang Bachkönig

u Afrika einmal anders – Schnee auf den Bergen. Fotos: zur Verfügung gestellt von Gerhard Marakovits

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Philokartie – Leidenschaft für Ansichtskarten Seit einem halben Jahrhundert sammelt Walter Rützler Ansichtskarten – vornehmlich aus Vorarlberg. Er besitzt mittlerweile ein Archiv von 30.000 Karten.

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Persönlichkeiten

Walter Rützler

it der Ansichtskarte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde eine völlig neue Art der Kommunikation geschaffen. Nach heftigem Widerstand wurde sie zum Massenartikel und löste einen wahren Sammlerboom aus. Seit fünf Jahrzehnten ist auch Walter Rützler ein leidenschaftlicher Sammler.

Erste Idee 1865 Die erste Idee eines preußischen Postrates im Jahr 1865, statt eines Briefes eine Postkarte zu versenden, wurde abgelehnt. In Österreich wurde sie vier Jahre später als „Correspondenzkarte“ trotz heftiger Proteste eingeführt. Drei deutsche Bundesländer folgten dem Beispiel. Unmittelbar darauf bedruckte ein deutscher Hofbuchhändler eine Karte mit dem Bild eines Kanoniers und schickte sie seinen Schwiegereltern nach Magdeburg. Diese Karte wird allgemein als erste Ansichtskarte angesehen. Während des deutsch-französischen Krieges wurde das neu geschaffene Medium als Feldpost verschickt. Ende des 19. Jahrhunderts begann das Goldene Zeitalter der Ansichtskarte. Zuerst durfte aber nur die Vorderseite beschrieben werden. Erst 1905 wurde die geteilte Rück-

u Walter Rützler mit seiner umfangreichen Kartensammlung. Fotos: Rützler

seite für Mitteilungen eingeführt. Die Ansichtskarten wurden als Lithografie oder Fotografie verkauft.

Sammler seit 50 Jahren Seit 50 Jahren sammelt der heimatverbundene Walter Rützler vor allem Ansichtskarten von Vorarlberg, seinem Wohnort Lochau am Bodensee

und Geburtsort Innerbraz im Klostertal. Die Sammlung umfasst Ansichtskarten aller 96 Vorarlberger Gemeinden und Karten über die Schifffahrt, Seilbahnen, Schutzhütten und der Gendarmerie. Aber auch besondere Krampus-, Weihnachts-, Neujahrs-, Oster- und Pfingstkarten gehören dazu. Heute besitzt der ehe-

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malige Gendarmeriebeamte ein Archiv von 30.000 Karten. Seine besonderen Schätze sind Lithografien aus Vorarlberg um die Jahrhundertwende und eine Kartensammlung von Alfred Mailick. Die wichtigsten Erfindungen zur Herstellung der Ansichtskarten waren die Lithografie und die Fotografie. Bei der Lithographie musste für jede gewünschte Farbe ein Stein oder eine Platte präpariert werden. Gerne präsentiert Walter seine Sammlung als sachkundiger Ansprechpartner Archivaren, Ahnenforschern, Bürgermeistern, Polizeibeamten oder Interessierten. Mit seiner ortsgeschichtlichen Sammlung illustriert er die Gemeindezeitschrift „Lochau Heute.“ Zudem ist er Gründungsmitglied des Vereins „Ortsgeschichtliche Sammlung“ der Gemeinde Lochau.

Kustos Seit seiner Pensionierung ist er als Kustos jeden Dienstagnachmittag im „Alten Schulhüsle“ seiner Wohngemeinde, wo er mit seiner Frau das „Informative Eck“ leitet. Dort wer-

u Walter Rützler besitzt zudem eine komplette Sammlung von Erinnerungsmedaillen der Polizeisternfahrten innerhalb Europas – beginnend mit der ersten „Sternfahrt“ 1956 in Paris bis zur letzten 1981 in Krems/Niederösterreich.

den Persönlichkeiten, Bauwerke, sowie historisches und aktuelles Bildmaterial präsentiert. Walter Rützler besitzt zudem eine komplette Sammlung von Erinnerungsmedaillen der Polizeisternfahr-

u Walter Rützler mit seiner Frau Heidi. Er leitet mit ihr gemeinsam das „Informative Eck“.

ten innerhalb Europas. Seine Sammlung beginnt bei der ersten „Sternfahrt“ 1956 in Paris und endet bei der letzen durchgeführten „Sternfahrt“ 1981 in Krems/NiederösterPeter Magg reich.

u Seit seiner Pensionierung ist Rützler als Kustos jeden Dienstagnachmittag im „Alten Schulhüsle“ seiner Wohngemeinde.

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Peter Linsbauer

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Ein Schatten namens Marathon Der Name Peter Linsbauer ist unter Marathonläufern weit über die Grenzen hinaus ein Begriff. Es vergeht kaum ein Monat, an dem er nicht einen Marathon bestreitet.

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m Jahr 1989 lief er zum ersten Mal den Wien-Marathon, wo er sich derart verausgabte, dass er die Sportart wechselte und auf das Fahrrad umstieg. Da aber die Zeit bekanntlich auch die größten Wunden heilt, versuchte er 1994 in Venedig ein Comeback. Doch diesmal ließ ihn die Euphorie des Laufsportes nicht mehr los. Es vergeht kaum ein Monat, in dem er nicht einen bedeutenden Marathonlauf bestreitet. Peter Linsbauer ist bis dato auch

u Ein unzertrennliches Duo.

der einzige Burgenländer, der in nur 365 Tagen 13 Marathonläufe absolviert hat.

Durch Tierliebe zum Laufsport Seine Liebe zum Laufsport entdeckte Peter Linsbauer in Nickelsdorf, „dem Dorf an der ungarischen Grenze“. Durch die „zwangsläufige Trennung“ von seinem Heimatort Rechnitz (150 km) suchte er nach einer sinnvollen Freizeitgestaltung. Er entdeckte seine Liebe zu Tieren, wurde

u Peter in Hawaii – erschöpft aber glücklich stützen ihn zwei amerikanische Kollegen. Fotos: zur Verfügung gestellt von Peter Linsbauer

zum Diensthundeführer ausgebildet und verband das „Angenehme mit dem Nützlichen“, indem er mit seinem vierbeinigen Begleiter zu laufen begann. In seinem Körper entwickelte sich bald eine Euphorie, die ihn bis dato nicht mehr los gelassen hat. Aus anfangs kurzen Distanzen wurden bald kilometerlange Zeitläufe. Der erste Marathonlauf in Wien war nur eine „logische Folge“ des täglichen harten Trainings. Nach einem „Abstecher“ zum Radmarathon (1989-1993) feierte er beim Marathonlauf in Venedig (1994) ein Comeback. Es folgten Teilnahmen an Veranstaltungen in New York, Florenz, Triest, Graz, Laibach, Zagreb, Ferrara usw. Im Jahr 2000 lief er zum ersten Mal einen „Ultramarathon“ über 24 Stunden und 160 km.

Persönlicher Rekord ist das Ziel Im Jahr seines 40. Geburtstages (2003) startete Peter ein besonders logistisch herausforderndes und

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Kräfte raubendes Vorhaben. Er nahm sich vor, in jedem Monat einen Marathon zu laufen. Zu seiner eigenen Überraschung übertraf er diesen Plan, denn im September war er noch derart fit, dass an er zwei Läufen teilnahm. Das Jahr beendete Linsbauer dann mit dem 13. Marathon in Honolulu und stellte somit burgenländischen Rekord auf. Doch Peter musste den hohen Anforderungen, die er an seinen Körper gestellt hatte, „Tribut“ zahlen. Bis zum Jahr 2007 warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück. Erst im Jänner 2008 wagte er in Barcelona einen Neustart. Kurze Biographie Peter Linsbauer, Jahrgang 1963, begann mit dem Laufsport relativ spät, denn er war zu diesem Zeitpunkt bereits 21 Jahre alt. Damals Angehöriger der Österreichischen Zollwache, versah seinen Dienst im Zollamt Nickelsdorf, wechselte im Jahre 1995 zur Polizei (damals Gendarmerie) und ist derzeit an der Polizeiin-

u Sein jüngster Gefährte gerade in Ausbildung – Vorführung beim Tag der Sicherheit. Foto: Wolfgang Bachkönig

spektion Bernstein als Diensthundeführer eingeteilt. Sport genießt in der Familie Linsbauer einen besonderen Stellenwert. Seine Gattin hat sich ebenfalls dem Laufsport verschrieben, sein Sohn spielt Basketball bei

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den Oberwart Gunners, die Tochter war 2006 österreichische Meisterin im Rope Skipping (Seilspringen in Perfektion). Wolfgang Bachkönig


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u Oben: Das Bild am Bauzaun wurde zur schnellen Beute eines unbekannten Täters. Rechts: Auch dieses Bild, obwohl hinter einer Bank an der Bushaltestelle, war schnell abmontiert und blieb bis heute verschwunden.

Markus Leitner

„Mäxx“ – Most wanted Großformatig, großzügig und zum Nachdenken sowie zu Diskussionen anregend – das sind die Werke des Tirolers Markus Leitner.

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arkus Leitner ist gelernter Polizist. Aber in seinem Innern hat er ein Faible für die Kunst, genauer gesagt für Malerei. Nicht das Stillleben oder das Portrait sind seine Vorlieben. Markus liebt es großformatig, großzügig, zum Nachdenken anregend. Aber ist das wirklich Kunst? Nun, Kunst ist Geschmackssache. Persönlich ist er von seiner Kunst überzeugt, subjektiv. Und der Betrachter? Seine Ausstellungen werden gut besucht. Sie regen zu Diskussionen an. So mancher hat gerne einen echten „Mäxx“ in seiner guten Stube hängen und ist stolz drauf.

u Markus Leitner in seinem neuen Atelier in Innsbruck.

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u Im lichtdurchfluteten Atelier kommen die Werke besonders gut zur Geltung, auch wenn sie noch in der Ecke stehen. Fotos: Leitner

Persönlichkeiten In den 90er Jahren wurde in Innsbruck die neue SOWI der Uni Innsbruck erbaut. Rundherum stellte man einen Bauzaun auf. Diesen erkor die Stadt zum Kunstraum für jedermann. „Da gehöre ich auch dazu“ dachte sich Markus und schraubte ein großes Bild auf die Bretterwand. Es hing nicht lange, dann war es gestohlen. Der Künstler ließ sich nicht entmutigen und montierte ein neues Bild. Eines Abends, als er Funkstreife fuhr, stellte er fest, dass die Schrauben

gelockert waren. Er zog sie nach. Aber das nutzte nichts. Wenig später war das Kunstwerk spurlos verschwunden. Es folgte ein drittes Bild - den Ausgang können Sie sich vorstellen. Interessanter Weise passierte anderen Kunstwerken an der Wand nichts. Jetzt war Markus überzeugt: „So schlecht können meine Werke nicht sein“. Vom Straftatbestand her gesehen, reiht er sich in die Riege mit

u Ein neues Bild entsteht.

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Munch, Van Gogh, Picasso und vielen anderen ein, deren Werke zur Diebsbeute geworden sind. Verschwunden sind die drei Bilder bis heute. Mäxx nimmt es locker: „irgend jemandem werden sie bestimmt große Freude bereiten“. Und zu malen hat der neuerdings stolze Atelierbesitzer deshalb nicht aufgehört. Klaus Herbert

u Realistisches Zeichnen ist die andere Seite von „Mäxx“.


Er verzaubert und hilft seinen Mitmenschen Trotz gesundheitlicher Einschränkungen engagiert sich Peter Kraushofer immer wieder für soziale Projekte und ist in verschieden Funktionen in seiner Heimatstadt Gablitz tätig.

u Immer engagiert für soziale Projekte: Peter Kraushofer.

Persönlichkeiten

Peter Kraushofer

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ür Peter „Petzi“ Kraushofer galt schon seit seiner Jugend das Motto: „Wer nichts für andere tut, tut nichts für sich.“ Deshalb engagiert er sich trotz gesundheitlicher Einschränkungen immer wieder für soziale Projekte und ist in verschieden Funktionen in seiner Heimatstadt Gablitz tätig. Schon als junger Mann entschloss er sich zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Bergrettung. Im Österreichischen Bergrettungsdienst gibt es nur ehrenamtliche Tätigkeiten und Funktionen. Das reicht vom Bundesverbandspräsidenten bis hin zu den Einsteigern. Und alle arbeiten oh-

ne Bezahlung. Nach einem Unfall konnte er diese Tätigkeit nicht mehr ausüben. Weil er sich aber weiterhin für seine Mitmenschen engagieren wollte, for-

u Beim „Blaulichttag“ können Erwachsene und Kinder die Arbeit von Rettung, Feuerwehr und Polizei hautnah erleben. Fotos: Weiss

cierte er seine Hobbys Musik, Zauberei und Komik. Die Kunst des Zauberns erlernte er bei Bobby Lugano, der in Österreich aus der TV-Sendung „Betthupferl“ bekannte gewordene Zauberkünstler. „Petzis“ Zauberdarbietungen sind unterhaltsam, charmant, modern und originell und sollen seine Zuseher, vor allem Kinder, zum Lachen und Staunen bringen. Regelmäßig unterhält er mit seinen Zauberkünsten die krebskranken Kinder im St. Anna Kinderspital in Wien oder Kinder in einem SOS Kinderdorf. Bei seinen musikalischen Auftritten wird er von einem Freund, ein Gitarrist und Sänger und dem Ehrenobmann der Landesgruppe Niederösterreich, Berthold (Bertl) Weiß, unter-

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Persönlichkeiten

stützt. Das Trio tritt vor allem bei Seniorenveranstaltungen und Benefizveranstaltungen, wie etwa zugunsten eines Berufsschulprojektes im Kongo, auf. Durch seinen Sohn, ein ehemaliger Feuerwehrmann, kam Kraushofer mit der Feuerwehr in Kontakt. In zahlreichen Kursen und Seminaren erlernte er das Verhalten im Brandfall und Brandverhütung. Danach gab er sein Wissen in zahlreichen Veranstaltungen an Erwachsene und Kinder weiter. Diese Tätigkeit konnte er nach einem Rückenleiden nur mehr eingeschränkt ausüben. Daher wurde er Kustos im Feuerwehrmuseum Gablitz.

der Straße und sorgt für die Sicherheit der Schulkinder. Der Kontakt zur Polizei und die täglichen Erfahrungen im Straßenverkehr inspirierten ihn zur Einführung eines „Blaulichttages“ in der Gemeinde. Erwachsene und Kinder konnten erstmals die Arbeit von Rettung, Feuerwehr und Polizei hautnah erleben. Der Erfolg dieser Veranstaltung wurde auch von den Nachbargemeinden aufgegriffen.

Freude an sozialem Engagement

Schülerlotse Als in der Gemeinde ein Schülerlotse gesucht wurde, war Petzi zur Stelle. Seither steht er bei jedem Wetter auf

u Auch musikalisch engagiert sich Peter Kraushofer. Foto: Weiss

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Soziales Engagement klingt nicht besonders zeitgemäß. Ellenbogenmentalität, Egoismus und Schnelligkeit sind gefragt. Peter Kraushofer ist ein Beispiel dafür, dass soziales Engagement eine anerkannte Tätigkeit in unserer Gesellschaft ist und zudem Freude bereitet. Maximilian Ulrich

50 Jahre IPA Österreich  

50th anniversary of the IPA Austrian Section; Besondere IPA Mitglieder der IPA Österreichische Sektion

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