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#Kultur #Kino

»Siebzehn«

LESBISCH SEIN UND ANDERE KATASTROPHEN Paula ist unglücklich in ihre brave Mitschülerin verliebt. Regisseurin Monja Art inszeniert diese verhinderte Liebe mit viel Gespür.

A

ls Teenager hat man es mit dem Comingout schon schwer genug, in der niederösterreichischen Provinz dürfte es besonders hart sein. Dieses leider berechtigte Klischee wird in »Siebzehn« umgangen: Niemand von Paulas Mitschülern hat ein Problem damit, dass sie lesbisch ist. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie Charlotte für sich gewinnen kann, denn die hat einen Freund. Andererseits ist nach kurzer Zeit klar, dass auch sie ihre Augen nicht von Paula lassen kann. Die immer grübelnde Paula sieht das jedoch nicht und stürzt sich zur Ablenkung in homo- wie heterosexuelle Abenteuer, während Charlotte für die Zuschauer genauso unnahbar bleibt wie für Paula. Dabei hat Paula noch

mit schwierigsten Familienverhältnissen zu kämpfen. Den Wegesrand dieser Geschichte spicken Figuren, die es in jeder Schulklasse gibt: die aufmerksamkeitssüchtige Tussi, der Macho, der verschrobene Einzelgänger und der aufdringliche Lehrer. Manchmal wirken diese etwas überzeichnet, aber sie ziehen wahrhaftig die Fäden in Paulas Suche nach Glück. Die Regisseurin nimmt das Coming-of-Age ernst, das Drehbuch ist weder belächelnd noch belehrend. Neben den authentisch unangenehmen Momenten, die die Jugend eben bereithält, sind es die zärtlichen und mitunter gierigen Blicke, die diesen Film ausmachen – besonders Paulas und Charlottes gegenseitiges Schmachten, das sich aber nie ganz erfüllen

kann. Das aufrichtig jugendliche Gefühl des Films wird vom österreichisch aufgestellten Pop-Soundtrack abgerundet. Es muss Zufall sein, dass kürzlich André Téchinés neuer Film »Mit Siebzehn« anlief, der ebenso intensiv von der Entdeckung des Schwul-Seins im französischen Hinterland erzählt. Die beiden Filme ergänzen sich jedenfalls wie ein Zweiteiler. Elisabeth Haefs — »Siebzehn« (A 2017; R: Monja Art; D: Elisabeth Wabitsch, Anaelle Dészy, Alexandra Schmidt; Kinostart: 27.04.17; Edition Salzgeber)

Wer einmal im Jahr nach Japan reisen möchte, kann es sich im Frühling leicht machen und mit dem Zug dorthin fahren. Der Short Cut führt wie gewohnt nach Frankfurt, wo vom 23. bis 28. Mai 2017 das 17. Japanische Filmfestival Nippon Connection stattfindet. Neben dem traditionell guten Filmprogramm erwartet den Besucher auch rundherum das passende Ambiente. Weitere Infos: nipponconnection.com.

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Intro #252  

Intro online lesen: Mit Mac DeMarco, Gorillaz, Soulwax, »Alien: Covenant« u.v.m.

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