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DAS WAR 2014: DER JAHRESRÜCKBLICK  ARCA  NEIL GAIMAN  PANDA BEAR  HAFTBEFEHL

# 228 Dez 2014 & Jan 2015 Gratis www.intro.de

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JETZT

JETZT #228 LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, es ist eine gesunde Tradition, am Ende des Jahres auf selbiges zurückzublicken, die wichtigsten Pop-Phänomene zu benennen, die Alben und Songs des Jahres zu küren und sich der ollen Mutti Melancholie an den Hals zu werfen. Aus dieser Nummer wollten wir auch in diesem Jahr nicht raus und widmen deshalb unsere gesamten »Gestern«-Seiten dem Jahr 2014. Ein Wort der Warnung sei jedoch angebracht: Unser Jahresrückblick ist nicht ganz so bunt, wie er ausschaut. Einige Themen sorgten eher für ein unangenehmes Drücken in der Magengegend, waren uns aber gerade deshalb wichtig. Denn es ist ja nicht immer alles Friede, Freude, Popkultur, pardon: Eierkuchen … Als Gegenpol zum Blick ins Gestern haben wir für unsere Titelstory auf fünf frische Acts geschaut, die todsicher das kommende Jahr prägen werden. Allen voran Bilderbuch, die dem pathetischen Erbauungsdreck der deutschsprachigen Popwelt endlich mal eine eigene krude Version von Sexiness entgegensetzen. Das ist saugut, das macht Spaß, das kommt aus Wien – und deshalb kommt’s aufs Cover. Was unser Jahresheft sonst noch in petto hat? 16 Seiten mehr, ein Interview mit Neil Gaiman, ein Gipfeltreffen zwischen Techno- und Noise-Granden in Tokio, Neues von unserem Lieblingstier aus dem Animal Collective, Panda Bear, gleich zwei prallbunte Modestrecken und natürlich genügend Platten-, Film- und Kino-­ Empfehlungen, um euch durch die Wintermonate zu bringen. In diesem Sinne: Lasst es euch gut gehen, überfuttert euch nicht am Weihnachtstisch, esst mal einen Obstkorb statt Omis Rouladen, lasst es Silvester krachen und habt zwischendurch viel Spaß beim Lesen!

Foto: Daliah Spiegel

Liebe Grüße aus der Intro-Redaktion

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INHALT

GESTERN HEUTE DER JAHRESRÜCKBLICK 2014 014 Bodycheck: Voll normal? Der Normcorer 015 Killer Mike: Ferguson und seine Folgen 016 Das politische 2014: Hitler und der ganze Rest 018 Pop-Beef: Wer gegen wen? 020 Brust oder Keule: Die Hinter(n)teile des Jahres 024 Robin Thicke: Aufstieg und Fall 026 Krieg auf dem Festival-Markt: Ich bin dann mal weg! 028 Rest In Peace: Die Toten 2014 030 Gar nicht harmlos: Montagsdemos 034 Digital, illegal, scheißegal: Ohrfeige 2.0 036 Kratzen & Beißen: Gegen Tatort 038 Von wegen Eco: Schuld ist immer die Semantik

WAS UNS BEWEGT & WER DAFÜR STEHT 054 Introducing: Mit Racing Glaciers, Pimf und Weval 056 Bilderbuch: Titelgeschichte 060 SOAK: Die Teenagerin 062 Arca: Der Visionär 064 ILoveMakonnen: Der Stubenhocker 066 Ibeyi: Die Zwillinge 068 Coverwelten: Gefüllte Teller 070 Haftbefehl: Mit Dreck im Dreck wälzen 074 Panda Bear: Gespräche über Lieblingstiere 078 Noise inside: Techno in Tokio 082 Neil Gaiman: Ein Kind der Punk-Bewegung 084 Nachts im Museum: Modestrecke

043 Nichts für Nerds: Gamergate 044 Wüten, brüten, streiten, wählen: Unsere liebsten Alben 046 Pisse als Herzensbrecher: Virus-Songs 2014

007 Impressum

048 Alben und Songs: Unsere Jahrescharts

008 Dein Intro 009 Aboseite 144 Katz & Goldt / Demnächst


INHALT

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IMPRESSUM VERLAG Intro GmbH & Co. KG, Venloer Str. 241—245, 50823 Köln NEU AB 15.12.: Oppenheimstr. 7, 50668 Köln Fon +49 221 94993-0, Fax +49 221 94993-99 verlag@intro.de, vorname.nachname@intro.de, www.intro.de

HERAUSGEBER & GESCHÄFTSFÜHRER Matthias Hörstmann CHEFREDAKTEUR Daniel Koch (V.i.S.d.P.) STELLVERTRETENDER CHEFREDAKTEUR & TEXTCHEF Felix Scharlau ARTDIRECTOR Holger Risse PROJEKTLEITUNG Martin Lippert REDAKTION Senta Best, Christian Steinbrink (Rezensionen), Kristina Engel (Lektorat), Alexandra Heckel & Jenny Weser (Mode), Frederike Wetzels (Foto Redaktion)

LIVE-REDAKTION Carsten Schumacher, Julia Brummert, Thomas Lorber LAYOUT Jörn C. Osenberg (osi), Vanessa Weber ONLINE- & NEWS-REDAKTION (news@intro.de) Philip Fassing, Bastian Küllenberg

TERMINREDAKTION termine@intro.de TEXTE Lena Ackermann, Aida Baghernejad, Emanuel Bergmann, Kristof Beuthner, Jan

MORGEN WAS UNS ERWARTET & WAS ES TAUGT 090 Cover des Monats: Alex G »DSU« 092 Platten vor Gericht: Zehn Prominente & zehn Alben 096 Platten: Reviews

Bojaryn, Annett Bonkowski, Andreas Brüning, Cay Clasen, Manuel Czauderna, Alexander Dahas, Doc Intro, Lars Fleischmann, Marco Fuchs, Kathrin Gemein, Steffen Greiner, Claudius Grigat, Julian Gupta, Elisabeth Haefs, Henrik Hamelmann, Mark Heywinkel, Moritz Honert, Christian Ihle, Ulf Imwiehe, Sebastian Ingenhoff, Sebastian Jegorow, Madleen Kamrath, Dennis Kogel, Matthias Korte, Kerstin Kratochwill, Katja Krüger, Astrid Kusser, Mario Lasar, Konstantin Maier, Christian Meyer, Nadja Neqqache, Denise Oemcke, Katja Peglow, Kerstin Petermann, Katharina Poblotzki, Verena Reygers, Philipp Rhenius, Henje Richter, Martin Riemann, Benedikt Ruess, Thorsten Schaar, Felix Scharlau, Simone Schlosser, Katharina Schmidt, David Schumann, Frank Schuster, Inga Selck, Roman Sobota, Hanno Stecher, Till Stoppenhagen, Gabriele Summen, Klaas Tigchelaar, Jan Tölva, Nisaar Ulama, Sermin Usta, Thomas Venker, Daniel Voigt, Linus Volkmann, Benjamin Walter, Jan Wehn, Liz Weidinger, Michael Weiland, Holger Wendt, Anke van de Weyer, Kai Wichelmann, Katrin Wiegand, Gregor Wildermann, Sebastian Witte, Peter Wittkamp, Fabian Wolff, Marius Wurth

FOTOS Deniz Alaca, Marcus Becker, Bryan Derballa, Patrick Desbrosses, Pedro Guimarães, Daliah Spiegel, Thomas Venker, Jessica Voorsanger, dpa / picture-alliance, fotolia, Getty Images, Reuters und Pressebildfreigaben

COVERFOTO Daliah Spiegel PERSONAL & ORGANISATION Rebecca Wast (Leitung), Christina Deutsch PRAKTIKANTINNEN Marcus Becker, Carlotta Eisele, Valentin Erning, Pia Grote, Lisa Münzenberger, Tabea Debora Pringal, Selina Sutter

VERTRIEB Dominik Raulf (Leitung – Fon +49 221 94993-41), Christian Heidrich ABO Eva Sieger, Florian Schuster (abo@intro.de) BRANDMANAGEMENT Eike Wohlgemuth PUBLIC & MEDIA RELATION Claudia Trede (claudia.trede@gemeinsame-sache.net), Michael Gwiozdzik

ANZEIGEN & ADMINISTRATION Eva Sieger (Leitung – Fon +49 221 94993-12,

114 Heimspiel: Neue Demos & deine Band

Fax +49 221 94993-88), Florian Schuster , Sonja Reitemeier

116 Neue Filme: Im Kino & zu Hause

DIRECTOR MARKETING & SALES Oliver Bresch (Fon +49 221 94993-13) MARKETING & SALES 

124 Neue Games: Video- & Brettspiele 128 Steil: Mode 134 Neue Tourdaten: Präsentationen & Termine

Büro Köln Fon +49 221 94993-Durchwahl: Martin Lippert -17 (Head of Sales Intro – Tonträger, Film, Kultur, Marken), David Winter -63 (Head of Digital Sales – Marken, Media), Laura Heinrichs -82 (Marken, Media), Backoffice & Digital Ad Management: Sonja Reitemeier -40 & Sabrina Esser -33 Büro Berlin Sebastian Siegmund +49 30 403 670 511 (Konzertagenturen & regionale Kunden), Frank Straessner +49 30 403 670 520 (Marken, Media, Musik)

AKTUELLE ANZEIGENPREISLISTE Mediadaten 2014 (Nr. 24 aus 10/13) BANKVERBINDUNG Volksbank Borgloh e. G., BLZ: 26 5624 90, Nr.: 406490900 TERMINE Nr. 229 / Februar 2015. Redaktionsschluss: 09.01.2015; Termin- & Anzeigenschluss: 16.01.2015; Druckunterlagenschluss: 20.01.2015; Erscheinungstermin: 02.02.2015

INTRO IM NETZ

DRUCK Konradin Druck GmbH, Leinfelden-Echterdingen IVW-GEPRÜFTE AUFLAGE & VERBREITUNG III. Quartal 2014 Druckauflage:

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125.274 / verbreitete Auflage: 122.667 (Durchschnittszahlen) Erhältlich an 1.486 Auslagestellen im gesamten Bundesgebiet sowie im Abonnement Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier, 100% Altpapier. Alle Veranstaltungsdaten sind ohne Gewähr und Verlosungen vom Rechtsweg ausgeschlossen. Abdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages! Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos! Proud Member of Hōrstmann Unternehmensgruppe (HUG). www.hoerstmann.de


MITARBEITER DES MONATS OUADIE BAOUSSOUS Endlich – die Kicker-Welt kann aufatmen: Ouadie Baoussous verlässt Intro! Und gibt damit die PolePosition an den Stangen in der heiligen Halle der Redaktionsräume wieder frei. Neben erwähntem mittelschweren Kicker-Spleen und einer Menge ausgefuchster Apps im Portfolio brachte seine Zeit bei Intro ihm außerdem eine chronische TurnschuhSucht ein. Wer den App-Entwickler jetzt davon heilen soll? Woher sollen denn wir das wissen? Trotz oder gerade wegen seiner Spleens und Süchte werden wir Ouadie sehr vermissen und sagen: Danke! Wir sehen uns dann am Kicker ...

DEIN INTRO FEEDBACK Betreff: YouTube-Kommentar zum »Kurzen Prozess« über Tokio Hotel

Liebe(r) HelloShitty08, vielen Dank für deine konstruktive Kritik! »Selber schwul« verstehen wir in diesem konkreten Zusammenhang mal nicht als Schmähung. Sonst aber eigentlich auch nicht. In Zukunft werden wir trotzdem versuchen, nur Positives über Tokio Hotel zu schreiben bzw. zu sagen. Dein Intro

MEIN STAR

MEIN TIER

Selten waren Hamburger Schule und Hamburger Großraumdisse so friedlich vereint wie auf diesem Foto von Miriam Mentz. Beim Festival Operation Ton ließ sie sich an der Seite von H.P. Baxxter fotografieren, während im Hintergrund Frank Spilker mit sich, der Welt, Hamburg und vielleicht sogar H.P. Baxxter im Reinen zu sein scheint.

Dürfen wir vorstellen: Kater Hawti, die weltweit erste DJ-Katze. Auf diesem Foto macht er seinem Namensgeber Richie Hawtin alle Ehre und nervt beim Plattenpacken. Sein Heißhunger auf Plastik scheint ihm nicht besonders bekommen zu sein – Nervensäge Hawti weilt nicht mehr unter uns. Viel Spaß, lieber Gott!

Mitmachen! Du hast auch ein poppiges Tier oder zuletzt einen Star belästigt? Schick das jpg an bilderflut@intro.de. Bei einem Abdruck gibt es das Intro-Hörbuch. Und Leserbriefe an feedback@intro.de

Schlagzeilen des Monats +++ Tsunami fordert über 230.000 Menschenleben +++ Die Schriftstellerin Susan Sontag stirbt im Alter von 71 Jahren +++ Die Regierungskoalition von Ministerpräsident Ariel Scharon in Israe

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UND WO WARST DU?

IM DEZEMBER 2004 INTRO #123

COVERGESCHICHTE spielt in den USA. Hier treten im Rahmen einer Veranstaltung für Vaterlandsverteidigung bzw. gegen George Bush unter anderem Bright Eyes auf. Die stehen mit gleich zwei Songs an der Spitze der US-Charts! Klaus Walter wundert sich über seltsame Fragen am Pissoir. Mit Conor Oberst spricht er über weitaus brisantere Themen: George Bush, Wunderkinder und Gott.

STORYS Handsome Boy Mode­

ling School, Das Pop, Le Tigre, Gwen Stefani, Jeans Team, The Unicorns und Stephen Duffy

WICHTIGE ALBEN Beginner

»Derbste Band der Welt«, Eminem »Encore«, Oma Hans »Peggy«, Le Tigre »This Island«, Tocotronic »Pure Vernunft darf niemals siegen«, Brian Wilson »Smile«

PLATTEN VOR GERICHT

Sieger: Handsome Boy Modeling School »White People«; Letzter: Jeans Team »Musik von oben«

BESONDERE VORKOMMNISSE Beim Kochen mit Mille

Petrozza von Kreator treten seltsame Dinge ans Tageslicht: Der handzahme Mille fährt mit einem Kleinwagen Marke Kindergärtnerin vor und entpuppt sich als bekennender Vegetarier. Er kredenzt Rotwein statt Bananenweizen und mischt seine Spaghetti lieber mit Basilikum-Knoblauch-Pesto statt mit blutigem Hack. Tschüss, ihr lieb gewonnenen Metal-Klischees!


007 HOLGER RISSE, ARTDIRECTOR AUS OSNABRÜCK

»ICH LESE INTRO, WEIL ICH HEUTE SCHON WEISS, WAS MORGEN WAR.«

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10 × INTRO, 1 × FESTIVALGUIDE UND EINE PRÄMIE VON SEITE 31. FÜR NUR 30,– EURO.* *Abo-Preise: Inland € 30 (inkl. Prämie), Ausland € 35 (exkl. Prämie), Ausland € 42 (inkl. Prämie). Abo-Dauer: ein Jahr, keine automatische Verlängerung. Das Prämien-Kontingent ist begrenzt – keine garantierte Lieferung der Wunschprämie. Prämienversand erst nach VÖ-Termin der Prämie und Zahlungseingang. Vorzeitige Abo-Kündigung berechtigt nicht zur Erstattung etwaiger Restbeträge. Bestellwiderruf bis zehn Tage nach Bestelldatum möglich. Alle Details: siehe intro.de/abo.

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GESTERN

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GESTERN DE R JA H R E S RÜCK BL ICK 20 14

— Kiss, Ice Bucket Challenge, Noblesville, Indiana, 22. August 2014, 00:02 Uhr: 2014? Eimer drauf! Zumindest auf den Teil des Jahres, in dem man sich vor den Ice Bucket Challenges kaum retten konnte. Die vor einem gemeinnützigen Hintergrund gestartete Aktion ging einem nach dem x-ten Promi-, Band- oder Freundes-Video dermaßen auf den Senkel, dass man an dieser Stelle passenderweise schreiben sollte: »Ice bucket challenge, KISS my ass!« Foto: Michael Hickey / Getty Images


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GESTERN


GESTERN

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Grenzzaun, Melilla, 22. Oktober 2014, 15:31 Uhr Ein Foto wie ein Faustschlag ins Gesicht. Oder ein Hieb mit dem Golfschläger. Während am Zaun zwischen Afrika und der spanischen Enklave im Norden Marokkos Flüchtlinge um ihr Leben kämpfen, läuft die Golfpartie auf dem angeblich mit EU-Geldern finanzierten Grün seelenruhig weiter. Symbolträchtiger hätte man die harte Grenzpolitik der EU nicht inszenieren können, als es die Realität hier schon selbst erledigt hat. Foto: Jose Palazon / Reuters


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BODYCHECK

DER NORMCORER 2014 war das Jahr, in dem Normcore die Modewelt erreichte. Das Kollektiv »internet k-hole«, eine Mischung aus Künstlergruppe und Marketingagentur, veröffentlichte zuerst seine Ausführungen zum Thema und schuf damit eine erste Diskussionsgrundlage darüber, was denn »Normal Hardcore« (also Normcore) sei. Wir zeigen im Bodycheck, was man denn nun tragen muss, um Normcore zu sein. Text: Lars Fleischmann Wie alle drei Jahre kommt auch beim Normcore wieder der sogenannte No-Cut in Mode. Auch gut: Ansätze zeigen, falsche Farben für den eigenen Typ aussuchen. Es sollen auch schon ein paar Miniplis in Berlin gesichtet worden sein. Bei den Herren sind die »Mad Men«-artigen 50er/60er-Schnitte nun leider auch schon wieder out – oder liegen zumindest im Sterben. Wenn es schon der Seitenscheitel sein muss, dann wenigstens auch rasiert (wie Opa das schon tat, als er in der Normandie stand) und mit Brisk gestylt.

Generelle Inspiration findet man in den Fußgängerzonen der Republik beim Ausstatter, der die längste Rentnerschlange besitzt, in 90er-Boy-Band-Videos oder in den Annalen der Nicht-Mode­ geschichte.

Auch wenn hier das WinterNormcore-Outfit im Bild ist: Im Sommer war das schlichte T-Shirt das Kleidungsstück der Wahl. Aber im Gegensatz zum halbironischen T-Shirt des Hipsters (†2013) geht’s hier auch um Marke (und damit um Geld, aber das formuliert noch keiner). Unter Joop wird es nicht gehen. Tipp: Auf Modetausch-Plattformen werden gerade einige Kleiderschränke der Eltern/ Großeltern geplündert.

Wer geglaubt haben sollte, es reiche, einen Pullover aus dem Quelle-Katalog von 1994 auszusuchen, der liegt daneben. Die Normalität des Normcores zeigt sich auch in einer Designergläubigkeit. Also muss es schon ein halb hässlicher Pullover mit dem Aufdruck »Lagerfeld«, »Givenchy«, »Armani« oder, wer es sportlicher mag, »Nike« sein. Ohne den ist man nämlich einfach nur schlecht angezogen.

Barack Obama macht es vor. Wenn der mächtigste Mann der Welt eine tragen kann, dann der »Normalo« sowieso. Die BollerJeans – übrigens nicht umgekrempelt, sondern tatsächlich zu kurz am Bein – ist Pflicht. Für die Farbe: Entscheide dich, und dann nimm die etwas hellere. Da viele aber auch einfach nur ein Update ihrer Klamotten von der Einschulung tragen, ist ein ganz heißer Tipp: die Latzhose. Adiletten gehen immer, oder ihr beklaut euren Hausarzt, wenn er noch diese geschlossenen weißen Lederschuhe trägt. Ansonsten: Crogs! Der normalste Schuh aller Zeiten. Aber auch anderes ist möglich: Buffalo, diese Marke, die seit 2000 ausgestorben schien, ist nicht mehr hässlich, sondern auch Revival. Foto: Marcus Becker


GESTERN

D

u hast in einigen TV-Auftritten, aber auch in einem offenen Brief sehr deutlich Stellung zu den Vorfällen bezogen. Warum? Ich bin der Sohn eines Polizisten und kann den Druck sehr gut nachvollziehen, unter dem Polizisten nach dem Vorfall in Ferguson standen und immer noch stehen. Aber ich bin auch ein schwarzer Mann, der in Amerika lebt – und als dieser habe ich mit vielen Vorurteilen zu kämpfen und habe es mit der Angst zu tun bekommen, als ich von den Vorfällen in Ferguson erfuhr. Was ist in deinen Augen das konkrete Problem? Ich komme aus den Südstaaten und bin in einer Gegend aufgewachsen, in der man keine Angst vor der Polizei haben musste. Polizisten waren respektierte Menschen und, im wahrsten Sinne des Wortes, dein Freund und Helfer. Weil sie ein Teil der Gemeinschaft waren. Aber die Polizei wird immer mehr militarisiert. Nicht nur, dass die Polizei junge Menschen aus der Armee rekrutiert, sie benutzt auch militärische Waffen und geht mit militärischen Taktiken gegen die Bürger vor – insbesondere gegen Afroamerikaner. Was wir dort in Ferguson erlebt haben, ist, dass dieses Land nicht mal die Rechte von einem 18-jährigen Jungen respektiert hat. Wohin soll das denn noch führen? Unsere Rechte werden von Polizisten mit Füßen getreten – wohlgemerkt von Polizisten, die wir mit unseren Steuergeldern bezahlen. Und was immer dieses Land der am wenigsten respektierten Bevölkerungsgruppe, und das sind nun mal Afroamerikaner, anzutun bereit ist, wird es über kurz oder lang auch allen anderen Amerikanern antun. Für mich war es interessant zu sehen, wie erstaunt die TVModeratoren mitunter waren, dass du dich als Rapper derart pointiert zu einem solch brisanten Thema geäußert hast. Ja, das habe ich auch bemerkt. [lacht] Aber ich bin ein Künstler. Meine Aufgabe ist, nicht einfach nur Musik zu machen. Ich muss mit den Menschen kommunizieren. Das heißt nicht nur, dass ich für sie auf der Bühne stehe und rappe, sondern dass ich ihnen

FERGUSON UND SEINE FOLGEN

KILLER MIKE: »UNSERE RECHTE WERDEN VON DER POLIZEI MIT FÜSSEN GETRETEN.« Am Abend des 9. August 2014 wurde der 18-jährige unbewaffnete Afroamerikaner Michael Brown in der US-Kleinstadt Ferguson auf offener Straße von einem Polizisten mit sechs Schüssen getötet. Die kriegsähnlichen Krawalle, die darauf folgten, sind ein allzu deutliches Beispiel für Alltagsrassismus und Polizeigewalt. Die Popmusik ließ der Vorfall in Ferguson größtenteils kalt. HipHop-Künstler wie Talib Kweli oder Common machten ihrem Ärger allerdings genauso Luft wie der MC Killer Mike von Run The Jewels, den Jan Wehn für uns interviewte.

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zuhöre und eine Stimme gebe. Ich bin auf gute Schulen gegangen und hatte gute Lehrer – klar kann ich mich gut ausdrücken und leidenschaftlich für eine Sache einstehen. Wenn die TV-Moderatoren deswegen überrascht sind, juckt mich das herzlich wenig. Ich wüsste nicht, was ich sonst tun sollte. Was denkst du darüber, wie die Situation in Ferguson von der Popkultur rezipiert wurde? War es überhaupt ein Thema? Vielleicht gab es hier und da mal eine Mitleidsbekundung, ja. Weißt du, in der Popkultur gibt es so viel Bullshit. Mir ist egal, welcher Star sein Baby wie nennt. Und es ist traurig zu sehen, dass erst Leute sterben müssen, ehe jemand, der in der Öffentlichkeit steht, über diese Problematik redet. Aber andererseits ist jeder Kommentar und jede Anteilnahme an dem Schicksal von Michael Brown, aber auch dem von Dillon Taylor, der ebenfalls als Unbewaffneter auf offener Straße erschossen wurde, gut. Es wurden auch Stimmen laut, die davon sprachen, der Vorfall in Ferguson habe die Popmusik und insbesondere HipHop wieder repolitisiert. Was denkst du darüber? Das ist Quatsch. HipHop hat schon immer auf soziale Missstände hingewiesen, und es gibt Rapper wie Brother Ali, Bamboo, The Coup oder KRino, die heutzutage sehr guten politischen Rap machen. Wer hingegen politischer werden muss, sind die Fans. Wobei man sagen muss, dass durch den Tod von Michael Brown bereits ein Wandel erkennbar ist. Die Leute interessieren sich nicht mehr nur dafür, was für ein tolles Outfit ihr Lieblingsrapper diese Woche aus dem Schrank zieht oder mit wem er gerade Beef hat, sondern bilden sich eine Meinung und haben ein Bewusstsein für Missstände. Das ist schön zu sehen. Egal, wer uns regiert, egal, welcher Nationalität wir angehören oder wie wir uns nennen, am Ende sind wir doch alle Menschen. Und als solche sollten wir uns begegnen. — RUN THE JEWELS (EL-P & KILLER MIKE)

»RUN THE JEWELS 2« (MASS APPEAL / GROOVE ATTACK)


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DAS POLITISCHE 2014

EIN GUTES JAHR FÜR Der satirische Blick auf das politische Jahr 2014. Es treten auf: Hitler (irgendwie ist der ja immer dabei), die AfD, ISIS, die GDL, Putin und die Rüstungslobby. Unser Gastautor Leo Fischer – Ex-TitanicChefredakteur und Die-PARTEI-Mitglied – ist sich trotz allem sicher: 2014 war ein gutes Jahr. Wenn schon nicht für die gesamte Menschheit, dann zumindest für Deutschland. Keineswegs! Unabhängige Jahresexperten haben 2014 noch einmal auf Herz, Nieren und Bandscheibenprolaps geprüft – und dabei festgestellt, dass es zwar der ganzen Welt seit 2014 deutlich schlechter geht, am wenigsten schlecht geht’s allerdings den Deutschen! Hat sich 2014 insgesamt als Heiltherme der Volksgemeinschaft herausgestellt? War 2014 »unser deutsches Jahrzehnt« (Helmut Schmidt)? Immerhin wurde 2014 das politische System in nie da gewesener Weise vereinfacht. Dank der verschwundenen FDP ist etwa die Parteienlandschaft viel übersichtlicher geworden! Es gibt jetzt nur mehr zwei ernst zu nehmende Parteien, CDU und SPD, die praktischerweise gleich zusammengefasst sind. Beide haben jeweils in AfD und Linkspartei einen bösen Zwilling ihrer selbst bzw. eine Sammelstelle und Verbrennungsanlage für den unverdau-

lichen Personalausschuss gefunden. All die Irren und Unsympathen, die den guten Ruf einer Volkspartei ruinieren können, müssen ja schließlich irgendwohin! Wenn sie nicht zu den Grünen gehen: Denen fehlt zwar noch so eine Zwillingspartei, aber es steht zu vermuten, dass sie 2015 die »Gnoppis« gebären werden, die Partei der Gnadenlosen Opportunisten, die das Radfahrertum der Mutterpartei auf die Spitze treiben und ihre Grundsätze aufgeben werden, noch bevor sie sie überhaupt formuliert haben. Das alles natürlich mit allerbestem Gewissen und auf Grünkernbasis. Auch die Erfolge des »Islamischen Staats«, so unerfreulich sie sich im Detail ausnehmen, haben letztlich für Deutschland nur Gutes bewirkt. Endlich gibt es wieder stabile Absatzmärkte für die deutsche Rüstungs- und Entwicklungsindustrie; außerdem wurde auch die Komplexität

Fotos: fotolia, Getty Images

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uerst waren sich alle einig: 2014 war ein kompletter Reinfall! Zu wenig Sonne, zu starker Regen, zu viele Ausländer; der Welthunger wurde nicht besiegt, der Krebs nicht in vernünftige Bahnen gelenkt und Edward Snowden immer noch nicht aus Obamas Folterhaft in San Guantanamo befreit. Das neue iPhone verbog sich schon beim Auspacken, das Samsung hingegen verlor schon nach zwei Monaten dieses kleine Nippelding, das angeblich vor Wasserschäden schützt. Und die Dunkin’Donuts-Filiale im Hauptbahnhof Frankfurt? Hören Sie mir auf mit der Dunkin’-DonutsFiliale im Hauptbahnhof Frankfurt! Die wurde doch gerade jetzt erst fertig! Und kam damit ca. neun, ach was: volle dreizehn Jahre zu spät. So dass hierdurch das Kraut (Jahr) am Ende auch nicht fett (gut) werden konnte. 2014 – ein Jahr zum Abhaken also?


GESTERN

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DEUTSCHLAND der Außenpolitik (pro oder kontra Assad? MGs oder Uzis? Schwerter oder Pflugscharen?) erfolgreich reduziert: Mit dem IS hat man zum ersten Mal seit Hitler wieder einen Gegner, auf den sich die ganze Welt einigen kann. Gleichzeitig werden wir dank der Freunde aus Nahost all jene planlosen NRW-Jugendlichen los, die sogar für die Bundeswehr zu dumm sind: Sie fahren ohne Rückfahrschein auf Abenteuerurlaub ins Kalifat und werden mit etwas Glück von einer amerikanischen Drohne weggesprengt. IS – ein Glücksfall für die Arbeitslosenstatistik! Bleiben wir bei der Außenpolitik. Die Geschehnisse in und um Russland sind natürlich unschön. Schwulenverfolgung, Euromaidan, unbekannte gelbe Unterseebote vor der schwedischen Küste. Doch die positiven Aspekte liegen auf der Hand: Im Vergleich zu Putins Homo-Politik wirkt Deutschland fast wie ein liberales, aufgeklärtes Land! Die Hoffnung ist, dass Putins »Lupendemokratie« (Zitat deutsches Kabarett) noch weiter in den Irrsinn abdriftet, denn mit jedem Pogrom und jedem Lkw-Konvoi wirken die Zustände hier noch einen Tacken vernünftiger, wohlgeordneter. Wenn Putin noch begönne, die Westukrainer flächendeckend mit Ebola anzustecken, wäre die westliche Wertegemeinschaft

fürs Erste aus dem Schneider. Denn dass die westliche Wertegemeinschaft dringend wieder einen Feind braucht, steht außer Frage. Werte sind schließlich nur dann etwas wert, wenn man sie gegen jemanden verteidigen kann, ansonsten handelt es sich um bloße Rollenprosa. Einen ausgezeichneten Feind machte da Sebastian Edathy aus – schwul, in der SPD und mit Notebook ausgestattet, das sind ja gleich drei Verdachtsmomente auf einmal! Im anstehenden Verfahren geht es um das Alter der Knaben, deren Fotos er sich im Netz angesehen hat. Waren sie legal oder eben nur barely legal? Man darf den Anklägern für ihre Eile keinen Vorwurf machen, denn nur durch ihr beherztes Handeln konnten sie verhindern, dass die Dargestellten weiter altern, die Legalitätsgrenze überschreiten und sich der Fall damit auf biologische Weise gelöst hätte. Andersrum: Sollte sich das Verhalten der Staatsanwaltschaft nachträglich als nicht gerechtfertigt herausstellen, hat Edathy gute Chancen, wieder als Ehrenmann in den Plenarsaal zurückzukehren und von Sigmar Gabriel ordentlich was auf die Schulter geklopft zu kriegen. Während der Feind Edathy dazu beitrug, das Sittlichkeitsempfinden der Deutschen zu stär-

ken, versöhnten sie sich mit einer anderen Nemesis: der Deutschen Bahn. Der verschollene Flug der Malaysia Airlines wie auch die über der Ukraine abgeschossene Passagiermaschine zeigten den Bürgerinnen und Bürgern, dass andere Länder Verkehrsprobleme haben, neben denen sich der GDL-Streik wie ein Kaffeeklatsch ausnimmt. Umgekehrt steht nun natürlich zu befürchten, dass die GDL ihre Lehren aus 2014 zieht, sich weiter radikalisiert und – wer weiß – schon 2015 mit der Entführung ganzer Regionalzüge beginnt. Sicherheitshalber verbietet man sie schon jetzt als terroristische Vereinigung. Überhaupt war 2014 ein Jahr der Sicherheit, der Stabilität. Erinnern wir uns an die gescheiterten separatistischen Bewegungen des Jahres! Den Schotten ist es nicht gelungen, die Briten von der Insel zu treiben, ebenso wenig wie es der Hamas mit den Israelis und der Halbinsel gelang. Unterm Strich können wir Deutschen so bares Geld sparen, denn unsere Atlanten bleiben auch 2015 noch gültig (wenn Putin noch vor Weihnachten auf der Krim aufräumt). Wem das als Erfolg nicht reicht, der halte sich wenigstens dies vor Augen: Das Jahr 2014 hat ein 2015 überhaupt erst möglich gemacht. Ohne 2014 hätten wir überhaupt keine Zukunft mehr!


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GESTERN

WHERE’S THE BEEF?

DIE POP BATTLES DES JAHRES Popstars gegen Rockstars gegen DJs gegen Haustiere gegen Festivals – auch 2014 war ein Jahr der amüsanten Battles. Katja Peglow hat die wichtigsten zusammengestellt.

MARK KOZELEK (SUN KIL MOON) VS. THE WAR ON DRUGS Epische Ausmaße nahmen die Zänkereien von Mark Kozelek an, der sich während eines Festivalauftritts von der amerikanischen Indie-Rock-Band The War On Drugs gestört fühlte. Mit »War On Drugs: Suck My Cock« und »Adam Granofsky Blues« veröffentlichte der Sun-Kil-Moon-Sänger gleich zwei Diss-Tracks und zog bei jeder sich bietenden Gelegenheit über die »whitest band I’ve ever heard« und »Starbucks-Rocker« her.

SOLANGE KNOWLES VS. JAY-Z & BEYONCÉ

JOHN CLEESE VS. TAYLOR SWIFTS KATZE

Vom gefeierten Pop-Exzentriker zum Harald Martenstein des Indie-Rock: Nachdem sich Ariel Pink in einem Interview abfällig über seine angebliche Arbeitgeberin in spe geäußerte hatte, zog er den Zorn der Electro-Prinzessin und Ice-Bucket-Challenge-Verweigerin Grimes auf sich (»Ariel Pink’s delusional misogyny is emblematic of the kind of bullshit everyone woman in this industry faces daily.«). Der beste Konter kam jedoch von Madonnas Management: »M has no interest in working with mermaids.«

Der größte Skandal des Pop-Jahres sorgte für 99 Verschwörungstheorien und (leider) keine Auflösung. Stattdessen: perfektes Krisenmanagement wie immer im Hause KnowlesCarter. Nur die Queen of Selbstbeherrschung schaffte es, die ominöse Fahrstuhl-Attacke (»Solangegate«) im kürzlich veröffentlichten »Flawless«-Remix zweitzuverwerten – natürlich, ohne Licht ins Dunkel zu bringen. »Sometime shit goes down when there’s a billion dollars on an elevator [okay?!].«

Bester Catfight 2014: In einer US-Talkshow ließ der britische Komiker kein gutes Haar an Swifts neuer schottischer Faltohrkatze, die im Sturm die Internetherzen erobert hatte. »Das ist die sonderbarste Katze, die ich je gesehen habe. Wie ist dieser Unfall passiert? Ist das eine richtige Katze?« Swift reagierte not amused und fuhr beim Anblick von Cleese’ nicht ganz so niedlicher großer Katze ebenfalls verbal die Krallen aus: »Das ist ein Monster.« Meow!

MARVIN GAYE VS. ROBIN THICKE

DEADMAU5 VS. ARCADE FIRE

ROCK AM RING VS. GRÜNE HÖLLE

Kein gutes Jahr für den »Blurred Lines«Sänger: Erst spielte sich der R’n’B-Casanova mit »Paula« in die Belanglosigkeit, dann zogen auch noch die Nachfahren von Marvin Gaye wegen Plagiatsvorwürfen gegen ihn vor Gericht. Der Welthit sei bei der Soul-Legende geklaut! Ein Gericht gab der Familie des Verstorbenen in erster Instanz Recht. Thicke kommentierte, der Song sei ja ohnehin nicht wie angenommen von ihm, sondern größtenteils von Pharrell Williams geschrieben worden ...

Mensch vs. Maschine, die 326.: »Dafuqs yer problem [with computers]?« wetterte deadmau5 nach dem Coachella-Auftritt von Arcade Fire auf Twitter gegen die kanadischen Indie-Rocker. Die hatten zuvor sämtliche Bands gelobt, die noch auf richtigen Instrumenten spielen. Umgehend schossen Arcade Fire zurück und bauten in ihrem nächsten Set die berühmte Mausmaske an der Stelle »Do you like rock and roll music?« im Song »Normal Person« ein.

Grüne Hölle wird im nächsten Jahr erstmalig am Nürburgring stattfinden. Damit läuft das Festival in direkter Konkurrenz zum Traditionsfestival Rock am Ring, das ein Wochenende später im nahe gelegenen Mendig veranstaltet wird. Schon längst geht es nicht mehr um den Standort und die Namensrechte. Das Duell der Festivalgiganten ist mittlerweile zum erbitterten Rosenkrieg zwischen den beiden Veranstaltern geworden, die sich vor Gericht über die korrekte Autobahnabfahrt zum Festivalgelände zanken.

Fotos: Marcus Becker

GRIMES VS. ARIEL PINK VS. MADONNA


ABSOLUTE CAMOUFLAGE | Introducing the GD-120CM-5ER

g-shock.de


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KÖRPERTEIL DES JAHRES

THE YEAR IN BUTTS Brust oder Keule? Mit Nicki Minaj und Iggy Azalea rappten gleich zwei der größten aktuellen Mainstream-Popstars dieses Jahr erfolgreich über ihre Vorliebe für große Hintern. Wie kein anderes Körperteil regierte der Po das Po(p)jahr 2014. Text: Katja Peglow

V

ergesst die durchtrainierten Bauchmuskeln von Britney Spears oder das Dekolleté von Katy Perry! 2014 war das Jahr, in dem Nicki Minajs Allerwertester die Weltherrschaft anstrebte. Nach dem Twerking-Boom 2013 stand dieses Jahr noch mehr im Zeichen von Ärschen. Von Nicki Minaj über Iggy Azalea bis hin zu J.Lo – fast jede erfolgreiche Pop-Lady hatte eine Ode auf ihren Allerwertesten parat. Sogar Taylor Swift überraschte im Videoclip zu ihrer Single »Shake It Off« mit ungelenken TwerkEinlagen. Jessie J sang in »Bang Bang«, dem »Lady Marmelade« des Sommers, »She got a booty like a cadillac« und meinte natürlich den ihrer Kollegin Nicki Minaj. Die brach mit ihrer Hitsingle »Anaconda« nicht nur sämtliche Klickrekorde im Netz, sondern brachte im dazugehörigen Skandalvideo auch noch Drake mit einer heißen Lapdance-Einlage zum Erliegen. Das ließ Popo-Veteranin J.Lo natürlich nicht auf sich sitzen und verteidigte im Video zum »Booty«-Remix mit viel Körpereinsatz und Iggy Azalea ihren Titel der Butt-Queen. Und was machte Beyoncé? Trat im knapp geschnittenen Glitzer-Einteiler bei den diesjährigen VMAs auf und wurde in Sachen Hinterteil nur von den goldbemalten Pobacken ihrer BackgroundTänzerinnen überstrahlt ... Sogar die US-Vogue, eigentlich die Mutter aller Problemzonen, griff den »Trend« auf und rief offiziell die Ära des Big Booty aus – und machte dafür seltsamerweise die spindeldürre Miley Cyrus verantwortlich. Auch hierzulande

las man Schlagzeilen wie »Po-Implantate sind voll im Trend« (Jolie). Von der Problemzone zum Objekt der Begierde: Wurden die Hinterteile berühmter Pop-Sängerinnen in der Vergangenheit oftmals vorherrschenden (also meist weißen) Schönheitsidealen angepasst und dementsprechend kleiner retuschiert, so gilt momentan etwas mehr Fett am Hintern als verkaufsfördernd. Nur im weißen Pop-Mainstream kann der »monströse« Hintern von Nicki Minaj noch solch eine explosive Sprengkraft besitzen. Im Sommer präsentierte die Rapperin das freizügige Cover-Artwork zu »Anaconda«, auf dem sie einen String-Bikini trägt. Ein aus HipHopVideos tausendfach bekanntes Motiv, das im Netz allerdings für Entsetzen sorgte – offenbar, weil dieses Mal eben nicht der durchtrainierte Po einer namenlosen Tänzerin abgelichtet worden war. Nach der Kritik postete Minaj das aktuelle Titelbild des Magazins Sports Illustrated. Darauf zu sehen: drei schlanke »Victoria’s Secret«-Models in ähnlicher Pose, über deren Nacktheit sich niemand aufregte; vermutlich, weil sie eben gängigen Schönheitsidealen entsprechen. Deutlich besser erging es da schon Newcomerin Meghan Trainor, die mit ihrer leicht verdaulichen PopNummer »All About That Bass« die jugendfreie Version zum Thema ablieferte und damit in 27 Ländern die Spitze der Charts erklomm. »I’m bringing booty back« verkündete die blonde, leicht mollige Sängerin im dazugehörigen, in

Bonbonfarben gedrehten Video, das einer »Love Your Body«-Kampagne des Body Shop entsprungen sein könnte. So harmlos nett das Video auch wirkt, so ungefährlich bleibt letzten Endes die Message: Liebe deinen Körper! Auch mit ein paar Pfunden mehr, denn »boys like a little more booty to hold at night«. Da sind Nicki und ihr Dschungel voller twerkender Frauen trotz expliziter Bildsprache schon selbstbestimmter und weiter. Ihre weibliche Antwort auf den SirMix-a-Lot-Klassiker »Baby Got Back« braucht keine männliche Bestätigung. US-Superstar Drake ist im Video pures Beiwerk und darf noch nicht mal anfassen. Minaj dreht den Male Gaze des Originals um und erobert sich somit die Deutungshoheit über ihren Körper zurück, der in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich von männlichen Popstars besungen wurde (Jason Derulo »Wiggle«, Sisqo »Thong Song«, Bubba Sparxxx »Ms. New Booty«). Nebenbei bemerkt: Warum erlaubt man in Zeiten, in denen Gangsta-Rap noch immer glorifiziert wird, Frauen dieses Genres eigentlich nicht, ihre eigene Sexualität zu zelebrieren? Wenn für ehemalige Zuhälter wie Ice-T Platz in der Primetime ist, warum dann nicht auch für Nicki Minajs Hintern? Nicht zuletzt zeigt das extrem überzeichnete (und durchaus parodistisch zu verstehende) Video all den »skinny bitches«, die vergangenes Jahr mit der tölpelhaften Aneignung afroamerikanischer Subkultur Kasse gemacht haben, wo der »Cultural Appropriation«-Haken hängt. Nimm das, Miley!


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Miley Cyrus und Wayne Coyne von den Flaming Lips, Staples Center, Los Angeles, 22. Februar 2014, 22:21 Uhr Das Sanges-Traumpaar des Jahres? Während Miley Cyrus’ »Bangerz«-Tour tauchte ihr Kumpel Wayne Coyne von den Flaming Lips auf und performte mit ihr »Yoshimi Battles The Pink Robots«. Seitdem musizieren die beiden oft zusammen – zuletzt, um gemeinsam »Lucy In The Sky With Diamonds« der Beatles zu vertonen. Foto: Jeff Kravitz / Getty Images


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OZM Art Space Gallery, Hamburg, 07. Oktober 2014, 17:04 Uhr Der Hamburger Graffiti-Künstler Walter F. alias Oz starb am 26. September im ­A lter von 64 Jahren. Er wurde in Aus­­­­übung seiner Kunst in der Nähe des Hauptbahnhofs von einer S-Bahn erfasst. Freunde, Fans und Kollegen be­malten seinen Sarg, sammelten über die Fundraising-Plattform »Kiezhelden« Geld für die Beerdigung und erwiesen ihm am 17. Oktober die letzte Ehre. Dress­code dieser außer­ gewöhnlichen Zere­monie: bunt. Foto: OZM Art Space Gallery


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DER ALBUMFLOP DES JAHRES

ROBIN THICKE UND SEIN ALBUM »PAULA« Eine Geschichte von Liebe und Trennung und einem Popstar, dem jeder Sinn für Demut und Intimität verloren ging: Das ist die Story von Christian Steinbrink zu Robin Thickes Album »Paula«, dem unüberbotenen Albumflop des Jahres.

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m April 2013 ist Robin Thicke am Ziel seiner Träume angekommen: Mit der Single »Blurred Lines« erreicht er trotz zweifelhafter Textzeilen wie »I’m a nice guy but don’t get it if you get with me« oder dem penetranten »I know you want it« Platz eins der Charts – nicht nur in seiner US-amerikanischen Heimat, sondern in vielen Ländern. Der endgültige Durchbruch für den Songwriter, der es zuvor zum erfolgreichen Popmusiker, nicht aber zum Star gebracht hatte. »Blurred Lines« avanciert zum Sommerhit und zu einem der meistverkauften Tracks des Jahres. Weiter aufwärts kann es nicht gehen – aber so steil bergab wie für Thicke danach eigentlich auch nicht. Thicke genießt seinen Erfolg zunächst in vollen Zügen. Nicht umsonst darf man »Robin Thicke has a big dick« als Schriftzug im reichlich sexistischen »Blurred Lines«-Video lesen. Nicht nur in seinen Videos und bei dem legendären Auftritt mit Miley Cyrus anlässlich der MTV Video Music Awards umgibt er sich mit leicht bekleideten Frauen, auch privat lässt er es krachen. So lange, bis es seiner Jugendliebe und Ehefrau Paula Patton reicht: Im Februar trennt sie sich von ihm, und er beginnt eine Reihe so öffentlichkeitswirksamer wie hilfloser Versuche, ihre Liebe zurückzugewinnen. Der Gipfel dieser meist peinlichen und oft skurrilen Bemühungen ist das Album »Paula«. Was soll man von einem Mann erwarten, der in einem Interview mit Fox News als Grund für eine Trennung angibt, »einfach nur [zu] ehrlich« gewesen zu sein? Als wenn ihm das zum Verhängnis geworden wäre und nicht sein ausschweifendes Sexleben. Man muss Thicke allerdings zugutehalten, dass er in seinem Sumpf aus Liebeskummer und verletztem Stolz kaum an seine Karriere gedacht haben dürfte. Stattdessen hat er eine wohl nur für ihn grandiose Idee: ein Album voll sehnsüchtiger Liebesbeweise für die Verflossene. Nicht als persönliche MixtapeBotschaft, sondern als proper veröffentlichtes

Major-Label-Release. Thicke legt los, schreibt in Rekordzeit 14 Songs, arrangiert und produziert sie im Alleingang und veröffentlicht sie nur fünf Monate nach der Trennung. Es ist gar nicht mal so, dass »Paula« ein absolut schlechtes Album wäre. Jedenfalls nicht schlechter als seine früheren Veröffentlichungen. Es sind vielmehr der fehlende Tiefgang, die glattpolierte Oberfläche, die kitschige Vorstellung von Intimität und Romantik und der kaum verhohlene selbstgerechte Egoismus, die das Album schon vor Release zum Treppenwitz der Popgeschichte machen. Eine völlig aus dem Ruder gelaufene Kampagne im Vorfeld der Veröffentlichung, Fans bei Twitter über das Hashtag #AskThicke Fragen stellen zu lassen, tut dann ihr Übriges. Das in Deutschland zuständige Label verschickt verschämt einen einzigen Album-Stream, es gibt keine der sonst üblichen Vorab- und Anschluss-E-Mails mit Biografie, Single- und Video-Informationen. Alles, wofür Thicke von seinen Fans vorher gefeiert wurde, lässt »Paula« vermissen. Zudem offenbart das Album auch lyrisch absolutes Ödland, es besteht aus einer Mischung aus Prahlerei und verzweifelter Pennäler-Lyrik, für die sich jeder Mensch noch Monate später zu Tode schämen dürfte. Ob nun aus Dreistigkeit, Selbstgerechtigkeit oder verzweifeltem Liebeskummer: Jedes Qualitätsbewusstsein von Thicke und seinem Management haben bei »Paula« versagt. Die Quittung folgt prompt: Die Verkäufe bleiben Welten hinter denen des Vorgängeralbums zurück, im wichtigen britischen Markt sind sie in der ersten Woche gerade mal dreistellig. Das Image des Hit-Garanten Thicke reißt innerhalb von Wochen unheilbar ein. Und auch die eigentliche Adressatin des Albums hört es, Äußerungen aus ihrem Umfeld zufolge, nur in Auszügen. Die Beziehung gerettet hat es jedenfalls nicht: Im Oktober reicht Paula Patton die Scheidung ein.


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CREATIVE TALENT

DER VERANSTALTER, DER AUS DEM FENSTER STIEG UND VERSCHWAND …

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in »Blutbad« hatte Hurricane-Veranstalter Folkert Koopmanns Mitte des Jahres vorausgesehen, als die beiden Festivals Rock am Ring und Grüne Hölle, oder vielmehr deren Veranstalter Marek Lieberberg und Peter Schwenkow, gegeneinander zu Felde zogen. Koopmanns meinte damit jedoch keinesfalls ein Blutbad in Folge von Handgreiflichkeiten der beiden älteren Herren untereinander, er meinte das wirtschaftliche Blutbad in Form eines Wettbietens, das die Gagen für potenzielle Headliner in astronomische Höhen schrauben würde. Headliner, die die beiden viel zu nahe beieinander liegenden Kontrahenten am Nürburgring und in Mendig dringend brauchen würden, um den jeweils anderen auszustechen. Konkurrenz gibt es überall, die martialische Rhetorik des eher zurückhaltenden Koopmanns hätte es daher nicht gebraucht, doch weist der Fall eines anderen Veranstalters darauf hin, dass es mittlerweile kein normaler Wettkampf mehr ist, der in der Live-Branche tobt. Bereits im vergangenen Jahr fiel auf, dass CreativeTalent-Chef Carlos Fleischmann zunächst als weißer Ritter für das massiv kriselnde Omas Teich Festival aufgetreten war, um es schließlich nur einen Tag vor Beginn abzusagen. Damals

wurden den Ticketkäufern als Kompensation Karten für das ebenfalls von Fleischmann veranstaltete Greenville angeboten. Ein Jahr später kam es ähnlich knapp zur Absage des Greenville Festivals und schließlich auch der von ihm veranstalteten Deutschland-Tour der Backstreet Boys. Wie immer war die Kommunikation den Fans gegenüber eine Katastrophe, und kurz darauf begannen andere, über das Berliner Unternehmen zu berichten: Es hatte Insolvenz angemeldet. Fleischmann war da längst nicht mehr erreichbar, schien untergetaucht. Ticketmaster und Band taten sich zusammen, um die zornigen Fans der Backstreet Boys gemeinsam zu entschädigen. Dabei war dies alles nur in Teilen Fleischmanns Schuld. Internationale Booking-Agenten rufen für den Pool potenzieller Headliner längst Mondgagen auf, womit das VeranstalterRisiko enorm gestiegen ist. Fleischmann hatte sich schlicht verzockt; und da im Live-Geschäft nicht nur geboten, sondern auch vorkassiert wird, war es mit seiner Liquidität schnell vorbei. Befeuert wird dieses Wettbieten im Hintergrund von einem Verdrängungswettbewerb seitens der großen Ticketing-Systeme. Ticketing ist ein Milliarden-Geschäft, nicht umsonst steht beispielsweise Eventim-Chef

Klaus-Peter Schulenberg aktuell auf Platz 204 in der Liste der reichsten Deutschen des Manager Magazins. Die Ticketanbieter arbeiten jeweils mit bestimmten Veranstaltern zusammen und helfen auch schon mal aus, wenn beim Gagen-Wettbieten der Schützling des anderen zu gewinnen droht – es geht schließlich um Marktanteile. Das allerdings sorgt für noch höhere Gagen und noch höheres Risiko. Carlos Fleischmann braucht all das nicht mehr zu jucken, Probleme wie die Absage der KylieMinogue-Tour oder die Absicherung der erst kommenden Tour der Black Keys sind nun Sache des Insolvenzverwalters. Folkert Koopmanns indes fürchtet zwar die kommenden Gagen-Forderungen, nicht aber die kommende Insolvenz. Er hat sein FestivalGeschäft auf Skandinavien ausgeweitet, ist damit breiter aufgestellt, somit ist das Risiko verteilt. In die Karten spielte ihm dabei, dass beispielsweise in Schweden in den letzten zwei Jahren gleich mehrere Festivals aufgeben mussten. Zum Teil, weil der Vorverkauf aufgrund der Verunsicherung der Fans durch eine Reihe von Festival-Absagen nahezu zum Erliegen gekommen war, denn letztlich tragen auch sie das Risiko: Gegen eine Pleite des Veranstalters gibt es keine Versicherung.

Foto: Jessica Voorsanger / Beacon Art Project

Omas Teich, Greenville, Backstreet Boys, Kylie Minogue: In Deutschland stolpert ein Veranstalter von Absage zu Absage, bis seine Insolvenz bekannt wird. Die Kommunikation ist dabei immer eine Katastrophe, am Ende ist er gar nicht mehr erreichbar. Ein Einzelfall ist das aber nicht, denn auf dem Live-Markt herrscht Krieg – Carsten Schumacher erklärt die Fronten.


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François Ozons Erotikfilm über das sexuelle Erwachen eines 17-jährigen Mädchens.

Der Berlinale-Gewinner 2014 ist Film noir und obsessive Liebesgeschichte zugleich.

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Der Oscar®-Gewinner 2014 ist eine Hommage an weltbekannte, aber namenlose Stimmen.

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REST IN PEACE

2014: DIE TOTEN Die Nachrufe sind geschrieben – vermutlich waren sie es schon länger – und gelesen. Deshalb gedenken wir an dieser Stelle noch einmal ohne große Worte der Verstorbenen des Jahres 2014. Ariel Scharon *26.02.1928 †11.01.2014 Maximilian Schell *08.12.1930 †01.02.2014 Philip Seymour Hoffman *23.07.1967 †02.02.2014 Frankie Knuckles *18.01.1955 †31.03.2014 DJ Rashad *09.10.1979 †26.04.2014 Heinz Schenk *11.12.1924 †01.05.2014 Tommy Ramone *29.01.1949 †11.07.2014 Intro Forum *23.03.2001 †05.08.2014 (lebt putzmunter ohne uns weiter auf lastfm.de/group/intro) Robin Williams *21.07.1951 †11.08.2014 Peter Scholl-Latour *09.03.1924 †16.08.2014 Tim Williams (Suicidal Tendencies) *??? †27.08.2014 (an dem Tag gab die Band auf ihrer Facebook-Seite den Tod ihres Bassisten bekannt) Robert Young (Primal Scream) *1964 †09.09.2014 Joachim Fuchsberger *11.03.1927 †11.09.2014 Andrea Marongiu (Crystal Fighters) *??? †12.09.2014 Oz (Graffitikünstler) *1950 †25.09.2014 Peer Augustinski *25.06.1940 †03.10.2014 Andrew Kerr (Mitbegründer des Glastonbury Festivals) *29.11.1933 †06.10.2014 Siegfried Lenz *17.03.1926 †07.10.2014 Mark Bell (LFO) * ca. 1971 † bekannt gegeben am 13.10.2014 Jack Bruce (Cream) *14.05.1943 †25.10.2014 Big Bank Hank (Sugarhill Gang) *11.01.1956 †11.11.2014


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KENFM, DIE MONTAGSDEMONSTRATIONEN UND DAS INTERNET

KEINER REGIERT DIE WELT, WIRKLICH KEINER Die sogenannten Mahnwachen für den Frieden, die in vielen deutschen Großstädten seit Anfang des Jahres regelmäßig stattfinden, wirken harmlos, sind es aber nicht, konstatiert unser Autor Benjamin Walter. Unter der Oberfläche eines breiten bürgerlichen Engagements stecken antisemitische und rechtsradikale Ideologien und der Glaube an die eine große Weltverschwörung.

nalen Bankenunwesen, den gleichgeschalteten Medien, dem Staat Israel und natürlich den USA und der GEZ herausposaunt. So weit, so doof, so harmlos. Möchte man meinen. Doch hinter der trotteligen Fassade der kritischen Friedensaktivisten und ungelenk rappenden Livebands wird eine erstaunlich breite gesellschaftliche Entwicklung sichtbar, die nicht nur Anlass zur Sorge bietet, sondern auch Widerstand herausfordert. Dabei ist es grundsätzlich sicher angebracht, nicht alles zu glauben, was in der Zeitung steht, staatliche Repressionen zu bekämpfen und von Großkonzernen kein anderes Verhalten zu erwarten als schlichte kapitalistische Logik. Um all das geht es den Montagsdemonstranten jedoch gar nicht. Viele wünschen sich im Grunde bloß eine einfache Erklärung und einen Schuldigen für alles, was in ihren Augen auf der großen Welt und in ihren kleinen Leben schiefläuft. Und die bekommen sie auch. Der Radiomoderator Ken Jebsen, der wegen des Vorwurfs antisemitischer Äußerungen Ende 2011 von seinem Haussender rbb entlassen wurde und seitdem als eine Art Vordenker, Maskottchen und Katalysator der Bewegung fungiert, ist dabei streng genommen nur ein Teil des Problems. Auf seiner FacebookSeite KenFM versammelt er

natürlich einerseits die vermeintlichen Friedensfreunde. Die tummeln sich in den Kommentarspalten seiner schier endlosen Postings über Kritik an den etablierten Medien, Kriegstreiberei der westlichen Staaten und israelische Innenpolitik. Andererseits zwingt er auch niemanden dazu, sich seine mit schon etwas lächerlich staatstragendem Gesichtsausdruck geführten Interviews mit seiner Meinung nach dienlichen »Experten« aus Politik, Wirtschaft und Journalismus anzusehen. Jebsen holt die Leute bloß dort ab, wo sie stehen geblieben sind: in ihrer Verachtung für die etablierten Medien, ihrer Angst vor »Zinsknechtschaft« und ihrer Unfähigkeit, zu begreifen, dass die Welt – und was sie im Innersten mehr schlecht als recht zusammenhält – leider ganz schön kompliziert ist. Als eine Art Gehirnschmalz-sparende Hilfskonstruktion dient dabei eine von der Bewegung, man möchte sagen, herbeigesehnte geheime Clique allmächtiger Strippenzieher gerne jüdischer Abstammung, die nun wirklich jeden Krieg anzetteln und jede Schweinerei begehen, wenn sie ihnen nur Macht und Geld sichert. Und allerspätestens an diesem Punkt werden die Montagsmahnwachen anschlussfähig für neurechte, rechtsradikale und antiseFotos: dpa / picture-alliance, fotolia, Getty Images

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ie Schwierigkeit bei der Einordnung dieser verhältnismäßig jungen Bewegung, die weder eindeutig »sozial« noch »politisch« genannt werden kann, ergibt sich aus ihrer Heterogenität. Schlendert man an einem Montag zum Kölner Rudolfplatz, findet man dort ein äußerst buntes Völkchen vor, das sich zur »Mahnwache für den Frieden« eingefunden hat. »Frieden« ist ein schönes Wort und grundsätzlich eine wünschenswerte Angelegenheit. Deswegen wöchentlich eine Mahnwache abzuhalten wirkt vielleicht naiv und lässt eine konkrete Zielrichtung vermissen. Aber warum denn eigentlich nicht? Weder marschieren hier klassische Neonazis unter dem Deckmantel eines gesellschaftlichen Anliegens auf, wie Ende Oktober bei der »Hooligans gegen Salafisten«-Demo in Köln, noch treffen sich antiimperialistische Linke zu einer durchchoreografierten Kundgebung. Vielmehr lagert auf dem Kopfsteinpflaster eine etwas skurrile Mischung aus Jugendlichen im Hippie-Look, besorgten Rentnern, Normalos in Funktionskleidung, Nerd-Typen und abgewetzten Gestalten, die schlecht fotokopierte Flugblätter verteilen. Vor dem alten Stadttor ist ein Mikrofon aufgebaut, und jeder, der sich vorher angemeldet hat, darf hier ran. Je nach rednerischem Talent werden dann mal durchaus eloquent, mal wirr oder quälend langweilig Bedenken zum internatio-


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UNSERE LIEBLINGE IM DEZEMBER. AUCH ALS ABOPRÄMIE ERHÄLTLICH – SIEHE SEITE 9.

mitische Haltungen, in denen die Welt auch für schlichte Gemüter übersichtlich eingeteilt wird in schlecht (USA, Israel) und gut (im Grunde alle anderen). Dass ernsthafte Kapitalismuskritik und Antiimperialismus auf einem etwas komplexeren theoretischen Unterbau fußen, interessiert die Anhänger überhaupt nicht, weil es nicht ins Schema passt. NPD-Mitglieder auf öffentlichen Veranstaltungen sind grundsätzlich vom Verfassungsschutz geschickt, in Wirklichkeit niemals da oder als reine Privatleute unterwegs gewesen. Auch wenn der Auftritt des Sängers Xavier Naidoo auf einer Montagsmahnwache in Berlin den Eindruck erweckte, hier träfen sich in erster Linie die Verwirrten, dient seine Prominenz letztendlich der Bewegung. Denn die mediale Kritik, die den wunderlichen Sänger im Anschluss auf breiter Front traf, dient den begeisterten Anhängern von Verschwörungstheorien auf ihren Facebook-Seiten nur als weiterer Beweis für die Bekämpfung der Meinungsfreiheit durch die mächtigen Medienkartelle. Wer so absolut jede Kritik gegen sich nur zur Bestätigung der eigenen Position nutzt, ist ein unangenehmer, aber letztlich auch sehr durchschaubarer Gegner. Um den Frieden in der Welt sollten sich wirklich besser andere Menschen bemühen.

UNSER ALBUM DES JAHRES: ALT-J »THIS IS ALL YOURS« CD – INFECTIOUS/[PIAS] COOP / ROUGH TRADE

ATOM EGOYAN »DEVIL’S KNOT« DVD/BD – SENATOR

F. GOBERT & F. MERMOUD »THE RETURNED – STAFFEL 1« DVD/BD – STUDIOCANAL

JOHN CARNEY »CAN A SONG SAVE YOUR LIFE?« DVD/BD – STUDIOCANAL

JONAS ALEXANDER ARNBY »WHEN ANIMALS DREAM« DVD/BD – PROKINO

PANDA BEAR »MEETS THE GRIM REAPER« CD – DOMINO / ROUGH TRADE

WE ARE SHINING »KARA« CD – MARATHON / ROUGH TRADE


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WM-Proteste, Saõ Paulo, 12. Juli 2014, 21:39 Uhr Die öffentlich-rechtliche Berichterstattung über die Demos rund um die FIFA WM 2014 war der Rohrkrepierer des Jahres. Während noch jeder Furz von Schweini, Jogi oder Poldi kommentiert wurde, blieben Bilder wie das des brennenden Ronaldo-Porträts eine Seltenheit in ARD und ZDF. Grund für diese Aktion war die Verhaftung von Aktivisten bei einer Kundgebung am Roosevelt Square. Foto: Tiago Mazza Chiaravalloti / Getty Images


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PRIVATSPHÄRE 3.0

DIE ERFINDUNG DER DIGITALEN OHRFEIGE Private Infos landen im Internet, ungewollte Musik findet sich plötzlich in der eigenen Mediathek, und die User bleiben dort, wo ihre Daten am professionellsten gesammelt werden: 2014 haben sich die Grenzen der digitalen Privatsphäre kräftig verschoben. Was war denn da bloß los? Kathrin Gemein klärt auf.

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arker T. muss kurz an seiner Wahrnehmung gezweifelt haben: Der Berliner hatte sich über die Dating-App Grindr in seiner direkten Nachbarschaft verabredet. Am Heinrichplatz, zu dem ihn sein Onlinekontakt gelotst hatte, fand er den Künstler Dries Verhoeven in einem Glascontainer sitzend vor. Auf einer LED-Wand wurden im Rahmen von dessen Projekt »Wanna Play? Liebe in Zeiten von Grindr« Chats dieser App für alle Zuschauer und Passanten gut lesbar wiedergegeben. Auch der Chat von Parker T. – inklusive seines leicht verfremdeten Profilfotos und -namens. Wie Parker T. darauf reagierte? Nun, er versetzte Verhoeven erst einmal einen kräftigen Faustschlag. Und teilte anschließend seine Wut über Facebook mit der Öffentlichkeit. Sein Post wurde wie verrückt geteilt, selbst überregionale Medien berichteten darüber. Schließlich musste sich das veranstaltende Berliner Theater Hebbel am Ufer, kurz HAU, öffentlich rechtfertigen und brach die KunstAktion ab. Zu laut wurde der Widerstand, sowohl online als auch analog: Zu einer Diskussionsrunde, zu der das HAU eingeladen hatte, kamen über 200 Unterstützer von Parker T. Die Möglichkeit eines Faustschlages hätte sich die Schauspielerin Jennifer Lawrence sicherlich auch gewünscht, denn sie war am krassesten von den Hacker-Angriffen auf iCloud betroffen, die weltweit als »The Fappening« Schlagzeilen machten: Rund 60 Nacktbilder der 24-Jährigen wurden gegen ihren Willen im WWW veröffentlicht.

Interessant ist in beiden Fällen die Wortwahl der Betroffenen: Parker T. spricht von einer »digitalen Vergewaltigung«, Jennifer Lawrence von einer »sexual violation«. Sexueller Missbrauch wird von Individuen an anderen Individuen verübt, ebenso sind die Vorwürfe individueller Natur. Die Täter-Opfer-Frage ist hier somit ganz offensichtlich – zum Beispiel macht sich bei einem »Missbrauch« wie im Falle Lawrence jeder schuldig, der mitklickt. Denn nur, weil etwas verfügbar ist, heißt es ja nicht, dass man das Recht hat, es zu schauen. Weshalb sich auch moralische Grenzen zum Thema Online-Privatsphäre noch weiter verschieben (müssen). In Sachen Privatsphäre haben U2 in diesem Jahr eine ganz neue Hintertür aufgemacht: Die irische Band stellte mithilfe von Apple ungefragt ihr aktuelles Album »Songs Of Innocence« in die Mediatheken einer halben Milliarde iTunes-Nutzer. Zusätzlich zum unvermeidlich folgenden U2-Bashing gab es in den sozialen Netzwerken vor allem Beschwerden aufgrund dieser »Unhöflichkeit«: Neben der Grenzüberschreitung, einfach ein Album in eine private Mediathek zu laden, kommt hier ebenso ungefragt ver(sch)wendeter Speicherplatz hinzu. Um das Album zu löschen, war anfangs sogar eine spezielle App notwendig. Drum war der allgemeine Subtext im Netz ein kollektives »Geht’s noch?«. Und Bono entschuldigte sich tatsächlich öffentlich für diese Aktion. Wie diese drei Beispiele zeigen: Im Jahr 2014 gab es wieder jede Menge Diskussionen

und neue Diskurse rund um das Thema Privatsphäre im digitalen Leben. Und noch mehr Empörung in den sozialen Netzwerken, in den Medien sowie in privaten Gesprächen. Doch zeigten sich ebenso zwei Ebenen der Datenschutzverletzung: zum einen der oben beschriebene sichtbare Missbrauch von identifizierbaren »Tätern« auf einer persönlichen Ebene und zum anderen der unsichtbare allgemeine Daten-Missbrauch von Unternehmen. Besonders auf der zweiten Ebene ist in den vergangenen Monaten der Instant-Messaging-Dienst WhatsApp hervorgestochen. Schon in den Vorjahren war die App durch Sicherheitslücken immer wieder negativ aufgefallen. Anfang des Jahres sorgte WhatsApp dann zunächst für Schlagzeilen, weil angeblich Unmengen an Daten – inklusive mitgeschnittener Gespräche – von ihr gesammelt würden. Der Verkauf an den Datensammler Facebook sorgte dann für weitere Aufregung. Etliche Facebook-Nutzer riefen dazu auf, zum sichereren Messenger-Dienst Threema zu wechseln. Innerhalb kürzester Zeit folgten daraufhin genervte und diesen Aufruf parodierende Memes – welche wohl das Nachhaltigste sind, was von dieser Empörung übrig bleibt. WhatsApp hat derzeit 500 Millionen Nutzer. Threema keine drei Millionen. Auch beim Dauer-Aufreger Facebook melden sich geringfügig wenig User ab. Dabei gibt und gäbe es ja Alternativen – das neue Netzwerk Ello zum Beispiel, das im Herbst durch alle Medien gejagt und bislang ähnlich euphorisch wie Google+ angenom-


A R T H A U S P R Ä S E NGESTERN TIERT

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THE BEST OF FR ANCIS FOR D

COPPOLA

men wurde. Also so gut wie gar nicht. Doch was ist hier los? Sind die User schlichtweg bequem, faul und unaufgeklärt? Leider ist es nicht so einfach. Das Problem ist wohl auf der einen Seite ein fehlendes persönliches Betroffenheitsgefühl. Parker T. kann dem Künstler Verhoeven eine Ohrfeige verpassen. Lawrence kann sich medial an Hacker und User richten. Und iTunes-Benutzer können sich bei U2 beschweren. Hier handelt es sich um sicht- und spürbare Fälle. Aber wie soll man bei Facebook, NSA und Co. vorgehen? Bildlich gesehen Mark Zuckerberg mit einem Baseballschläger auflauern? Und was überhaupt wird missbraucht, gespeichert, verwendet? Klar, es werden Persönlichkeitsprofile von jedem Einzelnen erstellt, um Werbung zu personalisieren. Doch was bedeutet das genau? Diese Vorstellung ist für viele einfach noch zu schwammig, da private Facebook-Nachrichten nun einmal nicht in der Google-Suche auftauchen. Auf der anderen Seite: Welche Auswege gibt es wirklich? Hat Facebook beispielsweise nicht auch als harmloses Studierendenportal angefangen? Wer sagt, dass Ello für alle Zeiten »sauber« bleiben wird? Solange dieses Unwissen beim Großteil der Internet-User vorhanden ist und häufig in Resignation und Fatalismus mündet, wird die große Veränderung des eigenen Online-Konsums wahrscheinlich ausbleiben. So spielen wir den altbekannten Datensammlern weiterhin jede Menge Infos zu. Und werden in den kommenden Jahren wohl noch einiges dazulernen müssen.

Die sechs wichtigsten Filme von Francis Ford Coppola in einer exklusiven Edition zusammen mit der preisgekrönte Dokumentation ,,Hearts of Darkness“ über die Dreharbeiten zu ,,Apocalypse Now“.

DER PATE | DER DIALOG | DER PATE II APOCALYPSE NOW REDUX | THE OUTSIDERS DER PATE III | HEARTS OF DARKNESS

AB 11. DEZEMBER IM HANDEL!


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GESTERN

KRATZEN & BEISSEN

FABIAN WOLFF GEGEN TATORT Selbst schlechte Tatorte sind für die Fanbase gute Tatorte. Und wenn dann noch eine Folge wie »Im Schmerz geboren« mit Ulrich Tukur läuft, die leicht aus der Reihe tanzt, ist der Hype groß. Zeitverschwendung, findet Fabian Wolff. Tatort ist Entertainment für Spießer mit Twitter-Account.

E

s sind die gruseligsten Momente der schauerlichen deutschen Fernsehkultur: Sonntagabends wird der neue Tatort ausgestrahlt, am Montag wird er »diskutiert«. Soll noch jemand sagen, der watercooler moment sei tot. Neulich nach der Folge »Im Schmerz geboren« mit Ulrich Tukur saß halb Deutschland auf der Couch und kratzte sich am Kopf. In diesen Tatort hatten sich doch tatsächlich Referenzen an die Filmgeschichte eingeschlichen, die es am nächsten Tag aufzuschlüsseln galt. Die Anspielungen schwankten zwischen offensichtlich und sehr offensichtlich, man hatte sich von absoluten Geheimtipps wie »Spiel mir das Lied vom Tod« und »Das Schweigen der Lämmer« inspirieren lassen. Anbiederndes Zitatfernsehen mit dem Ziel, dass sich die Zuschauer möglichst schlau fühlen können.

Verstehen kann man das als Außenstehender kaum. Okay, Tatort ist eine deutsche Tradition, die irgendwie den Blick auf die Bundesrepublik richtet, mal mit Augenzwinkern, wie in den Krimitheater-Farcen aus Münster, mal mit großem Ernst, wie in vielen Hamburg-Fällen. Aber schon kritisch. Aufklärerisch. Dabei ist der Tatort genau betrachtet immer reaktionär, wenn er sich politisch gibt. Tiefpunkt: »Armer Nanosch«. Zu Unrecht vergessen, weil man Unrecht nicht vergessen darf. Der »Zigeunertatort« aus dem Jahr 1989, in dem eine Sinti-Geschichte in Deutschland erzählt werden sollte und nur antiziganistische Klischees präsentiert wurden. Am Drehbuch schrieb auch Martin Walser mit. Der Schriftsteller ist seit 50 Jahren Garant für Revisionismus, Ressentiment und arrogantestes Deutschtum. Diverse Tatort-Ausflüge ins »jüdische Milieu« oder in »migrantische Parallelgesellschaften« schneiden auch ohne KoAutor Walser nur unwesentlich besser ab. Tatort ist halt eine deutsche Tradition für Spießer. Spießer mit Twitter-Account und ironischem Sehverhalten vielleicht. Aber während der 90 Minuten kann man sich doch auch einen richtigen Film ansehen. Eine Ausnahme bestätigt die Regel: der Tatort »Tote Taube auf der Beethovenstraße« (1973). Geschrieben und gedreht von Hollywood-Außenseiter Sam Fuller.


„SIE WERDEN

O! LIEBEN!“ YAHO DIESEN FILM

IG UND EHLICH, LUST „UNWIDERSTH!“ ROLLING STONE ROMANTISC

INTRO ES JAHRES!“ OOD-FILM D „DER FEELG

TOP7

DAS JAHR DER SCHRÄGEN SIMULATOREN Während das Videospiel-Jahr 2014 erstaunlich arm an Überraschungen und Innovationen daherkam, bleibt am Ende vor allem ein höchst merkwürdiger Trend zu verzeichnen: obskure AntiSpiele, die der Hollywood’esken Reizüberflutung großer Blockbuster hanebüchenen Unsinn entgegensetzen. Text: Philip Fassing.

Keira KNIGHTLEY

Mark RUFFALO

Hailee STEINFELD

Adam LEVINE

CAN A SONG SAVE YOUR LIFE?

4 »SURGEON SIMULATOR«

(PC, PLAYSTATION 4 / BOSSA STUDIOS)

Sie gehören zu der Sorte Patient, die ihre Diagnose schon vor dem Arzttermin via Wikipedia treffen und sowieso ein generelles Misstrauen gegenüber den Göttern in Weiß hegen? Hervorragend, denn mit ein wenig Übung können Sie dank »Surgeon Simulator« schon bald auch die Blinddarm-OP an sich selbst durchführen.

1

»GOAT SIMULATOR«

5 »COMING OUT SIMULATOR 2014« (BROWSERBASIERT / NICKY CASE)

Die Genesis des absurden SimulatorenTrends: Dieses Spiel gewordene Viral dürfte der Stein des Anstoßes für eine ganze Reihe weiterer Quatsch-Simulatoren gewesen sein. Einzig: Ein Gag wird nicht unbedingt besser, je häufiger man ihn zum Besten gibt – oder etwa doch?

Was hier zunächst ähnlich schräg wie die bereits genannten Titel anmutet, stellt sich schnell als durchaus sinnstiftendes, autobiografisches Text-Adventure heraus. Wie der Name bereits verrät, gilt es, seinen Eltern zu verklickern, dass es in der Sexualität eben nicht nur Schwarz und Weiß gibt – was zu einem äußerst zermürbenden Erlebnis werden kann.

2 »ROCK SIMULATOR«

6 »HATOFUL BOYFRIEND« (REMAKE)

Apropos Stein: Wem der »Goat Simulator« zu aufregend ist, der dürfte mit dem hochmeditativen Spielerlebnis des »Rock Simulator« gut bedient sein. Ein noch existenzielleres Erlebnis bekommt man höchstens im Zuge einer sensorischen Deprivation geboten.

Sogenannte Dating-Sims sind für sich genommen schon ein äußerst obskures Videospiel-Genre. Dank der Japaner geht’s aber immer noch ein bisschen absurder. Dürfen wir vorstellen? Der weltweit erste TaubenDating-Simulator.

3 »I AM BREAD«

7 »VISCERA CLEANUP DETAIL«

Ähnlich wie der »Goat Simulator« ist auch »I Am Bread« streng genommen kein Simulator im eigentlichen Sinne, denn anstelle realitätsnaher Moves wie Gären, Aufbacken oder Schimmeln gilt es in bester Arcade-Manier, eine Scheibe Brot gen Toaster zu manövrieren. Also nur fast wie im echten Leben.

Wer hat sich nicht schon mal mit großem Vergnügen durch ganze Horden von Antagonisten geballert – und wenn es bloß »Space Invaders« war? Nur: Irgendwer muss den ganzen Dreck am Ende ja auch wieder wegmachen. Wer an dieser Stelle immer noch weiterliest, dürfte damit sein Spiel gefunden haben. Hallo chronischer Putzfimmel!

(PC, IOS, LINUX, XBOX ONE, ANDROID / KOCH MEDIA)

(PC / STR ANGE PANTHER GAMES)

(PC, XBOX ONE / BOSSA STUDIOS)

VON JOHN CARNEY, DEM REGISSEUR VON

ONCE

(PC / PIGEONATION INC.)

-RAY AUF DVD, BLU R E B M E Z E D AB 29. AND! EO ON DEM UND ALS VID

(PC / RUNESTORM)

DER OSCARON V R E N IN GEW VD, 2008. AUF DND U Y A BLU-R ALS VOD! ®


GESTERN

SHARING ECONOMY

DAS MISSVERSTÄNDNIS DES JAHRES Zwischen Wohlfühl-Idealismus und Schafspelz-Kapitalismus: Kaum ein Thema ließ Menschen und Medien in diesem Jahr mehr aneinander vorbeireden als die sogenannte Sharing Economy. Nur: Lag es an den konkreten Gegenständen der Diskussion oder schlicht an der irreführenden Semantik des Trends? Text: Philip Fassing.

K

onsens sieht irgendwie anders aus. Während die vermeintlich fortschreitende »Sharing Economy« von den einen als Kapitalismus-Alternative verklärt wird, meinen die anderen, das ohnehin völlig Offensichtliche auch noch entlarven zu müssen. Dabei ist das, was gemeinhin für »Sharing Economy« gehalten wird, oft eben auch nichts anderes als schnödes Mietgeschäft. Denn mit dem Akt des Teilens haben gerade die prominenten Beispiele wie Uber oder Airbnb erst mal gar nichts am Hut. Dort wird schlicht eine Leistung für den entsprechenden Geldwert erbracht – von dem der Betreiber des jeweiligen Dienstes freilich seinen Teil einstreicht. Die empörte Feststellung, dass sich hinter dieser romantischen Idee ja doch wieder nur der olle Kapitalismus verberge, ist also in ungefähr so aufschlussreich wie die Erkenntnis, dass es mit dem ICE 128 schwierig werden könnte, nach Baden-Baden zu g­ elangen. Der Widerspruch selbst ist indes schon in der

Wortschöpfung angelegt: Nächstenliebe (»Sharing«) und Wirtschaft (»Economy«) wirken in ihrer rhetorischen Verkettung in etwa so harmonisch wie »Business Punk« oder »Christian Metal«. Nur: Wer kann es den Diensten verübeln, dass sie sich mit solch schnittigen Anglizismen schmücken wollen? »Dezentralisierte Autovermietung« klingt ja nun auch nicht so geil. Sind wir also doch nur mal wieder der gut geölten Lobby-Sprachmaschine auf den Leim gegangen, die uns alte Geschäftsmodelle als neue App-Store-Nächstenliebe verkaufen will? Nicht ganz, denn im Kleinen soll es sie ja wirklich geben, die Ökonomie des Teilens. Zum Beispiel im sogenannten Leila in Berlin. Dort darf man sich bereits seit geraumer Zeit gratis Sachspenden wie Bohrmaschine, Brettspiel oder Bügeleisen leihen. Ganz ohne App, dafür aber mit dieser seltsamen analogen Push-Meldung, die manche auch Lächeln nennen.

Foto: fotolia

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HELENE FISCHER DIE TITELSTORY, DIE ES NIE GAB »Kurze, nervöse Schnappatmung, dann der Blick auf den Kalender ...« Oder: »Wäre ›Atemlos‹ von einem der kack Künstler, über die ihr sonst berichtet, würdet ihr das sicher feiern wie das neue Testament. Hochnäsige Heuchler.« Das war so die Spannbreite der Kommentare, die unser zumindest aus Social-Media-Gesichtspunkten erfolgreichstes Cover zum 1. April auslöste. Erstaunlich dabei: Manch einer glaubte tatsächlich, dass auch Intro nun nicht mehr an Helene Fischer vorbeikommt. Ist aber so. Und ändert sich so bald auch nicht. Oder vielleicht doch?

»In den englischen Medien wurde so argumentiert: Wenn man die randalierenden Jungs nach ihrer Motivation fragt, sagen sie: ›Ich will Sneaker!‹ Das wurde als Beweis dafür herangezogen, dass keine Politisierung vorhanden sei. Für mich ist die Aussage ›Ich will Sneaker!‹ aber der Beweis, dass die Riots politisch motiviert waren. Denn alles, was die Kids im Kopf haben, ist, dass sie im wirtschaftlichen Rennen weit abgeschlagen hinten liegen.« Zadie Smith arbeitete an ihrem Roman »London NW« (KiWi, 432 S., € 22,90), als 2011 die »London Riots« entbrannten. Auf die Unruhen hat sie bis heute einen anderen Blick als der englische Mainstream, wie sie Intro Anfang des Jahres im Interview verriet. Diese Haltung steckt auch in dem schlauen und höchst unterhaltsamen Buch. Unser Roman des Jahres. Das komplette Gespräch findet ihr auf intro.de.

EGON FOREVER FUSSBALL-WM Und hier zeigt Egon dem Franco seinen neuen Tanz (aus dem Fernseher gelernt):


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VON DER BÜHNE AUF DEN FLACHBILD-SCREEN

TOP 7 RÓS 1 SIGUR IN »GAME OF THRONES« Dass King Joffrey latent schlechte Laune hat, ist mittlerweile bekannt. Selbst schuld, wer da freiwillig auf seiner Hochzeit spielt. Sigur Rós zum Beispiel. In der Folge »The Lion And The Rose« versuchen sie den König mit einer Neuinterpretation von »The Rain Of Castamere« zu beeindrucken. War ihm wohl nicht fancy genug. Die Folge: Rausschmiss. Immerhin lässt er Jónsi und Konsorten nicht erhängen, sondern bewirft sie mit Münzen.

DER BESTEN MUSIKERCAMEOS IN SERIEN Die stärkste Währung in Sachen popkultureller Relevanz ist immer noch das Auftauchen in einer Kultserie. Hier kommen die sieben schönsten Gastauftritte, kompiliert und kommentiert von Katja Peglow und Senta Best.

NICKS 2 STEVIE IN »AMERICAN HORROR STORIES«

3 PRINCE BEI »NEW GIRL«

PRIEST 4 JUDAS BEI DEN »SIMPSONS«

Also doch: Stevie Nicks ist eine Hexe. Oder warum sonst taucht die Frontfrau von Fleetwood Mac zu Beginn der dritten Staffel von »American Horror Stories« auf? Damit kann der Gerüchteküche um Nicks und ihre Verehrung der Wicca-Bewegung der Saft abgedreht werden. Endlich!

Einmal aus Versehen als Partygast im Haus von Prince landen? Alles schon erlebt! Zum Beispiel Jess und Cece in der dritten Staffel von »New Girl«. Als Jess kurz mit Prince allein ist, stellt der ihr endlich die Frage aller Fragen: »Also: Isst du gerne Pancakes?« Tischtennis kann er außerdem.

In der Folge »Steal This Episode« behaupten FBI-Agenten, Judas Priest seien eine DeathMetal-Band. Aber nur, weil Judas Priest Haare schwenken und auf der Ladefläche eines Pick-ups spielen? Zur Strafe muss Bart eine Woche bzw. Folge später die Schultafel mit den Worten »Judas Priest ist kein Death Metal« vollkritzeln.

LOVE 5 COURTNEY BEI »SONS OF ANARCHY«

MANSON 6 MARILYN IN »SONS OF ANARCHY«

7 LORDE IN »SOUTHPARK«

Courtney Love als Lehrerin? Ausgerechnet? Und auch wenn der Beruf nicht gerade passend erscheint, die Serienwahl wenigstens ist es. Oder welche Gastmusikerin würde man sich für »Sons Of Anarchy« lieber wünschen? Eben!

Oha, einer passt doch noch besser: Marilyn Manson. Allerdings musste der den Serien-Macher Kurt Sutter ganz schön lange vollquatschen, bis dieser endlich aufgab und Manson mitspielen ließ. Ab Staffel 7 verkörpert der »SOA«-Fan den rechtsextremen Gefängnis-Insassen Ron Tully.

Grammy gewonnen, über eine Million verkaufte Alben – alles Mist. Was wirklich zählt: Endlich in einer »Southpark«-Folge parodiert werden! Aber seit wann trägt die Sängerin denn Bart, Beinhaare und The-CrampShirts? Egal – wer auf der Bühne »I am Lorde ya ya ya, cause I am Lorde, I am Lorde la la la« singt, kann ja schließlich nur Lorde sein.


Carhartt Radio App

www.carhartt-wip.com Photo by Alexander Basile


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SCHATZPARADE DELUXE

DINGE, DIE DICH WOLLEN Zum Jahresausklang lassen wir es uns noch mal so richtig gut gehen, crashen unser sonst so bescheidenes Schatzparaden-Budget und präsentieren Dinge, die neben ihrem unnützen Dasein eines gemeinsam haben: Sie sind unangemessen oder unverhältnismäßig teuer. Wie wär’s also mit einem Ventilator als Regenschirm ? Oder vielleicht bist du deine Hamster leid und hast Bock auf putzige Roboterfische? Hier kommen die unnützesten Anschaffungen, die man sich 2014 zulegen konnte.

1 KINDERLEICHTE VITAMINZUFUHR 3 FISCHE STATT SMARTPHONE

5 STILVOLL SAUFEN

7 ABLENKUNGSFREI TIPPEN

Ein Wassermelonenspender macht sich in jeder Wohung gut, auch wenn gerade keine Melonensaison sein mag. Aber denke dran: In der dunklen Jahreszeit sind eine Menge Nährstoffe und Vitamine vonnöten. Gibt’s für lächerliche € 28,34 bei amazon.de.

Wen nervt es nicht, wenn alle ständig auf ihr Smartphone glotzen? Doch dieses Elend hat schon bald ein Ende: dank Sphere, dem Aquarium für Roboterfische. Mit diesen Fischen kann man via Bluetooth wichtige Smartphone-Funktionen steuern. Eingehende Nachrichten, oder Status-Updates zeigen die putzigen Aquariumbewohner durch Farbänderungen an. Der Preis stand bis Redaktionsschluss leider noch nicht fest. Gibt’s hoffentlich bald hier: sphere.technology

Endlich mal gepflegter als sonst das wohlverdiente Feierabendbier öffnen! Das klappt im Normalfall zwar auch mit jedem handelsüblichen Feuerzeug, mit Gabeln, Messern oder Zähnen. Sehr viel stilvoller zischt es sich allerdings mit dem handgefertigten Totenkopf-Flaschenöffner aus reiner Bronze. Und schließlich ist doch Weihnachten. Für € 44,25 gehört er dir. Gibt es bei shop.coolmaterial.com.

4 LUFTIGER REGENSCHIRM

Wer sich beim Schreiben allzu oft über die Ablenkung durch die bunte Welt des Netzes ärgert (oder wem ein läppischer Rechner einfach zu billig ist), dem könnte mit dieser Neuerfindung geholfen werden: tada – die Hemingwrite. Der Preis dieses Schreibgerätes stand bis zum Redaktionsschluss leider noch nicht fest, doch Features wie der über eine Million Seiten fassende Speicher und eine Akkulaufzeit von bis zu sechs Wochen überzeugen doch wohl, egal zu welchem Gegenwert. Zu beziehen wahrscheinlich irgendwann mal über hemingwrite.com.

Leider ist das wohl heißeste Shirt des Jahres gerade sold out. Aber sicher sitzt KanYe West in diesem Augenblick eigenhändig an der Nähmaschine, um für Nachschub zu sorgen. Sein Shirt ­besteht aus reiner ägyptischer Baumwolle und dürfte selbst beim weißen Riesen für neidische Blicke sorgen. Als zusätzliches (!) Highlight steht auf der Innenseite des Kragens in weißen Lettern auf Weiß (!) der ehrenwerte Name des »Designers«. Dieses Must-have für 2015 gibt’s für schlappe € 120 bei usonline.apc.fr/kanye.

2 BEI STAUGEFAHR: U-BOOT Dieses knallrote, stromlinienförmige U-Boot kann mancherorts äußerst praktisch sein. Staus sind damit ab Kauf passé. Mit dem formschönen HP Sport Sub 2 der Firma U-Boat Worx kannst du dich in bis zu 100 Metern Tiefe völlig frei vorwärtsbewegen – zumindest für bis zu sechs Stunden (was flussaufwärts einer Strecke von Frankfurt bis Köln entspricht). Auch für den Notfall ist gesorgt: Der Sauerstoffvorrat reicht immerhin für bis zu 96 Stunden. Jetzt bei uboatworks. com vorbestellen, später schon für € 1.000.000 deins.

Der Air Umbrella verwandelt Wasser bei Knopfdruck in – nichts. In der Hand hält man einen Stab, der sich in Größe und Gewicht gar nicht so sehr von handelsüblichen Regenschirmen unterscheidet. Wie praktisch! Am oberen Ende sorgt bei Knopfdruck ein feines Lüftchen für trockene Haare und Klamotten. Diese technisch ausgeklügelte Raffinesse gibt’s für schlappe € 100 bei kickstarter.com – plus ca. € 12 Versandkosten. Hatschi!

6 WEISSE WESTE

8 ENDLICH ANGSTFREI FLIEGEN Wozu Red Bull trinken, wenn man stattdessen einen so formschönen Schleudersitz besitzen kann? Wer hier und da mal in der misslichen Lage sein sollte, 7.620 Meter über der Erde einen Schleudersitz zu benötigen, dem kann mit dem F-4 Phantom II Ejection Seat geholfen werden. Zu beziehen über boeingstore.com für um die € 12.000.


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#GAMERGATE

NETZ ALS BEDROHUNG Die Online-Bewegung Gamergate ist beileibe kein harmloser Aufstand der Nerds. Mobbingattacken gegen Frauen im Internet durch die Gamer-Community erreichten in diesem Jahr ein neues Ausmaß. Aus dem singulären Internet-Troll wurde eine bedrohliche Bewegung. Katja Peglow über die Hintergründe.

I

n Zeiten, in denen Videospiele wie »Grand Theft Auto« eine größere Popularität als so mancher Hollywood-Blockbuster erreicht haben, bilden sich viele Menschen dazu eine Meinung – auch Frauen. Eine von ihnen ist die feministische Videospiel-Kritikerin Anita Sarkeesian, die seit März letzten Jahres in ihrer erfolgreichen Webserie »Tropes Vs. Women In Video Games« über sexistische und stereotype Darstellungen von Frauenfiguren in Computerspielen bloggt. Eigentlich eine tolle Idee, denn bislang war die VideogameCommunity ein Austragungsort männlicher Überlegenheit. Höchste Zeit also, einen der letzten Orte, an denen noch mittelalterliche Frauenbilder vorherrschen oder Frauen wie Lara Croft aussehen, umzukrempeln. In ihren Videos kritisiert Sarkeesian die knappen Rüstungen vieler weiblicher Protagonisten und hinterfragt überkommene Rollenbilder (»Jungfrau in Nöten«). Die keineswegs reißerisch inszenierten Beiträge sind sorgfältig recherchiert und bieten trotz ihres aufklärerischen Inhalts wenig Angriffsfläche – sollte man meinen. Im Oktober sah sich Sarkeesian jedoch dazu gezwungen, ihren Auftritt an einer US-Universität abzusagen. In einem anonymen Schreiben hatte ein Student mit einem Blutbad gedroht, falls ihr Auftritt stattfinden würde. Damit dürften die krassen Anfeindungen und Attacken, denen Frauen aus der

Spiele-Branche zuletzt ausgesetzt waren, ihren traurigen Höhepunkt erreicht haben. Die Rede ist von den Angriffen der sogenannten Gamergate-Bewegung, einer beispiellosen, im Netz tobenden Verleumdungs- und Hetzkampagne, die sich vor allem gegen Frauen in der Gamer-Branche richtet. Unter dem gleichnamigen Hashtag wurden auf Twitter in den vergangenen Monaten immer wieder Entwicklerinnen und Journalistinnen belästigt und beleidigt. Angetreten war die diffuse Bewegung einst, um angebliche Korruptionsskandale in der Spiele-Branche aufzudecken. Doch die Attacken richteten sich von Anfang an fast ausschließlich gegen weibliche Akteure. Nun ist Sexismus in der Gamer-Szene nicht neu – seitdem sie vor zwei Jahren ihre Videokolumne über Kickstarter finanzieren ließ, wurde Sarkeesian in Onlineforen regelmäßig als Lügnerin und Betrügerin beschimpft. Es existiert sogar ein »total lustiges« interaktives Flashgame, in dem man ihrem Gesicht per Mausklick Schürfwunden und Blutergüsse zufügen kann. Das Ausmaß und die Heftigkeit der Mobbingattacken erreichten mit Gamergate in diesem Jahr jedoch einen vorläufigen Tiefpunkt. Angefangen hatte alles mit Zoe Quinn, einer amerikanischen Indie-GamesEntwicklerin, die aufgrund übler Nachrede ihres Exfreundes wochenlang an den Inter-

net-Pranger gestellt wurde. Der Vorwurf: Eine Affäre mit einem bekannten Videospiele-Kritiker hätte ihr angeblich zu positiven Spiele-Reviews verholfen. Interessant hierbei: Die angeblich um Ethik im Spiele-Journalismus bemühte Online-Bewegung schoss sich keineswegs auf den vermeintlich korrupten Schreiberling ein, sondern zielte darauf ab, das Image der Amerikanerin zu beschädigen. Inzwischen ist bekannt, dass auch zahlreiche andere Frauen durch den GamergateTerror belästigt wurden und werden. Immer häufiger flüchten profilierte Gamerinnen in der realen Welt vor den aggressiven OnlineDrohungen des Internet-Mobs. Neben Quinn und Sarkeesian musste auch die amerikanische Spiele-Erfinderin Brianna Wu unter Polizeischutz ihre Wohnung verlassen, nachdem sie ins Visier der Aktivisten geraten und ihre Adresse im Internet veröffentlicht worden war. Ausgezeichnete Spiele-Journalistinnen wie Jenn Frank und Mattie Brice gaben bekannt, zukünftig nicht mehr über Videospiele schreiben zu wollen. Klar ist: Nicht jeder Gamer ist ein misogyner Troll. Trotzdem ist das Ausmaß antifeministischer Auswüchse, die aktuell unter dem Deckmantel der Videospiel-Debatte geführt werden, schockierend. Wer sich als Frau im Netz über Sexismus oder sexualisierte Gewalt in Computerspielen beschwert, muss mit Vergewaltigungs- und Morddrohungen rechnen. Gamergate ist also kein harmloser Aufstand männlicher Nerds, die ihren Lebensraum bedroht sehen. Die Befürworter sind der übliche aus Trollen und Antifeministen bestehende Bodensatz des Internets, überwiegend wütende weiße Männer, die ihren Status quo verteidigen wollen und sich als Opfer einer feministischen Verschwörung sehen. Eine traurige Tea-Party-Bewegung für Nerds.


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UNSERE JAHRES­C HARTS

ALBEN

Die Redaktion hat gewütet, gebrütet, gestritten und gewählt – und mit ihr das gesamte Team Intro. Am Ende standen diese 50 Alben, die 2014 glänzten und auch in den nächsten Jahren noch strahlen werden.

01 ALT-J

»THIS IS ALL YOURS« 02 METRONOMY »LOVE LETTERS« 03 CARIBOU »OUR LOVE« 04 VON SPAR »STREETLIFE« 05 JA, PANIK »LIBERTATIA« 06 FKA TWIGS »LP1« 07 THE NOTWIST »CLOSE TO THE GLASS« 08 CHET FAKER »BUILT ON GLASS« 09 S O H N »TREMORS« 10 APHEX TWIN »SYRO«

11 ERLEND ØYE »LEGAO« 12 KATE TEMPEST »EVERYBODY DOWN« 13 WARPAINT »WARPAINT« 14 DAMON ALBARN »EVERYDAY ROBOTS« 15 FUTURE ISLANDS »SINGLES« 16 TEMPLES »SUN STRUCTURES« 17 SINKANE »MEAN LOVE« 18 NENEH CHERRY »BLANK PROJECT« 19 FINK »HARD BELIEVER« 20 SLEAFORD MODS »DIVIDE AND EXIT« 21 JUNGLE »JUNGLE« 22 THE WAR ON DRUGS »LOST IN THE DREAM« 23 LANA DEL REY »ULTRAVIOLENCE« 24 THE ACID »LIMINAL« 25 FLYING LOTUS »YOU’RE DEAD!« 26 BANKS »GODDESS« 27 SUN KIL MOON »BENJI« 28 THE BLACK KEYS »TURN BLUE« 29 SYLVAN ESSO »SYLVAN ESSO« 30 TRÜMMER »TRÜMMER« 31 HOZIER »HOZIER« 32 TODD TERJE »IT’S ALBUM TIME« 33 CONOR OBERST »UPSIDE DOWN MOUNTAIN« 34 HOW TO DRESS WELL »WHAT IS THIS HEART?« 35 DIE NERVEN »FUN« 36 PEAKING LIGHTS »COSMIC LOGIC« 37 JENS FRIEBE »NACKTE ANGST ZIEH DICH AN WIR GEHEN AUS« 38 BECK »MORNING PHASE« 39 DIE HEITERKEIT »MONTEREY« 40 DIE LIGA DER GEWÖHNLICHEN GENTLEMEN »ALLE AMPELN AUF GELB!« 41 RACLES »STANFORD TORUS EP« 42 MAC DEMARCO »SALAD DAYS« 43 MIGHTY OAKS »HOWL« 44 BROKEN BELLS »AFTER THE DISCO« 45 SBTRKT »WONDER WHERE WE LAND« 46 WYE OAK »SHRIEK« 47 REAL ESTATE »ATLAS« 48 ELBOW »THE TAKE OFF AND LANDING OF EVERYTHING« 49 MARTERIA »ZUM GLÜCK IN DIE ZUKUNFT II« 50 SWANS »TO BE KIND«


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ALBUM DES JAHRES: ALT-J »THIS IS ALL YOURS«

LAVALAMPEN DES JAHRES: TEMPLES »SUN STRUCTURES«

Höre ich ein Gähnen? Jammert einer, es sei ja so was von überraschungsarm, das Indie-Konsens-Album auf die Eins zu wählen? Meckert wieder ein Musikjournalist, dass sich die drei Herren cleverer verkaufen, als sie sind? Ach, aber was soll’s! »This Is All Yours« ist ein Album, das jeglichen Gegenwind übersteht, das sich trotz des Hypes um diese Band, der viele nervte, klammheimlich, unaufgeregt, selbstsicher in die Jahresbestenlisten geschlichen hat. In unserer Titelstory verrieten alt-J dann gleich noch das Geheimnis ihres Schaffens: »Wir sehen nicht besonders gut aus und sind auch nicht total cool. Wir sind einfach eine Band mit außergewöhnlich guter Musik.« Das war zwar ironisch gemeint – aber ganz unrecht haben sie damit eben nicht. Daniel Koch

Boah, schon wieder so Vintage-Wuschelköpfe! Hatten wir nicht gerade erst Tame Impala? Und haben die dann Kinder mit Wolfmother gezeugt, oder wie muss man sich das Erscheinen dieser Band aus Kettering erklären? Ja, es stimmt, Retro nervt bisweilen gehörig, aber Temples haben mit »Sun Structures« ein derart gutes Psychedelic-Rock-Debüt veröffentlicht, dass sich Noel Gallagher schon lauthals beschwerte, sie würden zu wenig Airplay bekommen. Die Melodien sind so süß wie trippy, und der Sound ist so akkurat nachgezaubert, als hätte Catweazle die Band durch ein Wurmloch in die EMI-Studios der 60er-Jahre geschubst, wo zufällig auch das dekadentypische Instrumentarium von der 12-Saitigen bis zum Mellotron zu finden war. Carsten Schumacher

LIEBESBRIEF DES JAHRES: METRONOMY »LOVE LETTERS«

TIRADE DES JAHRES: SLEAFORD MODS »DIVIDE AND EXIT«

Mit 14 bekam ich einen Liebesbrief von Tom aus der Parallelklasse. Mein Sternzeichen sei Jungfrau, habe er gehört. Das würde er gerne ändern. Ich habe Tom verschmäht. Hätte er doch geschrieben: »You’re a virgo and I’m aquarius.« Oder mir lässige Trompeten vorgespielt. Mich mit wunderbar quirky Gesängen beschallt, die sich direkt durch meinen nickenden Kopf in meine wippenden Fußsohlen bohren. Ein bisschen Shoop, Doop, Ahh. Ich wäre geschmolzen, und er hätte mich buttrig weich aufs Pausenbrot schmieren können. Hat er aber nicht. Das haben Metronomy. Ich musste also neun Jahre auf einen Liebesbrief warten, der mich überzeugt. Vielleicht sollte ich Joseph Mount endlich antworten. Carlotta Eisele

Die Sleaford Mods haben der Underground-Szene einen großen Dienst erwiesen: Sie zeigten Nerds und Auskennern, dass es möglich ist, einfach mal völlig befreit über alles und jeden zu motzen, ohne dafür gleich den Oasis-Gossip auf nme.com verfolgen zu müssen. Und das mit einem bellenden Shouting, das quasi jede Silbe betont, und einer musikalischen Untermalung, die sich ganz dem Zweck des aggressiven Stressabbaus unterordnet. So sehr das danach klingt, bloß niedere Bedürfnisse zu befriedigen, so außergewöhnlich hat diese Platte gewirkt, so sehr gerieten die Shows des Duos aus Nottingham zu brodelnden, Hass spuckenden Vulkanausbrüchen. Keine Frage: Das ist die richtige Band zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Christian Steinbrink

STEILGÄNGERIN DES JAHRES: FKA TWIGS »LP1«

SLACKER DES JAHRES: MAC DEMARCO »SALAD DAYS«

Zu viele Vorschusslorbeeren noch vor dem ersten Album – das endet nicht selten mit einer herben Ernüchterung. »LP1« hingegen erfüllt alle Erwartungen, die »EP1« und »EP2« zuvor geschürt hatten. FKA Twigs’ an TLC und Janet Jackson erinnernde, mädchenhaft soulige Stimme, gebettet auf einen R’n’B-Sound der nächsten Generation, plus tiefe, schleppende TripHop-Beats und die für sie typischen KlickSounds vor smart reduzierter und dennoch wuchtiger Klangfassade sind vielleicht der Inbegriff von 2014er-Zeitgeist. Und das, obwohl sich die privat fast schüchterne Tahliah Barnett aus der südenglischen Provinz gut sechs Jahre lang Zeit ließ, um ihre Musik und Inszenierung als FKA Twigs reifen zu lassen. Jenny Weser

Mac DeMarco hat es nicht eilig. Zumindest legt das sein neues Album nahe. Grundentspannt und mit dem Kopf in den Wolken erinnert »Salad Days« daran, dass es von Zeit zu Zeit nötig ist, dem grauen Alltag mit kunterbunten Gedanken in die Hängematte zu entfliehen. Der 24-jährige Kanadier reiht sich damit nahtlos in die SlackerAhnenreihe aus Evan Dando und Stephen Malkmus ein. Dieser Sound lacht über Sachzwänge, Hemdkragen und Optimierungsdrang und nimmt stattdessen Dinge ernst, die andere als naive Nebensachen abtun. Der selbsterklärte Steely-Dan-Fan DeMarco weiß, dass »soft« nicht gleich »flach« oder »zahm« bedeuten muss, und liefert daher eines der unaffektiertesten Alben des Jahres. Bastian Küllenberg

ERZÄHLERIN DES JAHRES: KATE TEMPEST »EVERYBODY DOWN«

BAUM DES JAHRES: WYE OAK »SHRIEK«

In der Kreidezeit der Popmusik kam ein Schriftsteller auf die Idee, ein Album zum Roman des Jahres zu erklären. Fehlfarbens »Monarchie und Alltag«. Das können wir auch: Mit der erzählerischen Klasse von Kate Tempests Album »Everybody Down« konnte zuletzt nur Zadie Smith mithalten, aber ihrem Roman »London NW« fehlten die Beats, die Franz-Ferdinand-Produzent Dan Carey für Kate Tempest produziert hatte. Dank Arbeiterklassen-Perspektive hätte die 27-Jährige aus Südlondon aber auch ohne Musik viel zu erzählen gehabt, schon als 16-Jährige lieferte sie beeindruckende SpokenWord-Performances ab. Vielleicht schreibt sie irgendwann ein Buch, noch so ein tolles Album über ihre Heldin Becky wäre uns aber lieber. Wolfgang Frömberg

Wer derart leichtsinnig mit etwas so Bedeutsamem wie einem Bandnamen umgeht, muss sich nicht wundern, wenn er irgendwann einmal unter einer solch dämlichen Überschrift gehandelt wird. Aber genug geschimpft! Völlig zu Recht hat es dieses Album unter die Top 50 der Intro-Jahrescharts geschafft. Oh, keine drei Zeilen weiter, und schon wieder hagelt’s nichts als Kritik: Ohne eher einfallslose Songs wie »Despicable Animal« und »The Tower« wären sicher auch noch ein bis sieben Plätze weiter oben drin gewesen – schließlich ergeben ja auch acht oder neun Songs schon ein Album. Am Ende fehlt der Vollständigkeit halber nur noch folgende überaus wichtige Info: Baum des Jahres 2014 ist die allseits beliebte Traubeneiche. Senta Best


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GESTERN

UNSERE JAHRES­C HARTS

SONGS

Es gibt diese Songs, die jemand wie einen wundervollen Virus ins Büro schleppt, wo er dann alle, aber auch wirklich alle infiziert. Und manchmal heißen sie eben »Pisse« und brechen uns trotzdem das Herz ...

01 SCHNIPO SCHRANKE »PISSE« 02 VON SPAR »CHAIN OF COMMAND« 03 FKA TWIGS »TWO WEEKS« 04 THE NOTWIST »KONG« 05 LANA DEL REY »WEST COAST« 06 JA, PANIK »LIBERTATIA« 07 MARTERIA »KIDS (2 FINGER AN DEN KOPF)« 08 FUTURE ISLANDS »SEASONS (WAITING ON YOU)« 09 CARIBOU »CAN’T DO WITHOUT YOU« 10

RACLES »MELT TONIGHT«

11 ALT-J »EVERY OTHER FRECKLE« 12 TALISCO »YOUR WISH« 13 ANNENMAYKANTEREIT »OFT GEFRAGT« 14 HOZIER »TAKE ME TO CHURCH« 15 CARIBOU »OUR LOVE« 16 SBTRKT FEAT. EZRA KOENIG »NEW DORP. NEW YORK« 17 ALT-J »LEFT HAND FREE« 18 CHET FAKER »GOLD« 19 ALT-J »HUNGER OF THE PINE« 20 JAMIE XX »SLEEP SOUND« 21 FINK »LOOKING TOO CLOSELY« 22 JENS FRIEBE »(I AM NOT BORN) FOR PLOT-DRIVEN PORN« 23 WARPAINT »LOVE IS TO DIE« 24 GEORGE EZRA »BUDAPEST« 25 S O H N »ARTIFICE« 26 TRÜMMER »WO IST DIE EUPHORIE?« 27 MARCUS WIEBUSCH »DER TAG WIRD KOMMEN« 28 CLOUD NOTHINGS »I’M NOT PART OF ME« 29 WANDA »BOLOGNA« 30 VANCE JOY »RIPTIDE« 31 DAUWD »LYDIA« 32 HOW TO DRESS WELL »REPEAT PLEASURE« 33 JAMIE XX »ALL UNDER ONE ROOF RAVING« 34 SUN KIL MOON »CARISSA« 35 ELBOW »NEW YORK MORNING« 36 JENS FRIEBE »NACKTE ANGST ZIEH DICH AN WIR GEHEN AUS« 37 INTERPOL »ALL THE RAGE BACK HOME« 38 SYLVAN ESSO »COFFEE« 39 ALVVAYS »ARCHIE, MARRY ME« 40 PERFUME GENIUS »QUEEN« 41 COURTNEY BARNETT »AVANT GARDENER« 42 JUNGLE »THE HEAT« 43 KRAFTKLUB »MEINE STADT IST ZU LAUT« 44 SLEAFORD MODS »TIED UP IN NOTTZ« 45 RÖYKSOPP & ROBYN »DO IT AGAIN« 46 RÖYKSOPP & ROBYN »MONUMENT« 47 METRONOMY »RESERVOIR« 48 THE NOTWIST »CLOSE TO THE GLASS« 49 BANKS »BEGGIN FOR THREAD« 50 THE WAR ON DRUGS »RED EYES«


GESTERN

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SONG DES JAHRES: SCHNIPO SCHRANKE »PISSE«

STRASSENMUSIKER DES JAHRES: ANNENMAYKANTEREIT »OFT GEFRAGT«

Letztes Jahr feierten wir an dieser Stelle »Get Lucky« von Daft Punk. Staatstragend und gerechtfertigt. Doch ganz ehrlich: Dass wir an dieser exponierten Stelle 2014 das Stück von einer Band präsentieren, die noch nicht mal eine Platte draußen hat, macht uns schon etwas mehr als heiß. Schnipo Schranke sind zwei Exil-Hessinnen, die mittlerweile in Hamburg leben. Sie selbst denken ernsthaft, sie machen HipHop. Das Dirty-Talk-Stück »Pisse« klingt allerdings mehr nach Ulrich-Seidl-gestähltem Porno-Chanson, nach Kaffeehaus-Punk. Es klingt, als wäre Nina Hagen cool und verrückt geworden, also noch verrückter. »Pisse«, das ist Musik wie Zunge im Ohr – zauberhaft und eklig gleichzeitig. Linus Volkmann

Unaufgeregt und rootsy sind die Kölner AnnenMayKantereit, die sich jede Neurose bei der Straßenmusik abgeschliffen haben. Die Stimme von Henning May ließen sie dabei über den Asphalt schrappen, auch wenn Rio Reiser offenbar gar nicht der Anlass dazu war. Und obwohl »für immer und mich« (»Oft gefragt«) klingt wie »für immer und dich« (Reiser): Um Revolution geht es gar nicht – dafür sind sie irgendwie viel zu bescheiden, zu tief in die Musik versunken. Aber über Feelings können sie singen wie niemand sonst, und »feelings are good«, wie schon die Neurotic Outsiders wussten. Möglicherweise ist das auch der Grund für den Rückenwind, den die Band 2014 verspürte und der sie für 2015 zu einem der heißesten Acts macht. Carsten Schumacher

POSTKARTE DES JAHRES: LANA DEL REY »WEST COAST«

MESSAGE DES JAHRES: MARCUS WIEBUSCH »DER TAG WIRD KOMMEN«

Die amerikanische Westküste ist ja beim besten Willen nicht arm an musikalischen Liebesbekundungen. Wer sich also anmaßt, eine weitere Postkarte dieser meist sonnigen Region zu singen, drängelt sich in eine Ahnenreihe, die von den Beach Boys bis zu Best Coast und zurück reicht. Lana Del Rey hat sich mit ihrer Single »West Coast« locker dazwischengeschmiegt und schafft es schon in den ersten Sekunden, dass man sich in einem offenen Chevy wähnt, den Fahrtwind im Haar, die Pazifikluft in der Nase, auf dem Beifahrersitz eine geheimnisvolle Blondine, die einem ins Ohr raunt: »Down on the West Coast, they got a sayin’ / If you’re not drinking, then you’re not playing / But you got the music, you got the music in you, don’t you?« Daniel Koch

Mir war das Thema so wichtig, dass ich alles in diesen Song packen wollte. Ich wollte diese positive Konnotation unbedingt, dieses Nach-vorne-Blicken. Ich finde, ich kann da auch gute Gründe nennen. Wenn du mir vor zehn Jahren erzählt hättest, dass wir mal einen homosexuellen Außenminister haben werden, der in Länder reist, in denen Homosexualität unter Strafe steht, dann hätte ich gesagt: »Homosexualität und Politik? Wie soll das gehen? Der Mann ist erpressbar, der will gewählt werden, blablabla ...« Und sieh dir an, wo wir heute stehen. Das Feld muss erobert werden, aber es passieren auch unfassbar tolle Dinge, wenn man zum Beispiel sieht, wie positiv schwul-lesbische Fußball-Fanclubs auf den Song reagiert haben. Marcus Wiebusch (im Interview mit intro.de)

SONDERZEICHEN DES JAHRES: RACLES »MELT TONIGHT«

AMORE DES JAHRES: WANDA »BOLOGNA«

Platz 10? Den haben sich Ωracles redlich verdient. Nicht nur aufgrund ihrer erfrischenden und zugleich angestaubten Art, Musik darzubieten, sondern vor allem wegen einem: Haaren. Eindrucksvoll zeigt zumindest ein Teil der Band, dass es keinesfalls auf die Frisur ankommt, sondern auf die Würde, mit der man selbige zur Schau stellt. Das Sonderzeichen in der Überschrift passt gleich mehrfach: zum ersten Buchstaben im Bandnamen, zum Haupthaar und zu Ωracles’ originellem Mix aus Krautrock, Psychedelic und Electro. Wie man solchen Sound gleichzeitig erfrischend neu und mit Bezug auf längst Vergangenes auf Konserve und Bühne bekommt – das ist schon einen Asbach Uralt, upps, mindestens Platz 10 wert. Senta Best

»Und eins merk dir genau! Wenn jemand fragt, wohin du gehst, sag: Nach Bologna! Wenn jemand fragt, wofür du stehst, sag: Für Amore!« Das tolle Wort mit A fällt in diesem tollen Song dieser tollen Band aus Wien gleich mehrfach, denn immerhin hat ja »Tante Ceccarelli in Bologna Amore gemacht« und dabei jene Cousine gezeugt, die sich Sänger und Texter Marco Michael Wanda anfangs nicht zu küssen traut. Aber es ist jener Moment in »Bologna«, ziemlich genau bei Minute 1:30, der am besten erklärt, warum wir und viele andere uns nur zu gerne Wanda an die Brust werfen – und ihren Popsongs zwischen den Smiths und Wolfgang Ambros, diese The Wedding Present auf Schmäh. Oder was auch immer man Wanda zuschreiben will. Daniel Koch

KÄTZCHEN DES JAHRES: ALT-J »EVERY OTHER FRECKLE«

COUSINE DES JAHRES: SUN KIL MOON »CARISSA«

Da gibt es diese Stelle, an der Joe Newman singt: »I’m gonna paw, paw at you like a cat paws at my woolen jumper.« Und meine rechte Tatze, pardon: Hand zuckt nach vorne. Zweimal. Automatisch. Ich möchte mich klein zusammenrollen auf dem Schoß meines Liebsten. Bed into him like a cat beds into a bean bag. Dann mein Köpfchen an seinem Pulli reiben, gähnen, noch einmal drehen und schnurrend einschlafen. Joe Newman wäre damit sicherlich einverstanden, besingt er doch selbst, wie herrlich katzenhaftes Schmusen ist. Nun hat sich das mit meinem Liebsten kürzlich erledigt. Das mit alt-J nicht. »Every Other Freckle« läuft immer noch auf Dauerschleife. Und ich schnurre laut mit. Carlotta Eisele

Obwohl die Zeit der großen Storyteller im heutigen Pop eigentlich vorbei scheint, stemmt sich Mark Kozelek mit Macht dagegen. In episch anmutenden sieben Minuten schildert er die wahre und sehr traurige Geschichte seiner jung verstorbenen Cousine Carissa, die, anders als er, nie das Glück hatte, der Einöde Ohios entfliehen zu können. Der Song braucht Zeit und Aufmerksamkeit, ist aber so ergreifend und weise, wie Pop nur in seinen absoluten Höhepunkten ist. Und wenn man dann hört, wie Kozelek zur Beerdigung in seine Heimat fliegt, um ein paar Umarmungen zu verteilen, dann ist man sich wieder sicher, dass nur das Medium »Song« in der Lage ist, dieses Gefühl mit so einer bedrückenden Dringlichkeit zu vermitteln. Christian Steinbrink


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GESTERN

UNSERE JAHRES­C HARTS

BASTIAN KÜLLENBERG

VERENA REYGERS ALBEN 01 NENEH CHERRY »BLANK PROJECT« 02 SHARON VAN ETTEN »ARE WE THERE« 03 TRÜMMER »TRÜMMER« 04 WYE OAK »SHRIEK« 05 JA, PANIK »LIBERTATIA« 06 THE NOTWIST »CLOSE TO THE GLASS« 07 DIVERSE »A TRIBUTE TO NILS KOPPRUCH & FINK« 08 JOAN AS POLICE WOMAN »THE CLASSIC« 09 JESSIE WARE »TOUGH LOVE« 10 SYLVAN ESSO »SYLVAN ESSO«

KRISTINA ENGEL

CHRISTIAN STEINBRINK

ALBEN 01 MAC DEMARCO »SALAD DAYS« 02 FKA TWIGS »LP1« 03 AMEN DUNES »LOVE« 04 DIE NERVEN »FUN« 05 KING TUFF »BLACK MOON SPELL« 06 TYCHO »AWAKE« 07 HOMEBOY SANDMAN »HALLWAYS« 08 DIE LIGA DER GEWÖHNLICHEN G. »ALLE AMPELN …« 09 CLOUD NOTHINGS »HERE AND NOWHERE ELSE« 10 DIE HEITERKEIT »MONTEREY«

ALBEN 01 ERLEND ØYE »LEGAO« 02 ELBOW »THE TAKE OFF AND LANDING OF …« 03 SYLVAN ESSO »SYLVAN ESSO« 04 S O H N »TREMORS« 05 HONIG »IT’S NOT A HUMMINGBIRD, IT’S YOUR …« 06 METRONOMY »LOVE LETTERS« 07 LANA DEL REY »ULTRAVIOLENCE« 08 MIGHTY OAKS »HOWL« 09 COLDPLAY »GHOST STORIES« 10 COEUR DE PIRATE »TRAUMA: CHANSONS DE LA … (SAISON 5)«

ALBEN 01 CARIBOU »OUR LOVE« 02 BILL CALLAHAN »HAVE FUN WITH GOD« 03 NENEH CHERRY »BLANK PROJECT« 04 DAMON ALBARN »EVERYDAY ROBOTS« 05 ERLEND ØYE »LEGAO« 06 METRONOMY »LOVE LETTERS« 07 JUNGLE »JUNGLE« 08 SUN KIL MOON »BENJI« 09 JA, PANIK »LIBERTATION« 10 REAL ESTATE »ATLAS«

SONGS 01 DIE LIGA DER GEWÖHNLICHEN G. »ROCK POP …« 02 FKA TWIGS »TWO WEEKS« 03 RACLES »MELT TONIGHT« 04 DIE NERVEN »EINE MINUTE SCHWEBEN« 05 LOVE A »DIE! DIE! DIE! (ANTILOPEN GANG REMIX)« 06 TACOCAT »BRIDGE TO HAWAII« 07 DIE STERNE »MACH MICH VOM ACKER« 08 SPEEDY ORTIZ »AMERICAN HORROR« 09 BOB MOULD »I DON’T KNOW YOU ANYMORE« 10 ATMOSPHERE »KANYE WEST«

SONGS 01 SCHNIPO SCHRANKE »PISSE« 02 JA, PANIK »LIBERTATIA« 03 WYE OAK »THE TOWER« 04 LUCIUS »GO HOME« 05 FKA TWIGS »TWO WEEKS« 06 J MASCIS »WIDE AWAKE« 07 JENS FRIEBE »NACKTE ANGST ZIEH DICH AN …« 08 SYLVAN ESSO »COFFEE« 09 CARIBOU »CAN’T DO WITHOUT YOU« 10 TRÜMMER »REVOLTE«

LINUS VOLKMANN

THOMAS VENKER

CARSTEN SCHUMACHER

TOM LORBER

ALBEN 01 JENS FRIEBE »NACKTE ANGST ZIEH DICH AN …« 02 ALTE SAU »ALTE SAU« 03 WANDA »AMORE« 04 JA, PANIK »LIBERTATIA« 05 LANA DEL REY »ULTRAVIOLENCE« 06 DIE STERNE »FLUCHT IN DIE FLUCHT« 07 PEER »GALAKTIKA« 08 STEEL PANTHER »ALL YOU CAN EAT« 09 PASCOW »DIENE DER PARTY« 10 CHRIS IMLER »NERVÖS«

ALBEN 01 FATIMA AL QADIRI »ASIATISCH« 02 RATKING »SO IT GOES« 03 BARNT »MAGAZINE 13.« 04 MUTTER »TEXT UND MUSIK« 05 EFDEMIN »DECAY« 06 KATE TEMPEST »EVERYBODY DOWN« 07 LINDA PERHACS »THE SOUL OF ALL NATURAL …« 08 APHEX TWIN »SYRO« 09 LENA WILLIKENS »PHANTOM DELIA« 10 JENS FRIEBE »NACKTE ANGST ZIEH DICH AN …«

ALBEN 01 JA, PANIK »LIBERTATIA« 02 ANGUS & JULIA STONE »ANGUS & JULIA STONE« 03 VON SPAR »STREETLIFE« 04 SUNN O))) & ULVER »TERRESTRIALS« 05 SWANS »TO BE KIND« 06 SHARON VAN ETTEN »ARE WE THERE« 07 BOHREN & DER CLUB OF GORE »PIANO NIGHTS« 08 BECK »MORNING PHASE« 09 METRONOMY »LOVE LETTERS« 10 FLYING LOTUS »YOU’RE DEAD«

ALBEN 01 KASABIAN »48:13« 02 BROKEN BELLS »AFTER THE DISCO« 03 BEAR’S DEN »ISLANDS« 04 VANCE JOY »DREAM YOUR LIFE AWAY« 05 FINK »HARD BELIEVER« 06 BEATSTEAKS »BEATSTEAKS« 07 RACING GLACIERS »AHEAD OF YOU FOREVER« 08 MORRISSEY »WORLD PEACE IS NONE OF YOUR …« 09 FUTURE ISLANDS »SINGLES« 10 CONOR OBERST »UPSIDE DOWN MOUNTAIN«

SONGS 01 SCHNIPO SCHRANKE »PISSE« 02 ANTILOPEN GANG »DAS LEBEN UND …« 03 ZUCKER »ALLES IST AMAZING« 04 WANDA »BOLOGNA«  05 EGOTRONIC FEAT. KOLJAH »KRIEGSERKLÄRUNG« 06 KRAFTKLUB »UNSERE FANS« 07 DIE HEITERKEIT »WOHIN GEHST DU, CARY GRANT?« 08 MISSLING »ANYWHERE« 09 SUPERGAUL »KRIEG UND WAS ZU BUMSEN« 10 THE SMITH STREET BAND »DON’T FUCK …«

SONGS 01 TERENCE KOH »SONG TO FIND WAY HOME« 02 METRONOMY »I’M AQUARIUS« 03 BARNT »WIGGETT: SO WE KNOW THAT …« 04 TALABOMAN »SIDERAL (MATT KARMIL REMIX)« 05 MATIAS AGUAYO »RUN AWAY FROM THE SUN« 06 JAMIE XX »ALL UNDER ONE ROOF RAVING« 07 CHRISTIAN S »PITCH RIDER« 08 CARIBOU »OUR LOVE (THE DAPHNI MIX)« 09 DAUWD »LYDIA« 10 LENA WILLIKENS »HOWLIN LUPUS«

SONGS 01 LAIBACH »THE WHISTLEBLOWERS« 02 RACLES »JOURNEY BACK TO DAWN« 03 MASTODON »THE MOTHERLOAD« 04 ANNENMAYKANTEREIT »BARFUSS AM KLAVIER« 05 BEAR’S DEN »AGAPE« 06 ENTRAILS OUT! »TAKE CARE OF YOUR LIFE!« 07 DEATH FROM ABOVE 1979 »TRAINWRECK 1979« 08 KRAFTKLUB »MEINE STADT IST ZU LAUT« 09 SPOON »DO YOU« 10 SUSANNE BLECH »WIR WERDEN ALLE NICHT …«

SONGS 01 RACING GLACIERS »MOTHS« 02 BEAR’S DEN »AGAPE« 03 BROKEN BELLS »HOLDING ON FOR LIFE« 04 VANCE JOY »RIPTIDE« 05 KASABIAN »EEZ-EH« 06 FINK »LOOKING TOO CLOSELY« 07 SCHNIPO SCHRANKE »PISSE« 08 MARTERIA »KIDS« 09 BEATSTEAKS »GENTLEMAN OF THE YEAR« 10 LA ROUX »SEXOTHEQUE«

KATJA PEGLOW

PHILIP FASSING

SENTA BEST

HOLGER RISSE

ALBEN 01 HOW TO DRESS WELL »WHAT IS THIS HEART?« 02 WARPAINT »WARPAINT« 03 ST. VINCENT »ST. VINCENT« 04 PEAKING LIGHTS »COSMIC LOGIC« 05 PRINCE »ART OFFICIAL AGE« 06 KELIS »FOOD« 07 JUNGLE »JUNGLE« 08 LA ROUX »TROUBLE IN PARADISE« 09 REAL ESTATE »ATLAS« 10 DIVERSE »TOO SLOW TOO DISCO«

ALBEN 01 FENNESZ »BÉCS« 02 CARIBOU »OUR LOVE« 03 ALEX BANKS »ILLUMINATE« 04 LONE »REALITY TESTING« 05 ARCA »XEN« 06 LEON VYNEHALL »MUSIC FOR THE UNINVITED« 07 APHEX TWIN »SYRO« 08 WOODS »WITH LIGHT AND WITH LOVE« 09 ODESZA »IN RETURN« 10 TYCHO »AWAKE«

ALBEN 01 MINERAL »1994-1998 THE COMPLETE COLLECT.« 02 WYE OAK »SHRIEK« 03 PLAID »REACHY PRINTS« 04 THE ANTLERS »FAMILIARS« 05 TRENTEMØLLER »LOST REWORKS« 06 ARCHIVE »AXIOM« 07 EMA »THE FUTURE’S VOID« 08 ALVVAYS »ALVVAYS« 09 JON HOPKINS »WE DISAPPEAR« 10 CHRISTIAN LÖFFLER »YOUNG ALASKA«

ALBEN 01 METRONOMY »LOVE LETTERS« 02 VERMONT »VERMONT« 03 VON SPAR »STREETLIFE« 04 SLEAFORD MODS »DIVIDE AND EXIT« 05 FKA TWIGS »LP1« 06 DAMON ALBARN »EVERYDAY ROBOTS« 07 PLAID »REACHY PRINTS« 08 SINKANE »MEAN LOVE« 09 DJ KOZE »REINCARNATIONS PT. 2« 10 SHIT ROBOT »WE GOT A LOVE«

SONGS 01 ST. VINCENT »DIGITAL WITNESS« 02 JESSIE WARE »WANT YOUR LOVE« 03 WARPAINT »LOVE IS TO DIE« 04 BEYONCÉ »FLAWLESS« 05 BANKS »BRAIN« 06 KELIS »RUMBLE« 07 HOW TO DRESS WELL »REPEAT PLEASURE« 08 MARIAH CAREY FT. WALE »YOU DON’T KNOW …« 09 ARIANA GRANDE FT. IGGY AZALEA »PROBLEM« 10 PRINCE »CLOUDS«

SONGS 01 LAPALUX »MOVEMENT I, II & III« 02 BOBBY TANK »UNDONE« 03 LORDE »TENNIS COURT (FLUME REMIX)« 04 KASTLE FEAT. LOTTI »ANYTHING’S POSSIBLE« 05 RYAN HEMSWORTH FEAT. D. GOLDEN »SNOW IN …« 06 BANKS »DROWNING« 07 DUSKY »LOVE TAKING OVER« 08 RL GRIME X WHAT SO NOT »TELL ME« 09 TOURIST FEAT. WILL HEARD »CAN’T KEEP UP« 10 VIC MENSA »WIMME NAH«

SONGS 01 XUL ZOLAR »ILAJALY« 02 MINERAL »IF I COULD« 03 VÖK »VIÐ VÖKUM« 04 PLAID »HAWKMOTH« 05 JON HOPKINS »ABANDON WINDOW« 06 THE GOLDEN FILTER »HEADY FILTHY« 07 EMA »SATELLITES« 08 SLEATER-KINNEY »BURY OUR FRIENDS« 09 TRENTEMØLLER »COME UNDONE« 10 WYE OAK »BEFORE«

SONGS 01 METRONOMY »THE UPSETTER« 02 VON SPAR »CHAIN OF COMMAND« 03 JAMIE XX »SLEEP SOUND« 04 BOHREN & DER CLUB OF GORE »IM RAUSCH« 05 SCHNIPO SCHRANKE »PISSE« 06 DAMH »BLACK NIGHT« 07 FKA TWIGS »LIGHTS ON« 08 TERRANOVA »TOURETTE« 09 VON SPAR »ONE HUMAN MINUTE« 10 SLEAFORD MODS »TWEET TWEET TWEET«


GESTERN

049

MATTHIAS HÖRSTMANN

DANIEL KOCH

WOLFGANG FRÖMBERG

HENJE RICHTER

ALBEN 01 DAMON ALBARN »EVERYDAY ROBOTS« 02 METRONOMY »LOVE LETTERS« 03 SLEAFORD MODS »DIVIDE AND EXIT« 04 ALT-J »THIS IS ALL YOURS« 05 LANA DEL REY »ULTRAVIOLENCE« 06 THOM YORKE »TOMORROW’S MODERN BOXES« 07 THE NOTWIST »C­LOSE TO THE GLASS« 08 CHET FAKER »BUILT ON GLASS« 09 NENEH CHERRY »BLANK PROJECT« 10 JUNGLE »JUNGLE«

ALBEN 01 THE BLACK KEYS »TURN BLUE« 02 KATE TEMPEST »EVERYBODY DOWN« 03 METRONOMY »LOVE LETTERS« 04 JA, PANIK »LIBERTATIA« 05 NENEH CHERRY »BLANK PROJECT« 06 CHET FAKER »BUILT ON GLASS« 07 RATKING »SO IT GOES« 08 SINKANE »MEAN LOVE« 09 JENNY LEWIS »THE VOYAGER« 10 FUTURE ISLANDS »SINGLES«

ALBEN 01 TONY ALLEN »FILM OF LIFE« 02 NENEH CHERRY »BLANK PROJECT« 03 KATE TEMPEST »EVERYBODY DOWN« 04 VON SPAR »STREETLIFE« 05 ENO/HYDE »HIGH LIFE« 06 FKA TWIGS »LP1« 07 SLEAFORD MODS »DIVIDE AND EXIT« 08 MAC DEMARCO »SALAD DAYS« 09 APHEX TWIN »SYRO« 10 BILL CALLAHAN »HAVE FUN WITH GOD«

ALBEN 01 FATIMA AL QADIRI »ASIATISCH« 02 MAX GRAEF »RIVERS OF THE RED PLANET« 03 FALTYDL »IN THE WILD« 04 LONE »REALITY TESTING« 05 HOW TO DRESS WELL »WHAT IS THIS HEART?« 06 ILLUM SPHERE »GHOSTS OF NOW AND THEN« 07 LOCKAH »YAHOO OR THE HIGHWAY« 08 TELEPHONES »THE OCEAN CALLED EP« 09 FLYING LOTUS »YOU’RE DEAD!« 10 THOM YORKE »TOMORROW’S MODERN BOXES«

SONGS 01 SLEAFORD MODS »TIED UP IN NOTTZ« 02 PHARRELL WILLIAMS »HAPPY« 03 METRONOMY »I’M AQUARIUS« 04 BANKS »BEGGIN FOR THREAD« 05 SCHNIPO SCHRANKE »PISSE« 06 HUDSON MOHAWKE »CHIMES« 07 MARCUS WIEBUSCH »DER TAG WIRD KOMMEN« 08 WARPAINT »LOVE IS TO DIE« 09 JAMIE XX »ALL UNDER ONE ROOF RAVING« 10 MARTERIA »KIDS (2 FINGER AN DEN KOPF)«

SONGS 01 SUFJAN STEVENS »A LITTLE LOST« (A. RUSSELL CVR.) 02 LANA DEL REY »WEST COAST« 03 MARCUS WIEBUSCH »DER TAG WIRD KOMMEN« 04 THE BLACK KEYS »WEIGHT OF LOVE« 05 JENNY LEWIS »LATE BLOOMER« 06 SCHNIPO SCHRANKE »PISSE« 07 BON IVER »HEAVENLY FATHER« 08 KRAFTKLUB »MEINE STADT IST ZU LAUT« 09 ELBOW »MY SAD CAPTAINS« 10 ALT-J »HUNGER OF THE PINE«

SONGS 01 ENO/HYDE »LILAC« 02 VON SPAR »CHAIN OF COMMAND« 03 SLEAFORD MODS »TIED UP IN NOTTZ« 04 KATE TEMPEST »THEME FROM BECKY« 05 NENEH CHERRY FEAT. ROBYN »OUT OF THE BLACK« 06 WANDA »BOLOGNA« 07 FKA TWIGS »TWO WEEKS« 08 WANDA »AUSEINANDERGEHEN IST SCHWER« 09 OK KID »BORDERLINE« 10 BEYONCÉ »PRETTY HURTS«

SONGS 01 MOGWAI »REMURDERED« 02 HOW TO DRESS WELL »REPEAT PLEASURE« 03 CARIBOU »CAN’T DO WITHOUT YOU« 04 JAMIE XX »ALL UNDER ONE ROOF RAVING« 05 THE JUAN MACLEAN »A PLACE CALLED SPACE« 06 BLOOD ORANGE »UNCLE ACE (A/JUS/TED REMIX)« 07 THE RADIO DEPT. »DEATH TO FASCISM« 08 A.G. COOK FEAT. HANNAH DIAMOND »KERI BABY« 09 DAUWD »LYDIA« 10 HNNY »ALWAYS«

VANESSA WEBER

JÖRN C. OSENBERG (OSI)

JENNY WESER

MARIO LASAR

ALBEN 01 FKA TWIGS »LP1« 02 METRONOMY »LOVE LETTERS« 03 LANA DEL REY »ULTRAVIOLENCE« 04 TODD TERJE »IT’S ALBUM TIME« 05 HUDSON MOHAWKE »CHIMES« 06 BEYONCÉ »BEYONCÉ« 07 MØ »NO MYTHOLOGIES TO FOLLOW« 08 CARIBOU »OUR LOVE« 09 BANKS »GODESS« 10 VON SPAR »STREETLIFE«

ALBEN 01 ERLEND ØYE »LEGAO« 02 THE BLACK KEYS »TURN BLUE« 03 DEATH FROM ABOVE 1979 »THE PHYSICAL WORLD« 04 THE MAJORITY SAYS »THE MAJORITY SAYS« 05 RÖYKSOPP & ROBYN »DO IT AGAIN« 06 METRONOMY »LOVE LETTERS« 07 MARTERIA »ZUM GLÜCK IN DIE ZUKUNFT II« 08 JUPITER LION »BRIGHTER« 09 JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE »WELT OHNE …« 10 BILDERBUCH »FEINSTE SEIDE EP«

ALBEN 01 FKA TWIGS »LP1« 02 HAWK HOUSE »A HANDSHAKE TO THE BRAIN EP« 03 BEN KHAN »1992 EP« 04 TAYLOR MCFERRIN »EARLY RISER« 05 JUNGLE »JUNGLE« 06 FATIMA »YELLOW MEMORIES« 07 ARCA »XEN« 08 THE UNDERACHIEVERS »CELLAR DOOR: TERMINUS …« 09 FRED FADES »REMIXES EP« 10 COOLY G »WAIT TIL NIGHT«

ALBEN 01 THE WAR ON DRUGS »LOST IN THE DREAM« 02 LANA DEL REY »ULTRAVIOLENCE« 03 SLEAFORD MODS »DIVIDE AND EXIT« 04 KATE TEMPEST »EVERYBODY DOWN« 05 VON SPAR »STREETLIFE« 06 JA, PANIK »LIBERTATIA« 07 GUSGUS »MEXICO« 08 ERLEND ØYE »LEGAO« 09 DIVERSE »TOO SLOW TO DISCO« 10 PHISH »FUEGO«

SONGS 01 LANA DEL REY »WEST COAST« 02 CARIBOU »CAN’T DO WITHOUT YOU« 03 FKA TWIGS »TWO WEEKS« 04 A$AP FERG FEAT. YOUNG THUG & F. GIBBS »OLD …« 05 COMA »ATLANTIS« 06 SBTRKT FT. A$AP FERG & WARPAINT »VOICES IN …« 07 VIC MENSA »DOWN ON MY LUCK« 08 METRONOMY »RESERVOIR« 09 RÓISÍN MURPHY »IN SINTESI« 10 MØ »SAY YOU’LL BE THERE«

SONGS 01 DJ FRESH & J. F. FT. MS. DYNAMITE »DIBBY DIBBY …« 02 WILD THRONE »THE WRECKING BALL UNCHAINED« 03 DEVIN TOWNSEND & CHÉ AIMEE DORVAL »FLIGHT« 04 SILK RHODES »PAINS« 05 PORTER ROBINSON FEAT. AMY MILLAN »DIVINITY« 06 YELLERKIN »TOOLS« 07 JUNGLE »PLATOON« 08 DZ DEATHRAYS »BLACK RAT« 09 KOMMANDO ELEFANT »ICH FIND DICH SELTSAM« 10 JAN RÖTTGER »PRESENT – FUTURE – ANARCHY«

SONGS 01 A.K. PAUL FEAT. NAO »SO GOOD« 02 FKA TWIGS »PENDULUM« 03 FKA TWIGS »TWO WEEKS« 04 TAYLOR MCFERRIN FEAT. NAI PALM »THE ANTIDOTE« 05 BC KINGDOM »LOCK UP« 06 KELELA FEAT. TINK »WANT IT« 07 HADE & DWFL »VINNIE« 08 CHARLOTTE DOS SANTOS »TAKE IT SLOW« 09 DOJA CAT »SO HIGH« 10 FATIMA »RIDIN ROUND«

SONGS 01 JENS FRIEBE »NACKTE ANGST« 02 REAL LIES »NORTH CIRCULAR« 03 JABRU »CHURCH« 04 MUTTER »WER HAT SCHON LUST SO ZU LEBEN« 05 LANA DEL REY »BROOKLYN BABY« 06 SLEAFORD MODS »TWEET TWEET TWEET« 07 DIE ZIMMERMÄNNER »DIE GROSSE SPORADISCHE« 08 JULIA HOLTER »HELLO STRANGER« 09 EZRA FURMAN »MY ZERO« 10 NINA PERSSON »ANIMAL HEART«

FREDERIKE WETZELS

JULIA BRUMMERT

MARTIN LIPPERT

WEITERE EINZELCHARTS ONLINE

ALBEN 01 JA, PANIK »LIBERTATIA« 02 METRONOMY »LOVE LETTERS« 03 LANA DEL REY »ULTRAVIOLENCE« 04 EASTER »NEW CUISINE PT. 1« 05 ANGEL HAZE »DIRTY GOLD« 06 MAC DEMARCO »SALAD DAYS« 07 KATE TEMPEST »EVERYBODY DOWN« 08 VON SPAR »STREETLIFE« 09 DJ KOZE »REINCARNATIONS PT. 2« 10 HGICH.T »MEGABOBO«

ALBEN 01 STARS »NO ONE IS LOST« 02 PASCOW »DIENE DER PARTY« 03 JENNY LEWIS »THE VOYAGER« 04 EINAR STRAY ORCHESTRA »POLITRICKS« 05 PAULA & KAROL »HEARTWASH« 06 SCHRAPPMESSER »SCHLACHTRUFE STIMMUNGSHITS« 07 PLAGUE VENDOR »FREE TO EAT« 08 ANGUS & JULIA STONE »ANGUS & JULIA STONE« 09 VON SPAR »STREETLIFE« 10 KAREN O »CRUSH SONGS«

ALBEN 01 VON SPAR »STREETLIFE« 02 OUGHT »MORE THAN ANY OTHER DAY« 03 FINK »HARD BELIEVER« 04 SINKANE »MEAN LOVE« 05 ARTHUR BEATRICE »WORKING OUT« 06 TIMBER TIMBRE »HOT DREAMS« 07 LAST EX »LAST EX« 08 DIVERSE »TOO SLOW TO DISCO VOL. 1« 09 BAR »WELCOME TO BAR« 10 NENEH CHERRY »BLANK PROJECT«

SONGS 01 SCHNIPO SCHRANKE »PISSE« 02 TODD TERJE FT. BRYAN FERRY »JOHNNY & MARY« 03 DWIG »ORANGE EVENING« 04 JA, PANIK »LIBERTATIA« 05 METRONOMY »THE UPSETTER« 06 MODERAT »BAD KINGDOM (DJ KOZE REMIX)« 07 ANA TIJOUX »1977 (106ER EDIT)« 08 TRÜMMER »WO IST DIE EUPHORIE?« 09 VON SPAR »CHAIN OF COMMAND« 10 CARIBOU »CAN’T DO WITHOUT YOU«

SONGS 01 STARS »LOOK AWAY« 02 ANNENMAYKANTEREIT »OFT GEFRAGT« 03 JENNY LEWIS »LATE BLOOMER« 04 THE NOTWIST »KONG« 05 THE JULIE RUIN »BRIGHTSIDE« 06 PASCOW »MERKEL JUGEND« 07 ANGUS & JULIA STONE »GRIZZLY BEAR« 08 DIE LIGA DER GEWÖHNLICHEN G. »KENNST DU …« 09 NINA PERSSON »ANIMAL HEART« 10 BEATSTEAKS »DNA«

SONGS 01 JOHN GRANT FEAT. SINÉAD O’CONNOR »GLACIER« 02 TALABOMAN »SIDERAL (BCN VERSION)« 03 JON HOPKINS & HAYDEN THORPE »GOODBYE …« 04 ARTHUR BEATRICE »GRAND UNION« 05 BOB MOSES »I AIN’T GONNA BE THE FIRST TO CRY« 06 FOOL’S GOLD »I’M IN LOVE (POOLSIDE REMIX)« 07 LANA DEL REY »WEST COAST (MUNK REMIX)« 08 MOGWAI »TEENAGE EXORCISTS« 09 DE LUX »BETTER AT MAKING TIME« 10 RED AXES »TOO LATE TO SAMBA«

DANIEL FISCHER, CLAUDIUS GRIGAT, MARCO FUCHS, KLAAS TIGCHELAAR, JULIA MAEHNER, SEBASTIAN JEGOROW, JAN TÖLVA, HENRIKE SCHRÖDER, MARK HEYWINKEL, KERSTIN KRATOCHWILL, SANDRO BÖGE, OLIVER BRESCH, LUKAS FÖHRES, LARA KUSE, BENJAMIN LEHMANN, LENA ACKERMANN, NADJA NEQQACHE, EIKE WOHLGEMUTH, TIM EICHIN, ANKE VAN DE WEYER, JAN WEHN, ROMAN SOBOTA, TABEA DEBORA PRINGAL, ANDREAS BRÜNING, BENEDIKT ZILLICH, ANNETT BONKOWSKI, CHRISTIAN HEDEL, STEFFEN GREINER, MICHAEL WEILAND, CHRISTIAN IHLE, VALENTIN ERNING, CARLOTTA EISELE, MARIUS WURTH, KERSTIN PETERMANN, LAURA HEINRICHS, ALEXANDRA RUPPERT, SERMIN USTA, SELINA SUTTER, LINA EULITZ, KAI WICHELMANN


050

GESTERN

IHR ENTSCHEIDET. MITMACHEN UND GEWINNEN.

DER POLL 2014 Liebe Leserinnen, liebe Leser, das Jahr 2014 neigt sich dem Ende zu. Wir haben bereits das Album und den Song des Jahres gewählt. Nun seid ihr dran - beim alljährlichen Jahrespoll! Was hat euch 2014 besonders gekickt? Macht mit unter www.intro.de/poll. Es gibt wieder tolle Produkte zu gewinnen. Weitere Preise findet ihr online. Teilnahme ab 18 Jahren, Einsendeschluss ist der 5. Januar 2015. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

TRUE QUALITY FOR TRUE PEOPLE

10X HERR LEHMANN COMIC

FREITAG RUCKSACK F251 PHILIPS SPEAKER KOWALSKI BTS500B

KAYA JEANS & STRICK CARDIGAN

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EthelVaughn steht für einen elektrischen Stil, der Elemente aus Streetwear und HighFashion miteinander vereint. Das Sportswear Label aus Hamburg/St.Pauli wurde 2010 gegründet und verlost exklusiv für euch einen »True« Pullover in OneSize Unisex.

Regeners Roman »Herr Lehmann« begeisterte bisher über eine Million Leser. Rechtzeitig zum 25. Jahrestag des Mauerfalls gibt es nun eine gezeichnete Version von Tim Dinter, der zu den wichtigsten zeitgenössischen Comic-Künstlern in Deutschland gehört.

Freitag schenkt ausgedienten Materialien ein nächstes Leben als Taschenunikat. Gewinnt einen Freitag Rucksack F251 Kowalski. Da jedes FreitagProdukt ein Unikat ist, werden die Farbe und das Design des zu gewinnenden Rucksacks von der obigen Abbildung abweichen.

Gewinne ein Paar Philips Speaker BTS500B in Schwarz und erlebe satten und brillianten HiFi-Sound mit 100W und einer unglaublichen Basswiedergabe. Ein weiteres Highlight der Lautsprecher: Streame deine Lieblingsmusik einfach kabellos über Bluetooth.

Element ist eine Lifestyle/Streetwear-Brand mit Wurzeln im Skateboarding. Die Girls-Linie Element Eden verlost eine Kaya Jeans und einen Strick Cardigan »Esther« in deiner Größe. Mit diesem Outfit bist du für die bevorstehende kalte Jahreszeit bestens gerüstet.

(WINTER) JACK IS BACK!

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TELEKOM STREET GIGS X SONY XPERIA STYLE

2X MARSHALL HEADPHONES MAJOR

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Jack Daniel’s hat ein exklusives Grill-Paket für Euch: Grillbesteck, Grillbrickets, Schürze, würzig-süßen Apfel-WhiskeyPunsch und passende Becher machen euren Grillabend perfekt. Holt euch unter winterjack.de Tipps für euren Winter Grillabend. Ab 18 Jahren.

Diese kleine silberne Umhängetasche mit durchgehenden Pailletten ist definitiv ein Blickfang auf der nächsten Party. Sichere dir deine Hingucker-Tasche von Topshop und glänze durch die Nacht (H: 14 cm; B: 16 cm). Aber auch tagsüber sind dir neidische Blicke gewiss.

Wilkinson verlost 10x Sword Hydro 5 X-Mas-Sets. Es enthält neben dem hochwertigen Hydro 5 Rasierer das Protect Gel Sensitive von Wilkinson Sword sowie das 3in1 Shower Gel von adidas – und sorgt damit für eine sanfte Rasur und glatte, gepflegte Haut zum Fest der Liebe.

Ein großartiges Telekom Street Gigs Jahr geht zu Ende: Acts wie Cro, Clueso und Ed Sheeran waren dabei. Wir verlosen ein 7mm schlankes Sony Xperia Style mit 8-Megapixel-Kamera und super Akku-Laufzeit, um eure Konzert-Momente in 2015 festzuhalten.

Marshall Headphones präsentiert mit »Pitch Black« ein Kopfhörermodell, das komplett in Schwarz gehalten ist. Mit Mikrofon und Fernbedienung ausgestattet, kann der Kopfhörer außerdem als Headset fürs Handy genutzt werden. Wir verlosen insgesamt zwei Stück.


GESTERN

051 PROMOTION

3X »REKORD« VINYL INKL. CD

CARRIE BLUSE, HOSE & MÜTZE

3X RALPH RUTHE »SHIT HAPPENS 2« (DVD)

URBANITE NATION KOPFHÖRER

JE 2X »SINGSTAR ULTIMATE PARTY« FÜR PS3 & PS4

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Das neue Album der Fanta 4, »Rekord«, ist getreu dem Motto in Rekordzeit auf Platz eins der deutschen Albumcharts geschossen. Bereits zum fünften Mal führen die Fanta 4 mit einem ihrer Alben die Charts an. Gewinne eins von insgesamt drei Alben auf Vinyl und CD.

Monki präsentiert sich als Lifestyle-Marke für junge Frauen, die Spaß an Mode haben. Um stylish ins neue Jahr zu kommen, verlost Monki eine herzige Carrie-Bluse mit passender Hose. Gegen die kalten Temperaturen gibt es obendrauf noch eine süße Ruby-Mütze.

Die DVD »Shit Happens! Vol. 2« von Ralph Ruthe gibt es drei Mal zu gewinnen. Sie enthält ein Best-of der neuen Videos, zum Beispiel das prollige Schaf Thorsten Dörnbach, unfassbare Clips aus der HNO-WG und natürlich die Kult-Reihe »Flossen« mit Barry und Sting.

Let your ears be loved: Urbanite, Sennheisers neuer On-Ear-Kopfhörer, ist genau der richtige, wenn es um großartigen Sound, tiefen Bass und Urban Style für unterwegs geht. Gewinne einen Urbanite Nation Kopfhörer im Wert von über € 179.

Vereine die größten Hits an einem Platz mit »SingStar Ultimate Party« auf PS4 und PS3 und lade dir online weitere Songs aus dem SingStore herunter. Von Pop, Rock bis HipHop ist mit Künstlern wie Rihanna, Passenger, One Direction und ABBA alles dabei.

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2X ACER SMARTPHONE FÜR LIFESTYLE-FANS

3X 6 MONATE VERLUSTFREIE SOUNDQUALITÄT

WINTERLICHE HOCHPROZENTE

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Die angesagte Modekette Topshop verlost einen ausgestellten, khakigrünen OversizeSteppmantel mit abnehmbarer Kapuze und seitlichen Nahttaschen von ihrer Premium-Marke Topshop Boutique in Größe 38. Genau das Richtige für kalte Tage!

Durch das ultraflache Design im Curved-Look liegt das Acer Liquid Jade plus angenehm in der Hand. Das 5-Zoll-HDDisplay zeigt satte Farben und hochaufgelöste Videos. Mit der 13-MP-Kamera sind euch scharfe Selfies sicher. Acer verlost zwei schwarze Modelle.

Gewinne für sechs Monate unbegrenzten Zugang zu Millionen von Songs. WiMP HiFi ist der einzige Musikstreamingdienst mit verlustfreier Soundqualität, einem kompletten Musikkatalog, HD-Musikvideos und einem integrierten Musikmagazin.

Die regionale Premiummarke SissiS gewinnt mit Qualität, Geschmack und nachvollziehbarer Herstellung die Gaumen echter Genießer. Wie wäre es mit einem Haselnussschnaps oder einem Jagertee Rum? Gewinne ein exklusives Set mit sechs verschiedenen Flaschen.

Zündstoff Clothing schenkt euch eine Nudie Jeans »Tight Long John«, in deiner Größe (w/m) – eine tief sitzende Röhre mit engem Bein und schmaler Beinöff nung. Nudie sind Mitglied der Fair Wear Foundation, die regelmäßig die Produktionsstätten kontrolliert.

1 JAHR GRATIS MUSIK + SONOS LAUTSPRECHER

2X PLATTAN »SAFARI GRUNGE« LEO

sonos.com / deezer.com

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Sonus verlost ein Jahresabo für Deezer und einen PLAY:1 Wireless-Lautsprecher. Der Speaker sieht nicht nur schick aus, sondern ist mit der kostenlosen App schnell eingerichtet und bietet Zugang zu über 50 Musikdiensten und 100.000 kostenfreien Radiosendern.

Urbanears verlost zwei Special Edition »Safari Grunge« Kopfhörer. Hier verbinden sich Wildnis und urbanes Flair miteinander und kommen dabei ganz ohne Schwarz, Leder und Nieten aus. Gewinne einen Kopfhörer mit dem Motiv »Plattan Surplus Leo«.

HAUPTGEWINN: KEF LS50

kef.com Als Hauptpreis verlosen wir ein Paar KEF LS50 – einen der bekanntesten und am häufigsten ausgezeichneten Lautsprecher dieser Generation. Die nur 30 cm hohen Boxen sorgen selbst im kleinsten Raum für einen einzigartigen Sound und das ultimative Studio-Erlebnis.


29. - 31. MAI 2015 | FESTIVAL AM NÜRBURGRING WWW.DER-RING.DE

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29. - 31. MAI 2015 | OLYMPIAPARK MÜNCHEN WWW.ROCKAVARIA.DE

TICKETMASTER: 01806 - 999 00 00

(0,20 EUR/Anruf aus dem dt. Festnetz, max. 0,60 EUR/Anruf aus dem dt. Mobilfunknetz.)

#RAV2015


HEUTE

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HEUTE WAS UNS BEWEGT & WER DAFÜR STEHT

— Sizarr Zwei Drittel von Sizarr und ihr own personal Jesus bei den Aufnahmen des neuen Albums »Nurture«, das allerdings erst am 27. Februar erscheinen wird. Hier basteln Philipp Hülsenbeck und Fabian Altstötter gerade im Erfurter Atomino-Studio an einem der zehn Songs, die wieder von der Band und Markus Ganter produziert wurden. Wie’s klingen wird? Intro bleibt dran. Foto: Sizarr


054

HEUTE

UNSERE GEMEINSAME NACHT Liverpool, Holland und Hofgeismar – die Introducings im Dezember sind topinternational, und die musikalische Mischung geht entsprechend weit über beschränkte Horizonte hinaus: Die Indie-Rocker Racing Glaciers schreiben Hymnen für den emotionalen Showdown, der Rapper Pimf droppt Reime für die ganze Welt, und das Electro-Duo Weval schraubt Beats für Gui Boratto und eure Tanzbeine. Wer gratis dabei sein will, registriert sich wie immer auf www.introducing.de.

MEIN ZUHAUSE

PIMF INTRODUCING

— GRATIS FÜR DIE GÄSTELISTE ANMELDEN: WWW.INTRODUCING.DE

In einem kleinen Städtchen in der Nähe von Kassel hat man als Jugendlicher nicht viel zu lachen. Womit soll man seine Freizeit verplempern, wenn nicht mit dem Erfinden von Spitznamen – und mit Rappen? Beides verfolgte Pimf recht zielstrebig: Beim Videobattleturnier (VBT) schaffte der damals 19-Jährige es bis ins Halbfinale, danach gelang der Sprung auf die Bühne des splash!, nun folgt der Auftritt beim Introducing. Zuvor befragten wir ihn zu den Vorzügen seiner Heimat.

— AM 12.12.2014 ZEIGT ARTE DEN INTRODUCING-GIG MIT GORGON CITY. DIE SENDUNG MIT SAY LOU LOU UND ZEBRA KATZ LÄUFT AM 24.01.2015 VORAUSSICHTLICH UM 23:30 UHR (NACH ARTES »TRACKS«).

»Warum man dringend mal nach Kassel sollte? Dazu will mir einfach kein einleuchtender Grund einfallen. Außer der documenta natürlich. Meine weitaus kleinere Heimatstadt

RACING GLACIERS PIMF WEVAL 09.12. BERLIN, LIDO 10.12. KÖLN, GEBÄUDE 9

Hofgeismar ist für Außenstehende ehrlich gesagt auch nicht besonders interessant. Eine typisch deutsche Kleinstadtidylle, deren behütete und ruhige Gegend wahrscheinlich auch meine Musik beeinflusst. Hier siehst du die klassischen Probleme und Sorgen der deutschen Mittelschicht. Viele gehen den normalen Weg: Realschule, Ausbildung, am Wochenende Party, irgendwann eine Familie gründen. Ich will nicht behaupten, in meinen jungen Jahren die Welt und das Leben zu kennen, aber die Menschen hier sehen zu wenig. Ich bin gerne unterwegs, aber ich liebe es, nach Hause zu kommen. Dieser Kontrast spielt eine große Rolle in meiner Musik. Wegziehen kommt erst mal nicht in Frage, dafür hält mich derzeit einfach zu viel Zuhause. Obwohl mir natürlich klar ist, dass es für Musiker nicht gerade von Vorteil ist, mitten im Nichts zu wohnen. Das Nichts verfolgt mich nicht nur in meiner Heimat – ab und an träume ich sogar von einem Leben in der Natur.«


DREI FAKTEN ÜBER ...

WEVAL

Werbedeals, Festival-Gigs, eine EP auf Kompakt: Alles schon durch. Weval haben sich den Erfolg auf die Synthies geschrieben. Was ihr über einen der heißesten Elecronic-Acts aus den Niederlanden wissen solltet: Schweppes – »What did you expect?« haucht Penélope Cruz neckisch, nachdem sie sich mit verführerischer Leichtigkeit die Flasche Schweppes von einer unverschämt heißen Lady an der Bar geangelt hat. Der fette Electro-Beat zur Getränkekampagne stammt von Weval. Vier Jahre zuvor sind sich Harm Coolen und Merijn Scholte Albers an einer Amsterdamer Filmschule in die Arme gelaufen. Take Control – Hat mal eben so Platz eins der

Beatports Electronica Top 100 abgeräumt: der Weval-Remix von Gui Borattos Single »Take Control«. Platz fünf in den französischen iTunes Electronica Top 100 sind da fast schon Peanuts. Pitch Festival – Harm Coolen und Merijn Scholte Albers mixen TripHop- und House-Elemente verdammt erfolgreich. So erfolgreich, dass sie 2013, kurz nach Veröffentlichung ihrer ersten EP »Half Age«, beim Pitch Festival Live-Premiere feiern durften. Im November wurde die neue EP »Easier« bei Kompakt veröffentlicht.

ALLE BERLINER INTRODUCING-EVENTS WERDEN VON UNSEREN PARTNERN ARTE & SPOTIFY FÜR EUCH AUFGEZEICHNET!

DREI FRAGEN AN DEUTSCHLAND VON

RACING GLACIERS Welche ist die allerbeste deutsche Band? Normalerweise werden wir hier ganz direkt auf Kraftwerk angesprochen und können dann blöde Witze mit Oktoberfest und Bier machen. Auf eure Frage wissen wir leider keine Antwort, die Redaktion ist gespalten. Die eine Hälfte will Slime, die andere will euch mit Helene Fischer ärgern. Was müssen wir unbedingt machen, während wir in Deutschland sind? Zu dieser Jahreszeit? Ganz dringend mindestens Wer ist euer Lieblings-Beatle, und warum ist drei Weihnachtsmärkte besuchen. Die gibt’s an jeder Ecke. Da kippt ihr am besten je sieben es Paul? Dürfen wir uns nur unter den noch lebenden halbwarme Glühweine. Danach versteht ihr Beatles entscheiden? Dann sind wir für Yoko zwar die Welt nicht mehr, wisst aber im Groben, Ono. wie die Deutschen so ticken. Was ursprünglich als einmalige Kollaboration geplant war, wurde schnell ziemlich groß. So groß, dass die fünf Jungs von Racing Glaciers nach ihrer ersten, innerhalb von fünf Tagen in einem Wohnzimmer produzierten EP nicht mehr in ihrem Heimatdorf Macclesfield bleiben wollten. Also zogen sie mit Sack und Pack nach Liverpool. Im Dezember kommen sie für zwei Tage nach Berlin und Köln. Vorher brauchen sie verständlicherweise ein paar Infos.

ALS VIDEO AUF: CONCERT.ARTE.TV

WEITERE INFOS: INTRODUCING.DE


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HEUTE

Bei der BBC ist es eine langjährige Tradition, am Ende eines Jahres den Sound des kommenden zu definieren. Die daraus resultierenden »Sound of ...«-Listen, die fünf vielversprechenden Künstlern den großen Durchbruch an den Hals schreiben, gelten als wichtiger Karriere-Push. Wir wollen es in diesem Jahr der BBC gleichtun und haben gemeinsam mit befreundeten Top-Checkern, Szenehasen, Starbookern und Labelexperten fünf Acts zusammengestellt, die 2015 ihr großes Jahr haben werden. Allen voran Bilderbuch, die schon länger als österreichische Rettung des deutschsprachigen Pop gehandelt und 2015 zum großen Sprung ansetzen werden. Lena Ackermann traf sie für uns beim Tourstopp mit den Beatsteaks in Siegen. Fotos: Daliah Spiegel


HEUTE

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HEUTE

bestellt man einen Braunen, einen Kapuziner, einen Verlängerten und manchmal sogar einen überstürzten Neumann. Das, was in einem Hotel im nordrheinwestfälischen Siegen in einer weißen Tasse schwimmt, ist im Grunde genommen dasselbe, heißt hier allerdings schlicht Kaffee. Damit wäre der Unterschied zwischen deutscher und österreichischer Kultur bereits erklärt. Die eine pragmatisch, ein wenig bieder und verklemmt. Die andere angenehm überkandidelt, selbstironisch, witzig und auch ein bisschen morbide. Wer einmal in Wien war und sich von rosa beschürzten Bedienungen Einspänner und Kuchen hat servieren lassen oder mit einem Ottakringer an der Donau gesessen hat, der fragt sich ohnehin, was der ganze Hype um Berlin soll und warum eigentlich man nicht gleich hier bleibt. Und wer gute deutschsprachige Bands aufzählen will, muss zwingend Gruppen aus Österreich anführen (und dabei reden wir nicht vom gerne mal belächelten Austropop der späten 1980er). Ja, Panik! fallen darunter, Wanda ebenso, vor allem aber – und damit kommen wir auch endlich zur Sache – Bilderbuch. Die Jungs sind mit Sicherheit der neueste und heißeste Scheiß, den die junge deutschsprachige Musikszene zu bieten hat. Zuletzt haben uns die vier Oberösterreicher mit ihrer EP »Feinste Seide« in Aufregung versetzt. Drei Songs: »Maschin«, »Plansch« und »Spliff«, jeder ein Hit. Und die Band kann (und wird) mehr davon liefern. Gut gelaunt sitzen Maurice Ernst (Gesang) und Peter Horazdovsky (Bass) in der Lobby, die beiden anderen Bandmitglieder Michael Krammer (Gitarre) und Philipp Scheibl (Drums) sind schon beim Soundcheck, die Band tourt grade mit den Beatsteaks. Zunächst gibt’s einen kleinen Braunen (Milchkaffee) für Ernst und einen kleinen Schwarzen (Espresso) für Horazdovsky. Ernst trägt ein schwarzes Shirt zu schwarzer Hose, den Ringelpulli hat er bereits ausziehen müssen, es ist ziemlich schwül im Siegerland. Um den Hals trägt er eine dünne Goldkette, die man gerade noch als dezent durchgehen lassen

Austropop Ende der 1960er begannen immer mehr österreichische Musiker, in Dialekt zu singen. Für solche Acts wurde dieses Genre erfunden. Nach Wolfgang Ambros oder Georg Danzer folgten in den 1980ern Bands wie die Erste Allgemeine Verunsicherung, STS oder natürlich Falco. Allzu streng war man mit der Zuordnung nicht: Die Band Opus mit dem MegaHit »Live Is Life« zählte man dazu, obwohl sie nur Englisch sangen.

kann. Horazdovsky sitzt im verwaschenen Hoodie da. »Wir kommen praktisch direkt aus dem Bus«, entschuldigt Ernst das verhältnismäßig unaufregende Outfit und fährt sich durch die blondierten Haare. Schwamm drüber, in ihren Videos und auf der Bühne glänzt ihr Style umso mehr. Dass den vieren im nächsten Jahr der endgültige Durchbruch bevorsteht, liegt unter anderem daran, dass sie keine gewöhnlichen Newcomer sind. Bilderbuch haben schon zwei Alben veröffentlicht, ihr Schaffen ist bereits jetzt in Phasen einteilbar. Vom ersten, an Britpop orientierten Album »Nelken und Schillinge« aus dem Jahr 2009 ging es zum düsteren, Camus-getränkten Konzeptwerk »Die Pest von Piemont«, das 2011 veröffentlicht wurde. 2014 erschien nun die EP »Feinste Seide« und liegt wie das Album, das 2015 kommen wird, irgendwo zwischen Punk, KanYe West, Prince und Deichkind. Problematisch finden Bilderbuch ihren Neuling-Status nicht, erklärt Peter Horazdovsky: »Auf Festivals und Konzerten kommen immer wieder Leute, die nach den Konzerten sagen: ›Hey, ihr könnt ja wirklich spielen. Wir dachten, ihr seid eine Anfängerband.‹ Das ist schon witzig. Die Erwartungshaltung ist bei Newcomern eben geringer, und wir können mit der Erfahrung, die wir die letzten zehn Jahre gesammelt haben, ein bisschen auftrumpfen.«

ME: Stimmt. Damals habe ich aber lieber »Ziggy Stardust« gehört. Ich sehe uns in der Tradition von solchen Künstlern. David Bowie zum Beispiel hat so viele Stimmen und so viele Weisen, sich auszudrücken. Ich habe auch mehr als eine Stimme. Ich singe mal Kopfstimme, mal tief, habe auf jedem Album versucht, meine Stimme ein wenig zu verändern, sie weiterzutreiben und dann auf Altes zurückzu­greifen. Und Nicki Minaj? ME: Das war nicht unser Laptop, auf dem du vorhin hören durftest. Aber vor anderthalb Jahren haben wir auch viel Nicki Minaj gehört. Ich mag nicht alles, es gibt ein paar schreckliche Lieder auf den Alben. Sie ist ein etwas grenzwertiger Act. Ihre schöne Seite kommt raus, wenn sie zum Beispiel bei KanYes »Monster« das Feature macht. Aber dann haut sie ein paar Pophits raus, weil das Management sagt, das verkaufe sich gut. Und weil große Labels so was öfter sagen, habt ihr ein eigenes? ME: Eigenwilligkeit muss man sich hart erkämpfen. Das war ein Grund für uns, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ich glaube, dass in jedem Album, das wir bislang gemacht haben, Eigenheit und Protest und Entwicklung stecken. Wir sind es uns schuldig, uns nicht zufriedenzugeben. Wir wollen immer wieder Grenzen ausloten. Warum gerade Österreich die jungen Wilden hervorbringt, hat wohl etwas mit dem Schmäh, dem Mut zum Absonderlichen, der weit verbreiteten nihilistischen Weltanschauung und einer Selbstwahrnehmung zu tun, die vor allem durch tragische Komik geprägt ist. Während in Deutschland Typen wie Revolverheld und Tim Bendzko von Liebe säuseln, geht es bei Bilderbuch um Sex. Nein, stimmt nicht, eher um Sexiness, verpackt in dicke Beats, laute Gitarren, clevere Texte und eine gehörige Portion Selbstironie. Das alles ergibt, was Maurice Ernst meint, wenn er von Augenzwinkern spricht. Eine kecke, fast schon frivole Leichtigkeit, die er in der bisherigen deutschen Musiklandschaft vermisst hat.

Auf der iTunes-Liste, in der ich die Rough-Mixes des neuen Albums hören durfte, steht unter »zuletzt hinzugefügt« Nicki Minaj. Ein Hinweis auf eure Einflüsse? ME: Einflüsse zu benennen ist echt schwierig. Ich könnte dir sagen, dass Prince im Moment ein Riesenvorbild für mich ist. Oder David Bowie, der ist auch eine inspirierende Person. Vorbilder sind für mich vor allem Künstler, die sich über einen längeren Zeitraum immer wieder verändert und trotzdem qualitativ Hochwertiges abgeliefert haben. Natürlich gibt es Ausrutscher, Phasen, die jetzt nicht so cool sind, aber die Rezeption verändert sich ja auch. Vor vier Jahren hätte ich noch gesagt: »Scary Monsters« von Bowie, das ist ein Schas [Wienerisch Du hast bemängelt, dass es zu wenig Sex in der deutschsprachigen für Scheiß]. Musik gebe. PH: »Scary Monsters« ist super!


HEUTE

ME: Das hat etwas damit zu tun, dass mir deutschsprachige Musik in den letzten Jahren so erzieherisch erscheint. Die Bands der Hamburger Schule, die waren so kalt. Wir wollten mit der EP mehr Wärme bringen und mehr singen, die Kopfstimme ausprobieren und schauen, was passiert, ohne den Druck, alles 1A richtig machen zu müssen. Ihr habt von Anfang an auf Deutsch gesungen und geschrieben, obwohl das Risiko, »uncool« zu klingen, sehr hoch ist. Stellt ihr diese Entscheidung manchmal noch in Frage? ME: Es gibt Wörter, die klingen auf Deutsch komisch, wenn man sie singt. Und man verbindet mit dem Deutschen oft so einen schlageresken Stil. Man hat schnell das Gefühl, dass Deutsch platt klingt. Bei Englisch ist das ganz anders. Das nehmen wir durch die kulturelle Entwicklung, die wir intus haben, einfach auf und empfinden es als ganz normal. Rückblickend kann ich sagen, dass es eine gute Entscheidung war, nie Englisch zu singen. Denn an der Herausforderung, mit Sprache umzugehen, ist Bilderbuch gewachsen. Die neue EP »Feinste Seide« weist nun den Weg auf die großen Bühnen. In Stücken wie »Maschin« und »Plansch« liegt etwas Naives, das sich beim Lesen der reinen Titel bestätigen lässt. Im Video zu »Plansch« sieht man ein Haus samt Pool irgendwo in der österreichischen Dorfeinöde, ein wenig beklemmend wie die tristen Szenerien von Ulrich Seidl. Wo man bei Seidl einen Liegestuhl nebst Mann in Adiletten mit lechzendem Rottweiler vermutet, schiebt sich langsam der Kopf von Maurice Ernst ins Bild. Mit Sonnenbrille und quietschgelber Hose treibt er auf einer Luftmatratze und singt: »Kind, du musst was lernen, sonst verdienst du nichts.« Zwischen Wassertropfen und dem grellen Azurblau des Swimmingpools lassen Bilderbuch anstelle von dickbrüstigen Frauen lieber Kinder tanzen. Und trotz der ausgelassenen Stimmung wird es plötzlich ganz ernst. »Wenn du alles hast – ersauf dich im Pool«, singt Ernst. Ohne eine Miene zu verziehen. Dieses feine Gefühl für Witz und Hintergründigkeit muss man sich

erarbeiten. In Ernsts Fall geschieht das durch eine Stunde Kreativarbeit täglich, direkt nach dem Aufstehen. Diese unaufgeregte Struktur ist sicher auch ein Grund, weshalb die Band es noch weit bringen wird. Vielleicht haben Ernst und Horazdovsky das auf der Klosterschule gelernt. Davon scheint es auf dem oberösterreichischen Land, wo Bilderbuch aufgewachsen sind, unerwartet viele zu geben. Auch wenn sie in ihren Videos dick auftragen: Dass die Band nicht nur auf Effekthascherei aus ist, beweist schon der Bandname. Bilderbuch, das klingt nach Strickabend und Vorlesestunde, ungefähr so aufregend wie Früchtetee. Aber der Name bleibt, weil die Band auf ihre Geschichte stolz ist. Ganz am Anfang haben sie nämlich Märchen vertont. Sie wollen sich treu bleiben. Und beweisen, dass es scheißegal ist, ob der Name cool klingt, wenn dahinter ein gutes Produkt steht. Jetzt klingelt Ernsts Handy, die Oma ruft an.

Ulrich Seidl Der Wiener Regisseur hat sowohl Dokumentar- als auch Spielfilme gedreht. Zunächst veröffentlichte er Dokumentationen wie »Tierische Liebe« oder »Models«. Im Jahr 2000 kam sein Durchbruch mit dem Spielfilm »Hundstage«. Radikal filmt Seidl Banales und Böses, verstört mit subtiler Grau­sam­keit und eska­lie­render Gewalt, immer mit einem Bezug zu Österreich. Zuletzt veröffentlichte er seine »Paradies«-Trilogie, in der es unter anderem um Sextourismus und missionierende Katholiken geht. Eine der Schauspielerinnen, die Seidl immer wieder besetzt, ist die grandiose Maria Hofstätter.

Was hält die Oma denn von euren Sachen? ME: Sie versteht nicht alles, aber wenn der Beat stimmt, dann findet sie es gut. Weil du absichtlich ein bisschen nuschelst? ME: Na ja. Das klingt jetzt so blöd. Klar versuche ich, Sachen so auszudrücken, dass sie gut klingen. Das kann nuscheln oder eine exaltierte Aussprache sein. Wenn ich mir Bilderbuch im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Bands anhöre, dann verschlucken wir schon mehr oder hauen kryptisch was hin, was erst beim dritten Hören verstanden werden kann. Bei Udo Lindenberg, Grönemeyer oder Falco versteht man ja auch nicht jeden Satz. Meine Oma zum Beispiel beschwert sich über Udo Lindenberg. Jedes Mal, wenn sie ihn im Fernsehen sieht, sagt sie: »Das ist ein komischer Vogel, denn man versteht nicht, was er sagt.« Und das sagt eine Österreicherin über einen Deutschen! In den neuen Songs geht’s unter anderem ums Kiffen. Zu viel für Oma? ME: Über »Spliff« habe ich noch nicht explizit mit ihr gesprochen. Ich glaube aber, dass sie das Wort nicht kennt. Das hoffe ich jedenfalls. Sie hat ja Gott sei Dank kein

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Internet. Es könnte also an ihr vorbeigehen. »Maschin« habe ich ihr gezeigt, und da hat sie selbst gesagt: »Das ist ja sexy.« Das war für mich ein Zeichen des Erfolgs. Bilderbuch ist ein, sagen wir mal, eher schwieriger Name. Ein Risiko? ME: Nein, das ist kein Risiko. Das ist Ehrlichkeit. Was wir heute im Musikbusiness erleben, sind ständige Namenswechsel und Bands, die nicht mehr sind als punktuelle Projekte, die vielleicht zwei Jahre bestehen. Klar, wenn ich jetzt als 25-Jähriger noch mal eine Band starten würde, dann hätte die einen cooleren Namen, der wäre durchdachter. Aber hey, wir sind im Grunde genommen immer noch eine Schülerband, und deshalb haben wir diesen Namen. Es gab Zeiten, da dachten wir: »Geht sich das aus, Bilderbuch?« Aber am Ende macht es uns stärker, weil es bei uns eben diese Geschichte gibt. Und wer sich darauf einlässt, wird belohnt. Unter anderem durch die ganze Geschichte. Warum wird 2015 euer großes Jahr? ME: Weil wir unsere erste eigene Tour spielen und es ohnehin immer schöner wird. PH: Hits, Hits, Hits! Es wird ein Album kommen, auf dem nur Hits drauf sind. ME: Ehrlich, 2014 war schon so super, da kann 2015 nur noch besser werden. Am Ende ist Maurice Ernst ein bisschen enttäuscht, weil keine skandalösen Fragen gestellt wurden. Wirklich rausrücken mit Skandalträchtigem wollte er aber auch nicht. Bei so einer talentierten Band braucht es das vorerst ohnehin nicht. Es geht sich auch so ganz gut aus! — BILDERBUCH »FEINSTE SEIDE EP« (MASCHIN RECORDS) — INTRO EMPFIEHLT DIE TOUR VOM 11.03. BIS 01.04.15


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erade einmal eine Handvoll Songs hat SOAK bisher offiziell veröffentlicht, aber schon eine Zeile für die John-Peel-Grabstein-Liga parat: Mit »A teenage heart is an unguided thought« eröffnet sie ihre zweite Single »B A noBody«. »Der Song handelt von fehlendem Selbstbewusstsein und von dem Versuch, herauszufinden, wer man eigentlich ist, im Herzen. Und ich hatte die Idee, dass letztendlich jeder Niemand ein Jeder sein könnte.« »Be just like me, be a nobody« – unwahrscheinlich, das noch glaubwürdig finden zu können. Denn mit

jedem neu veröffentlichten Song wächst die Aufmerksamkeit, die der jungen Songwriterin Bridie MondsWatson alias SOAK zukommt. Nur fünf Jahre ist es her, dass sie begann, Gitarre zu spielen; seit ihren ersten größeren Gigs vor drei Jahren ist sie weit über die Musikszene ihrer nordirischen Heimat Derry hinaus bekannt. Nun steht ihr erstes Album kurz vor der Fertigstellung, erscheinen wird es 2015 bei Rough Trade. Druck spürt die 18-Jährige dabei kaum: »Ich mache das alles, seit ich 16 bin: auf der Bühne stehen und als ein Act wahrgenommen werden, der Potenzial hat – aber natürlich, es ist toll!«

Es gibt, in ihrer Musik wie im Gespräch, immer wieder Momente, wo die Wahrnehmung umschlägt: Monds-Watsons irisch zerkauter Tonfall ist gleichzeitig maximal excited und über den Dingen schwebend, aber kaum lässt man sich auf die abgeklärte Künstlerin ein, schleicht wieder der Teenager ins Bild. Und umgekehrt. Spannend ist das in den Clips zu ihren Songs: Wenn SOAKs reife Stimme, die britische Kritiker zu Vergleichen mit Cat Power oder Beach House hinreißen ließ, auf das Bild der Skateboard fahrenden oder Ball spielenden Bridie trifft, deren Selbstbeschreibung lautet: »Ich

bin klein wie ein Kobold.« SOAKs Musik ist von der Akustikgitarre bestimmt, aber sie baut Hallräume hoch wie Kathedralen über Texte, die die Dramen und Traumata der Jugend beschreiben – aber nicht als das, was man vermuten mag: als Käse und Kitsch, sondern als das, was sie sind: Gedanken von Menschen auf dem Weg. »Ich möchte nie eine bestimmte Botschaft oder Geschichte in einen Song packen. Wenn ich anfange, Songs zu schreiben, schießen mir Gedanken durch den Kopf, die ich zu ordnen versuche. Ich schreibe über Dinge, die viele Menschen in meinem Alter betreffen. Weil ich in meinem Alter bin. Das ist das, was ich kenne. Ich schreibe, was ich durchlebt habe, aber ich möchte niemanden repräsentieren.« Dieser Satz ist auch ein Hinweis darauf, dass es ihr wichtig ist, trotz ihres Coming-outs nicht primär als »lesbische Musikerin« wahrgenommen zu werden. Es verwundert beinahe, dass die charismatische Performerin dennoch unter einem Künstlernamen auftritt, der die Unmittelbarkeit ihrer Texte ein wenig abfedert. Darum ging es jedoch nie: »Das bin immer noch ich, auf der Bühne, ich nehme keine andere Persönlichkeit an.« Der Name SOAK selbst – eine Verbindung der Worte »Soul« und »Folk« – ist übrigens eine Erfindung ihrer Mutter. Und wieder kippt das Bild. Daran wird man sich gewöhnen müssen, im nächsten Jahr: kippende Bilder, Gegensätze. Und eine junge Künstlerin, deren Name eine Weile bleiben wird. — SOAK »B A NOBODY« (SINGLE / ROUGH TRADE / BEGGARS / INDIGO)


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n der Regel ist es kein großes Ding, wenn man nicht so genau weiß, was man eigentlich machen möchte. Doch wenn man dann irgendwann mal den Stift in die Hand nimmt und den sprichwörtlichen Stapel weißes Papier vor sich zurechtrückt, sollte man schon einen ungefähren Plan im Kopf haben. Das im Oktober erschienene Debütalbum des venezolanischen Produzenten Alejandro Ghersi alias Arca suggerierte weitaus mehr als eine ungefähre Ahnung. »Xen« mutete vielmehr wie die eine, bis ins kleinste Detail durchdachte und akribisch festgehaltene Vision an, die eben nur so und nicht anders funktioniert. Doch tatsächlich hatte der 24-jährige Wunderknabe zu Beginn nicht den blassesten Schimmer, wie »Xen« am Ende eigentlich klingen sollte: »Mir war es viel wichtiger, die Schreibkonditionen so zu gestalten, dass Motive meines Unterbewusstseins ungefiltert in die Musik einfließen konnten«, klärt er auf und ergänzt: »Mein kritisches Bewusstsein diente lediglich dazu, die Ergebnisse später im Sinne eines Gesamtwerkes zu beurteilen und einzuordnen.« Das sagt er so dahin, als wäre der Wechsel zwischen den Bewusstseinsebenen nichts anderes als das Ändern eines WLANZugangs. Vielleicht ist es aber auch der Schlüssel zu diesem abstrakten, mehrfach in sich verschlungenen Stil-Hybriden aus Industrial-HipHop und experimenteller Electronica, der Künstler wie KanYe West, FKA Twigs oder Björk gleichermaßen dazu veranlasst hat, diesen enigmatischen Schöpfer ins Studio einzuladen. Ein Zufall ist es jedenfa lls nicht, dass Ghersi mit seinen äußerst sperrigen Interpretationen kontemporärer elektronischer Musik gerade jetzt so gefragt ist. Die Sehnsucht nach idiosynkratischen Pop-Visionen ist groß, und Künstler wie FKA Twigs zeigten dieses Jahr sehr anschaulich, wie so etwas auch kommerziell aufgehen kann. Ghersis weitaus anspruchsvolleres

Soloschaffen mag vielleicht keinen kommerziellen Impact haben, über den Schleichweg seiner Arbeiten für KanYe West und Co. konfrontiert er aber genau genommen Millionen, die sich »Yeezus« zwar anhören, aber nie einen Blick in die Produzenten-Credits werfen würden, mit den abstrakten, ja, bisweilen verstörenden Motiven seines Soloschaffens. Für Ghersi bleiben beide Tätigkeitsfelder ohnehin nur zwei Seiten derselben Medaille: »Meine Soloarbeit und die Dienste für andere Künstler bedingen einander. Mit jeder eigenen Produktion lerne ich etwas über mich, das ich wiederum auf die nächste Kollaboration anwende.« »Xen« gibt also nur wenig Aufschluss darüber, in welcher Form der Produzent das für nächstes Jahr angekündigte Album von Björk prägen wird, denn so düster und entfremdet es auf seinem Debüt auch zugehen mag – laut Ghersi ist es weniger die emotionale Tristesse, die hier zelebriert wird, sondern vielmehr deren Überwindung. Oder, wie er selbst es viel schöner ausdrückt: »Es ist weitaus prägender, auf ein wunderschönes Licht zu blicken, wenn man sich mitten im Chaos befindet, als aus einer komfortablen Blase heraus.« — ARCA »XEN« (MUTE / GOODTOGO)


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merikanischer Mainst rea m-R’n’ B h at te lange Zeit ein ImageProblem und galt vielen als schwülstiges Hintergrundgedudel für den gelegentlichen GV. Bis plötzlich Frank Ocean und The Weeknd dem Genre eine Generalüberholung spendierten. Zwar säuselte The Weeknd immer noch nur von Sauereien zwischen Schlafzimmer und Clubtoilette, tat dies aber derart unkonventionell, dass es eine Freude war, ihm bei seinen zugedröhnten Ferkelfantasien zuzuhören. Der zweite R’n’B-Revolutionär im Bunde, Frank Ocean, nutzte den Hype seiner Odd-Future-Rasselbande für ein zeitgemäßes Soul-Update. Das bot plötzlich auch Platz für Vergangenheitsbewältigung und Sinnsuche bei gleichzeitiger musikalischer Offenheit in Richtung Indie-Schmindie und Electronica. Dieser kleine Exkurs in die jüngste Geschichte des R’n’B war nötig – denn ohne die Kehrtwende in den letzten Jahren wären Karrieren wie die von ILoveMakonnen gar nicht möglich gewesen. ILoveWer? ILoveMakonnen! Der 25-Jährige aus Atlanta hat mit seinem dünnen R’n’B-Falsett, das bisweilen an das Wimmern eines tieftraurigen Spukgespenstes erinnert, bereits die Aufmerksamkeit von Drake und Miley Cyrus erlangt. Er ist ein schönes Beispiel dafür, dass es 2014 nicht mehr als

ein wenig DIY-Ethos und eines Internetzugangs bedurfte, um binnen kürzester Zeit als einer der heißesten Newcomer des Jahres gehandelt zu werden. Zwar ist der Internetzugang heutzutage eigentlich selbstverständlich, im Falle von ILoveMakonnen war er aber besonders wichtig, schließlich gewährleistete das Internet eine ganze Weile seinen einzigen Kontakt zur Außenwelt. Diese Isolation ist nicht etwa einem in sich gekehrten Teenager-Sturkopf geschuldet, sondern einer tragischen Geschichte, die sich ereignete, als Makonnen Sheran gerade mal 17 Jahre alt war und frisch von der Highschool kam. Während eines Streits mit einem Freund zog dieser plötzlich eine Pistole und fuchtelte damit herum. Die Situation beruhigte sich wieder, doch als die beiden Streithähne ein mit Marihuana gestopftes Friedenspfeifchen rauchen wollten und Makonnen die Waffe beiseitelegte, löste sich ein Schuss. Makonnens Freund war auf der Stelle tot. Wenngleich die Polizei sich zunächst sicher war, dass es sich um einen Unfall handelte, wurde Makonnen wenig später für zwei Jahre unter Hausarrest gestellt. Und was macht man als fußfesselfixierter Teenager mit reichlich Zeit? Man klemmt sich vor den Computer. Makonnens Hausarrest fiel genau in die Blütezeit von MySpace. Auf der ganzen Welt luden Nach-

wuchsmusiker ihre Songs in den integrierten Player des sozialen Netzwerkes. Makonnen hörte sich alles an. Er chattete mit der noch unbekannten Adele, klimperte selbst auf dem Keyboard herum, filterte und sortierte die vielen Einflüsse in aller Ruhe. Kurz: Er probierte sich ohne Druck von außen nach Herzenslust aus. Als er das Haus 2009 endlich wieder verlassen durfte, nannte er sich ILoveMakonnen und ließ seine

an allen anderen vorbeikomponierte, tieftraurige DIY-Musik auf die völlig verdutzte Hörerschaft los. Es brauchte einige Jahre, bis die Menschheit bereit war für die Musik von ILoveMakonnen. Und es brauchte Künstler wie Drake, KanYe West oder Future, die alle auf ihre Art dafür sorgten, dass die Kombination aus Softwarekorrigierter Singstimme und melancholischen Synthie-Flächen derzeit im Rap so angesagt ist wie nie zuvor. ILoveMakonnen hat sich genau diesen Fakt und die eingangs thematisierte Vercoolisierung des R’n’B zu eigen gemacht und daraus gemeinsam mit ähnlich eigensinnigen ATL-Produzenten wie Metro Boomin, Sonny Digital und FKi Musik geschaffen, die ihresgleichen sucht. Wer Songs wie »Tuesday« oder »I Don’t Sell Molly No More« hört, der weiß, warum er als der größte Hoffnungsträger des neuen R’n’B für das Jahr 2015 gilt. — WWW.ILOVEMAKONNE MUSIC.COM


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it den Zwillingen LisaKainde und Naomi Diaz verhält es sich wie mit den beiden Zeichen Yin und Yang. Von ih-

rem individuellen Charakter her einander entgegengesetzt, als Geschwisterpaar aber dennoch aufeinander bezogen, finden die beiden als Duo unter dem Namen

Ibeyi, was auf Yoruba »Zwilling« bedeutet, zu ihrer ganz eigenen Balance. Lisa: »Unsere unterschiedlichen Persönlichkeiten führen oft dazu, dass wir uns in den Haaren liegen. Andererseits lebt unsere Musik von den konträren Impulsen. Ich bin normalerweise eher ruhig und komponiere sanfte, melodische Songs. Naomi liebt HipHop und fügt dem Ganzen eine lebhafte Rhythmik hinzu. In dieser Hinsicht ergänzen wir uns perfekt.« Die eine wollte als Kind Opernsängerin werden und vertrieb sich die Zeit zu Hause am Piano, die andere lebte ihre extrovertierte Seite auf Partys aus und verrät uns stolz, dass sie ziemlich gut im Twerken sei. Kein Wunder, dass ihre Songs nur so vor Eigendynamik brodeln. Der Sound des selbstbetitelten Debüts ist das Ergebnis sowohl eines persönlichen, kulturellen als auch kreativen Kontrastes, der klanglich zwischen traditionellen Elementen der west-afrikanischen Yoruba-Kultur, kubanischer Leidenschaft und französischer Stilsicherheit angesiedelt ist. Geboren in Paris,

lebten Lisa und Naomi zwei Jahre auf Kuba und saugten früh die Geschichte und Kultur des Yoruba-Volkes auf. Der Vater, Miguel »Anga« Diaz, galt bis zu seinem überraschenden Tod im Jahr 2006 als einer der weltweit besten CongaSpieler, war Mitglied des Buena Vista Social Club und gewann sogar einen Grammy. Die Mutter nahm sie oft mit zu Konzerten; der Wunsch, einmal selbst gemeinsam Musik zu machen, kam bei den Zwillingen aber erst später auf, betont Naomi: »Wir haben nie innerhalb der Familie zusammen Musik gemacht, aber viel gemeinsam getanzt. Trotz der Tatsache, dass ich zehn Jahre lang die klassische Form der Percussions studiert habe und Lisa Piano spielte. Erst nach dem Tod meines Vaters begann ich Cajón zu spielen und Lisa zu begleiten.« Bei den Aufnahmen zu ihrem Debüt, unter der Regie von XLRecordings-Chef Richard Russell, lernten die beiden, ihre Leidenschaft für rituelle Yoruba-Gesänge, Piano und Percussions mit elek‑ tronischen Samples zu verbinden. Als bekennende Fans von James Blake orientieren sie sich an einem minimalistischen Klangbild mit elektronischen Akzenten. Die gemeinsame Arbeit förderte aber auch eine neue Form der Verbundenheit: »Die Aufnahmen im Studio waren die schönsten Monate meines Lebens. Wir haben wochenlang zusammen gearbeitet, ohne uns anzuschreien«, berichtet Naomi glücklich. Der teils für Reibung sorgende Ton untereinander weicht auf musikalischer Ebene einer non-verbalen, harmonischen Kommunikation, die Ibeyi im Vorprogramm von Chet Faker schon fesselnd demonstrierten. Tradition und Moderne? Yin und Yang? Oder ganz einfach – Ibeyi. — IBEYI »OYA EP« (XL / VÖ 18.09.14) & »IBEYI« (XL / BEGGARS / INDIGO / VÖ 16.02.15)


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COVER-WELTEN

GEFÜLLTE TELLER


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Mal ehrlich: Es gibt wenig Dinge auf der Welt, die widerwärtiger aussehen als die hier frisch zusammengesammelten gefüllten Teller. Da bleibt nur die Hoffnung, dass möglichst viele da draußen wenigstens die kommenden Feiertage ohne Ohren mit Soße, elektrische Suppe, tätowierte Hähnchen und Meat Loaf mit Ketchup-Frisur verbringen dürfen. Guten Appetit! Zusammengestellt von: Marcus Becker


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VOM KLEINEN GAUNER BIS ZUM BABO Wer ist dieser Mann? Ex-Drogendealer, bester Straßenrapper, Selfmade-Man, vulgärer Sprücheklopfer, verkappter Antisemit, Hitlieferant, Vorbild oder Verderber der Jugend? Oder alles zusammen? Der Offenbacher HipHop-Künstler Haftbefehl wird in viele Ecken gesteckt und wirkt dennoch wenig greifbar. Bastian Küllenberg traf Aykut Anhan in Berlin, um sich für Intro selbst ein Bild zu machen. Fotos: Patrick Desbrosses

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Fabian Giersdorf Der CSU-Jungpolitiker hielt es Anfang 2014 für eine gute Idee, den HaftbefehlTitel »Chabos wissen wer der Babo ist« auf seine Wahlkampf-Plakate zu drucken. Soziale Netzwerke zeigten sich begeistert, teilten und kommentierten. Der Künstler wunderte sich: »Ich frage mich, wie man meinen Songtitel ausnutzen kann, um neue Wähler für sich zu gewinnen. Abgesehen davon wurde bei mir nach keiner Freigabe gebeten! Herr Giersdorf – die Tage erhalten Sie Post von uns ...«

lughafen Köln/Bonn, grauer Himmel, leichte Verspätung. Die Crew ist noch nicht da. Macht nichts, denn dass man überhaupt hier wartet, um zu einem Interview mit Haftbefehl nach Berlin zu fliegen, ist Grund genug, sich die Zeit mit Nachdenken zu vertreiben. Straßenrap im Intro? Das gab es noch nie. Allerdings drängte sich aus diesem Spektrum bislang auch niemand derart auf wie der Offenbacher Aykut Anhan. In den letzten vier Jahren veröffentlichte der 28-Jährige als Haftbefehl drei Alben, von denen es zwei bis in die Top 10 geschafft haben, und gründete sein eigenes Label Azzlackz. 2013 war sein Szene-Hit »Chabos wissen wer der Babo ist« ausschlaggebend dafür, dass »Babo« zum Jugendwort des Jahres wurde. Im Februar dieses Jahres schrieb der CSU-Jungpolitiker Fabian Giersdorf den Songtitel auf sein Wahlplakat – und ging damit baden. Die Musik von Haftbefehl hört man ebenso aus Handylautsprechern auf dem Schulhof wie beim geschmäcklerischen Teil des Freundeskreises. Auf deren Facebook-Profilen ist Haftbefehl längst mehr als ein ironischer Scherz. Vor seiner musikalischen Laufbahn war Aykut Anhan als Kokain-Dealer für Jahre tief in zwielichtige Kreise seiner hessischen Heimat abgetaucht. Eine Erfahrung, die der Künstler ungefiltert auf seinem neuen Album einfließen lässt. Mit »Russisch Roulette« nimmt Haftbefehl endgültig den Mainstream in Angriff, dabei wird er unterstützt vom mächtigen Major Universal. Es gibt also reichlich Anlass, über diesen Mann zu reden. Oder noch besser: mit ihm. Die Wand über der Couch, auf der Haftbefehl zum Interview Platz nimmt, schmückt ein Poster, das die ikonische Szene eines Boxkampfes zeigt: Am Boden der ausgeknockte Sonny Liston, über ihm, triumphierend und grimmig ent-

schlossen, steht Muhammad Ali. »I am the greatest!« Ein Motiv, das sehr gut passt zu einem Genre, dessen Protagonisten sich zuallererst über lautes Kampfgebrüll hervortun und das gerne zelebrieren, wie auch im aktuellen Video zu »Lass die Affen aus'm Zoo«. »Für Streetrap steht nun mal Haftbefehl. Scheiß mal auf die Verkäufe, scheiß auf die Goldenen Platten. Es ist einfach Haftbefehl. Da kommt keiner an meinen Schwanz!« sagt Anhan, dessen Manager während des Interviews anwesend ist und sich gelegentlich am Gespräch beteiligt. »Ich kam 2010 und habe mit meinem Debüt den Style, den Streetrap gefahren ist, auf eine neue Ebene gebracht. Nach vier Jahren wollte ich jetzt einen komplett neuen Style und Sound auf eine Platte bringen. Das ist mir sehr gut gelungen. Streetrap Haftbefehl 2.0.« Es ist das Selbstbewusstsein, das es braucht, um in einer musikalischen Szene zu bestehen, die oftmals eher von Machogehabe und Muckibude als von tatsächlichen Themen oder gar Rap-Talent dominiert wird. Haftbefehl sticht hier heraus, gerade weil er nicht nur laut bellen kann, sondern seinen eigenen Stil herausgebildet hat. Die Art, wie der MC Sprachen vermischt, Wörter dehnt und seine Stimme über den Beat gleiten lässt, ohne sich diesem unterzuordnen, verortet ihn klar in der HipHop-Tradition. »Ich habe Rap-Parts auf der Platte, da können die ganzen HipHop-Journalisten nicht sagen, ob sie Double-Time oder Half-Time sind. Die finden keinen Begriff für diesen Style von Rap«, kommentiert Haftbefehl, den seine Fans verniedlichend Hafti oder ehrfurchtsvoll Baba Haft nennen, nicht ohne Stolz. »Es war mir sehr wichtig, dass ich nicht in irgendeine Schublade gesteckt werde.« Er vermeidet die Technik-Schublade, folgt aber doch einem klaren inhaltlichen Rahmen, wie Anhan erklärt:


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»Der Titel des Albums ist zwar ›Russisch Roulette‹, aber es gibt ein Gesamtkonzept. Wörter, die ich dazu in den Raum schmeiße, sind: 1999, Hardcore, Kokain, vom kleinen Gauner bis zum Babo. Und Frankfurt Hauptbahnhof.« Die Lebenswelt des Straßenrap. Es sind Gangsta-Themen, die Haftbefehl in Liedern verarbeitet, die mal wie überladene Action-Komödien, öfter jedoch wie semi-dokumentarische, rohe Milieustudien anmuten. Hier macht sich bemerkbar, warum in der HipHop-Geschichte viel Wert auf die sogenannte Realness gelegt wurde. »Bei deepen Songs hole ich die Idee und die Atmosphäre aus meiner Vergangenheit. Ich versuche mich mental in meine schlechten Zeiten zu versetzen und gehe da weit zurück«, berichtet der Musiker. »Um Songs wie ›Azzlacks sterben jung‹ schreiben zu können, musst du dich im Dreck und mit Dreck rumgetrieben haben.« »1999« erstreckt sich in drei Parts über das Album und ist einer dieser »deepen« Song, der aus dem tristen Alltag im Blockpanorama erzählt, wo gefährliche Versprechungen und falsche Freunde locken. »Viele Bilder schweben mir im Kopf herum, wenn ich an dieses Jahr denke. Wahrscheinlich verbinde ich sogar Sachen, die 2003 passiert sind, mit 1999. Vielleicht liegt es daran, dass ich damals auf die kriminelle Bahn gerutscht bin.« Eine Bahn, die er mit dem Beginn seiner HipHop-Karriere verließ, in seinen Liedern jedoch bildgewaltig wiederbelebt. »Es gibt Lines, die sich so anhören, als würde ich mich damit brüsten und cool finden, was ich damals getan habe. Aber meistens ist der Abschluss des Parts ein ernster, warnender Satz. Pass auf: Was sich eben so lustig angehört hat, könnte in die Hose gehen! Wir haben grade zwar zusammen gelacht, aber du kannst genauso schnell in Probleme geraten.«

Die Verantwortung dafür, dass manche Kids nicht bis zum Ende zuhören und sich einzelne markige Lines als vermeintliches Lebensmotto herauspicken könnten, sieht der Rapper nicht bei sich: »Man sollte sich mal an Hollywood wenden, wenn man nach der Wurzel der Inspiration von Kriminellen sucht. Wenn ich ›Der Pate‹ oder ›Scarface‹ gucke, werde ich mehr dazu motiviert, kriminelle Sachen zu machen, als nach dem Hören eines Haftbefehl-Albums. Da wird dann gesagt, in Hollywood sei alles nur ein Film. Dann ist es bei uns eben einfach nur Musik.« Ein anderer Vorwurf, der Haftbefehl in der Vergangenheit oft begegnete, ist der des Antisemitismus. Er stützt sich vor allem auf die Textzeile »(Ich) verfluche das Judentum« in »Mama reich mir deine Hand«. Ein frühes Stück, das zwar nie regulär veröffentlicht wurde, aber dennoch bei YouTube landete und hunderttausendfach geklickt wurde. »Ich habe mit 19 oder 20 Jahren eine große Sünde begangen und einen Satz von mir gegeben, der echt beschämend ist«, bezieht Haftbefehl Stellung. »Ich war damals von Leuten umgeben, die Drogen verkauft haben und für die alles, was nicht aus ihren Reihen kam, nicht akzeptabel war. Das ist eine sehr eigene, eine sehr verschlossene Welt. In dieser Welt bildest du dir manchmal keine eigene Meinung. Und wenn du Drogen konsumierst, saugt dein Gehirn erst recht Meinungen anderer wie ein Schwamm auf. Da gibst du Sachen von dir, die du irgendwo aufgeschnappt hast.« Ein weiterer Kritikpunkt liegt weniger lang zurück. Das Lied »Free Palestine« stammt vom 2010er-Debüt »Azzlack Stereotyp«. Im Song ruft Haftbefehl zum Boykott gegen den israelischen Staat auf. »Ich stehe zu dem Song, weiß aber heute, dass ich mich nicht richtig ausgedrückt habe. Ich habe nichts gegen das Land Israel und seine Bürger. Aber was der israelische Staat mit den Palästinensern macht, finde ich nicht in Ordnung. Daher hätte ich damals in dem Song sagen sollen: Boykottiert das Regime von Israel, die Leute, die an der Macht sind, und nicht den Staat, den sie über Jahre aufgebaut haben«, bekräftigt Anhan seinen Lernprozess. »Ich respektiere das Judentum, ich respektiere das Christentum. Ich respektiere jeden Menschen, der seinem Glauben nachgeht. Es ist egal, woran du glaubst – Hauptsache, du glaubst nicht an das Böse.« Womit er eine Position vertritt, die einerseits von den Antideutschen als verkappter »Man wird doch noch was sagen dürfen«-Antisemitismus kritisiert wird. Eine Position, die einem andererseits auch in Diskussionen mit jungen Israelis begegnet, die mit dem Verhalten der eigenen Regierung in diesem Konflikt nicht einverstanden sind. Man solle Religion zwar ernst, aber nicht zu verbissen nehmen, so die Überzeugung des Musikers. Er selbst ist kein praktizierender Moslem, sagt aber, er wäre es in Zukunft gern. Im Video zu »Saudi Arabi Money Rich«, dem überzeichneten Party-Hit und der ersten Single von »Russisch Roulette«, feiert Haftbefehl daher erst mal mit Champagner trinkenden Rabbinern und zeigt eine Frau in Louis-VuittonBurka. Ein comicartiger Rundumschlag im Streetrap-Style. Großmäulig und unterhaltsam. Eben Haftbefehl 2.0. Für ein letztes Instagram-Foto ballt Haftbefehl vor dem Ali-Poster grinsend die Fäuste. Das Gespräch ist zu Ende. 37 Minuten mit dem besten deutschen Straßenrapper. Ob er jetzt greifbarer geworden ist? Schwer zu sagen.

— HAFTBEFEHL »RUSSISCH ROULETTE«

(URBAN / UNIVERSAL / VÖ 28.11.14)

— AUF TOUR VOM 05. BIS 19.02.15

Antisemitismus »Der deutschsprachige Rap hat ein AntisemitismusProblem«, kommentierte die Tageszeitung Die Welt im April 2012 und nannte Haftbefehl sowie seine Label-Kollegen Celo & Abdi als Beispiele. Auch RoyalBunker-Gründer Marcus Staiger äußerte sich 2012 im Rahmen seiner Dokumentation »Juden und Araber in Berlin« besorgt. Er sah in den Anspielungen in einigen von Haftbefehls Liedern die Gefahr, dass »politisch halbgebildete jugendliche Konsumenten einfach das Falsche aus diesen Texten rauslesen«. Gleichzeitig unterstrich Staiger in der Frankfurter Rundschau die Relevanz und forderte, dass »seine CDs in jedem ordentlichen Soziologenhaushalt geführt und seine Texte im Deutschunterricht analysiert werden«.

Straßenrap Als Vorbild für Attitüde und Themen dient der GangstaRap der 90er von West- bis Ostküste, von Death Row bis Mobb Deep. Wenn auch nur wenige aktuelle deutsche Straßenrapper dem Vergleich mit den Klassikern standhalten. Zu den maßgeblichen Alben des Genres zählen hierzulande neben Haftbefehls Debütalbum »Azzlack Stereotyp« auch Bushidos »Vom Bordstein bis zur Skyline« sowie das gesammelte Frühwerk von Kool Savas.


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www.pop-abo.de Akustik-PoP im konzerthAus DortmunD

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PANDA BEAR IM ANGESICHT DES TODES Animal-Collective-Mitglied Noah Lennox sieht sich mit seinem neuen Soloalbum »Panda Bear Meets The Grim Reaper« Auge in Auge mit dem Wechsel der Dinge. Henje Richter sprach mit ihm über ReifeErscheinungen, Guilty Pleasures und natür­ lich über Tiere. Fotos: Pedro Guimarães

B

is Ende Oktober ging es dem kleinen Pandabären noch sehr gut, denn obwohl er den Tod getroffen hatte, den »Grim Reaper«, hielt ihn dieser zärtlich im Arm und streichelte ihn sogar. Doch Halloween änderte all dies. Nun, zumindest in dem Videotrailer (www.pbvsgr. com) zu Panda Bears neuem Album, gerät der Tod zusammen mit der Musik sehr bald völlig außer Kontrolle, und am Ende ist von dem Plüschtier nur noch weißliches Füllmaterial übrig. Es sei Psychoanalytikern überlassen, diese Selbstdarstellung von Noah Lennox zu interpretieren. Doch der Zeitpunkt, zu dem das Video ausgetauscht wurde, zeigt: Wenn Panda Bear sein neues Album »Panda Bear Meets The Grim Reaper« nennt, dann ist damit die HalloweenVersion des Todes gemeint. »Ich will ihn im Zusammenhang mit dem Albumtitel nicht als dunkel und böse verstanden wissen, sondern als Metapher für den ständigen Wechsel der Dinge«, erklärt Noah Lennox im Interview. »Er ist bei mir die Comicbuch-Version seiner selbst.« Die neuen Songs drehen sich demnach um Wechsel und um Identität, doch insgesamt, darauf besteht Lennox, sei es das leichteste Album geworden, das er bisher herausgebracht habe. »Mein letztes Album, ›Tomboy‹, war sehr schwer und kalt, fast schon klinisch zurückhaltend. Dieses ist im Vergleich sehr viel poppiger und oberflächlicher geworden.« Das hänge auch mit dem Alter und einer gewissen Reife zusammen, die Lennox inzwischen erreicht habe. Was früher ein Guilty Pleasure gewesen wäre, sei nun nur noch Pleasure. »Aus welchen albernen Gründen auch immer, ich hätte dieses Album vor zehn Jahren noch nicht machen können«, glaubt er. »Vielleicht gehört zum Älterwerden auch, sich selbst nicht so hart zu bewerten.« Vor zehn Jahren, das war die Zeit, in der Noah Lennox heiratete, Vater wurde und von den USA nach Portugal umzog.


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Peter Kember ... war in den Achtzigern mit seiner eigenen Band Spacemen 3 unterwegs, bevor er später solo als E.A.R. veröffentlichte. Seit der Jahrtausendwende hat er unter anderem für Dean & Britta und MGMT produziert.

Danny Perez ... ist seit zehn Jahren für seine psychedelischen Visuals und Musikvideos für die Bands Black Dice und Animal Collective bekannt. 2010 veröffentlichte er zusammen mit Animal Collective das sogenannte visuelle Album »ODDSAC«.

Die Distanz zu den USA verkompliziert nicht nur die Zusammenarbeit mit Animal Collective, auch die beiden wichtigsten Personen beim Produzieren seiner Soloalben leben anderswo: Produzent Pete Kember, genannt »Sonic Boom«, arbeitet in England und der Videokünstler Danny Perez in Philadelphia. »Mit Pete habe ich jede Menge E-Mails hin und her geschickt, während Danny die Live-Visuals fast ohne mich entwickelt hat«, erzählt Lennox. Mit beiden hat er schon öfter zusammengearbeitet, auch an Projekten der Band. »Aber der große Unterschied zu Animal Collective ist, dass ich mit einer spezifischen Vision an meine eigenen Songs herangehe. Ich habe sie erst in einem späten Stadium mit den beiden geteilt, als sie schon weitgehend fertig waren.« Gerade Pete Kember hat aber einen größeren Einfluss auf den Sound gehabt als je zuvor: »Frühere Versionen der Songs auf dem Album waren viel aggressiver und gingen mehr Richtung HipHop. Er hat Gesang und Schlagzeug mehr betont, wie es sonst eher bei Pop-Alben üblich ist.« Der Gesang ist ja so eine Sache bei Panda Bear, denn meist versteht man nicht wirklich, was er singt. Und auch wenn

er betont, dass sein Gesang auf »PBVSGR«, wie das Album abgekürzt wird, nicht mehr so kryptisch sei wie zuvor, so erklärt sich diese Unverständlichkeit doch aus seiner Produktionsweise: »Beim Erstellen der Songs singe ich meist erst mal Platzhalter zu der Musik. Ich weiß also, wie die Wörter klingen müssen und wie ihr Rhythmus zu sein hat, wenn ich am Ende Lyrics in die dann schon fertigen Arrangements einfüge.« Jeder könne in seinen Songtexten hören, was er wolle. »So bringt jeder Hörer seine eigene Bedeutung in meine Alben ein. Das ist ein Gedanke, der mir sehr gefällt.« Zur Reife gehört dann auch, dass er weniger von sich selbst erzählt als zuvor – weniger seine eigene Person in den Mittelpunkt stellt, sondern eher Geschichten erzählt. Von Tieren beispielsweise, wie in »Mr Noah«, der ersten Auskopplung aus dem Album, das sich nicht nur textlich um einen Hund dreht, sondern auch gleich noch gesampelte Tiergeräusche enthält. »Durch den Vergleich mit tierischen Eigenschaften kann man ja viel über den Menschen an sich aussagen«, meint Lennox. Wo wir schon von Tieren sprechen, muss natürlich erwähnt werden, dass die Restmitglieder des »Tierkollektivs« zurzeit ohne Panda Bear auf einer DJ-Tour durch die USA sind. Da hat mal wieder die Distanz zugeschlagen. »Würde ich mit den anderen in den USA leben, wäre ich wohl auch dabei. Aber so war das zu aufwendig. Ich bin auch sowieso der schlechteste DJ von uns vieren.« Die gute Nachricht sei hingegen, dass sie nebenbei angefangen hätten, an neuen Songs für die Band zu schreiben. »Ich habe jedoch aufgehört, vorhersagen zu wollen, wann etwas Neues von Animal Collective erscheint. Immer, wenn ich das versuche, kommt es doch ganz anders«, erzählt er. Die Prozesse beim Schreiben zusammen mit den anderen seien halt auch sehr viel chaotischer, denn jeder bringe sich an jedem Punkt voll ein. »Für Panda Bear schreibe ich ganz alleine und spiele erst halb fertige Entwürfe nicht einmal meiner Frau vor. Ich bin sonst zu leicht zu beeinflussen und ändere alles immer wieder.« Und obwohl auch Pete Kember erst spät in den kreativen Prozess dieses Albums eingebunden wurde, gäbe es mehr als 200 Versionen jedes einzelnen Songs, so Lennox. »Einige davon habe ich auch schon live getestet und werde es beim Touren im nächsten Jahr wieder tun.« »Panda Bear Meets The Grim Reaper« erscheint auf dem englischen Label Domino Records, denn das bandeigene Paw Tracks wurde letztes Jahr abgewickelt. »Wir wollten uns voll auf die Musik konzentrieren«, erklärt Lennox. »Auch Dave veröffentlicht seine Sachen jetzt auf Domino.« Er meint damit seinen Bandkollegen Dave Portner, der unter seinem Pseudonym Avey Tare in diesem Jahr auch schon ein Soloalbum herausgebracht hat. Es heißt ebenfalls recht gruselig »Enter The Slasher House«. Trotz aller geografischen Distanzen gibt es da also eine eigenartige thematische Ähnlichkeit. »Und auch Flying Lotus mit ›You’re Dead!‹ passt da rein. Aber allzu ernst meint das wohl keiner von uns.« Das ist vermutlich auch eine Reife-Erscheinung: sich selbst am Ende nicht allzu ernst zu nehmen. — PANDA BEAR »PANDA BEAR MEETS THE GRIM REAPER«

(DOMINO / GOODTOGO / VÖ 09.01.15) AUF TOUR AM 10.03.


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Frido ist Sound-Designer und Familienvater. In seiner Freizeit fährt er Skateboard und hört gerne club-orientierte Sounds: „Rap, Drum‘n‘Bass, generell Musik mit viel Bass.“ Frido setzt bei seinen Outfits auf dezentere Farben und da speziell sämtliche Blautöne: „Als hellerer Typ und dann auch noch mit blauen Augen ist man damit immer gut beraten.“

FRIDO

I DA- S O P H I E

Ida-Sophie studiert Musik und Germanistik, arbeitet fürs Radio und ist mit der DJ-Crew von Mash It Up! unterwegs. Was legt sie auf? „Tropical Pop, House, Rap … HipHop ist die Mutter, sage ich immer!“ Sie trägt gerne schwarz, braun, erdige Töne – „keine Neon-Farben, daher bin ich bei den meisten Frauen-Sneakern raus. Die haben eh nicht meine Größe“.

Die Kopfhörer URBANITE (links) und URBANITE XL (oben) von Sennheiser bieten großartigen Sound, tiefen Bass, Telefon-Funktionen sowie urbanen Style in verschiedenen Colourways und sind ab sofort erhältlich. www.sennheiser.de


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TECHNO VS. NOISE

GIPFELTREFFEN IN TOKIO

Foto: Atanas Nasko / fotolia

Wer in letzter Zeit regelmäßig in Techno-Clubs war, dem dürfte nicht entgangen sein, dass sich aktuelle Produktionen immer öfter bei Industrial und Noise bedienen. Während der Red Bull Music Academy in Tokio nutzte Thomas Venker die Gelegenheit, um gemeinsam mit den japanischen Noise-Musikern Keiji Haino, Nakahara Masaya von der Band Violent Onsen Geisha, Yamazaki Maso Takushi von Masonna, Ichirou Agata und Yasuko Onuki von Melt Banana sowie den Techno-ProduzentInnen Sheela Rahman und Jay Donaldson zu eruieren, was genau da von wem warum aufgegriffen wird.

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Ich möchte ganz vorne im Soundprozess anfangen: Was sucht ihr in der Musik? Was wollt ihr durch sie erreichen? YO: Ich habe die Musik als meinen Lebensinhalt erwählt, also mache ich Musik! IA: Immer, wenn ich Musik mache, dann vergesse ich die Zeit. Hänge ich mit Freunden rum, langweile ich mich irgendwann, aber Musik kann ich immerzu machen, ohne dass ich in Zeitkategorien denke. KH: Bei allem, was ich mache, geht es mir darum, die Dinge spannend zu halten, andere und mich zu überraschen. Mein Credo ist, mich nie zu wiederholen. JD: Ein Leben ohne Musik wäre unendlich langweilig. Musik ist gleichbedeutend mit Spaß. Andere Kinder nervte es, wenn sie Instrumente erlernen mussten – mich nie. SR: Mit der Musik kann ich all das ausdrücken, was ich nicht in Worte zu fassen vermag. Sie ist mein Dialog mit der Gesellschaft. NM: Mir geht es darum, für wenig Arbeit so gut wie möglich bezahlt zu werden. Nun, das passiert leider nie. YMT: Ich wollte der existierenden Noise-Musik eine eigene Seite hinzufügen. Da ich ein großer Hardcore- und Punk-Fan bin, wählte ich einen ähnlich expressiven Ansatz. Jedoch mit Effektgeräten, Oszillator und viel körperlichem Einsatz statt mit klassischen Instrumenten wie Gitarre und Bass. Sheela und Jay, ihr habt beide bereits im Berghain gespielt. Trotzdem nehmt ihr aktuell in Tokio an der Red Bull Music Academy (RBMA) teil. Schlicht gefragt: Warum macht ihr als etablierte Künstler das? SR: Das fragen mich viele. Die Academy ist eben nicht für Anfänger, die meisten Teilnehmer haben sich schon einen Namen erspielt und suchen hier vor allem Inspiration. JD: Man bemerkt hier als Erstes, wie wenig man doch weiß. In zwei Wochen lernt man durch die Unmenge an Vorträgen, Studio-Sessions und Auftritten so viel dazu. SR: Am Ende will man alles, was man bis dato erschaffen hat, zerstören und neu anfangen. In den 1990er-Jahren, als die japanische Noise-Musik ihre Genese erfuhr, lagen nicht nur Veranstaltungen wie die RBMA noch in weiter Ferne. Es gab auch weder Internet noch Handys – kulturelle Arbeit war also deutlich regionalisierter und langsamer. Empfindet ihr älteren Künstler die moderne Welt als Fortschritt? Seid ihr neidisch auf Jay und Sheela, denen vieles zuzufliegen scheint? NM: Musik ist für mich eine sehr mit Bedeutung aufgeladene Angelegenheit. Insofern verstehe ich nicht, dass die jungen Leute sie als umsonst gegeben ansehen. Ich habe das Gefühl, dass man heute wohlhabend sein muss, um noch Musik zu machen. Davon zu leben ist sehr schwer geworden. YMT: Andererseits ist heutzutage jeder in der Lage, Musik zu machen und sie über die Welt zu verbreiten. Früher musste man viel härter nach ihr suchen. Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, ob mir persönlich das Internet dabei geholfen hätte.

SR: Das stimmt. Dass man heute potenziell alles haben kann, erleichtert die Sache nicht, sondern überfordert oft auch. Die Parameter der Limitierung sind eher hilfreich für Kreativität. IA: Es ist doch so: Heute gibt es zwar mehr Tools, aber letztlich geht es noch immer um menschliche Interaktion. JD: Ich weiß gar nicht, ob das wirklich so ist mit dem Mehr an Tools. Ich wuchs in einer kleinen Stadt auf. Natürlich hatten wir Internet, aber ich wusste trotzdem nicht, dass ich dort eine elektronische Musikszene hätte finden können. YO: Vieles, was man mit dem Internet machen kann, gelang uns auch so. Wir haben durch die Touren in den beiden letzten Jahrzehnten viele Leute kennengelernt. Sie sind unser Netzwerk, unsere Lebenslinie. Von außen stülpt man Genres ja gerne eine Einheit über. Sehen sich die versammelten japanischen Musiker denn überhaupt alle als NoiseMusiker? YO: Musikalisch empfinde ich uns alle als sehr unterschiedlich, aber dennoch befinden wir uns in einem gemeinsamen Spannungsfeld. Wir sind befreundet, treten zusammen auf und beeinflussen uns so. YMT: Sowohl mit Nakahara Masaya als auch Keiji Haino habe ich bereits gemeinsame Bands gehabt, mit Melt Banana trete ich seit 1990 auf, insofern teilen wir schon viele Ansichten. Sheela und Jay, mich würde interessieren, wie für euch »From Wails To Whispers«, der japanische Noise-Abend der RBMA, war. Die Beteiligten gingen ja mit der Ambition daran, sehr schnell und sehr laut zu spielen. Ist ihnen das gelungen? SR: Ja, es war wirklich alles sehr, sehr laut. Besonders beeindruckt hat mich die Performance von Masonna. Es war so ein unglaublich verdichteter Ausbruch. Die Idee, euch alle zusammenzubringen, basiert ja auf den aktuellen Entwicklungen in der elektronischen Musik. Viele Techno-ProduzentInnen greifen auf Noise-Sounds und -Patterns zurück; Verzerrungen, Rauschen und krachige Soundscapes spielen eine große Rolle. Ist dieser Prozess den japanischen Musikern überhaupt bewusst? YMT: Ich höre eher alte Produzenten elektronischer Musik wie Konrad Schnitzler, Kraftwerk oder das aus meiner Heimat Japan stammende Yellow Magic Orchestra. NM: Als Acid House und Labels wie Warp in den frühen 1990er-Jahren aufkamen, war ich davon begeistert. Ich bin aber kein Freund der aktuellen synthielastigen Produktionen. IA: Meine Band Melt Banana ist offensichtlich beeinflusst von elektronischer Musik. Jemand wie Aphex Twin, der viel Soundforschung betrieben hat und verschiedenste Stile wild miteinander kombiniert und so das Publikum herausfordert, steht uns nahe. Oder auch eine Band wie Atari Teenage Riot. SR: In der Tat sehe ich, was Soundtexturen angeht, viele Überschneidungen zwischen unseren Genres, aber auch in der uns alle vereinenden Do-It-Yourself-Philosophie. JD: Absolut. Wenn man in vielen aktuellen Techno-Tracks die Kick-

Red Bull Music Academy

Keiji Haino

Yasuko Onuki & Ichirou Agata (Melt Banana)

Nakahara Masaya (Violent Onsen Geisha)

Seit 1998 jährlich stattfindende Musikveranstaltung aus Vorträgen, Workshops, StudioSessions und Live-Performances, bei der sich etablierte ProduzentInnen und MusikerInnen sowie hoffnungsvolle Nachwuchstalente zum Austausch treffen. Nach unter anderem London, New York und Madrid war in diesem Jahr Tokio Austragungsort.

Er ist der große alte Mann der japanischen Noise-Musik und durch Kooperationen mit Musikern wie John Zorn, Derek Bailey, Faust, Bill Laswell, Peter Brötzmann und Jim O’Rourke auch außerhalb seiner Heimat bekannt. Haino selbst zählt so unterschiedliche MusikerInnen wie Marlene Dietrich, Charlie Parker und Syd Barrett zu seinen Einflüssen.

Das ehemals fünfköpfige Kollektiv Melt Banana ist zuletzt zum Duo geschrumpft. Von der Reduktion ist live jedoch nichts zu merken, da Onuki und Agata dank der Hinwendung zu einer elektronischeren Produktionsweise nun denselben Krach mit geloopten und gelayerten Gitarrensequenzen erzeugen.

Masaya gilt innerhalb der japanischen NoiseMusik-Szene als der Meister der Irritation. In seinen sich aufbäumenden walls of noise fusioniert er nicht nur Field Recordings und Experimentalmusik, sondern auch überraschende Einflüsse wie Disco und HipHop. Masaya brilliert zudem als in Japan mehrfach ausgezeichneter Schriftsteller und Schauspieler.

Fotos: Thomas Venker

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Drum weglässt, dann hat man mehr oder weniger einen seltsamen experimentellen Track vorliegen. Ein Produzent wie Dave Sumner steht mit seinem Projekt Function dem Noise nahe. SR: Oder Container, den ich neulich im Berghain gesehen habe. Container, also Ren Schofield, ist in der Tat so ein Künstler, den ich im Kopf hatte bei der Vorbereitung dieser Gesprächsrunde: Er produziert dunklen, harten Techno, dem man jederzeit seine Sozialisation mit Hardcore und Noise anhört. SR: Seine Produktionen verbinden Noise und Techno, indem er klassische Techno-Beats mit wirklich verrückten und heftigen Soundtexturen zusammenbringt. Dieser Crossover fasziniert mich, ihn suche ich auch in meinen Produktionen. Oder nimm jemanden wie Ancient Methods, dessen Industrial-Techno Noise-Musik viel schuldet. Wenn man sich dem Publikum zuwendet, merkt man aber massive Unterschiede. Bei Techno kann man letztlich so viel Noise wie gewünscht in die Tracks einfließen lassen – solange der Beat läuft, tanzen alle dazu. Die heftigen Sounds bei einem Noise-Konzert schicken jedoch alle auf eine innere Reise, getanzt wird dazu nicht. Wie erklärt ihr euch das? JD: Nun, das Umfeld und die tradierten kulturellen Verhaltensweisen prägen das Verhalten. KH: Ich muss ja noch mal sagen, dass mich von den aktuellen elektronischen Produktionen nichts wirklich begeistert. Wenn man wie ich seit 45 Jahren jedwede Art von Musik hört, dann versteht man eben sofort, woher die Einflüsse kommen. Diese sind mir derzeit zu deutlich spürbar, da fehlt das Eigene. Keiji Haino, in deiner Arbeit spielt das japanische Musikkonzept »Ma«, der ruhige Raum, eine große Rolle. Genau dieser Zwischenraum nimmt doch aber auch im Techno eine bedeutsame Position ein. KH: Nun, Ma, so, wie ich es verstehe, ist eine Stille, die in unterschiedlichen Gestaltungsformen auftaucht. Wenn Stille immer im gleichen Rhythmus auftritt, wie eben im Techno, interessiert sie mich nicht. Der japanische Begriff steht, zumindest richtig übersetzt, ja auch für den tiefsten emotionalen Moment im Leben des Protagonisten. JD: Sicher gibt es diese statische Stille nicht selten, aber es existieren doch auch ganz andere, nicht so berechenbare Formen. Nimm zum Beispiel jemanden wie Kyoka, die auf Raster-Noton veröffentlicht und auch hier bei der RBMA auftritt. Sie setzt Leerstellen dort, wo man es nicht erwartet, oder nimmt teilweise zumindest verblüffend Spuren aus dem Sound heraus. Man könnte ja auch sagen, dass Stille da anfängt, wo Einsätze minimal verzögert werden. SR: Das Ton-Gitter ist bei Techno natürlich in der Tat vorhersehbarer als bei Noise-Musik, wo viel mehr Freiheit existiert, was die Instrumente und somit die Dynamik-Spielereien angeht. Das ist auch der Grund, warum so viele Techno-Produzenten – und auch ich – die Schnittstelle zwischen den Genres als so reizvoll empfinden und die Noise-Philosophie adaptieren. Wenn ich mir die aktuelle Melt Banana-Inkarnation anschaue, so

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fällt der sehr statische, dem 4-to-the-floor-Techno nicht unähnliche Schlagzeugsound auf. Könntet ihr euch denn eine Kooperation mit elektronischen Musikern vorstellen? IA: Eine sehr gute Beobachtung. Wo andere Noise-Musiker ihre Stücke aus der Improvisation entwickeln, planen wir sie vom Beat ausgehend – eben so, wie viele Techno-Produzenten auch vorgehen. Wir sind derzeit wirklich im Prozess der Zusammenarbeit mit jemandem, dürfen aber noch nicht sagen, mit wem. Lasst uns noch kurz über das Auflegen sprechen. Die wenigsten wissen ja, dass du, Keiji Haino, auch ein sehr aktiver DJ bist. Wie hat man sich deine Sets denn vorzustellen? KH: Ich glaube sehr fest daran, dass ein DJ Musik mehr lieben muss als jeder normale Musik-Fan. Erst, wenn man sein ganzes Leben in den Sound hineinlegt, entsteht wirkliche Musik. Gelingt einem das, dann will sie fließen und fließen und fließen – weshalb ich mit vier CD-Playern gleichzeitig auflege. Welche Rolle spielt das Publikum beim Auflegen? KH: Ich denke generell nicht an die Besucher. Das liegt daran, dass meine Definition von einem DJ eher oldschoolig ist. Als ich ein Kind war, ging es einem DJ nicht um die Unterhaltung, sondern um die Erziehung der Leute, um das Vorstellen von neuer Musik. SR: Als ich vor drei Jahren mit Live-Sets anfing, waren diese noch sehr statisch programmiert und boten mir wenig Freiraum. Das deprimierte mich, ich wollte die volle Kontrolle, eben so wie ein DJ. Also überarbeitete ich mein Set so, dass ich jetzt improvisieren und im Mix von einem heftigen Techno- zu einem deepen House-Track übergehen kann – je nach Stimmung im Raum. NM: Ich wünschte, ich könnte mir den Luxus der Reaktion leisten. Auftritte haben für mich etwas von einem Klempner-Dasein: Kaum habe ich ein Loch geflickt, schon muss ich zum nächsten rennen. YMT: Meine Auftritte dauern derzeit kaum länger als zwei Minuten. Alles muss vorbei sein, bevor das Energielevel sinkt. Alles dreht sich nur um die Frage, wie lange ich volles Tempo gehen kann, die Intensität der Performance ganz oben zu halten vermag. Ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, warum für das Publikum alles immer lange dauern muss. Hat jemand von euch je von einem fertigen Stück gedacht, es sei zu brutal, um veröffentlicht zu werden? SR: Das nicht, aber ich habe auf viele meiner Tracks von Soundleuten und Mastering-Studios negative Kritik bekommen, da sie die Verzerrungen nicht als absichtlich verstanden, sondern als Unfälle. Diese kaputten, verzerrten Schichten aus Noise sind eben nicht jedem vermittelbar. Was für die einen ansprechend klingt, ist für andere eine Zumutung. Nicht jeder versteht unseren ästhetischen Kontext. Ein schönes Schlusswort. Domo Arigato Gozaimasu für eure Zeit. — KEIJI HAINO »THE GREATEST HITS OF THE MUSIC« (BLACK SMOKER / IMPORT) — MELT BANANA »FETCH« (A-ZAP / CARGO) — SHEELA RAHMAN »CRYSTAL CULT 2080« (CREME ORGANIZATION / IMPORT) — PALMS TRAX »FOREVER« (CLONE / IMPORT)

Yamazaki Maso Takushi (Masonna)

Sheela Rahman

Jay Donaldson

Anmerkung des Autors

Takushi hält nichts von langen Auftritten, stattdessen bringt er seine Performances lieber auf den Punkt und macht Schluss, bevor das Energielevel nachlässt. Bis dahin dauert es selten länger als zwei Minuten – danach ist aber in der Tat alles gesagt. Der Name Masonna stellt einen Mix der japanischen Worte Maso (Masochist) und Onna (Frau) dar.

Die Amerikanerin gehört zur neuen Generation von Techno-ProduzentInnen, die dem Genre derzeit wieder eine düstere, krachigere Note verpassen. Ihre auf Labels wie M-Division, L.I.E.S. und Rush Hour erscheinenden Maxis und vor allem ihre Live-Auftritte zeigen sie energisch, unversöhnlich, hedonistisch.

Auch den Londoner Produzenten hat es vor Kurzem nach Berlin gezogen. Dort hat er dank niedriger Mieten nun mehr Zeit, unter seinem Imprint Palms Trax seine Vorliebe für Chicago House in eigene Tracks zu überführen, zusätzlich kann er seinem großen Hobby Skaten nachgehen. Donaldson nahm an der Red Bull Music Academy in Tokio 2014 teil.

Aufgrund der Sprachbarriere (die japanischen Musiker sprechen kein Englisch) und der notwendigen Übersetzungsarbeit konnten nicht alle Musiker zur gleichen Zeit zusammensitzen, sodass Teile des Gesprächs nachträglich auf Basis gleicher Fragestellungen montiert wurden. Der Autor bedankt sich bei der RBMA für die Bereitstellung zweier ÜbersetzerInnen.


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E

s gibt nicht viele international erfolgreiche Autoren, die man locker in einem Popkulturmagazin mit Musikschwerpunkt unterbringen kann. Sie schon. Woran mag das liegen? Amanda Palmer Zum Teil sicher daran, dass mein Background ähnlich ist. ... ist seit 2011 mit Gaiman Ich bin ein Kind der Punk-Bewegung. Wenn ich darüber verheiratet. Vielen dürfte nachdenke, welche Künstler mich zu dem gemacht haben, sie zuerst als Sängerin der der ich heute bin, dann komme ich auf Autoren wie Tolkien Dresden Dolls begegnet sein. oder C. S. Lewis. Sie haben mich im Kindesalter mit Literatur Mittlerweile ist sie als Blogangefixt. Aber ich muss Lou Reed, die New-Wave-Bewegung gerin und Autorin ebenso und eben Punk dazuzählen. Ich bin mit Musikmagazinen bekannt wie als Musikerin. Ihr letztes Album »Theatre aufgewachsen, habe selbst für sie geschrieben und fühle Is Evil« stammt zwar von mich in diesem Umfeld manchmal wohler als in der Lite2012, dafür erschien am raturwelt. Als ich 16 war, gab es einen Punkt, an dem ich 11. November 2014 in den mich für oder gegen eine Musikerlaufbahn entscheiden Staaten ihr Buch »The Art musste. Ich war Teil einer Band, die gerade einen lukrativen Of Asking«, das sie laut GaiVertrag unterschrieben hatte. Als ich vor mir sah, welche man »in wirklich allerletzter Auswirkungen das auf mein Leben haben würde – das Tou- Sekunde vor der allerletzten Deadline« vollendet habe. ren, die Promotion, die Studiozeit –, bin ich ausgestiegen.

NEIL GAIMAN EIN LANGER BRIEF AN AMANDA PALMER Wenn der Comic-Autor und Schriftsteller Neil Gaiman in den USA zur Signierstunde bittet, stehen bis zu 2000 Fans Schlange. Seine Geschichten sind Verteidigungen der kindlichen Fantasie – mit all ihren düsteren Elementen. Der neue Roman »Der Ozean am Ende der Straße« fußt auf dunkel-melancholischen Notizen für seine Ehefrau Amanda Palmer. In Köln erzählte Gaiman Daniel Koch, warum er selbst kein Musiker wurde und was iPad und Kindle mit dem Büchermarkt anstellen. Foto: Frederike Wetzels Ironischerweise werde ich gerade durch meine Frau wieder stärker in diese Welt hineingezogen. Ihr jüngster Roman »Der Ozean am Ende der Straße« ist ein melancholisches Buch. Eine Reise in die Kindheit, aber auch eine Hymne auf die Kraft der Fantasie. Allerdings hat die Fantasie bei Ihnen oft Klauen und Krallen, sie ist Engel und Monster zugleich. Das war schon in »Coraline« so und in vielen anderen Geschichten von Ihnen. Vor allem Ihre Protagonisten im Kindesalter bekommen das zu spüren. Haben Sie das als Kind selbst so empfunden? In meiner Kindheit wünschte ich mir oft, ich wäre ohne die Kraft der Imagination geboren worden. Ich konnte mich selbst immer am besten in Todesangst versetzen. Darin war ich richtig gut. Ich lag im Bett, starrte auf meine Jacke, die an der Tür hing, sah den Schatten, den das Mondlicht an die Wand warf, und wusste plötzlich: »Das ist gar keine Jacke! Da steht der Mann, der mich gleich brutal umbringen wird.« Dann war es für mich real. Andere Kinder schienen das Problem nicht zu haben, also flüchtete ich mich in meine Bücher. Sie waren ein Schutzort für mich. Je fantastischer

Coraline In der Novelle von 2002 muss sich die elfjährige, von ihren Eltern vernachlässigte Coraline gegen die Verlockungen einer imaginierten Parallelwelt wehren, die erst nach und nach ihre Abgründe offenbart. 2009 wurde die Novelle von Henry Selick im 3D-Stop-Motion-Verfahren verfilmt. Intro resümierte damals: »Grimmiger als bei Grimms.«

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die Geschichte, desto sicherer fühlte ich mich. Ich konnte in ihnen leben. In Narnia. In Mittelerde. Der Roman ist Ihrer Frau gewidmet. »For Amanda...«, heißt es im englischen Original, »...who wanted to know«. Sie haben zudem erzählt, er sei als Brief an sie begonnen worden. Was hat es damit auf sich? Amanda war in Melbourne, um ihr Album »Theatre Is Evil« aufzunehmen. Ich vermisste sie sehr und wollte ihr ein persönliches Geschenk machen. Das größte Geschenk, das mir einfiel, war eine Geschichte, die sie an die Orte meiner Kindheit führt, die ich ihr nie zeigen konnte. Weil sie nicht mehr existieren. Bei ihr war das anders: Amanda konnte mir das Haus zeigen, in dem sie aufgewachsen war. Sie führte mich auf den Friedhof, wo ihr Freund Schluss gemacht hat, als sie 16 war. Sie nahm mich mit an den Ort, wo sie ihren ersten Blowjob gegeben hat. Das Buch ist Fiktion, aber das Setting ist so, wie ich es aus meiner Kindheit in Erinnerung habe. Und das junge Ich des Erzählers ist mir sehr ähnlich. Als Autor ist man ein eher gemächliches Veröffentlichungstempo gewohnt. Bei Ihrer Frau ist das andere Extrem der Fall: Sie unterhält über ihren Blog eine Art Standleitung zu ihren Fans. So kann sie mal eben spontan ein Konzert organisieren und die Location, das Equipment, manchmal sogar die Musiker erst kurz vor dem ersten Song finden. Wie empfinden Sie das? Wir sind seit sechs Jahren zusammen. Anfangs dachte ich oft, sie sei völlig verrückt. Aber dann sah ich, dass diese Aktionen fast immer funktionierten und dass ihr diese Unberechenbarkeit große Freude macht. Sie ist ein Mensch, der morgens erst entscheiden will, wie sein Tag aussehen wird. Das resultiert sicher aus ihrem Musikerleben. Zehn Jahre lang wusste sie haargenau, wo sie in drei Monaten sein würde, weil Studiozeiten, Touren, Promo-Termine immer schon mit großem Vorlauf geplant waren. Für sie war es wie eine Befreiung. Mir geht es da inzwischen ähnlich. Wenn ich eine offizielle Lesung mit Signierstunde gebe, stehen in Amerika teilweise bis zu 2000 Menschen Schlange. Also habe ich kürzlich mal um neun getwittert, dass ich am Nachmittag in meinem Lieblingsbuchladen in New York lesen und signieren werde. Da kamen 60 Leute, und ich hatte zum ersten Mal seit Langem wieder die Gelegenheit, tatsächlich mit meinen Lesern zu reden. Es war wundervoll. Ich erwische mich in letzter Zeit oft dabei, dass ich mir ein eBook aufs iPad lade. Wenn ich dann in einem kleinen, schönen Buchladen stehe, überkommt mich immer so ein Gefühl der Schuld. Andererseits lese ich auch mehr, seit ich überall Zugriff zu Tausenden Büchern habe – und so geht es sicher vielen. Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung? Ich glaube, dass diese Entwicklung weder gut noch schlecht ist. Sie ist einfach so, und niemand kann vorhersagen, wie sich das auswirkt. Vieles daran gefällt mir nicht, aber ich sehe auch Positives. Lange dachte man, Amazon kille die Buchhandlungen. Was ja auch stimmt. Andererseits sehe ich, dass es immer mehr unabhängige, liebevoll geführte, gut sortierte Läden gibt. Gleiches gilt für iPad und Kindle: Es werden weniger Bücher gedruckt, aber das betrifft eher diese unschönen, schlampigen Taschenbücher, die nach einmaligem Lesen auseinanderfallen. Wenn die aussterben, werde ich ihnen keine Träne nachweinen. Parallel dazu erscheinen immer mehr wundervoll gesetzte und liebevoll gestaltete Bücher, weil die Verlage gezwungen sind, sich Mühe zu geben. Das ist toll. — NEIL GAIMAN »DER OZEAN AM ENDE DER STRASSE«

(EICHBORN, 238 S., € 18 / VÖ 08.10.14)


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HEUTE

Fotografin: Deniz Alaca / Produktion & Styling: Vanessa Weber, Jenny Weser Haare/MakeUp: Sarah Hartgens / Models: Alina Doblhofer, Carlos Hufschlag, Carlotta Eisele, Danny Baumgart, Greta Galla

N ACHTS IM M US E U M Was passiert, wenn der Wärter abends im anthropologischen Museum das Licht ausknipst? Unsere Version: Die zum Leben erwachten Apachen, Neandertaler, Ritter und Pharaonen verpassen ihrem Look ein Jahrhunderte überfälliges Update. Fell schmiegt sich an Camel, Ethnoprints umarmen Leder, Strick und Mesh sind gemeinsam stark und Gold liebt Blau. (Filmstart von »Nachts im Museum 3«: 18.12.2014)

NACH TS IM M US EUM

Carlos Jacke und Hose: Carhartt WIP Hemd: Lyle&Scott


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Carlotta Jacke: Weekday Oberteil: American Apparel

Lederrock: Weekday Armreif: Stilnest

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Greta Mantel: Weekday, Fellweste: Zara, Oberteil aus Samt: American Apparel, Hose: Helmut Lang (stylist’s own), 3D-Druck-Armreif: Stilnest, Socken: Weekday, Schuhe: Adiletten von Adidas

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Schuhe: Vagabond

Alina Kopfschmuck (stylist’s own) Kleid: Monki

Danny Mütze/ Schal: Zara Jacke und Tanktop: American Apparel

Shorts: Carin Wester Socken: Weekday Schuhe: Dr. Martens


HEUTE

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nummer #14

j e t z t e r h 채 lt l i c h


MORGEN

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MORGEN WAS UNS ERWARTET & WAS ES TAUGT

— Cover des Monats Alex G »DSU« — Nein, das ist keine Sportlermucke, wie das Cover vermuten lässt. Auch kein 08/15-House, wie man bei Band- und Albumtitel denken könnte. Sondern ein wunderbar schrammeliges LoFi-Indie-Album eines jungen Typen aus Philadelphia, das an absurde Klassiker wie Folk Implosion oder Pavement anschließt. Das grell schillernde Artwork stammt übrigens von Alex’ Schwester Rachel. Talent liegt hier also in der Familie.


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MORGEN

PLATTEN VOR GERICHT Intro-Leserinnen und -Leser:

SERDAR SOMUNCU

LARY

Mittippen und via Facebook Juror werden oder mitvoten auf der Intro-App!

THE DØ

GORGON CITY

DAN, OLIVIA

KYE, MATT

Ø 5, 9 0

Ø 6, 0 5

Ø 5,67

Ø 5,98

5,5

01

WANDA »AMORE« PROBLEMBÄR / ROUGH TR ADE

10

7,5

5

D: They sound like Austrian Libertines. I think it would be funny if we understood the lyrics. O: It reminds me of the Finnish bands of the 80s. Are they old?

M: He’s got balls to write a song like this. Doesn’t have a bad voice, reminds me a bit of The Libertines. K: I bet it’s good I don’t understand German!

02

DEAN BLUNT »BLACK METAL« ROUGH TR ADE/BEGGARS / INDIGO

10

Kein Wunder, dass die Leute Salafisten werden! Was ist das?? Frust? Möse? Das ist ja schlimmer als ’ne Sackrasur. Transgender Industrial Frustmösenpop.

5

Ich würd ihn mir lieber auf so ’ner dreckigen Gitarre wünschen. Nee, das ist mir musikalisch zu blumig und Eric-Clapton-mäßig. Aber die Stimme ist geil.

7,5

7

03

JUPITER LION »BRIGHTER« BCORE / THE ORCHARD

6

4

6

4,5

04

JESSIE WARE »TOUGH LOVE« ISLAND / UNIVERSAL

2

9

Sie ist einfach so ’ne krasse Sängerin, die könnte einem wahrscheinlich auch das Telefonbuch vorsingen, und es wäre geil. Ich liebe diese zurückhaltenden tiefen Bässe.

O: She is a great singer. But I am not connecting the visuals to this sound. I miss an identity. D: I like the melody, though.

7

10

05

BEN HOWARD »IISLAND FORGET WHERE WE WERE« / UNIVERSAL

3

8

6,5

O: I know Ben. Good level of musicianship. But the only artist I love with this music is Bon Iver. D: Sounds like you’re sitting by the fire.

7

M: Reminds me of Tracy Chapman. I like how the drums build up. If someone played that, I wouldn’t tell them to turn off. K: Not what I listen to. But great, original voice.

06

…AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD »IX« SUPERBALL / UNIVERSAL

Geiler Beat. Aber das gibt’s halt schon 1000 Mal. Klingt wie The Smiths. Aber die Gitarre ist fett gemischt! Wenn Amis versuchen, britisch zu klingen.

6

5,5

2

1,87

07

LILY & MADELEINE »FUMES« ASTHMATIC KITTY / CARGO

7

6,5

Das mag ich, das hat so ’ne leichte Melancholie ... Ich steh nicht so auf happy. Ein bisschen so wie Boy, nur weniger sassy. Aber perfekt für den Winter in Berlin.

O: Great voice! But you can listen to that like to techno. D: It is so soft! Like on a winter’s night and everything is like ahhhh.

6,5

4,5

08

FRITZ KALKBRENNER »WAYS OVER WATER« SUOL / ROUGH TR ADE

8

5

7,7

8,2

09

KIESZA »SOUND OF A WOMAN« ISLAND / UNIVERSAL

0

6

5

9

10

TOKIO HOTEL »KINGS OF SUBURBIA« POLYDOR / UNIVERSAL

7

4

3,5

2,2

ALL TIME FAVES

MICHAEL JACKSON »THRILLER« STEVE VAI »SEX & RELIGION« TIM MCGRAW »TIM MCGRAW«

THE SMITHS »THE QUEEN IS DEAD« NAS »ILLMATIC«

KANYE WEST »YEEZUS« DIE ANTWOORD »TEN$ION« BECK »THE INFORMATION«

MASSIVE ATTACK »MEZZANINE« LEFTFIELD »LEFTISM« JAMES BLAKE »JAMES BLAKE«

So wünsche ich mir die Sportfreunde Stiller. Eigen. Witzig. Mit Patina in der Stimme. Geil, dass der Österreichisch singt. Gefällt mir.

Das ist Koksmusik. Gehört Mut dazu, so retro zu sein. Was die für ’nen Arsch haben! Es kommt nix, das läuft einfach nur durch. Wie ein ewiges Intro. Der Bass ist geil. Das ist die Beatmachine von Prince! Das ist »Little Red Corvette« mit ’ner Hand im Schritt. Musik für alt gewordene Mädels, die am Prenzlauer Berg wohnen. Die Stimme ist unerträglich! Skip! Tracy Chapman für Spätgeborene nach Geschlechtsumwandlung. Verknöcherte Frauen befingern und dann traurig sein und dann singen.

Mehr kann man zu Vorhersehbarkeit nicht sagen. Wär geil, wenn die mit ’ner JohnnyCash-Stimme gesungen hätte. Wie mit ’ner Gummipuppe bumsen, aus der die Luft rausgeht. Da muss man drupp sein für. Auch ’ne Form von Rausch, nur günstiger. Irgendwie Wichsmusik. Nüchtern ist so was schwer zu ertragen. Aber das groovt wenigstens. Sofort weg! Null! Nicht mal befingernswert. Ganz übel, ganz schrecklich. Da fällt mir echt der Pimmel ab. Das ist Ke$ha für Arbeitslose. Total krasse Scheiße. Das Problem ist, er spricht Akzent. Aber nicht charmant. Kein Album, was voll drauf ist. Ist nah an Helene Fischer. Aber »Run, Run, Run« ist ein großer Track.

Ich mag das musikalisch sehr. Genau mein Ding. Müsste ich mal checken, ob ich auf längere Zeit mit dem Akzent klarkomme. Holt mich aber musikalisch voll ab.

Ist ’ne coole Mischung aus Electronic und Akustik. Find ich irgendwie cool gemacht. Ist nicht so 100% meins, weil ich momentan auf einem anderen Film bin. Aber sehr tasty.

Oha, hat der ’ne schöne Stimme. Ich mag das, dieses leicht Raue, so halb durch die Nase Gesungene ... Voll schön. So wie dieser Justin Nozuka damals.

Nee, das holt mich irgendwie nicht so richtig ab. Ist nicht meins. Schon gut gemacht, aber mir an vielen Stellen irgendwie teils zu emo. Weißt du, was ich meine?

Das ist so krass bei elektronischer Musik, das ist so berechenbar. Man weiß immer, was als Nächstes kommt. Da sind so wenig Überraschungen. Sehr tasty auf jeden Fall. Supergeile Melodieführung. Fett. Und dann wird’s mir aber zu trancy und zu »Bravo Hits«, ist mir schon wieder zu viel. Ich mag Songs, wo nicht so viel drin ist. Mega 90er. Die Art und Weise, wie der phrasiert, ist immer so gleich. Wow, das hört sich hart nach Modern Talking an. Aber ich find die Jungs authentisch. Hat seine Berechtigung.

O: I don’t know that genre. But it’s interesting. Like Joy Division. D: The drums are horrible. A bit like in the 80s. But I still like it.

D: This sounds so old school. It’s not very deep or anything. O: A bit like Flaming Lips. I like the concept of always staying the same.

O: Big. Large. Full sound. But still, you should have some hiphop! D: My god! The drums are horrible. Just horrible! Only Dumdamdum.

D: I like this. But I prefer Paul, actually. This is kind of easy listening. O: Lots of loungy elements. It bores me. Still, there are sometimes interesting elements in his music. O: The 90s are back! But the video for this is great. She’s a good dancer! D: It’s fun. But you can only listen to this in a club.

D: This guy is really sad! Weren’t they more rock before? This is horrible! O: Funny. This is really not our kind of music, even though I’m not against mainstream music.

M: You definitely cannot sing this. Got a certain charm to it, though. This really has character. K: Original. Very interesting. Really quirky.

M: Sounds a bit dull so far. A bit one dimensional. K: I find it hard to say music is bad. It’s only that I don’t enjoy it. I might be bored at a concert.

M: I love the vocals! Really dreamy. This is a very good album. K: Oh I always loved this one! This is pretty amazing! We know her from sort of London.

M: This sounds like teenagers wanting to fight their parents. K: He has quite a drowsy voice. Not very imaginative.

M: The lyrics sound weird and twisted, which I actually like. K: I normally don’t listen to this kind of music. Sounds like what my mum would listen to. M: I like this. Is he quite famous? K: We talked to his brother Paul in Australia at a festival. When he came on stage, everyone went crazy. We had no idea who he was. M: The album is a really good mixture, not only dance songs. I love her voice. K: We love her. Very big fans. She’s very good at recording, very professional.

M: Think I’ve heard about them. This is very generic. Sounds like they’re copying something else. K: The production is very basic.


MORGEN

FRIEDRICH LIECHTENSTEIN

TRÜMMER

INCUBUS

TAMMO, MAXI, HELGE

BR ANDON BOYD

Ø 10, 0 0

Ø 5, 3 8

Ø 6, 8 3

10

KAT MERTENS

SENTA BEST

LESER

INTRO

Ø–

Ø 5,56

Ø 3,7 0

Ø

7,33

6

7

7

Dass ausgerechnet i amoal Österreicher Schmäh auf meinen persönlichen Platz eins wählen würde ...?! Spricht’s für die Band? Wohl eher gegen die restlichen auf dieser Seite.

7,26

10

5

7

7,5

3

King Krule im garstigen rosa Schlafdress, gäääähn.

6,89

10

10

7,8

5

6

Hui, endlich mal f lotter, neumodischer Sound, der nach dem ersten Schreck (Jupiter Jones) dann doch recht pfiffig klingt. Dachte schon, mit Intro ginge es bergab.

6,59

10

5

7

7

2

Pop — poppiger — Jessie Ware. Ist mir zu blondgelockt und klingt noch dazu nach halbnackten, eingeölten Boys auf der Bühne, bäh.

6,56

4,5

7,5

8

3

Och jooo ... aber einmal kurz reinhören reicht dann auch.

6,39

10

9

8

I’m a fan of them. It sounds kind of great. I love the singer’s voice. I saw them once in Los Angeles and it was fantastic.

Ich mag das, wenn Lieder lang sind und sich vor allem auch aufbauen. Klingt interessant.

8

Manche Zeiten sind einfach rum — diese hier schon seit Jahren.

6

6,26

10

5

7

4,5

5

Ganz putzig. Vielleicht müsste man sich für diese puderzuckrigen Folk-Girls wieder auf die Highschool wagen und sich dort ’nen mittelschweren Liebeskummer antrainieren.

6,22

10

2

5

6,5

3

So langsam geht mir mein eigenes Genörgel auf den Nerv: Kalkbrenners Fritz finde ich auch eher belanglos. Weiter bitte!

6,16

10

3

8

2

1

Schon wieder Jessie Ware. Zu allem Überfluss jetzt noch mit schlecht sitzenden Disco-Beats und saudoofen Ahs und Ohs. Doppelbäh!

4,89

10

3

5

1

1

3,98

BARRY WHITE »GOLD« JOSEPH CANTELOUBE »LIEDER DER AUVERGNE« TOM WAITS »RAIN DOGS«

SONIC YOUTH »DAYDREAM NATION« THE CLASH »LONDON CALLING« ANGESCHISSEN »ANGESCHISSEN«

JEFF BUCKLEY »GRACE« PJ HARVEY »STORIES FROM THE CITY« REFUSED »THE SHAPE OF PUNK TO COME«

TOKIO HOTEL »KINGS OF SUBURBIA« FRITZ KALKBRENNER »WAYS OVER WATER« KIESZA »SOUND OF A WOMAN«

BONJAH »GO GO CHAOS« PEARL JAM »LOST DOGS« NIRVANA »IN UTERO«

MINERAL »END SERENADING« ARCHIVE »CONTROLLING CROWDS« YAGE »THE HUMAN HEAD TOO STRONG FOR ITSELF«

Ich hab so ein’ Bock auf einen schönen Absturz. Danke!

Die Intonation ist reizvoll, ein wenig wie beim stolzen Stinkstiefel Lou Reed und den Heroes seiner Zeit. Gute Musik für Mathe-Hausaufgaben. Großes Nervpotenzial. Klasse! Im Kaffee Burger ist es etwas ungeil. Plötzlich wird es geil: Die Band Jupiter Lion spielt. Alle flippen aus. Eine schöne Vorstellung. Danke dafür!

Diese Musik auf den Ohren einer kleinen Berliner Gang, während sie knatternd durch Berlins Mitte cruist und den Mitte-Hipstern den Stinkefinger zeigt. Ich fänd’s so cool.

10

Irgendwie lieb und beruhigend. Danke dafür!

Mein Gott, nervt das! Der Soundtrack für junge Leute, die nerven wollen. Nur zu!

Lana Del Rey hätte was zum Kichern. Wird sie diese Musik hören? Wie wird es ihr dabei gehen? So viele Fragen ... Toll!

Bringt mich immer zum Lachen. Der feierliche Ernst ist zu komisch. Die Imitation von Cool-Sein in den 90ern. Klasse!

Bestimmt eine tolle Frau. Sie soll nicht aufhören! Wer ist die Zielgruppe? Was sind das für Leute?

Ganz normale Popmusik. Das muss man erst mal können. Toll!

H: Die haben voll geile Videos. T: Ich find’s lustig. Ich weiß jetzt nicht, ob das ’ne ganze Platte hält. Vom Hocker haut’s mich nicht. M: Jiiihaa.

T: Ist jetzt aber nicht James Blunt? Der Anfang war geil! H: Ist das ein Sampler? M: Ich glaub, der will anstrengend sein.

M: Ist das die Geschwisterband von Jupiter Jones? T: Klingt, als würden sie aus Düsseldorf kommen. So brutal laut kann ich mir die gut vorstellen. H: Krakeliger Kraut.

T: Hmmmm ... solide irgendwie. Irgendwie okay. M: Eigentlich das Schlimmste, was man über Musik sagen kann, oder? Irgendwie okay.

M: Das ist der Soundtrack für ein HollywoodKitsch-Ende. Einer entsagt sich seiner Mutter und wird doch Jahrgangssprecher in Harvard.

T: Ich glaub, die hatten ziemliche Drogenprobleme. H: Die beste Band, die Hannover je hervorgebracht hat. M: Eine meiner absoluten Lieblingsbands. Zehn fürs Gesamtwerk. T: Ein bisschen traurig. Ich brauch auf jeden Fall gleich ’nen Kaffee. H: Cut.

T: Ich tendiere gegen Null. H: Den Track find ich jetzt geil. M: Ich hatte in einem Jahr Schweinegrippe, da fand ich diesen »Sky&Sand«-Track nicht schlecht. T: Also mich kannst du damit jagen! M: Ich bin grad in so ’ner Katermelancholie. Ist das London Grammar? H: Mir zu glatt.

T: Als A&R würde ich mich scheckig freuen. M: Ich hätt’s ja cool gefunden, wenn die in L.A. mit Rick Rubin gearbeitet und so ein krasses Rockalbum rausgehauen hätten.

Is this okay here, making love to your cousin? Well, certainly unusual this music. There is something about it but again, not really my cup of tea.

I tend to take my time with this kind of music. I have a feeling that Dean Blunt is the kind of music you have to sit with for a long time.

Sounds awesome. Do they sing as well? Reminds me of The Horrors a little bit. I would listen to the record for sure. Maybe like Joy Division ...

I’ve heard this before. She’s a Brit, yeah? Very sexy voice. It stays kind of slow and romantic. Sounds like love-making music. I like it.

I like the production, how dry the drums are. I think I’ll check this out, really. I like the strong imagery, it sounds like driving really, really fast on the highway.

Nice musicianship. I like the guitar sounds and her voice. I would love to see how they look like. They sound pretty soft. The word that comes to mind is »cute«. This is cool, sounds like good driving music. All 90s beat. I will say, this type of thing is not normally my thing. It wouldn’t be fair from me to criticize it too much. Yeah, I’ve heard of her. Is this the video where they are dancing all over Brooklyn? This is so not the kind I would normally listen to. Reminds me of early Madonna. They were very popular, I’ve heard of them. This is the kind of pop music I don’t really like. They like what they are doing, but I don’t understand this. »A« for effort.

ALLIGATOAH

093

Das find ich geil, gefällt mir gut. Haste dir gedacht, mit Cousine ficken ist bestimmt sein Ding. Wanda, die werd ich mir mal merken. Meinen Favoriten haben wir gefunden. Da hat er sich ’ne junge Dame dazugeholt zum Mitträllern, find ich schön. Ich plädiere für mehr Duette. Musik mit viel Raum, als wär’s grad in ’ner Kathedrale aufgenommen. Ich habe noch keine Stimmen bis jetzt gehört. Muss ich mir Sorgen machen? Es sägt und sägt und sägt der Synthie.

Die Strophe gefällt mir richtig gut, hat viel fürs Ohr, womit sich das dann beschäftigen kann. Ich gebe dieser Produktion einen Daumen nach oben. Kann man mal machen. Schöne Gitarrenmelodien, schnelles Gezupfe. Das sind die Sachen, die ich in halber Geschwindigkeit einspiele und dann schneller drehe. Aber ich geh davon aus, der kann das.

Musik für den Teil im Film, wo alles zusammenläuft. Sie ist bei dem anderen, und er sitzt traurig in der Ecke. Aber es gibt noch mal ’ne Chance, denn wir sind in Hollywood. Das hab ich jetzt nicht erwartet. Ich sehe schon die glücklichen Jugendlichen in Berlin tanzen, und die Klischee-Familie sitzt natürlich auch dabei und kauft Zuckerwatte. Also das Tropfgeräusch gefällt mir, da hat sie uns schon wieder entführt an einen kleinen Bach, an dem der Morgentau von den Blumen tropft.

Ich hab ein bisschen gehofft, dass sie mir im Refrain noch erzählen, warum das Mädel jetzt diese Waffe hat. Aber gut, vielleicht reicht es auch, das einfach nur zu wissen.

Coole Jungs, coole Texte, cooler Sound. Hören sich ein wenig an, als wäre man auf ’nem Schützenfest, nur eben cooler.

Sehr chillig und ein wenig surreal. Am besten zu genießen alleine und in Dunkelheit.

Mal was anderes, kann ich mir aber nur bis zu einem bestimmten Moment geben.

Durchaus schönes Album, starke Stimme.

Wunderschön, teils herzzerreißend. Ein mehr als würdiger Nachfolger seiner ersten LP.

Starkes Album, mitreißend. Knüpft an alte Erfolge an.

Erinnern an First Aid Kit, aber bei Weitem nicht so ausgereift. Den Songs fehlt die Tiefe. Ganz nett, aber eben auch nicht mehr.

Eine ziemlich runde Sache. Gut geeignet als Hintergrundmusik beim Lernen.

Ja, sorry, aber damit kann ich echt nichts anfangen. Mir geht dieses Gequäke recht schnell auf die Nerven.

Ernsthaft jetzt? Da verschlägt es einem die Sprache! Bill Kaulitz sollte nicht auf Englisch singen. Die Texte sind hohl, der Sound ist zum Weglaufen.

Ein anderes Tokio Hotel ist möglich. Aber erwartungsgemäß nicht besser. Kings Of Suburbia wird man so nicht! Erst »Durch den Monsun«, dann nur noch »Stormy Weather«?


2014

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MORGEN

095

INTROS LIEBSTE PLATTEN

ANTEMASQUE »ANTEMASQUE« CAROLINE / UNIVERSAL

Noch mehr battle unter: www.intro.de/spezial/spalter

SPALTER

Die nächste Band in der endlosen Reihe von Post-At-The-Drive-In-Projekten. Und trotzdem regt sie uns wieder auf. Sind Bixler und Rodriguez-López nun verrückt oder schlicht alt und langweilig geworden? Hier spielt sich der Streit ab: Die Zeit nach der Ära »At The Zunächst hatte man Drive-In« spaltete ihre Fans in zwei die Vermutung, eine Klassen: Die eine folgte den beiAllstar-Band käme auf den schillernden Band­mitgliedern uns zu. Am Ende sind Omar Rodriguez-López und Cedric Bixler- es drei Mitglieder von Mars Volta, Zavala, zog bei jeder ihrer folgenden Eskapa- für die Chili-Peppers-Bassist Flea die den, ob nun mit The Mars Volta oder ihren oft dicke E-Saite schlug und den Rest des kurzlebigen Einzelprojekten, voll mit und ließ Tages sein Studio überließ. Es hätte sich von ihrem zeitweise spinnerten Großrock die Menschheit schlimmer treffen könbezirzen. Die andere wurde weder mit diesen nen: Am Ende steht ein Stück Musik, das Nachfolgeprojekten noch mit der Karriere des besser ist als die letzte »Kuschelrock«zweiten ATD-I-Teils als Sparta richtig glücklich, Compilation, dem aber der Weirdoweil ihr immer die schlichte Wendigkeit und Wahnwitz und die Helium-Superkräfte Dynamik in der Musik fehlte. Mit den Bosnian von Mars Volta völlig abgehen. Das hier ist Rainbows hat Rodriguez-López letztes Jahr kein Aufreger. Es ist schön schnell, Rockeinen ersten Fingerzeig hin zu neuer, alter Disco-tauglich und auch für SpringsteenSimplizität gegeben, der nächste Schritt dahin Liebhaber nachvollziehbar. Man kann mit heißt nun Antemasque. Denn trotz des einen dieser Platte seine Rente aufbessern, sie wird oder anderen dann doch etwas zu dünnen allerdings nicht in der ersten Reihe stehen, Songs ist deren selbstbetiteltes Debüt genau wenn der Grabredner zum Absatz über das das kleine, dreckige Punk-Album, das sich viele Lebenswerk kommt. Antemasque haben auch so lange von ihnen erhofft hatten. Ambitionen nicht diese berstende Dringlichkeit von At The und Wurzeln stehen hier in einem richtigen Drive-In, ihr ungestümes Brausen kommt eher Verhältnis, mit dem Opener »4AM« und »In aus dem Kopf als vom Herzen. Man hört sie The Lurch« gibt es sogar Hits. Und natürlich ist schreien, ist aber in keinster Weise beunruhigt, das keine »Relationship Of Command«. Das zu verstört oder bewegt. Rückwirkend betrachtet erwarten wäre aber auch Wahnsinn gewesen. das Einsteigeralbum. Ab hier geht’s aufwärts. Christian Steinbrink Carsten Schumacher

BEAR »PANDA BEAR MEETS THE …« 01 PANDA »MAGAZINE 13« 02 BARNT VON SPAR 03 »STREETLIFE« PINK »POM POM« 04 ARIEL TV ON THE RADIO 05 »SEEDS« »ANTEMASQUE« 06 ANTEMASQUE THE JEWELS »RUN THE JEWELS 2« 07 RUN WE ARE SHINING 08 »KARA« KOZE »REINCARPART 2« 09 DJNATIONS ANTILOPEN GANG 10 »AVERSION«

LESERS LIEBSTE PLATTEN »THIS IS ALL YOURS« 01 ALT-J »BEATSTEAKS« 02 BEATSTEAKS KALKBRENNER »WAYS OVER WATER« 03 FRITZ DIE FANTASTISCHEN »REKORD« 04 VIER DELAY »HAMMER & MICHEL« 05 JAN & JULIA STONE »ANGUS & JULIA STONE« 06 ANGUS »EL PINTOR« 07 INTERPOL »OUR LOVE« 08 CARIBOU WALKER + SUNN O))) »SOUSED« 09 SCOTT MOORE »THE BEST DAY« 10 THURSTON SCHICKT EURE TOP 10 AN INTRO, VENLOER STR. 241245, 50823 KÖLN ODER AN CHARTS@INTRO.DE. VERLOSUNGSGEWINNE WINKEN!


096

MORGEN

POPPY ACKROYD »FEATHERS«

ARMS AND SLEEPERS »SWIM TEAM« BARNT »MAGAZINE 13«

DENOVALI / CARGO

FAKE CHAPTER / BROKEN SILENCE

MAGAZINE / ROUGH TR ADE

KLAVIER / ROOIBOS-TEE / AMBIENT Es ist eine erfreuliche Tatsache, dass man trotz der vielen esoterisch-­ intellektuellen Klang­ zutaten von »Feathers« am Ende kaum etwas davon hört. Sicherlich war es für die Londoner Klangkünstlerin und ausgebildete Violinen- und Klaviervirtuosin Poppy Ackroyd ein lustvolles Anliegen, sich für ihr zweites Album an 50 Instrumenten des 16. bis 19. Jahrhunderts aus dem Keyboard-Museum in Edinburgh auszutoben. Viele Saiten der ­Instrumente spielte sie mit Federkielen, während ihr geliebter Blüthner-Flügel und gelegentlich zirpende Field Recordings eine handfeste Grundstruktur für die träumerischen, aber gar nicht entrückten Kompositionen bilden. Atmosphärisch schlägt Ackroyd auf »Feathers« somit dezent eine Brücke zwischen klassischer Klaviermusik und analogen Ambientflächen, denen stets ein Rhythmus innewohnt und die zur Abwechslung mal ganz ohne Sequencer und Synths auskommen. Zielgruppenmusik ohne passende Zielgruppe, die beruhigend oft an Kreidler, Hauschka oder Max Richter erinnert. Klaas Tigchelaar

WISCHI / WASCHI / PURZELBAUM Ist das jetzt noch mal dasselbe rückwärts, oder halten einen die rhythmischen und klanglichen Spiegelungen, mit denen Arms And Sleepers da auf »Swim Team« herumtüfteln, einfach ein kleines bisschen zum Narren? Das neue Album des Bostoner Electro-Duos ist ein Mosaik aus einem knappen Dutzend etwa dreiminütiger Kurzaufsätze über die vielen Rahmen des Möglichen. Max Lewis und M ­ irza Ramic verbauen schichtenweise einfachste Motivbausteinchen, dröseln und dampfen diese dann aber so akribisch auf, dass die Melodien vor ihrer Zeit ins Einschläfernde umschlagen. So, wie auch die Wirkung eines Tees ins ­Gegenteil umschlägt, wenn man den Beutel zu lange drin lässt. Da hilft auch der HipHopBeat nicht weiter. Gesampelte Ausflüge auf den Pausenhof (»Swim Team«) oder in die Kantine (»Hummingbird«) sind fade Ideen selbst zum Wandertag; die hochgepitchten, zerstückelten Damen-Vocals besetzen keine andere Rolle als die der Mücke, die einen noch vom Wegdämmern abhält. Ein Schwimmwettbewerb ist damit nicht zu gewinnen, aber immerhin mehr als der sprichwörtliche Blumentopf. Der Wiederhörwert von »Swim Team« nämlich scheint gegeben, soweit man sich zeitgleich ergänzenden Reizen aussetzt. Seinem Haustier zum Beispiel. Valentin Erning

WIRR / DURCHGEKOCHT / VERFÜHRT Die schönsten, die wichtigsten, die tollsten Platten, das waren schon immer jene, die man nicht sofort verstand. Nicht dass man sich an ihnen reiben müsste, man konnte sie durchaus von der ersten Sekunde an in sich aufnehmen, ja, geradezu herunterschlucken. Es ist nur so, dass das Gefühlschaos, das sie in uns auslösen, nicht mit unserem gewöhnlichen analytischen Raster zu fassen ist. Ich denke bei solchen Worten an Alben wie »Andromeda Heights« von Prefab Sprout, »Ruth Is Stranger Than Richard« von Robert Wyatt oder »Mark Hollis« von Mark Hollis. Allesamt Künstler und Werke, die oberflächlich betrachtet mit Daniel Ansorges musikalischem Katalog nicht viel zu tun haben. Weit gefehlt: Die Art und Weise, wie Ansorge seine Barnt-Musik anlegt, verwebt sie mit ebendiesen Welten. Seine Stücke negieren die klassische Narration von Dance Music, erlauben sich kürzere und längere Motivausflüge und entwickeln so eine rhythmische Wärme, die kaum zu ertragen ist, weil man doch irgendwann gar nicht mehr weiß, was man sich hingeben soll. Ansorges Debütalbum »Magazine 13« beginnt gleich mit dem besten Stück: »Wiggett: So We Know That Hexog****« bäumt sich mit einem eigenartigen, von Dampfgeräuschen angetriebenen Hi-Hat-Tanz auf, in dem schnell die Bass Drum die Führung übernimmt – um sie umgehend wieder an eine süßliche Glockenmelodie zu verlieren. Und das ist nur der Anfang der Verwirrungen: »22:25« ballert wie eine arabische Version von früher LFO-Hysterie um sich, »­Blame A Hill« und »0221 51025XX« schockgefrieren Jean Michel Jarres liebliche SynthesizerFantasien so lange, bis sie zu b ­ röckeln beginnen. Es wäre gelogen, würde ich behaupten, »Magazine 13« auch nur annähernd verstanden zu haben. Hat man aber akzeptiert, dass man dies nicht muss, dann ist es genau so gut. Thomas Venker

ARCHIVE »RESTRICTION« DANGERVISIT / COOP / PIAS / ROUGH TR ADE / VÖ 09.01.15

KEIN / DRAMA / BABY Ach herrje, was zum Geier ist da los? Midlife-Crisis, Geldmangel, Schaffensdrang, Langeweile? Was auch immer Lieblingsbands wie Archive dazu bewegt, Alben in Wettkampfgeschwindigkeit zu produzieren – es führt zu nichts. Seit Mitte der 1990er veröffentlichen die Briten in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Album auf Album. Und fast immer hat darauf jede unscheinbar daher­kommende Note, jede verzerrte Gitarre, ja, sogar jeder HipHop-Groove und jedes noch so dramatisch anmutende Streicher-Arrangement Sinn, Verstand und absolute Berechtigung. Und jetzt das! Songs, die nicht nur in sich, sondern auch untereinander einigermaßen wahllos ­aneinandergereiht erscheinen und leider schwer nach Schnellschuss klingen. Hat man sich den Albumnamen etwa allzu sehr zu Herzen genommen? Zu allem Überfluss sind die Songs nicht mal so schlecht, dass man das ganze Vorhaben beruhigt unter der Kategorie »Totalausfall« ad acta legen könnte. Nein, zwischen gähnender Langeweile und nichtssagender Ausdruckslosigkeit ist »Restriction« stellenweise leider erschreckend hörenswert. Bei diesem Album ist echt auf nichts Verlass. Senta Best

BALL PARK MUSIC »PUDDINGHEAD« EMBASSY OF MUSIC / WARNER / VÖ 09.01.15

AUSTRALO-POP / VIELFALT / SPRUNG Ball Park Music aus Brisbane sind auf dem Sprung, endlich auch die Welt jenseits des fünften Kontinents zu erobern. Für die Arbeit an »Puddinghead« mieteten sie knapp ein Jahr ein Haus in ihrer Heimatstadt. Heraus kamen zwölf Tracks, die einer musikalischen Achterbahnfahrt gleichen: Einerseits ist das Ergebnis spannend, da kein Lied dem anderen gleicht und beim Hören immer neue Aspekte aufpoppen – ganz klar sind Ball Park Music in der Lage, genreübergreifend Songs zu schreiben. Genau darin liegt andererseits aber auch das Problem von »Puddinghead«: Wohin will die Band? Wo ist der rote Faden? Diese Sprunghaftigkeit ist aber nicht nur negativ zu bewerten, sie zeigt auch, dass eine Band Zeit hatte, sich zu entfalten und ihr ganzes Potenzial auszuspielen. Geholfen hat dabei Tony Hoffer, der bereits Beck, The Kooks, Phoenix oder Air unter die Arme griff. Wie eine Mischung aus jenen klingt's auch hier. Michael Gwiozdzik

THE BELLE BRIGADE »JUST BECAUSE« ATO / COOP / PIAS / ROUGH TR ADE / VÖ 28.11.14

QUEER / DUO / GARFUNKEL Barbara und Ethan Gruska wurden in einem Artikel einst zum »queer lady/ lesbro brother-sister duo of your dreams« getauft. Bekanntheit erlangten die Kalifornier jedoch mit dem kleinen, aber feinen Indie-Hit »I Didn’t Mean It« von dem Soundtrack der ironischerweise durch und durch hetero-normativen Teenie-VampirFilmreihe »Twilight«. Nicht unbedingt die ideale


MORGEN

Zielgruppe für den durchaus erwachsenen und komplexen Folk-Rock der Geschwister aus Los Angeles. Jetzt melden sich die beiden Musiker, um die es seit ihrem gleichnamigen Debüt aus dem Jahr 2011 eine Weile still geblieben war, mit einem neuen, vielversprechenden Album zurück. »Just Because« ist ein vielseitiges Singer/ Songwriter-Statement voller poppiger Melodien geworden. Die Spielfreude von Matt And Kim und die Harmonien von Simon & Garfunkel – The Belle Brigade haben bei den besten Duos der Musikgeschichte gelernt. Mit »Not The One« schütteln sie sogar einen waschechten Radio-Hit aus dem Ärmel, der auch HAIM gut zu Gesicht gestanden hätte. Eine Referenz, die man gut so stehen lassen kann, um die Klasse von »Just Because« zu unterstreichen. Katja Peglow

BIBLO »ABSENCE« C.SIDES / ROUGH TR ADE / VÖ 21.11.14

DIE WAHRHEIT #39 Nirgendwo wird die Wahrheit mehr zurecht­gebogen als im Musikjournalismus. Intro übersetzt typische Phrasen ins wirklich ­Gemeinte. gesagt

»Am ausgereiften Sound dieses Konzeptalbums hört man, dass die Band erwachsener geworden ist und ihre Attitüden längst abgelegt hat.« gemeint

»Flaches Album, das den Blick aufs Cover nicht wert ist. Und ohne die bemerkenswerten Star-Allüren machen die nicht mal mehr live Sinn.«

HYPNOSE / DUNKEL / KLANGKUNST Biblo bedeutet im Türkischen so viel wie Schmuckstück. Ein Schmuckstück verbindet man in erster Linie mit dem Glanz und der Leichtigkeit des Schönen. Tatsächlich tischt die in Istanbul lebende Künstlerin Pinar Üzeltüzenci aber etwas ganz Anderes auf, vielmehr klingt ihr Album »Absence« sphärisch und erdschwer. Der Titel deutet auf Biblos Reise zwischen den Welten Berlin und Istanbul und die Gefahr hin, das zu verlieren, was man Heimat nennt. Für dieses Gefühl der Abwesenheit von Wurzeln und von Bedeutung schafft sie einen betont düsteren Rahmen. Produktionen wie »Immune« oder »Forrest In An Ocean« klingen nach David-Lynch-Abgrund, könnten aber auch Teil einer Sound-Installation sein. Auf einen ­durchgehenden Beat verzichtet sie fast immer, während ihre entrückte Stimme intime Einblicke schafft, oft aber nur verstörendes Fragment bleibt. Die düsteren Falsette wie in »Watching« erinnern an alte PJ-Harvey-Platten, huschen gespenstisch durch den Hintergrund und erreichen durch permanente Delays eine Hypnose, einen Trance-Zustand. Keine Platte für sonnige Herbstspaziergänge, eher, um heimlich und einsam ins dunkle Nichts zu starren. Konstantin Maier

­ ahingleitenden Melodien tief in unserer Ohrd muschel ein und lassen uns nicht mehr los. Mit sehnsüchtig beklommener Stimme bringt uns der Wahl-Berliner in Verlegenheit: Er schluchzt im himmlischen »Romeo« so berührend, seufzt sich durch das soulig-verspielte »Soft As Rain« mit so viel zartem Vibe, dass einem fast die Tränen kommen. Hach, und wenn uns Bodan in dem von Synthesizer und Saxofon durchzogenen »Jaws Of Life« auch noch die Worte »I don’t trust you anymore« einflüstert, möchten wir uns nur noch in den Armen liegen und die LP auf unserem staubigen Vintage-Plattenspieler zwei Stücke zurückdrehen. Zur Liebesballade »For Heaven’s Sake (Let’s Fall In Love)<3« reisen wir dann per Zeitmaschine zurück in die swingend-jazzige Crooner-Ära der 1940er und 1950er und geben uns im verrauchten Kellerclub bei einem Glas Rotwein und mit wippenden Köpfen das Ja-Wort. Daniel Voigt

DAN BODAN »SOFT«

BORED NOTHING »SOME SONGS«

DFA / COOP / PIAS / ROUGH TR ADE

SPUNK / CAROLINE / UNIVERSAL

SEHNSUCHT / CROONER / INDIE-SOUL ANTIPODEN / ENNUI / BORE-CORE Draußen wird es kalt – Autismus bei den AntipoZeit für kuschelig-warme den: Fergus Miller aus MelDecken, ein romantisches bourne bleibt beim MusikDate bei Kerzenschein und machen lieber a­ lleine und betörende Musik. Auf der dengelt ­L o-Fi-Indie-Pop Debüt-LP »Soft« des kaauf günstige Mehrspurnadischen Musikers Dan Aufnahmegeräte. Sein Bodan nisten sich die sanft und bedächtig zweites Album »Some Songs« trägt jene Art

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sonnenbeschienene Niedergeschlagenheit zur Schau, die auch Landsfrau Courtney Barnetts Doppel-EP »A Sea Of Split Peas« so bekömmlich machte. Ein gewisses »Es ist mir egal, aber« oder auch ein »Je ne sais quoi« der gepflegten Gitarren-Ennui. Man nannte diese Leute in den 1990ern mal Slacker, und das demonstrativ geringe Aufheben um Bandname, Albumtitel und Covermotiv könnte kaum deutlicher in diese Richtung weisen. Aber diese Lieder wären kaum von Australien um die halbe Welt gereist, würden sie ihr ausdrücklich unduftes Drumherum nicht Lügen strafen. »Some Songs« ist nach Bored Nothings sehr indierockigem Debüt sanfter und vielseitiger geraten und hat sich ohne merkliche Charmeverluste ein Plus an Professionalität draufgeschafft. Singer/Songwriter-Folk und shoegazerndes Gitarrenschichten gehen hier gut zusammen, dazu singt Miller unter Zimmerlautstärke: Dieser hin­reißende Bore-Core ist eben auch ein gelungener ElliottSmith-Wiedergänger. Michael Weiland

JULIAN CASABLANCAS + THE VOIDZ »TYRANNY« CULT / ROUGH TR ADE / VÖ 10.10.14

EIGENSINN / KULT / PRIVATSACHE Die Definition einer Kultplatte könnte folgendermaßen aussehen: M usiker sollten eine ­ ­Vision b ­ esitzen, die neu, nicht risiko­frei und für ein zeitgenössisches Publikum nicht zwangsläufig leicht zu durchdringen ist. Danach bemessen, hat Strokes-Sänger Julian Casablancas mit den letzten Veröffentlichungen seines Privatlabels Cult Records alles richtig gemacht. Denn wie schon beim zuletzt ­erschienenen Soloalbum der Yeah-Yeah-YeahsSängerin Karen O sollte niemand von seiner Soloplatte »Tyranny« gemeinsam mit den recht namenlosen Voidz Material erwarten, das ähnlich massen­kompatibel ist wie das seiner Hauptband. Ganz im Gegenteil besitzen die zwölf ­Stücke einen verschroben kichernden Demooder Jam-Charakter, erinnern mehr an Frank Zappa denn an Lou Reed und versuchen nicht einmal, eine propere Produktion vorzugaukeln. Zwar besitzt Casablancas’ Gesang auch hier die himmelstürmende Harmonik der Strokes, das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Ansonsten besitzt die Platte ein paar Ideen, die Casablancas zukünftig mal verfolgen könnte, denn auf »Tyranny« verbleiben diese Ideen in einem sehr vagen Anfangsstadium. Christian Steinbrink


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MICHAEL CERA »TRUE THAT« MICHAELCER AMUSIC.BANDCAMP.COM

HEIM / VERRAUSCHT / MULTITALENT Dass Michael Cera, spätestens 2007 mit »Juno« und »Superbad« zum Hollywood-Star avanciert, privat Musik komponieren könnte, überrascht nicht. Das Moldy-Peaches-Cover »Anyone Else But You«, das er am Ende von »Juno« zusammen mit Ellen Page überzeugend auf einer Gartenmauer intoniert, lässt im schüchternen Nerd, den er schon als 15-Jähriger in »Arrested Development« mimte, einen Hobby­musiker und Musikfan erahnen. Sein Debütalbum lud Cera nun Anfang August ­angenehm unprätentiös bei Bandcamp hoch – getaggt mit »Home Recording«. Tatsächlich hat das verrauschte »True That« mit den Versuchen der allermeisten Schauspielerkollegen – bemüht, emotionalisiert und erleuchtet beim kritischen Musikpublikum zu punkten (und bereits genau dadurch zu scheitern) – nichts gemein. Die 18 Miniaturen, viele davon instrumental, klingen unglamouröser und entrückter, als ein studentisches Filmprojekt über Außerirdische aussieht. Ceras Songs sind fragile Gebilde zwischen AntiFolk und depressiver Barmusik. Keine Platte, die die Gala rezensieren würde, aber, für Cera ganz offensichtlich wichtiger, auch keine, die der Indie-Blog aus Williamsburg verreißen ­müsste. Unbedingt mal anhören, es kostet nur ein ­Lächeln und damit meine ich: Klick. Felix Scharlau

CARLOS CIPA »ALL YOUR LIFE YOU WALK« DENOVALI / CARGO / VÖ 21.11.14

PIANO / NEO / FRAHM Alle öffentlichen Verlautbarungen über Carlos Cipa vermeiden die Nennung eines Namens in verdächtiger Arglosigkeit. Nun, dann versuchen eben wir, ihn möglichst wertfrei ins Spiel zu bringen: Fans von Nils Frahm könnten sich auch für diesen Künstler begeistern. Vor allem, weil der junge Münchner PianoStudent weit mehr ist als ein Mitschwimmer im Fahrwasser des Berliner Neoklassik-Stars. Zwar einen Cipa und Frahm technische Klasse, ein Hang zum Impressionistischen, Forscherdrang und künstlerische Offenheit, doch beide bestellen ein Feld, das ein unerhörtes Maß an Experimentierpotenzial besitzt. Während Frahm erst mit seinem letzten Live-Album »Spaces« den Klang des Pianos substanziell um neue Sounds ergänzte, gelingt Cipa dies schon mit seinem vorliegenden Zweitwerk »All Your Life You Walk«. Er macht dabei sowohl durch untermalende digitale Sounds als auch durch

fragile Percussion-Arrangements anregende erste kleine Schritte in ein Feld aus klassischer Pianomusik und moderner Elektronik, das bisher selbst von Frahm und Cipa zusammen noch nicht in aller Ausführlichkeit ausformuliert werden konnte. Ein wunderbares Zwischenergebnis ist »All Your Life You Walk« aber allemal. Christian Steinbrink

Leider hat sich der Produzent aus Jacksonville für »Less We Can« mit Sänger Wynton Kelly Stevenson zusammengetan. Der ist der Sohn von Rudy Stevenson, euren Eltern vielleicht noch als Gitarrist von Nina Simone bekannt, und ein sehr guter Sänger. Das Problem ist nur, dass ein guter Vollblutmusiker und ein sehr guter Beatmacher auf »Less We Can« nicht gemeinsam wachsen, sondern sich an ihrem auf Platte gepressten Rumgejamme besaufen und alles um sich herum vergessen. »Lost My Mind« ist ganz nett, ansonsten ist das hier nicht mehr COLDKINGS / SONY / VÖ 12.12.14 als um sich selbst drehende Muckermucke. Mit GLETSCHER / BART / POP geschlossenen Augen, hochgezogenen Schultern Auf dem Coverfoto sieht und schmerzverzerrten Gesichtern. Letzteres der Züricher seinem auch beim Hörer. Songwriter-Kollegen Scott Jan Wehn Matthew verdammt ähnlich, wahrscheinlich ­wegen des dunklen Rausche­ barts. Stilistisch weist das aber auch schon in die richtige Richtung: JIPPIEH! / ROUGH TR ADE Das Solodebüt des Gitarristen der Schweizer WEIHNACHT / LAMETTA / KITSCHFREI Alternative-Band Kejnu klingt wie ein Hybrid Konsequenter geht es aus Matthew und Coldplay. Und wie ein (sie kaum: Erdmöbel legen uns haben es nicht anders gewollt: Im Album-Info endlich ein Weihnachts­ wird er erwähnt, auf dem Cover ist er drauf, album auf den Gabentisch. sogar im letzten Video ist einer zu sehen, also Eines, das man sich schon so lange gewünscht hat, nehme ich die M ­ etapher auf) Gletscher: mächtig, kühl, l­euchtend, erhaben, schimmernd, mit all den vielen seit 2007 abgründig. Aber auch mächtig glatt. Und am jährlich von der Band verschenkten Songs zum Anfang noch ziemlich crispy und griffig, mit Fest wie dem melancholischen »Der letzte deutzunehmender Dauer des Albums aber auch sche Schnee« oder dem klingelnden »Ding Ding hier und da etwas sulzig. Produziert hat Dave Dong« und einigen vortrefflich dazusortierten Odlum (Ex-The-Frames) – und er hat es gut Hits wie »Erster Erster« vom »Krokus«-Album. gemeint. Vielleicht aber hätte er hier und da Der jazzige Flow der mit reichlich Bläsern etwas »abschmelzen« können. Früher träumte ­angewärmten Stücke und die sonore Stimme Dinally davon, S ­ olist auf der Kirchenorgel zu von Markus Berges passen einfach ausnehmend werden. Hört man ihn heute unplugged, verhält gut zu einer Christmas-Platte, auf der uns in der sich diese Platte dazu wie jene Kirchenorgel zu bandeigenen verschroben-feingeistigen Poesie erklärt wird, wie man sich auf Hawaiianisch einer akustischen G ­ itarre. frohe Weihnachten wünscht. Oder wie man Claudius Grigat sich die Zeit damit vertreibt, mit Krümeln von Russisch Brot Orte zu legen, an denen man mal gewesen ist. Richtig stark ist »Muss der heil’ge Nikolaus sein«, eine von Glühwein betrunkene BBE / AL!VE Weißbartpolka mit Akkordeon und allem. Ja, MUCKER / BUMMTSCHACK / SÄUSELN »Geschenk« ist tatsächlich selbiges, macht Spaß, Batsauce dürften die Hip- ist ernst und lustig und traurig und gänzlich Hop-Echthalter der Intro- unkitschig und damit so, wie ein WeihnachtsLeserschaft vielleicht von album geraten muss, um es gernzuhaben. Produktionen für Mr. Lif Kristof Beuthner oder die Jedi Mind Tricks kennen. Und wem diese beiden Namen etwas ­sagen, der weiß auch, dass der Produzent folglich wenig von aktuellen Trap-Trends zwischen MERGE / CARGO / VÖ 10.10.14 808-Geklapper und dumpfen Drei-Ton-Interval- ZIGARETTEN / BLONDIE / POWER POP len halten dürfte. Bei Batsauce werden sich noch »Ex Hex is what your olFinger in der Plattenkiste schmutzig gemacht, der brother’s friends lisalter Funk hochgepitcht und die Drum-Sounds tened to. It’s what your von DJ Premier drum herum gebaut. Die daraus babysitters listened to.« resultierenden Bollerbeats kann man hängen geVerbeugung. Bitte drüblieben oder aber einfach nur traditionsbewusst cken Sie Play und lassen nennen – schlecht sind sie auf gar keinen Fall. sich von drei Frauen jen-

REZA DINALLY »DEPHTS OF MONTMARTRE«

ERDMÖBEL »GESCHENK«

DUCT TAPE »LESS WE CAN«

EX HEX »RIPS«


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seits des Newcomerinnen-Alters zu einem der ­unbeschwertesten Alben des Jahres hinreißen. Schon der Opener »Don’t Wanna Lose« sorgt für spontane Selbstentzündung, und es lauern mit »Waterfall« oder »Hot And Cold« weitere Hits. Die Referenzen des Trios aus Washington sind schnell gefunden. »Rips« hat jene Definition von Power Pop verinnerlicht, die Jonathan Richmans »Roadrunner«, Blondie und die Buzzcocks in den 1970ern sowie die guten Momente der B-52’s und nicht zuletzt »Crush« von den Primitives etabliert haben. Diese Band drückt Zigaretten­ stummel auf dem flauschigen Wolkenbürgersteig aus und ignoriert alle Feuermelder. Musik, wie gemacht für den Soundtrack einer 1990erTragikomödie über junge Erwachsene in kleinen amerikanischen Städten. Ein Sehnsuchtsort, an den man sich von Ex Hex nur allzu gern entführen lässt. Bastian Küllenberg

BRYAN FERRY »AVONMORE« BMG RIGHTS / ROUGH TR ADE / VÖ 21.11.14

BRISE / VERFÜHRERISCH / BALEAREN Seit »Boys & Girls«, dem 1985 erschienenen ­ersten Soloalbum nach der ­Auflösung von Roxy ­Music, klingen alle BryanFerry-Platten mehr oder weniger gleich. Was Ferry seit diesem Album etabliert, ist ein stark verdichteter Sound, der gleichwohl einer luftigen Brise gleichkommt. Wenn der Sound dieser Platte ein Soßenbinder wäre, könnte man sagen: Hier klumpt nichts. Stattdessen stellt sich der Eindruck eines ambientartigen Fließens ein, das sich an keinerlei Widerständen bricht. Nicht dass Missverständnisse aufkommen: Ich liebe dieses Album, weil sein Klang perfekt ausbalanciert ist zwischen Maßlosigkeit und Ökonomie der musikalischen Mittel. Auf diese Weise entsteht eine verführerische suggestive Form von Eleganz, deren einziges Anliegen darin besteht, die Oberfläche zu designen. Die Songs sind so sphärisch organisiert, dass sie fast die Schwerkraft überwinden. Dazu passt Ferrys Selbst­ inszenierung als gebändigter Crooner, der eine Emotionalität ausstrahlt, die immer kontrolliert bleibt. Die Zurücknahme von Ausdruck und Extrovertiertheit zugunsten von weichgezeichneten Texturen bildet das ästhetische Programm dieses Albums. Lange Zeit bewegte sich Ferrys Musik in einem künstlichen, geschlossenen Raum ohne Anschlussmöglichkeiten an andere musikalische Strömungen. In den letzten Jahren ist sein spezifisches Soundverständnis jedoch adaptiert worden von Vertretern elektronischer Musik balearischer Prägung. Zeugnis davon legt die in Zusammenarbeit mit Todd Terje entstandene, extrem entschleunigte Version von Robert Palmers Klassiker »Johnny & Mary« ab. Mario Lasar

FLUG 8 »TRANS ATLANTIK« DISKO B / INDIGO / VÖ 28.11.14

KRAUTROCK / ELEKTRO / KRAFTWERK Man würde diesem Album sicherlich nicht in vollem Umfang gerecht, unterstellte man ihm ein Electroclash-Revival, dennoch lassen sich hier Bezüge zu dieser Spielart elektronischer Musik herstellen. Um das Jahr 2000 herum etablierte sich ein Sound, der Techno mit einer Art Songwriting kreuzte, das klare Anleihen bei New Wave und sexuell aufgeladener Düsternis nahm. Dieser Ansatz ist auch Flug 8 nicht fremd, obgleich man einräumen muss, dass ihre Musik sich tendenziell in einem abstrakteren Rahmen bewegt, der eng mit Krautrock assoziiert scheint. Für Letzteres spricht ein Hang zum ziellosen Mäandern in Spiralen, dem eine angenehm kontemplative Qualität innewohnt. Wenn gesungen wird, macht man nicht viele Worte. Auch in dieser Hinsicht dominiert eine Vorliebe für repetitive Strukturen. Mit schöner Zwangsläufigkeit landet man im Referenzkosmos von Kraftwerk, was nicht so originell ist – geschenkt. Andererseits lässt es sich nicht leugnen, dass diese Form der moderat gezuckerten Elektronik, gepaart mit zivilisiert gelangweiltem, ausdruckslosem Vortrag, eindeutig auf die Düsseldorfer KlangKlang-Betreiber verweist. An die Stelle von urbaner Kultur in Gestalt der Autobahn oder des Neonlichts treten bei Flug 8 allerdings geografische Naturbeispiele zwischen Transatlantik und Ostsee. Dieses Album will sich zwischen Pop, New Wave und Krautrock nicht entscheiden, aber das hat auch niemand verlangt. Dennoch fehlt mir ein bisschen die Konsequenz, entweder Spannung aufzubauen oder dezidiert zirkuläre Selbstzentrierung zu betreiben. Mario Lasar

FOO FIGHTERS »SONIC HIGHWAYS« RCA / SONY / VÖ 10.11.14

CLASSIC / GESTEN / ROCK Ist er noch ein M ­ usiker, oder ist er schon ein ­Regisseur? In den letzten Monaten schien Dave Grohl sein künstlerisches Engagement jedenfalls auf eine andere Profession verlagert zu haben: Erst drehte er einen ­Dokumentarfilm über ein Tonstudio, dann eine Doku-Serie über Kulturszenen verschiedener amerikanischer Großstädte, die schließlich auch noch den Entstehungsprozess seines neuen Albums mit den Foo Fighters lokal wie personell entscheidend prägte und außerdem denselben Titel trägt. Dass Grohl sich mit ­zunehmendem

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Alter der Reflexion seines L ­ ebens und seiner ­Vergangenheit hingibt, hört man »Sonic Highways« dementsprechend deutlich an. Von den wendigen, dynamischen Punk-Songs der Frühphase der Band ist nichts mehr zu spüren, stattdessen definiert er auf acht a­ usladenden Stücken seine Beziehung zum klassischen Hardrock ­seiner Jugend. Led Zeppelin und Queen scheinen durch, in »Outside« sogar sphärische ­Gitarrensoli à la Pink Floyd. Auch textlich ist das Album nie leicht, jugendlich oder an Party orientiert. Grohl beschreibt stattdessen über mehrere Songs hinweg sein ambivalentes Verhältnis zu Gott, Glauben und der Liebe. Das wirkt ähnlich schwer und bedeutungs­schwanger, wie das ganze Album klingt, spiegelt aber auch die Entwicklung der Band im Laufe ihrer Karriere wider. Wie immer in seiner Laufbahn ist sich Grohl der Lebensphase, in der er sich befindet, sehr bewusst und über seine damit v­ erbundenen künstlerischen Ambitionen im Klaren. Das führt dazu, dass »Sonic Highways« eher den Fans der Spät- als denen der Frühphase der Foo Fighters wertvoll sein wird. Christian Steinbrink

FRYARS »POWER« FICTION / CAROLINE / UNIVERSAL

SCHWARZ / WEISS / FILM Schon das schwarz-weißverschwommene Video zum Titeltrack »The ­Power« darf sinnbildlich für Fryars’ Stil verstanden werden. Trotz seiner jungen 24 Jahre kann Benjamin Garretts musikalisches Schaffen rein quantitativ mit jedem Mittdreißiger schon ziemlich gut mithalten. Als Produzent für Lily Allen und Mika bewegte sich der Londoner eher im Hintergrund, und auch bei seinem SoloProjekt Fryars scheinen ständig irgendwelche Elemente im Verborgenen zu bleiben: Im Video zu »The Power« vernebeln Schatten sein Gesicht, auf dem Artwork zur LP versteckt er seine Augen hinter einer riesigen Sonnenbrille. Statt den Künstler in den Vordergrund zu drängen, sind es auf »The Power« die einfachen, aber ­betörenden Melodien, durch die Garretts Stimme funkelt und scheint. Die 16 Tracks komponierte der Produzent als Soundtrack zu einem Film, den es überhaupt nicht gibt. Das eigens für das Album geschriebene Skript half ihm, die Melodien zu einem harmonischen und stimmigen Ganzen zu vereinen. Jeder Track spielt an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit. Das szenische Konzept setzt Garrett um, indem er schimmernde, tanzbare Songs (»Cool Like Me«, »Prettiest Ones Fly Highest«) mit unaufgeregten, ­sphärischen Stücken wie »Love So Cold« und kurzen Dialogen und Tonspuren mischt. Eine Schwarz-Weiß-Produktion wie aus dem Bilderbuch. Nadja Neqqache


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GET WELL SOON »THE LUFTHANSA HEIST« & »HENRY – THE INFINITE DESIRE OF HEINRICH ZEPPELIN« & »GREATEST HITS«

der Kost für depressive Verstimmungen stellen – wäre da nicht das wunderbare »She Treats Me Well«. Doch selbst dieses vermeintliche Liebeslied lässt einen bitteren Beigeschmack zurück, denn es heißt darin: »She’s alright, when everyone is wrong.« Große Gefühle klingen anders. Hier findet sich Teilnahmslosigkeit, verpackt in Folk-Pop, verziert mit Postrock-Zerrungen und CITY SLANG / UNIVERSAL weiträumigen musikalischen Abgründen. Das POP-DANDY / EKLEKTIZISMUS / LAKONIE steht ihm so gut, dass »Keep Your Head Up« Konstantin Gropper a­ lias fast wie ein nett gemeinter Ausrutscher klingt. Get Well Soon bleibt ­seiner Elisabeth Haefs Rolle als verschrobener Tausendsassa mit bizarrem Verweiskosmos treu. Jüngste ­M anifestation BCORE / THE ORCHARD / VÖ 05.12.14 seiner ­u nterhaltsamen PSYCH / ACHTERBAHN / LAVA Diese Spanier wissen zu Sprunghaftigkeit: drei EPs, die an drei aufeinander­folgenden Freitagen im Novemverwirren: Wenn etwa die Beats des Titelstücks ber veröffentlicht werden. Mit der ersten EP ihres Albums »Brighter« »The Lufthansa Heist« kehrt der mittlerweile aufploppen, wähnt man 32-Jährige zunächst zu seinen eigenen Wurzeln zurück, die laut Gropper im College Rock der sich im Universum später Daft-Punk-Epigonen 1990er liegen. Ich kann mich nicht erinnern, ob der tatsächlich mal so lakonisch, dumpf und oder 8-Bit-Punks. Ihre Referenzen sind aber düster klang wie hier, aber nennen wir es mal wechselhaft wie das Aprilwetter. Derselbe die Get-Well-Soon-Note. Die kommt auf der Song feiert Postpunk-Reminiszenzen, die »Henry«-EP, mit der Gropper sich vor seinem dank der Bass-Line von The Fall bis Girls Lieblingsautor Arnold Stadler verbeugt, noch Against Boys reichen. Und mit dem nächsten stärker zum Tragen, vor allem, weil der Multi- Track ist man dann schon wieder wahlweise instrumentalist hier die E-Gitarre meidet und bei Stereolab, Pink Floyd oder verschiedenen sich leicht morbider orchestraler Arrangements Krautrock-Züchtern aus dem ­experimentellen bedient. Mit der dritten EP schafft Gropper dann Lustgarten der Siebziger gelandet. Intensive endgültig Platz für seine forcierten Spinnereien, hand­gespielte Loops kennzeichnen den neoindem er Coverversionen von Künstlern wie psychedelischen Jupiter-Lion-Sound, der fast ­ esang auskommt und nicht nur George Michael, Elton John, den Beach Boys und ganz ohne G den Stranglers in einen Bezug zu der Filmmusik deshalb um die ­eigene Note ringt. Man möchzu Kenneth Angers »Lucifer Rising« setzt, die te den Jungs aus Valencia ihren Kampf nicht immerhin unter Mitwirkung des berüchtig- vorwerfen, wo doch der ­abgefahrenste Soundten Bobby Beausoleil aus der Manson-Family track für nächtliche Achter­bahnfahrten und entstand. Befreit vom Songwriting, wartet Get die schönste Meditations­musik für die ADHSWell Soon bei dieser dritten EP mit regelrecht Kranken der sozialen Marktwirtschaft dabei herauskommt. Rauffahren, abstürzen, runterfarbenfroher Opulenz auf. kommen, rauffahren. Das Leben besteht nun Martin Riemann mal aus Wiederholungen. Dazu kann man gut diese Musik gewordene Lavalampe anstarren. Wolfgang Frömberg

JUPITER LION »BRGHTER«

BEN HOWARD »I FORGET WHERE WE WERE« ISLAND / UNIVERSAL

GANZ / SCHÖN / TRAURIG Die Sonne ist weg: Ben Howard war schon immer mehr als der britische Jack Johnson. Wer auf seinem Debüt »Every Kingdom« genau hinhörte, vernahm auch dort schon reichlich Dunkelheit. Das Zweitwerk »I Forget Where We Were« lässt Sonnenschein und Surferdasein vollends hinter sich und taucht, wie der Name schon sagt, ab in raue Orientierungslosigkeit. Ob das nun ein authentisches Herbstalbum oder pure Marketingstrategie ist, ist letztendlich egal. Trotz deutlicher Radiotauglichkeit könnten manche dieses Album getrost in die Ecke mit

SVEN KACIREK »THE NUTCRACKER SESSIONS« NAIVE / INDIGO

FRICKEL / PLÄTZCHEN / HOMMAGE Grundsätzlich erinnert Sven Kacireks Tschaikowsky-Annäherung an Projekte wie Max Richters famoses »The Four Seasons – Recomposed«: Bei beiden ist ein klassisches Werk Ausgangspunkt einer modernen Bearbeitung, auch wenn die Herangehensweise in diesem Fall ein wenig anders ist. Bediente sich Richter bei seiner Vivaldi-Wiederholung (größtenteils) des Werkzeugs, das auch dem

Komponisten des Originals zur Verfügung stand (will sagen: eines Kammerorchesters), bleibt der Hamburger Musiker näher am Notenblatt, verändert die Instrumentierung aber radikal. Kacirek zwingt der ikonischen NussknackerBallettmusik mit Musique-concrète-Zitaten und perkussiver Frickelelektronik das 20. und 21. Jahrhundert auf. Das knarzt etwas, aber soll es auch – ohne Reibung könnte man sich die Mühe ja auch sparen. Geht die Ouvertüre mit nervöser Spieluhrmelodie noch als Soundtrack zum vorweihnachtlichen Plätzchenbacken in der WG-Küche durch, ist Gefälligkeit dann eben doch nicht das Hauptanliegen dieser klangverliebt zerklöppelten Hommage. Gemastert hat die Platte übrigens der Pianist Nils Frahm, auch so einer, bei dem sich Traditionsverbundenheit und Neutönerei nicht ausschließen. »The Nutcracker Sessions« ist nicht »besser« als das Original, diese Frage stellt sich überhaupt nicht. Ist es anders? Ja. Das ist mehr Daseinszweck, als ihn viele Gitarrenbands besitzen. Michael Weiland

LORD RAJA »A CONSTANT MOTH« GHOSTLY INTERNATIONAL / CARGO / VÖ 28.11.14

STOTTERN / SCHLAUMEIEREI / BEAT Eine konstante, sich nicht bewegende Motte also. Sprich: Ein lichtfixierter Kleinschmetterling, der für den Bruchteil einer Sekunde bewegungslos um die angeknipste Lampe schwebt und mit dem nächsten Flügelschlag schon am anderen Ende der Glühbirne herumzappelt. Dieser Albumtitel beschreibt eigentlich ganz gut, was der britische Produzent Lord Raja auf seinem Debüt veranstaltet, denn das hier ist Auskennerismus im Millisekundentakt, ja, Checker-Schlaumeierei in ihrer reinsten Form. Nichts ist konstant, alles ist möglich und wird schonungslos zusammengeschmissen. Pro Wimpernschlag wird hier auf jedem der zwölf Tracks gleich ein ganzes Dutzend popmusikalischer Ostereier in den Takt gekippt. Hier sekundenbruchteilkurze Sample-Signets aus den großen Hits des letztes Jahres, dort wieder Staubsaugerbrummen, 56k-Modem-Gedudel und Amateurporno-Gekeuche und schließlich eine Runde Footwork-Fratzengeballer. Auf »Yelleo E« gibt’s Kickdrums mit dem Klang enthusiastisch aufploppender Luftpolsterfolie, in »Darwin« hüpft allerfiesestes Quassel-Tourette auf dämonischen Synthie-Stimmspulen herum. Alles wird dann mit den zusammengetackerten Rasseln und Shakern in den bassigen Strudel zu schwierig-schöner Stott-ott-ottermusik zusammengekippt. Zwischen all diesen hyperaktiven Klangcollagen macht auch eine atmosphärische Ambient-Landschaft, die dem Architekten Gottfried Semper gewidmet ist, mehr als Sinn. Überfordernd, anstrengend, aber gut. Jan Wehn


SONNY KNIGHT AND THE LAKES LOOPTROOP ROCKERS »I’M STILL HERE« »NAKED SWEDES« SECRET STASH / CARGO

JAK ARTA / GROOVE ATTACK

LEGENDE / R’N’B / ZEITLOS Ein kleines Stückchen Soul-Geschichte offenbart Sonny Knight hier, fast 50 Jahre nach der Veröffentlichung seiner Debütsingle. 1965 nahm er mit gerade 17 Jahren seine erste 7“ auf, sang danach in Minnesota bei der Funkband Haze und arbeitete dann für sehr lange Zeit als LKW-Fahrer. Ohne sein Wissen war die Single »Tears On My Pillow / Rain Dance« da in R’n’B-Kreisen längst zum Sammlerstück geworden. Doch es brauchte den Gründer des Secret-Stash-Labels und Drummer Eric Foss, um aus dem Trucker Knight wieder den SoulSänger zu machen, der nun mit The Lakers und unendlicher Verzögerung sein Debütalbum vorlegt. Retro­spektiv im allerfeinsten Sinne swingt Knight sich mit ekstatisch einnehmendem Gesang durch klassische Grundübungen aus den Bereichen des Memphis- und ­Northern-Soul, klassischen R’n’B und tiefschwarzen Funk. Ein Bass als bebender Teppich, die Gitarre ein schneidendes Rhythmus­instrument, die Bläser­sätze wie Schubser auf die Tanzfläche, der Lautstärkepegel stetig im roten Bereich – mehr kann man als unbekannte Soul-Legende ja wohl kaum richtig machen. Klaas Tigchelaar

SENDUNG / BEWUSST / RAP Kool Savas, seines Zeichens Kollege der schwedischen HipHop-Gruppe Loop­ troop Rockers, hielt einem imaginären MC-Gegner vor einiger Zeit mal vor, er würde neben dem König persönlich scheiße aussehen »wie der Rapper von Looptroop«. Der heißt Promoe, hat verfilzte Haare, einen langen Bart und tatsächlich etwas zu sagen. Das reichte bei Kool Savas und vielen anderen Rappern schon aus, um die Looptroop Rockers bis heute per se als MC-Kollektiv mit Weltverbesserer-Qualitäten und einer Schwäche für Müsli abzutun. Wobei, eigentlich stimmt das ja sogar. Die Gegner von Promoe, Supreme, Embee und Cosmic heißen nicht Prince Kay One oder Eko Fresh, sondern EU und Waffenlobby. Und weil das Quartett nach der komplett auf Schwedisch eingerappten Platte »Mitt ­Hjärta Är En Bomb« im letzten Jahr für »Naked ­Swedes« nun wieder auf Englisch umgeschaltet hat, ­versteht man auch was davon! Klar, dass das dem 08/15-HipHop-Hörer und -Macher ein bisschen zu anstrengend erscheinen mag. Der Rest bekommt hier aber eine musikalische und sendungsbewusste HipHop-Platte par excellence. Jan Wehn

LAWRENCE »A DAY IN THE LIFE«

MACHINEDRUM »VAPOR CITY ARCHIVES«

MULE MUSIQ / ROUGH TR ADE / VÖ 21.11.14

DISKRETION / KLARHEIT / AMBIENT Peter Kersten, Mitbegründer des Hamburger House-Labels Dial, meldet sich mit einem erstaunlich ­zurückgenommenen Album auf Mule Musiq zurück. Wo andere Künstler ihre elektronischen Kompositionen derzeit gerne mit multiplen Pitch-Shift-Exzessen, mehrfach gefalteten Origami-Rhythmen und plakativer Klang­gestaltung in Szene setzen, herrscht bei L ­ awrence eine befreiende Klarheit. Keine Gimmicks, keine zeitgeistigen Ornamente – dafür umso mehr Liebe zum Detail und molllastige Harmoniefiguren. Die Bassdrum ist hier ohnehin auffällig abwesend, Kersten spannt viel lieber kontemplative Klangräume auf. Kurz: »A Day In The Life« ist ein Ambient-Werk der klassischen Machart. Das mutet mit Blick auf Kerstens bisheriges Schaffen zunächst einmal ungewöhnlich an, ist es aber im Grunde gar nicht, denn die Idee von Ambient war selbst den clublastigeren Produktionen des Hamburgers stets inhärent. Mit »A Day In The Life« wird diese Idee eben nur ein Stück weit konkreter. Philip Fassing

NINJA TUNE / ROUGH TR ADE

SCHLAFLOS / SEHNSUCHT / CITY Nach fiebrigen Architekturträumen hat der Wahlkreuzberger Travis Steward beschlossen, ­seine illusorische Traumstadt zu vertonen. Mit »Vapor City Archives« setzt er nun e­ inen Schlusspunkt hinter sein einjähriges »­Vapor City«-Projekt. Der verkappte ­Romantiker verwebt, vertrackt, verdreht dabei Jungle-Rhythmen mit fragmentierten und ­geloopten Vocal-Samples. Fast klingt es, als wären Four Tet und Burial auf einem MDMARausch und würden nicht merken, dass sie ihre Tracks versehentlich in doppelter Geschwindigkeit abfeuern. Ein Genre, das man kurzerhand als Juke’n’Bass bezeichnen könnte. Die Vocal-Samples Stewards sind immer noch die distanziertesten und einsamsten und kommen aus einem unendlich langen Tunnel, wie in »Safed« oder »Hard 2 Be«. Doch Tracks wie »Boxoff« sprechen eine deutlichere, eine massivere Sprache. Schrilles Pfeifen weit im Hintergrund wird durch Synthesizer abgelöst, die wie auf nassem Boden fluoreszieren. Bässe schrau-


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ben sich bis zur Atemnot in die Höhe. Immer schneller rast der Puls, diese Droge ist ihr Geld wert. Dabei sind es nicht nur die Beats, die das System durchschütteln, sondern die k ­ omplexen musikalischen Feinheiten, die Stewart in sie flechtet. Das Besondere an den MaschinedrumProduktionen bleibt die Ambivalenz zwischen Smoothness und Nachdrücklichkeit, zwischen Hypnose und Eigensinn, zwischen schlaflosem Antrieb und unendlicher Sehnsucht. Konstantin Maier

DAN MANGAN + BLACKSMITH »CLUB MEDS«

verrückter Beats und treibender Rhythmen zu hören, alles in einen gut zusammenhängenden Mix gemischt. Interessant ist das allemal, manchmal auch lustig, aber leider mit Tendenz zu lachhaft. Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass Monsieur Dupieux in L.A. zu viel der dortigen Beatmaker-Szene um Brainfeeder ausgesetzt war, ganz zu schweigen von einem verhängnisvollen US-EDM-Einfluss. Mr. Oizo und Ed Banger insgesamt waren zwar noch nie für Subtilität bekannt, der Bass wirkt hier aber einfach billig, und die Sounds sind insgesamt effekthascherisch sprunghaft. Da kann auch keine headbangende Handpuppe mehr helfen. Henje Richter

CITY SLANG / UNIVERSAL / VÖ 09.01.15

STUR / KANADA / KNORRIG Weil Dan Mangan und seine neue Band Black­ smith mit musikalischer Tuchfühlung eher geizen, muss es einmal mehr ihre PR-Abteilung richten. Und was käme da als Aufhänger gelegener als das heimische Kanada, das Land der Grizzlys und Holzfäller? Immerhin haben der doppelt JUNO-geschmückte Mangan und seine Truppe einer Verantwortung gegenüber ihrem Herkunftsland nachzukommen. Ob dieser mit antagonistischer Instrumentierung, sturer Melodieverhinderung und einer Stimme, die nach viel Bart klingt, schon Genüge getan ist, sei einmal dahingestellt. Fakt ist: »Club Meds« macht unruhig, und das, obwohl es sich eigentlich der Beruhigung verschrieben hat. Würden nicht durchgehend im Hintergrund klangliche Eigenleben erwachen und würde Dan Mangan nicht so viele Hüte in den Ring werfen, könnte man hier von einer Indie-Folk-Platte unter vielen sprechen. Dem ist glücklicherweise nicht so. »Club Meds«, das immerzu den Bordstein der Dissonanz entlanggrindet, ist zweifellos ein hartes, holziges Stück Arbeit gewesen. Damit es besser rutscht, sei Ahornsirup empfohlen. Valentin Erning

MUSÉE MÉCANIQUE »FROM SHORES OF SLEEP« GLITTERHOUSE / INDIGO

WINTER / HAFEN / TAMBURIN Man muss ja vorsichtig sein mit der Projektion von Sehnsuchtsmomenten in die popularitätsgeschuldet grassierende Welle von Folk-Pop-Veröffentlichungen. Gerade dann, wenn man Gedanken über Musik aufschreibt. Schließlich ist die Projektionsfläche nicht selten sehr flach, noch weniger selten sind die projizierten Sehnsüchte arg kitschig. In Musée Mécaniques zweitem Album nach dem vor vier Jahren veröffentlichten, sträflich unterschätzten Debüt über das damalige City-Slang-Sublabel Souterrain Transmissions kann man aber voller Wonne baden. Denn zum einen macht das Album mit seinen Seefahrer-Motiven selbst Sehnsuchtsmotive auf, und zum anderen ist es in seiner sinnlichen Vollmundigkeit auch noch ganz wunderbar geraten. Es hat den warmen Choral-Gemeinsinn der Fleet Foxes, die kleinteiligen, liebevollen Lo-Fi-Arrangements von Locas In Loves »Winter«-Album und den konzeptionellen Überbau von Erland Coopers tollem Magnetic-North-Projekt. Umgedeutet ist es das perfekte Album für die Winterweihnacht, wenn man eine solche Dimension von Kitsch denn zulassen will. Am passendsten wäre es, BR AINFEEDER / NINJA TUNE / ROUGH TR ADE würde man den Winter an einem Seehafen SPIELKIND / ED BANGER / SPRUNG verbringen. Die singende Socke, ach Christian Steinbrink nein, die scratchende Handpuppe Mr. Oizo von Quentin Dupieux ist STA ATSAKT / ROUGH TR ADE mit Album Nummer acht MANN / MANN / MANN zurück. Dupieux lebt inAch, warum muss denn zwischen in Los Angeles, immer ein Konzept drum vermutlich wegen seines zweiten kreativen rum geschwurbelt werFeldes: seiner Filme. Er ist aber immer noch den? Der Mann beziehe integraler Bestandteil von Ed Banger Records, sich auf »die sogenannten jenem französischen Label, das für seine ­Partys Mann-Protokolle der drei und Musik ohne Genre-Grenzen, dafür aber Protagonisten Berthold, sehr viel Bang bekannt ist. Auch auf »The George und Ray Mann«. Aha. Das sei »eine Art Church« ist wieder ein Reigen wilder Töne,

MR. OIZO »THE CHURCH«

DER MANN »WIR SIND DER MANN«

­ roduktionstagebuch, bevor die drei Männer P mit ihrer Musik endgültig in der Virtualität verschwanden«. Hui. Die Gründungsbesetzung von Die Türen, der Maler Helmut Kraus und die Kölner Animationsfirma Industrie-SaugerTV wollten sich nun diesem Werk widmen. Na denn. Ob man das so formulieren muss, um die Pop-Förderung der Initiative Musik zu bekommen, die diesem Album zugutekam? Vermutlich. Macht wohl mehr Eindruck, als schlichtweg zu sagen: »Hey, wir haben geile Sätze in der Schreibhand, tolle Musiker, ‘nen duften Maler-Kumpel und eine Firma, die uns fesche Videos baut.« Was der Wahrheit näher käme. Denn natürlich gibt’s die Mann-Männer nicht wirklich, und auch die »Mann-Protokolle« geben nicht mehr her, als den Türen nicht selbst eingefallen wäre. Aber das ist ja schon eine ganze Menge! So ist »Wir sind der Mann« eben nicht das große, durchgedrehte Konzeptalbum zum Thema »Wann ist der Mann ein Mann?«, sondern ein unterhaltsames Stück Irrsinn, mit ein paar Hängern und ein paar Knallern, die sagen, was Mann mal sagen sollte. »Erst wenn der Letzte gegessen ist, werdet ihr merken, dass keiner mehr da ist, in den Supermärkten, in den Biomärkten« zum Beispiel. Oder: »Die Nachbarn, die mich achten, werd ich bald vermutlich abschlachten, denn den Unsinn hält auf Dauer doch keiner aus.« Oder: »Was passierte mit ›Fick dich, werd nicht tun, was du mir sagst‹?« Daniel Koch

PANDA BEAR »PANDA BEAR MEETS THE GRIM REAPER« DOMINO / GOODTOGO / VÖ 09.01.15

UNVERSTÄNDLICH / FREI / HIPPIE-POP Von den notorisch umtriebigen Animal-Col­lectiveMitgliedern ist Noah Lennox alias Panda Bear mit Abstand das agilste. In seiner Person kommen all die Diskurse um die Band zusammen, verdichtet sich der Mischmasch aus Krautrock, Psychedelica, Avant­gardeElectronica und Free-Noise zu einem Pop, wie er heute Konsens sein könnte, wenn den Hippies nicht die Ideale ausgegangen w ­ ären. Mit »Panda Bear Meets The Grim Reaper« ­begibt sich Lennox nun auf die Suche nach einer neuen Herangehensweise an das Sampling. Er ­bemüht einen klassischen Trick, den man von Daft Punk kennt, die auch gerne ihre eigenen Helden adaptieren, und wählt den Chicagoer HipHop-Produzenten 9th Wonder als Paten für das Album. Was die Break-Rate merklich erhöht und die Drum-Samples heftiger scheppern lässt. Gleichzeitig wirkt das Album aber auch verschwommen. Lennox’ großes Talent war ja schon immer, avantgardistisches Unterfangen und experimentelles Austoben lieblich zu eichen


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MYSTERIES »NEW AGE MUSIC IS HERE« FELTE / CARGO

OSAKA MONAURAIL »RIPTIDE«

A DIVISION OF A.S.S. CONCERTS

KID A / SYNTHIE-POP / ÜBERRASCHUNG Der Einstieg in »New Age Music Is Here« ist nicht gerade einfach. Der Titel, die mysteriösen Band­ fotos und schließlich das an Aphex Twin erinnernde Chaos im Opener, das sich nur langsam zu ordnen scheint. Was zum Teufel soll das? Wer etwas Griffiges sucht, wird hier zunächst kaum Halt finden. Doch warte erst ab, wie die Geschichte weitergeht, denn spätestens ab »Newly Thrown« entwickelt die Musik einen Sog. Mit breiter Brust gleiten die Mysteries zu kantig knarzenden Drums durch die düsteren Tracks und mischen voller Selbstverständnis Harmonien mit gelegentlichen Dissonanzen. Manchmal gibt es Schmackes, doch meist geht es langsam und sexy wie im wunderbaren »Authenticity Machine« zu. An den starken Stellen, die sich im Laufe der zwölf Tracks häufen, könnte man das Album als das »Kid A« der Wild Beasts verkaufen. Fans von experimentellem

OSCAR AND THE WOLF »ENTITY«

Synthie- und Electro-Pop sollten hier hinter die Maske schauen, denn die Mysteries haben mit ihrem Debüt zwar nicht die suggerierte New Age Music, aber dafür einige verdammt gute DEBONAIR / PIAS / ROUGH TR ADE new adventures in hi-fi vorgelegt. RUDEL / KINDERBUCH / VERGESSEN Beschäftigt man sich mit Sebastian Jegorow Oscar And The Wolf, bleibt so manches ein wenig schleierhaft. Wer genau UNIQUE / GROOVE ATTACK verbirgt sich überhaupt ANZUGPFLICHT / JAPAN / FUNK hinter dem Namen, der Die Zeiten, in denen die auch ein Kinderbuch für ebenbürtigen (oder s­ ogar Fünf- bis Achtjährige betiteln könnte? Die Rebesseren) D upl i k ate cherche ergibt erst einmal eine Person: Sänger westlicher Produkte oder Max Colombie. Doch hinter den zart-melanPopkultur-Phänomene aus cholischen Klängen, die mit der EP »Imagine Japan herüberschwappten, Mountains« 2010 erstmals leise anklopften, sind lange vorbei. Heute stecken eigentlich vier junge Belgier, die sich wird in den restlichen asiatischen Ländern in ihrer Heimat bereits eine handfeste Fanbase noch billiger kopiert. Was auch ein bisschen erspielt haben. In Interviews, auf Fotos und darüber aussagt, wo die bereits 1992 in ­Osaka in sämtlichen sozialen Netzwerken zeigt sich gegründete, neunköpfige Funkband Osaka Colombie gerne alleine, als Kopf der Band, die Monaurail um Bandleader und Rampensau anderen bleiben im Hintergrund. Und auch Ryo Nakata mittlerweile steht. Andererseits wenn es seine einzigartige, ungreifbare Stimist der ungestüme Sound, der nach möglichst me ist, die den selbstvergessenen Sound der hoher Deckungsgleichheit mit James Brown, Band ausmacht, ist es dennoch das Wolfsrudel, Bobby Byrd und Curtis Mayfield strebt, auch das die zarten Synthies, die hypnotisierenden nicht allzu schwierig zu verstehen – sofern Downtempo-Beats, die sinnlichen Melodien man eben den »Funk« im Blut hat. Und das und knisternden Electro-Elemente kreiert. kann man den Osakas auch auf ihrem siebten Das Debütalbum »­Entity« weicht klanglich Album anstandslos bescheinigen. Ob die Kopie deutlich von der 2013 neu veröffentlichten nun besser ist als die (authentischen) Originale, »­EP-Collection« ab, die Band zeigt sich nicht bleibt letztlich Geschmackssache und Stilfrage mehr ganz so cheesy, wagt mehr. Traumwandzugleich. In einer Funk-Grabbelkiste der aus- lerisch wie The xx, verlockend wie Sade und sterbenden Sorte Secondhand-Plattendealer überraschend wie David Lynch – da dürfte es würde das (natürlich ebenfalls erhältliche) Vinyl nicht lange dauern, bis sich die Fanbase auf ganz von »Riptide« jedenfalls in allen Belangen eine Europa ausweitet. gute Figur machen. Nadja Neqqache Klaas Tigchelaar

SELECTIVE ARTISTS

und letztlich Dreampop mit den Mitteln der Sturheit zu erzeugen. In seiner Musik wird der Eklektizismus unserer Tage auf die Spitze getrieben und zugleich aufgelöst. Klar denkt man auch bei ihm an den aktuell so omnipräsenten Arthur Russell, und ja, auch Lennox hat den warm knisternden Dub-Sound aufgesogen, seine Krautrock-Historie parat, kennt jeden Rückwärtsdreh und weitere Verspultricks, aber am Ende aller Studio-Sessions ist er vor allem eines: ganz bei sich. Thomas Venker

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KENSINGTON 26.01.15 29.01.15 30.01.15 31.01.15 02.02.15 03.02.15 04.02.15 05.02.15 06.02.15 07.02.15

BERLIN HAMBURG MÜNSTER KÖLN STUTTGART FRANKFURT WEINHEIM MÜNCHEN NÜRNBERG LEIPZIG

TICKETS UNTER 0 18 06 - 570 060

ANNENMAYKANTEREIT 15.01.15 EUROSONIC 29.01.15 KARLSRUHE 31.01.15 WITTLICH 01.02.15 MANNHEIM 03.02.15 MARBURG 04.02.15 JENA 07.02.15 ANNABERG 08.02.15 LEIPZIG 13.02.15 HAMBURG

14.02.15 KIEL 16.02.15 POTSDAM 19.02.15 DRESDEN 20.02.15 ERLANGEN 22.02.15 MÜNCHEN 23.02.15 INNSBRUCK (A) 25.02.15 KONSTANZ 27.02.15 AARAU (CH) 28.02.15 STUTTGART

(0,20 €/Anruf, Mobilfunkpreise max. 0,60 €/Anruf)

03.03.15 WIESBADEN 04.03.15 ASCHAFFENBURG 06.03.15 FULDA 07.03.15 AACHEN 10.03.15 OLDENBURG 11.03.15 OSNABRÜCK 13.03.15 PADERBORN 14.03.15 ESSEN

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JULI 15.03.15 WUPPERTAL 16.03.15 KÖLN 18.03.15 MÜNCHEN 19.03.15 STUTTGART 20.03.15 LEIPZIG 21.03.15 LUXEMBURG (L) 23.03.15 AURICH 24.03.15 HAMBURG 25.03.15 FLENSBURG 27.03.15 BERLIN


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ARIEL PINK »POM POM« 4AD / BEGGARS / INDIGO

CAMPY / INFANTIL / LO-FI Ariel Pink auf Solopfaden? Nicht ganz, auch wenn es die Verkürzung im Künstler­namen vermuten lässt. Im Gegenteil: Mehr als je zuvor soll der exzentrische Songwriter im Studio mit Freunden und Kollegen zusammen gearbeitet haben, darunter auch Kim Fowley. Pinks chaotischer Eklektizismus unterscheidet sich noch immer grundlegend von den sorgsam gepflegten Referenzsystemen gewöhnlicher »retrofizierter« Bands. Während jene eigentlich immer sehr genau wissen, was sie da tun, zeichnet sich Pinks Zitattechnik gerade dadurch aus, dass sie einen völlig unbekümmerten, fast schon infantilen Angang an das pop-historische Archiv besitzt. So passiert es, dass auf »Pom Pom« eine an parodistische Albernheit grenzende Power-Metal-Ballade von einer campy Yacht-Rock-Nummer abgelöst wird – nur um im nächsten Moment wieder mit Bauhaus und The Chameleons im Schlepptau durch die kargen Schluchten früher Postpunk-Tristesse zu ziehen. Das Schöne daran: Der wilde Ritt durch Pinks hoffnungslos überladenes Pop-Unterbewusstsein ist unterhaltsam wie eh und je. Philip Fassing

RÖYKSOPP »THE INEVITABLE END« EMBASSY ONE / WARNER

MEHR / LICHT / EXIT Zusammen mit ihrem Landsmann Erlend Øye haben Röyksopp die wohl wunderbarste Coverversion aller Zeiten von »There’s A Light That Never Goes Out« der Smiths aufgenommen. Dass sie ihr neues Album nach vierjähriger Pause nun »Das unvermeidliche Ende« nennen, stimmt nachdenklich, doch ein Ende kann auch ein Abschluss sein, der Anfang von etwas Neuem. So ist es hier wohl auch gedacht: Die experimentellen Elektroniker wollen mit dem Thema Album als Konzept abschließen, jedoch nicht mit der Musik an sich. Denn das wäre tragisch, da Röyksopp seit jeher an Sounds basteln, die etwas sind, was immer mehr verschwindet: eigenständig. Dafür haben sie viele Gastmusiker um sich geschart: Robyn auf dem Bassmonster »Monument«, Man With­ out Country sehr zärtlich bei »Sordid Affair« oder Jamie Irrepressible, der gleich mehrfach vertreten ist. Eine Dance-LP ist das angeblich letzte konventionelle Album nicht geworden, dennoch steckt es voller dunkler Energie und treibender Emotionen. Trotz aller Traurigkeit und Melancholie, die immer wieder durchschimmert, kommt an vielen Stellen auch ein Lichtstrahl durch, der die nachdenkliche Schicht

durch- und mit pluckernden Synthies aufbricht: in der Stimme. Was hier zählt, ist das Herzblut, Da ist in der Tat ein Licht, das niemals erlischt. mit dem RAA dem Hörer Harmonien um die Kerstin Kratochwill Ohren schmettern. Auf Albumlänge stumpft die Wirkung der Songs zwar etwas ab, für Höhe­ punkte wie »On The Rocks« oder »This City« darf der Band jedoch weiterhin kräftig auf die Schulter geklopft werden. MASS APPEAL / GROOVE ATTACK Sebastian Jegorow ONLINE-LEAK / POLIT-RAP / TOLERANZ Rassismus, Korruption, Unterdrückung – auf dem TURNSTILE / CAROLINE / UNIVERSAL / VÖ 28.11.14 zweiten, vorab kurzer­ KRAUT / TECHNO / WALES hand selbst geleakten Erstaunlich, dass R. Sei­A lbum »Run The Jewels liog von den Szene-Me2« zeichnet das US-Rapdien noch nicht in den Duo aus Killer Mike und Kanon der angesagten El-P ein düsteres Bild von unserer gegenwär­Produzenten von Ambienttigen Gesellschaft. In temporeich-aggressiven Electronica aufgenommen Rap-Battles lehnen sich die Musiker mit Lyrics worden ist. Es könnte dawie »Fuck the law, they can eat my dick« gegen ran liegen, dass sich seine Bookings bislang die »Lie, cheat, steal, kill, win«-Mentalität der noch weitgehend auf Regionen rund um seine Herrschenden auf, werfen der Politik Tyrannei walisische Heimat beschränken und sein Label vor, in der Menschen wie der wegen RassisTurnstile durch viele Lizenzierungen hierzumus geschasste Ex-L.A.-Clippers-Chef Donald lande noch nicht als geschmackvolle TechnoSterling nur als Marionetten für einflussreiche Heimstatt bekannt ist. Musikalisch kann sich Mächte dienen (»Could it be the man behind Robin Edwards, so der Realname, jedenfalls the man behind the man behind the throne?«). nichts vorwerfen lassen, gerade weil sein Stil Und in »Close Your Eyes (And Count To Fuck)« im Vergleich zum state of the art durchaus in – mit netter Gesangseinlage von Rage-Againstneue Sphären vorstößt. Auf seinem Album­ The-Machine-Sänger Zack De La Rocha – sodebüt nach der 2013er-Mini-LP »Doppler« verwie »Early« wird die brutale Polizei-Willkür bindet er harte, düstere und sehr mitreißende auf den Straßen der USA angeprangert. Die ­Techno-Rhythmen mit einem dichten Gewirr Botschaft: Jedem Menschen gebührt Respekt! aus Psych- und Kraut-Elementen und lässt Zeit für Drogen­storys – mit Verweis auf den beiden Komponenten dabei wechselseitig die verstorbenen Philip Seymour Hoffman und Oberhand. Der daraus resultierende atmosphä»sexy bitches« à la Gangsta Boo – bleibt Run rische Kontrast ist durchaus intendiert und so The Jewels dabei trotzdem noch. Alle Achtung! spannend, dass »In Hz« gerade auf Albumlänge Daniel Voigt aus den Electro-Veröffentlichungen des Jahres positiv heraussticht. Überzeugt euch davon, sollte er doch mal für Live-Sets einreisen. Christian Steinbrink

RUN THE JEWELS »RUN THE JEWELS 2«

R. SEILIOG »IN HZ«

THE RURAL ALBERTA ADVANTAGE »MENDED WITH GOLD« PAPER BAG / ROUGH TR ADE

FOLKROCK / BODENSTAND / HERZBLUT Für ihre ersten beiden Alben wurden die Kanadier aus der Saddle-Creek-Familie mit Schulter­k lopfern, Preisen und vollen Clubs belohnt. Der Titel ihrer dritten LP »Mended With Gold« zitiert die alte japanische Kunstfertigkeit des Kintsugi herbei, dank der zerbrochene Dinge mit Gold wieder zusammengeflickt werden und durch die veredelten Bruchstellen an Wert gewinnen. Eine passende Allegorie für eine Trennungsplatte mit Hoffnung. Der Sound der Band, der an eine edgy Variante von Mumford & Sons erinnert, lebt vor allem vom guten alten Yin und Yang: Nils Edenlöff sorgt für Songwriting und knarzige Vocals, Paul Banwatt treibt mit seinen wilden Drum-Patterns die Gefühlsduselei aus den Songs, und Amy Cole schmückt die lauten Folknummern im Hintergrund mit ihrem Keyboard und Zucker

SMASHING PUMPKINS »MONUMENTS TO AN ELEGY« MARTHA’S MUSIC / BMG RIGHTS / ROUGH TR ADE

CLASSIC / ALTERNATIVE / ROCK Die Gitarren rocken so satt, so fett, so röhrenverstärkerwarm – ein Ozean aus Distortion, über dem  ei ne  u n au fgeregt  quäkende Männerstimme  schwebt.  »Tiberius«, der Opener von »Monuments To An Elegy«, klingt, als wäre noch einmal 1995 und als hätte man gerade ein Album namens »­Mellon Collie ...« in den CD-Player gelegt. Auch bei »Being Beige« mit seiner »Tonight Tonight«Theatralik fühlt man sich gleich 20 Jahre jünger. »Monuments« steht mit seinem cheesy SynthiePop über dem dumpf wummernden Fundament aus Bass und Gitarren irgendwo zwischen dem 14 Jahre alten »Machina« und »Oceania« von


2012. Gitarren-Walzen und Keyboard-Teppiche an der Grenze zum Kitsch: Die Konsens-Band der 1990er spielt nicht leichtfertig mit der Erwartungshaltung ihres in Würde mitgealterten Publikums, sondern liefert ab wie bestellt. Von kleinen Überraschungen mal abgesehen: »Run 2Me« erinnert an den pumpenden Schlagerpop der Killers, und »Drum + Fife« integriert auf charmante Weise Irish-Folk-Elemente in den Pumpkins-Bombast.  Till Stoppenhagen

PAUL SMITH & PETER BREWIS »FROZEN BY SIGHT« MEMPHIS INDUSTRIES / INDIGO

SIGHTSEEING / KOLLABO / FEINGEIST Umwege erhöhen bekanntlich die Ortskenntnis. Diese erhebt Paul Smith (Maxïmo Park) gemeinsam mit Peter Brewis (Field Music) auf »Frozen By Sight« zum Konzept. Nach diversen kleinen Kollaborationen vertont das Duo nun Smiths Reiseaufzeichnungen und legt so ein gemeinsames Roadtrip-Album vor. Dieses ist jedoch überraschend wenig von Rock’n’RollLifestyle und ruppigem Indie-Rock geprägt. Worte schälen sich im Rahmen der zwölf Songs gemächlich aus dem Gesang und werden von Brewis’ jazzigen Kompositionen und einer kleinen Armee aus Streichinstrumenten bezirzt. Smiths Stimme vollführt dabei sonderbar elegante Schlenker, die man von seinen Auftritten bei Maxïmo Park so nur in Tanzform kennt. Passend dazu ist das hier Musik für Feingeister, bei der die Melodien nur langsam in die Gehörgänge sickern und die Beinmuskulatur nicht sonderlich beanspruchen. Dabei singt Smith von der Schönheit Barcelonas, von Randfiguren wie einem alten Paar in Santa Monica oder einfach vom Unterwegssein. Weder ankommen noch wegkommen ist hier das Reiseziel. Sebastian Jegorow

SOUND OF YELL »BROCKEN SPECTRE« CHEMIK AL UNDERGROUND / ROUGH TR ADE

WIRRWARR / SOUND / DSCHUNGEL Stevie Jones ist kein Mann der klaren Ideen, soviel ist sicher. Als Sound Of Yell hat er nicht nur eine ­illustre Schar an Musikern (u. a. von Belle & Sebastian und Teenage Fanclub) für seine Sache versammelt, er verwertet auch eine schwindelerregende Liste an musikalischen Einflüssen für seinen eigenen Sound. »Brocken Spectre« ist dann auch tatsächlich ein ziemlicher, hüstel, Brocken, denn mit einer Machete namens feinem Gehör muss man sich mühsam den Weg durch den Dschungel bahnen, stolpert über formschöne Folk-Klänge, schrägen

Jazz und holprige Beats à la Beck – und das alles in einem einzigen Stück. Oder: Zärtliche Glocken­spiele werden von kreischenden Streichern über hektischen Drums abgelöst, und dahinter wimmert die singende Säge. Dass man hier trotzdem dranbleibt, liegt daran, dass Jones’ Spannungsbogen stringent ist und man einfach immer wissen will, was als Nächstes passiert. Eine akustische Spezialistenplatte, schwerst kategorisierbar, vielleicht einen Tick zu verkopft und dadurch fast schon tragisch sperrig. Kristof Beuthner

STEFFI »POWER OF ANONYMITY« OSTGUT TON / ROUGH TR ADE

PANNEBAR / ACHTZIGER / TROCKEN »Steffi«, das klingt ja immer schon so nach den 1980ern. Wer damals Gabi, Susi oder Steffi hieß, k ­ onnte sich noch hinter seinem Namen verstecken – heute fällt man damit eher auf. Da kann die Niederländerin mit »Panorama Bar Resident DJ«-Gütesiegel ihr zweites Album auf dem Berghain-Label Ostgut Ton noch so pointiert »Power Of Anonymity« nennen, helfen wird es nicht. Dabei braucht sie sich überhaupt nicht zu verstecken, denn ihr Mix aus MinimalHouse-Überbleibseln, supertrockenem Bass und Retro-Synthies funktioniert einwandfrei. Mehr noch, er macht immer wieder neugierig, was denn da schon wieder hineingemischt wurde, wohin das alles führen soll – und wie die Pet Shop Boys das wohl finden würden. Bestimmt fänden sie es total gut, denn in den Melodiebereichen klingt das Album häufig so, als hätte Steffi es sich zur Aufgabe gemacht, eine aktualisierte House-Verwurzelung des früheren PSB-Sounds zu vollziehen. Damals, als sie noch super angesagt waren und von Mädchen namens Gabi, Susi oder eben Steffi gehört wurden. Nun sind diese selbst die Angesagten. Henje Richter

TV ON THE RADIO »SEEDS« VERTIGO / UNIVERSAL

COMEBACK / HYPERAKTIV / BEGABUNG Vermutlich hätte jeder Song auf TV On The Radios Quasi-Comebackalbum seine eigene Rezension verdient: Der Einstieg »Quartz« ist ein dunkles, auf Spannung gehaltenes Popstück mit Sänger Tunde Adebimpe im PeterGabriel-Modus; das Sci-Fi-Setting des trocken polternden Punkstücks »Lazerray« gefiele auch Frank Black; mit dem Disco-Ringelpiez »Right Now« kann man sowohl Kindergeburtstage als auch jeden Afterwork-Schwof beschallen. Die Hyperaktivität von »Seeds« klingt weniger nach der Unfähigkeit, sich zu konzentrieren (oder vielleicht Neudeutsch: zu »committen«), als


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nach Hochbegabung und Multitasking: Die zwölf neuen Stücke der New Yorker Postpunkband mögen durch Genres und Klangfarben rasen, sind dabei aber bemerkenswert ausformuliert. Nach dem Tod ihres Bassisten Gerard Smith 2011 war die Zukunft von TV On The Radio eine Zeit lang mindestens ungewiss. »Seeds« als Wiedergeburt zu bezeichnen wäre dennoch unangemessen – der selbst auferlegte Anspruch war auf Alben wie »Return To Cookie Mountain« und »Dear Science« nicht geringer. TV On The Radio sind 2014 so gut wie immer. Das liest sich vielleicht unbeeindruckt, könnte aber im Grunde nicht eindrucksvoller sein. Michael Weiland

THE TWILIGHT SAD »NOBODOY WANTS TO BE HERE & NOBODY WANTS TO LEAVE« FATCAT / AL!VE / VÖ 31.10.14

PATHOS / WÜRDE / NEUANFANG Dass sich die schottische Shoegaze-Band aus ­K ilsyth in der Nähe von Glasgow mit ihrem vierten Studioalbum noch einmal ein Stück weit neu erfinden würde, wäre so nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Schließlich hat die Formel, treibenden Postrock mit meter­ hohen Gitarrenwänden aufzuladen, wunderbar funktioniert. Auf »Nobodoy Wants To ...« tritt die Band nun gewissermaßen ein Stück aus ihrem selbst geschaffenen undurchdringlichen Sound-Dickicht heraus und präsentiert sich aufgeräumter. Das ist kein Nachteil, denn der immer noch unverkennbare schottische Akzent legt sich über die vielleicht beste Songsammlung, die die Band je aufgenommen hat: ob nun die würdevolle Düsterhymne »Last January« oder die schönsten Songs der Platte »Drown So I Can Watch« und »Pills I Swallow«. Das überbordende Pathos ist natürlich immer noch Geschmackssache, doch man schwelgt gerne in diesen gar nicht mehr so lauten Liedern. Eigentlich ist das hier eine lupenreine EditorsPlatte, doch ein solches Format werden diese mit Sicherheit nicht mehr erreichen. Kai Wichelmann

UMHERSCHWEIFENDE PRODUZENTEN »ELEKTRONISCHE MUSIK« FROM LO-FI TO DISCO / BROKEN SILENCE

RELLÖM / ELECTRO / DUB-POP Umherschweifende Haschrebellen, so ­nannte sich eine lose Vereinigung von kiffenden Umsturz­ romantikern Ende der 1960er. Später wurde daraus die linksradikale

­ ruppierung »Bewegung 2. Juni«. Der feine G Schweifer von heute allerdings produziert stoned, statt zu rebellieren. Knarf Rellöm, Manuel Scuzzo und Ronnie Alien haben sich diesen Namen zu eigen gemacht und bieten ein vorgeblich hochprogrammatisches ElectroPop-Album, doch man hört schon: Hier ist nicht alles am Reißbrett entstanden, hier wurde ganz klassisch auch gechillt, gedriftet, vielleicht sogar gekifft. Entspannte Beats, dubby Feeling und einlullend repetitive Vocals sind dabei rausgekommen. Wobei Knarf Rellöms Storytelling natürlich immer wieder Verwirrung stiften will und den trügerischen Chill unterläuft. Rest-Hamburger-Schule für Vorruheständler? Na – und wenn’s so wäre? Spitzenplatte halt. Linus Volkmann

WE ARE SHINING »KARA« MAR ATHON ARTISTS / PIAS / ROUGH TR ADE / VÖ 28.11.14

PRODUZENTEN / SCHUBLADEN / HYPE Während das Produzenten­ duo We Are Shining im UK der Hype der Stunde ist, sind sie auf dem hinterwäldlerischen Festland noch weitestgehend unbekannt. Die Briten sitzen sogar so sehr auf heißen Kohlen, dass die Veröffentlichung von »Kara« vorgezogen werden musste. Sachen gibt’s. Hinter dem halbwegs schillernden Bandnamen verbergen sich Morgan Zarate und Acyde – zwei Konstanten in der modernen, trippigen Produzenten-Szene. Die beiden verbuchen Kooperationen mit FKA Twigs (geht ja auch grad steil), Mallie und Eliza Doolite auf ihrem Konto. Und bevor das Ganze hier komplett zum Namedropping verkommt: Die Vorschusslorbeeren sind begründet. »Kara« ist ein erstaunlich reifes und extrem perkussives Album mit eingestreuten Gesangsgästen wie Rose Gabor, Eska oder Shingai von den Noisettes. Und um mal ein paar Schubladen aufzuziehen: Die Einflüsse der elf Songs reichen von Can über Cream, Sly And The Family Stone, Eurodance bis hin zu psychedelischem Afrobeat. Trippy as hell und bestimmt bald in jeder Musikgazette als »Geheimtipp« gefeiert. Holger Wendt

WILD CHILD »THE RUNAROUND« THE NOISE COMPANY / ROUGH TR ADE

DORFFEST / LEICHT / FEIERABEND »Aber heute bitte nichts Schweres mehr. Ich möchte einfach nur die Füße hochlegen. Ich brauch etwas zum Entspannen.« Der Soundtrack zu diesem leichtlebigen FeierabendMotto ist »The Runaround«. Der unschuldige, elfenhafte Gesang von Kelsey Wilson und Alexander Beggins hat so überhaupt nichts Schweres. Die gezupften Gitarren und Ukulelen, das sanft

wiegende Schlagzeug im Dreivierteltakt oder der gepfiffene Refrain erinnern an ein beschaulichfröhliches Dorffest ohne Prügeleien und Alkoholexzesse. Die Musik des Folk-Quartetts aus Texas wirkt wie der erholsame Gegenentwurf zu den allabendlichen Nachrichten. Vielleicht ist die Leichtigkeit der Musik ein Grund für den Erfolg von Wild Child, den sie schon mit ihrem Debüt »Pillow Talk« 2010 hatten. Die Welt des Indie-Folk ist eine einfache, eine vernünftige, in der Tanzen das Wesentliche ist, fernab jeglicher Boshaftigkeit und Sorgen. »The Runaround« hat Melodien für einen flüchtigen Moment, in dem es Sorgen nur gibt, um sie wegzutanzen. Kerstin Petermann

NEIL YOUNG »STORYTONE« REPRISE / WARNER

ALTMEISTER / HIGHWAYS / ORCHESTER So was kann auch nur einem Ami einfallen: Singt uns »Take up the dams / Stand up to oil / Protect the plants / And renew the soil / Who’s gonna stand up and save the earth«, um direkt danach das bluesige »I Wanna Drive My Car« folgen zu lassen, das fast ausschließlich aus ebenjener Zeile besteht und mitnichten ironisch gemeint ist. Wobei man Neil Young schon zugestehen darf, dass er weiß, wie eng die Freude am Fahren und die Ölabhängigkeit seines Landes zusammenhängen. Immerhin hat er seine eigene Oldtimer-Flotte ja auch mit Hybridmotoren nachrüsten lassen. Aber dieser Widerspruch ist nicht der einzige, der Youngs 36. Album zu einer wechselhaften Angelegenheit macht. Die zehn neuen Songs gibt es nämlich jeweils in einer reduzierten Soloversion und zusätzlich entweder als Big-Band-, Band- oder gar Orchester-Variante, bei der knapp hundert Musiker zum Einsatz kommen. Die Gitarrenexzesse, wie Young sie zuletzt mit Crazy Horse wieder so glorreich zelebrierte, wird manch einer vermissen, aber zumindest die Akustikversionen sollten jeden Young-Fan zufriedenstellen, auch wenn einige Songs für seine Verhältnisse recht sentimental daherkommen. Problematischer wird es eher bei einigen »großen« Versionen: Die »Hans Zimmerei« des Orchesters bläst nämlich so manches anrührende Stück bis zur Unerträglichkeit auf. »Glimmer« ist da ein gutes Negativbeispiel: Das Sinnieren über die Härten der Liebe klingt zum Piano erst noch ganz wundervoll – und kippt dann mit dem Einsatz der Streicher-Armada in allenfalls gehobene RomCom-Beschallung um. Ganz anders wiederum »When I Watch You Sleeping«: Hier stimmt das Verhältnis zwischen akustischen Gitarren, Pedal Steel und dem Orchester. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er den genialen Grantler Young in diesem Sound hören will. Aber genau diese Wahl lässt er uns ja, der clevere Hund. Daniel Koch


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HÖRBUCH SEBASTIAN A. SCHWEIZER & PSAIKO DINO »EASY DOES IT: CRO, DIE MASKE UND DER GANZE REST« LÜBBE AUDIO / GROOVE ATTACK

Sportlich: 24 Jahre alt, ­gerade mal zwei Alben und dann gleich eine Biografie? Der Verdacht der Selbstüberschätzung liegt da sehr nahe. Aber immerhin ist Cro mehrfach mit Goldenen Schallplatten dekoriert und weiterhin eine große Nummer im MediengestalterRap, auch wenn die Verkäufe von »Melodie« deutlich hinter denen von »Raop« zurück­ blieben. Und Geschichten vom Tellerwäscher zum Millionär hört jeder genauso gerne, wie er sie im Kino sieht, zumal dann, wenn die ­Story mit massenhaft O-Tönen aller handelnden Akteure auf­gelockert wird. Natürlich ist die ­Geschichte des Carlo Waibel kein komplexer, dramatischer Stoff, genauso, wie der Typ selbst

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kein k ­ omplexer, dramatischer Charakter ist. Natürlich kontrolliert die M ­ aschinerie »Cro« jede Information, die preisgegeben wird. Und natürlich wird auch mit dieser Veröffentlichung die Kuh gemolken, solange sie noch Milch gibt. Dafür bieten die Protagonisten mit ihrer erfrischend nüchternen Offenheit aber eine Inneneinsicht inklusive aller Selbst­zweifel, Halb­heiten und Strategie-Erwägungen eines Popstars in spe auf einem bis dato reichlich u ­ nerfahrenen Indie­Label. Selbst wenn man sich null für Cro interessiert, ist »Easy Does It« ein Lehrstück über die Mechanismen der heutigen Pop-Industrie. Ob sich die Cro-Fans allerdings wirklich in ­einer solchen Tiefe für ihr Idol ­interessieren, steht auf einem anderen Blatt. Christian Steinbrink

den ­letzten ­Jahren zur bevorzugten Anlaufstelle für angesagte US-Comedy entwickelt hat. Nach den Flight Of The Conchords, Patton Oswalt oder David Cross veröffentlichen die einstigen Wegbereiter des Grunge jetzt auch das neue Comedy-Album von Sarah Silverman. »We Are Miracles« basiert auf dem gleichnamigen HBO-Special, für das die US-Komikerin in diesem Jahr mit einem Emmy, dem bedeutendsten Fernsehpreis der USA, ausgezeichnet wurde. Knapp 60 ­Minuten erzählt Silverman vor einem kleinen ausgewählten Publikum im Los-Angeles-Kultclub Largo aus ihrem Leben. Durch ­Political Correctness gesetzte Grenzen gelten bei ihr nicht, ihr derbes, oft mit Fäkal­ humor durchsetztes Repertoire ist klamaukig und scharfsinnig zugleich. Egal, ob es um ihren inzwischen verstorbenen Hund, Vaginalparfüm oder heikle Themen wie Rape-Jokes geht (»The safest area to talk about in comedy«). Souverän trägt Silverman auch das schwächere Material durch den kurzweiligen Abend. Selten hat sich Rock um Katja Peglow subversiven Humor verdient gemacht. Umso ­erstaunlicher also, dass sich ausgerechnet das ­l egendäre Indie-Label Sub Pop aus Seattle in

SARAH SILVERMAN »WE ARE MIRACLES« SUB POP / CARGO

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PRÄSENTIERT VON JUICE · INTRO · SPLASH! MAG

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MORGEN

WIEDERGÄNGER DIPLO »F10RIDA 10TH ANNIVERSARY EDITION« BIG DADA / NINJA TUNE / ROUGH TR ADE

Als Diplo 2004 seinen ersten Longplayer »F10rida« veröffentlichte, schien es quasi unmöglich, das Debüt zu rezensieren, ohne dabei auf DJ Shadow zu verweisen. Von Anfang an ­drapierte Shadows ChiaroscuroHipHop einen düsteren Schleier über das Genre, er bewährte sich so als Galions­figur. Nun kommt also ­dieser große, schmächtige J­ unge aus Mississippi, benannt nach j­enem prähistorischen Koloss, mit einem Werk um die Ecke, das sich eng an Josh Davis’ Klangkosmos orientiert. Er pickt sich einzelne Stichworte seiner Gefolgsleute, fi ­ ndet Gefallen an untergeordneten TempoWechseln, strengen InstrumentalSpuren und gut p ­ latzierten Vocals.

Zehn Jahre später hat sich Diplo mindestens in eine Riege mit DJ Shadow und RJD2 gespielt, füllt die Headliner-Positionen sämtlicher hoch ­k arätiger Festivals, ­genießt seine kulturelle Vormacht­stellung als für den Grammy ­nominierter Produzent für Beyoncé, Madonna und Snoop Dogg. Via Big Dada, dem Label, dem er damals den Rohling mit seinem Material zuspielte, ­veröffentlicht Diplo nun eine Neuauflage seines Erstlingswerks als Doppel-CD. Die erste CD enthält das Originalalbum, die zweite füllt der Produzent mit drei Tracks seiner 2009er-EP »Epistemology Suite« und diversen unveröffentlichten Tracks und Remixes wie dem »F10rida«-Rework »Now’s The Time« oder der Derek-AllenVersion von »Summer’s Gonna Hurt You«. »F10rida« heute und vor zehn Jahren ist unter Diplos zahlreichen ­Veröffentlichungen

s­eine p ­ ersönlichste Arbeit. Er ­produzierte hier nicht für den Dancefloor, stattdessen rücken ­Atmosphären und Klang in den Vordergrund. Man kann die schwülen Landschaften Floridas fast ­r iechen, und man fühlt den jungen Mann, der mit dem Bus durch die Stadt tingelt, ohne ein bestimmtes Ziel vor ­Augen. Nadja Neqqache FLAKE MUSIC »WHEN YOU LAND HERE, IT’S TIME TO RETURN« AUR AL APOTHECARY / SUB POP / CARGO

Es gab ein Leben vor den Shins, und das ist in diesem Fall mehr als eine leere Floskel: Flake Music hieß die Band, die Anfang der 1990er existierte, bis ihr Sänger James Mercer sein e­ instiges Soloprojekt The Shins u ­ nter Zuhilfe­n ahme fast ausschließlich von Flake-Music-Mitgliedern zur neuen Hauptband erhob. Die Wiederveröffentlichung ihres 1997 erschienenen einzigen Albums

kommt zum jetzigen Zeitpunkt etwas überraschend, schließlich hat sich Mercer mit dem letzten, mittelprächtigen Shins-Album »Port Of Morrow« aus dem Jahr 2012 sowohl soundtechnisch als auch durch den Rauswurf aller ­alten Mitglieder ziemlich weit von seinen musikalischen Wurzeln entfernt. Aber vielleicht deutet der Titel des Flake-Music-Albums diesbezüglich ja programmatisch einen Strategiewechsel an, denn es klingt wohltuend nach dem ­aufgerauten Indie-Sound der e­ rsten zwei ShinsPlatten, wenn auch mit noch nicht ganz so pointiertem Songwriting. Besser als die glattproduzierten letzten Shins-­Veröffentlichungen ist es aber allemal. Und ein filmreifes Happy End per Wieder­ vereinigung der ursprünglichen Shins-Besetzung mit einer Rückkehr zum alten Sound würde uns Indie-Rock-Romantikern doch sicher eine Träne der Rührung in die Augenwinkel treiben. Christian Steinbrink

PRÄSENTIERT VON:

13.-16. Mai 2015 . Frankfurt am Main

MI. 13. MAI

CARO EMERALD Alte Oper

DO. 14. MAI

IMANY

FR. 15. MAI

LIZZ WRIGHT Alte Oper

SA. 16. MAI

JULI Gibson SOPHIE HUNGER & TINA DICO Alte Oper

EN! ÄTIGULNGG ! N E 1. BEST E ACTS FO WEITER

Palais Frankfurt

ALIN COEN sankt peter CARMINHO Kurtheater Bad Homburg

DILLON Alte Oper RHONDASpeicher Bad Homburg KADEBOSTANY & MINE sankt peter Tickets unter: www.ticketmaster.de oder über die

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Hotline: 01806 - 9990000


MORGEN

GRAVENHURST »FLASHLIGHT SEASONS« & »BLACK HOLES IN THE SAND« & »OFFERINGS: LOST SONGS 2000-2004« WARP / ROUGH TR ADE / VÖ 28.11.14

Als das Label Warp 2004 Nick Talbot a­ doptierte, passte der Folk-Sound seiner ­ e rsten Geh­ versuche mit Gravenhurst perfekt zum leisen Paradigmenwechsel, den die Kings Of Convenience kurz nach der Jahrtausendwende eingeläutet hatten. Das ReRelease der ersten CDs bietet nun allen Einsteigern eine Nachhol­ möglichkeit mit dem Mehrwert der »Offerings«-Raritätensammlung. Die Wiederveröffentlichung umspannt die frühe Entwicklung vom soften Folk mit bescheidenen, jedoch sorgfältig ausformulierten Arrangements hin zum atmosphärisch dichten Kurzalbum, das die Slow-Motion-Explosionen des darauffolgenden Meisterstücks »Fires In Distant Buildings« zumindest andeutet. Für die Compilation

­ nveröffentlichter Aufnahmen aus u dieser Zeit wurden zehn Stücke von der B-Klasse zur A-Klasse befördert. Darunter finden sich zwei ­Demos, etwas Ausschuss­ware, ein intimes Highlight mit »The ­Citizen« und Instrumentalstücke, die den Gravenhurst-­Kosmos nicht wirklich revolutionieren, aber dieses Rundum-sorglos-Paket ­abrunden. Sebastian Jegorow STEREO MC’S »COLLECTED« UNIVERSAL

Hits aus der Zeit der Adoleszenz kann man aber immer wieder und ohne Wirkungsabfall hören. Dementsprechend ungezwungen, aber auch willkommen erscheint nun der große Rundumschlag des Londoner Duos: eine dicke, hübsche, kompakte rote Box mit allen Alben, vielen Remixen und B-Seiten und sogar drei neuen Stücken, die die Band als zumindest noch nicht vollkommen gestrig zeigen. Insgesamt neun CDs, die man auf jeder Party bedenkenlos durchlaufen lassen kann, während man zu Hause dann doch immer wieder nur zu ihrem Masterpiece »Connected« greift. Eine Box, so elegant und cool, wie die Band selbst jahrelang auch war. Henrik Hamelmann

Einer der wenigen Dance-Stile, die zumindest in den Diskotheken den Wandel der Jahrzehnte ziemlich unbeschadet überstanden haben, ist der von Manchester Rave, HipHop und House geprägte Spaß-Electro der TEMPLES Stereo MC’s. Nicht, weil ihre Musik »SUN RESTRUCTURED« jemals avanciert und revolutionär HEAVENLY / COOP / PIAS / ROUGH TR ADE Wenn es dieses Jahr ein gewesen wäre, sondern weil ihre Stücke schon um das Jahr 1990 herkonsensfähiges Debüt um eine entspannte und frohe Läsaus dem Gitarrensektor sigkeit vermittelten. Solche Musik gab, dann war es »Sun braucht man nicht ständig neu, ihre Structures« von Temples. Sie traten

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den Beweis an, dass das Konzept, wabernde Psychedelic mit markanten Riffs zu paaren, auch ­heute noch funktionieren kann. Auch hatte man nach langer Zeit mal wieder das Gefühl, dass hier von der ersten Songidee bis zum konzeptionellen Überbau alles stimmte. Und nun kommt auch schon das zweite Album. Aber Moment: Es ist nur ein ReRelease inklusive eines Reworks. Zyniker mögen direkt an Ausverkauf denken, doch im Idealfall kann eine Neubehandlung von Bekanntem trotzdem evolutionär sein. So verhält es sich auch hier. Was Erol Alkan und Richard Norris beisteuern, sind Mittel der Entschleunigung sowie die Fähigkeit, so viele zusätzliche Elemente einzuflechten, dass die Wirkung eine ganz andere ist. Um Temples' Harmonien und Satzgesänge fügen sie lange, wunderschön geratene Instrumentalpassagen. Wie würdevoll hier vorhandenes Songmaterial neu kontextualisiert wird, verdient allerhöchsten Respekt. Kai Wichelmann

Foto: Heike Fischer

Patrice »super konzert«

Foto: Dayanne

Kwame Yeboah Keyboard, Gitarre Philip »Soul« Sewell E-Bass Mickel Boswell Schlagzeug Cosmopolitan Quartet plus »very special guests«

Freitag 05.12.2014 20:00

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Chilly Gonzales & Kaiser Quartett als Gast Jarvis Cocker

So und Mo 28. / 29.12.2014 20:00


RAUF ELISA AMBROGIO »THE IMMORALIST« Mit dem Soloalbum der Magic-Markers-Frontfrau Ambrogio wagt sich das Drag-City-­ Label seit Längerem mal ­w ieder in das Feld von folkigem Indieund Dreampop. »The Immoralist« rechtfertigt diese Ausnahme mit seiner betulich-fragilen Lo-FiSchönheit absolut.

8 April 2015

Einlass 19 Uhr Beginn 20 Uhr

EMSLANDARENA LINGEN Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen, unter der Ticket-Hotline 0591 912950 und auf www.emslandarena.com

02.12.2014 RevolveRheld 16.01.2015 die Fantastischen vieR 17.01.2015 BudenzauBeR emsland 2015 mit SV Werder Bremen, HannoVer 96, VfL oSnaBrück, SV meppen u.a.

04.02.2015 15.03.2015 21.02.2015 08.04.2015 12.04.2015

dRopkick muRphys cRo simple minds deichkind James last & his oRchestRa 13.11.2015 Fettes BRot 27.11.2015 sido unter tickets an allen bekannten vorverkaufsstellen, 144 der tickethotline 0591 912950 oder 0591 9144a.com daren mslan und auf www.e

Weitere VeranStaLtungen unter:

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THE BARR BROTHERS »SLEEPING OPERATOR« Kanadischer Folkrock scharf an der Kante zwischen »schon sehr klassisch« und »­extrem wunderbar«. Gerade die warmen, hymnischen Stücke sind in ihrer Dichte und Komplexität von einer Klasse, die sonst nur wenige erreichen.

und originell genug, um eventuell sogar als Frau durchzugehen. Das ist zeitloser Indie-Rock mit 1980erund 1990er-Referenzen, perlenden Songs und performativem Humor. So was kann man eigentlich immer gut hören. ANTHONY D’AMATO »THE SHIPWRECK FROM THE SHORE« Interessant rumpelig produzierte Mischung aus ruppigem C ­ ountry, Classic Rock, Folk und genau der hippen Musik, die immer in der Handywerbung im Hintergrund läuft. Aber die ist ja eigentlich auch meistens ganz gut.

DELS »PETALS HAVE FALLEN« Eigentlich bringt Dels alles mit: ein Story­ teller-Rap-Stil, der es angenehm langsam ­angehen lässt, und ein Händchen sowohl für abstrakte Beats als auch für einschmeichelnde R’n’B-­ Harmonien. Doch das wahre HitBASS DRUM OF DEATH Album, das man von ihm erwarten darf, gelingt ihm auch mit »Petals »RIP THIS« Das kalifornische Inno­ Have Fallen« nicht. Trotzdem navative-Leisure-Label türlich weit über dem Durchschnitt bleibt eine Wundertü- im Feld zwischen Mike Skinner und te. Nach Releases von Roots Manuva. De Lux und den Allah-Las wechselt es mit Bass Drum Of Death DELTA SPIRIT wieder die stilistische Richtung »INTO THE WIDE« hin zu einem von Garage angefixDelta Spirit klingen auf ten Rock, der auch den Eagles Of ihrem dritten Album Death ­Metal oder Andrew W.K. gut deutlich mehr als früzu Gesicht gestanden hätte. Ein her nach The National, ­einfacher, d ­ reckiger Spaß, ohne wollten ihren urwüchsigen Folkmehr zu wollen. Rock-Sound aber nicht komplett über Bord werfen. Sicher nicht so ALICE BOMAN prägnant und atmosphärisch wie die groß gewordenen New Yorker, »EP II & SKISSER« Schon länger über- aber dennoch mit einer eigenen zeugt die Schwedin stimmungsvollen Klasse. Alice Boman durch wunderbar verhallte DIVERSE Folk-­Auftritte, so langsam gerät »WHAT THE HELL ARE YOU auch ihre Diskografie in Schwung: DOING?« Schwer, in der heutieine neue und eine alte EP jetzt als CD-Compilation. Wenn dann mal gen Digital-Shuffledas Album kommt, brennt’s! Zeit noch substanzielle Label-Compilations BRONCHO hinzukriegen. Der tollen Firma »JUST ENOUGH HIP TO BE Full Time Hobby gelingt das zu WOMAN« ihrem zehnten Geburtstag mit Tatsächlich klingen ­einem e­ igenen eklektischen StilBroncho aus der ewi- Mix, e­ inem Gespür für u ­ nentdeckte gen Flaming-Lips- Hits und einem wertigen David-­ Stadt Oklahoma smart Shrigley-Artwork.


Von den Produzenten von

LITTLE MISS SUNSHINE

GRACIAS »ELENGI«

viel Spaß an Gitarren g­ eschrubbt und auf Drum-Sets eingehauen. Der Rapper aus dem Aus purer Lust am Musizieren! Kongo wuchs in Finnland auf und ist dort NUDE BEACH bereits ein erfolg­ »77« Ich mag mich täuschen, reicher Künstler. Sein düsteres, von TripHop beeinflusstes zweiaber gibt es nicht ganz tes Album sollte ihn auch im Rest viele Bands, die das Europas bekannt machen. InteresWort »Beach« im santer Flow und hypnotische Beats ­Namen tragen? Da kommt man ja – so klingt Finnland jetzt. ganz durcheinander. Diese vermutlich etwas älteren coolen Herren GREYLAG klingen im ersten Song nach Tom Petty, im zweiten wie The Only »GREYLAG« Sehr komplexes, raum- Ones und im dritten wie die frügreifendes Folk-Rock- hen Beatles und finden das ganz Album aus Portland. normal. Greylag verzichten zugunsten von subtilem Stimmungs- PUNCH aufbau auf catchy Hits und rocken »THEY DON’T HAVE TO von Led Zeppelin zu Elliott Smith. BELIEVE« Ihr Debüt hat seine Längen, die Her rlich sch lecht meisten Songs sind in ihrer aus­gelaunte, altmodische schweifenden Theatralik aber Mischung aus Hard­beeindruckend. core und Grindcore mit einer Frau am Gesang, die den LaJ MOON den ordentlich zusammenschreit. Ganz großartige, d ­ ynamische und »MELT« Die italienische Singer/ organische Produktion. Angesichts Songwriterin Jessica von Punch merkt man erst mal Einaudi ist einfach ein richtig, wie künstlich harte Musik zu interessanter Typ häufig klingt. mit katzenhafter Stimme, elegant windenden Melodien und spar­ C.J. RAMONE samen Arrangements, um bloß in »LAST CHANCE TO DANCE« die Folk-Ecke gestellt zu werden. CJ Ramone fährt mit Große Kunst, ohne das so raus­ der schönen ­Tradition hängen lassen zu müssen. seiner Ex-Band fort und kündigt seinen AbMOGWAI schied an. Müsste er angesichts von »MUSIC INDUSTRY 3 FITNESS »Last Chance To Dance« gar nicht. INDUSTRY 1 EP« Das Album wurde mit Verstärkung Kaum haben M ­ ogwai diverser 1980er-Punk-Helden eindie Tour zu ihrem gespielt und klingt dadurch ange­Januar-Album »Rave nehm rau. Manche Songs haben soTapes« beendet, steht gar Bob-Mould-Qualitäten. schon das nächste Release an: drei Songs aus den »Rave Tapes«-­ SIMIAN GHOST Sessions plus drei Remixe. Was »THE VEIL« Auch wen n s ich zunächst nach Ausschussware klingt, ist letztlich natürlich wied a s s c hwe d i s c h e der so s­ ouverän gut wie eigentlich ­Liebhaber-Label Lab­ jede Veröffentlichung der Schotten. rador in den letzten Monaten hierzulande zurückhielt, MONEY FOR ROPE hat das skandinavische Land das Herz wärmende P!O!P!-Alben zu »MONEY FOR ROPE« Money For Rope sind bieten: S­ imian Ghost machen ­einen eine Garage-Band aus sacht verhallten und melodischen Australien mit schönen Dreampop und haben auch noch Melodien, viel Spiel- so vorzeigbare Songs, dass Fans von freude und überdrehtem Sound, der The Radio Dept. & Co. mal hinhöaber nicht nervt, sondern die Musik ren sollten. erst zu einem wirklich mitreißenden Erlebnis macht. Hier wird mit

kommt eine witzige und berührende Coming-of-Age-Komödie

WEITERE HIGHLIGHTS

www.arthaus.de www.studiocanal.de


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MORGEN

RAUF

SWEARING AT MOTORISTS »WHILE LAUGHING, THE JOKER TELLS THE TRUTH« Als Dave Doughman noch in den USA lebte, veröffentlichte er mit seinen Swearing At Motorists eine Reihe toller Alben zwischen Indie- und Postrock. Nun, da er in Hamburg residiert, hat er sich zu einem extrovertierten und humorvollen Lo-Fi-­Singer/ Songwriter entwickelt – auch das mit einer charismatischen, aber nicht mehr ganz so dringlichen Klasse.

SPRINGINTGUT & F.S.BLUMM »THE BIRD AND THE WHITE NOISE« Sympathische, unpraktische Musik zweier Extremkünstler aus dem Bereich der Field Recordings. Mal kontemplativ, mal nervig, aber immer nur ganz sich selbst verpflichtet. So frei wie diese Musik möchte man selbst auch DIE ZIMMERMÄNNER gerne mal sein. »EIN HUND NAMENS ARBEIT« BABA STILTZ Die Single »Die gro»TOTAL« ße Sporadische« zum Schönes, dezentes und vor allem schlauaktuellen Album der es Album eines jungen Band um Detlef Dietschwedischen Produ- richen und Timo Blunck enthält zenten zwischen House, Ambient mit der Textzeile »Mindestens so und sacht gebrochenen Beats. Ge- street wie Effi Briest« mindestens macht für Entspannung und sub- die Textzeile des Jahres. Der Rest stanzielles Daheim-Hören. der Platte geht auch klar.

karsten jahnke konzertdirektion GMBH

RUNTER 1000 GRAM »DANCES« Melodiös und luftig schraubt die deutschschwedische Co-Produktion 1000 Gram Indie-Rock-Songs US-amerikanischer Prägung. Hängen bleibt aber nichts. Die Helden­geschichten ­d ieses Genres sind eben schon längst geschrieben.

DIGGER BARNES »FRAME BY FRAME« An Digger ­ B arnes ist eigentlich nicht zu r üt tel n: tol le ­S timme, unmittelbare ­Geschichten, tiefschürfende A ­ tmosphäre und wunderbare Songs. Allerdings sind die Stücke auf seinem neuen Album dann doch so dünn und leer instrumentiert, dass hin und wieder Langeweile aufkommt. Besser zu seinen alten Alben greifen. THE BUDOS BAND »BURNT OFFERING« Wie instrumentaler 1970er-Rock’n’Roll gepaart mit fetten BigBand-Funk-Bläser­ sätzen klingt, führt die Budos Band auf ihrem neuen Album vor. Aller­dings kommen viele der Stücke ein wenig zu aufgeräumt ­rüber und stellen das Album nicht in eine Reihe mit den vielen großartigen ­Veröffentlichungen ihres Labels Daptone.

nessI

support: MiMi

liFe in Film 27.01.15 28.01.15 29.01.15 30.01.15 31.01.15 01.02.15

Ariel pinK

WILD SMILES »ALWAYS TOMORROW« Wild Smiles schließen mit ihrer völlig schlüssigen musikalischen Mischung aus Ramones und Pulp eine künstlerische Lücke, von der man überhaupt nicht wusste, dass es sie gibt. ­Lustig, kurzweilig und sympathisch.

18.02.15 19.02.15 20.02.15 21.02.15

HAmBurg Berlin Köln nürnBerg stuttgArt müncHen

HAmBurg Köln müncHen Berlin

›poom poom‹ Tour 2015 09.03.15 FrAnKFurt 11.03.15 Berlin

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13.02.15 HAmBurg 14.02.15 Berlin

›FlAsHligHt seAsons (AnD otHer FAvourites)‹ Tour 2015

08.02.15 Berlin 10.02.15 HAmBurg

tInashe

25.01.15 28.01.15 29.01.15 30.01.15 31.01.15 02.02.15 03.02.15 04.02.15 05.02.15

müncHen scHornDorF mArBurg mAinz essen münster HAmBurg DresDen Berlin

›AquArius‹ Tour 2015 10.03.15 Berlin 11.03.15 HAmBurg

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›el pintor‹ Tour 2015 support: HealtH 25.01.15 Köln 04.02.15 Berlin

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09.03.15 10.03.15 11.03.15 12.03.15 13.03.15 14.03.15 15.03.15 16.03.15 17.03.15 19.03.15 20.03.15 21.03.15

HAmBurg Berlin DresDen münster mAinz Köln HAlDern müncHen erlAngen scHornDorF mArBurg HAnnover

DAniel lanoIs 09.04.15 Berlin 12.04.15 FrAnKFurt

tHe DAnDY WArHols 16.03.15 Berlin 18.03.15 FrAnKFurt 19.03.15 Köln


MORGEN

THE LIVING SISTERS »HARMONY IS REAL« Übertrieben süßliche Weihnachtsplatte von krediblen Künstlerinnen aus der US-IndieSzene. Ein bisschen Swing und ein bisschen Jazz machen das Album weder richtig schrecklich noch ­irgendwie schön. Also überhaupt nicht so, wie Weihnachten jedes Jahr in Wirklichkeit ist.

­A llgemeinplatz-Mischmaschine, die dann zugegebenermaßen nicht ungeschickt als wertiges Produkt mit toller Produktion drum herum verkleidet wurden. In der Hoffnung, dass niemand es merkt. RECONDITE »IFFY« »Iffy« ist minimal im eigentlichen Wortsinn: Auf diesem TechHouse-A lbum des ­Berliner Bayern Recondite passiert wirklich sehr wenig. Zumal die verzierenden Elemente nicht nur wie allein gelassen über die RhythmusFlächen irren, sondern sich auf der langen Albumstrecke zu oft verdächtig ähneln.

SCHMUTZKI »MOB« Schrecklich langweiliger Punk’n’Roll, der gleichzeitig hip und asozial sein will. Textlich nicht völlig ohne originelle ­Einfälle, in seiner Kalkuliertheit aber unerträglich. Musik von und SUBMOTION ORCHESTRA »ALIUM« für Agentur-Arschlöcher. Das britische Submotion Orchestra ist ERIK PENNY eine Big Band aus dem »HEART BLEED OUT« Banale Gitarrensongs Gemischt­warenladen wie direkt vom La- des Dance: alles da und von allem gerfeuer mit dum- viel, aber stilistisch weder visionär men Texten aus der noch stringent. Klar findet so was

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live viele Fans, ihr neues Album bleibt Murcof weit hinter seinen klingt aber wie Jaga Jazzist ohne Möglichkeiten zurück. eine gute, durchdringende Idee. FRANK TURNER TINDERSTICKS »THE THIRD THEE YEARS« Sicher, Frank Turner »YPRES« Verständlich, dass sich kann viel und vieles auch atmosphärische gut, aber hat die Welt Meister wie die Tinwirklich auf sein C ­ over dersticks nach neuen von Queens »Somebody To Love« Betätigungsfeldern umsehen. Ihre gewartet? Zweifelhaft. Auch sonst Soundscapes zur Untermalung ei- wirkt seine nächste Raritätenner Ausstellung, die die Grauen des Compilation, als hätten die eigenen Ersten Weltkriegs zum ­Thema hat, Qualitätsmaßstäbe ganz arglos-­ bleiben aber nicht mehr als das: selbstbewusst nicht sehr weit oben halbdramatische Flächen ohne gelegen. ­besondere Akzente. Hätten im MuWHO’S PANDA seum bleiben können. »BETTER TELL THE TRUTH« ERIC TRUFFAZ & MURCOF Gut gemachter, von den 1970ern beeinflusster »BEING HUMAN BEING« modischer Rock mit Eigentlich ein Gipfeltreffen zweier Könner: cleveren Ideen. Trotzauf der einen Seite ein dem wirkt die Schweizer Band samt Bastler düsterer IDM- ihrem Album latent unsympathisch Soundscapes alter Schule, auf der und überflüssig. Nur cool zu sein ist anderen Seite einer der besten zeit- eben doch ziemlich wenig. genössischen Jazz-Trompeter. Doch während Letzterer virtuos spielt, Texte: Steinbrink, Walter

PROMOTION

WINTER JACK IST ZURÜCK! Jack Daniel’s Winter Jack schmeckt nicht nur aus dem Glas, sondern auch von einem Teller fantastisch winterlich. Sternekoch Stefan Marquard und Amerikas bekannteste Whiskey-Testerin, Jack Daniel’s Urgroßnichte Lynne Tolley, haben ein aufregendes neues Grill-Menü entwickelt. Inspiriert durch den einzigartigen Geschmack von Jack Daniel’s Winter Jack, dem würzig-süßen Apfel-Whiskey-Punsch mit original Jack Daniel’s Whiskey aus Lynchburg, Tennessee, sind erlesene Kreationen entstanden. Jack Daniel’s Winter Jack lädt am 23. Januar 2015 zu einem exklusiven Grill-Event in Hamburg ein. In gemütlich lockerer Atmosphäre wird der renommierte Koch Stefan Marquard mit Lynne Tolley das zusammen kreierte Grill-Menü vor aller Augen zubereiten und servieren. Unter winterjack.de kann man sich für die Teilnahme am Grill-Event bewerben und über die Zubereitung des gesamten Grill-Menüs informieren. www.massvoll-geniessen.de TEILNAHME AB 18 JAHREN


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www.target-concerts.de

HEIMSPIEL ABAY »BLANK SHEETS« BELIEVE / SOULFOOD

10.12. Berlin Columbiahalle 11.12. Hamburg Docks 12.12. Dresden Alter Schlachthof 14.12. Köln Live Music Hall 15.12. Heidelberg Stadthalle 16.12. Münster Jovel

support: PRINCESS

19.2. Hamburg Hafenklang 20.2. Berlin Magnet 21.2. Köln King Georg 22.2. Schorndorf Manufaktur

REBOOT / WILLE / TAUSENDSASSA Was haben Benny und Björn von ABBA und ­S cooters Ha ns-Peter Baxxter gemeinsam? Aydo Abay kennt die Antwort: Der emeritierte BlackmailVokalist hat alle drei ganz kollegial zur Absegnung seiner Neuinterpretationen herangewunken. Keine Angst – nichts weiter als Dehnübungen für den totalen Reboot, den er jetzt als Abay mit einer EP vornimmt, die mit über 40 Minuten Spielzeit und neun Tracks eigentlich keine mehr sein dürfte. Vor den Kopf stoßen wird er damit gleichwohl niemandem, denn von den sechs erkenntnisfrei verrauschenden Minuten namens »1590.2« einmal abgesehen hat hier jedes Stück etwas zu melden. Klavier und Akustikgitarre sind die Kerngefühls­träger und Trümpfe dieses melodiesensiblen Fast-Albums. Wenn es mal elektrisch wird, dann klingt das entweder postrockigmajestätisch (»Bloody Denmark«) oder aber wie auf Billy Talents Betriebsweihnachtsfeier (»All Sorrow«). Zwischen diesen Polen feilt »Blank Sheets« eifrig an der noch ausstehenden deutschen Antwort auf Radical Face. Die Moral von der Geschichte: Man kann Blätter unbeschrieben machen – auch ohne Zaubertinte. Man muss es nur ganz feste wollen. Und Abay will. Valentin Erning

AHUIZOTL »INTEGRITY IS OVERRATED« TUMBLEWEED / BROKEN SILENCE

27.2. KÖLN BÜRGERHAUS STOLLWERCK 28.2. SCHORNDORF MANUFAKTUR 1.3. FRANKFURT ZOOM 8.3. MÜNCHEN THEATERFABRIK 11.3. BERLIN SO 36 12.3. HAMBURG UEBEL & GEFÄHRLICH

SEHNSUCHT / LO-FI / HOLLYWOOD Besonders selbstbewusst wirkt »Integrity Is Overrated« auf den ersten Blick nicht. Das dritte Album der Kölner Ahuizotl irritiert zunächst mit Sätzen wie »Now we know what’s cool, we know you’re not« oder »Go away from under my cloud. It’s supposed to rain«. Wie die stolz geschwellte Brust unter einem noch weiteren T-Shirt verstecken sich solche AntiSlogans aber hinter der nölig-sehnsüchtigen Stimme von Barry Langer und seinen poppigen Lo-Fi-Gitarren. Wenn jemand unbedingt einen Referenz-Köder braucht, um bei dem Album anzubeißen: Ja, Dinosaur Jr lassen grüßen, auch Pavement und Wild Nothing. Aber nur, damit diese Band endlich entdeckt und groß wird. Nach zehn Jahren und Shows mit Boy Omega und Sometree haben sie das auch verdient. »LoFi« heißt im Falle von Ahuizotl übrigens nicht falsche Bescheidenheit, sondern Konzept, das an der richtigen Stelle gebrochen wird: Das Cover

stellt ein Gemälde von Hyunsoo Kim dar, das Album erscheint deshalb ausschließlich auf Vinyl. Unter den Promo-Fotos fürs neue Album ist eines, bei dem der berühmte HollywoodSchriftzug in L.A. durch den des Albumtitels ersetzt wurde. Wenn man das Album kennt, weiß man: berechtigterweise. Kerstin Petermann

NIHILING »NIHILING« K APITÄN PLATTE / CARGO

POSTROCK / PROG-INDIE / CROWDFUND Postrock ist ja ein schwieriges Thema. Manche ­Genres sind irgendwann derart durchdekliniert, dass erst mal Pause angesagt ist. Genau das haben Nihiling aus Hamburg wohl auch gedacht und sich auf die Reise begeben. Per Crowdfunding finanzierten sie ihr drittes Album, und die Bescheidenheit der Band hat diesen Prozess beschleunigt: 600 Euro Studiokosten, 900 Euro für den Produzenten – damit wäre »Dark Side Of The Moon« nicht ausgekommen. In Zeiten billiger Produktionsmittel aber kein Problem, die sieben Songs klingen nicht wie in die Dose gepupst oder vom Sample-Laster überfahren. So ganz freischwimmen konnte sich die Band allerdings nicht, sie kam eher auf halbem Weg in der ProgIndie-Schutzhütte unter. Dort wartete schon die Schwermut, die gerade mit Freund Pop Palatschinken rollte und zur Begrüßung einladend seufzte. Herausgekommen ist ein Album, das jedem Crowdfunding-Aktionär eine ordentliche Dividende beschert hat. Schöne Songs jenseits des plumpen Laut/Leise-Arrangements, die helfen, auf die Renaissance des Postrock-Genres mit entspannter Langmut warten zu können. Carsten Schumacher

PINK LINT »YOU MIGHT LOSE A FEW TEETH BUT IT’S FUN« GR AND HOTEL VAN CLEEF / INDIGO

SHINS / GEDULD / BLÄSER Wer mit dem Namen seiner Platte auf Wagemut hinweist und selbst acht (!) Jahre braucht, um mal mit einem Debütalbum um die Ecke zu kommen, handelt reichlich widersprüchlich. Sänger Oliver Burghardt kamen Besetzungswechsel dazwischen, auch mit der Songauswahl war er lange nicht so recht zufrieden. Das so lange gereifte Debüt überzeugt neben dem schönen Titel vor allem durch eingängige Popstücke mit großzügigem Glockenspiel- und Streicher-Einsatz. Schöner noch als diese sind die Bläser. Beim Stück »The Great Balloon Of All Things« kommen diese fast rüber, als seien sie nur zufällig während der Aufnahmen ins


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Studio hineingeplatzt und einfach geblieben. Pink Lint verlieren sich an ein paar Stellen in lang­atmigen Instrumental-Parts, insgesamt macht das Album aber viel Spaß. Mit »MMXI« gibt es was zu tanzen, und »Bill Of Demands« ist ein gut gewählter Rausschmeißer. Da verzeiht man gern die lange Entstehungszeit. Burghardt klingt übrigens wie eine Mischung aus Ben Kweller und James Mercer von den Shins. Julia Brummert

THE SOCIETY ISLANDS »THE BIG SLEEP« TRC / AL!VE

Glockenspiel und Brian-May-Gedächtnisgitarre genauso selbstverständlich kombiniert wie in einer anderen Indie-Geschrammel mit BeatlesHarmonien und Distortion-Bass. Bowie und die Beach Boys geben sich die Klinke in die Hand, nur um im nächsten Moment für ein zehn­ minütiges Drone- und Streicher-­Monster Platz zu machen. Dazu gibt es Texte mit Anspielungen auf römische Mythologie oder William-BlakeZitate. Keine Ahnung wie, aber: Das Ganze funktioniert hervorragend! Es klingt reizvoll, unkonventionell, kurzweilig, aber nie angestrengt. Wie eine Intro-Heft-CD, wenn es so etwas gäbe, nur eben von einem Künstler. Claudius Grigat

POP / WUNDERTÜTE / NUKLEINSÄURE Kurz vor Ende des Albums ist eine Nukleinsäure-­ Sequenz zu hören, in Endlosschleife. Und wie darin RUMMELPLATZMUSIK / CARGO alles, was wird, bereits ein- FOLK / GEHEIMNIS / PLATTITÜDE geschrieben ist, so scheiTeam A mateur sind nen im Projektnamen des schwer zu fassen. In Sängers, Komponisten und MultiinstrumentaBandnamen, Albumtitel listen Boris Rogowski bereits alle Facetten dieser und Selbstdarstellung als Wundertüte von einem Album angelegt zu sein. schluffige Camper, die Angeblich hat der den festen Glauben, dass es auf dem Album­cover ihre keine schlechten musikalischen Einflüsse gibt. ­Familien grüßen, erinnern Und das hört man: So werden in einer Nummer die b ­ eiden Musiker Tim Sander und Michael

TEAM AMATEUR »FEUER & FREIZEIT«

SA. 01.08.2015

MÖNCHENGLADBACH - HOCKEYPARK ÖRTL. VERANSTALTER: HOCKEYPARK BETRIEBS GMBH & CO. KG

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Hank an die deutschsprachigen Indiepopper der späten 1990er bis zur Jahrtausendwende. Ihre Musik aber ist ganz anders und viel komplexer. Eine Art Sample-Folk mit aufwendig konstruierten Loops, die danach klingen, als wären sie in monatelanger Kleinarbeit aufgenommen und übereinandergeschichtet worden. Dahinter rauschen analoge Synthesizer vorbei, und mehrstimmige Chorsätze sorgen für eine ungewöhnliche Atmosphäre. Problematisch wird es beim Gesang, der nicht nur einmal ins Deutschrockige abrutscht, und bei den Texten, die teilweise keiner Plattitüde aus dem Weg g­ ehen. Dabei haben Team Amateur es doch drauf, wie sie zum Beispiel im Song »Zeitlupe« beweisen: einer Folk-Ballade im Stil eines ­Gisbert zu Knyphausen mit faszinierender Klavier- und Streicherbegleitung. Benjamin Walter

INTRO BIST DU! SENDET EURE MUSIK AN: Intro (Redaktion Heimspiel) Venloer Straße 241-245, 50823 Köln heimspiel@intro.de


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KINO

THE ZERO THEOREM Terry Gilliam lässt uns an einem neuen futuristischen Fiebertraum teilhaben. Der handelt von Reizüberflutung und von Zahlen, die ein Eigenleben entwickeln.

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ohen Leth (Christoph Waltz) passt einfach nicht in die Welt, in der er lebt. Der Misanthrop fristet sein Einsiedler-Dasein in einer ausgebrannten Kirche. Die Buntglasfenster reichen bis weit nach oben. Darunter stapeln sich dreckiges Geschirr und Pizzakartons. Der seltsame Kauz isst nichts, was Geschmack hat, und begibt sich nur sehr widerwillig auf die Straßen der Stadt. Berührungen sind absolut tabu. Wenn er doch mal die Tür zur Außenwelt öffnet, um zu seiner Arbeitsstätte zu gelangen, bricht er angesichts der Reizüberflutung der futuristischen Umwelt fast zusammen. Laufschriften überall, die Farben grell, die Töne schrill. Die Kommerzialisierung des Alltags hat perverse Ausmaße angenommen. Das Ziel ist der schnelle Kick. Insofern ist »The Zero Theorem« keine Dysto-

pie und weit weniger dunkel als sein geistiger Cousin, Gilliams »Brazil« aus dem Jahr 1985, denn die Menschen steuern zwar auf ihren Untergang zu, haben aber mächtig Spaß dabei. Nur eben Qohen nicht. Leider ist der aber genial in dem, was er tut. Als Computerdrohne löst er esoterische Gleichungen. Zahlen, die ein Eigenleben entwickelt haben. »Management« (Matt Damon), der mysteriöse Boss, erkennt sein Potenzial und gibt ihm eine Aufgabe, an der schon viele wache Geister gescheitert sind. Qohen möchte aber eigentlich nur nach Hause und auf den Anruf warten, der wieder Sinn in sein Leben bringt. Den sucht auch Ex-Monty-Python-Mitglied Terry Gilliam immer wieder in seinen Erzählungen. Nicht zuletzt trägt ja auch der letzte Film der Pythons den Titel »Der Sinn des Lebens«. Wieder hat er einen hilflosen Protagonisten

geschaffen, der durch die Geschichte treibt, in ihr aneckt und vor ihr kapituliert. Die geistige Verwandtschaft zu seinen großen Zukunftsvisionen ist deutlich erkennbar: Das Tribunal der Wissenschaftler in »12 Monkeys« (1995) spiegelt sich in einem absurden Arztbesuch wider. Der Supercomputer wiederum, in dem die esoterischen Daten gespeichert werden, steht in einer riesigen Halle, die an Sam Lowrys Endstation in »Brazil« erinnert. »The Zero Theorem« ist ein Fest für Gilliam-Connaisseure. Ein futuristischer Fiebertraum in knalligem UV-Licht. Ein kantiges Konstrukt, das die Hirnwindungen verdreht. In seiner Umsetzung alles andere als perfekt – aber eben ein echter Gilliam. Lars Tunçay — »THE ZERO THEOREM« (GB 2014; R: TERRY GILLIAM; D: CHRISTOPH WALTZ, DAVID THEWLIS, LUCAS HEDGES, MÉLANIE THIERRY; KINOSTART: 27.11.14)


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IM KELLER Österreich ist berühmt für seine düsteren Untergeschosse. Ulrich Seidl fügt dokumentarisch noch ein paar RTLSchicksale und Kellergeister hinzu.

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ine Frau sitzt regungslos vor einem Terrarium. Darin befinden sich ein Meerschweinchen und eine gelbe Riesenschlange. Aus dem Fenster scheint nur wenig Tageslicht in den holzvertäfelten Raum. Das Meerschweinchen schnüffelt und sieht putzig aus. Die Spannung ist kaum zu ertragen. Jeder weiß, was gleich passieren wird. Trotzdem der kollektive Schreckmoment, als die Schlange blitzschnell zuschnappt und das Meerschweinchen in den Würgegriff nimmt. Damit ist die Stimmung von Ulrich Seidls neuem Film »Im Keller« gesetzt. Beklemmung und aufgestellte Nackenhaare. Seidl hat nach langer Zeit wieder einen Dokumentarfilm gemacht. Damit knüpft er an frühere Filme wie »Tierische Liebe«, »Jesus, du weißt« und »Models« an. Es ist bei ihm zwar schwer zu unterscheiden, was Dokument und was Fiktion ist, trotzdem will Seidl die Formen getrennt wissen. In »Im Keller« ist vieles inszeniert, die Inszenierung folgt der Prämisse »So könnte es sein«. Die Protagonisten sind Bürgen für die Authentizität des Dargestellten: Sie führen die gleichen Leben auch in

der Realität, nur eben weniger geometrisch. Seit 2006 Natascha Kampusch ihrem Peiniger entfloh und zwei Jahre später Josef Fritzls Kellerverbrechen publik wurden, sind österreichische Keller in der öffentlichen Wahrnehmung Orte des Schauderns. Was verstecken Menschen unter ihren Häusern? Seidl interessiert sich schon seit Jahren dafür. Sehr viel Zeit ist in die langwierige Recherche geflossen. Nur wenige ließen ihn in ihre Keller schauen, als er an ihre Türen klopfte. Und die, die ihn am unterirdischen Leben teilhaben ließen, wollen offensichtlich nichts verbergen. Nicht der Waffennarr, der einen großen Spielplatz für die Schießwütigen der Region unterhält und eigentlich lieber Opernsänger geworden wäre. Nicht die Puppensammlerin, die ihre lebensechten Rebornbabys zum Schlafen in die Kellerregale räumt. Nicht die Masochistin, die bei der Caritas arbeitet und in Bondage-Schnürung den Unterschied zwischen häuslicher Gewalt und sexuellem Schmerz erklärt. Nicht einmal der Hitler-Nostalgiker, der eine Blaskapelle zum Saufen in seinen Nazi-Devotionalienraum

einlädt. Dass unter dem angestrahlten Porträt Hitlers zwei ÖVP-Gemeinderäte »ein Prosit der Gemütlichkeit« trällerten, löste in Österreich nach der Weltpremiere einen kleinen Skandal aus. Die Kommunalpolitiker mussten ihre Posten verlassen und beschuldigten Seidl der Verzerrung der Realität. Der Filmemacher hat für derlei Kritik, die ihm immer wieder begegnet, klare Antworten. Die Protagonisten seien erwachsene, mündige Menschen und wüssten, was sie tun. Damit hat er zwar recht, dennoch ist »Im Keller« nicht so stimmig wie seine frühen Dokumentarfilme. Leider gibt es zu viele Figuren, die im Einzelnen zu kurz kommen, und etliche Geschichten, wie sie, natürlich nicht so schön arrangiert, auch im Spätprogramm von RTL und Co. laufen. Wahrscheinlich zum ersten Mal hat Seidl nicht gefunden, wonach er suchte. Für sein Gesamtwerk wäre es wohl besser gewesen, er hätte sich das eingestanden. Inga Selck — »IM KELLER« (A 2014; R: ULRICH SEIDL; KINOSTART: 04.12.14)


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#ZEITGEIST

rgendwie klappt es nicht mit der Technik und der Kunst, die davon erzählen will. Gerade erst haben wir uns vom »Circle« erholt Jason Reitman erzählt eine Verfallsgeschichte aus der Geisterbahn der – dem Google-kritischen Roman, Entfremdungsängste. Ist das Internet nur der Albtraum der analogen Welt? für den Dave Eggers kurz sein gesamtes literarisches Können über Vaters finden durfte – eine ErfahBord geworfen hat. Und jetzt auch noch »#Zeitgeist«, der neue Film rung, die seinem Sohn Chris fehlt, von Regisseur und Drehbuchautor weil der ganze Schweinkram jetzt Jason Reitman (»Thank You For einfach im Internet zu haben ist. Smoking«, »Juno«, »Up In The Für Chris (Travis Tope) hat das Air«). Ähnlich wie Eggers gilt Reitnatürlich schwerwiegende Folgen: man als pfiffiger Zeitdiagnostiker Der ist durch Pornokonsum so abgestumpft, dass ihn normaler Sex – und ähnlich wie Eggers fährt er mit Karacho gegen die Wand, wenn (wie auch immer sich diese Normaer sich der technischen Gegenwart lität konstruiert, dazu schweigt der nähern will. Episodenhaft werden Film) nicht mehr anmacht. Nicht in »#Zeitgeist« mehrere Geschicheinmal, als Hannah sich auf ihn ten von Teenagern und deren Eltern schmeißt. Sie geht mit Chris zur erzählt, die sich alle mit den neuen Schule und will Schauspielerin Schnittstellen von Sexualität und werden, was ihre alleinerziehende Internet auseinandersetzen müsMutter vehement fördert, indem sen: Don (Adam Sandler) entdeckt zimmer-Computer gerade benut- Erinnerungen an damals, als alles sie erotische Bilder der Minderjähden Porno-Verlauf auf dem Rechner zen will, um selbst Pornos darauf zu besser war und er als Kind noch rigen im Netz gegen Geld anbietet. seines Sohnes, als er den Kinder- schauen. Nostalgisch schwelgt er in zufällig die Schmuddelhefte seines Ein halbes Dutzend mehr Figuren

WILD TALES – JEDER DREHT MAL DURCH

KINO

So sieht es aus, wenn ein Film nicht zu Unrecht als Mix aus Tarantino, Coens und Almodóvar bezeichnet wird. Letzterer ko-produzierte diesen schwarzen Thriller mit Hand zur Komödie, der sich in Argentinien bereits zum größten Blockbuster aller Zeiten entwickelte. Regisseur Damián Szifron verwebt sechs Episoden miteinander, die nicht direkt verbunden sind, jedoch von einem thematischen roten Faden zusammengehalten werden. Blutrot, um genau zu sein. Kinostart ist der 8. Januar 2015, wir zeigen »Wild Tales – Jeder dreht mal durch« in exklusiven Previews.

— Intro Previews Montag, 15.12. in Berlin, Hamburg, Köln, München und Frankfurt am Main. Deutsche Synchron­fassung. Siehe Seite 61.


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und Erzählstränge dieser Machart füllen den mit 123 Minuten viel zu langen Film, einer ist erwartbarer als der andere. Ganz zu Beginn, bevor »#Zeitgeist« diese Geisterbahn der Entfremdungsängste abfährt, lässt uns der Film einmal kurz auf die Raumsonde Voyager I blicken, die gerade die Grenzen unseres Sonnensystems überschreitet, hinein ins tiefe All. An Bord befestigt ist eine vergoldete Bronzeplatte, eine Art Tinder-Profil der Menschheit, falls uns da draußen jemand kennenlernen will: ein paar Basic-Infos über die Erde, ihre Zivilisation, unsere Kunst und Kultur. Die Raumsonde und ihre Platte sind ein schönes Detail der Technikgeschichte, man versteht, warum Reitman meint, darin eine tolle Metapher entdeckt zu haben – bloß weiß er so gar nicht, wofür es eine Metapher sein soll. Prätentiös und kitschig schwebt Voyager I

über den Teenager-Episoden. Das Gleiche passiert auch mit all den anderen Bulletpoints des digitalen Zeitalters: WhatsApp, Tumblr, Online-Rollenspiele oder Google. Ja, irgendwas bedeuten diese Sachen, irgendwas muss man davon erzählen können – aber was genau, das weiß Reitman wohl auch nicht. Also nimmt er eben das Alleroffensichtliche: eine Verfallsgeschichte im Tonfall des Oberstudienrats kurz vor der Pensionierung, der jetzt über Sexting und die Abschaffung der Privatsphäre schimpft, wie er vor zehn Jahren über die komisch hängenden Hosen der Jugendlichen geschimpft hat. Selbst wenn man alle technikphilosophischen Fragen ausklammerte – aus so einer simplen Haltung lässt sich einfach kein guter Film machen. Lars Weisbrod — »#ZEITGEIST« (USA 2014; R: JASON REITMAN; D: ADAM SANDLER, TRAVIS TOPE; KINOSTART: 11.12.14)

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ST. VINCENT Bill Murray spielt in »St. Vincent« (USA 2104; R: Theodore Melfi; Kinostart: 08.01.15) einen Rentner, der seinen Lebensabend in Brooklyn verbringt. Als die alleinerziehende Maggie (Melissa McCarthy) das Haus nebenan bezieht, wird der 12-jährige Oliver (Jaeden Lieberher) zu Vincents Ziehsohn. Vincent macht das, was Erwachsene in Filmen wie diesem immer machen, um den Erwachsenen im Kinosaal große Augen ins Gesicht zu zaubern, auf dass womöglich Tränen der Rührung in den Popcorn-Eimer tropfen: Er behandelt den Jungen wie einen Großen, unter anderem kommt es zur Begegnung mit einer Stripperin. Die »Ehrlichkeit«, die den Alkohol, Frauen und Glücksspiel liebenden Vincent und den nach einem Vaterersatz suchenden — Intro Previews Oliver zu Buddys machen, wird Montag, 05.01. in Berlin, Hamburg, Köln nicht selten von Murrays hinterund München. Deutsche sinnigem Spiel gebrochen. Der Synchronfassung. ist halt selbst der größte Schelm. Siehe Seite 61. Paula Fuchs

COHERENCE Eine kleine Produktion für Hollywood-Verhältnisse, ein Quantensprung fürs Genre. James Ward Byrkits Regiedebüt bietet sauspannende Science-Fiction.

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ie letzte Szene von »Coherence« könnte aus einem David-Lynch-Film stammen. Allerdings lieferte Regisseur James Ward Byrkit in den vorangegangenen 90 Minuten eine Erklärung für die unheimliche Situation, die mit Lynchs metaphysischem Traumdeutungskino nichts zu tun hat. Es beginnt wie ein klassischer Horrorfilm: Das Telefongespräch von Em (Emily Baldoni) mit ihrem Freund Kevin wird abrupt beendet, als die Oberfläche des Handys während der Autofahrt scheinbar grundlos zerspringt. Em ist auf dem Weg zu einem Treffen mit alten Bekannten, die einander lange nicht gesehen haben. Dort wird nicht nur Kevin (Maury Sterling), son-

dern auch Laurie (Lauren Maher), die Ex-Freundin des Loverboys, zu Gast sein. Unangenehme Sache. Überhaupt stehen ein paar blöde Dinge im Raum, während das Din-

der in dieser Nacht am Himmel zu beobachten sein wird. Die fiesen Psychospiele weiten sich aus zu physikalischen Diskussionen. Plötzlich gibt es das Haus, die handelnden Personen und damit sämtliche zwischenmenschlichen Probleme und Verwicklungen mehr als ein Mal. Schuld sind die Gesetze der Quantenphysik, siehe Schrödingers Katze, die vermeintlichen Auswirkungen des Kometen auf die Erde und nicht zuletzt ein hervorragendes Skript. Es gönnt weder den Figuren noch dem Publikum eine Sekunde zum Atemholen und zur Orientierung. Dabei könnte doch alles weniger gruselig sein, sähen die Verdammten sämtliche Möglichkeitswelten, die sich ihnen nun erschließen, als etwas Positives. Oder ist alles bloß ein kollektiver Drogentrip? ner vorbereitet und verzehrt wird. Wolfgang Frömberg Schauspieler Mike, der Gastgeber, gespielt von »Buffy«-Star Nicholas — »COHERENCE« (USA 2014; R: JAMES Brandon, nimmt kein Blatt vor den WARD BYRKIT; D: EMILY BALDONI, Mund. Bald ist der Komet Thema, NICHOLAS BRENDON; START: 25.12.14)


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DVD

DEVIL’S KNOT

»Devil’s Knot« ist ein leises Gerichtsdrama über einen spektakulären Kriminalfall. Regisseur Atom Egoyan glaubt, dass ein Spielfilm realistischer als eine Dokumentation sein kann. Foto: Katja Ruge

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ls 1993 in West Memphis, Arkansas – Teil des tiefreligiösen »Bible Belt« – drei Kinderleichen entdeckt werden, scheinen die Täter schnell ausgemacht: Drei Teenager mit Vorliebe für schwarze Kleidung, Okkultismus und Heavy Metal sollen die kleinen Jungen in einem satanistischen Ritual ermordet haben. Praktisch, dass einer von ihnen extrem naiv ist und zu einem Geständnis gebracht werden kann. In den darauffolgenden Gerichtsverfahren werden die Angeklagten Damien Echols, Jason Baldwin und Jessie Misskelly jr. trotz fehlender Beweise für schuldig befunden. Baldwin und Misskelly erhalten lebenslange Haftstrafen, »Anführer« Echols wird zum Tode verurteilt. Der Fall erfuhr kurz darauf durch drei von HBO produzierte Dokumentationen großes mediales Interesse. Eine breite Öffentlichkeit, darunter Stars wie Johnny Depp, Iggy Pop, Tom Waits oder Winona Ryder, forderte die Freilassung der »West Memphis Three«. Vor allem, weil die unter der Ägide von Joe Berlinger (»Metallica – Some Kind Of Monster«) entstandene »Paradise Lost«-Trilogie das Vorgehen gegen die drei Verdächtigen als Hexenjagd darstellte – auf durchaus manipulative Weise. Mittlerweile sind die jungen Männer, nach 18 Jahren Haft, wieder auf freiem Fuß. Eine Hollywoodverfilmung schien genauso überfällig wie die Frage, was ein Spielfilm der Geschichte noch hinzufügen könnte. Die Antwort ist in Bezug auf »Devil’s Knot« recht einfach: Ambiguität! Atom Egoyan, als Regisseur bekannt für die meisterhaft subtile Darstellung kollektiver Gefühlswelten wie in »Das süße Jenseits« oder »Ararat«, hebt im Interview hervor, dass sein Hauptinteresse hier nicht in der Frage nach Schuld oder Unschuld liege: »Mir geht es um die Ohnmacht und Frustration, die ein solcher Fall bei allen Beteiligten auslöst. Es können Dinge passieren, gegen die wir machtlos sind. Hätte Oliver Stone den Film gedreht, hätte er sicher eine Schuldzuweisung geliefert. Für mich gibt es aber keine einfache Wahrheit. Deshalb wäre für mich der ideale Zuschauer jemand, der den Fall noch nicht kennt.« Laut Egoyan muss demzufolge eine Dokumentation nicht unbedingt wahrheitsgetreuer sein als ein Spielfilm: »Manche Spielfilm-Figuren sind vielleicht realistischer als in der Wirklichkeit einer Doku, weil die Dokumentarkamera die Gefilmten dazu bringt, zu schauspielern.« Dementsprechend wirkt sein Film nicht nur antiklimatisch, sondern auffallend unspektakulär. Egoyans Ziel ist eine vollkommen ausgewogene Darstellung aller relevanten Geschehnisse, sein Fokus gilt dem Unfassbaren. So ist der mit Colin Firth und Reese Witherspoon hochkarätig besetzte »Devil’s Knot« womöglich der Wahrheit näher als die »Paradise Lost«-Filme. Text & Interview: Martin Riemann

— INTRO EMPFIEHLT: »DEVIL’S KNOT« (USA 2013; R: ATOM EGOYAN; D: COLIN FIRTH, REESE WITHERSPOON; SENATOR)


Lucille: »Get me a vodka rocks.« Michael: »Mom, it’s breakfast!« Lucille: »... and a piece of toast.«

Eine Komödie der Extraklasse von den “„Shaun of the Dead Machern!

TV-Serien über dysfunktionale Familien gibt es viele. Die Bluths aus »Arrested Development« gehen problemlos als die absurdeste durch. Jede Figur der irrsinnig komischen US-Comedy, die 2006 trotz sechs Emmys wegen mangelnder Quote abgesetzt wurde, schien so überzeichnet, dass sich der Mainstream zunächst schwertat. Dass zahllose Fans durch ihre Treue den Neustart mit Staffel 4 (2013) via Netflix erzwangen, gleicht einem kleinen Medienmärchen. Staffel 5 ist bereits in Planung. Dieser Tage erschienen die »klassischen« drei Staffeln nun endlich erstmals auf Blu-ray in einer Box. Nicht zuletzt brillieren darin mit Michael Cera, Will Arnett und Jason Bateman gleich drei aufstrebende Schauspieler kurz vor ihrem Hollywood-Durchbruch. Eine Serie, so detailverliebt humorvoll wie »Die Simpsons« und so absurd wie »Monty Python’s Flying Circus«. Felix Scharlau — »ARRESTED DEVELOPMENT – STAFFELN 1-3« (BLU-RAY / CAPELIGHT PICTURES / AL!VE)

CAN A SONG SAVE YOUR LIFE? Nach dem Erfolg der Musikerromanze »Once« setzt Regisseur John Carney erneut auf seine Gewinnformel, nur diesmal mit größeren Stars. Eins vorweg: Songs, die tatsächlich dein Leben retten könnten, hören sich wahrscheinlich anders an als jene gefühlvollen Balladen, auf die »Can A Song Save Your Life?« abonniert ist. Aber es scheint nun mal zu John Carneys Erfolgsgeheimnis zu gehören, dass schöne Momente auch schön anzuhören sein sollten, ganz so, wie es ihm in seinem Oscar-prämierten Publikumshit »Once« schon mal gelungen ist. Auch der neue Film kreist um Musik als Soundtrack des Lebens. Er handelt von der Songwriterin Gretta (Keira Knightley), deren Beziehung zu Popstar Dave Kohl (Maroon-5-Sänger Adam Levine als er selbst) in den letzten Zügen liegt. Der emotionale Fall-out schlägt sich in intimen Akustikstücken nieder, die wiederum einem desillusionierten Plattenfirmenmann (Mark Ruffalo) neuen Lebensmut einflößen. Genau wie bei den kompetent geschriebenen Songs (von New-Radicals-Honcho Gregg Alexander) zeigt sich auch in den Produktionsdetails eine

NICK

RASHIDA

CHRIS

UND

IAN

FROST JONES O’DOWD McSHANE

ECHTE MÄNNER TANZEN Sorgfalt, auf die romantische Komödien sonst oft verzichten. So wirkt der kuschelige Film fast erpresserisch plausibel. Keira Knightley selbst singen zu lassen hilft natürlich auch enorm. Alexander Dahas — INTRO EMPFIEHLT: »CAN A SONG SAVE YOUR LIFE?« (USA 2014; R: JOHN CARNEY; D: KEIRA KNIGHTLEY, MARK RUFFALO, ADAM LEVINE; STUDIOCANAL)

J zt auf DVD, Jet Blu-ray und als Video On Demand!


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DVD

THE RETURNED Die Mystery-Serie aus Frankreich zieht die poröse Grenze zwischen Leben und Tod neu. Sie lässt Menschen und Untote mehrfach die Rollen tauschen. Auch Stephen King gefällt das.

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er (Alb-)Traum ist so alt wie die Menschheit selbst: Was geschieht, wenn die Toten wiederkehren und erneut an unserem Leben teilnehmen wollen? In einer abgelegenen französischen Kleinstadt passiert

genau das. Camille, ein junges Unfallopfer, steht eines Abends wieder bei ihrer Mutter in der Küche – ohne Blessuren und ohne Erinnerung. Sie wird nicht die einzige Zurückgekehrte bleiben, und der Umgang der Lebenden mit ihren neuen Hausgästen ist realistisch genug dargestellt, um einem ein paar Urängste als kalten Schauer über den Rücken zu jagen. Das Rendezvous mit dem Jenseits hört an diesem Punkt auch nicht auf, denn bald schon müssen die Einwohner feststellen, dass sich die Stadt nicht mehr so leicht verlassen lässt wie zuvor, während das überflutete Dorf im nahe gelegenen Stausee wieder auftaucht. »The Returned« macht den Eindruck, als habe jemand die unterschiedlichsten unheimlichen Vorstellungen lose miteinander verknüpft und in eine Serie verwandelt, die sich mit Erklärungen aufreizend zurückhält. Atmosphäre ist alles. Und was sich unter der trüben Linse von Kameramann Patrick Blossier abspielt, dürfte Stanley Kubrick und David Lynch

wahrscheinlich ebenfalls gefallen. Stephen King hat der übernatürlichen Serie auch schon seinen Segen gegeben. Die gegenseitige Sympathie ist leicht zu begreifen. »The Returned« ist tödlich spannend und malt noch im heikelsten FantasyMoment ein erwachsenes und komplexes Bild von zwischenmenschlichen Beziehungen, das nach soziologischen Interpretationen verlangt. Die erste Staffel wirkt in dieser Hinsicht wie ein lange herausgezögerter Orgasmus, dessen Suspense sich in einen luftleeren Raum zu verlieren droht. Nach den ersten acht Folgen muss »The Returned« so viele Bälle in der Luft halten, dass in der Zukunft eigentlich nur ein ausgemachtes Drehbuchwunder ein implodierendes Ende à la »Lost« verhindern kann. Aber Hochspannung bleibt gerade deswegen garantiert. Alexander Dahas — INTRO EMPFIEHLT; »THE RETURNED – DIE KOMPLETTE ERSTE STAFFEL« (F 2012; S: RAELLE TUCKER, CARLTON CUSE; D: YARA PILARTZ; STUDIOCANAL)

»›When Animals Dream‹ ist zwar nicht der erste Spielfilm, der mit den Mitteln des Horror-Kinos die Wachstumsschmerzen einer Pubertierenden beschreibt und den Rest der Welt in ein blutrotes Licht taucht. Hauptdarstellerin Sonia Suhl spielt die Konkurrenz allerdings locker gegen die Wand.« Intro-Autor Alexander Dahas war zum Kinostart voll des Lobes über Jonas Alexander Arbys Coming-of-age-Grusel im Stile von »So finster die Nacht«. Jetzt via Prokino auf DVD und BD.


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DISCOPATH / STAGE FRIGHT Trash ist in B-Movie-CineastenKreisen kein Schimpfwort. Für Splatterfilme gilt es als Auszeichnung, auch wenn Ausstattung und Score gar kein Müll sind.

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in Retro-Slasher und ein Musical-Massaker bieten sich in der Post-Halloween-Vorweihnachtszeit mit ambitionierten Soundtracks und viel Liebe zum Detail für eine Filmnacht auf der Couch an. Duane Lewis (Jérémie Earp) arbeitet 1976 in einem Fast-Food-Shop, als drei Typen mit einer Boombox in den Laden kommen, in der ein unwiderstehlicher Discobeat pocht. Duane kommt darauf nicht klar, sein Herz klopft synchron im Rhythmus eines Kindheitstraumas: Duanes Vater, offenbar eine Art Arthur Russell, starb bei der Produktion eines solchen Tracks inmitten seines coolen Equipments. Fortan slasht sich Duane, der »Discopath«, durch Clubnächte und Mädchenschulen. Freunde von Giallo und Seventies-Disco dürften an der Musik und der Ausstattung sowie der Uncut-Edition ihre Freude haben. Und wer da noch nicht genug Blut gesehen hat und »Glee« entweder liebt oder hasst, dem sei »Stage Fright« als Anschlussfilm empfohlen. Camilla Swanson (Allie MacDonalds) ist ähnlich beschädigt wie der Discopath: Ihre Mutter war einst ein Bühnenstar und wurde nach der Aufführung von »Fluch der Oper« durch einige unschöne Messerstiche von einem maskierten Phantom aus dem Spiel genommen. Ausgerechnet dieses Stück wird nun in Roger McCalls (Meat Loaf) Ferienlager für Teens mit Musical-Affinität aufgeführt. Camilla bekommt die Hauptrolle, weil der Regisseur sie ins Bett kriegen will, ein blutrünstiger Hater mit anderem Musikgeschmack und Phantom-Tick wartet derweil nur auf seinen Einsatz. Vielleicht nicht so gruselig, dafür aber sehens- und hörenswerter als die ganze Lloyd-Webber-Scheiße. Übrigens kommen beide Filme aus dem friedlichen Kanada. Paula Fuchs — »DISCOPATH« (CDN 2013; R: RENAUD GAUTHIER; D: JÉRÉMIE EARP, CATHERINE ANTAKI; MAD DIMENSION) — »STAGE FRIGHT« (CDN 2014; R: JÉRÔME SABLE; D: MINNIE DRIVER, MEAT LOAF; CAPELIGHT)


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SPIELE

CIVILIZATION: BEYOND EARTH Seit Menschengedenken inszeniert die »Civilization«-Reihe den Aufstieg der Menschheit als langwieriges Strategiespiel. Jetzt besiedelt die Menschheit fremde Welten – und fühlt sich da unheimlich zu Hause.

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an kann den kompletten Aufstieg der Menschheit als eine ruhige, ganz von Zeitdruck befreite Serie einfacher Entscheidungen darstellen. So macht es die »Civilization«-Serie. Seit Jahrzehnten beherrscht sie damit die Strategiespiel-Nische auf dem Computer. Einige mögen das rundenweise Abarbeiten von Produktionsplänen, Forschungsprojekten und Truppenbewegungen erschöpfend langweilig finden, aber wer schon einmal einen Garten gepflegt oder einen Goldfisch großgezogen hat, kann den Reiz dieser stillen Beschäftigung verstehen. In »Civilization« reisen Spieler durch eine überspitzte, verfremdete Version der Menschheitsgeschichte. Aber es wäre auch mal schön, wenn das Ende der Entwicklung nicht grundsätzlich schon feststünde. Und genau das bringt der Spin-off-Titel »Beyond Earth«. Im klassischen »Civilization« ziehen marodierende Barbarenstämme durch das Land, die man mit rassistischer Selbstverständlichkeit auslöscht. In der Zukunft dagegen ziehen Aliens durch die Lande, die manchmal angreifen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Was man mit

denen machen soll, ist ziemlich offen. Zerstören, abschotten oder zusammenwachsen? Auch der wissenschaftliche Fortschritt läuft nicht mehr strikt von dumm nach schlau, sondern öffnet sich wie ein Netz in alle Richtungen. Und die Fraktionen sind jetzt keine Karikaturen von Erdvölkern mehr, sondern müssen erst einmal verstanden werden. Wer die Menschheit schon öfter aus der Steinzeit geführt hat, der spielt »Civilization« schnell auf Autopilot. Zumindest in den ersten Runden aber ist »Beyond Earth« wirklich eine neue Welt voller offener Fragen. Das Quasi-Brettspiel bleibt allerdings immer noch dasselbe. Für die Kolonisten mag sich der neue Planet hart anfühlen; wer jemals »Civilization« gespielt hat, landet sanft. Da reist man in ein anderes Sonnensystem und fühlt sich doch schnell wie zu Hause (mit einem Stich ins Lila). Darüber kann man sich schlecht beschweren, das Spiel ist brillant und setzt nun mal eine Serie fort. So funktioniert der Aufbau einer Zivilisation. Rundenweise. Jan Bojaryn — »CIVILIZATION: BEYOND EARTH« FÜR PC (2K)


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SUNSET OVERDRIVE In der Brause steckt Gift! Die Prämisse von »Sunset Overdrive« sieht erst nach den drei Fragezeichen aus. Aber in diesem Universum hat kein pfiffiger Juniordetektiv das Unglück verhindert. Eine ganze Stadt hat sich in gefräßige Mutanten verwandelt. Dass ein Riesenkonzern wie Microsoft so eine unverhohlene Konsumkritik exklusiv an die eigene Spielkonsole heftet, mag seltsam klingen. Aber dafür kostet die Konsumkritik ja auch siebzig Euro. Worum es noch mal geht, vergisst man beim Spielen sowieso.

Der eigene Antiheld ist vor allem eine schicke Anziehpuppe. Die grindet auf Oberleitungen und Geländern, springt auf federnde Oberdächer und ballert in der Bewegung mit Schallplatten, Bowlingkugeln und explodierenden Teddys auf Mutanten, Banditen und Kampfroboter – eine hervorragende Beschäftigung, wenn man Unsinn mag. Jan Bojaryn — »SUNSET OVERDRIVE« FÜR XBOX ONE (MICROSOFT)

BAYONETTA 2 Wenn man einer Domina stundenlang auf den Schritt glotzt – geht das in der Summe als Gleichberechtigung durch? Ist man dann irgendwie quitt? Diese Frage stellt sich verblüffenderweise auf Nintendos familienfreundlicher WiiU. »Bayonetta« ist eine Hexe, allerdings eher in der Halloweenkostüm-Variante. Ihr zweitstärkster Trick besteht darin, Ballett zu tanzen, während sie Gegner aus ihren High-HeelPistolen beschießt. Ihr stärkster Trick besteht darin, sich zu räkeln, während ihr der Catsuit vom Körper fließt und sich zu einem riesigen Stöckelschuh formt, der auf Gegner herabstampft. In die enge-

re Auswahl geschafft haben es der körperlose Monsterkopf, der aus dem Nichts auftauchend Gegner zerfleischt, und hervorgezauberte Hinrichtungsapparaturen. Auf der langen Liste sexistischer Spiele lässt sich »Bayonetta 2« nicht so leicht einordnen. Einerseits ist die übermächtige Domina, die alles und jeden schrill demütigt, kein Fehlgriff. Im Gegenteil: Sie passt hervorragend zu einem absurden Prügelspiel. Sie vermöbelt Engel, die aus Flügeln, Pferdekörpern und umgedrehten Gesichtern zusammengeleimt werden. Das tut sie auf fliegenden Düsenjets, im freien Fall, unter Wasser, in der Hölle. Aber ständig räkelt sie sich, bläst vornübergebeugte Küsschen und grinst der Kamera zu, wenn die mal wieder frech zwischen ihren Beinen durchfährt. Stark ist sie ihren Gegnern gegenüber, nicht den Spielern. Wer das ausgefeilte Kampfsystem unter all dem Brimborium zähmt, der zähmt auch die Hexe und wird mit Softsex-Ästhetik belohnt. So muss man das nicht sehen. Aber man kann. Jan Bojaryn — »BAYONETTA 2« FÜR WIIU (NINTENDO)


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ROTEMITAUGEN SCHARLAU & VOLKMANN Felix Scharlau und Linus Volkmann sind Ende 2014 wohl endgültig die Guns N’ Roses der SpieleRezensenten-Zunft: verkracht, erfolglos, und sie haben sich so lang nicht gesehen, dass sie sich nicht mehr wiedererkennen. Aber wie bei Guns N’ Roses auch gilt eben: Kein Grund, nicht dem alten Erfolg hinterherzueifern! Hier ihr Weihnachtsalbum.

SINGSTAR: ULTIMATE PARTY FÜR PS3 UND PS4 (SONY)

Linus: Ich bin’s, der Lini! Felix: Wer? Ich kenne Sie nicht. L: Doch, von früher, wir hatten diese schweinstarke Games-Kolumne. [macht Tiergeräusche] F: Ach ja, stimmt, komm rein. Hier, sing mal was in mein Handy. L: [singt] Under my umbrella! Ella! Eh! Eh! Hey, Moment, ich höre meine Stimme aus deinem Fernseher. Bin ich etwa bei »The Voice Of Germany« live drauf? Ja? Smudo, nicht wieder heulen, ich liebe dich! Und ich liebe deine Art, dich als seelenlose Werbefigur zu inszenieren! F: Tut mir leid, das ist nicht ganz Pro7. Das ist das neue »SingStar«. Wenn man kein Mikro hat, kann man jetzt per App auch in sein Handy singen. Second Screen, Alter! L: Ach, du und dein blöder Second Screen. Ist dir noch nie aufgefallen, dass alles Zweite schlecht ist? »Zweites Album«, »aus zweiter Hand« oder natürlich »zweiter Sieger in einem Weltkrieg«. F: Stimmt, hast recht. Das Spiel hat auch seine Fehler, jetzt, wo ich drüber nachdenke. Zum Beispiel heißt es »Party«, aber es gibt den Party-Modus gar nicht mehr. Man kann auch nur noch mit bis zu zwei Spielern singen, und Sony unterstützt Problembär Xavier Naidoo weiter mit Songtantiemen. Jetzt beschließe diese Review aber bitte nicht wieder völlig überzogen mit deinem Gemecker der Wutbürgerziege. L: Hinder mich doch. Zu spät, hier kommt’s: Abzocke!

THE EVIL WITHIN FÜR PC, PS3, PS4, XBOX 360 UND XBOX ONE (BETHESDA)

L: Das Spiel wurde ja aktuell hart beworben vor den Folgen der vierten Staffel »The Walking Dead« auf RTL II – und ich habe Gronkh schon bei seinen Let’s-Play-Videos darüber zugeguckt. F: Pfff, wenn dir Gronkh so wichtig ist, dann fick ihn doch.

L: Erlaube mal, bist du derselbe Mann, der eben noch um Mäßigung in meiner Ausdrucksweise bat? F: Ich kann mich halt emotional und sprachlich auf Horror-Games einlassen. Das nennen wir Künstler Mimesis. L: Im Spiel geht es auch um unnötige Operationen an Lebenden. Thematisch also eine Mischung aus »Saw« und »Itchy und Scratchy«. Beschreibe auch du es den Zuschauern, Felix. F: Gern. Aktuell schwinge ich gefesselt kopfüber zwischen Leichen. Aus einer davon ziehe ich jetzt ein Messer, um mich loszumachen. So stelle ich mir den perfekten Urlaub vor. L: Horror ist auch für mich vor allem Poesie. F: Ich wurde, während du das sagst, allerdings mehrfach enthauptet. Dazu läuft spooky Musik von einem alten Grammofon. Was für ein schweres Schleich-Spiel – im Deppen-Modus wohlgemerkt. L: Gut gefällt mir, dass du nach zehn Minuten schon humpelst, weil dir eine Motorsäge ins Bein gesägt hat. Allzu lange kann das Spiel ja nicht mehr dauern. F: Quatsch, vorm nächsten Level darf ich mir bestimmt ein neues kaufen. Von den vielen Münzen, die ich im Spiel gesammelt habe. Hier, guck! L: Äh, das sind Backenzähne.

PAC-MAN UND DIE GEISTERABENTEUER FÜR WIIU, 3DS, PS3 UND XBOX 360 (NAMCO BANDAI)

L: Pac-Man habe ich als Kind sehr gern gespielt – als andere schon längst gewichst haben. F: In meiner Kolumne darf man nicht »gewichst« sagen. L: Ja, wusst ich halt nicht. [...] F: Um das peinliche Schweigen mal zu brechen, sage ich was zum Spiel. L: Au ja! F: Nur weil es wie PS2 aussieht, heißt es nicht, dass es kein PS3Spiel ist. L: Ist denn nicht schon PS4 die aktuelle Konsole? F: Na, für so Mid-Price-Dinger mit besserer Gameboy-Optik brauchst du halt keine PS4 – und in der Zielgruppe ist da die PS3

noch weit verbreitet. L: Das Pillen-Schlucken und Geister-Sehen gilt in der Hermeneutik übrigens als Kommentar auf die Techno-Szene. F: Pac-Man war doch viel früher. L: Habe ich Hellmuth Karasek ja auch gesagt, aber er hat nur gesabbert. F: Aha? Und weißt du, dass Pac-Man in der Entwicklung noch Puck-Man hieß? Aber die Nähe zu Fuck-Man war zu arg. L: Fuck-Man! Da erinnerst du mich an was. Trete mal eben hinter die Spanische Wand und hör deine Black-Metal-Platten über Kopfhörer. Ich habe einen dringenden, öh, Anruf zu erledigen. F: Nein! Sag lieber, was du vom Spiel denkst. L: Pac-Man als 3D ist super-öde. Womit ich meine: Ich kann mir gut vorstellen, das 20, 30 Stunden am Stück zu spielen. F: Ich weiß, du bist bereits bei Stunde 15. L: Aber ich fühle nichts.

WORLD OF TANKS: XBOX 360 EDITION (MICROSOFT)

L: So’n Zufall. Hier, guck mal, ich trage gerade das T-Shirt »Ich bin zwei Öltanks!« F: Hast du eigentlich von irgendwas wirklich eine Ahnung, Alter? L: World of Öltanks? F: Tanks sind Panzer, DAS Fortbewegungsmittel der 40er-Jahre. L: Aha? Und hier nun in eine spannende Simulation gepackt. Also, spannend auf dem Level von »Brücken konstruieren« auf Codein. F: In der Tat, hier stand echt nicht »Call Of Duty« Pate. Eher die verfilmte Bauanleitung für eine MieleWaschmaschine. Aber wer weiß, vielleicht hat sich Unternehmen Barbarossa wirklich so angefühlt? Eintönig? Hätte man früher doch mal die Großeltern mehr ausgefragt, anstatt immer nur über sie zu richten. L: Das Spiel verhöhnt in seiner Komplexität den uralten Menschheitstraum, mit dem Panzer in den Vorgarten seines Chefs zu fahren und abzudrücken. F: Also, für mich ist das kein Traum, sondern Zukunftsmusik.


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THE CREW Freiheit ist für Videospiele immer noch eine Herausforderung. Wie baut man ein Spiel, das genügend Abwechslung bietet und gleichzeitig episch groß ist, ohne dass man darin verloren geht? Nur wenige Genres eignen sich für eine offene Sandkastenwelt, in der es mehr Auswahl als nur zwischen Schaufel und Eimer gibt. Mit einem schnellen Wagen lassen sich große Distanzen jedoch leichter überbrücken, und geografische Größe wird plötzlich zum Mitspieler.

D

er Entwickler Ivory Tower ging aus dem Kernteam von Eden Games hervor, die 2011 mit »Test Drive Unlimited« den Vorreiter des Open-WorldDriving-Genres besetzten. Nun wollen sie mit »The Crew« zeigen, dass ein gutes All-you-can-driveBuffet möglich ist. Die Lösung lag in einem anderen bildlichen Vergleich, den ein englisches Magazin mit »racing-version of Google Maps« treffend beschrieb, denn es sind genau 48 Bundesstaaten der USA befahrbar. Eine Fahrt von New York nach Los Angeles dauert in Spielminuten immerhin rund zwei Stunden. Etappenziele für Langstreckenrennen können dabei selbst gesetzt werden, auch ist es möglich, abseits vom Story-Modus im Kreis von drei Mitspielern online Rennen zu fahren. Auf dem frei wählbaren Weg (on- oder off-road)

liegen Dutzende von Aufgaben. So bringen zum Beispiel Scamble-, Slalom- oder Jump-Missions Erfahrungspunkte. Alle gesammelten Punkte und somit das Geld können für Autos investiert werden, die durch fünf verschiedene AufrüstSets spezialisiert werden und so für die präferierten Missionen und Landschaftsabschnitte besser ausgestattet sind. Manche Autos wie der Mini Cooper S sind den limitierten Konsolen-Varianten des Spiels vorbehalten, aber die breite Auswahl an Klassikern und Neuwagen ist auch so völlig ausreichend. So bildet es einen großen Spaß, wenn man aus einem normalen Straßenwagen in wenigen Schritten ein Off-Road-Monster bastelt. Beim reinen Fahren ohne Limit löst das Spiel sein Versprechen von Freiheit am besten ein. Den Zwang, mit dem Spiel immer online sein

zu müssen (für den f ließenden Wechsel zwischen den Spielmodi), nimmt man dafür gerne in Kauf. Der größte Kritikpunkt betrifft aber die Story des Spiels, bei der man fast den Eindruck haben muss, dass eine Art geheime Loge seit 20 Jahren bei nahezu jedem Videospiel diktiert, welche wiederkehrenden Plots verwendet werden dürfen. In »The Crew« sind es die DeinFreund-wurde—von-Agenten-getötet-Verschwörung, natürlich die Detroiter Straßenrenn-Szene (gibt es die überhaupt?) und du als ein gewisser Erich Mustermann a.k.a. Alex Taylor. Als Spieler fühlt man

sich so leider heillos unterfordert. Wenn dann Nebenmissionen nicht mal die Möglichkeit bieten, sie abzubrechen, hätte man den Entwicklern mehr Erzählmut gewünscht. Der Gasfuß allein ist nicht immer die Antwort. Gregor Wildermann — »THE CREW« FÜR PS4, XBOX ONE, XBOX 360 UND PC (UBISOFT)


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STEIL

Was kommt? Was bleibt? Was geht? Und überhaupt: Eine jahrübergreifende Doppelausgabe ist doch ein schöner Anlass, 2014 und 2015 einander in Rück- und Ausblick modisch gegenüberzustellen!

14 20 ADIEU JPG! Jean Paul Gaultier sagt Adieu und zeigt dieses Jahr seine vorerst letzte Prêt-à-porter-Show.

ALEXANDER WANG X H&M Der wahrscheinlich größte Mode-Hype des Jahres: Die Fast-Fashion-Kette H&M kollaboriert mit Designer Alexander Wang. Selbst Kleiderbügel gehen schon Stunden nach dem Release für 160 Dollar auf eBay weg. #IWOKEUPLIKETHIS Mit dem Ende 2013 veröffentlichten Album prägt Beyoncé Begriffe wie »Surfboard«, »Flawless« oder auch »I woke up like this«. Letzterer untertitelt mittlerweile als Hashtag #iwokeuplikethis bei Instagram bald eine Million Fotos. TOD EINER IKONE Am 20. Oktober stirbt mit Oscar de la Renta im Alter von 82 Jahren einer der einflussreichsten Modeschöpfer des 20. Jahrhunderts. DIE CHANEL-DEMO Karl Lagerfeld inszeniert auch die Pariser Chanel-Show im September wieder außerhalb des klassischen Fashion-Rahmens: Models mimen Demonstranten mit Transparenten und Sprüchen wie »He for She«, »Tweed is better than Tweet«, »Boys should get pregnant too« oder auch »Le jeans est androgyne«. A$AP ROCKY DISTANZIERT SICH VON HBA Obwohl A$AP Rocky für die letzten zwei Jahre eigentlich der ultimative Markenbotschafter für Hood By Air war, distanziert er sich im Song »Multiply« offen vom Label: »That shit is weak, you can keep that.« Vielleicht letztlich nur der provokative Versuch, seinen eigenen Status als Fashion-Ikone herauszufordern?

Foto: Patrick Kovarik / Getty Images

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Alex Heckel aus Berlin, Stylistin und sehr oft für die Looks der Intro-Modestrecken verantwortlich, über Trends für 2015: Welchen Trend aus 2014 nehmen wir mit ins neue Jahr? Es wird weiterhin viel Cropped und Cut-outs geben, Materialien wie Neopren, Mesh und Leder und noch mehr Oversized. All black everything. Was wird 2015 Neues kommen? Alles wird weiter und größer oder kürzer und abgeschnitten. Man spielt mit Formen und Materialien. Auch die Hosen werden weiter, was aber nicht bedeutet, dass die Röhre als wichtigstes Basic ersetzt würde. Im Winter dominiert Wolle in eher gedeckten Farben wie Beige, Burgunder, Darkblue, Curry und Schwarz. Im Sommer wird es wieder frischer und knalliger, die Schnitte hingegen bleiben ähnlich. All white everything wird auch gern gesehen. Beim Thema Sneaker scheint kein Ende in Sicht, oder? Sneakers sind ein Klassiker und wird es deshalb immer geben, wie auch die Jeans. Nur sind diese immer mehr fashionable und extremer und mit noch mehr Hightech ausgestattet. Welche Labels/Designer sollten wir im Auge behalten? Alexander Wang, Opening Ceremony, Each X Other, MSGM, Hien Le, Ethel Vaughn, Frisur, Don’t Shoot The Messenger, Vladimir Karaleev, Proenza Schoeler, Sandro, APC, Acne.

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Top, Rock und Mütze : Monki Socken : Stance Schuhe: Nike Dunk Sky Hi SneakerBoot

WINTERLOOKS FÜR SNEAKERHEADS Gefütterter Mantel drüber, Kuschelpulli drunter, Overknees unten herum und auf dem Kopf die Strickmütze – für Fans von Layering beginnt jetzt die beste Zeit des Jahres. Die richtige Kombination von Farben und Prints ist bei vielteiligen Outfits allerdings ein Muss. Die Berliner Moderatorin Visa Vie probiert für uns deshalb verschiedene Looks in schwarz/ silbergrau, bordeaux/orange und blau/ pink aus und beweist darüber hinaus, dass auch Chicks in Kicks gut geschützt und gut gestylt durch Regen und Schnee kommen. Zum Beispiel in Nike Sneakerboots, die eine Sneaker-Silhouette mit der Robustheit eines Paar Winterboots verbinden. (Das komplette Style-Interview mit Visa Vie findet ihr online)

Fotograf: David Fischer // Assistentin: Kathrin Leisch // Styling: Alexandra Heckel // Assistentin: Natacha Voranger // Haare/Make up: Juliane Polak // Model: Visa Vie


Jacke: Nike Cascade Poncho Bra : Nike Mesh Oberteil : Storm & Marie Rock : Storm & Marie Strumpfhose: Wolford Socken : Nike Schuhe : Nike LunarElite Sky Hi SneakerBoot Linke Hand Armbänder : Malaika Raiss Rechte Hand Armbänder : Visa Vie‘s Own


Sweatshirt : Nike Sportswear Tech Fleece Crew Sweatshirt Jeans : Uniqlo Mantel : Antonia Goy Visor : J‘ai mal à la tête Rucksack : Mi-Pac Schuhe : Nike Roshe Run Hi SneakerBoot Ohrringe : Cocii


Kleid : Leviâ&#x20AC;&#x2DC;s Made & Crafted Jacke : Markus Lupfer Socken : Nike Schuhe : Nike Air Max 1 SneakerBoot Sonnenbrille : Mykita


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ANNENMAYKANTEREIT ANTILOPEN GANG

AnnenMay­ Kantereit sind ein Phänomen: Alles machen sie selbst, kein Label wirft für sie die PR-Maschine an, und doch ist die Kölner Indie-Folk-Band megaerfolgreich. 29.01. K ARLSRUHE — 31.01. WITTLICH — 01.02. MANNHEIM — 03.02. MARBURG — 04.02. JENA — 07.02. ANNABERG-BUCHHOLZ — 08.02. LEIPZIG — 13.02. HAMBURG — Geht weiter!

Mit der Antilopen Gang wird der DeutschrapHype weiter angefüttert. In ihrem Fall völlig verdient, denn niemand kombinierte zuvor so schön PunkAttitüde mit Rap und Beat. 04.12. DRESDEN — 05.12. JENA — 06.12. MÜNCHEN — 11.12. OSNABRÜCK — 13.12. BREMEN — 14.12. HAMBURG — 18.12. WIESBADEN — 19.12. REUTLINGEN — 20.12. KÖLN — Geht weiter!

CHAKUZA JESSIE WARE

Chakuza hat den Weg vom Battle-Rapper zum Melancholiker hinter sich. Seine aktuellen Stücke überzeugen durch kluge Lyrics voller Melancholie. 09.12. DORTMUND — 10.12. KÖLN — 11.12. NÜRNBERG — 12.12. A-WIEN — 14.12. BERLIN — 16.12. LEIPZIG — 17.12. HANNOVER — 18.12. MANNHEIM — 21.12. MÜNCHEN — 06.01. HAMBURG — 07.01. BREMEN — Geht weiter!

LAMB

Die künstlerische Pause hat gefruchtet: Nach einer mehrjährigen Auszeit sind die TripHop-Pioniere Lamb wieder zusammen auf Tour und haben die Songs ihres neuen Albums »Backspace Unwind« im Gepäck.

INTRO PRÄSENTIERT Für alle von uns präsentierten Touren verlosen wir jeweils 3x2 Tickets. Mail an tickets@intro.de Mehr Tour-Präsentationen unter www.intro.de/termine #intropräsentiert

Bisla ng sind Life In Film noch mit Studiomagier Stephen Street in Klausur. Im Januar werden sie ihre neuen Indie-Rock-Songs britischer Prägung in die Clubs der Republik tragen. 27.01. HAMBURG — 28.01. BERLIN — 29.01. KÖLN — 30.01. NÜRNBERG — 31.01. STUTTGART — 01.02. MÜNCHEN

METRONOMY OSCAR & THE WOLF

10.12. BERLIN — 11.12. HAMBURG — 12.12. DRESDEN — 14.12. KÖLN — 15.12. HEIDELBERG — 16.12. MÜNSTER

02.02. MÜNCHEN — 03.02. HAMBURG — 06.02. BERLIN — 10.02. KÖLN

LIFE IN FILM

28.11. KÖLN — 29.11. HAMBURG — 30.11. BERLIN — 06.12. MÜNCHEN — 13.12. LEIPZIG — 14.12. DARMSTADT

Stilistisch muss man Metronomy und ihrem markanten Indietronic erst mal das Wasser reichen. Live ein optischer und akustischer Hochgenuss. This love was written in the stars. Shoop, doop, doop, aaah.

Die Veröffent­ lichung ihres zweiten Albums »Tough Love« war für Jessie Ware eine schwere, verzögerte Geburt. Jetzt macht sie sich wieder an das, was sie am besten kann: ihren glamourösen ElectroPop live unter die Leute bringen.

In der Heimat mal eben Coldplay vom Charts-Thron stoßen – wem würde das nicht Genugtuung verschaffen? Electro-Indie-Dream-BarockPopper und Bühnen-Chamäleon Max Colombie hat’s geschafft – und reibt uns in Kürze die Tatwaffen live unter die Nase. 21.01. KÖLN — 23.01. BERLIN

PHILIP SELWAY SCHAFE & WÖLFE

Sollten Radiohead irgendwann einmal die Thom Yorkes ausgehen, wäre Philip Selway zur Stelle. Er kann nämlich auch singen. »Weatherhouse« ist als zweites Album auch eines gegen das Vergessen; auf Tour gibt’s vor der nächsten Radiohead-Platte Kostproben einer vollwertigen Emanzipation. 04.02. BERLIN — 05.02. HAMBURG

Schafe & Wölfe wollen mit ihrer Musik das Publikum während ihrer Konzerte zum Tanzen bringen. Ihre Musik ist kein reiner HipHop, Indie oder Rap, sondern ein gekonnter Hybrid aus alledem. 21.01. HAMBURG — 22.01. KIEL — 23.01. DRESDEN — 24.01. BERLIN — 28.01. ERFURT — 29.01. K ASSEL — 30.01. DÜSSELDORF — 31.01. NEUNKIRCHEN — 06.02. LEER — 07.02. FLENSBURG — Geht weiter!


FEINE SAHNE JUPITER JONES FISCHFILET

»Bleiben oder gehen«, fragen sich Feine Sahne Fischfilet im Titel ihrer neuen Platte. Doch das ist nur gespielt. »Kommen« lautet vielmehr die Devise – und zwar zu ihren Shows! 30.01. KÖLN — 31.01. AUGSBURG — 06.02. BERLIN — 07.02. HANNOVER — 13.02. DRESDEN — 14.02. A-WIEN — 20.02. HAMBURG — Geht weiter!

Die Feuertaufe mit neuem Sänger haben die Eifel-Rocker Jupiter Jones erfolgreich bestanden. Mit ihrer neuen Single »Plötzlich hält die Welt an« machen sie sich nun auf ihre alljährliche Nachweihnachtstour durch ihre Lieblingsstädte. 26.12. TRIER — 27.12. KÖLN — 28.12. HAMBURG

LITTLE DRAGON MALKY

Job schmeißen, um sich voll und ganz der Musik zu widmen? Der Albtraum jedes Arbeitsagentur-Sachbearbeiters. Dass das dennoch funktionieren kann, beweisen Little Dragon mit ihrem treibenden Synthie-Pop. 03.12. MÜNCHEN — 04.12. KÖLN — 07.12. HAMBURG — 08.12. BERLIN

Malky hatten genug von Knöpfchen und sind dem Studiokoller entstiegen. Ihr Name bedeutet so viel wie »kleiner Junge« und stimmt überhaupt nicht. Dafür wirken sie als Erste-Reihe-Musiker zu reif. 14.01. DÜSSELDORF — 30.01. LÖRR ACH — 31.01. FREIBURG — 06.02. BERLIN — 07.02. ERFURT — 08.02. DARMSTADT — 10.02. ERLANGEN — 13.02. HAMBURG

TALISCO ZOOT WOMAN

Zugegeben, die Pariser Innenstadt ist das Letzte, woran der treibende Indie-Pop von Talisco denken lässt. Vielmehr sind es die spanischen Wurzeln des Franzosen, die im Schaffen des Newcomers zum Tragen kommen. 04.12. FR ANKFURT A. M. — 05.12. DRESDEN — 06.12. BOCHUM

Was Zoot Woman live wohl anstellen, um das Bild ihrer grässlichen weißen Anzüge aus den Köpfen zu verbannen? Laut eigener Aussage soll ihr Album zumindest das bisher unverwechselbarste sein. 17.01. HANNOVER — 18.01. HAMBURG — 19.01. BERLIN — 22.01. DRESDEN — 23.01. LEIPZIG — 27.01. MÜNCHEN — 30.01. STUTTGART — 31.01. FREIBURG — 01.02. ERLANGEN — Geht weiter!

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DEM HASEN GEFÄLLT'S.


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TOURDATEN

PRÄSENTIERT VON INTRO

COATHANGERS MIT BRONCHO* 24.11. HAMBURG* 25.11. BERLIN* 28.11. MÜNCHEN

257ERS

BEN HOWARD

25.11. KOBLENZ 26.11. TRIER 27.11. OSNABRÜCK 28.11. LINGEN 29.11. OLDENBURG 30.11. GÜTERSLOH 02.12. KASSEL 03.12. DRESDEN 04.12. BAMBERG 05.12. ERFURT 06.12. LEIPZIG 07.12. NÜRNBERG 09.12. A-WIEN 14.12. STUTTGART 16.12. KÖLN 17.12. BREMEN 18.12. HAMBURG 19.12. ESSEN

24.11. FRANKFURT A. M. 25.11. HAMBURG 27.11. BERLIN 28.11. MÜNCHEN

COLDPLAY

BERND BEGEMANN

COLD SPECKS

11.12. WUPPERTAL 12.12. KÖLN 13.12. DÜSSELDORF 18.12. PADERBORN 19.12. BREMEN

23.01. BERLIN 24.01. HAMBURG 25.01. KÖLN 26.01. MANNHEIM 28.01. MÜNCHEN 29.01. ERLANGEN 30.01. WIESBADEN

PRÄSENTIERT VON INTRO

AHZUMJOT 28.11. MÜNCHEN 29.11. WEINHEIM 30.11. BERLIN 02.12. LEIPZIG 03.12. DRESDEN 04.12. FULDA 05.12. BREMEN 06.12. OSNABRÜCK 07.12. DORTMUND

AMEN DUNES 27.11. KÖLN 28.11. BERLIN

BALLET SCHOOL 28.11. MANNHEIM 30.11. BERLIN

BEATSTEAKS MIT BILDERBUCH 25.11. DORTMUND 27.–28.11. BERLIN 02.12. HAMBURG 03.12. HANNOVER 05.12. BAMBERG 06.12. GÖTTINGEN 09.12. MÜNSTER 11.12. FRANKFURT A. M. 13.12. STUTTGART 14.12. MÜNCHEN

BENJAMIN CLEMENTINE 28.11. HEIDELBERG 29.11. KÖLN

BOMBAY BICYCLE CLUB MIT CHILDHOOD 26.11. BERLIN

BONDAGE FAIRIES 28.01. FLENSBURG 29.01. ROSTOCK 30.01. DUISBURG 31.01. KARLSRUHE

BRYAN FERRY 24.11. DÜSSELDORF 26.11. BERLIN 29.11. HAMBURG 30.11. HANNOVER 02.12. BIELEFELD 03.12. FRANKFURT A. M. 06.12. STUTTGART 08.12. MÜNCHEN 09.12. NÜRNBERG

CAMERA 25.11. MÜNCHEN 26.11. A-WIEN 23.12. BERLIN

CASPER MIT BILDERBUCH, K.I.Z., KMPFSPRT 19.12. BIELEFELD

CLUESO MIT ANNENMAYKANTEREIT 24.11. HOF 25.11. FRANKFURT A. M. 26.11. OBERHAUSEN 28.11. BRAUNSCHWEIG 29.11. KÖLN 01.12. MÜNCHEN 02.12. STUTTGART 05.12. BERLIN 07.12. LEIPZIG 08.12. HAMBURG 27.12. ERFURT

06.12. MÜNCHEN

CRO MIT DCVDNS 26.11. HANNOVER 27.11. KÖLN 28.11. FREIBURG 05.–06.12. STUTTGART

CURSE 09.01. HAMBURG 10.01. ESSEN 11.01. KÖLN 13.01. MANNHEIM 14.01. MÜNCHEN 17.01. A-WIEN 20.01. STUTTGART 21.01. NÜRNBERG 23.01. AUGSBURG 27.01. FRANKFURT A. M. 28.01. KREFELD 29.01. BREMEN 30.01. MÜNSTER 31.01. DRESDEN Geht weiter!

CYMBALS EAT GUITARS 22.01. KÖLN 23.01. FRANKFURT A. M. 24.01. BERLIN 26.01. HAMBURG

DEAR READER 27.11. ERFURT 28.11. NÜRNBERG 29.11. REICHENBACH 10.01. POTSDAM

DENA 24.11. MÜNCHEN 25.11. DRESDEN

DEUS 09.12. BERLIN

DA GEHEN WIR HIN – TIPPS DER REDAKTION Und wo geht ihr hin? — www.intro.de/forum/konzerte

SENTA BEST

BASTIAN THOMAS KÜLLENBERG LORBER

JAN OFF SON LUX WEEK-END FEST XUL ZOLAR TURBOSTAAT

DIE NERVEN THE NEW PORNOGRAPHERS CYMBALS EAT GUITARS TOUR OF TOURS COLD SPECKS

EUROSONIC NOORDERSLAG INTERPOL METRONOMY ROYAL BLOOD ZOOT WOMAN

DIE ANTWOORD

ERDMÖBEL

19.01. KÖLN 21.01. MÜNCHEN 23.01. BERLIN 26.01. FRANKFURT A. M.

27.11. ESSEN 29.11. WORPSWEDE 30.11. BIELEFELD 05.12. HEIDELBERG 10.12. MELLE 11.12. BERLIN 12.12. ROSTOCK 18.-19.12. KÖLN 21.12. HAMBURG

DIE FANTASTISCHEN VIER MIT LARY 15.12. BRAUNSCHWEIG 16.12. BREMEN 17.12. HAMBURG 19.–21.12. STUTTGART 09.01. A-WIEN 10.01. MÜNCHEN 12.01. NÜRNBERG 13.01. MÜNCHEN 16.01. LINGEN 17.01. MANNHEIM 18.01. KÖLN 19.01. FREIBURG 21.01. SAARBRÜCKEN 22.01. FRANKFURT A. M. 23.01. OBERHAUSEN 24.01. CHEMNITZ 26.01. BERLIN

PRÄSENTIERT VON INTRO

DIE LIGA DER GEWÖHN­ LICHEN ­G ENTLEMEN 27.12. HAMBURG 28.12. BREMEN 29.12. BERLIN 30.12. KÖLN

DIE NERVEN 26.11. OSNABRÜCK 27.11. KÖLN 28.11. BONN 29.11. HEIDELBERG

PRÄSENTIERT VON INTRO

EGOTRONIC 27.11. KASSEL 28.11. TRIER 29.11. OSNABRÜCK 04.12. HALLE 06.12. RAVENSBURG

ERRDEKA 03.12. A-WIEN 04.12. MÜNCHEN 05.12. STUTTGART 06.12. KÖLN 07.12. BREMEN 08.12. HAMBURG 10.12. KIEL 11.12. HANNOVER 12.12. DRESDEN 13.12. BERLIN 19.12. AUGSBURG

FLIGHT FACILITIES

PRÄSENTIERT VON INTRO

FINDUS

23.01. KIEL 29.01. BREMEN 30.01. OSNABRÜCK Geht weiter!

GISBERT ZU KNYPHAUSEN & KID KOPPHAUSEN BAND 23.01. DRESDEN 24.01. MAGDEBURG 25.01. BERLIN 27.01. KÖLN 28.01. STUTTGART 29.01. FRANKFURT A. M. 30.01. MÜNCHEN Geht weiter!

GORGON CITY 11.12. KÖLN 19.12. HAMBURG

GRAVENHURST

14.12. BERLIN

25.01. MÜNCHEN 28.01. SCHORNDORF 29.01. MARBURG 30.01. MAINZ 31.01. ESSEN

FRITZ KALKBRENNER

HANS UNSTERN

26.12. LEIPZIG 27.12. DRESDEN 17.01. MÜNCHEN 23.01. BREMEN 24.01. HAMBURG 29.01. FRANKFURT A. M. 31.01. BERLIN

18.12. HANNOVER 19.12. DRESDEN 20.-21. 12. BERLIN

27.11. BERLIN

FRANK SPILKER

FUNNY VAN DANNEN 04.12. JENA 05.12. MANNHEIM 06.12. KONSTANZ 11.12. ERLANGEN 12.12. KARLSRUHE 13.12. FREIBURG 20.12. BERLIN

PRÄSENTIERT VON INTRO

THE GARDEN 15.12. HAMBURG 16.12. BERLIN

EINAR STRAY ORCHESTRA

GET WELL SOON MIT VIN BLANC/WHITE WINE

06.12. MAINZ 07.12. FREIBURG 08.12. ADELSDORF 09.12. REES-HALDERN 10.12. HALLE 11.12. GÖTTINGEN

20.01. LEIPZIG 21.01. BERLIN 22.01. BOCHUM 23.01. FRANKFURT A. M. 28.01. MÜNCHEN 31.01. STUTTGART

PRÄSENTIERT VON INTRO

HEISSKALT

25.11. A-WIEN 27.11. STUTTGART 28.11. HANNOVER 29.11. DORTMUND 02.12. FRANKFURT A. M. 03.12. DÜSSELDORF 04.12. BREMEN 05.12. ROSTOCK 06.12. LEIPZIG 13.12. KONSTANZ 14.12. MÜNCHEN

HGICH.T 12.12. MAINZ 13.12. JENA 30.12. BERLIN 09.01. BREMEN 10.01. OSNABRÜCK 21.–22.01. KÖLN

HOZIER 25.11. BERLIN 28.01. KÖLN 29.01. MÜNCHEN

TOUR OF TOURS Ein Konzertabend mit fünf unterschiedlichen Folk-Acts und Songwritern, die am Ende zu einer großen Band verschmelzen. Klingt spannend und ein bisschen hippiesk. Stefan Honig erklärt, was hinter der Tour Of Tours steckt: »Die Idee entstand 2012 bei einem Honig-Konzert in Berlin. Jonas David begleitete uns damals, Town Of Saints waren Vorband, und Ian Fisher kam zu Besuch. Bei den letzten zwei Songs haben wir einfach alle auf die Bühne gebeten, und es ging rund. Wir werden die neuen Arrangements erst kurz vor der Tour einüben. Für uns wird es also fast genauso neu sein wie fürs Publikum!« 23.01. KÖLN — 24.01. ESSEN — 25.01. MÜNSTER — 26.01. NEUNKIRCHEN — 27.01. STUTTGART — 28.01. ASCHAFFENBURG — 29.01. OLDENBURG — 30.01. HAMBURG — 31.01. ROSTOCK — 01.02. HANNOVER — 03.02. MÜNCHEN — 04.02. NÜRNBERG — 05.02. LEIPZIG — 06.02. DRESDEN — 07.02. BERLIN — HONIG, TIM NEUHAUS, JONAS DAVID, TOWN OF SAINTS, IAN FISHER & THE PRESENT


MORGEN

HUNDREDS

JOHN K. SAMSON

10.12. JENA 11.12. HEIDELBERG 14.12. POTSDAM 15.12. WIESBADEN 16.12. WÜRZBURG 17.12. LEIPZIG 18.12. ESSEN 19.12. MÜNSTER 21.12. STUTTGART 22.12. MÜNCHEN 29.12. HAMBURG

30.11. ESSEN 03.12. REUTLINGEN 04.12. KÖLN 09.12. NEUNKIRCHEN 10.12. WIESBADEN

LUCY ROSE

PRÄSENTIERT VON INTRO

INTERPOL MIT HEALTH 25.01. KÖLN

PRÄSENTIERT VON INTRO

INTRODUCING MIT RACING GLACIERS, WEVAL, PIMF

09.12. BERLIN 10.12. KÖLN

PRÄSENTIERT VON INTRO

I HEART SHARKS

27.11. STUTTGART 28.11. KAISERSLAUTERN 29.11. WIESBADEN 03.12. ULM 06.12. RAVENSBURG 10.12. MÜNSTER 11.12. OLDENBURG 12.12. POTSDAM 17.12. MAGDEBURG 18.12. JENA 19.12. CHEMNITZ 30.01. LÜNEBURG

JAMIE T 24.11. KÖLN

JA, PANIK 29.11. MÜNCHEN

JENNIFER ROSTOCK MIT KMPFSPRT 24.11. MÜNSTER 25.11. MANNHEIM 27.11. KIEL 28.11. COTTBUS 29.11. POTSDAM 01.12. JENA 02.12. ROSTOCK

PRÄSENTIERT VON INTRO

JENS FRIEBE 15.01. JENA 16.01. BREMEN 17.01. ROSTOCK 18.01. HAMBURG 20.01. DÜSSELDORF 21.01. WÜRZBURG 22.01. KASSEL 23.01. STUTTGART 25.01. WIESBADEN 28.01. NÜRNBERG 29.01. LEIPZIG 30.01. POTSDAM

JOEY BADA$$ 02.12. MÜNCHEN 03.12. KÖLN 04.12. BERLIN 09.12. HAMBURG 10.12. STUTTGART

JULIAN CASABLANCAS & THE VOIDZ 13.12. BERLIN 14.12. HAMBURG

JUNGLE

24.11. MÜNCHEN 25.11. DÜSSELDORF

J MASCIS 15.12. BERLIN

KANTE 21.12. LEIPZIG 22.12. BERLIN

PRÄSENTIERT VON INTRO

PRÄSENTIERT VON INTRO

24.11. STUTTGART 25.11. FRANKFURT A. M.

MARIANNE FAITHFULL

NAGEL
16.12. CHEMNITZ 17.12. REGENSBURG 18.12. MÜNCHEN 19.12. KOBLENZ 21.12. SAARBRÜCKEN

25.11. BERLIN 26.11. HAMBURG

NEONSCHWARZ

PRÄSENTIERT VON INTRO

MARTERIA MIT CHEFKET

26.11. FRANKFURT A. M. 28.11. DORTMUND 29.11. MANNHEIM 30.11. LEIPZIG 02.12. DÜSSELDORF 03.12. BREMEN 05.12. SAARBRÜCKEN 06.12. NÜRNBERG

27.11. DÜSSELDORF 28.11. RAVENSBURG 29.11. OSNABRÜCK 04.12. LÜNEBURG 11.12. OBERHAUSEN 12.12. FLENSBURG 13.12. KIEL 22.01. A-WIEN

NIELS FREVERT & BAND

25.11. HEIDELBERG 26.11. BERLIN 27.11. HAMBURG 28.11. KÖLN 29.11. MÜNCHEN

PRÄSENTIERT VON INTRO

KELE OKEREKE 10.01. ESSEN

29.11. BOTTROP 30.11. HAMBURG 01.12. KÖLN

03.12. LINGEN 04.12. BREMEN 05.12. KÖLN 06.12. MÜNSTER 07.12. STUTTGART 09.12. MANNHEIM 10.12. ERLANGEN 11.12. BERLIN 12.12. HAMBURG 13.12. FLENSBURG

KESTON COBBLERS’ CLUB

MAXIMILIAN HECKER

OLSON

17.01. HAMBURG

14.01. BAIENFURT 15.01. FRANKFURT A. M. 16.01. KASSEL 17.01. WOLFSBURG 18.01. EISENACH 20.01. DRESDEN 21.01. LEIPZIG 22.01. BERLIN 23.01. HANNOVER 24.01. KÖLN 25.01. ESSEN 30.01. HAMBURG

14.01. LEIPZIG 15.01. BREMEN 16.01. DORTMUND 17.01. GÜTERSLOH 21.01. STUTTGART 22.01. WÜRZBURG 23.01. KONSTANZ 24.01. HEIDELBERG 29.01. DÜSSELDORF 30.01. SAARBRÜCKEN

KATE TEMPEST

KIASMOS 05.12. BERLIN

KRAFTWERK 06.–13.01. BERLIN

KREATOR 05.12. LUDWIGSBURG 06.12. OBERHAUSEN 07.12. SAARBRÜCKEN 08.12. HAMBURG 09.12. BERLIN 11.12. WIESBADEN 12.12. GEISELWIND 13.12. MÜNCHEN

KREIDLER 11.12. WIESBADEN 12.12. MÜNCHEN 13.12. CHEMNITZ

KWABS 27.11. BERLIN

LAING 12.01. HANNOVER 13.01. KÖLN 25.01. STUTTGART 26.01. ASCHAFFENBURG 28.01. BREMEN 29.01. HAMBURG 30.01. BERLIN

LALI PUNA 02.01. FRANKFURT A. M. 03.01. BERLIN 04.01. HAMBURG 31.01. MÜNCHEN

LAMBERT 29.11. MÜNCHEN 30.11. HEIDELBERG 02.12. FRANKFURT A. M. 20.12. BERLIN

LA ROUX

MAXIM

MERCHANDISE 29.11. FRANKFURT A. M. 30.11. MÜNCHEN 01.12. STUTTGART 02.12. KÖLN 03.12. HAMBURG 04.12. BERLIN

OWEN PALLETT 29.11. KÖLN 30.11. KARLSRUHE 01.12. MÜNCHEN 09.12. LEIPZIG 10.12. A-WIEN

PETERLICHT 09.12. FRANKFURT A. M.

MESSER

PRÄSENTIERT VON INTRO

04.12. LEIPZIG 05.12. BERLIN 06.12. HAMBURG 12.12. KAMEN 13.12. DUISBURG

28.12. KÖLN

PRÄSENTIERT VON INTRO

MIGHTY OAKS 07.12. HEIDELBERG 08.12. STUTTGART 10.12. FREIBURG 16.12. MÜNCHEN 18.12. A-WIEN 20.12. HAMBURG 21.12. KÖLN

MOONBOOTICA 06.12. MÜNCHEN 12.12. BERLIN 13.12. STUTTGART 19.12. NÜRNBERG 31.12. KÖLN

MOUNT KIMBIE 29.11. MÜNCHEN 13.12. ESSEN

PRINZ PI

THE RAVEONETTES 22.01. BERLIN

THE RIFLES 25.11. HAMBURG 26.11. HANNOVER 27.11. BERLIN 30.11. KÖLN 01.12. STUTTGART 02.12. FRANKFURT A. M.

ROYAL BLOOD MIT MINI MANSIONS 10.01. KÖLN 11.01. HAMBURG 12.01. BERLIN 16.01. MÜNCHEN

SAM SMITH 01.12. BERLIN

PRÄSENTIERT VON INTRO

PRÄSENTIERT VON INTRO

MANDO DIAO

POP-ABO MIT MIGHTY OAKS

SHARON VAN ETTEN MIT MARISA ANDERSON

26.11. STUTTGART

06.12. DORTMUND

SINKANE

04.12. BERLIN 05.12. KÖLN 07.12. FRANKFURT A. M. 09.12. HAMBURG

02.12. STUTTGART

24.11. MÜNCHEN 25.11. LEIPZIG 26.11. BERLIN 29.11. KÖLN

137

TURBOSTAAT

12.12. HAMBURG 20.12. BERLIN 21.12. FRANKFURT A. M.

09.–10.12. HAMBURG 11.–12.12. KÖLN 13.–14.12. FRANKFURT 16.–17.12. MÜNCHEN 18.–19.12. BERLIN 20.–21.12. DRESDEN 07.–10.01. HUSUM

PRÄSENTIERT VON INTRO

PRÄSENTIERT VON INTRO

24.11. BERLIN 25.11. KÖLN 01.12. A-WIEN

24.11. JENA 25.11. BERLIN 26.11. CHEMNITZ 27.11. LEIPZIG 28.11. HAMBURG 29.11. KÖLN

SLIME

SON LUX MIT WHITE HINTERLAND STARS

19.01. FRANKFURT A. M. 20.01. KÖLN 21.01. HAMBURG 22.01. BERLIN 23.01. MÜNCHEN

STROMAE 04.12. MÜNCHEN 07.12. BERLIN

THE SUBWAYS MIT DONOTS, SUPERFOOD 13.12. MÜNSTER

SOHN 05.12. MÜNCHEN 06.12. WIESBADEN

TAKING BACK SUNDAY MIT MARMOZETS 02.12. BERLIN 05.12. NÜRNBERG 16.12. KÖLN 17.12. HAMBURG 18.12. STUTTGART

TALIB KWELI 27.11. ERLANGEN 28.11. BERLIN 01.12. MANNHEIM 02.12. DARMSTADT 05.12. A-WIEN

TEESY 16.01. HAMBURG 17.01. BREMEN 19.01. BERLIN 20.01. HANNOVER 21.01. LEIPZIG 22.01. DRESDEN 23.01. ERLANGEN 26.01. MÜNCHEN 30.01. STUTTGART 31.01. OFFENBACH

TERRORGRUPPE 06.12. HAMBURG 10.12. LEIPZIG 11.12. A-WIEN 12.12. MÜNCHEN 13.12. WIESBADEN 20.12. BERLIN 27.12. OBERHAUSEN

TON STEINE SCHERBEN 13.01. AUGSBURG 15.01. LÖRRACH 16.01. STUTTGART 17.01. DÜSSELDORF 18.01. DORTMUND 19.01. FRANKFURT A. M. 20.01. OSNABRÜCK 21.01. BREMEN 22.01. HAMBURG 23.01. BERLIN 24.01. ROSTOCK

TO ROCOCO ROT 29.12. BERLIN

VON SPAR MIT MARKER STARLING

THE WAVE PICTURES 26.11. KÖLN 27.11. MÜNSTER 28.11. LAUENAU 29.11. LÜBECK 30.11.-01.12. BERLIN 02.12. DRESDEN 03.12. A-WIEN 05.12. ROSENHEIM 09.12. MÜNCHEN

WIZO MIT SCHMUTZKI* 26.11. ERFURT 27.11. FULDA 28.11. WÜRZBURG 29.11. MÜNCHEN 01.–02.12. A-WIEN* 09.12. STRASSKIRCHEN 10.12. INGOLSTADT 13.12. STUTTGART*

WOLFENBÜTTELER FESTSPIELE MIT KASALLA* 27.11. KÖLN* 06.12. MÜNCHEN 13.12. HAMBURG

XUL ZOLAR 06.12. KÖLN

YOUNG FATHERS 29.11. DRESDEN

YOUNG REBEL SET MIT THE SORE LOSERS*, YOUNG CHINESE DOGS** 08.12. KÖLN* 09.12. STUTTGART* 11.12. FREIBURG 12.12. MARBURG** 14.12. BERLIN* 15.12. DRESDEN* 16.12. HAMBURG* 17.12. MÜNSTER*

DIE KOMMEN, DIE TOUREN FINDUS (01.01.–28.02.) JESSIE WARE (02.–10.02.) KRAFTKLUB (17.02.–21.03.) OK GO (11.–11.02.) PHILIP SELWAY (04.–05.02.) POP-ABO MIT TINDERSTICKS (07.02.) SYLVAN ESSO (21.02.–02.03.) TEAM ME (25.02.–09.03.) WANDA (30.01.–13.02.)


138

MORGEN

FESTIVALS

W SINKANE

EUROSONIC 2015 Über 300 Bands werden mitten im Winter in den höchsten Norden der Niederlande geschickt. Der Karriere wegen, bekommen sie von ihren Managements gesagt. Denn hier, beim Eurosonic Festival, treffen sie jedes Jahr auf Booker, Promoter und Journalisten aus ganz Europa, die sich gerade auf die nächste Festivalsaison vorbereiten.

THE SLOW SHOW (GB) Als hätte Kurt Wagner eine Bon Iver-Platte machen wollen: The Slow Show aus Manchester wissen genau, wie man eine Mischung aus Folk, Indie und Country mal minimal anklingen lässt, um sie dann larger than life auszufahren. Das Debüt kommt im März über Haldern Pop Recordings.

THE DEERS (E) Der Charme dieser erst zwei, dann vier Frauen aus Madrid erschließt sich sofort: Mehr Enthusiasmus für die eigene Musik geht kaum. Das Amateurhafte dieses Garagen-Pop zahlt sogar noch darauf ein, da es sofort ansteckend wirkt. Die Lassie Singers wären jedenfalls stolz.

NATAS LOVES YOU (F) Der Pop von Natas Loves You (geübte Okkultisten haben sofort geblickt: »Natas« ist Satan rückwärts geschrieben) aus Paris ist so funky wie catchy, dass er ohne Umwege ins Radio kommen wird, ohne dabei als cheesy gelten zu müssen. Höchstens als loungy. Aber easy – so schlimm ist das nicht.

enn der Januar eine bitterkalte Brise um den Martini-Turm und über die Grachten Groningens schickt, liegt das kleine nordniederländische Studenten-Städtchen keinesfalls im Wintersemester-Schlaf. Kaum ein Fahrrad, das hier lange genug still stehen würde, um festzu­ frieren. Die Lauf- bzw. Fahrwege gehen während des Eurosonic vom Spieghel zur Vera über das Vindicat zur Stadsschouwburg, dem Huis de Beurs oder Simplon. Überall gibt es Bühnen, überall warten junge Solo-Künstler, DJs und Bands in unterschiedlichsten Klangfarben. Zwischendurch holt man sich einen Kipburger aus der heißen Wand, solange das Kleingeld reicht, und dann geht es wieder weiter. Die Studenten hier sind neben den Fachbesuchern das Test-­Publikum Europas, denn wer hier gefeiert wird, der hat gute Chancen auf einen Platz in den Line-ups der kommenden Festivalsaison. Die Newcomer 2015 werden unter eurosonic-­noorderslag.nl bereits nach und nach bekannt gegeben, wir filterten vier überzeugende ­Aspiranten heraus, über die wir bislang noch nicht berichtet haben ... Text: Carsten Schumacher

THE PICTUREBOOKS (D) The Picturebooks aus Gütersloh sind eigentlich keine Rookies mehr, aber mit ihrem dritten Album nehmen sie beim Eurosonic noch mal Anlauf. Passend zur Chopper-­ Ästhetik der Band wurde das Album in der Garage aufgenommen, womit sie jetzt als härtere Black Rebel Motorcycle Club durchgehen.

14.-17.01. NL-GRONINGEN — ACID AR AB, ALL TVVINS, ANNENMAYK ANTEREIT, AQUILO, AUROR A AKSNES, BEATRICE ELI, BIGA*R ANX, BILDERBUCH, BLACK FLOWER, BOXERIN CLUB, BULBUL, CARMEN VILLAIN, CARNIVAL KIDS, CLAP! CLAP!, DAKH DAUGHTERS, DEERS, DIE NERVEN, ELLA EYRE, FISMOLL, FM LAETI, FOR BDK, FR ANKIE ANIMAL, FUMAÇA PRETA, GAVIN JAMES, GENGAHR, GET YOUR GUN, GO GO BERLIN, GODS, HAPPYNESS, HELL’S KITCHEN, IBEYI, JACK GARR ATT, JAKE ISA AC, JAMES BAY, JOANA SERR AT, JOCO, JOYCUT, JÚNÍUS MEYVANT, K ALEO, K ATE HAVNEVIK, K ATE TEMPEST, KE, KIASMOS, KID ASTR AY, LÅPSLEY, LARY, LE VASCO, LES BIG BYRD, LI-LO, LOW ROAR, MALKY, MANON MEURT, MAPEI, MINA TINDLE, MISS KENICHI, MOULLINEX, MOUNTAIN BIKE, MOURN, NEØV, O.J. BAND, OR ATNITZA, ORLA GARTLAND, OSCAR & THE WOLF, OSO LEONE, PALACE, PANDREAS, POLYGR AINS, POMR AD, R AGLANS, REBEK A, RÖKKURRÓ, SAMARIS, SEA CHANGE, SEKUOIA, SISTERS, SOAK, TALISCO, THE MICRONAUT, THE SCENES, THE SLOW SHOW, TOURIST LEMC, TRIANA PARK, VILLAGE, VÖK, YEARS & YEARS, YOKKO, ZENTR ALHEIZUNG OF DEATH U. V. A.


MORGEN

139

BERGFESTIVAL 2014 Tauscht die Shorts gegen Ski-Hosen und das Bier gegen Glühwein: auf zum Bergfestival in Saalbach-Hinterglemm. Jährlich entpuppt sich das kleine, verschlafene Dorf als ein WinterWonderland für alle Festival-Liebhaber, die es kalt mögen. Neben den verschneiten Pisten lockt auch eine Location der besonderen Art. Indoor-Festivals sind in der kalten Jahreszeit ­sicher eine gute Lösung. Das Bergfestival dagegen findet trotzdem draußen an der frischen Luft statt – nur geschlafen wird in Apartments und nicht im Zelt. Vom 5. bis 7. Dezember werden im österreichischen Saalbach-Hinterglemm internationale Bands und Künstler Konzerte

geben. Während die Headliner auf der Hauptbühne im Dorf umringt vom Alpenpanorama für gute Laune sorgen, geht es für einige Acts auf die Alm. In einer Hütte auf der Hinterhag Alm gibt es am Festivalsamstag die Möglichkeit, in intimer Atmosphäre der Musik zu lauschen und sich an einer warmen Tasse Glühwein aufzuwärmen, bevor die vorverlegte Après-Ski-Party losgeht. Anschließend geht’s mit Ski oder Lift wieder zurück ins Tal. Wer dann immer noch nicht genug Action hatte, dem öffnen sich zwei weitere Optionen: In der Hall Of Fame werden die Partytiere gefüttert, im Talentschuppen spielen Newcomer aus der Region und DJs, die bald vielleicht auch in den großen Clubs zu hören sein werden. Auch wenn die Zelte im Keller bleiben, gibt es für kleine und große Geldbeutel die richtige Übernachtungsmöglichkeit. Immerhin spart man sich hier das nervige ZeltZusammenpacken. Text: Tabea Debora Pringal 05.-07.12. — A-SA ALBACH-HINTERGLEMM — 3 FEET SMALLER, 7 DIALS MYSTERY, DENDEMANN, DIE SCHRÖDERS, DJANGO 3000, DRUNKEN MASTERS, EFFI, IRIEPATHIE, ITCHY POOPZKID, KOTZREIZ, LIEDFETT, MAD CADDIES, MADSEN, OK KID, PANDAPARTY SOUNDSYSTEM, SDP, SEBEL, THE HIVES, WIZO U. V. A.

EGOTRONIC

47° FESTIVAL Das 47° Festival feiert 2014 seine Premiere. 47° beschreibt dabei weniger die angepeilte Temperatur im Oberschwabenklub, sondern ist vielmehr eine Hommage an den Austragungsort: Ravensburg liegt exakt auf dem 47. Breitengrad. Ziel der Veranstalter war es, Bands in die Stadt zu holen, die sonst eher selten in der Gegend haltmachen und dann schon gar nicht im ­Rudel. Zur großen Hauptbühne gibt’s noch eine kleinere im Foyer des Oberschwabenklubs. Auf der dürfen lokale Bands zeigen, was sie draufhaben. Text: Tabea Debora Pringal 06.12. R AVENSBURG — BAKKUSHAN, DIE R AKEDE, EGOTRONIC, GROSSSTADTGEFLÜSTER, I HEART SHARKS, ITCHY POOPZKID, OK KID

POP-ABO DORTMUND Seit der Saison 2006/07 bietet das Konzerthaus Dortmund dem Pop einen klassischen Rahmen. Am 6. Dezember spielen dort Mighty Oaks. Christian Lenzing vom Konzerthaus Dortmund ist für das Pop-Abo verantwortlich und erzählt, was dahintersteckt. Was waren Ihre bisherigen Highlights? Sehr markant war die Herangehensweise der dänischen Efterklang, die wir Anfang 2011 zu Gast hatten. Sie hatten zwar Flöten, Geigen und Percussions dabei – allerdings wurden diese durch Berge von Samplern und anderem elektronischen Gerät gejagt. Ich hatte schon die Besucherbeschwerden in unserem Gästebuch vor Augen. Am Ende waren aber alle begeistert. Eine große Herausforderung war der Abend mit Kinderzimmer Productions. Ein akustisches HipHop-Set war bis dato wohl für jeden von uns komplettes Neuland. Es wurde lange geprobt, das Konzert war dann einzigartig. Wie sehr freuen Sie sich auf das Konzert der Mighty Oaks? Ich habe die Band auf dem letzten Eurosonic Noorderslag kennengelernt. Vor

dem Konzert interviewte mich Kollege Carsten Schumacher vom Festivalguide und fragte mich, ob die Möglichkeit bestünde, die Band irgendwann auch mal im Pop-Abo zu hören. Jetzt kann ich sagen: Ich kann mir das nicht mehr nur vorstellen, die Band ist gebucht, das Konzert ist mit 1200 Tickets seit Langem ausverkauft, und ich freue mich riesig auf ein Wiedersehen! Interview: Julia Brummert 06.12. DORTMUND — MIGHTY OAKS

MODERAT

MONKEYTOWN FEST Zum fünften Geburtstag beschenkt sich das Monkeytown-Label aus Berlin selbst. Gefeiert wird nicht einfach mit einer Party, sondern gleich mit einem Live-Konzert im Berliner Tempodrom. Moderat, die ihr zweites Album auf ihrem Label Monkeytown veröffentlicht haben, sind Headliner der Sause. Zu ihnen gesellen sich The Notwist. Es geht darum, die Grenzen zwischen elektronischer und instrumentaler Musik verschwimmen zu lassen. Dazu gibt es Live-Sets von den Monkeytown-Künstlern Dark Sky und Siriusmo und passend zum Geburtstag einen Überraschungs-Act. Text: Julia Brummert 05.12. BERLIN — MODER AT, THE NOTWIST, DARK SKY, SIRIUSMO


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MORGEN

FESTIVALS 2015

GROSS

TICKEE T V ER L O SU NG !

So langsam rücken die Veranstalter mit Line-ups raus und die Vorfreude steigt. Wir präsentieren euch eine Auswahl an Festivals 2015 – ein paar alte Bekannte, ein paar neue Gesichter. Und um die Vorfreude noch zu steigern, verlosen wir für jedes dieser Festivals jeweils zwei Tickets. Schreibt eine Mail mit dem Betreff »Festivalverlosung« und eurem Wunschfestival an verlosung@intro.de. Falls euer Lieblingsfestival nicht dabei ist, seid unbesorgt: Bei den Checkern von festivalguide.de gibt’s alle Daten und noch mehr Verlosungen!

WOMEN OF THE WORLD

MAIFELD DERBY

BERLIN FESTIVAL

DER RING / ROCKAVARIA

»Who run the world? Girls do!« sang einst Beyoncé Knowles. So in etwa könnte auch das Motto dieses Festivals lauten, das seit 2012 einmal im Jahr ausschließlich Künstlerinnen in verschiedene Locations der Innenstadt von Frankfurt am Main holt. Zuhören darf am Ende selbstverständlich jeder. 2015 sind unter anderem Sophie Hunger und Tina Dico dabei.

Vielleicht liegt es am Parcours d’Amours, vielleicht an den vielen Luftballons oder dem größtenteils veganen Catering: Das Maifeld Derby in Mannheim zählt sicher zu den lauschigeren und entspannteren Festivals. Ein detailversessenes Liebhaber-Line-up mixt sich mit Indie-Größen wie letztes Jahr etwa The National, und macht aus Kleinen auch mal fix Große.

Nach dem Umzug vom Tempelhofer Feld in den Arena Park in Kreuzberg gibt’s nun auch einen neuen Termin: Das Berlin Festival findet ab jetzt im Frühling statt. Ansonsten bleibt alles beim Alten: DJ-Sets und Bands in urbaner Atmosphäre, Späti und Spree sind gleich um die Ecke, und pennen lässt es sich am besten bei Freunden in der Stadt.

Das neue Ding am Nürburgring! Nach dem Streit mit Marek Lieberberg hat sich der neue Rennstrecken-Besitzer mit einem anderen Veranstalter zusammengetan. Mit Metallica, Judas Priest, Kiss und Muse im Line-up ist Der Ring – Grüne Hölle Rock noch rock­ lastiger als sein Vorgänger geworden und hat ein Pendant in München bekommen: Das Rockavaria.

13.-17.05. FR ANKFURT AM MAIN

22.-24.05. MANNHEIM

IMMERGUT

CASTIVALS

ROCK AM RING / IM PARK HURRICANE / SOUTHSIDE

Zum Beginn des Sommers versammeln sich die Festivalpioniere im Camp Auszeit an der Mecklenburger Seenplatte. Gefeiert wird traditionell zu Live-Musik exquisiter Indie-Bands, außerdem locken Sommerlager-Hits wie ein Fußballturnier und Ausflüge zum Schwimmen an den See, und wer mag, darf sich bei Lesungen entspannen.

In den letzten Jahren besuchte Casper zahlreiche Festivals und begeisterte mit seinen Auftritten große Menschenmassen. Nun veranstaltet der Rapper seine eigenen kleinen Festivals und wird als Headliner auf der Bühne stehen. Es ist davon auszugehen, dass er noch viele befreundete Acts aus dem eigenen Stall mit im Gepäck hat.

Veranstalter Lieberberg hat hart gekämpft, den Namen zu behalten, umziehen musste das Festival trotzdem. 2015 heißt es erstmals: »Hallo, Mendig!« (Nürnberg bleibt unverändert). Damit’s nicht zu beschaulich wird, ziehen Bodycount, K.I.Z. und Slipknot mit, für den Fall eines Sonnenuntergangs sind aber auch AnnenMayKantereit und Mighty Oaks dabei.

Die Besucher des Hurricane wissen: Der Name ist Programm, Norddeutschland bleibt wettermäßig spontan. Dafür lässt das geschmackssichere Line-up aus Rock, Indie und HipHop ja stets die Sonne aufgehen. Das kleinere Schwesterfestival Southside hat mit dem Wetter meist mehr Glück, dafür liegt es halt in Bayern. Und die Einhorn-Dichte ist dort höher!

05.-07.06. MENDIG / NÜRNBERG

19.-21.06. SCHEESSEL / NEUHAUSEN OB ECK

29.-31.05. BERLIN

29.-31.05. NÜRBURG / MÜNCHEN

29.-30.05. NEUSTRELITZ

05.06. HANNOVER – 13.06. BERLIN – 04.07. DRESDEN – 31.07. LUDWIGSBURG – 21.08. HAMBURG

KOSMONAUT FESTIVAL

RUHR-IN-LOVE

SUMMERJAM

WITH FULL FORCE

Die Familie Kraftklub hatte 2013 die Idee zum Kosmonaut Festival in ihrer Heimatstadt Chemnitz. Gesagt, getan. Und so werden die Gründer auch im kommenden Jahr wieder auf der Bühne stehen. Um weitere Headliner wird allerdings wie im vergangen Jahr noch ein großes Geheimnis gemacht. Die Gerüchteküche ist hiermit eröffnet!

Der Pott tanzt! Wer zu elektro­ nischer Musik jeglicher Art richtig einen draufmachen möchte, ist bei diesem Festival goldrichtig. Egal, ob House, Techno oder Trance, hier schlägt für jeden der passende Beat. Auch 2015 sorgen internationale und lokale DJs auf rund 40 Floors im Olga-Park von Oberhausen für nonstop Partylaune unter freiem Himmel.

Das Reggae-Mekka Summerjam feiert 2015 seinen 30. Geburtstag. Seit seinen Anfangstagen bringt es Karibikflair auf die Regattainsel im Fühlinger See in Köln. Echte Palmen gibt es hier nicht, aber wenn man die Augen schließt, klingt das Plätschern des Sees fast wie das karibische Meer, und die Garküchen und Fressstände duften himmlisch. Köllefornia + Summerjam = Love.

Der ostdeutsche Szenetreff With Full Force ist seit Jahren eine Pilgerstädte für Freunde des Metal und Hardcore und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Was einmal als fixe Idee begann, erstreckt sich mittlerweile so weit das Auge reicht über den Segelflugplatz Roitzschjora. Auch 2015 sind Nackenschmerzen und blaue Flecken nach dem Moshpit vorprogrammiert.

26.-27.06. CHEMNITZ

27.06. OBERHAUSEN

03.-05.07. KÖLN

03.-05.07. LÖBNITZ


MORGEN

141

SPLASH!

MELT!

APPLETREE GARDEN

JUICY BEATS

Rapper wie Casper und Pimf berichten gern, wie sie einst als Besucher zum splash! fuhren. Heute stehen sie dort selbst auf der Bühne. Das Festival in Ferropolis gilt längst als eine Art Familientreffen des HipHop, und wer nicht selber spielt, hängt Backstage oder beim Truckstop ab – in jedem Fall sind alle da, wenn Mutti ruft oder die große Winkekatze winkt.

Drei Tage wach – die, die mit dem Melt!-Train anreisen, müssen wohl noch länger auf Schlaf verzichten. Denn statt Entspannung locken in Ferropolis, der Stadt aus Eisen, viel elektronische Tanzmusik, Indie und Glitzer. Eine gewisse FeierKondition wird vorausgesetzt. Aber falls es 2015 wieder so brüllend heiß wird wie 2014, gibt’s zumindest Abkühlung im See.

In seinen Anfangstagen fand das Appletree Garden Festival tatsächlich noch auf einer Apfelbaumwiese statt. Die wurde aber irgendwann zu klein, das Festival zog in den Diepholzer Bürgerpark. Dort kommen jährlich rund 4.500 Leute zusammen, um einer mit viel Liebe zusammengestellten Mixtur aus Indie-, Rock- und Electro-Bands zu lauschen.

Wenn sich der Dortmunder Westfalenpark in eine musikalische Oase aus HipHop- und Electrobeats verwandelt, strömen zahlreiche Fans der elektronischen Musik herbei. Im kommenden Jahr findet das Festival aufgrund seines 20. Geburtstags zum ersten Mal an zwei Tagen statt, dafür gibt es dann auch einen Campingplatz. Mitten in Dortmund! Verrückt!

10.-12.07. GR ÄFENHAINICHEN

17.-19.07. GR ÄFENHAINICHEN

23.-25.07. DIEPHOLZ

24.-25.07. DORTMUND

NATURE ONE

JAN DELAY OPEN AIR

A SUMMER’S TALE

ROCCO DEL SCHLACKO

Die ehemalige Raketenabschussbasis Pydna ist Austragungsort dieses unglaublich lauten, unglaublich bunten Electro-Festivals. Niemand kann dem Bass beim Nature One entkommen. 2013 bekam das Festival den Helga!® Publikums-Award verliehen, 2014 wurde 20-jähriges Jubiläum gefeiert. Beliebt und bewährt – das klingt nach guten Startbedingungen für 2015.

Jan Delay kommt im Sommer 2015 ganz exklusiv für ein Open-AirKonzert nach Mönchengladbach. Mit dabei sind wie immer die Delaydies, Delays Background-Chor, und auch seine Bläsertruppe Jonny Blazers. Die Band will den ganzen Tag lang den HockeyPark ordentlich auf den Kopf stellen. Und zwar mit einer ganzen Reihe SupportActs – wie ein kleines Festival.

Erholungsurlaub in der L ­ üneburger Heide gefällig? Festivals müssen schließlich nicht immer Stresstest des eigenen Immunsystems sein. Im August feiert das Festival A Summer’s Tale seine Premiere. Neben Pop- und Folkkonzerten sind Kunstausstellungen, Kino, Kreativworkshops und sportliche Ausflüge mit dem Rad oder Kanu Teil des Festivalprogramms.

Das Festival mit einem der abgefahrensten Namen Deutschlands lockt alljährlich rund 24.000 Fans von Rock-, Metal- und Indie-Musik auf die Sauwasen im hübschen Püttlingen/ Saarland. Hier ist das Leben noch ein Ponyhof – oder so ähnlich. Zumindest ist der Weg vom Campingplatz zur gleichnamigen »Ponyhof«-Bühne nicht weit und dort steigen meist die besten Parties.

31.07.-02.08. K ASTELLAUN

01.08. MÖNCHENGLADBACH

05.-08.08. LUHMÜHLEN

6.-8.08. PÜTTLINGEN

JENSEITS VON MILLIONEN TAUBERTAL

SZIGET

AFRIKA-KARIBIK

Mitten in der beschaulichen Burg Friedland in Brandenburg findet 2015 zum elften Mal dieses kleine, aber feine Festival statt. Das Line-up setzt sich in weiten Teilen aus Indie-Bands zusammen. Hier darf man noch neben seinem Zelt parken, und ein Teil der Einnahmen geht an einen guten Zweck. Klein, kuschelig und alles andere als Massen-Bespaßung.

Das Frankenland ist nicht nur für seinen Wein bekannt, sondern auch für sein familiärstes Festival. Die Verbundenheit zur Natur wird hier großgeschrieben. So gibt es neben der »Sound For Nature«-Bühne die Möglichkeit, seiner Tanzwut bei der Aftershow-Party im Steinbruch freien Lauf zu lassen. Und über allem wacht die Playmobil-Stadt Rothenburg.

Besucher aus ganz Europa überqueren einmal im Jahr die große Brücke, um eine Woche lang auf der Donauinsel in der ungarischen Hauptstadt Budapest ausgiebig Tag und Nacht zu feiern. Auch hiesige Fans haben längst schätzen gelernt, wie wunderschön und günstig hier alles ist: Allein in den ersten 24 Stunden des Vorverkaufs gingen 500 Tickets nach Deutschland.

Alle sollen sich in Aschaffenburg wohlfühlen. Das Motto des AfrikaKaribik-Festivals lautet entsprechend: »One Race...Human!« Ziel ist, die karibischen und afrika­ nischen Kulturen zusammenzubringen. Das musikalische Programm ist von Reggae, Dancehall und HipHop geprägt. Kinder sind herzlich willkommen, für die gibt es sogar eine eigene Area.

07.-08.08. FRIEDLAND

07.-09.08. ROTHENBURG OB DER TAUBER

10.-17.08. H-BUDAPEST

13.-16.08. ASCHAFFENBURG

HALDERN POP

HIGHFIELD

LOLLAPALOOZA

REEPERBAHN FESTIVAL

Glückspilze sind jene, die es schaffen, ein Ticket fürs Folk’n’IndieMekka Haldern Pop zu bekommen. Die sind nämlich immer schon im Herbst vor dem Festival ausverkauft, auch wenn noch keine einzige Band bekannt ist. Auf die B ­ ooker vom Haldern ist eben Verlass. Dafür wurden sie bereits zweimal mit dem unabhängigen Festival-Award Der Helga!® ausgezeichnet.

Der See ist fester Bestandteil des Highfield Festivals. Seit 1998 holt es große Namen nach Ostdeutschland, anfangs noch nach Thüringen, mittlerweile an den Störm­ thaler See bei Leipzig. Auch das Wetter spielt meist mit, denn das Highfield findet immer im August statt. Entsprechend ist die Stimmung relaxed und im Programm für jeden was dabei.

Lollapalooza-Gründer Perry Farrell ist dem europäischen Ruf gefolgt: Nachdem der Jane’s-AddictionSänger das Festival in den 90erJahren ins Leben gerufen hatte, gab es Ableger an verschiedenen Orten der USA und in Südamerika. Jetzt kommt der Musik & Kunst-Zirkus erstmals nach Deutschland und landet auf dem alten Flughafen Tempelhof in Berlin.

Reeperbahn Festival, unsere Perle. Am Ende der Open-Air-FestivalSaison wartet Sankt Pauli auf uns, die Clubs öffnen ihre Tore für Newcomer und Durchstarter, und die Besucher freuen sich auf die Kombination aus Fischbrötchen, Hafenluft, schönen Konzerten und spannenden Diskussionen über das Musikgeschehen in Deutschland und der Welt.

13.-15.08. REES-HALDERN

14.-16.08. GROSSPÖSNA

12.-13.09. BERLIN

23.-26.09. HAMBURG


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MORGEN

KONZERTBÜRO

Kwabs

27.11.14 Berlin, Villa Elisabeth

Kate Tempest

27.11.14 Hamburg, Molotow

Benjamin Clementine

BRANDT BRAUER FRICK

28.11.14 Heidelberg 29.11.14 Köln

BALLANTINE'S BOILER ROOM HAMBURG Als kleines Indie-Projekt in London gestartet, zeigt die Plattform boilerroom.tv Konzerte und DJ-Sets im LiveStream. Jetzt bringt Ballantine's den Boiler Room erstmals nach Hamburg. Wir verlosen Tickets!

ker und DJs aus Klassik und elektronischer Musik. Wie immer kann man das Ganze im Live-Stream auf boilerroom. tv verfolgen. Tickets gibt es über Boiler Room oder bei uns: Wir verlosen 3x2 Karten, schreibt einfach eine Mail mit eurem Namen, Alter, Adresse und dem Nach seinen Anfängen in London und Betreff »Ballantine's Boiler Room« an Stationen in Berlin, Argentinien, Brasi- verlosung@intro.de. Viel Glück! lien, L.A. und New York reist der Boiler Room mit seinem außergewöhnlichen 11.12. HAMBURG — CARL CR AIG, FR ANCESCO Live-Konzept jetzt nach Hamburg. Am TRISTANO, GREGOR SCHWELLENBACH, 11. Dezember kollaborieren hier Musi- BR ANDT BR AUER FRICK

Sleep Party People

27.11.14 Berlin, Kantine Berghain

The Beards 27.11.14 28.11.14 30.11.14 04.12.14

Dresden, Groove Station Stuttgart, Keller Club München, Ampere Bochum, Zeche

Children 08.12.14 09.12.14 10.12.14 11.12.14

Talisco

04.12.14 Frankfurt 05.12.14 Dresden 06.12.14 Bochum

Jena, Café Wagner Hannover, Pavillion Aachen, Raststätte Duisburg, Grammatikoff

The Lake Poets

09.12.14 K, Wohngemeinschaft 10.12.14 Berlin, Monarch

Parra For Cuva & Band

11.12.14 Offenbach, Hafen 2 19.12.14 K, Club Bahnhof Ehrenf.

The Fauns

14.12.14 Berlin, Comet Club

Rainy Milow

15.12.14 Berlin, Kantine Berghain

Alvvays

09.02.15 Hamburg 10.02.15 Berlin

Keston Cobblers´Club

14.01.15 Köln, Studio 672 21.01.15 Frankfurt, Ponyhof Club

Get Well Soon

22.01.15 BO, Bhf Langendreer

Die Fantastischen Vier 22.01.15 Frankfurt, Festhalle

Interpol

25.01.15 Köln, Palladium

Caribou

12.03.15 Berlin

Hiss Golden Messenger 17.02.15 Berlin, Privatclub

Sylvan Esso

24.02.15 Köln, Gebäude 9

Charlie Cunningham

KRAFTWERK IN DER NEUEN NATIONALGALERIE BERLIN Kraftwerk präsentieren mit der Konzertreihe »Der Katalog 1 2 3 4 5 6 7 8« jeweils eines ihrer acht bisher veröffentlichten Alben auf der Bühne. Nach Konzerten in New York, London und Düsseldorf kommt das Projekt nun in die Neue Nationalgalerie Berlin. Seit mehr als 40 Jahren gelten Kraftwerk als die Urväter verschiedener Musikrichtungen wie Electro, Techno und HipHop. Das Museum of Modern Arts in New York hat der Gruppe 2012 eine Ausstellung gewidmet, die ihre Nutzung von Technologie in den Mittelpunkt stellte. Das war die Grundlage für die Konzertreihe, die vom 6. bis 13.

Dezember in der Neuen Nationalgalerie in Berlin stattfindet. Acht Konzerte wird es geben, in chronologischer Reihenfolge widmen sich Kraftwerk jeweils einem ihrer bislang veröffentlichten Alben: »Autobahn« (1974), »Radio-Aktivität« (1975), »Trans Europa Express« (1977), »Die MenschMaschine« (1978), »Computerwelt« (1981), »Techno Pop« (1986), »The Mix« (1991) und »Tour De France« (2003). Die Konzerte werden durch 3D-Videoprojektionen ergänzt, sodass (wie bei Kraftwerk zu erwarten) ein Gesamtkunstwerk entsteht.

Noel Gallagher´s High Flying Birds

16.03.15 Berlin 19.03.15 Düsseldorf

25.02.15 26.02.15 27.02.15 28.02.15 01.03.15 02.03.15

K, Wohngemeinschaft Haldern, Pop Bar HH, Nochtspeicher Erfurt, Franz Mehlhose Berlin, Privatclub München, Ampere

Element Of Crime

02.03.15 F, Jahrhunderthalle 03.03.15 Köln, Palladium 04.03.15 BO, Jahrhunderthalle

Jan Delay & Disko No.1

13.03.15 Köln, Palladium 18.03.15 MS, Halle Münsterland

Deichkind

Calexico

15.04.15 Hamburg 18.04.15 Berlin 20.04.15 Köln 21.04.15 München

09.04.15 MS, Halle Münsterland 10.04.15 D, Mitsubishi-Electric-H. 11.04.15 DO, Westfalenhalle

Daniel Norgren 03.05.15 Berlin, Lido

Tickets: eventim.de - Infos: schoneberg.de 06.-13.01. BERLIN – KR AFTWERK


MORGEN

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WWW.LOFT.DE

U

WWW.FACEBOOK .COM/LOFTCONCERTS

Di. 25.11.2014 | Studio 672, Köln

P

D

A

T

E

BASTIAN BAKER

Di. 25.11.2014 | MTC, Köln

THE KOOKS

CATFISH AND THE BOTTLEMEN special guest: The Capitols DeZember 2014

7.2.15 COLUMBIAHALLE | 20H

NIELS FREVERT & BAND 11.12. LIDO | 20H

OHRBOOTEN 13.12. SO36 | 20H

JULIAN CASABLANCAS+THE VOIDZ

05.12. tHe rural alberta aDvantaGe 21.00 07.12. Y´akoto 21.00

13.12. POSTBAHNHOF | 20H

YOUNG REBEL SET

10.12. kontra k. 21.00

CATS ON TREES 14.12. POSTBAHNHOF | 20H

J MASCIS 15.12. LIDO | 20H

13.12. + 14.12. turbostaat 20.00 21.12. slime 21.00 09.01. tHe munitors 21.00

GET WELL SOON

18.01. nipseY Hussle 21.00

STARS

19.01. stars 21.00

A SPECIAL NIGHT WITH

21.1.15 HEIMATHAFEN NEUKÖLLN | 21H

22.1.15 BI NUU | 20H

COLD SPECKS 23.1.15 BI NUU | 20H

CYMBALS EAT GUITARS

THE RURAL ALBERTA ADVANTAGE special guest: PS I Love You

02.12. tHe riFles 21.00

09.12. JoHn Garcia 21.00

14.12. SO36 | 20H

Mo. 01.12.2014 | Luxor, Köln

21.01. mia 21.00 30.01. alex Goot 20.00

Do. 04.12.2014 | Luxor, Köln

NEW FOUND GLORY plus special guest Fr. 05.12.2014 | Luxor, Köln

NIELS FREVERT & BAND special guest: Desiree Klaeukens So. 07.12.2014 | Studio 672, Köln

CURTIS HARDING

Mo. 08.12.2014 | Luxor, Köln

YOUNG REBEL SET special guest: Sore Losers Mi. 10.12.2014 | Luxor, Köln

HOFFMAESTRO Mi. 10.12.2014 | Studio 672, Köln

JAMES HERSEY Di. 16.12.2014 | Luxor, Köln

TAKING BACK SUNDAY special guest: Marmozets, Blitz Kids Mi. 17.12.2014 | Luxor, Köln

CATS ON TREES Sa. 20.12.2014 | Gebäude 9, Köln

ANTILOPEN GANG Di. 20.01.2015 | Luxor, Köln

STARS

Mi. 21.01.2015 | Blue Shell, Köln

OSCAR AND THE WOLF

24.1.15 FRANNZ | 20H

02.02. Zoot woman 21.00

FRITZ KALKBRENNER 31.1.15 COLUMBIAHALLE | 20:30H

03.02. snakeHips, GolDlink & stwo 21.00

Fr. 23.01.2015 | Gebäude 9, Köln

NATHANIEL RATELIFF & BAND

13.02. antilopen GanG 20.00 14.02. kaYeF 19.00

COLD SPECKS

2.2.15 ROTER SALON | 20H

PHILIP SELWAY 4.2.15 FRANNZ | 20H

TOUR OF TOURS

23.02. sYlvan esso 21.00

Do. 22.01.2015 | Blue Shell, Köln

CYMBALS EAT GUITARS TOUR OF TOURS So. 25.01.2015 | Luxor, Köln

Do. 29.01.2015 | Luxor, Köln

CROWN THE EMPIRE + Set It Off, Dangerkids, Alive Like Me

01.03. two Gallants 20.00

Do. 29.01.2015 | Blue Shell, Köln

MIT HONIG, TIM NEUHAUS, IAN FISHER, TOWN OF SAINTS 7.2.15 POSTBAHNHOF | 20H

ASA

ALEX GOOT

18.2.15 KESSELHAUS | 21H

14.03. scott braDlee & postmoDern Jukebox 21.00

KATZENJAMMER

16.03. bilDerbucH 20.00

ELEMENT OF CRIME 17./18.3.15 TEMPODROM | 20H

21.03. tHe unDeracHievers & FlatbusH Zombies are clockwork inDiGo 21.00

SLEATER-KINNEY

13.04. siZarr 21.00

6.3.15 COLUMBIAHALLE | 20H

18.3.15 POSTBAHNHOF | 20H

LIFE IN FILM Sa. 31.01.2015 | Luxor, Köln

Di. 03.02.2015 | Club Bahnhof Ehrenfeld, Köln

ZOOT WOMAN Sa. 07.02.2015 | Luxor, Köln

DIRTY DEEDS`79 Do. 19.02.2015 | Luxor, Köln

CHIMA

Mi. 25.02.2015 | Luxor, Köln

RED CITY RADIO special guest: Pears Do. 26.02.2015 | Underground, Köln

ACOLLECTIVE Fr. 27.02.2015 | Luxor, Köln

IDLEWILD

DEICHKIND

28.4.15 MAX-SCHMELING-HALLE | 20H

TICKETS: KOKA 36 (030) 611 013 13

Zoom FrankFurt GmbH brönnerstrasse 5 – 9 60313 FrankFurt / main www. ZoomFrankFurt.com

prime entertainment www.prime-entertainment.de


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MORGEN intro 12.14_Layout 1 10.11.14 15

Cafe Central

DI 02 12 PAGAN FOLK, VIKING METAL halle_02 hd

SA 24 01 RAP halle_02 hd

05.12.2014 / FR

DO 04 12 ALTERNATIVE

MO 26 01 GREAT POP feUerWaChe ma

Combat-Ska aus Italien

SO 07 12 SCHOEN! halle_02 hd

MI 04 02 POP

Talco

08.01.2015 / DO

Götz Widmann "Krieg und Frieden"-Tour

22.01.2015 / DO

Get Well Soon

A special night with Get Well Soon

29.01.2015 / DO

Amparo Sanchez

Die Mestizo-Musik-Ikone aus Spanien

05.02.2015 / DO KINO FR 05.12. FR 19.12. FR 09.01. FR 16.01. LIVE DI 02.12. SO 07.12. MI 10.12. DO 11.12. SA 17.01. SO 18.01. SA 31.01. NACHT FR 05.12. FR 12.12. FR 26.12.

Zwei Tage, eine Nacht Calvary Can a Song Save Your Life Einer nach dem anderen Jaga Jazzist Tim McMillan Aloa Input Parra for Cuva Passion Dance Orchestra Kitty Solaris Teesy Ron Maney / DJ Skull, Heiko MSO, R. Drewek Mr. Scruff, M. Rütten Joey Anderson

Offenbach am Main www.hafen2.net

WeInheIm CafeCentral.de

elUVeItIe arKOna // SKalmÖld KIdS Of adelaIde mIGhtY OaKS

CharlIe CUnnInGham FR 12 12 RAP

187erS neW YOrK SKa Jazz enSemble COmbIChrISt

WIllIam COntrOl

GÖtz WIdmann // falK

DO 05 03 KULT!

mUmUVItCh dISKO OrKeStar

FR 06 03 BALKAN PARTY

20.02.2015 / FR

SO 28 12 REGGAE ROCKERS

traIlerParK

PhIlIPP bOa & the VOOdOO ClUb dJanGO 3000

DI 10 03 YEAH! maImarKtClUb ma

KatzenJammer

dr. WOGGle & the radIO

MI 11 03 HARDCORE

maSOn dIXOn hObOS

SO 15 03 POP feUerWaChe ma

SOUndItIOn

MI 18 03 BLUESROCK FROM AUSTRALIA

mambO KUrt

FR 27 03 REGGAE EXPLOSION FROM MUNICH

baXter

SO 29 03 POP halle_02 hd

SOUlbUSCh SIlVeSter SPeCIal!

FR 24 04 FLUCHT IN DIE FLUCHT

GÖtz WIdmann // falK

DO 30 04 PSYCHOBILLY

CUrSe

SA 27 06 20 JAHRE CAFE CENTRAL

Stampfende Beats & verschlungene Reime

MO 29 12 KING OF ALLEINUNTERHALTER

25.02.2015 / MI

DI 30 12 YEAH! ENDLICH zURÜCK!

MI 31 12 60S/70SNORTHERN SOUL, SKA, REGGAE SA 10 01 KRIEG & FRIEDEN halle_02 hd

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KOOl SaVaS

SA 20 12 KRIEG & FRIEDEN

SA 27 12 PSYCHOBILLY CHRISTMAS

Wallbaumweg 108 44894 Bochum Tel.: 0234 / 687 16 10 www.bahnhof-langendreer.de

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FR 13 02 KING OF RAP! maImarKtClUb ma FR 20 02 SEXUALETHISCH ... TOUR halle_02 hd

Die Tour zum neuen Album

"Das Strunk Prinzip"

InQUISItIOn // arChGOat

OndSKaPt. // blaCKdeath MI 11 02 SOWAS MACHEN HIP- HOPPER!

lOCUSt fUdGe // leS YaK-bOYS

FR 26 12 ROCKSTEADY SKA SOUL

Heinz Strunk

lOS faStIdIOS

FR 19 12 NOISE POP - 20 JAHRE ROYAL FLUSH

10.02.2015 / DI

Mundwerk Crew

KenSInGtOn

FR 06 02 OIPUNK FROM ITALY

DO 18 12 WE LOVE TOUR

DO 25 12 WEIHNACHTSPARTY - CENTRAL GLOBAL!

Che Sudaka

COld SPeCKS

SA 07 02 BLACK/DEATH METAL

MI 17 12 SKA JAzz

The Busters

"Supersonic Eskalator"-Tour

OlSOn

DI 13 01 RAP feUerWaChe ma

FR 16 01 JOHNNY CASH AND MORE!

terrOr aSa

VdellI

Jamaram

bIlderbUCh dIe Sterne

hanK CaSh

the meteOrS mambO KUrt

lOaded // nGObO nGObO // Ub PlaSma

SCHLACHTHOF WIESBADEN MURNAUSTR.1 65189 WIESBADEN

Mi. 03.12. 19:00 Uhr

TRIGGERFINGER Support: BIG SUGAR

06.12. SA

AUSVERKAUFT! - DIE TOTEN HOSEN

MAD CADDIES

03.12. MI

PARKWAY DRIVE / HEAVEN SHALL BURN / SPECIAL GUESTS: NORTHLANE / CARNIFEX

Fr. 05.12. 19:00 Uhr

05.12. FR

BOXHAMSTERS / TAUCHER

Do. 04.12. 19:00 Uhr

(STADTHALLE OFFENBACH)

Support: WILL O`THE WISP

PROTEST THE HERO

06.12. SA

SOHN

METRONOMY

09.12. DI

LAIBACH

MI 03.12.

10.12. MI

SUICIDE SILENCE / GUESTS: THY ART IS MURDER / FIT FOR AN AUTOPSY

10.12. MI

JOHN K. SAMSON - SOLO (THE WEAKERTHANS) / NORTHCOTE / SIR SIMON

DO 11.12.

11.12. DO

KREATOR / ARCH ENEMY / SODOM / VADER

MO 15.12.

11.12. DO

KREIDLER / EXCHAMPION

12.12. FR

THE GREAT BERTHOLINIS

13.12. SA

TERRORGRUPPE / RADIO HAVANA / LULU UND DIE EINHORNFARM

15.12. MO

HUNDREDS / SPECIAL GUEST

18.12. DO

ANTILOPEN GANG

20.12. SA

THE ROCK‘N‘ROLL WRESTLING BASH 2014 BROILERS / SPECIAL GUEST: GUIDA

CALIBAN

MICHA ACHER‘S ALIEN ENSEMBLE

28.12. SO

SA 21.02.

20.01. DI

PERSISTENCE TOUR 2015 FEAT. SICK OF IT ALL / IGNITE / WALLS OF JERICHO / U.A.

SO 22.02.

Do. 05.02. 19:00 Uhr

CHIMA

21.01. DI

DAS PACK / SUPPORT: DER FLOTTE TOTTE

DO 05.03.

25.01. SO

JENS FRIEBE & BAND

30.01. FR

COLD SPECKS

Mit: THE FACELESS, THE CONTORTIONIST, DESTRAGE

Do. 11.12. 19:00 Uhr

SUICIDE SILENCE Mit: THY ART IS MURDER, FIT FOR AN AUTOPSY

Do. 18.12. 19:00 Uhr

HOFFMAESTRO Fr. 09.01. 19:00 Uhr

THE BUSTERS Support: DJANGO 3000

So. 11.01. 19:00 Uhr

CHAKUZA

Support: MAXAT

Do. 15.01. 19:00 Uhr

WISHBONE ASH Do. 29.01. 18:00 Uhr

GÖTZ WIDMANN •

FR 05.12.

ERDMÖBEL HUNDREDS METRONOMY

12. – 14.12.

CROSSROADS

CLUB CULTURE CONFERENCE FR 12.12. JACKMASTER (UK) + DENSE & PIKA (LIVE) SA 13.12. ACADEMY DAY SA 13.12. MOVE D & JUS-ED (US) DO 12.02.

(JAHRHUNDERTHALLE HÖCHST)

THE BUSTERS

Mit: DREAM ON, DREAMER, ANY GIVEN DAY

Alter Schlachthof 19

JOHANNES FALK & BAND

TEAM ME

76131 Karlsruhe

www.substage.de

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Heidelberg / Am Karlstor 1 Telefon 0 62 21 . 97 89 11

Unser komplettes Programm findet ihr im Internet unter

schlachthof-wiesbaden.de


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IDA GARD

28.11. KÖLN DIE WOHNGEMEINSCHAFT 04.12. DÜSSELDORF PITCHER

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TERMINE 2014/2015

RADIO DORIA

DIE FREIE STIMME DER SCHLAFLOSIHKEIT 2014

02.12. KÖLN GLORIA

............................

<<Konzerte Im FZW>>

03/12

MIWATA

16.12. mousonturm 21.00 buggE wEssELTofT

Do. 15.01.2015 | Live Music Hall, Köln

Annisokay & Rogers

ZUSATZKONZERT!

04.12. KÖLN STEREO WONDERLAND

............................

............................

12/12

GUILDO HORN & DIE ORTHOPÄDIS-

CHEN STRÜMPFE

13/12

MASTODON & BIG BUISENESS & KROKODIL 18/12

ME VIII: KAI HAVAII, STEFAN KLEINKRIEG, MONA MUR, EN ESCH, NO MORE 21/12

MESHUGGAH 26/12

HONIGDIEB 28/12

DONKEY GAMING: X-MASNERD-PARTY 30/12

TOO STRONG 31/12

FZW SILVESTER PARTY 15/01

ANDREAS BOURANI 16/01

OLSON

18/01

TON STEINE SCHERBEN 27/01

NAZAR

03/02

TEESY

06/02

ERIK COHEN <<Vorschau>>

10.02. MARLON ROUDETTE, 15.02.DEINE LAKAIEN ***Nachholtermin*** 17.02. EARTH, 18.02.CALLEJON, 25.02.BLACK LABEL SOCIETY, 26.02. CHRISTIAN STEIFFEN, 27.02. ARCHIVE, 28.02.KAYEF, 04.03. MARK FORSTER, 08.03.Y-TITTY, 12.03. DJANGO 3000, 14.03.TOM LÜNEBURGER, 15.03.CARNIVOOL 17.03. CARNIVAL YOUTH, 19.03. VEGA 26.03.KONTRA K, 11.04. SCHMUTZKI 26.04.GREGOR MEYLE, 29.04. BLUMIO 22.-24.05. WAY BACK WHEN FESTIVAL

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BEAR´S DEN

Fr. 06.03.2015 | E-Werk, Köln

10/12

KIDS OF ADELAIDE

Mi. 25.02.2015 | Bürgerh. Stollwerck, Köln

ROYAL BLOOD special guest: Mini Mansions

DÜRER

CHAKUZA

LA ROUX special guest: Meanwhile

JESSIE WARE LAMB Mi. 11.02.2015 | Live Music Hall, Köln special guest: The Ramona Flowers ENTER SHIKARI Fr. 05.12.2014 | Bürgerh. Stollwerck, Köln

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09/12

AHZUMJOT

Di. 10.02.2015 | Gloria, Köln

Sa. 10.01.2015 | Live Music Hall, Köln

03.12. KÖLN STEREO WONDERLAND

13.12. KÖLN GEBÄUDE 9

LAING WECHSELT DIE BELEUCHTUNG – TOUR

13.01. KÖLN GLORIA

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ANDREAS

BOURANI HEY LIVE 2015

14.01. KREFELD KULTURFABRIK 19.01. AACHEN EUROGRESS

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ERIK

PENNY 19.02. MÜNSTER HOT JAZZ CLUB 21.02. DÜSSELDORF PITCHER 23.02. KÖLN STUDIO 672

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MARK FORSTER

03.03. KÖLN LIVE MUSIC HALL 04.03. DORTMUND FZW 05.03. KREFELD KULTURFABRIK

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THE

HIGH KINGS 05.03. BOCHUM ZECHE

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EIVØR 18.03. KÖLN STUDIO 672

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TOM

LÜNEBURGER 20.03. KÖLN GEBÄUDE 9

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Mi. 04.03.2015 | E-Werk, Köln

METRONOMY

ARCHIVE

CALLEJON plus special guests:

ABOVE & BEYOND

So. 22.03.2015 | Live Music Hall, Köln

YELLOWCARD special guest: Less Than Jake

So. 25.01.2015 | Gloria, Köln

Mi. 25.03.2015 | E-Werk, Köln

GERARD WAY

STEEL PANTHER

Mi. 28.01.2015 | Live Music Hall, Köln

18.12. mousonturm 21.00 PETErLiChT 15.01. mousonturm / lokal 21.00 gErEon 23.01. BrotfaBrik 20:00 gET wELL soon 29.01. BrotfaBrik 20:00 gisbErT zu knyPhausEn

HOZIER

Do. 26.03.2015 | Bürgerh. Stollwerck, Köln

MARK LANEGAN BILDERBUCH Fr. 27.03.2015 | Gloria, Köln BAND FEMME plus special guest SCHMIDT Mo. 09.02.2015 | Live Music Hall, Köln Di. 10.02.2015 | FZW, Dortmund Sa. 28.03.2015 | E-Werk, Köln MARLON UNDERWORLD ROUDETTE Sa. 31.01.2015 | Gloria, Köln

Fr. 28.11.2014 | Westfalenhalle 1, Dortmund Di. 02.12.2014 | Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

01.02. BrotfaBrik 20:00 moriarTy Zum Glück In Die Zukunft II Tour 2014

02.02. Zoom 21:00 zooT woman 23.02. Zoom 21:00 syLvan Esso 05.03. mousonturm 20:00 hEinz sTrunk

Fr. 19.12.2014 | ISS Dome, Düsseldorf (Zusatztermin) Sa. 20.12.2014 | ISS Dome, Düsseldorf (Ausverkauft!)

special guest: Misfits So. 18.01.2015 | Lanxess Arena, Köln Fr. 23.01.2015 | König-Pilsener-Arena, Oberhausen

08.03. mousonturm 21:00 José gonzaLEz 09.03. mousonturm 21:00 ariEL Pink 17.03. Zoom 20:00 sCoTT bradLEE & PosTmodErn JukEbox

Sa. 07.02.2015 | Palladium, Köln

Di. 24.02.2015 | Palladium, Köln

Mi. 25.02.2015 | Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

22.03. Batschkapp 20:00 funny van dannEn 27.03. Zoom 21:00 biLdErbuCh

Mi. 25.02.2015 | Palladium, Köln (Zusatztermin!) Do. 26.02.2015 | Palladium, Köln (Ausverkauft!)

03.04. Zoom 21:00 fLaTbush zombiEs + ThE undEraChiEvErs

Do. 05.03.2015 | Palladium, Köln

12.04. mousonturm 21:00 daniEL Lanois

Di. 17.03.2015 | Palladium, Köln

18.04. Jahrhunderthalle 20:00 dEiChkind

„In Schwarz“ Tour 2015

Sa. 11.04.2015 | König-Pilsener-Arena, Oberhausen

28.05. alte oper 20:00 ChiLLy gonzaLEs & kaisEr QuarTETT Welcome To The Machine 2015

tickets mousonturm: TEL 069.405.895-20 www.mousonTurm.dE infos BrotfaBrik: www.broTfabrik.info Weitere Veranstaltungen: www.markusgardian.dE

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Fr. 28.11.2014 | Bürgerh. Stollwerck, Köln (Verlegt vom Gebäude 9)

16.12. BrotfaBrik 20:00 CaTs on TrEEs

AUFBAU WEST

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03.12. mousonturm 21.00 aLiEn EnsEmbLE

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So. 14.12.2014 | Live Music Hall, Köln

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DEMNÄCHST // INTRO NO. 229 (FEBRUAR) — 02.02.2015 Eure liebsten Alben und Songs 2014, Belle & Sebastian, All We Are, José González, Feine Sahne Fischfilet, Charli XCX, Olli Schulz, The Decemberists, Kendrick Lamar


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ALLES AUSSER NIEDLICH.

Höher, stärker, wilder. Das Stadtauto mit SUV-Charakter. opel.de Kraftstoffverbrauch kombiniert 5,3–4,5 l/100 km; CO2 -Emission kombiniert 125–105 g/km (gemäß VO (EG) Nr. 715/2010). Effizienzklasse D–B

Intro #228  

Intro online lesen. Mit Von Spar, Antilopen Gang, Gazelle Twin, Mouse On Mars, Pharrell Williams, Mommy u.v.m.