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Seit letztem Jahr erreichen uns wöchentlich immer noch Dutzende Zuschriften, die uns von euren Sorgen und Problemen bei Liebe, Sex und Zärtlichkeit berichten. Das Dr. BackstageTeam leiht euch nach wie vor ein offenes Ohr, wo andere einfach weghören. Damit es auch 2017 mit der Festivalromantik hinhaut, stehen euch unsere Experten Tag und Nacht mit Rat und Tat zur Seite. Seid also versichert: Es gibt keine dummen Fragen. Nur dumme Antworten. LIZZY (17): Hallo, Dr. Backstage! Ich habe gestern herausgefunden, dass mein Mathelehrer, in den ich schon seit Jahren verknallt bin, genau wie ich privat zum Wacken fährt. Nach anfänglicher Freude bin ich jetzt total nervös: Ich würde unheimlich gerne mit ihm schlafen, aber was kann ich als blutjunge Schönheit mit meinen langen Wimpern, meiner straffen Porzellanhaut und meiner verspielten sexuellen Neugier schon anstellen, um die Aufmerksamkeit eines übergewichtigen Metalfans mit Halbglatze und Hygienedefiziten zu erregen? DR. BACKSTAGE: Liebe Lizzy! Du weist hier auf eine gesamtgesellschaftliche Problematik hin, die von einer unverantwortlichen Laissez‑Faire‑Pädagogik erst möglich gemacht wurde. Statt einfach ungeniert dem Lustprinzip zu folgen, ist es im Interesse der gesellschaftlichen Ordnung dringend notwendig, sich vor dem Geschlechtsverkehr ein Bild von seinem sexuellen Marktwert zu machen. Hier reichen einfache Vergleiche, um zu merken, dass du dich nur blamieren kannst, wenn du einem so selbstbewussten erfahrenen Sexgott weit außerhalb deiner eigenen Liga nachstellst. ROBIN (17): Hilfe, Dr. Backstage! Seit wir letztes Jahr auf dem Hurricane Biffy Clyro live gesehen haben, findet meine Freundin, dass ich dem Sänger total ähnlich sehe. Jetzt fragt sie mich die ganze

Zeit, ob sie Nacktfotos von mir machen kann, wie ich hingebungsvoll E-Gitarre spiele. So ganz wohl ist mir dabei aber nicht, zumal sie genau solche Fotos noch von ihrem Exfreund hat, der aussah wie Conor Oberst. Will sie wirklich mich oder in Wahrheit einen prominenten Rockstar? DR. BACKSTAGE: Hallo, Robin! Dazu musst du folgendes wissen: Wenn Mädchen in die Pubertät kommen, schwärmen sie oft für unerreichbare Popidole als Statthalter für spätere Partner. Das ist eine ungefährliche Methode, eigene emotionale Bedürfnisse zu erforschen, bei der du sie unbedingt unterstützen solltest. Vielleicht könnt ihr die Fotos ja gemeinsam ins Netz stellen, um Biffy Clyro oder zumindest ihren Anwälten noch näher zu sein! KIM (15): Hey, Dr. Backstage, ich komm grad nicht klar. Wie unter anderem René, Dennis, Sven, Birkan, Yannick, Mirko, Julian, Marvin und die Jahrgangsstufen 9 und 10 der Hans-Böckler-Gesamtschule bestätigen können, stehe ich nur auf Boys. Auf dem letztjährigen Splash! war da aber diese Bitch Nadja, kurze Haare, geile Grinse, Summersprossen ohne Ende. Hatte die Hände in den Hosentaschen und meinte: »Nächstes Jahr fick ich dich!« Will die mich jetzt bloß ficken oder etwa ficken-ficken? DR. BACKSTAGE: Hallo, Kim! Es sind genau diese Ambivalenzen in der Jugendsprache, die in der

Pubertät nicht nur für vage Bedrohungsgefühle, sondern auch für knisternde Erotik sorgen können. Vielleicht hättest du etwas tiefer in ihre schönen grünen Augen gucken müssen, um ihre genauen Absichten zu erfahren. Um sicherzugehen, was sie im Schilde führt, frag sie dieses Jahr doch einfach, ob sie sich bei diesem »Ficken« Zeugen wünscht oder nicht. Ihre Antwort wirst du dann hoffentlich richtig zu deuten wissen. NILS (16): Weil ich politisch eher links eingestellt bin, habe ich bisher immer sehr darauf geachtet, keinen Sex mit Nazis zu haben. Seit dem Rechtsrock-Festival auf der Festwiese neulich bei uns im Ort gerät mein Vorsatz allerdings zunehmend ins Wanken. Da waren nämlich definitiv ein paar strunzgeile Skinheads dabei, mit denen ich gerne mal das Fronterlebnis verherrlichen würde. Was jetzt? DR. BACKSTAGE: Lieber Nils, dein Leserbrief steht sinnbildlich für viele andere Zuschriften mit einem ähnlichen Dilemma. Während das politische Klima auf dem Summerjam beispielsweise generell als angenehm eingestuft wird, finden viele Besucher »Reggae doof« und »Rastafrisuren ungeil«. Umgekehrt weiß man, dass etwa 70% aller »völkischen Musik« von und für Schwule mit Uniformfetisch gemacht wird. Es ist hart, aber vielleicht wartest du einfach noch zwei Jahre und gehst dann zur Bundeswehr.

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Festivalguide online lesen: Alle Infos zur Open Air Saison 2017.

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