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einen ›eigenen Zweitmarkt‹ zugelegt haben, zeigt, wie schwierig es ist, hier seine Rechte als Veranstalter durchzusetzen und im Sinne des Verbrauchers zu agieren. Wenn sich rechtlich nichts ändert, dann müsste sich das Verhalten der Kunden in dem Sinne wandeln, dass ein Bewusstsein dafür entsteht, sich nicht an einer kriminellen Handlung beteiligen zu wollen.« Zudem findet er, »den Hinweis des Bundesministeriums zur besseren Kalkulation der Eintrittspreise durch den Veranstalter als nahezu zynisch.« Mit Verweis auf die zuvor genannten Erfolgsmeldungen des industrialisierten Anund Verkaufs von Eintrittskarten, führen die Folgen dieser Entwicklung indes in der Verbraucherzentrale Bayern erstmal zu jeder Menge Mehrarbeit. »Wir werten die bei den Verbraucherzentralen eingehenden, besonders bemerkenswerten Fälle aus«, berichtet Susanne Bäumer, dort Teamleiterin Digitale Dienstleistungen. Hier habe »in 2017 die Zahl der Fälle drastisch zugenommen, wir hatten in den drei ersten Monaten fast so viele Meldungen wie

in 2016 insgesamt. Dabei wurde Viagogo in gut 50 Prozent der Fälle genannt, aber auch zu anderen Ticket-Wiederverkäufern wie Ticketbande, Eventim-Fansale und Tickettube liegen uns Beschwerden vor.« Entsprechend der gegenwärtigen Gesetzeslage in Deutschland sind Verbraucher sowie Veranstalter im Vergleich zu Frankreich immer noch auf sich selbst gestellt. Das weiß Viagogo sicherlich auch zu schätzen, denn wie Bäumer schildert, haben die Verbraucherschützer Viagogo im Januar 2017 eine Abmahnung geschickt und das Unternehmen aufgefordert, »transparent darzustellen, dass es eine Ticketbörse und kein offizieller Tickethändler ist. Dann haben wir noch deren Gebührenpolitik bemängelt, da der Verbraucher viel zu spät über die sehr hohen Gebühren informiert wird. Viagogo hat unsere Abmahnung ignoriert, ein Verhalten, das wir nur von sehr wenigen Anbietern kennen.« Fakt ist, so der FKP-Geschäftsführer Thanscheidt: »In Deutschland fehlt momentan eine klare gesetzliche Grundlage, um juristisch wirkungsvoll gegen gewerb-

liche Wiederverkäufer vorzugehen. Hier besteht nicht nur der Wunsch, sondern die Notwendigkeit, die momentanen Grauzonen und Gesetzeslücken im Hinblick auf ein unautorisiertes Secondary Ticketing einzudämmen bzw. zu schließen.« Nur wer oder was sollte das auslösen? In England nahmen die Bemühungen, ein entsprechendes Gesetz zu verabschieden, bereits vor dem besagten Charity Gig von Ed Sheeran Fahrt auf, da einige Politiker in unfreiwilligen Selbstversuchen beim Kartenkauf auf Ticketbörsen böse überrascht wurden. Sofern also die Ticketkäufer sich nicht vor der nächsten Bundestagswahl als mündige Konsumenten und Wähler zu erkennen geben, bliebe nur zu hoffen, dass bis dahin die entsprechenden Politiker selber schlechte Erfahrungen auf dem Zweitmarkt machen. Bis dahin bleibt der Fan ein Spielball betrügerischer Machenschaften auf der einen und eines falsch verstandenen Liberalismus auf der anderen Seite.

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