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»Die wichtigsten Künstler in meinem Leben und für meine Musik sind neben ein, zwei Rappern nach wie vor Björk und The Prodigy.«

ließ, wenn der Rest der Welt zu lange auf einem Thema rumzureiten drohte. Garage, Drum and Bass, Two Step, Dubstep, Grime – da war Bewegung drin, und das sieht man im HipHop jetzt eben auch. Früher hatte man den Eindruck, dass die Leute im HipHop eher gefangen waren und sich nicht richtig bewegen konnten, dabei ist HipHop eine Bewegungsmusik und steht für eine offene Kultur. Es gibt schließlich keine Musik, in der man Dinge so gradlinig aussprechen kann. Andere Dinge verändern sich dagegen nie, wenn man an Festivals denkt. Klar ist es geil, jetzt mal ein Foto mehr zu posten als früher, aber nach wie vor geht es nicht darum, auf sein Handy zu gucken, sondern sich die Kanne zu geben, bescheuerte Spiele zu spielen und möglichst viele Acts zu sehen. Du kennst ja inzwischen beide Welten. Ist es hinter der Bühne tatsächlich so interessant, wie man sich das vor der Bühne so vorstellt? Nein. Backstage gibt es meistens auch nur zwei vollgeschissene Toiletten und mehr oder weniger gutes Essen, aber ansonsten hängt man da nur rum. Da ist die Fanseite schon aufregender, denn da ist man quasi auf einer Mission: Reinkommen, was erleben, abfeiern, Frauen kennenlernen, essen und trinken und in den See springen. Auch als Künstler bin ich später immer auf den Zeltplatz gegangen und hab mich da mit Jungs getroffen, die ich kannte. Nicht, weil ich so bodenständig bin, sondern weil ich lieber dahin gehe, wo es Spaß macht. Es ist einfach geiler, draußen zu sein, als mit irgendwelchen Künstlern abzuhängen. Klar, unterhalte ich mich auch gerne mit Kollegen, aber das ist nicht das, was man als Spaß bezeichnen würde. Du selbst hast vor zweieinhalb Jahren dem Alkohol abgeschworen. Bedeu-

tet das, dass die wilden Zeiten für dich vorbei sind? Genau, ich bin jetzt raus. Ich bin jetzt Anfang 30 und will nicht meiner Jugend nachrennen. Früher hätte ich mir nicht vorstellen können, nicht besoffen auf ein Festival zu gehen. Ich bin ja auch immer gerne in irgendwelchen Clubs gewesen, was genauso mit einem exzessiven Leben zu tun gehabt hat. Wenn ich feiern war, war ich richtig feiern. Ich war nie der DreiBier-Typ, sondern war eher mal drei Tage am Stück weg und bin montags völlig zerstört aus dem Berghain gekommen. Aber irgendwann ist mir halt klar geworden, dass mir das meinen Weg kaputt macht und ich deshalb lieber ganz aufhöre. Ich will mein Leben ja noch genießen und geile Sachen erleben und Spaß haben, und da ist Saufen im Moment keine Alternative mehr für mich. Die Energie stecke ich jetzt lieber ins Reisen. Mit der Band unterwegs sein, verrückte Dinge machen, angeln gehen. Ich find das nicht geil, die hart zugekoksten Vierzigjährigen zu sehen, die es anders gar nicht mehr aushalten im Club, weil sie sonst viel zu schnell viel zu müde wären. Das ist schon ein sehr erniedrigendes Bild. Tua hat zu dem Thema mal etwas sehr richtiges gesagt: »Du verlierst die Nacht, aber du gewinnst den Tag.« Und so ist es auch. Wenn ich jetzt um sechs Uhr morgens auf meinem Boot bin, ist das ein ganz besonderer Flash. Und außerdem sieht man etwas von der Welt.

»Ich war nie der DreiBier-Typ, sondern war eher mal drei Tage am Stück weg und bin montags völlig zerstört aus dem Berghain gekommen.«

In deinem Fall besonders viel von Afrika. Vor ein paar Jahren warst du in Uganda, neulich in Südafrika. Was hast du da gemacht? In Südafrika waren wir einen Monat lang und haben ein paar Videos und einen Film gedreht. Die Wahl fiel auf Südafrika, weil es da die entsprechende Technik und eine tolle Kulisse gibt. Wir waren vor allem in Kapstadt, das, anders als Johannesburg, eher so der hübsche Ort am Meer ist. Wie überall in Afrika ist HipHop dort am Kommen, wobei Südafrika immer ein bisschen suspekt und seltsam ist im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern. Man bekommt dieses Rassending immer noch irgendwie mit, alles ist krass geschützt und jeder hat Angst vor jedem. Alles, was an Südafrika komisch ist, fällt einem schon in dem Moment auf, in dem man auf dem Tafelberg steht und auf Robben Island guckt, wo Nelson Mandela gefangen gehalten wurde. Da wurde den Menschen quasi der wichtigste Mann in ihrem Leben und der wahre Held des Landes, der für Freiheit und Frieden gekämpft hat, in Sichtweite von zwei Kilometern Entfernung eingeknastet vor die Augen gesetzt. Das war eine 35-jährige Provokation. Wie kann man sich HipHop in Afrika vorstellen? Auch dort gibt es eine Community und eine Szene, zumindest überall, wo ich schon gewesen bin. Vor drei Jahren war ich in Uganda unterwegs und habe dort Musik gemacht, und letzten Dezember habe ich Angola besucht, wo ich mit zwei Rappern von dort zwei Songs aufgenommen habe. In Angola gibt es eine eigene Musikrichtung, die auf einem Tanz basiert: Kuduro. Den meisten Menschen außerhalb Afrikas ist das nicht geläufig, aber wer sich dafür interessiert, der kennt das auch. In Berlin gab es früher ein, zwei Kuduro-Partys, und auch M.I.A., die ich sehr schätze, ist davon beeinflusst. In den entsprechenden Netzwerken lernt man schnell Leute kennen, eigentlich braucht man auch nur zu fragen. Als ich in Südafrika vom Flughafen abgeholt wurde, habe ich mich gleich erkundigt, welche Jungs dort im HipHop das Sagen haben. Dann einfach auf Facebook gehen, anschreiben, treffen, Musik machen. In Südafrika gibt es ganz reguläre Hitparaden, genauso in Uganda. Wobei: In Uganda

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