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» MITTLERWEILE KÖNNEN DIE LEUTE TANZEN « Als Festivalveteran auf beiden Seiten der Bühne kennt Marteria sowohl den Matsch auf dem Zeltplatz als auch das Catering hinter den Kulissen. Auch wenn er seit zwei Jahren dem Alkohol abgeschworen hat, sind seine Erinnerungen an die letzen 20 Live-Jahre sehr lebendig. Ein Gespräch über neugierige Nazis, zugekokste Vierzigjährige und den Moment, in dem er einmal fast Nummer Eins in Uganda geworden wäre. INTERVIEW: ALEXANDER DAHAS, FOTO: PATRICK DESBROSSES

Marteria, warst du früher ein großer Festivalgänger? Ich war sogar ein sehr großer Festivalgänger. Als Sechzehnjähriger war ich zum ersten Mal beim Splash, das damals in einem Zelt vor 2.000 Leuten in Oberrabenstein stattfand. Ich weiß auch noch, dass zwischendurch ein paar Nazis den Zeltplatz überfallen haben, was aber nicht so dramatisch war, wie das jetzt klingt. Damals gab’s eben noch Leute, die wissen wollten, was die bescheuerten HipHopper da nebenan machten. Die haben ein paar Zelte eingerissen und ein bisschen Scheiße gebaut, wurden aber schnell wieder vertrieben. Ein Jahr später kamen schon 5.000 Leute zum Festival, und seitdem war ich immer, bis auf einmal, dabei! Zuerst

als Besucher und ab 2001 als Performer, beim ersten Mal als Back-up-Rapper bei Underdog Cru, zweiter Slot am Freitag, nach Lenny aus Köln. Letztes Jahr war ich nicht mit von der Partie, aber ansonsten war ich immer Mr. Splash! Vor drei Jahren hast du einen Secret Gig auf einer winzigen Bühne gespielt. War das deine persönliche Nostalgie-Aktion? Nee, gar nicht. Da war ich halt nicht gebucht, wollte aber trotzdem hin. Also haben wir kurzerhand auf der BlockpartyStage gespielt. Damals war ich mit Paul Ripke unterwegs bei irgendeinem anderen Festival, wir haben uns spontan ein kleines Soundsystem organisiert und sind dann da

reingeritten. So etwas plant man nicht, so etwas macht man einfach. Was hat sich in den letzten 20 Jahren auf den Festivals, wie du sie kennst, verändert? Mittlerweile können die Leute tanzen (lacht). Früher haben sich die Leute bei HipHop-Shows einfach hingestellt und im Rhythmus mit den Armen gewackelt, aber inzwischen bewegen sie sich ganz anders. Auch die Musik ist in ständiger Bewegung. Ich habe immer alles gehört. Die wichtigsten Künstler in meinem Leben und für meine Musik sind neben ein, zwei Rappern nach wie vor Björk und The Prodigy. Musik aus England habe ich immer bewundert, weil man sich dort etwas Neues einfallen

B A C K S TA G E

Marteria über die Veränderungen in seinem Leben und auf HipHop-Festivals

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Festivalguide 2017  

Festivalguide online lesen: Alle Infos zur Open Air Saison 2017.

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