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DIE ZEITSCHRIFT VON INTERTEAM

DER AUSTAUSCH

NR. 2 | 18

HOCHWERTIGE BILDUNG Tansania

Namibia

Nicaragua

Katula Amos (5) leidet unter zerebra-

Ein Land mit einem sehr fortschritt-

Wieder von der internationalen Bild-

ler Kinderlähmung. Hier erklärt sie,

lichen Bildungssystem.

fläche verschwunden. Doch die Ruhe

warum sie «ihre» Schule so liebt. S. 8

Eigentlich. S. 11

täuscht. S. 15


INHALT

02

EDITORIAL

Editorial IM BILD

03

Isabel Miranda Salazar (60), Bolivien HOCHWERTIGE BILDUNG

04

«Bei sich selber anfangen» HOCHWERTIGE BILDUNG

08

«Ich liebe die Huruma-Schule»

Liebe Leserin, lieber Leser In meiner Zeit in Nicaragua hat mir Padre Fernando Cardenal, Jesuit und Bildungspolitiker, die beiden Kernprobleme der Bildung erläutert: Erstens braucht es den kostenlosen Zugang zu Bildung und zweitens eine gute Qualität; oder in seinen Worten: «Una educación para pobres en vez de una pobre educación» (Bildung für Arme statt arme Bildung). Es

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HOCHWERTIGE BILDUNG

geht also darum, dass alle Kinder und Jugendlichen eine qua-

Lehrerfortbildung: Ein Schlüssel zum Erfolg

litativ gute Bildung erhalten. Doch darüber hinaus braucht es

NEWS

schaft werden zu können. So fokussiert INTERTEAM in Nami-

«Finanzplatz Schweiz muss

bia, wo Bildung unser Landesschwerpunkt ist, neben Zugang

mehr Verantwortung tragen» PORTRÄT

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Er war da, als man ihn brauchte INTERTEAM INTERN

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INTERTEAM intern INTERTEAM

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berufliche Perspektiven, um Teil einer nachhaltigen Gesell-

und Qualität stark auf die Berufsbildung (siehe ab S. 11). Ein weiterer zentraler Punkt ist zudem die Bewusstseinsarbeit bei uns im Globalen Norden, dass es einen Zusammenhang zwischen unserer Konsumgesellschaft und der Armut im Süden gibt. Bildung für Nachhaltigkeit (siehe S. 4) bedeutet, dass wir unser Verhalten im globalen Kontext begreifen und verändern müssen – ganz im Sinne der Sustainable Development Goals (SDGs) der UNO respektive des Ziels 4, das wir in dieser Ausgabe von DER AUSTAUSCH thematisieren: «Inklusive, hochwertige und gerechte Bildung».

Agenda

Erik Keller, Geschäftsleiter INTERTEAM

DER AUSTAUSCH, die Zeitschrift von INTERTEAM, erscheint 2-mal jährlich. INTERTEAM ist eine Schweizer Organisation der Personellen Entwicklungszusammenarbeit. INTERTEAM Redaktion Austausch Unter-Geissenstein 10/12 CH-6005 Luzern T +41 41 360 67 22 F +41 41 361 05 80 austausch@interteam.ch www.interteam.ch

Herausgeber: INTERTEAM Redaktion und Gestaltung: INTERTEAM Gestaltungskonzept: Minz, Agentur für visuelle Kommunikation, www.minz.ch Bilder: INTERTEAM (wo nicht anders vermerkt); zvg: «zur Verfügung gestellt» Auflage: 1500 Ex. Titelbild: Gut aufgehoben: Katula Amos (5) in ihrem extra für ihre Beeinträchtigung angefertigten Stuhl in ihrer Schule – gerade ist Pause. In dieser Publikation ist die weibliche Form der männlichen gleichgestellt; die Beschränkung auf die männliche Form hie und da fand lediglich aus Gründen der Lesbarkeit und Vereinfachung statt.


IM BILD

«ALL DIE JAHRE TRAURIGKEIT ...

MEINE GROSSEN KINDER WUNDERN SICH, DASS ICH HEUTE

WIEDER LACHE, SEHR VIEL LACHE, AUCH ÜBER MICH SELBST.»

| Die Bolivianerin Isabel Miranda Salazar (60) hat eine jahrzehntelange Gewaltehe überlebt. Dank der Psychodrama-Therapie der INTERTEAM-Fachperson Karin de Fries hat Isabel Wege in ein neues Leben gefunden und ist wieder zu Scherzen aufgelegt; etwa in diesem Moment der Gruppentherapie (Bilderserie), wo sie Freude und neue Lebensenergie zeigt. Mehr Informationen zum Einsatz von Karin de Fries für Gewaltprävention in Bolivien: www.interteam.ch/karindefries

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HOCHWERTIGE BILDUNG

«BEI SICH SELBER ANFANGEN» Schülerinnen und Schüler sollen lernen, was nachhaltige Entwicklung bedeutet, aber auch, wie sie diese im täglichen Leben fördern können – so steht es zusammengefasst im Nachhaltigkeitsziel 4 der Vereinten Nationen, in den Sustainable Development Goals (SDGs). In der Schweiz soll dies die Organisation Education 21 sicherstellen; durch fächerübergreifende «Bildung für nachhaltige Entwicklung». Das Konzept hält Klára Sokol, Direktorin von Education 21, weltweit für sinnvoll: «Die Probleme sind – unterschiedlich ausgeprägt – überall dieselben.»

Schweizer Bildungsstätten sollen Kinder und Jugendliche zu

Genau das betonen die SDGs; die Probleme sind global – und

nachhaltigen Bürgerinnen und Bürgern ausbilden – so heisst

müssen auch global angegangen werden ...

es kurz zusammengefasst in der Nachhaltigkeitsstrategie

Sokol: Richtig. Es geht darum, voneinander zu lernen. Persön-

des Bundesrats, die sich auch mit der Umsetzung der globa-

lich bin ich überzeugt, dass dies im Bereich Bildung am ehes-

len Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, der Sustain-

ten gelingt, wenn sich Lehrerinnen und Lehrer aus verschie-

able Development Goals (SDGs), befasst. Ihre Organisation

denen Ländern über ihr Handwerk austauschen. Viel eher,

hat den Auftrag, Ersteres zu erreichen. Was tun Sie konkret?

als wenn ein Modell einfach von Land A ins Land B übertra-

Klára Sokol: Education 21 setzt die sogenannte Bildung für

gen wird. Das schweizerische Modell der dualen Berufsbil-

nachhaltige Entwicklung (BNE) in den Schulen um. Ein Kern-

dung etwa ist historisch gewachsen und kann nicht einfach

element davon ist, dass Schülerinnen und Schüler nicht ein-

1:1 kopiert werden. Aber die Fachpersonen an der Front kön-

fach Wissen über Themen wie Klimaerwärmung, Food Waste

nen womöglich so weit voneinander profitieren, dass in Land

oder Wassermanagement generieren, sondern dass sie die

B ein ähnliches Modell entsteht wie in Land A – und Land A

Kompetenzen erwerben, in allen Bereichen ihres Denkens

andere Erkenntnisse mit nach Hause trägt. Es geht darum,

und Handelns auf nachhaltige Entwicklung abzuzielen –

eigene Lösungen und Kompetenzen zu entwickeln.

ökologisch, wirtschaftlich und sozial. Es nützt zum Beispiel nichts, wenn eine Klasse gerade lernt, wie vielfältig unsere

So arbeitet INTERTEAM: Schweizer Berufsleute geben ihr

Gesellschaft ist, und in den Pausen Mitschüler aus anderen

Wissen an lokale Berufsleute weiter, und vielleicht entsteht

Nationen ausgegrenzt werden. Aus diesem Grund setzt die

etwas Drittes. INTERTEAM betrachtet Bildung denn auch als

BNE auch beim gesamten Schulalltag an und beschränkt sich

Kernelement seiner Personellen Entwicklungszusammen-

nicht auf ein einzelnes Fach. Wir betrachten die Schule als

arbeit, die darauf abzielt, in erster Linie Kindern und Jugend-

Lern- und Lebensort für Lernende wie auch Lehrpersonen.

lichen ein Leben in Würde und ohne Armut zu sichern. Wie

Nur so können Bildungsinstitutionen auch selber nachhaltig

wichtig ist Bildung in Ihren Augen für Nachhaltigkeit generell?

agieren.

Sokol: Wenn ich zum Beispiel die SDGs betrachte, ist Bildung nicht nur Ziel 4 «Hochwertige Bildung», sondern der um-

Und eine Vorbildrolle einnehmen.

fassende Rahmen der 17 Ziele. Denn um diese zu erreichen,

Sokol: Genau. Denn Nachhaltigkeit bedeutet nicht unbedingt,

braucht es alle drei Pfeiler von Bildung: Wissen, die nötigen

gleich die ganze Welt zu retten, sondern bei sich selber an-

Kompetenzen und eine entsprechende Haltung. Kinder und

zufangen und damit eine Wirkung zu erzielen. Wobei dies

Jugendliche springen übrigens sehr stark auf diese Vernet-

natürlich nicht bedeuten soll, dass BNE nur in der Schweiz

zung an; je vernetzter wir dabei vorgehen, sie für nachhal-

sinnvoll ist, ganz im Gegenteil: Bildung für nachhaltige Ent-

tige Entwicklung zu sensibilisieren, umso grösser ist ihr In-

wicklung würde weltweit Sinn machen, auch im Globalen

teresse. So gehören denn auch ausserschulische Projekte zu

Süden, denn die Probleme sind – wenn auch in unterschied-

BNE, zum Beispiel der Besuch eines Erdbeerfelds. Hier kann

lichen Ausprägungen – überall dieselben: Ressourcenknapp-

dann über die Erdbeeren gesprochen werden, aber auch über

heit, Klima, Migration, Ernährung, um nur ein paar zu nen-

Landwirtschaft an sich, über Wasser, Ernährung, Gesundheit

nen.

und Energie.

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INTERTEAM DER AUSTAUSCH 02| 2018


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02 ZIEL 4 «INKLUSIVE, GERECHTE UND HOCHWERTIGE BILDUNG» Das Sustainable Development Goal (SDG) 4 der Vereinten Nationen beinhaltet, dass alle Menschen Zugang zu einer guten Grundund Berufsbildung erhalten, die zu ihren Bedürfnissen und ihrem Kontext passt; dies gilt insbesondere für arme oder anderweitig benachteiligte. Mädchen und Jungen sollen kostenlos eine hochwertige Primar- und Sekundarschulausbildung erhalten (4.1). 4.2 Alle Jungen und Mädchen werden auf die Grundschule vorbereitet. 4.3 Männer und Frauen haben gleichberechtigten Zugang zu erschwinglichen Bildungsangeboten, bis zur Stufe Universität. 4.4 Wesentlich mehr Menschen haben die Qualifikationen, einer menschenwürdigen Arbeit nachgehen zu können. 4.5 Es gibt keine geschlechtsspezifischen Unterschiede mehr in der Bildung, und gesellschaftlich Schwächere (zum Beispiel Menschen mit Behinderung) erhalten gleichberechtigten Zugang. 4.6 Alle Jugendlichen und ein grosser Anteil der Erwachsenen weltweit können lesen, schreiben und rechnen. 4.7 Die Schule vermittelt Know-how zu nachhaltiger Entwicklung.

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«Bezahlbare und saubere Energie»

«Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum»

«Industrie, Innovation und Infrastruktur»

«Weniger Ungleichheiten»

«Nachhaltige Städte und Gemeinden»

«Verantwortungsvolle(r) Konsum und Produktion»

«Massnahmen zum Klimaschutz»

«Leben unter Wasser»

«Leben an Land»

«Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen»

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05

«Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen»

«Partnerschaften zur Erreichung der Ziele»

04

«Geschlechtergleichheit»

Bild: zvg; Grafik: Sylvie Rapold, Quelle: Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

«Hochwertige Bildung»

02 03 «Kein Hunger»

01 Klára Sokol (42), Direktorin Education 21. 02 Ziel 4 der Sustainable Development Goals (SDGs).

«Gesundheit»

01 «Keine Armut»

DIE SDGS SPIELEN ZUSAMMEN – BEI BILDUNG BESONDERS:

Für INTERTEAM ist inklusive Bildung – Zugang zu Bildung für

Beispiel? Und wie werden diese ausschauen? Dies sage ich

alle gemäss ihren Potenzialen – in seinen Einsatzländern sehr

nicht, um die BNE zu schwächen, im Gegenteil. In ihrem Rah-

relevant. Wie wichtig ist sie für Ihre Arbeit in der Schweiz?

men kann ausprobiert und diskutiert werden; Schule ist wie

Sokol: Auch hier ist der Zugang zu Bildung natürlich der

ein Laboratorium der Gesellschaft. Und in Zeiten der Globali-

Schlüssel, um überhaupt an der Gesellschaft und ihren Pro-

sierung brauchen wir dieses besonders stark.

zessen teilnehmen zu können. Durch die BNE lassen wir Kinder ihrer Entwicklung entsprechend frühzeitig teilneh-

Diese Zeiten machen auch Instrumente wie die SDGs beson-

men und bereiten sie auf eine dynamische Welt mit vielen

ders notwendig. Wenn Sie an SDG 4 denken: Welche anderen

Ambivalenzen vor; auf eine Welt, in der immer wieder neue

Ziele hängen explizit mit diesem zusammen?

Fähigkeiten gefragt sind. Wobei es hier natürlich viele Fra-

Sokol: Wie ich vorhin ausgeführt habe, sind das alle. Hervor-

gezeichen gibt: Welche Jobs wird es künftig noch geben, zum

heben könnte man aber die Wirkung von Bildung auf Armut

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(wirtschaftliche Inklusion), Frieden, Gesundheit und Chancengleichheit. BNE konkret hat das Ziel, dass Menschen sachte, differenziert und friedvoll Verantwortung übernehmen – im Kleinen und im Grossen.

Welche Erwartungen hat Education 21 diesbezüglich an Organisationen wie INTERTEAM? Sokol: Dass Kinder und Jugendliche im Fokus stehen. Ausser-

EDUCATION 21 Education 21 unterstützt Institutionen der obligatorischen Schule und Sekundarstufe II dabei, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in den Lehrplänen einzuführen und umzusetzen. Dafür stellt Education 21 spezifische Unterrichtsmaterialien bereit, bildet Lehrpersonen aus und bietet Beratung sowie finanzielle Unterstützung für Klassenprojekte an, zum Beispiel für ausserschulische Angebote. Diese

dem freue ich mich sehr, wenn Synergien genutzt werden

prüft Education 21 regelmässig auf ihre Qualität. All dies tut

können und wir am selben Strang ziehen. Für eine nachhalti-

Education 21 im Auftrag des Bundes, der Kantone und der

ge Entwicklung in der Schweiz und weltweit.

Zivilgesellschaft. www.education21.ch

| Interview Sarah Hadorn, Redaktorin DER AUSTAUSCH

ALS GRÜNE POLITIKERIN UND SEKUNDARLEHRERIN SETZT DU DICH IN DER SCHWEIZ SCHON SEIT JAHREN FÜR HOCHWERTIGE BILDUNG (FÜR NACHHALTIGKEIT) EIN – UND DU WARST MIT INTERTEAM ZWEI JAHRE IN BOLIVIEN IM EINSATZ. WIE KONNTEST DU DICH DORT FÜR «DEIN» THEMA ENGAGIEREN? NACHGEFRAGT BEI FLORENCE BRENZIKOFER, NEUES VORSTANDSMITGLIED INTERTEAM

Florence Brenzikofer: In Bolivien engagierte ich mich als INTERTEAM-Fachperson dafür, dass Mädchen auf dem Land einen besseren Zugang zu Bildung erhalten. Ich fand die Arbeit vor Ort in vielerlei Hinsicht wertvoll: In erster Linie konnten dadurch gleich mehr junge Frauen die Schule besuchen, aber parallel dazu wurden Eltern und Lehrpersonen auch für Chancengleichheit sensibilisiert, womit wir in die Langfristigkeit unserer Arbeit investierten. Und diese zog noch weitere Kreise: Im Rahmen meines Einsatzes fanden zum Beispiel Workshops für Lehrpersonen zu anderen Themen statt, die auch in Bolivien grosse Probleme darstellten und es immer noch tun, für die das Bewusstsein bei den Menschen oft fehlt: zu Abfall etwa; dieser wird in Bolivien häufig einfach in Täler verfrachtet. Oder zum Klimawandel. Ausserdem berieten wir die Gastfamilien in Sachen Ernährung.

Gastfamilien? Florence: Genau. Wir suchten für die Mädchen aus abgelegenen Gegenden Gastfamilien in Schulnähe, die sie unter der Woche aufnahmen – bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Mädchen von ihren Eltern oft zu Hause behalten, weil sie einen Fussweg von drei bis vier Stunden zur Schule hätten gehen müssen. Mit den Gastfamilien ergriffen wir die Gelegenheit, darüber zu sprechen, was für die Mädchen auf den Tisch kommen könnte, damit diese sich gesund und ausgewogen ernährten. Wenn man die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen anschaut, wird klar, dass mein Einsatz sehr viele von ihnen berücksichtigt hat: Bildung, Armut, Gesundheit und Gleichberechtigung etwa.

Seit letztem Frühling bist du Mitglied des INTERTEAM-Vorstands. Welche Schwerpunkte möchtest du in Bezug auf Bildung – den Schlüssel für nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit – setzen, um Kinder und Jugendliche in den Einsatzländern weiter zu fördern? Florence: Aus Lehrerinnensicht möchte ich mit INTERTEAM alle Bestrebungen stärken, Kinder und Jugendliche möglichst früh für eine nachhaltige Entwicklung zu sensibilisieren, zum Beispiel in der Bildung für nachhaltige Entwicklung im Lehrplan 21, dem ersten gemeinsamen Lehrplan für die Volksschule in den deutsch- und mehrsprachigen Kantonen. Ich denke da an Food Waste, aber auch an Kleiderverschwendung – gerade für Jugendliche in unseren Breiten sind das Riesenthemen. Wenn sie verstehen, welche Auswirkungen ihr Konsumverhalten in Ländern des Südens hat, können sie mithelfen, Verantwortung zu übernehmen, und ihr Verhalten ändern. Und aus Sicht der Politikerin halte ich es für äusserst wichtig, dass INTERTEAM seine Themen – die SDGs – im Norden auf allen Ebenen angeht und auf die Kantone und Gemeinden herunterbricht. So steigern wir unsere Chancen, unsere Anliegen für eine nachhaltige Entwicklung umzusetzen.

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03/04 Auf den Punkt gebracht: Aus dem Global Education Monitoring Report 2017/18 der UNESCO. Illustrationen: UNESCO


HOCHWERTIGE BILDUNG

«ICH LIEBE DIE HURUMA-SCHULE!» Seit vergangenem Frühling besucht Katula Amos (5) eine Schule für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen im tansanischen Norden: die Huruma-Schule. Dort erhält das Mädchen nicht nur schulische Förderung, die seinen Möglichkeiten optimal entspricht; dreimal pro Woche kann Katula ausserdem zu einer Therapeutin, die mit ihr an Haltung und Sprache arbeitet. Ein tolles Projekt, findet INTERTEAM und unterstützt die Schule gleich mehrgleisig. Toll findet «ihre» Schule aber vor allem Katula, die ihre Geschichte hier gleich selber erzählt ... «Manchmal denke ich, dass ich gar nicht so anders bin als an-

liegt nicht weit weg von unserem Zuhause, einem Bungalow

dere Kinder. Ich liebe die Cartoons im Fernsehen, ich singe

mit drei Zimmern aus Ziegelsteinen. Ich liebe die Huruma

gerne und lache viel. Das sind doch alles Dinge, die andere

Schule! Mit dem Schulbus werde ich am Morgen abgeholt

fünfjährige Mädchen auch tun, oder? Doch dann merke ich

und anschliessend nach dem Unterricht wieder nach Hause

wieder, wie ich doch anders bin. Wenn ich selber etwas essen

gebracht. Das Kindermädchen macht mich morgens jeweils

möchte, fällt es mir schwer, meine Hand zum Mund zu füh-

bereit für die Schule, wenn meine Mutter arbeiten muss. Ich

ren. Aber wenigstens kann ich meine Spielsachen gut halten.

mag die Schule und meine Lehrerin Mary sehr; und ich glau-

Aber nur mit der einen Hand. Mein Körper macht oft nicht,

be, sie mag mich auch.»

was ich möchte. Wenn man mir Zeit lässt, kann ich mich aus-

Mary Maridadi ist 39 Jahre alt und hat bei der Huruma Schu-

drücken. Ich fühle mich auch normal im Kopf. Doch normal

le, einer Schule für beeinträchtige Kinder in der tansanischen

zu sprechen wie meine Freundin Angel, geht leider nicht.»

Stadt Mwanza, 2004 als Assistenzlehrerin angefangen. Sie absolvierte eine Ausbildung im Bereich «Special Needs Edu-

ZEREBRALE KINDERLÄHMUNG

cation», um Kinder mit Zerebralparese oder Autismus ange-

Das ist Katula Amos. Gleich nach ihrer Geburt durch einen Kaiserschnitt bekam sie epileptische Anfälle und hatte Mühe,

OPTIMALE FÖRDERUNG FÜR 79 KINDER UND JUGENDLICHE

zu atmen. Sie erhielt noch während vier Tagen Sauerstoff,

Die Huruma School ist eine nichtstaatliche Non-Profit-Orga-

doch es war bereits zu spät; das Mädchen trug eine Zerebral-

nisation in Mwanza im Norden Tansanias. Die Tagesschule

parese davon, eine durch Sauerstoffmangel ausgelöste Hirn-

gewährleistet Kindern und Jugendlichen mit geistigen und/

schädigung, auch zerebrale Kinderlähmung genannt. Katula

oder körperlichen Beeinträchtigungen Zugang zu angepass-

hat Mühe, ihre Bewegungen zu koordinieren, und entwickelt sich verzögert; so brauchte sie zum Beispiel 18 Monate, bis sie ihren Kopf selbstständig aufrecht halten konnte.

«Ich liebe es zu spielen, in unserem Haus auf dem Sofa, am Boden oder draussen. Nur kann ich dabei nicht stehen oder mich hinsetzen wie andere Kinder; meine Muskeln werden ganz steif, dann rutsche ich vom Stuhl oder vom Sofa. Meine Mutter macht sich oft Sorgen. Daher möchte ich ihr eine

ter Schulbildung, die ihren speziellen Bedürfnissen gerecht wird. Junge Menschen mit Beeinträchtigungen sollen optimal gefördert werden, um ihre Potenziale voll entwickeln zu können. Die Schule betreut rund 79 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 19 Jahren. INTERTEAM unterstützt die Schule personell durch den Einsatz spezialisierter Schweizer Fachleute und leistet auch finanzielle Beiträge an die Verpflegung und Ausstattung der Schülerinnen und Schüler, den Transport zur Schule, die Anschaffung von Equipment

Freude machen und ihr zeigen, dass ich allein auf die Toi-

für einen bedürfnisgerechten Unterricht sowie für die Gestal-

lette gehen kann. Doch dies gelingt mir noch nicht, ich kann

tung des schuleigenen Spielplatzes. Ab dem kommenden

noch nicht richtig sitzen. Auch muss ich noch gewaschen und

Jahr unterstützt INTERTEAM die Huruma School zudem

angezogen werden – ich möchte dies aber selber schaffen.

im Aufbau einer Berufsklasse; so lernen Schülerinnen und

Ich merke, wie viel Arbeit es für meine Mutter ist, sich den

Schüler Fähigkeiten und Fertigkeiten im Schreiner- oder

ganzen Tag um mich zu kümmern. Das belastet mich manchmal. Als meine Mutter im Frühling von der Huruma School hörte, entschied sie sich, mich da hinzubringen. Die Schule

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Nähhandwerk, damit sie sich nach Ende der Schulzeit ein eigenes Einkommen erwirtschaften können.


01

«KINDER WIE KATULA SOLLTEN MÖGLICHST FRÜH IN EINE ANGEMESSENE SCHULE.» | Mary Maridadi (39), Sonderpädagogin

02

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04

01 Lehrerin Mary Maridadi (39) arbeitet mit Katula Amos (5). 02/03 Physiotherapie mit Agnes. 04 Katulas geliebte Huruma-Schule. Bilder: Hassan Ali, Tansania


messen unterrichten und auf deren besondere Bedürfnisse

«Zum Glück gibt es für die Huruma School den Schulbus, der

eingehen zu können; durch die Entwicklung spezifischer

mich jeweils abholen kommt. Und in der Huruma School war-

Lehrpläne bis hin zu individueller Förderung.

tet dann ein spezieller Holzstuhl auf mich, von dem ich nicht runterrutschen kann. Wir lernen in kleinen Gruppen oder

IN DER SCHULE, OHNE ETWAS ZU LERNEN

Mary hilft uns einzeln. Dreimal die Woche kann ich auch zu

«Mary ist eine richtig gute Lehrerin. Sie sagt, sie sei stolz, dass

Agnes; Agnes hilft mir dabei, meine Hände besser zu gebrau-

ich bereits gelernt hätte, von 1 bis 10 zu zählen. Leider kann

chen, und wir machen zusammen Übungen, damit ich einmal

ich mich an die Nummern einzeln noch nicht so gut erinnern;

aufrecht stehen kann. Agnes ist wirklich nett und wir haben

und auch sonst brauche ich immer ein wenig mehr Zeit, um

immer sehr viel Spass zusammen. Es gibt viele Lernhilfen

etwas zu begreifen. Für Mary ist das aber kein Problem. Sie

und Spiele an der Schule, die machen Spass; Mary meint

nimmt sich immer sehr viel Zeit für mich, und das mag ich

zwar, für Kinder wie mich, die ihre Hände noch nicht gut ge-

sehr.»

brauchen können, bräuchte es noch mehr solches Material

Mary Maridadi wird auch nicht müde, in Gesprächen mit ver-

für die Therapie. Ich bin froh, dass man sich hier so gut um

schiedenen Akteuren und Betroffenen zu betonen, wie wich-

mich kümmert. Wenn ich am Nachmittag nach Hause kom-

tig es wäre, dass Eltern ihr Kind mit Beeinträchtigung mög-

me, muss ich meiner Mutter und dem Grossvater gleich von

lichst früh in eine Schule wie die Huruma School brächten.

der Schule erzählen. Es gibt immer so viele tolle Geschichten,

Aber häufig wüssten die Eltern gar nicht, dass ihre Kinder in

die ich erlebt habe und erzählen möchte. Und dabei erwäh-

der herkömmlichen Grundschule Probleme hätten. Oder sie

ne ich immer auch meinen Traum: Wenn ich erwachsen bin,

wüssten nicht, wo es eine angemessene Schule für ihre Kin-

möchte ich einmal Ärztin werden!»

der gäbe, oder würden den Transport nicht organisieren können. So verbringen die Kinder dann zuerst einmal mehrere

| Aufgezeichnet von Janneke Compiet, Landesprogrammleiterin Tansania für

Jahre in der herkömmlichen Schule, ohne etwas zu lernen.

INTERTEAM

05

05 Spielzeit auf dem Gelände der Huruma-Schule – im Bild auf dem grünen Holzstuhl auch Katula Amos und Physiotherapeutin Agnes (links dahinter). Bild: Hassan Ali

MIT BILDERN GEGEN IGNORANZ Hassan Ali (23) hat für INTERTEAM die Bilder zu dieser Geschichte gemacht. Der Fotograf muss selber mit einer Beeinträchtigung leben: Weil er an Kinderlähmung (Poliomyelitis) erkrankte, kann er nur an Krücken gehen. Nun möchte Hassan all jenen in Tansania eine Stimme verleihen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung noch immer unter Diskriminierung leiden. Zu diesem Zweck hat Hassan die Plattform «The Reach of Hope» gegründet: www.facebook.com/thereachofhope. Auf dieser macht er auf die vielen Talente in seinem Land aufmerksam, die wegen Beeinträchtigungen keine Anerkennung als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft erhalten. Hassans Medium dabei ist vor allem die Fotografie: «Mein vorrangiges Ziel ist es, die Stimme der Stimmlosen zu sein, vor allem derjenigen mit Beeinträchtigungen. Dabei arbeite ich weniger mit Worten als mit Fotografie, um Geschichten zu erzählen. Mit diesen möchte ich beeinträchtigten Menschen in Tansania den Alltag etwas erleichtern; denn der ist leider nach wie vor geprägt von Herausforderungen und Ignoranz.»

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INTERTEAM DER AUSTAUSCH 02 | 2018


HOCHWERTIGE BILDUNG

LEHRERFORTBILDUNG: EIN SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG Fast alle Kinder in Namibia besuchen die 1. Klasse. Doch weniger als die Hälfte beendet die Schule; insbesondere ab der 5. Klasse brechen junge Namibierinnen und Namibier die Schule häufig ab. Was sind die Gründe? Warum gilt der Zugang zur Schule für alle in Namibia weitgehend nur auf dem Papier? Und was kann Lehrerfortbildung – etwa durch INTERTEAM – beitragen, dies zu verändern? Ein Erfahrungsbericht unserer Fachperson Regula Käser. Auch Kinder mit einer Beeinträchtigung oder aus gesell-

Schwierigkeiten mit Schreiben oder Sprechen. Verschiedent-

schaftlichen Minderheiten sollen die Schule besuchen und

lich hat die Schulleiterin bei Besuchen auf die Notwendigkeit

abschliessen können. Diese Forderung – und damit «inklusive

einer Schulung hingewiesen, da die meisten Lehrpersonen

Bildung» – schreibt sich das namibische Bildungsministerium

nur wenig über Behinderungen sowie angemessene Unter-

seit einigen Jahren auf die Fahne. Mit verschiedenen Strategi-

stützungsmöglichkeiten wissen.

en sollen Hindernisse für betroffene Kinder abgebaut werden. Doch bislang ohne Erfolg. Der kürzlich vom Bildungsministe-

ABSTRAKTES KONZEPT WURDE GREIFBARER

rium veröffentlichte Report zur Umsetzung der inklusiven Bil-

Im Juni dieses Jahres erhielt ich die Zustimmung der Erzie-

dung hält fest, dass vier Jahre nach Einführung der «Inclusive

hungsdirektion, eine solche Fortbildung zu organisieren. Im

Education Policy» in den Klassenzimmern Inklusion nur spär-

Fokus sollten die Sensibilisierung für die inklusive Schulbil-

lich praktiziert wird: Im namibischen Schulsystem, das keine

dung, die Vermittlung von Faktenwissen über Zerebralpa-

Niveauklassen kennt, werden lernschwache oder beeinträch-

rese sowie über spezifische Lernschwächen und vor allem

tigte Schülerinnen und Schüler häufig allein gelassen und

niederschwellige Unterstützungsmöglichkeiten im Schulall-

erhalten kaum Förderung, die ihren Fähigkeiten entspricht.

tag stehen. Zu diesem Zweck arbeiteten wir mit den Lehrper-

Ursachen dafür sind unter anderem die ablehnende Haltung

sonen an einem gemeinsamen Verständnis von inklusiver

wichtiger Akteure gegenüber Beeinträchtigungen, fehlende

Bildung. Bislang legten sie den ausführlichen Lehrplan exakt

Weiterbildungen und Ressourcen sowie mangelhafte Infra-

aus und alle Lernenden erhielten die gleichen Aufträge. Folg-

struktur. Darunter leidet insbesondere die Unterrichtsquali-

lich galt es den Lehrkräften auch aufzuzeigen, wie sie ihren

tät, einer der Hauptgründe, warum in Namibia nicht einmal

Unterricht inklusiver und differenzierter aufbauen können.

die Hälfte der Kinder und Jugendlichen die Schule beendet –

Wir schauten konkrete Fallbeispiele an und formulierten

fast alle besuchen die 1. Klasse, doch brechen ab der 5. und

Unterstützungsmassnahmen. Zentral war, dass die Lehrper-

auffällig viele ab der 8. Klasse die Schule ab; in diesen Klassen

sonen sahen, dass sie bereits mit einfachen Adaptionen wie

finden sich auch die höchsten Repetitionsraten. Weitere Fak-

etwa der Umwandlung schriftlicher Aufträge in mündliche

toren für die hohe Abbruchrate sind Teenager-Schwanger-

oder einem Arbeitsblatt mit viel Platz zum Schreiben Lernen

schaften, HIV/AIDS oder eben Beeinträchtigungen.

erfolgreicher gestalten können. Diese praktischen Anwendungsmöglichkeiten liessen die anfängliche Skepsis der Leh-

NUR WENIG WISSEN ÜBER BEHINDERUNGEN

rerinnen und Lehrer gegenüber der «Inclusive Education

Wie zentral die Lehrerweiterbildung im Einführungsprozess

Policy» schnell schwinden. Das bis anhin abstrakte Konzept

der Inklusion ist, zeigt das Beispiel der Mulumba-Primarschu-

wurde verständlicher und greifbarer; im anschliessenden Ge-

le. Schülerinnen und Schüler des Cheshire-Heimes besuchen

spräch mit Lehrpersonen wie der 39-jährigen Emily Kangun-

die etwas ausserhalb der Stadt Katima Mulilo gelegene Schule

gu (siehe «Nachgefragt» Seite 12) war ich positiv überrascht,

im äussersten Nordosten Namibias. Viele der Kinder und Ju-

wie sie nun für die individuellen Bedürfnisse ihrer Schülerin-

gendlichen leiden an Zerebralparese (Bewegungsstörungen,

nen und Schüler sensibilisiert sind.

ausgelöst durch eine frühkindliche Hirnschädigung; auch zerebrale Kinderlähmung genannt) und haben teilweise grosse

Regula Käser, INTERTEAM-Fachperson

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WAS HAT DER INTERTEAM-WORKSHOP BEI DIR ALS LEHRERIN BEWIRKT? NACHGEFRAGT BEI EMILY KANGUNGU (IM BILD LINKS), LEHRERIN

Was sind die besonderen Schwierigkeiten beim Unterrichten von Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten? Emily Kangungu: Die grösste Herausforderung ist, jeder Schülerin und jedem Schüler gerecht zu werden und sie angemessen zu unterstützen. Die Klassen sind gross und es bleibt einem kaum Zeit, sich während der Lektion um die Kinder zu kümmern, die Schwierigkeiten haben. Manchmal bitte ich diese Schülerinnen und Schüler, am Nachmittag zurückzukommen, sodass ich ihnen den Stoff noch einmal erklären kann. Aber sie fühlen sich dadurch stigmatisiert und kommen kaum. Es fehlt uns generell auch an Wissen, wie wir den schwachen Lernenden während des Unterrichts besser helfen können oder auch den Schülerinnen und Schülern mit zerebraler Kinderlähmung. Ich finde es zuweilen schwierig, beim Korrigieren von Tests ihre Handschrift zu lesen und ihnen angemessen Punkte zu geben. Manchmal verlieren wir auch die Geduld und lassen uns zu Aussagen gegenüber Lernenden hinreissen, die nicht angebracht sind.

In welchen Bereichen wünschst du dir von der regionalen Erziehungsdirektion Unterstützung? Emily: Die Mulumba-Schule braucht unbedingt Unterstützung. Es bräuchte mehr Lehrpersonen und Klassenzimmer. Die Räume sind überfüllt und die Lernenden im Rollstuhl können sich kaum fortbewegen, obwohl wir eine inklusive Schule sind, die auch Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen besuchen. Die meisten Lehrpersonen verfügen jedoch über kein oder wenig Wissen zu Inklusion. Wir benötigen unbedingt mehr Weiterbildungen, sodass wir lernen, wie wir Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten besser helfen können.

Was konntest du konkret aus dem Workshop von INTERTEAM mitnehmen? Emily: Im Schulalltag vergessen wir häufig unser angeeignetes Wissen. Unsere Wahrnehmung und unser Denken sind anders als bei euch in Europa. Wenn wir zum Beispiel beobachten, dass ein Schüler nicht gut lesen kann, denken wir einfach: «Dieser Schüler ist dumm und er wird es nie lernen.» Ihr aber fragt nach dem Grund, warum der Schüler Mühe beim Lesen hat, und versucht ihn mit gezielten Massnahmen zu unterstützen. Wir machen das kaum. Der Workshop hat uns aufgezeigt, dass wir genauer hinschauen und versuchen sollten, die Schwierigkeiten der Lernenden zu verstehen. Viele Lehrpersonen hörten zum ersten Mal, welche Auswirkungen die zerebrale Kinderlähmung auf das Lernen haben kann und wie wir Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen im Schulalltag praktisch unterstützen können. Einige diskutierte Möglichkeiten habe ich in der letzten Woche schon ausprobiert. So habe ich einem Schüler mit Beeinträchtigung einen Mitschüler zugeteilt, der jetzt viele Übungen mit ihm mündlich macht oder für ihn etwas aufschreibt. Auch habe ich mit ihm eine Lernkontrolle mündlich durchgeführt, wo er wirklich zeigen konnte, was er in der letzten Zeit gelernt hatte und sich nicht nur aufs Schreiben konzentrieren musste.

REGULA KÄSER

BILDUNG: THEMENSCHWERPUNKT IN NAMIBIA

Regula Käser (36) ist Sekundar-

In Namibia ist «qualitativ hochwertige Bildung für alle» der

schullehrerin sowie Sonder- und

Landesschwerpunkt INTERTEAMs. Die Landesprogrammlei-

Heilpädagogin, was sie für ihre

tung und die Fachleute arbeiten dabei eng mit dem nationa-

Aufgabe besonders auszeichnet:

len Bildungsministerium zusammen: «Namibia hat eine sehr

In ihrem Einsatz setzt sie sich beim

fortschrittliche Bildungspolitik», erklären Iris und Martin Suhr,

nationalen Bildungsministerium im

die das Landesprogramm vor Ort leiten. «Die Herausforde-

äussersten Nordosten Namibias

rung ist jedoch, die Theorie in die Praxis umzusetzen.» Wenn

dafür ein, dass alle Kinder Zugang

man bedenkt, dass die namibische Schule gemäss besagter

zu Bildung und individueller Förde-

Politik zum Beispiel 13 Sprachgruppen gerecht werden soll,

rung erhalten, und zwar ganz konkret im Alltag. Spezielle Auf-

verwundert dies nicht weiter. «Das ist ein hoher, teurer An-

merksamkeit kommt dabei lernschwachen Schülerinnen und

spruch, aber eben auch einer, der den Frieden im Land stärkt»,

Schülern aus bildungsfernen und sozial schwachen Familien

so Martin Suhr. Neben dem Zugang zu Bildung für alle ist

zu, womit Regula «inklusive Bildung» vorantreibt. Zudem

auch die Förderung der vorberuflichen handwerklichen Bil-

verfolgt sie das Unterziel 4. c der Agenda 2030 der Vereinten

dung ein Schwerpunkt INTERTEAMs: «Da die Regierung nach

Nationen: das Angebot an qualifizierten Lehrkräften durch

der Unabhängigkeit sehr stark auf akademische Bildung setz-

internationale Zusammenarbeit im Bereich der Lehrerausbil-

te, gibt es heute als Reaktion darauf zu viele Akademiker und

dung in den Entwicklungsländern wesentlich zu erhöhen.

viel zu wenig ausgebildete Handwerker», erklären die Suhrs.

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INTERTEAM DER AUSTAUSCH 02 | 2018


01

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«SCHON EIN ARBEITSBLATT MIT VIEL PLATZ ZUM SCHREIBEN KANN VIEL BEWIRKEN.» | Regula Käser, Fachperson INTERTEAM

01 Ein stärkerer Schüler hilft einem schwächeren bei seinen Aufgaben. 02 INTERTEAM-Fachperson Regula Käser bei der Lehrerfortbildung. 03 Ein Problem des namibischen Bildungssystems: der undifferenzierte Leistungsmassstab in der Schule. Bilder: INTERTEAM; Illustration: Regina Purtschert

03


NEWS

«FINANZPLATZ SCHWEIZ MUSS MEHR VERANTWORTUNG TRAGEN» Der Bund hat vergangenen Juni seinen Länderbericht zur

ausgearbeitet und verabschiedet. Der ganze Schattenbericht

Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs,

umfasst 84 Seiten; ihm gegenüber steht der offizielle Bericht

siehe auch Seiten oben) veröffentlicht. Die Plattform Agen-

des Bundes mit mageren 24 Seiten.

da 2030 (siehe zweite Spalte unten) kritisiert diesen als äusserst lückenhaft; entsprechend erstellte sie ihren Schattenbe-

Die Plattform Agenda 2030 ist ein Zusammenschluss von rund 40

richt. Dessen Herzstück: Elf konkrete Empfehlungen, wie die

zivilgesellschaftlichen Akteuren aus den Bereichen Entwicklungs-

Schweiz ihr Handeln anpassen müsste, um besagte Nachhal-

zusammenarbeit, Umweltschutz, Gender, Frieden, nachhaltiges

tigkeitsziele wirklich erfüllen zu können. Der Bericht enthält

Wirtschaften sowie Gewerkschaften. INTERTEAM ist eine dieser

auch Äusserungen zur internationalen Zusammenarbeit: Die

Organisationen. Die Plattform hat sich auf die Fahne geschrieben, zu

Sektorpolitiken und Entwicklungszusammenarbeit seien so

überprüfen, ob die Schweiz Massnahmen zur Erreichung der Agenda

anzupassen, dass den Menschen vor Ort Perspektiven eröff-

2030 auch wirklich umsetzt. Mehr Infos und den Schattenbericht fin-

net werden. Generell fordert der Bericht die Schweiz dazu

den Sie hier: www.plattformagenda2030.ch

auf, mehr globale Verantwortung zu übernehmen, namentlich der Finanzplatz Schweiz. Doch auch die Handels- und Aussenpolitik seien verstärkt darauf auszulegen, die Umwelt zu schonen und die Menschenrechte einzuhalten. Die Schweiz solle Massnahmen ergreifen, um jede Form von Diskriminierung zu verhindern. Dazu gelte es, Mitbestimmungsrecht und Zugang zu Informationen zu stärken und der Ungleichheit im In- und Ausland entgegenzuwirken.

MAGERE 24 SEITEN Die Empfehlungen haben die Unterstützerorganisationen der Plattform 2030, zu der auch INTERTEAM gehört, gemeinsam

GEMEINSAM UNTERWEGS – NACHRUF ZUM WIRKEN ARTUR HASLERS Zur

Mitgliederversammlung

im

tal mit türkischen Wurzeln, war der Einsatz in Namibia von

Artur

2010 bis 2013 zusammen mit seiner Frau Edith eine wichtige

(* 13. April 1953) einen Abschiedsbrief

Erfahrung. Die vielen positiven Begegnungen und Erlebnisse

geschrieben. Offen hat er uns von sei-

haben ihn dazu bewogen, sich nach der Rückkehr aus Afrika

ner schweren Erkrankung erzählt, die

im Vorstand von INTERTEAM zu engagieren.

vergangenen

Mai

hat

uns

ihm eine Fortführung seines Engage-

Artur Hasler, 1953–2018

ments in unserem Vorstand verun-

TIEFER SINN FÜR HUMOR

möglichte. Wir waren beeindruckt,

Wir durften dabei viel profitieren von seiner sachlichen Be-

wie er sein Schicksal akzeptieren

harrlichkeit, verbunden mit seiner lösungsorientierten Ge-

konnte und seine verbleibende Zeit

lassenheit. Am 20. August 2018 mussten wir nun definitiv

bewusst mit der Familie und ganz be-

von Artur Abschied nehmen. Bleiben wird uns die Erinne-

sonders mit seinen geliebten Enkelkindern verbrachte. Für

rung an einen ehrlichen Menschen mit Gespür für seine Mit-

ihn, den weltoffenen und weitgereisten Mann aus dem Rhein-

menschen und einem tiefen Sinn für Humor. Danke Artur.

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INTERTEAM DER AUSTAUSCH 02 | 2018


NICARAGUA: KEINE SPUR VON NORMALITÄT IN SICHT Nicaragua ist wieder aus den weltweiten Nachrichten ver-

Nach Beginn der Proteste am 18. April gab es Volksaufstände

schwunden. Doch leider täuscht die Ruhe: Nach rund einem

im ganzen Land bis zirka zum 17. Juli. Menschen jeglichen

halben Jahr seit Beginn der Ausschreitungen im Land befin-

Alters und aus allen Schichten gingen auf die Strasse und er-

det sich Nicaragua in der dritten Etappe der Repression. Das

richteten Barrikaden, um gegen das Regime des Präsidenten

einst so fröhliche Land ist nur schwer wiederzuerkennen.

Daniel Ortega zu demonstrieren. Anschliessend folgte eine zweite Etappe; die Niederschlagung der Proteste: Während rund zehn Tagen eroberte Ortega seine Macht zurück, unter anderem mit Hilfe paramilitärischer Kräfte. Nun befindet sich das Land in der dritten Etappe dieses Konflikts. Mit massiver Repression werden bis anhin Menschen verfolgt, die an den Aufständen teilgenommen haben, und mittels eines neuen Gesetzes wegen Terrorismus angeklagt.

WAS ÜBRIG BLEIBT, IST MISSTRAUEN Von Normalität ist keine Spur in Sicht: Die Gesellschaft ist aktuell tief gespalten, es herrscht tiefes Misstrauen in der Bevölkerung. Zusätzlich verschlechtert sich Tag für Tag die wirtschaftliche Lage im Land. «Glücklicherweise waren unsere Fachleute zu keinem Zeitpunkt ernsthaft in Gefahr. Das INTERTEAM-Programm kann dank des grossen Vertrauens, das wir bei den Bauern- und Partnerorganisationen geniesSeit Beginn des Konflikts vergangenen April ist Nicaragua tief gespalten.

sen, relativ unbeschadet weiterlaufen», sagt Silvia Jundt, Leiterin Programm Süd INTERTEAM.

KOVI: WEITERHIN «VOLLE KRAFT VORAUS»! Die Initiative, die fordert, dass Konzerne mit Sitz in der Schweiz auch bei ihren Tätigkeiten im Ausland Menschenrechte und Umweltstandards wahren müssen, kommt mögli-

schnellen Umsetzung des Gesetzes. Dafür war das Initiativko-

cherweise nicht vors Volk – und das ist gut so. Die Vorgeschich-

mitee sogar bereit, schmerzhafte Abstriche in Kauf zu neh-

te: Am 14. Juni hiess der Nationalrat mit 121 Ja-Stimmen zu

men, wie die Abschwächung der Haftungsbestimmungen

73 Ablehnungen und 2 Enthaltungen den indirekten Gegen-

oder die Tatsache, dass weniger Konzerne von der Regelung

vorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative KOVI gut,

betroffen wären als mit der Initiative ursprünglich geplant.

und damit einen Kompromiss zwischen den Initianten, eini-

Noch ist jedoch nichts entschieden. Das Initiativkomitee hat

gen Parlamentariern und der Wirtschaft. Doch was bedeutet

zwar angekündigt, es würde die Initiative zurückziehen, soll-

das? Dem Initiativkomitee ist es nicht nur gelungen, ausrei-

te der Gegenvorschlag unverwässert durch die Mühlen des

chend Stimmen zu gewinnen, damit die Initiative vors Volk

Parlamentes gelangen. Doch so weit ist es noch nicht. Die Be-

kommen kann; der erhöhte Druck führte auch dazu, dass sich

ratschlagung im Ständerat steht noch aus. Sollte die momen-

den Parlamentariern ein Gegenvorschlag förmlich aufzwang.

tane Kompromisslösung weiter abgeschwächt werden, käme

Die Motive dafür waren vielfältig: Für die einen war es poli-

die Initiative wohl doch vors Volk. Es gilt also weiterhin «volle

tisches Kalkül, so eine abgeschwächte Regelung einführen zu

Kraft voraus» für eine Initiative, die die Lebensumstände für

können. Bei den anderen der Wunsch nach einer möglichst

Menschen im Globalen Süden wesentlich verbessern könnte!

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PORTRÄT

ER WAR DA, ALS MAN IHN BRAUCHTE ... in Bolivien, in der Schweiz – bei INTERTEAM: Acht Jahre lang engagierte sich Albin Strassmann im Vorstand, sieben Jahre davon als Präsident. Er begleitete INTEREAM in Zeiten des Wandels und prägte die Organisation damit stark. So ist er denn auch zum Ehrenmitglied 2018 gewählt geworden. «INTERTEAM hat mir genauso viel gegeben wie ich ihm», betont Albin. Und berichtet, was er bereits aus seiner Zeit als Missionar aus Bolivien mit in die Schweiz genommen hat. «Eigentlich wollte ich in die Mission und nie mehr in die

gegeben hat wie ich ihm.» Albin hat INTERTEAM sein Wissen

Schweiz zurück», erinnert sich Albin Strassmann (65) an sich

und seine Erfahrung in Zeiten des Wandels gegeben, als sich

selbst als jungen Mann voller Idealismus, Wissbegier und

die Organisation auf den Weg machte, vom Bund nicht länger

Abenteuerlust. Ende der 80er-Jahre ging er denn zunächst

nur für einzelne Personaleinsätze Subventionen zu erhal-

auch in die Mission, mit den Steyler Missionaren nach Boli-

ten, sondern für eigene anerkannte Programme mit eigener

vien. «Natürlich war der Glaube dabei ein grosser Antrieb»,

Strategie. In dieser Zeit wurde der Fokus für die Einsatzländer

sagt Albin, «aber mir war genauso wichtig, dass sich dieser

geschärft, Themenschwerpunkte wurden festgelegt, Länder-

sozial auswirkt; ich wollte vor allem auch die Menschen vor

programme geschrieben; neue Vorgaben mussten eingehal-

Ort unterstützen.» So half Albin etwa Bauern, deren ganze

ten werden. Hier brachte Albin wieder seine positive Sicht

Ernte und somit auch das Saatgut vom Hagel zerstört wor-

auf die Dinge ein: «Auch wenn Veränderungen nicht nur aus

den waren, Kartoffelsamen zu kaufen. Oder er betrieb Auf-

dem Inneren kommen, können sie da Entwicklung bewir-

klärungsarbeit zu Hygiene und Gesundheit, um zu erreichen,

ken.» Wie sich INTERTEAM bis heute entwickelt hat, sieht Al-

dass die Menschen selber Vorsorge betreiben konnten. «In

bin gern: «Die Projektfinanzierung zum Beispiel, die jetzt die

der ländlichen Gegend, in der ich war, gab es zwar Spitäler,

personellen Einsätze ergänzt, haben wir bereits damals dis-

aber diese waren sehr minimal ausgerüstet», berichtet Albin.

kutiert, weil man damit einfach mehr erreichen kann, doch

Nach sechs Jahren Bolivien kehrte Albin dann doch in die

die Zeit war noch nicht reif dafür.»

Schweiz zurück, wenn auch nicht auf eigene Initiative: «Die Steyler Missionare brauchten jemanden, der ihre Projekte in

DER GEIST DER BOLIVIANER

fast 80 Ländern von der Schweiz aus koordinierte», erklärt

Albins Engagement bei INTERTEAM führte ihn auch wieder zu-

Albin. So übernahm er die Missionsprokur – die «Heimatba-

rück nach Bolivien, in Form von Reisen diesmal, auf denen er

sis» der Mission – im zugerischen Steinhausen. Und erkannte

das Landesprogramm rund um die damaligen Themenschwer-

schnell das Positive an seiner neuen Funktion: «Dass ich viel

punkte «Ländliche Entwicklung» und «Gewaltprävention» vor

lernen und Führungserfahrung sammeln kann.»

Ort besuchte. Und wie bereits als Missionar sei ihm aufgefallen, welchen Geist die Bolivianer doch besässen, wenn sie zum

«DIE ZEIT WAR NOCH NICHT REIF FÜR PROJEKTFINANZIERUNG»

Beispiel ihre Geschichten aus der alten Inka-Zeit erzählten, die

Albin war da, als man ihn brauchte; in Bolivien, in der Schweiz

einen historischen Stellenwert hätten. «Diesen Geist und die

– bei INTERTEAM. Als dieses ihn Anfang 2000 nämlich fragte,

Liebe zur ‹Pachamama›, der Mutter Erde, hatte ich schon frü-

ob er sich nicht in dessen Vorstand engagieren würde, sagte er

her mit in die Schweiz genommen und auch in meine Arbeit

zu. Und als man ihn etwas später fragte, ob er dies nicht auch

einfliessen lassen», sagt Albin. Diese bestand übrigens neben

als Vorstandspräsident tun könnte, ebenfalls. So hat INTER-

der Leitung der Missionsprokur, die Albin heute wieder inne-

TEAM Albin dieses Jahr denn auch zu seinem Ehrenmitglied

hat, und der Präsidentschaft des INTERTEAM-Vorstands bis ins

gewählt; mit der Wahl von Ehrenmitgliedern will INTERTEAM

Jahr 2008 aus diversen sozialen Nebenengagements, zum Bei-

das Bewusstsein für seine jahrzehntelange Geschichte fördern

spiel in einem Treff von Bolivianern und Schweizern, die sich

und auf Menschen aufmerksam machen, die diese geprägt ha-

kulturell austauschen. «Ich habe mein Herz definitiv an Boli-

ben. Menschen wie Albin. «Ich bin überrascht über die Wahl,

vien verloren», resümiert Albin, «aber auch an INTERTEAM.»

fühle mich natürlich aber auch wertgeschätzt», sagt dieser. «Und ich möchte betonen, dass mir INTERTEAM genauso viel

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INTERTEAM DER AUSTAUSCH 02 | 2018

| Sarah Hadorn, Redaktorin AUSTAUSCH

01 in Coc 02 03 04

Bilder: I


01

01 Albin Strassmann auf Projektreise zu seinen INTERTEAM-Zeiten; hier besucht er ein Projekt in Cochabamba, der viertgrössten Stadt Boliviens, und nimmt an einem Fest teil. 02 Albin Strassmann heute. 03 Wieder zu Albins INTERTEAM-Zeiten: Albin besucht auf einer Projektreise einen Markt. 04 In der Mission: Albin an einem Patronatsfest in Bolivien. Bilder: INTERTEAM; zvg

«AUCH WENN VERÄNDERUNGEN NICHT NUR AUS DEM INNEREN KOMMEN, KÖNNEN SIE DA ENTWICKLUNG BEWIRKEN.»

02

| Albin Strassmann, ehemaliger Vorstandspräsident INTERTEAM

03

04


INTERTEAM INTERN

ZURÜCKGEKEHRT

HARRY ALLMENDINGER, VILLAVICENCIO, KOLUMBIEN

BEA DECOSTER, KAYANGA, TANSANIA

PIUS GSPONER, WINDHOEK, NAMIBIA

Während rund neun Jahren engagierte sich Harry Allmendinger in zwei Einsätzen als Betriebsökonom und Umweltfachmann in der Friedensförderung in Kolumbien. Dabei entwickelte er unter anderem ein soziales Gütesiegel mit, das Produkte zertifiziert, die aus Konfliktgebieten stammen.

Die Physiotherapeutin bildete in Kayanga, Tansania, die lokalen Mitarbeitenden des Gesundheitszentrums weiter und setzte sich für eine Verbesserung der Patientendokumentation ein.

In der Funktion als Unternehmensberater unterstützte Pius Gsponer seit 2015 die Namibian Nature Foundation in der Stärkung ihrer Ressourcen, sodass diese sich verstärkt für den Erhalt der biologischen Vielfalt und den nachhaltigen Umgang mit den Nationalparks engagieren konnte.

PAUL UND SUSANNE KAESER, KATIMA MULILO, NAMIBIA

ISABEL SCHLÄPPI, JINOTEGA, NICARAGUA

JUDITH ZANINI UND ANDREAS STAUBLI, MWANZA, TANSANIA

Fünf Jahre lang waren die Biologin und der Biochemiker in Namibia im Einsatz. Sie bildeten Lehrpersonen im naturwissenschaftlichen Unterricht weiter, berieten die Schulleitungen und versorgten die Schulen mit den notwendigen Materialien für einen hochwertigen Unterricht.

Mit einer Ausbildung als Landwirtin und Agrotechnikerin unterstützte Isabel Schläppi die Entwicklung von biologischen Anbaumethoden und setzte sich für die Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit in Nicaragua ein.

In den letzten drei Jahren unterstützte die Pädagogin Judith Zanini in Tansania eine Schule für Kinder mit Beeinträchtigungen. Sie hat die Lehrpersonen weitergebildet und war in der Vernetzung tätig. Andreas Staubli engagierte sich als Elektroingenieur für eine Verbesserung des technischen Unterhalts in Spitälern und bildete lokale Mitarbeitende weiter.

SEBASTIAN ZINK, WINDHOEK, NAMIBIA Der Landwirt und dipl. Sozialpädagoge setzte sich seit 2014 für verbesserte Bildung in Namibia ein. Seit 2015 unterstützte Sebastian Zink die Waldorf School Windhoek im Aufbau und in der Durchführung von berufsvorbereitender Bildung für Jugendliche.

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INTERTEAM DER AUSTAUSCH 02 | 2018


NEUE FACHLEUTE (Von links) Vanessa Ukca, Kindergärtnerin, Namibia Mayk Wendt, Institutionsleiter, Fotograf, Sozialpädagoge, Tansania Lisa Ringli, Physiotherapeutin, Tansania Rahel Aeppli, Wirtschaftsinformatikerin, Turn- und Sportlehrerin ETH, Namibia Armin Neff, dipl. Postbeamter, Betriebswirtschafter HF, Namibia (Andreas Furrer-Küttel, Verantwortlicher Personaleinsätze bei INTERTEAM)

ERSTMALS MEHR FRAUEN IM INTERTEAM-VORSTAND Der INTERTEAM-Vorstand erfährt eine kleine Rochade: An

Roland Brunner war zwar selber nie mit INTERTEAM

der Mitgliederversammlung vergangenen Mai wählten die

im Einsatz, kennt aber die Organisation schon län-

Anwesenden einstimmig Annatina Jäckle, Florence Bren-

ger. Er gilt als NGO-Experte und Allrounder. Aktuell

zikofer und Roland Brunner in den INTERTEAM-Vorstand:

arbeitet Roland als Regionalsekretär beim Verband des Personals öffentlicher Dienste VPOD beim Kanton Zürich. Durch seine vielfältige Berufskarriere und

Annatina Jäckle war von 2011 bis 2017 in Tansania

sozialen Engagements kennt er sich in der NGO-Welt

im Einsatz, zuerst als Fachperson, später als Leiterin

aus, nicht zuletzt dank der Geschäftsleitung von

des Landesprogramms. Die diplomierte Pflegefach-

Terre des Hommes Schweiz 2007.

frau mit einem Bachelor of Science FHO in Pflege ist mehrfache Mutter und wohnt mit ihrer Familie in Brugg AG. Durch ihre Vergangenheit und persönliche

Zurückgetreten sind die langjährigen Mitglieder Thomas Rus-

Verbindung mit INTERTEAM liegt ihr die Zukunft der

senberger und der vor kurzem verstorbene Artur Hasler (siehe

Organisation sehr am Herzen.

auch Nachruf S. 14). In der rund 55-jährigen Vereinsgeschichte von INTERTEAM finden sich nun erstmals mehr Frauen als Männer in der strategischen Leitung.

Florence Brenzikofer (siehe auch Seite 6) war mit ihrer Familie von 2006 bis 2008 in Bolivien im INTER-

HERZLICHEN DANK!

TEAM-Einsatz. Die Sekundarlehrerin und Landrätin

An dieser Stelle möchten wir Thomas Russenberger und

der Grünen Baselland blickt auch heute noch gerne

Artur Hasler ganz herzlich danken. Beide waren vor ihrer

auf diese Zeit zurück; sie fühlt sich mit INTERTEAM

Vorstandstätigkeit in Namibia im Einsatz. Mit ihrem teils

sehr verbunden. Florence Brenzikofer ist eine Politi-

jahrzehntelangen Engagement haben sie INTERTEAM stark

kerin mit Herzblut und möchte mit ihrem Netzwerk

geprägt und erfolgreich weiterentwickelt.

als Brückbauerin ihren Teil im Vorstand beitragen.

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DER AUSTAUSCH 2/18

AGENDA INFORMATIONSVERANSTALTUNGEN

FACHPODIUM

Interessiert an einem Einsatz mit INTERTEAM? Dann

... zum Thema «Häusliche Gewalt aus Tätersicht»

besuchen Sie eine unserer kostenlosen Informa-

(Aktion im Rahmen der nationalen Kampagne

tionsveranstaltungen. Diese finden im Zentrum

«16 Tage gegen Gewalt an Frauen»)

Barfüesser an der Winkelriedstrasse 5 in Luzern von 18.30 bis 21 Uhr statt.

Dienstag, 4. Dezember / 19 Uhr / Stattkino Luzern / Einritt gratis

Nächste Daten: Donnerstag, 4. Oktober Donnerstag, 22. November Anmeldung nötig unter: www.interteam.ch/info

INTERTEAM setzt sich für Kinder und Jugendliche in Afrika und Lateinamerika ein, damit diese ihre Potenziale entfalten und als Hoffnungsträger die Zukunft ihrer Gesellschaft selbstbestimmt mitgestalten können. Die Hilfe erfolgt durch mehrmonatige bis mehrjährige professionelle Einsätze von Fachleuten, kombiniert mit gezielten Projektfinanzierungen.

INTERTEAM trägt das Zewo-Gütesiegel. Es bescheinigt, dass Ihre Spende am richtigen Ort ankommt und effizient Gutes bewirkt.

Als Schweizer Hilfswerk der Personellen Entwicklungszusammenarbeit steht INTERTEAM für langjährige Erfahrung, effiziente Strukturen sowie starke Partnerschaften im Globalen Süden. In der Schweiz ist INTERTEAM die führende Ansprechstelle für qualifizierte Berufsleute, die einen Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit im Sinne eines solidarischen Engagements leisten wollen. Der 1964 gegründete Verein INTERTEAM finanziert sich über öffentliche, private und kirchliche Gelder und garantiert als Zewo-zertifizierte NonProfit-Organisation einen verantwortungsvollen, zweckbestimmten und wirkungsvollen Mitteleinsatz.

INTERTEAM Unter-Geissenstein 10 / 12 CH-6005 Luzern

T 041 360 67 22 F 041 361 05 80

info@interteam.ch www.interteam.ch PC 60-22054-2

www.facebook.com / interteam www.youtube.com / interteamluzern

DER AUSTAUSCH 2018-2: Hochwertige Bildung  

Eine gute Bildung ist - wie wir alle wissen - der Schlüssel zu einer Zukunft mit weniger Armut. In dieser Ausgabe erfahren wir, was die Dire...

DER AUSTAUSCH 2018-2: Hochwertige Bildung  

Eine gute Bildung ist - wie wir alle wissen - der Schlüssel zu einer Zukunft mit weniger Armut. In dieser Ausgabe erfahren wir, was die Dire...

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