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INSTITUT INNENARCHITEKTUR UND SZENOGRAFIE


Inhaltsverzeichnis

S. S. S. S. S. S. S. S. S. S. S. S S. S.

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Einleitung

13 19 23 29

Grundstudium Workshop Raum Interview #1: Luiz Albisser Workshop Szenografie Instant Film Soup

39 45 51 55 61 65 73 77 83

Hauptstudium Betrunkene Casino St. Johann Interview #2: Valentin Köhler Klangtaucher 24-hrs-shop-till-you-drop Raum-Schrift-Sprache Interview #3: Priska Olivetti Le Grand Jeu Visualisierung und Plangrafik

S. 92 S. 94 S. 96 S. 98 S. 100

Diplom Mark Eichenberger «Denkmal Kunst» Nela Weber «Insight» Leonier Stauffer «The Montreux Jazz Archive» Angela Wyss «The Archive Box» Samuel Strässle «Von Graffiti bis zum politischen Ikonoklasmus»

S. 119 S 127

Umsetzungen Pop-Up Store Interview #4: Anna Pedemonte

S. 131 S. 132

Institutsteam, Gäste in der Lehre Studierende


Prof. Andreas Wenger Leiter Institut Innenarchitektur und Szenografie

Einleitung

Alumni-Umfrage 2016 Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, bei fast allen Informationsveranstaltungen für Studieninteressierte wurden wir in den letzten Jahren von besorgten Eltern, Freunden und natürlich von den Bewerberinnen und Bewerbern selbst gefragt, ob die Studierenden unseres Institutes nach ihrem BachelorAbschluss den Einstieg ins Berufsleben fänden. Wir haben diese Frage intuitiv positiv beantwortet. Von unseren ehemaligen Studierenden, den Alumni unseres Institutes, mit welchen wir Kontakt halten, gewannen wir den Eindruck, dass sie ihren Weg nach dem Studium finden oder vielmehr erfinden. Etwas relativierend führten wir jeweils an, dass es je nach konjunktureller Lage – dem Auslastungsgrad des Produktionspotentials der Volkswirtschaft entsprechend – zuweilen etwas länger dauern könne: Ähnlich dem Baugewerbe scheint die Kreativ-Branche (Kunst, Unterhaltung und Erholung) eine der ersten Berufssparten zu sein, welche eine konjunkturelle Abkühlung erfährt und ist bedauerlicherweise eine der letzten, die von einer Aufschwungphase profitiert. Im Jahr 2015 entschloss sich das Institut Innenarchitektur und Szenografie, der Frage hinsichtlich des Berufseinstieges nach dem Bachelor-Abschluss vertieft nachzugehen und hierzu eine eigene, bescheidene Studie auf den Weg zu bringen. Die Ergebnisse der inzwischen abgeschlossenen Alumni-Umfrage fielen aus unserer Sicht ebenso überraschend wie erfreulich aus: Unser intuitiver Eindruck aus gelegentlich geführten Gesprächen mit ehemaligen Studierenden unseres Institutes hat sich nicht nur bestätigt, wir sahen unsere Erwartungen sogar weit übertroffen. Gestützt durch die Studie bestätigt sich unsere kühne Behauptung, die Ausbildung am Institut bilde eine gute Grundlage, sowohl im Berufsfeld der Szenografie als auch in jenem der Innenarchitektur Fuss zu fassen. Noch mehr überraschte uns die Rückmeldung, dass sich 96,8% unserer Alumni in der Kultur- und Kreativwirtschaft ihren festen Platz geschaffen haben und zu 74% angeben, ihren Lebensunterhalt aus der Tätigkeit in dieser Branche zu bestreiten. Doch nun der Reihe nach und so differenziert, wie es die Trockenheit der Materie bzw. eine statistische Auswertung und Darstellung erlaubt:

1


Einleitung

staltu gsge

ie raf og

bi en hn

Kunst

16,2% 13,6% 15,1%

ld

Sz en

26,4%

Film

Darstellende Kunst

tellun Auss

lbe ö M

Architektur Architektur

tur hitek c r a Innen

ign

Design s De

Darstellung der Verteilung der BA-Studienabgängerinnen und -abgänger 2004–2014 auf die studienverwandten Berufsfelder innerhalb der elf Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft, AlumniUmfrage 2016, Stand 11. April 2016

ng

Prof. Andreas Wenger

9,9% 6,1%

Rundfunk

25%

20%

15%

10%

1,2%

5% 2,3%

Presse

6,1%

Musik

Werbung

Software / Games

Buch Sonstige Nennungen: 334

Für unsere Studie haben wir die Absolventinnen Die auf ein Minimum reduzierten Fragen lauteten: und Absolventen der Jahrgänge 2004 bis 2014 gebeten, sich zu insgesamt sieben Fragen zu äussern. 1) Arbeitest Du / arbeiten Sie derzeit in einem Bis zum Abschlussdatum der Studie am 11. April der folgenden Berufsfelder? 2016 haben sich insgesamt 74% unserer ehemali– Innenarchitektur gen Studierenden an der Umfrage beteiligt: 4% – Architektur haben die Aussage verweigert, 70% haben unsere – Möbel-Design Fragen vollständig beantwortet. Im Wesentlichen – Ausstellungsgestaltung haben wir fünf Fragen mit jeweiligen Auswahl– Szenografie möglichkeiten zur beruflichen Tätigkeit und zwei – Bühnenbild Fragen zur Verwendung von CAD- und Visualisie– Film / Filmset rungs-Programmen in der aktuellen beruflichen – Bildende Kunst Praxis gestellt. – Sonstiger Bereich Gestaltung und Kunst – Vollzeit-Betreuung von Kindern – In keinem der aufgeführten Berufsfelder

2


Prof. Andreas Wenger

Einleitung

Im Wissen darum, dass in den vergangenen Jahren verschiedene Studien zur Kultur- und Kreativwirtschaft 1 (creative industries) verfasst wurden, welche belegten, dass deren Vorhandensein volkswirtschaftlich durchaus relevant ist, haben wir für unsere erste Frage auf eine Befragung nach definierten Teilmärkten bewusst verzichtet. Wir haben es vermieden, gängige, jedoch lediglich auf ihre statistische Relevanz hin definierte «Märkte» abzufragen. Vielmehr haben wir Arbeits- und Betätigungsfelder genannt, die der Wirklichkeit unserer Arbeitswelt entsprechen: Statt «Architekturmarkt», «Designwirtschaft», «Markt für darstellende Künste», «Kunstmarkt», «Filmwirtschaft» u.a.m. 2 haben wir uns für die oben erwähnten Begriffe entschieden, um den Eindruck zu vermeiden, unsere Betätigungsfelder einer ausschliesslich ökonomischen Vereinnahmung preisgeben zu wollen. Die Verteilung auf die abgefragten Berufsfelder ergibt folgendes Ergebnis, wobei Mehrfachnennungen zugelassen waren: 26,4% der teilnehmenden Alumni gaben an, in der Innenarchitektur tätig zu sein, 16,2% in der Architektur, 9,9% im Möbel-Design, 13,6% in der Ausstellungsgestaltung, 15,1% in der Szenografie. 6,1% der teilnehmenden Alumni arbeiten im Bereich Bühnenbild, 2,3% beim Film bzw. am Filmset und 1,2% in der bildenden Kunst. 6,1% gaben an, in sonstigen Bereichen der Gestaltung und Kunst tätig zu sein. Lediglich 0,9% der teilnehmenden ehemaligen Studierenden gaben an, mit der Vollzeitbetreuung ihrer Kinder ausgefüllt zu sein. 2,3% der Alumni sind nicht mehr im weiten Feld der Gestaltung und Kunst tätig. 2)

100%

Bist Du / sind Sie selbständig erwerbend, angestellt und / oder Inhaberin / Inhaber bzw. Mitinhaberin / -inhaber?

Darstellung der Teilzeit- (35,4% m / 40,2% w) bzw. Vollzeitbeschäftigten (64,6% m / 59,8% w) BA-Studienabgängerinnen und -abgänger der Jahre 2004–2014 und die Angaben zur Bestreitung des Lebensunterhaltes durch die Tätigkeit im Berufsfeld der Kultur- und Kreativwirtschaft.

75%

50%

64,6% 35,4%

59,8% 40,2%

25%

0%

Männer Total: 48

Frauen Total: 87

Vollzeit Teilzeit

7,4% 3,0% 15,6%

74,0%

Ja Teilweise Nein Ich bin auf Zusatzeinkommen angewiesen

Ähnlich wie bei der ersten Frage entschieden wir uns bei der zweiten für leicht verständliche und eher umgangssprachliche Formulierungen. Laut Definition der Schweizerischen Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) hätten wir korrekterweise nach «Unselbständigerwerbenden» und «Selbständigerwerbenden» fragen müssen, wobei als unselbständig erwerbend gilt, wer von einem Arbeitgeber angestellt ist und Lohn bezieht, hingegen als sozialversicherungsrechtlich selbständig erwerbend, wer unter eigenem Namen und auf eigene Rechnung arbeitet und sein eigenes wirtschaftliches Risiko trägt. 3 Für die zusätzliche Wahlmöglichkeit «Inhaberin / Inhaber bzw. Mitinhaberin / -inhaber» entschieden wir uns, um all jenen

3

Nennungen: 135

1 Weckerle, Christoph / Gerig, Manfred / Söndermann, Michael: Kreativwirtschaft Schweiz. Daten – Modelle – Szene. Basel, Boston, Berlin: Birkhäuser, 2007; Rossel, Raphael / De-Lay GmbH (Hrsg.) 1.a): Studie zur Basler Kreativwirtschaft. Strukturen, Positionen, Handlungsfelder. Basel-Stadt: Amt für Wirtschaft und Arbeit, 2010 1.a Raphael Rossel, Herausgeber der Studie, ist Absolvent der Innenarchitektur und Szenografie und hat im Jahr 2005 sein BA-Studium erfolgreich abgeschlossen. 2 Je nach Studie unterscheiden sich die Bezeichnungen der Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft. Für unsere Umfrage beziehen wir uns auf: Söndermann, Michael: Datenreport zur Kultur- und Kreativwirtschaft der Europäischen Metropolregion München (EMM) mit den elf Teilmärkten «1. Musikwirtschaft», «2. Buchmarkt», «3. Kunstmarkt», «4. Filmwirtschaft», «5. Rundfunkwirtschaft», «6. Markt für darstellende Künste», «7. Designwirtschaft», «8. Architekturmarkt», «9. Pressemarkt», «10. Werbemarkt», «11. Software- / Games-Industrie» (und Sonstiges) 3 http://www.ahv-iv-ar.ch/site/index.cfm?id_ art=4842&vsprache=DE (17.5.2016)


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Einleitung

Alumni gerecht zu werden, die allein oder als wie auch immer beschaffenes Kollektiv, beispielsweise einer «Gesellschaft mit beschränkter Haftung» (GmbH) angehören. Letztere sind von dieser «Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit» angestellt, bezahlen sich einen Lohn aus, verantworten jedoch gleichzeitig alleine oder mit anderen als sogenannte «Gesellschafter», als «Inhaberin / Inhaber bzw. Mitinhaberin / -inhaber», die Geschicke eines Ateliers oder einer Firma selbst. In unserer Studie geben 59,4% der ehemaligen Studierenden an, als «Unselbständigerwerbende» tätig zu sein, 28,5% sind als «Selbständigerwerbende» aktiv und zusätzliche 12,1% wirken als «Inhaberin / Inhaber bzw. Mitinhaberin / -inhaber» einer Firma. An unsere zweite Frage waren zwei Zusatzfragen geknüpft, nämlich «arbeitest Du / arbeiten Sie Vollzeit oder Teilzeit» und «kannst Du / können Sie aus der Tätigkeit im Berufsfeld Deinen / Ihren Lebensunterhalt bestreiten». Hier standen «Ja», «Teilweise», «Nein» oder «Ich bin auf ein Zusatzeinkommen angewiesen» als Antworten zur Wahl. Aufgrund der Erfahrung von bescheidenen Rückläufen von FHNW Absolventinnen- / Absolventen-Befragungen im Design (HGK) 4 , die beispielsweise konkrete Angaben zur Höhe des jährlichen Bruttoeinkommens enthielten und im Wissen um die grundsätzliche Schweizer Zurückhaltung, sich öffentlich über die Höhe des persönlichen Erwerbseinkommens zu äussern, war unsere Frage zum Auskommen durch die jeweilige Tätigkeit im Berufsfeld ausdrücklich zurückhaltend formuliert. Umso mehr erstaunte, dass 74% der befragten Alumni angeben, ihren Lebensunterhalt durch ihre Tätigkeit im Berufsfeld zu bestreiten. 15,6% unserer Ehemaligen gaben an, ihren Lebensunterhalt teilweise durch ihre Tätigkeit zu bestreiten, 7,4% sind auf ein Zusatzeinkommen angewiesen und lediglich 3% können laut Umfrage durch ihre Tätigkeit in der Kultur- und Kreativwirtschaft nicht für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Bei der Zusatzfrage nach der Voll- oder Teilzeitbeschäftigung zeigte sich interessanterweise lediglich ein geringer Unterschied zwischen männlichen und weiblichen ehemaligen Studierenden: Die überwiegende Zahl gibt eine Vollzeitbeschäftigung an, nämlich 64,6% bei den männlichen und 59,8% bei den weiblichen Ehemaligen. Entsprechend gaben 35,4% der männlichen und 40,2% der weiblichen Alumni an, in Teilzeit zu arbeiten.

Darstellung der Zufriedenheit mit der Studienwahl der BA-Studienabgängerinnen und -abgänger der Abschlussjahre 2004–2014.

15,5% 4,9%

79,6%

Ja Nein Unentschieden

3)

Nennungen: 142

Sind Sie / bist Du mit der damaligen Studienwahl zufrieden?

Mit unserer dritten Frage wollten wir wissen, ob unsere ehemaligen Studierenden mit ihrer damaligen Studienwahl zufrieden sind. Erfreuliche 79,6% beantworteten diese Frage mit «Ja», 15,5% mit «Unentschieden» und 4,9% mit «Nein». 4) und 5) Praktika- und Trainee-Stellenangebote Mit den Fragen vier und fünf wollten wir ermitteln, ob die Ateliers und Firmen, in welchen unsere ehemaligen Studierenden derzeit arbeiten, Studierenden des Instituts Praktika anbieten (Frage 4), bzw. ob ihre gegenwärtigen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sich vorstellen könnten, unsere Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen nach ihrem Thesis-Abschluss als Trainees zu beschäftigen. Dieser Teil der Alumni-Umfrage ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Die gewonnenen Hinweise, Adressangaben und Erkenntnisse stehen in unseren internen Netzwerken zur Verfügung, insbesondere unseren gegenwärtigen und künftigen Studierenden, wenn ihr persönlicher Einstieg ins Berufsleben ansteht.

4

4 Absolvent/innenbefragung FHNW (2012 / 2013), Auswertung der FHNW-übergreifenden Fragen, Rücklauf: FHNW 24,3%, HGK 9,7% (entspricht 12 ausgefüllten Fragebogen auf 124 versandte). Die entsprechenden Fragebogen enthielten über 80 Einzelfragen.


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Einleitung

6) und 7) Plan- und Visualisierungs-Software

Verhältnis männliche zu weibliche Studierende bei Studienabschluss

Mit unseren Fragen sechs und sieben versuchten wir, den Einsatz von CAD- und VisualisierungsProgrammen in der Berufspraxis zu eruieren, um aufgrund der Hinweise unserer ehemaligen Studierenden Rückschlüsse auf die Vermittlung dieser Programme in der Bachelor-Ausbildung zu gewinnen. Mit 78 Rückmeldungen und damit als deutlich häufigste Nennung wurde VectorWorks bei den Planzeichnungs-Programmen als gebräuchlich angegeben. Als meist verwendete VisualisierungsSoftware wurde, neben diversen anderen Programmen, mit 45 Nennungen Cinema4D genannt. 36 Personen setzen in ihrer aktuellen Berufspraxis keine Visualisierungs-Software ein, während lediglich 8 derzeit keine Planzeichnungs-Software nutzen.

Neben den sieben erwähnten Fragen, die wir an unsere Alumni richteten, bereiteten wir die uns vorliegenden statistischen Daten ehemaliger Studierender auf, um sie in Beziehung zu den gestellten Fragen setzen zu können. So werteten wir über die Jahre 2001 bis 2015 beispielsweise den Anteil männliche zu weibliche Studierende aus oder eruierten das durchschnittliche Alter bei Studienabschluss. Über die letzten fünfzehn Jahre hinweg betrachtet, beträgt das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Studierenden bei Studienabschluss 65,9% zu 34,1%. Die einzelnen Abschlussjahre zeigen bemerkenswert unterschiedliche GeschlechterZusammensetzungen: Mit einem Anteil von über

Darstellung der weiblichen und männlichen Studierenden, links: Im Durchschnitt über die Abschlussjahre 2001–2015, rechts: Verhältnis der weiblichen zu männlichen Studierenden der einzelnen Abschlussjahre. 100%

100%

75%

75%

50%

50%

65,9% 34,1%

25%

0%

41,7% 45,5% 58,3% 44,4% 55,6% 54,5% 57,1% 42,9%

25%

0%

2001–2015 Total: 255

55,0% 45,0%

59,1% 40,9%

81,3% 18,8%

2001 T: 14

2002 T: 11

2003 T: 12

2004 T: 18

2005 T: 22

2006 T: 16

2007 T: 20

63,6% 36,4% 68,4% 68,8% 69,6% 31,6% 31,3% 30,4% 75,0% 25,0%

2008 T: 19

2009 T: 16

2010 T: 23

2011 T: 16

2012 T: 11

71,4% 28,6% 81,3% 85,2% 18,7% 14,8% 2013 T: 27

Darstellung des Altersdurchschnitts der Studierenden bei Bachelor-Abschluss; Durchschnitt der Abschlussjahre 2001–2015.

2014 T: 16

2015 T: 14

Ø = 27,7 Jahre

50

37,5

25

12,5

0

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

Total: 254

5

35

36

37

38

39

40

41

42

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49


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Einleitung

50% männlichen Studierenden sind die JahrgänDiskussion ge 2002, 2003 und 2004 zu verzeichnen, in den Abschlussjahren 2006, 2013 und 2014 sank der Anteil männlicher Studierender jeweils unter 20%. Als generelle Tendenz ist eine Zunahme des An- Tätigkeit in mehreren Berufsfeldern teils weiblicher Studierender im Bachelor-Studium Innenarchitektur und Szenografie über die ver- Wie erwähnt waren bei den Angaben zu Berufsfeldern Mehrfachnennungen möglich. Wir sind uns gangenen Jahre hinweg zu erkennen. bewusst, dass die Bezeichnungen «InnenarchiDas durchschnittliche Alter der Studierenden bei tektur», «Architektur», «Möbel-Design», «Ausstelihrem Thesis-Abschluss beträgt zwischen 2001 lungsgestaltung», «Szenografie», «Bühnenbild», und 2015 etwa 27 Jahre. Die ältesten Studieren- «Film / Filmset», «Bildende Kunst», «Sonstiger den schlossen im Alter von 49 ab, die jüngsten Bereich Gestaltung und Kunst» sowie «Vollzeitmit knapp 20. Über die einzelnen Abschlussjahre Betreuung von Kindern» unscharf umrissen sind. hinweg betrachtet lassen sich dabei deutliche Zudem wurde durch Gespräche mit ehemaligen Schwankungen erkennen: Während etwa im Ab- Studierenden deutlich, dass Alumni, welche erfolgschlussjahr 2004 der Altersdurchschnitt noch bei reich Firmen gründeten in den Mission Statements 30,2 Jahren lag, erreichte er im Jahr 2011 mit 26,3 ihrer Unternehmen explizit mehrere BetätigungsJahren den niedrigsten Mittelwert. Für den Studien- felder wie «Ausstellungen, Ausstattungen und beginn des Bachelor am Institut Innenarchitektur Architektur» 5 , oder «Architektur, Ausstellungsgeund Szenografie bedeutet dies, dass das mittlere staltung und Design» 6 , oder «Innenarchitektur, Alter zwischen 21 bis 25 Jahren liegt. Generell Szenografie, Architektur, Objektdesign und Installässt sich eine Tendenz zu einem jüngeren Durch- lation»7 angeben. Daher interessierte uns die schnittsalter bei Studienabschluss beobachten. Selbsteinschätzung unserer Ehemaligen: Zwei Auffällig ist eine kleinere Häufung von Studieren- Drittel unserer Abgängerinnen und Abgänger beden, die im Alter zwischen 30 und 33 Jahren ihr zeichneten sich als wenigstens zwei oder mehr Berufsfeldern zugehörig. 24,4% gaben an, in zwei, Studium erfolgreich abschliessen. 26,7% in drei und 19,9% in vier und mehr Feldern der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig zu sein. Demgegenüber gaben 28,9% der Alumni an, ausschliesslich in einem der genannten Berufsfelder zu arbeiten. Aus den Rückmeldungen lässt sich schliessen, dass die Alumni des Institutes ihre Kompetenzen und Tätigkeitsgebiete teilmärkteübergreifend verstehen und innerhalb des Kulturund Kreativmarktes Felder besetzen, welche zwischen Design- und Architekturmarkt sowie dem Markt der darstellenden Künste anzusiedeln sind. Zuordnung zu den Teilmärkten

5 http://emyl.ch/index.php?/wir/ (EMYL GmbH, 20.5.2016) 6 http://www.netwer.ch/de/buero.html (NETWERCH AG, 20.5.2016) 7 http://www.zmik.ch/de (ZMIK GmbH, 20.5.2016) 8 Söndermann, Michael: Datenreport zur Kultur- und Kreativwirtschaft der Europäischen Metropolregion München (EMM). 2. Teilbericht, Kultur- und Kreativwirtschaft in der Landeshauptstadt München (LHM): Büro für Kulturwirtschaftsforschung Köln, 2012 <http://www.wirtschaft-muenchen.de/ publikationen/pdfs/2._Teilbericht_-_Kultur-_und_Kreativwirtschaft_in_der_LHM.pdf> (18.12.2015)

Bei der Konzeption zu unserer Alumni-Umfrage bezogen wir uns auf Michael Söndermanns 2012 erschienenen Datenreport zur Kultur- und Kreativwirtschaft der Europäischen Metropolregion München für die Definition der «elf Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft» 8 . Für unsere erste Frage benannten wir, soweit es uns sinnvoll erschien, diejenigen Berufsfelder, welche der amtlichen Wirtschaftszweigklassifikation WZ 2008 zufolge den Teilmärkten zuzuordnen sind. Eine vertiefte Prüfung der gebräuchlichen Bezeichnungen möglicher Berufsfelder unserer Alumni

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ergab jedoch, dass einige für unsere Ausbildung relevanten Definitionen gemäss Söndermann mehreren Teilmärkten zugeschrieben werden. «Innenarchitektur» wird etwa als «Interior Design und Raumgestaltung (74.10.3)» der Designwirtschaft oder unter dem Begriff «Büros für Innenarchitektur (71.11.2)» dem Architekturmarkt zugewiesen. Der Umstand mehrfacher Zuordnungsmöglichkeiten eines identischen oder annähernd identischen Wirtschaftszweiges zu verschiedenen Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft ist in Söndermanns zweitem Teilbericht explizit ausgewiesen. Erklärt wird die Doppel-Zuordnung mit dem Um-

stand, dass im Architekturmarkt die Gruppe der «Innenarchitekten» nach neuer Wirtschaftszweigklassifikation erstmals statistisch eigenständig erfasst worden sei. Die für unsere Umfrage wichtigen Berufssparten «Ausstellungsgestaltung», «Szenografie» und «Bühnenbild», sowie «Filmset» oder «Möbel-Design» fehlen hingegen im Datenreport zur Kultur- und Kreativwirtschaft bisher gänzlich. Für die Auswertung unserer Umfrage ergab sich das Problem, wie die im Datenreport fehlenden Berufssparten einem der elf definierten Teilmärkte sinnvollerweise zuzuordnen sind.

Darstellung der Verteilung der BA-Studienabgängerinnen und -abgänger 2004–2014 auf die elf Teilmärkte der Kulturund Kreativwirtschaft, AlumniUmfrage 2016, Stand 11. April 2016

Architektur Darstellende Kunst

Design

42,7%

Film

Kunst

36,9%

13,1%

Rundfunk

50%

40%

30%

20%

10%

2,3%

1,2% 0,3%

Presse

Musik

Werbung

Software / Games

Buch Sonstige Nennungen: 344

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Das Berufsfeld «Möbel-Design» haben wir in der Auswertung unserer Umfrage – und dies mag zweifelhaft sein – als dem «Industrie-, Produkt- und Modedesign (74.10.1)» am ähnlichsten aufgefasst und daher der Designwirtschaft zugewiesen. Eine annähernd sinnfällige Zuschreibung der Berufsfelder «Ausstellungsgestaltung» und «Szenografie» zu einem der definierten Teilmärkte erwies sich hingegen als weitaus schwieriger: Diese lassen sich weder dem Architekturmarkt mit «Architekturbüros für Hochbau», «Büros für Innenarchitektur», «Architekturbüros für Orts-, Regional- u. Landesplanung», «Architekturbüros für Gartenund Landschaftsgestaltung» oder «Selbständige Restauratoren/innen» sinnvollerweise zuordnen, noch der Designwirtschaft mit «Industrie-, Produktund Modedesign», «Grafik- und Kommunikationsdesign», «Interior Design und Raumgestaltung», «Büros für Innenarchitektur», «Werbegestaltung", «Herstellung von Schmuck, Gold, Silberschmiedewaren» oder «selbständige Fotografen» schlüssig zuweisen. Das Berufsfeld «Bühnenbild» schien uns hingegen den «selbständigen Bühnen-, Film-, TV-Künstler/innen (90.01.4)» verwandt und damit dem Markt für darstellende Künste am nächsten zu kommen. In Ermangelung klärender, wissenschaftlicher Studien haben wir uns entschieden – und dies mag verwegen wirken – die Sparten «Ausstellungsgestaltung» und «Szenografie» dem Teilmarkt der darstellenden Künste zuzuordnen.

Fraglich bleibt, inwiefern aufgrund der ungeklärten Zuordnung unserer Berufsfelder zu den klassifizierten Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft, die in einem Bachelor Studium vermittelten Ausbildungsinhalte und die mit dem Studienabschluss erworbenen Kompetenzen eher den angewandten Künsten, wie etwa dem Design, oder den darstellenden, sprich freien Künsten, verpflichtet sind. Dass in unserer Alumni-Umfrage Mehrfachnennungen zugelassen und erwünscht waren, trägt nicht zu einer Klärung dieser Frage bei. Aus der Interpretation der Mehrfachnennungen und der Verteilung der Tätigkeitsfelder über mehrere Teilmärkte hinweg können wir jedoch schliessen, dass unsere ehemaligen Studierenden weder Berührungsängste mit angewandten noch mit darstellenden Künsten haben und sich scheinbar mühelos und gekonnt zwischen den ausgrenzenden Definitionsformen der Künste bewegen. Anteil weiblicher Studierender

Aufgrund des über die letzten Jahre im Durchschnitt sehr hohen Anteils weiblicher BachelorStudienabgängerinnen (65,9%) war zu erwarten, dass unsere Alumni-Befragung einen signifikanten Unterschied im Beschäftigungs-Anteil zwischen weiblichen und männlichen Alumni, sowohl bei Angestellten als auch bei SelbständigerwerbenZuordnung den aufweisen würde. In dieser Erwartung sahen Innenarchitektur: 26,4% Architekturmarkt wir uns grundlegend getäuscht: Nur 0,9% unserer ehemaligen Studierenden gaben an, sich ausArchitektur: 16,2% Architekturmarkt schliesslich der Betreuung von Kindern zu widmen. Möbel-Design: 9,9% Designwirtschaft Mit einem lediglich fünfprozentigen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen UnselbstänAusstellungs13,6% Markt für digerwerbenen bzw. Selbständigerwerbenden gestaltung: darstellende liegt die Anstellungsfähigkeit – wird der Umstand Künste der überwiegenden weiblichen Abgängerinnen Szenografie: 15,1% Markt für mit berücksichtigt – bei männlichen wie weiblidarstellende chen Absolvierenden in etwa gleich. Die relativ Künste flexibel gestaltbaren Übergänge zwischen VollzeitBühnenbild: 6,1% Markt für Arbeit, Teilzeit-Anstellung, Freelance-Betätigung darstellende und Teil-Selbständigkeit, die unsere Studie nicht Künste explizit nachzuweisen beabsichtigte, welche jeFilm / Filmset: 2,3% Filmwirtschaft doch gemäss der Basler Studie 9 für den Kulturund Kreativwirtschafts-Bereich typisch zu sein Bildende Kunst: 1,2% Kunstmarkt scheint, könnte im Umkehrschluss bedeuten, Sonstige Gestaltung 6,1% verschiedene dass die veränderten Erwerbsformen in der und Kunst: Teilmärkte Patchwork-Ökonomie10 einem flexiblen Umgang mit familiären Verpflichtungen oder der Betreuung Gefragt wurde zusätzlich nach «Vollzeitbetreuung von Kindern und dem Einkommenserwerb eher Kind» und «Keines der genannten Berufsfelder». entgegenkommen. Mehrfachnennungen waren möglich.

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Fazit

Erfolg und Lebensunterhalt Gerne hätten wir im Rahmen unserer Studie den «Erfolg» unserer ehemaligen Studierenden abgefragt und ausgewiesen. Erfolg hätte etwa im betriebswirtschaftlichem Sinne die positive Ausprägung einer oder mehrerer Kennzahlen bedeutet, welche über einen bestimmten Zeitraum hätte Auskunft geben können. Typische Kennzahlen wären etwa Gewinn, «return on investment» oder «shareholder value». Für die Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren Klein- und Kleinstfirmen als typischem Merkmal wären betriebswirtschaftliche Kennzahlen natürlich nur bedingt als ErfolgsMessgrössen tauglich. Andererseits hätte für unsere AlumniUmfrage der Erfolg als Beitrag zur Steigerung der Überlebensfähigkeit eines natürlichen, sozialen oder künstlichen Systems im Vordergrund stehen können, oder einfacher gesagt, das längerfristige Überleben eines Unternehmens. Hierzu war jedoch die betrachtete Zeitspanne von lediglich zehn Studien-Abschlussjahren zu wenig aussagekräftig. Im Kern haben wir mit Erfolg das Erreichen selbst gesetzter Ziele verbunden, was sowohl für einzelne Menschen als auch für Organisationen bedeutsam ist. Angestrebte Ziele wären dabei sowohl sachliche (z. B. Einkommen) als auch emotionale (z. B. Anerkennung). Erfolg in unseren Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft müsste unserer Auffassung nach zwischen den Polen des nachhaltigen, langfristigen Überlebens eines Unternehmens und dem Erlangen von Anerkennung für kreatives Schaffen als relevante Faktoren positioniert sein. Entsprechende Messgrössen, um über Erfolg in der Kultur- und Kreativwirtschaft operationalisierbare Kennzahlen abfragen zu können, sind jedoch noch zu entwickeln. Ein solches Unterfangen wäre im Rahmen unserer Mittel und Möglichkeiten und mit Blick auf unsere Intention, der Umfrage des Institutes, nicht zu leisten gewesen. In aller Bescheidenheit betrachten wir hingegen die Rückmeldungen unserer Alumni, zu 96,8% in der Kreativwirtschaft Fuss gefasst zu haben und zu 74% ihren Lebensunterhalt aus dieser Tätigkeit bestreiten zu können, durchaus als Hinweis auf erfolgreiches Handeln nach einem Bachelor-Abschluss in Innenarchitektur und Szenografie. Daher können wir bei künftigen Informationsveranstaltungen für Studieninteressierte besorgten Eltern, Freunden und den Bewerberinnen und Bewerbern etwas selbstbewusster und fundierter die Frage, ob unsere Studierenden nach ihrem Bachelor-Abschluss den Einstieg ins Berufsleben fänden, deutlich positiv beantworten.

Obschon es uns mit unserer Umfrage unter den Studienabgängerinnen und Studienabgängern der Abschlussjahre 2004 bis 2014 nicht gelungen ist, all unsere Alumni der besagten Jahrgänge zu erreichen – teils verfügen wir nicht über aktuelle Kontakt-Informationen, teils sind die Ehemaligen im Ausland tätig und / oder haben einen anderen Namen angenommen – darf unsere Studie mit einem Rücklauf von 74% durchaus als repräsentativ gelten. Das aus unserer Sicht am wenigsten erwartete und überraschendste Resultat der Umfrage ist für uns, dass 96,8% unserer ehemaligen Studierenden in der Kultur- und Kreativwirtschaft Fuss gefasst haben und aktuell in diesem Sektor tätig sind. Ausserdem geben 74% unserer Alumni an, ihren Lebensunterhalt durch ihre Tätigkeit in der Kultur- und Kreativwirtschaft bestreiten zu können, was wir als Hinweis auf ein erfolgreiches Handeln nach dem Bachelor-Abschluss in Innenarchitektur und Szenografie betrachten. Den Anspruch des Bachelor-Programmes am Institut Innenarchitektur und Szenografie, für einen relativ breiten Fächer an Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft auszubilden und die hierzu notwendigen Grundlagen zu vermitteln, sehen wir in unserer Studie bestätigt: 42,7% unserer Alumni sind im Teilmarkt der Architektur, 13,1% in der Designwirtschaft und 36,9% im Teilmarkt der darstellenden Künste tätig. Lediglich 2,3% unserer ehemaligen Studierenden sind laut Umfrage in Märkte ausserhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft abgewandert. 79,6% unserer Ehemaligen gaben zudem an, mit ihrer damaligen Studienwahl zufrieden zu sein. Diese Rückmeldung bestärkt uns darin, unser Curriculum weiterhin laufend zu optimieren und weiterzuentwickeln, hingegen am zugrunde liegenden Konzept mit Grundstudium und Hauptstudium und einem Wahlpflichtanteil von 70% im Hauptstudium festzuhalten. Laut unserer Studie sind 59,4% der ehemaligen Studierenden als «Unselbständigerwerbende» tätig, 40,6% als «Selbständigerwerbende» oder «Inhaberinnen / Inhaber, bzw. Mitinhaberinnen / -inhaber» einer Firma. Nach Abschluss

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9 Rossel, Raphael / De-Lay GmbH (Hrsg.): Studie zur Basler Kreativwirtschaft. Strukturen, Positionen, Handlungsfelder. Basel-Stadt: Amt für Wirtschaft und Arbeit; 2010; S. 60–61 10 Lange, Bastian / Kalandides, Ares / Stöber, Birgit / Wellmann, Inga (Hrsg.): Governance der Kreativwirtschaft. Diagnosen und Handlungsoptionen. Bielefeld: transcript, 2009; S. 318


Prof. Andreas Wenger

Einleitung

des Bachelor-Studiums hätten wir einen so hohen Anteil Selbständigerwerbender und FirmenGründerinnen und -gründer nicht erwartet. Im Wissen um das überproportional hohe Verhältnis von weiblichen zu männlichen Alumni (65,9% w zu 34,1% m) war ein deutlicher Unterschied in der Voll- und Teilzeitbeschäftigung zu erwarten. Dass der Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten (Teilzeit 35,4% m / 40,2% w, Vollzeit 64,6% m / 59,8% w) laut unserer Umfrage unter 5% liegt, kann als Indiz dafür gelten, dass familiäre Betreuungspflichten und Lohnerwerb in der Kultur- und Kreativwirtschaft geschlechterunabhängig vereinbar sind.

Dank Mit dem Abschluss unserer Alumni-Umfrage 2004 – 2014 ist es unserem Institut gelungen, eine wichtige Wissenslücke zu schliessen: Durch unsere Studie können wir nunmehr belegen, dass mit dem Bachelor-Abschluss ein Berufseinstieg in die Innenarchitektur und Szenografie, sowie in das weite und spannungsreiche Feld, welches sich zwischen Architektur, Design und darstellenden Künsten entfaltet, nicht nur möglich ist, sondern auch durchaus erfolgreich gelingen kann. Der Abschluss unserer Studie wird uns deshalb Ansporn und Antrieb sein, unsere Lehre laufend zu optimieren und deren Inhalte selbstsicher nach Innen und Aussen zu vertreten. Für die Beteiligung an unserer Studie und die eingegangenen Rückmeldungen möchten wir uns bei unseren ehemaligen Studierenden und heutigen Kolleginnen und Kollegen sehr herzlich bedanken. Ganz besonderer Dank gilt jedoch Jessica Back, André Haarscheidt und Christian Kränkl für die Vorbereitung, Konzeption, Durchführung, Auswertung und die schriftliche und zuweilen mündliche Nachfrage bei unseren Alumni. Ohne ihren unermüdlichen Einsatz wäre weder diese Studie noch unser Bericht darüber möglich gewesen.

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GRUNDSTUDIUM

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Grundstudium

In den ersten beiden Semestern nähern wir uns in experimenteller Weise dem Raum. Die Workshops Raum und Szenografie sind darauf ausgelegt, ein breites Spektrum an Entwurfsmethoden im Umgang mit unterschiedlichen Anforderungen zu eröffnen. Die Studierenden erproben Werkzeuge für die gestalterische Praxis und üben sich in der Vermittlung und Darstellung ihrer Ergebnisse. Sie sammeln Erfahrungen mit Farbe, Licht, Ton und Materialien und erlernen Techniken und Herangehensweisen zu Rezeption und Recherche. Sie machen sich die Begriffsbildung und Argumentation innerhalb der künstlerischen und gestalterischen Arbeit zu eigen.

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Herbstsemester 2015 / 16

WORKSHOP RAUM «Lässt sich durch die Erinnerung an alle die Häuser hindurch, wo wir Zuflucht gefunden haben, lässt sich über alle die Häuser hinweg, in denen wir zu wohnen geträumt haben, eine intime und konkrete Wesenheit erkennen, die eine Rechtfertigung des einzigartigen Wertes aller unserer Bilder von beschützter Innerlichkeit wäre?» Die Poetik des Raumes, Gaston Bachelard Vom Text zur Erinnerung, zur Zeichnung, zur Atmosphäre, zum Modell, zum Material, zu Raum und Massstab, zu Beobachtung und Reflektion, zu Plänen, Collagen und Modellstudien hin zur Intervention im Raum. In diesem Ablauf der Dinge werden Intuition und Analyse ernst genommen und mit Mut und Glauben an das Experiment fantasievoll umgesetzt. Die Räume unserer Studien waren unsere Erinnerungen und die Güterhalle St. Johann. Dozentin: Assistent:

Eva Hauck Luiz Albisser

Studierende: Martina Baader, Judith Buchli, Andrin Bührer, Anna Caderas, Fabiano Casale, Manuela Dornbierer, Astabrag El Omami, Laetitia Fernandez, Yves Gugelmann, Lea Hättenschwiler, Corinne Held, Anneliese Jankowicz, Anja Krummenacher, Janina Lutz, David Meienberg, Zoe Näf, Céline Neuschwander, Laura Nötzli, Mirjam Ragossnig, Viviane Rapp, Anne Sommer, Mara Spühler, Martina Stähli, Céline Stössel, Maude von Giese, Melanie Wüthrich

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Workshop Raum

Ausstellung der Modellstudien des Erinnerungsraumes

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Workshop Raum

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Workshop Raum

Andrin Bührer / Fabiano Casale: «wandlungen» Projekt Raumintervention Güterhalle St. Johann: Konzeptionelle Collage und Projektdarstellung anhand von Collagen, Modellstudien und Plänen

erinnern | siedeln |

unwirkliche hülle

zermalte welten

hülle grosszügige öffnungen umarmen umwinkeln absatz nach oben und unten verschmelzung wiederholte muster

geh raus spielen tatendrang stück für stück im gebilde ergänzt kunstwerk vorstellungsvermögen fabelwelt abfluss hinunter

dach

unterdach

dachstuhl

wände

nebengebäude

keller

terrain

schlüpfen längsschnitt

querschnitt

welt eins

welt null

erschliessungen 0

10m

auf-/abgang

anschlussdetail intervention und erschliessung

membrane netz

kokon montageplatte nagelband

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beplankung holzständer

0

10cm

ein-/ausgang


Workshop Raum

verpuppen

spinnen konzeptcollage

aufbau

intervention

die zeit ist ein vom menschen geschaffenes netz, in den man spinne und fliege zugleich ist.

formfindung vom netz zum kokon

funktionsdetail kontrollierte l체ftung und performance

abbau

metamorph

entfalten

spinnen

verpuppen

schl체pfen

entfalten

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spannung

metaebene

collage

erlebnis

skizze

siedeln

heran. spiele mit, lass dich 체beraschen!

hinauf. spinn dich durchs netz!

hinab. wickel dich ein!

hinein. k채mpf dich raus!

hinaus. leb dich aus!


Workshop Raum

Martina Baader / Laura Nötzli «DurchZug» Projekt Raumintervention Güterhalle St. Johann: Konzeptionelle Collage und Projektdarstellung anhand von Collagen, Modellstudien und Plänen

SECTION B-B

SECTION B-B

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Interview #1

Mit jedem Projekt wächst die Fähigkeit, präzisere Fragen zu stellen

Luiz Albisser

Innenarchitekt , Szenograf • • • • • • • • • •

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1980: Geboren in Luzern bis 2000: Berufslehre als Maschinenmechaniker, Abschluss 2000 bis 2003: Diverse Tätigkeiten im Theaterbereich bis 2004: Gestalterische Berufsmatur in Luzern, Abschluss 2004 bis 2008: Szenenbildassistent und Locationscout für den Film bis 2011: Studium Innenarchitektur und Szenografie an der HGK Basel, Diplom 2011 2009: Praktikum bei Buchner Bründler Architekten bis 2012: Arbeit als Architekt bei Claus Merz Architekten seit 2013: selbständig im Bereich Innenarchitektur, Szenografie seit 2014: wissenschaftlicher Assistent Studiengang Innenarchitektur und Szenografie


Interview #1 Luiz Albisser

1

Wie hat sich Dein Einstieg ins Berufsleben nach dem Studienabschluss gestaltet?

2

Was ist Dein Ansporn und Deine Befriedigung in Deinem aktuellen Berufsfeld?

Bereits während des Studiums hatte ich begonnen, kleinere Projekte umzusetzen, um mein Portfolio damit zu erweitern. Das Praktikum bei Buchner Bründler Architekten, das ich in einem Zwischenjahr absolvierte, gab mir neben dem an der Schule vermittelten konzeptionellen Schwerpunkt einen Einblick in die Berufspraxis. Diese Kombination aus Studium und Praxis hat den Einstieg in das Berufsleben sehr vereinfacht. Nach dem Diplom arbeitete ich ein Jahr lang bei Claus Merz Architekten. Danach fiel relativ schnell die Entscheidung, mich selbständig zu machen. Meine ersten Aufträge erhielt ich durch Kontakte, welche ich während meiner Studienzeit aufgebaut hatte.

Mein Beruf ermöglicht mir, meine Interessen und Leidenschaften in meine Projekte einfliessen zu lassen. Durch die tägliche Auseinandersetzung mit architektonischen Räumen schärfe ich meine Haltung in Bezug auf die eigene Tätigkeit. Dabei verschwimmen häufig die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Mit jedem Projekt wächst die Fähigkeit, präzisere Fragen zu stellen und – im besten Fall – die geeigneten Antworten zu finden. Als Gestalter habe ich die Möglichkeit, im konstanten Austausch mit Auftraggebern, Berufskollegen und Unternehmern ständig Neues dazuzulernen und meinen Erfahrungsschatz zu erweitern.

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Interview #1 Luiz Albisser

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Das war definitiv das Diplom. In dieser sehr intensiven Zeit hatte ich die Freiheit, tief in meine Arbeit einzutauchen und die komplette Palette an Knowhow anzuwenden, die mir im Studium vermittelt worden war. Für mich war das Diplom auch ein Test, bei dem ich prüfen konnte, wo ich stehe. Einer meiner Dozenten meinte damals, ich solle diese Zeit voll auskosten, da ich später nur noch selten die Gelegenheit erhielte, so intensiv an einem Projekt zu arbeiten, und er behielt bis heute recht.

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Welche Erfahrung, welches prägende Erlebnis im Studium oder direkt danach begleitet Dich noch heute in Deinem Berufsleben?

Was würdest Du aus heutiger Sicht anders angehen, wenn Du nochmals studieren könntest?

Mein damaliges Time Management würde ich dringend überdenken ...

Welche Tipps und Ratschläge würdest Du Studierenden von heute mitgeben?

Versucht bereits während des Studiums, Projekte anzureissen. Nutzt Synergien die durch die verschiedenen Studienrichtungen vorhanden sind und geht so oft wie möglich in die Werkstätten.

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Interview #1 Luiz Albisser

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Frühlingssemester 2015

WORKSHOP SZENOGRAFIE Im Zentrum der Auseinandersetzung im Workshop Szenografie stand das «Bildrausch Filmfest 2015». Durch szenografische Interventionen im Innen- und Aussenraum sollte auf das Filmfest aufmerksam gemacht werden. Als Bespielungsraum stand das ehemalige Restaurant «FRANK» zwischen den Kinoräumen des «kult.kino atelier» zur Verfügung, bevor der Raum zu einem weiteren Kinosaal umgebaut wurde. In diesem Freiraum wurden von den Studierenden unterschiedliche Vorschläge im weitläufigen Themenspektrum erarbeitet. Gemeinsam mit den Auftraggebern und den Studierenden wurde entschieden, das Projekt von Nicolas Hofer weiterzuentwickeln und zu realisieren. Dozent: Assistentin:

André Haarscheidt Luiz Albisser

Studierende: Elena Antoni, Josianne Baumann, Domenic Emr, Sarah Frey, Julia Füzesi, Recha Hiller, Nicolas Hofer, Monika Hostettler, Helene Hunziker, Susanne Hürbin, Alisa Knechtli, Carlos Linder, Michèle Müller, Danaë Neuhaus, Kesha Rüeger, Chantal Salzgeber Montaño, Laura Siebold, Stefanie Solèr, Romain Tièche, Natascha Vögtli, Maya Weber, Nicola Weber

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Workshop Szenografie

Entwurf von Kesha Rüeger: «Make a Change» Kesha Rüegers Konzept basiert auf dem Prinzip eines «Bildschocks». Mit verschiedenen Kompositionen zweier Bilder die rückseitig durch präzise Rechteckschnitte mit axialem Drehpunkt zusammengefügt werden, entstehen verstörende Bildkompositionen. Als raumfüllendes Format ermöglicht der drehbare Bildausschnitt einen Zugang in den «Bildrausch-Installationsraum» mit analogen Bildkonzepten.

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Workshop Szenografie

1:1 Versuch mit Filmbild-Motiv Bildschock-Collagen aus dem Entwurfsprozess Bildmontage der Eingangssituation in den Installationsraum Visualisierung des Innenbereiches des Installationsraumes

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Workshop Szenografie

Entwurf von Laura Siebold: «connected – arrange exchange» Laura Siebold rückte die Vielfalt der Herkunftsländer, Regisseure und Produktionsorte in den Mittelpunkt ihres Konzeptes. Aufgrund dieser Daten wird ein neues «Weltbild» geschaffen, das eine eigene «Bildrausch Filmfest Perspektive» erzeugt. In einer Vernetzungslandschaft aus Europaletten wird ein sinnliches Informationserlebnis ermöglicht, das als Bildrausch Filmlounge dienen soll.

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Workshop Szenografie

Collage / Skizze der neuen «Bildrausch Weltordnung» Abstrakte Visualisierung der Filmlounge Längsschnitt durch Filmlounge Konzeptcollage


Workshop Szenografie

Ausführungsprojekt von Nicolas Hofer «Instant Film Soup» Nicolas Hofer entwickelte in seinem Entwurf eine eigenständige und faszinierende Projektionsfläche in Form eines weiss pigmentierten Wasserbeckens. Die Vertikalprojektionen in die weisse «Filmsuppe» erzeugt eine unwirklich anmutende Bildoberfläche, die faszinierend und mystisch wirkt. Mit eigens entworfenen Schalen kann aus der «Instant Film Soup» geschöpft werden. Die erzeugten Wellen verstärken die Wirkung der stofflichen Bildfläche. Das Projekt von Nicolas Hofer wurde für die Realisierung ausgewählt.

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Frühlingssemester 2015

INSTANT FILM SOUP Eine szenografische Intervention am «Bildrausch Filmfest 2015» Nach dem grossen Erfolg im Jahr 2013 fand auch 2015 erneut eine Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen des Bildrausch Filmfestes und dem Institut Innenarchitektur und Szenografie statt: Tatort war das wegen Umbauarbeiten geschlossene ehemalige Restaurant «FRANK» im «kult.kino atelier». Die Studierenden des 2. Semesters haben sich auf den spannendsten ihrer Entwürfe geeinigt und diesen gemeinsam überarbeitet und realisiert. Mit ihrem Projekt «Instant Film Soup» von Nicolas Hofer nahmen sie die einmalige Gelegenheit einer «Carte blanche» für eine szenografische Intervention wahr und griffen auf überraschende Weise in die entleerten Räumlichkeiten des «FRANK» ein. Der Raum wurde optisch neutralisiert und mit dem Projektionsbecken athrazitfarben gestrichen. So zeichneten sich nur die Konturen des eingebauten Beckens ab und die Aufmerksamkeit wurde auf die Magie der Projektionsfläche gelenkt. Mit den eigens entworfenen und hergestellten Schöpfschalen konnten Bildausschnitte herausgelöst und durch die so entstehende Wellenerzeugung Einfluss auf die Bildoberfläche genommen werden. Dozent: André Haarscheidt Assistent: Luiz Albisser Auftraggeber: Bildrausch Filmfest, Nicole Reinhard und Beat Schneider

Studierende: Elena Antoni, Josianne Baumann, Domenic Emr, Sarah Frey, Julia Füzesi, Recha Hiller, Nicolas Hofer, Monika Hostettler, Helene Hunziker, Susanne Hürbin, Alisa Knechtli, Carlos Linder, Michèle Müller, Danaë Neuhaus, Kesha Rüeger, Chantal Salzgeber Montaño, Laura Siebold, Stefanie Solèr, Romain Tièche, Natascha Vögtli, Maya Weber, Nicola Weber Fotos: Nicolas Hofer

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Instant Film Soup

Projektionsbecken mit Schรถpfschale

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Instant Film Soup

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Instant Film Soup

Konstruktionsplan des Projektionsbeckens Aufbau des Projektionsbeckens

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Längsschnitt Endmontage des Projektionsbeckens

Instant Film Soup

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Instant Film Soup

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Instant Film Soup

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Instant Film Soup

Ansichten der fertigen Installation «Instant Film Soup»

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HAUPTSTUDIUM

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Hauptstudium

Anhand konkreter, praxisnaher Projekte bringen die Studierenden ihre im Grundstudium erworbenen Kenntnisse zur Anwendung. Die ein ganzes Semester umfassenden Aufgabenstellungen geben ihnen die Gelegenheit zur Konzeption und Gestaltung von Innen- und Aussenräumen sowie Ausstellungen und Bühnenbildern. Die Studierenden haben die freie Wahl zwischen mindestens zwei verschiedenen Aufgabenstellungen. Deren Bearbeitung wird ergänzt durch spezifische Workshops, welche das im Grundstudium vermittelte Wissen und Können weiter vertiefen. Die Praxis-Module folgen dem Weg von der Analyse und Recherche über die Konzeption und Planung bis hin zur Umsetzung und Dokumentation. Nach Möglichkeit kommen ausgewählte Entwürfe zur Ausführung und werden öffentlich zugänglich gemacht.

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Frühlingssemester 2015

BETRUNKENE von Iwan Wyrypajew

«Sometimes when you’re drunk, you can see better.» Damien Hurst Im Rahmen des Semesterprojektes erarbeiteten die Studierenden für die Kaserne Basel ein Bühnenbildentwurf zum Theaterstück «Betrunkene» des zeitgenössischen russischen Autors Iwan Wyrypajew. Zu Beginn des Semesters lag der Fokus auf den Themen des Stückes. Es wurde über den Verlust von Gott gesprochen und darüber, welche Auswirkungen dieser auf unsere Lebensweise hat. Was machen wir nun, da es keinen Gott mehr gibt, der uns Regeln und Werte vorgibt? Wir müssen uns selbst darum kümmern, nach welchen Kriterien wir ein gutes, erfülltes und glückliches Leben führen wollen. Was ist der Sinn des Lebens, wenn nicht der, dass man ins Paradies kommt? Wer bin ich überhaupt? Wir sind von dieser Suche nach Identität und eigenen Werten fix und fertig! Wird heute, da wir unser Glück im irdischen Sein suchen und uns nach einer Konstante in unserem überfordernden Leben sehnen, die Liebe zur neuen Religion? Ist die Liebe die neue Sehnsucht nach einem besseren Leben? Im gesamten Stück sind die Protagonisten ständig sturzbetrunken. Darum fällt es ihnen vielleicht auch leichter, über die Themen Liebe und Glaube ganz direkt und ehrlich zu sprechen. Aus einer intensiven Themen- und Bildrecherche kristallisierte sich jeweils ein Kernthema heraus, welches die Grundlage für den Entwurf der einzelnen Studierenden bildete. Bei jedem Ansatz wurde untersucht, wie viel Abstraktion notwendig ist, um dem Publikum genug Raum für die eigene Fantasie zu lassen. Wir sind von der leeren Halle der Kaserne Basel ausgegangen, wodurch die Möglichkeit bestand, die Zuschauerposition selbst zu bestimmen. Wie werden die Zuschauenden durch Raum und Zeit geführt und welche Rolle nehmen sie dabei ein? Dozierende: Natalina Di Iorio, Nadia Fistarol Assistentin: Anna Pedemonte Dramaturgische Begleitung: Heike Dürscheid

Studierende: Sandra Antille, Tanja Baltensperger, Liliane Blösch, Charlotte Demary, Tanya Eberle, Raphael Fuchs, Michelle Hediger, Yeliz Kartal, Lea Lardrot, Susanna Lombardo, Rebecca Schneider, Leonie Stauffer, Nela Weber, Livia Weishaupt, Ladina Widmer, Nora Wüthrich, Sarah Zürcher

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Betrunkene

Tanya Eberle: «Der Regenbogen ist Anderswo – Eine szenografische Symphonie zwischen Seifenblasen und Folie»

Mein Konzept basiert auf der stetigen Überforderung des modernen Menschen. Er ist in allen Lebensbereichen überfordert. Ob Job, Familie oder Liebesleben: In der heutigen Gesellschaft erlegen wir uns einen Selbstdruck auf, welchem nur die wenigsten standhalten. Doch die grösste Angst, die in uns schlummert ist die «Angst vor dem Nichtstun». Verharren wir reglos, so lässt uns dies nur noch mehr erstarren. Diese Unbeweglichkeit wird

im Stück «Der Regenbogen ist anderswo» im Zusammenhang mit dem Betrunkensein thematisiert. Der Alkohol lässt unsere Sinne schwinden, nimmt Geist und Körper in Anspruch. Er macht uns unbeweglich. Und doch wird im berauschten Zustand ausgesprochen und getan, was sonst im Verborgenen bleibt. Anhand verschiedenster Materialitäten sollen diese körperlichen und seelischen Zustände von «Alkoholgeis-

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tern», welche von Tänzerinnen und Tänzern verkörpert werden in den Bühnenraum gebracht werden. Das gesamte Bühnenbild entwickelt sich stetig während der Spielzeit des Stücks anhand dieser Materialitäten. Das Publikum soll auf eine körperliche Rausch-Reise mitgenommen werden und mit den Darstellenden und Tänzerinnen und Tänzern auf dem schmalen Grad zwischen Starrheit und Ausbruch wandeln. Es wird eine Zwischenwelt nahe und doch fernab der Realität erschaffen.


Betrunkene

Lea Lardrot: «Projekt: On! – Wir haben den Bezug zur Realität verloren»

Im Theaterstück «Betrunkene» des russischen Schriftstellers Iwan Wyrypajew sinnieren vierzehn volltrunkene junge Menschen über das Leben. Sie treffen sich in einer Nacht in wechselnden Konstellationen auf dem Laufsteg des Lebens und teilen ihre Lebensweisheiten, offenen Fragen, Beichten und spontanen Liebesgeständnisse. Wo sie sich in einer Szene widersprechen und belehren, wiederholen sie in einer anderen die Worte des Anderen oder greifen auf Zitate aus Spielfilmen zurück, um sich zu erklären.

In diesem nimmt das Publikum auf verschieden hohen Ebenen Platz, welche sich um vier parallel zueinander versetzte Bühnenstege anordnen. Diese Platzierung erlaubt jeder Zuschauerin und jedem Zuschauer eine andere Perspektive auf das Schauspiel. Dazu werden Projektionsflächen in variierender materieller Beschaffenheit eingesetzt, um das Schauspiel mittels versteckter und offener Kameras zu übertragen. Die Übertragung kann verzerrt, versetzt, nur an bestimmten Orten oder aber ganz klar und vom gesamten Publikum gleichzeitig wahrgenommen werden, je nachdem, wie es die Handlung bedingt. Tritt sie diffus in Erscheinung und wirft die Betrachtenden fast aus der Immersion in das Stück – wirkt sie darauffolgend umso stärker, wenn eine plötzliche Erkenntnis der Betrunkenen hell, klar, laut und stark von allen Figuren gleichzeitig gespielt wird.

Diesen Widersprüchen in ihrer Handlung und ihrer Selbst- sowie Fremdwahrnehmung verschafft das Bühnenbild «Projekt: On!» einen Raum.

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Betrunkene

Livia Weishaupt: «Rauschen – Vom Trinken und Sinken»

Wenn die Nacht langsam schlafen geht und der Tag Hallo sagt. Wenn der Boden unter den Füssen klebt. Wenn plötzlich alles wieder klar wird im Kopf, man aber nicht weiss, ob man nun froh darüber sein soll oder man lieber noch etwas über dem Boden geblieben wäre – schön schwebend. Losgelöst vom Boden gehen Menschen auf einem transparenten Kissen, das den ganzen Raum der Reithalle in der Kaserne Basel einnimmt. Sie scheinen leicht zu sein, fast schon zu schweben. Trotzdem gibt das Kissen unter ihren Füssen bei jedem ihrer Schritte nach. Das Gehen fällt schwer. Jede Bewegung beeinflusst die Nächsten. An diesem Abend scheint es, als habe sich jeder ein kleines Stück selbst verloren. Eine Landschaft über der Realität eröffnet den Raum für Iwan Wyrypajews Stück «Betrunkene». Die Besucherinnen und Besucher betreten die Ebene durch eine Wandöffnung in der ersten Etage beim Regiepult. Sie schreiten

auf das leuchtende Kissen und suchen sich selbst einen Platz darauf. Während des Stückes senkt sich diese Ebene kontinuierlich ab, generiert Landschaften und Räume, die von den Schauspielerinnen und Schauspielern genutzt werden können – bis schlussendlich alle Luft aus ihr entwichen ist und sich Publikum sowie Darstellende wieder auf festem Boden befinden. Vom unbefangenen Gefühl des Rauschzustandes in dem alles

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möglich schien, zurück in die rationale, von Konventionen geprägte Welt sinken. So hoch waren wir oben – und jetzt stehen wir da und alles, was uns von der mitreissenden Nacht bleibt, ist das dumpfe Rauschen im Kopf, der Schmutz, der an uns haftet und der Alkohol, der immer noch seine Bahnen durch unseren Körper zieht. So hoch waren wir oben – und nun sind wir unten angekommen, auf dem harten Grund der Realität.


Betrunkene

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Betrunkene

Nora Wüthrich: «Im Rausch – zwischen Nehmen und Geben»

Wir alle befinden uns in einem Zustand des Nehmens. Konsum jeglicher Art prägt unseren Alltag. Doch wann geben wir das, was wir genommen haben zurück? Im Bühnenbild zum Stück «Betrunkene» von Iwan Wyrypajew steht die Frage nach dem Nehmen und Geben im Zentrum der Auseinandersetzung. Dabei gilt eine übergrosse Videokassette als Träger des Bandes des Lebens, das sich abspielt und auf welchem Geschichten festgehalten sind. Die Schauspielerinnen und Schauspieler ziehen dieses Band während der gesamten Spielzeit aus der Kassette und

generieren damit ein sich veränderndes Bühnenbild. Dieses ständige Nehmen lässt neue Formen entstehen, in welchen sich die Charaktere bewegen. Objekte bilden sich ab und werden zu zweidimensionalen Requisiten. Farbfelder rufen bestimmte Atmosphären und Assoziationen hervor. Buchstaben, Wortfetzen, ganze Sätze werden der Kassette entnommen. Weiss auf Schwarz zeichnet das Band den Text ab, gibt den Darstellenden vor, was sie zu sagen haben. Alle Stimmungen, alle Hochs und Tiefs, alle grossen und kleinen

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Dinge, Emotionen, Liebe, all das Glück und Leid, das damit verbunden ist, gibt die Rolle wider. Irgendwann versinken die Charaktere im eigenen Gewirr. Sie verlieren den Überblick und stehen mitten im Chaos ihres Lebens. Sie reflektieren sich im Band und beginnen über ihr Dasein nachzudenken. Bis einer das Zurückgeben entdeckt und dem Wahnsinn durch einen Filmriss ein Ende setzt.


Frühlingssemester 2015

FAITES VOS JEUX! CASINO ST. JOHANN Spielstrategien erfordern Imagination, entführen einen in andere Welten, sind aber auch immer von konkreten Regeln und Gesetzen geleitet. Dieser reizvolle Kontrast induzierte das Projekt. Im Rahmen des Semesterthemas Innenraum und Stadtraum setzten sich die Studierenden mit dem Quartier St. Johann in Basel auseinander und entwarfen dafür einen Casino-Club. Dabei stand die Beziehung zwischen Innenraum und Stadtraum im Mittelpunkt. Im vorgegebenen Raum am Rande des Lysbüchel Areals sollte ein Ort des Zusammenkommens und der Begegnung geschaffen werden. Ein Ort an dem man dem Alltag entflieht, neue Visionen hegt oder in andere Welten eintaucht. Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft sollten an diesem Ort Zeit, Raum und Passion teilen. Der Ort sollte ähnlich wie ein Spielbrett als Plattform für unzählige Spielverläufe dienen. Dozierende: Assistentin:

Eva Hauck, Nader A . Taghavi Dorothea Braun

Studierende: Adrian Beerli, Iasmin Böhringer, Nadja Borer, Tim Brülhart, Marc Eichenberger, Sofia Gianella, Lorielle Hunziker, Fabienne Keller, Valerie Keusch, Christine Kühne, Corinne Morf, Victoria Orrom, Anja Raemy, Samuel Strässle, Angela Wyss, Afrime Zekiri

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Casino St. Johann

Anja Raemy: «Grenzübergänger»

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Casino St. Johann

Formenüberlagerung Räume und Überschneidungen Bedachung

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Bodenniveaus Bodenmaterial Erschliessung


Casino St. Johann

Victoria Orrom: «Die Spielerei»

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Die Spielerei, ein spannungsreicher Ort zwischen Tugend und Laster, Vernunft und Versuchungen des Lebens: zwischen Himmel und Hölle.


Casino St. Johann

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Casino St. Johann

Lorielle Hunziker: ÂŤKulturausschnittÂť

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Interview #2

«Das Ephemere hat für mich den grössten Reiz. Um genau zu sein, diese andauernde Beschäftigung mit dem Augenblick.» Valentin Köhler

Bühnen- und Kostümbildner • •

• •

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Geboren 1986 in Bietigheim-Bissingen (D) Ab 2006: diverse Praktika und Assistenzen u.a. Staatsoper Stuttgart, Opernhaus Zürich, Staatsoper Hamburg, Theater Basel, Komische Oper Berlin 2007–2009: Studium Germanistik und Gesellschaftswissenschaften an der Universität Basel 2009–2012: Studium Innenarchitektur und Szenografie an der HGK mit Erasmussemester an der Kunsthochschule Berlin Weissensee 2012: Abschluss mit dem Projekt «SIE SIND HIER! Von Kreuz- und Irrfahrten». Ein theatraler Abend über die Costa Concordia Seit 2012 als Bühnen- und Kostümbildner freischaffend tätig


Interview #2 Valentin Köhler

1

Wie hat sich Dein Einstieg ins Berufsleben nach dem Studienabschluss gestaltet?

2

Was ist Dein Ansporn und Deine Befriedigung in Deinem aktuellen Berufsfeld?

Durch die vielen Praktika, Assistenzen und eigenen Projekte war mir eigentlich schon vor dem Studium klar, wohin ich will. Diese Erfahrungen, die sich parallel zum Studium noch vertieften, zahlten sich im Anschluss aus. Als Bühnen- und Kostümbildner ist man von verschiedensten Faktoren abhängig. In diesem Bereich wird kein Job ausgeschrieben. Zentral sind persönliche Kontakte mit Regisseurinnen und Regisseuren sowie freien Gruppen und die gemeinsame Lust, etwas zu entwickeln und dann auch zu stemmen. Natürlich gab und gibt es Durststrecken, aber in Kombination mit meiner Rolle als Vater ergibt sich eine schöne und spannungsvolle Balance. Letzen Endes stellt sich ja auch immer die Frage, auf welche Berufsrealität man sich vorbereiten will und kann. Ich kenne kein anderes Umfeld und kann deshalb auch nichts über andere Berufswelten sagen. Etwas zu entwickeln ist für mich der schönste Moment. Man arbeitet teilweise ein Jahr an Projekten, hat Abgaben, Anproben usw. und weiss die ganze Zeit, dass man das alles für einen sehr kleinen Rahmen entwickelt. Das Ephemere hat für mich den grössten Reiz. Um genau zu sein, diese andauernde Beschäftigung mit dem Augenblick. Ausserdem die Tatsache, dass man fast immer an Prototypen arbeitet. Ein 80 m grosser Teppich beispielsweise, der vom Himmel fällt und alles kaputt schlägt braucht natürlich eine Aufhängung und muss gesichert sein. Man mag etwas Ähnliches schon mal gemacht haben, aber nie genau das Gleiche. Also sitzt man zusammen am Tisch und bespricht mit Konstrukteuren, Tischlern, Malern, Plastikern, Bühnenmeistern usw. was möglich ist. Diese Suche nach starken, konzeptuellen Bildern und theatralen Vorgängen, die eine technische Lösung verlangen, ist toll und manchmal natürlich auch nervig. Trotzdem, wenn man schliesslich im Zuschauerraum sitzt und auf der Bühne das Zusammenspiel von Regie, Bühne, Kostümen, Licht usw. ein Ganzes ergibt, ist es immer wieder faszinierend. Das Saallicht geht an und es ist vorbei. Eigentlich auch ein wenig absurd. Ich glaube, das ist auch etwas, das ich sehr mag: das Absurde.

3

Welche Erfahrung, welches prägende Erlebnis im Studium oder direkt danach begleitet Dich noch heute in Deinem Berufsleben?

Es ist nicht ein prägendes Erlebnis, sondern eher eine Feststellung, der ich selbst oft genug begegnet bin und immer noch begegne: die Möglichkeit des Scheiterns. Gerade im Studium war dies für mich ein interessanter und notwendiger Aspekt. Das Scheitern spielt meiner Meinung nach eine grosse Rolle. Wenn ich an Projekte zurückdenke, die ich im Studium gemacht habe, sind das sehr gemischte Gefühle. Diejenigen, an denen ich «gescheitert» bin und welche ich dreimal neu erarbeitet habe, sind mir besser in Erinnerung geblieben als andere. Vielleicht weil daraus eine persönliche Stärke entwickelt wird, die einem für alles, was kommt nützt. Ich denke oft daran zurück und wiederhole beizeiten: wie wichtig und richtig es ist, auch mal komplett durchzudrehen. Konformität gibt es echt schon genug.

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Interview #2 Valentin Köhler

4

Was würdest Du aus heutiger Sicht anders angehen, wenn Du nochmals studieren könntest?

5

Welche Tipps und Ratschläge würdest Du Studierenden von heute mitgeben?

6

Gibt es ein Anliegen, das Du an dieser Stelle unbedingt anbringen möchtest?

Wenn, dann stelle ich mir eher die Frage, ob ich nochmals das Gleiche studieren würde, weil meine Vorstellungen schon vor Studienbeginn sehr konkret waren. Aber wenn ich darüber nachdenke, stelle ich fest, dass ich dann nicht dort wäre, wo ich nun bin: immer noch in Basel, meiner Wahlheimat, mit Familie, halbwegs erfolgreich freischaffend usw. und deshalb hinterfrage ich das nicht so sehr. Was ich wirklich vermisst habe, ist mehr Auseinandersetzung im künstlerischen Bereich und nicht nur im gestalterischen. Für mich sind das zwei paar Stiefel, die man ruhig mal zusammen anziehen könnte. Ich selbst bin ein junger Absolvent gewesen – habe aber schon vorher relativ viele Erfahrungen sammeln können. Ich bange immer ein wenig mit den «direkt nach der Matura Startern». Ich finde, man muss aufpassen, die Schule nicht zu sehr ins Studium mitzunehmen. Man muss darauf vertrauen, dass man an einem Ort ist, der ganz anders funktioniert. Hier sollte es viel mehr um einen selber gehen. Schliesslich gilt es, herauszufinden, welche gestalterische bzw. künstlerische Haltung man hat, was nun einmal äusserst persönlich und auch nicht unbedingt einfach ist. Mir ging es oft so, dass ich mich eingezwängt fühlte – in Zeitblöcke, ETC Punkte, DIN-Formate und Abgabetermine. Ich finde, man sollte ruhig etwas nachhelfen, diesen besonderen Ort einer Kunsthochschule so zu verändern, dass er der eigenen Persönlichkeit besser entspricht und man selbst mehr Platz darin findet. Für mich ist und bleibt die grosse Frage, wie man zu seiner eigenen Arbeit steht, ohne diese zu wichtig zu nehmen. Ich bin der Meinung, dass jeder Diskurs und jede Erfahrung die damit in Zusammenhang stehen extrem wichtig sind. Ich wünsche mir eine inhaltliche Auseinandersetzung, in der man Gestalten und kreatives Schaffen beleuchtet und wiederholt kritisch betrachtet, auch wenn das nicht immer leicht fällt. In welcher Richtung sehe ich mich mehr? Wie sehr will und muss ich an gesellschaftlichen Themen partizipieren und verstecke mich nicht im Elfenbeinturm? Schliesslich geht es doch meistens um Andere und nicht um uns. Diese Diskrepanz auszuloten, sehe ich als Chance.

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Interview #2 Valentin Kรถhler

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Frühlingssemester 2015 / Sommer 2015

KLANGTAUCHER «ZeitRäume Basel» – Biennale für neue Musik und Architektur «Klangtaucher» – Klingende Interventionen im Rheindüker Passend zur ersten Biennale für Neue Musik und Architektur «ZeitRäume Basel» tauchten im September 2015 im Untergrund einzigartige Fusionen von Klang und Raum auf! In einer einmaligen Verbindung von Musik, Architektur und Szenografie bewiesen junge Gestalter, Komponisten und Interpreten ihr Können. Sie entführten auf eine Reise in die Tiefen des Basler Untergrundes, auf welcher man nicht nur die Stadt, sondern auch sich selbst neu erleben konnte. Im Rheindüker (vom niederländischen «duiker», Taucher), einem Leitungstunnel für die städtische Strom- und Wasserversorgung, konnten die Besucher 17,4 Meter unter dem Wasserspiegel des Rheins in neue Klangwelten eintauchen. In sieben Projekten verschmolzen ortsspezifische Kompositionen und Lichtinstallationen mit der einzigartigen, rohen Architektur des Dükers. «Klangtaucher» war ein Kooperationsprojekt der Musikhochschulen FHNW Hochschule für Musik und dem Institut Innenarchitektur und Szenografie, Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW. Aufführungen Freitag, 11.9.2015, 18 Uhr Samsatg, 12.9.2015, 13 und 18 Uhr Sonntag, 13.9.2015, 13 Uhr Projektübersicht: «CORPS AQUATIQUE» verschiedene Stationen und 3. Untergeschoss Komposition: Yiran Zhao Szenografie: Galina Litman Interpretation: Roberto Maqueda, João Carlos Pachect, Christian Rombache, David Krahenmann, Lucia Carro Veiga, Hannah Walter «SOUS REALISMUS» Abstieg Grossbasel, Treppenschacht Komposition: Eleni Ralli Szenografie: Corinne Koller Cello: Matthieu Gutbub, Julia Pfenninger Flöte: Delphine Grataloup

«SUBTLE VIBR ATIONS» 4. Untergeschoss Komposition: Maximiliano Amici Szenografie: Tejashri Kuvalekar Perkussion: Elnaz Seyedi Support: Ivo Ludwig Light-Panels: Daniel Nikles «WECHSELSTROM» Leitungsschacht 3. bis 5. Untergeschoss Komposition: Goni Peles Szenografie: Fabian Petignat, Jonas Vogel «WELLENGANG» Galatreppe 3., 4. und 5. Untergeschoss Komposition: Juan Pablo Orrego Berrios Szenografie: Mirjam Scheerer Saxophon: Noëmi Schwank, Pedro Pablo Camara, Javier Juanals Marquez Perkussion: Christian Smith

«NUCLEUS» Rheindüker – Spatium complicare / explicare Komposition: Adrian Nagel Szenografie: Marisa Jäger Support: Stephan Urech «DEKOMPRESSION» Aufstieg Kleinbasel Szenografie: Marisa Jäger, Corinne Koller, Mirjam Scheerer «KL ANGTAKELN» Neutraler Raum Komposition: Sebastian Meyer Szenografie: Marisa Jäger Posaune: Kevin Austin Fagott: Miguel Perez Klarinette: Mariella Bachmann Tuba: Zizzi Domenico

Projektleitung: Hochschule für Musik Prof. Caspar Johannes Walter Prof. Marcus Weiss Hochschule für Gestaltung und Kunst Prof. Andreas Wenger Rolf Derrer, Atelier Derrer Martina Ehleiter Veranstalter: Verein ZeitRäume zeitraeumebasel.com Beat Gysin (Präsident), Bernhard Günther (Festivalintendant), Anja Wernicke (Zentrale Produktionsleitung), Lisa Nolte (Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation), Lea Metzger (Ticketing) Fotos: Andreas Wenger

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Klangtaucher

«CORPS AQUATIQUE»: Individuelle «Kopfkonzerte» im 3. Untergeschoss «SOUS REALISMUS»: Delphine Grataloup, Flöte, im 5. Untergeschoss

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Klangtaucher

«SUBTLE VIBRATIONS»: Elnaz Seyedi, Perkussion, im 4. Untergeschoss «WELLENGANG»: Galatreppe, 5. Untergeschoss

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Klangtaucher

«WECHSELSTROM»: Leitungsschacht, 3. Untergeschoss «NUCLEUS»: Komponist Adrian Nagel im Rheindüker

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Klangtaucher

«DEKOMPRESSION»: Aufstieg Kleinbasel «KLANGTAKELN»: Mariella Bachmann, Fagott, im neutralen Raum

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Klangtaucher

Eingang zum RheindĂźker am Samstag, 12. September 2015 Cellist Matthieu Gutbub in einer Pause im 3. Untergeschoss

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Herbstsemester 2015 / 16

24-HRS-SHOPTILL-YOU-DROP «Shopping ist wohl die letzte noch übrig gebliebene Form öffentlicher Aktivitäten. Stadtzentren, Flughäfen, Stadien, Museen, Bahnhöfe und sogar das Internet werden von den Mechanismen und den Räumen des Einkaufes geformt.» Guide to Shopping, 2001 Seit einigen Jahren steht das Herbstsemester am Institut für Innenarchitektur und Szenografie im Bereich Innenarchitektur ganz im Zeichen von «Corporate Design». In diesem Rahmen befassten wir uns gemeinsam mit den Studierenden im Herbstsemester 2015 / 2016 mit den Themen «Corporate Identity» und «Corporate Design». Die Studierenden entwickelten Geschichten und Narrationen zu ausgewählten Produkten und generierten daraus räumliche und szenografische Konzepte für die Gestaltung eines Ladens. Dozierende:

Alejandra Garcia Sahelices, Nader A . Taghavi Assistentin: Martina Ehleiter Experten Einstiegsworkshop: Prof. Uwe R. Brückner; Fritz Strempel, LIONOIR GmbH

Studierende: Elena Antoni, Josianne Baumann, Tanya Eberle, Yasmin Emmenegger, Sarah Frey, Julia Füzesi, Nicolas Hofer, Monika Hostettler, Helene Hunziker, Susanne Hürbin, Alisa Knechtli, Corinne Koller, Carlos Linder, Galina Litman, Nina Reinhart, Kesha Rüeger, Chantal Salzgeber Montaño, Mirjam Ingeborg Scheerer, Laura Siebold, Jasmin Stricker, Jonas Vogel, Natascha Vögtli, Alexandra Vontobel, Maya Weber, Ladina Widmer

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24-hrs-shop-till-you-drop

Laura Siebold: ÂŤCocoonÂť Visualisierung Grundriss

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24-hrs-shop-till-you-drop

Kesha Rüeger: «Tales» Grundriss Visualisierung

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24-hrs-shop-till-you-drop

Alexandra Vontobel: ÂŤInclusion WorldsÂť Grundriss Visualisierung

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Herbstsemester 2015 / 16

RAUM-SCHRIFTSPRACHE Unter diesem Titel entwickelten Studierende des Studienganges Innenarchitektur und Szenografie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel individuelle Projektvorschläge für eine wiederkehrende, szenografische Bespielung der Solothurner Literaturtage. In einer thematischen Auseinandersetzung mit Literatur, Schrift und Sprache zu Beginn des Semesterprojektes sowie den konkreten räumlichen Umfeldern im Aussen- und Innenraum erarbeiteten sich die Studierenden eigenständige Perspektiven für ihre Projekte. In Verbindung mit dem neuen, visuellen Erscheinungsbild sollte eine sich ergänzende ästhetische Erfahrung für die Besucher der Solothurner Literaturtage entstehen. Aus den 13 Projekten wählten allen Beteiligten gemeinsam das Projekt «Literatur im Kopf» von Sarah Glauser für die Realisierung aus. In einem kleinen Team von Studierenden, betreut durch Anna Pedemonte, wurde der Projektentwurf überarbeitet und in den Werkstätten der Hochschule erstellt. Dozent: André Haarscheidt Assistentin: Anna Pedemonte Auftraggeber: Verein Solothurner Literaturtage mit Reina Gehrig, Rico Engesser, Peter Luginbühl, Andrea Stebler und Thomas Berger

Studierende: Noëmi Baldelli, Tanja Baltensperger, Liliane Blösch, Eva Chen, Fabienne Fischer, Sarah Glauser, Noël Michel, Corinne Morf, Victoria Orrom, Anja Raemy, Denise Schröder, Stefanie Solèr, Isabel Tobler

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Raum-Schrift-Sprache

Einblick in die Konzeptphase von Sarah Glauser, Fotos und Collagen: Sarah Glauser Collage der Interessensschwerpunkte zu transparenten Textilien sowie Licht- und Schattensituationen Konzeptcollage für die Entwurfsphase «Eintauchen / Offenlesen»

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Raum-Schrift-Sprache

+

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Experimente mit Schattenschablonen und Mischlicht zur Erzeugung von assoziationsfördernden Licht- und Schattenbildern Licht- / Schattenbild mit mehrschichtigen Schablonen Experimente mit Objekten auf Hellraumprojektor Licht- / Schattenexperimente mit mehrschichtigen Textilien Raumcollage «Literatur jagen: Wortfetzen im Pfützenslalom» von Sarah Glauser zur 1. Kurzübung «Beschreibende Stadtbeschreitung – die Stadt als Text» Szenische Lesung als Teamarbeit der 2. Kurzübung «Texte erleben – Dramaturgie und Atmosphäre von literarischen Veranstaltungen», Gruppenarbeit von Tanja Baltensperger, Victoria Orrom und Sarah Glauser 1:1 Raumexperimente zu Lesesituationen


Raum-Schrift-Sprache

Einblick in die Entwurfsarbeit des Projektes «Literatur im Kopf» von Sarah Glauser +

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Visualisierungen der Rahmenmodule als Informationspunkt und Signaletik Konzept für den Einsatz mit textilen Informationsträgern


Raum-Schrift-Sprache

+ + +

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Prototypen und Versuchsanordnungen der Projektionsrahmen Visualisierungen des modularen Systems als moderierte Lesesituation und funktionale Raumteiler im Eingangsbereich des Landhauses Modellversuche zur formal-ästhetischen Annäherung an die Rahmenkonstruktionen eines modularen Tischsystems für Leseund Moderationssituationen Anordnungsmöglichkeiten des Tischsystems bei unterschiedlichen Lesesituationen 1:1 Prototyp des Tischsystems


Raum-Schrift-Sprache

Realisiertes Projekt «Literatur im Kopf» –

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Das Planungs- und Produktionsteam Liliane Blösch, Eva Chen, Sarah Glauser, Corinne Morf und Stefanie Solèr bei der Herstellung des Systems in den Werkstätten der HGK Modultyp Spielortsignalisation vor dem Stadttheater Modultyp Informationsvermittler im städtischen Raum


Raum-Schrift-Sprache

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Raum-Schrift-Sprache

Eingangsbereich des Hauptspielortes ÂŤLandhausÂť. Modultyp Raumteiler mit Tablareinheiten Modultyp Lesesituation, Lesung von Adolf Muschg im Landhaussaal, Foto: Luk Remond / Studio Jeker, 6. Mai 2016

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Interview #3

Mach, worauf du Lust hast – Passion ist die beste Motivation.

Priska Olivetti

Innenarchitektin, Szenografin • • • • • • • • • •

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Geboren 1977 in Basel 1997–1998: Vorkurs B Kunstgewerbeschule in Basel 1998–2001: Lehre als Innenausbauzeichnerin bei Heeb & Schranz Architekten in Basel 2001–2002: Designo AG InnenArchitekten, Basel 2002–2002: Planergemeinschaft Flughafen Zürich, Itten und Brechtbühl Architekten 2002–2005: Vizona AG, Basel 2005–2008: Bachelor of Arts, Innenarchitektur, Szenografie und Objektdesign, Fachhochschule Nordwestschweiz 2009–2012: Wyss + Santos Architekten Basel 2013: Gründungspartnerin und Geschäftsführerin des Innen-Architekturbüros Atelier Olivetti Ben 2015: Gründungspartnerin und Geschäftsführerin des Coworking Space Kleinhafen GmbH im Basler Hafen


Interview #3 Priska Olivetti

1

Wie hat sich Dein Einstieg ins Berufsleben nach dem Studienabschluss gestaltet?

2

Was ist Dein Ansporn und Deine Befriedigung in Deinem aktuellen Berufsfeld?

Nach dem Diplom und einer kurzen Verschnaufpause arbeitete ich vier Jahre in einem Architekturbüro in Basel. Ich konnte als Innenarchitektin den Innenausbau zweier Hotels gestalten und erhielt danach die Projektleitung diverser Einfamilienhäuser. Durch die gesamtheitliche Einbindung in die Projekte habe ich enorm viel gelernt. Dieses Paket an Erfahrung und Wissen ermöglichte es mir, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen: Vor dreieinhalb Jahren gründete ich zusammen mit dem Architekten Subing Ben unser eigenes Büro «Atelier Olivetti Ben». In unseren Gestaltungsprozessen lassen sich Architektur, Innenarchitektur und Möbeldesign nicht klar voneinander trennen. Am Ende sind wir Designer, welche sich mit Leidenschaft auf ein Thema einlassen und komplexe Probleme durch kreative Ideen lösen. Als Szenografin betrachte ich das Geschichtenerzählen im Raum als zentrale Aufgabe. Ich habe es mir zur Regel gemacht, jeden Aspekt der Innenarchitektur und auch der Architektur mit einer Geschichte zu verknüpfen. So stelle ich mir stets von Neuem die Frage, welche Aussage meine Entwürfe machen. Was teilt mir die Proportion eines Raumes mit? Was erzählt das Material im Kontext mit seiner Funktion? Denn letztlich soll uns jede Atmosphäre in ein Märchenland entführen – ein Märchenland, welches in seiner Ganzheit stimmig ist und uns mit absoluter Selbstverständlichkeit erklärt, wie wir uns darin bewegen sollen. Die Frage nach der Narration stellt sich für mich nicht nur auf der Ebene des Konzeptes, sondern in Bezug auf alle Gesichtspunkte, in allen Projektphasen und innerhalb aller Massstäbe. Die Geschichte wird durch den architektonischen Körper erzählt, ebenso durch die Atmosphäre im Innenraum, die Materialisierung, aber auch mit jedem einzelnen Detail innerhalb des Raumes. Eine Fensterbank zum Beispiel, die stabil in eine Fensternische eingebaut ist, ein Büchergestell, welches wie ein Stützpfeiler darunter steht sowie ein Kissen, das in der Nische platziert wird, erzählt die Geschichte der lesenden Person – geborgen in der Nische sitzend und die Sonne geniessend. Dieselbe Fensterbank ohne Kissen wird eher als Arbeitsplatz verstanden. Besitzt die Fensterbank zwar Kissen aber kein Regal darunter, traut man ihr vielleicht nicht genügend Stabilität zu, um sich darauf zu setzen. Deshalb ist jeder einzelne Faktor Teil des Ganzen, denn jede Entscheidung im Prozess hat eine Auswirkung auf das fertige Produkt. Erst wenn die einzelnen Kapitel zu einer Geschichte zusammengewachsen sind, ist das Endprodukt entstanden.

3

Welche Erfahrung, welches prägende Erlebnis im Studium oder direkt danach begleitet Dich noch heute in Deinem Berufsleben?

Als ich im zweiten Studienjahr als Projektarbeit den Entwurf für ein japanisches Teehaus wählte, begann eine unglaublich inspirierende Reise in die japanische Ästhetik. Das Semesterprojekt wurde von Yumi Mukai, der Teemeisterin (Urasenke Prof. Grad) am Museum Rietberg in Zürich begleitet. Von ihr haben wir gelernt, eine Teezeremonie durchzuführen und wurden in die Tiefen der japanischen Kultur und Tradition eingeweiht. Der Entwurf und Bau unseres eigenen Teehauses am Institut an der Spitalgasse, in welchem wir dem japanischen Botschafter in einer Teezeremonie Tee servieren durften, rundete die Semesterarbeit gebührend ab. Teil des Semesters war auch die Studienreise nach Tokio, wo wir die japanische Lebensweise und den starken Kontrast zwischen Technik und Tradition hautnah erleben durften. Die mit Highlights angefüllte Reise wurde mit viel Liebe und Professionalität organisiert und von allen Studierenden vorbereitet. Diese zehn Tage sind mir noch immer sehr präsent und als wunderschöne Momente in Erinnerung. Aus dieser Zeit habe ich extrem viel mit auf meinen Weg genommen. Zusammenfassend kann ich es vielleicht am treffendsten als Respekt betiteln. Die Feinfühligkeit in der Materialwahl, die Wichtigkeit des Details und das Anstreben einer Gesamtheit basieren in der japanischen Ästhetik immer auf Respekt.

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Interview #3 Priska Olivetti

4

Was würdest Du aus heutiger Sicht anders angehen, wenn Du nochmals studieren könntest?

5

Welche Tipps und Ratschläge würdest Du Studierenden von heute mitgeben?

Rückblickend auf mein Studium stelle ich fest, dass ich eine Chance, welche allen Studenten offen steht, leider nicht genutzt habe: die Möglichkeit, das Studium oder einzelne Semester in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land zu absolvieren. Das Studentendasein ist prädestiniert dazu, den Wohn- und Lebensort zu verlagern. Einerseits ist das Angebot der Universitäten und Fachhochschulen vorhanden und andererseits findet man sich als Student in einer unglaublich flexiblen Lebensphase, die es zulässt, mit wenig Geld das Maximum an Abenteuer zu erleben. Ich glaube heute, dass der Wechsel der Stadt zwar die Umstände des Studierens nicht vereinfacht, jedoch das Erlebnis Studium in all seinen Aspekten verstärkt. Die Einbindung in ein neues Netzwerk und die konstante Beeinflussung durch Neues erlaubt eine Immersion, welche der Kreativität einen enormen Impuls verleihen kann. • • • •

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Mach, worauf du Lust hast – Passion ist die beste Motivation. Zähle die Jahre nicht – der Zeitfaktor ist zweitrangig. Spezialisiere Dich nicht zu früh – teste alles aus, bleibe frei. Mach es nicht alleine – die Community ist der Schlüssel zum Grossen.


Interview #3 Priska Olivetti

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Herbstsemester 2015 / 16

LE GRAND JEU Soziale Szenografien im Landschaftsraum Wiese

Das Semesterprojekt «Le Grand Jeu – soziale Szenografien im Landschaftsraum Wiese» stand in direktem Bezug zum IBA Projekt «Ideen- und Projektwettbewerb für kontextbezogene und partizipative Kunstinterventionen im Landschaftsraum Wiese». Die Studierenden der Hochschule Kunst, Design und Populäre Musik Freiburg, der Haute école des arts du Rhin in Mulhouse sowie der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel entwickelten gemeinsam performative und partizipative Formate für den Landschaftsraum Wiese im Sinne einer Aufwertung, Betrachtung und Aktivierung des öffentlichen Landschaftsraumes als theatralen Raum. Wiese bezeichnet, nicht wie umgangssprachlich angenommen werden könnte, ein «landwirtschaftliches Grünland», sondern den Fluss gleichen Namens, welcher aus dem Schwarzwald kommend Teile des Kantons Basel-Stadt passiert, um kurz vor der französischen Grenze in den Rhein zu münden. Überwiegende Gebiete des Landschaftsraumes dienen der Trinkwasserproduktion der Stadt Basel. Dem Projekt «Le Grand Jeu» inhärent waren die forschenden Fragestellungen hinsichtlich experimenteller Darstellungs- und Verständigungsformen von Prozessen und Aktivitäten im Landschaftsraum Wiese: «wie sehen wir», «wie spielen wir», «wie erzählen wir» und «wie handeln wir». In dieser Dokumentation sind unterschiedliche Darstellungsund Vermittlungsformen enthalten, welche im Rahmen des Ideenund Projektwettbewerbes der IBA in Form von Texten, Zeichnungen und konzeptionellen Darstellungen ihren Niederschlag fanden. Die Darstellungen entsprechen bis auf die Ausnahme des «Regio(Kunst) weges» der zweiten Zwischenabgabe vom 4. April 2016; zu diesem Zeitpunkt stand nicht fest, welche Beiträge die Jury der IBA für eine Umsetzung im September 2016 empfehlen würde. Dozent: Wenger Andreas Assistentin: Julia Büchel Fachexpertinnen und -experten (Jury): Sandrine Wymann, Commissaire Kunsthalle Mulhouse (FR), Dr. Ines Goldbach, Direktorin Kunsthausbaselland (CH), Dr. Christine Litz, Direktorin Museum für Neue Kunst Freiburg (DE), Peter Pakesch, Intendant Universalmuseum Joanneum (AT)

Studierende: Larissa Fehr, Recha Hiller, Lorielle Hunziker, Yeliz Kartal, Susanna Lombardo, Michèle Müller, Danaë Neuhaus, Pia Schwarz, Anja Spiegel, Claudia Urbani, Nicola Weber, Nora Wüthrich, Afrime Zekiri

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Le Grand Jeu

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Le Grand Jeu

Die in der Recherche-Phase per Zufall verteilten zu begehenden und recherchierenden Orte im Landschaftspark Wiese wurden von Studierenden und Dozierenden individuell kartografisch notiert und zu einem neuen Gesamtbild des Landschaftsraumes vereint. Die Zulosung der Orte erfolgte – in Anlehnung an die von Raoul Bunschoten in «Urban Flotsam: Stirring the City» publizierten Methode – mittels nummerierter, auf die Karte des Landschaftsparks geworfener Bohnen.

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einem Quadratmeter. Ein veränderbarer, privater Raum, der unzählige Geschichten erzählt. Auf einer minimalen Fläche wird anhand von persönlichen Gegenständen und hinterlassenen Spuren erfahrbar Bereits aus der Ferne ist die Installation gemacht, wer hier lebt und wie er sein «living space» durch ihre Platzierung auf Leben organisiert. dem offenen Feld sichtbar. Das Objekt Was sind die Grundbedürfnisse ist ein geheimnisvolles Konstrukt, das zur eines Menschen, der sich am Rande der Partizipation auffordert. Gesellschaft bewegt und sich ein GrenzBetrachtende erfahren die Installation nur mittels aktiver Bespielung in ihrem gebiet als Zuhause ausgesucht hat? Wie versorgt er sich mit Wasser? Wie vollen Umfang. Dies geschieht erst, wenn schützt er sich vor der Witterung? Wie sie sich dazu entscheiden, in die Behaugrenzt er sich vom Umraum ab? Ein Leben sung einzudringen, also die Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum auf das Minimum reduziert, um die eigene, grenzenlose Freiheit zu generieren. Wie zu durchbrechen. Exponiert auf dem äussert sich diese grenzenlose Freiheit bei Feld und vorerst nicht als ein «Zuhause» uns persönlich und welche Grenzen darf erkenntlich, entfaltet sich das Objekt man ziehen oder muss man überschreiten? auf einer Grundfläche von weniger als

Le Grand Jeu Larissa Fehr, Gaby DelCid: «living space – Grenzen – los?»

Das Projekt «living space» behandelt die Thematik der Grenze in verschiedenen Kontexten. Zum Beispiel über die Platzverteilung, welche das gesellschaftliche Zusammenleben ermöglicht, aber auch begrenzt. Das in der Nähe gelegene Empfangszentrum des Bundesamtes für Migration, die riesige Bepflanzungsanlage sowie die nahe Landesgrenze verdeutlichen die Thematik fiktionaler Grenzen, die doch sehr real sind und sich auf das Raumgefühl auswirken. Der grenzüberschreitende Aspekt wird durch die aktive Bespielung der Installation am eigenen Leibe erfahrbar.

Überreste der Behausung von Dandy im Landschaftsraum Wiese Dandy Candy Gentle Man, der ehemalige Besitzer der Behausung Larissa Fehr beim Aufbau der eigenen Behausung für den Landschaftsraum Wiese Der aufgebaute Prototyp auf dem Freilagerplatz Innenraum-Detail des Prototypen Lageplan der Installation im Landschaftsraum Wiese Erste Modellversuche für den Prototypen Fotos: Larissa Fehr

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Wie geht die Stadt Basel mit diesem Weg Le Grand Jeu Nicola Weber: «Regio(Kunst)weg – und dessen Bedeutung und somit auch mit dem einst verfolgten Ziel um? Und wie tut dies Weil am Rhein? für den Landschaftspark Wiese» Was könnte im schlimmsten Fall mit diesen Kunstwerken passieren? Würden sie wieder Aufmerksamkeit erregen oder fiele «Die IBA soll einen Beitrag dazu leisten, es überhaupt auf, wenn sie nicht mehr das Dreiland nicht segmentiert, sondern existierten? Oder würden sie eher Beachals Ganzes wahrzunehmen.»1 tung finden, wenn sie weitergebaut und umgestaltet würden? Um auf eine derartige Intention einzuDie Kunstwerke werden im Modell gehen, muss im Vorfeld das bereits verändert, bearbeitet und weitergesponnen. Versuchte analysiert werden. Inwiefern Die Natur spielt hierbei eine zentrale Rolle. schafft es Kunst, die Segmentierung des Dreilandes aufzulösen? Da sich diese Da der Landschaftsraum «Wiese» ein Idee im Landschaftsraum Wiese anbietet, Naherholungsgebiet ist, darf dieser Aspekt nicht ausser Acht gelassen werden. wurden solche Ambitionen hier bereits Die Entwürfe werden unterschiedlichen in der Vergangenheit angestrebt. Instanzen vorgeführt und anhand der jeweiDer «Regio(Kunst)weg» verfolgte ligen Reaktionen wird weitergearbeitet. 1999, bei der Eröffnung von «Grün99» Ziel ist es, dass die Kunstwerke wieder für ein ähnliches Ziel: Der von Weil am Rhein Aufmerksamkeit sorgen. nach Basel Stadt führende Weg wurde Offen bleibt, ob die Kunstwerke mit Kunstwerken gesäumt, die sich mit tatsächlich nächstes Jahr vor Ort verden beiden Ländern auseinandersetzten. ändert werden oder ob rein die konzepSechzehn Jahre später kann man nun die Überreste dessen betrachten, was die tionelle Auseinandersetzung bleibt. beiden Länder hätte verbinden sollen.

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Modellversuche, wie das Werk «...Im Glück» von Stefan Hösl weiterentwickelt werden könnte Modellversuche, wie das Werk «Vorübergehend Platz nehmen» von Ueli Michel, Yves Trump und Barbara Köhler weiterentwickelt werden könnte Modellversuche, wie das Werk «Amenocal» von Paul Suter weiterentwickelt werden könnte Modell des Werkes «...Im Glück» von Stefan Hösl (im aktuellen Zustand) Modell des Werkes «Vorübergehend Platz nehmen» (im aktuellen Zustand) Massaufnahme des Werkes «...Im Glück» von Stefan Hösl Fotos und Zeichnung: Nicola Weber

1 «Gemeinsam über Grenzen wachsen», IBA Basel 2020. Zitat: Dr. Hans-Peter Wessels, Regierungsrat Kanton Basel-Stadt


durch Transducer (Körperschallwandler) in Eigenresonanz versetzt und durch Kontaktmikrofone verstärkt. Die Klanginstallation dokumentiert den geschichtlichen Verlauf des Otterbaches in akusDie Erholungssuchenden geniessen und tischer Form. Ortspezifische Klänge erleben die «Natur» bei ihrem Besuch wurden aufgezeichnet und anschliessend des Landschaftsraumes Wiese. Doch wie soweit verfremdet, dass sie sich unmerknatürlich ist dieser Landschaftsraum, wenn es sich dabei um einen Industriepark lich mit den Klängen des Ortes mischen handelt und alles von Menschen künstlich und mit diesen überlagern. Diese gesammelten Klänge sollen erschaffen wurde? Nichts fliesst oder wächst natürlichen Ursprunges. Die Klang- die Geschichte und die Vergangenheit des alten Otterbaches sowie den industriellen installation übersetzt unbewusste, lange Charakter der unterirdischen Gas- und vergessene Kräfte der Natur und den Ölleitungen, die sich inmitten des NahEinfluss des Menschen in Klänge. Die erholungsgebietes befinden, klanglich Installation erzeugt im öffentlichen Raum hörbar machen. Der Zuhörer begibt sich Klangbilder über Lautsprecher. Durch die exakte Positionierung von in ein Spannungsfeld zwischen Naturklängen und transformierten Klängen. kleinen Lautsprechern, die auf Plexiglasscheiben (30 x 30 cm) angebracht werden Was genau zu hören ist, bleibt ungewiss. Die Installation wird interaktiv und in unterschiedliche Richtungen ausgerichtet sind, entsteht ein akustischer gesteuert und durch Bewegungsmelder ausgelöst. Die Palette der Geräusche, Raum. Die Plexiglasscheiben werden

Le Grand Jeu Afrime Zekiri: «musique concrète»

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ihre Klangfarben und Lautstärken variieren. Die Installation findet an drei ausgewählten Standorten statt, welche auf der Karte verzeichnet sind und über die gesamte Dauer von drei Monaten läuft. Für die Klanginstallation ist weder eine Vernissage noch eine Finissage notwendig. Begehung des Landschaftsraumes mit Studierenden der Hochschule Kunst, Design und Populäre Musik Freiburg und der Haute école des arts du Rhin Skizze der Sound-Installation mit Transducern und Acrylglas-Platten Rekonstruktion der verschiedenen Läufe des Otterbaches Kartografie des Gebietes Nr. 18, Otterbachweg. Darstellung der Sound-Installation Titelblatt der Projekteingabe zum «Ideen- und Projektwettbewerb für kontextbezogene und partizipative Kunstinterventionen im Landschaftsraum Wiese» Fotos und Zeichnungen: Afrime Zekiri


Frühlingssemester 2015

VISUALISIERUNG UND PLANGRAFIK Ab Frühjahr 2017 wird ein ehemaliges Büro- und Schulungsgebäude am Rande der Zürcher Binz frei. Die Stadt Zürich übernimmt das Gebäude als Globalmieterin und will dieses zu einem Senioren- und Pflegeheim umbauen. Inspiriert durch erfolgreiche Pilotprojekte aus Japan und den USA wird die Trägerschaft einen Kindergarten im Seniorenheim integrieren. Kinder werden dort von Seniorinnen und Senioren unterstützt oder lernen z. B. alte Handwerkskunst von ihnen. Umgekehrt wirken die Kinder vitalisierend auf die Heimbewohnerinnen und -bewohner und geben ihnen das Gefühl, gesellschaftlich wieder stärker integriert zu sein. Wie eng der Kindergarten und das Seniorenheim unter Berücksichtigung unserer kulturellen Gegebenheiten ineinandergreifen können, will die Stadt anhand unterschiedlicher Konzeptstudien prüfen lassen. Basierend auf persönlichen Erfahrungen und fachlichen Recherchen erarbeiteten die Studierenden eine eigene Haltung zu den Themen Integration von alternden Menschen sowie generationenübergreifenden Wohn- und Schulungsmöglichkeiten. Die Studierenden entwarfen das gemeinsam genutzte Erdgeschoss. Diese Aufgabe beinhaltete die Gestaltung des Eingangs- und Garderobenbereiches, des Empfangs- und Sekretariatsmobiliars sowie des Kindergartens. Auch die zonengerechte Beleuchtung gehörte zum Entwurf. Zur adäquaten Darstellung der Konzepte nutzten die Studierenden Schnittstellen bereits erlernter Architektur- und Grafikprogramme. Neue Visualisierungstrends wurden vermittelt und mit den Studierenden weiterentwickelt. Modelling, Texturierung, die realistische Ausleuchtung einer 3D-Szene sowie Bildbearbeitung bildeten den Kern der Lehrveranstaltung. Dozent: Martin Nievergelt Layoutinput und Schlusskritik: Edith Spettig

Studierende: Sandra Antille, Adrian Beerli, Iasmin Böhringer, Tim Brülhart, Marc Eichenberger, Raphael Fuchs, Michelle Hediger, Fabienne Keller, Rebecca Schneider, Leonie Stauffer, Samuel Strässle, Nela Weber, Andrea Winiger, Angela Wyss, Sarah Zürcher

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Visualisierung und Plangrafik

Angela Wyss: «Tischlein deck dich» Leonie Stauffer: «Generationenhaus» Nela Weber: «Playground»

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Visualisierung und Plangrafik

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Visualisierung und Plangrafik

Angela Wyss: «Tischlein deck dich» Grundriss inklusive Beleuchtungsplan Freigestelltes Rezeptionsmöbel inklusive Planzeichnungen Visualisierung Empfangsbereich

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Visualisierung Rezeption 4.09

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Grundriss Rezeption | 1:20

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1.23

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Ansicht Rezeption | 1:20

Schnitt A_a Rezepetion | 1:20

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Visualisierung und Plangrafik

Leonie Stauffer: «Generationenhaus» Grundriss inklusive Beleuchtungsplan Freigestelltes Empfangsmöbel inklusive Planzeichnungen Visualisierung Kindergarten

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Empfangsmöbel aus Eschenholz / Kastentüren geätztes Floatglas / Frontscheibe mit Logo

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Ansicht 1:20

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Nela Weber: ÂŤPlaygroundÂť Grundriss inklusive Beleuchtungsplan Freigestellter Empfangstresen inklusive Planzeichnungen Visualisierung Kindergarten

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Visualisierung und Plangrafik

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DIPLOM

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Diplom

Der Institutsbezeichnung folgend fokussieren wir uns bei den Aufgabenstellungen für die praktische Bachelor-Thesis auf eine innenarchitektonische und eine szenografische: Wir tun dies, um die entwurfsmethodische Nähe wie auch die Überschneidungen dieser beiden Berufsfelder zu betonen und den Blick auf Raum (real, virtuell) und menschlichen Massstab (Nutzende, Rezipierende, Publikum) als gemeinsame Nenner zu schärfen. Es liegt uns viel daran, die Räume, die wir entwerfen, konzipieren und umsetzen von der Wirkung her zu denken, welche sie auf die Menschen haben. Beide Bachelor-Aufgabenstellungen führten uns an Orte ausserhalb Basels, in andere Kultur- und Sprachregionen: Nach Sofia, in die Hauptstadt Bulgariens und nach Montreux, in die Stadt des internationalen Montreux Jazz Festivals in der französischsprachigen Schweiz. Beiden Aufgaben waren Fragen des Umgangs mit jüngerer Zeitgeschichte gemeinsam: In Form der baulichen Heimat des über fünf Jahrzehnte hin weltweit bedeutend gewordenen Austragungsortes alljährlicher Jazz-Venues und in Form des Monumentes zum 1’300. Jahrestag der Staatsgründung Bulgariens aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. An beiden Orten stellten sich uns Fragen zur Neuinterpretation von Zeichen der Identitätsstiftung und ihrer Anpassung an die Gegenwart. Die beiden Aufgabenstellungen lauteten: «Monument. Denkmal – oder urbanes Statement? Szenografische Intervention(en) rund um Sofias Denkmal ‹1’300 Jahre Bulgarien›» — Prof. Uwe R. Brückner «Montreux Music Experience Center» — Nader A. Taghavi

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Diplom 2015

Blick in die Ausstellung Fotos: AndrĂŠ Haarscheidt

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Diplom 2015

Marc Eichenberger «Denkmal Kunst – Ein neuer Boden für die Gegenwart am Fundament der Geschichte» Ein Blick auf die politische Umgebung und die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung offenbart, dass der Abriss des während der kommunistischen Ära gebauten Monumentes «1’300 Jahre Bulgarien» wohl oder übel in naher Zukunft durchgesetzt wird. Ausgehend von dieser Annahme stellt mein Konzept den Versuch dar, einen Mittelweg zwischen der partiellen Erhaltung der historischen Substanz und der Neuinszenierung dieses für die nationale Identität wichtigen Ortes zu finden. Doch wie ersetzt man ein Denkmal – oder vielmehr: Sind die starren und monumentalen Formen von Denkmälern heute überhaupt noch zeitgemäss? Gerade in demokratisierten und pluralistischen Gesellschaften stösst die monochrome Repräsentation zunehmend auf Ablehnung. Man will sich zwar mit sich selbst und dem System in dem man lebt auseinandersetzen, um gemeinsame Werte zu finden, doch sind dafür heute die unabhängigen Stimmen immer wichtiger. Die Kunst der Gegenwart bietet die Möglichkeit einer solchen kritischen Auseinandersetzung, ohne dass dabei der Verdacht auf politische Instrumentalisierung aufkommen muss. Vor diesem Hintergrund schlägt die hier dargelegte Arbeit einen Ort vor, der Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt dazu einlädt, mit ihm und seiner Substanz zu arbeiten. Die abgeschliffenen Grundmauern des Monumentes dienen dabei gleichzeitig als Bühne für die Interventionen wie auch als Atelier für die eingeladenen Kunstschaffenden. Durch die offene Architektur wird den Parkbesucherinnen und -besuchern die Möglichkeit geboten, die jeweiligen Prozesse der Künstler live mit zu verfolgen und sich so selbst aus nächster Nähe mit dem zu entstehenden Werk auseinanderzusetzen. Die periodisch wechselnden öffentlichen Ausstellungen der Künstler und KünstlerGruppen beleben nicht nur den Park immer wieder neu, sondern tragen auch das Bild einer lebendigen Stadt nach Aussen. Also: Denkmal nach. Denkmal Kunst! Betreuer: Mentor: Assistent:

Prof. Uwe R. Brückner Dirk Schubert, Atelier Schubert Bernhard Schweizer

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Marc Eichenberger: Modellansicht, Rückbau bis auf Grundmauern des Monumentes Visualisierung einer möglichen künstlerischen Intervention

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Nela Weber «Insight – Der Blick hinter die Mauern Eine Rauminszenierung in monumentalen Hohlräumen» Das Monument «1’300 Years of Bulgaria» deute ich in seinem heutigen Zustand als Phänomen: Knapp 35 Jahre nach seiner Errichtung repräsentiert es Bulgarien mehr denn je. Es ist in seiner Monumentalität prahlerisch und selbstgefällig. Als Konstruktion wirkt es gesprächig, chaotisch und verwirrend. Dennoch vermag das Monument eine gewisse mystische Anziehungskraft auszustrahlen. Diesen Aspekt hebt die vorliegende Diplomarbeit hervor. Das Monument wird stärker mystifiziert, indem seine bis anhin verschlossenen Hohlräume begehbar gemacht werden. Nicht nur ein neuer Zugang wird somit geschaffen, vielmehr ermöglicht der durch die Innenräume angelegte Parcours den Besucherinnen und Besuchern unbekannte Blicke und andere Perspektiven auf das Monument. Von den historischen Mauern umgeben, werden die Besucherinnen und Besucher durch die drei Hohlkörper des Monumentes geführt. Diese legen nacheinander den «Blick auf das Monument», den «Blick auf die Gesellschaft» und den «Blick auf sich selbst» frei. In den Räumen treffen die Besucherinnen und Besucher auf Vergangenes, Aktuelles, Visionen und Wünsche. Die raumgreifenden Inszenierungen und der mit unterschiedlichen Bewegungspraktiken verbundene Parcours zielen auf eine erneute, jedoch andersartige Auseinandersetzung mit dem Monument, seinen geschichtsträchtigen Räumen und den formulierten Inhalten. Die Blicke hinter die Mauern, auf die Gesellschaft und auf sich selbst sollen den Diskurs über die Zukunft des Denkmals erneut auslösen, schärfen und vielleicht sogar fördern. Betreuer: Mentor: Assistent:

Prof. Uwe R. Brückner Dirk Schubert, Atelier Schubert Bernhard Schweizer

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Nela Weber: Visualisierung: Wendeltreppe zur neuen Aussichtsplattform Visualisierung: Zugang zum Monument Modell

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Leonie Stauffer «The Montreux Jazz Archive» 5’000 Stunden euphorische Konzerte des Montreux Jazz Festivals auf Audio- und Videospuren – gelagert im Jazz Archive am Seeufer von Montreux: Hier wird das wertvolle Gut des weltbekannten Musikfestivals archiviert, präsentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Visionen des Festival-Begründers Claude Nobs sollen an diesem Ort weiterleben. Junge Künstlerinnen und Künstler sollen gefördert und die Musik soll für möglichst viele Menschen erreichbar sein. Das Montreux Jazz Archive ist eine Plattform für Musik-Talente und ein Ort für Musikbegeisterte. Hier kann nicht nur die gesamte Geschichte des Montreux Jazz Festivals erforscht werden, es werden auch Workshops und Veranstaltungen angeboten. Die Vernetzung und der Austausch zwischen internationalen Musikern und Musikliebhabern sollen gefördert werden und einen Ort erhalten. Das Montreux Jazz Archive befindet sich als Raum-im-RaumGebilde im Gebäude des Montreux Music & Convention Centre. Eine Kassettenfassade lädt die Besucherinnen und Besucher in das Archiv der Jazzmusik ein. Dieses befindet sich auf drei Niveaus. Die Archivkästen in den oberen und unteren Etagen regen zum Stöbern und zum Erforschen der Musikgeschichte der letzten fünfzig Jahre an. Die mittlere Etage befindet sich auf der gleichen Ebene wie der Eingang und bildet das Herzstück des Archivs. Hier erhalten die Besucherinnen und Besucher Informationen zum Montreux Jazz Festival und zu den Workshops. Im Jazz-Café können die Gäste innehalten und der Jazzmusik lauschen. Im Untergeschoss, wo das Archiv in den kommenden Jahren weiter wachsen wird, ist auch ein Veranstaltungsraum untergebracht. Jam-Sessions, Konzerte und Videoabende finden hier im Ambiente eines Jazz-Clubs statt. Das Montreux Jazz Archive vereint die Ideen, Künstlerinnen und Künstler zu fördern, Musik vielen Menschen zugänglich zu machen und das Archiv lebendig zu halten. Es ist der Ort, wo die Musik spielt. Betreuer: Mentor: Assistentin:

Nader A. Taghavi Sergio Casucci Dorothea Braun

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Leonie Stauffer: Visualisierung: Blick von den Haupteingängen zum Archiv Schemadarstellungen Ober-, Erd- und Untergeschoss Visualisierung: Interaktive Informationstische im Erdgeschoss


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Angela Wyss «The Archive Box – Eintauchen in die Musikgeschichte des Montreux Jazz Festivals» Das Montreux Jazz Festival weckt Emotionen und weist unzählige musikalische Höhepunkte auf. Mit einem neu gestalteten Archiv im Music & Convention Centre soll in Form einer «Archive Box» die digital erfasste Musikgeschichte erfahrbar und erlebbar gemacht werden. Die neue Erschliessung des Gebäudes an der Uferpromenade zieht die flanierenden Besucherinnen und Besucher an und lässt sie in eine begehbare Archive Box eintauchen. In drei räumlichen Abfolgen werden Emotionen geweckt und haptische sowie audiovisuelle Eindrücke vermittelt. Das erste Raumvolumen steht im Zeichen der Emotion und des Eintauchens. Fünf überdimensionale Auszüge aus dem Archiv lassen die Besucherinnen und Besucher prägende Ereignisse des Jazz-Festivals räumlich erfahren. Die Faszination für die Musikgeschichte und die Lust am Entdecken werden dabei geweckt. Das nachfolgende zweite Raumvolumen ist ein umfassendes Blätterarchiv, welches die rund 50’000 digitalisierten Konzerte der letzten fünfzig Jahren umfasst. Durch das individuelle Durchblättern der vielfältigen Musikereignisse entsteht ein Rückzugsort, welcher zum Versinken und Forschen einlädt. Die Masse des digitalen Vermächtnisses wird somit haptisch, visuell und auditiv erlebbar. Nach den prägnanten emotionalen und visuellen Eindrücken bildet ein Café den idealen Ort, um das Erlebte ausklingen zu lassen. Die familiäre Atmosphäre regt zum Austausch der gesammelten Impressionen an. In eingebetteten Raumnischen innerhalb des Cafés bietet sich zusätzlich die Möglichkeit, eine audiovisuelle Konzertaufnahme abzuspielen. Beim Verlassen der «Archive Box» wird den Besucherinnen und Besuchern somit ein Eindruck der Einzigartigkeit des Montreux Jazz Festivals mit auf den Weg gegeben. Betreuer: Mentor: Assistentin:

Nader A. Taghavi Sergio Casucci Dorothea Braun

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Angela Wyss: Visualisierung Archiv Visualisierung CafĂŠ

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Theoriearbeit

Samuel Strässle «Vom Graffiti bis zum politischen Ikonoklasmus – Gegensymbole als Chance für eine diskursive Denkmalrezeption» Inhaltsverzeichnis

1.

Vom Graffiti bis zum politischen Ikonoklasmus

1.1

Einleitung

1.1 1.2 1.3

Vom Graffiti bis zum politischen Ikonoklasmus Einleitung Das Denkmal: Definition und Begriffe Kritik am Objekt Denkmal

2.

Symbole und Gegensymbole

3. 3.1

Eine Typologie der Gegensymbole Die Zerstörung des Symbols als Gegensymbol Politischer Ikonoklasmus von Oben Politischer Ikonoklasmus von Unten Modifikation und Addition – Symbol und Gegensymbol im Dialog Das Denkmal als Meinungsforum Wenn das Gegensymbol zum Symbol wird Das deutungsoffene Gegensymbol Der dauerhafte Dialog – Das Gegendenkmal

1.

3.1.1 3.1.2 3.2 3.2.1 3.2.2 3.2.3 3.2.4 4.

Fazit – Die Typologie als Methode für eine diskursive Rezeption

5. 5.1 5.2 5.3

Anhang Abbildungen Abbildungsverzeichnis Literaturverzeichnis

Betreut durch: Prof. Dr. phil. Claude Enderle

Der Diskurs um Sinn und Unsinn der Errichtung von Denkmälern und deren Erhaltung ist vermutlich so alt wie das Denkmal selber. Besonders nach Phasen grosser politischer oder sozialer Umbrüche sah und sieht man sich nicht nur mit der Frage konfrontiert, wie man mit den Symbolen aus der Vergangenheit verfahren soll, sondern auch, ob und in welcher Form eine eigene Identität, Werte sowie ein damit verbundenes Geschichtsverständnis in die Zukunft getragen werden sollen. So entfachte sich in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eine bis heute andauernde Kontroverse darüber, wie mit dem Gedenken an den Schrecken des Holocaust umgegangen werden soll und ob es in einem derartigen Gefüge überhaupt möglich ist, etwas Anderes als Mahnmale zu errichten.1 Dies mündet ganz allgemein in der Frage, ob es heute überhaupt noch einer symbolhaften und einseitigen Darstellung von Ereignissen und Personen bedarf, oder ob eine solche vor dem Hintergrund der Demokratisierung des Wissens bereits obsolet geworden ist. Auf der anderen Seite steht die Frage der Wirkung: Funktionieren Denkmäler heute überhaupt noch? Oder werden diese in einer informationsübersättigten und schnelllebigen Gesellschaft wie der unseren zum blinden Fleck hinter dem Wikipedia-Eintrag auf dem Smartphone-Bildschirm? Dass diese Unsichtbarkeit übrigens keineswegs ausschliesslich ein Phänomen unserer Zeit ist, zeigt neben anderen die Aussage von Nicolaj Punin von 1920: «Die meditierenden Gestalten auf Granitsockeln sehen möglicherweise sehr viel, aber sie werden nicht gesehen.». 2 Ein Denkmal, welches von der Gesellschaft nicht mehr als solches wahrgenommen wird und seine Symbole verliert, verfällt zur ästhetischen Plastik, zum kunstvoll gestalteten Möbel in der Fussgängerzone. 3 Was aber muss ein Denkmal erfüllen um als solches zu funktionieren? Jochen Spielmann verweist hier auf die rituelle Rezeption: Ein Denkmal lasse sich nicht über das Objekt definieren, sondern über seine Funktion in der Öffentlichkeit. 4 Konkret bedeutet dies, dass

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das Denkmal zum Ort oder Objekt einer Auseinandersetzung über das Tradierte werden muss – sowohl im affirmativen – als auch im ablehnenden Sinne. 5 Es sind also nicht nur die Kranzniederlegungen oder die Schulklassen, welche vor der Helvetia Geschichtsunterricht betreiben, die für das Selbstverständnis des Denkmals elementar sind, sondern auch die diversen Formen von Störungen oder gar Zerstörungen. Schliesst man den ungerichteten Vandalismus aus, offenbart sich ein gemeinsamer Nenner der Angriffe, die vom Graffiti bis hin zur Sprengung reichen: Es handelt sich um Gegensymbole, die untrennbar mit dem primären Symbol verbunden sind. So zeugen beispielsweise Vandalenakte durch Minderheiten von einer hohen Bereitschaft, für die eigene Sache einzustehen. Dabei sind es gerade die Momente der Illegalität und der Auflehnung, der Rückgriff zur Gewalt (im weitesten Sinne) sowie das Verlangen nach dem öffentlichen Aufsehen, die auf die Brisanz der Anliegen verweisen. Auf der anderen Seite lassen sich Beispiele von passiven Denkmalschändungen ausmachen. Von einer solchen kann gesprochen werden, wenn ein System oder eine politische Mehrheit nicht mehr bereit ist, für die Pflege ihrer historischen Zeugen aufzukommen und diese dem Zerfall überlässt. Dass das vorgelegte Themenfeld ein sehr heikles ist, zeigt sich bereits in der Frage nach der Legitimation: Wann darf eine Gesellschaft – und darf sie es überhaupt – Symbole aus der Vergangenheit aufheben und somit Teile der eigenen Geschichte auslöschen? Handelt es sich bei solchen Denkmälern um designierte Kulturgüter, wird ein Akt der Schändung oder gar Zerstörung nicht nur zum Angriff auf die Kultur selbst, sondern ist gleichbedeutend einem Angriff auf das kulturelle Erbe der Menschheit. 6 Diese Problemstellung abschliessend zu analysieren würde jedoch den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen. Es soll stattdessen untersucht werden, inwiefern die angesprochenen Formen von Einflüssen den Wert von Denkmälern in der heutigen Zeit bestätigen können. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Diversität sowie einen möglichen kulturellen Mehrwert solcher Gegensymbole aufzuzeigen. Dazu soll im Hauptteil eine Typologie versucht werden, bei welcher über die Ausarbeitung von gemeinsamen Aspekten das Feld der Gegensymbole umrissen werden kann. Können sich derartige Eingriffe wiederum selbst zu einem erhaltenswerten (Gegen-) Symbol entwickeln und damit als denkmalwürdig anerkannt werden? Im besten Fall eröffnen uns die gewonnen Erkennt-

nisse eine Methode, die zu einer diskursiven Denkmalrezeption beiträgt.

1.2

Das Denkmal: Definition und Begriffe

Der Begriff Denkmal unterliegt zum einen seiner im Laufe der Zeit unterschiedlichen Deutung und zum anderen dem Problem eines auch gegenwärtig sehr heterogenen Gebrauchs. Dieser reicht vom Natur- bis hin zum Bau- oder Kunstdenkmal und kann so für fast alle Objekte, Objekteinheiten oder Orte mit einem beinahe beliebigen Erinnerungswert Verwendung finden.7 Eine frühe Differenzierung, die vermutlich auf Alois Riegls Schriften zurückzuführen ist und bis heute Verwendung findet, ist die Unterscheidung zwischen Denkmal im engeren und Denkmal im weiteren Sinne. 8 Während ein Denkmal im weiteren Sinne Objekte bezeichnet, welchen im Nachhinein ein kulturhistorischer Wert beigemessen wird, spricht man bei Denkmälern im engeren Sinne von Werken, welche bereits in der Absicht hergestellt wurden, an eine Person oder ein Ereignis zu erinnern. 9 Denkmäler, die als solche hergestellt werden, interpretieren das Darzustellende künstlerisch, nicht zuletzt auch mit dem Ziel, einen unterstützenden ästhetischen Mehrwert zu generieren. Sie richten sich an eine Öffentlichkeit und werden demnach an einem, dem inhärenten Anliegen möglichst entsprechenden, öffentlichen Platz aufgestellt. Jeder Vollzug einer Denkmalsetzung hegt in sich den Anspruch einer Dauerhaftigkeit, welche sich nicht zuletzt auch in den verwendeten Materialien wie Stein und Bronze manifestiert. In diesem Moment zeigt sich dieser Akt dann auch als zeitliche Brücke: Eine aus der Gegenwart getätigte Interpretation der Vergangenheit soll in die Zukunft getragen werden.10 Ein direkter Bezug zum Dargestellten über eine Figürlichkeit oder eine Inschrift am Denkmal ist dabei für dessen Selbstverständnis unerlässlich. Wenn ein Denkmal nicht als solches erkannt wird, verliert es seine Funktion und wird bestenfalls zur ästhetischen Plastik.11 Im Gegensatz zur Kunst ist ein Denkmal demnach nicht selbstreferenziell, sondern muss als Zeichen auf lange Frist verstanden werden, das auf etwas hinweisen will.12 Bei der nachfolgenden Untersuchung werden ausschliesslich Beispiele von intendierten Denkmälern innerhalb ihres politischen Kontextes besprochen, insofern wird auch der Begriff Denkmal wie oben dargelegt verwendet. Der Begriff schliesst ausserdem sowohl das Mahn- als auch

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das Ehrenmal mit ein, da sich in gewissen Fällen eine solche Wahrnehmung verschieben kann. Trotz dieser Einschränkungen soll nicht ausgeschlossen werden, dass Gegensymbole nicht auch auf Denkmäler im weiteren Sinne und ausserhalb einer politischen Rezeption angewandt werden können. Um solche Fälle jedoch zu besprechen, müsste ein erweitertes Instrumentarium herangezogen werden, was unter den gegebenen Umständen nicht möglich ist.

Blocher gehegten nationalen Geschichtsbilder durch den Historiker Thomas Maissen gesehen werden. Keine oder nur wenige der von der rechtskonservativen Partei popularisierten geschichtlichen Bezüge hielt einer Prüfung durch den Historiker stand.16 Genau genommen kann man hier von einer bewusst einseitigen und auch falschen Darstellung historischer Ereignisse zum Zweck der politischen Bindung sprechen. Dass solche Mythen aber auch heute noch durchaus gut funktionieren, zeigt sich nicht zuletzt am Erfolg der Partei. Ganz allgemein gesprochen zeichnet sich nach wie vor ein Bedarf an (nationaler) Identifikation und einem damit verbundenen Wir-Gefühl ab, was uns auch gleich zu der nächsten Frage führt, die wir an das Denkmal stellen müssen: Inwiefern sind diese statischen Kommunikatoren überhaupt noch als Sinn- und Wertestifter geeignet? Wie bereits in der Einleitung angesprochen, finden sich in der Literatur immer wieder Stimmen, die das Denkmal im öffentlichen Raum als unsichtbar bezeichnen, insofern es sich – seiner Präsenz zum Trotz – einer allgemeinen Aufmerksamkeit entzieht.17 Ekkehard Mai und Gisela Schmirber führen einen veränderten Anspruch der Gesellschaft ins Feld: «Nicht Mahn- und Denkmal, ästhetischer Konsum, Freizeitsensation und Unterhaltung im Phantasialand der Geschichte ist hier angesagt, wenigen dürfte dieses wie viele seiner Artgenossen auch Geschichte, Bildung und Erbauung sein. Die in ihm monumentalisierten Werte sind dahin; (...)».18 Anders ausgedrückt läuft die einseitige und statische Ausformulierung des Denkmals Gefahr, das Individuum einer unterhaltungs- und informationsgeprägten Gesellschaft zu langweilen. Die heutige sehr vielfältige Medienlandschaft wirbt dem Denkmal in diesem Sinne die Kunden ab: Bedarf es einer Erinnerung an eine Person oder ein Ereignis, finden sich schnell Radio- oder Fernsehsendungen, Magazine, Blogs oder Ausstellungen, welche nicht nur an den jeweiligen Jahrestagen wortgewandt und tendenziell differenziert über das zu Memorierende berichten. Durch den einfachen Zugriff von zu Hause aus lässt sich zusätzlich fast jedes beliebige Sujet auf vielfältige Art und Weise betrachten. Der öffentliche Raum droht als Ort der Erinnerung obsolet zu werden, da diese nun auch bequem und einem eigenen Regelwerk folgend von zu Hause aus vollzogen werden kann. Wolfgang Eberl fragt sich, ob es überhaupt eines Beethoven-Denkmals bedarf, wenn jeder Bürger die Möglichkeit besitzt, sich seine Musik zu beschaffen.19 Der Umkehrschluss einer pluralistischen Gesellschaft, welche sich beinahe barrierefrei

1.3

Kritik am Objekt Denkmal

Heutzutage herrscht in den meisten Ländern ein positiver Konsens über die Erhaltung von kulturellem Erbe. Obwohl Denkmälern ein solcher Status schnell verliehen wird, finden sich immer wieder zahlreiche Stimmen, welche sich nicht nur gegen das Ob und das Wie von Neuerrichtungen aussprechen, sondern auch Bestehendes auf seinen Sinn und Nutzen hinterfragen. Eines der Kernprobleme liegt dabei in der statischen Interpretation der Vergangenheit:13 Ein Denkmal zeigt immer nur einen selektiv ausgewählten Punkt in der Geschichte, welcher in seiner Darstellung nicht zwangsläufig einem Wahrheitsanspruch genügen muss. Sieht man das Denkmal als historisches Argument, so manifestiert sich sein Wert nicht in einer differenzierten Argumentation, sondern ausschliesslich über die Monumentalität seiner Darstellung sowie seiner Präsenz im öffentlichen Raum. Insofern geht es einem Denkmal auch nicht um Objektivität, sondern um die Vermittlung von Wertvorstellungen durch subjektive Deutung. Hier stellt sich nun die Frage, ob und inwiefern solche einseitigen Darstellungen von Ereignissen oder Personen überhaupt adäquate und gerechtfertigte Mittel sind, um Erinnerungswerte zu schaffen. Denkmäler sind per se nicht deutungsoffen, sondern geben dem Rezipienten eine Leserichtung vor. Es steht ihm zwar frei, ob und wie er die Botschaft auffassen will, doch eröffnen sich ihm auch keine Alternativen.14 Während Denkmäler früher ein beliebtes Mittel der Politik und der öffentlichen Erziehung darstellten, welche nicht zuletzt auch Identität stiften sollten, stellt man sich heute einem Staat der Werte vermitteln will eher kritisch gegenüber.15 In einer individualisierten Gesellschaft, welche jederzeit auf vielfältige Medien zurückgreifen kann, erweckt eine einseitige historische Darstellung sehr schnell den Verdacht einer politischen Instrumentalisierung. Als junges Beispiel aus der Schweiz kann hier die Demontage an den von der SVP und Christoph

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alle möglichen Informationen und Medien beschaffen kann, ist die Frage, inwieweit überhaupt noch konsensfähige Darstellungen mittels Denkmälern möglich sind. Wurden einst Denkmäler von der herrschenden Macht ausgewählt und aufgestellt, wird es in einer mitbestimmenden Gesellschaft schwierig, gemeinsame Nenner zu finden. Zum einen muss eine Diskussion geführt werden, ob ein Denkmal überhaupt nötig und sinnvoll ist, und zum anderen wie und in welcher Form es referenzieren soll. Da das Denkmal, wie oben beschrieben, immer nur eine sehr einseitige Darstellung sein kann, erschwert sich das Ganze insofern, als man sich auf einen mehrheitsfähigen Aspekt einigen muss. Dass solche Einigungen nur sehr schwierig zu erreichen sind, zeigen die Debatten, welche unlängst im Vorfeld der Errichtung des Holocaust Denkmals in Berlin geführt wurden. Lässt sich ein Denkmal über eine diskursive Einigung finden, wäre dies nach Jochen Spielmann «ein Beispiel für eine kollektive Identität». Er fügt hinzu: «Hierbei ist der Prozess bis zur Errichtung des Denkmals wichtiger als das Denkmal selbst.». 20 Um diese Schwierigkeiten wenigstens partiell zu umgehen, bietet sich der Rückgriff auf die Kunst an. Ein Kunstwerk ist in vielerlei Hinsicht deutungsoffen, erlaubt individuellen Zugang und fördert eine dialogische Praxis. Zwar lässt sich auch über Kunst streiten, jedoch lassen sich hinter ihr – sofern das Kunstwerk aus der freien Intention des Künstlers heraus entstanden ist – keine direkten und instrumentalisierenden Absichten eines allfälligen Auftraggebers ausmachen. 21 Diese Autonomie macht ein Werk nur schwer angreifbar, auch wenn es sich wie Pablo Picassos Guernica auf ein konkretes historisches Ereignis bezieht und dazu Stellung nimmt. Das Gemälde erfüllt somit viele Kriterien, um nachträglich als Denkmal (im weiteren Sinne) wahrgenommen zu werden. Nicht zuletzt aufgrund solcher Beispiele wird Kunst im öffentlichen Raum als logische und demokratische Nachfolge des Denkmalwesens gesehen. 22 Die Vorteile, welche ein solches Umdenken bringen würde können aber auch zu Stolpersteinen werden. Da sich die darstellende Kunst immer weiter sowohl von einer Gegenständlichkeit, als auch von allgemein gültigen Konventionen entfernt, wird sie immer schwerer deutbar und ist in vielen Fällen ohne ergänzende Erklärung ihrer Botschaft enthoben. 23 Dies birgt einige Probleme: Zum einen gerät so die Funktion des Denkmals als Zeichen auf lange Frist ins Wanken, insofern eine uns heute vielleicht vertraute Lesart von nachfolgenden Generationen nicht mehr

entschlüsselt werden kann. Ausserdem wird aus dem Zeichen für die Öffentlichkeit ein Gefüge, dessen Botschaft nur noch von Eingeweihten entziffert werden kann. Zum anderen läuft die Botschaft selbst Gefahr, inhaltlich zu einem Kompromiss einer offenen Aussage zu werden, welche rückwirkend auf den Bezug zum Ereignis, das Ereignis selbst sowie dessen Stellenwert in einer Gesellschaft keine Verbindlichkeit mehr hat und so auch als Sinn- und Identitätsstifter nicht mehr funktionieren kann. 2.

Symbole und Gegensymbole

Der Anspruch der jeweiligen Urheber, dass das Denkmal ein dauerhafter Appell oder eine Lehre für eine Öffentlichkeit bilden soll, verweist auf einen diskursiven Aspekt. 24 Insofern wird der Denkmalsetzer zum Sender und die Öffentlichkeit zum Empfänger eines historischen Argumentes. 25 Die Wahl, welche Aspekte aus der Gesamtheit der Geschichte es verdienen, monumental überliefert zu werden, fällt der Person, Institution oder politischen Macht zu, die das Denkmal errichten lässt. Ist die Auswahl und die damit verbundene Hervorhebung eines Ereignisses bereits selbst als interpretativer Blick auf die Geschichte zu verstehen, wird das Ereignis über die Art und Weise seiner Darstellung ein zweites Mal interpretiert. Ganz generell kann gesagt werden, dass Geschichte immer nur unter der «Rahmenbedingung einer jeweiligen kulturellen Gegenwart rekonstruiert werden kann». 26 Damit zeigen sich die Geschichte und vor allem Geschichtsbilder als «soziale Rekonstruktionen»27. Das persönliche oder öffentliche Erinnern geht also weit über das beliebige Abrufen von gespeicherten Daten hinaus. Assmann bezeichnet es daher als kreativen und modellbildenden Prozess. 28 Betrachtet man nun ein Denkmal genau, so sagt es streng genommen mehr über die Zeit aus, in der es errichtet wurde, als über die Zeit, auf die es referiert. 29 Ein Denkmal zeigt uns also nicht nur einen Punkt in der Geschichte, sondern auch wie die Geschichte wahrgenommen und bewertet wurde. Das Denkmal soll in dieser Hinsicht aber nicht nur als blosses Zeichen verstanden werden, welches auf etwas verweist, sondern als Symbol, da es das, was es bezeichnen will auch als Sinnbild in sich trägt und verkörpert. 30 Es beschränkt sich jedoch nicht nur auf einen Ähnlichkeitsbezug, sondern lädt sich zusätzlich mit Bedeutung auf, welche auf herkömmliche Weise nicht kommuniziert werden kann. 31 Das Denkmal wird somit zum Symbol in

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zweifacher Hinsicht: Es ist zum einen ein abstrahierter und damit symbolischer Verweis auf etwas Vergangenes, zum anderen wird es – sofern dies gelingt und auch wahrgenommen werden kann – dadurch zum Symbol für das Werteverständnis der Setzer. Die hier dargelegten Vorbemerkungen schienen wichtig, um die Stellung des Gegensymbols im Diskurs um das Denkmal klären zu können. Die nachfolgenden Beispiele sollen aufzeigen, dass es sich bei einigen der – von den Denkmalsetzern nicht intendierten – Eingriffe am Denkmal bei genauer Betrachtung nicht um einfachen Vandalismus handelt, sondern um einen diskursiven Moment, quasi einen Dialog mit dem Symbol, welches durch das Denkmal repräsentiert wird. Der Begriff des Vandalismus zeigt sich hier problematisch, da er als übergeordneter Terminus für die zu besprechenden Eingriffe zu vage ist. Mit ihm transportiert sich eine Konnotation von Willkürlichkeit, Unwissenheit und Stumpfsinn. 32 Insofern die Frage nach der Motivation hinter Vandalismus überhaupt beantwortet werden kann, fände man diese wohl am ehesten in einer ungerichteten Wut oder in der Freude an der Zerstörung selbst. Das Besprühen einer Telefonzelle mit Tags 33 kann auf einer semantischen Ebene jedoch nicht gleichgesetzt werden mit einem GraffitiKommentar an einem Denkmal, welcher das Dargestellte in Frage stellt. Das Gegensymbol verneint die Wirkung des Denkmals nicht, sondern bezieht sich aktiv darauf und richtet sich so gegen die Geschichtsinterpretation oder die Gesellschaft selbst, welche hinter dem Symbol steht. In gewissen Fällen kann es auch als affirmativ bezeichnet werden, da es sich derselben Wirkungsmittel bedient (wie beispielsweise der Öffentlichkeit, Dauerhaftigkeit und Einseitigkeit der Darstellung) wie das Denkmal selber. 34 Der Begriff des (politischen) Ikonoklasmus scheint an dieser Stelle zwar ebenfalls treffend, da dieser sich dezidiert gegen das Bild und dessen Aussage richtet, um eine Gegenstellung zu erreichen. Da er sich aber mehrheitlich auf eine endgültige Beseitigung oder Zerstörung der unliebsam gewordenen Symbole bezieht, zeigt er sich nur als teilweise adäquat. Es wird sich zeigen, dass die Formen von Gegensymbolen um einiges vielfältiger sind als die blosse Zerstörung von Denkmälern – auch wenn diese als solche auch Beachtung finden wird. Aus diesem Grund soll hier der Versuch einer Typologie der Gegensymbole gewagt werden, denn erst das Aufzeigen der Bandbreite wird es zulassen, dass man dieser Form von Einflüssen auf das Denkmal einen Namen geben kann. Weiter oben

wurde bereits umrissen, welche Ansprüche wir an ein Gegensymbol stellen müssen, um es als solches zu bezeichnen: Es bezieht sich auf das vom Denkmal evozierte Symbol, sowohl in seiner intendierten als auch in seiner nachträglich (von späteren Generationen) zugewiesenen Wirkung und setzt ein entsprechendes Gegenzeichen. Dieses Zeichen muss zwingend als Symbol für ein oppositionelles Gedankengut lesbar sein, da es sich sonst als ungerichteter Vandalismus offenbaren würde. Eine nun anzufertigende Typologie soll sich auf die Art und Weise beziehen, wie das Gegensymbol mit dem Symbol in einen Dialog tritt. Hierfür bietet sich die Unterscheidung zweier Typen an: Zum einen ist es die Zerstörung des Symbols, bei welcher der Akt an sich das Gegensymbol darstellt und zum anderen sind es addierende und / oder modifizierende Einflüsse auf das zu Grunde liegende Symbol, bei welchen das Gegensymbol auch ausserhalb des Aktes sichtbar bleibt. In der im Kapitel 1.3 angeführten Kritik haben wir gesehen, dass die Debatte um Sinn und Unsinn des Denkmals, um seine Wirkungsfähigkeit sowie dessen Obsoleszenz in der Gegenwart und den damit verbundenen möglichen Ersatz durch Kunst im öffentlichen Raum heute nach wie vor rege geführt wird. Der Umstand aber, dass sich Gegensymbole finden lassen belegt, – und dies mag vermutlich ein wenig paradox klingen – dass Denkmäler auch heute noch durchaus in ihrer Wirkung funktionieren können. Zusätzlich tragen solche Gegensymbole das Potential in sich, eine solche Wirkung wieder zu verstärken, indem die Botschaft zum Gegenstand der öffentlichen Aufmerksamkeit wird. Droht ein Denkmal nach seiner feierlichen Eröffnung zum blinden Fleck zu werden, sorgt ein Gegensymbol nicht nur für erneute mediale Rezeption, sondern vermag es im besten Fall auch wieder zum Gegenstand einer Kontroverse zu erheben und damit in einen aktuellen Dialog einzubetten. 3.

Eine Typologie der Gegensymbole

3.1

Die Destruktion des Symbols

Nicht immer ist das, was zerstört wurde auch für immer verloren. Dies zeigt uns – hier mehr als Anekdote gedacht – die Geschichte des Atheisten Diagoras von Melos, welcher 415 v. Chr. in Athen wegen Gotteslästerung verurteilt wurde und die Stadt verlassen musste. 35 Als dieser bei einem Philosophen zum Essen eingeladen wurde und

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angewiesen war, kurz auf den köchelnden Eintopf aufzupassen, zerhackte er ohne Umschweife eine Götterstatue, als ihm das Brennholz ausging. 36 Inwiefern dieser Akt nun als symbolisch zu werten ist, sei dahingestellt. Spannend ist aber, dass diese Zerstörung einer Holzstatue durch die Überlieferung einen Erinnerungswert erlangt hat, welcher nun schon über 2’400 Jahre anhält. Es ist höchst fraglich, ob das Holz und damit die Statue selbst diese Zeitspanne überdauert hätten. Die Zerstörung von Symbolen zeigt sich als sehr weites und komplexes Feld, welches hier unmöglich abschliessend besprochen werden kann. Wir werden uns stattdessen mit zwei Beispielen von gestürzten Denkmälern begnügen müssen, welche wir auf ihre Gegensymbolik hin untersuchen. Während wir beim ersten Beispiel einen beinahe schon typischen Fall von politischen Ikonoklasmus von Oben vor uns haben, bei welchem die nachfolgende politische Macht die Spuren ihrer Vorgänger öffentlichkeitswirksam beseitigt, zeigt uns das zweite Beispiel einen Sturz von Unten, also als ein von einer Minderheit ausgehendes Symbol, welches sich gegen die politische Mehrheit richtet.

dam Husseins diktatorisch geführtem Regime darzustellen. Der Konflikt erreichte eine aussergewöhnlich hohe mediale Präsenz, denn die USA setzten hier zum ersten Mal sogenannte embedded journalists ein, welche direkt in die Truppen eingebunden wurden und so eine möglichst positive Konnotation der Kampfhandlungen vermitteln sollten. 39 Neben dem Zeigen von militärischen Erfolgen fanden sich dann auch viele Bilder, welche die Demontage des Regimes nicht nur dokumentieren, sondern vielmehr auch als Symbole für dessen Untergang gelesen werden sollten. Der unverzügliche Sturz der Statue auf dem FirodosPlatz schien sich als unverzichtbares und kräftiges Symbol anzubieten, da dieser nicht lediglich die Entthronung Saddams und Zdamit den militärischen Erfolg veranschaulichte, sondern auch eine irakische Bevölkerung zeigte, welche sich am Sturz beteiligte und so wiederum symbolisch den kriegerischen Eingriff der USA als Befreiung legitimiert. Dass eine solche Wirkung eines Gegensymbols nicht dem Zufall überlassen werden soll und daher auch möglichst treffend inszeniert und instrumentalisiert wird, offenbart sich unter anderem auch in der Auswahl der veröffentlichten Bilder. Auf den Titelseiten, welche über den Sieg berichteten, dominierten vor allem zwei Fotografien: 40 Die erste zeigt die Statue in Schräglage mit einem Stahlseil um den Hals, welches aus dem linken Bildrand läuft. Der gewählte Ausschnitt lässt offen, wer die Statue vom Sockel zieht, obwohl es sich nachweislich um ein amerikanisches Armeefahrzeug handelte. Die jubelnde Bevölkerung wurde so im Bild platziert, dass man über die Anzahl der Beteiligten im Ungewissen bleibt, jedoch den Eindruck einer grösseren Ansammlung erhält. Nach Karl Stingeder liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den ca. 150 Personen gar um Statisten gehandelt haben könnte. 41 Die zweite Fotografie zeigt einen anonymen amerikanischen Soldaten, welcher das Gesicht der Statue mit der amerikanischen Flagge verdeckt. Diese Szene zeigt keine jubelnden irakischen Bürger und läuft Gefahr, eher als Sinnbild einer aufgezwungenen Eroberung, als der einer Befreiung gedeutet zu werden. 42 Insofern wurde diese Abbildung dann auch von denjenigen Zeitungen bevorzugt, welche dem Einsatz eher kritisch gegenüber standen. 43/44 Vor dem Hintergrund, dass der Aufwand für den Sturz einer Statue im Vergleich zu den übrigen Anstrengungen eines Krieges relativ gering ist, offenbart sich hier der Wert eines solchen. Auch wenn die Rezeptionen der Fotografien und damit ihre Interpretation unterschiedlich ausfallen, wurde der Sturz konsequent

3.1.1

Politischer Ikonoklasmus von Oben

Findet ein Regimewechsel statt, muss sich die neue politische Macht fast zwangsläufig mit der Frage auseinandersetzen, wie sie mit den Herrschaftssymbolen der Vorgänger verfahren will. Gerade der Umgang mit Denkmälern zeigt sich dann insofern als problematisch, da diese zum einen historische Zeugen darstellen, deren Erhaltung auf längere Sicht angezeigt wäre, aber auf der anderen Seite aufgrund ihrer semantischen Eindeutigkeit nicht einfach uminterpretiert werden können. 37 Die Denkmäler bleiben Symbole, welche in einem positiven Sinn auf die unmittelbaren Vorgänger verweisen. Eine in der Geschichte sehr häufig gewählte Lösung dieses Problems stellt der unverzügliche Sturz solcher Denkmäler dar. Ein geradezu mustergültiges Beispiel lässt sich in der Statue des ehemaligen Staatspräsidenten Saddam Hussein finden, welche am 9. April 2003 in Bagdad von amerikanischen Soldaten vom Sockel gerissen wurde. Für die USA zeigte es sich von Anfang an schwierig, die kriegerischen Handlungen gegen den Irak international zu legitimieren, nicht zuletzt da die für einen solchen Präventivkrieg völkerrechtlichen Grundlagen fehlten. 38 Insofern waren die Amerikaner bemüht, den Angriff als einen Befreiungsakt der Iraker von Sad-

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als (inszeniertes) Symbol für den amerikanischen Sieg wahrgenommen, welches auch heute noch über die gespeicherten Bilder als solches anerkannt und rezipiert wird. Die Zerstörung des Denkmals, welches Saddam sich selber widmete, wurde zum Symbol gegen das Symbol seiner Herrschaft, während die Bilder, welche davon berichten zu einem längerfristigen Symbolträger avancieren.

krieges zu erinnern. 47 Sowohl die Gruppe als auch Pascal Hêche, welcher zu einem späteren Zeitpunkt als einziger Mittäter verhaftet und verurteilt wurde, sahen in der Justitia-Allegorie zum einen ein Symbol für die Gerechtigkeit von Bern, welche aus ihrer Sicht keine mehr sein konnte und deshalb gestürzt werden musste, zum anderen auch als ein Symbol für die Stadt selbst. 48 Während andere Aktionen, die sich graduell unterschieden und in gewissen Fällen auch humoristische Ansätze aufwiesen, von den Medien teilweise als positiv oder zumindest adäquat konnotiert wurden, stiess die Zerstörung des 1549 von Hans Gieng fertig gestellten und als kulturelles Erbe designierten Brunnens fast ausschliesslich auf Ablehnung. Hans Furrer, der damals amtierende Denkmalpfleger von Bern, bezeichnete den Angriff schliesslich als verblendeten Terrorismus. 49 Er verwies auf den Unterschied, dass die dargestellte Justitia nicht das Symbol einer institutionalisierten Gerechtigkeit sei, wie es von den Béliers aufgefasst wurde, sondern das Prinzip der Gerechtigkeit verkörpere. 50 Auch das richterliche Urteil gegen Pascal Hêche machte diesbezüglich eine Unterscheidung, indem es die Tat nicht als Mittel anerkannte, um politische Ziele durchzusetzen, sondern als eine Tat ansah, welcher politische Motive zu Grunde lagen. Vor diesem Hintergrund zeigt sich die Situation, dass erst das Gegensymbol das Symbol als solches bezeichnete. Dies unterstützt der Umstand, dass der Gerechtigkeitsbrunnen von einer breiten Öffentlichkeit wohl primär eher als kunsthandwerkliches Objekt und nicht als ein Denkmal im engeren Sinne wahrgenommen wird. Aber auch wenn hier eine Verschiebung stattfand, insofern dem Symbolträger ein anderes – oder besser gesagt ein erweitertes – Symbol zugesprochen wurde, ist fragwürdig, ob der ikonoklastische Akt der Béliers deswegen unverstanden blieb. Mag auch der ganzen Angelegenheit ein Sprach- oder Übersetzungsfehler unterlaufen sein, konnte, – und dies als Behauptung – der symbolische Dialog doch öffentlich nachvollzogen werden. Betrachten wir nun unsere beiden Beispiele aus der Ferne, zeigt sich die Eigenart in der Beziehung zwischen Symbol und Gegensymbol bei Ikonoklasmen: Ausserhalb des Aktes der Zerstörung selbst bleibt von dem dialogischen Moment zwischen Symbol und Gegensymbol im Regelfall nichts mehr übrig, ausser den sekundären Medien (wie Film, Fotografie oder schriftliche Zeugnisse), die den Akt dokumentieren. Während die Saddam Hussein Statue restlos entfernt wurde, findet sich in Bern nun eine originalgetreue Kopie

3.1.2

Politischer Ikonoklasmus von Unten

Während sich Grossmächte vieler Ressourcen bedienen können, um ihre politischen Anliegen durchzusetzen, sehen sich Minderheiten oft mit einer Ohnmacht konfrontiert, insofern sie über keine oder nur wenige Mittel verfügen, um für ihre Interessen zu kämpfen. Im vorherigen Beispiel wurde die starke Wirkung von Ikonoklasmen deutlich, unter anderem zeigt sich diese in der hohen medialen Beachtung, die ihnen zuteil wird. Der zerstörerische Angriff auf den Gerechtigkeitsbrunnen in Bern 1982 durch die jurassische Separatistengruppe Béliers veranschaulicht, dass auch kleinere Gruppierungen auf solche Symbole zurückgreifen, um ihren Protest öffentlichkeitswirksam zu inszenieren. Am Morgen nach dem Sturz der Justitia-Figur, die mit einem Flaschenzug vom Brunnensockel gezogen wurde und daraufhin am Beckenrand zerschellte , gingen bei den lokalen Zeitungen Mitteilungen der Groupe Bélier ein. Diese wiesen den Sturz als Symbol für die eigene Sache aus, bekannten sich aber nicht explizit zu der Tat. 45 Die Aktion stiess auf heftige Kritik von allen Seiten. Auch der Kanton Jura erklärte öffentlich, dass man diese Tat der Béliers kategorisch missbillige, fügte aber an, dass man nach der Haltung, welche der Kanton Bern zu den Betrügereien die zur Aufspaltung des Jura geführt habe, einnahm, über solch verzweifelte und isolierte Elemente nicht überrascht sei. 46 Die Groupe Bélier, eine militante Jugendorganisation, die sich für die Vereinigung des Südjura mit dem übrigen Jura einsetzt und damit gegen das Vorgehen des Kantons Bern in dieser Sache protestierte, war bekannt für radikale Methoden, um die eigenen Anliegen öffentlichkeitswirksam zu propagieren. Als Ziel ihrer Anschläge wählten sie oft Objekte mit einem hohen symbolischen Wert, wie beispielsweise die Entführung des Unspunnensteins oder mehrere Angriffe auf den Wachposten, eine steinerne Statue des Künstlers Charles L’Eplattenier, die 1924 errichtet wurde, um an die bewaffnete Neutralität der Schweiz während des Ersten Welt-

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des Gerechtigkeitsbrunnens , an welcher keinerlei Verweise auf die Béliers mehr auszumachen sind. Den Ausnahmefall bilden Ruinen, an welchen die Spuren des Angriffes noch sichtbar sind. Da bei einer beabsichtigten Zerstörung aber die auch nur teilweise Erhaltung des vorangehenden Symbols nicht intendiert ist, fällt der Ruine auch nicht der Status einer gewollten, sondern der eines ungewollten dialogischen Momentes zu. Insofern kann bei Ikonoklasmen gesagt werden: Weil das Gegensymbol in der Zerstörung selbst liegt, verschwindet es unweigerlich auch mit dem Symbol, da es an dieses gekoppelt ist.

(im weitesten Sinne) sind durchwegs kein junges Phänomen, sondern sind gleich den Ikonoklasmen wohl fast genau so alt wie das Artefakt selber. Ein Beispiel aus dem Jahr 1925 berichtet von der Eröffnung eines Wehrmännerdenkmals auf dem Bruderholz in Basel, welches in der Nacht vor den Feierlichkeiten mit roter Farbe angemalt wurde . 51 Trotz des Bemühens, die Farbe noch rechtzeitig zu entfernen, blieben Spuren der Reinigung und der Farbe für das Publikum nach dem Fall der Schweizerfahne, die es verhüllte gut sichtbar. 52 Der Anschlag ging auf Mitglieder der Kommunistischen Partei Schweiz, unter anderem Paul Tahlmann, zurück. Obwohl die Farbe Rot mehrere Deutungen zulässt, insofern sie sowohl für Liebe, Blut, die Schweiz oder für den Kommunismus stehen könnte, erhärtet sich aus ihrer Setzung im Kontext zu dem patriotisch-militärischen Denkmal eine spezifische Konnotation. Hier zeigt sich, dass die Art und Weise wie der Eingriff auf das Denkmal referiert – die rote Farbe weist sich als Fremdkörper aus, setzt sich aber in Bezug zum Dargestellten – auf einen Symbolgehalt hinweisen kann. Das Gegensymbol wird also als solches nicht nur lesbar, weil es sich von dem Symbol abhebt, sondern ist auch deutbar, weil es sich auf die Aussage des Symbols bezieht. Während in diesem Beispiel die Farbe Rot zur Abstraktion einer Aussage wurde, stellt sich nun die Frage, inwiefern eine konkrete Aussage am Denkmal als Gegensymbol gewertet werden kann. Ob mit Filzstift, Sprühdose oder eingekerbt – Kommentare, Tags oder Zeichensymbole finden sich überall. Während einige von ihnen spezifische Aussagen machen, wie Beispielsweise «Nazis raus», bestehen andere nur aus der Unterschrift des Autors (sogenannte Tags). Die meisten dieser Graffitis funktionieren in ihrer Aussage unabhängig von dem Ort, an dem sie sich befinden. Es ist dann in diesem Sinne mehr als Zufall zu betrachten, wenn solche an Denkmälern angebracht werden. Die für uns interessante Ausnahme stellen diejenigen Kommentare dar, welche von dem Denkmal nicht unabhängig funktionieren können, da ihr Sinn, respektive ihre Botschaft, ausserhalb des Denkmals nicht die gleichen wären. Einige solcher Kommentare fanden (und finden sich vermutliche heute noch) im Marx-Engels Forum in Berlin. Das parkartige Forum ist eine Denkmalanlage, welche im Jahr 1986 eingeweiht wurde und als zentrale Skulptur ein Denkmal der beiden marxistischen Vordenker zeigt: Karl Marx, sitzend dargestellt und Friedrich Engels, welcher neben ihm steht. 53 Die aus Bronze gegossenen Figuren schauen in

3.2

Modifikation und Addition – Symbol und Gegensymbol im Dialog

3.2.1

Das Denkmal als Meinungsforum

Unter dieses Kapitel fallen neben anderen auch all jene Beispiele, die ausserhalb einer totalen Zerstörung (siehe vorangegangenes Kapitel) gemeinhin als Vandalismus bezeichnet würden. Es handelt sich hier um Formen von Eingriffen in das Denkmal, die weder von einem Denkmalsetzer intendiert, noch von der jeweiligen Mehrheit der Kultur oder der politischen Macht initiiert wurden. Wie bereits oben dargelegt, muss man sich aber hier für unser Verständnis der Eingriffe vom Begriff des Vandalismus lösen, da den nun zu beschreibenden Beispielen politisch eindeutige Motive zu Grunde liegen, welche über den Eingriff kommuniziert werden und damit über den Begriff Vandalismus hinausgehen. Diese Formen des Dialoges zwischen dem vom Denkmal beherbergten Symbol und seinem Gegenspieler müssen dann auch nicht zwangsläufig illegal sein, sondern können auch die Gestalt einer bewilligten Demonstration annehmen. Der Unterschied zwischen Legalität und Illegalität muss in dem Sinne rein graduell betrachtet werden, da dieser zwar zum einen auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Initianten und zum anderen auch auf eine Spielform mit der zu erreichenden Wirkung verweist, jedoch den Dialog zwischen Symbol und Gegensymbol nicht per se verändert. Diesen Eingriffen ist zu eigen, dass sie in den meisten Fällen zeitlich begrenzt sind. Graffitis werden von der Stadtreinigung entfernt, Plakate nach der Protestaktion weggeräumt. Sind die Schäden durch den Eingriff schwerwiegender, kann es aber – insofern keine Restaurierung stattfindet – durchaus sein, dass die Spuren des Gegensymbols auch längerfristig sichtbar bleiben. Diese Formen der Kommentare

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die gleiche Richtung und sind mit einer Gesamthöhe von weniger als vier Metern sehr niedrig gehalten, wodurch sie weniger monumental, sondern beinahe auf Augenhöhe mit dem Betrachter gesetzt wurden. Auch der Sockel aus Granit nimmt diese Sprache auf, indem dieser die Skulptur zuerst nur ca. 25 Zentimeter vom Boden abhob und dann später, nach einer Umsetzung im Jahr 2010 54 ganz im Boden verschwand. Dass das Denkmal nicht nur während der Wende, sondern auch heute noch zu einem Sammelpunkt von Kontroversen werden kann, belegen die vielfachen Eingriffe, welche sich in diesem Falle meistens als aufgesprühte Kommentare äussern. Petra Roettig verglich das Denkmal daher treffend mit einem Meinungsforum 55 und implizierte mit dieser Aussage auch den öffentlichen Aspekt dieser – von der Stadtreinigung sicherlich nicht willkommenen – dialogischen Praxis. Dabei sind es Aufschriften wie «Es tut uns leid» oder «Wir sind unschuldig», welche dem Denkmal eine erweiterte und kritische Leserichtung unterschieben. Ein erweiterter dialogischer Moment offenbart sich in der Beobachtung, dass Sätze wie «Wir sind unschuldig» einer späteren Korrektur unterliefen und zu «Wir sind schuldig» abgeändert wurden oder «Beim nächsten Mal wird alles besser» zu «Beim nächsten Mal denkt selber» ergänzt wurde + . 56 Kommen wir nun zurück zu der Frage, inwiefern solche Kommentare auch als Symbole / Gegensymbole gewertet werden können. Zwar handelt es sich hier um geschriebene Sprache, doch wird ihre Aussage erst durch den Kontext mit dem Symbolträger ersichtlich. Fände man den Satz «Es tut uns leid» auf einer Hausmauer, würde dieser wohl nicht nur anders konnotiert, sondern könnte vermutlich gar nicht erst gedeutet werden, insofern das wem und das was nicht beantwortet werden könnte. Die Sprache bleibt zwar Sprache, die Botschaft aber bedient sich des Deutungsraumes des zu Grunde liegenden Symbols und ist damit untrennbar mit ihm verbunden. Die Botschaft wird durch die Referenz aber nicht nur lesbar, sondern sie verändert auch das Symbol selbst, indem sie eine erweiterte (kritische) Leserichtung eröffnet und damit einen Gegenstandpunkt zum Dargestellten einnimmt. Somit offenbaren sich bei der konkreten Sprache dieselben Funktionsprinzipien, wie bei der roten Farbe im vorangegangenen Beispiel. Etwas komplexer wird es nun, wenn wir versuchen, eine Aktion oder Manifestation am Denkmal in denselben Typus einzuordnen. Hier stellt sich das Problem, dass eine Manifestation in ihrer Aussage grundsätzlich selbsttragend ist,

insofern kann sie als eigenständiges, kommunikatives Medium (welches sich auch anderer Medien bedienen kann) begriffen werden. Eine Demonstration kann sich demzufolge des (Mediums) Denkmal bedienen, indem es dieses instrumentalisiert, muss aber in ihrer Aussage nicht unweigerlich an dieses gebunden sein. Das folgende Beispiel soll in diesem Sinne auch nicht als artenrein verstanden werden, sondern vielmehr einen Randbereich des Gegensymbols aufzeigen. Ort des Geschehens ist das Kriegerdenkmal am Hamburger Dammtordamm. Der 1936 errichtete Block aus Muschelkalk zeigt als Relief die marschierenden Soldaten des Infanterieregiments 76 und trägt unter anderem die Inschrift «Deutschland muss leben, auch wenn wir sterben müssen» . Das höchst umstrittene Denkmal war neben zahlreichen Anschlägen auch immer wieder Schauplatz von Aufmärschen, Protesten und Aktionen. Unter diesen finden sich sowohl affirmative Formen (militärische als auch neonazistische) als auch ablehnende wie diejenigen von Kriegsgegnern oder antifaschistischen Vereinigungen. 57 Die Vereinigung Bündnis für ein Hamburger Deserteursdenkmal nutzt seit ihrer Gründung 2010 den sogenannten Kriegsklotz regelmässig für eigene Veranstaltungen, wie den jährlich stattfindenden Tag des offenen Denkmals (Klotzfest). 58 Bei diesen bewilligten Informationsveranstaltungen wird die Symbolik des Denkmals genutzt, um auf oppositionelle Anliegen, wie die Forderung eines Deserteursdenkmals für Hamburg und die Verweigerung der Teilnahme an Kriegshandlungen aufmerksam zu machen. Dazu werden, neben den übrigen Bestandteilen wie Infoständen, Reden oder Musikbands auch die in unserem Sinne direkten Gegensymbole verwendet, wie eine Verhüllung des Denkmals oder das temporäre Anbringen einer Soldatensilhouette aus Papier, welche in die entgegengesetzte Richtung der Soldaten auf dem Denkmal marschiert . 59 Veranstaltungen wie die oben beschriebene, haben zwar einen VerweisCharakter, indem sie als Zeichen für einen zu transportierenden Inhalt stehen, können aber nur bedingt als Symbole betrachtet werden, da der von Saussure vorgeschlagene Ähnlichkeitsbezug zwischen Form und Ausdruck nur schwer argumentierbar scheint. 60 Schlagen wir aber trotz dieser Problematik den (Gegen-) Symbolbegriff vor, so offenbart sich eine wichtige Gemeinsamkeit der genannten Beispiele: Entgegen dem ikonoklastischen Akt, dem eine vollständige Zerstörung des Symbols inhärent ist und dessen Gegensymbol sich so selber auslöscht, funktionieren die Gegensymbole hier auf eine additive Weise.

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Symbol und Gegensymbol sind gleichzeitig sichtbar und auch voneinander getrennt rezipierbar. Das Gegensymbol verändert zwar den Deutungsraum des zugrundeliegenden Symbols, weist sich aber als eine vom Denkmalsetzer nicht intendierte Zufügung aus, wodurch ein Nebeneinander der Symbole entsteht. Das zugrundeliegende Symbol kann demnach auch unabhängig vom Gegensymbol in seinem ursprünglichen Deutungsraum gelesen werden. Insofern fallen auch Teil-Zerstörungen (partielle Ikonoklasten) unter diesen Typus. Wird einer Statue beispielsweise gezielt nur der Kopf abgetrennt und der Rest stehengelassen, so offenbaren sich Symbol und Gegensymbol in einem so lange fortwährenden Dialog, bis eine dritte Partei den Schaden entweder behebt oder die Statue ganz niederreisst.

stehen. Befragt zu seiner Aktion antwortete Cˇ erny´, dass der Panzer für ihn lediglich eine Waffe und damit ein Mordwerkzeug sei und er ein solches nicht als Symbol für die Sowjetsoldaten akzeptieren wolle. Er wollte daher den Panzer mittels der rosaroten Farbe vermenschlichen. 64 Der Farbanschlag von Cˇ erny´ offenbart sich durch diese Aussage nicht als Symbol gegen das Bezeichnete, also die Panzersoldaten, sondern gegen den Symbolträger Panzer. Doch dies zeigt nur eine Deutungsebene. Als nach 1968 im Zuge des Warschauer Paktes sowjetische Truppen in der Tschechoslowakei einmarschierten wurde der damals noch grüne Panzer zunehmend als negatives Symbol für die Besatzungsmacht konnotiert.65 Da der Eingriff von Cˇ erny´ zeitgleich mit dem Abzug der Truppen stattfand, wurde der rosarote Panzer seither auch zu einem Symbol für die Befreiung der heutigen Tschechischen Republik von der sowjetischen Besatzungsmacht. So wurde dieser unter anderem 2011 für die 20-Jahr-Feier der Befreiung, während der Woche der Freiheit, auf einem Floss auf der Prager Moldau ausgestellt . 66 In diesem Sinne lassen sich an diesem Beispiel zweierlei Vorgänge beobachten: Zum einen, dass eine Umdeutung der Symbolik stattfinden kann, ohne dass äussere Einflüsse das Denkmal in seiner Gestalt verändern. Zum andern zeigt es die oben angesprochene Aufhebung des Dialoges zwischen Symbol und Gegensymbol. Mag die Farbe zwar in erster Linie additiv der zugrundeliegenden Symbolik zugefügt worden sein, lässt sich im Nachhinein der Dialog nur noch für Eingeweihte nachvollziehen, da das ursprüngliche Symbol, welches auf die Befreiung durch die Rote Arme verweist nicht mehr als solches sichtbar ist. Dies wird verstärkt durch den Umstand, dass der Panzer seinen ursprünglichen Sockel und damit der klärenden Inschriften enthoben wurde. Ohne das Wissen um den historischen Hintergrund des Denkmals, bleibt der rosarote Panzer für den Betrachter ein einfaches Symbol für die Befreiung der Tschechischen Republik von der Sowjetarmee.

3.2.2

Wenn das Gegensymbol zum Symbol wird

In gewissen Fällen kann ein Eingriff an einem Denkmal, der als Gegensymbol zu dem Bestehenden gedacht war das ursprüngliche Symbol überdecken und so die oben ausgeführte Gleichzeitigkeit von Symbol und Gegensymbol ablösen. Dies hat zur Folge, dass die neu erzielte Wirkung unabhängig von dem Dialog zwischen Symbol und Gegensymbol erzielt wird. Ein Beispiel dafür ist der rosarote Panzer von Prag. Als gegen Ende des Zweiten Weltkrieges noch immer vereinzelte deutsche Truppen in Prag verblieben, eilte eine Panzerkolonne der Roten Armee von Berlin aus der Stadt zu Hilfe, um diese von den Invasoren zu befreien. Der erste der eingetroffenen Panzer geriet unter Beschuss und wurde samt Besatzung zerstört. 1946 wurde diesem Angriff zu Ehren auf dem eigens dafür umbenannten Platz der sowjetischen Panzersoldaten ein solcher Panzer 61 als Denkmal auf einen Sockel gestellt . 62 Im Laufe der Zeit fanden sich zwar immer wieder Gegenstimmen, welche die Aufstellung einer Kriegsmaschine für eine ungeeignete Form der Erinnerung hielten, doch das Denkmal blieb weitgehend unverändert als solches erhalten. 1991 malte dann der damalige Kunststudent David Cˇ erny´ den Panzer in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit rosaroter Farbe an. Die Meinungen über diese Aktion spalteten nicht nur die Öffentlichkeit, sondern diese wurde auch auf politischer Ebene zum Thema. 63 In der Folge wurde der Panzer dann zunächst mit Armeegrün überstrichen, um anschliessend wieder (ganz im Sinne eines politischen Katz- und Mausspiels) im rosaroten Kleid auf dem Sockel zu

3.2.3

Das deutungsoffene Gegensymbol

Das vorangegangene Beispiel nimmt die nun zu klärende Problematik vorweg: Inwiefern können Eingriffe am Denkmal, welche in ihrer Deutung nicht klar festgelegt werden können dennoch als Gegensymbole gewertet werden? Weiter oben haben wir gesehen, dass ein Denkmal nur dann als solches funktioniert, wenn seine Aussage von

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den Rezipienten gelesen werden kann. Insofern laufen abstrakte Denkmäler Gefahr, dem Betrachter ihre Botschaft vorzuenthalten, wenn dieser es nicht vermag, das intendierte Symbol zu deuten. Das Gegensymbol ist hier jedoch gegenüber dem zugrundeliegenden Symbol in einer komfortableren Lage: Indem es sich auf das Symbol bezieht, übernimmt es automatisch auch dessen Deutungsraum. Dadurch ist es dem Gegensymbol möglich, in einer sehr viel abstrakteren Form – wie beispielsweise die rote Farbe am Soldatendenkmal in Basel zeigt – in Erscheinung zu treten. Oder einfach ausgedrückt: Wir verstehen, was die rote Farbe bedeuten soll, weil wir verstehen, was uns das Denkmal zeigen will. Insofern bildet die Herstellung einer Beziehung ein wichtiges Merkmal des Gegensymbols. Wie steht es nun aber mit seiner Bedeutung? Die illegale Aktion, bei welcher 2011 in Sofia über Nacht die Soldaten eines der Roten Armee gewidmeten Bronzereliefs in farbenfrohe Comic-Helden verwandelt wurden, wurde in den meisten Medien entweder als Vandalismus oder als Kunstaktion bezeichnet . Eine Deutung der Symbolik, warum die Soldaten sich nun als Superman, Batman, Santa Claus oder Ronald Mc Donald dem Publikum präsentieren, liess sich – wenn überhaupt – nur in Ansätzen finden. Auch die Künstlergruppe, die sich anonym zum Akt bekannt hatte wich der Frage nach einer Deutung entschieden aus. 67 Wenngleich die Form des Eingriffes diesen in die Richtung eines politischen Protestes rückt, wird offengelassen, gegen was oder wen hier protestiert werden soll. In diesem Fall zeigt sich ein Eingriff, welcher unabdingbar mit dem Denkmal verbunden ist, da dieser seine Wirkung erst durch den Träger, respektive dessen Symbol entwickelt. Die Wirkung, welche der Eingriff wiederum auf den Träger ausübt, impliziert einen symbolischen Gehalt, der sich aber entschieden einer klaren Deutung entzieht. Der Verweis, dass die Aktion als Kunst zu verstehen sei, wird nun in diesem Sinne wichtig, da es vor allem für die Kunst in und nach der Moderne ein wichtiger Anspruch war, deutungsoffen zu sein. In diesem Sinne ist aber der Ausdruck deutungsoffen entschieden von beliebig zu trennen.68 Auch wenn ein Werk mehrere Deutungen oder Interpretationen zulässt, so geschieht dies immer innerhalb eines gewissen Deutungsraumes. Dieser Raum kann, je nach künstlerischer Intention, sowohl sehr weit als auch sehr eng gefasst sein, weist aber immer eine Begrenzung auf und ist daher nicht beliebig: Egal wie lange wir einen Farbverlauf von Rothko betrachten – mit ziemlicher Sicherheit werden wir diesen nicht mit einer Packung

Kartoffelsalat in Verbindung bringen. Wendet man diese Überlegungen auf den besprochenen Eingriff an, so zeigt dieser eine entsprechend offene Symbolik. Versteht man nicht genau, was die Comic-Helden bedeuten sollen, bringt man diese dennoch mit dem zugrundeliegenden Symbol des Denkmals in Verbindung und sucht nach eigenen Assoziationen. Es entsteht ein Dialog, welcher aber nicht wie in den übrigen Fällen ausschliesslich zwischen Symbol und Gegensymbol geführt wird, sondern den Rezipienten mit einbezieht. Das Stattfinden eines solchen Dialoges kann uns nun im Umkehrschluss als Beleg dafür dienen, dass auch ein deutungsoffenes Gegensymbol als solches funktionieren kann. 3.2.4

Der dauerhafte Dialog – Das Gegendenkmal

Das Errichten eines Gegendenkmals als Gegenpol zu einem bestehenden Denkmal ist eine vergleichsweise junge Praxis. 69 Als Voraussetzung braucht es ein kulturelles Verständnis dafür, dass ein Umgang mit Geschichte auch möglich sein muss, ohne dass unliebsame, oder gar als gefährlich eingestufte Symbole der Vergangenheit zerstört werden müssen. Dies kann vermutlich auch auf den Umstand zurückgeführt werden, dass in der gegenwärtigen Gesellschaft der Zugang zu Informationen immer niederschwelliger wird und das Angebot des zur Verfügung gestellten Wissens stetig zunimmt. Demnach lassen sich historische Tatsachen nicht mehr einfach per Abrissbirne aus der Welt schaffen, sondern fordern vielmehr Formen von diskursiven Konfrontationen.70 Die Setzung eines Gegendenkmals erkennt in dem Sinne das Wirkungsvermögen des Denkmals an, indem es nicht das Denkmal per se in Frage stellt, sondern ausschliesslich seinen transportierten Werten ein Gegensymbol ist, welches mittels Gegenargumenten einen Dialog zu etablieren versucht.71 Dem oben bereits erwähnten Kriegerdenkmal am Hamburger Dammtordamm wurde 1985 ein solches Gegendenkmal entgegengestellt. Von den geplanten vier Teilen wurden damals aus Kostengründen nur zwei realisiert: Der Hamburger Feuersturm und die Fluchtgruppe Cap Arcona .72 Die aus Bronze und Marmor gefertigten Teile illustrieren den Schrecken und das Leid des Zweiten Weltkrieges und setzten so in unmittelbarer Nähe einen Gegenpol zu dem kriegsverherrlichenden Denkmal. Für dieses Jahr ist ausserdem noch die Fertigstellung eines weiteren Gegendenkmals zum Kriegsklotz geplant: Der oben er-

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wähnten Forderung nach einem Deserteursdenkmal wurde entsprochen und ein Entwurf von Volker Lang gutgeheissen .73 Für unsere Typologie markiert das Gegendenkmal die wohl reinste Form eines Gegensymbols, da es sich derselben Mittel bedient wie das zugrundeliegende Symbol. Gleich dem Denkmal kann demnach auch das Gegendenkmal für sich alleine rezipiert werden. Das dialogische Wirken ist eine erweiterte Funktion, welche ausschliesslich durch eine örtlich unmittelbare Setzung evoziert wird. Die Dramaturgie des Bezuges entsteht dabei durch die Unvereinbarkeit der beiden sich gegenüberstehenden Pole.74 Der Umstand, dass die genannten Gegendenkmäler als Gegensymbole betrachtet werden können, welche von oben, also von der politischen Mehrheit initiierte Symbole sind,75 illustriert nicht nur einen Wandel des Geschichtsbewusstseins einer Gesellschaft, sondern stellt diesen auch auf Dauer dar. Diese Dauerhaftigkeit des Dialoges zwischen Symbol und Gegensymbol markiert einen zentralen Unterschied zu den übrigen Gegensymbolen: Der Dialog wird so lange weitergeführt, bis ein erneut verändertes Geschichtsbewusstsein der Gesellschaft wieder in ihn eingreift. Da Gegendenkmäler am Ende aber auch nur Denkmäler sind, unterliegen diese auch der gleichen Problematik (siehe Kapitel 1.3 Kritik am Objekt Denkmal). Insofern drohen auch diese mit der Zeit zum blinden Fleck in der Öffentlichkeit zu werden. Ihre Wirkung kann zwar sicherlich als langfristiger angesehen werden, der Wirkungsradius sowie die Intensität seiner Rezeption muss aber gegenüber anderen (provokanteren aber kurzfristigeren) Gegensymbolen deswegen nicht unbedingt grösser sein.

ständnis zu proklamieren. Dies erfolgt in Form eines Dialoges, da sich die Gegensymbole grundsätzlich auf zugrundeliegende Symbole beziehen und sich deren Deutungsräume bedienen. Es konnte aufgezeigt werden, dass ein Gegensymbol nicht das Denkmal als solches in Frage stellt, sondern ausschliesslich die von ihm vermittelte Botschaft. Da es sich derselben Wirkungsmittel bedient, bestärkt und aktualisiert das Gegensymbol das Denkmal in seiner Stellung als Kommunikationsmittel. Im zweiten Schritt wurde eine Typologie entwickelt, die sich an der Art des Dialoges zwischen Symbol und Gegensymbol orientiert. Eine Typologie erscheint in diesem Fall als Methode sinnvoll, da eine detaillierte Klassifikation der Gegensymbole eine zu hohe Komplexität der Kategorien aufwiese, da jedes der Beispiele in eine gesonderte Kategorie fiele. Bei einer gröberen Kategorisierung könnte hingegen die Vielfältigkeit der Formen nicht abgebildet werden, was sich vor allem dann bestätigt, wenn man den wichtigen Faktor Zeit mit einbezieht. Die Wirkungsdauer eines Gegensymbols ist relativ zu sehen, da diverse, von den dessen Setzern nicht intendierte Faktoren darauf einwirken können und so die Rezeption verändern. Eine Berücksichtigung der Wirkungsdauer im Rahmen einer Kategorienbildung würde diese entweder zu komplex machen oder aber keine Rückschlüsse zulassen, da sie dem individuellen Charakter der Eingriffe nicht gerecht werden könnte. Eine entsprechende Typologie hingegen lässt individuelle Momente der einzelnen Beispiele zu, da Zusammenhänge über entsprechende Gemeinsamkeiten hergestellt werden können. Diese Methodik ermöglicht zudem die Einbeziehung von Fällen, welche sich in Randbereichen eines Typus bewegen. Ein Beispiel hierfür wäre die in der Einleitung genannte Form passiver Denkmalschändung: Eine politische Macht oder Mehrheit ist nicht mehr bereit, bestimmte Denkmäler zu unterhalten, will oder kann diese aber auch nicht abreissen.76 Hier stellt sich die Frage, ob das Zulassen des Zerfalls lediglich ein Zeichen oder Symptom eines politischen Umstandes ist oder ob es sich vielmehr um eine Form des passiven Gegensymbols handelt. Der Zerfall (Gegensymbol) ist untrennbar an das Symbol gebunden und bedient sich somit auch dessen Deutungsraumes – dadurch wird verändertes Geschichtsbewusstsein (der politischen Macht oder Mehrheit) nicht bloss sichtbar, sondern durch seine Präsenz am Denkmal auch offenkundig und aufgeladen. Dies führt zu der Frage, inwiefern solche passiven Gegensymbole dann auch

4.

Fazit – Die Typologie als Methode für eine diskursive Rezeption

Mittels der ausgewählten Beispiele wurde im ersten Schritt versucht, die grosse Bandbreite an Gegensymbolen aufzuzeigen. Diese bewegt sich zwischen legalen und illegalen sowie zerstörerischen und additiven Formen. Gegensymbole können entweder nur für den Moment des Aktes bestehen oder auf unbestimmte Zeit wirken, da sie sich teils selbst zu Denkmälern entwickeln oder bereits als solche errichtet werden. Was sie alle gemeinsam haben ist, dass sie als eigenständige Kommunikationsmittel zu verstehen sind, welche sich – wie das Denkmal selbst – an die Öffentlichkeit richten, um verändertes Geschichtsbewusstsein und ein damit verknüpftes Wertever-

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als Instrumente angesehen werden müssen, die der Manifestation des gegenwärtigen Werteverständnisses dienen. Sowohl die Anwendung einer hier angedachten Typologie der Gegensymbole, wie auch Diskussionen über dessen unscharfen Bereiche sollen Ansätze bieten, die gegenwärtige Denkmalrezeption zu erweitern.

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Düwell 1989, S. 27. Punin 1920, S. 412. Springer 1989, S. 99. Spielmann 1988, S. 8. Spielmann 1988, S. 8. Vgl. Präambel der Welterbe-Kommission UNESCO. Thünemann 2005, S. 27. Alois Riegl unterschied hier zwischen den gewollten und ungewollten Denkmälern, also solchen, welche bereits als Denkmal geplant waren und denjenigen Objekten, welchen erst im Nachhinein ein historischer Wert beigemessen worden ist. Riegl 1903, S. 6. Scharf 1984, S. 8. Reusse 1995, S. 17. Mai / Schmirber 1989, S. 10. Meier, S. 27. Spielmann 1988, S. 16. Spielmann 1988, S. 8. Eberl 1989, S. 35, 36, 37. Vgl. Tribelhorn 2015. Reusse 1995, S. 124, 125. Mai / Schmirber 1989, S.10. Eberl 1989, S. 37. Spielmann 1988, S. 16. Lenk 1989, S. 171. Mai / Schmirber 1989, S. 11. Eberl 1989, S. 35. Mittig 1985, S. 54. Reusse 1995, S. 16. Assmann 1999, S. 14. Assmann 1999, S. 14. Assmann 1999, S. 16. Spielmann 1988, S. 7.

30 Der hier verwendete Symbolbegriff wird angelehnt an den von Ferdinand Saussure. Saussure 2001, S. 80. 31 Ritschl 1984, S. 22. 32 Gamboni 1998, S. 18, 19. 33 Unterschriftartiges Graffiti-Kürzel. 34 Springer 1989, S. 99. 35 Demandt 1997, S. 48. 36 Nöllke 2002, S. 190. 37 Gamboni 1998, S. 80. 38 Leicht 2005. 39 Stingeder 2013. 40 Vgl. Unbekannt www.arbeiterfotografie.de. 41 Stingeder 2013. 42 Gerhard 2005, S. 100/ 101. 43 Vgl. Abb.2: Die Daily Mirror ermahnte im Untertitel, dass die USA nun verpflichtet seien, dem Irak echten Frieden zu bringen. 44 Altemeyer / Kolle / Schwanzar. 45 Gamboni 1998, S. 103. 46 Gamboni 1998, S. 103. 47 Gamboni 1998, S. 106. 48 Gamboni 1998, S. 107. 49 Gamboni 1998, S. 106. 50 Gamboni 1998, S. 106. 51 Stohler 2014. 52 Stohler 2014. 53 Vgl. Roettig 1992, S. 76. 54 Falkner 2010. 55 Roettig 1992, S. 76. 56 Roettig 1992, S. 76 / 77. 57 Gretzschel 2011. 58 Vgl. Unbekannt / www.feindbeguenstigung.de. 59 Unbekannt / Tide TV 2011.

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60 Um dieses Problem genauer überprüfen zu können, wäre eine vorgängig genauere Definition des Symbolbegriffes nötig gewesen. 61 Angeblich handelte es sich beim Denkmal nicht um das gleiche Modell wie dasjenige, das in der Schlacht zerstört wurde. Vgl. Novàk 1992, S. 133. 62 Novàk 1992, S. 133. 63 Novàk 1992, S. 136 / 137. 64 Novàk 1992, S. 137. 65 Schneibergová 2011. 66 Unbekannt / NZZ 2011. 67 Vgl. Schulz 2014. 68 Vgl. Tegtmeyer 2008, S. 147. 69 Springer 2009, S. 310. 70 Vgl. Springer 2009, S. 297. 71 Vgl. Springer 2009, S. 308. 72 Unbekannt / www.gedenkstaetten-inhamburg.de. 73 Vgl. Schröder 2014. 74 Springer 2009, S. 308. 75 Sicherlich gibt es auch Gegendenkmäler, welche «von Unten» initiiert wurden. Solange diese aber nicht offiziell anerkannt und damit auch als solche gesellschaftlich geschützt werden, unterliegen sie derselben Kurzfristigkeit wie die übrigen, nicht zerstörerischen Gegensymbole. 76 Ein Beispiel hierfür wäre der aktuelle Zustand des Monuments «1’300 Years Bulgaria», in Sofia, Bulgarien.


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Unbekannt, Link: http://www.dw.de/invasionor-liberation-iraqisdisagree/a-16728511, (14.6.2015). Unbekannt, Link: http://www.arbeiterfotografie. com/galerie/kein-krieg/ hintergrund/index-saddaminszenierung-1001.html, (21.6.2015). Unbekannt, Gamboni 1998, S. 105. Unbekannt, Link: https:// commons.wikimedia.org/wiki/ File:Gerechtigkeitsbrunnen,_ Bern.jpg, (22.6.2015). Unbekannt, Link: http://www. tageswoche.ch/de/2014_31/ leben/663406/, (22.6.2015). Zoltan Szalay, Link: http://www. berliner-zeitung.de/medien/ grosse-doku-auf-arte-der-ploetzliche-untergang-der-sowjetunion,10809188,11499748.html, (22.6.2015). Joachim F. Thurn, Link: https:// kreuzberged.files.wordpress. com/2014/10/ bundesarchiv_b_145_bildf088849-0006_berlin_marxengels-denkmal_palast_der_ republik-joachim-f-thurn.jpg, (22.6.2015). Chris Klein, Link: http://www. schiebener.net/wordpress/ alfred-hrdlickas-unvollendetesdenkmal-in-hamburg/, (22.6.2015). Unbekannt, Link: http://www. feindbeguenstigung.de/, (22.6.2015). Unbekannt, Link: http://radio. cz/de/rubrik/tagesecho/ rosa-panzer-als-symbolvor-20-jahren-zogen-diesowjettruppen-ab, (22.6.2015). SRF, Link: http://www.srf.ch/ play/tv/news-clip/video/ der-rosa-panzer-wird-aufden-ponton-verladenunkommentiert?id=edd5f03aab40-4991-8180-32c96ff6fdbd, (22.6.2015). Unbekannt, Link: http://www. geist.com/blog/sofia/day4-monument-to-soviet-army/, (22.6.2015). Chris Klein, Link: http://www. schiebener.net/wordpress/ alfred-hrdlickas-unvollendetesdenkmal-in-hamburg/, (22.6.2015). Hfr, Link: http://www.mopo.de/ nachrichten/neustadtdammtor--neues-denkmalneben--kriegsklotz-, 5067140,27361792.html, (22.6.2015).

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Diplom 2015

5.3

Samuel Strässle Theoriearbeit

Literaturverzeichnis

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Gretzschel 2011 Mathias Gretzschel, «Kriegsdenkmal: Ideologie aus Muschelkalk», in: Hamburger Abendblatt [Online Archiv Hamburger Abendblatt, Ausgabe vom 15.03.11, Link: http://www. abendblatt.de/kultur-live/article107971347/ Kriegsdenkmal-Ideologie-aus-Muschelkalk. html, (18.6.2015)], Hrsg.: Christian Delbrück / Lars Haider, Zeitungsgruppe Hamburg GmbH Verlag, Hamburg, 2011. Leicht 2005 Justus Leicht, «Bundesverwaltungsgericht: Irakkrieg war völkerrechtswidrig», in: World Socialist Web Site [Online Magazin wsws.org, Artikel vom 14. September 2005, Link: https://www.wsws.org/de/articles/2005/09/ urt-s14.html, (14.6.2015)], Hrsg.: Partei für soziale Gleichheit, Sektion der Vierten Internationale / Ludwig Niethammer, Berlin, 2005. Lenk 1989 Thomas Lenk, «Thomas Lenk», in: Denkmal – Zeichen – Monument, Hrsg.: Ekkehard Mai / Gisela Schmirber, Prestel Verlag, München, 1989. Mai / Schmirber 1989 Ekkehard Mai / Gisela Schmirber, «Mo(nu)ment mal: Denkmal?», in: Denkmal – Zeichen – Monument, Hrsg.: Ekkehard Mai / Gisela Schmirber, Prestel Verlag, München, 1989. Meier 2013 Hans-Rudolf Meier, «Das Denkmal als Bildmedium», in: Europäisches Kulturerbe – Bilder, Traditionen, Konfigurationen, [Internationale Tagung Kassel, Oktober 2010, Arbeitsheft des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Bd. 23], Hrsg.: Winfried Spreitkamp, Theiss Verlag, Stuttgart, 2013. Mittig 1985 Hans-Ernst Mittig, «Das Denkmal», in: Funkkoleg Kunst [Studienbegleitbrief 8, Kollegstunde 21], Hrsg.: Deutsches Institut für Fernstudien an der Universität Tübingen, Beltz Verlag, Weinheim / Basel, 1985. Nöllke 2002 Matthias Nöllke, Anekdoten. Geschichten. Metaphern für Führungskräfte, Haufe Verlag, Freiburg im Breisgau, 2002. Novàk 1992 Tomásˇ V. Novàk, «Der rosarote Panzer – Made in Czechoslovakia», in: Demontage ... revolutionärer oder restaurativer Bildersturm?, Hrsg.: Bernd Kramer, Karin Kramer Verlag Berlin, Berlin, 1992.

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Diplom 2015

Samuel Strässle Theoriearbeit

Punin 1920 Nicolaj Punin, «Das Denkmal der III. Internationale. Ein Projekt des Künstlers W.J. Tatlin», in: Wladimir Jewgrafowitsch Tatlin, Hrsg.: Larissa Alexejwna Shadowa, Kunstverlag Weingarten, Weingarten, 1987. Reusse 1995 Felix Reusse, Das Denkmal an der Grenze seiner Sprachfähigkeit, Hrsg.: Reinhart Koselleck / Karlheinz Stierle, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 1995. Riegl 1903 Alois Riegl, Der Moderne Denkmalkultus. Sein Wesen und seine Entstehung, W. Braunmüller Verlag, 1903. Ritschl 1984 Dietrich Ritschl, Zur Logik der Theologie. Kurze Darstellung der Zusammenhänge theologischer Grundgedanken, Chr. Kaiser Verlag, München, 1984. Roettig 1992 Petra Roettig, «Sprechende Denkmäler. Von der Inschrift zum Graffito – Formen des Denkmalkommentars,» in: Kritische Berichte. Mitteilungsorgan des Ulmer Vereins – Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e.V, [Bd.20, Ausgabe 3], Hrsg.: Detlef Hoffmann / Ulrike Krenzlin / Ellen Spickernagel / Michael Scholz-Hänsel, Jonas Verlag, Marburg, 1992. Saussure 2001 Ferdinand de Saussure, Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft [3. Auflage], Hrsg.: Charles Bally, Walter de Gruyter Verlag, Berlin, 2001. Scharf 1984 Helmut Scharf, Kleine Kunstgeschichte des deutschen Denkmals, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Verlag, Darmstadt, 1984. Schneibergová 2011 Martina Schneibergová, «Rosa Panzer als Symbol: vor 20 Jahren zogen die Sowjettruppen ab», in: Radio Praha [Onlineportal des Radio Praha, Link: http://radio.cz/de/ rubrik/tagesecho/rosa-panzer-als-symbolvor-20-jahren-zogen-die-sowjettruppen-ab, (18.6.2015)], Hrsg.: Radio Praha, Prag, 2011.

Schröder 2014 Axel Schröder, «Gedenkstätte für Deserteure. Jury entscheidet sich für Entwurf von Volker Lang», in: Deutschlandradio Kultur [Internetseite von Deutschlandradio, Beitrag vom 21.8.2014, Link: http://www.deutschlandradiokultur.de/hamburger-denkmal-debattegedenkstaette-fuer-deserteure.1001. de.html?dram:article_id=295202, (21.6.2015)], Hrsg.: deutschlandradio.de / Andreas-Peter Weber, Köln, 2014. Schulz 2014 Roland Schulz, «Denkmalerei», in: Süddeutsche Zeitung / Magazin, [Online-Archiv der Süddeutschen Zeitung/ Magazin, Heft 51/ 2014, Link.: http://sz-magazin.sueddeutsche. de/texte/anzeigen/42632/Denkmalerei, (19.6.2015)], Hrsg.: Michael Ebert / Timm Klotzek, Süddeutscher Verlag, München, 2014. Spielmann 1988 Jochen Spielmann, «Steine des Anstoßes – Denkmale in Erinnerung an den Nationalsozialismus in der Bundesrepublik Deutschland», in: Kritische Berichte. Mitteilungsorgan des Ulmer Vereins – Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e.V, [Bd.3, Ausgabe 16], Hrsg.: Annegret Hoheberg / Detlef Hoffmann / Viktoria Schmidt-Linsenhoff / Ellen Spickernagel, Jonas Verlag, Marburg, 1988. Springer 1989 Peter Springer, «Denkmal und Gegendenkmal», in: Denkmal – Zeichen – Monument, Hrsg.: Ekkehard Mai / Gisela Schmirber, Prestel Verlag, München, 1989. Springer 2009 Peter Springer, Denkmal und Gegendenkmal, Aschenbeck Media Verlag, Bremen, 2009. Stingeder 2013 Karl H. Stingeder, «10 Jahre danach: Der Irakkrieg und das (Medien-) Schlachtfeld I», in: Medienimpulse. Beiträge zur Medienpädagogik [Onlinemagazin, Ausgabe 1/ 2013, Link: http://www.medienimpulse.at/articles/ view/508, (14.6.2015)], Hrsg.: Alessandro Barberi, New Academic Press Verlag, Wien, 2013. Stohler 2014 Martin Stohler, «Rotes Denkmal auf dem Bruderholz», in: Tages Woche [Online- Ausgabe der Tages Woche, Ausgabe vom 30.7.2014, Link: http://www.tageswoche.ch/de/2014_31/ leben/663406, (29.5.2015)], Hrsg.: Dani Winter / Neue Medien Basel AG, Neue Medien Basel AG Verlag, Basel, 2014.

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Diplom 2015

Samuel Strässle Theoriearbeit

Unbekannt / www.gedenkstaetten-in-hamburg.de Tegtmeyer 2008 Unbekannt, «Gegendenkmal zum so genannten Henning Tegtmeyer, Kunst, de Gruyter Verlag, 76er-Denkmal in Hamburg», in: www.geBerlin, 2008. denkstaetten-in-hamburg.de [Internetseite Thünemann 2005 der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Holger Thünemann, Holocaust – Rezeption und Hamburg, Link: http://www.gedenkstaettenGeschichtskultur. Zentrale Holocaustin-hamburg.de/gedenkstaetten/gedenkort/ Denkmäler in der Kontroverse. Ein deutschgegendenkmal-zum-so-genannten-76erösterreichischer Vergleich [Schriften zur denkmal/, (21.6.2015)], Hrsg.: KZ-GedenkGeschichtsdidaktik, Bd. 17], Hrsg.: Uwe stätte Neuengamme / Detlef Garbe, Uffelmann / Bernd Mütter / Bernd SchöneHamburg, ohne Datierung. mann / Hartmut Voit, Schulz-Kirchner Verlag, Idstein, 2005. Tribelhorn 2015 Marc Tribelhorn, «Blocher contra Maissen», in: Neue Zürcher Zeitung [Online-Archiv der Neuen Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 12.4.2015, Link: http://www.nzz.ch/ zuerich/stadt-zuerich/blocher-contramaissen-1.18520799, (11.6.2015)], Hrsg.: Eric Gujer / NZZ Gruppe, Neue Zürcher Zeitung Verlag, Zürich, 2015. Unbekannt / NZZ 2011 Unbekannt, «Symbol der Befreiung kehrt nach Prag zurück. Pink Panzer.», in: Neue Zürcher Zeitung [Online-Archiv der Neuen Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 20.6.2011, Link: http://www.nzz.ch/pink-panzer-david-cernyprag-1.10988579, (18.6.2015)], Hrsg.: Eric Gujer / NZZ Gruppe, Neue Zürcher Zeitung Verlag, Zürich, 2015. Unbekannt / Tide TV 2011 Unbekannt, «Deserteursdenkmal», in: Tide TV [Livestream TV, Sendung vom 22.9.2011, Link: https://www.youtube.com/ watch?v=ilQqK_E93j8, (18.6.2015)], Hrsg.: Tide gGmbH / Kunst und Mediencampus Hamburg, Hamburg, 2011. Unbekannt / www.arbeiterfotografie.de Unbekannt, «Medien und Krieg – Die SaddamInszenierung Teil I. Wie der «Sieg» gegen den Irak in Szene gesetzt wurde», in: www.arbeiterfotografie.de [Webforum, Link: http://www.arbeiterfotografie.de/galerie/ kein-krieg/hintergrund/index-saddaminszenierung-1001.html, (14.6.2015)], Hrsg.: Bundesverband Arbeiterfotografie e.V., ErichWeiss Verlag, Bamberg, ohne Datierung. Unbekannt / www.feindbeguenstigung.de Unbekannt, www.feindbeguenstigung.de [Internetseite der Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V., Link: www.feindbeguenstigung.de, (19.6.2015)], Hrsg.: René Senenko, Hamburg, ohne Datierung.

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UMSETZUNGEN

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Umsetzungen

Das Institut Innenarchitektur und Szenografie legt grossen Wert darauf, dass das Entwerfen nicht nur im Atelier, der Werkstatt und den Seminarräumen stattfindet. Regelmässig geht es daher Kooperationen ein, um die tatsächliche Wirkung eines Modells oder von Plänen öffentlich und im Massstab 1:1 zu erproben. Umsetzungen können aus der Weiterführung eines Semesterprojektes realisiert oder – wie im Projekt «Pop-up Store – Les Vins du Valais» – neben dem regulären Studienbetrieb unter Beteiligung von Dozierenden, Studierenden und externen Partnern verwirklicht werden.

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Herbst 2015

POP-UP STORE LES VINS DU VALAIS Im Auftrag der Agentur «by the way communications AG» entwickelten die Studierenden Sarah Glauser, Anja Raemy, Livia Weishaupt, Nora Wüthrich und Noël Michel für den Branchenverband «Les Vins du Valais» einen Pop-up Store, der als atmosphärischer Eventmittelpunkt und Präsentationsplattform für preisgekrönte Weine aus dem Wallis in verschiedenen deutschsprachigen Städten zum Einsatz kommen sollte. Der Entwurf von Livia Weishaupt wurde im Team konkretisiert, geplant und in den Campus-Werkstätten hergestellt. Der erste Einsatz erfolgte am 19. November 2015 am «Walliser Wein Weekend» in der «NEO Bar» in Zürich. Für die zweite Präsentation war der Pop-up Store am 13. Januar 2016 beim Open House der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel im Einsatz. Begleitende Dozenten: André Haarscheidt, Andreas Wenger Auftraggeber: Werbeagentur «by the way communications AG»

Studierende: Sarah Glauser, Anja Raemy, Livia Weishaupt, Nora Wüthrich, Noël Michel

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Pop-up Store

Vorprojekt von Nora Wüthrich: «Les Vins du Valais» +

Räumliche Visualisierungen der Projektidee Prototypen zur Überprüfung des Lichtkonzeptes für die Bauweise und die ausgelaserten Schriftzüge

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Schema zur Erläuterung des räumlichen Konzeptes Räumliche Visualisierung der Flaschenpräsentation; die partielle Einfärbung der Weinkisten erfolgt mit Wein als Farbstoff


Pop-up Store

perspektivische Ă&#x153;bersicht

perspektivische Ă&#x153;bersicht

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Pop-up Store

Vorprojekt von Anja Raemy: «Rebberge versetzen»

Räumliche Visualisierungen der Projektidee Prototypen zur Überprüfung des Lichtkonzeptes für die Bauweise, die Weinpräsentation und die Halterung der Weingläser bei der Degustation

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Pop-up Store

Grundriss und Ansicht von zwei Ausbreitungszuständen; das Konzept kann sich allen Raumsituationen anpassen Schematische Illustration der Leitidee

Aufsicht grosse Fläche Mst. 1:25

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Anja Raemy | Les V


Pop-up Store

Entwurf von Livia Weishaupt: «Licht im Wein» +

Visualisierung des Modulprinzips mit den verschiedenen Höhen und Funktionen mit Beleuchtung Grundriss und Axonometrie der Gesamtkomposition; im Entwurf war noch zusätzlich eine «Branding- und Geschichtenwand» vorgesehen

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Pop-up Store

Räumliche Visualisierungen der Ausführungsversion; vier Reihen zu jeweils vier Modulen mit verschiedenen Funktionen: Sitzen, Präsentieren und Degustieren; die Module mit gleichen Höhen lassen die sich in unterschiedlichen Varianten zusammenbauen Räumliche Visualisierung der Flaschenpräsentation; die partielle Einfärbung der Weinkisten erfolgt mit Wein als Farbstoff

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Pop-up Store

Realisierter Pop-Up Store von Livia Weishaupt Einsatz als Willkommensbar des Instituts beim Open House der HGK am 13. Januar 2016

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Interview #4

Eine Eiche braucht über 100 Jahre, um die Grösse zu erreichen, die man für Parkett verwendet.

Anna Pedemonte

Szenen & Räume • • • • • • • • • •

127

Geboren 1987 in St. Gallen Innenarchitektur- und Szenografie-Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel, BA 2011 2008–2009 Hospitanz im Theater Basel und Praktikum bei Walter Pedemonte, Innenarchitekt HFG 2011–2012 Trainee bei element GmbH Seit 2012 Diverse Kurzfilmausstattungen 2012–2014 Projektleiterin bei rolli+boss architekten Seit 2014 wissenschaftliche Assistenz am Institut Innenarchitektur und Szenografie in Basel Seit 2014 Selbständige Tätigkeit alleine und mit Valeria Felder als VA Szenen & Räume Seit 2012 Aktivmitglied bei Öppediä (Organisation und Gestaltung von Musikfestivals) Seit 2015 Aktivmitglied bei forum andere musik (Organisation und Gestaltung von Musikfestivals und Abende)


Interview #4 Anna Pedemonte

1

Wie hat sich Dein Einstieg ins Berufsleben nach dem Studienabschluss gestaltet?

2

Was ist Dein Ansporn und Deine Befriedigung in Deinem aktuellen Berufsfeld?

Nach Abschluss meines Studiums konnte ich zwischen verschiedenen Trainee-Stellen auswählen. Ich wurde von zwei Studienkollegen, die ein beziehungsweise zwei Jahre vor mir abgeschlossen hatten, in ihren jeweiligen Büros vorgeschlagen. Nach spannenden, guten Bewerbungsgesprächen hätte ich beide Stellen haben können. Sie waren in der Ausstellungsgestaltung angesiedelt, einem Bereich, in dem ich mich damals gerne versuchen wollte. So begann mein Einstieg ins Berufsleben hoppladihopp und ich sass in einem Büro vor einem Computer, wo meine Meinung gefragt war und meine Gestaltung geschätzt wurde. Wir nahmen zu dieser Zeit an vielen Wettbewerben teil und nach einem halben Jahr Ideenwälzen und -ausspucken war ich erschöpft – mir fehlte das Handfeste, das Umsetzen, das Überprüfen der eigenen Ideen in der Realität. All diese Wettbewerbe waren mir damals zu nahe am Studien-Alltag, und das kannte ich ja bereits. So folgte nach der Trainee-Stelle eine kleine Pause, in der ich überdenken wollte, wohin es mich treibt und wohin es mich beruflich zieht. Ich arbeitete in einer Bar und machte nebenbei ein paar Ausstattungen für Kurzfilme. Eine anstrengende, aber aufregende Zeit zwischen Tagesbeschäftigung an Filmsets und Abendschichten in der Bar mit tiefen Augenringen, aber ohne die Musse, darüber nachzudenken, wie es weitergehen sollte. Denn weder die Ausstellungsgestaltung noch die Arbeit an den Filmsets hatten mich richtig gefordert. Ich realisierte, dass ich noch wesentlich mehr lernen wollte. Wobei ich wusste, dass ich im Konzipieren von Ideen sehr gut war, mir aber die Erfahrung fehlte, diese praktisch umzusetzen. In der Umsetzung neigte ich dazu, die Detailliebe zu verlieren und zu schnell den einfacheren Weg einzuschlagen. Irgendwann sass mein ehemaliger Dozent für Baumanagement, Stephan Rolli, bei mir in der Bar, den ich im Studium wegen seiner Detailverliebtheit und der sauber umgesetzten Innenarchitektur sehr geschätzt hatte. Konsterniert darüber, mich hinter einer Theke zu sehen, bot er mir einen Job in seinem Architekturbüro an. In dieser Anstellung konnte ich lernen, was ich bis dato vermisst hatte und meinen Anspruch an einen saubere Umsetzung Realität werden lassen. Ich erarbeitete mir unglaublich viel Wissen über Farben und Materialien, Ausführungs- und Detailpläne, den Umgang mit den Handwerkern auf der Baustelle oder mit Kunden bei Sitzungen, über Ausschreibungen, Kostenkontrollen und Abrechnungen. Letztlich vermisste ich vor lauter Umsetzen und Ausführen das Konzipieren von verrückten Gestaltungsideen.

Die grösste Befriedigung in meiner Arbeit erlebe ich immer dann, wenn ich ein Projekt sowohl aus der Nähe betrachtet gut umgesetzt finde, als auch aus der Distanz hinter meinem Projekt stehen kann. Genügt es meinen ideologischen Ansprüchen einer nachhaltigen, zeitlosen Gestaltung, ist es ökologisch vertretbar und weist es gestalterisch einen gewissen Kniff auf, der dem Nutzer, Betrachter oder Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubert, dann bin ich glücklich.

3

Welche Erfahrung, welches prägende Erlebnis im Studium oder direkt danach begleitet Dich noch heute in Deinem Berufsleben?

Innenarchitektur und Szenografie sind ja im Grunde genommen Dienstleistungsberufe, bei denen immer Kunden den Rahmen stecken. Sei es budgetär, sei es mit eigenen, persönlichen Vorstellungen, die ich als Gestalterin in den Entwurf integrieren möchte. Am Ende handelt es sich ja nicht um mein Projekt, sondern um das des Kunden. Am prägendsten ist für mich, wenn es nicht zu gelingen scheint, meine Ideen mit denen des Kunden in Deckung zu bringen. Ich musste lernen, mich in diesem Fall zurückzunehmen und im Zweifel den Ideen des Kunden Vorrang zu geben, denn ich habe den Anspruch, diesen mit dem Resultat glücklich zu machen. Meine Befriedigung suche ich dann verstärkt im Detail. Habe ich Pläne gemacht, die sauber und schön sind, ist mir die Einteilung der Plattenfugen besonders gelungen? Letztendlich versuche ich, mich immer mit dem Resultat auszusöhnen und die Schönheit im Detail zu sehen – so kann ich dem Kunden seinen neuen Raum mit einem Lächeln übergeben und loslassen. Beim nächsten Projekt wird der Kompromiss zwischen meiner Vorstellung und der des Kunden sicher wieder besser funktionieren.

128


Interview #4 Anna Pedemonte

4

Was würdest Du aus heutiger Sicht anders angehen, wenn Du nochmals studieren könntest?

5

Welche Tipps und Ratschläge würdest Du Studierenden von heute mitgeben?

6

Gibt es ein Anliegen, das Du an dieser Stelle unbedingt anbringen möchtest?

Ich würde heute vermutlich nichts anders machen als damals. Ich war noch sehr jung, als ich studierte und bekam einen kleinen Studienkoller als ich merkte, dass mir die Berufserfahrung fehlte, um vom Studium optimal profitieren zu können. Daraufhin unterbrach ich es bewusst für ein Jahr, um mit diversen Praktika in das Berufsleben hinein zu schnuppern. Danach kehrte ich voller Elan und frischer Energie ins Studium zurück und konnte erstmals richtig geniessen, dass die meisten Projekte fiktiv waren. Denn wann ist man je so frei in der Gestaltung wie im Studium? Kein Budget, das einschränkt, kein Kunde mit Erwartungen, sondern einfach die Freiheit, abzuspacen. Ich fand das grossartig. Die Hochschule für Gestaltung ist fantastisch ausgerüstet mit der Metall- und der Holzwerkstatt sowie mit neuestem Video- und Foto-Equipment. Man hat die Chance, zu tüfteln und Ideen auszutesten. Ich würde allen Studierenden raten, das voll auszunutzen. Das eigene Herantasten an eine Materie bringt viel Verständnis dafür.

Die gute Gestaltung von Räumen ist meiner Meinung nach eine grosse gesellschaftliche Verantwortung. Tagtäglich bewegen wir uns in Innenräumen, verbringen Stunden um Stunden darin. Vor allem im reichen Land Schweiz wird dafür enorm viel Geld verbuttert, es werden Tonnen an Material verbaut und aus Zeitnot Vieles nicht richtig durchdacht. Daher wird in zu kurzen Zeitabständen wieder alles neu bewertet und geplant, da das Alte ohne Bestand war. Ich wünsche mir eine Bewegung, die in Richtung eines Slow Interior geht und vor allem einen Diskurs darüber, was gut, gesellschaftlich sinnvoll und ökologisch vertretbar ist. Mein E-Mail Briefkopf war eine Zeitlang eher im Scherz «Love, Peace and Light», aber er trifft im Grunde exakt mein Anliegen an gut geplante Räume: Mehr Liebe zur Arbeit und zum Detail für alle Beteiligten am Bau dank fairere Löhne, gegenseitiger Wertschätzung, einer friedvolleren Kommunikation und weniger Stress während der Erstellung. Licht wäre für mich der ökologische Aspekt. Dieser beinhaltet so Vieles, dass es den Rahmen sprengen würde, meine Gedankenkette auszuführen. Die Quintessenz ist Respekt gegenüber der Natur. Eine Eiche braucht über 100 Jahre, um die Grösse zu erreichen, die man für Parkett verwendet. Das Eichenparkett sollte mindestens ebenso lange überdauern. Wir müssten beginnen, in anderen Zeitmassstäben zu denken. In unserer schnellen, digitalen Welt vergessen wir leider, dass dem analogen Raum ein völlig anderer Zeitaspekt innewohnt. Ich mache mir in diesem Zusammenhang häufig Gedanken über den Begriff «visionär». Was ist visionär? Viele Beispiele aus der Vergangenheit zeigen: Ideen, die als visionär bezeichnet wurden, haben sich als reine Modeerscheinung entpuppt. Die «Frankfurter Küche» von 1926, konzipiert von der und für die moderne Frau eignet sich beispielsweise heute nur noch für den Singlehaushalt. Viele Jahre konnte sie nicht überdauern, obwohl sie technisch und im Detail sehr gut geplant war. Was wäre also richtig visionär? Eine Frage, die ich leider (bisher) auch nicht beantworten kann. Aber ich wünsche mir sehnlichst einen vermehrten Diskurs über derartige Themen in der heutigen und hiesigen Raumgestalterszene.

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Interview #4 Anna Pedemonte in einer Lift-Installation von Paul Wyler, Schatzalp 2016

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Institutsteam Gäste in der Lehre

Institutsteam

• Luiz-Fernando Albisser, Innenarchitekt und Szenograf, Basel • Jessica Back, Basel • Julia Büchel, Szenografin, Basel • Dorothea Braun, Architektin, Basel • Uwe R. Brückner, atelier brückner GmbH, D – Stuttgart • Silvia Buol, Basel • Gabriela De Marco, Basel • Ramon De Marco, idee und klang GmbH, Basel • Rolf Derrer, Atelier Derrer GmbH, Zürich • Natalina Di Iorio, Di Iorio & Boermann Architekten ETH SIA GmbH, Zürich • Helin Dogrulmaz, Basel • Heike Dürscheid, STÜCK LABOR BASEL, Basel • Martina Ehleiter, Bühnenbildnerin, Basel • Claude Enderle, Zürich • Nadia Fistarol, Basel • André Haarscheidt, Basel • Eva Hauck, Basel • Philipp Hauzinger, h2c GmbH, Beinwil am See • Fabian Kempter, Basel • Christian Kränkl, Basel

Gäste in der Lehre

• Thomas Berger Verein Solothurner Literaturtage, Solothurn • Sergio Casucci, Zürich • Rico Engesser Verein Solothurner Literaturtage, Solothurn • Prof. Jan Dominik Geipel Haute École d'art et de design Genève, Genf • Prof. Ursula Gillmann Hochschule Darmstadt (D) und Atelier Gillman, Basel • Dr. Ines Goldbach Kunsthaus Baselland, Muttenz • Dr. Christine Litz Museum für Neue Kunst, D – Freiburg • Peter Luginbühl Verein Solothurner Literaturtage, Solothurn • Nicole Reinhard Bildrausch Filmfestival Basel, Basel

Assistent

• Kurt Küng, Basel

Praktikantin Administration Assistentin

• Chantal Locher, Arlesheim • Arno Löwecke, cybermindvideo gmbh, Ettingen • Mark Moyses, Basel

Assistentin • Martin Niederhauser, transfer GmbH, Lenzburg • Martin Nievergelt, Nievergelt Produktdesign GmbH, Gutenswil Dozentin für Raum- / Farbdesign • Anna Pedemonte Administration Innnenarchitektin und Dozent für Klang / Ton / Akustik Szenografin, Zürich • Stephan Rolli, Dozent für Lichtdesign rolli + boss architekten, Basel • Alejandra Sahelices Garcia, Dozentin für Innenarchitektur / Zürich Projekte • Ruth K. Scheel, D – Stuttgart • Bernhard Schweizer, Praktikantin Administration Innenarchitekt und Szenograf, Dozentin für Theorie Basel und Deutsch • Edith Spettig, Assistentin vista point gruppe, Basel • Sabine Sträuli, Zürich Dozent für Theorie • Nader A. Taghavi, Dozentin für Theorie / Projekte Nader A. Taghavi Architektur, Dozent für Innenarchitektur Zürich und Szenografie / Projekte Dozentin für Planlehre und Projekte • Christoph von Arx, Münchenstein Dozent für digitale Medien: • Andreas Wenger, Photoshop Anarchitekton GmbH, Basel Dozent für digitale Medien: Video Leiter Administration und Finanzen

Leiter Metallwerkstatt, Dozent für Materialkunde Institutssekretariat Dozent für digitale Medien: Cinema4D Dozent für digitale Medien: Vectorworks Dozent für Kommunikation

Dozent für Szenografie / Projekte

Experte Projekt «Raum-Schrift-Sprache» Mentor Diplom 2015 Experte Projekt «Raum-Schrift-Sprache» Juror Diplom 2015 Jurorin Diplom 2015 Expertin Projekt «Le Grand Jeu» Expertin Projekt «Le Grand Jeu» Experte Projekt «Raum-Schrift-Sprache» Experte Projekt «Workshop Raum und Szenografie» und «Bildrausch Filmfestival Basel»

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• Peter Pakesch Universalmuseum Joanneum, A – Graz • Beat Schneider Bildrausch Filmfestival Basel, Basel • Dirk Schubert Atelier Schubert, D – Stuttgart • Andrea Stebler Verein Solothurner Literaturtage, Solothurn • Fritz Strempel LIONOIR, D – Berlin • Prof. Casper Johannes Walter Hochschule für Musik FHNW, Basel, • Prof. Marcus Weiss Hochschule für Musik FHNW, Basel • Sandrine Wymann Kunsthalle Mulhouse, FR – Mulhouse

Dozent für digitale Medien: Mixed Media Assistentin Dozent für Baumanagement Dozent für Innenarchitektur / Projekte Dozentin für Theorie Assistent Dozentin für Gestaltung und Layout Assistentin Dozent für Innenarchitektur / Projekte Dozent für Materialkunde, Leiter Holzwerkstatt Institutsleiter und Dozent für Architektur Design / Projekte

Experte Projekt «Le Grand Jeu» Experte Projekt «Workshop Raum und Szenografie» und «Bildrausch Filmfestival Basel» Mentor Diplom 2015 Experte Projekt «Raum-Schrift-Sprache» Experte für Workshop bei Projekt «24-hrs-shoptill-you-drop» Experte Projekt «Klangtaucher» Experte Projekt «Klangtaucher» Expertin Projekt «Le Grand Jeu»


Studierende

Studienjahr 2014 / 15

Studienjahr 2015 / 16

Grundstudium 1. und 2. Semester

Hauptstudium 3. und 4. Semester

Hauptstudium 5. und 6. Semester

Kim Albert Elena Antoni Josianne Baumann Ornella Braico Johanna Bühler Yasmin Emmenegger Domenic Emr Larissa Fehr Saskia Felber Sarah Frey Julia Füzesi Alev Güngör Recha Hiller Nicolas Hofer Monika Hostettler Helene Hunziker Alisa Knechtli Carlos Linder Michèle Müller Danaë Neuhaus Kesha Rüeger Chantal Salzgeber Montaño Adélaïde Schläpfer Karina Schulz Laura Siebold Stefanie Solèr Anja Spiegel Céline Sutter Romain Tièche Jael Uebersax Natascha Vögtli Maya Weber Nicola Weber

Tanja Baltensperger Liliane Blösch Nadja Borer Eva Chen Charlotte Demary Tanya Eberle Sofia Gianella Sarah Glauser Noemi Hunkeler Lorielle Hunziker Susanne Hürbin Marisa Jäger Yeliz Kartal Valerie Keusch Corinne Koller Christine Kühne Lea Lardrot Galina Litman Susanna Lombardo Noël Michel Corinne Morf Victoria Orrom Anja Raemy Nina Reinhart Mirjam Scheerer Pia Schwarz Jonas Vogel Livia Weishaupt Ladina Widmer Benjamin Wolf Nora Wüthrich Afrime Zekiri

Sandra Antille Adrian Beerli Iasmin Böhringer Tim Brülhart Marc Eichenberger Raphael Fuchs Michelle Hediger Fabienne Keller Andrea Rickhaus Rebecca Schneider Leonie Stauffer Samuel Strässle Nela Weber Andrea Winiger Angela Wyss Sarah Zürcher

Grundstudium 1. und 2. Semester

Hauptstudium 3. und 4. Semester

Hauptstudium 5. und 6. Semester

Kim Albert Martina Baader Judith Buchli Andrin Bührer Anna Caderas Fabiano Casale Manuela Dornbierer Astabrag El Omami Laetitia Fernandez Yves Gugelmann Lea Hättenschwiler Corinne Held Anneliese Jankowicz Anja Krummenacher Janina Lutz David Meienberg Zoe Näf Céline Neuschwander Laura Nötzli Mirjam Ragossnig Viviane Rapp Anne Sommer Mara Spühler Martina Stähli Céline Stössel Maude von Giese Melanie Wüthrich

Elena Antoni Josianne Baumann Yasmin Emmenegger Larissa Fehr Sarah Frey Julia Füzesi Recha Hiller Monika Hostettler Helene Hunziker Susanne Hürbin Alisa Knechtli Carlos Linder Michèle Müller Danaë Neuhaus Kesha Rüeger Chantal Salzgeber Montaño Laura Siebold Stefanie Solèr Anja Spiegel Natascha Vögtli Maya Weber Nicola Weber

Noëmi Baldelli Tanja Baltensperger Adrian Beerli Liliane Blösch Eva Chen Tanya Eberle Fabienne Fischer Sarah Glauser Lorielle Hunziker Yeliz Kartal Corinne Koller Lea Lardrot Galina Litman Susanna Lombardo Noël Michel Corinne Morf Victoria Orrom Anja Raemy Nina Reinhart Mirjam Scheerer Denise Schröder Pia Schwarz Jasmin Stricker Isabel Tobler Claudia Urbani Jonas Vogel Alexandra Vontobel Livia Weishaupt Ladina Widmer Benjamin Wolf Nora Wüthrich Afrime Zekiri

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Impressum

Herausgeber:

Fachhochschule Nordwestschweiz Hochschule für Gestaltung und Kunst Institut Innenarchitektur und Szenografie Freilager-Platz 1, Postfach Ateliergebäude A, 2. OG CH – 4023 Basel info.in3.hgk@fhnw.ch www.fhnw.ch/hgk/iis

Redaktion:

Christian Kränkl

Gestaltung:

Ronnie Fueglister

Lektorat Jahrbuch:

Andreas Michael pam – perfect address & mail D – 86633 Neuburg sowie Christine Thomas ktp – konzepte texte projekte D – 86633 Neuburg

Druck:

Schwabe AG, CH – 4132 Muttenz

Auflage:

800 Exemplare © 2016 Fachhochschule Nordwestschweiz Hochschule für Gestaltung und Kunst Institut Innenarchitektur und Szenografie Wir danken all unseren Dozierenden für die Mithilfe am Entstehen dieser Publikation.

Hauptsponsor Institut 2012 bis 2016:


2016

V – Jahrbuch 2016 – Institut Innenarchitektur und Szenografie HGK FHNW  

Jahrbuch 2016 des Instituts. Interviews, Studierendenprojekte, Umsetzungsprojekte und vieles mehr.

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