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Diplomanden/-innen

LUIZ-FERNANDO ALBISSER LEA ALVAREZ GAYOSSO-LÜTHY JANE BRÜTSCH PATRICK DOGGWEILER VALERIA FELDER MICHAEL GLASER


CHRISTOPH KINDLER ANNINA KOCH

SIMONE NINA KRAUS KATJA LINDER ANNA PEDEMONTE


NINA PETER PERRINE SCHMID JENNIFER SIGEL

MONIKA STEIGER CORNELIA VINZENS


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EINLEITUNG

EINLEITUNG ≥ GESCHÄTZTE LESERIN, GESCHÄTZTER LESER

«Schlaraffenland?» lautete in diesem Jahr das gemeinsame Oberthema für die drei Aufgabenstellungen in Innenarchitektur, Objektdesign und Szenografie. Die positiven Erfahrungen des vergangenen Jahres hatten uns bewogen, wieder ein verbindendes Thema für die Diplomarbeiten zu wählen. Ihren Neigungen und Interessen entsprechend, konnten die Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen des Jahres 2011 frei zwischen den folgenden drei Aufgabenstellungen wählen: «Protect me from what I want – Verloren im Schlaraffenland», «Von allen Sinnen?! – Räumliche Inszenierung eines neuartigen Schlaraffenlandes» und «Heterotopia». Bei «Protect me from what I want – Verloren im Schlaraffenland» geht es um die gesundheitlichen Auswirkungen, wenn der Überfluss zu gross oder zum Problem wird [Diplomverantwortliche Jasmin Grego]. «Von allen Sinnen?! – Räumliche Inszenierung eines neuartigen Schlaraffenlandes» beschäf-


SCHLARAFFENLAND? SCHLUSSWORT

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tigt sich mit dem Schlaraffenland des 21. Jahrhunderts als begehbarem Erlebnisraum [Diplomverantwortliche Charlotte Tamschick]. «Heterotopia» widmet sich der Frage nach unseren heutigen Sehnsüchten und den Räumen, derer es zur Erfüllung bedarf [Diplomverantwortlicher Thomas Wüthrich]. Den drei Aufgabenstellungen gemeinsam war der Auftrag, das Thema aus heutiger Sicht kritisch zu reflektieren. Oder wie Charlotte Tamschick in ihrer Aufgabenstellung schreibt: Wollen wir heute immer noch «mehr» oder sehnen wir uns vielleicht nach «weniger»? Je nach Aufgabenstellung sollte das gemeinsame Oberthema aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet werden. Sowohl institutsintern als auch von aussen sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Herangehensweisen an ein Thema in den verschiedenen Entwurfsrichtungen deutlich werden. Oft werden wir gefragt, warum wir unseren Diplomierenden – im Gegensatz zur Tradition an anderen Instituten – Aufgabenstellungen vorgeben. Die Antwort liegt in der beruflichen Praxis nach dem Studium: In allen drei Berufsfeldern werden viele Aufträge im Wettbewerbsverfahren und aufgrund eines «Briefings» bzw. einer Aufgabenbeschreibung vergeben; auf diese Praxis möchten wir im Bachelorstudium vorbereiten. Auf unserer Webseite zum Diplom können Sie nachvollziehen, wie unsere Diplomierenden die Aufgabenstellungen gelöst haben: Sie finden dort zu jeder Diplomarbeit einen Konzepttext, Bilder und allenfalls weitere Visualisierungen wie Filme, Webseiten, PDF zum Projekt, ebenso natürlich kurze Angaben zur Person. (www.diplomhgkfhnw.ch/)


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EINLEITUNG

Unseren Absolventinnen und Absolventen wünschen wir viel Erfolg und Befriedigung in ihrer beruflichen Zukunft. Den betreuenden Dozierenden, Professorinnen und Professoren, Assistierenden, den Mentorinnen und Mentoren sowie dem ganzen Werkstatt-Team danken wir für die Unterstützung und Förderung unserer Bachelor-Abgängerinnen und -Abgänger 2011. PROF. ANDREAS WENGER Leiter des Instituts Innenarchitektur und Szenografie Dozenten/-innen

NATHALINA DI IORIO VALERIE HESS [Assistenz]

CHARLOTTE TAMSCHICK MARTINA EHLEITER [Assistenz]

THOMAS WÜTHRICH ROLF INDERMÜHLE [Assistenz] Theorie

PROF. DR. PHIL. CLAUDE ENDERLE


SCHLARAFFENLAND?

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DIPLOMAUFGABENSTELLUNG 1 — PROTECT ME FROM WHAT I WANT ≥ VERLOREN IM SCHLARAFFENLAND

Die Gesellschaft der westlichen Welt wird auch «Wohlstandsgesellschaft» oder «Überflussgesellschaft» genannt. Die Begriffe benennen den materiellem Überfluss, in dem breite Bevölkerungsteile leben. Es wird davon ausgegangen, dass sich der Reichtum derartig ausgeweitet hat, dass Konsumgüter, Waren und Dienstleistungen im Überfluss vorhanden sind. Merkmale der heutigen Überflussgesellschaft sind: hochentwickelte Produktionstechniken, Kommerzialisierung des Konsums, Erhöhung des Angebots, Steigerung der Nachfragekapazität, veränderter Konsumstil, erhöhter Lebensstandard und Umweltprobleme durch Material- und Energieverbrauch. Der Begriff der Überflussgesellschaft ist von deutlicher Ambivalenz gekennzeichnet: Zeit ist unsere knappste Ressource. Das Glück lässt sich nicht mehr so stark am Luxus eines Autos, eines Fernsehers oder viel Geld messen, sondern an psychologischen Faktoren wie zum Beispiel einem erfüllenden Sozialleben. Die «Immer-Erreichbarkeit» und der «Rund-um-die-Uhr-


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DIPLOMAUFGABENSTELLUNG 1

Informationsfluss» erhöhen das Bedürfnis nach einer Auszeit vom «Information Overload», nach Ruheinseln oder Rekreationsräumen. Diese neue Sehnsucht nach Stille, Einfachheit oder Besinnlichkeit kann in direktem Bezug zum stetigen Zunehmen von Burnout-Syndromen, Depressionen oder Überforderung in Job und Familie stehen. In Stans befindet sich ein ehemaliges Kapuzinerkloster, das zu einer Klinik, einem Rückzugs- und Behandlungsort, umgeplant werden soll. Hier sollen Orte und Räume für Patientinnen und Patienten entstehen, die ambulant oder stationär behandelt werden. Ausgewiesene Fachkräfte behandeln hier Menschen mit Krankheitsbildern, die einen offenen Rahmen erlauben. Breit gefächerte Therapie- und Behandlungsformen sollen in entsprechenden Räumen angeboten werden. Das Raumangebot soll den spezifischen Bedürfnissen der Patienten und den entsprechenden Therapieformen gerecht werden. Ziel des Projekts ist es, eine auf die Anforderungen der Aufgabe massgeschneiderte, inhaltlich, räumlich sowie gestalterisch stimmige Lösung zu finden. PROF. JASMIN GREGO Mentoren

THOMAS ODER BEAT SCHNEIDER [Schneider & Schneider] Expertin

ANJA MAISSEN [Dipl. Architektin ETH/SIA]


SCHLARAFFENLAND?

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DIPLOMAUFGABENSTELLUNG 2 — VON ALLEN SINNEN?! ≥ RÄUMLICHE INSZENIERUNG EINES NEUARTIGEN SCHLARAFFENLANDES

Inszenieren Sie das moderne Schlaraffenland des 21. Jahrhunderts als einen utopischen Ort der Begierde und der zügellosen Sehnsüchte jenseits von Raum und Zeit. Von der Antike bis zur Gegenwart ist der Wunschtraum vom Land des Überflusses und des Wohllebens als Stoff, Motiv und Thema in der Literatur lebendig geblieben. Arcadia, Elysium, Walhalla, Shangri-la, Wellnesstempel oder schlicht das Paradies – das sind nur einige Bezeichnungen für jene Anderswelt, in der mythische und religiöse Vorstellungen seliger Gefilde und goldener Zeitalter zum Ausdruck kamen und die im paradiesischen Jenseits lokalisiert oder als ferne Wunderländer beschrieben wurden. Mit zeitgenössischen Gestaltungsmitteln soll ein Wunschort interpretiert werden, das Sujet räumlich übersetzt und somit sinnlich erfahrbar gemacht werden – als begehbare Erlebnisräume. Ziel ist ein in sich schlüssiger, dramaturgisch aufge-


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DIPLOMAUFGABENSTELLUNG 2

bauter Parcours aus Raumbildern, Rauminstallationen, inszenatorischen Elementen. Die Studierenden suchen sich selbst geeignete Räume oder erfinden und definieren diese. Sie entscheiden, auf welche Art und Weise sie das Thema übersetzen wollen – zum Beispiel als Raum-Kunst-Installation, als performativen Raum oder als Ausstellung. Die Inszenierungen sollen keine 1:1-Übersetzungen des Themas sein, sondern das Thema Schlaraffenland des 21. Jahrhunderts frei gestalterisch und kritisch reflektieren. Üblicherweise wird der Begriff Schlaraffenland mit Überfluss und Luxus assoziiert. Das Thema sollte jedoch aus heutiger Sicht kritisch hinterfragt und individuell interpretiert werden. Luxus, Überfluss – Langeweile? Wollen wir heute immer noch «mehr» oder sehnen wir uns vielleicht nach «weniger»? Bedeutet Schlaraffenland heute vielleicht eher Reduktion, Ruhe, Entspannung, Purismus, in einem Zeitalter, in dem alles schlaraffenländlich im Überfluss vorhanden ist? CHARLOTTE TAMSCHICK Mentor

JÖRG SELLERBECK [Raumkulinarik] Experte

ALAIN RAPPAPORT [szenographie.architektur]


SCHLARAFFENLAND?

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DIPLOMAUFGABENSTELLUNG 3 — HETEROTOPIA

Bei dieser Aufgabe geht es darum, nach den Sehnsüchten und Träumen unserer Gesellschaft im jungen 21. Jahrhundert zu forschen. Die bei der Schlaraffenland-Thematik oft erwähnte «Terra incognita», die weissen und unentdeckten Flecken auf der Erde, ist längst schon von unseren Landkarten verschwunden; Vieles scheint in heutiger Zeit erklärt und erforscht. Auch der französische Philosoph Michel Foucault befasste sich mit dieser Thematik und formulierte dafür eigens den Begriff der «Heterotopie»: Räume, welche der Utopie und der Norm des Alltags entgegengestellt werden als sogenannte «Widerlager der Gesellschaft». Die Diplomaufgabe besteht darin, ein solches Widerlager der Gesellschaft zu kreieren, das aus Sicht der Studenten und der Studentinnen von der heutigen Zeit benötigt wird und diese reflektiert. Dabei gilt es Inhalt und Standort dieses Raumes oder Objekts selbst zu definieren. Mit der Standortwahl ist auch die Raumtypologie zu konzipieren, welche sich ebenso


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DIPLOMAUFGABENSTELLUNG 3

auf den Innenraum wie auf den allfälligen Aussenraum bezieht. Hinzu kommt die Frage nach der Szenografie der Umstände: Wie und wer gelangt unter welchen Umständen an diesen Ort? Die Auseinandersetzung dreht sich klar um den Raum als Objekt, welcher teilweise oder je nach Projekt sogar als Ganzes im Massstab 1:1 umgesetzt werden soll. THOMAS WÜTHRICH Mentor

MATTHIAS RICK [raumlaborberlin] Experte

MORITZ SCHMID [Produkt Design]


SCHLARAFFENLAND, EINMAL HIN UND ZURÜCK

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DIPLOMTHEORIEARBEIT 2O11 SCHLARAFFENLAND, EINMAL HIN UND ZURÜCK

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ALS GESELLSCHAFTSKRITIKER UNSERER ZEIT? ARBEIT VON CORNELIA VINZENS

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4. JUNI 2O11

DIE GUERILLA GARDENER DIPLOMTHEORIEVERANTWORT-

LICHER DIPLOMAUFGABE THEORIE | PROF. DR. PHIL. CLAUDE ENDERLE

Der Inhalt dieser Diplom-Theoriearbeit ist in vollem Umfang selbstständig erstellt worden. Zitierte oder paraphrasierte Text- und Bildquellen sind als solche gekennzeichnet und mit den jeweiligen Urheberangaben versehen. Korrektorat Diese Theoriearbeit wurde von Dr. Carli Tomaschett, Chefredaktor des Dicziunari Rumantsch Grischun (DRG) in Chur, gelesen und auf grammatikalische Fehler korrigiert.


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DIPLOMTHEORIEARBEIT VON CORNELIA VINZENS

EINLEITUNG

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DIE FLUCHT AUS DEM SCHLARAFFENLAND

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VORGEHEN UND ABWEICHUNGEN VOM KONZEPT

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ZURÜCK ZUR NATUR – EIN GESELLSCHAFTSKRITISCHER AUFRUF

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NATURENTFREMDUNG AM BEISPIEL SCHILLERS

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GESELLSCHAFTSKRITIK UND GESELLSCHAFTSFLUCHT

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DIE NATURFRAGE WIRD ZUM POLITISCHEN ANLIEGEN

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DIE KUNST WIDMET SICH DEM UMWELTSCHUTZ

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DIE NEUE GRÜNE WELLE

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GUERILLA GARDENER

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DIE GESCHICHTE DES ILLEGALEN GÄRTNERNS

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MOTIVATION

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DAS MENSCHLICHE RECHT AUF NATUR

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DIE RÜCKKEHR ZUR NATUR ALS PHÄNOMEN DER MENSCHEITSGESCHICHTE

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DIE KULTUR ALS FEIND DER VERGANGENHEIT UND ALS FREUND DER ZUKUNFT

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DIE MORALISCHE UND PHYSISCHE GESELLSCHAFTSFLUCHT

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KEIN LEBEN OHNE NATUR

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DIE EIGENINITIATIVE ALS GEGENWÄRTIGE LÖSUNG DER NATURFRAGE

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FAZIT

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PROGNOSE

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ANHANG

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SCHLARAFFENLAND, EINMAL HIN UND ZURÜCK

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EINLEITUNG DIE FLUCHT AUS DEM SCHLARAFFENLAND

Der Begriff des Schlaraffenlandes ist seit seiner Begründung als Parodie auf das Paradies in einem Werk von Sebastian Brant 1494 in aller Munde.1 Im europäischen Mittelalter plagten den einfachen Bauern der sozialen Unterschicht Hungersnot und Leid. Nicht weiter erstaunlich ist somit die damalige Wunschvorstellung nach einem Schlaraffenland, wo das Faulenzen und Geniessen oberste Priorität haben, wo einem das Essen gebraten in den Mund geflogen kommt.2 Damals wie heute strebte der Mensch nach dem gleichen Ziel, welches ein erfülltes und vollkommenes Leben ausmacht, nämlich das Erlangen des Glückszustandes. Die gegenwärtige kapitalistische Wohlstandsgesellschaft lebt mittlerweile in der mittelalterlichen Utopie des materiellen Überflusses. Jedoch ist das Glück auf dem Weg nach oben auf der Strecke 1 2

Grego, 2011, Schlaraffenland, S. 21 Sachs, 1530, Schlaraffenland, S. 71


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EINLEITUNG

geblieben. Der moderne Bürger ist vom Leistungsdruck und dem Konsumüberfluss im vermeintlichen Schlaraffenland des 21. Jahrhunderts völlig überfordert und sucht nach einer Rückzugsmöglichkeit aus der Alltagswelt.3 Bei dieser Suche nach einer Erholungsoase besinnt sich der Mensch auf die ewig treue, reine Natur. Ein altbewährtes Phänomen in der Geschichte der Menschheit, das mit der seit den 60er-Jahren populären und seit der Atomkatastrophe in Fukushima im März 2011 wieder brandaktuellen Ökologiebewegung bis zur Gegenwart nichts von seinem Reiz verloren zu haben scheint! Das Design erkannte dieses ökologische Bewusstsein der Gesellschaft und machte die nachhaltige Lebensweise zum Trend. Alternativen für ein umweltbewusstes Leben werden unter Namen wie Nachhaltiges Design, Eco Design oder Green Design präsentiert und stossen auf reges Interesse. Eine besondere Erscheinung dieses Ökobooms sind Gruppierungen von Aktivisten namens Guerilla Gardener, unbekannten Stadtgärtnern, die den Begriff des Green Designs wortwörtlich nehmen, indem sie graue Stadtteile in grüne Oasen verwandeln. Sie ziehen in der Nacht los und bepflanzen ohne Genehmigung öffentliche und unbenutzte Stadtbrachen. Welche Moral vertreten die Guerilla Gardener und welche Rolle spielt die Natur als solche bei ihren Aktionen? Setzen die Aktivisten ein Zeichen, dass der kapitalistische Mensch 3

Kurianowicz, 2011, Schwierigkeiten mit der Freiheit, S. 49


SCHLARAFFENLAND, EINMAL HIN UND ZURÜCK

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des 21. Jahrhunderts zurück zur Natur will, oder sind ihre Handlungen Mittel zu einem anderen politischen Zweck? Die Frage wirft einen gesellschaftskritischen Aspekt in den Raum, welchem ich im Rahmen meiner Untersuchungen nachgehen werde. VORGEHEN UND ABWEICHUNGEN VOM KONZEPT

Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich die Frage nach der Natur anhand von Beispielen aus den Bereichen der Literatur, Kunst und Politik aufgreifen und die Beweggründe im zeitgeschichtlichen Kontext analysieren. Bei diesen Untersuchungen konzentriere ich mich auf die Zeitspanne von der Aufklärung im 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Im zweiten Teil befasse ich mich mit der zeitgenössischen Bewegung der Guerilla Gardener. Ähnlich wie im ersten Teil werde ich die Motivation hinter diesen Aktionen unter Einbezug des zeitlichen Geschehens untersuchen. Historische und gegenwärtige Parallelen oder Abweichungen werden in der folgenden Analyse aufzeigen, ob die Hintergründe für diese Sehnsucht nach der Natur seit Jahrhunderten den gleichen oder ähnlichen Ursprung haben. Im Fazit und in der Prognose werde ich anhand meiner oben erwähnten Untersuchungen und der daraus folgenden Analyse die Bedeutung der friedlichen Guerilla-Gardener-Aktivisten für unsere Gesellschaft aufzeigen und die Frage, ob


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EINLEITUNG

die Guerilla Gardener die Gesellschaftskritiker unserer Zeit sind, beantworten. Für die historische Untersuchung der Naturfrage habe ich neben dem im Konzept aufgeführten schillerschen Beispiel aus der Literatur zusätzlich Beispiele aus der Kunst hinzugezogen. Ebenfalls habe ich die Zeitspanne der Untersuchungen von der erwähnten Industrialisierung im 19. Jahrhundert auf die Aufklärung seit dem 18. Jahrhundert ausgedehnt, da das aufklärerische Gedankengut für das Verständnis der philosophischen und literarischen Entfremdung von Mensch und Natur in der Romantik eine wesentliche Rolle spielt.


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ZURÜCK ZUR NATUR – EIN GESELLSCHAFTSKRITISCHER AUFRUF

Die Natursuche ist eine Gesellschaftsfrage und reflektiert das aktuelle Zeitgeschehen. 4 Wirtschaftliche Ideale, Normen und Werte äussern sich in der Politik und diese wiederum beeinflusst Inhalte von philosophischen Schriften und künstlerischen Werken. Es ist ein Kreislauf von Ereignissen, welche der Zivilisation ihre Gestalt geben und nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können. NATURENTFREMDUNG AM BEISPIEL SCHILLERS

Schriften wurden seit der Ausbreitung des Buchdruckes in Europa im 15. Jahrhundert allgemein zugänglich und trugen zu einer allgemeinen Bewusstseinsbildung bei.5 Von 1794 bis 1796 verfasste Schiller eine Abhandlung «Über die naive und 4 5

Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 14 www.mainz.de/gutenberg/erfindu4.htm, besucht am 15. 6. 2011


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TEIL 1

sentimentalische Dichtung», in welcher er den naiven, natürlichen Urzustand der Einheit von Mensch und Natur als verloren erklärt.6 Der antike Grieche lebte nach Schillers Auffassung in diesem naiven Zustand der Harmonie.7 Schiller erklärt, dass die durch die Kultur 8 hervorgebrachte Freiheit des Willens den Menschen von der Natur 9 entfremdet hat und dass die Reflexion des Verstandes ihn über diesen Verlust sentimentalisch stimmt.10 Seine Trauer über den gegenwärtigen Zustand äusserte der Dichter in der Elegie, dem Klagelied.11 Aus diesen Studien entstand das im Jahre 1795 von Schiller verfasste Gedicht «Der Spaziergang»12, eine Elegie über die Entstehung der Kultur und die dadurch verursachte Entfremdung von Mensch und Natur. «Der Spaziergang» beschreibt nicht, wie es der Titel vielleicht vermuten lässt, das Empfinden eines Naturerlebnisses, sondern ist vielmehr eine Reflexion über die Geschichte der Kultur und deren Auswirkungen auf die Beziehung von Mensch und Natur. 13 In verschiedenen geschichtlichen Etappen beschreibt Schiller die Entstehung und Entwicklung der Kultur von der Antike bis zur damaligen Gegenwart und macht am 6 7 8

Mader, 2002, Poetik oder Philosophie?, S. 8 ebd., S. 13 «Landbau», «Pflege», vom Mensch geschaffen, nicht naturgegeben. Aus Brockhaus Enzyklopädie, 1998, Band 12 9 «Geburt», «Schöpfung», was wesensgemäss von selbst da ist und sich selbst reproduziert. Aus Brockhaus Enzyklopädie, 1998, Band 15 10 Mader, 2002, Poetik oder Philosophie?, S. 8 11 ebd., S. 29 12 siehe Schiller, 1795, Der Spaziergang, Anhang, S. 51–59 13 Riedel, 1989, Der Spaziergang, S. 18


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Schluss einen Ausblick in die Zukunft. Der Eingangsteil ist eine Landschaftsdarstellung, in der sich der lyrische Spaziergänger bewegt. Im ersten Teil [Vers 1–18] beschreibt Schiller bildhafte, klassische Landschaftsreize, welche sich der folgenden Waldszene im zweiten Teil [Vers 19–26] in einen erhabenen und unüberschaubaren, und dennoch angenehmen Ort in der Natur verwandeln. Durch die Verbindung dieser beiden gegensätzlichen Landschaftstypen schafft Schiller das Bild einer Ideallandschaft.14 Ab Vers 37 wechselt die Ansicht des Spaziergängers von der Natur als solche auf die Natur als Lebensraum des Menschen. Auf dem Berg angelangt öffnet sich die Sicht ins Tal, und der Wanderer erkennt erste Anzeichen der Kultur und Eigentumsbildung. Die Menschen beginnen, sich dauerhaft in Dörfer niederzulassen und betreiben Ackerbau und Viehzucht. Idyllische und traditionelle Motive des Landlebens beschreiben den naiven Zustand des Goldenen Zeitalters in der Antike, als der Mensch und seine Kultur mit der Natur noch eine Einheit bildeten.15 Nun wechselt die äussere Ansicht des Spaziergängers zu einer imaginären Reise durch die Geschichte [Vers 69–172]. Der Übergang vom Dorf zur Stadt, das Entstehen von Ordnung, Sittengesetzen, Religion und Kunst sowie Gewerbe und Handel sind Beweise für eine schnelle Entwicklung der Gesellschaft. Durch die Wissenschaftszweige Chemie und Physik können 14 Riedel, 1989, Der Spaziergang, S. 43–45 15 ebd., S. 51–60


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TEIL 1

Naturerscheinungen erklärt werden, und Aberglaube sowie Furcht verschwinden. Die durch die Aufklärung gewonnene Freiheit wird zur zügellosen Begierde und stellt durch den Verlust der instinktiven Moral die vollendete Entfremdung von Mensch und Natur dar. Die Vision des Wanderers endet in einer Revolution, in der sich der Mensch gegen den Staat erhebt, um die verlorene Natur zu suchen (Vers 166–170).16 Der Wanderer erwacht im letzten Teil des Gedichtes aus seinem Tagtraum und findet sich in einer schaurigen und wilden Natur wieder. Seine Betrachtungen von der Vergangenheit bis zur Gegenwart haben ihn auf einen falschen Weg geführt. Die Einsamkeit wendet sich jedoch bald in eine Zuwendung zur Natur, da diese noch immer dieselbe ist wie vor den Anfängen der Kultur. Die Identität der Natur ist somit unabhängig von der Geschichte, was den Wanderer an die paradiesischen Zustände der Antike erinnert und ihn auf eine wiederkehrende Harmonie von Mensch und Natur am Ende der Entwicklung der menschlichen Kultur hoffen lässt.17 Aus Überzeugung sagt er im letzten Vers: «Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns.» 18

16 Riedel, 1989, Der Spaziergang, S. 81–95 17 ebd., S. 96–101 18 siehe Schiller, 1795, Der Spaziergang, Anhang, S. 59


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GESELLSCHAFTSKRITIK UND GESELLSCHAFTSFLUCHT

Kritik an das System und an die Gesellschaft sowie Sehnsüchte für die Zukunft äusserten sich früher sowie heute in der Bildsprache und Darstellungsart der Künstler und Designer. Dieser gesellschaftliche Wunsch nach Veränderung entstand geschichtlich betrachtet immer in einer Phase, in der sich eine anfängliche Euphorie in ihr Gegenteil umschlug 19 und die Auswirkungen spürbar wurden. Solche Zeiten des Umbruchs ereigneten sich an den Wenden vom 18. zum 19. Jahrhundert und vom 19. zum 20. Jahrhundert sowie im Jahr 1968.20 Zu monarchischen und absolutistischen Zeiten des 17. Jahrhunderts, als die Zensur die Meinungsfreiheit der Bürger kontrollierte, suchte sich der einfache Bürger andere Wege, um seinen Frust über soziale Missstände zu äussern. Betrachtet man die Landschaftsmalerei aus dieser Zeit bis zur Wende zum 20. Jahrhundert, so lassen sich subtile, jedoch präzis gesetzte Hinweise auf die bereits von Schiller thematisierte Entfremdung des Menschen von der Natur finden.21 Um den Rahmen meiner Arbeit nicht zu sprengen, werde ich nicht eine ausführliche Analyse einzelner Landschaftsgemälde vornehmen, sondern zwei Entwicklungen der Landschaftsmalerei in Bezug auf die Naturauffassung erläutern.

19 Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 13 20 ebd., S. 20 21 ebd., S. 13


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TEIL 1

Die auf die Epoche der Aufklärung folgende französische Revolution 1789 brachte den Bürger des frühen 19. Jahrhunderts aus seinem inneren Gleichgewicht. Bis dahin bewährte Werte wurden neu festgelegt, Traditionen gingen verloren und die Identitätsfrage musste neu gestellt werden. Die Suche nach Antworten auf das zeitliche Geschehen mündete oft in historische Vorbilder, welche als Orientierungshilfe in der Gegenwart dienen sollten. Dies erklärt auch wiederum Schillers Bezug auf die Antike. Der Romantiker Caspar David Friedrich malte Landschaften, die seine seelische Befindlichkeit wiedergaben [→ A ]. Im Vordergrund der Mensch in der Gegenwart, auf sich selbst gestellt, umgeben von verletzten und zum Teil zerstörten Naturelementen, sein Blick sehnsuchts- und hoffnungsvoll in die Ferne, die Zukunft im Jenseits, gerichtet.22 Die Abneigung zur Gegenwart ist eindeutig. Mit der Schule von Barbizon, einer um 1830 in Frankreich gebildeten Künstlergruppe, fand der Realismus Einzug in die Landschaftsmalerei [→ B]. Die Abkehr von der Grossstadt und die Entdeckung unberührter Natur als Rückzugsgebiet stellt die früheste, relevante Verbindung zur gegenwärtigen Natursuche des 21. Jahrhunderts dar. Erstmals interpretierte der mittlerweile in Städten lebende Mensch die Natur aus einem touristischen Aspekt als Regenerations- und Erholungsraum, abseits von der Gesellschaft. Die Flucht vor der Zivilisation bestätigt Théodore Rousseau, der Führer der Schule von BarbiA siehe Abbildung → A im Umschlag [hinten] 22 Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 15 B siehe Abbildung → B im Umschlag [hinten]


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zon, mit seiner Aussage: «Zum Teufel mit der zivilisierten Welt! Es lebe die Natur, die Wälder und die alte Poesie!» 23 Die bildlichen Botschaften der romantischen und realistischen Landschaftsmalerei verdeutlichen die stetige Sehnsucht der Künstler nach der Einheit von Mensch und Natur, wie vor den Anfängen der Zivilisation. Dabei spielt der gesellschaftspolitische Wandel, dem die Menschen besonders seit dem Beginn des Industriezeitalters Ende des 19. Jahrhunderts unterzogen waren, eine wesentliche Rolle im Verständnis der Natursuche. Die Industrialisierung führte zu oppositionellen Bewegungen, mitunter zum Jugendstil, in welchem organische Formen das Erscheinungsbild in Kunst und Architektur dominierten und einen Hauch von Natur zurück in die Grossstadt holten [→ C ]. Die zunehmenden sozialen Missstände mündeten in sozialreformerischen Gedanken wie zum Beispiel die von William Morris propagierte Rückkehr zum Handwerk. Als Fluchtweg schien die Zukunft unbestimmt, was erklärt, warum sich die Künstler oft Anhaltspunkte und Motivation in gut bewährten Formen der Vergangenheit suchten. Diese Ablehnung der Gegenwart, die sich in verschiedenen Formen äusserte, stellte jedoch in allen Fällen eine Kritik an das zeitgeschichtliche Geschehen und somit an die Gesellschaft dar.24

23 Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 16–17 C siehe Abbildung → C im Umschlag [hinten] 24 Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 18–20


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TEIL 1

DIE NATURFRAGE WIRD ZUM POLITISCHEN ANLIEGEN

Die Auffassung des Naturbegriffes hat seit den Sechzigerjahren eine ganz andere Richtung eingeschlagen. Der seit dem Einsetzen des Industriezeitalters um 1860 erhöhte Bedarf an Ressourcen und der Wiederaufbau im Nachkriegs-Europa der 50er-Jahre hatten eine enorme Ausbeutung der Natur zur Folge. War die Natur noch im 19. Jahrhundert als Sinnbild für das Unberührte und Reine der Fluchtraum vor der Urbanität, so geriet sie im Zuge des 20. Jahrhunderts selbst in existentielle Not. Bereits zu Beginn der 60er-Jahre warnten Kritiker vor den verheerenden Auswirkungen der Eingriffe in das ökologische Kreislaufsystem. Viele nahmen diese Warnung ernst und schlossen sich zu verschiedenen politischen Gegenbewegungen zusammen, die zwar aus verschiedenen Beweggründen initiiert wurden, sich jedoch alle eine Gesellschaftsreform als Ziel gesetzt hatten.25 Wie Rödiger-Diruf sagt, ist «die zerstörte Natur zum Spiegelbild der Zivilisation»26 geworden. Die schlechte Lage um die Natur spitzte sich gegen Ende des Jahrzehnts zu, als die Folgen der Ausbeutung durch Katastrophenmeldungen, Wasser-, Luft- und Bodenverschmutzung für die Gesellschaft spürbar wurden. Die Situation eskalierte im Jahre 1968 und führte zu zahlreichen Revolten.27

25 Kraushaar, 2001, Denkmodelle der 68er-Bewegung, S. 15 26 Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 20 27 ebd., S. 20–21


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Im Zusammenhang mit den Entwicklungen im Nahen Osten führte im Jahre 1973 ein starker Anstieg des Ölpreises zu einer politischen und wirtschaftlichen Krise in der gesamten westlichen Welt.28 Die Umweltproblematik drang spätestens zu diesem Zeitpunkt bis zu den letzten Mitgliedern einer existentiell angeschlagenen westlichen Gesellschaft. Das Dilemma um die Existenz der Natur prägt sich in das allgemeine Bewusstsein, und Anfang der 70er-Jahre wird der Begriff des «Umweltschutzes» in das deutsche Vokabular eingeführt.29 Rückblickend lässt sich folgern, dass gegenwärtige politische sowie ausserparlamentarische Oppositionen aus alternativen und sozialen Bewegungen aus den 60er- und 70er-Jahren entstanden sind. So führten beispielsweise jene aus der AntiAKW-Bewegung entstandenen Gruppierungen zu der Gründung der Grünen Parteien in den westlichen Staaten.30 Auch die Tier- und Umweltschutzorganisation Greenpeace ist eine Nachfolgerin der ökologischen Reformprozesse jener Zeit. Einige soziale Bewegungen mit dem Gedankengut und Ansporn der 68er-Revolten schafften es demnach, sich langfristig zu bewähren, und einige darunter sogar zu interkulturellen und generationenübergreifenden Massenbewegungen heranzuwachsen. Die Ökologiebewegung ist eine davon.

28 Kraushaar, 2001, Denkmodelle der 68er-Bewegung, S. 27 29 Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 21 30 Kraushaar, 2001, Denkmodelle der 68er-Bewegung, S. 27


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TEIL 1

DIE KUNST WIDMET SICH DEM UMWELTSCHUTZ

Die Ereignisse der Sechzigerjahre und das daraus neu erlangte Umweltbewusstsein sowie die technischen Errungenschaften der Medien färbten sich auch auf die Bild- und Formensprache der Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ab. 31 Als neue Ausdrucksform trat anstelle der künstlerischen Objektgestaltung ein bis heute geltender konzeptioneller Ansatz, welcher, geprägt von einer starken Subjektivität des Künstlers, sich in temporären Installationen auszeichnet und sich nur durch Dokumentationstechniken wie Film und Fotografie verewigen lässt. Dies zeigt sich in den Sechzigerjahren in der bekannten Strömung der Land-Art. Christo beispielsweise nimmt durch künstlerische Eingriffe Veränderungen in der Natur selbst vor und zeigt durch fliessende Übergänge eine Einheit von Kunst und Natur [→ D]. Gemäss den Vertretern der Land-Art kann eine notwendige Regeneration der menschlichen Moral nur in der Natur abseits der Gesellschaft stattfinden. Hinzu kamen neue Phänomene der Massenmedien wie Fernsehen, Comic und die Erfindung des Computers in den Vierzigerjahren. Die Medien begannen, die Sehnsucht der Gesellschaft nach einem naturnahen Fluchtraum schamlos auszunutzen, indem sie die Natur als Illusionsmittel in der Werbung vermarkteten und dem Fernsehkonsumenten über Bilder und 31 folgende Gedanken basieren auf Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 21. D siehe Abbildung → D im Umschlag [hinten] E siehe Abbildungen → E – F im Umschlag [hinten]


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Geschichten eine fiktive Naturerfahrung lieferten. Dies sind offensichtliche Beispiele für die Naturentfremdung durch die Medien. Diese Bildsprache der Medien ist im 21. Jahrhundert nach wie vor präsent. Die in den Fünfzigerjahren entstandene Pop-Art setzt sich kritisch sowie ironisch mit den Strategien der Konsumpropaganda auseinander [→ E – F]. Werbung wird ironisiert und zur Kunst gemacht. Dabei zielt der Künstler bewusst auf eine erzieherische Wirkung beim Betrachter, wodurch wiederum die Subjektivität dieser Art von Kunst spürbar wird. Im Gegensatz zur Land-Art zeichnet sich die Darstellungsweise der Pop-Art durch die Objektgestaltung aus, jedoch ist der konzeptionelle Gedanke bei beiden Strömungen vordergründig.32 Während diese eben erwähnten Kunstgattungen der Gegenwart mit einer pessimistischen Haltung gegenüberstehen und zum Thema Natur starke Zivilisationskritik ausüben, gibt es auch einige Künstlergruppen, die eine hoffnungsvolle zukunftsgerichtete Prognose wagen. Optimistisch suchen sie eine Vereinigung von positiven Aspekten der Gegenwart mit dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand. 33 Um 1870 waren es die Impressionisten mit ihrer Faszination für die Schnelllebigkeit und Flüchtigkeit des Augenblickes,34 und im 20. Jahrhundert war Joseph Beuys einer der wichtigsten Vertreter dieses sozialreformerischen Bewusstseins.35 Als Humanist glaubte er, dass jeder Mensch ein Künstler sei und die 32 33 34 35

Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 20–22 ebd., S. 24–25 ebd., S. 17 www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=1034&RID=1, besucht am 18. 6. 2011


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Fähigkeit besitze, einen Anteil zur positiven Veränderung der Umwelt- und Gesellschaftsprobleme beizutragen. Seine Installationen nannte er «Gesamtkunstwerke», weil er sein Konzept auf alle Lebensbereiche bezogen hatte.36 Für die dokumenta 7 pflanzte Joseph Beuys in Kassel 7000 Eichen. Dazu sagte er: «Diese Aktion wird ein erster Schritt sein, die künstlerische Aufgabenstellung der Erde in ihrer gegenwärtigen Notlage anzugehen […] nur solche auf die ‹Soziale Skulptur› bezogenen Massnahmen können in Zukunft noch Kunst genannt werden!» 37 Joseph Beuys Skulptur «7000 Eichen»[→ G – H ] zeigte eine «grüne» Alternative zum Umgang mit dem unwiderruflichen urbanen Raum. Diese neue Gestaltungsweise, mit gegenwärtigen Umweltproblemen umzugehen, ist ein Ansatz für das heute weitverbreitete Green Design. Statt aus der Stadt in die Natur zu flüchten, bringt man die Natur einfach zurück in die Stadt. Und keiner vertritt diesen grünen Aktivismus heute beispielhafter als die Guerilla Gardener.

36 Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 25 37 Hartmann, 1988, Joseph Beuys, S. 37 G siehe Abbildungen → G – H im Umschlag [hinten]


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DIE NEUE GRÜNE WELLE

Mit der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts begann die Übersiedlung vom Landleben in den urbanen Stadtraum. Folge dieser initiierten Urbanisierung waren soziale Missstände, die heute im 21. Jahrhundert, in dem die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten lebt,38 nicht von minderer Bedeutung sind als dazumal. In Anbetracht des enormen Ressourcenverbrauchs und der Müllproduktion unserer Städte ist das Thema der urbanen Nachhaltigkeit als Zukunftssicherung unumgänglich. Dabei wird die urbane Land- und Gartenwirtschaft, zu der die Guerilla Gardener zählen, eine zunehmend wichtige Rolle in der Entwicklung nachhaltiger Städte spielen.39 «Better City, Better Life» lautete der Slogan der Expo 2010 in Shanghai, woraufhin jegliche Länderpavillons die Stadtbe38 Reynolds, 2009, Guerilla Gardening, S. 47 39 Jahnke, 2007, Guerilla Gardening, S. 14


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TEIL 2

grünung als eine mögliche Lösung für eine verbesserte Lebensqualität in den Städten präsentierten. Mittlerweile gibt es unzählige Organisationen und Gruppierungen von Aktivisten aus verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen, sei es aus der Politik, Kunst oder Pädagogik, die als Green Designer das Stadtbild der Zukunft etwas grüner malen wollen. GUERILLIA GARDENER

Verkehrsinseln verwandeln sich über Nacht in grüne Gärten, die Schnellstrasse wird links und rechts mit Bäumen und Blumen bepflanzt, zwischen Hochhäusern entstehen Gemüsegärten, unter der Hecke im Park wächst Brokkoli. Guerilla Gardening ist seit der Jahrhundertwende ein öffentlich diskutiertes Phänomen, obwohl der Begriff bereits im New York der 70er-Jahre entstanden ist. 40 Der Garten wird im Lexikon als ein «mit Zaun, Hecke oder Mauer umgrenztes Landstück für Nutzpflanzen oder Zierpflanzen» 41 beschrieben, ist also nicht öffentlich zugänglich. Ein Park hingegen ist ein Ort, der für alle zugänglich ist, in dessen Gestaltung aber nicht eingegriffen werden darf. Daher muss man also einen Garten besitzen, um gärtnern zu können. Die Guerilla Gardener haben aber ein anderes Verständnis vom Gärtnern. Der bekannte Londoner Guerilla Gardener Richard Reynolds definiert die Bewegung als «die unerlaubte Kultivierung von 40 Jahnke, 2007, Guerilla Gardening, S. 2 41 Brockhaus Enzyklopädie, 1997, Band 8 42 Reynolds, 2009, Guerilla Gardening, S. 12


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Land, das jemand anderem gehört». 42 Die Guerillas warten nicht auf eine Genehmigung der Behörden, sie brechen die Gesetze und machen einfach, was sie für richtig halten. Daher auch der Name «Guerilla», was auf spanisch «kleiner Krieg» bedeutet. 43 So wie der berühmteste Guerillero Che Guevara kämpfen sie für ihre eigene Sache und handeln aus reinem Menschenverstand. Ein Guerillero ist jener, der aus akutem Handlungsbedarf und eigener Überzeugung eine Veränderung herbeiführen will. 44 Die Gärtner sowie Che Guevara äussern mit ihren Aktionen ein politisches Anliegen und wollen eine Veränderung des gesellschaftlichen Verhaltens erzielen. Der Unterschied jedoch ist, dass die Guerilla Gardener keine blutigen Kämpfe führen, sondern friedlich gärtnern. Das unerlaubte Gärtnern ist eine gewaltlose Form des Protestes für ein ernst zu nehmendes Thema, die gerade aus diesem Grund auf Sympathie und Popularität in der Bevölkerung stösst. Es gibt kein Manifest der Guerilla Gardener, in dem öffentlich erklärt wird, wofür und wogegen man sich einsetzt. Die Motivation zur Handlung hängt von der Umgebung und den Lebensumständen ab. 45 DIE GESCHICHTE DES ILLEGALEN GÄRTNERNS

Das uns bekannte Phänomen des Guerilla Gardenings wurde im grossstädtischen Raum geprägt. 46 Das Prinzip der Kultivie43 44 45 46

Reynolds, 2009, Guerilla Gardening, S. 12 Jahnke, 2007, Guerilla Gardening, S. 17 Reynolds, 2009, Guerilla Gardening, S. 19 Jahnke, 2007, Guerilla Gardening, S. 14


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TEIL 2

rung von Land ohne Erlaubnis ist jedoch viel älter und führt zurück bis zu den Anfängen des Ackerbaus vor cirka 14 000 Jahren. 47 In den Entwicklungsländern ernähren sich viele Erwerbslose von der ländlichen und städtischen Subsistenzwirtschaft. 48 In Nairobi und Äthiopien zum Beispiel, wo über 80 % der Einwohner erwerbslos sind, pflanzen die Menschen das Nötigste in Flusstälern, auf Müllkippen und entlang der Eisenbahnschienen an. Seit den 70er-Jahren kann man beobachten, wie diese städtische Subsistenz-Landwirtschaft aus dem Süden zu uns zurückkam und in New York in den ersten Community Gardens, auf Deutsch Gemeinschaftsgärten, Früchte und Gemüse wuchsen. 49 New York City ist der Pionier der heutigen Guerilla-GardeningBewegung im globalen Norden. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen Bürger aus der Mittelschicht in Vororte, und viele südliche Einwanderer aus ärmeren Schichten kamen in die Innenstadt New Yorks, wo sie wegen des fehlenden Angebots an Arbeitsplätzen erwerbslos blieben. Die Innenstadt verarmte, und sämtliche Quartiere wie Lower East Side, Brooklyn und Bronx waren total verwahrlost und kriminell. Die Stadt konnte nicht mehr für den Erhalt des öffentlichen Raums aufkommen, und die Lebensmittelkonzerne schlossen ihre Filialen in den nicht rentablen Gegenden. So entstanden in den 60er-Jahren die New Yorker Ghettos. Aus existentieller Not und auf sich selbst gestellt, begannen die Bürger, Gärten anzulegen. 47 Reynolds, 2009, Guerilla Gardening, S. 71 48 Subsistenzwirtschaft im Sinne von Selbstversorgung, in Meyer-Renschhausen, 2010, The next big Trend, S. 33 49 ebd., S. 33–34


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Auf einer ungenutzten Brachfläche an der Kreuzung Bowery Houston gründete die Künstlerin Liz Christy 1973 mit einer Gruppe Gleichgesinnten, den Green Guerillas, den ersten, heute noch bestehenden Community Garden. Die Bewohner erkannten die Botschaft der Green Guerillas, und die Zahl der Gärten stieg rasant an [→ I ]. Da die Gärten einen wesentlichen Teil zur Verbesserung der Lebensqualität in den Stadtvierteln beitrugen, gründete die Stadt zur Unterstützung der Gärten das Programm Green Thumb. Die Quartiere wurden wieder attraktiver, was wiederum aber die Bodenpreise in den 80erJahren steigen und die Gärten zu Opfern ihres eigenen Erfolges werden liess. Die Räumung von Gemeinschaftsgärten aufgrund von Grundstückversteigerungen ist auch noch im 21. Jahrhundert traurige Realität.50 Die Pflege öffentlicher und privater Gärten hat in England eine lange Tradition. Seit Jahrhunderten wird viel Geld und Herzblut in die Erhaltung der Grünanlagen investiert. In den Achtzigerjahren begann die konservative Premierministerin Margaret Thatcher mit der Kürzung der Investitionen im öffentlichen Bereich, was zu einer Privatisierung vieler Versorgungsunternehmen, mitunter der Pflege der Parks, geführt hatte. Die Grünanlagen verwahrlosten, und, im Unterschied zur New Yorker existentiellen Situation, handelten die Guerilla Gardener in London aus ästhetischer Not.51 I siehe Abbildung → I im Umschlag [hinten] 50 Jahnke, 2007, Guerilla Gardening, S. 60–62 51 ebd., S. 62–64


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TEIL 2

Westberlin befand sich zur Zeit der Mauer von 1961 bis 1989 in einer Insellage, wo zwei Millionen Menschen festsassen und nicht raus ins Grüne fahren durften. Das Bedürfnis, die Natur als Erholungsraum in die Stadt zu holen, war besonders gross. Bereits in den 60er-Jahren begannen die Westberliner die unversiegelte Fläche um die Stadtbäume, sogenannte Baumscheiben [→ K], zu bepflanzen. In den Höfen von leerstehenden Wohnhäusern und auf Bürgersteigen wurden Blumen und Gemüse angepflanzt. Nach dem Fall der Mauer wurden viele Häuser abgerissen und die entstandenen Baubrachen in die Pläne eines neuen Berlin integriert. Die Bauprojekte blieben aber aus, und die Brachen vermüllten und verwahrlosten. Auf diesen Brachen stehen heute beliebte Gemeinschaftsund Nachbarschaftsgärten wie Rosa Rose in Berlin Friedrichshain [→ L] oder der Prinzessinnengarten in Berlin-Kreuzberg. Die Behörden haben jedoch das Bedürfnis der Berliner nach Gärtnern aus nachbarschaftlicher Solidarität noch nicht erkannt und setzen vielen Guerilla Gardener damit Steine in den Weg.52 Die Städte Vancouver und Amsterdam zeigen vorbildlich, dass eine Zusammenarbeit von Behörden und Guerilla Gardener möglich ist. In Vancouver zeigten die Bewohner in den 90erJahren gegenüber den Behörden grosses Interesse am Bewirtschaften von neu angelegten Flächen im Verkehrsraum. Die K siehe Abbildung → K im Umschlag [hinten] L siehe Abbildung → L im Umschlag [hinten] 52 Jahnke, 2007, Guerilla Gardening, S. 64–67


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Stadt gründete daraufhin das Projekt Green Street Project und gewährt es Gartenfreudigen, markierte Flächen zu bepflanzen und somit die Stadt zu verschönern. In Amsterdam bietet die Stadt den Bewohnern sogar an, die Gehwegplatten vor den Häusern zu entfernen, falls jemand einen «Geveltuin» [→ M ], niederländisch für einen kleinen Garten entlang der Hauswand, anlegen will.53 MOTIVATION

Es gibt zwei Arten von Guerilla Gardener; die Ziergärtner, welche die Landschaft mit Blumen verschönern wollen, und die Nutzgärtner, die ihre Bepflanzungen für private oder wirtschaftliche Zwecke ernten wollen. In beiden Fällen ist das Gärtnern eine Form der Kommunikation von politischen Anliegen. Ziergärtner verschönern die grauen und tristen Städte, indem sie unter anderem öffentliche Blumenbeete, Baumscheiben, Pflanzkübel, Verkehrsinseln und nicht zuletzt Baubrachen mit Blumen und Bäumen schmücken, und sie holen somit die Natur zurück in die Stadt. Nutzgärtner in ärmeren Gegenden pflanzen Gemüse als Überlebensstrategie, während in der wohlhabenden Zivilisation Gemeinschaftsgärten aus idealistischen und symbolischen Gründen entstehen. Viele Menschen wollen wenigstens teilweise von grossen Lebensmittelkonzernen unabhängig sein. Der soziale Aspekt ist M siehe Abbildung → M im Umschlag [hinten] 53 Reynolds, 2009, Guerilla Gardening, S. 254–255


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ebenfalls ein wichtiger Antrieb für freiwillige Helfer und Initianten von Gemeinschaftsgärten. So trifft man bei der zudem als therapeutisch empfundenen Gartenarbeit die Nachbarn und fördert somit die Solidarität im Quartier.54 Die Ressource des Bodens ist endlich, und das stetige Bevölkerungswachstum steigert den Bedarf an Bodenfläche. Die Menschen in den dicht besiedelten Städten kämpfen gegen ein Mangel an Land für Grünflächen, das oftmals vorhanden wäre, aber aufgrund von Spekulationen brach liegt und ungenutzt verwahrlost und vermüllt.55 DAS MENSCHLICHE RECHT AUF NATUR

Die Schönheit, die Ruhe und die frische Luft, die der Mensch in der Natur erlebt, sind sinnliche Erfahrungen und Voraussetzungen für das menschliche Wohlbefinden. Der Kontakt mit der Natur ist ein Urbedürfnis des Menschen,56 welches in unserer Wohlstandsgesellschaft von der Politik oft ignoriert wird. Durch die Privatisierung des öffentlichen Raums gibt es kaum noch Orte, wo man sich ohne Konsumzwang oder Eintrittsgeld aufhalten darf. Das soziale Leben verschwindet in den modernen kapitalistischen Gesellschaftsstrukturen vermehrt in den privaten Bereich, und die Stadt wird zu einem anonymen Ort, wo man sich mehr als Statist denn als Bewohner bewegt. In geschichtlicher Hinsicht lässt sich sagen, dass 54 Reynolds, 2009, Guerilla Gardening, S. 19–68 55 ebd., S. 45–50 56 Jahnke, 2007, Guerilla Gardening, S. 24


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sich die Politik oftmals erst in Krisenzeiten wieder auf die Bedeutung von Gartenanlangen für die Bürger zurückgesinnt hat. Ein Beispiel hierzu liefern uns die deutschen Schrebergärten.57 Urbane Gemeinschaftsgärten bieten in Kriegs- und Krisenzeiten lebensnotwendige Nahrung sowie in sozialer Hinsicht seelischen Halt und ein Gemeinschaftsgefühl. An verschiedenen aufgeführten Beispielen erkennt man die unterschiedlichen, vom Umfeld abhängigen Motivationen sowie die stark politischen Botschaften hinter den Aktionen der Guerilla Gardener. Dennoch, ob aus existentieller, ästhetischer oder sozialer Not, die Art der Ausführung dieses gesellschaftskritischen Protestes durch das Aussäen von Pflanzen könnte poetischer nicht sein. Das Guerilla Gardening ist keine Politik der grossen Worte, sondern der kleinen Taten.58 Die grüne, nonverbale Kommunikation ist eine Ablehnung des politischen Umfeldes und soll die Mitmenschen zum kritischen Hinterfragen anregen. Die Guerilla Gardener zeigen, dass es möglich ist, als Minderheit etwas zu verändern. Darum, so Richard Reynolds, geh raus und «säe deine Samen in den Köpfen anderer Menschen aus».59

57 Jahnke, 2007, Guerilla Gardening, S. 31 58 ebd., S. 97 59 Reynolds, 2009, Guerilla Gardening, S. 258


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ANALYSE

DIE RÜCKKEHR ZUR NATUR ALS PHÄNOMEN IN DER MENSCHHEITSGESCHICHTE DIE KULTUR ALS FEIND DER VERGANGENHEIT UND ALS FREUND DER ZUKUNFT

In der Elegie «Der Spaziergang» schildert uns Schiller den Verlust der harmonischen Einheit von Mensch und Natur in bildlichen Szenarien der Menschheitsgeschichte von der Antike bis zur damaligen Gegenwart. Im Goldenen Zeitalter der Antike führte der Mensch nach Schiller ein harmonisches Zusammenleben in Gemeinschaften und war sich seiner Freiheit noch nicht bewusst. Im Vers 55 schreibt Schiller «Noch nicht zur Freiheit erwachet»60 und deutet damit auf den Grund der später eintreffenden Entfremdung hin. Schiller kritisiert die zwar schon immer vorhandene, aber erst in der Aufklärung propagierte und vom modernen Menschen missverstandene Freiheit des Willens. «Mit den Fesseln der Furcht nur nicht den Zügel der Schaam! Freiheit ruft die Vernunft, Freiheit die wilde Begierde,»60 (Vers 140/141). Die menschliche Ver60 siehe Schiller, 1795, Der Spaziergang, Anhang, S. 53 und 57


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nunft, welche den Verstand bildet, gerät durch die Freiheit in Versuchung und führt die Entwicklung der Gesellschaft in eine falsche Richtung. Werte und Moral der Antike sind dem Verfall bestimmt,61 und die Vision des lyrischen Spaziergängers verbildlicht die absolute Entfremdung von Mensch und Natur. Schiller warnt vor auftretenden Gefahren dieser zeitlichen Menschheitsentwicklung und übt starke Kritik an die Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts. Jedoch flüchtet er nicht in eine verlorene Vergangenheit, sondern präsentiert der Gesellschaft optimistisch eine Lösung zur Wiederherstellung der Einheit und Harmonie zwischen Mensch und Natur. Schillers Utopie erlangt der Mensch durch die Kultur, welche ihn von der Natur entfremdet hat, und ihn nun auch wieder zu ihr zurückführen soll. «Sie sind, was wir waren; sie sind, was wir wieder werden sollen. Wir waren Natur wie sie, und unsere Kultur soll uns, auf dem Wege der Vernunft und der Freiheit, zur Natur zurückführen.»62 Mit «sie» sind die Naturgegenstände gemeint, welche nach Schiller «das stille schaffende Leben, das ruhige Wirken aus sich selbst, das Dasein nach eigenen Gesetzen, die innere Notwendigkeit, die ewige Einheit mit sich selbst»63 repräsentieren. Die Naturgegenstände sind eine Idee dessen, was wir waren und wieder werden wollen. Daher ist das menschliche Interesse an der Natur nach Schiller nicht ästhetisch, sondern rein moralisch.63 61 Barfknecht, 2001, Der Spaziergang, S. 9 62 Schiller, 1794–1796, Über naive und sentimentalische Dichtung, S. 2 63 ebd., S. 2


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ANALYSE

Die Kultur und der damit verbundene Verfall von Urstrukturen haben den Menschen aus seinem inneren Gleichgewicht gebracht. Den Ausgleich und die Regeneration finden wir darum auch heute in der Natur, welche durch ihr gesetzloses Dasein genau das repräsentiert, was uns in einer hektischen kapitalistischen Welt fehlt, nämlich Ruhe und Stille. Die Natur ist nämlich unabhängig vom zeitlichen Geschehen immer die gleiche. Sie ist rein, einig mit sich selbst und harmonisch und wird es immer bleiben. Zu dieser Erkenntnis kommt auch der lyrische Spaziergänger am Ende des Gedichtes.64 Der menschliche Fortschritt lässt sich nicht rückgängig machen, da sich nach Schiller der naive Ursprungszustand des Menschen seit der Reflexion des Verstandes nicht wieder herstellen lässt.65 Darum sei eine Rückkehr zur Natur in diesem Sinne nicht möglich. Jedoch rät Schiller der Menschheit, den Fortschritt, den Verstand und die Freiheit richtig einzusetzen und nach dem Vorbild der Antike nach einem zukünftigen Zustand möglichst nahe an deren Ideal zu streben.66 Aus dem gegenwärtigen Stand der Gesellschaft soll demnach nicht der Mensch, sondern die Kultur mit der Natur wieder eine Einheit bilden.

64 Riedel, 1989, Der Spaziergang, S. 100 65 siehe Kapitel Naturentfremdung am Beispiel Schillers, in dieser Arbeit, S. 17 66 Mader, 2002, Poetik oder Philosophie, S. 8


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DIE MORALISCHE UND PHYSISCHE GESELLSCHAFTSFLUCHT

Dass die Kritik an die Zivilisation in die Flucht aus der Zivilisation statt in eine erzieherische Konklusion wie bei Schiller mündet, zeigt sich am Beispiel der Landschaftsmalerei aus der Zeit der Romantik im 19. Jahrhundert. Die Maler zeigten ihre Abneigung zur Gegenwart und sahen auch keine zukunftssichere Lösung. Aus diesem Grund flüchteten sie in altbewährte Formen der Vergangenheit. Dabei ist diese Flucht rein moralisch in Form eines Trauerns um vergangene Zeiten und erfolgt nicht im wahrsten Sinne des Wortes. Anders die Vertreter der «Schule von Barbizon» im Realismus, die einen physischen Rückzug in das einfache Leben in der Natur forderten.67 Sie lehnten die als unwirklich und künstlich empfundene Stadt als Lebensraum ab. Diese Ideologie stellt eine totale Verneinung der Gegenwart und des wissenschaftlichen Fortschrittes dar. Mit der Urbanisierung als Folge des Industriezeitalters fand um die Wende zum 20. Jahrhundert eine verheerende Umstrukturierung der Gesellschaft statt, die bis heute andauert. Der Mensch war völlig abgeschottet von der Natur und sah sich in einer Notlage, da die Flucht aus der Stadt aus existentiellen Gründen nicht mehr denkbar war. Die Lebensqualität hatte ihren tiefsten Punkt erreicht, da das Grundbedürfnis 67 Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 15–16


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ANALYSE

nach Naturerfahrung als moralischer Ausgleich in der Grossstadt nicht mehr befriedigt werden konnte. Der Jugendstil versuchte, dieser unausweichlichen Situation etwas entgegenzuwirken und holte die Natur mittels seiner floralen Ornamentik in Kunst und Architektur, wenn nicht in Wirklichkeit, dann wenigsten symbolisch, zurück in die Stadt. Der Sozialist William Morris versuchte sich an einer Reform der Gesellschaft durch die Abneigung des Fortschrittes und die Rückkehr zum Handwerk. Seine soziale Utopie scheiterte an den profitorientierten Grundsätzen des Kapitalismus. Damit war der Grundstein für eine kapitalistische Gesellschaft gesetzt. Der totale Rückzug in die Natur und somit die Abkehr von der Stadt war und ist heute nicht mehr möglich. Wir wurden unfreiwillig an das kapitalistische System gebunden, und ein Rückzug würde uns zum einsamen Aussteiger abseits der Gesellschaft verdammen. KEIN LEBEN OHNE NATUR

Der lyrische Spaziergänger Schillers verirrt sich während seiner Beobachtungen der Menschheitsgeschichte und findet sich in einem schrecklichen und düsteren Naturszenario wieder (Vers 173–184). In seiner Vision erhebt sich der Mensch gegen das «hohle Gebäu» 68 (Vers 166) des Staates und sucht «die verlorne Natur» 68 (Vers 171). Was Schiller bereits vor zweihun68 siehe Schiller, 1795, Der Spaziergang, Anhang, S. 58


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dert Jahren voraussagte, wurde mit den Revolten der 68erJahre Wirklichkeit. Vermehrt auftretende Katastrophenmeldungen als Folge industrieller Ausbeutung der Natur verdeutlichten, dass die Existenz der Natur in Gefahr ist. Der durch die Wirtschaftskrisen drohende Zusammenbruch des gesellschaftlichen Systems und somit der Verlust von ökonomischer Sicherheit brachte den Menschen selbst in existentielle Not. Schlussendlich war die Angst um das eigene Überleben Ansporn zur Handlung. Ein Leben ohne die Natur war, am zeitlichen Geschehen abzulesen, nicht möglich. Mit der Ökologiebewegung begann die Ära des Umweltschutzes. Die schillersche Ideologie einer Wiedervereinigung von Kultur und Natur nahm rund 170 Jahre später langsam tatsächlich Gestalt an. Die Problematik um die Erhaltung der lebensnotwendigen Natur versuchten verschiedene, heute noch bestehende künstlerische Bewegungen in das Bewusstsein der Gesellschaft zu prägen. Die Land-Art-Künstler zeigen, an das Gedankengut der Schule von Barbizon gelehnt, dass die Menschheit eine Regeneration braucht, was soviel heisst wie die Rückgewinnung einer verlorenen Ethik und Moral. Dies kann nach den Auffassungen dieser beiden Kunstgattungen nur in der Natur, abseits von der Gesellschaft, stattfinden.69 Die Flucht in die Natur ist, obwohl physisch gemeint, rein moralischen Ursprungs. 69 Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 19–21


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ANALYSE

Die Kunst der Pop-Art stellt sich ebenfalls der Gegenwart kritisch gegenüber. Sie kritisiert die technischen Massenerscheinungen des 20. Jahrhunderts und thematisiert das höchste moralische Verbrechen der Medien, nämlich die schamlose Ausnutzung der menschlichen Sehnsucht nach der Natur für Propagandazwecke.70 Diese profitorientierte Manipulation eines nach Harmonie suchenden Menschen ist eine widerwärtige Ausnutzung der Erhabenheit der Medien gegenüber dem Menschen. Der Mensch wird zum Opfer seines selbst Erschaffenen. DIE EIGENINITIATIVE ALS GEGENWÄRTIGE LÖSUNG DER NATURFRAGE

Aus der Ökologiebewegung sind dennoch auch Kunstrichtungen entstanden, welche einen optimistischen Blick in die Zukunft wagen. So sah es der deutsche Künstler Joseph Beuys als notwendig, dass jeder Mensch wieder anfängt, die Verantwortung für die Gestaltung seines Lebensumfeldes selbst in die Hand zu nehmen. Nur durch Eigeninitiative kann die Selbstzerstörung der Zivilisation aufgehalten werden.71 Genau nach diesem Grundprinzip bepflanzen die Guerilla Gardener unbenutzte Freiflächen in der Stadt. Sie kümmern sich nicht um bürokratische Angelegenheiten, weil die Behörden in ihrem Umweltbewusstsein noch zu sehr auf die Ökonomie fixiert sind und die Anliegen der Guerilla Gardener in 70 Rödiger-Diruf, 1988, Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht, S. 22 71 ebd., S. 25


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den seltensten Fällen zu Herzen nehmen. Dabei geht es darum, das Problem an der Wurzel des Übels anzupacken. Warum ist der Mensch gestresst und unglücklich in der Grossstadt? Nicht weil er zu viel arbeitet, sondern weil es ihm neben der Arbeit an den richtigen Erholungsräumen in der Stadt fehlt. Die Grossstadt ist die höchste derzeitige Ausprägung einer künstlichen Umgebung, die nicht dem natürlichen, ursprünglichen Zustand des Menschen entspricht. Die Natur ist in der Betonwelt nicht vorhanden, also nicht sichtbar, und kann uns daher auch nicht diese Idee der Ruhe und der Einheit mit sich selbst, wie sie Schiller beschreibt 72, vermitteln. Da diese Eigenschaften aber ein Grundbedürfnis des Menschen darstellen, fühlt sich dieser in einer naturlosen Stadt selbst in existentieller Not. Und wie schon so oft in der Geschichte, erkennt der Mensch den Ernst der Situation erst dann, wenn er selbst betroffen ist. Ob aus existentieller, ästhetischer oder sozialer Motivation, die Handlungen der Guerilla Gardener sind idealistisch. Alle folgen sie dem Ideal eines besseren Lebens in der Stadt. Eine Flucht aus der Zivilisation kann nicht die Lösung sein, da die Entfremdung vom kapitalistischen Menschen und der Natur schon zu weit fortgeschritten ist. Ein gänzlicher Verzicht auf den Komfort der gesellschaftlichen Strukturen und der Konsumgüter ist für die Allerwenigsten langfristig denkbar. Darum muss in die Zukunft gedacht werden und nach einem Weg zurück zur Einheit von Kultur und 72 Schiller, 1794–1796, Über naive und sentimentalische Dichtung, S. 2


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ANALYSE

Natur mit dem derzeitigen Wissensstand gestrebt werden. Diese Erkenntnis führt uns wieder zurück zu Schillers These der Vereinigung von Kultur und Natur als Voraussetzung für das Erlangen des höchstmöglichen Standes der Gesellschaft, und somit schliesst sich der Kreis.


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FAZIT

Rückblickend auf diesen geschichtlichen Abschnitt kann gesagt werden, dass der Mensch sich immer in Krisenzeiten auf die Natur zurückbesann. Krisenzeiten können gesellschaftliche Umstrukturierungen und der Verlust von Werten und Sitten sein oder der Zustand der existentiellen Not. Letzteres ist nicht eine moralische, sondern eine physische Überlebensfrage und hat daher die stärkste Auswirkung auf das menschliche Handeln. Am Beispiel der 60er-Jahre erkennt man, dass blosse Warnungen nicht ausreichend sind, um die Politik eines Besseren zu belehren. Erst wenn der Mensch die Auswirkungen der gesellschaftlichen Fehlentwicklung am eignen Leib erfährt, sieht er sich zur Handlung gezwungen. Will der kapitalistische Mensch des 21. Jahrhunderts zurück zur Natur? Um diese Frage zu beantworten, bedarf es einer


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FAZIT

näheren Untersuchung des Wortes «zurück». Zurück im Sinne von «zurück an den Ausgangspunkt»73 würde also bedeuten, zurück zu Formen der Vergangenheit und somit die Umkehr des Fortschrittes und der gesellschaftlichen Entwicklung. Entwicklung lässt sich jedoch nicht rückgängig machen, und eine Flucht jeglicher Art vor den Tatsachen der Realität stellt auch keine langfristige Lösung dar. Zudem stellt sich die Frage, ob man «zurück» muss zu einer Natur, die zeitlich unabhängig ist und in ihrer unverfälschten Erscheinung schon immer da war? Eine physische Bewegung zu irgendeinem Ort in der Natur ist mit dem Leitspruch «Zurück zur Natur» nicht gemeint. Vielmehr ist von einer Wiederherstellung der emotionalen Einheit von Mensch und Natur die Rede.

73 de.thefreedictionary.com/zur%C3%BCck, besucht am 22. 6. 2011


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PROGNOSE

Gesellschaftskritik muss nicht zwingend in einer Gesellschaftsflucht enden. Statt in altbewährte Formen zu flüchten, sollte man sich an diesen eher orientieren und sich mit der Vergangenheit als Vorbild und dem gegenwärtigen Wissensstand einen freien Weg aus der Krise in die Zukunft bahnen. Der Mensch hat die Freiheit und die Fähigkeiten, selbst Entscheidungen zu treffen und bis zu einem gewissen Grad in seinem Lebensumfeld Veränderungen vorzunehmen, um sich und den anderen ein besseres Leben zu sichern. Die Freiheit sollte jedoch nicht Herr über die Vernunft werden, denn wir leben in allem anderen als in einer propagierten Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Guerilla Gardener betreiben eine langsame Revolution und bringen eine für eine bessere Zukunft wichtige Thematik


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PROGNOSE

an die Öffentlichkeit. Diese Art der revolutionären Kommunikation ist die Sprache der heutigen Zeit, in der das Vertrauen in den Staat oftmals verloren gegangen ist. Die Natur ist wohl das stärkste erzieherische Mittel einer derartigen Kommunikation überhaupt, denn sie holt sich ihren Lebensraum früher oder später gnadenlos zurück, selbst in einer komplett versiegelten Stadt. So sagt der Guerilla Gardener Richard Reynolds: «Wenn sie sich das Land zurückerobert, das der Mensch geplündert und verseucht hat, ist es, als ob die Welt noch einmal von vorne beginnt.»74 Zurück zum Ausgangspunkt. Lösen wir für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts noch einmal eine Fahrkarte in das Schlaraffenland der Zukunft. Dieses Mal nur eine einfache Fahrt.

74 Reynolds, 2009, Guerilla Gardening, S. 59


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ANHANG ELEGIE, 1795, SCHILLER

Der Spaziergang. Sey mir gegrüßt mein Berg mit dem röthlich strahlenden Gipfel, Sey mir Sonne gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint, Dich auch grüß ich belebte Flur, euch säuselnde Linden, Und den fröhlichen Chor, der auf den Aesten sich wiegt, 5 Ruhige Bläue dich auch, die unermeßlich sich ausgießt Um das braune Gebirg, über den grünenden Wald, Auch um mich, der endlich entflohn des Zimmers Gefängniß Und dem engen Gespräch freudig sich rettet zu dir, Deiner Lüfte balsamischer Strom durchrinnt mich erquickend, 10 Und den durstigen Blick labt das energische Licht, Kräftig auf blühender Au erglänzen die wechselnden Farben, Aber der reizende Streit löset in Anmuth sich auf, Frei empfängt mich die Wiese mit weithin verbreitetem Teppich, Durch ihr freundliches Grün schlingt sich der ländliche Pfad,


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ANHANG

Um mich summt die geschäftige Bien’, mit zweifelndem Flügel Wiegt der Schmetterling sich über dem röthlichten Klee, Glühend trifft mich der Sonne Pfeil, still liegen die Weste, Nur der Lerche Gesang wirbelt in heiterer Luft. Doch jetzt braust’s aus dem nahen Gebüsch, tief neigen der Erlen 20 Kronen sich, und im Wind wogt das versilberte Gras, Mich umfängt ambrosische Nacht; in duftende Kühlung Nimmt ein prächtiges Dach schattender Buchen mich ein, In des Waldes Geheimniß entflieht mir auf einmal die Landschaft, Und ein schlängelnder Pfad leitet mich steigend empor. 25 Nur verstohlen durchdringt der Zweige laubigtes Gitter Sparsames Licht, und es blickt lachend das Blaue herein. Aber plötzlich zerreißt der Flor. Der geöffnete Wald giebt Ueberraschend des Tags blendendem Glanz mich zurück. Unabsehbar ergießt sich vor meinen Blicken die Ferne, 30 Und ein blaues Gebirg endigt im Dufte die Welt. Tief an des Berges Fuß, der gählings unter mir abstürzt, Wallet des grünlichten Stroms fließender Spiegel vorbei. Endlos unter mir seh’ ich den Aether, über mir endlos, Blicke mit Schwindeln hinauf, blicke mit Schaudern hinab, 35 Aber zwischen der ewigen Höh’ und der ewigen Tiefe Trägt ein geländerter Steig sicher den Wandrer dahin. Lachend fliehen an mir die reichen Ufer vorüber, Und den fröhlichen Fleiß rühmet das prangende Thal. Jene Linien, sieh! die des Landmanns Eigenthum scheiden,


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In den Teppich der Flur hat sie Demeter gewirkt. Freundliche Schrift des Gesetzes, des Menschenerhaltenden Gottes, Seit aus der ehernen Welt fliehend die Liebe verschwand, Aber in freieren Schlangen durchkreuzt die geregelten Felder Jetzt verschlungen vom Wald, jetzt an den Bergen hinauf 45 Klimmend, ein schimmernder Streif, die Länder verknüpfende Straße, Auf dem ebenen Strom gleiten die Flöße dahin, Vielfach ertönt der Heerden Geläut im belebten Gefilde, Und den Wiederhall weckt einsam des Hirten Gesang. Muntre Dörfer bekränzen den Strom, in Gebüschen verschwinden 50 Andre, vom Rücken des Bergs stürzen sie gäh dort herab. Nachbarlich wohnet der Mensch noch mit dem Acker zusammen, Seine Felder umruhn friedlich sein ländliches Dach, Traulich rankt sich die Reb’ empor an dem niedrigen Fenster, Einen umarmenden Zweig schlingt um die Hütte der Baum, 55 Glückliches Volk der Gefilde! Noch nicht zur Freiheit erwachet, Theilst du mit deiner Flur fröhlich das enge Gesetz. Deine Wünsche beschränkt der Aernten ruhiger Kreislauf, Wie dein Tagewerk, gleich, windet dein Leben sich ab! Aber wer raubt mir auf einmal den lieblichen Anblick? Ein fremder 60 Geist verbreitet sich schnell über die fremdere Flur! Spröde sondert sich ab, was kaum noch liebend sich mischte, Und das Gleiche nur ist’s, was an das Gleiche sich reiht. Stände seh ich gebildet, der Pappeln stolze Geschlechter Ziehn in geordnetem Pomp vornehm und prächtig daher,


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ANHANG

Regel wird alles und alles wird Wahl und alles Bedeutung, Dieses Dienergefolg meldet den Herrscher mir an. Prangend verkündigen ihn von fern die beleuchteten Kuppeln, Aus dem felsigten Kern hebt sich die thürmende stadt. In die Wildniß hinaus sind des Waldes Faunen verstoßen, 70 Aber die Andacht leiht höheres Leben dem Stein. Näher gerückt ist der Mensch an den Menschen. Enger wird um ihn, Reger erwacht, es umwälzt rascher sich in ihm die Welt. Sieh, da entbrennen in feurigem Kampf die eifernden Kräfte, Großes wirket ihr Streit, größeres wirket ihr Bund. 75 Tausend Hände belebt Ein Geist, hoch schläget in tausend Brüsten, von einem Gefühl glühend, ein einziges Herz, Schlägt für das Vaterland und glüht für der Ahnen Gesetze, Hier auf dem theuren Grund ruht ihr verehrtes Gebein. Nieder steigen vom Himmel die seligen Götter, und nehmen 80 In dem geweihten Bezirk festliche Wohnungen ein, Herrliche Gaben bescheerend erscheinen sie; Ceres vor allen Bringet des Pfluges Geschenk, Hermes den Anker herbei, Bacchus die Traube, Minerva des Oelbaums grünende Reiser, Auch das kriegrische Roß führet Poseidon heran, 85 Mutter Cybele spannt an des Wagens Deichsel die Löwen, In das gastliche Thor zieht sie als Bürgerinn ein. Heilige Steine! Aus euch ergossen sich Pflanzer der Menschheit, Fernen Inseln des Meers sandtet ihr Sitten und Kunst, Weise sprachen das Recht an diesen geselligen Thoren,


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Helden stürzten zum Kampf für die Penaten heraus. Auf den Mauren erschienen, den Säugling im Arme, die Mütter Blickten dem Heerzug nach, bis ihn die Ferne verschlang. Betend stürzten sie dann vor der Götter Altären sich nieder, Flehten um Ruhm und Sieg, flehten um Rückkehr für euch. 95 Ehre ward euch und Sieg, doch der Ruhm nur kehrte zurücke, Eurer Thaten Verdienst meldet der rührende Stein: «Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.» Ruhet sanft ihr Geliebten! Von eurem Blute begossen 100 Grünet der Oelbaum, es keimt lustig die köstliche Saat. Munter entbrennt, des Eigenthums froh, das freie Gewerbe, Aus dem Schilfe des Stroms winket der bläulichte Gott. Zischend fliegt in den Baum die Axt, es erseufzt die Dryade, Hoch von des Berges Haupt stürzt sich die donnernde Last. 105 Aus dem Felsbruch wiegt sich der Stein, vom Hebel beflügelt, In der Gebirge Schlucht taucht sich der Bergmann hinab. Mulcibers Ambos tönt von dem Takt geschwungener Hämmer, Unter der nervigten Faust sprützen die Funken des Stahls, Glänzend umwindet der goldne Lein die tanzende Spindel, 110 Durch die Saiten des Garns sauset das webende Schiff, Fern auf der Rhede ruft der Pilot, es warten die Flotten, Die in der Fremdlinge Land tragen den heimischen Fleiß, Andre ziehn frohlockend dort ein, mit den Gaben der Ferne, Hoch von dem ragenden Mast wehet der festliche Kranz.


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ANHANG

Siehe da wimmeln die Märkte, der Krahn von fröhlichem Leben, Seltsamer Sprachen Gewirr braust in das wundernde Ohr. Auf den Stapel schüttet die Aernten der Erde der Kaufmann, Was dem glühenden Strahl Afrikas Boden gebiert, Was Arabien kocht, was die äußerste Thule bereitet, 120 Hoch mit erfreuendem Gut füllt Amalthea das Horn. Da gebieret das Glück dem Talente die göttlichen Kinder, Von der Freiheit gesäugt wachsen die Künste der Lust. Mit nachahmendem Leben erfreuet der Bildner die Augen, Und vom Meißel beseelt redet der fühlende Stein, 125 Künstliche Himmel ruhn auf schlanken ionischen Säulen, Und den ganzen Olymp schließet ein Pantheon ein, Leicht, wie der Iris Sprung durch die Luft, wie der Pfeil von der Senne Hüpfet der Brücke Joch über den brausenden Strom. Aber im stillen Gemach entwirft bedeutende Zirkel 130 Sinnend der Weise, beschleicht forschend den schaffenden Geist, Prüft der Stoffe Gewalt, der Magnete Hassen und Lieben, Folgt durch die Lüfte dem Klang, folgt durch den Aether dem Strahl, Sucht das vertraute Gesetz in des Zufalls grausenden Wundern, Sucht den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht. 135 Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken, Durch der Jahrhunderte Strom trägt ihn das redende Blatt. Da zerrinnt vor dem wundernden Blick der Nebel des Wahnes, Und die Gebilde der Nacht weichen dem tagenden Licht. Seine Fesseln zerbricht der Mensch. Der Beglückte! Zerriß er


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Mit den Fesseln der Furcht nur nicht den Zügel der Schaam! Freiheit ruft die Vernunft, Freiheit die wilde Begierde, Von der heil’gen Natur ringen sie lüstern sich los. Ach, da reissen im Sturm die Anker, die an dem Ufer Warnend ihn hielten, ihn faßt mächtig der flutende Strom, 145 Ins Unendliche reißt er ihn hin, die Küste verschwindet, Hoch auf der Fluten Gebirg wiegt sich entmastet der Kahn, Hinter Wolken erlöschen des Wagens beharrliche Sterne, Bleibend ist nichts mehr, es irrt selbst in dem Busen der Gott. Aus dem Gespräche verschwindet die Wahrheit, Glauben und Treue 150 Aus dem Leben, es lügt selbst auf der Lippe der Schwur. In der Herzen vertraulichsten Bund, in der Liebe Geheimniß Drängt sich der Sykophant, reißt von dem Freunde den Freund, Auf die Unschuld schielt der Verrath mit verschlingendem Blicke, Mit vergiftendem Biß tödtet des Lästerers Zahn. 155 Feil ist in der geschändeten Brust der Gedanke, die Liebe Wirft des freien Gefühls göttlichen Adel hinweg, Deiner heiligen Zeichen, o Wahrheit, hat der Betrug sich Angemaßt, der Natur köstlichste Stimmen entweiht, Die das bedürftige Herz in der Freude Drang sich erfindet, 160 Kaum giebt wahres Gefühl noch durch Verstummen sich kund. Auf der Tribune prahlet das Recht, in der Hütte die Eintracht, Des Gesetzes Gespenst steht an der Könige Thron, Jahre lang mag, Jahrhunderte lang die Mumie dauern, Mag das trügende Bild lebender Fülle bestehn,


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ANHANG

Bis die Natur erwacht, und mit schweren ehernen Händen An das hohle Gebäu rühret die Noth und die Zeit, Einer Tigerinn gleich, die das eiserne Gitter durchbrochen Und des numidischen Wald’s plötzlich und schrecklich gedenkt, Aufsteht mit des Verbrechens Wuth und des Elends die Menschheit, 170 Und in der Asche der Stadt sucht die verlorne Natur. O so öffnet euch Mauren, und gebt den Gefangenen ledig, Zu der verlassenen Flur kehr’ er gerettet zurück! Aber wo bin ich? Es birgt sich der Pfad. Abschüssige Gründe Hemmen mit gähnender Kluft hinter mir, vor mir den Schritt. 175 Hinter mir blieb der Gärten, der Hecken vertraute Begleitung, Hinter mir jegliche Spur menschlicher Hände zurück. Nur die Stoffe seh’ ich gethürmt, aus welchen das Leben Keimet, der rohe Basalt hofft auf die bildende Hand, Brausend stürzt der Gießbach herab durch die Rinne des Felsen 180 Unter den Wurzeln des Baums bricht er entrüstet sich Bahn. Wild ist es hier und schauerlich öd’. Im einsamen Luftraum Hängt nur der Adler, und knüpft an das Gewölke die Welt. Hoch herauf bis zu mir trägt keines Windes Gefieder Den verlorenen Schall menschlicher Mühen und Lust. 185 Bin ich wirklich allein? In deinen Armen, an deinem Herzen wieder, Natur, ach! und es war nur ein Traum, Der mich schaudernd ergriff, mit des Lebens furchtbarem Bilde, Mit dem stürzenden Thal stürzte der finstre hinab. Reiner nehm’ ich mein Leben von deinem reinen Altare,


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Nehme den fröhlichen Muth hoffender Jugend zurück! Ewig wechselt der Wille den Zweck und die Regel, in ewig Wiederholter Gestalt wälzen die Thaten sich um. Aber jugendlich immer, in immer veränderter Schöne Ehrst du, fromme Natur, züchtig das alte Gesetz, 195 Immer dieselbe, bewahrst du in treuen Händen dem Manne, Was dir das gaukelnde Kind, was dir der Jüngling vertraut, Nährest an gleicher Brust die vielfach wechselnden Alter; Unter demselben Blau, über dem nehmlichen Grün Wandeln die nahen und wandeln vereint die fernen Geschlechter, 200 Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns.


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ANHANG GRUNDLAGENLITERATUR Groener, Fernando; Kandler, Rose-Maria: Joseph Beuys. In: Buch zur Ausstellung Zurück zur Natur, aber wie? Kunst der letzten 20 Jahre. Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais, Karlsruhe. 23. 4.– 3. 7. 1988. S. 40–44. Hornbogen, Knuth: Alle Zeichen auf Grün. Designing Change. In: form Nr. 216 (Sept./Okt.2007). S. 41–47. Koebner, Thomas: Zurück zur Natur. Ideen der Aufklärung und ihre Nachwirkung. STUDIEN. Schiller: Das Pathos des Spaziergangs. Universitätsverlag C. Winter Heidelberg 1993. S. 43–49. Manzini, Ezio: New Collaborative Networks. In: Domus Nr. 922 (Februar 2009). S. 25–26. Musante, Guido: Green Light. In: Domus Nr. 933 (Februar 2010). S. 66–71. Morris, William: Wie wir leben und wie wir leben könnten. Vier Essays, mit einer Einführung versehen, übersetzt und herausgegeben von Hans-Christian Kirsch. Dumont Buchverlag Köln 1983.


SCHLARAFFENLAND, EINMAL HIN UND ZURÜCK ZITIERTE LITERATUR Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage. 8. Band. Leipzig-Mannheim 1997. Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage. 12. Band. Leipzig-Mannheim 1998. Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage. 15. Band. Leipzig-Mannheim 1998. Prof. Grego, Jasmin: Schlaraffenland. In: Diplom Booklet. Basel: FHNW_ HGK Institut für Innenarchitektur und Szenografie 2011. Hartmann, Wolfgang: Joseph Beuys. 7000 Eichen, 1982-1987. Soziale Plastik. In: Buch zur Ausstellung Zurück zur Natur, aber wie? Kunst der letzten 20 Jahre. Städtische Galerie im PrinzMax-Palais, Karlsruhe. 23. 4.–3. 7. 1988. Kurianowicz, Thomas: Schwierigkeiten mit der Freiheit. In: Neue Zürcher Zeitung. Feuilleton 4. 2. 2011. Nr. 29. Reynolds, Richard: Guerilla Gardening. Ein botanisches Manifest, aus dem Engl. von Max Annas, orange-press GmbH 2009. Riedel, Wolfgang: Der Spaziergang. Ästhetik der Landschaft und Geschichtsphilosophie der Natur bei Schiller. Würzburg: Königshausen & Neumann 1989.

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Rödiger-Diruf, Erika: Zivilisationskritik – Zivilisationsflucht. Zum Thema Natur in der Kunst von 1800 bis heute. In: Buch zur Ausstellung Zurück zur Natur, aber wie? Kunst der letzten 20 Jahre. Städtische Galerie im PrinzMax-Palais Karlsruhe. 23. 4.–3. 7. 1988. Sachs, Hans: Das Schlaraffenland (1530), In: Diplom Booklet. Basel: FHNW_HGK Institut für Innenarchitektur und Szenografie 2011.


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SCHLARAFFENLAND, EINMAL HIN UND ZURÜCK Mader, Matthias: Poetik oder Philosophie? Schillers Abhandlung «Über naive und sentimentalische Dichtung». Seminararbeit. Johannes GutenbergUniversität Mainz: GRIN Verlag GmbH 2002. ebook <http://matthiasmader.de/alt/texte/schiller2.pdf>, besucht am 3. 6. 2011. Meyer-Renschhausen, Elisabeth: The next big Trend. Urban Agriculture – Rückkehr der Subsistenzwirtschaft? Kommune. Forum für Politik Ökonomie Kultur (März 2010). S. 33–37. <http://www.tacheles-regional.de/ fileadmin/groups/2/Klimagipfel/ stadtgaerten.pdf __ jApDYb_.pdf>, besucht am 7. 6. 2011. Schiller, Friedrich: Der Spaziergang. Elegie 1795. vollst. Gedicht <http://de. wikisource.org/wiki/Der_Spaziergang_ %28Friedrich_ Schiller%29>, besucht am 1. 6. 2011.

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Schiller, Friedrich: Über naive und sentimentalische Dichtung, 1794–1796, vollst. Text <http://docenti.lett.unisi.it/ files/10/2/1/5/Ueber_naive_und_ sentimentalische_Dichtung.pdf> [PDF] von unisi.it>, besucht am 1. 6. 2011. <http://www.mainz.de/gutenberg/ erfindu4.htm>, besucht am 15. 6. 2011. <http://www.whoswho.de/templ/te_ bio.php?PID=1034&RID=1>, besucht am 18. 6. 2011. <http://de.thefreedictionary.com/ zur%C3%BCck>, besucht am 22. 6. 2011.


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ANHANG

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M <http://www.carolinepluvier.scarlet. nl/plantenbakken.html>, besucht am 28. 6. 2011.


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