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„Wenn ich am Ende meiner Tage ein Meister bin, kann ich froh sein“

in der Politik. Nicht, dass er ins Mittelalter zurück möchte, „Leibeigenschaft und die Pest wären auch nichts für mich“, sagt er lächelnd. Aber die Ruhe, in der die Schaffenskraft liegt, die nicht in jeden Winkel durchautomatisierte Arbeitswelt, die Zeit für die Auseinandersetzung mit dem Material – von solcher Vergangenheit träumt der 35-jährige. Er sieht sich selbst als einen Alchimisten. Er meint, dass jeder Werkstoff mehr ist als sein fassbarer, sein sichtbarer Stoff. Das Kupfer etwa, das neben dem Boot liegt und später in die Spanten eingearbeitet wird. Es steht bei Schwitalla für das Verbindende einer Gemeinschaft. Und ist so ein Boot nicht eine Gemeinschaft von Spanten und Masten, von Ruderblatt und Bugspriet und der Fertigkeit seines Skippers? Oder das Blei.

Im Kiel eingelegt stabilisiert es den Rumpf, es gibt ihm und den Dingen an sich eine erhaltende Struktur. Der scharfe Stahl dagegen schneidet alles Unnötige weg. Unnötig ist für Schwitalla, was nicht mit Booten oder Segeln zu tun hat. Die „Schwalbe“ erzählt von seinen Ansprüchen, der klapprige Pritschenwagen, das fehlende Leitungswasser in der Werft, das überflüssige Bauholz, das er statt teurer Kohlen an „Bruno“ verfüttert. Mehr Ruhe beim Arbeiten, ein paar weniger Rechnungen im Briefkasten, das wäre Luxus für Schwitalla. Und der Haikutter, sein Traumschiff. Er wird bald einen

1:1-Riss zeichnen, einen so genannten Schnürboden. Anhand dieser Schablone wird er die Teile bauen für den Haikutter. Jahr für Jahr eine neue Spante, eine weitere Schmiege, eine nächste Planke. Die Teile wird er in die Ecke stellen und mit Wurzelteer konservieren. Eines Tages wird er das Puzzle zum 18-Meter-Schiff zusammensetzen, vielleicht in 30 Jahren. „Und dann die Segel setzen und ab nach Ithaka, wie Odysseus“, sagt Philipp Schwitalla. Chartertörns möchte er anbieten und sich und das Schiff damit über Wasser halten. Vorerst, wie gesagt, will er sich auf Rügen festsetzen. Wurzeln schlagen, im wahrsten Sinne: Im Park des Gutshauses gegenüber der Werft steht der Torso eines Nussbaumes, ihn hatte ein Blitz gefällt. Am 4. August 2008, Schwitallas Geburtstag, pflanzte er neben dem alten Baum einen Nussbaum-Schößling. Philipp Schwitalla sieht das als gutes Zeichen. [MB]

Stillleben Während der Arbeit hört Phillip Schwitalla alte Platten, quer durch alle Stilrichtungen. In einer Ecke bullert Holzofen „Bruno“ vor sich hin

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Insel Rügen. Maritime Abenteuer ´14  

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